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Content:
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Nº2 2 OKT 2013 IM G ESPRÄ CH: HANNES WADER ÜBER SCHEISS KOHLE, SEXUELLEN WETTBEWERB UND SEINE FREUNDSCHAFT ZU REINHARD MEY UND KONSTANTIN WECKER KUN ST REG IO N : DAS ZKM KARLSRUHE ZEIGT DEUTSCHE KUNST, DIE AUF WELTREISE WAR MED I EN STAD IONANS ICHT EN: HOFFENHEIMER FOTOGRAFIEN VON REINER PFISTERER

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N º4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 O KT 2 011 DEZ 2011 / JAN 2012 Nº5 FEB 2012 N º1 SEP 2 0 11 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR tei l t, e i l t , N º3 NOV 2011 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. weilt, B I L D U N G ENERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E I T A RM U T REBELLION Nº1 Nº 6 MRZ 2012 Nº2 Nº 7 APR 2012 Nº3 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. Nº4 Nº 9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº5 Nº1 0 AUG 2012 Nº8 MAI 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD ä nd e uslä KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER Nº6 Nº11 SEP 2012 Nº7 Nº 1 2 OKT 2012 Nº8 Nº13 NOV 2012 Nº9 N º1 4 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº10 Nº15 FEB 2013 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S „ F O R E V E R YO U N G “ A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT WIRTSCH A FT PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB ESS EN & T R INKEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SC H A F F E , SC H A F F E H Ä U S L E BAU E ! JUG E N D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 Nº16 MÄRZ 2013 Nº12 N º1 7 APRIL 2013 Nº13 Nº18 MAI 2013 Nº14 N º1 9 JUNI / JULI 2013 Nº15 Nº20 AUG 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZWEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN I M GE SPR ÄCH: STEFAN KUNTZ ÜBER DAS DFB-POKALSPIEL DES 1. FC KAISERSLAUTERN GEGEN NECKARSULM KU N ST R E GI ON : STREET ART AUS BERLIN UND SHAOLIN MÖNCHE H A N DA R B EI T AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK WO H L F Ü H L E N HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK 9. MAI HANIX PRÄSENTIIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. AUTO Nº19 N E C K A R N E CK AR : MIT TEXTEN VON MARK TWAIN UND HANS CHRISTIAN ANDERSEN Nº16 Nº17 Nº18 Nº20 Nº21

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E D I TO R I A L »Ich würde es mir dringend wünschen, daß es unter denen, die die Medien machen, eine Art Verschwörung gäbe, menschlich ermutigend zu sein.« (Richard von Weizsäcker) Liebe Leserinnen, liebe Leser, mit Einzug des Internets und der smarten Endgeräte wie Tablet-PCs und Telefone befindet sich nicht nur die Medienlandschaft, sondern auch das Mediennutzungsverhalten in einem elementaren Transformationsprozess. Der Medienkonsum hat sich individualisiert, Mediennutzer wollen selbst bestimmen, was sie wann und wo auf welchem Endgerät lesen, hören oder sehen. Dies fordert traditionelle Medienunternehmer, wie beispielsweise Zeitungs- und Buchverleger, dazu heraus, umzudenken, neue Medienprodukte zu entwickeln sowie ein funktionierendes »paid content«-Verfahren zu etablieren – und natürlich, die Mediennutzer für das Bezahlen für Inhalte zu sensibilisieren. Um über diese medialen Entwicklungen zu sprechen, trafen wir Tilmann Distelbarth, den Verleger und Inhaber der Heilbronner Stimme in seinem Büro. Reporterin Maria Sanders traf Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann (u. a. »Ich liebe dich – aber nicht heute«) im Heilbronner Theater während der Reihe »Autoren im Gespräch«. Dabei empfand Sanders die Schriftstellerin als mondän und sehr sympathisch und erfuhr, dass Gaby Hauptmann eigentlich keine Bücher veröffentlichen wollte. Trotzdem hat sie 30 Bücher geschrieben. Außerdem sprachen wir mit Medientrainerin Tanja Keitel über die Fallgruben des Mediengeschäfts, wir trafen Daniel Glaser im Wertwiesenpark, um ihn über sein Netlabel CRUX auszufragen. Des weiteren schreibt sich Ken Jebsen von KenFM seinen Frust über »embeddede« Medien vom Leib und wir haben einen exklusiven Auszug des am 8. Oktober erscheinenden Buches »Like mich am Arsch« in dieser HANIX-Medien-Ausgabe. Ein weiteres Highlight ist unser Interview des Monats mit Liedermacher und ECHOGewinner Hannes Wader. Der 71-jährige Musiker erzählte uns, dass er früher mit dem Musizieren angefangen hat, um leichter an Mädchen ranzukommen. Auch heute wirkt er noch auf Frauen, verriet Wader uns. Der Unterschied zu früher: Wader befindet sich gegenwärtig nicht mehr im sexuellen Wettbewerb – willentlich! Ende Oktober führt das Württembergische Kammerorchester aus Heilbronn ein Crossover-Projekt ur auf. Wir sprachen mit dem WKO-Intendanten, Christoph Becher, über die »Bernhard-Suite«, die eine Symbiose aus Klassik und Minimal ist. Fotograf Reiner Pfisterer wurde einst von der TSG Hoffenheim beauftragt, sich an eine fotografische Baustellendokumentation zu machen. Daraus geworden ist eine Langzeitreportage über das Innenleben einer Fußballarena. Zwar richtet Pfisterer sein Objektiv gelegentlich auch auf das Geschehen auf dem Rasen, doch mindestens genau so wichtig sind ihm die Randerscheinungen eines Fußballspiels mit all den Menschen, die der schönsten Nebensache der Welt erst das Leben und Emotionen einhauchen. Zapp, zapp. Euer HANIX-Team! Er hat einen ECHO für sein Lebenswerk erhalten: Hannes Wader, Liedermacher und kritischer Geist spricht im HANIXInterview des Monats über seinen Lebens- und Karriereweg. Embedded Media: Ken Jebsen von KenFM echauffiert sich über die gleichgeschalteten Massenmedien und wirft ihnen vor »embedded« zu sein und nicht mehr als 4. Staatsgewalt zu fungieren sondern vielmehr Handlanger der Machteliten zu sein.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS N º2 2 OKT 2013 H: IM G ES PR Ä C EI SS ER Ü BE R SC H H A N N ES WA D EW ER B EL LE N W ET TB KO H LE , SE X U ZU EU N D SC H A FT U N D SE IN E FR N STA N TI N U N D KO RE IN H A RD M EY W EC KE R N: KU N ST RE G IO A RL SRU H E DA S ZK M K H E KU N ST, ZE IGT D EU TS C EI SE WA R D IE AU F W ELTR MEDIEN H O FF EN C H TE N : STA D IO N A N SI IS TE RE R VO N RE IN ER PF FOTO G RA FI EN H EI M ER

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: SHOP -> MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº22 18 M A RIA SAND ER S MEINE PLATTENKISTE 22 WE G D AM I T HEIMATLIEBE 40 K L A S S I K T RIFFT M I N I MA L MUSIKKOFFER Unsere HANIX-Reporterin und Allzweckwaffe hat eine bunte, persönliche Top Five zusammengestellt. Wir zeigen wie immer fotografische Das Württembergische KammerorLiebesgrüße an und aus unserer Hei- chester wartet mit einer Uraufführung matregion. Diesmal mit Baggern, auf. Wir sprachen mit dem WKO-Ineinem Luftballon und Top-Angeboten. tendanten über das Crossover-Projekt. WE LTR E I SE KUNSTREGION 56 I M G E S P R ÄC H : HA NN E S WA D E R INTERVIEW DES MONATS 108 S TA D I ON A N S I C H TE N SPIEGELREFLEX Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) präsentiert die Ausstellung »Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs« im ZKM Karlsruhe. Rund 400 Kunstwerke werden mit neuem Blick auf die deutsche Kunstgeschichte vorgestellt. Hannes Waders Platten standen in Fotograf Reiner Pfisterer wurde einst den 70er Jahren in jedem aufgeklärvon der TSG Hoffenheim beauften Haushalt. Wir sprachen mit dem tragt, sich an eine fotografische BauECHO-Gewinner, der im Oktober stellendokumentation über die neue Arena zu machen. Daraus geworden auch in Heilbronn auftreten wird. ist eine Langzeitreportage über das Innenleben einer Fußballarena. 

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64 MEDIEN TITELTHEMA C LOW N S , O K TO B E R F E S T & KABARETT STADTLEBEN / LANDLEBEN 12, 14 & 16 »Vor allen Dingen soll man nie vergessen, daß die Gesellschaft lieber unterhalten, als unterrichtet sein will.« * Adolph von Knigge (* 16. Oktober 1752 † 6. Mai 1796), deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schrift »Über den Umgang mit Menschen«. Sein Name steht heute stellvertretend, aber irrtümlich für Benimmratgeber. Z A P PI N G METIN DE TERK ZUM HIRSCH WERDEN VATERKOLUMNE SCHLEMMERLÄDLE MITTAGSTISCHTEST G EW I N N M A L W I E D E R ! QUIZ H E I L B RO N N , 2 0 0 7 VIA ARCHIV LESERBRIEFE & IMPRESSUM 12 6 MARC EN AY BRIEF AN DIE HEIMAT AUS FRANKREICH ÜBER UNS T H E AT E R HISTORISCHER SCHUSS Maike Endresz war mit ihren Kindern und ihrem Freund in der französischen Einöde im Burgund. Auf ihrem Campingplatz trafen sie aber Gildo Horn. Ein Reisebericht. V E R A N S TA LT U N G E N O K TO B E R VERANSTALTUNGSKALENDER

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DAS HANIX TEAM W ER UND W I ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . i n Ber l i n , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION & SOCIAL MEDIA Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

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STEVEN ZULEGER VIDEO MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE RAFAELA JECKLE REDAKTION MEHMET FILIZ FOTO So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION LISA HOFMANN GRAFIK Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT JOSHUA ENDRESZ KOLUMNIST LEO VOLLAND ILLUSTRATION Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Ich schreibe für's HANIX weil ich jedem meine Meinung sagen will. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION PHILIPP SEITZ SOUND ULLA KÜHNLE FOTO Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. KRIS RAMPMAIER VIDEO MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO HARALD RIEGG REDAKTION Videos zu machen ist keine Zauberei, sondern meine Leidenschaft. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: OKTOBER 2013 FREIRAUM CLOWNS B E Z I E H E N A P PA R AT 3 4 Am 2. Oktober öffnen Martina Spröhnle und Tanja Landes vom Kreativunternehmen FreiRaum die Türen zu ihren neuen Räumlichkeiten im Kunst- und Kulturwerk Apparat34 in Heilbronn. Hier präsentieren die beiden ihren Gästen ihr Unternehmenskonzept und schmücken dieses mit leckeren Snacks und einigen künstlerischen Darbietungen aus. Denn genau das ist ihre Aufgabe: Unternehmertum mit Clownerie und Improvisationstheater verbinden. Zuerst hört sich diese Kombination recht seltsam an, doch wer sich genauer damit beschäftigt, erkennt schon bald den Sinn hierbei. In den meisten Unternehmen sind immer wieder Teamwork und somit gute Zusammenarbeit gefragt, doch dabei treten oft schon die ersten Probleme auf. Die Mitarbeiter können sich und ihre Fähigkeiten nicht richtig einschätzen und beurteilen, so kann es passieren, dass einzelne Aufgaben falsch verteilt werden. Um eine Teamaufgabe erfolgreich zu meistern, ist aber das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten erforderlich, bei dem man sich gegenseitig akzeptieren und auch anerkennen muss. Martina Spröhnle und Tanja Landes arbeiten mit solchen Gruppen, um ihre Produktivität zu fördern. Durch die Clownerie lernen die Beteiligten Situationen überheblich dar12 zustellen und sensibilisieren sich und die anderen somit mögliche Probleme früher zu erkennen und zu beseitigen. Man lernt in andere Rollen zu schlüpfen, sich ihnen anzupassen und lernt auch so die Gedankengänge anderer leichter zu verstehen. Dadurch werden eigene Grenzen überwunden und man ist viel offener zu neuen Aufgaben, aber auch dem alltäglichen Leben. Durch das Improvisationstheater wird die Kreativität gefördert, da man sich spontan neuen Situationen anpassen muss und sich durch irgendwelche Hindernisse nicht aufhalten lassen darf. Hierbei lernen alle Mitarbeiter sich aufeinander abzustimmen und jedem die Position zu überlassen, in der er sich wohlfühlt. Gleichzeitig wird man auch mit ungewohnten oder ungemütlichen Situationen konfrontiert, in denen die Gruppe trotzdem rücksichtsvoll und zielstrebig handeln muss. Während dieser Arbeitsphase soll zwischen Martina Spröhne, Tanja Landes und allen Beteiligten eine angenehme und ungezwungene Atmosphäre herrschen, damit niemand sich unwohl fühlen muss und man sich traut aus sich herauszukommen, um Neues zu lernen. Auf jede Gruppe wird außerdem ein individuelles Programm entwickelt, um die optimalen Arbeitsfortschritte zu erzielen.

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STADTLEBEN II: OKTOBER 2013 O´ZAPFT IS! Das Oktoberfest der Handballer des TSB Horkheim steht vor der Tür und mausert sich langsam zu einer konstanten Größe im Festkalender der Region. Was 2011 aus einer Bierlaune entstanden ist, startet nun im dritten Folgejahr in der Stauwehrhalle in Horkheim. Das Organisationsteam besteht zwischenzeitlich aus sieben Personen, die sich ehrenamtlich dem Handballsport und vereinsübergreifenden Aufgaben widmen. In diesem Jahr steht nun ein neues Projekt im Fokus, das Firmenoktoberfest das zusätzlich am Freitag den 18. Oktober in der Stauwehrhalle Premiere feiert. Zu diesem Anlass hat sich das Organisationsteam entschieden einen Teilerlös aus den verkauften Eintrittskarten der Stiftung »Große Hilfe für kleine Helden« zu spenden. Dass nun auch aus dieser Idee Wirklichkeit wird, benötigt natürlich zusätzliche Kraftanstrengungen aus den Reihen der Handballabteilung. Denn aus der zweitägigen Festivität ist inzwischen ein ausgewachsenes dreitägiges Bayernfest geworden.

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Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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L ANDLEBEN: OKTOBER 2013 EIN WOPP IM SCHAFSPELZ zerbricht er sein anfängliches Sunnyboy-Image mit jedem Satz in immer kleinere Scherben, um sich anschließend auf den Trümmern neu wieder aufzubauen: Als zuweilen scharfzüngigen, zuweilen arroganten Beobachter. In seinen Nummern stellt er sich, wenn es die Pointe erfordert, über sein Publikum, um von oben die eine oder andere Gemeinheit hinunterzuschleudern. Wer hier im Publikum sitzt, fühlt sich herausgefordert und bekommt das Bedürfnis, ihm das richtige Leben einmal zu zeigen oder ihm zumindest zuzurufen: »Du wirst schon noch sehen, Bürschchen!«. Doch dann schießt er, gänzlich unerwartet, gegen sich selbst. Dank dieser Mischung aus Frechheit und Selbstironie lacht sein Publikum bereitwillig mit, selbst dann, wenn es einen Spiegel vorgehalten bekommt. Man läSSt Sich von ihM an Grenzen MitnehMen, weil er dieSe über neue weGe erreicht Timo Wopp nennt das Kind beim Namen, wie hässlich es auch sein mag. Für einen guten Gag sucht er schon mal Grenzen auf. Dass seine Zuschauer ihm dorthin gerne folgen, liegt vor allem daran, dass sie gedanklich nicht über plattgetrampelte, altbekannte Comedy-Pfade geschleppt werden. Wopps Witz liegt darin, dass man überrascht ist über soviel Ehrlichkeit. Oder Unverschämtheit – wie man will. Sein Witz liegt außerdem in der intelligenten Schärfe und in Blickwinkeln, die das Publikum herausfordern. Wenn er wollte, könnte Timo Wopp als Moderator und Comedian einfach sympathisch sein. Er könnte auf jedes Podium treten und sich direkt in die Herzen seiner Zuschauer spielen. Denn optisch bringt er erst einmal alles mit, was Schwiegermütter angeblich so mögen. Er hat eine sonnige Ausstrahlung und ein freundliches Wesen. Etwas beinahe Vertrauenswürdiges umgibt ihn, wenn er auf der Bühne steht. Aber das dauert nur so lange bis er den Mund aufmacht. Mit jedeM Satz zerbricht er ein Stück deS erSten eindruckS die Show Angeblich gibt es ja keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Doch Wopp schafft sich einfach eine. Dann »Passion« ist das erste Solo-Programm von Timo Wopp und steht ganz im Zeichen der Lebenshilfe. Lebenshilfe für sein Publikum. Denn Wopp selbst ist perfekt. Aber zum Glück ist er auch so großzügig, die Geheimnisse seiner Vollkommenheit mit seinen Zuschauern zu teilen. Ein moderner Jesus - mit dem kleinen Unterschied, dass ihm nichts heilig ist – vor allem nicht er selbst. Kein Thema ist ihm zu groß, ob Politik, Wirtschaft, Erziehung oder Religion, Timo Wopp ist Experte für alles, coacht sich 2 Stunden um Kopf und Kragen und illustriert dabei scharfsinnig und komisch, dass der Puls der Zeit oft am Rande des Wahnsinns liegt.

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MEINE PL ATTENKISTE: MARIA SANDERS PROTOKOLL: ROBERT MUCHA FOTO: ULLA KUEHNLE / FREIRAUM PHOTOS V O N S O U L B E KO M M T SIE NIE GENUG Se i t zwe i Ja hren a r b eit et Maria Sand e rs für d as H A N IX-Mag azin in Hei lbron n . Di e g el er n t e Jo u r n a l i s tin und Mo d e rato rin k ann s ich k e ine n besseren Job vor stel l en . Si e l i eb t es , L and und Le ute zu e rk und e n und d ar über i hre Ge sc h i c h t e n z u s c h rei b en . Wi r h abe n m it d e r be g e is te r te n Läufe rin ü ber i hre fü n f Li e b l i n g s a l b en g es p ro c hen und d abe i e r fah re n, war um ih r B j ö rks Album s o w i c h t i g i s t , wie s i e m i t Areth a Frank lin ih re Stim m e fand und wa s si e und Jo s s St o ne g e m e ins am h abe n.

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MEINE PL ATTENKISTE: MARIA SANDERS Ich steh‘ auf Soul. Diese Musik ist wie ein Elixier für mich. Und weil ich das wusste, dachte ich mir: Meine Top Five hab‘ ich schnell zusammen. Selbstsicher spazierte ich zu meinem uralten Billyregal. Knapp 135 Alben finden dort Platz. Und dann – bang. Ich hab’s nicht glauben wollen. Da stand ich erst mal eine Weile davor, bis ich peu à peu ein paar Titel herausfischte. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen würde, meine fünf Lieblingsalben zu wählen. Doch dem war so und ich merke schnell, dass mich Musik auf verschiedene Weise begeistert. Beim Autofahren höre ich gerne Maná, beim Abtanzen oder Selbersingen lieber Joss Stone. Entscheiden konnte ich mich dann irgendwann doch noch. Mit ihr fing alles an: Aretha Franklin. Als ich 15 Jahre alt war, hörte ich sie ständig. Sie ist so stimmgewaltig und vielseitig. Die Platte »Spirit in dark« inspirierte mich und spiegelte mein Lebensgefühl wieder. Manchmal glaube ich, mein Geist stammt eigentlich aus den 60er Jahren und mein Körper kam dann später noch irgendwie nach. Ich erinnere mich gut. Zu der Zeit habe ich selber Texte geschrieben und bewarb mich als Sängerin bei einer Band. Sie spielten viel Blues, Funk und Soul. »Chain of fools« von Aretha Franklin oder »Son of a preacher man« von Dusty Springfield waren einige der Songs. Ich fühlte mich gleich Zuhause. »Homegenic« war ein Geschenk. Björks Album ist mir wichtig. Damit verbinde ich eine ganz besondere Freundschaft. Menschen treten in dein Leben und einige von ihnen gehen wieder. Doch manche bleiben ein Leben lang. Meine Freundin und ich kennen uns seit mehr als 15 Jahren. Und das Besondere ist dieses starke Band. Wir können uns Monate nicht gesehen haben. Doch wenn wir zusammen sind, ist es wie immer. Die zwei Soulsistas vereint, als hätte sich überhaupt nichts verändert. Keine Ahnung wie oft ich das »Best of« Album von Janis Joplin gehört habe. Anscheinend oft genug, um einige ihrer Songs auswendig zu können. Sie ist für mich eine ganz bemerkenswerte Künstlerin. Gesegnet mit Talent, getrieben von der Freude am Singen und zugleich gequält von endlosen Selbstzweifeln. Ich glaube, dass ist echt so ein Künstlerding, dass man nie ganz zufrieden mit sich ist und immer an sich oder seinem Werk arbeitet. Am meisten musste ich über einen ihrer Songs nachdenken »Me and Bobby McGee«. Freiheit sei eh nur ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren. Und jedes Mal frage ich mich, wie frei sind wir denn nun wirklich? »Introducing Joss Stone« ist für mich eines der Alben schlechthin. Wenn ich Joss Stone höre, fühle ich mich tatsächlich frei. Sie ist eine brillante Künstlerin und treibt mich an. Ihre Songs sind auch auf meinem Smartphone und wenn ich laufe, höre ich sie. Wir sind praktisch zusammen meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Ein krasses Gefühl, das mir an dem Tag durch die Adern schoss. Deutsch ist eine wunderbare Sprache. Schwierig, aber schön und ich höre sie unglaublich gern. Doch ich weiß auch andere Sprachen sehr zu schätzen. Sie öffnen dir einfach den Blick für andere Sichtweisen. Das Album »Amar es combatir« von Maná habe ich mir nach meiner ersten Ausbildung gekauft. Es hat mir einfach gefallen. Der Rhythmus, die Leichtigkeit und das melodische Spanisch. Das ließ mich nicht mehr los.

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METIN, DE TERK Met i n is t Ho f f en hei me r und film t s ich ge rne s e lbs t. Übe rall! Un d d a b ei b a b b el t er, wie ih m s e in bad is ch -anato lis ch e r Sch n a bel ge wach s e n is t. Diesmal: V ie l A r be it JA, VIEL ARBEIT STEHT VOR UNS UM EUCH ETWAS BESONDERES ZU ZEIGEN.... ALSO LEHNT EUCH NOCH ZURÜCK...ATMET KRäFTIG DURCH....MACHT EUCH BEREIT... UND ZAPPT EUCH MIT METIN DURCH DIE WUNDERBARE WELT DER BEWEGTEN BILDER. WIE GESAGT...VIEL ARBEIT...ENTSPANNT EUCH BIS ZUR NäCHSTEN AUSGABE.

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DAS LABEL AGENTENMUSIK UND DER TECHNO BLOG ICH TANZE ZU KRANKEN GERÄUSCHEN BIST EIN PRODUCER IN DER TECHNO/MINIMAL/TECHHOUSE-SZENE SPRUNG IN DIE ÖFFENTLICHKEIT WAGEN? ˃ UNTER: WWW.AGENTENMUSIK.DE UND MÖCHTEST ANMELDUNG ˃ VOM 01. BIS 18. OKTOBER HABT IHR ZEIT UNS EURE DEMOS ZUZUSENDEN ˃ VOM 18. BIS 25. OKTOBER WERDEN DIE TRACKS VORGESTELLT, DIE EINE RUNDE WEITER SIND ˃ VOM 25.OKTOBER BIS 1.NOVEMBER WERDEN AUS DEN VORGESTELLTEN TRACKS IN EINEM ANONYMEN VERFAHREN IM ÖFFENTLICHEN VOTING DIE GEWINNER DER 3. UND DAMIT FINALEN RUNDE BESTIMMT ˃ VOM 01. BIS 08. NOVEMBER WIRD DER ERSTE BIS DRITTE PLATZ DURCH UNSERE JURY VERGEBEN EINEN PLATTENVERTRAG BEI AGENTENMUSIK MIT FULL SUPPORT EIN AKAI APC 20 BUNDLE GESPONSORT VON STORM H2O+COFFEIN EIN PROMOPAKET MIT SHIRTS VON DIONYC UND CD´S Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Diese Aktion steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsort, unterstützt oder organisiert. Veranstalter des Gewinnspiels sind T. Braun www.agentenmusik.de und M. Colombini www.ich-tanze-zu-kranken-geraeuschen.de

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FotograFischeLiebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN MeLi DiKta & robert MUcha

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Weg damit: Wie ein hungriger riesen Drache aus Stahl mutet der Abrissbagger an, der sich gerade am alten C&A-Gebäude in der Oberen Neckarstraße zu schaffen macht und eine Etage nach der anderen wegfrisst.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Mini-Sitzgruppe: Der Flohmarkt auf der Theresienwiese bietet für Groß und Klein Vintagefundstücke an. Wie diese Miniatursitzgruppe samt einer Regatta im TV.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Camouflage-Häuschen: Farblich perfekt abgestimmt bettet sich das Trafohäuschen im Heilbronner Osten in die Baumreihe ein. Durch das Graffiti ist die ganze Tarnung aber hin.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Nacktschnecke: Endlich Regenwetter, wird sich diese Nacktschnecke gedacht haben. Kaum wird es feucht sind die glibbrigen Kreaturen unterwegs und okkupieren sogar Parkbänke, wie dieses Exemplar.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Schnell mal ´ne Wurst: Auf dem Flohmarkt muss niemand Verhungern. Schon von weitem ist das knallrote Imbiss-Schild zu erkennen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Top-»Angbot«: Schillernde Unterbuxen bekommt man auf dem Heilbronner Flohmarkt als Top-Angebot feilgeboten. Wir kaufen uns aber erstmal ein »e«.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Einsamer Ballon: Wie wohl die Geschichte dieses einsam auf dem Neckar vor sich hertreibenden Ballons ist? Ob er von einer Hochzeit geflohen ist?

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Himmelskreuz: Ganz im Süden der Kernstadt Heilbronns liegt die Emmausgemeinde mit ihrer Kreuzkirche. Die Kreuzkirche steht direkt oberhalb vom Wertwiesenpark. Im Gebäudekomplex sind das Gemeindezentrum und der Hohrain-Kindergarten untergebracht.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Morgentau: Morgens aus dem Bett fallen und erstmal in den Park. Durchs Gras. Barfuß. Durch den Morgentau. Herrlich erfrischend.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Farbstreifen: Flohmarktprofis schützen sich und ihren Stand mit einer Markise vor Wind und Wetter. Gerne auch farbenfroh.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Zwetschgenknödel: Überall in der Region fallen Zwetschgen von den Bäumen oder werden abgeerntet. Das Obst will danach auch verarbeitet werden. In vielen Schrebergärten beginnt nun die Zwetschgenknödel-Zeit.

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Z U M H I r Sc H wErDEN Vate r we rde n i st n i c ht s Neu es . Un se re m Vate rk o lum nis te n Nico lai Kö ppel f alle n trotzde m Di n g e a u f, d ie ih n g laube n las s e n, e r s tünd e im Wald . Abe r er i st we n ig s t en s n i c ht a l l ein ... Von dem wunderbaren Klavierkabarettisten Sebastian Krämer gibt es ein Lied darüber, wie ihn sein Sohn zum ersten Mal angelogen hat. Eine neue Welt eröffnet sich, unzählige Parallelwelten sogar, wenn das eigene Kind beginnt, seine Umgebung nach Schlupflöchern mittels gezielt gestreuter Falschinformation abzusuchen beginnt. Tragisch, wenn die Unschuld der Ehrlichkeit vergeht. Ein Vater, der nicht jeden Tag was Neues an seinem Sohn entdeckt, ist nicht oft genug zuhause (und wenn ihr selbst kleine Kinder habt, die jetzt in diesem Moment noch wach sind, hört hier auf zu lesen und kommt wieder, wenn sie schlafen). Auch wenn nicht alle Neuigkeiten putzig sind. Die meisten nehmen langsam aber sicher komplexe Formen an. So auch heute. Ein Spaziergang durch den Wald steht auf dem Programm. Ich bin mit Bedacht vorgegangen: Denn morgen kann ich das nicht nochmal machen, sonst heißt es »Nein, da waren wir doch schon!« – und ich muss mir eine wirklich gute Erklärung überlegen, warum unser Hund schon wieder raus muss und wohin. Was nicht geht, geht eben nicht – nach diesem trotzigen Prinzip regiert der Juniorchef immer öfter und kennt da kein Pardon. Verwandte übrigens auch nicht. Er hat das auch nicht von uns gelernt, hoffe ich – es ist ein Bestandteil des Experiments, das er mit der Welt am Laufen hat. Apropos: Waldspaziergang also. Man sticht in die Natur vor und legt ein gutes Stück Weg zurück. Da geschieht es: Müdigkeit überkommt das Kind. Papas Schultern werden angeboten und als Sitzgelegenheit angenommen. Glück gehabt, denn auch hier muss man taktieren: Wenn ich gleich »auf den Arm« anbiete, kann ich bei einem zunehmend müder werdenden Kind das Schultersitzen nicht mehr als Upgrade ver-

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DIE VATERKOLUMNE: TEIL 6 kaufen, und ein schlafender Kindersack von elf Kilo (Tendenz steigend) im Arm ist mir für die ganze Strecke zu schwer. Wir sind gerade am Scheitelpunkt der Waldrunde, zweieinhalb Kilometer Rückweg sind lang. Der Hund ist auch noch nicht geleert. Nun aber rettet mich die Gegend: Auf einer Lichtung tauchen zwei Rehe auf, die ich als unerwartetes Faszinosum einsetze. Das klappt. Bei mir auch. Alles bleibt stehen und beguckt sich aus sicherer Entfernung: staunend, vorsichtig, andächtig. Dann laufen sie weg und ich muss die Nachwuchslagerung downgraden: Er will auf den Arm. Knapp zwei Kilometer noch. Der Hund kackt. Jetzt kann ich von den Rehen erzählen. Das hält ihn wach. Ob ich schlafen könnte? Ein Vater, der nicht jederzeit schlafen könnte, ist ein Potenzialverschwender und muss noch vorsichtiger beäugt werden als ein Reh: Aufgedrehtheit ist nämlich ansteckend. Was erzähle ich von den Rehen? Dass es Vater und Sohn waren, natürlich, wie wir (obwohl es natürlich Mutter und Kind waren, aber ich will jetzt nicht die stets ersehnte Mama ins Spiel bringen, denn bei aufkommender Müdigkeit ist das ein Eins-A-Quengelgrund, den ich vermeide, weil ich die Abwesenheit meiner Liebsten gerade selbst nicht ändern kann – wer tröstet eigentlich mich?), dass die Rehe wie wir spazieren waren, dass sie eher keinen Hund haben so wie wir ( jetzt reagiere ich schon auf halbwegs interessiertes Nachhaken, es funktioniert!), dass Vater und Sohn Reh vielleicht heute Nachmittag ein Picknick machen (Picknicks stehen gerade hoch im Kurs, wer ein Picknick macht, ist unser Freund), dass Mama Reh nicht bei der Arbeit ist, sondern wohl gerade die Picknickdecke … was weiß ich denn? Bügelt. Und während mir die Luft ausgeht, wird der schläfrige Sohnemann immer schwerer. Zufall? Entscheiden sie selbst. Es ist vielleicht eitel, egoistisch oder einfach nur überambitioniert: Ich will erreichen, dass er nicht hier, sondern erst im Auto auf dem Rückweg einschläft. Einerseits, weil ich ihn dann nicht tragen muss – oder nur zu Hause vom Autositz ins Bett – und andererseits, weil ich es einfach nicht will! Krieg ich das hin, mit liebevollen Mitteln, gern auch mit bespaßenden Winkelzügen? Das Experiment, das man mit der Welt am Laufen hat, hört ja nicht irgendwann auf. Also erinnere ich meinen Sohn an den letzten Waldspaziergang vorige Woche: Da ist uns nämlich ein Traktor entgegengekommen. Und falls sie es vergessen haben: Traktoren sind der Hammer, wenn man gerade mal zwei ist. Ein Bild reicht, um Entzückensstürme auszulösen. Man könnte von einer Traktormania, einer Traktorhysterie oder gar einer Traktoritis reden. Wenn es einen Zeitschriftenmarkt für Zweijährige gäbe, Publikationen wie Gala Traktor könnten ihre Werbekunden sauber blechen lassen. Es gibt ihn nicht. Aber drüber reden kann man ja. Der Traktor, den wir vergangenen Dienstag gesehen haben, hat im Wald geparkt und ist dann losgefahren. Und wir durften dabei sein! Es war ein erhabener Moment und Tischgespräch für mehrere Tage. Zubettgehgespräch auch. Es war sogar Zahnputzgespräch. Wie konnte ich das vergessen? Also berichte ich, was mir jetzt wieder einfällt. Und dass man Wachbleiben muss. Denn es könnte ja wieder passieren. Das will man doch nicht verpassen. Traktor! Motor an! Ekstase! Es klappt. Aber noch während ich den Sicherheitsgurt auf dem Parkplatz am Kindersitz festzurre, sackt der kleine Kopf seitlich weg. Ich fahre grinsend nach Hause. Eine von Hunderttausenden Möglichkeiten einer eventuellen Realität anzusprechen, hat mich zum Ziel geführt. Ich bin stolz auf mich wie an dem Tag, an dem ich den Kleinen zum ersten Mal »Warum?« gefragt und ihm eine sinnvolle Antwort zugetraut habe. Nach einem erholsamen Schlaf ist er voller Tatendrang. Wir hätten im Wald einen Traktor gesehn, wird mir berichtet. Ja, sage ich, letzte Woche. Nein, heute, heißt es vehement! Und einen Hirsch! Einen Hirsch? Ganz sicher. Und was noch?, frage ich. Einen Bären! Oha. Und was hat der Bär gemacht? Der war da. Naja, denke ich, reicht ja, so als Bär, das Einfach-MalDasein. Und wo ist der Bär hingegangen? Heimgefahren! Soso. Und was hat er für ein Auto gehabt? Wie aus der Pistole geschossen: ein Rotes! Wir haben ein Grünes, das kann’s also nicht sein. Er grinst mich an und legt noch einen drauf: Der Hirsch ist in den Bus gestiegen! Im Wald fahren gar keine Busse, werfe ich so liebevoll wie möglich ein. Der Blick meines Sohnes verrät mir, was ich schon ahnte: Der Hirsch muss nicht mit dem Bus in den Wald fahren, der wohnt da! Ob ich denn eigentlich gar nichts weiß oder was? Ich fasse zusammen: Die Rehe sind ein Hirsch (sogar einer mit erweiterten Fahrgastrechten), ein nichtexistenter Bär ist mit einem ebensolchen, dafür aber auch noch roten Auto davongebrummt. Alles klar?, fragt mein Sohn und sieht mich dabei neckisch an. Alles klar. Oder könnten diese Augen lügen?

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M IT TAGST I Sc H T E ST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: POBERT MUCHA We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die s mal w are n w ir i m B ö c k i n g er S ch le m m e rläd le im K re uzg r und . Ge te stet wurde n e be n de m Ge s c h m a c k a u c h d i e Ge s ch wind ig k e it, d ie Fre und lich k e it d e s Ser vi cePe rson al s, n at ü r l i c h d er Prei s u n d auch d ie ind ivid ue lle n Eig e nh e ite n der L oka lität. Im Te st ha b en wir u n s f ü r das um g e k e h r te Sch ulno te n-Sys te m e ntschi eden. Das b e de ute t, d a s s d ie 6 , 0 d ie Hö ch s tno te is t. Was wir ge g e s s e n h abe n, gi bt es h i er z u m Na c h l es en : w ww.face bo o k .co m / H A N IX.Magazin

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INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE / FREIRAUM PHOTOS; FOTOSTUDIO M42, KATJA ZERN & THOMAS FRANK » W I R W O L L E N E T WA S PRODUZIEREN, DASS BESSER IST ALS WIR SELBST« « A m 2 6 . Ok t o b er f ü h r t d a s Wür tte m be rg is ch e K am m e ro rch e s te r in Hei lbron n m i t » Th e Ber n ha rd - Su ite « e in Cro s s ove r-Pro j e k t vo n d e n britischen Kom p on i sten Ro g er O ’ Do n n ell, s e ine s ze ich e ns Ke ybo ard e r d e r britischen Pop b an d T h e Cu re, u n d Sin g er-So ng write r Ad am Do ne n auf. Wir s pra chen mi t de m W KO - In t en d a n t en , Ch ris to ph Be ch e r, übe r d ie » Be rnh ard -Sui te«, d i e El em en t e a u s Klas s ik und Minim al be inh alte t.

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MUSIKKOFFER: CHRISTOPH BECHER / WKO HANIX — Herr Becher, Sie sind geschäftsführender Intendant des Württembergischen Kammerorchesters. Um welche Aufgabengebiete kümmern Sie sich genau? privater Seite, besser als in den beiden Kulturmetropolen? CHRISTOPH BECHER — Eindeutig ja. Allein aus dem Grund, Zum einen kümmere ich mich um das operative Geschäft. Ich habe dafür zu sorgen, dass die Kasse stimmt und dass ich zusammen mit dem künstlerischen Leiter und dem gesamten Team eine künstlerische Vision entwickle. Wichtig ist, dass wir wissen was wir tun, warum wir es tun und dass wir wissen, wohin wir wollen. Gleichzeitig bin ich Personalchef und muss das Team leiten. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Ist es schwer, es hinzubekommen, dass die Kasse stimmt? sind in der glücklichen Situation, dass wir die volle Rückendeckung und Unterstützung der Stadt und des Landes genießen. Wir erwirtschaften unser Budget zu 50% selbst. Das ist im kulturellen Sektor eine herausragende Quote. Die anderen 50% bekommen wir hälftig von Stadt und Land. Dort fühle ich mich auch sehr wertgeschätzt und getragen. Es gibt gegenüber der Kultur im Allgemeinen und dem WKO im Besonderen eine hohe Wertschätzung. Dazu kommen noch Drittmittel, sprich Sponsorengelder, die ich einwerben muss. Und auch in diesem Bereich haben wir sehr großzügige und engagierte Partner. HANIX — Sie waren zuvor mehrere Jahre in Wien und in Hamburg, dort unter anderem an der Elbphilharmonie, tätig. Ist die Situation hier, bezogen auf die Unterstützung von Kultur von öffentlicher und CHRISTOPH BECHER — Wir dass in Wien und Hamburg ein sehr ausgiebiges Kulturangebot herrscht. Dort gibt es nicht ein oder zwei Orchester, sondern sechs oder sieben. Die Folge ist, dass dort ein Kulturkannibalismus herrscht. Die fallen übereinander her und sprechen sich gegenseitig das Existenzrecht ab. So etwas passiert hier in Heilbronn glücklicherweise nicht. Hier habe ich einen unglaublich treuen Abonnentenstamm von 1200 Leuten. Und wenn wir spielen, kann ein Länderspiel oder das Kanzlerduell im Fernsehen laufen: Die Leute kommen zu uns, weil wir ein fester kultureller Bestandteil ihres Lebens sind. HANIX — Sind Sie selbst auch Musiker oder zumindest musikalisch? Ich spiele gerne Klavier. Einmal habe ich sogar mit Blake Thomson, unserem Solobassisten, im Cave 61 gespielt. Aber eigentlich sollte ich mich mit dem Klavier in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken lassen. (lacht) CHRISTOPH BECHER— HANIX — Welcher Apparat steht hinter dem Orchester? Wir haben 22 Musiker auf 20 Positionen, dazu einen Chefdirigenten und drei Kollegen und Kolleginnen im Büro. Getragen werden wir von der jungen Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn. Stiftungsratvorsitzender ist mein sehr freundschaftlicher Partner, Ralf Peter Beitner, der seines Zeichens CHRISTOPH BECHER —

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MUSIKKOFFER: CHRISTOPH BECHER / WKO Vorstand der Heilbronner Sparkasse ist. HANIX — Wahrscheinlich sind nicht alle Musiker des Württembergischen Kammerorchesters gebürtige Schwaben oder gar Heilbronner. Stehen Sie vor? einer internationalen Truppe Eine große Zuwanderungsgeschichte zeichnet unsere aktuelle Besetzung aus. Wir haben Serben, Rumänen, Russen, Belgier, Japaner, Koreaner, Schweizer, Israelis, Deutsche und US-Amerikaner. Die Bratschengruppe ist eigenartigerweise ausschließlich mit deutschen Musikern besetzt. Der Dirigent ist ein Armenier. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Und fühlt sich ihre Multikultigruppe hier im Ländle wohl? CHRISTOPH BECHER — Soweit ich weiß, fühlen sich alle sehr wohl hier. Da es ein Fulltime-Job ist, dem die Musiker nachgehen, wohnen auch alle hier in der Nähe. HANIX — Beheimatet sind sie im Komplex der Heilbronner Harmonie. Sind Sie zufrieden mit den räumlichen Gegebenheiten? Die Bedingungen sind prima. Viele Kammerorchester beneiden uns um unseren tollen Proberaum. Ich hätte natürlich gerne noch etwas mehr Platz, um beispielsweise Arbeitsplätze für Praktikanten einzurichten. Aber da wird sich eine Lösung finden. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Wie kann man Mitglied ihres Orchesters werden? und wir verreisen auch oft für mehrere Wochen, beispielsweise nach Asien. Deshalb enden manche Vorspieltage auch ergebnislos. Das erste Vorspielen findet hinter dem Vorhang statt. Man weiß nicht, wer da spielt. Die Jury muss die erste Entscheidung rein künstlerisch treffen. Danach spielen die Musiker andere Stücke vor und können dabei auch von der Jury gesehen werden, da es nun auch um die Persönlichkeit der Musiker geht. In der dritten Runde müssen die Musiker Orchestersolostellen, die sie zugerufen bekommen, spielen. Wirklich ein knochenhartes Verfahren. HANIX — Das WKO ist weltweit unterwegs. Wie erklären Sie Japanern, wo Heilbronn sich befindet und wie beschreiben Sie Heilbronn? Wir schreiben Stellen aus, wenn welche vakant sind. Darauf bewirbt man sich, und wenn man zum Vorspielen eingeladen wird, muss man als Musiker ein dreistufiges Bewerbungsverfahren, das den ganzen Tag dauern kann, überstehen. Ein wahnsinnig kompliziertes Verfahren. Es gibt sicherlich nicht viele Berufe, bei denen es ähnlich komplexe Aufnahmeverfahren gibt. Hat man sich am Ende gegen viele andere gute Musiker durchgesetzt, ist man im ersten Jahr als Mitglied des WKO in der Probezeit. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Klären Sie uns auf, wie so ein Vorspieltag für Bewerber genau aussieht. Es ist so schwierig, weil neben der musikalischen Exzellenz, denn das WKO ist wirklich Weltklasse, auch die sogenannte Chemie stimmen muss. Schließlich sitzen die Musiker den ganzen Tag zusammen CHRISTOPH BECHER — Ich werde im Ausland eigentlich nie darauf angesprochen. Mein Freundes- und Bekanntenkreis in Hamburg weiß auch nicht genau, wo Heilbronn liegt. Ich sage dann immer, dass die Stadt zwischen Frankfurt und Stuttgart verortet ist. Es ist aber auch nicht wichtig, dass ein Japaner weiß, wo Heilbronn liegt. Ihm müssen wir vermitteln, dass er durch uns in den Genuss der Wiener Klassiker kommt. Und zwar so, wie wir glauben, dass es sein muss. Sinnlich, gegenwärtig, wach, intellektuell und emotional. Das ist es, was die Japaner wollen. Wir müssen ihnen diese Authentizität bieten und ihnen klar machen, dass wir genau diese Musik spielen, die sie hören wollen. CHRISTOPH BECHER— HANIX — Am 26. Oktober führt das WKO in Heilbronn »The Bernhard-Suite« von den britischen Komponisten Roger O’Donnell, seineszeichens Keyboarder der

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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MUSIKKOFFER: CHRISTOPH BECHER / WKO britischen Popband The Cure, und Singer-Songwriter Adam Donen auf. Ist diese Uraufführung etwas Besonderes für Sie und ihr Orchester? HANIX — Die beiden komponieren seit einigen Jahren Werke im Grenzbereich zwischen Pop, Minimal und Klassik. Ist die Bernhard-Suite das erste Crossover-Projekt des WKO? Solche Crossover-Projekte macht man nicht alle Tage, genauso ist es mit Uraufführungen. Dazu haben die beiden Komponisten keine akademische Ausbildung. Das birgt zwar ein Risiko, es bietet aber auch eine große Chance. Als das Projekt an mich herangetragen wurde und ich erfuhr, dass da zwei Popmusiker sind, die sich in Thomas Bernhard verliebt haben und dazu gerne etwas mit einem klassischen Streichorchester machen würden, war das für mich verrückt genug. Da muss das WKO zeigen, dass es verrückte Ideen umsetzen kann. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Und die beiden wollten, dass ihr Stück unbedingt vom WKO uraufgeführt werden müsse, oder war es eher umgekehrt? Wir haben immer wieder so etwas gemacht. Im letzten Jahr waren wir lange mit Giora Feidman, dem Klezmerklarinettisten auf Tour. Das war auch eine Art Crossover. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Im Mittelpunkt von »The Bernhard-Suite« steht der österreichische Dramatiker Thomas Bernhard, dessen schwarzes und zugleich hochmusikalisches Werk das deutschsprachige Theater nachhaltig geprägt hat. Ein klassisches Musikstück über einen Dramatiker und Literaten klingt erst mal nicht so spannend. CHRISTOPH BECHER — Thomas Bernhard hat, wie jeder gute Ich hatte sogar nachgefragt, warum wir ausgesucht wurden. Drei Orchester waren wohl in der engeren Auswahl und für Adam Donen waren wir wohl die Besten. CHRISTOPH BECHER — Autor, eine Seite, die erfassbar ist und die man inhaltlich aufnimmt. Sozusagen der Plot. Und da ist er sicherlich der schlechtest gelaunte Autor der Welt. Er schimpft in seinen Büchern, Romanen und Theaterstücken in einem fort,

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MUSIKKOFFER: CHRISTOPH BECHER / WKO meist über Österreich. Das ist sehr wahrnehmbar. Es gibt aber auch die zweite Ebene. Und meiner Meinung nach ist diese Zweite, rein sinnlich wahrnehmbare musikalische Ebene von Literatur, bei jedem guten Autor da. Und hier ist Thomas Bernhard natürlich einer der musikalischsten Autoren, die es überhaupt gibt. Seine Bücher und Stücke haben unglaublich Rhythmus. In seinen Werken verändert er sprachlich ganz subtil den Rhythmus, ähnlich, wie es bei der Minimalmusik ist. HANIX — Haben Roger O’Donnell und Adam Donen erklärt, wieso sie ausgerechnet ein Stück über Thomas Bernhard komponierten? Programm haben möchte. HANIX — Wie oft wird man in Heilbronn »The Bernhard-Siute« hören können? In Heilbronn wird es das Stück einmal zu hören geben. Wir haben auch ein Konzert in London ins Auge gefasst, hier habe ich nur noch keinen Vertrag vorliegen und auch mit anderen Veranstaltern bin ich im Gespräch. Ich gehe also davon aus, dass die Bernhard-Suite noch einige Male aufgeführt wird. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Wann wurde mit dem Proben und Üben der Bernhard-Suite begonnen und wie lange dauert es allgemein, bis ein neues Stück sitzt? Ich glaube, dass es die Musikalität des bernhardschen Schreibstils war, die O´Donnell und Donen fasziniert hat. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Bernhard provozierte vor allem in seiner österreichischen Heimat immer wieder heftige Kritik, viele seiner Aufführungen wurden von publikumswirksamen Skandalen überschattet, die Politik, Boulevardpresse und Kunstbetrieb gleichermaßen in Atem hielten. Wird das Stück auch skandalträchtig? CHRISTOPH BECHER — Nein, wir werden niemanden in der Die Musiker bereiten sich seit Anfang September vor, die Noten liegen vor. Die eigentlichen Proben dauern drei bis vier Tage. Die Musiker sind Vollprofis, das sitzt relativ schnell. CHRISTOPH BECHER — HANIX — Wir geben es zu, wir sind Klassik-Laien. Erklären Sie uns bitte was ein Dirigent da vorne eigentlich macht und was er machen muss, um ein guter Dirigent zu sein? Für unseren Blick fuchtelt jemand unkoordiniert mit seinem Taktstock herum. Tradition von Thomas Bernhard beschimpfen. (lacht) HANIX — Zum letzten Mal sorgte Bernhard nach seinem Tod im Februar 1989 mit seinem Testament für Aufregung, in dem er ein allgemeines Aufführungsund Publikationsverbot aller seiner Werke innerhalb der Grenzen Österreichs verfügt hatte. Wissen Sie, ob es die Bernhard-Suite auch in Österreich zu hören geben wird? Bisher leider nicht. Wir haben das aber ins Auge gefasst. Denn klar soll diese Produktion Abnehmer finden und verkauft werden. Wir werden einen großen PR-Aufmarsch machen und die Uraufführung auch filmen. Mit diesem Material werden wir dann auf andere Veranstalter zugehen und versuchen, die Bernhard-Suite auch an anderen Orten aufzuführen. Da in unserer Aufführung nur Musik zu hören sein wird und kein gesprochenes Wort, dürften wir keine Schwierigkeiten haben, auch in Österreich spielen zu dürfen. Und soweit ich weiß, ist Bernhards testamentarische Verfügung inzwischen etwas aufgeweicht worden. Da das Stück nur über eine Stunde geht, habe ich noch eine halbstündige Lesung als Ergänzung einbauen lassen, die vor dem Konzert laufen kann, falls ein Veranstalter ein abendfüllendes CHRISTOPH BECHER — Das frage ich aber auch manchmal. Das ist nicht leicht zu erkennen. Im Konzert sieht man nicht, ob jemand gut ist oder nicht. Klar geht es auch um Schlagtechnik und ob sich der Dirigent deutlich machen kann, um zu korrigieren. Aber ob ein Dirigent wirklich gut ist, sieht man nur in den Proben. Wie arbeitet er mit den Musikern? Schafft er es auf eine klare, bestimmte aber menschliche und den Musikern zugewandte Art das Orchester dazu zu bewegen, seine Interpretation der Musik zu spielen. Und schafft er es, mit dieser Interpretation sowohl über sich als auch über den Klangkörper hinauszuwachsen. Denn wirklich Gutes entsteht nur da, wo etwas besser wird, als wir selber es überhaupt denken können. Diesen Zustand von Kunst suchen wir. Dass wir etwas produzieren, das besser, klüger und stärker ist als wir selbst. CHRISTOPH BECHER —

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» W E LT R E I S E . K u n s t a u s D e u t s c h l a n D u n t e rw e g s « We rke a u s d em Ku n s t b es t and d e s ifa vo n 1949 bis h e ute Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) präsentiert ab Oktober 2013 im ZKM l Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe die Ausstellung »Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs«. Rund 400 Kunstwerke aus den Tourneeausstellungen des ifa, die während sechs Jahrzehnten die Kunst in Deutschland auf allen Kontinenten repräsentierten, werden mit neuem Blick auf die Kunstgeschichte vorgestellt. Bis 1990 zeigte das Institut für Auslandsbeziehungen Ausstellungen deutscher Kunst im Auftrag der damaligen Bundesrepublik. Nach dem Mauerfall wurde der Bestand des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR in das ifa überführt. In der Ausstellung am ZKM begegnen sich die parallelen Kunstentwicklungen von BRD und DDR, die abseits der Politik oftmals miteinander in Beziehung standen. Besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf die Entwicklung der heute selbstverständlichen, einflussreichen Rolle von Künstlerinnen und auf die Emanzipation der Fotografie als eigenständige Kunstgattung. Gerhard altenbourG, dieter appelt, willi bauMeiSter, thoMaS bayrle, Marc brandenburG, bernd und hilla becher, Sibylle berGeMann, joSeph beuyS, anna und bernhard bluMe, chriStian borchert, Manfred butzMann, carlfriedrich clauS, charGeSheiMer, hanne darboven, achiM duchow, hartwiG eberSbach, hanSpeter feldMann, arno fiScher, thoMaS florSchuetz, Günther förG, katharina fritSch, Günter fruhtrunk, elSe (twin) Gabriel, rupprecht GeiGer, andré Gelpke, iSa Genzken, jochen Gerz, walter GierS, herMann Glöckner, karl otto Götz, Gotthard Graubner, hap GrieShaber, aSta GrötinG, andreaS GurSky, GeorG herold, katharina hinSberG, hannah höch, MatthiaS hoch, candida höfer, Martin honert, rebecca horn, MaGdalena jetelová, dieter kieSSlinG, jürGen klauke, barbara kleMM, fritz kleMM, iMi knoebel, herlinde koelbl, wilMar koeniG, arthur køpcke, norbert kricke, Mark laMMert, walter libuda, MarkuS lüpertz, adolf luther, heinz Mack, ewald Mataré, wolfGanG Mattheuer, olaf Metzel, chriStiane MöbuS, Michael MorGner, reinhard Mucha, Marcel odenbach, naM june paik, helGa pariS, a. r. penck, wolfGanG petrick, otto piene, peter piller, herMann pitz, SiGMar polke, robert rehfeldt, Gerhard richter, klauS rinke, julian röder, ulrike roSenbach, dieter roth, thoMaS ruff, reiner ruthenbeck, karin Sander, jörG SaSSe, Michael SchMidt, bernhard Schultze, Gundula Schulze eldowy, eMil SchuMacher, thoMaS Schütte, wiebke SieM, katharina SieverdinG, klauS Staeck, otto Steinert, Strawalde, thoMaS Struth, frank thiel, fred thieler, wolfGanG tillManS, roSeMarie trockel, Günther uecker, Max uhliG, hanS uhlMann, jorinde voiGt, wolf voStell, franz erhard walther, corinne waSMuht, trak wendiSch, fritz winter, wolS, ulrich wüSt

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Andreas Gursky: »Genua«, 1991 Farbfotografie, 130 x 165,5 cm © Andreas Gursky, VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Rebecca Horn: »Großes Federrad«, 1997 Federn, Metallkonstruktion, Motor 90 x 90 x 23 cm Foto: Attilo Maranzano, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Sigmar Polke: »Ohne Titel«, o. J. Zeichnung, 21 x 15 cm Foto: Bernd Borchardt The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Sigmar Polke: »Ohne Titel«, 1987 Tinte, Farbtusch, Lack auf Papier 102 x 73 cm Foto: Friedrich Rosenstiel, J. Littkemann © The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Matthias Hoch: »Dresden-Neustadt I«, 1988 C-print, 50 x 60 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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KUNSTREGION: WELTREISE. KUNST AUS DEUTSCHL AND UNTERWEGS Sibylle Bergemann: »Das Denkmal«, 1975-1986 Schwarzweißfotografie, 40,5 x 58 cm Foto: Bernd Borchard © Nachlass Sibylle Bergemann / Ostkreuz

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IM GESPRäCH MIT HANNES WADER INTERVIEW: ROBERT MUCHA & VALERIE GRÜBELE FOTOS: PR Han n e s Wa d er s Pl a t t en s t and e n in d e n 70e r Jah re n in j e d e m aufgekl är t e n Ha u s ha l t i n d er B R D. Nach s e ine m Eintritt in d ie DK P b oy kott i e r t en d ie Med i en s ei n e Lie d e r. In d ie s e m Jah r h at d e r 71-j äh ri ge e i n e n ECH O f ü r s ein L eb ens we rk e rh alte n und is t ak tue ll auf To ur. A m 1 1 . Ok t o b er t r i t t Wa d er in He ilbro nn auf. Wir s prach e n vo rab mi t de m Li e d er m a c h er ü b er s ein Lam pe nfie be r, d e n s e xue lle n We ttbe werb un d se i n e Freu n d s c h a f t z u Ko ns tantin We ck e r und Re inh ard Me y.

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INTERVIEW DES MONATS: HANNES WADER » I C H W O L LT E D I E SCHEISSKOHLE NICHT« HANIX — Herr Wader, Sie haben in diesem Jahr den ECHO für ihr Lebenswerk verliehen bekommen. Angefangen hat es 1965 vor der Burg Waldeck im Hunsrück, wo ein kleines Open-air-Festival stattfand, auf dem Sie aufgetreten sind. Reinhard Mey beschrieb sie rückblickend in seiner Laudatio als langen, schlaksigen Kerl, der Lieder sang, auf die alle gewartet haben. Wieso haben so viele junge Leute damals auf so einen wie sie gewartet? Aber Reinhard und ich sind ja beide noch im Krieg geboren, 1942. Wir haben als Dreijährige den Ausgang des Krieges nicht bewusst, aber doch erlebt. Die entsetzlichen Folgen des Faschismus und des Weltkrieges, das haben wir als Kinder noch sehr stark miterlebt. Das hat mir ermöglicht, diese Verse so zu schreiben. Das steckt uns in den Knochen, die Furcht, das Entsetzen und die Abscheu vor Krieg und Gewalt. Das haben wir aus unserer Kindheit mitbekommen und werden das auch nicht los. HANIX — Es hieß in den 70er Jahren, dass ihre Platten in jedem aufgeklärten Haushalt in Deutschland standen. War es damals für die intellektuellen Menschen en vogue Hannes Wader zu hören? Wurde man automatisch zum Aktivisten für die Gute Sache, wenn man Wader hörte? (lacht) Ich weiß nicht, ob sie das wirklich getan haben … in gewisser Weise schon. Es gibt so Momente, da liegt was in der Luft, da wird etwas erwartet. Und das kommt dann auch. Das ist wie Pollenflug, der sich eigentlich sehr rational erklären lässt. Irgendetwas Kryptisches war damals aber noch enthalten, was man nicht entschlüsseln konnte. Man kann einfach sagen, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Liedern war. HANNES WADER — HANIX — »Es ist an der Zeit« ist für ihren guten Freund Reinhard Mey das wichtigste und ergreifendste Lied, das er kennt. Wieso ist das ihrer Meinung so? Hat er es ihnen erklärt? Nein, hat er nicht. Wir haben solche Unterhaltungen nie geführt. Nur über die Tatsache, dass es ihn so beschäftigt hat und so große Bedeutung hat. HANNES WADER — Das kann ich natürlich nicht beurteilen, und selbst wenn ich es könnte, würde ich das so nicht unterschreiben. Ich schrieb meine Lieder in diese Zeit hinein, in die antiautoritäre Bewegung, in die Studentenbewegung, auch für eine Jugend, die den Vietnamkrieg bekämpfte. Das war diese Zeit. Andere haben auch Lieder geschrieben, zum Beispiel mein kürzlich verstorbener Freund Franz-Josef Degenhardt, der für mich immer, auch schon damals, ein Vorbild war. Ich kann Ihnen keine Analyse dieser Zeit geben, obwohl das natürlich nicht so HANNES WADER —

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INTERVIEW DES MONATS: HANNES WADER schwer sein sollte, weil es ja in der Vergangenheit liegt. Da hat man es leicht, etwas einzuschätzen. Sobald ich aber selbst mit im Spiel bin wie in diesem Fall, kann ich das nicht. Meine eigene Rolle zu analysieren in dem ganzen Durcheinander jener wilden Tage der 68er bekomme ich nicht hin. HANIX — Sie haben auch in der DDR gespielt. Das hat Ihnen nicht nur Freunde eingebracht … Wer waren diesbezüglich ihre größten und schärfsten Kritiker? Das weiß ich nicht. Die Kritik ging bis in die Linke hinein. Auch viele Linke lehnten die Partei, in die ich damals eingetreten bin, die DKP, die den damals real existierenden Sozialismus unterstützte, in seiner Gänze ab. Viele Leute haben mich als Einzelkämpfer gesehen, der sich ganz alleine mit seiner eigenen Meinung gegen HANNES WADER —

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INTERVIEW DES MONATS: HANNES WADER die Welt stellt und das ausdrückt in seinen Liedern. Ich wollte diese Rolle aber nicht spielen, von Anfang an nicht und habe mich dann eben parteilich organisiert. Das hat man mir schwer übel genommen. Von bürgerlicher, konservativer Seite sowieso. Die hatten auch schon vorher was gegen mich. Dann kamen die Linken noch dazu. Aber für mich war es richtig und lebensrettend. HANIX — Wie hat der Eintritt in die DKP ihr Leben gerettet? Haben sie sich entwurzelt gefühlt und bei der DKP eine neue Heimat gefunden? Ja, ich fühlte mich losgelöst, wurzellos, entwurzelt und auch missverstanden. Ich wollte das Gegenteil eines einsamen Wolfes sein, wollte eingebunden sein, wollte mich unterwerfen, wobei sich herausgestellt hat, dass ich das nicht konnte. Ich bin keiner, der sich unterwerfen kann, selbst wenn er es will. Ich wollte mich einfügen in eine Gemeinschaft, wollte darin aufgehen, mitmachen. Und das war es. Für eine Zeit lang war es das Richtige. Das hat mich eine Weile lang stabilisiert. Damals antworteten die Medien übrigens mit Boykott auf meinen Eintritt in die Partei. HANNES WADER — HANIX — Hatten Sie damit gerechnet? HANNES WADER — Ich hatte es sogar gehofft. Das fing 1973 an, als mein Album »Sieben Lieder« herauskam. Da wuss59 te ich schon vorher, das würde mein Durchbruch werden. Danach würde nichts mehr so sein wie vorher, da würde ich berühmt sein. Zumindest für meine Verhältnisse als Junge vom Lande. Das wurde ich dann auch. Man kann aber im Kapitalismus nicht berühmt werden, ohne reich zu werden, das geht nicht. Das wusste ich aber damals nicht. Ich wollte singen, wollte berühmt sein, aber die Scheißkohle wollte ich nicht. Das hat mich alles nur noch mehr getrennt von meiner Umwelt, meiner Umgebung, in der ich mich wohlfühlte. Aber plötzlich war ich viel reicher als alle, die ich kannte. Ich bin in Kneipen gegangen und habe Lokalrunden geschmissen, damit die mich liebten. Haben sie aber nicht, die waren eher abgestoßen davon. Man kann sich Zuneigung nicht auf diese Art erkaufen. Das wusste ich damals nicht: Ruhm, Geld, das war damals alles neu für mich. Ich war dem nicht gewachsen und bin voll in eine Art Unglück gerannt. Auf der anderen Seite ist der Ruhm ja schön, und wenn die Leute meine Lieder hören: Das wollte ich ja! Aber alles, was damit zusammenhing, darauf war ich nicht vorbereitet. Da bin ich in ein Loch gefallen. Dass sich meine Einkünfte (die Red. als Reaktion auf den DKP-Eintritt) ganz radikal veränderten, um 80 Prozent, das hab ich mit Beglückung festgestellt, dass ich wieder genau soviel verdiente wie ganz normale

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INTERVIEW DES MONATS: HANNES WADER wenn es ein Echo gibt, ist das doch schon viel. Wenn Leute auf Lieder reagieren und die ihnen etwas bedeuten und sie in ihrem Leben begleiten, vielleicht als Lebensmotto sogar. So etwas hat es gegeben und gibt es immer noch. HANIX — Und sind sie heutzutage politisch engagiert und interessiert? HANNES WADER — Ich bin interessiert, aber ich hänge mich nicht mehr so aus dem Fenster, wie ich das Mal gemacht habe. Ich bin ruhiger, älter und langsamer geworden. Das ist auch nicht schlecht. HANIX — Konstantin Wecker ist ebenfalls ein guter Freund von ihnen. Sie beiden sind aber so gegensätzlich, wie zwei Pole. Wecker ist im Gegensatz zu ihnen nicht schüchtern, sondern offen, auf der Bühne sozusagen ein Feierbiest. »Konstantin hat Urvertrauen in den Menschen, ich selbst habe ein Misstrauen gegenüber dem Publikum«, haben Sie einmal gesagt. Woher kommt dieses Misstrauen? Leute. Das hat mich den anderen wieder nähergebracht. Im Grunde ist es so, dass ich in meinem ganzen Leben, das kann ich als 71jähriger sagen, noch nie irgendwo dazugehört habe. Und ich will das auch nicht mehr. HANIX — 1991 sind sie aus der DKP wieder ausgetreten und haben das auch nicht als Fehler empfunden, genau wie den Eintritt? Ich habe meinen Austritt auch nicht an die große Glocke gehängt, weil ich nicht als reuiger Heini erscheinen wollte, denn das war ich gar nicht. Ich hab der Partei und der Tatsache, dass ich in der Partei war, einiges zu verdanken. HANNES WADER — HANIX — Ihr öffentliches politisches Engagement ließ danach merklich nach. Sind Sie heute interessiert an Politik und auch noch engagiert? Und hatten Sie jemals das Gefühl, durch ihr politisches Engagement etwas erreicht zu haben? Die Wurzeln solcher Eigenheiten – oder Probleme, wenn man will – liegen meistens in der Kindheit und Jugend, glaube ich. Ich habe auch ein ganz anderes Naturell als Konstantin. Mein Vater war im Krieg, ich war zuhause mit lauter Frauen … aber jetzt lese ich im Kaffeesatz. Ich kann ihnen das nicht sagen. Ich konnte mich als Kind nicht durchsetzen und habe immer an mir gezweifelt, es hat auch keiner anerkannt, was ich da machte. Lob kannte ich überhaupt nicht. Die Sorge »was soll aus dem Spinner nur werden«, das kannte ich hingegen gut. Bei Konstantin war das umgekehrt, ich habe mich mit ihm darüber unterhalten. Er kommt ja nicht aus der Arbeiterklasse wie ich, seine Eltern waren hochkultivierte Leute, die ihn ermutigt haben kreativ und künstlerisch zu wirken. Jetzt bin ich aber viel zu weit gegangen, das hört sich ja nach einem missglückten Analyseversuch an. HANNES WADER — HANIX — Sie werden als aufrechter und unbeugsamer Liedermacher beschrieben. Viele Menschen empfinden ihre Texte als mutig. Wie kommt es, dass Sie von Bühnen so nervös gemacht werden? Früher haben sie wegen zu großem Lampenfieber sogar mit dem Rücken zum Publikum gespielt. Ich denke schon. Aber ich habe auch nie zuviel erwartet. Ich habe zum Beispiel nie erwartet, dass ich mit Liedern die Welt verändern könnte. Das wurde man ja damals immer gefragt, ob man das glaubt. Ich gehe nicht davon aus, dass ich was verändern kann. Aber HANNES WADER — (lacht): Das ist nur ein Scheinwiderspruch. Ich kenne auch andere Bühnenkünstler, die eine starke Wirkung auf andere haben und im eigenen Leben eher zurückgenommen und schüchtern sind. Das ist HANNES WADER —

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INTERVIEW DES MONATS: HANNES WADER das ist mir natürlich egal, ich bin ein verheirateter Familienvater. Ich bewege mich auch willentlich jenseits des sexuellen Wettbewerbs. Damit will ich überhaupt nichts zu tun haben. Wenn Frauen aber zum Beispiel das Timbre meiner Stimme anregend finden, ist das doch wunderbar. Klasse. Sollen sie doch. HANIX — Während ihrer ganzen Musik Karriere besteht die Freundschaft zu Reinhard May, die Freundschaft zu Konstantin Wecker haben wir auch schon erwähnt. Wird man sie zu dritt auch nochmals auf einer Bühne vereint sehen oder gibt es diese Kombination in Zukunft nur noch privat? Ich bin fast sicher, dass das irgendwann nochmal geschieht, aber geplant ist nichts. Das wird sich einfach so ergeben. Nächstes Jahr da sind wir alle zusammen auf Kloster Banz bei den »Songs an einem Sommerabend«. Ob wir da auch zusammen auftreten oder zusammen singen, das weiß ich nicht, aber es könnte sein. HANNES WADER — HANIX — Aktuell sind Sie auf ihrer »Nah dran«-Tour, unter anderem auch am 11. Oktober in der Heilbronner Harmonie. Werden Sie dieses Konzert, wie es für Sie bis auf eine Ausnahme Usus ist, mit ihrem Klassiker »Heute hier, morgen dort« beginnen? Oder wird Heilbronn ein überraschendes Opening erleben? nichts Besonderes. In dem Augenblick, wenn man auf die Bühne tritt, erfüllt man ganz bestimmte Forderungen, die an einen gestellt sind, von einem Selbst und vom Publikum. Das ist alles. Und wenn man wieder von der Bühne kommt, ist man wieder schüchtern. HANIX — Können sie denn von sich selbst mit Überzeugung behaupten, irgendetwas sehr gut zu können? Was überzeugt sie an sich selbst? Nein, da gibt es keine Überraschungen. Ich singe das Lied ja deshalb immer als Erstes, um nicht selber von mir überrascht zu werden. Das ist ein Lied, das ist im Repertoire, das kann ich im Schlaf. Wenn ich die ersten Takte dieses Liedes singe, fühle ich mich wieder sicher. HANNES WADER — HANIX — Abschließend nochmals zum ECHO, den Sie verliehen bekamen. Wir könnten uns vorstellen, dass der bühnenscheue Hannes Wader sich nichts aus Preisen macht und die Trophäe eher als Staubfänger sieht. Oder hat der Pokal einen Ehrenplatz im Hause Wader zugesprochen bekommen? Ich habe mein Leben lang als Liedermacher gelebt. Ich nehme an, dass ich das ganz gut kann. Jedenfalls am besten von all den anderen Sachen, die ich sonst noch angefasst habe. HANNES WADER — HANIX — Angefangen haben sie mit der Musik nicht, um die Welt zu verbessern, sondern um leichter an Mädels ranzukommen... HANNES WADER — Das stimmt. HANIX — Wirkt denn der 71-jährige Sänger Hannes Wader immer noch attraktiv auf Frauen? Haben sie das Gefühl, sie kommen immer noch an? HANNES WADER — Ja, das Gefühl habe ich. Aber (lacht) Ich habe ihn gerade im Blick, er steht oben auf einem Regal. Er fängt Staub. Ich muss da mal wieder nachputzen. Aber sie haben recht: Ich habe nie viele Preise bekommen und nie großen Wert darauf gelegt. Aber ich sehe den ECHO als Anerkennung für mein Werk. Ich freue mich, dass ich ihn bekommen und angenommen habe. Ich bin aber auch froh, dass der Alltag wieder eingekehrt ist, dass alles normal weiterläuft, ohne Medienauftrieb. HANNES WADER —

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Filmformate im HA N I X Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatf ilm.tv

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STIMME-VERLEGER TILMANN DISTELBARTH Der Medienunternehmer im ausführlichen Interview AUDIO & VISUELL - KRUX & CODEC Daniel Glaser erzählt über sein Netlabel und sein digitales Schaffen BESTSELLERAUTORIN GABY HAUPTMANN Die erfolgreiche Schriftstellerin wollte eigentlich nie Bücher schreiben KENFM: WIE MAN SICH EMBEDDED, SO... Ken Jebsen wirft den Massenmedien vor als Handlanger der Machteliten zu fungieren

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MEDIENTRAINERIN TANJA KEITEL Die Heilbronnerin lehrt mediale Fettnäpfe zu meiden SONNENLICHT, GANGNAM STYLE UND FLASHMOBS Ein Auszug aus dem Buch »Like mich am Arsch« das am 8. Oktober erscheint JOSHI ÜBER MEDIEN Medien informieren über dass was wir wissen und nicht wissen wollen

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» D I E G E D RU C K T E Z E I T U N G W I R D I N Z U K U N F T E I N E W I C H T I G E RO L L E S P I E L E N « TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ / MEMOGRAFIE

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TITELTHEMA: MEDIEN De r Me di e n k o n s u m ha t s ic h i n divid ualis ie r t, Me d ie nnutze r wo lle n s e lbst besti mme n , w as si e w a n n u n d wo a u f we lch e m End ge rät le s e n, h ö re n o d e r s ehen. Di e Ze i t un g b e fi n d et s ic h i n d er K r i s e . Die s fo rd e r t trad itio ne lle Me d ie nu nternehmer d azu h e r aus, u m z u d en k en . Um übe r d ie s e m e d iale n Entwick lung e n zu sp rechen, trafe n w i r Til m a n n Dis t el b a r t h, d e n Ve rle g e r und Inh abe r d e r He ilbronner Sti mme , i n se i n e m Bü ro i m St im m e- Ho ch h aus an d e r A lle e . H A N I X - Herr Distelbarth, sie sind in einer Verlegerfamilie groß geworden. Wie haben Sie als Kind und Jugendlicher das berufliche Wirken ihres Vaters, der 43 Jahre in der Geschäftsführung der Heilbronner Stimme maßgeblich gewirkt hat, wahrgenommen? rische Ausbildung aus? Ihr Vater Frank Distelbarth durchlief eine vielfältige Ausbildung, unter anderem bei den renommierten Gazetten  Le Monde und Le Figaro. Mein Vater hat darauf geachtet, dass er Beruf, Familie und Freizeit trennte. Er brauchte seine Ruhephasen. Natürlich stand seine Verantwortung, die er für das Medienunternehmen trug, auch zu Hause im Vordergrund, weil er einfach viele Termine in den Abendstunden wahrnehmen musste. Aber im konkreten familiären Alltag stand sein Beruf nicht im Vordergrund. Am Abendbrottisch haben wir nicht über die Stimme gesprochen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Wollten Sie schon in frühen Jahren in die Fußstapfen ihres Vaters treten oder zumindest im Mediensektor tätig sein oder gab es eine rebellische Phase, in der Sie sich für ihre Zukunft alles nur nicht die Nachfolge ihres Vaters vorstellen konnten? Neben den Praktika in den Semesterferien hier im Haus habe ich mich intensiv mit dem Thema Presserecht befasst und darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben. Nach dem Studium habe ich als Volontär beim sehr seriösen Berliner Tagesspiegel und dann bei der boulevardesken Münchener Abendzeitung gearbeitet. Den Beruf des Journalisten habe ich also von der Pike auf gelernt. Und ich kann ihnen sagen, dass es beim Tagesspiegel und der Abendzeitung zwei völlig unterschiedliche journalistische Arbeitsweisen waren. Diesen Kontrast habe ich aber ganz bewusst gewählt, um Einblicke in diese unterschiedlichen redaktionellen Herangehensweisen zu erhalten und eine größere Bandbreite kennenzulernen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Welche Antwort geben Sie eigentlich, wenn man Sie nach ihrem Beruf fragt? Außer an den klassischen Lokomotivführer kann ich mich an keinen konkreten Berufswunsch erinnern, den ich als Kind hatte. Es war für mich bis zum Vordiplom nicht klar, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten würde, auch wenn diese Möglichkeit nach meinem Abitur immer im Raum stand. Ich habe hier im Medienunternehmen während meiner Semesterferien auch diverse kaufmännische Praktika absolviert. Aber dass ich der Nachfolger werde war nicht festgezurrt, es war nicht versprochen, es war nicht verpflichtend. Meine Eltern haben immer sehr sorgsam darauf geachtet, dass keine Erwartungshaltung aufkommt. Meine drei Schwestern und ich sollten frei entscheiden können, wie unsere berufliche Zukunft aussieht. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Wie sah ihre journalistische und verlege- Wenn ich mich in meinem beruflichen Umfeld bewege, sage ich, dass ich Zeitungsverleger bin. Im privaten Bereich, beispielsweise im Urlaub, erzähle ich, dass ich bei der Zeitung oder gelernter Journalist bin. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Sie sind, zusammen mit ihrer Familie, nicht nur Inhaber des Medienunternehmens Heilbronner Stimme, sondern auch Geschäftsführer, Verleger und Herausgeber. Skizzieren Sie für uns die einzelnen Tätigkeitsfelder dieser drei Funktionen. Oder anders und kurz gefragt: Was ist eigentlich ihr Job? Im operativen Bereich kümmere ich mich um die Finanzen, das Personal und die Redaktion. Ich kümmere mich natürlich auch um die Gesellschafterthemen. Ich halte die Absprachen mit den weiteren Familiengesellschaftern und dem Firmenbeirat, um so die T I L M A N N D I S T E L B A RT H -

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TITELTHEMA: MEDIEN wichtigen Entscheidungen vorzubereiten und zu platzieren. Damit habe ich die Möglichkeit strategische Impulse und Schwerpunkte im Unternehmen zu setzen und die Ausrichtung zu bestimmen. Die strategische Ausrichtung wird aber natürlich nicht von mir alleine erarbeitet, sondern in Absprache und Abstimmung mit meinem Mitgeschäftsführer Bernd Herzberger und im Zusammenspiel mit den Führungskräften des Hauses. H A N I X - Die Heilbronner Stimme ist ein Familienunternehmen. Welche Vor- aber auch Nachteile birgt diese Gegebenheit? ist jeden Tag ein neues Abenteuer und sorgt jeden Tag für Überraschungseffekte. Aber auch mein Alltag als Verleger ist spannend. Auch hier habe ich tagtäglich mit Neuem zu tun. Nehmen wir die Veränderung und Entwicklung der Medienbranche. Diesbezüglich laufen aktuell einige Großprojekte bei uns. H A N I X - Und was nervt? Wenn es so wie bei uns in der Familie und im Unternehmen läuft, sehe ich keine Nachteile. Ein Familienunternehmen kann an der Familie scheitern, es kann aber auch, gerade weil es ein Familienunternehmen ist, sehr erfolgreich werden. Familienunternehmen sind nicht zu einer Publizität in Form von öffentlichen Reportings verpflichtet, wie zum Beispiel Aktiengesellschaften. In Familienunternehmen die funktionieren, müssen auch nicht unterschiedlichste Interessen von unterschiedlichen Interessen- und Anlegergruppen moderiert werden, da die Familie ein gleichgerichtetes Interesse hat. Gleichzeitig muss man nicht auf den kurzfristigen Erfolg schielen, sondern kann als Familienunternehmen langfristige Ziele und Strategien verfolgen. Bei uns in der Familie läuft es seit Anbeginn 1946 so, dass alles gemeinsam besprochen wird und wir einvernehmlich eine Strategie festlegen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Wären Sie manchmal ganz gerne noch ein Reporter? Thema Zeitmangel ist in meiner Funktion ein prägendes Thema. Die Familie darf nicht zu kurz kommen, denn sie ist sehr wichtig und ich würde mich selbst als Familienmenschen beschreiben. Ich musste lernen beruflich auch mal nein zu sagen und zu delegieren, da ich schlicht aus zeitlichen Gründen nicht alles umsetzen kann, was ich umsetzen möchte. Ich habe aber den Anspruch an mich selbst, es doch hinzubekommen. Dieses Thema ist, das gebe ich zu, eine Schwierigkeit. H A N I X - Ihr Medienunternehmen ist in einer beneidenswerten Situation: Sie sind konkurrenzlos. Wünschen Sie sich manchmal heimlich einen Gegenspieler? T I L M A N N D I S T E L B A RT H - Das Ich denke, dass es durchaus Gegenspieler gibt. Im Kernverbreitungsgebiet als Tageszeitung natürlich nicht, aber im Gegensatz zu den Neunzigern konkurrieren wir im inhaltlichen Bereich inzwischen mit sehr vielen Medien. Das Internet mit seinen Blogs oder auch das HANIX-Magazin sind zu nennen und es gibt viele weitere Portale und Magazine hier in der Region. Vor 20 Jahren kam man nicht an der Tageszeitung vorbei, wenn man sich über regionale Vorgänge informieren wollte. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Konkurrenz belebt das Geschäft sagt der Volksmund. Wie schafft es die Heilbronner Stimme, ständig voll konzentriert und innovativ zu sein, sprich mit der Zeit zu gehen? Ja, aber es lässt sich schon aus Zeitgründen nicht verbinden. Außerdem verfolge ich das Prinzip der Delegation von Verantwortung. Dazu gehört auch, dass diejenigen, die diese Verantwortung tragen, dafür geradestehen und ihre Verantwortung mit Leidenschaft und Engagement wahrnehmen und verfolgen sollen. Insofern schreibe ich nicht selbst in der Zeitung. Meine publizistische Aufgabe besteht darin, dass ich mit der Chefredaktion die grundlegenden Dinge und Aktivitäten bespreche und ein Auge darauf habe, dass unser Haus den journalistischen Grundregeln gerecht wird und diese auch befolgt. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Welche beruflichen Momente geben ihnen persönlich Befriedigung und vielleicht auch Genugtuung? Was macht an ihrem Job Freude? Freude macht, dass mein Beruf so vielseitig und abwechslungsreich ist. Vor allem habe ich jeden Tag mit neuen Dingen zu tun. Die Tageszeitung T I L M A N N D I S T E L B A RT H - Das ist ein großer Anspruch, den wir an alle Mitarbeiter hier im Haus stellen. Gerade im journalistischen Bereich gilt es nicht träge zu werden, obwohl man nicht von einem Mitbewerber getrieben wird. Der Anspruch für einen guten Journalismus darf nicht wettbewerbsgetrieben sein, vielmehr muss guter Journalismus inhaltlich getrieben sein. Eine gute Story, die gut recherchiert ist, die von vielen Seiten beleuchtet wird, deren Hintergründe fundiert und ausgewogen einer möglichst großen Leserschaft präsentiert werden - das muss der Antrieb für eine Redaktion sein. Wenn diese Kultur in einer Redaktion verankert ist, schafft man es jeden Tag eine gute, lesernahe Zeitung mit spannenden Themen zu machen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H -

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TITELTHEMA: MEDIEN H A N I X - Die Gefahr, sich zurückzulehnen, besteht doch aber? Die Chefredaktion sorgt in erster Linie dafür, dass die Konzentration und das Bewusstsein für Themenvielfalt und fundierte Aufbereitung hoch und die redaktionelle Mannschaft motiviert ist. Ich muss diesbezüglich nicht eingreifen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Wie steht ihr Haus, verglichen mit anderen Medienunternehmen in der Größe der Heilbronner Stimme, auf nationaler Ebene da? Wir stehen sicherlich eher gut da. In sehr, sehr vielen Regionen und Städten in Deutschland ist die Situation, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat so, dass sich eine Hauptzeitung vor Ort herauskristallisiert hat. Insofern ist die Marktstellung der Heilbronner Stimme hier in der Region keine besondere im bundesdeutschen Vergleich. Es gibt sehr viele Familienunternehmen in der Medienbranche hierzulande, was dafür sorgt, dass wir eine Pluralität in der Zeitungslandschaft haben. Was die inhaltliche und strategische Ausrichtung vor allem auch mit unseren crossmedialen Konzepten angeht, glaube ich schon, dass wir national, verglichen mit ähnlich großen Verlagshäusern, im oberen Drittel mitspielen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Gibt es bei der Heilbronner Stimme oder ihnen ganz persönlich eine Vision ihres Medienhauses für das Jahr 2030? Und falls ja: Geben Sie uns einen kleinen Einblick? Der Zeitraum bis 2030 ist zu groß. Unser Blick geht auf die nächsten zehn bis 15 Jahre. Das hat zweierlei Gründe: Wir haben für den Bereich der klassisch gedruckten Tageszeitung nach 20 Jahren die Investitionsentscheidung getroffen, eine neue Rotation, sprich Druckmaschine, zu kaufen, die im nächsten Jahr aufgestellt wird. Dann sind wir technisch up-to-date. Dies ist durchaus vor dem Hintergrund geschehen, dass wir glauben, dass die gedruckte Zeitung in den nächsten zehn bis 15 Jahren weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Sonst hätten wir die Investition von knapp 15 Millionen Euro nicht getätigt. Das Zweite ist, dass wir uns in den letzten Jahren verstärkt auf die digitale Zukunft eingestellt haben. Das alles passierte vor dem Hintergrund, dass wir grundsätzlich vor drei großen Herausforderungen stehen. Im Werbemarkt werden Gelder zugunsten des Onlinebereiches umgeschichtet, ebenso findet eine Zentralisierung der Werbeentscheidungen durch Filialisierung in den Innenstädten statt. Das zwingt uns dazu den Blick stärker darauf T I L M A N N D I S T E L B A RT H - zu richten andere Erlösformen ins Blickfeld zu nehmen. Zum Zweiten haben wir eine demographische Entwicklung in der Bundesrepublik, die nicht negiert werden kann. Die Bevölkerung schrumpft und damit schrumpft für alle, die Wirtschaft betreiben, das Potenzial. Das gilt auch für die Tageszeitung. Die Leserzahlen werden in Zukunft aufgrund der demographischen Entwicklung sinken. Zum Dritten findet ein großer Wandel in der Mediennutzung statt. Über die digitalen Möglichkeiten und das Internet gibt es eine ganz andere Informationsaufnahme als noch vor 20 Jahren. Und genau das ist der Hauptfokus, den wir bearbeiten, damit wir uns auf diese Neuausrichtung im Mediennutzungsverhalten einstellen. Daher hatten wir in den vergangenen Monaten eine starke Konzentration auf unsere neuen digitalen Produkte. Letztendlich bietet das Internet die große Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen, indem man die Inhalte, die bei uns im Hause entstehen, zielgruppenspezifischer über verschiedene digitale Produkte vermarkten kann.

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TITELTHEMA: MEDIEN H A N I X - Die Zeitungsbranche, das ist kein Geheimnis, leidet seit ein paar Jahren unter Leserschwund und sinkenden Werbeeinnahmen. Wie hat die Zeitungskrise ihr Unternehmen getroffen und wie sind Sie durch diese Zeit, die immer noch nicht beendet ist, durchgekommen? die weltbekannte und renommierte Washington Post für den Schnäppchenpreis von 250 Millionen Dollar gekauft. Wie verfolgen Sie solche Meldungen und was lösen sie in ihnen aus? Wir stecken mitten in einem Transformationsprozess. Wir sehen, dass die klassischen Märkte schrumpfen. Auf der anderen Seite sehen wir die Chancen für Wachstum in den digitalen Märkten. Und genau dort haben wir jetzt mit unseren neuen digitalen Produkten und dem Bezahlmodell für Stimme Premium die ersten Akzentpunkte gesetzt und in diesen Bereich werden wir auch weiter investieren. Dadurch soll zumindest ein Stück weit ausgeglichen werden, was wir in den klassischen Märkten verlieren. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - In diesem Jahr geistern wöchentlich Meldungen durch die Medien, die die Zeitungskrise behandeln. Viele renommierte Blätter sind pleitegegangen oder stehen am Abgrund. Der Axel Springer Verlag hat diesen Sommer fast seine komplette Sparte der Lokal- und Regionalzeitungen für knapp eine Milliarde Euro verkauft. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat Warren Buffet, der Börsenguru, investiert aktuell in Dutzende Regionalverlage in den USA. Das ist im Prinzip die Gegenbewegung. Ich verfolge solche Meldungen sehr emotional aber auch differenziert. Der Vorteil, wenn man in der Branche selbst aktiv ist, ist, dass man natürlich über viele Hintergründe Bescheid weiß, die ein normaler Medienkonsument so nicht kennt und vielleicht auch nicht einordnen kann. Das Scheitern der Frankfurter Rundschau und der Financial Times Deutschland hat nur vordergründig etwas mit der Zeitungskrise zu tun. Das Geschäftsmodell der FTD hat noch nie funktioniert. Dort wurden noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Am Ende war es unternehmerisch konsequent und richtig zu sagen, dass man die Zeitung einstellt. Bei der FR ist es sicherlich eine konzeptionelle Frage gewesen. Zeitungen mit einer klaren politischen Ausrichtung hatten es in vergangenen Jahrzehnten immer schwerer. Die FR hat hier einfach die Wende nicht geschafft. Das bedauere ich sehr, denn die FR hat die deutsche Zeitungslandschaft bereichert. Ich ärT I L M A N N D I S T E L B A RT H -

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TITELTHEMA: MEDIEN gere mich, wenn ich Branchenberichte verfolge oder Blogs von Online-Journalisten, die mit großer Lust am Untergang die Zeitungskrise herbeischreiben. Natürlich müssen wir Verleger uns auf die digitale Welt einstellen, aber ich erkenne, dass in Deutschland eine deutliche Bewegung in diese Richtung im Entstehen ist. Fakt ist, dass der Journalismus selbst wichtig und gefragt ist, wie nie, gerade auch der Lokaljournalismus. Die Nutzer und Leser im digitalen Informationszeitalter wollen natürlich Themen, die sie interessieren, selbst recherchieren. Aber sie wollen auch eine Orientierungshilfe und publizistische Einordnung der Dinge von den starken, bekannten Medienmarken. H A N I X - Jeff Bezoz hat auch gesagt: »Jedes Geschäft muss für immer jung bleiben. Wenn Ihre Kundschaft mit Ihnen altert, werden Sie zu Woolworth's.« Ist die gedruckte Zeitung nix mehr für Menschen unter 30? konzentriert um Themenblöcke zu kümmern, sich einzuarbeiten und Hintergründe zu lesen. Die Gefahr im OnlineZeitalter besteht im Überschriften-Zapping. Dann denkt man, nach dem Scannen der Headlines, dass man informiert ist. Aber damit fehlt eine eigene Informations- und Meinungsbasis für demokratisch-politisch wichtige Vorgänge. Das gilt für Lokalpolitik und die große Weltpolitik. H A N I X - Fast parallel zur Anschaffung der Druckmaschine rüstet sich die Heilbronner Stimme mit neuer Strategie und neuen medialen Produkten auch für das digitale Zeitalter. Dürfen wir Fragen, welche Investitionen das Medienhaus hierfür getätigt hat? Reichweitenuntersuchungen zeigen, dass die Reichweite bei den 14 bis 29 jährigen für die gedruckte Zeitung in den letzten 20 Jahren zwar deutlich gesunken ist. Gleichzeitig haben die Reichweitenzuwächse dieser Altersgruppe im Onlinebereich diesen Verlust aber mehr als ausgeglichen. Wir haben in der Zielgruppe heute mehr Reichweite mit unseren Print- und Onlineangeboten zusammen als vor 20 Jahren mit der gedruckten Zeitung. Inwiefern man diese Reichweitenzuwächse mit einem Geschäftsmodell hinterlegen und damit monetarisieren kann, bleibt die spannende Frage, der sich gerade alle Verlage mit zum Teil unterschiedlichen Konzepten stellen. Für mich ist aber eines ausschlaggebend, und zwar, dass die Presse einen demokratischen Auftrag über das Grundgesetz hat. Wir sind dafür zuständig, dass den Menschen ein politisches Grundverständnis vermittelt wird. Das gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Deshalb glaube ich, dass das Lesen von Zeitung, unabhängig davon ob in gedruckter oder digitaler Form, und das Erfassen von aktuellen Zusammenhängen und Entwicklungen durch konzentriertes Lesen ein ganz substanzieller Bestandteil eines funktionierenden demokratischen Grundverständnisses ist. Aus diesem Grund veranstalten wir schon in Kindergärten, Grundschulen und den weiterführenden Schulen Leserprojekte. Dabei geht es immer auch darum, Inhalte zu erfassen und Inhalte selbst zu erstellen, um mitzubekommen, wie Nachrichten und Meinungen entstehen. Darin liegt für die demokratische Zukunft in Deutschland ein Schlüssel. Die Jugend im digitalen Zeitalter darf nicht verlernen, sich T I L M A N N D I S T E L B A RT H - Das ist schwierig, weil diesbezüglich sehr viel Know-how eingesetzt wurde. Im Vergleich zu einer Druckmaschine sind die anfallenden Kosten für Gerätschaften und Software natürlich überschaubar. Aber was man miteinbeziehen muss, ist das eingesetzte Knowhow sowie die Kompetenz und Manpower - und das ist kaum quantifizierbar. Denn bei den digitalen Produkten, mit denen wir jetzt an den Start gehen, laufen die Kompetenzfäden, die wir konzentriert in den vergangenen acht Jahren gesponnen haben, zusammen. T I L M A N N D I S T E L B A RT H H A N I X - Welche Medienhäuser sind, was die digitale Ausrichtung für die Zukunft angeht, hier in Deutschland die Impulsgeber? Natürlich schauen wir auf die Großen. Durch deren nationale Verbreitung können sie das Terrain für Produkte bereiten, die wir selbst in den Markt bringen wollen. Die BILD-Zeitung hat das Thema »Bezahlinhalte« in den Fokus gerückt. Das ist der große Verdienst von Springer-Chef Mathias Döpfner, der konsequent dafür einsteht, dass Online-Inhalte nicht mehr kostenlos sein können, weil sie eine Wertigkeit besitzen und durch Manpower auch teuer produziert werden. Wir schauen natürlich auch, welche technologischen Konzepte die großen Verlage zum Beispiel für deren Apps fahren. Dann versuchen wir uns daraus ein eigenes Konzept zu stricken, das finanzierbar ist. Aber genauso ist es umgekehrt. Ich stelle fest, dass es beispielsweise bei der Süddeutschen Zeitung ein Interesse dafür gibt, welche Konzepte wir verfolgen, da wir vor drei Jahren eine der ersten Zeitungen waren, die eine iPad-Version der Tageszeitung herausgebracht hat. Es findet also eine rege Diskussion zwischen kollegial verbundenen Verlagen statt, die auch wichtig ist, denn letztendlich ist das alles Neuland, da wir nicht auf bestehende Prozesse aufbauen können, sondern sie neu erT I L M A N N D I S T E L B A RT H -

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TITELTHEMA: MEDIEN finden müssen. Der Kern der Heilbronner Stimme ist es, eine Informationsplattform für journalistische und werbliche Inhalte zu sein. Ob dies klassisch in gedruckter Form passiert oder in digitaler Form ist nicht entscheidend. H A N I X - Wie lange hat es von dem Entschluss bis zum Launch der neuen digitalen Stimme gedauert? Auf die nun gestarteten digitalen Produkte haben wir konsequent in den letzten drei Jahren hingearbeitet. Der Startschuss dafür ging mit der markteinführung des iPads im Sommer 2010 einher. T I l m A N N D I S T e l b A rT H H A N I X - Der Launch ihrer neuen Webseite, ein erweitertes Portfolio ihrer Angebote für mobile Endgeräte und ein Online-Bezahlmodell mit dem Namen »Premium« laufen nun seit wenigen Wochen, anfangs in der kostenlosen Testphase. Sind Sie bisher zufrieden mit der Start- und Testphase? Unsere Stimme-App für das Smartphone zeigt, dass man Inhalte der Tageszeitung in einer großen Übersichtlichkeit und Nutzerfreundlichkeit duchaus auf ein kleines Smartphone-Display transportieren kann, woran viele gezweifelt haben. Die lesequalität auf dem Smartphone ist ganz hervorragend. Aber natürlich kann man die Zeitungsinhalte auf den größeren Tablets entspannter lesen. T I l m A N N D I S T e l b A rT H H A N I X - Auf Stimme Premium, so ist es angekündigt, wird mehr Aktualität und Exklusivität herrschen. Haben Sie hierfür neue Stellen geschaffen und besetzt oder müssen ihre Redakteure jetzt noch mehr arbeiten? Wir sind mit der resonanz, die wir kriegen, zufrieden. Sicher ist es ungewohnt für unsere leser zukünftig auf die Vollversion der lokalen Artikel unserer Webseite stimme.de nur nach einer Anmeldung und gegen bezahlung zugreifen zu können, da in den letzten Jahren die Inhalte frei verfügbar waren. Die leser haben nicht darauf gewartet, dass wir endlich ein Preisschild auf unsere Online-Inhalte kleben. Wobei ich sagen muss, dass die ersten reaktionen eher zustimmend waren. Was die Gesamtkonzeption der digitalen Produkte angeht, ist diese stimmig und auf den Punkt gebracht. Wir haben es geschafft zu einem Zeitpunkt ein komplettes Digitalkonzept in den markt zu bringen, das die Webseite und die klassische ePaper-Ausgabe umfasst und das ein Angebot für Tablets und Smartphones beinhaltet. In dieser Konsequenz gibt es nicht viele Verlage in Deutschland, die es so umgesetzt bekamen. Insofern bin ich auch zufrieden, dass wir diesen eigenen Anspruch nun umgesetzt haben. Für die langfristige digitale mediennutzung in der region war das ein ganz wichtiger erster Schritt, der in die richtige richtung weist. T I l m A N N D I S T e l b A rT H H A N I X - Wann werden Sie erstmals ernsthaft Resümee ziehen können, um festzustellen, ob die neue digitale Stimme nach ihren Vorstellungen angenommen wird? In den letzten Jahren haben wir den Onlinebereich etwas verstärkt. Wir haben sicherlich auch Themenschwerpunkte umgeschichtet. Dazu ist in den Köpfen der redakteure das Denken hin zum Crossmedialen, weg vom reinen Printdenken, gelenkt worden. Dadurch, dass die redaktion in der Tendenz inzwischen crossmedial denkt und arbeitet, waren keine Neueinstellungen in großem Umfang nötig. T I l m A N N D I S T e l b A rT H H A N I X - Jeder Journalist und jedes Medienunternehmen wird lautstark beipflichten, dass journalistische Arbeit bezahlt gehört. Wie konnte es soweit kommen, dass User nicht einsehen, dass sie für digitale Inhalte auch bezahlen müssen? Um wirklich sagen zu können, wie dieser »Heilbronner Weg«, wie wir unsere digitale Offensive hausintern nennen, am markt ankommt, muss man sicherlich ein halbes Jahr warten. Dann werden wir ein erstes öffentliches Zwischenresümee ziehen können. T I l m A N N D I S T e l b A rT H H A N I X - Welches neue digitale Stimme-Produkt ist ihr ganz persönlicher Favorit? Der Grundgedanke des Internet ist der gewesen, dass man in echtzeit Information über die ganze Welt versenden und lesen kann. eine nie gekannte Freiheit ist dadurch entstanden, die dann vom Anspruch her übertrieben wurde. Daraus entstand der Grundgedanke: Alles ist frei, also kann es auch nichts kosten. Diejenigen, die per se Inhalt produzieren, also die Verlage, haben den Fehler gemacht, das so zu akzeptieren. Auf der anderen Seite, und da will ich die Heilbronner Stimme gar nicht außen vor lassen, haben wir nicht geglaubt, dass wir groß genug sind, um alleine eine Trendwende zu bewerkstelligen. Die Trendwende schafft man nur, wenn viele Verlage zusammenstehen. Diese Offensive der deutschen Verlage, die alle an bezahlinhalten arbeiten, findet gerade statt. es ist eine branchenweite bewegung, dazu ist es für Smartphone- und Tablet-Nutzer normal, für Inhalte oder Apps zu bezahlen. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft, dass es beim Nutzer eine bezahlbereitschaft geben wird. T I l m A N N D I S T e l b A rT H -

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TEXT: SASCHA WARTHA FOTOS: ROBERT MUCHA, PRIVAT »V IELL E I c H T H ABE I cH AL S K I N D ZU V IEL M I T L E Go G E SPI E LT«

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TITELTHEMA: MEDIEN Daniel Glaser nutzt mit seinen beiden digitalen Projekten KRUX und CODEC das breite Spektrum der vernetzten Welt. Wir sprachen mit dem gebürtigen Bayern über sein Netlabel und seine audiovisuelle Kunst. H A N I X - Hallo Daniel. Erzähl uns doch mal kurz, wer Du bist und was Du machst. D A N I E L G L A S E R - Ich arbeite als Grafiker. Des weiteren lebe ich meine große Leidenschaft für Musik in verschiedenster Form aus. Dabei arbeite ich sehr viel mit digitalen Medien. Unter dem Strich bleibt dabei immer mein Ziel, zu gestalten. Glücklicherweise bin ich in der Situation, dass mein Beruf und meine sonstigen kreativen Tätigkeiten konform miteinander laufen. Eigentlich wurde ich seiner Zeit von meinem Arbeitgeber als Grafiker eingestellt, beschäftige mich mittlerweile aber sehr viel mit Animationen. Dies ist auch ein Thema in mehreren Bereichen meiner künstlerischen Parallelwelt. Im Großen und Ganzen biete ich eine Plattform für spezielle Musik und nutze dabei meine erworbenen Fähigkeiten in puncto Grafik und Animation um eine visuelle Entsprechung zu finden. H A N I X - Das bedeutet? rung sowie Musikproduktion gebildet, dem ich eine Plattform bieten möchte. Dazu lasse ich meiner gestalterischen Vorstellung in Form von Musikvideos, Cover Design, Videoinstallationen bei Live Performances, Flyer- und PlakatLayout, um nur einiges zu nennen, freien Lauf. Des weiteren habe ich auch zwei eigene Veranstaltungsprojekte ins Leben gerufen. Zum einen KRUX, das sich ausschließlich auf elektronische Independent Musik bezieht und zum anderen CODEC, das etwas stärker diesen visuellem Aspekt hervorhebt. H A N I X - Der ein oder andere Heilbronner hat sicher schon einmal eine deiner Videoinstallationen begutachten können. Für alle anderen bitten wir um eine kurze Erklärung. Durch die über Jahre entstandenen und gewachsenen Kontakte hat sich mir ein Fundus an überregionalen Künstlern aus den Bereichen VisualisieDANIEL GLASER - Um es etwas kompakter zu halten: Eine Videoinstallation kann man sich sinngemäß als großes Gemälde vorstellen, erweitert um den Faktor Zeit und Bewegung. Mir selbst geht es dabei um die Arbeit mit dem jeweiligen Raum. Also nicht allein um die Wirkung der Installation, sondern eher um das Spiel mit der Location, in DANIEL GLASER -

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TITELTHEMA: MEDIEN dem Sie sich befindet. Dafür ist eine konzeptionelle Struktur des jeweiligen Videos unerlässlich. Wildes Herumgeblinke und Gezappel entspricht nicht meinem Verständnis von guter Videokunst. Mein Verständnis von Videokunst ist so: Du baust eine Skulptur, die Fläche für eine Projektion bietet, und bearbeitest dann die Videosequenzen mithilfe diverser Software in Ihrer Form, damit diese anschließend haargenau auf die jeweilige Skulptur passen. Das ist dann das sogenannte Mapping, um ein Beispiel zu nennen. H A N I X - Wie kam es dazu, dass Du als Musik Liebhaber nicht Musiker, DJ oder Produzent geworden bist, sondern dich das Thema Video so in seinen Bann gezogen hat? immer sehr viel mit bildenden Künsten herumexperimentiert. Zu der Videogeschichte kam ich beim gemeinsamen Sichten diverser Videoprojekte mit Johannes, einem alten Studienkollegen. Eines Tages befand sich unter den Werken ein Film einer Berliner Videokünstlergruppe. Und seit ich deren Schaffen gesehen habe, lässt mich das Thema Videokunst nicht mehr los. Einige Zeit später bekamen wir die Möglichkeit im »Casino Saal« in Amberg die Live-Visuals zu gestalten. Das machten wir dann auch eine ganze Ecke lang und sammelten Erfahrungen. Des weiteren gründeten wir gemeinsam das jetzige Kreativ-Büro »Karambolage«, welches Johannes inzwischen alleine steuert. H A N I X - Nun gehst du ja in naher Zukunft mit deinem Projekt KRUX als eigenständiges Label an den Start. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht habe ich als Kind einfach zu viel mit Lego gespielt, habe schon immer irgendetwas gebaut oder etwas gestaltet. Einige Zeit habe ich mich mit durchwachsenen Ergebnissen tatsächlich als Maler versucht. Papier war für mich schon immer präsent. Ich habe mir einmal aus einer Wäschemangel eine skurrile Druckerpresse gebaut. Ich habe schon DANIEL GLASER - Bei KRUX geht es im Endeffekt um einen Versuch, aufzuzeigen, dass es neben unserer allgegenwärtigen Musik, sei es im Radio oder Fernsehen, auch in Clubs oder Bars eine Welt mit Musik gibt, die uns frei zugänglich und über große Flächen umsonst angeboten DANIEL GLASER -

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TITELTHEMA: MEDIEN wird. Bei der Auswahl der Musik, die ich unterstütze, hat natürlich mein eigener, individueller Geschmack eine tragende Rolle gespielt. Sich im Netaudio-Bereich zu bewegen gleicht an vielen Stellen einer Schatzsuche. Man muss schon etwas graben um an die besonderen Schmuckstücke heranzukommen. Sehr viel Musik im Netaudio-Segment ist ja tatsächlich umsonst, nur leider hat sich in den Köpfen der Gesellschaft der Gedanke »was nichts kostet, ist auch nichts wert« festgesetzt. Das ist der Knackpunkt, praktisch die Krux an der Geschichte. Dieses Denken stimmt einfach nicht. Viele Projekte sind zu innovativ, um damit am Markt Geld zu verdienen. Ist es deshalb der Mühe nicht wert, diese zu veröffentlichen? Keineswegs. Unter dieser Menge an frei zugänglicher Musik befinden sich richtig kostbare Sachen. Mit KRUX möchte ich einerseits den Künstlern eine Plattform bieten und andererseits den Menschen den Zugang zu diesem parallel Universum ermöglichen. Durch die vielen Kontakte zu Sounddesignern, die in den letzten acht Jahren entstanden sind, hat es sich mit KRUX dahin entwickelt, 2014 als eigenständiges Netlabel an der Start zu gehen. H A N I X - Kann man denn schon etwas zum Output des KRUX-Labels verraten? D A N I E L G L A S E R - Eigentlich möchten wir uns nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen. Ganz grob umrissen werden wir über uns Intelligent Dance Music, Glitch, Drone und Ambient, eben verschiedene Stile der Electronica-Music veröffentlichen. Die Planungen sind dabei soweit fortgeschritten, dass wir Mitte Februar mit dem ersten Release daherkommen, und zwar von Felix Förster aus Nürnberg. Das wird ein digitales Release unter dem Pseudonym Ap Hel, das zusätzlich auch noch als physikalisches Release in Form zweier Datenträger, einer CD sowie einer beiliegenden Blue Ray Disc, erscheint. Und solche zusätzlichen Aktionen in Form von CDs oder Sonstigem wird es soweit möglich des öfteren geben, weshalb die Bezeichnung Netlabel auf KRUX gemünzt nicht zu hundert Prozent passt. Vielleicht sollte man es eher Independent Label mit Fokus auf digitale Releases nennen. H A N I X - Stichwort Medien. Mit dem Einzug der digitalen Welt hat sich die Medienlandschaft und

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TITELTHEMA: MEDIEN gleichzeitig der eigene Einfluss darauf sehr verändert. Jemand mit deinem Einblick konnte doch nichts Besseres passieren, oder? Ich finde die Möglichkeiten, die uns die digitale Technik heutzutage ermöglicht grandios. Mit wenig Mitteln viel erschaffen zu können und damit auch noch sehr viele Menschen zu erreichen ist doch ein Traum. Für mich fühlt es sich an wie ein Schweizer Taschenmesser mit Tausend Funktionen. Es ist ein Tool, ein Werkzeug, mit dem wahrlich nicht jeder umzugehen weiß. Aber die Dinge, die wir durch das Internet zur Verfügung gestellt bekommen, um damit zu arbeiten und auf sich aufmerksam machen zu können, sind unbezahlbar. Jedoch schließt die digitale Form die Analoge nicht aus. Gerade dieses Spiel, etwas Analoges, beispielsweise in Form von Musik dann im nächsten Schritt digital zu machen und anders herum. Digitale Prozesse ermöglichen viel, aber am Ende kann durchaus wieder etwas Analoges entstehen. Ein Bild aus dem Netz auszudrucken, um es dann tatsächlich in der Hand zu halten. Die digitale Welt ergänzt unser reelles Leben und DANIEL GLASER - vernetzt Menschen auf der ganzen Erde miteinander. Das ist doch eigentlich der Wahnsinn, auch wenn es für uns durch die Macht der Gewohnheit schon lange nicht mehr den Stempel »Wunder« an sich trägt. H A N I X - Nenne uns doch einmal ein Beispiel für solch ein Wunder. Mit meinem Projekt CODEC, bei dem das primäre Augenmerk nicht auf den akustischen, sondern den visuellen Beiträgen gerichtet wird, war ich vor einigen Wochen im COMPLEX 23 zu sehen. Dabei präsentierte ich auf Leinwand einen Film einer Gruppe, bestehend aus Video-Artists und Musikern. Ein audiovisuelles Erlebnis. Bevor wir den Film starteten, ermöglichte es mir die digitale Welt einen dieser Künstler mit Aufenthaltsort Oslo per Skype Live ins COMPLEX zu schalten, um diesem dann gezielt Fragen rund um die Produktionsprozesse zu diesem Film zu stellen. Wir Anwesenden sahen ihn samt seiner Mimik und Gestik. Er wiederum saß in seinem Wohnzimmer und sah uns, wie wir da versammelt waren und seinen Worten lauschten. Da ich gerne meine KomDANIEL GLASER -

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TITELTHEMA: MEDIEN munikationspartner sehe und dieses als sehr viel persönlicher empfinde, nutze ich Skype sehr häufig. Also eigentlich kein besonderer Vorgang mehr. Und doch sitzen wir trotz hunderter Kilometer zwischen uns beisammen und können miteinander kommunizieren. Das ist die Realität und das ist grandios. H A N I X - Von der großen, weiten Welt zurück ins beschauliche Unterland. Vor gar nicht allzu langer Zeit bist du hier hergezogen. Wie gefällt es dir denn hier? Ursprünglich stamme ich aus der Oberpfalz. In erster Linie bin ich wegen der Arbeit hier hergekommen, hatte seinerzeit donnerstags ein Vorstellungsgespräch bei einer Werbeagentur und habe dann direkt montags darauf hier angefangen zu arbeiten. Für mich hat das nach gefühlten fünf Minuten Sinn ergeben, und ich hoffe, meinen Chefs ging es damals ähnlich. Jetzt bin ich seit drei Jahren hier und muss erkennen, bei Weitem noch nicht alles kennengelernt zu haben. Das kommt so nach und nach. Ich fühle mich von den Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen. Für mich war einer der ersten Anlaufpunkte das »Data 77112«. Und von dort hin zum »Mobilat« oder dem »Complex 23« mit seinen Betreibern, Aktiven und Gästen ist es nicht sehr weit. Und plötzlich lernst du eine Menge Leute kennen und bekommst über diese mit, was Heilbronn eigentlich zu bieten hat. Und das scheint mir eine ganze Menge. Ich fühle mich rundherum wohl hier und freue mich auf alles, was es noch zu entdecken gibt. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich mal gezielt bei einigen Personen für Ihr Vertrauen und Ihre Hilfe und Unterstützung bedanken. Das sind zum einen Sandra und Wolfi vom »Complex 23«, Micha vom »Mobilat«, natürlich Markus und Theo vom Data 77112... DANIEL GLASER H A N I X - … HANIX? Wie zum Beispiel morgens um 7 Uhr schreiende Kinder in der S-Bahn, die mit Ihrem sonnigen Gemüt überhaupt kein Verständnis dafür aufbringen können, dass ich im halb schlafenden Zustand noch nicht wirklich stressresistent bin. H A N I X - Deine Message an die HANIX Leser lautet? Liebe HANIX-Leser, bleibt neugierig! Es gibt da draußen so viel Grandioses zu entdecken und erleben. DANIEL GLASER - LINKS: krux.perpetual-bet.net krux auf fb: www.facebook.coM/GroupS/netlabelShowcaSe codec auf fb: codec _ audio/video art www.randoMforM.coM www.Soundcloud.coM/wirewound httpS://Soundcloud.coM/krux-netlabel-ShowcaSe httpS://viMeo.coM/carlSSonviSual www.Mobilat-club.de www.coMplex23.de ( lacht ) Ja, natürlich auch beim HANIX. Alle, die hier etwas bewegen, sich gegenseitig unterstützen und helfen und das Leben hier so lebenswert machen. DANIEL GLASER H A N I X - Wie verhält es sich den so als Oberpfälzer mit den Schwaben? Machen dir deren Eigenheiten zu schaffen? PROGRAMMHINWEIS: rƎ[i]-vrb_nk a/v perforMance von flint kidS + Ǝounterpart Sa. 19.10.2013, 22:00uhr coMplex 23, SalzStraSSe 23, heilbronn Nein, überhaupt nicht. Wenn du darauf hinaus willst, was mir hier nicht so gefällt muss ich dich enttäuschen. Die Dinge, die mir hier missfallen, würden mir auch in jeder anderen Stadt auf den Keks gehen. DANIEL GLASER -

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TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: MARIA SANDERS/ MARION WÜSTLING ICH HAB‘ MIR EINFACH V E RT R AU T DIE BESTSELLERAUTORIN GABY HAUPTMANN WEISS, WAS FRAUEN LESEN WOLLEN.

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TITELTHEMA: MEDIEN Sie w i rd di e » Kö n ig in d er Un t erh altungs lite ratur« ge nannt. Gaby Hau p tm an n i s t m o n d ä n u n d m i t ih re r d ire k te n A r t, rich tig s ym path i sc h . Sc h r i f t s t el l er i n wo l l t e s ie e ige ntlich nich t we rd e n. Tro tzd e m h at si e 3 0 Bü c her g es c h r ieb e n. Nun is t d ie Be s ts e lle rauto rin im He i l b ron n er Th ea t er z u Ga s t und e r zäh lt in d e r Lite raturre ih e »Au t or i m Ge s pr ä c h« , wa r u m ih r d as Sch re ibe n wich tig is t. Raschel raschel. Es wird unruhig im Saal. Die Damen reden, kramen in ihren Handtaschen oder halten den Fotoapparat nervös in den Händen. Einige der Besucher schauen schon auf die Uhr, nach dem Motto, wo sie denn bleibe. Das Publikum kann es kaum noch abwarten, Gaby Hauptmann zu sehen. Und dann kommt sie: In schwarzen engen Jeans und dünner Steppjacke schreitet sie in Richtung Bühne. Was schon beeindruckt, wenn man sich die hohen Absatzschuhe aus schwarzem Velourleder genauer anschaut. Das orientalisch-angehauchte Collier funkelt in dem gedimmten Licht und ihre Haare schweben, als ob sie gerade frisch vom Friseur kommt. Gaby Hauptmann betritt die Bühne und sofort klatscht das Publikum Beifall. Ihr gefolgt, der Moderator des Abends, Dr. Wolfgang Niess. Der leitende Redakteur des SWR Fernsehens ist bekannt für seine seit 1994 erfolgreich bestehende Literaturreihe, »Autor im Gespräch«, bei der er namhafte Schriftsteller oder Newcomer vorstellt. Es wirkt schon sehr glamourös, wie sich Gaby Hauptmann bewegt. Und jetzt hat sie wohlmöglich das Sympathiebarometer geknackt. Nach einer einleitenden Frage von Dr. Wolfgang Niess, beginnt die Autorin für Jugendbücher und Frauenromane, zu erzählen. Und hört gar nicht mehr auf, sie sprudelt vor Energie. Sympathisch, frisch und ehrlich kommt sie rüber. Zufriedenes Aufatmen bei den überwiegend weiblichen Gästen. So haben sie sich wahrscheinlich ihre Gaby vorgestellt. Aber noch viel spannender ist es der erfahrenen Schriftstellerin aus Allensbach am Bodensee zuzuhören. Sie hat etwas zu sagen und dabei spricht sie nicht über schlüpfrige Bettgeschichten und gibt auch keine Tipps, wie man seine Beziehung auffrischen könnte. Sie erzählt, wie sie zum Schreiben gekommen ist und, dass sie eigentlich noch etwas ganz anderes im Sinn hatte. Nach einem Volontariat beim Südkurier in Konstanz, arbeitete sie dort weiter als Reisejournalistin. Das Schreiben liebte sie, aber nicht die Langeweile. Gaby Hauptmann wollte nicht die nächsten vierzig Jahre nur bei einer Tageszeitung angestellt sein. Als ihr ihr damaliger Chef einen Vertrag unter die Nase hielt, dachte sie nur: »Na prima, die tragen mich hier im Sarg raus.« Also kündigte die damals 22-Jährige mutig ihren Job und gründete ein eigenes Pressebüro. »Nach sechs Jahren lief es so gut, dass ich mich langweilte«, gibt sie zu. Also fing sie an, Bücher zu schreiben. Genau genommen hat sie das schon als Teenager gemacht. Ihr aller erstes Buch, »Alexa – die Amazone« (1994), ist ein Jugendbuch. Das hat sie bereits mit 16 Jahren geschrieben und später, mit 37 Jahren veröffentlicht. Ihr zweites Buch »Suche impotenten Mann fürs Leben« (1995) schlug ein wie eine Bombe. Der Grundstein für eine Karriere als erfolgreiche Buchautorin war gelegt. Es folgte ein Bestseller nach dem anderen. »Nur ein toter Mann ist ein guter Mann« (1996), »Die Lüge im Bett«

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TITELTHEMA: MEDIEN (1997), »Die Meute der Erben« (1999) und »Liebesnöter« (2012), um nur einige zu nennen. Gaby Hauptmann hat sich schier die Finger wundgetippt und hat Erfolg mit ihrem lebendigen Erzählstil und den prickelnden Geschichten. 30 Bücher hat sie bislang veröffentlicht, darunter elf Kinder- und Jugendbücher sowie sechs Verfilmungen mit hochkarätigen Namen, wie Heiner Lauterbach, Dirk Bach und Wigald Boning. Kritische Stimmen bemängeln gerade die unterhaltsame Sprache und die erotischen Abschnitte in ihren Frauenromanen. »Mir ist es wichtig meine Leser zu unterhalten«, sagt die Autorin selbstbewusst. Geschmack ist eben verschieden. Und wenn es den Lesern nicht gefallen würde, wären Hauptmanns Bücher wohl kaum in 35 Sprachen übersetzt worden und hätten auch keine Auflage von sechs Millionen Exemplaren in Deutschland. Ein kurzer Plausch mit Martina Martin: Sie möchte sich auf jeden Fall noch ein Buch signieren lassen, das sie extra mitgenommen hat. »Gaby schreibt einfach amüsant«, sagt die selbstständige Immobilienmaklerin aus Massenbachhausen. Die 49-Jährige ist mit ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter gekommen. »Es ist spannend zu sehen, welche Person sich hinter den Büchern verbirgt«, beschreibt Großmama Renate Richter (76) den Kennenlernabend mit »Frau Hauptmann«. Dabei war es gar nicht ihre Absicht, Schriftstellerin zu werden. Es hat sich vielmehr so ergeben. »Das ist wie mit den Männern«, scherzt sie über den Erfolg, »ignorierst du sie, kommen sie alle auf einmal.« Die schlagfertige Autorin wollte immer Filme machen, sagt sie mit leicht südschwäbischem Dialekt, wobei sie sich den ganzen Abend bemühte, klares Hochdeutsch zu sprechen. Doch kleine Nuancen ihrer Stimme lassen ihren Ursprung immer wieder durchblitzen. Als Frau der ersten Stunde war sie 1987 als Chefredakteurin bei einem der ersten Privatsender Seefunk Radio Bodensee tätig. Dann ging es zum Fernsehen. Zunächst beim Südwestfunk 1 in Tübingen, anschließend in die Hauptzent82 rale SWF3 nach Baden-Baden. Dort war sie zunächst als Autorin tätig, später auch als Produzentin und Regisseurin. Gaby Hauptmann drehte einen Spielfilm in Brasilien sowie zahlreiche Porträts für den Hessischen Rundfunk, sie produzierte 27 Folgen ihrer eigenen Serie »Pp - Prominenz privat« und Dokumentarfilme für den Südwestrundfunk. 1991 folgte ihr privates Glück: Gaby Hauptmann wurde Mutter. Das war für sie der Zeitpunkt, sich mehr ihrer Tochter widmen zu wollen, aber auch ihren Texten. Von 2001 bis 2003 moderierte sie mit Lea Rosh die Literatursendung »Willkommen im Club« (VOX), in der sie gemeinsam Autoren und ihre Werke vorstellten. Dem Schreiben blieb sie jedoch treu und veröffentlichte ab 2003 ihre Kinder- und Jugendbuchserie »Kaya – frei und stark«. Ihre Frauenromane dagegen sind oft eine Mischung aus Liebe, Sex und Leidenschaft. Hauptmann schreibt gerne über spannende und prickelnde Abenteuer, die entweder jedem schon mal passiert sind oder, die sich der eine oder die andere möglicherweise wünschen würde. Wie sie zu dem Stoff ihrer Bücher kommt? Einige der Situationen habe sie selbst erlebt. Es sind ganz unerwartete Begegnungen. Menschen, mit denen sie sich ganz normal unterhält und plötzlich ist sie da: Die Idee für ein Buch. Sie habe eine blühende Fantasie, sagt sie selber über sich. »Ich schmücke die Situation nur wesentlich stärker aus«, so die Autorin, »und schreibe, wie es hätte sein können.« Mit warmer Stimme liest Gaby Hauptmann den letzten Absatz aus ihrem neuen Buch zu Ende. »Ich liebe dich, aber nicht heute« heißt es. Es handelt von Liane und Marius, einem Liebespaar, dessen Beziehung funktioniert. Sie lieben sich und haben alles, was es zum Glücklichsein braucht. Außer eines: Die Leidenschaft ist ihnen abhandengekommen. »Egal wo ich hinsah«, beschreibt die 56-jährige ihre Entscheidung für die Geschichte, »überall kam dieses Thema auf.« Seien es Frauenzeitschriften, beim Treffen mit der Freundin oder im Fernsehen – immer wurde es thematisiert. »Also musste ich darüber schreiben«, beschloss die ge-

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TITELTHEMA: MEDIEN lernte Journalistin. Ihr Vater sei ein ausgesprochen guter Geschichtenerzähler gewesen. »Es war so spannend ihm zuzuhören, weil er alles so bildlich erzählte«, gab Hauptmann wieder und drückte mit ihrer rechten Hand eine imaginäre Türklinke nach unten, als sie ihren Vater beim Gruselgeschichtenerzählen imitierte. »So etwas kann ja nur abfärben«, sagt sie und muss laut anfangen zu lachen. Außerdem war sie als Kind immer draußen. Doch an einem Sommer machte ihr Petrus einen Strich durch die Rechnung. Es hat jeden Tag geregnet, den ganzen Sommer lang. Klein Gaby war genervt davon, bis sie anfing, sich ihre eigenen Geschichten auszudenken und hat Gefallen daran gefunden: »Das ist ja toll, da kann man ja machen, was man will.« Sie konnte Menschen erschaffen, sie so aussehen lassen, wie sie es wollte. Sie konnte sich die Lebensgeschichte ihrer Figuren ausdenken und sie mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontieren. Deswegen ist ihr das Schreiben so wichtig. Die Bestsellerautorin ist selber passionierte Reiterin und setzt sich aktiv für den Tierschutz ein. »Mit Kaya hatte ich die Chance, Jugendliche auf Dinge aufmerksam zu machen, die sich hinter der heilen Pferdewelt abspielen«, sagt Hauptmann und schildert diverse Erfahrungen. Wie könnte eigentlich das Buch der Zukunft aussehen? Die Schriftstellerin fasst sich ans Kinn und überlegt: »Das wird noch eine Weile dauern, denke ich.« Die Lesergruppen sind gespalten. Viele Leser nutzen e-books oder e-papers. Doch es gäbe auch viele Leser, die allem noch das Buch vorziehen. Hauptmann verrät: Zum schnellen Nachschlagen und Recherchieren seien die digitalen Medien schon recht prak- tisch, aber sie sei ein »Buchmensch«. Vergnügen heißt für Sie: Ein gutes Buch auf der Couch zu lesen und nebendran ein Glas Rotwein. Es gibt viel über die zierliche Person und ihre Bücher zu erfahren. Sie macht neugierig und unterhält. Gaby Hauptmann ist ein Optimist und will mit ihrer Einstellung, »alles wird schon irgendwie gut gehen«, auch ihre Leserinnen und Leser starkmachen. »Ich hab‘ mir einfach vertraut«, beschreibt sie ihre innere Haltung. »Und wenn alle Stricke reißen, kann ich immer noch ein Anzeigenblättle aufmachen.« weitere infoS über die autorin www.Gaby-hauptMann.de

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TEXT: KEN JEBSEN / KENFM FOTOS: STREETS ARE SAYING THINGS WiE maN SiCh »EmBEDDED« SO SChläft maN. ODER... »JOURNALISMUS HEISST, ETWAS ZU DRUCKEN, VON DEM JEMAND WILL, DASS ES NICHT GEDRUCKT WIRD. ALLES ANDERE IST PUBLIC RELATIONS.« (GEORGE ORWELL)

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TITELTHEMA: MEDIEN ÜBER KENFM: kenfM iSt ein freieS preSSeportal, eine plattforM, die bewuSSt daS internet alS einziGeS verbreitunGSMediuM nutzt, uM daS klaSSiSche Wenn man heute wissen will, ob es draußen schneit, geht man ins Internet. Vor der Erfindung des Internet ging man einfach ans Fenster. Die Dauerpräsenz der Massenmedien, zu denen das Web gehört, ersetzt bei immer mehr von uns das, was man früher gesunden Menschenverstand nannte. Gesunder Menschenverstand kann als eine Mischung aus Vernunft und Erfahrung betrachtet werden. Erfahrung benötigt Zeit. Das Internet gibt uns diese Zeit nicht mehr. Kaum ist eine Eilmeldung ein paar Minuten alt, wird sie durch eine neue Eilmeldung eilig ersetzt. In klassischen Medien konnte man die Wichtigkeit einer Meldung auch an der Position der Veröffentlichung erkennen. Wichtiges wurde zum Aufmacher und stach, z. B. in der Zeitung entsprechend platziert, sofort ins Auge. Im Fernsehen war DIE Top-Meldung schon daran zu erkennen, zu welcher Zeit sie, in welcher Sendung, an welcher Stelle, veröffentlicht wurde. Prime-Time und Top-Meldung gehörten zusammen. Damals. Mit der Erfindung des Netzes verschiebt sich die gesamte Wahrnehmung der Welt. Auf einem einzigen Screen, der immer mehr zur einzigen Verbindung nach draußen pervertiert wird. Es gibt nur noch EINEN Bildschirm. Mobiltelefon, Laptop oder Tablet. Aber immer flach. Hier ist das, was oben aufpoppt, nicht automatisch wichtig, sondern vor allem NEU. Neu reingekommen. Neu und wichtig verschmelzen und so wird alles, was älter als NEU ist, unwichtig, oder alles, was neu ist, wichtiger als das, was es ersetzt hat. »Boris Becker fährt bei Rot über Ampel in München«. Diese digitale Schlagzeile ist, wenn sie einen AKW-Störfall in Japan von der Pole Position im Onlinebereich verdrängt hat, damit automatisch wichtiger. Dass das irgendwie nicht stimmen kann, merkt der User in diesem Fall natürlich. Nur wie soll er jetzt die Wichtigkeit einer Nachricht überhaupt erkennen, z. B. wenn er sich mit dem Thema, das da präsentiert wird, nur bedingt oder gar nicht auskennt? Auf diese Dauerirritation hat der User inzwischen reagiert. Er hat sich angepasst. Alles scheint offensichtlich beliebig zu sein. Also GLEICH wichtig oder GLEICH unwichtig. Ergo, alles ist nur Unterhaltung. Man kann es lesen und sofort wieder vergessen. Niemand muss sich noch etwas merken, denn das was da SendeGebiet eineS ukw-radioS auf den Ganzen deutSchSprachiGen rauM auSzudehnen. kenfM Steht für politiSche StateMentS und aufwendiG produzierte SpezialSendunGen. darüber hinauS führt kenfM jede woche interviewS zu taGeSaktuellen ereiGniSSen. kenfM wurde jahrelanG durch Gez Gebühren erMöGlicht, StieSS dabei aber iMMer häufiGer an die Grenzen deSSen, waS kenfM unter preSSefreiheit verStand. kenfM wird heute auSSchlieSSlich von den uSern finanziert. kenfM Geht eS nicht uM die Quote, Sondern uM relevanz. kenfM kann heute So arbeiten, da die redaktion auSSchlieSSlich deM uSer verpflichtet iSt und nicht einer intendanz Mit parteibuch. die finanzielle unterStützunG der uSer Macht kenfMS arbeit überhaupt erSt MöGlich. kenfM verSteht Sich SelbSt daher auch alS daS portal all derer, die kenfM Mit ihreM Geld den auftraG GeGeben haben, iM dreck zu wühlen, die Spreu voM weizen zu trennen. WEITERE INFOS UND WIE MAN KENFM UNTERSTÜTZEN KANN: www.kenfM.de/unterStutze-kenfM/ alle paar Sekunden aufpoppt, auch bei den großen Onlineportalen, die klassische Nachrichtenmagazine oder Zeitungen hinter sich wissen, ist in der Regel nur bedingt recherchiert. Dafür war gar keine Zeit. Nicht im Onlinejournalismus. Oft wird in Meldungen a) durch ein Update in Meldung b) widersprochen. Aber das fällt nicht auf. Oder kümmert nicht.Fazit. Die Informationsgesellschaft weiß alles über die letzten 48 Stunden, aber nichts über die letzten 150 Jahre. Eine solche Gesellschaft hat ein Gedächtnisproblem und kann von daher an der Nase herumgeführt werden. Das geschieht jeden Tag. Rund um die Uhr. An dieser Stelle eine Handvoll Meldungen der etablierten Massenmedien aus den letzten Tagen. Sie müssten uns allen extrem zu denken geben. Dass dem nicht so ist, hat damit zu tun, dass eben diese

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TITELTHEMA: MEDIEN Massenmedien nahezu vollständig »embedded« sind. Gefangen in einer gigantischen Hofberichterstattung, die man ganz früher Propaganda nannte, und die von einem gewissen Herrn Rheydt ganz meisterlich beherrscht wurde. Goebbels wäre heute vor allem als Drahtzieher bei Youtube, Facebook, Tumblr oder Twitter aktiv Google würde Goegls heißen. Der Minister für Propaganda, also einseitige Information, kannte Edward Bernays und er wusste von Kurt Tucholsky. Während er von Edward Bernays vor allem lernte, wie man die Massen dank ausgeklügelter PR-Methoden zu ALLEM bringen kann, dankte er Tucholsky für die Erkenntnis: »Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.« Kommen wir zu den Meldungen, um die es hier beispielhaft gehen soll; nein, stellen wir erst einmal eine Frage: Dieses Syrien, das ist doch immer noch in der Hand von diesem Despoten Assad. Richtig? Der hat eine eigene Armee und unterdrückt mit eben dieser sein Volk. Und da müssen wir alle eben helfen, dass das syrische Volk befreit wird. Im Jahr 2000 verkaufte z. B. Deutschland noch reichlich sogenannte Sicherheitstechnik an diesen Assad. War der da auch schon ein Despot? Egal. Fakt ist, die syrische Armee besteht aus lauter Verbrechern. Nur dass die, exakt wie unsere Armee, Uniform trägt. Aber gerade aus diesem Grund müssen wir helfen, neben den USA und Saudi Arabien oder Bahrain, die bewaffnete Opposition, Rebellen genannt, mit allerlei schweren Waffen zu unterstützen. Außerdem haben die Vereinigten Staaten jetzt zugegeben, z. B. im Libanon das ein oder andere Ausbildungslager zu betreiben, um hier aus Laien an der Waffe Profi-Killer zu machen. Ausbildungslager heißt so was, wenn der Westen es betreibt. Ausbildungslager, weil das positiv klingt. Ausbildung. Da steckt das Wort Bildung drin. Was nicht so recht ins Bild passt, ist, dass die, die da ausgebildet werden, gerne aus den Kreisen des Terror-Franchise-Unternehmens Al Qaida stammen und in Syrien und Umgebung die Scharia einführen wollen. Was denn? Leute aus dem Dunstkreis von Osama bin Laden, der sich irgendwo im Pazifik rumtreiben soll, kämpfen, unterstützt von den USA, in Syrien? Ja. Über den Wolken der Ideologie muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Jedes andere Land, das so etwas tun würde, wäre automatisch Teil der »Achse des Bösen« und das Ausbildungslager hieße dann auch Terrorcamp und wäre ein klassischer Kriegsgrund. Soweit so irre. Aber es kommt noch besser. Wenn die USA sich wirklich für Menschenrechte und Demokratieexport einsetzen wollen, dann personell aber lieber »Low Budget« bleiben müssen, schicken sie eine Drohnen-Flotte. Drohnen sind unbemannte Flugobjekte, die, wenn es sein muss, schwer bewaffnet aus großer Höhe willkürlich Verdächtige per Knopfdruck in die Luft sprengen können und auch tun. Tausendfach. Kontrolliert werden diese fliegenden Kampfsterne nur vom US-Präsidenten. Er ist Ankläger, Richter und Verteidiger in einer Person. Er fällt die Urteile. Todesurteile. Bei der Ausführung dieser Todesurteile kommen in der Regel auch jene Menschen mit um, die zufällig in der Nähe der Person stehen, die in Stücke gerissen werden soll. Das ist okay. Weil, Terrorist ist nun mal Terrorist, Opfer müssen gebracht werden. Es müssen ja nicht zwingend die eigenen Opfer sein. Die USA organisieren das Killen per Drohne, wo immer es ihnen passt. Z. B. im Jemen oder in Pakistan. Haben die Vereinigten Staaten Pakistan den Krieg erklärt? Nö. Aha, und wie ist so eine Liquidierung von Staatsfeinden ohne fairen Prozess, ohne Anhörung, ohne Anklage, dann rechtlich einzuordnen? Das ist einfach. Das Töten per Drohne ist ein eklatanter Verstoß gegen sämtliche Menschenrechte und hat mit Rechtsstaat null zu tun. Aha. Und was ist mit den Opfern, die zufällig umkommen oder Schwerverletzte werden? Die sollen sich nicht so haben. Hand aufs Herz, wenn bei uns ein Mann in einen Kindergarten geht, um die Kindergärtnerin umzubringen, weil er sie einfach nicht ab kann, und dann eine Handgranate wirft, würden wir uns echauffieren, nur weil alle Kinder im Umfeld mit in die Luft fliegen würden? Unsere Kinder. Natürlich nicht. Das gehört so. Und wenn der Mann dann auch noch Uniform tragen und das in einem Kindergarten im Ausland machen würde, dann, ja dann ist das erst recht eine völlig gerechtfertigte Aktion und man sollte dem Herren einen Orden verleihen. Reden wir nicht mehr darüber. Es ist Alltag. Alltag ist auch, dass die USA jetzt erwägen, die Rebellen von eben, die man bisher in Syrien mit Waffen trainiert und unterstützt hat, jetzt ebenfalls aus der Luft per Drohne wegzublasen. Bitte was? Das kann doch nur ein Scherz sein. Erst helfen die Amerikaner Terroristen im Ausland anzuwerben, um mit ihnen Syrien zu destabilisieren, und dann plant dieses Amerika, diese Männer aus der Luft in die Luft zu sprengen? Wo stand das? Na in der ZEIT. Online. 16.März. Am Tag des Massakers von My Lai. Da heißt es: »In den

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TITELTHEMA: MEDIEN USA gibt es Überlegungen, mit Militärgewalt in den Syrienkonflikt einzugreifen. Doch nicht das Assad-Regime soll bekämpft werden, sondern Dschihadisten.« Interesse an der Begründung? Obwohl, eigentlich braucht die kein Mensch, vor allem kein Leser, denn er hängt längst im Wachkoma fest. Die ZEIT, also das Vorzeige-Medium der Bildungsschicht, das man beim Lesen auf dem großen Esstisch immer so ausbreitet, dass alle die Patek Philippe-Uhr am Handgelenk sehen können, die ZEIT schreibt jedenfalls: »Die USA befürchten, dass in Syrien ähnlich wie in Somalia der Staat kollabieren könnte und unkontrollierbare Milizen die Herrschaft an sich reißen. In dem Land herrscht ein Bürgerkrieg, seit sich Rebellen gegen das Regime von Baschar al-Assad erhoben haben.« Ach was, haben die sich erhoben? Schon irre. Erst helfen die USA diesen Rebellen beim Ausüben von Terroranschlägen, pushen also den Bürgerkrieg, und dann machen diese Terroristen einfach immer weiter und die USA müssen erkennen, huch, diese Terroristen sind voll krass, weil die machen überhaupt gar nicht, was man ihnen sagt. Nämlich Terror nur nach Absprache. Übersetzt gesprochen, nur innerhalb der allgemein üblichen Geschäftszeiten. From Nine to Five. Und wie gesagt. Überstunden erst nach dem Go aus dem PentaGOn. Der schönste Satz im Text der ZEIT ist aber folgender: »Die CIA gehe davon aus, dass bereits jetzt zahlreiche alQaida-Anhänger unter den Kämpfern sind.« Was würden wir von einem Menschen halten, der bei IKEA einkauft, sich dann die IKEA-Waren kommen lässt und zu Hause zu seinem Entsetzten feststellt: Egal was er da auspackt, es stammt von IKEA. Die USA bestellen bei ihren Freunden in der Region Saudi-Arabien eine Handvoll Terroristen. Qualitätsware. Die man schon kennt. Al Qaida-Umfeld. Waren nicht 17 der 19 Attentäter des 11. September auch aus Saudi-Arabien? Also aus den Werkhallen der Terror Company Al Qaida? Das gehört nicht hierher. Jedenfalls schicken die Saudis dann diese Al Qaida-Soldaten. Alle sind zufrieden. Am Anfang schießen die Scharia-Schergen auch recht solide auf alles, was sich bewegt. Frauen und Kinder zuerst. Und dann plötzlich schlägt die Importware aus Riad über die Stränge und macht Überstunden. Die Mission wird »impossible«, läuft komplett aus dem Ruder. Im ganzen Satz: diese Al Qaida-Männer aus Saudi-Arabien haben sich nach kurzer Zeit benommen wie ein Auto aus russischer Produktion. Nur, wer haftet in so einem Fall? Der Lieferant, sprich der Scheich? Die USA wollten Gotteskrieger, nur ohne Gott. Al Qaida. Nur ohne Mudschaheddin. Arabisch. Nur ohne rubbish. Es ist zum verrückt werden. Jedenfalls müssen diese arabischen Rambos jetzt weg und da helfen eben nur noch US Drohnen. Ich fasse zusammen. Die USA unterstützen Rebellen in Syrien mit schweren Waffen und bilden sie in Terrorcamps außerhalb des Landes aus. UND die USA bekämpfen im Anschluss diese Männer, da diese in Syrien das tun, für was sie eingekauft worden sind. Chaos stiften. Irre an diesem Bericht in der ZEIT ist, dass die ganze Aktion vom Blatt nicht hinterfragt wird. Hat die ZEIT nicht die Zeit dazu? Merke: Wer zu viele Fragen stellt, macht sich nur verdächtig. Z. B. beim Leser. Der Will, das wusste schon Pulitzer, nicht lesen, was die Zeitung denkt, sondern das, was er selber denkt. Der Bildungsbürger aus Hamburg, der mit dem Land-Rover die Hunde in den Forst fährt, mag es offensichtlich nicht, wenn man sein Weltbild all zu sehr infrage stellt und damit strapaziert. Das kostet Ansehen, aber vor allem Abonnenten. Bleiben wir in Syrien. Wenden wir uns der FAZ zu. Das

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TITELTHEMA: MEDIEN Hochhalteblatt der Feuilletonisten, mit Sitz in Frankfurt a. M., schrieb am 16. März, ebenfalls im Onlinebereich: »Berlin gibt Widerstand gegen Waffenlieferungen auf.« Zu sehen war Guido Westerwelle, der Mann, der es zwar geschafft hat, Außenminister zu werden, dem es aber bisher nicht gelungen ist, Außenminister zu sein. Aber zurück zur FAZ-Schlagzeile: »Berlin gibt Widerstand gegen Waffenlieferungen auf.« Versteht wer diesen Satz? Es ist schwer. Richtig. Einfacher hätte man schreiben können: »Deutschland verkauft jetzt auch noch Waffen in ein Land, in dem bereits Krieg stattfindet. Bürgerkrieg.« So ein Satz hätte sicher eingeschlagen, wie die Meldung von Franziskus zieht nach Rom. Aber das will die Presse wohl gar nicht. Die Presse will oder besser soll, einseifen. Medial auf die Narkose vorbereiten. Die Augenlider werden schweeeeeer. Würde Adolf Hitler heute noch leben und wäre im Amt und hätte vor, Russland anzugreifen, die FAZ würde titeln: »Der Führer wirbt für mehr Engagement im Osten.« Na das klingt doch nach Aufbruch. Und das soll es auch. Fakt ist, Deutschland ist nach 1945 nicht in einem Krieg, sondern in mehreren. Parallel. Deutschland tötet in Afghanistan und das über einen Zeitraum von zehn Jahren. Selbst die Nazis hatten nach 6 Jahren Krieg fertig. Deutschland war im Kosovo. Deutschland ist in Mali. Deutschland liefert U-Boote nach Israel, die man atomar bestücken kann. Deutschland liefert diese Waffen, nachdem Israel laut über einen Erstschlag gegenüber dem Iran nachgedacht hat. Berlin unter Merkel verkauft an alle und jeden. Offiziell oder weniger offiziell. Sogar an den Iran. Und jetzt gibt Berlin seinen Widerstand gegen Waffenlieferungen nach Syrien auf. Welchen Widerstand? Syrien ist aber auch ein fieses Land. Die schießen einfach Granaten über die türkische Grenze und fabrizieren dabei eine tote Frau und ihre 4 Kinder. Aus diesem Grund hat Deutschland auch dem Wunsch der Türkei entsprochen und mehre hundert Mann an die türkisch-syrische Grenze entsandt. Zusammen mit einer Patriot-Raketen-Batterie, mit der man quasi ohne UN-Mandat eine Flugverbotszone eingerichtet hat. Reichweite 150 km in den syrischen Luftraum. Westerwelle sagte zu seinem GO für Waffen nach Syrien, also in ein Krisengebiet, was nach den deutschen Rüstungskontroll-Bestimmungen streng verboten ist: »Es müsse eine Balance gefunden werden, wie die syrische Opposition verantwortbar gestärkt werden könne, ohne den Konflikt noch mehr anzu88 heizen.« Es gibt ein Bild von 2010, da sitzen Westerwelle und Assad in Damaskus noch ganz locker zusammen und plauschen beim Tee aus dem Samowar. Unser Tipp: Auf gar keinen Fall »googeln«. Das würde nur irritieren. Noch heftiger aus der Bahn werfen würde eine Meldung aus dem Heft »DER SOLDAT«. DER SOLDAT ist quasi das Sprachrohr des österreichischen Verteidigungsministeriums. Also hochoffiziell. Was in »DER SOLDATDER SOLDAT abgedruckt wird, wurde geprüft und für wahr befunden. Es geht um den angesprochenen Überfall der Syrer auf türkisches Hoheitsgebiet am 3. Oktober 2012. Noch am Abend dieses Tages tritt in Brüssel der NATO-Rat zusammen. Es geht um das Klären der Frage, ob Erdogan das Recht auf NATO-Schutz hat. Oder nicht? Hat er natürlich. Im NATO-Schreiben an die Welt heißt es dann auch, Syrien müsse seinen »abscheulichen Bruch internationalen Rechts beenden.«Syrien hat natürlich alles bestritten, und deshalb stehen jetzt eben die Patriotraketen aus Deutschland plus der deutschen Soldaten an der Grenze zu Syrien. Kommen wir zur Meldung aus dem Heft DER SOLDAT. In der Ausgabe Nr. 1/2013 vom 18.1.2013. Dort steht schwarz auf weiß: »Türkei: Jene Werfergranate aus Syrien, die fünf Türken tötete, stammt eindeutig aus NATO-Beständen. Es scheint so, als hätte das NATO-Mitglied Türkei die syrischen Aufständischen mit Waffenlieferungen unterstützt. Allerdings müssten diese Lieferungen mit anderen NATO-Staaten abgestimmt sein.« Zitat Ende. Ich versuche das mal in Worte zu fassen. Ab 5 Uhr 45 wird zurück geschossen. Der Zweite Weltkrieg begann so. Mit einer Lüge. Genau, wie die deutsche Beteiligung an dem Krieg in Syrien mit einer Lüge begonnen hat. Der Angriff auf die Türkei kam nicht von Assad, sondern wurde von der NATO via syrischer Rebellen organisiert. Mit NATO-Granaten. Zweifel an der offiziellen Version waren ja schon Tage nach der tödlichen Attacke in den türkischen Medien aufgetaucht. Später schrieb die Onlinezeitung nrhz darüber. Das aber wurde z. B. in den anderen NATO-Staaten einfach ignoriert. Oder muss es heißen unterdrückt? Und jetzt, wo es vom österreichischen Verteidigungsministerium offiziell bestätigt wurde, ist es … auch egal. Es löst noch immer keine Diskussion aus. Empörung? Die starb mit Stéphane Hessel. Frage: Was sollen WIR, die Leser, denn jetzt machen? Wie wär´s denn damit: Kinder, jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, jetzt haben wir die-

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TITELTHEMA: MEDIEN se Patriotraketen an der Grenze zu Syrien, jetzt können wir nicht mehr zurück. Mal was anderes. Wenn das deutsche Volk sich Anfang 43 entschlossen hätte, nicht mehr mitzumachen, wäre ihm 44 und 45 irgendetwas erspart geblieben? Ich ziehe die Frage zurück und werfe eine andere in den Raum. Wir alle wissen, dass die NATO sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR verändert hat. Aus einem Verteidigungsbündnis ist eine Angriffsmaschine geworden, die jeden Krieg vom Zaun bricht, der nötig ist, um Bodenschätze zu erobern. Moderne Kreuzzüge. Die NATO lügt also inzwischen, um ihre permanenten Einsätze zu rechtfertigen, und ist heute so ehrlich und friedlich wie die deutsche Wehrmacht nach ihrem »Besuch« in Polen. Die NATO macht aus ihrer neuen Aufgabe aber gar kein Hehl. So sagte der NATOGeneralsekretär Japp de Hopp auf einer NATO-Tagung ganz offiziell: ».. die Nato muss sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen, Energiesicherheit etwa...« Als genau dasselbe Bundespräsident Horst Köhler in ein Mikrofon des Deutschlandfunks absonderte, kostete ihn das den Job. Er musste den Wohnsitz wech89 seln. Bellevue war perdu. Die NATO wurde 1949 gegründet. Sie sollte Kriege in der Zukunft verhindern. Als Bündnis. Idee dahinter, wenn z. B. die UdSSR ein Land der NATO angreift, wird das gesamte Bündnis aktiv. Diese Abschreckungspolitik funktionierte 60 Jahre in Europa und hatte mit dem Gegenspieler der NATO zu tun. Dem Warschauer Pakt. Während der ganzen Jahrzehnte kam es kein einziges Mal zum besagten Bündnisfall. Wann wurde dieser Bündnisfall zum allerersten Mal in der Geschichte der NATO ausgerufen? NACHDEM der Warschauer Pakt sich lange aufgelöst hatte. Konkret am 11. September 2001!!! Die NATO, ein Militärverbund, der von den USA gegründet und beherrscht wird, rief zum ersten Mal in der eigenen Geschichte den kollektiven Ernstfall aus, NACHDEM der große und echte Gegenspieler Warschauer Pakt gar nicht mehr existent war. Braucht die NATO einen Feind? Z.B. um die eigene Rüstungsmaschinerie am Laufen zu halten? Hat die NATO das historisch einmalige Zeitfenster erkannt, das sich aus dem Zusammenbruch der UdSSR und der Aufbauphase China ergeben hat? Ein Machtvakuum. In Eurasien!

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TITELTHEMA: MEDIEN Die NATO ist militärisch im Moment jedem Gegner total überlegen. Das wird nicht immer so bleiben. Peking drängt nach vorn. Aktuell Platz fünf in den Rüstungscharts. Fakt ist, die NATO hat einen Terroranschlag in NYC genutzt, um daraus den Bündnisfall abzuleiten. Sie deutete 9/11 als einen Angriff einer fremden Nation. Von außen. Welche fremde Nation hat die USA am 11. September 2001 angegriffen? Von außen? Gar keine. Es war kein Land, das die USA angegriffen hat, auch offiziell war es eine Gruppe von Terroristen, die zum größten Teil aus Saudi-Arabien eingeflogen waren. Wenn die NATO also einen Bündnisfall haben wollte, warum hat sie sich bis heute nicht in Saudi-Arabien blicken lassen? Wieso wird diese simple, aber entscheidende Frage, die für die gesamte Geschichte danach entscheidend ist, bis heute irgendwie nie gestellt? Wieso wird nicht klar gesagt, sorry USA, sorry NATO, aber der Fall 9/11 ist ein Terroranschlag. Er rechtfertigt nicht den Bündnisfall. Nach dem 11. September wurde von den USA eine Liste von Terrorstaaten erstellt, die man seither »abarbeitet«. 60 Länder sind da notiert. 60! Was offiziell nie zur Debatte stand war, wer für 9/11 verantwortlich sei. Bin Laden. Al- Qaida. Richtig? Im Commission Report, der überhaupt erst auf Druck von Privatpersonen entstand, wird klar gesagt, Osama bin Laden war es. Zusammen mit seinem Terrornetzwerk Al Qaida. Wer im Report das 170 Meter hohe Gebäude WTC7 sucht, das als drittes Hochhaus neben den WTC 1 & 2 um kurz nach 17 Uhr und ohne Treffer eines Flugzeuges in sich zusammenbrach, in Freifallgeschwindigkeit, kann lange suchen. WTC7 fehlt im Bericht. Das 170 Meter hohe Gebäude kommt nicht vor! Ebenfalls nicht vor kommt das aktuelle Bild des toten Osama bin Laden, als man ihn angeblich 2012 erschoss. Jedes Magazin, weltweit, jede Nachrichtensendung arbeitet mit 10 Jahre altem Archivmaterial bei der Präsentation der Ergreifung des Top-Terroristen. Ausnahmslos. Auch der SPIEGEL.Die Presse auch in diesem Land hat bis heute im Fall 9/11 komplett versagt. Sie hält den Bürger zum Narren und spricht nicht aus, was jeder sehen kann, der sich auf WTC 7 konzentriert. Dieses Hochhaus wurde gesprengt. Professionell. Zum Vergleich: Wir wissen nicht von wem, wir wissen nicht warum, was wir wissen ist, die offizielle Geschichte stimmt überhaupt nicht, und alles was sie bis heute auslöst ist ein Verbrechen in Folge. Ohne die »embeddeten« Medien wäre diese medialglobale Inszenierung gar nicht möglich. Da wir sie geschluckt haben, kann man jetzt mit uns machen was man will. Die Massenmedien können übermorgen behaupten, Osama bin Laden und Al Qaida haben zwar mit dem 11. September zu tun, aber eben nicht allein. Sie könnten die Reihenfolge der wichtigsten Strippenzieher ändern. Die Täter neu gewichten.Würden wir das hinnehmen? Oder würden wir ab Punkt X auf die Strasse gehen? Freunde. Würden wir nicht. Die Medien haben die offizielle Version längst geändert und das auch schon gebracht. Ganz offiziell. Aber es ist an uns vorüber gerauscht

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TITELTHEMA: MEDIEN oder wir haben es verdrängt oder saßen vor dem Jungle Camp.So schrieb SPIEGEL Online am 4.10.2012:9/11: US-Richter verlangt Milliarden-Entschädigungen von Iran und Al-Qaida Bitte was? Wie kommt denn plötzlich der Iran auf diese Liste? Von Iran haben wir in diesem Zusammenhang ja noch nie gehört. Egal. Wird das eben geändert. »Flexible History«, so heißt es im Text weiter:»Es ist ein symbolisches Urteil: In New York hat ein Bundesrichter Iran, die Hisbollah, Al-Qaida und die Taliban angewiesen, den Hinterbliebenen der 9/11-Opfer Milliardenentschädigungen zu zahlen. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Iran Al-Qaida bei den Anschlägen unterstützte.«Man achte auf die Reihenfolge, wer soll zahlen? Na die, die am meisten beteiligt waren. Also Iran, Hisbollah, Al Qaida und die Taliban. Dann war dieser Osama bin Laden also doch nur einer von vielen, die 9/11 zu verantworten haben. Ja? Bisher war der Mann aus Saudi-Arabien ja immer DER Mann. Deshalb waren die USA in ihrer Funktion als »Head of NATO« dann ja auch spontan in Afghanistan und dann im Irak, um den Terrorfürsten dingfest zu machen.Auf die Frage an den damaligen Verteidigungsminister Dick Cheney, warum er denn jetzt den Irak angreife, antwortete dieser, »weil es dort mehr Ziele gibt« … Diese Antwort fiel wirklich. Sie wurde nicht bei den Simpsons erfunden. Ist eigentlich bekannt, dass die USA den Hinterbliebenen von 9/11 Entschädigungssummen in Millionenhöhe, pro Person, ausgezahlt haben? Ist bekannt, dass fast alle das Angebot annahmen, aber im Gegenzug ein Schreiben unterzeichnen mussten, dass sie unter gar keinen Umständen jemals weitere Ansprüche stellen würden? Z. B. falls der Fall 9/11 nochmal aufgerollt werden würde. Warum macht ein betroffenes Land so was? Fest steht, mit 9/11 ist die NATO, und damit alle ihre Mitglieder, im Krieg gegen den Terror. Bin Laden und Al Qaida und die Taliban waren AUCH beteiligt, aber eben viel stärker die Hisbollah und der IRAN. Ganz neu auf der Liste ist dann der iranische Geistliche Ajatollah Ali Chamenei.Das alles hat SPIEGEL Online so abgedruckt. Ohne Fragen zu stellen. Als wäre alles in Butter. Ich bin sicher, wenn auf der Liste Sexbombe Claudia Schiffer aufgetaucht wäre, der SPIEGEL hätte auch das übernommen. Wenn es von Washington autorisiert gewesen wäre. Fest steht, wir haben kein finales Bild von der Ergreifung Osama bin Ladens, außer wenn wir ins Kino gehen und uns dort die Hollywoodversion ansehen. »Zero Dark Thirty.« Für immer mehr Mediennutzer ist dieser Film der ultimative Beweis. Fest steht, wenn Argo, ein Film über die Befreiung amerikanischer Bürger aus der Botschaft in Teheran, zum besten Film des Jahres gewählt wird, also plumpe Anti-Iran-Propaganda, dass Michelle Obama persönlich, die Frau des Präsidenten, den Umschlag öffnet. Live. Im Weißen Haus. Fest steht, dass die deutschen Medien am nächsten Tag dann nicht über die komplette Verschmelzung von Politik und der Propagandaindustrie Hollywood schreiben, sondern über den Umstand, dass in der iranischen Berichterstattung Frau Obama per Fotoshop ein längeres Kleid verpasst bekam. Fest steht, dass die Medien innerhalb weniger Wochen Werbung für die Islamisten in Syrien gemacht haben, die aus Radikalen bestehen und von den USA ausgerüstet und trainiert wurden. Fest steht, dass diese USA jetzt diese Rebellen gerne via Drohnen abknallen wollen und unsere Medien auch nicht einen Hauch von Unverständnis äußern. Fest steht, dass deutsche Tankflugzeuge in Mali französischen Bombern zu mehr Reichweite verhelfen. Fest steht, dass deutsche Medien auf die Frage, wie viele Tote es in Mali gibt, sich die Antwort der französischen Militärs gefallen ließen: »Viele«. Punkt. Fest steht, dass wir U-Boote an ein Land geliefert haben, das angekündigt hat, einen Krieg gegen den IRAN führen zu wollen. Auch mit diesen U-Booten. Fest steht, dass die BRD jetzt doch Waffen nach Syrien liefern will. Und wird. Fest steht, dass die BRD zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt aufgestiegen ist. Fest steht, dass deutsche Firmen Spähsoftware im großen Stil an totalitäre Systeme wie Bahrain liefern, welches von Menschenrechtsorganisation angemahnt wird, aber das die deutsche Presse unter ferner liefen oder gar nicht bringt. Fest steht, dass die USA im Irak massiv in Folter verwickelt waren bzw. diese auch noch anordneten. Fest steht, dass die deutsche Presse dazu keine eigene Meinung hat. Fest steht, dass das »nicht-NATO-Land« Österreich offiziell verkündet, dass der Angriff der Syrer gegen die Türkei mit NATO-Sprengstoff stattfand. Also selber inszeniert war. Fest steht, dass unsere Presse das gar nicht bringt – wenn aber, nicht die Frage stellen würde, ob deutsche Patriotraketen damit nicht völlig illegal in die Türkei geschafft worden wären. Fest steht, dass UNS das alles nicht interessiert, dass unsere Presse es verschweigt, runterspielt oder einfach ohne zu hinterfragen, abdruckt. Fest steht, dass die gesamte Presselandschaft, bis auf

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TITELTHEMA: MEDIEN ganz wenige Ausnahmen, sich weigert, all diese Fakten zu einem Gesamtbild zusammenzufassen. Die Presse weigert sich kollektiv, die Geschichte dieses Gesamtbildes zu erkennen, indem die Presse die Zusammenhänge nicht nur nicht benennt, sondern sie ignoriert. Seit September 2001. Er existiert! Der direkte Zusammenhang zwischen 9/11 und:Deutschen U-Booten nach Middle East, deutschen Patriot-Raketen an die türkisch-syrische Grenze, deutschen Tankerflugzeugen über Mali, deutschen Waffenlieferungen nach Syrien und deutschen Soldaten, die nach 10 Jahren immer noch in Afghanistan alles tun, nur nicht dem seinerzeit erklärten Ziel nachgehen, nämlich dafür zu sorgen, dass in diesem Land Mädchenschulen und Brunnen entstehen. Er existiert, der direkte Zusammenhang zwischen 9/11 und dem Einsatz von DU-Munition u. a. im Irak und einer explodierenden Krebsrate, im Zusammenhang mit einer Missbildungshäufigkeit bei Neugeborenen in nie gekanntem Ausmaß. Er existiert, der direkte Zusammenhang zwischen dem Aufstieg Deutschlands auf Platz drei der größten Rüstungsexporteure der Welt und 9/11. Er existiert, der direkte Zusammenhang zwischen dem überraschenden Abgang des Bundespräsidenten Horst Köhler, nach seinen Aussagen bzgl. deutsche Soldaten müssen auch »Nachschubwege sichern« und den illegal veränderten »Aufgaben« der NATO, nämlich überall dort Terror zu finden oder besser zu erfinden, wo man Bodenschätze findet. Oder Pipelines verlegen möchte. Er existiert, der direkte Zusammenhang zwischen 9/11 und dem Spiegeltitel Nr. 47 aus dem Jahre 2006 »Deutsche müssen das Töten lernen«. Er existiert, der direkte Zusammenhang zwischen 9/11 und den massiven Bemühungen des ebenfalls Ex-Verteidigungsministers von und zu Guttenberg, die Wehrpflicht über Nacht abzuschaffen. Sprich, die Bundeswehr in eine Armee von Berufssoldaten zu verwandeln. Diese Armee wird in Zukunft das tun, was auch die US-Armee längst getan hat. Sie wird verstärkt mit professionellen Berufskillern, umgangssprachlich Söldnern, zusammenarbeiten, die dann die ganz üblen Drecksjobs zu erledigen haben. Eine Armee in der Armee, die man »dazu« mietet, wenn »Tod am Mann« ist. Die höchst kriminellen Killerjobs werden einfach auch in Deutschland an international operierende private KillerKommandos outgesourced. Schon heute boomt in diesem Segment die Privatwirtschaft. So kann sich die »Sicherheitsbranche« über explodierende Margen freuen, seit sie z. B. deutschen Frachten, die an Afrika vorbei müssen, 2-3 Männer pro Schiff gegen Rechnung auf den Kahn schickt. Auftrag der bewaffneten Kräfte, Piratenangriffe in Internationalen Gewässern zu vereiteln. Das kostet den Reeder eine Stange Geld, ist aber immer noch billiger, als wenn das Schiff gekapert würde und man Lösegeld für Technik, Fracht und Crew zahlen müsste. Der Krieg gegen den Terror ist längst auch für Deutschland ein Geschäft geworden, und dieses Geschäft kann nur dann ausgebaut werden, wenn die Bedrohung ausgebaut wird. Wer darüber schreibt? Jedenfalls nicht die deutsche Presse. Warum eigentlich? Warum? Ist es vorstellbar, dass die von Keynes in der freien Wirtschaft angedeutete »unsichtbare Hand« des Marktes, von der wir heute wissen, dass diese Hand alles ist, nur nicht »frei«, ist es vorstellbar, dass eine solche »unsichtbare« Hand auch in den Medien existiert? Ein Art Gatekeeper? Ein Verhinderer von Enthüllungsstorys. Eine Crew von Leuten, die in einer Art Doppelagenten-Funktion » J o u r n a l i s t /G e h e i m dienstmann« dafür zu sorgen hat, dass Tabuthemen wie Folter durch die NATO, inszenierter Terror durch den Staat, 9/11, auf gar keinen Fall in der Berichterstattung vorkommen. Oder nur oberflächlich? Ist es vorstellbar, dass alle jene, die ihren Job als Reporter ernst nehmen, also rumschnüffeln, verwarnt, eingeschüchtert oder gefeuert werden? Welche Macht, welcher Geheimdienst hätte überhaupt die Möglichkeit, diese »Kontrolle«

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TITELTHEMA: MEDIEN durchzuführen? Welcher Dienst hätte dazu allein personell die Kapazität? Wer diese Fragen stellt und logisch vorgeht, für den schränken sich die infrage kommenden massiv ein. Von der CIA beispielsweise wissen wir, dass sie offiziell rund 30.000 Mitarbeiter im »Außendienst« beschäftigt. Die Clowns in Action sind überall. Man muss extrem ignorant sein, um nicht zu wissen, dass man z. B. bei der BILD-Zeitung ein internes Papier zu unterschreiben hat, in dem es heißt, dass man niemals etwas veröffentlichen wird, was z. B. amerikanischen oder israelischen Interessen schadet. Konkret, man darf solche Storys recherchieren, man darf zufällig auf sie stoßen, nur BRINGEN darf man sie nicht. Ist das Journalismus oder ist das Propaganda? Zurück zum Verteidigungsministerium. Nach Berlin. Wie naiv muss man sein, um zwischen 9/11 und dem Satz des aktuellen Kriegsministers de Maiziere keinen direkten Zusammenhang erkennen zu können. De Maiziere sagte: »Deutschland müsse sich an den Anblick von Veteranen wieder gewöhnen.« Als ich neulich auf der Grünen Woche war, kam ich am ebenfalls grünen Präsentationsstand der Bundeswehr vorbei. Gegenüber war die Kirche vertreten. Hier konnte man sich eine Sonderedition der Bibel kaufen. Gott sei Dank? Auf meine Frage an die Bundeswehr, wo man sich denn hier mal über PTBS, also die posttraumatische Belastungsstörung informieren kann, eine chronische Krankheit, unter der auch immer mehr deutsche Soldaten nach ihren Kampfeinsätzen lei93 den, antwortet mir der Offizier in Ausgehuniform: »Das hat der Dienstherr leider nicht vorgesehen.« Okay! Der Dienstherr der Bundeswehr ist das Verteidigungsministerium. Aber wer ist der Dienstherr der Presse? Das Gewissen? Hat das Gewissen vorgesehen, dass die Presse sich zum Komplizen des Terrors zu machen hat? Wer als Bürger bewusst wegsieht, ignoriert oder verdrängt, ist ein Trittbrettfahrer der Demokratie.Wer als Pressevertreter dasselbe tut, nur eben aktiv, professionell, indem er an allen Fronten leugnet, indem er jeden Kollegen aus den eigenen Reihen ausschließt oder als Verschwörungstheoretiker brandmarkt, nur weil dieser das tut, was Kern des Berufes ist, nämlich Fragen zu stellen, Ungereimtheiten aufzuzeigen, wer das alles tut oder durch Mitläufertum unterstützt, der macht sich nicht nur massiv schuldig, der wirft damit auch die wesentlichen Bestandteile eines totalitären Systems in die Waagschale des Rechtsstaates. Dass wir vor allem in Deutschland vor uns hindämmern, als sei die Welt in bester Ordnung, hat auch damit zu tun, dass wir immer noch nicht erkannt haben, was Globalisierung bedeutet. Wir gehen davon aus, die Gefahr des totalitären Staates würden wir am Staat erkennen. Dabei ist das Wesen der Globalisierung, dass der einzelne Staat kaum noch eine Rolle spielt. Wie kann ein einzelner Staat davon ausgehen, frei zu sein, wenn er in ein totalitäres System eingebunden ist? In diesem globalen System wird alles in Region A getestet, nachgebessert und dann auf den Rest des Systems übertragen. Die Überwachungs-Software z. B., die deutsche Firmen nach Bahrain verkaufen, damit dort die Opposition ausspioniert und unterdrückt werden kann, diese Software ist hier illegal, kommt aber von dort zurück. Der Staatstrojaner ist doch auch bei uns schon zur Anwendung gekommen, nur dass er enttarnt wurde. Das war ein Anfängerfehler. Beim nächsten Mal macht auch unser Staat, unsere Wirtschaftsdemokratie, die Herrschaft der supereichen, es besser. Tarnen und Täuschen. Uns sollte die allgemeine Ruhe unruhig machen. Dass das nicht geschieht, ist darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem der Demokratie, die »freie« Presse, sich weitgehend »embbedded« hat. Aber das Versagen sämtlicher Eliten wäre, ohne das kollektive Totschweigen von Tatsachen durch die Massenmedien gar nicht zu organisieren. Diese meine Brache hat sich weitgehend zu dem entwickelt, was man Mittäter nennt. Mittäter beim Kampf gegen den Terror, der in Wahrheit ein Kampf FÜR den

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TITELTHEMA: MEDIEN Error ist. Unser Fachgebiet ist der Medien-Error. Weglassen, frisieren, lügen. Aber immer aktuell. Wie man sich embedded, so schläft man. Nur wenn man aufwacht, befinden wir uns alle in einem System, das nicht nur an Orwell erinnert, sondern weit über ihn hinausgeht. Orwell war ein Optimist. Es ist ekelhaft, erbärmlich und erschreckend, wie die Gleichschaltung der Medien, die »Globalisierung der Lüge« ein derartiges Ausmaß annehmen konnte, dass man sich als Mensch mit intaktem Urteilsvermögen vorkommt, als hätte man als Einziger seine Psychopharmaka nicht genommen. Kennt wer da draußen die Schlüsselszene im Film »Das Fest«? Die Konfrontation mit der Wahrheit. Nein? Nachholen. Wir sind so unglaublich gut im Verdrängen von Fakten, dass einem nur die leidtun können, die für unsere Rückgratlosigkeit, unsere Feigheit und unseren Verrat an sämtlichen Werten werden bezahlen müssen. Unsere Kinder. Wissen wir das? Oder ahnen wir es nur? Haben wir deshalb immer weniger Nachwuchs? Zumindest in Deutschland. Und hier der wichtigste Satz nach dem Erwachen aus dem Alptraum, den wir uns immer noch als »Demokratie«, sprich Herrschaft durch das Volk, verkaufen lassen. »Das haben wir doch alles nicht gewusst«. Es gab mal eine Zeit in der jungen Bundesrepublik, da gingen Pressevertreter für ihre Überzeugung in den Knast. Z. B. Rudolf Augstein, der einen Monat gesiebte Luft atmete, nachdem der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß die Redaktion des Spiegel in Hamburg hatte besetzen lassen. Nach 103 Tagen wurde Augstein wieder entlassen und die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen das Blatt wegen Landesverrats niedergeschlagen. Die Presse hatte sich gegen den Zugriff der Macht gewehrt. Diese Zeiten sind vorbei. Wo mal Mut war, ist heute nur noch Unterwerfung. Wo mal Courage war, Angst und Feigheit. Investigativer Journalismus ist durch kritischen »Wohlfühl-Journalismus« ersetzt wor94 den. Ein Journalismus, der immer an Querfeldein-RallyeFahren erinnert. Es geht darum, Tabuthemen geschickt auszuweichen. Permanent. »Die Macht der Presse liegt im Unterschlagen von Tatsachen«, erkannte schon früh Marshall McLuhan. Und der Soziologe und Arzt Gustave Le Bon wusste: »In der Masse sinkt der Verstand mit der Anzahl der Versammelten«. Die Versammelten haben mit der Erfindung des Internet längst die Milliardengrenze geknackt. Zu dumm, nicht wahr? Wenn Le Bon Recht hat, erklärt das, warum die 99% z. B. der Occupy-Bewegung es bisher nicht geschafft haben, die simpelste aller Ideen in die Tat umzusetzen. Zuhause bleiben. Einen Monat zu Hause bleiben. Der Drill des Systems beginnt schon am Handgelenk und wird von den Sklaven auch noch als Statussymbol getragen. Die Uhr. Ohne Uhr würde das ganze System binnen Tagen in sich zusammenbrechen. Wir alle sind so tief verstrickt in ein Netz aus Gewohnheiten, die uns nicht befreien, sondern auf Trab halten sollen, dass wir auch die simpelsten Gegenstände des Alltags nicht mehr als das decodieren, was sie sind. Kontrollinstrumente. »free press« beginnt mit: »Free Your Mind And Your Ass Will Follow«

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» PE E R S T E I N B RÜ C K H AT T E E I N E N F E I N D I N S E I N E R P R - A B T E I LU N G «

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TITELTHEMA: MEDIEN Tan j a Ke i t e l is t s eit ü b er zehn Jah re n Me d ie ntraine rin und h ilft Ho ch karät e r n au s d er Wir t s c ha f t d a b e i, m e d iale Fe ttnäpfch e n zu ve rm e id e n. Wir sp r ac h e n m it d er Heil b ro n ne rin übe r ih re Me th o d ik , Uli Ho e ne ß und e i n e n u n s ä g l i c hen Au f t r i t t e vo n Ch ris tian Wulff. TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: PATRICK LABITZKE H A N I X - Tanja, Du bist unter anderem Medientrainerin. Was darf man sich darunter vorstellen? Wen machst Du fit für Auftritte in den Medien? mehr absetzen können und nur aus Unternehmenssicht argumentieren. Denn es ist auch bei solchen Botschaften wichtig, dass sie bei den Menschen ankommen. H A N I X - Merken dies die betroffenen Personen selbst oder kommt dies erst im Krisenfall? Medientrainerin bedeutet, dass die Leute und dementsprechend Unternehmen vor allen Dingen in Krisensituationen bei mir anrufen, wenn also irgendein Problem aufgetaucht ist und die aktuellen Nachrichten über das Unternehmen berichten. Meine Aufgabe ist es dann die Menschen so fit zu machen, dass es ein Gleichgewicht zwischen den Fernsehteams und den Befragten gibt. Viele Dinge entstehen unterbewusst, wie zum Beispiel das Entstehen falscher Begrifflichkeiten oder das Herausziehen von Aussagen aus dem Zusammenhang in Interviews. TA N J A K E I T E L H A N I X - Man kann also medial in viele Fettnäpfchen treten. Welche Tretminen werden besonders gerne ausgelöst? Der Großteil der Kunden kommt immer noch erst im Krisenfall. Allerdings habe ich in den letzten zwei Jahren bemerkt, dass immer mehr Unternehmen sich im Vorfeld mit dem Thema Medien auseinandersetzen, obwohl sie nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen. Das Bewusstsein, auf eine mediale Krise vorbereitet zu sein, wird immer größer. TA N J A K E I T E L H A N I X - Gibt es so fiese Redakteure und Redaktionen, die Schlagzeilen aus dem eigentlichen menhang reißen, um tendenziös zu berichten? TA N J A K E I T E L Zusam- Das Schlimmste ist wirklich, wenn die Menschen eine gute Botschaft und gute Neuigkeiten zum Unternehmen haben, dies aber schon durch die Fragestellung des Journalisten, der dann beispielsweise nach den größten Ängsten und Sorgen fragt, ausgehebelt wird, da die Befragten dann erst mal die größten Ängste und Sorgen beschreiben und sich überhaupt nicht mehr auf die positive Botschaft konzentrieren. Ein weiteres Beispiel ist, wenn Menschen nicht mehr sehr nah an der Realität sind und ihre Botschaften für die »normale« Bevölkerung gar nicht TA N J A K E I T E L - Das kann ich klar mit Ja beantworten. Allerdings muss man das Ganze in drei Sparten unterteilen: Zum einen gibt es natürlich Journalisten, die wirklich fair und objektiv berichten. Dann gibt es aber auch diejenigen, die durch die Fragestellung schon tendenziös berichten. Das sind Kollegen, die gern provozieren und emotionalisieren, da diese Dinge auch am besten im Fernsehen wirken. Dann gibt es als dritte Gruppe noch diejenigen, die keinen Journalismus studiert haben, sondern alles in der Praxis oder während eines Volontariats gelernt haben und dementsprechend unbewusst Fragen stellen, die für die Gegenseite ins

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TITELTHEMA: MEDIEN baucher finde ich das Tendenziöse am schlimmsten, denn diese Menschen haben keine professionellen Berater, die sie vor den Auftritten schützen. Sie werden ja grösstenteils überfallen mit einem Thema und äußern sich einfach unbedarft. Da kann schon eine harmlose Umfrage auf der Strasse zum YouTube- Lacher werden. Die meisten, die sich auf irgendwelche Doku-Soaps einlassen, wissen gar nicht, was alles passieren kann und wie sie sich selbst diskreditieren können. Die Umsetzer dieser Formate sind extrem manipulativ, denn sie benötigen eine gute Quote und etwas, an dem sich der Zuschauer reiben kann. Ein gutes Beispiel ist hier die Sendung Frauentausch, die nicht mit Darstellern besetzt ist. Hier haben die Umsetzer natürlich die Aufgabe schon vorher Salz in gewisse Wunden zu streuen. Das finde ich vor allem für die Kinder schlimm, die überhaupt nicht geschützt werden. H A N I X - Haben hinlaufen muss? die Realisatoren denn schon von vornherein ein Ziel oder ein Vorgabe wo das Ganze Hier gibt es zwei Szenarien. Das Eine ist, dass recherchiert und vorgecastet wurde, um schon vorher zu wissen, wo die wunden Punkte liegen. Die zweite Möglichkeit ist, dass der Realisator vor Ort selbst die Dinge entdeckt und vorantreibt, die Quote bringen. TA N J A K E I T E L H A N I X - Man muss also seine medialen Antworten so stricken und formulieren, dass es unmöglich wird für die Redaktionen einen neuen Zusammenhang zusammen zu schneiden? TA N J A K E I T E L - Genau das ist mein Trainingsziel. So dürfen meine Teilnehmer zum Beispiel nicht länger als 15 bis 20 Sekunden auf eine Frage antworten. Denn je länger man antwortet, desto größer ist die Möglichkeit, die verschiedenen Sätze miteinander zu kombinieren. Ich sage immer, dass meine Kunden mir niemals erzählen sollen aus dem Zusammenhang geschnitten worden zu sein, denn dann haben sie nicht auf mich gehört. H A N I X - Wie kann man das lernen? Welche Methoden wendest Du an? Muss man Schachtelsätze sprechen oder klare, kurze Sätze? Negative schlagen können. Diesen Journalisten fehlt theoretisches Wissen und das Handwerk. Da es immer mehr kleine Onlineredaktionen und Lokalsender gibt, arbeiten leider immer mehr ungelernte Kräfte in diesem Metier. H A N I X - Haben sich auch Medienunternehmen bei dir gemeldet und deine Arbeit in Anspruch genommen? Das ist schon vorgekommen. Hier habe ich den Medienhäusern gezeigt wie ein gut gemachtes Interview und ein gut gemachter Beitrag funktionieren. TA N J A K E I T E L HANIX Trifft das nur deinen Kundenkreis oder auch ganz normale Ottonormalverbraucher, die zufällig oder gecastet vor die Kamera kommen? TA N J A K E I T E L - Für die sogenannten Otto-Normal-Ver98 Meine Methodik im Training ist ganz klar, den Kunden erstmal erzählen zu lassen. Die meisten manövrieren sich dann auch zielstrebig in den Schlamassel. Ich zeige ihnen dann auf, was man aus der Aussage alles hätte machen können. So drehe ich positive Botschaften um, wie es auch die Journalisten machen könnten, und erzeuge so ein gewisses Entsetzen bei meinen Kunden, was ein sehr TA N J A K E I T E L -

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TITELTHEMA: MEDIEN guter Lerneffekt ist. Ich zeichne auch alles auf und meine Kunden bekommen die gesammelten Szenarien auf DVD mit nach Hause. Generell kann man sagen, dass Schachtelsätze kein gutes Mittel sind, denn es geht darum, dass der Zuschauer die Botschaft versteht und zwar beim ersten Hören. H A N I X - Du macht mit deinen Kunden auch Atem- und Sprechübungen. Wozu soll das dienen? TA N J A K E I T E L - Viele Menschen stehen zum ersten Mal oder nicht jeden Tag vor einer Kamera. Wenn man dann vor einer steht, ist es oft schwierig die Nervosität in den Griff zu bekommen. Der Mund wird trocken, die Atmung wird flacher, man atmet nur noch über die Brust und langsam fängt man an zu hyperventilieren. Diese Situationen kann man ja im Alltag nicht üben und somit sind es Laborsituationen. Ich mache also Atem- und Sprechübungen mit meinen Kunden, um ihnen beizubringen authentischer und entspannter vor einer Kamera rüberzukommen. H A N I X - Was trainierst Du noch mit deinen Klienten? Empathie, also die Fähigkeit sich in andere hinein zu versetzen und zu wissen, was andere hören müssen und möchten. Was ich schlimm finde ist, wenn Vorgesetzte beispielsweise vor ihren Mitarbeitern sprechen ohne verstanden zu werden. Und die Frage, was die Menschen davon haben ihnen zuzuhören nicht beantworten können. Das Ziel eines Redners darf es nicht sein, nur sich und seine Themen in ein gutes Licht zu rücken. Ziel muss immer sein den Zuhörern eine Botschaft mitzugeben, die diese dann für sich nutzen können. TA N J A K E I T E L H A N I X - Wann ist ein medialer Auftritt aus deiner Sicht gelungen und wann ist er gescheitert? Gelungen ist der Auftritt, wenn die Menschen verstehen, was gesagt wird. Das klingt zwar ganz einfach, ist es aber leider oft nicht. Hier muss man sich nur mal die Nachrichten anschauen. Das Gesagte hat oft nicht viel mit dem Beitrag zu tun. Gelungen ist ein medialer Auftritt, wenn der Mensch eine persönliche Note hinterlässt und man merkt, dass er authentisch ist und vor allen Dingen die Wahrheit sagt. Im Allgemeinen ist die Wahrheit für die meisten, auch wenn sie schlimm ist, verkraftbar. Die wichtigste Grundregel im Fernsehen: es darf nicht gelogen werden. Der Zuschauer spürt, ob ein Mensch aufrichtig ist und die Wahrheit sagt. TA N J A K E I T E L H A N I X - Wie konsumierst Du Medien? Analysierst Du Politiker und Wirtschaftsmenschen bei ihren Auftritten im Fernsehen auch in deiner Freizeit? Ja, leider tue ich das permanent, weshalb es für mich sehr anstrengend ist fernzusehen. Ich analysiere auch Filme. Ich bin viele Stunden täglich mit Medien beschäftigt, da ich auch für meine Kunden am Puls der Zeit bleiben möchte. Ich brauche dann aber auch ab und an Phasen, in denen ich wirklich nichts anschaue. TA N J A K E I T E L H A N I X - Wer hätte ein Training bei dir nötig? In meinen Augen hatte Peer Steinbrück einen Feind in seiner PR-Abteilung, der ihm schaden wollte. Die Vorgehensweise des Teams ist wahrlich nicht gut, auch wenn Herr Steinbrück über seine Frau versucht hat, eine gewisse persönliche Ebene in das Ganze reinzubringen. Sigmar Gabriel hat kürzlich wohl offensichtlich gelogen, TA N J A K E I T E L -

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TITELTHEMA: MEDIEN HANIX aktuellen fandest du von den Uli Medienauftritt Hoeneß zwecks seiner Steueraffäre? Dieser Fall zeigt ganz gut auf das Fernsehen nicht oberflächlich ist, wie die meisten Menschen behaupten. Ich finde man spürt hier sehr gut ob ein Mensch die Wahrheit sagt und authentisch ist oder nicht. Bei Ulli Hoeneß hat man eben gesehen dass er die Menschen nicht ernst nimmt und sich über Dinge und auch Gesetze stellt und somit nicht mehr am Boden der Realität agiert. Er ist authentisch und er ist wahrhaftig aber man sieht eben hier sehr gut dass dieser Mensch keine Grenzen kennt, was sich übrigens schon lange angekündigt hat. TA N J A K E I T E L H A N I X - Wie hast du den Auftritt von Christian Wulff empfunden und was war dein Highlight an Auftritten bzw. Krisenmanagement? was das absolute No Go ist. Ich kann momentan sagen, dass ich in der Politik wirklich niemanden gut finde, zumindest was die Aussagen und die Authentizität betrifft. Denn ich sehe hier weder Aufrichtigkeit, noch die Fähigkeit die Botschaften klar darzustellen. H A N I X - Und wer leistet sich keine Fehler und ist ein medialer Vollprofi? Die Profis sind diejenigen, die eben nicht mit ihrem Privatleben in der Öffentlichkeit stehen. Hier sind beispielsweise Stefan Raab, Harald Schmidt und Florian David Fitz zu nennen. TA N J A K E I T E L - Natürlich fand ich den Auftritt Christian Wulff´s als Medientrainerin nicht gut zumal er uns zur Rechenschaft verpflichtet ist er aber bei seinem Abschied seiner Frau dankte, die noch nicht mal an seiner Seite sondern im Hintergrund stand, dies kann man sehr gern privat regeln hat aber nichts in der Öffentlichkeit zu suchen, viel mehr hätte sich Herr Wulff bei uns Bürgern entschuldigen müssen. Ich fand den Auftritt sogar so schrecklich, dass ich das auch auf Facebook kundgetan habe, was ich bei solchen Dingen sehr selten mache. Ein weiteres negatives Highlight war Karl Theodor zu Guttenberg, weil er einfach nicht aufgehört hat zu lügen. Positives zu benennen ist für mich sehr schwer, auch meine Teilnehmer möchten immer positive Beispiele sehen. Generell sind positive Beispiele wenn Menschen es schaffen mich mit einem Thema zu berühren dass mich vorher nicht berührt hat und meistens sind dies Menschen die sonst nichts mit Medien zu tun haben und die zum Beispiel bei Stern TV auftreten und einfach die Wahrheit aus ihrem Leben erzählen. TA N J A K E I T E L -

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info@memografie.com 0175-5629515 SHOOTING KEIN CENT BILLIGER* EURO *That shit cray.

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SONNENliCht, GaNGNam StYlE UND flaShmOBS Wie mit Youtube jeder idiot eine Bühne bekommt TEXT: ANDREAS HOCK FOTOS: REDAKTION

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TITELTHEMA: MEDIEN Klar, einzelne Ausnahmen gab es schon immer – aber wer früher bekannt werden wollte, für den galt normalerweise eine eherne Regel: Er musste dafür einige Anstrengungen unternehmen! Der Siegeszug des Videoclips ab Ende der Siebziger vereinfachte den Weg zumindest in die musikalische Ruhmeshalle zwar etwas, trotzdem durchlief zum Beispiel Louise Veronica Ciccone eine wahre Ochsentour, ehe aus der begabten Schülerin mit einem Intelligenzquotienten von 140 die weltweit umjubelte Pop-Ikone Madonna wurde. Davor lagen Abertausende Klavierstunden, Gitarren- und Schlagzeugunterricht, eine knochenharte Ausbildung als Tänzerin sowie eine Tingeltour durch die Schwulendiscos der amerikanischen Autometropole Detroit. Von den nächtlichen Nebenjobs als Kellnerin, mit denen sie ihren großen Traum von der noch größeren Karriere finanzierte, ganz zu schweigen. Nun kann man heute sicherlich darüber streiten, ob es noch ansehnlich ist, dass die Frau mit Mitte 50 noch in Netzstrümpfen über die Bühne toben muss. Eines aber ist unstrittig: Madonna hat sich ihren Erfolg hart erarbeitet. So wie zahlreiche andere auch, die es dank einer Mischung aus Talent, Fleiß und natürlich einer ordentlichen Portion Glück ganz nach oben geschafft haben. Mittlerweile braucht man dafür im Idealfall nur noch einen Computer mit Internetanschluss und eine Kamera. Youtube heißt der dazugehörige Idiotenbeschleuniger, der aus nahezu jedem Apfelsaftgesicht wenigstens kurzzeitig einen Star machen kann. Am 14. Februar 2005 wurde das Portal von drei ehemaligen PayPal-Mitarbeitern gegründet – wahrscheinlich, weil das Trio mit der vornehmen Bildschirmblässe sich darüber geärgert hat, dass es beim bereits einige Jahre zuvor bekannt gewordenen BezahldienstAnbieter ein bisschen zu spät eingestiegen ist, um das ganz große Geld zu machen. Das freilich hat sich rasch geändert: Schon ein Jahr später hatten die von der Youtube-Idee begeisterten Google-Vorstände Dollarzeichen in den Augen und kauften den Herren Chad Hurley, Steve Chen sowie Jawed Karim ihre Videoplattform für umgerechnet 1,31 Milliarden Euro ab und machten die blassen Spackos aus Kalifornien endlich zu Multimillionären. Als sei es noch nicht schlimm genug, dass für ein Unternehmen, das seinerzeit aus einem zugegebenermaßen ziemlich leistungsfähigen Server, vier Dutzend Mitarbeitern und einer Firmenzentrale oberhalb eines italienischen Schnellimbisses bestand, so viel Geld aufgerufen wurde wie im selben Jahr beispielsweise für einen kerngesunden deutschen Immobilienkonzern mit 30 000 Mietwohnungen, hat sich der Deal für Google auch noch tatsächlich gelohnt: Heute werden jede einzelne Minute annähernd 75 Stunden Videomaterial hochgeladen und von über 800 Millionen Nutzern angeschaut. Auf einen normalen Monat hochgerechnet, ergibt sich so eine Youtube-Gesamtsendezeit von 350 000 Jahren! Also praktisch ein Nonstop-Film vom Pleistozän bis zur Jetztzeit – und das alle vier Wochen. Mag sein, dass angesichts dieser Daten-Orgien vereinzelt auch mahnende Botschaften zur Wahrung der Menschenrechte in Tibet oder der Verschmutzung der Weltmeere in den Tiefen des Portals aufzustöbern sind. Aber die wirklich nachhaltigen politischen, philosophischen oder künstlerischen Botschaften findet man auf Youtube nicht wirklich. Stattdessen gibt uns die Seite erschütternde Einblicke in die Welt der Nerds und Eigenbrötler, der Selbstdarsteller und Geltungssüchtler. Dank der relativ einfachen Benutzerführung erfreuen wir uns also seit einigen Jahren an zahllosen Filmchen, in denen Babys das erste Mal in eine Zitrone beißen, Katzen auf den Teppich kotzen oder Fußballtorhüter gegen den Torpfosten prallen. Das allein freilich wäre vielleicht intellektuell noch hinnehmbar. Und wenn jemand unbedingt seiner Umwelt mitteilen mag, dass er auf seiner eigenen Hochzeit besoffen in die dreistöckige Sahnetorte hineingefallen ist, geschieht es ihm recht, dass ein paar Millionen Menschen über ihn lachen. Echt dämlich wird die Geschichte aber dann, wenn talentfreie Leute wegen eines dreiminütigen Internetstreifens unverdientermaßen bekannt, berühmt oder sogar reich werden. Das ärgert dann nicht nur hart arbeitende Alleinunterhalter! Dabei ist Geld verdienen mit Youtube gar nicht so einfach. Zwar ist das Hochladen von Videos an sich ziemlich simpel, was eine Erklärung für die Übersättigung an Mitschnitten beschämender Erlebnisse sein mag. Partizipieren aber mag das Unternehmen seine Kunden nur höchst ungern lassen. Deshalb klingeln trotz eigenem Account samt Werbefreigabe gewöhnlich allenfalls 20 bis 30 Cent in der virtuellen Haushaltskasse, wenn das niedliche Filmchen von der Play-back singenden vierjährigen Tochter im Britney-

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TITELTHEMA: MEDIEN Spears-Outfit tatsächlich ein paar Tausend schlimmstenfalls zur Pädophilie neigende Interessenten gefunden hat. Und auch an die paar Kröten ist nur schwer heranzukommen, denn über Art und Höhe der Ausschüttung entscheiden die Macher der Website mehr oder weniger autark – transparente Konditionen gibt es nicht, und Beschwerden sind mangels Kontaktmöglichkeiten schlicht nicht möglich. Gleichwohl gibt es natürlich auch eindrucksvolle Gegenbeweise. So kann man sich mit einem eigenen Kanal und der entsprechend regelmäßigen Bestückung desselben durchaus ein paar Hundert Euro pro Monat dazuverdienen. Und die 1000 meistfrequentierten Youtube-Channel generieren laut aktueller Hochrechnungen der englischsprachigen Blog-Seite ReadWrite. com Einnahmen von jeweils durchschnittlich 276 000 Dollar im Jahr. Da müssen andere Hobbyfilmer und Gelegenheitsmusiker lange für ackern! Noch einmal ungleich höher freilich ist der Nerv-Faktor, der entstehen kann, wenn erst einmal der berüchtigte Youtube-Hype ins Rollen gekommen ist. Bei uns fing das Unheil im März 2006 an, als drei türkischst.mmige Jungs aus einer Laune heraus ein selbst geschriebenes Lied hochluden, das »Wo bist Du, mein Sonnenlicht?« hieß. Hätten sich die recht überschaubar talen104 tierten Nachwuchs-Rapper mit ihren zu groß geratenen Seidenjacketts bei Deutschland sucht den Superstar beworben, hätte ihnen Dieter Bohlen vermutlich in drastischen Worten zu einer Karriere als Diplom-Dönerspieß-Schneider geraten. So aber machte der Clip im Netz rasend schnell die Runde. Auch, weil das noch junge Youtube-Phänomen eine ziemliche Faszination auf die im Web 2.0 noch unerfahrene Nutzergemeinde ausübte. So kam, was nicht hätte kommen dürfen: Die »Grup Tekkan« tingelte dank der massiven Youtube-PR durch Fernseh- und Radiosendungen aller Art, eine Plattenfirma schleppte das stimmenschwache Trio ins Studio – und dank der so noch nie dagewesen Form des viralen Marketings schaffte es das Lied bis auf Platz 12 der offiziellen deutschen Single-Charts. Bis heute haben das Sonnenlicht-Video auf Youtube selbst übrigens fast vier Millionen Menschen gesehen – so viele Platten hat Elton John von »Candle in the Wind« verkauft. Der außergewöhnliche Erfolg dieses musikalischen Offenbarungseids hatte die anderen Medien aufgeschreckt. Es setzte geradezu eine Hetzjagd nach weiteren kuriosen Fundstücken ein, die sich noch auf Youtube – und den damals noch etwas ernsthafter vorhandenen Konkurrenzseiten – versteckt haben könnten oder die tagtäglich neu dazukamen. Das wiederum provozierte immer mehr, ihr vermeintliches Talent samt eigener Ergüsse und Erlebnisse ebenfalls online zu stellen. Die Nutzerzahlen explodierten, die Zahl der bereitgestellten Filme auch. In der Folgezeit lernten wir, dass sich Pfefferminzdragees und Diät-Cola nicht miteinander vertrugen. Wir sahen dabei zu, wie ein volltrunkener David Hasselhoff einen Burger vom Boden aufklaubte und verspeiste. Und wir betrachteten einen kleinen Jungen namens David, wie er dank des offenbar etwas zu großzügig dosierten Narkosemittels nach dem Zahnarztbesuch im Auto wirres Zeug redete. All das verselbstständigte sich beinahe in einer Geschwindigkeit, die zuvor allenfalls von Eilmeldungen großer Nachrichtenagenturen be-

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TITELTHEMA: MEDIEN kannt war. Die Zugriffszahlen beliebter Clips gingen schnell in den zweistelligen Millionenbereich. Völlig normale Leute wurden innerhalb weniger Tage oder Wochen bekannt, weil ihre Filme immer weiterverschickt wurden. Andy Warhols berühmter Ausspruch »In Zukunft kann jeder für 15 Minuten Berühmtheit erlangen« war nie zutreffender als jetzt. Manche wurden nach diesen 15 Minuten wieder vergessen, einige aber wurden tatsächlich auf diese krude Weise im Netz entdeckt und erhielten ein ernsthaftes Engagement. Hätte etwa seine Mutter nicht seinen nachmittäglichen Auftritt bei einem lokalen Talentwettbewerb mit der Kamera aufgenommen und später am Abend auf Youtube eingestellt, Justin Bieber hätte vermutlich nie eine solche Karriere gemacht. Zahllosen Vätern halbwüchsiger Töchter wäre dadurch einiges erspart geblieben. Und Hunderttausenden Friseuren von Tokio bis Taunusstein wäre ein veritables Geschäft durch die Lappen gegangen, weil sie nicht jedem zweiten Zwölf- bis Fünfzehnjährigen Biebers peinliche Pinsel-Matte auf die Rübe hätten fönen müssen. Youtube-Beispiele wie das von Bieber gibt es einige, Nachahmer noch viel mehr. Der Gipfel des Hypes wurde – zumindest vorerst – von einem unansehnlichen, übergewichtigen Südkoreaner erreicht. Zwei Milliarden Mal wurde das Video zum Song »Gangnam Style« angeklickt. Das machte Park-Jae Sang alias Psy nicht nur schwerreich, sondern auch zu einem virtuellen Weltstar, der aktuell mit seinem Video 400-mal mehr Menschen erreicht als Literaturnobelpreisträger Günter Grass es mit seinen gesamten Wer- ken jemals tat. Ob derartige Ereignisse unsere Gesellschaft nun dümmer machen, lässt sich wahrscheinlich nicht belegen. Schlauer aber macht uns Youtube sicher auch nicht. Auszug aus »Like mich am Arsch«. Das Buch erscheint am 8. Oktober 2013 im riva Verlag. GeSprächSpartner GeGenüber. datenuniverSuM iSt Schier unendlich und wir SorGen dafür, daSS eS taGtäGlich weiter wächSt. doch je Mehr inforMationen wir dort hineinblaSen, deSto düMMer werden wir dabei. eS iSt ein wichtiGeS, ein briSanteS theMa, daS andreaS hock in SeineM buch beleuchtet und poleMiSch aufbereitet. die StetiGe diGitalSierunG iSt Mittlerweile in faSt alle bereiche unSerer zuM autor: andreaS hock, jahrGanG 1974, Schreibt Seit 15 jahren für verSchiedene zeitunGen und MaGazine. alS parteiSprecher bekaM er tiefe einblicke inS innenleben der politik. von 2007 biS 2011 war er bei der az nürnberG einer der jünGSten chefredakteure deutSchlandS. heute arbeitet er alS freier journaliSt, GhoStwriter und autor. zuM buch: nichtS funktioniert Mehr ohne einen coMputerchip. Schon allein der Gedanke einen Ganzen taG auf pc oder handy zu verzichten, erScheint den MeiSten alS undenkbar – ja faSt Schon beänGStiGend. unSer denken und handeln, beinahe unSer GeSaMteS leben überlaSSen wir heute deM diGitalen SySteMe fortSchritt! GpSnaviGie- GeSellSchaft eine GroSSe vorGedrunGen. wunde unSerer der zeit autor leGt den finGer Gezielt in und zeiGt So auf, wie wir länGSt zu Sklaven unSereS eiGenen fortSchrittwahnS Geworden Sind. bibliografie andreas hock like mich am arsch wie unsere Gesellschaft durch und Smartphones, verblödet computerspiele Seiten, ren unS durch die welt, wir bejubeln talentfreie nichtSko?nner auf youtube, folGen MitteilunGSbedürftiGen idioten auf twitter und vereinSaMen trotz hunderter freunde auf facebook iMMer Mehr. unSere abhänGiGkeit von SMartphone und co. hat dazu Geführt, daSS wir jederzeit für alle erreichbar Sind, auSSer für unSeren soziale netzwerke vereinsamt und 200 broschur 14,99 € (d) | 15,50 € (a) | sfr. 21,40 auch als e-book erhältlich iSbn 978-3-86883-330-0 riva verlag, München 2013

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JoS H I S MEINUNG

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TITELTHEMA: MEDIEN Medien sind Sachen, die uns informieren, über dass was wir wissen oder aber auch gar nicht wissen wollen. Da gibt es Zeitungen, Fernsehen, Radio, Internet und HANIX. Das erklär ich jetzt mal alles. Manche Medien können wir lesen und manchmal sind sie mit Bildern geschmückt wie Bücher. Bücher sind aber keine so richtigen Medien, aber ich finde, dass sie so was Ähnliches sind, denn in denen kann man sich auch informieren. Ich lese sehr viele Bücher, am liebsten Bücher mit Geschichten drin wie Hexe Lili oder Benjamin Blümchen oder Gregs Tagebuch. Ich hab aber auch ganz viele Comic-Bücher über Donald Duck, Phantomias, Mickey Mouse, Fix und Foxi. So. Das waren die Bücher und nun erkläre ich die Zeitung. Die Zeitung kennt ja jeder Mensch. Für uns heutzutage ist es normal, wenn man was Gedrucktes wie eine Zeitung oder ein Buch in den Händen hält. Früher aber war das anders, da war das nämlich bis zum Jahr 1450 gar nicht möglich, dass jeder stinknormale Mensch sich was Gedrucktes leisten konnte, das konnten nämlich nur die Superreichen. Das war deshalb so, weil, als Johannes Gutenberg den Druck erfand, war das noch ziemlich mühsam. So, das war‘s mit Zeitung und Druck, weiter geht’s mit Fernsehen. Im Fernsehen kann man auf verschiedene Programme schalten, was aber nicht immer was bringt, weil viel Schrott kommt. Ich schau gern Kika. Es gibt auch Nikelodeon, Super RTL, ntv, ARD und noch fast tausend Programme mehr. Man kann auf den verschiedenen Kanälen auch Nachrichten anschauen, so komischen Serien und auch Filme. Ich mag gern Herr Rossi, aber das ist alt und kommt nur noch auf DVD. Informieren kann man sich bei den Nachrichten, da gibt es zu sehen, was hier in der Nähe und auch in der Welt passiert ist, was die Politiker so machen und wie das Wetter so wird. Das war mein Geschreibsel zu Fernsehen, weiter mach ich mit dem Radio. Radio ist wie Fernsehen, nur ohne Bild. Man kann Musik hören oder ebenfalls die Nachrichten. Hier kommt wieder meine Uroma ins Spiel, bei der war das Radio noch was ganz besonderes und nicht jeder hatte eins. Da haben sich die Leute getroffen, um zusammen Radio zu hören und um zu wissen, was grad in der Welt passiert. Das war auch wieder wichtig in der Kriegszeit, damit man wusste, obs gefährlich ist. Internet ist was, was meine Uroma nicht mehr verstanden hat und das wollte sie auch nicht mehr, sagt Mama. Im Internet kann man sich echt fast alle Infos holen, die man will. Hier kann man sein Wissen verbessern. Wenn man googelt, kann man auch was dazu lernen. Ich habe auch bei meinen Kolumnen schon Hilfe gesucht bei Google, zum Beispiel hätte ich sonst nicht gewusst, dass Johannes Gutenberg das Drucken erfunden hat. Das könnt ihr auch mal machen, wenn ihr Mal was nicht wisst. Ich spiele auch gerne Spiele vom Internet, aber Mama ist da immer streng, sie sagt, ich darf nicht alles runterladen aus dem Internet und soll auch nicht so viel Computer spielen. Es gibt ein Spiel mit so einem fliegenden Kobold, der Gold sammelt und davon immer weiter fliegen möchte. Dann gibt’s ein anderes Spiel mit einem Truck, der andere Autos überfährt, die explodieren dann natürlich und dafür bekommt man dann Geld. Da ist dann alles gut aber man darf nicht umkippen, weil man dann selber innerhalb von 3 Sekunden explodiert. Wenn ihr das Mal selber spielen wollt, geht einfach auf die Seite von Spieleaffe.de, da findet ihr das dann. Das war das Internet, nun noch zu HANIX: Das ist das beste Online-Magazin und da kann man auch meine Kolumne sehen! Das war´s Leute, bis zum nächsten Mal!

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A NSIcH T E N E INES F U SS BA L LSTAD Io N S fußballfotos von Reiner Pfisterer

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SPIEGELREFLEX: ANSICHTEN EINES FUSSBALLSTADIONS Es begann mit einem kleinen auftrag für das magazin 11 freunde im Sommer 2007. Die tSG hoffenheim war gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen und das merchandisingangebot steckte noch in den Kinderschuhen. Reiner Pfisterer fuhr nach hoffenheim um sich für das benötigte foto einen Wimpel der Kraichgauer Senkrechtstarter zu besorgen. Es gab allerdings lediglich einen Prototypen und der fotograf musste versprechen diesen umgehend zurückzuschicken. Er tat dies mit einem netten Dankesbrief und hielt fortan Kontakt mit dem neuangestellten medienbeauftragten des Vereins und erhielt die möglichkeit den gerade gestarteten Neubau der arena direkt an der a6 von nun an mit der Kamera zu begleiten. Seit dem sind über 6 Jahre vergangen und der ludwigsburger fotograf ist immer noch Dauergast in der ehemaligen Baustelle, mittlerweile als Rhein-Neckar arena bekannten, fußballstätte. aus der Baustellendokumentation wurde eine langzeitreportage über das innenleben einer fußballarena. Zwar richtet er sein Objektiv gelegentlich auch auf das Geschehen auf dem Rasen, doch mindestens genau so wichtig sind ihm die Randerscheinungen eines fußballspiels mit all den menschen, die der schönsten Nebensache der Welt erst das leben und Emotionen einhauchen. Während die fotos der fotografenkollegen in der Regel schon im laufe des Spiels das Stadion verlassen hat Reiner Pfisterer jahrelang seine festplatten gefüttert und zeigt eine kleine auswahl seiner arbeit erstmals in dieser haNiX-ausgabe. - für Steffen -

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QUIZ DIcH GL Ü c KLIcH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº22 fRaGE: iN WElChE PaRtEi tRat haNNES WaDER iN DEN 70ER JahREN EiN? haNNES WaDERS PlattEN StaNDEN iN DEN 70ER JahREN iN JEDEm aUfGEKläRtEN haUShalt iN DER BRD. NaCh SEiNEm EiNtRitt iN DiE GESUChtE PaRtEi BOYKOttiERtEN DiE mEDiEN SEiNE liEDER. iN DiESEm JahR hat DER iNZWiSChEN 71-JähRiGE EiNEN EChO füR SEiN lEBENSWERK ERhaltEN UND iSt aKtUEll aUf DEUtSChlaNDtOUR. HEILBRONNER MUSEEN CHOUCHOU KUNSTVEREIN HEILBRONN 3 x Kunstkatalog 3 x 20-EURO-Gutschein 3 x Kunstkatalog Der hübsche Kunstkatalog zur aktuellen Ausstellung »Keep it simple« von Fotograf Andreas Feininger in der Heilbronner Kunsthalle Vogelmann zeigt eindrucksvolle Fotografien des FotoMeisters. Französischer Chic und Coolness in Heilbronn. chouchou, die kleine aber feine Boutique in der nähe des Götzenturmes verlost drei Gutscheine im Wert von je 20 Euro. Die in den Filmen und Fotografien der beiden jungen Berliner Künstler Matthias Wermke und Mischa Leinkauf gezeigten Aktionen sind spektakulär. Wir verlosen den zugehörigen Ausstellungskatalog dreimal. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: HEUTE HIER; MORGEN DORT! EINSENDESCHLUSS IST DER 21. OKTOBER 2013. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: MACHT ALLE MIT, WäHLT OLIVER MARIA SCHMITT!

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EIN BRIEF VON MAIKE ENDRESZ TON: NICOLAI KÖPPEL GELESEN VON MAIKE ENDRESZ L I E B E H E I M AT, bitte glaube nicht, dass ich Dich nicht mag. So ist es nicht. Ich mag Dich ja. Wärst Du sonst meine Wahlheimat? Als Fischkopf im Schwabenland ohne Zuneigung? Das geht doch gar nicht. Aber es war einfach ausgereizt. Ich war unglaublich erschöpft und hatte den wahnwitzigen Dauerkrach Deiner Baustellen einfach satt. Davon haste ja grad mehr als genug, an jeder Ecke und eine davon direkt vor meiner Tür. Lärmende Maschinen mischen sich mit landenden oder abfliegenden Hubschraubern und dem Gebrüll osteuropäischer Bauarbeiter, die auch nach Feierabend in der gleichen Lautstärke im Supermarkt an der Kasse kommunizieren. Werde ich meine Freunde auch bald anschreien, sollte ich weiter hier wohnen? Nun, nichts für ungut, Heimat, es ist ja nicht Deine Schuld. Du willst ja auch nur groß, schön und gut ausgestattet sein. Was ich brauchte, war Ruhe, viel Ruhe und vielleicht ein paar Kilometer Abstand, der schadet ja keiner Beziehung. Sich entfernen, um sich wieder nah sein zu können. So war mein Plan, mich von Dir zu entfernen. Aufgrund der Zeitknappheit war aber recht schnell klar, dass die Distanz nicht riesig werden konnte. Camping, das war auch klar. Ich bin ein ausgesprochenes Campingkind, da fühl ich mich frei und glücklich wie ein Vagabund. So, hier nun die Konstanten: Urlaubsziel: weit genug und nicht zu weit. Der Sonne hinterher. Urlaubsart: Camping im herkömmlichen Sinne, StECKBRiEf Name: M AIKE E ND R E SZ A lt er : 3 8 JAH R E Reisez iel: MA RC E NAY / F R ANKR E IC H Aufenth alt : SE PT E M B E R 2 0 13 Li e bl i ng sor t: CA MP INGST UH L NE B E N » B O L L E K«

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS MARCENAY ohne Animation und Shoppingmall auf dem Platz. Urlaubsteilnehmer: zwei tolle Kinder (Joshi und Lili), ein wunderbarer Kerl (Marcel), 1 weltbester Halbdackel (Elmar), ich dann noch und Bollek, das Wohnmobil Bollek, das Wohnmobil meines Herzens, sollte unser Zuhause auf Rädern sein. Liebevoll eingerichtet und mit diesem gewissen Charme und Eigenleben, das einem in die Jahre gekommenen Gefährt oftmals innewohnt, war Bollek so etwas wie ein Freund. Joshi und Lili wuschen ihn mit Wasser und Schwamm nach einer vorausgegangenen Fahrt nach Heidelberg, »weil er es ja so schwer hatte und sicher erschöpft ist!« Nun war da immer noch die Frage nach dem WOHIN, wo ist eigentlich »weit genug weg« von Dir, liebe Heimat, und wo ist »noch nah genug«? Dank Standby-Modus bei Wetter.com stand 3 Tage vor Abreise das Land fest: Frankreich. Einen Tag später dachten wir über Kroatien nach. Einen weiteren Tag später war wieder Frankreich Spitzenreiter, die Auswahl aber eingegrenzter: Burgund. Am Abend vor der Abreise wurde dann mit Hilfe von »Cool Camping« der genaue Zielort festgelegt: Les Grèbes am Lac de Marcenay. Etwas übernächtigt, wegen nachts zuvor feuchtfröhlich gefeiertem HANIX-Jubiläum, aber dennoch im strengen Zeitplan des männlichen Parts der Reisetruppe, fuhren wir los. Tschüss, liebe Heimat, machs gut und bis bald, winkte ich aus dem Fenster, zwei strahlende Kinder und einen sorgengefalteten Halbdackel in Bolleks Bauch. Der alte Kamerad schnaufte mit uns den Weg entlang, hörbar angestrengt aber wacker durchhaltend. Gejubel und Anfeuerungsrufe die da »Go Bollek, Go Bollek!« klangen, prallten an den Planen der LKW´s ab, die uns gemütlich überholten, sobald es an eine Steigung ging. Wiederholte Male setzten wir zu einer Revanche an, auf der wir uns aber, den Kampfgeist in den lachenden Gesichtern, schnell geschlagen geben und zurück fallen lassen mussten. Was ein Spaß auf Kosten des alten Herrn… Im Stockdunklen erreichten wir, nachdem wir endlich Bolleks Augenleuchten gefunden hatten, unser kurzfristiges Zuhause. Les Grèbes. Auf den letzten Kilometern war es immer finsterer geworden, während wir uns durch völlig verlassene Gassen kleiner Dörfer schlängelten, zunehmend unsicher werdend, ob wir eventuell irgendwo eine falsche Abfahrt genommen haben könnten. Als wir Camping Les Grèbes erreichten, war es weit nach Ankunftszeit auf gängigen Campingplätzen, Nachtruhe wird dort ja gemeinhin großgeschrieben. Dem Campingführer hatte ich aber schon entnommen, dass Dirk, seines Zeichens praktizierender Aussteiger aus Holland, bei Übernahme des Platzes alle Verbotsschilder abgenommen und auch die Anreisebeschränkungen aufgehoben hatte. So stand er also vor uns, verbeulter Alt-Hippie, ausgesprochen langsam und irgendwie tiefenentspannt: »Stellt euch einfach irgendwo hin und, klar, wenn wir wollt, dann bei Tageslicht woanders! Ach, und wollt ihr morgen was essen? Dann bestellt Euch Brot. Das Geld könnt ihr dann hier auf den Teller legen, nehmt Euer Brot einfach weg.« Ja, so einfach geht das? Mais oui, bien sûr! So stellten wir den müden Vierräder einfach mitten auf – wie sich später rausstellen sollte- fünf Stellplätze, suchten eine gefühlte Ewigkeit im Gesträuch mit der Taschenlampe nach Strom, schlappten noch einmal über den Platz, auf dem man nicht viel sehen konnte und verzogen uns in Bolleks Bauch und hatten noch keine Vorstellung davon, was uns am Morgen erwarten würde. Wir hatten es gefunden. Wirklich und wahrhaftig, wir waren eine Art Kolumbus-da Gama-Polo und hatten es entdeckt. Das sagenumwobene, vielbeschriebene MIDDLE-OF-THE-FUCKING-NOWHERE. With a lake. Zunächst fast ein bisschen unheimlich; befremdlich wäre gelogen, den irgendwie war es ganz schnell UNSER Nowhere und schien erstaunlich schnell vertraut. Tatsächlich gab es hier nichts. Nichts Unnützes, wenn man das so sagen darf. Es gab viel von allem. Viel Ruhe, viel Luft, viel Natur, viel Wasser, viel Grünes, viele Bäume, viele Wasservögel… Unendliche Weiten und einen Stellplatz so groß, dass wir unsere Wander-Sitz- und Liegeplätze nach dem Stand der Sonne ausrichten konnten, von Sonnenaufbis -untergang. Eine Handvoll niederländischer Rentner waren hier und da verborgen, campingerfahren und bestausgestattet, wie es die Karikatur verlangt. Ein belgisches Ehepaar, dessen weiblicher Part nachts mit der Taschenlampe von Camper zu Camper irrte, Hitchcock-verdächtig mit grauem, wirren Haar, barfuß mit weißem Nachthemd. Halb im Sog des Verlangens nach Abenteuer und Thrill, halb besorgt nahm ich mich ihrer an als sie mir grell ins Gesicht leuchtete und flüsterte: »Isch `abe misch verlo-ren. Isch `abe meine Mann und die Merssedes verlo-ren!« Ein absolutes Highlight für die Kinder, die überhaupt die einzigen Kinder weit und breit waren. Ein Schreckmoment jeder Mutter, die sich nach Entspannung und Erholung sehnt. Nach einiger Gewöhnung aber doch irgendwie nett, zumal die Kinder selbst es zu genießen schienen. Der kleine Pool Marke Eigenbau, aus dem es täglich galt, Libellen vor dem Ertrinken zu retten, gigantische Raupen auf Feldwegen, Fledermäuse in der Dämmerung, die großen, grünen

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS MARCENAY Schwanen-Kackhaufen - sprich: die Natur, wie sie ist- sorgten für tiefgehende Faszination. Der nächste Ort, bestückt mit exakt EINEM Lebensmittelgeschäft so groß wie mein Wohnzimmer, lag 4 km entfernt, für uns nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Für 1 Euro die Stunde liehen wir uns also recht bequeme 3-Gang-Kutschen mit niedlichen Körben am Lenkrad, in denen wir unsere Vorräte transportierten. Vorbei an unendlich erscheinenden Sonnenblumenfeldern (dieser Effekt verstärkte sich dramatisch bei Gegenwind) radelten wir mit Baguette, Käse und ner Pulle regionalem Gesöffs entlang der Tour de Crémant. Liebe Heimat, das ist schon was anderes als die Strecke des Trollinger Marathons. Wir hatten Bollek, eine Hängematte, viele Decken, Kissen, Stühle, einen Tisch, eine Tischdecke. Wir hatten uns, einen tiefenentspannten Halbdackel und Kinder, deren Glück es war, einfach nur entspannte Miteinander-Zeit erleben zu können… Was braucht das Herz mehr? Als wäre das nicht genug, bekamen wir gratis obendrauf einen strahlend blauen Himmel, Natur, so weit das Auge reicht, das Zirpen der Grillen in der Nacht, wenige Menschen um uns herum, doch allesamt zufrieden wirkend. 900 Meter entfernt ein verschlafenes Dorf, überall bunte, geschlossene Fensterläden an alten Steinbauten. Keine Menschenseele, keine Bewegung, kein Laut. Mögen muss man das schon, diese Abgeschiedenheit. Wir haben es geliebt. Aber auch Prominenz scheint sich hingezogen zu fühlen, zu einem solchen Ort. Zunächst, ob der herausragenden Frisur noch scherzhaft als Guildo Horn betitelt, untermauerten diverse Recherchen dann meinen frühen Verdacht: Er hatte Les Grèbes lieb und er war bei uns! Guildo nebst Frau und kleiner Tochter gaben sich die Ehre. Leider haben wir das Foto für die nächste HANIX-Ausgabe zu lange rausgezögert und konnten ihm nur noch in seinem Wohnmobil nachwinken. Schade, Guildo, das wäre sicher ein Fest geworden! So verbrachten wir also unbeschwerte Tage, trafen in der kompletten Zeit auf, ich will großzügig sein, insgesamt 16 Menschen. 16 Menschen auf schier uneingeschränktem Grund. Irgendeine alberne, aberwitzige innere Stimme flüsterte mir, wir müssten uns zunächst mal langsam wieder einstimmen auf Dich, liebe Heimat. Auf die Zivilisation, Städteleben, Passanten, arbeitende Bewohner, Kraftfahrzeuge, Geräusche, die nicht von Wind oder Tieren erzeugt werden. So setzte mir diese, wohl eher mit schwarzem Humor ausgestattete, innere Stimme den Floh ins Ohr, einen Zwischenstop auf der Rückfahrt einzulegen. Straßburg hatte ich in schöner Erinnerung. Marcel war noch nie dort gewesen und hatte Interesse. Die Kinder fanden alles besser, als direkt nach Hause zu fahren. Elmar war gegen alles, was mit in-Bolleks-Bauch-reisen zu tun hatte, war aber überstimmt. Der Himmel weinte nun zum ersten Mal, natürlich, auch ihm fiel der Abschied schwer. Aber, HEY, trösteten wir uns, es ist ja noch nicht Schluss, wir haben doch jetzt noch eine tolle Zeit in Straßburg und wir werden Essen gehen, endlich mal waschen wir nicht ab nach dem Essen! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machten wir uns also in strömenden Regen auf den Rückweg. In Straßburg angekommen staunten wir zunächst über das wohl allergrößte, von einem LKW gezogenen Campingmobil, das uns je begegnet ist. Rasch machten wir uns auf den Weg ins Zentrum. Mit der Tram. Batsch – es hatte was von einer Ohrfeige. Hallo, zurück in der Wirklichkeit. Ich fühlte mich irgendwie benebelt, wirklich, wie geschlagen und schwindelig davon. Nach einiger Zeit realisierte ich, dass die anderen ähnlich narkotisiert wirkten wie ich. Die Zivilisation hatte uns knallhart erwischt. Menschen, überall Menschen. Straßenbahnansagen mit SpecialSound-Effects und bayrischem Dialekt an der Alt Winmärik-Haltestelle. Wir hatten Hunger aber konnten aus der Vielzahl der Angebote nicht entscheiden. Wir hatten Durst und wussten nicht, wo wir was trinken sollten, bei all den Kneipen und Restaurants. Und wir realisierten dass wir, nach doch relativ kurzer Zeit in der Einöde, einen massiven Kulturschock erlitten hatten. Völlig orientierungslos aktivierte ich meinen letzten verbliebenen Nordlicht-Instinkt und versuchte, uns zum Ill zu bringen, auf den beruhigenden Effekt des Wassers vertrauend. Und ja, mein Instinkt war noch da und ja, es funktionierte. Allmählich begannen wir, die Umgebung wieder wahr zu nehmen, staunten über die schönen alten Häuser am Fluss und betrachteten die Grand Île, die von tadellos geschulten Kapitänen umschippert wurde. Und dennoch, wir waren noch nicht bereit für diese Stadt, wir waren noch Einsiedler, mit dem Gefühl und dem Geruch der Natur in uns. Daher wird ein separater Ausflug nach Straßburg anstehen, um der Stadt gerecht zu werden. Wenn ich mal wieder Abstand von Dir brauch, liebe Heimat. Oder Du von mir. Dann schick mich einfach auf eine Reise. Ich komm ja doch immer wieder zurück. Deine Maike

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AUS DEM VIA ARCHIV PiNNBOaRD VIA GRAFIK Unsere erste Kollabo mit Sergej vom Basementizid war die Ausstellung »Horizon Is Lost«, die damals noch in einem Kellerraum unterhalb des Burnside Skateshops in der Heilbronner Innenstadt stattfand. Ein interessantes Gespräch hatten wir damals mit Leonore Welzin von der Heilbronner Stimme: http://www.stimme.de/ heilbronn/kultur/sonstige-Via-Grafik-im-KunstkellerBasementizid;art11930,1087758 lEO VOllaND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Horizon Is Lost, Basementizid Heilbronn, 2007

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LESER B R IEFE Werte Redaktion, mit großem Interesse habe ich das Stück »Wer erschoss Michelè Kiesewetter« von Frank Brunner gelesen. Eine sehr gute und wichtige Recherche, die ihr Autor da geführt hat. Ob, wie er es sich wünscht, der Fall lückenlos aufgeklärt wird, damit Kiesewetters Familie zur Ruhe findet, möchte ich aber bezweifeln. Auch ansonsten habe ich die letzten Ausgaben immer gerne durchgeblättert und mich zum Teil darin verloren. Schön auch, dass ich durch euch immer wieder neue Seiten Heilbronns entdecke. aNtON K aiSER, hEilBRONN klickt, ohne, dass mir langweilig dabei geworden ist. laRiSSa haaKER, NECKaRSUlm Hallo HANIX, durch euch bin ich auf Ken Jebsen und KenFM aufmerksam geworden. Schön, dass es noch Journalisten und Publikationen gibt, die nicht gleichgebürstet daherkommen. Andere, kontroverse Meinungen sind wichtig für einen demokratischen Rechtsstaat. m at S h E U E R , StUttGaRt Liebe HANIX-Redaktion, mit großer Freude habe ich das Heino-Interview in der Politik-Ausgabe gelesen. Der Mann wirkt auf mich tiefenentspannt, wenn er sagt, dass er keine musikalischen Träume mehr hat, da er schon alles gemacht hat. Und wie er über Campiono hergezogen ist, einfach klasse. fRaNK haRtiG, hEilBRONN Hallo HANIX, ich liebe eure Rubrik »Heimatliebe«. Das Auge für Kleinigkeiten, dass die Fotografen hier beweisen, ist wirklich großartig. Das Heimatliebe-Album auf eurer Facebook-Seite habe ich auch schon entdeckt und die ganzen zweihundertundnochwas Fotos durchge-

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I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74elf Marcel kantimm & robert Mucha Gbr kastanienweg 12 74080 heilbronn e-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel kantimm robert Mucha Chefredakteur robert Mucha (v.i.S.d.p.) Redaktionelle Mitarbeiter Maria Sanders, Sascha wartha, leo volland, anette Geisler, Maike & joshua endresz, andreas hock, ken jebsen, nicolai köppel, valerie Grübele, Metin de terk, e-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion philipp kionka (leitung), Sarah fischer, kris rampmaier, Steven zuleger Bildredaktion Mehmet filiz, ulla kühnle, patrick labitzke, Meli dikta, reiner pfisterer, Marion wüstling Artdirektion raimar Schurmann, kathrin leisterer Grafik & Illustration lisa hofmann, florian Geiger, kathrin leisterer Audio philipp Seitz (ant Studio) IT-Support Martin riemer (easy networx / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales Marcel kantimm marcel.kantimm@ hanix-magazin.de robert Mucha robert.mucha@ hanix-magazin.de Verlagskoordination / Administration / Social Media Marcel kantimm namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des herausgebers bzw. der redaktion wieder. für die richtigkeit von angaben, daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber bzw. die redaktion keine verantwortung übernehmen. haftung für links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer homepage und machen uns diese inhalte nicht zu eigen. diese erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN »Heilbronn rüstet sich zu einem Fest, das die Krönung für den bürgerlichen und kunstfrohen Sinn der Stadt bringen wird.« Mit diesen Worten begann die Heilbronner NeckarZeitung ihre Sonderausgabe, die zur Einweihung des neuen Stadttheaters am 30. September 1913 erschien. Dank der großen Unterstützung durch die örtliche Presse hatte damals nahezu die ganze Stadt Anteil am Theaterbauprojekt genommen und viele Heilbronner und Heilbronnerinnen hatten für den Neubau gespendet oder zinslose Kredite zur Verfügung gestellt. So konnte innerhalb von zwei Jahren unter dem bekannten Münchner Architekten Theodor Fischer ein modernes »Bürgertheater« an der Allee errichtet werden, mit Platz für 850 Zuschauer. Das Gebäude war vom Jugendstil geprägt und den Qualitätsansprüchen des Deutschen Werkbunds verpflichtet. Es war »ohne falschen Kulissenzauber«, wie Theodor Heuss befand, der als junger ChefRedakteur der renommierten, vielgelesenen Neckar-Zeitung zu den »Meinungsmachern« in der Stadt gehörte. Am 4. Dezember 1944 wurde das Theatergebäude stark zerstört, nur die Südfassade war nahezu unversehrt geblieben. Teilweise wurde das Haus wieder instandgesetzt, die Stadtverwaltung brachte einige Büros hier unter; es wurde von der Stadtbibliothek und dem Kleinen Theater genutzt. Als großes Stadttheater war es jedoch nicht mehr verwendbar, außerdem stand es der Verkehrsplanung buchstäblich »im Weg«. Nach langen, heftigen Diskussionen, die sich auch in den örtlichen Medien widerspiegelten, wurde das sogenannte »Fischer-Theater« im Juli 1970 gesprengt. Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Geschichte der Stadt und in ihre Theatergeschichte gibt es in der Dauerausstellung »Heilbronn historisch!« im Otto Rettenmaier Haus /Haus der Stadtgeschichte (Eichgasse 1).

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Das Stadttheater an der Allee, um 1930

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V E R A N S TA LT U N G E N IM OKTOBER 2. Oktober 2. Oktober Theater Heilbronn, Komödienhaus Die Tagebücher von Adam und Eva Musical nach dem Buch von Mark Twain Mobilat Who the fuck is nd_baumecker? Als dieses langhaarige Geschöpf in seinem Garten auftaucht, ist der erste Mensch alles andere als entzückt. Sie nennt sich Eva, ihm gibt sie den Namen Adam. Sie räumt auf – er ist sauer, weil alles durcheinander ist. Sie schwärmt von der Schönheit der Sterne – er hört ihr gar nicht zu. Er findet sie geschwätzig – sie ihn nüchtern und kalt. »Manchmal glaube ich, dass ich nicht aus deiner Rippe gemacht wurde, sondern aus deinem Herzen. Denn du hast keins«, wirft Eva dem Adam entnervt an den Kopf. Alles, was sie denkt, schreibt sie in ihr Tagebuch. Adam gibt sie auch eins. Und so erfahren wir die Geschichte des ersten Liebespaares der Welt aus ihrer und aus seiner Sicht. Kein anderer als der großartige Mark Twain hat Adam und Eva diese Tagebucheinträge in die Feder diktiert. Mit liebevoller Ironie nimmt er die Unterschiede zwischen Mann und Frau aufs Korn, die auch schon das erste Paar der Welt fast zur Verzweiflung getrieben haben. 2. Oktober Bukowski ELEKTRONISCHE EINHEIT Keine drei Wochen nach unserem ersten Ostgut Ton Act Ryan Elliott besucht uns mit nd_baumecker gleich der nächste Gast aus Berlins heiligen Hallen. Hinter den Reglern steht Andy bereits seit Anfang der 90er: Begonnen in Hans Romanovs Bar »Romantica« im Frankfurter Rotlichtviertel stellten Ata und Heiko M/S/O ihn schnell hinter die Ladentheke ihres Plattenladens Delirium. Nachdem sämtliche Frankfurter Clubs wie Box, XS, Music Hall oder das Dorian Gray von nd bespielt wurden, verlegte er seinen Wohnsitz nach Heidelberg, wo er mit Dirk Mantei aka DMan die legendäre Clubnacht »HD800« aufbaute. Im alten Ostgut war er regelmäßig als Gast-DJ zugange, mit der Eröffnung des Berghain begann dann 2004 dort sein Job als Booker und Resident- DJ. Seit 2010 produziert er nun zusammen mit Sam Barker als Barker & Baumecker. Ihr Debutalbum »Transektoral« aus dem letzten Jahr zeigt dabei perfekt, wie nd_baumecker musikalisch tickt: irgendwo zwischen House und Techno, aktuell wie zeitlos, dabei stilistisch prägnant bis ins Knochenmark! Passendes Warm Up gibt's von Candy Pollard. Auf Floor zwei spielen Hemske und Dennis Schulz. Musik reduziert auf das Wesentlichste. Btw: we're celebrating our 4th anniversary! Cheerio! 3. Oktober Was Mittwoch?!? Genau, am Donnerstag ist ein Feiertag - also, nutzen wir die ultrakurze Woche so richtig aus und fangen schon am Mittwoch wieder mit dem Feiern an. Musikalisch steht der »elektronischen Einheit« nichts im Wege, wir haben von Tech-House bis Techno, alles auf dem Programm was das Buko-Puplikum begehrt! Stefan Mint, Martin Kainer, Simon und die Törpel Brothers scharren schon mächtig mit den Hufen! Der Eintritt ist natürlich auch in dieser Nacht wieder bis 01.30 Uhr frei... also, schnell ab ins Buko und eine tanzende Einheit bilden! Mobilat OUT OF THE DARK Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies 4. Oktober Bukowski Robin Hirte hat seine DJ-Karriere mit sage und schreibe 12 Jahren begonnen, Techno in den 90ern erlebt und nun schon seit über 20 Jahren sämtliche Läden rund um Stuttgart unsicher gemacht. Auch im Buko muss er längst nichts mehr beweisen. Gleiches gilt für unseren Homies Josh:tek

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER und Shakaree. Das Rätsel um dessen Namen wollen wir heute mal für alle lüften, die keine eingefleischten Star Trek-Fans sind: Sha Ka Ree ist der vulkanische Name für »Himmel« oder »Eden« und befindet sich im Zentrum der Galaxis hinter der Großen Barriere – am Rande des Universums. Was uns das sagen will? Der Mann beschert uns mit seinem Sound den Himmel auf Erden, und treibt uns damit an den Rande des Wahnsinns! Was denn sonst?! 4. Oktober 4. Oktober Kaffeehaus Hagen Le Café-Théatre: »Zwei wie Bonnie & Clyde« Theater Heilbronn, Großes Haus Homo faber Schauspiel nach dem Roman von Max Frisch - Gaunerkomödie von Tom Müller und Sabine Misiorny Manni und Chantal alias Bonnie & Clyde träumen vom großen Geld, unbeschwertem Leben in Las Vegas, Rente in Südamerika. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel! Sollte man meinen... »Zwei wie Bonnie & Clyde« ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, bei dem ein Gag den nächsten jagt und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird. 4. Oktober Walter Faber, Schweizer Ingenieur bei der UNESCO in New York, ist Rationalist durch und durch. Er glaubt an die Mathematik. Begriffe wie Mystik und Schicksal haben in seinem Denken nichts zu suchen. Auf einem Flug nach Venezuela muss die Maschine notlanden. Hencke, ein junger Deutscher fällt ihm auf, der, wie sich herausstellt, der Bruder seines früheren Studienfreundes Joachim ist. Von Joachim hat Faber zuletzt 1936 gehört als er selbst nach Bagdad gegangen ist, um seinen ersten Job als Ingenieur anzutreten. Er ließ damals seine Freundin Hanna bei Joachim, dem angehenden Arzt zurück. Der wollte Hanna, die von Faber schwanger war, bei der Abtreibung des Kindes beistehen. So war es verabredet. Fast 20 Jahre später lernt er bei seiner Überfahrt nach Europa an Bord eines Schiffes ein junges Mädchen kennen, Elisabeth, das ihn mehr und mehr bezaubert... 4. Oktober Jazzclub Cave 61 Davide Petrocca Trio (D/F) Bass, Akkordeon und Saxofon – ein außergewöhnliches Trio. 4. Oktober Mobilat Römersee Theaterschiff Ulrike Zemme und Daniel Glattauer - »Gut gegen Nordwind« Alles beginnt mit einem unbedachten Tippfehler. Als Emmi genervt ihr Zeitschriften-Abonnement kündigen will, landet ihre E-Mail nicht beim Verlag, sondern bei Leo. Lustvoll, provokant und von Neugier getrieben erschaffen sich die beiden Unbekannten eine virtuelle Welt, in der eine Freundschaft ebenso Platz findet wie lustvolles Verlangen. Im sicheren Schatten der Unverbindlichkeit teilen beide ihre Sorgen und Ängste, plaudern über Trivialitäten, offenbaren eigene Erfahrungen und Wünsche. Das Cyberspace bietet Leo und Emmi einen geschützten Raum für geheime Sehnsüchte fernab des Alltäglichen, weit weg von Leos Liebeskummer und Emmis ehelicher Monotonie. Der Römersee lädt ein zu einer Badepartie im Mobilat. Taucht ein ins kühle Nass mit den »Salty Pajamas« und »Travel In Space«. Salty Pajamas (KA): Salty Pajamas sind ein Trio mit Westerngitarre/Banjo, Bass, Trommeln, Bluesharp und Delaykazoo. Gesungen und geheult wird durch ein altes CB Funkmikrophon. Freut euch auf primitive Hits, beeinflusst von altem Travel In Space (M): Rotzig, dreckig und laut, aber auch irgendwie nett: Travel in Space haben sich den Klang der Kindheit erhalten. Das Münchner Duo begeistert nicht nur in U-Bahn-Stationen, auf Flohmärkten oder Straßen, auch im Licht der Bühne bringen sie ihr Publikum mit einer Mischung aus Garage, Country und Blues zum Kochen. 5. Oktober Bukowski TOTALLY CONNECTED Es gibt DJs, die landen eine Mega-Hit, legen passabel auf, und versinken dann doch wieder in der Versenkung. Und es gibt DJs ohne Hit, die immer ihre Fleißaufgaben machen, aktuelle Tracks im Case haben, mixen können und doch nie etwas reißen. Weil Ihnen etwas Entscheidendes fehlt: Die Verbindung zum Publikum. Die Fähigkeit, ihre Sets nicht nur hör- sondern auch fühlbar zu machen. Und dann

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER gibt es die anderen: 212Fahrenheit ist so einer – einer, bei dem die Funken sprühen, bei dem die totale Verbindung zwischen DJ und Crowd entsteht – ein Kurzschluss vom Feinsten! Demnächst releast er übrigens auf George Morels Label Groove On, aber das ist uns eigentlich fast egal. Uns interessiert das, was er aus unseren Boxen und Euch herausholt...! Fred Moody und System 32 tun das ihre zum totalen Kontrollverlust... 5. Oktober sef Tura und seine Schauspielkollegen geht es nun wirklich um »Sein oder Nichtsein«. 5. Oktober Kulturkeller Anny Hartmann »Ist das Politik oder kann das weg?« - Kabarett Mobilat [ lebedienacht.de ] pres. re:tool! Eine Schallplatten-Tanzveranstaltung. Boogie Jams, NYC Disco, 80ties Electro / Italo, Chicago House. Disco ist die Essenz der Clubmusik, uptempo Soul, auf 12Inch in voller instrumentaler Länge gestreckt. Als Anfang der 80er simple Drum-/Synthietracks aus Italien, New Wave und Post Punk hinzukamen, war House die Synthese all' dieser Einflüsse. re:tool! steht für Underground Dance Music in diesem Sinn und geht den Spuren dieser Disco-Kultur nach. Funky, soulful & Vinyl only! »I like to think of my style as music first«, Chip-E (DJ, Producer, Chicago) Nachdem bei den letzten Veranstaltungen im Mobilat die Hütte gebrannt hat und fast alle getanzt haben, gehen wir es vor der Sommerpause noch einmal an....... groove me to death!« 5. Oktober Ist es 20:15 oder doch eher 17:15? Läuft da »Brisant« oder doch die »Tagesschau«. Die klassischen Nachrichten driften immer mehr in den Boulevard ab und man versteht gar nicht mehr, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Worüber lohnt es sich aufzuregen? Was sind die wahren Ungerechtigkeiten? Anny Hartmann bringt in ihrem Programm Licht ins Dunkel und trennt echte Aufreger von puren Ablenkungsmanövern. Sie ist unbequem und gesellschaftskritisch, das aber mit viel Humor und grundsympathisch. Obwohl ihre Inhalte betroffen machen und berühren, überrascht sie mit einer unglaublichen Leichtigkeit, mit Herz und Verstand, mit Ironie und geistesbelebender Frische. 5. Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 Cubano Vibes »Afro Cubano Kult« Sie sind eine Combo der Extraklasse! 6. – 27. Oktober Theater Heilbronn, Großes Haus Sein oder Nichtsein - Komödie von Nick Whitby Warschau 1939. Im Theater wird die Nazi-Satire »Ein Geschenk von Hitler« geprobt. Da wird das Stück einen Tag vor der Premiere abgesagt, um Deutschland nicht zu provozieren. Stattdessen wird »Hamlet« gespielt – mit Josef Tura, dem selbsternannten Star des Ensembles, in der Titelrolle. Aber warum verlässt in jeder Vorstellung, ausgerechnet beim Monolog »Sein oder Nichtsein« ein Offizier mit Blumen den Saal? Josef Tura ahnt nicht, dass Stanislaw Sobinsky seine Gattin Maria Tura in der Garderobe aufsucht. Als wenig später Polen von den Nazis besetzt ist, kämpft Sobinsky im Untergrund. Er soll einen Agenten stoppen, der die Namen aller Widerstandskämpfer an die Gestapo in Warschau ausliefern will. Sobinsky sucht Hilfe beim Schauspielensemble. Wozu haben sie die Kulissen und Kostüme von »Ein Geschenk von Hitler« aufbewahrt? Kurzerhand verwandeln sie ihr Theater in die Gestapo-Zentrale. Für Jo139 Galerie KunstEtage K55 Ausstellung: Joachim Bertsch »Wahrnehmungen« Ob Portrait oder Körper, der Mensch war und ist das zentrale Thema in der Malerei. Joachim Bertsch sieht den Menschen in seinem heutigen Umfeld und setzt sich in seinen Bildern damit auseinander. Für den Bildbetrachter ist das Bild Zeugnis einer Zeit und es gibt auch Aufschlüsse über die Ansicht des Malers. 6. Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 Tango Argentino - Milonga 6. Oktober Theater Heilbronn, Großes Haus Dialogues des Carmélites Oper von Francis Poulenc Der Terror während der Französischen Revolution machte selbst vor Klostermauern nicht halt. Am 17. Juli 1794

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER wurden 16 Nonnen des Karmeliterordens von Compiègne, die ihrem Glauben nicht abschwören wollten, öffentlich geköpft. Dieses historische Ereignis diente Francis Poulenc als Grundlage für seine Oper »Gespräche der Karmeliterinnen«. Er stellte das Schicksal einer jungen Adligen in den Mittelpunkt: Blanche de la Force leidet seit ihrer frühesten Kindheit an qualvollen Angstzuständen und flieht in die Abgeschiedenheit des Klosters. Doch bald wird es von Revolutionären belagert. Die Schwestern beschließen, ihr Kloster zu verteidigen und eher den Märtyrertod zu sterben, als sich zu beugen. Blanche flieht, aber als sie erfährt, dass ihre Mitschwestern alle hingerichtet werden sollen, beschließt sie, das Schicksal mit ihnen zu teilen. Ausgerechnet vor dem Schafott gelingt es ihr, die Angst, die sie ein Leben lang gelähmt hat, zu überwinden. 6. Oktober 9. Oktober Theater Heilbronn, Kammerspiele Das Herz eines Boxers Schauspiel von Lutz Hübner Theater Heilbronn, Kammerspiele Eine Sommernacht - Stück mit Musik von David Greig und Gordon McIntyre Es ist Mittsommer in Edinburgh und es hört nicht auf zu regnen. Helena, eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, sitzt in einer Bar und trinkt Wein für 40 Pfund das Glas. Sie wartet auf ihren verheirateten Liebhaber, der jedoch von zu Hause nicht wegkommt und per SMS absagt. Helena will an diesem Abend auf keinen Fall allein sein, denn sonst müsste sie sich den Geheimnissen stellen, die sie nicht einmal sich selbst verraten würde. Also schickt sie ihren Blick in die Runde, sucht nach einem Mann für die Nacht und findet ihn in Bob, der völlig verspannt und mit feindseliger Ausstrahlung dasitzt und auf etwas zu warten scheint. Helena, »ganz Parfum und Contenance«, nähert sich ihm und fragt, ob er ein Glas mit ihr trinken möchte. Einige Flaschen Wein später landen die beiden in Helenas Bett, verbringen eine eher ernüchternde Nacht miteinander und beschließen, sich nicht wiederzusehen. So sind sie eben, die 35-jährigen Menschen, die nie zugeben würden, dass sie Sehnsucht nach einer festen Beziehung haben... 7. Oktober Jojo ist 16 Jahre alt und ein ziemlicher Loser. Um sich vor seinen Freunden interessant zu machen, nimmt er den Mopeddiebstahl eines anderen auf sich und muss jetzt dafür Strafstunden ableisten. Er soll in der geschlossenen Station eines Altersheimes das Zimmer eines alten Mannes renovieren, der geistig und körperlich völlig verfallen zu sein scheint. Großmäulig textet Jojo den alten Leo zu. Der antwortet nicht, und Jojo kann hier seine Sprüche klopfen, die ihm seine Freunde nicht mehr abnehmen. Doch plötzlich kommt Leben in Leo. Jojo erfährt, dass der seine Gebrechen nur vortäuscht, um seine Ruhe zu haben, und dass Leo früher ein sehr berühmter und erfolgreicher Boxer war. Die beiden verstehen sich immer besser. Leo sieht das wahre Wesen, das sich hinter Jojos großer Klappe versteckt. Und der Junge gewinnt immer mehr Achtung vor dem alten Mann. Schließlich fassen beide einen verrückten Plan ... »Das Herz eines Boxers« ist ein Stück von der Kunst, sich durchs Leben zu boxen. Wenn man am Boden liegt, so sagt Leo, der alte Kämpfer, dann steht man wieder auf. Und wenn man verliert, gewinnt man beim nächsten Mal. Das Leben hat die beiden Außenseiter misstrauisch gemacht. Der eine versteckt sich hinter seiner rauen Schale, der andere hinter Schweigen. Das Vertrauen, das sie langsam zueinander gewinnen, macht sie schließlich stärker, als es jeder für sich vorher war. 9. Oktober WaldHausLong John Foxes Die »Long John Foxes« sind als Dixieland- und Swingband eine Bottwartaler Spezialität. Mit ihrem Namen spielen sie auf das Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Beilstein, den Langhans, an. Wie es sich für echte Jazzer gehört, wird ohne Noten gespielt und viel improvisiert. Bläsersolis die von echter Spielfreude zeugen und rhythmischer Drive von E-Bass, Gitarre, Banjo und Schlagzeug garantieren schon jetzt einen interessanten Abend. 9. Oktober Theater Heilbronn, Großes Haus Theaterführung Lüften Sie die großen und kleinen Geheimnisse der »Werkstatt Theater«: Besuchen Sie die Schreinerei, den Malersaal und lassen Sie sich durch unterirdische Gänge führen. Theaterschiff Pierre M. Krause - »Hier kann man gut sitzen« Pierre M. Krause ist ein bisschen anders als andere – lus-

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KLEINANZEIGEN

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER tiger, frecher, schlagfertiger. In einer normalen deutschen Großstadt fällt jemand mit diesen hervorstechenden Eigenschaften nicht weiter auf – was aber, wenn dieser Mensch mit der herausfordernden Frisur und der großen Klappe in einem badischen Dorf lebt? Unnachahmlich direkt und witzig schaut Krause seinen Nachbarn auf die Finger und sorgt für Unruhe in der Dorfkneipe. Und er stellt fest: Alle Klischees stimmen. Zumindest in seiner Heimat, kurz hinter Baden-Baden. 10. Oktober so charmant wie einfallsreich durch das Programm und schafft damit eine ganz ungezwungene und begeisternde Atmosphäre. 10. Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 - Salsapary 11. Oktober Harmonie, Theodor-Heuss-Saal Hannes Wader »Nah dran« Theater Heilbronn, Kammerspiele Gegen den Fortschritt Sieben burleske Szenen von Esteve Soler Ein Paar zappt sich gelangweilt durchs Fernsehprogramm. Da bleibt die Fernbedienung bei einer Sendung über Armut in Afrika hängen. Und plötzlich steht eines der halbverhungerten Kinder im Wohnzimmer und lässt sich partout nicht wegzappen. Oder ein von der Straßenbahn angefahrener Schwerverletzer bittet eine Passantin darum, einen Krankenwagen zu rufen, was diese ihm lächelnd verweigert. Ein Firmenchef gründet eine Religion und sieht sich selbst als Abgesandten Gottes. Ein Apfel, so groß wie ein ganzes Zimmer, macht einem Elternpaar alles andere als Freude. Das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf wird in einer Grundschule plötzlich höchst realistisch. Ein sich liebendes Paar muss auseinander gehen, weil seine vertraglich vereinbarte Zeit des Zusammenlebens abgelaufen ist. Und schließlich wehren sich die Robben gegen den Massenmord an ihren Babys. Der Fortschritt schlägt zurück in Esteve Solers Folge von sieben absurd komischen Schauspielminiaturen. Sie beginnen als normale Alltagssituationen, die durch überraschende Störfaktoren phantastische, albtraumhafte Wendungen nehmen und ins Surreale gesteigert werden. 10. Oktober Hannes Wader live ist immer ein ganz eigenes Erlebnis. Er präsentiert auf seiner Herbsttournee 2013 seine zahlreichen Klassiker sowie Lieder aus dem aktuellen Album »Nah dran« im typischen »Wader-Mix« zwischen Sentiment, Sarkasmus und Zorn. Hannes Wader, der in diesem Jahr mit dem Musikpreis ECHO ausgezeichnet wurde, ist der Autor und Interpret von Liedern, die intimste Empfindungen ausdrücken, was er seit seinem ersten Album von 1969 eindrucksvoll unter Beweis stellt. Er ist aber auch der Volkssänger und der politische Mensch, der Stellung bezieht, sich mit seinen Liedern einmischt und damit zu wichtigen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten den »Soundtrack« geliefert hat. 11. Oktober Kaffeehaus Hagen Le Café Théatre: »Marlene« von Pam Gems Marlene Dietrich gibt eines ihrer letzten Konzerte in Paris. Im Theater wird sie empfangen von Vivian Hoffmann, einer jungen Schriftstellerin und Freundin, und von der seit Dachau verstummten »Mutti«. Marlene ist die Göttin, die Furie, die disziplinierte Junkerstochter. Und vor allen Dingen ist sie der Star. Mit Interviews und Proben schreitet der Abend in ihrer Garderobe voran, der Beginn ihrer Vorstellung naht: Marlene tritt auf, Marlene singt und Marlene triumphiert. 11. Oktober Kulturkeller Klassik im Keller: Gitarrenkonzert mit Christian Wernicke Ebene 3 im Kulturforum K3 Elektrik Lounge Als Solist, Kammermusiker und Dirigent ist Christian Wernicke regelmäßig Gast auf internationalen Festivals, wirkt bei zahlreichen Fernseh-, Rundfunk- und CD-Produktionen mit und unternahm Konzertreisen auf alle Kontinente der Welt. Eine Besonderheit an seinen Konzerten ist der persönliche Kontakt zum Publikum. Er führt eben142 Am 12. Oktober fällt der Startschuss für das 1. Clubszenetreffen und somit auch für ein spannendes, aufreibendes und aufregendes Theaterjahr der neuen Theaterclubs! Alle Theaterclubber und theaterbegeisterten Kinder und Jugendliche von 9 – 25 Jahren, die die Clubszene kennenlernen möchten, sind herzlich eingeladen mitzuspie-

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER len, mitzulachen und Spaß zu haben. Es wird gespielt und improvisiert was das Zeug hält. Doch nicht nur das: Die Clubleiter stellen sich und das Programm für alle Theaterclubs in der Spielzeit 2013/2014 vor. Die Karten und die Clubs werden neu gemischt, also lasst die Spiele beginnen. 11. Oktober 12. Oktober Mobilat Phonk Präs. LONDON KILLS ME Mobilat Stereototaleria Die Rockbude mit Jenz und Fatzo Zum 40. Geburtstag des heiligen CBGB in New York huldigen wir der Mutter aller Rockbars. Iggy, Joey, Blondie und Co. Alle an Bord! HNX goes NYC. Let's go. 11. Oktober Bukowski KLANG DER BEWEGUNG Im Buko brauchen wir nen Haufen Strom, um Euch seit Jahren unter Dauerstrom zu setzen: Ein bisschen für Licht, vor allem aber für den Betrieb fetter Boxen, Plattenspieler, Macbooks, Mixer und so weiter. Unsere Herzen schlagen nun mal nicht unplugged, sondern im elektronischen 4/4Takt. Bei der heutigen Ausgabe der Klang der BewegungReihe zu Gast ist Kevin Bernthaler vom Label Dauerstrom mit urbanem, schmutzigen Techno ohne Kompromisse. Kein halbherziges Minimal-Geplänkel, keine lieblosen Elektro-Trashhits. Back to the Roots: mit Pauken & Trompeten! Die Gastgeber Pravi Lopov und Plasmiq sowie Shidzo werden ihn würdig zu begleiten wissen... Kommt hin, und lasst Euch elektrisieren! 12. Oktober London und der Underground stehen bekanntlich nah beieinander. Wohl einer der Gründe, weshalb das Erfolgsrezept »London Kills Me« zu einer der beliebtesten Techno-Veranstaltungen im Heilbronner Raum zu zählen ist. Denn hier steht das Prädikat, niveauvollen Sound aus der britischen Hauptstadt mit dem anderen Prädikat, der undergroundigen Location, dem Mobilat Club, zusammen zu bringen. Mit Steffen Deux (Time Warp / Loft Club) und den beiden Heilbronnern Waltha Himmel (Rotkäppchen) und Frank Nova (Brise Records) stehen in der jetzigen Resident-Edition drei »London Kills Me«-Veteranen in den Startlöchern, die den angesagten Sound auf die Tanzfläche bringen. Eine Mischung aus Deephouse, Techno und DubHouse wird den Flair der Themse-Metropole in den schnuckeligen Underground-Club in der Salzstraße zaubern. Vermutlich wird die Queen »not amused« sein. 12. Oktober Kulturforum Brackenheim Kabarett: TIMO WOPP Bukowski VERSPULT & HÖRENSWERT Chris Sonaxx und seine Veranstaltungsreihen »das erbe« und »tonlab« sind fester Bestandteil der Stuttgarter Musikszene und aus dieser auch nicht mehr wegzudenken. Mit seiner energiegeladenen und aufgeschlossenen Art verkörpert er nicht nur die Liebe zur elektronischen Tanzmusik, er schafft damit auch einen besonderen Bezug zum Publikum, welches er mit in seine elektronische Klangwelt nimmt. Klingt nach Buko? Funzt im Buko! Massiver Support ist ebenfalls gesichert: Carmen Bernabe und das DJTeam Raum & Zeit werden die Hütte auseinander nehmen. Absolut hörenswert! »Passion« ist das erste Solo-Programm von Timo Wopp und steht ganz im Zeichen der Lebens-hilfe. Lebenshilfe für sein Publikum. Denn Wopp selbst ist perfekt. Aber zum Glück ist er auch so großzügig, die Geheimnisse seiner Vollkommenheit mit seinen Zuschauern zu teilen. Ein moderner Jesus – mit dem kleinen Unterschied, dass ihm nichts heilig ist – vor allem nicht er selbst. »Wopp spielte mit der Manipulierbarkeit der Menschen.« Das Ergebnis war phänomenal und beeindruckte das Publikum, das zeitweise tatsächlich etwas verunsichert zu sein schien. Kein Thema ist ihm zu groß: ob Politik, Wirtschaft, Erziehung oder Religion – Wopp ist Experte für alles, coacht sich zwei Stunden um Kopf und Kragen und illustriert dabei scharfsinnig und komisch, dass der Puls der Zeit oft am Rande des Wahnsinns liegt. 12. Oktober Kulturkeller Nico Semsrott »Freude ist nur ein Mangel an Information« - Kabarett Der depressive Nico Semsrott betreibt in seinem ersten Soloprogramm das, was er am Besten kann: Als bitterböse Gesellschaftskritik getarnte Leistungsverweigerung. Dafür

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER wird er mit Preisen überhäuft: dem NDR Comedy Contest, dem Karl-Marx-Poesie-Preis, dem Stuttgarter Besen, der Freiburger Leiter und mehr als 100 Poetry Slam-Siegen. Ihn selbst macht das traurig: »Für einen Loser bin ich ein ziemlich schlechter Verlierer«, sagt Nico von sich selbst. Er fühlt sich missverstanden und sieht seinen Erfolg als Mobbing, nimmt ihn aber für seine höhere Mission in Kauf: Die Zahl der Depressiven in Europa zu verdoppeln. Die Chancen stehen gut – Depression ist der Wachstumsmarkt schlechthin. Hurra. 12. Oktober Jazzclub Cave 61 Lackerschmid Connection (USA/D) kaputtes Harmonium, Mikrofone aller Art, Blechwände, Windmaschinen. Mitten drin zwei Schauspieler, die das scheinbare Chaos perfekt beherrschen. Sie spielen sämtliche Rollen und erzeugen eine gruselige Geräuschkulisse vor den Augen des Publikums: Augen zu und auf geht’s nach Transylvanien. Dahin ist nämlich der junge englische Rechtsanwalt Jonathan Harker gereist, um den Grafen Dracula zu beraten, der auf der britischen Insel ein Grundstück erwerben will. Harker wird in dem düsteren Karpatenschloss des Grafen Zeuge grässlicher Vorgänge. Als er merkt, dass er es mit einem Vampir zu tun hat, flieht er. Aber Graf Dracula kommt nun selbst nach London. Dort begegnet der Vampir Harkers Braut Mina. Bald geschehen merkwürdige Dinge in London... 14. Oktober Das Repertoire dieser Formation besteht vorwiegend aus Kompositionen von Wolfgang Lackerschmid, deren geschmackvolle Melodien sich über ein Harmoniegerüst spannen, das jeden Mitmusiker zu ambitionierten Soli inspiriert. Die abwechslungsreichen, oft brasilianisch beeinflussten Rhythmen grooven derart, dass auch die anspruchsvollsten Passagen den Hörer einfach mitreißen. Die kongenial aufeinander eingespielte Band besteht durchweg aus hochkarätigen internationalen Jazzvirtuosen, die gerade in dieser Zusammensetzung besonders zur Geltung kommen. Mit Wolfgang Lackerschmid (Vibes), Mark Egan (Bass), Karl Latham (Drums) und Ryan Carniaux (Trumpet). 12. Oktober Theater Heilbronn, Großes Haus The Wave - Schauspiel nach dem Roman von Morton Rhue WaldHaus Coffee for Mama Coffee for Mama - das sind 6 erfahrene Musiker aus dem Raum Heilbronn, die sich vor 8 Jahren zu dieser Band zusammengefunden haben. Sie präsentieren neben eigenen Stücken einen abwechslungsreichen Querschnitt durch Jahrzehnte der Bluesgeschichte. 13. Oktober »The wave« (»Die Welle«) ist ein außergewöhnlicher Roman aus dem Jahre 1981, der in den letzten 30 Jahren in Europa einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Er erklärt die Natur von Faschismus und die Manipulation von Massen am Beispiel einer wahren Begebenheit an einer amerikanischen High-School. Die Schüler behandeln im Unterricht das Thema Holocaust und können sich nicht vorstellen, wie es damals so weit kommen konnte. Lehrer Ben Ross beschließt ein Experiment, das ihnen zeigen soll, wie einfach Menschen zu manipulieren sind: »Die Welle« beruht auf drei Grundprinzipien: Macht durch Disziplin, Macht durch Gemeinschaft, Macht durch Handeln... Und was als harmloser Versuch beginnt, gerät völlig außer Kontrolle. 14. Oktober Kulturkeller Literatur am Montag: Guy de Maupassant (1850 - 1893) Theater Heilbronn, Kammerspiele Dracula - Live-Hörspiel nach Bram Stoker von Eike Hannemann & Birte Werner Anne-Gabriele Michaelis erzählt aus dem Lebensbild und Werk des Schriftstellers, ein/e Schauspieler/in liest die Texte von Guy de Maupassant. 16. Oktober Vampir-Geschichten haben Konjunktur. Dass man diesem Horror-Klassiker trotzdem noch etwas Neues abgewinnen kann, zeigt das Theater Heilbronn mit einem Live-Hörspiel. Auf der Bühne befinden sich merkwürdige Utensilien wie mit Sand oder Steinen gefüllte Kisten, Wassergläser, ein Theater Heilbronn, Kammerspiele Türkisch Gold - Schauspiel von Tina Müller Jonas hat sich verknallt - in Aynur. Sie hat lange dunkle Haare und ist für ihn das schönste Mädchen der Welt. Das

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER kann niemals gut gehen, meint Luzia, Jonas' beste Freundin. Denn Aynur ist Türkin. Luzia geht mit Aynur zusammen zur Schule, und behauptet, dass sie sich für deutsche Jungs überhaupt nicht interessiert. Überhaupt, was Jonas sich mit einer deutsch-türkischen Liebe einhandeln würde, sei ja wohl klar. Was ist zum Beispiel mit Aynurs Familie und besonders mit ihrem Zwillingsbruder Kerim – lassen die das überhaupt zu, dass das Mädchen mit einem Deutschen geht? Wie wird sich Jonas Spießervater verhalten? Und kann er die blöden Kommentare seiner Mitschüler aushalten? Luzia und Jonas schlüpfen in ihrem Disput in die Rollen von Aynur, Kerim und den anderen und stolpern dabei über ihre eigenen Klischees und Vorurteile. Was wissen sie eigentlich über »die Türken«? »Türkisch Gold« ist ein kluges Stück darüber, wie Vorurteile entstehen und das interkulturelle Miteinander erschweren. Es liefert einen provokanten Beitrag zur aktuellen Integrationsdebatte. 16. Oktober 18. Oktober Jazzclub Cave 61 J.L. Trovesi und Ensemble FisFüz FisFüz, ein deutsch-türkisches Ensemble (SWR-Weltmusik) spielt Oriental Jazz. Gianluigi Trovesi (Saxofon) zählt zu den bekanntesten italienischen Jazzmusikern. Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Turkish Round Table Heilbronn. 18. Oktober Mobilat Dub It! Conscious Hifi at the Controls Bass, Echo, and FX! Deep Roots, Dub and UK Steppers with Heavy Harmonie, Theodor-Heuss-Saal Württ. Kammerorchester: 2. Heilbronner Konzert »Glaube und Spiritualität« mit Alina Pogostkina Jung, neu und alles andere als »akademisch« ist die Musik des 2. Heilbronner Konzertes. Diese Musik schöpft ihre Kraft aus dem Glauben, sie ist spirituell und anspruchsvoll zugleich. Jean Jacques Charpentiers »Sinfonia sacra pour le Jour de Pâquesntstand« zur Verwendung in der Ostermesse. Dem Werk legte der Komponist Tonleitern aus der indischen Musik zugrunde. Peteris Vasks’ »Vox Amoris« ist ein Stück von ätherischer Ruhe und Schönheit. Arvo Pärts Klänge sind ruhig, meditativ und tief religiös. Arthur Honeggers zweite Sinfonie ist voller Dramatik und Emotion. Die junge Geigerin Alina Pogostkina gewann 2005 als erste Deutsche den 9. Internationalen Sibelius Wettbewerb in Helsinki. Auch diesmal gibt es wieder 70ies Roots Reggae mit heavy Dub Versions und aktuellen UK Dub auf die Ohren! Zum Warm up spielen wir Big Tunes aus den 80ies, Digital Style aus King Jammys Studio! Zur Prime Time werdet Ihr mit Heavy Roots und Dub Versions beschallt, natürlich mit Siren, Echos und Effects! Adm. 4,- EUR - So wake the town and tell the people! 18. Oktober Bukowski TOM WAX @ BUKOWSKI 1990: Tom Wax beginnt im legendären Technoclub im Frankfurter Dorian Gray als Resident DJ aufzulegen. Gleichzeitig tritt er auch als Produzent in Erscheinung und ruft Projekte wie u.a. Microbots, Electric Nature und AWeX ins Leben. Er veröffentlicht auf Labels wie z.B. Harthouse, Plastic City und Low Spirit. 1995: Als AWeX räumt Tom Wax zusammen mit Thorsten Adler mit »It's Our Future« & »Back On Plastic« so richtig ab. Neben Produktionen zusammen mit Marusha, Dr. Motte, Talla 2XLC, Mijk van Dijk u.v.m. remixt er in der Folge auch Künstler wie Erasure, Jam & Spoon, The Shamen, Hardfloor, Sparks, Tomcraft, Cosmic Baby und John Starlight. Seit 2000 konzentrierte sich Tom Wax auf seine Produktionen als Solokünstler und veröffentlichte diverse Tracks auf seinen Labels Phuture Wax & Pretty Girls Don’t Dance. 2007: Tom Wax führt zusammen mit Boris Alexander als Gastmusiker gemeinsam mit dem Dirigenten Paavo Järvi und dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks beim Music Discovery Project die 9. Sinfonie von Antonin Dvorak auf. 18.10.2013: Tom Wax mischt, unterstützt von Matthias Engelmann und Shie. das Bukowski auf!

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER 19. Oktober 19. Oktober Complex23 / Bar Daneben R?[I]-VRB_NK Mobilat Vom Türsteher was auf die Ohren »Die Bonbons der 80er« Harald macht das A/V Performance von Flint Kids + ?ounterpart. Ab 22 Uhr. Oktober 19. Oktober Pogofarm 30-jähriges Jubiläum --Hallo liebe Pogo Familie, Theater Heilbronn, Großes Haus Noche des Flamenco wie einige von Euch vielleicht schon mitbekommen haben, ist dieses Jahr unser 30-jähriges Jubiläum! Das würden wir gerne mit Euch zusammen feiern, und zwar am 19. Oktober ab ca 12.00 hier auf der Pogofarm. Es gibt einen Tag der offenen Tür auf unserer Boardfarm mit Ausstellungen der schönsten Bretter, verschiedene Longboardsessions, 3 Miniramps zur Auswahl zum shredden, Grill und Chill im Pogogarten mit Slacklines, Tischkicker und Kinderschminken. Auch der Longboardshop wird geöffnet sein, für alle, die ein Longboard oder Zubehör brauchen. Abends wollen wir an alte Zeiten anknüpfen und es mal wieder richtig krachen lassen. Auf unserem neuen Miniramp und Partygelände gibt’s Livemusik auf die Ohren, Pogoschnaps Probierstand, ein Pogo Snowboard oder Longboard nach Wahl zu gewinnen sowie einen Preis für die weiteste Anreise. Es gibt ausreichend Möglichkeiten zum campen oder Ihr bucht Euch ein beim Gasthof oder im Hotel Roger, beide sind direkt hier in Hößlinsülz. Wir hoffen, dass wir auch die alten Hasen mal wieder zu Gesicht bekommen, gebt Euch einen Ruck und raus aus dem Sessel ; ) Euer Pogo und Longboardshop Team Professionelle Gitarristen und Sänger aus Spanien und Deutschland begleiten 60 Schüler der Flamenco-Schule Bustani. Das Programm eröffnet tiefe Einblicke in die Kunst des Flamenco: mitreisend, gefühlvoll, beindruckend - die abwechslungsreiche Mischung der verschiedenen Tänze entführt den Zuschauer mitten ins Herz Andalusiens. 19. Oktober Theaterschiff Murat Topal - »Topal total« Oktober Bukowski HNX ALLSTARS – ELEKTRONISCHE KUKLTUR Die Heilbronner Nächte gehören uns, und der jeweils halbe Morgen danach auch! Das ist Gewohnheitsrecht, welches wir mit unermüdlichen Tanzeinsätzen in ungezählten Partynächten im Buko erworben haben. Das Beste daran: Solche Nächte und ihre Soundtracks werden nicht kürzer, leiser oder weniger, wenn wir sie teilen! Der halben Stadt auf der Tanzfläche zeigen heute Nacht Tom Schön, die Südklang Crew, Daniel Calisse, Strompunkt, Maurice, Trigger Figure und T-WATCH und natürlich Ihr. 2005 wagte er den Sprung auf die Bretter, die sprichwörtlich die Welt bedeuten: Gedrängt von seinen damaligen Kollegen, die sich über seine spontanen Späße im Dienst stets köstlich amüsiert hatten, betrat der Kreuzberger Polizist Murat Topal im Berliner Scheinbar-Varietè erstmals eine Bühne. Hier nahm der märchenhafte Aufstieg, der Murat schnell zu unzähligen Auftritten auf nahezu allen großen Bühnen des Landes und in sämtlichen einschlägigen TV Sendungen verhelfen sollte, seine Anfang. Sieben Jahre, drei abendfüllende Programme, vier Buchveröffentlichungen, zwie Radiocomedy-Serien und ungezählte Live und TV Auftritte später zieht Murat Topal nun eine erste Zwischenbilanz! Mit »Topal Total« präsentiert er seinen Fans eine Auswahl seiner persönlichen Lieblingsnummern und damit einmal mehr seine gewohnt unnachahmliche Mischung aus pointiertem Witz, zündenden Musiknummern und einem gleichermaßen humor- wie liebevollen Blick auf die vielen absonderlichen Typen der Gattung Mensch und deren bisweilen seltsame Rituale – bekanntermaßen haarsträubende Spezialaufträge inklusive… 19. Oktober Audi Forum Neckarsulm Trio di Clarone - »A Night at the Opera« Mittlerweile ist das Trio di Clarone seit drei Jahrzehnten

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER auf den Kammermusikpodien der ganzen Welt zu Gast. Die Mischung aus Mozart und Moderne entwickelte sich schnell zum Erfolgsrezept. Das Trio di Clarone gastiert regelmäßig in Mitteleuropa, außerdem gibt es Konzerte in den USA, China und Japan. Mit Sabine Meyer, Wolfgang Meyer, Reiner Wehle und Kalle Randalu. Oktober Tom ist ständig abgebrannt. Das Taschengeld reicht vorne und hinten nicht. Sein Handy verschlingt Unsummen, ein neuer Rucksack muss her und der Traum von einem schnelleren Computer taucht auch immer wieder auf. Das meiste Geld aber verglüht beim Rauchen. Toms Eltern wollen nicht unbegrenzt was zuschießen. Aber sein Schülerjob reicht schon lange nicht mehr. Aus Geldnot lässt sich Tom auf eine Wette. Es geht darum eine ganze Woche lang nicht zu rauchen! WaldHaus Piranda Transfer Piranda Transfer ist im Herbst 2007 in München geboren. Die Band besteht aus Fredi Müller, Christian Stefanescu und Stephan Sigl. Sie spielen Blues und klassische Rockmusik mit ´70-er Feeling. Präsentiert werden neben vielen Eigenkompositionen auch im eigenen Stil überarbeitete Klassiker. Piranda Transfer - das steht für handgemachte, direkte und ehrlich gespielte Livemusik. 23. Oktober WaldHaus Feetwarmers Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 Tango Argentino - Milonga Über fünf Jahrzehnte hinweg waren bzw. sind die Feetwarmers ein Begriff für guten swingenden Jazz. In dieser Zeit ist das Spiel der Band zu jener Eleganz und Fülle ausgereift, die Ihren Ruf weit über die Grenzen des Unterlandes hinaus gefestigt hat. »Mit fuffzig noch fetzig«, so könnte man den heutigen Jazzabend überschreiben, denn krachen lassen werden es die Musiker der 2013er-Besetzung bei ihrer Geburtstagsfete allemal. 23. Oktober 20. Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 Steve Cathedral Group Kulturkeller Franziska Troegner & Jaecki Schwarz »Mit der Lammkeule auf dem Weg zum Himmel« - Kabarett Oft scheint der Mensch vor unlösbaren Problemen zu stehen: Will er sich z.B. die Zuneigung eines geliebten Wesens ewig erhalten - oder nicht? Der englische Autor Roald Dahl bietet in seinen humorvollen Kriminalgeschichten äußerst originelle Lösungen an. Jaecki Schwarz, bekannt als Hauptkommissar Schmücke im »Polizeiruf 110« und Franziska Troegner, bekannt als Schwester Gertrud in »Der Landarzt« und als deutsche Stimme von Miss Marple, bereiten daraus einen schaurig schönen Abend. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Abend der inneren Erbauung dient, und nicht als Gebrauchsanleitung zu verstehen ist. 23. Oktober Das Jazz-Quartett »Steve Cathedral Group« entstand im Frühjahr 2012 und setzt sich aus Musikern aus dem süddeutschen Raum zusammen. Die Kompositionen reichen von erfrischend-heiter bis melancholisch-verträumt und sind inspiriert von der einfachen Schönheit guter Popmusik und modernem Jazz. Die Stücke wollen erzählen, etwas mit auf den Weg geben und lassen den Musikern viel Freiraum für Interaktion und Improvisation. 25. Oktober Kulturkeller Torsten Sträter »Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben« - Kabarett Der 1966 in Dortmund geborene Torsten Sträter ist ein Theater Heilbronn, Kammerspiele Theater Radelrutsch: Abgebrannt oder Voll, der Loser

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER echter Typ, dessen Bühnenpräsenz Spuren zieht und der mit seiner einprägsamen Stimme punktet. Und mit seinen Texten: Kurzgeschichten, die Alltagsgeschehen und zwischenmenschliche Kommunikation ins Absurde drehen. Einen wahren Kern haben fast alle. Erlebtes, Gehörtes, Gelesenes war erste Idee und Ausgangslage beim Schreiben, verrät oder behauptet der Autor in seinen lockeren Zwischenmoderationen, aber man kann sich nicht sicher sein, ob diese Informationen zwischen den Texten nicht auch schon Text sind. Bühnenwirksam und mit Augenzwinkern einem bestgelaunten Publikum untergejubelt. und seine Crowd. Weil Ihr so open-minded seid, bringt er mit stolzgeschwellter Brust immer wieder Kollegen aus aller Herren Länder zu uns, denn auf die fette Party hier ist einfach Verlass. Dieses Mal hat er Sapphire aus Barcelona im Schlepp, der eigentlich Franzose ist, aber in der spanischen Metropole in allen relevanten Clubs und seit Jahren beim Sonar- Festival abräumt. Shie ist auch noch mit am Start und wir vertauen darauf, dass es mal wieder eine lange Nacht wird! 26. Oktober Bukowski 25. Oktober Ebene 3 im Kulturforum K3 Kabarett GAUwahnen: Bundesgartenzwerge Mit ihrem neuen Programm sind die GAUwahnen Alexandra Müller-Kilgus, Eva Schwindt-Läpple, Niklas Albrecht und Erhard Jöst den Bundes-Gartenzwergen auf der Spur. Diese wirken überall, manchmal hilfreich und konstruktiv, oft aber auch hinterlistig und verschlagen. Fleißig graben sie Stollen, in denen Problemstoffe verschwinden, clever machen sie Propaganda für eine bunte Garten-Schau, die von politischen Schwierigkeiten und drohenden Gefahren ablenken soll. Sie liefern Kohle und Salz, sie bauen Parks, in denen die Menschen ihre Sorgen los werden können und sie singen zuweilen hämisch den Tango korrupto. KLANGREISE present: PARIDE SARACENI Paride Saraceni, DJ und Producer, kommt viel rum: Geboren in Italien, mit 13 in die Schweiz ausgewandert und, einmal der elektronischen Musik verfallen, schließlich nach London gezogen. Schon mit seinen ersten Produktionsversuchen hat Paride die Aufmerksamkeit von Szenegrößen wie Richie Hawtin, Paco Osuna oder Carl Cox gewonnen, und mittlerweile spielen Global Player wie Sven Väth, Dubfire, Laurent Granier, Adam Beyer und Dave Clarke seine Tracks regelmäßig in den besten Clubs und bei den wichtigsten Festivals zwischen New York und Tokyo. Auflegen wird er heute aber im Buko. Die Drum Poets und Dominik Israel supporten den Globetrotter. Wir freuen uns! 26. Oktober 25. Oktober Mobilat 11-Jahre-Wortsport Lounge Mobilat God Save The Queen BritPop mit Andrew & Thilo Oktober Bukowski // IN BUKO WE TRUST Genau wie wir setzt Agent!, einst als Abgesandter des Würzburger Airports zu uns gekommen und mittlerweile Desolat- und Cocoon Rec.-Artist, sein Vertrauen ins Bukowski DDDD, Der Deutsche Dancehall Direktor kommt in die Stadt: Ronny Trettmann x 11-Jahre-Wortsport Lounge! Dancehall Madness, Hip Hop Hooray - so läuten wir das 4. Quartal 2013 ein, elf Jahre Wortsport Lounge feiern wir drei Monate lang. Den Auftakt machen wir mit Ronny Trettmann, der sich seit Jahren in den jährlichen Leserbefragungen des bekanntesten deutschen Reggae-Magazins Riddim Platz 1 in den Kategorien »Bester Nationaler Artist« und »Bester Nationaler Song« sichert - mit deutlichem Abstand vor Größen wie Peter Fox oder Gentleman. Auf seinem aktuellen Album »Tanz auf dem Vulkan« hat er mit einem Mix Urban, Pop, Reggae und Electro das DancehallGenre neu definiert. Heilbronn ist gespannt auf »Birnenpfeffi mit Zimt« #BPFMZ.

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER Oktober 31. Oktober Kulturforum Brackenheim Musik-Kabarett: Gayle Tufts Ebene 3 im Kulturforum K3 Tansy Davis -Supersoul- Gayle Tufts’ neue one-woman Show ist ein alle Sprach- und Genregrenzen sprengendes Feuerwerk. Die liebenswerteste Botschafterin, die sich der Broadway denken kann, erzählt das abenteuerliche Leben einer Entertainerin die zwei Jahre jünger ist, als Madonna: Lustvoll, laut und very hot! Neue Lieder und frische Texte über das Erwachsensein und das Jungbleiben. Und Frauen erhitzt vom Rampenlicht und anderen Energie-Quellen. Treffender Humor gemischt mit bittersüßen Reflektionen über die Rückkehr der Pubertät und die endlose Suche nach menschlicher Wärme. Perfektes Timing, gepaart mit einer grandiosen Singstimme. Wer könnte den Stolz wider das Stigma mit mehr Sex-Appeal verkörpern als Gayle Tufts ? Wer taugt besser als Sprachrohr zwischen all den Welten und Widersprüchen, in denen sich moderne Frauen (un-)bewusst bewegen? Und wer könnte witziger, hinreißender und unterhaltsamer sein? Storytelling, Lesung und ihr grandioser Gesang machen die Show über das Klimakterium zu einem Cocktail aus Hormonen und Schüßler-Salzen, aus Groteske und Poesie. Natürlichkeit und Broadway-Glamour wechseln sich ab... Das Prädikat Soulband scheint abgenutzt, jedoch gibt es keine treffendere Bezeichnung für eine Formation, die mit soviel Seele und Musikalität außerhalb des altbekannten Mainstreams dieses Genres das Publikum berührt! Neosoul, eine eigene Mischung aus Soul, Jazz, Fusion und Funk. Songs von Erykah Badu und Jill Scott, ist was angeboten und geliefert wird. Eigene Arrangements, vielschichtig, überraschend, tief, emotional! Vom Superlativ im Namen der Band kann man sich bei einem Konzertbesuch der 12-köpfigen Formation um Sängerin Tansy Davis überzeugen. 31. Oktober Mobilat ultra brutal production präsentiert. »HALLOWEEN« Oktober Intersport Veranstaltungscenter redblue redblue meets Klassik: Bernhard-Suite mit Thomas Bernhard Der Keyboarder der britischen Popband »The Cure«, Roger O’Donnell, und der Singer-Songwriter Adam Donen komponieren seit einigen Jahren Werke im Grenzbereich zwischen Pop, Minimal und Klassik. Ihr neuestes Projekt wird in Heilbronn uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht der österreichische Dramatiker Thomas Bernhard, dessen schwarzes und zugleich hochmusikalisches Werk das deutschsprachige Theater nachhaltig geprägt hat. 26. Oktober Jazzclub Cave 61 Chuck Israels/Hod O´Brien Quartet (USA) Das Oktober Highlight! Der Bassist von John Coltrane, Benny Goodman, Herbie Hancock, Freddy Hubbard u.v.a. im Club.

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D I E Nä c H ST E AU SGA B E H A N IX Er Sc H E I N T A M 31. oKTo B E r 2 0 1 3