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Content:
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O KT 20 1 1 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR B IL D U N G BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST

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chic chic chic

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E D I TO R I A L VORNEWEG MAL... Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir waren sehr gespannt darauf, wie die Reaktionen auf HANIX ausfallen würden. Haben wir den Geschmack der Unterländer getroffen oder sind wir kilometerweit daran vorbeigerauscht? Wir müssen zugeben, dass die Reaktionen uns ehren und zeitgleich fordern. Wie es scheint gefällt HANIX. Das belegen an die 5 000 Unique-User, wie es neudeutsch heißt. Noch viel besser finden wir, dass HANIX von jedem Besucher im Schnitt viereinhalb Mal aufgerufen wird und unsere Leser bei jedem Aufruf ca. elf Minuten bei uns verweilen. Was sollen wir sagen. Gerührt bekommen wir nur ein »Dankeschön« über die Tastatur. Für unsere Titelgeschichte »Bildung« haben wir nicht nur im neuen Bildungscampus vorbeigeschaut. Unsere Mitarbeiterin Maria Sanders war mit Fotografin Ulla Kühnle in der Heilbronner Justizvollzugsanstalt, um sich nach den dortigen Bildungsangeboten und Lernbedingungen umzusehen. Wir wissen nun, dass man im Gefängnis viele Berufe erlernen und Schulabschlüsse nachholen kann. Selbst Menschen, die noch elf Jahre hinter den Gefängnismauern in der Steinstraße vor sich haben, bilden sich weiter. Ganz hervorragend zugesagt hat uns der Humor der Mitarbeiter der Gefängnisbetriebe. T-Shirts mit dem Aufdruck »JVA Heilbronn - Hier sitzen sie richtig« beweisen, dass selbst hinter Gittern gelacht wird. Beeindruckt waren wir auch von »Jailers«, dem Knastlabel für stilvolle Taschen. Mit Mini-Handschellen-Verschluss! Wir verquizzen diesmal eine »Jailers«-Tasche in unserem Quiz. Er schrieb den »Besten Roman aller Zeiten«. Nicht nur deshalb haben wir mit Oliver Maria Schmitt, seines Zeichens Henri-Nannen-Preisträger und ehemaliger Heilbronner OB-Kandidat, das längste Interview Heilbronns geführt und einen wahnwitzigen Abend in der Hesserwirtschaft verlebt. Wir konnten Schmitt sogar dazu bewegen, unsere Bilduntertitel zu texten. Obwohl er unser neues Cover scheußlich findet. »Ihr seht aus wie ein Lehrergewerkschaftsblatt«, meint Schmitt. Passt dann ja. Denn auf dem HANIX-Titelbild wurde Bundesbildungsministerin Annette Schavan von Florian Geiger illustriert. Jetzt aber viel Freude beim Lesen, Gucken & Hören dieser Ausgabe! P.S.: Ab Seite 4 ist eine Gebrauchsanweisung für das Magazin zu finden. Bildung im Vollzug: Maria Sanders im Gespräch mit einem JVASchüler, der noch elf Jahre in der Steinstraße vor sich hat. Oliver Maria Schmitt: Im längsten Interview Heilbronns erzählt WahlFrankfurter Schmitt über Telefonate mit Gerd Schröder und geht mit Heilbronn zum Teil hart ins Gericht. Seine Heimat mag er aber trotzdem!

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BEDIENUNG DES MAGAZINS

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblätert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> UNTERHALTUNG -> MUSIK Fragt nicht warum im MusikmagazinOrdner. Wir wissen es selbst nicht.

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I N H A LT HANIX Nº2 18 M A RTINA F I N KEL MEINE PLATTENKISTE 38 P OLO M I T R A D SPORTTASCHE 46 H I P - I S L A NDE RS R A L PH & ALEX M U NZ DER KÜHLSCHRANK VON... Die Chefin einer Modelagentur hat einen bunten Strauß an Stilrichtungen in ihrer persönlichen Top fünf. Von Michael Jackson bis Michelle ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die erlebnisorientierte Radfahrergemeinde Heilbronns hat eine neue Lieblingsbeschäftigung: Bikepolo. Wir waren mit der Videokamera vor Ort am Olga-Jugendzentrum. Familie Munz öffnet die Pforten ihres riesen Kühlschrankes. 34 LI A NE & M AT T SINGLES DES MONATS 42 CO N S C I OU S H I F I MUSIKKOFFER FEMAL E M ETAM ORPH O S IS KUNSTREGION Wir haben mit Liane und Matthew über stilvolle deutsche Mädchen und langweilige Prinzen gesprochen. Der Riddim des Unterländer Soundsystems Conscious Hifi treibt zu Höchstleistungen. Auf dem Römersee Festival haben die Jungs acht Stunden am Stück gespielt. Der Wandel der Weiblichkeit Eine Ausstellung von Sabine Kühnle. 52 BEIM HESSER BILDERGESCHICHTE Ein wahnwitziger Abend in der Kultwirtschaft auf Bildern festgehalten. Mit Texten von Oliver Maria Schmitt.

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60 I M GESP R ÄC H : OLIVER M A R I A SCHM I T T INTERVIEW DES MONATS E X PE R I M E N TA & TO P H A NDWERK STADTLEBEN / LANDLEBEN 12 & 14 PA P P T E L L E R A L S L E N K RAD SMS MICH MAL Autor Oliver Maria Schmitt verließ Heilbronn vor Jahren. Ab und an ist er aber gerne hier und spricht dann kontrovers über seine alte Heimat. G U T G E G E B E N - B R E C H S TANGE HARALD LIEST - EIN LESEVIDEO » ATO M « - WO L K E HEIMATLIEBE A S S E N H E I M E R M U L F I N GER & K R E AT I V Z E N T RU M HN AUSBILDUNG & MACHER IM UNTERLAND 28 & 32 74 BILDUNG TITELTHEMA AU S D E R VO G E L PE R S PE KTIVE SPIEGELREFLEX E I N E F R AG E QUIZ Heilbronn möchte sich zur Wissensstadt mausern. Doch nicht nur im neuen Bildungscampus wird gelehrt und gelernt. Wir begaben uns auf Studienreise durch die Region. D E L F I N E AU F D E M A R B E I TSWEG & S C H WÄ B I S C H E K E L L ER BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS PERTH / NEI`GSCHMECKT 124 & 126 THE CHALK MAN FROM NEW YORK CITY TO HEILBRONX MAINZ, 2005/2006 VIA ARCHIV JOHANNES DIETEL BERLIN CALLING BRIEFE/IMPR. (134), DER HISTORISCHE SCHUSS (136), DATEN (138)

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DAS HANIX TEAM WER UND WI ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 33 JAHRE WA S I S T H A N I X ? Das mu l t i me di al e Ma g a z i n f ü r d i e Re g io n He ilb ro nn - fü r Le se r, d ie in t eres s i er t , k ulture ll aufg e s chlo sse n u n d n eu g i er ig a u f ein e n alte rnative n Blick a uf St adt -. L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. Heilbro n n e r Me d i e n - u n d Ku l t u r s chaffende, die i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t od e r Ham b u r g g es a m m el t ha b e n und nun e tw as in i h re r He i m a t b e weg en w o l l e n. MARCEL KANTIMM WA S W I L L H A N I X ? HERAUSGEBER & KOORDINATION 37 JAHRE Das mu l t i me di al e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge s e llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s pann end e n , un te r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n di e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Bier zapfen alleine macht nicht glücklich. Außerdem erstelle ich für´s Leben gerne Terminpläne, die dann hoffentlich jeder einhält.

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SEVTAP CELIK GRAFIK 25 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 27 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Heilbronn wird in den nächsten Jahren wachsen. Und dieses Magazin wird die Stadt dabei begleiten. Klar will ich dabei mitwirken! »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA PR, NETZWERK & FILM 25 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION & FILM 34 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 23 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 37 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 34 JAHRE ROBERT BEUTELSPACHER FILM & ANIMATION 24 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar - die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Mein Chef hat gesagt, wir machen jetzt ein Magazin. Jetzt mache ich das und habe auch noch Spaß dabei. Danke, Chef. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 20 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 61 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 37 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit - und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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FR AGE DES MONATS: WARUM BIST DU DABEI? SASCHA WARTHA REDAKTION 36 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 28 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 41 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 28 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 45 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 55 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTLEBEN: OKTOBER 2011 D I E D I M E N S I O N Nach kn ap p ze h n Mo n a t en i s t es sowe it. Die Le rn- und Erle bnis we lt e xp eri menta eröff n e t i h re er s t e e i g e n e So n d e r ausstellung mit dem Titel »Zeit - Expedition in d i e v i e r t e Di m e n s i o n « , a u f 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche. 40 Exponate laden dazu ein, dem Phänomen Zeit spielerisch auf den Grund zu gehen. Ergänzend dazu ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Workshops geplant. Was ist Zeit überhaupt? Wie messen wir Zeit? Warum altern wir? Sind Zeitreisen möglich? »Antworten auf diese und viele weitere Fragen soll unsere Sonderausstellung liefern«, sagt Dr. Wolfgang Hansch, Geschäftsführer der experimenta gGmbH. Die neue Sonderausstellung wird in acht Zeiträume gegliedert. »Im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung stehen die unterschiedlichen Größenordnungen der Zeit«, sagt Ausstellungsleiter Dr. Christian Sichau. »Zugleich wollen wir aus vielen verschiedenen Perspektiven das Phänomen Zeit untersuchen.« Dementsprechend vielfältig sind die angesprochenen Fragen. STATI STI K A M T Hochschulreife Im Stadtkreis Heibronn haben Ein Heilbronner Fußgänger wollte nach einem süffigen Abend in die Oststraße., verlor aber seinen inneren Kompass: »Dann habe ich es gemacht wie die Pfadfinder und einfach nach Straßenlärm gelauscht. Bin dann in der Paulinenstraße rauß gekommen.« Tipp von uns: Nächstes mal Tax!. Schüler/-innen im Schuljahr 2009/2010 die Hochschulreife erworben. Im Jahr 1994/95 waren es nur 262 Schüler/-innen

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L ANDLEBEN: OKTOBER 2011 G UT E S HAN D wEr k De r d i e sjäh r i g e L eis t u n g s wet t b e werb d e s De uts ch e n Hand we rk s auf Kamm e re b e n e i s t en t s c hied en . 137 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Hohenlohekreis, dem Main-Tauber-Kreis und dem Kreis Schwäbisch Hall haben daran teilgenommen und ihr Können unter Beweis gestellt. Die jungen Profis sind bei einer Arbeitsprobe gegeneinander angetreten oder ließen ihre Gesellenstücke noch einmal neu bewerten. In einigen Berufen wurden die Sieger anhand ihrer Leistung in der Gesellen- oder Abschlussprüfung ausgewählt. Jetzt steht das Ergebnis fest: 50 Handwerker haben den ersten Platz errungen und dürfen nun ihren Beruf und das Handwerk der Region Heilbronn-Franken auf Landesebene vertreten. Am Wettbewerb teilnehmen können junge Handwerkerinnen und Handwerker, die ihre Gesellen- oder Abschlussprüfung im Winter 2010/2011 oder im Sommer 2011 abgelegt und die Prüfung mindestens mit der Note 2,4 bestanden haben. Wer sich auch auf Landesebene durchsetzt, darf sich bald mit den Siegern aus anderen Bundesländern im November in Bielefeld messen. N e u l i c h i n d e n e n gen Gassen Bad Wimpfens: Eine Frau st e u e r t e i n e n , w i e man umgangssprachlich sagt, dicken S ch l i t t e n . I h r f ä h r t e in e Frau im k le in e n , kla ssisc hen Fra uen a u t o e n t g e g e n . Beide kommen aber nicht aneinander vo r b ei . Di e i m d i c ke n Au t o z u e rs t : » Das ist keine Einba hnst ra ß e ! « - » D o c h , i st es!« - »Nein!« - »Wer wohnt denn hier, ic h o d er d u? « E n d e der Diskussion. STATISTIK AMT Hochschulreife Im Landkreis Heibronn haben Schüler/-innen im Schuljahr 2009/10 die Hochschulreife erworben. Im Jahr 1994/95 waren es nur 423 Schüler/-innen

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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SM S MI C H M A L ! UNGEWOLLT LITERARISCHES IN CA. 160 ZEICHEN MIT UNTERSTÜTZUNG VON WWW.SMSVONGESTERNNACHT.DE Ic h h a t t e d i r d o c h g e s a g t d a s s i c h f a h re n ka n n ! ! ! A lte r, d u bis t n ic h t g e f a h re n ! Ic h b i n g e f a h re n u n d d u s a ßt a u f d e m B e if a h re r sitz u nd h a s t m it e in e m Pa p p te lle r gelenkt! Der Beilenker hat seine Kurznachricht in ein LG Smartphone gehackt. ZEICHEN FACTS 02.09.2011 DATUM 12:45 UHRZEIT Einer muss immer den Überblick behalten. Unser Mann hatte ein smartes Samsung am Start. A F T ER DATA Die er folgreic he und vor a llem unfa llfreie Nec ka rjag d w urd e im Data ordentlich begossen. Nach einer langen u n d s c h ö n e n N acht meinten ma nc he, sie sitzen in Engla nd a m S te ue r. ZEICHEN

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GESELLSCHAFTSMAGAZIN FÜR LEUTE DER REGION HEILBRONN

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TEXT: WOLFGANG FISCHER I N R O L L S C H U H E N Z U J O H N M I L E S G E T A N Z T ! Martina Finkel, Inhaberin und Choreographin der Heilbronner Modenschauagentur »Models and More«, ist seit Ihrem 17. Lebensjahr Model. 1999 gründete sie ihre Agentur. Für uns öffnete sie ihre Plattenkiste. Ihre Lieblings-Musik gleicht einer kleinen Biografie der attraktiven Business-Lady.

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MEINE PL ATTENKISTE: MARTINA FINKEL DIE TOP 6 VON Martina Finkel: 1 . J o h n M i l e s , »M u s i c « (Martina Finkels: »Bei der Musik von Miles denke ich an meine aktive Zeit als Rollkunstläuferin.«) 2. Soundtrack, »Fluch der Karibik« (»Das ist einfach ein gewaltiges Stück Musik.«) 3. John Denver, »Leaving on a Jet Plane« (»Den Titel habe ich mit meinem Mann immer im Duett gesungen.«) 4. Michael Jackson, »Smooth Criminal« (»Das war mein Sound der 80iger.«) 5. Michelle, »Kleine Prinzessin« (»Das sind die Gedanken einer Mutter an Ihre Tochter.«) Martina Finkel liebt es bombastisch, zumindest was viele ihrer »Musicfor-ever«-Titel betrifft. Sie steht auf große Klangkörper der klassischen Musik, aber genauso des Rock- und Pop. Auf eins stellt die Böckingerin natürlich die Mutter aller Pop-meetClassic-Songs, »Music« von John Miles (1976 /http://www.youtube.com/ watch?v=3Nz7gtCArOw ). Aus einer großen Sammlung soundgewaltiger Stücke des letzten Jahrzehnts greift sie ferner den Soundtrack »Fluch der Karibik« heraus. Herz und Seele sind der andere Teil von Martinas Musik. So zum Beispiel »große Duetts« mit ihrem Ehegatten Jochen bei »Leaving on a Jet Plan« von John Denver, oder als sorgende Mama: »Kleine Prinzessin« von Michele. Schließlich ist noch die Ehrerbietung an Michael Jackson (»Smooth Criminal«) dabei, weil er mit seiner Präsentation von Musik und Tanz einer der Genies der Pop-Musikszene war. Martina Finkel hört Musik stets unter einer besonderen Konzentration: Wie wirkt dieser oder jene Titel in einer Modenschau, welche Choreografie läßt sich darauf kreiren. Dann werden das Wohnzimmer und angrenzende Esszimmer schnell zum Laufsteg, um eine Idee gleich auszuprobieren. Wer Martina Finkel aus Heilbronn-Böckingen über Jahre hinweg geschäftlich und privat begleiten darf, wird feststellen, dass ihre Auswahl markante Themen ihres Lebens widerspiegeln. Das sind die mittlerweile bundesweit anerkannte und weit über ein Jahrzehnt tätige Modellagentur »Models&more«, dann ihre Rolle als aufmerksame Gattin für Jochen sowie die erwachsene Tochter Bianca und Söhnchen Adrian. Es bleibt dann noch ihr Spaß mit Freundinnen und Freunden »abends einmal auf Tour zu gehen«. Sie konnte ihre musischen und künstlerischen Talente bereits als Kind und Teenager ausleben. So fuhr sie unter anderem in einer erfolgreichen Formation beim Heilbronner Rollkunst- und Eislaufverein (REV). John Miles »Music« war ein Titel eines Programms. Ein gutes Bühnenbild hätten Martina und Jochen bei so manchem Duett abgegeben, vor allem wenn sie John Denvers »Leaving on a Jet Plan« anstimmten, erzählt sie lachend. Ihr Gatte konnte in den 70er Jahren einige Schlagertitel in deutschen Hitparaden platzieren. Es mag überraschen, dass die »Kleine Prinzessin«, von Michelle in der Liste auftaucht, aber das Lied drücke so fein die Gedanken einer Mutter über ihre Tochter aus, begründet Martina die Nennung dieses Songs. Mit Tochter Bianca, die in Köln Wirtschafts- und Sozialwissenschaft studiert, sei sie ein Herz und eine Seele. Es besteht mehr denn je ein einmaliges Tochter- / Mutter- / Freundin-Verhältnis.

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R E ! Ha r a l d R i e gg schreibt und veröffentlicht Ku r z g e s c h i chten. Seine Geschichten liest Ha r a l d a u c h g e rne Leuten vor. So auch an dieser St e l l e . Di e s m al: »Gut gegeben - Brechstange« Ein Lesevideo.

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FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN MehMet FiLiZ & robert MUcha Kraftwerk-Wolke: Einsam und stoisch scheint der Auswurf des Neckarwestheimer Atomkraftwerks in der Unterländer Luft zu hängen. Von den Weinbergen der Region war die »Atomwolke« besonders gut zu sehen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Kartons bis unter die Decke: In der Heilbronner Kernerstraße fröhnt jemand einem besonderen Zeitvertreib: Kartonage bis unter die Decke stapeln. Den fahrradfahrenden Kindern fallen die unzähligen Pappkisten nicht auf. Sie wollen auf dem schnellsten Weg zum nächsten Spielplatz. (linke Seite) Eingerahmt wird das Karton-Schaufenster von den zwei »Gleichen«. (rechte Seite)

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Sheep´s Paradise: Dieser Unterländer hält auf seinem Gartenstück in Sülzbach zwei Schafe als Haustiere. Schlachten, wie eigentlich angedacht, mag er sie nicht mehr. Dafür sind Lea und Anton ihm zu sehr ans Herz gewachsen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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A U S B I L D U N G U N T E R L A N D : A S S E N H E I M E R M U L F I N G E R A s s en hei m er Mulfinge r is t d as Fünf-Ste rne Au t o h a u s i n d er Region. Für die insgesamt fünf St a n d o r t e s u c h t m an be im Me rce d e s -Ve r tre te r s t ä n d i g n a c h motivier ten Auszubildenden. Wi r h a b en d ie A zubis m it d e m Ste rn be s uch t.

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Full S Agentu ervice Web 2.0 Film Produkte rint & bventionierung P ündersu Gr Salzstr.27 74076 Heilbronn www.kk-media.de

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"Geredet wurde schon viel, jetzt was für die rechte Gehirnhälfte"

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M A C H E R U N T E R L A N D : K R E A T I V Z E N T R U M H E I L B R O N N In der He i l b ro n n e r Sa l z s t r a ß e , m i tten im Ge werbegebiet über dem Mobilat Club, hat sic h d a s K re a t i v ze n t r u m He i l b ronn eingenistet. Kreative Jungunternehmer und Exist e n z g r ü n d e r h a b e n h i e r i h re Räumlichkeiten und befr uchten sich durch die k u r ze n We g e u n d e n t s t e h e n den Synergien gegenseitig. Ein Rundgang.

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TEXT: RAFAELA CARRIJO | FOTOS: MEHMET FILIZ L I AN E D r E S L Er MOTTO: » DER FRÜHE VOGEL KANN MICH MAL« Liane Dresler glaubt nicht mehr an den Traumprinzen. Prinzen sind sowieso langweilig findet die Heilbronnerin. An Männern mag sie ein schönes, einnehmendes Lächeln. Mann darf ruhig auch den Schalk im Nacken haben. Das stört Liane nicht.

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SINGLE DES MONATS (W): LIANE DRESLER Liane Dresler hat leuchtende, tiefblaue Augen, die jeden beruhigen, der in die Nähe kommt und ihr in die Augen blickt. Ihr langes, dunkles Haar bildet einen harmonischen Kontrast zu ihrer hellen Haut. Die 35-Jährige ist groß und schön und fühlt sich wohl in ihrem Körper. Man spürt ganz schnell, dass Liane taff und intelligent ist. Besonders an Liane ist, dass sie offen, direkt, humorvoll, ehrgeizig und zuverlässig ist. Sie ist ein Familienmensch und hilft gerne, deswegen war sie Krankenschwester und ist jetzt Pädagogin und arbeitet als Schulsozialarbeiterin. Liane mag Veränderung im Leben und hat deswegen schon zweimal ihren Beruf gewechselt. Außerdem zieht sie auch gerne um. Die Pädagogin ist ein traditioneller Mensch. Liane steht auf Männer und auf die Liebe - aber nur wenn echte Gefühle im Spiel sind und es, vor allem, Ehrlichkeit gibt. In einer optimalen Welt kann sie sich eine feste Partnerschaft mit Familie und Kindern vorstellen. Aber sie ist lieber Single und glücklich, als in einer Beziehung und unglücklich. An einen Traumprinzen glaubt sie deshalb nicht, obwohl sie eine verkappte Romantikerin ist. Ihr ist auch eine charmanter Frosch, der sie glücklich macht lieber als ein gut aussehender Prinz, der langweilig ist. Liane ist nicht nachtragend. Sind Liebe und Respekt da, verzeiht Sie Fehler großherzig. Liane ist ein Märchen-Fan. Bei ihr daheim bemerkt man sofort ihren Faible für Dornröschen und Co. Diverse Märchen-Elemente dienen als Deko in ihrer Wohnung. Ihr zukünftiger Partner muss seine eigene Meinung haben und sie zum Lachen bringen können. Liane mag Menschen, die rumalbern können, schlagfertig sind, über sich selbst lachen können und eher einen trockenen, ironischen Humor haben. Will man Lianes Herz erobern, darf man kein Couch-Potatoe oder ein Muttersöhnchen sein. Die 35-jährige liest gerne oder hört Hörbücher, um zu entspannen. Sie kocht leidenschaftlich gerne. Ihr Sushi ist der Hammer. Lianes großes Hobby ist es, die Natur zu genießen. Egal ob wandernd um die Heilbronner Hütte oder radfahrend durch die Löwensteiner Berge - draußen fühlt sich die Heilbronnerin immer wohl. Liane muss nicht jedes Jahr eine exotische Reise unternehmen, aber ihre Zeit in Japan war für sie unvergesslich. Doch einen außergewöhnlichen Reisetraum hat Liane. Sie würde gerne auf den Mond fliegen und die Erde aus einer anderen Perspektive sehen. Der Abflug sollte aber auf den Nachmittag oder Abend fallen. Denn ihr Lieblings Zitat lautet »Der frühe Vogel kann mich mal.« Lust LIANE kENNEN zu LErNEN? MAIL AN: sINgLEfrAu@hANIx-MAgAzIN.dE STECKBRIEF A l t e r : 35 Berufu ng: Natur genieß en Kinder : 0 Tiere: 0 Bester Trip: B ig in Japan

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TEXT: RAFAELA CARRIJO | FOTOS: ULLA KÜHNLE M AT T HE w G U L L MOTTO: »GOD SAVE THE QUEEN« Ma t t h e w Gu l l l eb t i n z w is c hen s e it vie r Jah re n in He ilbro nn. Se ine Hei ma tsta d t i s t No r w i c h i n En g l a n d . Doch Matt hat sich in Heilbronn eingelebt. Au c h we i l er d ie Fr a u en h ier g anz ans pre ch e nd find e t. Und g anz and ers a ls das Kl is c hee b eha u pt et , k ann Matt s o gar Ko ch e n. A ls Eng länd e r.

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SINGLE DES MONATS (M): MATTHEW GULL Matt ist ein außergewöhnlicher und süßer Engländer, der erfolgreich nach Heilbronn eingewandert ist und sich ganz wohlfühlt. Der charmante Mittzwanziger hat einen interessanten »Dialekt«. Wenn Matt spricht, hört man eine Mischung aus schwäbisch und englisch. Auf den ersten Blick sieht er wie ein Indie-Rocker aus. Von seinem Stil her würde er ein gutes Oasis- oder Maximo-Park-Mitglied hergeben. Er liebt Musik und deshalb lernt der Fan eines englischen Drittligisten gerade Gitarre zu spielen. Talent dazu hat er. Matt singt auch ansprechend und er spielt ganz ordentlich Klavier. Aber beruflich ist er kein Musikant sondern Exportmanager für Schul- und Schreibwaren. Matt ist deshalb beruflich viel im Ausland unterwegs. Geschäftsreisen nach Australien oder Japan sind für Matt nichts außergewöhnliches. Als Brite findet Matt »schwarzen« Humor natürlich gut. Sein Heimat-Humor bringt ihn zum Lachen. Für Matt bedeutet sein Single-Dasein Freiheit, die er sehr schätzt. Aber eigentlich ist er ein romantischer Kerl. Der Oasis-Fan kuschelt gerne und es macht ihm Spaß eine Beziehung zu führen und sein Bett zu teilen. Für ihn heißt Liebe eine tolle Beziehung zu führen, in der jeder glücklich ist, die Tage schön anfangen und noch besser enden. Und der englische Kuschelbär braucht viel Nähe zu und von seiner Partnerin. Ein klares Bild von seiner Traumfrau hat er nicht. Wichtig ist, dass sie klug ist, Spaß an Spaß hat und dass Matt ihr vertrauen kann. Aber vom Typ her steht er eher auf kleine, zierliche Frauen mit einer guten Figur. Der Brite mag das Frauliche an Frauen. Lange Haare, Kleider und Röcke an Frauen gefallen Matt gut. Dazu steht er auf große Augen, die viel mehr ausdrücken können als 1000 Worte! Umgekehrt stehen Frauen bei Matt auf seinen Knackarsch und seine langen Wimpern. Freundschaft wird bei Matt groß geschrieben. STECKBRIEF Alt er : 26 Berufu n g : S c hw ä b i s c h l e r n e n Kinder : 0 Tiere: 0 B es t er Trip: I ndien Für ihn ist eine enge Freundschaft auch eine Art von Liebe. Seine Hobbies sind Bücher lesen, Fußball, Gitarre üben, Reisen, Joggen gehen und auch mal eine Runde Billard mit einem guten Freund spielen. Obwohl die Engländer für ihre Küche nicht berühmt sind, kocht Matt gerne und gut und dazu genießt er am liebsten gemütlich ein Gläschen Rotwein. Sein Musikgeschmack ist sehr abwechslungsreich. Er hört indische Musik, die er auf einer Indienreise kennengelernt hat. Aber auch Peter Doherty oder beispielsweise Gogol Bordello hört er gerne. Sein Lebensmotto lautet »You only live once - make the most of it!« Matts größter Traum ist es, die große Liebe zu finden und genug zu verdienen, damit er mit seiner Liebsten die Welt bereisen kann. Auch eine Familie mit allem Pipapo kann sich Matt gut vorstellen. Er hätte gerne in den nächsten vier Jahren sein erstes Kind. Lust MAtt kENNEN zu LErNEN? MAIL AN: sINgLEMANN@hANIx-MAgAzIN.dE

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3-2-1-POLO, BIKEPOLO! Fotos MEHMET FILIZ Video SARAH FISCHER Die Bikepolo-Welle hat mittlerweile auch Heilbronn erreicht. Wir stellen die Sportart in Bewegtbildern vor.

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SP ORTTASCHE: BIKEP OLO Bikepolo kann jeder der ein Fahrrad hat sofort ausprobieren. Immer wieder sonntags trifft sich eine Gruppe von bis zu zwanzig Leuten am Olga-Jugendzentrum in Heilbronn, um der neuen Leidenschaft zu fröhnen.

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SP ORTTASCHE : BIKEP OLO EXPERTENTALK: Jens Lange und Dominik Scholz als Gerhard Delling und Günter Netzer des Bikepolo!

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K in o sta r t He r bst 2 012 Spende jetzt und unterstütze uns unter: www.thisaintcalifornia.de

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INTERVIEW: SASCHA WARTHA | FOTOS: ROBERT MUCHA C O N S C I O U S H I F I S O U N D S y S T E M C o n s c i o u s Hi f i stehen für be wussten, tiefsinnigen Da n c e h a l l - So u n d. Dabei ist ihnen eine Message mit In h a l t w ic h t i g er a l s par tytauglich für d ie Mas s e zu s e in. Ei n Ges pr ä c h ü b er Re ggae -Ze itre is e n, vo n R äuch e rs t ä b c h en g es c h wänge r te r C lubluft und d e m le tzte n Ko n zer t vo r d e m We ltunte rg ang.

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MUSIKKOFFER: CONSCIOUS HIFI H A N I X - Hallo Jungs! Erklärt uns und allen Unwissenden zuerst einmal: Wer und was sind Conscious Hifi? Wir sind ein Heilbronner Soundsystem bestehend aus Stefan, Marian, Tobi und Jo. Unsere Crew besteht aus einem Selecta, einem Shouter und einem Effektmann. Conscious bedeutet »bewusst«. Das beschreibt auch unseren Sound ganz gut. HiFi steht für »viel Bass« und »viel Lautstärke«. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Und seit wann seid ihr als Soundsystem im Unterland unterwegs? Leute nicht zwingend partytauglich. Wir versuchen eine Message zu transportieren, spielen Musik die einen Inhalt hat und gelegentlich auch zum Nachdenken anregt. Abfeiern schön und gut, uns jedoch ist der Tiefgang unseres Sounds sehr wichtig. An sich ist unser Set sehr vielfältig und wir versuchen damit die Leute von guter Musik, die durchaus auch politisch sein kann, zu überzeugen. Das ist unsere Motivation. H A N I X - Und wo holt ihr euch die Inspiration für eure Musik? Wir haben uns im Jahr 2000 zusammengeschlossen. Die Gründungsmitglieder waren damals Tobias, Kai und Stefan. Da wir bis zu diesem Zeitpunkt immer sehr lange Wege zurücklegen mussten um auf unseren Sound feiern zu können, beschlossen wir kurzum selbst Events zu veranstalten. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Was charakterisiert euren Sound? Conscious Hifi macht Musik, die sich nicht an den Standardklischees des Dancehall und Ragga bedient. Unser Conscious Sound besteht nicht maßgeblich aus fancy Musik und ist somit für einige CONSCIOUS HIFI -- Es gibt einige von denen wir uns inspirieren lassen. Allen voran King Tubby, ein Vorreiter des Dub. Ohne Ihn würde wahrscheinlich überhaupt kein Drum`n Bass existieren, da er einer der ersten war, der in seinem Mix das Schlagzeug und den Bass ganz nach vorne gerückt hat. Desweiteren die Skatalights, eine Ska Band aus Jamaika. Wir lassen uns von Musik mit einem schwingenden und dominanten Bass treiben, keinem Elektronischen, sondern dem Bass der Bassgitarre oder auch des Kontrabasses. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Worauf dürfen sich Leute, die zu euren Gigs und Events gehen, einstellen? CONSCIOUS HIFI -- wartet auf jeden Fall gute Musik. Wir machen immer eine kleine Zeitreise durch die Reggae-Geschichte und spielen bevorzugt Sounds der original Artists im Bereich Ska, Rocksteady, Rub-a-Dub, Oldshool, Dancehall aber auch aktuellen europäischen Dub, der meistens aus England herüberschwappt. Der Hintergrund der Zeitreise ist, dass im Reggae viele Produzenten im Ansatz den gleichen Riddim benutzen, da in Jamaika Copyrights größtenteils ignoriert wurden. Somit kann man alte und neue Sounds perfekt zueinanderführen. H A N I X - Erklärt uns die Aufgabenverteilung in eurer Crew. Es gibt doch eine? Die Leute er- Ja, die gibt es. Bei einem Clubabend ist Marian unser MC oder Shouter, wie man es im Reggae bezeichnet. Er kommuniziert mit dem Publikum und sagt die Tunes an. Darüber hinaus ist er als gelernter Mediengestalter für das Artwork der Flyer verantwortlich. Unser Jo ist der Mann für die Technik. Er benutzt beispielsweise das Space Echo oder das Kaoss Pad und sammelt Samples die während der Stücke eingeflochten werden. Stefan ist der Sammler des Vinyls, er ist der Mann hinter den Decks, der Selecta. CONSCIOUS HIFI --

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MUSIKKOFFER: CONSCIOUS HIFI H A N I X - Wie entwickelt sich euer Sound? Und wohin soll die Reise gehen? Unser Sound entwickelt sich nicht in eine bestimmte Richtung oder zu einem Ziel hinführend. Es ist eher so das wir unseren eigenen Stil bereits gefunden haben und auf die Umsetzung bezogen die Perfektion anstreben. Gerade was Effekte, Shouter und Auflegetechnik betrifft. Wir versuchen unsere Fans mit der Musik zu erreichen und die Tanzfläche systematisch zu füllen anstatt leer zu spielen. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Gibt es ein Auftrittserlebnis, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist? C O N S C I O U S H I F I -- Da fällt uns spontan ein Gig mit Dubiterian im Klubsofa ein. Dieser zündete während seines Auftritts für unser Empfinden unglaubliche Massen an Räucherstäbchen an. Der Geruch der Räucherstäbchen nahm den ganzen Laden für sich ein und überdeckte alle anderen existierenden Gerüche. Das war wirklich dubios, aber ein äußerst interessantes Dufterlebnis. H A N I X - Euch sucht man vergeblich bei Facebook. Ihr seid wohl keine großen Mark-ZuckerbergFans? moralischen Aspekt. Da wollen wir conscious bleiben und nicht sofort bei jedem gehypten Scheiß mit schwimmen. H A N I X - Ein Gedankenspiel: Ihr beschließt euch politisch zu engagieren und gründet wild entschlossen eine Partei. Wie sieht euer Wahlprogramm aus? An einer zusätzlichen Reichen-Steuer führt kein Weg vorbei. Dazu ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Außerdem treten wir für eine Normalisierung in der Drogenpolitik ein. Damit eben nicht Leute aus panischer Angst vor Veränderung Dinge blockieren die für die Menschheit unserer Ansicht nach besser wären. Strafverfolgung im CONSCIOUS HIFI -- Clubs ist doch sehr begrenzt. Auf der anderen Seite fühlen wir uns hier sehr wohl, hier ist Heimat. Es scheint sich etwas zu bewegen und immer mehr Communities entstehen. Die Gruppe der Personen, die sich für die alternative Szene engagiert, wächst stetig. Nehmt doch euer Magazin als Beispiel. Frisch, Intelligent und schön verpackt. Dazu independent. Hier bewegt sich so langsam etwas. Grundsätzlich wäre es schön, wenn die Stadt die verschiedenen Formen von Subkultur mehr unterstützen würde. Wir, als Teil der alternativen Szene, fühlen uns bestenfalls ignoriert. H A N I X - Angenommen Conscious Hifi startet ein regionales Casting um ein weiteres Crewmitglied zu rekrutieren. Wie sollte diese Person gestrickt sein? Gute Figur und schöne Ob e r weite? U ns fehlt es eigentlich an nichts, außer der weiblichen Komponente in unserer Crew. Bereich der Drogenpolitik löst keine Probleme sondern schafft nur neue. Conscious Hifi kämpft gegen Babylon in all seinen Facetten. Es ist doch so: Die, die nichts haben, bekommen auch nichts und die, die sehr viel haben bekommen alles geschenkt! H A N I X - Was denkt Conscious Hifi über die Region Heilbronn? Fühlt Ihr euch hier wohl? Gute Figur und schöne Oberweite? Uns fehlt es eigentlich an nichts, außer der weiblichen Komponente in unserer Crew. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Euer Sound klingt unweigerlich nach Sommer und Sonne. Wie seid Ihr mit unserem Sommer 2011 zufrieden? Wir brauchen Facebook und Co aktuell nicht, um Kontakt mit unseren Fans zu haben. Entgegen vieler anderen Menschen, müssen wir keine Mitteilungen unbedacht und im Minutentakt in die Welt schleudern. Wir betreiben eine echte Website mit richtiger Domain (www. conscious-hifi.de). Dazu fühlen wir uns mit unserem Myspace-Account ganz gut aufgestellt und zu jederzeit erreichbar. Sicherlich gibt es bei dem Thema Facebook für uns auch einen CONSCIOUS HIFI -- Das ist mal so und mal so. Man kann schon viel über die Region Heilbronn meckern. Gerade die Auswahl an alternativen CONSCIOUS HIFI -- Wir sind eigentlich sehr mit unserem Sommer zufrieden. Da ist uns vor allem die Dubwars Summer Session in Erinnerung. Dort spielen wir desöfteren im Hof und das war dieses Jahr richtig gut. Ein Highlight. Nicht zu vergessen das Römersee Open Air, bei dem wir diverse Marathonsets von bis zu 8 Stunden gespielt haben. Das hat Spaß gemacht. Nichtsdestotrotz ist unser Sound auch im Winter kompatibel. Denn fraglos gilt: Bei unserem Sound geht zu jeder Jahreszeit die Sonne auf. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Euer Sound ist sehr relaxed. Kennt Ihr eigentlich Stress?

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MUSIKKOFFER: CONSCIOUS HIFI Da kommt es bei uns sehr stark auf das Individuum an. Man kann trotz unserer relaxten Musik in Stress verfallen, wenn du das meinst. Jedoch kann uns die Musik auch aus diesen gestressten Zuständen herausführen, dient dabei als eine Art Filter, als Ausgleich zum Alltag, bei dem viele verschiedene Eindrücke auf einen einprasseln. Diesen Alltag gilt es zu bewältigen und zu verarbeiten. Die Musik hilft uns dabei, sich auf das Wesentliche zu besinnen und dem Stress ein Stück weit zu entkommen. Sie wirkt in gewisser Weise meditativ. CONSCIOUS HIFI -- H A N I X - Wer, wie ihr, gegen Babylon kämpft, hat auch von Amargeddon und dem Maya-Kalender gehört. Angenommen, ihr habt noch eine Party vor dem Untergang der Welt: Wie würdet ihr feiern? Da in diesem Zusammenhang die weltweite Energieversorgung zusammenbrechen wird, benötigen wir sicherlich ein solarbetriebenes Soundsystem. Somit können wir auf jeden Fall noch eine gemeinsame Abschiedsparty rocken, bei der es das Unwichtigste ist, einen finanziellen Gewinn zu CONSCIOUS HIFI -- generieren. Zwangsläufig wird dann dort dermaßen die Sau raus gelassen, das der Kampf gegen Babylon offiziell als beendet erklärt wird. H A N I X - Euer Leitfaden für die Hanix Leser lautet? Smoke It and get wise - zieht euch den Shit rein. CONSCIOUS HIFI -- Wer Lust darauf hat die Conscious-Tracklist des HANIX-Mixes zu bekommen, schickt einfach eine Mail an: inco@hanix-magazin.de Infos zu CONSCIOUS HIFI: www.myspace.com/conscioushifi

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DER KÜHLSCHRANK VON...: RALPH & ALEXANDRA MUNZ FOTOS: MEHMET FILIZ / VIDEO: ROBERT BEUTELSPACHER Der Kühlschrank: MARKE: Gernerell Electric MODELL: TFG 27 Die Besitzer: VORNAME: RALPH & ALEXANDRA NACHNAME: MUNZ GEMEINSAME KINDER: 0 TIERE: 1 (Katze) TYP: Standkühlschrank NUTZINHALT: 595 Liter ENERGIEEFFIZIENSKLASSE: A++ ENERGIEVERBRAUCH: 352 kWh in 365 Tagen ABMESSUNGEN: 177 x 91 x 82 cm (HxBxT) MAHLZEITEN, DIE DIESER KÜHLSCHRANK HERGIBT: Frühstück - Biokäse, Tomate, Vollkornbrot, Beeren mit Joghurt, Apfel Mittagessen - Veggiebeefstreifen mit scharfem Rohkostsalat Abendessen - Rotes vegetarisches Thai Curry mit Karotten,Sellerie,Kolrabi

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DER KÜHLSCHR ANK VON...: R ALPH &ALEXANDR A MUNZ Zuhause bei Munz´ gibt es kein Fleisch. Nur für die Katze wird eine Außnahme gemacht. Beim Streit um die letzten Tofuwürstchen hat Alexandra Munz meist das letzte Wort.

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F e m a l e m e ta m o r p h o s i s Text: Astrid Becker / Fotos : Ulla Kuehnle

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KUNSTREGION: SABINE KUEHNLE Die prinzipielle Verwandlung, insbesondere die sich wandelnde Weiblichkeit unter dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen wird in Female Metamorphosis durch Sabine Kuehnle intensiv befragt. Angeregt durch einen längeren Aufenthalt in Finnland im Herbst 2010 setzte sich die Künstlerin mit den für die Finnen identitätsstiftenden Momenten der Mythologie und Naturnähe auseinander. Dabei weckten insbesondere die Gesänge um die wunderschöne Aino im finnischen Epos Kalevala die Aufmerksamkeit Kuehnles: Nach einem verlorenen Gesangswettkampf zwingt Joukahainen seine junge Schwester Aino, den greisenhaften Väinämöinen zu ehelichen. Sie entzieht sich dem brüderlichen Zwang durch den Gang ins Wasser und die Verwandlung in einen Fisch mit Hilfe der Meeresgöttin Vellamo. Da Aino in ihrer alten Welt nicht bleiben darf, die neue aber nicht erträgt, wählt sie selbstbestimmt einen Ausweg: die Umwandlung in eine andere, nicht anziehende Gestalt. Auch in der griechisch-römischen Mythologie bietet der fliehenden Nymphe Daphne die Metamorphose in einen Lorbeerbaum die letzte Ausflucht vor dem liebestollen Gott Apollon. Die mächtige Natur gewährt beiden Fliehenden die erwünschte Zuflucht. In der Installation Female Metamorphosis greift die Künstlerin Motive aus den oben genannten Mythen und aus dem Alltag auf, um den Relationen zwischen gesellschaftlichem Druck, Weiblichkeit, Grenzerfahrung und Selbstbestimmung nachzuspüren. Nahezu alle Bestandteile der Arbeit erfuhren eine Metamorphose. Während die mit glänzender schwarzer Farbe gestrichenen Rigipswände unter äußerlicher Gewaltanwendung zerbrochen sind, welken die Blätter der von ihren überlebenswichtigen Wurzeln abgeschnittenen Lorbeerbäume vor sich hin. Beide Gestaltsveränderungen vermögen im übertragenen Sinne die zerstörerischen Kräfte der von außen einwirkenden kulturellen Normen zu verdeutlichen. Dass dessen ungeachtet Widerstand lauert, unauffällig, aber nicht völlig wehrlos, bezeugen die SisuSchachteln. Der schwer übersetzbare, finnische Begriff »Sisu« lässt sich als »Beharrlichkeit« oder »Kampfgeist in hoffnungsloser Lage« auslegen.

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KUNSTREGION: SABINE KUEHNLE

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KUNSTREGION: SABINE KUEHNLE Die Ausstellung der Brackenheim e r i n Sabine Kühnle ist noch bis zum 2 0.1 0. 2 0 1 1 in Fra nkfur t a m Ma in zu sehen Female Metamorphosis (vorherige Seite), 2011, Europalette, Hochglanzfotografie, zwei Lautsprecher, zwei abgeschnittene Lorbeerbäume, blondes Perückenhaar, Rigips, leere Sisu-Schachteln (Lakritze-Pastillen), Ton, zwei Vasen und schwarze, glänzende Wandfarbe. 2 Vgl. Christiane Schiemann, Auf der Flucht vor der Welt. Zum Eskapismus in Richard Strauss' »Daphne«, in: Opernführer Daphne, hrsg. v. Oper Frankfurt, Frankfurt 2010, S. 58-61, S. 61. 3 Siehe Anm. 2, S. 60. Der Glanz der Fotografie und der schwarzen Wand vermittelt die Selbstreflexion der Weiblichkeit, die durch das blonde Haar, das Material Ton als Sinnbild der Mutter Erde und das Sujet der Hochglanzfotografie verkörpert wird. Das Motiv der Fotografie gibt die Tapete eines finnischen Mädchenzimmers (Kinderzimmer von Pipsan Saarinen im Wohnhaus Hvitträsk bei Kirkkonummi, 1901-1903) wider, der ebenfalls eine Metamorphose widerfahren ist. Den kraftvollen Tönen wurde die Farbkraft entzogen, sie schimmern nun hautfarben und scheinen sich fast in Nichts aufzulösen. Erinnert das Kolorit an Körperhaut und damit auch an Körpergrenzen, so ermöglicht die zunehmende Farbauflösung, das beginnende Weiß, die Vorbereitung für etwas völlig Neues. Das Element Wasser, als »etwas in sich geschlossenes Heiles« und als Symbol des Lebens sowie der Erneuerung, stellt einen idealen Ort für Zuflucht und Veränderung dar. Es findet in Female Metamorphosis seine künstlerische Umsetzung in den Vasen, die vom finnischen Designer Tapio Wirkkala (1915-1985) geschaffen wurden und formal an Wasserläufe erinnern, sowie in den Geräuschen, die aus den beiden Lautsprechern in den Vasen erklingen. Dieses Rauschen stammt von den Bewegungen des Wassers unmittelbar unter der Oberfläche eines ruhigen Gewässers. Die gesamte Installation Female Metamorphosis baut sich auf einer mehrwegfähigen Europalette auf. In der Realität wie auch im Kunstwerk gilt sie als Transportmittel. Während des metaphorischen Prozesses stirbt ein Teil des sich Wandelnden. In unserer heutigen Zeit mag dieses Moment zunächst wie ein Tod, wie ein Endpunkt erscheinen. Doch kann die Verwandlung auch als Wendepunkt, als Ursprung für etwas völlig Neues verstanden werden. INfos uNtEr: www.AtELIErfrANkfurt.dE koNtAkt: www.sAbINEkuEhNLE.coM

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E I N L E T Z T L I C H D A N N D O C H E R F O LG R E I C H V E R L AU F E N E R A B E N D I N D E R H E S S E RW I RT S C H A F T FOTOS: ULLA KUEHNLE / TEXT: OLIVER MARIA SCHMITT Was, der H e r r S c h m i t t kommt? Da n n z i e g i c h mic h kurz um. Herr S c h m i t t , wie isc h d ie Lag e im Fra nkf ur te r Zo o?

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GESCHICHTE IN BILDERN : BEIM HESSER Momentle, grad fällt mer ei, I wollt Ihne ja noc h ebbes sa ge. Sie hen Ih rn D e c ke l vo n letschte J a h r n o c h o f f e , Sie S p i t z b u b ! Pa sse S e b lo ß uf f, I bin b ewaf f n e t!

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GESCHICHTE IN BILDERN : BEIM HESSER Gut, lege t S e's G e l d in'd Kass, d a n n h o l I Ihne noc h was. Wa s soll de n n d e s heiße, de s G l a s i s c h net voll? Ko m m e t Sie vom Eic hamt?

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GESCHICHTE IN BILDERN : BEIM HESSER Mehr p a ss t sowieso n e t n e i , we i l des Gla s h a t o b e n e i n Loc h, He rr Pro f e sso r. Mir rec h n e t jetzt ers c h t n o c h m a l noch, o b I h re Za hlung üb e rhaup t eiganga i s c h . U n d S i e bleiben d rausse n , H err Ge n e rald ire k to r.

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GESCHICHTE IN BILDERN : BEIM HESSER

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GESCHICHTE IN BILDERN : BEIM HESSER Jetzt gehnt se doch bitte en d l i c h h o i m ! Oder sind die Herrschafte e t wa vo m Bettsc honer verein?

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Als Ex -Ti t an i c - C hef u n d Hen r i - Nanne n-Pre is träg e r in d e r K ate g o rie Humor i st Olive r Mar i a S c hm it t n i c ht n u r j e m and , d e r m it s pitze r Fe d e r s ch re iben ka nn. De r Bu c h a u t o r i s t e b e n s o s c h a r fzüngig. Wir trafen den Wahl-Frankfur ter in s e iner e h e mali g en St a m m k n eipe, d e r He s s e r wir ts ch aft, für e in lang e s Gesp rä ch übe r Pu n k un d Dem o k u l t u r in He ilbro nn, e ine n be s o nne ne n A lk o h o lautof a hrer u n d d a s e w i g g e s i c h t s l o s e Rätsel Heilbronn, dass es nie zur eigenen Zu f r i ed en hei t i n d ie übe rre g io nale Pre s s e s ch afft. IM GESPRÄCH MIT OLIVER MARIA SCHMITT H E I L B RO N N WA R AU F D E R L A N D K A RT E D E R W E LTG E S C H I C H T E V E R Z E I C H N E T INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KÜHNLE HANIX - Herr Schmitt, Sie wuchsen in den Sechziger Jahren in Heilbronn auf. Wo genau? Ich wurde in der Schaeuffelenstraße groß, nördlich der Innenstadt, in der Nähe der Dammschule, wo ich auch zur Grundschule gegangen bin. Danach wurde ich ans RMG versetzt, ans Robert-Mayer-Gymnasium, und nach dem Abitur habe ich als Zivildienstleistender für die Johanniter Behinderte durch die Region kutschiert. SCHMITT -- HANIX -- Für einen Freigeist wie Sie war Heilbronn sicher beengend? Ruinen gab's auch noch, wie etwa auf dem DeutschhofAreal. Für mich als Kind und später auch als Jugendlicher hat die Stadt genug geboten. HANIX -- Sie waren in den Achtzigern auch musikalisch in Heilbronn unterwegs. Als Punk. Mit 14 Jahren habe ich damals zusammen mit Schulfreunden vom RMG die erste Punkband des Unterlandes gegründet: »Tiefschlag«. Wir haben Krach gemacht und uns Auftritte in Jugendhäusern zusammengegaunert. SCHMITT -- HANIX -- Wie haben die städtischen Behörden auf ihre Band reagiert? Gab es Einladungen für Gigs auf dem Weindorf? Ich war ein richtiges Stadtkind, habe viel Zeit auf der Straße verbracht und in Hinterhöfen gespielt, SCHMITT --

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT wir als Punkband ein regionales Alleinstellungsmerkmal hatten, wurden wir von der Stadt ignoriert. Aber das war sowieso quasi feindliche Verwaltungszone, damit wollten wir auch nichts zu tun haben. Deswegen haben wir's als Band auch nie aufs Weindorf geschafft. HANIX -- Welches war ihr denkwürdigstes »Tiefschlag«-Konzert? Gab es bei ihren Auftritten zertrümmerte Gitarren und Groupie-Sex? SCHMITT -- SCHMITT -- Obwohl Der beste Gig war eindeutig unser Abschiedskonzert. Wir hatten uns vorher bereits probehalber aufgelöst, um uns dann noch mal wiedervereinigen zu können - das sind ja die Gesetze des Popmarktes: man muss unbedingt Abschiedstourneen machen. Das machen die Flippers seit 100 Jahren, genauso wie Roland Kaiser und Howie Carpendale. Nur wer sich aufgelöst hat, kann ein Comeback starten. Wir haben uns 1987 endgültig aufgelöst, mit einem großen Abschiedskonzert im Jugendhaus Schillerstraße, wo wir alles, was es an Effekttechnik gab, aufgeboten haben. Wir hatten zwei Fernseher auf die Bühne gestellt, die wir dann mit Äxten zerschlugen. Diener gingen in Fräcken durchs Publikum und boten »Schoghetten« auf Silbertabletts an. Das Publikum bewarfen wir mit Mohrenköpfen und Tomaten, um ihm zuvorzukommen. Hinterher sah das alles absolut widerlich aus - so wie es sich gehört - und es war ein großer Spaß!

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT HANIX -- Klingt ja wirklich nach Punk. First Punkband in town: Der junge Oliver Maria Schmitt 1981 als »Tiefschlag«-Frontsau mit Leopardenhose auf einem ergaunerten Konzert in irgendeinem Jugendhaus. waren aber nur bürgerliche Punks. Wir haben alle brav zu Hause gewohnt und uns am Wochenende oder auf Konzerten Seife in die Haare gemacht und das Nietenzeug angezogen. Wir haben aber auch tatsächlich ein Haus besetzt. Wir lebten und probten in einer Abbruchvilla in der Weinsberger Straße, das war eine feudale Ruine. Praktischerweise gehörte sie den Eltern unseres Schlagzeugers, insofern war diese Hausbesetzung kein illegaler Akt. Wir hausten wie die Schweine und haben sogar ein ganzes Zimmer zum Müllzimmer erklärt, wo jeder seinen Dreck reingeschmissen hat. Irgendwann kam dann der Bagger mit der Abrissbirne. Die Anfangszeit der Band ist einigermaßen in meinem Roman »AnarchoShnitzel schrieen sie« beschrieben, wo eine Band namens »Gruppe Senf« ihr Unwesen treibt, die - zumindest im Anfangskapitel - sehr nah an der Realität von »Tiefschlag« ist. HANIX -- Zu Ihren Jugendzeiten hat die Stadt bewegte Zeiten erlebt. Demos waren an der Tagesordnung, und sogar Fernsehprominenz kam zum demonstrieren vorbei. SCHMITT -- Wir den Siebzigern und Achtzigern hat in Heilbronn noch Weltgeschichte stattgefunden. Wir waren besetzte Garnisonsstadt mit zigtausend US-Soldaten, die wir nachts häufig aus den Kneipen fallen sahen, wenn die Military-Police die abtrünnigen GIs rausprügelte. Durch die mit Atomsprengköpfen bestückten Pershing2-Raketen, die auf der Waldheide stationiert waren, war Heilbronn auf der Landkarte der Weltgeschichte verzeichnet. Vor allem seit dem Pershing-Unfall und den SCHMITT -- In

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT Ic h gla ube der Sc hwa be neigt bestenfalls zum Privatanarchismus. Aber den hält man sich zu gute. dadurch aufkommenden Demonstrationen gegen Atomwaffen in Deutschland stand Heilbronn damals sehr im Fokus. Nach dem Unfall mit den Pershingraketen 1985 gab es auch immer wieder Blockaden auf der Waldheide, an denen unter anderem auch Dietmar Schönherr und wohl auch Heinrich Böll teilgenommen hatten. Wir als Jungpunks hatten eher einen ironischen Abstand zur politischen Debatte. Allerdings ging es damals auf der Waldheide auch um das Thema »Bürger gegen Staat« und »Bürger gegen amerikanische Besatzung«. Da waren wir dann wieder dabei. Aber mehr aus einem hedonistischen Furor heraus. HANIX -- Das Blockieren des US-Stützpunktes muss ihnen doch einen Heidenspaß bereitet haben? einzigartig und führt am Ende vielleicht zu mehr direkter Demokratie. SCHMITT -- Ich glaube der Schwabe neigt bestenfalls zum Privatanarchismus. Aber den hält man sich zu gute. Dieser wahnwitzige Wechsel von einem CDU- zu einem Grünen-Ministerpräsidenten, der ist wohl nur in einem Land wie Baden-Württemberg möglich. Die Schwaben waren regelrecht von sich begeistert, dass sie es hinbekommen haben. Mappus hielt die Stuttgarter Protestbewegung für ein Strohfeuer, aber es ging immer weiter. Er hat das völlig unterschätzt und die Gerechtigkeit hat ausnahmsweise obsiegt. HANIX -- Zurück zu ihrer Vita. Wann haben Sie den Entschluss gefasst, Heilbronn zu verlassen? SCHMITT -- Ich sind meistens nachts, nachdem wir unsere Stammkneipen »Eulenspiegel« oder »Schwarzer Kater« verlassen hatten und nicht wussten wohin mit uns, auf die Waldheide gefahren und haben dann noch ein paar Stunden mitblockiert. Da war der Weltfrieden zumindest kurzzeitig durch uns gesichert. Das war, bis Stuttgart 21, die letzte große schwäbische Bürgerbewegung, die sich nicht nur um den persönlichen monetären Vorteil drehte. Diese Demos und Blockaden auf der Waldheide waren eine frühe Vorform von dem, was wir jetzt in Stuttgart erleben. Nämlich, dass nicht die sogenannten Berufsdemonstranten protestieren, sondern dass Mütter, Väter und rechtschaffene Rentner, die Angst um ihr Ländle haben, auf die Straße gehen. HANIX -- Haben die Schwaben trotz aller Ordnungsliebe ein Revoluzzer-Gen in sich? Die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 ist für Deutschland ja SCHMITT -- Wir konnte mir lange Zeit überhaupt nicht vorstellen, Heilbronn jemals zu verlassen. Selbst zu meiner Studienzeit in Tübingen bin ich irrsinnigerweise jedes Wochenende nach Heilbronn gefahren. Da waren meine Freunde, und in Tübingen kannte ich keinen. Doch als ich irgendwann zu der Erkenntnis gelangt bin, dass es auch außerhalb Heilbronns menschliches und sogar zivilisatorisches Leben gibt, habe ich das Weite gesucht. HANIX -- Sie leben inzwischen in Frankfurt und sind viel in Deutschland unterwegs. Halten Sie außerhalb der schwäbischen Grenzen die Lokalfahne hoch? SCHMITT -- Ich bin im nicht-schwäbischen Ausland absolut kein Lokalpatriot. Für seine Heimat kann man nichts. Aber ich empfinde eine große Heimatverbundenheit. Die lebe ich dann aber lieber hier vor Ort aus.

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT ich 1988 in Heilbronn für den Landtag kandidierte, haben wir handgemalte Plakate aufgehängt, mit dem bis heute nicht zu schlagenden Slogan »Macht HANIX -- Das Klingt doch auch schwabenkritisch. alle mit, wählt Oliver Schmitt«. In der Fußgängerzone Sie schämen sich doch nicht ihrer Herkunft? bauten wir einen Infostand auf, dann sind wir zu alSCHMITT -- Für Günther Oettinger zum Beispiel schälen anderen Parteiständen hin, haben deren Prospekte me ich mich. Er kann nicht nur kein Englisch, sondern abgegriffen und sie bei uns ausgelegt. Wir waren also auch kein Deutsch. Einen solchen Granatenseckel nach Brüssel zu schicken, um als absolute Super-Witzfigur den der einzige Stand, der alle Meinungen und Programme im Angebot hatte. Dazu schenkten wir kalten Glühwein ganzen Menschenschlag der Württemberger lächerlich direkt aus dem Tetrapak aus, boten kalte Frankfurter zu machen, das ist schon ein starkes Stück. Er ist der Würstchen an, die wir in einen Topf ewige Hinterbänkler, der aufgrund mit kaltem Wasser ziehen ließen, und von intriganter Ränkewirtschaft A ls ich f ür den La ndta g ka nspielten laute Marschmusik in doppelplötzlich an die Macht gekommen ter Geschwindigkeit vom Band ab. Wir ist und genauso schnell von Frau d id ie r t e, ha ben wir ha ndgewollten sehen, wie weit man gehen Merkel wieder entsorgt wurde. So dass die noch größere Pfeife Mapmalte Plakate aufgehängt, mit konnte. Es war grotesk. Ich hatte einen schwarzen Ledermantel an, der ein pus nachgerutscht ist. Zum Glück bisschen nazimäßig aussah. Ein älterer ist das inzwischen vorbei. d e m bis heute nic ht zu sc hla Herr schaute sich unser Getue an und HANIX -- In den Achtzigern meinte dann zu mir: Naja, er sei ja genden Slogan »Macht alle hatten auch Sie politische eher Sozialist. Aha, sagte ich. Ja, er sei Ambitionen und sind bei den aber auch national, sagte er. Dann sind m it , wählt Oliver Sc hmitt« Landtagswahlen und bei der Sie also Nationalsozialist? fragte ich. Oberbürgermeister-Wahl in HeilUnd er nickte stolz. Irgendwo müssen diese viele Repubbronn angetreten. Mit welchem Erfolg? likanerwähler ja herkommen, die es damals gab. SCHMITT -- Jeweils 0,2 % - mein bestes Ergebnis seit Kriegsende. Irgendwas musste man ja tun. Mein Vorbild HANIX -- 1990 sind Sie dann bei der Heilbronner war der heute in Vergessenheit geratene, damals legenOB-Wahl gegen Manfred Weinmann angetreten. Dieser däre Kandidat Athanasius, ein sympathischer Provinzletzte Weinmann-Wahlkampf ging auch in die bundsdurchhänger mit Sinn für konstruktiven Unsinn. Er hat deutschen Annalen ein. sich in Weinsberg bei der OB-Wahl beworben und ich SCHMITT -- Damals gab es in Süddeutschland für OBfand das sofort elektrisierend und interessant. Er hatte Wahlen noch die sogenannte »Postkartenbewerbung« Plakate, da stand drauf: Athanasius OB, und im O war - man schickte eine Postkarte ans Rathaus, auf der man klein sein Kopf abgebildet. Mehr nicht. Es ging einfach seine Absicht kundtat, an den Wahlen als Kandidat Dann höre ich mit Vergnügen das schwäbische Geschwätz oder esse hervorragenden Rostbraten im Ratskeller. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die Schwaben außerhalb Schwabens total unbeliebt sind. In Berlin finden bekanntlich anti-schwäbische Exzesse statt, zu Recht wahrscheinlich. Da gab es in den Achtzigern ganze Straßenzüge rein schwäbischer Enklaven, wo die Söhne von Dachdeckern und Bäckermeistern ihre eigene Kiste aufgezogen haben. Dort, wo keine Schwaben wohnten, war irgendwie heruntergekommenes Kreuzberg - und wo Schwaben lebten, sind die besetzten Häuser tatsächlich in Stand gesetzt worden, von den Elektroleitungen bis hin zur sanitären Ausstattung. Die Schwaben können ja lustigerweise nicht anders, als Sachen in Ordnung zu bringen. darum, eine Art Gegenöffentlichkeit herzustellen. Ein Sammelsurium an Spaßparteien, wie man es heute kennt, von der FDP bis zu den Piraten, das gab es damals nicht. HANIX -- Dann war das ein erfolgreicher Wahlkampf, den Sie damals in Heilbronn betrieben haben? bekam als Kandidat ohne erkennbare Ziele 120 Stimmen - und die DKP, die Deutsche Kommunistische Partei, die immerhin eine komplette Weltanschauung und viel Geld im Rücken hatte, nur 119. Das fand ich absolut erschütternd, vor allem für die DKP. HANIX -- Gab es, abgesehen von Athanasius, noch andere Motive für den Griff zur Macht? Und wie hat das Wahlvolk überhaupt auf ihr Tun reagiert? SCHMITT -- Als SCHMITT -- Ich

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT Nie wieder hat Heilbronn ein besseres Wahlplakat gesehen: Ende der Achtziger Jahre konnte man sich für den Posten des Oberbürgermeisters per Postkarte bewerben. Klar, dass sich Oliver Maria Schmitt nicht zweimal bitten ließ. Am Ende gab es historische 21 Kandidaten, die Oberbürgermeister/in in Heilbronn werden wollten.

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT teilzunehmen, und schon stand man auf dem Wahlzettel. Das fand ich absolut fantastisch. Zwei Kumpels, eine Freundin aus Heilbronn und ein Kommilitone aus Tübingen, haben sich ebenfalls per Postkarte für den OB-Posten beworben. Nachdem unsere Bewerbungen eingegangen waren, ging eine regelrechte Kandidatenlawine los. Das Ganze wurde zu einem bundesweiten Kabarett-Wahlkampf: In der langweiligen Spießerstadt Heilbronn bewarben sich 21 Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters - das hatte es noch nie gegeben. Normalerweise waren es drei, oft auch nur zwei Kandidaten, und wenn es hoch kam, noch einer von der freien Wählervereinigung. Plötzlich waren es 21 Kandidaten, das war den Stadtoberen furchtbar peinlich. In Heilbronn giert man ja immer nach Öffentlichkeit. Aber wenn es dann mal klappte, mit beinahe explodierenden Atomraketen, einem lächerlichen OB-Wahlkampf oder einer ermordeten Polizistin, dann ist es auch nicht recht. Bald nach diesem Kandidaten-Massenauflauf wurde die Postkartenbewerbung abgeschafft. HANIX -- Wie sah die damalige Berichterstattung über diesen bizarren Wahlkampf aus? Lauter unfähige Kandidaten, Weinmann und mich miteingeschlossen. In meiner Wahlrede pries ich Weinmann als besonders besonnenen Alkoholautofahrer, er wurde immer bleicher. Als weiteres Wahlziel hatte ich die persönliche Bereicherung ganz nach vorne gestellt, damit ich endlich weg von der Straße war. Nachdem aber mein Wahlsieg knapp scheiterte, verließ ich Heilbronn für immer. HANIX -- Von 1995 bis 2000 waren Sie Chefredakteur des Satiremagazins »Titanic«. Wie wird ein Heilbronner Chefredakteur bei der »Titanic«? »Zeit« ist drauf angesprungen, die »FAZ« hat ebenfalls berichtet, dann kam das Fernsehen. Es war Manfred Weinmanns letzter Wahlkampf, und den wollten wir ihm unvergesslich machen. Er hatte zuvor im Vollrausch eine Oma über den Haufen gefahren, die Polizei erkannte den Stadtchef und ließ ihn sofort nach Hause fahren - ohne Alkomatkontrolle! Die CDU rührte sich nicht, ebenso die »Heilbronner Stimme«. Die lud aber immerhin zum großen Kandidatenforum in die Harmonie. Das war eine vorbildliche Provinzposse. SCHMITT -- Die Ich habe mich ganz normal hochgeschlafen, wie alle anderen auch, die dort anfingen. Man muss einfach alles abnicken, was der Chef vorschlägt und die Drecksarbeit machen, dann wird man innerhalb kürzester Zeit selber Chef. Zumal das ein Posten ist, den gar nicht so viele andere haben wollen. Die »Titanic« ist das letzte noch aktive sozialistische Geschäftsmodell in Deutschland, eine Redaktion, in der alle gleich verdienen. Das heißt, der Chefredakteur bekommt genauso viel wie der Neuanfänger, hat dafür aber die doppelte bis dreifache Arbeit. So habe ich fünf Jahre lang den Chef gegeben und es hat auch ziemlichen Spaß gemacht. Heute bin ich als Mitherausgeber der »Titanic« immer noch sehr zugetan und verbunden. Aber leiten und regieren müssen inzwischen andere. SCHMITT -- HANIX -- Die »Titanic« glänzte unter anderem damit, Leute wie Schröder, Scharping oder Lafontaine reinzulegen, und Lothar Matthäus wurde eine eigene TV-Show auf RTL angeboten. man sogenannte Spitzenpolitiker wie Schröder, Lafontaine oder Scharping zu einer Par- SCHMITT -- Wenn

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT ty mit Tony Blair nach London einlädt - am Telefon war übrigens immer Martin Sonneborn - und diese das sofort stolz an die Presse rausgeben, macht das natürlich mehr Spaß, als einen letztlich bemitleidenswerten Schwachkopf wie Lothar Matthäus reinzulegen. Wobei man auch zugeben muss, dass ein notorischer Angeber wie Schröder ganz gut mit so was umgehen konnte. In meiner Amtszeit hatten wir ihn zum ersten Mal auf den Titel gehievt: Als er sich zum dritten oder vierten Mal scheiden ließ und mal wieder die Frau gewechselt hatte, titelten wir: »Gute Nachricht aus Schröders Hose: Ein Arbeitsloser weniger«. Drei Wochen später saß ich abends alleine in der Redaktion, als das Telefon klingelte. Gerhard Schröder war dran. Er war damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen und rief an, weil er dieses Cover gerne als Poster haben wollte, um es bei sich zu Hause »auf dem Klo aufzuhängen«, wie er sagte. HANIX -- Und, hat er sein Poster bekommen?  ihm am Wichtigsten war, das ihm am meisten am Herzen lag, das war er selbst. Die Bundespolitik hat er nur zur Wahrung der Egopflege genutzt. HANIX -- Die »Titanic«-Redaktion hat auch dafür gesorgt, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland vergeben wurde. SCHMITT -- Da sagte ihm, er könne es ganz normal im Shop bestellen. Schröder aber wollte das Poster kostenlos. Also musste ich ihm erklären, dass er die 10 Mark schon zahlen müsse, wenn er das Poster für seine Toilette haben wolle. Er reagierte leicht ungehalten, hat die Bestellung dann aber durch sein Büro ausführen lassen. Ich weiß nicht, ob sein Klo groß genug war, um das Poster aufzuhängen. HANIX -- Bei Rudolf Scharping kann man sich diese Schrödersche Coolness kaum SCHMITT -- Scharping vorstellen.  SCHMITT -- Ich war ich schon nicht mehr in der Redaktion, aber ich war in die Aktion eingeweiht und konnte die Verwirrung genießen. Die Fußball-WM ist ja die lukrativste Veranstaltung der Welt, weit vor den Olympischen Spiele. Was da an Bestechungsgeldern fließt, das ist unfassbar. Wir haben in dem Zürcher Grandhotel angerufen, wo die FIFA-Funktionäre residierten und ließen vor der Abstimmung Bestechungsfaxe unter den Zimmertüren durchschieben. Wir boten ihnen Kuckucksuhren und Bierseidel an, wenn sie für Deutschland abstimmen würden. Darüber haben sich alle furchtbar aufgeregt, die BILD-Zeitung forderte ihre Leser auf, die »Titanic« anzurufen und zu beschimpfen. Die forderten dann für uns die Todesstrafe. Ironischerweise ist die WM aber tatsächlich nur durch den Einsatz von »Titanic« nach Deutschland gekommen - weil der Neuseeländische Wahldelegierte aufgrund unseres Faxes nicht für Südafrika gestimmt hat, sondern sich seiner Stimme enthielt. HANIX -- Sie sind Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender der PARTEI, dem politischen Arm der »Titanic«. Sind Sie als Ehrenvorsitzender nur der Grüß-August dieser Interessensgemeinschaft? SCHMITT -- Ich war immer schnell beleidigt bei solchen Sachen, Helmut Kohl dagegen hat immer alles ausgesessen. Schröder aber war letztlich ein Entertainer, der zufällig in der Politik gelandet ist. Das Produkt, das ziehe als graue Eminenz die Fäden im Hintergrund und lasse das Stimmvieh und das Fußvolk die politische Basisarbeit machen. Als graue Eminenz

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT sollte man auch unbedingt grau bleiben - so wie DengXiaoping in der KP Chinas oder Beckenbauer als geheimer Bayern-Chef. Man regiert von zu Hause aus, im stillen Kämmerlein sozusagen. HANIX -- Ihr Führungsstil klingt diktatorisch. Kann so eine Partei in Deutschland überhaupt erfolgreich sein und neue Mitglieder gewinnen? und dann dieser einfältige Volksbankhaufen an der Allee. Das Zweckmäßige hat hier immer noch Vorrang vor dem Schönen, das Billige vor dem Geschmackvollen. HANIX -- Sie sind mit dem Henri-Nannen-Preis in der Kategorie Humor ausgezeichnet worden. Hat danach das große Geldverdienen als Autor begonnen? SCHMITT -- In keiner Weise. Der Nannen-Preis gilt als die angesehenste Auszeichnung der deutschen Journalistik. Den ich aber auch erst bekommen habe, als ich in Mainstreamblättern schrieb. Diese preisgekrönte Reportage »Ich bin dann mal Ertugrul« ist in der »FAZ« erschienen, die nicht unbedingt für ihre humoristischen Beiträge bekannt ist. Bizarrerweise war mein größter Fürsprecher, wie ich hinterher erfuhr, Helmut Markwort vom »Focus«, der wohl nicht wusste, dass er mit mir seinen ehemaligen Prozessgegner alimentierte. Er hat es aber sportlich genommen, wie ich gehört habe. HANIX -- Sie haben gegen den Fakten-Fakten-Faktenund-immer-an-die-Leser-denken-Mann prozessiert? Das wollen wir genauer wissen. funktioniert ganz gut, weil unsere Partei nach außen hin demokratisch wirkt, ja wirken muß. Intern versuchen wir natürlich als Partei der radikalen Mitte, die CDU rechts und links zu überholen, mit effizienter Vetternwirtschaft und undurchsichtigen Seilschaften in die Machtzentralen zu gelangen. Ich komme schließlich aus Heilbronn, da lernt man so was. HANIX -- Wäre für die PARTEI eine Zusammenarbeit mit der FDP denkbar? Sie und die gelbgraue Eminenz Westerwelle an einem Tisch sitzend, beide versonnen in die selbe Richtung blickend... SCHMITT -- Das wir kooperieren nicht mit Spaßparteien, sondern mit seriösen Parteien und die FDP arbeitet derzeit verbissen an ihrer Selbstauflösung. Das wollen wir auf keinen Fall behindern. HANIX -- Wie nehmen Sie Heilbronn als Wahl-Frankfurter aus der Ferne wahr? SCHMITT -- Nein, wenn ich nach Heilbronn komme, bin ich verblüfft, wie diese Stadt, die ja vor allem unter ihrer Gesichtslosigkeit leidet, sich jedes mal neue gesichtslose Gesichter zulegt. Vor Jahren bin ich mal mit Max Goldt durch Heilbronn gefahren, weil ich ihm die Schönheiten meiner Heimatstadt zeigen wollte. Hinterher meinte er: »In Heilbronn gibt es viele Sex-Shops.« Keine Ahnung, ob das heute noch stimmt. Aber das ist das einzige, was Goldt aus dieser Stadt mitgenommen hat. HANIX -- Aber jetzt kommt die neue Stadtbahnlinie, wie man gerade auch an der Baustelle auf der Allee sehen kann. Ist das nichts? SCHMITT -- Als ich aufwuchs, hat man gerade die letzten Straßenbahnschienen von früher rausgerissen. Dann wurden Unterführungen gebaut, die später wieder zugeschüttet wurden. Jetzt versucht man, Heilbronn technisch wieder auf den Stand von 1939 zu bringen - unter großen Mühen. Wobei man sich optisch an den Gaunerstädten der Dritten Welt orientiert, billigste Investorenarchitektur, wohin man schaut: Das K3, das Wollhaus-Center, SCHMITT -- Immer 1996 hat er mal gegen die »Titanic« prozessiert, weil er sich nicht nachsagen lassen wollte, dass unter seinem Namen Intimschmuck vertrieben und sein Blatt mit dem Slogan »Ficken, Ficken, Ficken und nicht mehr an die Leser denken« wirbt. Deswegen forderte er von »Titanic« 100 000 Mark Schmerzensgeld. Die hätten uns das Genick gebrochen und wir hätten zumachen können. Das Gericht hat dann in zweiter Instanz entschieden, dass Markwort aber nur die Gerichtskosten zugesprochen bekommt und ansonsten der Pressefreiheit Vorrang gewährt werde. Er ist sogar noch mal in Berufung gegangen, blieb aber erfolglos. SCHMITT -- HANIX -- In ihrem Roman »AnarchoShnitzel schrieen sie« geht es auch um Ihre Heilbronner Punkzeit. Wieso haben Sie die »Tiefschlag«-Geschichte aufgeschrieben? Und wovon handelt der Roman? SCHMITT -- Ich fand diese ganze Geschichte um »Tiefschlag« herum eigentlich zu lustig und zu komisch, als dass man sie nicht hätte aufschreiben sollen. Diese »Coming of Age«-Geschichte handelt vom Erwachsenwerden, von Überzeugungen, die man noch hat oder nicht mehr. Es geht um verschiedene Lebensläufe, um gescheiterte oder geglückte Karrieren, um Lebensträume, die man entweder realisiert oder aufgibt oder vertagt.

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT terpräsidenten Strobl? Wir leben doch inzwischen in einem politisch grünen Baden-Württemberg. SCHMITT -- Wenn alles verlässlich weitergeht, dann müsste Baden-Württemberg nach fünf Jahren Kretschmann zu seiner alten Unform zurückfinden und wieder CDU wählen. Wenn Strobl es schafft, bis dahin durch aktive Untätigkeit keine Fehler zu machen, hat er gute Chancen. Dass diese Paradepfeife aus meinem direkten schulischen Umfeld dann schon der zweite Ministerpräsident Baden-Württembergs wäre, der vom RMG käme, macht mich ratlos. Lothar Späth war ja auch RMG-Schüler. HANIX -- Worum geht es in ihrem AnarchoShnitzelRoman noch? SCHMITT -- Um Deswegen dient die Geschichte von »Tiefschlag« in den Anfangszeiten schon eindeutig als Modell für das Buch, aber dann befreit sich die Handlung ziemlich aus dem Heilbronner Sumpf und bekommt eine eigene Dynamik. HANIX -- Wie verliefen denn die Karrieren ihrer Jahrgangs- und Bandkollegen? Sind ehemalige Punks jetzt Banker oder sonst wie auf der Karriereleiter oben angekommen? einen Roadtrip durch Süddeutschland und dann durch den unbekannten deutschen Osten. Gerade hier im Ländle - ich merke das bei den eigenen Schulfreunden - ist Ostdeutschland immer noch Terra Incognita. Umfragen besagen, dass 40 Prozent noch nie im deutschen Osten waren, und da ist Berlin schon mit eingerechnet. Man war schon 33 Mal auf Mallorca und zwölfmal zum Shoppen in London, aber noch niemals in Dresden oder Leipzig. Wenn man hier im reichen Süden sitzt, mit fünf Prozent Arbeitslosigkeit, dann interessiert das viele überhaupt nicht, was da oben bei den armen Schluckern in Meck-Pomm so los ist. HANIX -- Danach haben Sie den »Besten Roman aller Zeiten« geschrieben. Wahnsinn. Gratulation! Zum Banker hat es meines Wissens nach keiner gebracht, aber Ärzte, Anwälte und Forscher finden sich schon im alten Freundeskreis. Aber nicht aus jedem ist was Anständiges geworden. Unser ehemaliger Mitschüler Thomas Strobl etwa, der war ein paar Klassenstufen über uns und schon damals ein unbeliebter Mitschüler, der aber schon früh als Hinterbänkler und Totalnull von sich Reden machte. Tragischerweise könnte er tatsächlich in ein paar Jahren Ministerpräsident dieses Bundeslandes werden. Er hat sich in der Partei sozusagen hochschlafen lassen. Bis zu der Heirat mit der SchäubleTochter ist er ja nur auf Provinzebene rumgegeistert, nach der Einheirat in den CDU-Parteiadel klappte es dann aber mit der Karriere. SCHMITT -- HANIX -- Sie glauben an einen zukünftigen Minis- Jemand musste es tun. Als ich nach Recherchen festgestellt habe, dass es in Deutschland noch kein Buch mit diesem Titel gibt, musste ich es einfach schreiben. SCHMITT -- HANIX -- Wissen Sie zufällig, wer den zweitbesten Roman aller Zeiten geschrieben hat? SCHMITT -- Auch ich - das ist »AnarchoShnitzel schrieen sie«. Zur Zeit sitze ich gerade am drittbesten Buch der Welt, meinem nächsten, an dem ich schon länger schreibe und das relativ viel mit Heilbronn zu tun haben wird. Eine autobiographische Reisegeschichte, eine Heilbronner-Amerikanische Geschichte. HANIX -- Sie machen uns neugierig. Ich habe einen schwarzen Onkel, einen GI, den meine Tante hier geheiratet hat. Sie hatten zwei Kinder, meine beiden halbschwarzen Cousins, beide ungefähr in Obamas Alter. Sie wurden drogenabhängig, einer SCHMITT --

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT wurde ermordet, der andere gilt als vermisst. Ich bin einige Monate durch Amerika gefahren, auf einer Harley natürlich, um etwas über ihr Schicksal herauszufinden. Als Kinder sind sie in Heilbronn aufgewachsen, haben im Haus meiner Großeltern gewohnt. Ich habe nur noch sehr rudimentäre Erinnerungen an diese Zeit. Das ist also eine echte Geschichte und eine traurige dazu. Das wird ein ganz anderes Buch als die Romane davor. HANIX -- Sie haben lange hier gelebt. Wie würden Sie den Heilbronner Eingeborenen charakterisieren? SCHMITT -- manchmal auch eine zur Verzweiflung treibende Dickschädeligkeit. HANIX -- Heilbronn hält viele unrühmliche Rekorde. Zum Beispiel »schlechteste Fußballgroßstadt Deutschlands« oder »einzige Großstadt Deutschlands ohne IC-, geschweige denn ICE-Anschluss«. Die Heilbronner haben eine sympathische, Eine respektable Leistung. Wenn Freunde aus Hamburg, Berlin oder München zu Besuch kommen wollen und dann merken, wie kompliziert die Anreise mit der Bahn hierher ist, winken sie schon ab. Heilbronn war eben dickschädelig und wollte sich nicht an den Ausbaukosten der Bahntrasse Stuttgart-FrankSCHMITT --

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INTERVIEW DES MONATS: OLIVER MARIA SCHMITT SCHMITT -- Die Leute müssen die Tickets für solche Festivals natürlich auch kaufen. Gut, man kann die Heilbronner nicht zu ihrem Glück zwingen, auch hier sind sie stur. HANIX -- Zu den organisierten Shopping-Events hingegen kommen die Unterländer in Scharen in die Innenstadt. Ein kleiner Trost? Immerhin wird Jazz gespielt. SCHMITT -- Dieser Shopping-Schwachsinn kommt an, klar, was auch sonst. Das werde ich nie verstehen. Dieses Night-Shopping ist das Dümmste, was es überhaupt gibt. Deswegen funktioniert es. Ebenso wie diese einfältigen verkaufsoffenen Sonntage mit ihren kilometerlangen Autoschlangen in der Innenstadt. Die Dorfdeppen fahren in die Stadt, um gemeinsam eine Stunde im Stau zu stehen und sich den Ramsch anzugucken, den man schon unter der Woche nicht kauft. HANIX --Wie lautet denn ihr Vorschlag, kulturell wieder mehr Anspruch und Leben in die Stadt zu bekommen. SCHMITT -- Es furt beteiligen, also hat die Bahn Heilbronn einfach umfahren. Das ist das Schicksal Heilbronns. Es wird eigentlich fast nur noch umfahren, und das tut mir ein bisschen Leid, weil Heilbronn bestimmt mehr drauf hätte. Hier hat man aber ein Gespür dafür, im entscheidenden Moment doch immer die falsche Entscheidung zu treffen. Gute und sinnvolle Sachen hingegen werden nicht weiterbetrieben, wie etwa die Gaffenberg-Kulturtage, obwohl es das größte Festival seiner Art in BadenWürttembergs war. HANIX -- Vielleicht wollen die Heilbronner eine solche Veranstaltung einfach nicht mehr haben? gab bzw. gibt doch eine Großveranstaltung, die Heilbronn bundesweit Aufmerksamkeit verschafft - ich meine das Neckarfest. Ich bin kein großer Festgänger, aber ich habe zum Neckarfest schon häufiger amerikanische Freunde und Verwandte angeschleppt. Die waren total begeistert und würden gerne wiederkommen. Heilbronn ist eine Stadt, die wirklich was aus ihrer Flusslandschaft gemacht hat, die einen wundervollen Neckararm in der Innenstadt hat. Drumherum ein großes Fest mit Regatta, Wasserschlacht und Bootsbauwettbewerb zu veranstalten, ist wirklich nett und sympathisch. Aber das wurde aus Kostengründen immer weiter runtergefahren und findet jetzt nur noch alle vier bis fünf Jahre statt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Was kosten schon Feste? Da legt man Strom hin und sorgt dafür, dass ein paar Dixiklos dastehen und drückt die Kosten den Standbetreibern auf, fertig. Stattdessen schlägt man sich mit Naziaufmärschen rum und verzichtet auf die einzige Heilbronner Großveranstaltung, die eine mehrstündige Fernsehübertragung generierte und für Aufsehen im ganzen Land sorgte. Ewiges Rätsel Heilbronn.

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B I L D U N G Bil d u n g s c am pus He ilbro nn Die lernende Stadt JVA Hei l b ro nn Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht - Bildung im Vollzug St ei n b ei s We rk re als ch ule Ils fe ld Durch interkulturelle Kompetenz gewappnet in die Zukunft Jo h a n n -Wi d m ann-Sch ule He ilbro nn BVJ-Lehrer Marcus Tautz im Interview über sein Tun Ko l p i n g - Bi ld ungs ze ntr um He ilbro nn Kunst gibt Städten und Regionen ein Gesicht

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TEXT: WOLFGANG FISCHER / FOTOS: WOLFGANG FISCHER, BILDUNGSCAMPUS BILDUNGSCAMPUS HEILBRONN D I E L E R N E N D E S TA D T AM NECKAR De r Bi l dun g sc a m pu s Hei l b ro n n ö f fne t e nd lich s e ine To re . Bald we rd e n w i ssbegi er i g e St u d e n t e n d i e Räumlichkeiten mit Leben füllen.

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TITELTHEMA: BILDUNG L e i te ri n d e s C am p u s He ilbronn Prof. D r. Nic ole Gra f: » Wi r f re u e n u n s s e h r dar ü b e r, endlic h in da s wundersc höne, lic htdurc hflute t e G e b äu de au f d e m Bild u n gsc a mpus umzuziehen. Da s Kernstüc k des Bild u n g s campus ist das Campus Forum. Darin befindet sich eine Aula für 400 Pe rs o ne n , e in e Hoch s ch u lbib liothek mit Ca feteria sowie eine Mensa . « 1,6 Hektar mehr Großstadt wird Heilbronn, wenn Ende September auf der ehemaligen Brachfläche zwischen Bahnlinie, Schaeuffelen- und Mannheimer Straße, der Bildungscampus seiner Bestimmung übergeben wird. 1.200 und in der Endphase bis zu 2.000 kluge Köpfe werden hier in den drei kooperierenden Bildungsinstitutionen fit für die Zukunft gemacht. Aber nicht nur »Studierte« sollen die Lehrsäle und Seminarräume aufnehmen. So stellt die »aim«, als eine der begünstigten Institutionen ihr Angebot der Öffentlichkeit zur Verfügung, die in Heilbronn Franken lebt und arbeitet. »Spender«, exakt Geldgeber des Projektes, ist über seine Stiftung der Heilbronner Dieter Schwarz. Bereits seit zwei Jahrzehnten weisen Wirtschafts- und Zukunftsweise darauf hin, dass Deutschland noch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts neue und vor allem viele Fachkräfte benötigt: Manager, Ingenieure und Wissenschaftler. Die Politik hörte es wohl, spricht oft darüber, nur das Gegensteuern geht nur in kleinsten Schritten voran. Politik und Bürokratie können nie mit der unabhängigen Wirtschaft Schritt halten. Zwischen dem Planungsgutachten (Wettbewerb / März 2009) und der Inbetriebnahme Anfang Oktober liegen gerade zweieinhalb Jahre! Die Zukunft liefe uns davon, würde die Wirtschaft - Sammelbegriff für die treibende Macht unseres Wohlstandes - nicht zur Selbsthilfe greifen. - »Mittel- und Langfristig werden Fachkräfte richtig knapp«. So entstanden zum Beispiel mit dualen Hochschulen - Baden-Württemberg und Sachsen sind in Deutschland Vorreiter - eigene hochwertige Fortbildungsstätten, in denen Konzerne sich spezifische »Käpsele« heranziehen: So werden in Heilbronn 450 Studienplätze für den Konsumgüterhandel und 360 dem Dienstleistungsmanagement reserviert. Lidl, Kaufland, Handelshof lassen grüßen. Mit der Fertigstellung des Bildungscampus am nordwestlichen Rand der City darf sich die Stadt glücklich schätzen, neben der Hochschule in Sontheim eine zweite bedeutende Lehr-, Lern- und Denkstätte zu erhalten. - »Deutschlandweit einmaliges Bildungsangebot« und »Der Campus in Zahlen«. Die staatliche Hochschule selbst baut im Übrigen am Europaplatz den Campus II. Auf 4.500 Quadratmeter Fläche nimmt hier Ende 2012 die Wirtschaftsfakultät mit bis 1.200 Studierenden die Arbeit auf. Hier investieren die Stadt Heilbronn über seine Versorgungs GmbH neun Millionen Euro (Flächenerwerb), die Industrie- und Handelskammer, IHK, eine Million Euro, die Dieter SchwarzStiftung 850.000 Euro sowie der Landkreis Heilbronn 700.000 Euro. Ferner überweist das Land 3,2 Millionen Euro Zuschüsse (Anmietung der Flächen und Erstausstattung). Und die Investitionen der Dieter Schwarz-Stiftung in seinen Bildungscampus können mit 35 bis 40 Millionen Euro für die vier Bauwerke und noch einmal die gleiche Summe für die Personalkosten der Hochschule in den kommenden Jahren beziffert

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TITELTHEMA: BILDUNG Pro f. Dr. N i c o l e G raf, L e it e r in de s C am p us H eilbronn: »U m a uc h d i e H e i l bronner Öffentlichkeit etwas Campusluft schnuppern zu lassen, plan e n a l l e In st i t u t i o n e n d e s Bildu n gs cam pu s ge m e insa m mit der D ieter-Sc hwa rz-Stiftung a m 1. Ok to b e r ei n e n Ta g d e r o f f e nen Tür von 10-18 Uhr. Die Besucher können sich an diesem Tag alle G e b ä u d e anschaue n un d a m C am pu s He ilbron n in unterha ltsa me Kurz- und Infovorlesungen gehe n .« werden, meinen Insider. - »Erster Lidl-Discounter in Mundelsheim« und die »Zugaben der Stadt« verzögern sich: Während - ganz logisch - der Hochschulbau auf den Punkt fertig wird, verzögern sich natürlich zwei »Zuwendungen der Stadt«. So streift die Stadtbahn die beiden Areale erst Ende 2013. Geplant war ursprünglich Dezember 2012. Unverändert zweifelhaft bleiben bei diesem Thema die Argumente der Heilbronner Stadt- und Bauverwaltung, dass die Stadtbahntrasse Nord - aus der Allee, beziehungsweise Weinsberger Straße kommend - gleich in die Paulinenstraße nach Norden abbiegt. Würde die Trasse weiter entlang der Weinsberger-, in die Mannheimer Straße führen und erst am Europaplatz durch die Weipertstraße Richtung Nord führen, hätten beide Hochschulprojekte direkt vor den Eingangstoren Stadtbahnhaltestellen. Ebenfalls später als zuerst vorgesehen wird der Ausbau der Unteren Neckarstraße als Unterhaltungsund Gastromeile. Statt diesen Herbst soll die Eröffnung im kommenden Frühjahr sein. - Neue Strömungen in der City Der »Bildungscampus« verändert einerseits optisch sehr vorteilhaft das Gesicht entlang der Bahnlinie, beziehungsweise an der Mannheimer- und Schaeuffelenstraße. Andererseits werden die über 2.000 Studenten in der Heilbronner City für veränderte Fußgänger- und Einkaufsströmungen sorgen, sowie neue Ballungsräume und Treffpunkte schaffen. Wenn schon die Heilbronner nur zögernd mit ihrem Neckar Tuchfühlung aufnehmen - am liebsten noch, wenn es ein Fest gibt - fühlen sich die Studenten möglicherweise mehr vom Fluss angezogen.

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TITELTHEMA: BILDUNG Prof. Dr. Nicole Graf, Leiterin des Campus Heilbronn: Dieses Jahr starten rund 250 Erstsemester in zwei betriebswirtschaftlichen Studienrichtungen: Dienstleistungsmanagement und Konsumgüter-Handel. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Universität oder Hochschule studieren unsere Studierenden dual, das heißt in Kooperation mit einem Partnerunternehmen. Die Unternehmen wählen ihre Studierenden selbst aus, schließen mit ihnen einen dreijährigen Vertrag und bieten während des Studiums eine fortlaufende Vergütung. Durch den kontinuierlichen Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen im dreimonatigen Rhythmus erwerben die Studierenden neben fachlichem und methodischem Wissen, die im Berufsalltag erforderliche Handlungs- und Sozialkompetenz. Die Absolventen verfügen auf diese Weise bereits über eineinhalb Jahre praktische Berufserfahrung und können damit quasi direkt vom Hörsaal an den Arbeitsplatz wechseln.

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TITELTHEMA: BILDUNG

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TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: ULLA KÜHNLE B I L D U N G I M V O L L Z U G Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht - auch im Gefängnis. Ein Besuch im sichersten Bildungszentrum Heilbronns. Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht. So steht es in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen geschrieben. Aber wie ist es mit Betrügern und Mördern - haben Sie nach ihren Vergehen die gleichen Rechte? Ein Tag in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn beantwortet viele Fragen. »Haltet den Dieb«, schreit eine ältere Dame völlig erschrocken. Ihr wurde gerade ihre Handtasche gestohlen. Hilflos muss sie mit ansehen, wie die Diebe samt ihrer Wertsachen auf der Flucht sind. Immer noch ganz benommen steht die ältere Dame auf dem Gehweg. Manuel Müller (Name von der Redaktion geändert) kennt diese Situation. Nur mit dem Unterschied, dass nicht er das Opfer ist, sondern der Täter. Im großen Stil hat er mit seinen Komplizen Geldbörsen und Handtaschen anderer Leute geklaut, um an die Kreditkarten heranzukommen. Mit den Kreditkarten habe er dann so viel Geld wie möglich von den Konten abgehoben. Schwierig sei es nicht gewesen. »In neun von zehn Geldbeuteln lag die PIN bei«, sagt er und lacht verunsichert. Unsicher deshalb, weil er heute für seine Straftaten im Heilbronner Gefängnis sitzt. Es gibt viele Menschen, wie den 32-jährigen Manuel Müller, die ungeheuer viel Mist gebaut haben. Aber wie geht die Gesellschaft mit diesen Menschen um, die zu Dieben, Betrügern oder vielleicht sogar zu Mördern geworden sind? Werden sie verachtet? Wünscht man ihnen den Tod? Oder sollten sie nicht doch eine zweite Chance bekommen? Im Klassenzimmer der Heilbronner Justizvollzugsanstalt ist es still. Mit gesengtem Kopf, den Blick nur manchmal nach oben gerichtet, spricht Manuel Müller über sein Leben. Er erzählt von einer Patchwork-Familie, Gleichgültigkeit, so gut wie keinen Perspektiven und jahrelangem Missbrauch. »Ich habe aus meinen Fehlern gelernt«, sagt er. Der junge Mann will sein Leben selber in die Hand nehmen, und es besser machen. Natürlich wäre es gelogen, zu behaupten, er könne nie mehr rückfällig werden. Das wäre nicht ehrlich. Doch will er alles daran setzen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er stellt fest: »Wie ich es bisher gelebt habe, hat es mich nicht weit gebracht.« So hat er die Möglichkeit genutzt, und eine Ausbildung zum Teilezurichter im Gefängnis gemacht. »Für die Häftlinge ist das eine große Chance«, sagt Dieter Scheufler (59), Lehrer und Schulleiter im

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TITELTHEMA: BILDUNG Menschen haben wenig bis keine Erfolgserlebnisse in Gefängnis. Prinzipiell können die Insassen wählen, ob ihrem Leben erfahren«, erklärt Scheufler. Deswegen ist sie arbeiten oder noch mal die Schulbank drücken woles für viele eine große Herausforderung, die Schulzeit len. Sie können jeden beliebigen Schulabschluss nachvon Anfang bis Ende durchzuhalten. In diesem Jahr holen und sogar studieren, egal wie alt sie sind. Nur in haben acht Häftlinge ihren Hauptschulabschluss erfolgAusnahmefällen bekommen Häftlinge ein Schul- und reich bestanden. Ausbildungsverbot. Nämlich dann, »Bei uns ist es fast so, wie an einer wenn sie als besonders gefährlich Sech s Tische stehen in normalen Schule auch«, sagt Dieter gelten und nicht in die GemeinScheufler. Jeden Tag findet der Unschaft gelassen werden können. U-Form zur Tafel gerichtet . terricht von 7.30 bis 15 Uhr in zwei Die meisten der 20- bis 35-jährigen Insassen machen ihren Hauptschul- Die Wä nde sind beige gestri- Klassenzimmern statt. Die Klassen sind kleiner. Sechs Tische und zwölf abschluss nach. Dieter Scheufler Stühle stehen in U-Form zur Tafel unterrichtet zusammen mit zwei chen. Es gibt Hausaufgaben, gerichtet. Die Wände sind beige gestriweiteren Lehrerinnen Deutsch, chen. Zudem gibt es Hausaufgaben, Mathe, Englisch, Sport und die Kla ssena rbeiten, ein Kla sKlassenarbeiten, ein Klassenbuch und Fächerverbände Wirtschaft-ArbeitGeschichte und Welt-Zeit-Gesellsenbuch und manchmal auch manchmal auch einen Klassensprecher, je nachdem, ob die Klasse einen schaft. Sie helfen den Häftlingen wählen möchte. Viele Sträflinge sind dabei, Wissenslücken auszugleichen e inen Kla ssensprec her. Einzelgänger, und wollen nicht von und vermitteln ihnen das Schuljemand anderen vertreten werden. Das wissen der neunten Klasse. Den Hauptschulabschluss holen sie zwar in einem Jahr nach, Besondere ist, hinsichtlich ihrer »Chance«, das Zeugnis. Die Justizvollzugsanstalt kooperiert mit der Heilbrondennoch brauchen sie Durchhaltevermögen. »Diese

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TITELTHEMA: BILDUNG ner Wartbergschule. Haben die Insassen am Schuljahresende alle Prüfungen erfolgreich bestanden, dann bekommen sie ein ganz normales Abschlusszeugnis der Wartbergschule ausgestellt. Das heißt, aus dem Zeugnis geht nicht hervor, dass der Schulabschluss im Gefängnis gemacht wurde. Wenn die Häftlinge ihre Zeit abgesessen haben und wieder nach draußen kommen, empfehlen Scheufler und seine Kolleginnen den Jungs, bei der Jobsuche ehrlich zu bleiben. Die ehemaligen Häftlinge sind zwar rechtlich nicht dazu verpflichtet, die abgesessene Zeit im Gefängnis in ihrem Lebenslauf zu erwähnen, allerdings wirft es kein gutes Licht auf den Bewerber, und führt in den meisten Fällen zur Kündigung, wenn die Wahrheit herauskommt. Deswegen empfiehlt es sich, spätestens im Vorstellungsgespräch die Karten auf den Tisch zu legen, und offen über seine vergangenen Fehler zu sprechen. Als Lehrer im Strafvollzug zu arbeiten ist eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Sie haben Einfluss darauf, wie sich die Häftlinge entwickeln und sich später wieder in die Gesellschaft integrieren. Ihre Ausbildung basiert daher auf ein reguläres Lehramtsstudium. Sie können das erste und zweite Staatsexamen nachweisen und bilden sich in Seminaren weiter. Nachdenklich fasst sich Lehrer Scheufler ans Kinn. »Je höher der Bildungsstand«, sagt er, »desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie.« Bildung und Therapie seien seiner Meinung nach die beste Maßnahme zur Resozialisierung, und die nachhaltigste Sicherung für das Leben draußen in der Gesellschaft. Ihn motiviert es, zu sehen, wie sich die Menschen entwickeln. Dass sie mit vielen Erkenntnissen und neu gelernten Gewohnheiten das Gefängnis verlassen und viele nicht mehr wiederkommen. Zwei Gebäude weiter und drei Etagen höher feilen, bohren und lackieren einige Häftlinge. In der Justizvollzugsanstalt haben sie neben einem Schulabschluss, außerdem noch die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen. Angeboten werden derzeit Berufsausbildungen zum Metallbauer, Teilzurichter, Schreiner, Drucker, Buchbinder, Maschinen- und Anlageführer und Fleischer. Während der zwei- bis dreieinhalbjährigen Ausbildungsdauer bekommen die Insassen ein Lehrlingsentgelt. Das liegt bei 1,53 Euro pro Arbeitsstunde und macht bei 7,2 Arbeitsstunden einen Tageslohn von 11,02 Euro. »Mit diesem Geld können sie sich auch mal etwas leisten«, erklärt Helmut Fietz, Ausbildungsleiter der Justizvollzugsanstalt Heilbronn. Alkohol ist strikt verboten. Aber Fernsehen, Telefon oder Genussmittel, wie Tabak und Kaffee, können sie mit ihrem eigenen Geld bezahlen. Die Woche über arbeiten die Azubis in der entsprechenden Ausbildungsabteilung

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Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn "Wir halten kreative Köpfe in der Stadt und fördern junge Unternehmer/innen und Ideen" (Philipp Kionka/KK Media Solutions)

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TITELTHEMA :BILDUNG und an einem Tag findet die Berufsschule im Klassenzimmer statt. Dann werden die Sträflinge von externen Fachlehrern im Gefängnis unterrichtet. Die Fachlehrer selbst sind an regulären Berufsschulen in Heilbronn beschäftigt. Klare Regeln sind wichtig. Wenn ein Häftling seine Hausaufgaben vergessen hat, gibt es einen Eintrag ins Klassenbuch. Die Aufgaben müssen dann das nächste Mal unaufgefordert gezeigt werden. Macht der Häftling sie wieder nicht, muss die Klasse darunter leiden und Strafarbeiten für ihn machen. Da die Insassen freiwillig eine Ausbildung absolvieren wollen, werden auch die Aufgaben in der Regel gemacht. Aber was ist das eigentlich für ein Gefühl, mit einem Straftäter zusammen zu arbeiten? Ausbildungsleiter Helmut Fietz arbeitet seit 16 Jahren in der Heilbronner Vollzugsanstalt und reagiert relativ gelassen auf diese Frage. »Diese Menschen sind hier, um eine Strafe abzusitzen«, sagt er, »aber auch, um daraus zu lernen.« Von vielen Häftlingen wisse er nicht, wofür sie verurteilt wurden. Und so genau möchte er es auch gar nicht wissen: »Wüsste ich alles, wäre ich voreingenommen.« Jemandem eine zweite Chance zu geben, ist dann nicht mehr so einfach. Diese zweite Chance im Leben wünscht sich auch Hen86 ning Schmid (Name von der Redaktion geändert). Der 39-Jährige ist seit 2007 in Haft. Etwas aufgeregt sitzt er auf dem Stuhl, und zwirbelt einen Bleistift zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her. Im Heilbronner Gefängnis hat er erfolgreich seinen Hauptschulabschluss nachgeholt. »Darauf bin ich richtig stolz«, sagt er und klopft sich auf die rechte Schulter. 2009 hat er auch noch eine Ausbildung zum Schreiner angefangen. Bevor er verurteilt wurde, hat er als Lkw-Fahrer gearbeitet und mit Hilfsarbeiterjobs sein Geld verdient. Mit dem Gesetz ist er dabei nie in Konflikt geraten. »Draußen hätte ich bestimmt keine Ausbildung gemacht«, erzählt der dreifache Familienvater. Ihm ist anzusehen, wie froh er über die Bildungsmöglichkeiten im Strafvollzug ist. Beinahe schwärmend erzählt er von seinem Lieblingsfach Mathe und den geometrischen Figuren, mit denen er gerne rechnet. »Gespickt hab ich auch mal«, gibt er zu, und zeigt auf seinen Bleistift. »Die Formeln habe ich ganz klein auf den Bleistift geschrieben.« Henning Schmid wird noch mindestens 11 Jahre im Gefängnis bleiben. Für ihn ist es das Schönste, wenn er Post von seinen Kindern bekommt: »Das zeigt mir, dass ich doch noch Vater bin, obwohl ich Fehler gemacht habe.«

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TITELTHEMA: BILDUNG

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TEXT: PETER GUSDEK / FOTOS: MEHMET FILIZ E N G L Ä N D E R T R A G E N H Ü T E , D E U T S C H E E S S E N W U R S T An d e r Il s f e l d e r St e i n b e i s We rk realschule hat ein engagier tes Kollegiu m den Wandel vo n e i n e r Ha u p t s c h u l e z u r Einrichtung für den mittleren Bildungsweg aktiv m i t g e s t a l t e t . Nu n g e h t m a n in Ilsfeld weiter neue Wege. Die Werk realschüler kön n e n s i c h z u i n t e rk u l t u re l l e n Exper ten mausern und erhalten dafür ein echtes Zer t i f i k a t . Re k t o r i n Ga b r i e l e L eisterer und Projektleiterin Karin Thullner hoffen, das s i n t e rk u l t u re l l g e s c h u l t e K i ds bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Der Weg zu mehr Toleranz und Verständnis gegenüber Mitmenschen und fremden Kulturen fängt an der Ilsfelder Steinbeis Werkrealschule für die 14 im Kreis sitzenden Workshop-Teilnehmer aus der 9. Klasse lecker an. Projektleiterin und Konrektorin Karin Thullner verteilt aus ihrer riesigen »interkulturellen Box«, die an eine Semanns-Reisekiste aus früheren Zeiten erinnert, Eiskonfekt an die Neuntklässler. Und nach dem der erste Bissen Eis in den Mündern der Schüler zerschmolzen ist, hakt Thullner auch schon ein. Das Thema des vorangegangenen Workshops war die EisbergTheorie. Jeder weiß, dass immer nur die Spitze des Eisbergs zu sehen ist. Das meiste bleibt aber verborgen. Ganz ähnlich wie bei Menschen. Die Kids haben unter der Moderation ihrer Lehrerin aus dem Schlemmerkreis im Handumdrehen einen Diskussionszirkel gemacht. Angeregt wird über Stereotypen, Klischees, fremde Kulturen und wie sie wahrgenommen werden gesprochen. Ein Schüler kennt das Klischee, dass die typischen Utensilien, die ein Engländer bei sich hat, Hut und Regenschirm sein sollen. Von den Deutschen hingegen herrscht im Ausland das Bild vor, dass sie sich ausschließlich von Wurst und Bier ernähren, meint der Penäler zu wissen. In insgesamt 15 Workshops eignen sich die Ilsfelder Werkrealschüler dienstags Nachmittag interkulturelle Kompetenz an, die am Ende des Schuljahres mit einem schicken Zertifikat des Stuttgarter Steinbeis Institutes belohnt wird. Wenn es nach Gabriele Leisterer geht, sollen ihre Schüler die

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TITELTHEMA: BILDUNG Zertifikate in deren Bewerbungsunterlagen einflechten. Denn durch die Workshops sollen die Teilnehmer nicht nur tolerantere und verständnisvollere Menschen werden, sondern dadurch auch besser für den beruflichen Einstieg gewappnet sein. Schließlich belegt das Zertifikat die Zusatzqualifikation der Schüler. »Soziale und interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiter wird den Unternehmen immer wichtiger«, weiß Gabriele Leisterer, die Initiatorin des in Deutschland einzigartigen Projektes. »Es gibt aussagekräftige Studien, die belegen, dass Unternehmen viel Geld verlieren, weil sich die Mitarbeiter durch ein interkulturelles Kompetenzdefizit nicht verstehen und bedingt dadurch zu wenig Verständnis für den Kollegen aufbringen können«, erklärt die Ilsfelder Schulrektorin. Katharina will so ein Defizit gar nicht erst aufkommen lassen. Selbstkritisch merkt die 14-jährige an, dass sie an sich selbst feststellt, dass sie nicht frei von Schubladen- und Klischeedenken ist. Auch deshalb hat sie sich für das interkulturelle Projekt eingeschrieben. Ziel des Projektes ist es deshalb, die Schülerinnen und Schüler besonders im Hinblick auf die anstehende Ausbildungssituation in Betrieben und Ausbildungsstätten zu stärken und sicherer zu machen in Bezug auf die Arbeit und Verständigung in einem multikulturellen Kollegenteam. Das Verständnis der Sinnhaftigkeit von Verhaltensregeln, Anerkennung von anderen Wertesystemen, respektvolles und konstruktives Verhalten im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten und das Verstehen von interkulturell bedingten Konflikten soll in den 15 lebhaften Workshops geschult und entwickelt werden. Rektorin Gabriele Leisterer beauftragte das Stuttgarter Steinbeis Institut für interkulturellen Transfer damit, die Workshops für die Steinbeis Werkrealschule auszuarbeiten. Zwischen dem Erstkontakt der engagierten Rektorin zu den beiden Steinbeis-Institutsleiterinnen Prof. Cordula Beelitz-Frank und Prof. Heidemarie Kurtscheid und dem ersten Workshop in den Ilsfelder Schulräumen lagen keine sieben Monate. »Wir haben das Konzept geprüft, ob es auch für die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Schüler ausgelegt ist«, erklärt Gabriele Leisterer. Auch das Steinbeis Institut hat mit Testschülern den Praxistest gemacht, ehe das Projekt tatsächlich an der Schule in Ilsfeld losging. Eine Werkrealschule ist die Steinbeis Schule erst seit zwei Jahren. Deshalb kann Gabriele Leisterer auch noch nicht sagen, ob ihr Projekt in angedachter Weise Früchte tragen wird. Die

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Eigeninitiativ: Gabriele Leisterer hat aus eigenem Antrieb die Zusammenarbeit mit dem Steinbeis Institut in die Wege gebracht und damit ein für Deutschland einzigartiges Projekt geschaffen ersten Abschlussjahrgänge der Werkrealschule wird es erst übernächstes Jahr geben. Erst dann wird man sehen, wie begehrt die Ilsfelder Schüler und Schülerinnen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern sein werden, wenn es um das Ergattern eines Ausbildungsplatzes geht. »Der Effekt der Workshops soll natürlich in den Köpfen der Schüler stattfinden aber später direkt an den künftigen Arbeitgeber andocken«, hofft Leisterer inständig. Ihr Lehrerkollegium ist überzeugt vom Konzept der Werkrealschule und dem interkulturellen Projekt, das Konrektorin Karin Thuner leitet. »Das gesamte Lehrerkollegium zieht toll mit und ist für die Schüler da«, lobt Thuner. »Wenn man den Kindern als Schule mehr bieten will, geht das nur über Eigeninitiative und unkonventionellen Mehreinsatz der Lehrer und Lehrerinnen«, berichtet die groß gewachsene Pädagogin. »Wir fahren Schüler und Schülerinnen auch im privaten PKW zu Betrieben, die Schülerpraktika anbieten, damit unsere Schüler unterkommen«, konkretisiert sie an diesem Beispiel, was mit unkonventionellem Mehreinsatz gemeint ist. Manchmal besteht Mehreinsatz auch schlicht aus dem Mitbringsel von leckerem Eiskonfekt, das »Eisberge« zum schmelzen bringt. Projektleitung: Karin Thullner ist Konrektorin an der Ilsfelder Steinbeis Werkrealschule und Projektleiterin des Workshops »Interkulturelle Kompetenz - die Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts«

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TITELTHEMA: BILDUNG INTERVIEW: PETER GUSDEK FOTOS: MEHMET FILIZ

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ICH BIN NÄHER AN DEN SCHÜLERN DRAN ! Ma rc u s Ta u t z u n t e r r i c h t e t a n der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn Sch ü l e r, d e re n Zu k u n f s t p e r s p e ktiven durchwachsen sind. In seinen BVJ- und BEJK l a s s e n n i m m t d a s Tr a i n i e re n des Sozialverhaltens ebensoviel Platz ein, wie die Sto f f ve r m i t t l u n g . A m En d e z a hlt sich das auch hin und wieder aus. Wir sprachen m i t d e m L e h re r ü b e r Ge walt unter Schülern, Freiräume, die Lehrpläne d e n Pä d a g o g e n ge währen und seinen Spitznamen. H A N I X -- Herr Tautz, Sie unterrichten an der Johann-JakobWidmann-Schule am Technischen Schulzentrum in Heilbronn BVJund BEJ-Klassen (d. Red.: Berufsvorbereitungsjahr & Berufseinstiegsjahr). Wie lange schon? Seit mittlerweile fünf Jahren arbeite ich hier an dieser Schule. MARC U S TAU T Z -- HAN I X -- E r k l ä r e n S i e u n s bitt e d e n U n t e r s c h i e d z w i sche n B V J - u n d B E J - K l a s s e n . TAUT Z -- Klassen. Ich unterrichte hier aber auch BAS-Klassen. Das heißt Hauptschülerinnen und Hauptschüler mit abgeschlossener Berufsausbildung oder damit vergleichbarer Berufserfahrung haben an der Berufsaufbauschule die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres die Fachschulreife zu erwerben.. H A N IX -- Sitzen viele Schüler i n ihren Klassen? BEJ-Klassen investiere ich die selbe Zeit in Stoffvermittlung wie in das Trainieren des Sozialverhaltens. Schüler aus den BVJ- und BEJ-Klassen brauchen auch mehr Zuspruch des Lehrers. Auf diese Schüler muss man als Pädagoge viel mehr eingehen, sich mehr Zeit für sie nehmen. HANIX -- Berücksichtigt der Lehrplan diese Spezifika? Gibt die Vorgabe aus dem Bildungsministerium ihnen als Lehrer im Vergleich zu anderen Klassenstufen für die Arbeit mit BVJ- und BEJ-Klassen mehr Spielraum abseits der reinen Stoffvermittlung? TAUTZ -- In meiner aktuellen BEJKlasse habe ich 14 Schülerinnen und Schüler. TAUTZ -- H A N IX -- Worin liegen die g r ö ßten Unterschiede zwis c h en einer BAS-Klasse und e i n er BVJ-Klasse. Sie haben j a den täglichen Vergleich. Jugendliche, die keinen Hauptschulabschluss vorweisen können, werden im Berufsvorbereitungsjahr auf den Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt vorbereitet. Für die Kids, die bereits einen Hauptschulabschluss aber keine Lehrstelle gefunden haben, gibt es die BEJ- Als Lehrer von Schülern, die die Mittlere Reife anstreben, lehrt man hauptsächlich. In den BVJ- und TAU TZ -- Der Lehrplan ist sehr weit gefächert und offener gehalten, so dass ich jederzeit projektbezogenen

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TITELTHEMA: BILDUNG Unterricht einflechten kann. Ich veranstalte mit meinen Klassen beispielsweise jeden Freitag einen Stuhlkreis. Dann wird über die abgelaufene Woche diskutiert und reflektiert. HAN IX -- Reflektie r e n d i e S c h ü l e r a m A nf a n g eines S c h u l j a h r e s i n d i e s e n S t u h l k r e i sen w eniger kommunika t i v u n d s e l b s t k r i t i s ch a l s a m Ende eines Sch u l j a h r e s ? S p r i c h : I s t f ü r Sie als L e h r e r e i n e E n t w i c k l u n g ü b e r ein S chuljahr zu erke n n e n , w a s S o z i a l v e r h al t e n u nd Diskussionsku l t u r a n g e h t ? HANI X -- G e h e n S i e m i t u n t e r s c h i e dlichen Unt e r r i c h t s s t r a t e g i e n i n B A S - b e z i ehungsweise BVJ-Klassen? Wie ich es schon angedeutet habe: ich bin näher an den Schülern aus den BVJ- und BEJ-Klassen dran. Das ist auch ganz logisch, da in diesen Klassen das Thema Sozialverhalten eine größere Rolle spielt. Dann muss ich das auch vorleben und sozial mit den Kids umgehen. Das beinhaltet natürlich viele Gespräche. TAUTZ -- HANI X -- S i e e r l e b e n d o c h s i c h e r auch viele Frustmomente in ihrem Job? TAUTZ -- Das Das ist natürlich von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Aber allgemein betrachtet sehe ich eine kleine Entwicklung bei den Schülern, wenn es um das Lernverhalten und die Auffassungsgabe, den Lehrstoff betreffend, geht. Eine weit größere Entwicklung meine ich zu erkennen, wenn ich mir das Sozialverhalten meiner Schüler anschaue. TAUTZ -- HAN IX -- K ö n n e n S i e v o n e i n e m k o n k r e t e n P rojekt erzählen, d a s s b e s s e r e s S o z i a lv e r h alten bei ihren S c h ü l e r i n n e n u n d S c h ül e r n e ntwickeln soll u n d d a s S i e m i t i h r e n S c h ü l ern verwirklicht h a b e n ? kommt vor. Wie in jedem anderen Job eben auch. HANI X -- I s t i h r F r u s t a l s L e h r e r bei Verf e h l u n g e n i h r e r S c h ü l e r i m S o z i a lverhalten g r ö ß e r a l s b e i s c h l e c h t e n N o t e n ihrer Zöglinge? Letztes Schuljahr habe ich mit meinen Klassen an dem wohltätigen Projekt »Rock für Gambia« teilgenommen. Wir haben Kuchen gebacken und Geld für die Gute Sache eingesammelt. Durch solche Erlebnisse lernen die Jugendlichen dann soziales Verhalten und soziale Einstellung kennen. Das macht den meisten Schülerinnen und Schülern auch Spaß. TAUTZ -- Das nimmt sich nichts. Wobei ich mich schon sehr aufrege, wenn die Schüler an bestimmten Tagen ein schlechtes Sozialverhalten an den Tag legen. Aber wenn ich beispielsweise eine Englischstunde aus meiner Sicht sehr gut vorbereitet und strukturell aufgebaut habe und nichts davon funktioniert, ist mein Frust auch groß. Ich reduziere inzwischen auch die Lernziele der einzelnen Stunden, um die Schüler nicht zu überfordern. TAUTZ -- HANI X -- G i b t e s G l ü c k s m o m e n t e b e i der Arbeit mit diesen Schülern? Aktuell machen mich die ersten Wochen des neuen Schuljahres mit meiner BEJ-Klasse ganz zufrieden. Es gab auch keine disziplinarischen Zwischenfälle. Alle TAUTZ --

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TITELTHEMA: BILDUNG waren immer da und immer pünktlich. Das ist keine Selbstverständlichkeit. H ANI X -- Wie is t e s u m i h r e m o r g e n d l i c h e M o tiva tion beste l l t ? G e h e n S i e n o c h g e r n e z u r Arbe it. Momentan schon noch. Meine Arbeit kann man ja durchaus als sinnvoll bezeichnen. Die Schüler, die ich unterrichte, benötigen in diesem Bereich Hilfe und Unterstützung. TAUT Z -- H ANI X -- Sind G e w a l t , v u l g ä r e S p r a c h e , R e s pekt losigkeit g e g e n ü b e r M i t s c h ü l e r n u n d d e m Lehr er Aspekte , m i t d e n e n S i e s i c h t ä g l i c h ause i n a n d e r s e t z e n m ü s s e n ? TAUT Z -- Das kommt alles vor, sicher. Ob Mädchenprügeleien oder bankraubende Schüler - das Spektrum diesbezüglich ist weit. Mir geht beispielsweise vulgäre Sprache total gegen den Strich. Das unterbinde ich sofort und lege viel Wert darauf, dass in meinem Unterricht diese Sprache keinen Raum zur Entfaltung bekommt. H ANI X -- Ist ih n e n b e i i h r e m J o b n i c h t manc h m a l m u l m i g z u m u t e ? Nein. Mir gegenüber haben sich die Schüler auch noch nicht gewalttätig verhalten. Waffen musste ich auch noch keine konfiszieren. Wir sind ja keine GhettoSchule und Rütli-Verhältnisse gibt es hier zum Glück auch nicht. TAUT Z -- H ANI X -- In ihr e m U n t e r r i c h t s e l b s t w u r d e also n o c h n i c h t g e p r ü g e l t ? TAUT Z -- Nein, dass ist in meinem Unterricht noch nicht vorgekommen. Immerhin soviel Anstand haben meine

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TITELTHEMA: BILDUNG streitsüchtigen Schülerinnen und Schüler. Sie warten bis zur Pause. HAN IX -- Wie würde n S i e d a s E i g e n i n t e r es s e und die Selbst m o t i v a t i o n i h r e r S c h ül e r skizzie r e n ? G i b t e s d i e ü b e r h a u p t ? TAUTZ -- Gerade in den BEJ-Klassen wissen viele Schüler zunächst überhaupt nicht, was sie hier sollen. Dementsprechend motiviert laufen sie morgens in den Klassenraum ein. Aber durch intensives Eingehen auf die Kids finden zum Teil - natürlich nicht bei allen Klassenmitgliedern - erhebliche Entwicklungen statt. Jedes Jahr habe ich Schüler, die sich nach dem Schuljahr einen Ausbildungsplatz organisieren, obwohl ich zunächst wenig Hoffnung hatte. Ich werde hier also auch oft genug positiv überrascht. HANIX -- Wie sieht es allgemein mit der Vermittelbarkeit ihrer Schüler in den Arbeitsmarkt aus? TAUTZ -- Ich würde sagen, dass ungefähr 60% der BEJSchüler nach dem Schuljahr einen Ausbildungsplatz finden. HANIX -- Alle Lehrer haben Spitznamen. Wie lautet ihrer? ist mein Spitzname Sie oder Herr Tautz. Es ist aber schon vorgekommen, dass ich am Schuljahresende ein »Tautzi« vernommen habe. TAUTZ --Grundsätzlich

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A N N E T T E G A S T - P R I O R K U N S T G I B T S TÄ D T E N U N D R E G I O N E N E I N G E S I C H T Zwei En t w ü r f e , w i e Ku l t u r i m ö f fentlichen Raum vorkommen kann, zeigten die Kult u r g e s t a l te r i n n e n Do r i t Bre mm, Öhringen und Anne Scholl, Konstanz, im Ko l p i n g -Bi l d u n g s zen t r u m . Di e j ung e n Fraue n h abe n ganz unte rs ch ie dli chen Zu g a n g zu i h re m g e m e i n s a men Thema - und genau das machte sie als Re fe re nt i n n en f ü r d ie Vo r trags re ih e » Jung e Ge s talte r« inte re s s ant.

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TITELTHEMA: BILDUNG STADT- UND LANDKUNST Während Scholl als Master-Studentin im Fach Kommunikations-Design ihre Bachelor-Arbeit über die Bedeutung von Kultur und Kreativität für die urbane Identität vorstellte, erklärte Dorit Bremm, Ex-Schülerin an der Schule für Gestaltung des Kolping-Bildungszentrums, wie die »Triennale Regionale« in der Region HeilbronnFranken Fuß fassen will. Dabei wurde dem Publikum klar: Kreative Ideen umzusetzen ist nur ein Teil der Aufgaben, denen sich NachwuchsGestalter stellen. TRIENNALE REGIONALE StadtKunst: Seine eigene Stadtansichten festhalten - das ist die Idee hinter dem interaktiven Stadplan »Not a Map« von Anne Scholl. Foto: privat Der praktischen Umsetzung einer Idee geht viel konzeptionelle Arbeit voraus. Dann heißt es: Kontakte nutzen und knüpfen, Vertrauen schaffen, Mitstreiter und Geldgeber gewinnen. Am Beispiel der Triennale Regionale, einer im Drei-Jahres-Turnus geplanten Kunstveranstaltung mit Ausstellungen im öffentlichen Raum in vier Landkreisen und dem Stadtkreis Heilbronn, erklärte Bremm die Kunst der Kommunikation zur größten Herausforderung. »Es gibt zwar überall Künstlerverbände, Museen und Einzelinitiativen. Aber was fehlt, ist die Zusammenarbeit.« »FLEISCHESLUST« Seit 2009 steht die Konzeption der Triennale. Und seither versuchen Bremm und der Arbeitskreis Kunstregion, Kräfte aus Wirtschaft, Politik und Kultur zu bündeln, um ihrer Vision einer künstlerischen Auseinandersetzung mit einer willkürlich entstandenen Raumschaft näher zu kommen: »Kultur für alle«, wie der populäre Kulturschaffende Hilmar Hofmann forderte, könnte auch in Heilbronn-Franken eine imagefördernde Leitfunktion bekommen, hofft Bremm. Damit Projekte wie ihre aufsehenerregende, 1500 Quadratmeter große Installation »Fleischeslust« 2010 als eigenwillige

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TITELTHEMA: BILDUNG Horst Strümann, Leiter der Schule für Gestaltung (l.) und Hans-Jürgen Friedrich, Vorsitzender des Fördervereins, empfingen Dorit Bremm (2.v.l) und Anne Scholl als Referentinnen in der Reihe »Junge Gestalter«. Ihr Thema: Kulturgestaltung. Foto: kbw »moderne Landschaftsmalerei« Diskussionen anstoßen und »das Wesen der Kulturlandschaft einfangen«, müssen sich viele Kräfte vernetzen. Erst dann, meint Bremm, kann Kunst zum regionalen Identitätsmerkmal werden. professionelle Kunstschaffende nicht ausreichend fördern: In Deutschland zählten rund 18 Prozent der Erwerbstätigen zum Bereich der Kreativwirtschaft, in Finnland, den Niederlanden und Belgien 28 Prozent, nannte Scholl einen Vergleich. KULTUR MACHT STÄDTE SEXY NOT A MAP In Städten gelingt das längst. Am Beispiel der Gentrifizierungs-Prozesse in deutschen Großstädten stellte Anne Scholl dieses Phänomen dar. Nachweislich werten Kultur und Kreativität Stadtteile auf - immer öfter mit der Folge, dass diese sich verändern und zu Reichenvierteln werden. Ambivalent sieht Scholl, wie Städte Kreativität als Marketingfaktor einsetzen, um ihre Attraktivität zu steigern, dabei aber Beliebigkeit bei der Frage, wie Städte Kreativität fördern, birgt für die 25-Jährige die Gefahr der Gesichtslosigkeit. Scholls Weg, Städten ein Gesicht zu geben, ist sehr individuell und als Bachelor-Abschlussarbeit an der Fachhochschule Schwäbisch Hall preisgekrönt: »Not a Map« heißt ihr interaktiver Print-Stadtplan, den Reisende mit eigenen Eindrücken und Erinnerungen füllen.

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TITELTHEMA: BILDUNG 2010 erregte Dorit Bremms »moderne Landschaftsmalerei« an der B19 in Hohenlohe Aufsehen. Wie die »Fleischeslust« soll Kunst im öffentlichen Raum auch künftig in der Region Heilbronn-Franken wirken. Foto: Privat INFO: DIE SCHULE FÜR GESTALTUNG DES KOLPING-BILDUNGSZENTRUMS (SFG) KONZIPIERTE DIE VERANSTALTUNGSREIHE »JUNGE GESTALTER«. SCHÜLER UND DIE INTERESSIERTE ÖFFENTLICHKEIT SIND ZU DEN THEMENABENDEN EINGELADEN. NÄCHSTER TERMIN: FREITAG, 21. OKTOBER, 19 UHR, KOLPING-BILDUNGSZENTRUM HEILBRONN, BAHNHOFSTRASSE 8: THOMAS WECKLER UND STEVEN ZULEGER, EPPINGEN, BERICHTEN ÜBER AKTUELLE ENTWICKLUNGEN DER 3D-FOTOGRAFIE UND DER VIDEOPRODUKTION. EINTRITT FREI. WWW.SFG-HN.DE 101

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VOGELPERSPEKTIVE EIN FOTOSTRECKE MIT BILDERN VON WOLFGANG FISCHER Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Allee, Heilbronn

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Felder, Massenbach

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Burg Stettenfels, Untergruppenbach

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Blauer Turm, Bad Wimpfen

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE BAB Weinsberger Kreuz, Weinsberg

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Weinberg, Heilbronn

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Neckarpark, Heilbronn

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Wollhaus-Zentrum, Heilbronn

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Neckar & Baggersee, Böttingen

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Hohenstaufen-Gymnasium, Bad Wimpfen

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Schleuse, Lauffen

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Stadtpfarrkirche St. Dionysius, Neckarsulm

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Jagst mündet in Neckar, Jagstfeld / Bad Wimpfen

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QUIZ DICH GLÜ C k L I C H

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº2 FRAGE: WAS KOSTET EIN VIERTELE LEMBERGER IN DER HESSERWIRTSCHAFT? ES IST DIE SZENE-GASTSTäTTE IN HEILBRONN. MIT EINEM WIRT ZWISCHEN GENIE uND WAHNSINN, MIT GäSTEN, VON ALT BIS JuNG, GROSS uND KLEIN, uNBEKANNT uND BERüHMT. uND MIT EINEM MONTAGSSTAMMTISCH AN TISCH FüNF, WO DüNNE uND DICKE, SCHWARZE uND ROTE, ECHTE SCHWABEN, BILLERBECKER, ZWEISTERNIGE TRüFFELWENDER, AuCH BAyERN, SOGAR FRAuEN, GAR BELGISCHE, ZuSAMMEN KOMMEN. JAILERS TASCHE SUBTIL BIKES SCHICK & SPRINGER HANIX-BLITZ 1 x JAILERS-TASCHE 1 x SKULL-LED-SET 1 x WEINVERKOSTUNG FÜR 4 PERSONEN 1 x GESTRICKTER BLITZ In der Heilbronner JVA hat sich ein kleines aber feines Label gegründet. Produziert werden diverse Taschen aus LKW-Plane oder Leder und Kaffeesäcken. Der Clou bei den Taschen: der MiniHandschellen-Verschluss. Subtil-Bikes hat etwas für Velo-Piraten: LED-Lichter in Totenkopf-Design. Die Teile sehen dabei nicht nur super aus, sondern sind auch richtig schön hell. Wir verlosen ein Set, wahlweise in rot oder blau. Bei Schick & Springer achtet man nicht nur bei der Herstellung der Weine auf Qualität. Auch die Weinverkostungen in der Nähe garantieren beste Unterhaltung und feinste Weine. HANIX-Illustratorin Kathrin Leisterer stellt den extra für die erste HANIX-Ausgabe gestrickten EnergieBlitz zur Verfügung. Der gelbe Wollpfeil ist ca. 45 cm hoch und 23 cm breit und ist schlicht der Burner! WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: ICH! ICH! ICH! EINSENDESCHLUSS IST DER 14. OKTOBER. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT UND NAMENTLICH VERÖFFENTLICHT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: THOMAS ROTH GEWINNER: BETINA REINHART (PFEFFER-GUTSCHEIN), MARC FÖRSCHLER & MICHAEL KLING (ALTER EGO DVD), JULIAN SCHUH (SUBTILES SKULL-LED-SET) & FLORIAN FIEBER (TICKETS BERLIN FESTIVAL)

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EVA EISENLOHR L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS PERTH AUSTRALIEN / VON EVA UND SEBASTIAN GELESEN VON MARIA SANDERS drei Jahre ist es nun schon her, dass ich Dich verließ, um meinem Partner Sebastian nach Perth in Australien zu folgen. Er brauchte damals nur einen Tag, um Arbeit als Geologe zu finden, wovon er in Deutschland natürlich nur träumen konnte. Regelmäßig bringt ihn die Arbeit, fernab jeglicher Zivilisation, in das australische Outback. Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rau, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend weit sind. Manchmal verbringt er dort, zusammen mit seinem Team, mehrere Tage oder gar Wochen, um nach Rohstoffen wie Gold oder Kupfer zu explorieren. Untergebracht sind sie während dieser Zeit meist in Camps und der einzige Kontakt zur Außenwelt ist nur über ein Satelitentelefon möglich. Unser Zuhause ist Fremantle, Perths kleine entzückende Hafenstadt. Hier fühlen wir uns so wohl! Wir genießen das Flair, das gute Wetter, die unglaublich beeindruckende Natur, die Weite und den Luxus ein paar ausgesprochen schöne Strände in unmittelbarer Nähe zu haben. Perth ist allerdings eine der isoliertesten Städte der Welt. Im Westen der Indische Ozean und im Osten die Wüste. Schnell mal von A nach B zu kommen ist hier leider nicht möglich, da muss man sich schon in einen Flieger setzen. Am faszinierendsten finde ich Australiens Tierwelt. Obwohl ich gut und gern auf manches Insekt verzichten

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS PERTH / AUSTR ALIEN könnte, werde ich mich niemals sattsehen können an den knallbunten Papageien, die jeden Sommer die Sonnenblumen in unserem Garten belagern. Auf dem Weg in das Grafik-Büro, in dem ich seit ungefähr zwei Jahren arbeite, sehe ich vom Zug aus oft Delphine. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen als solch einen Arbeitsweg? Wie überall in der Welt, gibt es auch hier soziale Missstände. Besonders betroffen sind die australischen Ureinwohner, die Aborigines. Viele Verbrechen wurden an ihnen begangen, ein Großteil ihrer Kultur ging verloren und mit ihr die Identität und der Lebenswille der Ur-Australier. Ein großer Nachteil für Sebastian und mich ist die Entfernung zu Dir, alte Heimat. Kurz mal ins Flugzeug steigen, um dich zu besuchen - das geht leider nicht. Wärst Du uns näher, liebe Heimat - wir würden uns häufiger sehen. Doch eines sei gesagt: Du wirst immer unsere Heimat bleiben und wer weiß? Vielleicht kehren wir auch eines Tages wieder zu Dir zurück. Liebe Grüße, Deine Eva und dein Sebastian STECKBRIEF A l t e r : 33 Be r u f : Gra f i kd e s i g n e r i n H e r ku n f t : S o n t h e i m Wo h n o r t : Fre e m a n t l e / Per th I n Au s t ra l i e n s e i t : 8/2008

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RAFAELA CARRIJO D E R K E L L E R W I E E I N Ich komme aus einem tropischen Land, Brasilien, ein aufgehender Stern eines aufstrebenden Kontinents. In meiner grünen und gelben brasilianischen Welt, der Name »Keller« existierte nur in der Literatur. Ich gestehe, dass seit meiner Kindheit dieser unbekannte Ort hat mich angezogen und weckte meine Phantasie. Warum bei allen Märchen, die bösen Hexen verwenden den Keller als Bedrohung? Wie würde er sein, dieser verborgene Ort, wovor jeder Angst hat, dort eingesperrt zu werden? Schon früh habe ich entdeckt, dass der Keller eine deutsche »Sache« oder besser, ein deutscher »Platz« ist. Denn, haben die Brüder Grimm aus Deutschland immer wieder über einen solchen Ort in ihren verzauberten Geschichten gesprochen. Seit dem faszinieren mich Keller, obwohl es lange dauerte, bis ich das erste Mal einen Keller von innen gesehen habe. Das war im Jahr 2006 während der WM als ich entdeckte, dass es im Keller viel mehr als die Dunkelheit, Ratten und Hexen-Geschichten gab. Die Enthüllung eines echten deutschen Kellers wurde mir in einem schönen Dorf in der Nähe der Stadt Heilbronn gemacht. Ich war an diesen Ort gekommen, da ich war verliebt in einen Sohn dieses Dorfes, Sülzbach. Während einer Weltreise hatte dieser Unterländer Mann mein Herz gestohlen. Möglicherweise, um mir endlich auch die mystische Keller-Welt zu zeigen. Dann war ich dort, mit dem Kerl aus Sülzbach, genau an dem Platz, der mich immer faszinierte: Im Keller! Was für eine Überraschung! Ich war total beeindruckt. Der deutsche Keller war ein Lagerraum, der in erster Linie diente, um Lebensmittel zu speichern. In Brasilien wäre es undenkbar, einen Ort im Haus zu haben, der nur zum Sammeln, zum Speichern und zum Verstecken da ist. Die Brasilianer müssen frisches Essen zubereiten, wegen dem tropischen Klima und verstecken sich nie. Auch der Großteil der Bevölkerung hat kein Geld die Speisekammer so zu füllen und überhaupt keinen Platz im Haus für eine riesige Vorratskammer. Ich habe noch nie so viel Essen in einem Raum gesehen, egal wie reich Brasilianer sind: sie haben nicht so eine Speisekammer! Einige Zimmer im Keller sahen eher wie ein kleiner Kiosk aus, wie ich ihn aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Es gibt Regale mit schwäbischen Nudeln in allen Formaten. Dort traf ich zum ersten Mal auch auf die leckeren Spätzle. Kompotts und hausgemachte Süßigkeiten in allen Farben füllten die Regale ebenfalls. Es gab unzählbar viele Konserven, die scheinbar ein wichtiges Thema der deutschen Küche sind. Im ersten Raum des Untergeschosses traf ich weder auf Hexen noch auf Dunkelheit. Aber fragte ich mich: »Waren deutsche Keller in Wahrheit Lager von S U PE R M A R K T I M H AU S ? R afaela C a r r i j o stamm t a u s Brasili e n un d l eb t de r L ieb e we g e n i n Sülzbac h . A n di es er Stelle s c h re i b t si e a ls Ne i g ´sc h m e c k t e über Ei g e n h e i t en u nse re r Re g i on . Wi r korrigi e re n i h ren Satzba u dab e i nic h t .

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NEIG´SCHMECKT: DER KELLER Knorr und Erasco?« Die Tour durch den ersten Kellerraum machte mich total hungrig. Es war so viel Schokolade gelagert. Es gab auch einen riesigen Kühlschrank voll mit Würsten, Pizza, Fleisch und einem Lebensmittel genannt Maultaschen. Es war verdammt kalt und mir wurde klar, dass der Keller ein großer Kühlschrank zur Aufbewahrung von Lebensmitteln ist. Das war toll! Ein Lebensmittel-Paradies. Dachte ich sofort: Aschenputtel hatte Spaß gehabt in dem Keller von der Burg. Mindestens hat sie gut gegessen. Ich ging in den zweiten Raum des Kellers und alle Arten von Getränken waren in mehreren Flaschen. Neben Apfelsaft und Wein, in der Nähe produziert, sah ich auch echtes deutsches Bier in allen Geschmacksrichtungen. Dann gab es Schüsseln, Tassen und andere verrückte alte Küchenutensilien, die dort gelagert waren. Und in dem Kellergang waren alte Fotos von meinem Schwiegervater und meiner Schwiegermutter als sie noch wie James Dean und Marlene Dietrich ausgesehen haben. Oh, und sensationell, es gab Sammlungen von Kalendern, Zeitungen, Briefmarken und Postkarten aus der ganzen Welt. So kamen wir dann in den Waschraum, der nach Seifenpulver roch. Es gab eine private Waschküche mit Waschmaschine, Wäscheleinen und Heizung. Meine Großmutter würde sich in diesem Ort verlieben. Wenn ich daran denke, dass in den Dörfern Brasiliens viele Menschen immer noch ihre Kleider in Flüssen waschen. Der nächste Raum war ein Putz- und Stauraum. Dort gabt es Kannen um Wasser zu speichern und viele Besen, Mops, Reinigungstücher und andere Haushaltsgegenstände wie Werkzeuge. Der letzte Raum war ein wahres Lagerhaus. Alte Fahrräder, Matratzen, Koffer, antike Möbel und Boxen, die mich neugierig machten, zu spähen. Ich habe fünf Zimmer im Keller gezählt. Das, für einen bescheidenen Brasilianer, wäre eine echte Villa. Also fragte ich meinen Mann: »Warum machst du nicht eine neue Wohnung hier?« Er antwortete erstaunt: »Weil dies ein Keller ist, niemand will hier leben.« In diesem Moment erinnerte ich mich an die Favelas und wie viele Familien glücklich wären, in so einem Keller. Dies ist ein Paradigma der Deutschen, sie haben so viel und sind sich manchmal nicht bewusst darüber. Die Brasilianer, im Gegenteil, lachen viel öfter. Obwohl die meisten viel weniger haben. Ich denke, es sollten Bilder von lächelnden Brasilianer in allen deutschen Kellern sein. Während der vier Jahre, die ich hier schon lebe, besuche ich fast täglich den Keller. Aber der interessanteste Besuch war als ich meinem Bruder, einem jungen Journalisten, den Keller zeigte. Er war, genau wie ich beim ersten Mal, absolut erstaunt und hat mich gefragt: »Was ist es? Hat dein Mann einen Kiosk zuhause?« Mit dem Gefühl ein wenig Unterländerin zu sein, präsentiere ich ihm den Keller. Ich erklärte ihm, dass nicht nur Schwaben sondern viele europäische Völker konfrontiert sind mit harten Wintern und deswegen seit Jahrhunderten Nahrung für diese Jahreszeit speichern. Auch in der Neuzeit, sie fühlen sich nicht sehr angenehm im Schnee zum Supermarkt zu fahren. Ich erklärte meinem Bruder, dass die Menschen hier haben zwei verheerende Kriege erlebt und verbrachten lange Zeiten der Entbehrung. Deswegen die vielen Konserven, die so lange haltbar sind. So sind die Leute für Momente der absoluten Krise vorbereitet. Diese Mentalität ist hier noch ausgeprägter in der Region Heilbronn. Der Keller ist hier ein unverzichtbarer Lebensbereich in den Häusern. Für uns Brasilianer ist es allerdings wie ein Supermarkt im Haus. Hier gibt's Bier, Wurst, Gebäck und Brot. Aber ich versichere, hier gibt es nicht einmal eine Hexe oder ein Schreckgespenst. Schade!

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Name soll der Legende nach von Ne w Yo rk e r GIs, die in Heilbronn stationier t w a re n , g e p r ä g t worden sein. Mavinga Petrasch u n d L i s a He r n don schicken uns nun jeden Mon a t Vi d e o g r ü ße aus Ne w York. Diesmal waren u n s e re Mi t a r beiterinnen auf den Spuren des » C h a l k Ma n « . Er ist eine Ne w Yorker Legende, we i l e r Ma t h e aufgaben auf die Straße kritzelt.

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AUS DEM VIA ARCHIV PINNBOARD VIA GRAFIK Das Kollektiv Via Grafik gründete sich 1998 um freie künstlerische Projekte zu realisieren. Nach der Gründung des Via Grafik Gestaltungsbüros 2002 wodurch der Beschluss gefasst wurde, sich professionell zu organisieren, erlangte die Arbeit des Kollektivs in den darauffolgenden Jahren sowohl in der »Urban Art« als auch in der Designszene europaweit große Beachtung. 2005 erschien bei Pyramide Edition, Frankreich, eine erste Monografie über Via Grafik, die unterstreicht, dass die Arbeit des Kollektivs zum Beginn der 2000erJahre als Pionierleistung betrachtet wird. Galt das künstlerische Interesse von Via Grafik in den ersten Jahren vornehmlich der Zusammenführung von Gestaltungsgattungen und der Pflege des irritierenden chaotischen Moments, der dem Geist von Graffiti und Streetart innewohnt, so hat sich ihre Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen freier Kunst und kalkulierter Verwendung künstlerischer Mittel zu einem bestimmten Zweck generieren, stark vertieft und in den letzten Jahren dahingehend weiterentwickelt, Orts- und Kontextspezifische Konzepte zu entwickeln, deren Form sich aus der jeweiligen Idee ableitet. Als wichtige Arbeit in der jüngeren Entwicklung des Kollektivs kann die Umsetzung von Wandgrafiken im Neubau des UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel (2010) in Darmstadt betrachtet werden. LEO VOLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Hinterhof in Mainz, Winter 2005/2006

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J O H A N N E S D I E T E L EIN HAUSBESUCH VON JOHANNES LINDENLAUB STECKBRIEF A lter : 4 0 B eruf: Kommun ikat ions und Med ienwissens c haf t ler Beru fun g : A ngler Kind er : 0 Haustiere: 0 Mitb ewohn er : 1 In Berlin seit: 2 0 0 1 H e ilb ron nb esu ch e p. A. : 2 Verb lieb ene Fre unde in Heilb ronn : 5 bis 7 Berliner Lieblingsor t : D e c k d e r Hoppetosse mit Bli c k R i c h tu n g O b erb au mb rüc ke. Die Elsenstraße in Alt-Treptow entwickelt sich auf wundersame Weise innerhalb weniger Kilometer von einer Hauptverkehrsader zu einer ruhigen Wohnstraße. Gegenüber eines kleinen Herrensalons, der mit der schönen Aufschrift »Auch Damenfönfrisuren« wirbt, wohnt Johannes Dietel im Hinterhaus ganz oben. Schmaler Flur, hohe Regale voller geheimnisvoller Boxen, zur rechten Hand das Arbeitszimmer mit Balkon und einem Foto des Bewohners mit einem riesigen, selbstgefangenen Hecht. Davor lehnen ordentlich aufgereiht: Angeln, Angeln, Angeln. HANIX -- Was machst du in Berlin? JD -- Ich arbeite als freier Journalist für zwei Angelmagazine und bin Testangler und Repräsentant für einen großen Angelgerätehersteller. Außerdem betreibe ich die Homepage »barsch-alarm.de«, auf der es hauptsächlich um mein Kernthema geht, das Angeln nach Raubfischen mit Kunstködern. Mit einem kleinen Stück Blech so durchs Wasser zu zucken, dass ein Raubfisch das tatsächlich für Nahrung hält, ist für mich der Kick bei der ganzen Sache. Das ist ein ganz anderes Angeln: du wirfst ständig neu aus, kurbelst wieder ein, probierst den nächsten Köder und bist eigentlich ständig in Bewegung. H A N I X -- Warum benutzt du keine natürlichen Köder? JD --

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BERLIN CALLING: JOHANNES DIETEL H ANI X -- Warum bist du nach Berlin gekommen? Meine damalige Freundin wohnte in Berlin, wo ihr in der Nähe ihrer Wohnung ein Schild in einem Schaufenster aufgefallen ist: Hechtsprung TV - Angelfernsehen aus Berlin. Dort habe ich als »Praktikant für alles« angefangen: Berichte schreiben, als Vorangler auftreten, Schneiden und mich um den Onlineauftritt kümmern. Nebenbei habe ich den Sprung zu den Printmagazinen geschafft - und da offenbar so viele Berichte geschrieben, dass ich den Herstellern der Angelgeräte aufgefallen bin und Repräsentant wurde. Dieser Schritt, der mir als Jugendlicher so riesengroß erschien, entpuppte sich im Nachhinein als winzig. JD -- H ANI X -- Was könnte Berlin von Heilbronn lernen? (laaaaange Pause) Der Berliner Verkäufer könnte sich ein wenig von der schwäbischen Geschäftigkeit aneignen, mit der ja meist auch eine große Freundlichkeit einhergeht. JD -- H ANI X -- Was könnte der Heilbronner von Berlin lernen? (sofort) Das fällt mir jedes Mal auf, wenn ich von der Autobahn komme: Auto fahren. JD -- H ANI X -- Was ist das Tolle an Berlin? JD -- JD -- Natürlich, dass es hier so viel Wasser gibt. Stau. H ANI X -- Was nervt hier so richtig? H ANI X -- Der berühmte Berliner Schwabenhass... ist in den allermeisten Fällen nur gespielt. Der Schwabe ist für den Berliner das, was der Säckel für den Heilbronner ist. H ANI X -- Würdest du Berlin anderen Heilbronnern empfehlen? JD -- JD -- ... Auf jeden Fall für ein dreimonatiges Fahrtraining. H ANI X -- Kannst du dir vorstellen, wieder zurück zu gehen? Aus der jetzigen Perspektive: Nein. Ich bin zwar immer wieder gern in Heilbronn, aber mir würde letztlich doch zuviel fehlen. JD -- H ANI X -- Hat Berlin dich verändert? JD -- Berlin hat mir die Freiheit gegeben, die ich für meinen Weg gebraucht habe: Hier gibt's eine Menge kleiner Typen, die sich irgendwie durchschlagen müssen. Und Berlin lässt dich unbeschwert auf niedrigem Niveau herumköcheln, damit du dich ausprobieren und irgendwann auch mal Geld mit einem Job verdienen kannst, den du dir selbst gebastelt hast.

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LES ER BR IE F E GEWINNER DES LETZTEN QuIZ FLORIAN FIEBER Hallo HANIX-Team, vielen Dank für die Tickets für das Berlin Festival! Ich konnte zwar leider nicht die kompletten beiden Tage dort sein, hatte aber noch Gelegenheit hinzufahren - bin genau rechtzeitig zu den Beginnern gekommen, was mich besonders gefreut hat, da ich die schon immer mal live sehen wollte, es in den letzten 15 Jahren aber nie geschafft habe! Anbei ein unscharfes Bild von der Handy-Kamera, viele Grüße aus der Hauptstadt, FLORIAN FIEBER, BERLIN Liebe HANIXE, ich bin total begeistert. Euer Magazin rockt total! Auch die Interaktivität verblüfft. Komm mir ganz alt vor, bin ich doch aber noch gar nicht. K AT H I K N I E L I N G , B E R L I N großen, kreativen, unglaublich bereichernden Stadt! Ich hoffe ganz dolle, dass Euch nach der dritten Ausgabe nicht die Themen ausgehen. Das bleibt leider zu befürchten. Und vielleicht macht es auch Sinn über eine Flash Alternative nachzudenken. Aber das wisst ihr sicherlich. R A L F V O G T, H E I L B R O N N freu mich schon auf die nächste Ausgabe! SIGGI ORTWEIN, MAIL Hallo HANIX-Team! Achgott, wie toll ist das denn! Endlich passiert was. Ganz ganz großes Kino! Ich drück euch allen die Daumen, dass die Leute sehn was gut ist! M E L I D I K TA , H E I L B R O N N Hallo HANIX! Willkommen an Bord! Ein tolles, hoffentlich erfolgreiches Projekt. Und mal eine redaktionelle Geschichte ganz weit abseits des Üblichen! Sehr schön. Gefälltmirbutton. Man könnte mal wieder glatt meinen, wir leben in einer Hallo HANIX-Team, über eine Freundin erfuhr ich von eurem Magazin und freue mich, dass ich nun ausgewählte Infos aus meiner alten Heimat bekomme und das online und als app. Sehr schön. Gefällt mir. Gratulation. Ich bin in Heilbronn geboren, aber schon seit 1986 aus der Stadt gezogen, wobei ich nachwievor einen Draht ins Ländle hab und im »Alter« besinnt man sich ja scheinbar immer mehr seiner Wurzeln. Weiter so" Salut, ihr Hanixe, grad hab ich Eure erste Ausgabe durchgelesen. Schön, dass es Euch gibt und manches hat mir gefallen: etwa die Hälfte der Fotos oder das Pfeffer-Interview. Erlaubt mir, ein paar Sachen anzumerken: Zuviel Erlebnisaufsätze: Zu wenig Eures Magazins ist neu, zu viel langweilt mich beim Anschauen. Schön wären etwas experimentellere Ansätze, die auch mal unkonventionell erzählen wollen. Nur ein zwei wirklich interessante Fragen pro Interview beispielsweise sind zuwenig, wenn der Rest allerweltsblabla ist. Technische Einschränkungen: Was soll der alberne »Magazin-Zinnober«? Warum nicht ein gerades html? Und warum so ein exklusiv- Player, der sich abstellt, sobald ich umblättere? Übersichtlicher wird es so auch nicht. Die Kurzgeschichte hätte ich lieber gelesen. Geht schneller und ich hab keine Stimme im Ohr. Abschließend ein Programmhinweis: 20.10. Heilbronn, Red River, The Hangover Society (Folk, Blues & Country) u L R I C H B ü R G y, P E R M A I L Pfff, e,y danke man "HANIX" für das schnelle Schicken von dem Song, in den ich mich so verliebt hab. Er lief als Hintergrundmusik im Single-desMonats-Film von Sibel. Ich hör mir das jetzt so lange an, bis ich es nicht mehr hören kann. Chapeau! an den Produzenten Philipp Seitz! Finde ja die Version von den Zombies auch saugut aber in eurer könnte ich baden... Merci chérie. Und weiter so! Ihr seid garnichtmal soo beschissen. S A R A H H O R N S B y, H N

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I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74ELf Marcel kantimm & robert Mucha gbr salzstraße 27 74076 heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel kantimm robert Mucha Chefredakteur robert Mucha (V.i.s.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter rafaela carrijo, wolfgang fischer, Johannes Lindenlaub (berlin), harald riegg, Maria sanders, Eva Eisenlohr, sabine kühnle, oliver Maria schmitt,Anette gast-Prior, Astrid becker, Astrid barnowsy, frauke wagnerArnold, sascha wartha, dominik riedle E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp kionka (Leitung), robert beutelsbacher, rafaela carrijo, sarah fischer, steven zuleger, Mavinga Petrasch (New York) Bildredaktion Mehmet filiz, ulla kühnle Artdirektion raimar schurmann Grafik & Illustration sevtap celik, florian geiger, kathrin Leisterer, Via grafik Audio Philipp seitz (ANt studio) IT-Support Martin riemer (Easy Networx / www.easy-networx.de) PR & Netzwerk Philipp kionka (kk Media / www.kk-media.de) Technischer Ansprechpartner: info@kk-media.de Marketing & Sales robert Mucha E-Mail: anzeigen@hanix-magazin.de Verlagskoordination & Administration Marcel kantimm E-Mail: anzeigen@hanix-magazin.de Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/Juli. 2011 Namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des herausgebers bzw. der redaktion wieder. für die richtigkeit von Angaben, daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber bzw. die redaktion keine Verantwortung übernehmen. haftung für Links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten seiten auf unserer homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. diese Erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten Links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen Informationen. 74ELF GbR UST.-ID: DE271248199 Geschäftsführende Gesellschafter: Marcel Kantimm, Robert Mucha FüR uNTERWEGS HANIX gibts auch für iPhone oder iPad über die kostenlose »keosk«-App im Appstore.

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DER HISTORISCHE SCHUSS Text von Wolfgang Fischer/ Wikipedia Foto: Privat Der Hauptbahnhof Der erste Heilbronner Bahnhof von 1848 lag etwas weiter östlich am Neckarufer, direkt am Hafen. Priorität hatte damals für die aufstrebende Industriestadt der Güterverkehr mit Hafenanschluss. Die Gleise für die Personenzüge führten südlich des Hauptgebäudes vorbei, lagen also in der heutigen Bahnhofstraße. Wegen des zunehmenden Verkehrs wurde auf dem Platz des »Alten Bahnhofs« bereits 25 Jahre später ein neues Gebäude, als »Heilbronner Hauptbahnhof« bezeichnet, errichtet. Und die Gleise führten nördlich des Gebäudes vorbei. Der Bau bestand bis zur schrecklichen Bombennacht des 4. Dezember 1944. Das Hauptgebäude wurde erst 1958 wieder errichtet. Dabei gab es auch eine neue Überdachung für den Busbahnhof. Sie wurde 1980 umgebaut und die heutige Glaskonstruktion entstand 2001 mit der Stadtbahnführung von Westen in das Stadtzentrum, Beziehungsweise nach Öhringen.

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V E R A N S TA LT U N G E N IM OKTOBER Oktober MOBILAT - ROTKÄPPCHEN AUF ELEKTRONISCHER... Herr Wolf, Jäger, Omi, Freunde der Nacht & Rotkäppchen hatten eine lange Reise. Fünf Jahre waren Sie unermüdlich, glücklich, tanzend dabei um Rotkäppchen zu zelebrieren. Nach fünf Jahren elektronischer Reise, läuten wir die letzten drei Rotkäppchen ein. Der Countdown läuft, kommt mit und feiert mit uns noch ganze legendäre dreimal. »Rotkäppchen auf elektronischer Reise«-Trilogie, wir warten auf Euch! Einlass 21.30 Uhr - Eintritt 6 EUR Oktober 7.Oktober MOBILAT - TURBOJUGEND HEILBRONN WIRD ZEHN BUKOWSKI - »KRIEG & FRIEDEN« RELEASE Die Turbojugend Heilbronn, ein Förderverein junger Kultur, schließt die erste Dekade ihres Bestehens. Mit dem »Heilbronn Showdown« im mobilat club machen sie ein Schleifchen dran. Einlass 19.30 - 12,- / VVK Tourist-Info 10,138 »Krieg und Frieden« war bislang bekannt als ein von Leo Tolstoi verfasstes Stück Weltliteratur, doch heute ändert sich die Bedeutung: Die Autisten releasen ihre gleichnamige EP und feiern das natürlich nirgends lieber als in der friedlich-freudvollen Atmosphäre des Bukowski!

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VER ANSTALTUNGEN: OKTOBER 2011 Oktober THEATER HEILBRONN: MARIA STUART SCHAUSPIEL VON FRIEDRICH SCHILLER 19 Jahre lang war die schottische Königin Maria Stuart eine Gefangene der englischen Königin Elisabeth. Maria ist wegen angeblicher Beteiligung an einem Mordkomplott gegen Elisabeth zum Tode verurteilt. Noch zögert die englische Königin, das Urteil zu unterzeichnen. Die Hinrichtung einer Königin wäre ein internationaler Skandal. Maria fühlt sich zu Unrecht verurteilt und kämpft um ihr Leben. 21.Oktober NECKARLUST - TTT PRESENTS: DASO LIVE, DISCO & GEIL! 12.Oktober JAZZCLUB CAVE 61 - JOHN LEE HOOKER JR.+ BAND Dem Heilbronner Jazzclub Cave 61 ist eine kleine Sensation gelungen. Er holt den amerikanischen Bluesmusiker John Lee Hooker Jr. & Band aus den USA zu einem exklusiven Clubkonzert zu sich. John Lee Hooker Jr. entstammt der musikalisch hochbegabten Sippe aus Detroit, die vom legendären Großvater Will Moore über den berühmten Vater John Lee Hooker bis hin zu den erfolgreichen Geschwistern Zakiya und Robert sowie Cousin Archie reicht. Zwei mal schon war das Freudenkind DASO bei uns zu Gast, nun darf man auch auf den dritten Streich mit ihm gespannt sein. Wer DASO noch nicht kennt und ihn etwa für einen neuen Energydrink oder einen indischen Ausdauersportler hält, liegt wohl nicht ganz daneben. Mit Produktionen auf "Stil vor Talent", "Flash Rec." oder "Connaisseur", sowie diversen Remixen von Oliver Koletzki oder David August, hat sich DASO im internationalen TechnoCircus zu einem echten Discokönig etabliert. Doch letztlich offenbart sich Dasos wahres Talent erst live im Club. Sein Set startet gefühlvoll housig, schlägt dann aber unerwartet in Ravehymnen und harten Techno um. Er beherrscht die Clubs, indem er durch gut abgestimmte Stilwechsel einen extatischen Moment nach dem anderen erzeugt. Und dann hat dieser junge Mann auch noch ein ganz seltenes Gut: Performerqualität auf Dandyniveau! Schwitzen mit Stil.

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KLEINANZEIGEN

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D I E Nä C H ST E AU SGA BE H A N I x E r SC H E I N T A M 2 8 . OkTO B E r

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EVA EISENLOHR L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS PERTH AUSTRALIEN / VON EVA UND SEBASTIAN GELESEN VON MARIA SANDERS drei Jahre ist es nun schon her, dass ich Dich verließ, um meinem Partner Sebastian nach Perth in Australien zu folgen. Er brauchte damals nur einen Tag, um Arbeit als Geologe zu finden, wovon er in Deutschland natürlich nur träumen konnte. Regelmäßig bringt ihn die Arbeit, fernab jeglicher Zivilisation, in das australische Outback. Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rau, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend weit sind. Manchmal verbringt er dort, zusammen mit seinem Team, mehrere Tage oder gar Wochen, um nach Rohstoffen wie Gold oder Kupfer zu explorieren. Untergebracht sind sie während dieser Zeit meist in Camps und der einzige Kontakt zur Außenwelt ist nur über ein Satelitentelefon möglich. Unser Zuhause ist Fremantle, Perths kleine entzückende Hafenstadt. Hier fühlen wir uns so wohl! Wir genießen das Flair, das gute Wetter, die unglaublich beeindruckende Natur, die Weite und den Luxus ein paar ausgesprochen schöne Strände in unmittelbarer Nähe zu haben. Perth ist allerdings eine der isoliertesten Städte der Welt. Im Westen der Indische Ozean und im Osten die Wüste. Schnell mal von A nach B zu kommen ist hier leider nicht möglich, da muss man sich schon in einen Flieger setzen. Am faszinierendsten finde ich Australiens Tierwelt. Obwohl ich gut und gern auf manches Insekt verzichten

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Name soll der Legende nach von Ne w Yo rk e r GIs, die in Heilbronn stationier t w a re n , g e p r ä g t worden sein. Mavinga Petrasch u n d L i s a He r n don schicken uns nun jeden Mon a t Vi d e o g r ü ße aus Ne w York. Diesmal waren u n s e re Mi t a r beiterinnen auf den Spuren des » C h a l k Ma n « . Er ist eine Ne w Yorker Legende, we i l e r Ma t h e aufgaben auf die Straße kritzelt.

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VOGELPERSPEKTIVE EIN FOTOSTRECKE MIT BILDERN VON WOLFGANG FISCHER Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Allee, Heilbronn

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EVA EISENLOHR L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS PERTH AUSTRALIEN / VON EVA UND SEBASTIAN GELESEN VON MARIA SANDERS drei Jahre ist es nun schon her, dass ich Dich verließ, um meinem Partner Sebastian nach Perth in Australien zu folgen. Er brauchte damals nur einen Tag, um Arbeit als Geologe zu finden, wovon er in Deutschland natürlich nur träumen konnte. Regelmäßig bringt ihn die Arbeit, fernab jeglicher Zivilisation, in das australische Outback. Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rau, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend weit sind. Manchmal verbringt er dort, zusammen mit seinem Team, mehrere Tage oder gar Wochen, um nach Rohstoffen wie Gold oder Kupfer zu explorieren. Untergebracht sind sie während dieser Zeit meist in Camps und der einzige Kontakt zur Außenwelt ist nur über ein Satelitentelefon möglich. Unser Zuhause ist Fremantle, Perths kleine entzückende Hafenstadt. Hier fühlen wir uns so wohl! Wir genießen das Flair, das gute Wetter, die unglaublich beeindruckende Natur, die Weite und den Luxus ein paar ausgesprochen schöne Strände in unmittelbarer Nähe zu haben. Perth ist allerdings eine der isoliertesten Städte der Welt. Im Westen der Indische Ozean und im Osten die Wüste. Schnell mal von A nach B zu kommen ist hier leider nicht möglich, da muss man sich schon in einen Flieger setzen. Am faszinierendsten finde ich Australiens Tierwelt. Obwohl ich gut und gern auf manches Insekt verzichten

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Name soll der Legende nach von Ne w Yo rk e r GIs, die in Heilbronn stationier t w a re n , g e p r ä g t worden sein. Mavinga Petrasch u n d L i s a He r n don schicken uns nun jeden Mon a t Vi d e o g r ü ße aus Ne w York. Diesmal waren u n s e re Mi t a r beiterinnen auf den Spuren des » C h a l k Ma n « . Er ist eine Ne w Yorker Legende, we i l e r Ma t h e aufgaben auf die Straße kritzelt.

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TITELTHEMA: BILDUNG INTERVIEW: PETER GUSDEK FOTOS: MEHMET FILIZ

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ICH BIN NÄHER AN DEN SCHÜLERN DRAN ! Ma rc u s Ta u t z u n t e r r i c h t e t a n der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn Sch ü l e r, d e re n Zu k u n f s t p e r s p e ktiven durchwachsen sind. In seinen BVJ- und BEJK l a s s e n n i m m t d a s Tr a i n i e re n des Sozialverhaltens ebensoviel Platz ein, wie die Sto f f ve r m i t t l u n g . A m En d e z a hlt sich das auch hin und wieder aus. Wir sprachen m i t d e m L e h re r ü b e r Ge walt unter Schülern, Freiräume, die Lehrpläne d e n Pä d a g o g e n ge währen und seinen Spitznamen. H A N I X -- Herr Tautz, Sie unterrichten an der Johann-JakobWidmann-Schule am Technischen Schulzentrum in Heilbronn BVJund BEJ-Klassen (d. Red.: Berufsvorbereitungsjahr & Berufseinstiegsjahr). Wie lange schon? Seit mittlerweile fünf Jahren arbeite ich hier an dieser Schule. MARC U S TAU T Z -- HAN I X -- E r k l ä r e n S i e u n s bitt e d e n U n t e r s c h i e d z w i sche n B V J - u n d B E J - K l a s s e n . TAUT Z -- Klassen. Ich unterrichte hier aber auch BAS-Klassen. Das heißt Hauptschülerinnen und Hauptschüler mit abgeschlossener Berufsausbildung oder damit vergleichbarer Berufserfahrung haben an der Berufsaufbauschule die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres die Fachschulreife zu erwerben.. H A N IX -- Sitzen viele Schüler i n ihren Klassen? BEJ-Klassen investiere ich die selbe Zeit in Stoffvermittlung wie in das Trainieren des Sozialverhaltens. Schüler aus den BVJ- und BEJ-Klassen brauchen auch mehr Zuspruch des Lehrers. Auf diese Schüler muss man als Pädagoge viel mehr eingehen, sich mehr Zeit für sie nehmen. HANIX -- Berücksichtigt der Lehrplan diese Spezifika? Gibt die Vorgabe aus dem Bildungsministerium ihnen als Lehrer im Vergleich zu anderen Klassenstufen für die Arbeit mit BVJ- und BEJ-Klassen mehr Spielraum abseits der reinen Stoffvermittlung? TAUTZ -- In meiner aktuellen BEJKlasse habe ich 14 Schülerinnen und Schüler. TAUTZ -- H A N IX -- Worin liegen die g r ö ßten Unterschiede zwis c h en einer BAS-Klasse und e i n er BVJ-Klasse. Sie haben j a den täglichen Vergleich. Jugendliche, die keinen Hauptschulabschluss vorweisen können, werden im Berufsvorbereitungsjahr auf den Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt vorbereitet. Für die Kids, die bereits einen Hauptschulabschluss aber keine Lehrstelle gefunden haben, gibt es die BEJ- Als Lehrer von Schülern, die die Mittlere Reife anstreben, lehrt man hauptsächlich. In den BVJ- und TAU TZ -- Der Lehrplan ist sehr weit gefächert und offener gehalten, so dass ich jederzeit projektbezogenen

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VOGELPERSPEKTIVE EIN FOTOSTRECKE MIT BILDERN VON WOLFGANG FISCHER Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim

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SPIEGELREFLEX: VOGELPERSPEKTIVE Allee, Heilbronn

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EVA EISENLOHR L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS PERTH AUSTRALIEN / VON EVA UND SEBASTIAN GELESEN VON MARIA SANDERS drei Jahre ist es nun schon her, dass ich Dich verließ, um meinem Partner Sebastian nach Perth in Australien zu folgen. Er brauchte damals nur einen Tag, um Arbeit als Geologe zu finden, wovon er in Deutschland natürlich nur träumen konnte. Regelmäßig bringt ihn die Arbeit, fernab jeglicher Zivilisation, in das australische Outback. Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rau, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend weit sind. Manchmal verbringt er dort, zusammen mit seinem Team, mehrere Tage oder gar Wochen, um nach Rohstoffen wie Gold oder Kupfer zu explorieren. Untergebracht sind sie während dieser Zeit meist in Camps und der einzige Kontakt zur Außenwelt ist nur über ein Satelitentelefon möglich. Unser Zuhause ist Fremantle, Perths kleine entzückende Hafenstadt. Hier fühlen wir uns so wohl! Wir genießen das Flair, das gute Wetter, die unglaublich beeindruckende Natur, die Weite und den Luxus ein paar ausgesprochen schöne Strände in unmittelbarer Nähe zu haben. Perth ist allerdings eine der isoliertesten Städte der Welt. Im Westen der Indische Ozean und im Osten die Wüste. Schnell mal von A nach B zu kommen ist hier leider nicht möglich, da muss man sich schon in einen Flieger setzen. Am faszinierendsten finde ich Australiens Tierwelt. Obwohl ich gut und gern auf manches Insekt verzichten

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Name soll der Legende nach von Ne w Yo rk e r GIs, die in Heilbronn stationier t w a re n , g e p r ä g t worden sein. Mavinga Petrasch u n d L i s a He r n don schicken uns nun jeden Mon a t Vi d e o g r ü ße aus Ne w York. Diesmal waren u n s e re Mi t a r beiterinnen auf den Spuren des » C h a l k Ma n « . Er ist eine Ne w Yorker Legende, we i l e r Ma t h e aufgaben auf die Straße kritzelt.