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teilt , NOV 20 1 1 e i l t , IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, heilt. Z E I T

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chic chic chic

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E D I TO R I A L herrschaftszeiten... Liebe Leserinnen, liebe Leser, schon wieder ist ein Monat rum. Man könnte auch sagen: »Kinder, wie die Zeit vergeht!« Wir spüren das immer aufs Neue, wenn das Monatsende näher rückt und somit der Erscheintermin von HANIX. Nicht nur deshalb beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mit dem Thema »Zeit«. Was ist Zeit überhaupt? Wieso haben wir so wenig davon? Oder: wie funktioniert eigentlich eine Uhr. Unsere Autorin Maria Sanders hat die »experimenta« besucht, die sich gerade in einer Sonderausstellung mit der vielschichtigen Thematik der Zeit beschäftigt. HANIX-Mitarbeiter Wolfgang Fischer hat Uhrenmacher Hans Luithle in dessen Werkstatt besucht, um sich die filigranen Uhrwerke erklären zu lassen. Mit Manon Zora-Li Schmidt (12) und Erna Fischer (85) haben wir uns ebenfalls im Generationengespräch über Zeit unterhalten. Und schließlich gibt Vanessa Kärcher praktische Tipps zur besseren Organisation des Berufs- und Alltagslebens. Stichwort: Zeitmanagement. Ende des Monats machen die Punkrocker von den Beatsteaks auf ihrer Winter-Tour auch Halt in der Heilbronner Harmonie. Unser Mann in Berlin, Johannes Lindenlaub, traf die Band in der Hauptstadt zum Interview. Dabei entlockte er der Band, dass die einprägsamste Kritik, die je über sie geschrieben wurde, der Band unterstellte »aufgemotzten Penisrock« zu spielen und auch, dass die Punkrocker den schwäbischen Menschenschlag sehr angenehm finden. In unserem Quiz verlosen wir übrigens zwei Eintrittskarten für das Konzert in der Harmonie am 22. November. Der von der Landesregierung eingebrachte Gesetzentwurf zur Kündigung der S21Finanzierungsverträge wurde am 28. September 2011 wie geplant mehrheitlich von Seiten der SPD, CDU und FDP abgelehnt. Nach der Abstimmung haben mehr als ein Drittel der Abgeordneten - wie von der Verfassung vorgesehen - das Referendum beantragt. Damit ist der Volksentscheid formell auf den Weg gebracht worden. Die erste landesweite Volksabstimmung in der Geschichte Baden-Württembergs wird am 27. November 2011 durchgeführt. Wir trafen Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall, um uns die wichtigsten Fragen zur Volksabstimmung beantworten zu lassen. Abschließend unsere Empfehlung für diese Ausgabe von HANIX: Man nehme sich ausgiebig Zeit für die Lektüre. Viel Spaß und eine gute Zeit wünschen: Eure HANIXE! P.s.: Die alten ausgabe sind unter »http://www.3d-zeitschrift.de/p/oLi3smG25fLme/haniX___Gesellschaftsmagazin_fuer_Leute_der_region_heilbronn.html« und »http://www.3dzeitschrift.de/p/iGyYfDQdaiKfW/haniX___Gesellschaftsmagazin_fuer_Leute_der_region_ heilbronn____2___Oktober_2011.html?k« zu finden. Gespräch der Generationen: erna fischer erzählt der zwöfjährigen Manon zora-Li von früher. Beatsteaks: Vor ihrem auftritt in der heilbronner harmonie trafen wir die Berliner Punkrocker. Dabei haben wir die frage, die den Beatsteaks noch nie gestellt wurde auch nicht gestellt. immerhin wissen wir jetzt, um welche frage es sich dabei handelt.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS t e i lt , NOV 2011 e i l t , IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, heilt. ZEIT

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Über dem Magazin befindet sich eine funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-feature. hinter diesem fotos-icon, das auf den entsprechenden seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere fotos. einfach draufklicken. Wenn dieses icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das film-icon der auf der seite hinterlegte film startet. ab und an werden vorgelesene texte oder O-töne aus interviews ins Magazin integriert. Das ton-icon steht hierfür. Wie immer startet die funktion bei einem Klick auf das icon. eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der schlagwortsuche lassen sich gesuchte artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses icon gelangt man direkt zum inhaltsverzeichnis.Dieses icon ist jeweils auf der ersten seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden seitenrändern sind die navigationspfeile. einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine seite wird ebenfalls umgeblätert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-app zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. hinterlegt ist haniX im Keosk hier: MaGazine -> UnterhaLtUnG -> MUsiK fragt nicht warum im MusikmagazinOrdner. Wir wissen es selbst nicht.

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I N H A LT haniX nº3 18 H ELMAR PAU LU S Meine PLattenKiste 50 FRANZ ERHARD WA LT H E R KULtUrBeUteL 62 C A S H FOR C LU N K E RS Der KÜhLschranK VOn... Der Untergruppenbacher sorgt mit seinen Musikanlagen auf zahlreichen Events in der Region für guten Ton. Ein Blick in seine Plattenkiste Franz Erhard Walther hat vom Heilbronner Kunstverein den »Ernst Vogelmann«-Preis für sein Lebenswerk erhalten. Wir sprachen den weltweit geachteten Künstler. Die Altrocker bewiesen, dass sie immer noch jung und frisch sind. Wie die Lebensmittel in ihrem Kühlschrank. 34 PIA & JON N Y sinGLes Des MOnats 44 H E I KO SC H W E I T ZE R MUsiKKOffer Wir haben uns mit Pia und Jonny über große Männer und Klavierspiel unterhalten. 64 2 . ART F LE IN KUnstreGiOn Heiko Schweitzer ist eine Heilbronner Musikinstitution. Wir trafen ihn in seinem Plattenladen um über Mucke zu plaudern. Hobby- und Berufskünstler organisieren gemeinsam eine Kunstausstellung im Fleiner Rathaus. 38 K U N S T R A DL E R sPOrttasche Ein Erlenbacher erobert die Kunstradwelt.

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68 VO L K S ABSTIMMUNG POLitiK erKLÄrt T H E AT E R PÄ D AG O G I K & W E I N P R E I S F Ü R R A D FA H R E R staDtLeBen / LanDLeBen 12 & 14 Innenminister Reinhold Gall beantwortet die wichtigsten Fragen zur Volksabstimmung zu Stuttgart21. MIN-MAX-PRINZIP sMs Mich MaL 72 I M GE SP R ÄC H: B E ATST EA KS interVieW Des MOnats SEKUNDE! Der »Dittrich, KLOtz & KÖni«-sKetch G U G G N AU S E N S L A N D heiMatLieBe Wir trafen die Beatsteaks vor ihrem Konzert Ende November in Heilbronn zum Interview. T H E AT E R H E I L B RO N N & D E R Z U C K E R B ÄC K E R aUsBiLDUnG & Macher iM UnterLanD 28 & 32 G A I A VO N G O L D J O S KULtUrBeUteL 2 F R E U N D L I C H E O S S I S & S TAU Briefe an Die heiMat: aUs MaGDeBUrG / nei`GschMecKt 120 & 122 84 ZEIT titeLtheMa O H N E F LU G Z E U G U M D I E W E LT arOUnD the WOrLD Kinder, wie die Zeit vergeht. Morgenstund hat Gold im Mund. Herrschaftszeiten: Wir beschäftigen uns in vier Beiträgen mit dem Thema Zeit. Ein unergründliches Feld. CO M E D I A N D A M O N RO Z I E R frOM neW YOrK citY tO heiLBrOnX H A M B U RG , 2 0 0 8 Via archiV VA N E S S A M ACCO BerLin caLLinG sPieGerefLeX (108), QUiz (118), Briefe/iMPr. (136), Der histOrische schUss (138), Daten (140)

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Das haniX teaM WER UND WI ES O ? eine VOrsteLLUnG Mit BeWeGGrÜnDen rOBert MUcha heraUsGeBer & reDaKtiOn 33 Jahre WA S I S T H A N I X ? Das mu l t i me di al e Ma g a z i n f ü r d i e Re g io n He ilb ro nn - fü r Le se r, d ie in t eres s i er t , k ulture ll aufg e s chlo sse n u n d n eu g i er ig a u f ein e n alte rnative n Blick a uf St adt -. L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. Heilbro n n e r Me d i e n - u n d Ku l t u r s chaffende, die i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t od e r Ham b u r g g es a m m el t ha b e n und nun e tw as in i h re r He i m a t b e weg en w o l l e n. MarceL KantiMM WA S W I L L H A N I X ? heraUsGeBer & KOOrDinatiOn 37 Jahre Das mu l t i me di al e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge s e llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s pann end e n , un te r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n di e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Bier zapfen alleine macht nicht glücklich. Außerdem erstelle ich für´s Leben gerne Terminpläne, die dann hoffentlich jeder einhält.

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seVtaP ceLiK GrafiK 25 Jahre Maria sanDers reDaKtiOn & MODeratiOn 27 Jahre fLOrian GeiGer GrafiK & reDaKtiOn 22 Jahre Heilbronn wird in den nächsten Jahren wachsen. Und dieses Magazin wird die Stadt dabei begleiten. Klar will ich dabei mitwirken! »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PhiLiPP KiOnKa Pr, netzWerK & fiLM 25 Jahre rafaeLa JecKLe reDaKtiOn & fiLM 34 Jahre MehMet fiLiz fOtO 23 Jahre So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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raiMar schUrMann art DireKtiOn 37 Jahre Kathrin Leisterer iLLUstratiOn 34 Jahre rOBert BeUteLsPacher fiLM & aniMatiOn 24 Jahre Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar - die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Mein Chef hat gesagt, wir machen jetzt ein Magazin. Jetzt mache ich das und habe auch noch Spaß dabei. Danke, Chef. sarah fischer fiLM & schnitt 20 Jahre WOLfGanG fischer reDaKtiOn 61 Jahre LeO VOLLanD iLLUstratiOn 37 Jahre Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit - und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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FR AGE DES MONATS: WARUM BIST DU DABEI? sascha Wartha reDaKtiOn 36 Jahre PhiLiPP seitz sOUnD 28 Jahre ULLa KÜhnLe fOtO 41 Jahre Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. steVen zULeGer ViDeO 28 Jahre MaVinGa Petrasch neW YOrK ViDeO 45 Jahre haraLD rieGG reDaKtiOn 55 Jahre Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTLEBEN: NOVEMBER 2011 NEUE MITBEWOHNER IM WOLLHAUS Mit Megaphonen, Trillerpfeifen und sämtlichen Umzugskisten zogen die Jugendclubs der Theaterpädagogik Ende Oktober vom Theater durch die gesamte Heilbronner City zu ihrem neuen Domizil ins Wollhaus, um dort schließlich die Einweihungsparty zu eröffnen. Die Mädels und Jungs der Clubszene erschlossen die neuen, rund 600 qm großen Räumlichkeiten mit Neugier und Freude, denn seit langem schon war dieser Umzug notwendig geworden. »Wir arbeiten mit 18 Kooperationsschulen zusammen und das Interesse wächst stetig weiter« , so die Verantwortlichen. In diesem Fall boten sich die Räume, die bereits im Sommer diesen Jahres für das Projekt »Wohnzeit« vom Theater genutzt wurden, optimal an. In Zukunft finden nun alle Theaterworkshops für Schulklassen, sowie Diskussionsveranstaltungen und Lehrerfortbildungen in den neuen Räumen der Theaterwerkstatt im Wollhaus statt. STATI STI K A M T Einwohnerentwicklung Im Stadtkreis Heibronn haben 1871 Menschen gelebt. 2010 zählt die Stadt insgesamt 122.879 Einwohner. 28.852 Es geht um die Bestellung im Asia Noi in der Oststraße. Da die Speisen meist asiatische Namen haben, ist ein Gast sich nicht sehr sicher in der Aussprache. Gast: »Bevor ich das falsch ausspreche, zeig ich lieber drauf.« (Gast zeigt auf sein Wunschgericht) Bedienung: »Ah ok, die 13.«

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Tapas & spanische Weine jeden Abend ab 18 Uhr leckere spanische Spezialitäten

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L ANDLEBEN: NOVEMBER 2011 G roSS E r WEINprEIS 2011 Der Traditionsverein »RSV Concordia Erlenbach 1 923 e .V.« ve rans talte t am 19. Nove m ber den Gro ße n We inpre is im Kuns trad fah re n. Viele nationale und internationale Meister im Kunstradfahren kommen aus Erlenbach. Deshalb lädt der Verein zum Großen Turnier und da lassen sich Radsportfreunde und Interessierte nicht lange bitten. Die, die den Sport kennen, lieben ihn und die, die ihn nicht kennen, wissen nicht was sie verpassen. »Kunstrad ist eine ästhetische Sportart, vergleichbar mit Eiskunstlauf oder Formationstanz, bei der es vor allem auf Geschicklichkeit, Gleichgewicht und Mut ankommt«, so Harald Weiß. In einer fünfminütigen Kür, egal ob solo unterwegs oder synchron in der Mannschaft, wird den Zuschauern und Kampfrichtern ein breites Spektrum an verschiedenen Übungen, wie Handstand oder Sattelstand, auf dem Rad geboten. Anschließend werden aus sechs Disziplinen die punktbesten Starter ermittelt und treten im Finale um den »Großen Weinpreis der Genossenschaftskellerei Heilbronn Erlenbach Weinsberg e.G.« gegeneinander an. Dem Sieger winkt übrigens ein Gewinn von 100 Flaschen Wein. Drei äl t e re Da m e n am J ag s t fe ld e r Bah n s teig vor dem Eins tei g en i n d e n Re g ion alzu g n ach Man n h eim: #1 »Wa n n f a h re n w ir denn zurück aus Mannheim?« #2: »Ich würd e s a g e n s o um h alb n e u n .« #3 : »N e in ! Da s ist zu spä t . Da s i n d s c h o n d i e ganzen Gangster am Bahnhof.« #1: »Was de nn für G a n g s t e r?« #3 : »Ach die s e L e u t e, die erst a bends mu nt er we rd e n . Ass is , Oss is u n d das gan ze a ndere Volk! « STATISTIK AMT Einwohnerentwicklung Im Landkreis Heibronn haben 1871 Menschen gelebt. 2010 zählt der Landkreis insgesamt 328.364 Einwohner. 117.035

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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SM S MI C H M A L ! UnGeWOLLt Literarisches in ca. 160 zeichen Mit UnterstÜtzUnG VOn WWW.sMsVOnGesternnacht.De Du d e , i c h h a b m a l wieder bewiesen, dass wir K i n d e r d e s Gl ü c k s s i n d ! ! ! Mi n- Ma x- Pr in zip ... Wow, w ie s o d a s? : D Der Vortragskünstler verschickte die sMs von einem htc Desire. ZEICHEN Ha b e b e n e i n e n z we i s t ü n d i g e n Vor tr a g g e h a lte n . Oh n e Powe r p oi n t u n d Ah n u n g vo n d e r Ma t e r i e ... Si e f a n d e n ´ s t o l l u n d ha b e n ´ s m ir a bg e ka u f t ; - ) Ge ile s Woch e n e n d e ü br ig e n s! facts 04.10.2011 DATUM 11:48 Was p flegte Mutti stets zu predigen? »Wa s du heute kan n st b e sein Kumpel antwortete erfreut von einem nokia n 97. UHRZEIT sorgen, dass verschiebe nicht auf morgen!« Schon re c h t , a b e r für solche Weisheiten blieb an diesem Wochenende, w i e e b e n auch fü r die Präsentationsvorbereitung, keine Zeit . E s s c h i e n s ch lie ß lic h die Sonne und Rotkä ppc hen feier te im Mo b i... ZEICHEN

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GESELLSCHAFTSMAGAZIN FÜR LEUTE DER REGION HEILBRONN

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teXt & fOtOs: WOLfGanG fischer E I N E G E P F L E G T E M U S I K - AU S WA H L I S T P F L I C H T Helmar Paulus ist zu einem, der Allgemeinheit entsprechendem, mehr oder weniger gutem Geschmack, noch viel mehr gutem Gehör, verpflichtet. Der 31-Jährige aus Untergruppenbach sorgt mit seinen Musik- und Lautsprecheranlagen für viele Bands und bei zahlreichen Events für den Ton. Dieser gute Geschmack spiegelt sich auch in der Auswahl seiner fünf Evergreens wieder.

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MEINE PL ATTENKISTE: HELMAR PAULUS DIE TOP 6 VON HELMAR PAULUS: 1 . B o n J o v i , »i t ` s m y L i f e (unplugged)« (helmar Paulus: »Dieser text trifft auf mich zu, berührt mich«) 2 . s o u n d t r a c k , »f l u c h d e r K a r i b i k « (»Diese Musik elektrisiert und zeigt, was man mit Orchester-Dynamik erreichen kann«) 3. eagles, »hotel california (unplugged)« (»Das ist ein evergreen für mich, ein einfach zeitlos schöner song«) 4 . Q u e e n , » B o h e m i a n rh a p s o d y « (»Den titel habe ich eigentlich wahllos herausgegriffen, denn für mich sind gut ein Dutzend anderer titel von Queen gleichwertig stark«) 5. Genesis, »i can´t dance« (»ich habe Genesis mit diesem song Live gesehen und da spielte Phil collins ein für mich unvergessliches schlagzeug-solo«) Vier edle, gepflegte Rock- und PopOldies, dazu ein modernes monströses Orchesterwerk hat Helmar Paulus als seine Lieblings-Musiktitel ausgesucht. Der 31-Jährige hat offensichtlich guten Geschmack und Stil dazu. Man sollte es auch erwarten können. Der Untergruppenbacher ist Geschäftsführer der P&P Veranstaltungstechnik, Heilbronn, sorgt für guten Sound und Licht bei Konzerten sowie den unterschiedlichsten Events. Hätte er nicht Ohren und Augen, die dem allgemeinen Geschmack gerecht werden, würde er nicht so viele Bands begleiten, so häufig im Unterland seine Steueranlagen, Lautsprecherboxen und Lichttürme installieren. Nach der Firmengründung im Jahr 2004 ist er mittlerweile auch bundesweit auf Achse. Er will dabei keine Highlights herausheben, »denn viel wichtiger ist mir, dass überall die Leute mit einem zufriedenem Lächeln heimgehen«. Paulus im Streß? Kann es nicht geben. Er scheint der Fleisch gewordene Satz, »Ordnung ist das halbe Leben« zu sein und entsprechend geht die Arbeit kontinuierlich, ohne Hektik voran. Und die andere Hälfte des Lebens? »Arbeit muss Spaß machen, dann fällt sie nicht schwer. Zum Glück konnte ich mein Hobby zum Beruf machen«, gesteht er noch. Paulus kann in sich ruhen, Wie schön. Es stimmt bei ihm auch, dass der Apfel nicht weit vom Baum fällt. Sein Vater Hans-Ullrich war im gleichen Metier tätig. Er berechnete statische Konzepte von Bühnen. So ist zu verstehen, dass Helmar zwar erst in den 90er Jahren hautnah mit Live-Pop- und Rock-Musik konfrontiert wurde, jedoch auf den Veranstaltungen durch die vielen Cover-Bands Nachhilfe über die verschiedenen Stilrichtungen erhielt - Von der Rock`n`Roll-Zeit, über die Beatles und Rolling Stones, Deep Purple und Pink Floyd, Neue Deutsche Welle, Genesie, Phil Collins, DJ Bobo und Michael Jackson, um nur wahllos Vertreter der letzten Jahrzehnte herauszugreifen. Interpreten und Bands der 50er, 60er und 70er schätzt er am meisten, »die haben noch ehrliche, handgemachte Musik gemacht. Die Musiker waren echte Handwerker, die ihr Fach verstanden«. Wenn er schon bei der Arbeit volle Musik über Kopfhörer auf den Ohren hat, dann freut er sich auf daheim. Hier wartet sein »ruhender Pol«, Freundin Carolin, und zur weiteren Entspannung ein gutes Buch. Als aktive Entspannung bezeichnet er Golf. Mit Handicap -6 schlägt er sogar eine ordentliche Kugel.

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D I T T R I C H , K L O T Z & K Ö N I ! Di t t r i c h , K l o tz & Köni drehen lustige Filme. Sk et c he z u m Be is pie l. So auch an d ie s e r Ste lle . Ei n l u s t iges Video über die Zeit im Pärch e nalltag. Dittrich, Klotz & Köni sinD buchbar! K on t a K t : 0 1 7 6 / 9 9 0 5 3 3 7 1 w w w . De r D r a n g z u m K l a n g @ w e b . D e www.lisamariaKlotz.De

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FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN robert MUcha

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Mundart in die Parkbank geritzt: auf dieser aussichtsbank in den Löwensteiner Bergen hat ein heimatverbundener schwabe einen Merkspruch zu unserer region eingeritzt. hier kann man eben alles, außer hochdeutsch.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Blues-Legende: im heilbronner Jazzclub »cave 61« machte es John Lee hooker Jr. seinem Vater, John Lee hooker, gleich. er trat mit viel enthusiasmus in der regionalen Jazzinstitution auf und begeisterte die Besucher. auf dem foto kommt der Künstler aus dem Backstage-Bereich um die geforderte zugabe zu intonieren.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Weibertreu: Wie ein stiller, steinerner Wächter, ragt die Weinsberger Weibertreu-runie über der region. in klaren nächten kann man das alte Gemäuer schon aus der ferne hell erleuchtet bewundern.

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a U s B i L D U n G U n t e r L a n D : T H E A T E R H E I L B R O N N Au c h i n d e n Heilbronner Kulturbetrieben wird a u s g e b i l d e t . A m Heilbronner Theater haben wir d en C h ef - Ma s k e nbild ne r Sas h a He id e r-Frie be l u n d s e i n e Au s z ubildende Simone Fleig besucht, u m d en Au s b i l dungs be r uf e ine r Mas k e nbild ne r i n a m Th e ate r k e nne nzule rne n.

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Full S Agentu ervice Web 2.0 Film Produkte rint & bventionierung P ündersu Gr Salzstr.27 74076 Heilbronn www.kk-media.de

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"Geredet wurde schon viel, jetzt was für die rechte Gehirnhälfte"

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M a c h e r U n t e r L a n D : D E R Z U C K E R B Ä C K E R De r Zu c k er b ä c k er is t n i c ht e infach irge nd e in Inte rne ts h o p für Süßes. De r Zu c k e r b ä c k e r ist vielmehr Tante-Emma-2.0! Hi e r kan n m a n d i e u n t er s c hie d lich s te n Süßig k e ite n o nline k aufe n oder Fre u n d e n o r i g i n e l l e Ge s c h e n k i deen zuschicken. Bei über 250 verschiedenen Sü ß i g k e i t e n ist für jeden etwas dabei.

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teXt: rafaeLa carriJO | fOtOs: MehMet fiLiz pIA GL Ä S E r Di e c ha r i s m a t is c he Pia is t wund e rs c h ö n ! Du rc h i hre ung laublich lang en Bein e u n d d ie gro ße n, s trah le nd en b r a u n en Au g en m it d e n lange n Wi m p e r n , e r i n n e r t sie an Bambi, das s c h ü c ht er n e Wa l t-Dis ne y-K itz. Do ch d a s s o l l d e r e i n z i ge Vergleich mit der Ti e r we l t s e i n . Optisch ist Pia einfach e i n e Wu c h t .

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SINGLE DES MONATS (W): PIA GLÄSER Die leidenschaftliche Handballerin ist groß, schlank und natürlich sportlich. Die 22-jährige spielt mindestens zweimal pro Woche in einer Mannschaft und der Papa ist ihr Trainer. Pia versprüht viel Elan und jugendliche Unbekümmertheit. Sie hat viele Träume, lacht gerne und viel, und ist immer auf der Suche nach Spaß. Pia lebt mit ihrer Mutter zusammen. Pias Zimmer ist ein Mädchenzimmer. Viel Pink begegnet einem in ihrem Reich, ein großer roter Kristall-Kronleuchter aus Plastik hängt von der Zimmerdecke, dazu dekorieren viele süße Accessoires ihr Zimmer. Sie ist ein richtiges Mädchen. Ein sehr süßes Mädchen. Stilvolle Kleidung ist ihr natürlich wichtig. Die trägt sie, wenn sie mit ihren Freunden zum Feiern unterwegs ist. Sie versteht sich gut mit ihren Freunden und ihrer Familie und wenn jemand Hilfe braucht, ist sie da. Im Moment ist sie nicht verzweifelt auf der Suche nach einem Partner. Sie genießt ihr Single-Dasein, aber sie ist doch offen dafür, ihren Single-Status zu verändern, wenn der richtige junge Mann kommt. Der Richtige soll aber bitteschön erst nach ihrer Prüfung kommen. Momentan ist Pia noch etwas im Lernstress, um ihre Ausbildung bei der Telekom abzuschließen. Ihr Traumpartner muss größer als sie sein (Pia ist über 1,80 Meter groß), gutaussehend, sportlich, lustig, nett und er muss wissen was er will. Sie erwartet auch das ihr Herzallerliebster ihr etwas bietet. Zumindest Höflichkeit, Zeit, Liebe und Freude. Sie findet, dass Heiraten eine tolle Sache ist. Wie viele Mädchen, möchte auch Pia einmal im Leben so ein richtig schönes Hochzeitskleid anziehen. Und wenn sie das Kleid dann schon einmal trägt, kann sie auch gleich noch heiraten. Pia ist schlau und kommunikativ, sie spricht gerne und hört auch gerne zu, deswegen passt ihre Arbeit in einem Call-Center gut zu ihr. Sie ist fleißig und will ihre Träume verwirklichen. Irgendwann in der Zukunft will sie ihr eigenes Geschäft haben. Etwas das sie auch noch unbedingt erleben will, ist einmal durch einen exotischen Regenwald zu wandern. Ihre Talente sind Flexibilität, Kreativität und kommunikativ zu sein und ihr Lebensmotto lautet: »Es kommt wie es kommt.« lust Pia Kennenzulernen? mail an: singlefrau@hanix-magazin.De STECKBRIEF Alt er : 2 2 Ber u f u n g : H a n d b a l l s p i e l e n Kinder : 0 Tiere: 0 Bester Trip: Sais onabs c hlußf ahr t

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teXt: rafaeLa carriJO | fOtOs: MehMet fiLiz JoNNY STo p p E r Jon n y we i ß , w i e m a n s i c h r i c h tig gut kleidet. Jonny macht schließlich eine Au sb i l dun g b ei E s p r i t ! Der d u n k e lh aarig e No rd h e im e r is t s üß, s e h r intelli g e n t , att r a k t i v, m u l t it a l en t ie r t, e r fo lgre ich und ung laublich ch arm a nt. Ab e r d i e i n t e re s s i e r t e n Fr a u e n haben leider keine Chancen: der hübsche Ke r l s t eht nur auf Männer.

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SINGLE DES MONATS (M): JOHANNES STOPPER Der 24-jährige Johannes benutzt ausschließlich seinen Spitznamen, Jonny. Obwohl Jonny Deutscher ist, sieht er aus wie ein Südländer, er versprüht den Charme eines spanischen Don Juans. Seine markanten dunklen Augen, seine gestylten Haare und die gebräunte Haut bilden ein charmantes und beeindruckendes Bild. Jonny ist multitalentiert, hat Biologie studiert, arbeitet gerne im Team bei Esprit, er kocht gut und er könnte sogar professioneller Musiker sein, wenn er es denn nur wollte. Er liebt Musik und sein Hobby ist Klavier und Geige zu spielen. Wenn man seiner Musik lauscht, versinkt man sofort in schönen Gedanken. Er treibt gerne Sport im Fitnessstudio aber auch unter freiem Himmel. Jonny joggt gerne nachts, wenn sonst niemand unterwegs ist. Auch einen Bungee- und Fallschirmsprung hat er noch auf seiner To-do-Liste stehen. Jonny ist nicht arrogant aber er ist selbstbewusst und kennt genau seine Vorzüge. Er sagt selbst über sich, dass man nur schwer von ihm loskomme, wenn man ihn erst richtig kennengelernt hat. Und es ist so: Jonny hat eine besondere Anziehungskraft und ist sehr charmant. Jonny ist nur Single, weil er eine Weile allein sein wollte. Aber jetzt will er wieder Zweisamkeit genießen. Single zu sein ist für Ihn ziemlich »unkuschelig«, wie er selbst sagt. Für ihn ist Liebe das schönste komische Gefühl der Welt, und er will das unbedingt wieder erleben. Er sagt dass im Krieg und in der Liebe alles erlaubt ist um ans Ziel zu kommen. Aber Fremdgehen ist ein absolutes Tabu. Von einem Partner erwartet Jonny, dass er ihm vertrauen kann um mit ihm ein gemeinsames Leben aufzubauen. Er will einen Freund haben, Ehe muss nicht sein. Jonny sagt, dass die Ehe eine gute Institution ist um Steuern zu sparen und als symbolischer Liebesbeweis dient. Aber er braucht das nicht unbedingt. Sein Traummann, wenn er sich einen backen dürfte, wäre groß, schlank, hätte blaue STECKBRIEF A l t e r : 24 Be r u f u n g : Mo d e Kinder: 0 Ti e re : 0 Mo t t o : » Da s L e b e n i s t ke i n Po n yh o f. « Augen und dunkelblonde Haare. Wichtig ist Jonny in einer Beziehung auch, dass der Partner zu seiner Sexualität steht und sich nicht versteckt. Jonnys Familie weiß, dass er schwul ist und respektiert sein Leben. Jonny hat einen großartige Beziehung zu seiner Familie und seine Freunde bedeuten ihm alles. Er hat einen großen Freundeskreis. Er liebt das Leben und findet es schade das er irgendwann zwangsweise einmal sterben muss. Sein Lebens-Motto haben wir an dieser Stelle schon einmal gelesen:» Das Leben ist kein Ponyhof!« lust JonnY Kennenzulernen? mail an: singlemann@hanix-magazin.De

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KunSTRadSpoRTlER phIlIpp KRänzlE philipp Kränzle vom RSV Erlenbach Turner auf dem kargen zweirad Text WolFGanG FISChER Fotos pRIVaT

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SP ORTTASCHE: KUNSTR ADSP ORTLER PHILIPP KRÄNZLE A m A n f a n g s e i ner Karriere war Philipp Kränzle fast zu klein für das Kunstrad, elf Ja h re s p ä t e r ü b erra g t d e r 1 7-J äh r ige vom R SV E r lenba c h seine Konkurrenz in zweifa c her H insicht . Mit 1 ,85 m si nd n un d i e R ä de r fas t z u kle in fü r ih n und a ndererseits da r f er sic h a ls die Nummer e in s in E uro p a se h e n . E r u nd seine Mutter Sabine, gleichzeitig seine Trainerin, bleiben sehr zur ü c k h a l t e n d , was s e i n e Am b it ion e n in de r Zu ku n ft sind - Weltmeister? Ma n weiß nie, wa s die Zukun f t b rin g t, was d a s S c h i c k s al vors ie h t . »Oh, Junge, was bist Du doch gewachsen« - wie Großmutter Katharina, die nach langer Zeit wieder ihren Enkel sieht, kam ich mir vor, als mir ein großer, junger Mann die Seitentüre zur Sulmtalhalle in Erlenbach öffnete. Etwa zwei Jahre ist es her, dass mir der heute 17-Jährige Kunstradfahrer Philipp Kränzle zum letzten Mal gegenüber stand. Ich meine, da war er noch ein paar Zentimeter unter meinem Maß. Jetzt blickte er aus 1,85 m Höhe auf mich herunter. Seit 2003 verfolge ich aufmerksam seinen Weg. Damals startete er - so meine ich mich erinnern zu können - bei den Bezirksmeisterschaften der Schüler. Ein Jahr darauf und das ist auf einem Foto festgehalten, schaffte er bei den Württembergischen Schüler-Meisterschaften in Pfedelbach schon den Sprung aufs Treppchen. Nach der Siegerehrung hielt er einen kleinen Pokal und eine Urkunde in der Hand. Er lächelte etwas schüchtern, fast gequält »nur Zweiter oder Dritter?« War das zu wenig für seinen Ehrgeiz? Weder seine nahen Verwandten mit »Mama-Trainerin« Sabine Kränzle an der Spitze, noch die Funktionäre des RV Öhringen konnten ahnen, dass er ein Jahr darauf erstmals Landesmeister werden sollte, von 2007 bis 2010 den Deutschen Meistertiel bei den Schülern und Junioren »pachtet« und sich schließlich zweimal als Europas Bester feiern lassen kann. Dazu knackte er mehrfach Weltbestleistungen für den Nachwuchsbereich. So kann man sich eben irren: Als er mit sechs Jahren zum ersten Mal so ein kärglich ausgestattetes Kunstrad bestieg, waren seine Beinchen fast zu kurz. Heute sind seine 1,85 m schon Nahe an der oberen Grenze für eine ideale Ergonomie. Das Wort »Talent« war nach dem ersten wichtigen Erfolg in seinem Umfeld gerade noch zugelassen, jedoch wurden höhere Vorschusslorbeeren kategorisch zurückgewiesen. Goldene Träume sind nicht erlaubt. Die Zwischenbilanz 2011 und weitere Aussichten? Mit seiner momentanen Leistung als Junior könnte er bereits am Tor zur Eliteklasse anklopfen. Aber erst ab 2013 darf er sich bei den Erwachsenen einreihen und um die DM fahren, sowie um die beiden WM-Startplätze kämpfen. Momentan wäre er mit seiner

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SP ORTTASCHE : KUNSTR ADSP ORTLER PHILIPP KRÄNZLE N u r bei der WM ka nn a uf e in ige TV-Bilder in den dritten Programmen gehofft werden. Punktzahl in der Eliteklasse zwischen Rang vier bis sechs einzureihen. Circa 20 bis 30 Punkte liegen die besten Elitefahrer noch vor ihm. An dieser Stelle gilt es, ein paar Informationen zum Hallen- und Kunstradsport anzumerken. In der Kategorie der Solisten (»Herren-Einer«) ist es schwerer Deutscher-, als Weltmeister zu werden. Die ersten vier, fünf vielleicht sogar sechs der DM bei den Herren würden bei der WM vor dem Rest platziert sein. Nur ein paar wenige Male in den vergangenen 25 Jahren gelang es Startern aus anderen Ländern sich zwischen die beiden deutschen Teilnehmer zu schieben. Zum Interview sitzen wir im Vereinszimmer des RSV Erlenbach. Eine gut aufgeräumte Abstellkammer. An einem Tisch sind ein paar Stühle gereiht. Von der Decke »funselt« eine Neonlampe. Kränzle ist im tiefsten Amateursport daheim. Mit seinen Erfolgen als Straßenoder Bahnradsportler, hätte ein Sponsor wohl in ein Hotel geladen - Interview bei Kaffee und Kuchen, Sprudel oder einem Glas Wein. Aber im Hallenradsport geht es nur um Taschengeld. Im Bund deutscher Radfahrer (BdR) haben »die Turner auf dem Rad« oder noch abwertender die als »Zirkuskinder« bezeichneten Sportler zwar die meisten aktiven Mitglieder, und dazu sind sie mit Abstand die fleißigsten Medaillensammler bei Welt- und Europameisterschaften, dennoch bleiben sie eine nichtolympische Randsportart. Nur bei der WM kann auf einige TV-Bilder in den dritten Programmen gehofft werden. Dem Sport ein anderes, moderneres Image zu geben, das ist eines seiner Anliegen für die Zukunft. »Unsere Generation will das verstaubte Bild, Kunstradfahren werde in düsteren Hallen gefahren, auflösen«, sagt er. Gute Ansätze seien da, wie ein großer »Trickcycling-Event« im Sommer diesen Jahres in Luzern gezeigt habe. Initiiert wurde er im Übrigen vom ehemaligen erfolgreichen Erlenbacher Vierer-Mannschaftsfahrer Matthias Berg. Bis sich der Sport jedoch ein neues Image schaffen kann - wenn es überhaupt gelingt - bleibt die Familienkasse Hauptsponsor. Man erfreut sich an jährlichen, überschaubaren Förderungen durch die Unterländer Sporthilfe sowie Zuschüsse der Deutschen Sporthilfe sowie vom deutschen und württem-

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SP ORTTASCHE : KUNSTR ADSP ORTLER PHILIPP KRÄNZLE bergischen Verband. Gegen all diese Nachteile will er ankämpfen und so widmet er seine Erfolge dem Kunstradsport, damit die Anerkennung steigen möge. Trotz Verletzungs-Handicap Europameister Wie sein Umfeld damals vor sieben, acht Jahren, verliert Kränzle jetzt genauso kein Wort über goldene WM-Träume. 2012 will er die Handstände trainieren, nach und nach im Programm integrieren, wenn möglich noch einmal Deutscher- und Europameister werden und sich auf einen guten Einstieg in der Eliteklasse vorbereiten. Über allem stünden ein erfolgreiches Abitur und seine Berufspläne (im IT-Bereich). Hochtrabende Spekulationen sind allgemein im Sport vermessen. In Bruchteilen von Sekunden können Medaillenträume platzen. Fehlende Punkte wegen einer schlecht ausgeführten Übung oder gar einem Absturz vom Rad können in der fünfminütigen Kür unaufholbar zurückwerfen. Ganz tragisch ist, wenn eine Verletzung alle Planungen über den Haufen wirft. Kränzle erlebte es selbst im Frühjahr. Nach den langjährigen, starken Belastungen bekam er große Probleme mit dem Hand41 gelenk. Unter Schmerzen trainierte er und absolvierte Wettbewerbe. Er konnte keine Handstände erlernen und musste bei den Saisonhöhepunkten (DM und EM) auf die hohe Punkte bringenden Handstände verzichten. Dennoch wurde er mit knappem Vorsprung zum zweiten Mal Junioren-Europameister vor seinem Dauerrivalen und Freund aus Wendlingen, Moritz Herbst. Kränzle zeigte das was er kann in Perfektion und glich so das Punktemanko der fehlenden Handstände aus. »Er ist nicht aus der Ruhe zu bringen«, kommentieren die Trainer, von Bundestrainer Dieter Maute abwärts bis zu seiner Mutter, diese Stärke, mit der er das Handicap überwindet. »Es fliegt Dir nichts zu« Unser Interview nähert sich dem Ende. Auf meinem Fragenkatalog sind nur noch die Themen Zeiteinsatz und Trainingsaufwand offen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an den damals für die Szene überraschenden Wechsel vom RV Öhringen zum RSV Erlenbach. Obwohl er in Öhringen und dem dortigen Radverein gute Bedingungen vorfand, eine ganze Halle für das Training zur Verfügung stand, wechselte

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SP ORTTASCHE : KUNSTR ADSP ORTLER PHILIPP KRÄNZLE er nach Erlenbach. Damals wie heute sprechen Sohn und Mutter kaum über das Thema. Logisch erscheint, dass Kränzle in Erlenbach mehrere andere WeltklasseKunstradfahrerinnen und -fahrer um sich hat. Von ihnen konnte er lernen, genauso wie von einer Reihe erfahrener Trainer, die internationalen Ruf genießen. Die Antworten zum Aufwand für seinen Sport eröffnet er mit einer Weisheit, die noch älter als Oma Katharina ist - »es fliegt Dir nichts zu«. Es würde fünf, sechs Jahre dauern bis die kunstturnerischen Elemente in den Übungs- und Programmteilen einer Kür auf dem Rad sitzen. Mindestens dreimal pro Woche verbringt er zwei, drei Stunden in der Trainingshalle. Dazu kommt Krafttraining in einem Fitnessstudio. An vielen Wochenenden fährt er entweder zu Meisterschaften oder Lehrgängen. Selten ist Zeit mit seinen Freunden in den Skatpark zu fahren oder in den Bergen das Snowboard unter die Füsse zu nehmen. »Es wundert mich, wenn Jugendliche nicht wissen mit ihrer Freitzeit etwas Vernünftiges anzufangen«, stellt er zwischendrin fest. Er kann sich sehr wohl diese Frage stellen, für seine Zeitgenossen ist so eine »Freizeit« gewiss zu stressig. Kränzle wird sie wohl kaum von einem hohen Spaßfaktor überzeugen können, von dem er für sich spricht. Es gab auch schon viele Fälle, da bot die Freundin dem Sporttalent einen noch höheren Spaßfaktor. Von heute auf Morgen landete das Rad in der letzten Ecke des Kellers. Genauso wenig Anreiz für seine müden Zeitgenossen scheint Kränzles Fast-Verzicht auf Sommerferien. Er trainierte weiter, quälte sich bei Handstandübungen, hielt sich in Form für den »Wormser Cup«, einem internationalen Vereins-Mannschafts-Wettbewerb. Es rentierte sich. Mit dem Herren-, sowie Juniorinnen-Vierer siegten er und der RSV Erlenbach bei diesem inoffiziellen Europacup. Nächster Auftritt, den er gerne einmal gewinnen würde, ist der »Große Weinpreis« seines Vereins (Samstag, 19. November, 19 Uhr, Sulmtalhalle) bei dem Welt-, Europa- und Deutsche Meister zum Kräftemessen eingeladen sind.

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interVieW: sascha Wartha | fOtOs: Ulla KUehnLe H E I KO S C H W E I T Z E R Heiko S c h we i t ze r i s t e i n e He i l b ro nner Musikinstitution. Ob als Musik-Allmanach, Platt e n l ade n b es i t zer o d er D J To l ls ch o ck . Wir trafe n ih n in s e ine m Viny lshop i n de r Hei l b ro n n er Fu ß g ä ng e r zo ne um übe r Muck e zu plaud e rn.

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MUSIKKOFFER: HEIKO SCHWEITZER HANIX - seit wann betreibst du den Plattenladen Dreamworld records und wie kam es dazu? eröffnete den Laden im Januar 1994. Ihn zu eröffnen war eigentlich die logische Konsequenz die sich aus meinem Suchtverhalten, sehr viel Geld für neue Platten auszugeben ergab. Grundsätzlich hatte ich zu dieser Zeit schon länger im Kopf etwas eigenes zu machen, da hat sich das dann für mich angeboten. HANIX - Leider wird es durch die fortschreitende Digitalisierung mancherorts bereits als exotisch angesehen Vinyl zu verkaufen. Was kannst du unseren Lesern zum thema Vinyl erzählen? HEIKO SCHWEITZER -- Ich Meinung nach entwickelt sich der Konsum von Musik innerhalb der mp3-Generation immer mehr zum Fastfood. Wer kann denn behaupten das er die meistens großen Datenmengen von Musik auf seiner Festplatte überhaupt anhört. Das Neue ist nur ein Mausklick entfernt und es passiert sehr schnell, das man das Alte vergisst. HANIX - Kannst du den Unterländer Vinyl-sammlern hoffnung machen, dass dieses Medium noch lange erhältlich sein wird? entwickeln würde, der Absatz brach etwas ein. Mittlerweile hat aber auch dieser Markt wieder etwas zugelegt. Dann schaut bei mir natürlich auch etwas reiferes Publikum vorbei. Menschen die mal einen Plattenspieler hatten und sich nun erinnern das ihnen irgendetwas fehlt. Diese bedienen sich dann eher der klassischen Genres. HANIX - Du bist ja schon sehr viele Jahre als DJ tätig, warst in der republik und auch im ausland unterwegs. Wie bist du damals zum auflegen gekommen? einen empfinde ich das Auflegen einer Schallplatte als Ritual und als gewissen Fetisch das mir beim Spielen von mp3-Dateien völlig abgeht. Ich habe etwas in der Hand, die Platte oder das Cover, dem ja auch unter Umständen ein kreativer Gestaltungsprozess vorausging. Zum anderen ist für mich eine Schallplatte, insofern man pfleglich damit umgeht, ein sicherer Datenträger. Da macht man heutzutage mit CDs oder mp3Dateien sicherlich auch negative Erfahrungen. Wenn man sich mit Menschen unterhält, die bereits eine gewisse Lebenserfahrung im Alter erlangt haben ist es doch erstaunlich wie viele davon liebgewonnene Erinnerungen mit Schallplatten in Verbindung bringen. Meiner HEIKO SCHWEITZER -- Zum glaube das Vinyl noch Ewigkeiten erhältlich sein wird. Besonders im Ausland stoße ich immer wieder auf Sammler, die dieses durch Ihre Leidenschaft am Leben erhalten. Vielleicht wird es sich durch die Digitalisierung im Musikkonsum noch etwas reduzieren, jedoch halte ich auch eine Renaissance in der Nutzung und Wahrnehmung des Vinyls in Zukunft für nicht ausgeschlossen. Wer Statistiken verfolgt sieht das der Absatz gerade im Rockbereich in den letzten Jahren wieder etwas anstieg. HANIX - erzähle uns etwas über deine Kundschaft. Was für Menschen kaufen bei dir ein? HEIKO SCHWEITZER -- Angefangen hat alles mit etwas jüngerem Publikum, das sich gerade im elektronischen Bereich bei mir mit Platten eindeckte. Im Zuge der Laptopeinbindung beim klassischen Auflegen hatte ich etwas bedenken wie es sich innerhalb des jungen DJ Publikums HEIKO SCHWEITZER -- Ich habe mit ca. sieben Jahren angefangen Platten zu sammeln. Irgendwann entdeckte ich dann eine Vorliebe für Soul und begann während meiner Roller-Zeit, ich war ein sogenannter Scooterboy und heftigst in der Modszene aktiv, in den 80ern auf eigenen Partys Soul aufzulegen. Dann fing ich an mich irgendwann vom Motown, Memphis Soul und Northern Soul Richtung Hip Hop, heutzutage Oldschool, zu entwickeln. Für mich eine sehr prägende und intensive Zeit. Innerhalb dieser tauchten auch immer mehr elektronische Klänge im Hip Hop auf, wie zum Beispiel bei Egyptian Lover oder Afrika Bambaataa, die maßgeblich inspiriert durch Bands wie Kraftwerk anfingen sich dem vom klassischen Soul beeinflussten Hip Hop in eine Richtung Elektro zu entwickeln. Anfang der Neunziger kam ich dann mit Techno in Berührung. Durch meinen Soul Back- HEIKO SCHWEITZER -- Ich

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ground schob es mich dann sofort in die Ecke der vornehmlich Schwarzen Produzenten. Techno aus Detroit klang einfach ganz anders als aus Deutschland oder England. Viel Soul und trotzdem Dark und Industriell. Das gefiel mir sehr gut. Ich fing an an meinen Dj Skills zu arbeiten und spielte im Gegensatz zu früher nicht mehr einfach Track um Track. Über die Jahre wurde ich so zu einem Teil der Technobewegung. HANIX - Wie hältst du es persönlich? Digital oder analog? ist genau die Frage die ich schon immer total bescheuert fand! Seit Mitte der Neunziger, als manche angefangen haben selbst Techno zu produzieren kommt immer wieder diese Frage auf. Digital oder Analog? Ich habe immer noch sehr viele alte analoge Geräte. Die haben für mich selbstverständlich ihre absolute Daseinsberechtigung. Eine 808 hat zum Beispiel ihren eigenen Sound, der sich auch nicht zu hundert Prozent durch Software-Lösungen imitieren lässt. Genauso klingen aber auch Digitale Geräte von verschiedenen Herstellern durch die Verwendung verschiedener Bauelemente alle etwas anders. Man kann einfach beides für sich nutzen. Da sollte es nicht um besser oder schlechter gehen. Beim Abspielmedium bevorzuge ich natürlich eine Schallplatte denn ich besitze fast keine CDs. Trotzdem verschließe ich mich nicht gegenüber neuen Techniken. HANIX - Man hat den eindruck das elektronische Musik und Popmusik immer mehr verschmelzen. Wie ist deine einschätzung zur entwicklung elektronischer Musik? HEIKO SCHWEITZER -- Eine HEIKO SCHWEITZER -- Das Entwicklung kann ich im Moment eigentlich gar nicht feststellen. Ich habe den Eindruck das es aktuell eher etwas stagniert. Natürlich kommen im Bereich der Musikproduktion immer neue Elemente dazu, wie beispielsweise die Einbindung von iPhones oder immer umfangreicherer neuer Software. Im Moment wird wie wild editiert. Es wird kleiner und auch handlicher. Manche FusionGeschichten, Projekte bei denen sich klassische Bands immer mehr den elektronischen Sounds bedienen finde ich recht spannend. Trotzdem leicht alles etwas kleiner und Spannender. Wenn ich da zum Beispiel an diese ganzen illegalen Veranstaltungen denke. Das war eine ganz andere Energie als heute. HANIX - Welches ist dein persönlicher Lieblingsclub und warum? Anfang der Neunziger waren die Leute einfa c h e t wa s euphorisc her. Der Sellout hat damals n och nic ht den Einfluss wie heute. klingen für mich manche Stücke aus den Neunzigern teilweise frischer und innovativer als diverse neue Produktionen. HANIX - im Unterland genießt du nach 20 Jahren hinter den Plattentellern bereits Kultstatus. Wie hältst du es mit der hiesigen clubszene? War früher wirklich alles besser? wirkliche gibt hier eine Clubszene? Das ist mir neu. Anfang der Neunziger waren die Leute einfach etwas euphorischer. Der Sellout hat damals noch nicht den Einfluss wie heute. Es war viel- HEIKO SCHWEITZER -- Es in Heilbronn gibt es für mich definitiv nur einen Club und das ist das Mobilat. Ich spiele eigentlich seit der Eröffnung in regelmäßigen Abständen dort und die Betreiber haben immer zu mir gestanden. Sie legten mir keine künstlerischen Fesseln an, sondern ließen mich, auch auf die Gefahr hin nicht verstanden zu werden, immer meine kreative Freiheit ausleben. Ich kann meine Abende frei gestalten und wurde in meiner künstlerischen Darbietung nie beschnitten. Dafür Respekt und ein ganz großes Dankeschön. Somit konnte ich mich frei entfalten. Ich habe dort einige Veranstaltungen gemacht, bei denen von vornherein klar war das diese finanziell nicht sehr interessant für den Club werden. Das war einfach einen Tick zu speziell. Ich lege großen Wert auf Kunst, machte zum Beispiel orientalische oder arabische Nächte bei denen uns die Leute nicht unbedingt den Laden stürmten. Das Mobilat ist der einzige alternative Laden in Heilbronn bei dem nicht nur der Profit sondern auch die Kunst im Vordergrund steht. Das kann mir doch keine andere Location hier bieten, oder? In diesem Zusammenhang möchte ich etwas loswerden. Verschiedene Aufgaben innerhalb eines Events erfordern diverse Spezialisten. Also, an alle Club- und Barbesitzer, an das Theken-Personal da draußen: Solltet Ihr nicht umfangreiches Fachwissen HEIKO SCHWEITZER -- Also

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Handschrift in der ich Verschiedenes miteinander verbinde. Ich editiere teilweise nur einzelne Fragmente eines Stückes und setze diese in einem völlig anderen Thema ein. HANIX - Deine Veranstaltung »Der stUrM« soll ja als Gegenbewegung des hiesigen feierstils verstanden werden. Um was geht es dir dabei? über das Thema Musik besitzen, haltet euch zurück und versucht eure Aufgabe bestmöglich zu lösen. Lasst die Leute die für das Thema Musik verantwortlich sind, die DJs, ihren Job erledigen. Keine Ratschläge bitte, denn das ist für mich ein in Heilbronn zu oft erlebtes No Go. Wie sagt man so schön: Schuster, bleib bei deinen Leisten. HANIX - ist techno im Unterland tot? formst du unter dem namen DJ tollschock. Welchen musikalischen inhalt will DJ tollschock transportieren? wie ich schon auf einem Flyer von »DER STURM« mahnte, ist eine volle Tanzfläche für mich kein Indikator für Qualität. Wir appellieren an den Verstand und fordern mehr Aufgeschlossenheit und Akzeptanz gegenüber der Kunst. Der Clubbesuch sollte wieder zum Erlebnis werden, Neues schaffen und als Nährboden für künstlerische Freiheit dienen. HANIX - Der beigefügte satz »schluss mit hirnlosem remmidemmi, jetzt kommt der sturm« hat manch einem sicherlich vor den Kopf gestoßen. HEIKO SCHWEITZER -- Nun, im Unterland? Ich glaube das viele Dinge bei Ihrer Entstehung am schönsten sind. Techno lebte ja vornehmlich im Untergrund und war für die allgemeine Wahrnehmung gar nicht so präsent und allgegenwärtig. Sobald dann ein kommerzielles Konstrukt daraus entsteht und sich die große Industrie einschaltet führt es doch immer wieder dazu, das irgendwie die Luft so lange entweicht bis sie schließlich komplett raus ist. Das ist unter anderem auch Techno passiert. Denn es war ja nicht nur die Musik. Es war eine Lebenseinstellung. HANIX - seit einigen Jahren per- HEIKO SCHWEITZER -- Nur Tollschock ist ein Experiment. Es gab natürlich diese Phase in der ich ausschließlich Techno spielte. Doch mittlerweile habe ich mich von dieser kreativen Monotonie vollkommen emanzipiert. Ich habe nach wie vor sehr engen Kontakt zur Hip Hop Szene und habe weiterhin sehr viel für Soul übrig. Mein musikalischer Horizont ist im Laufe der Jahre so vielschichtig geworden das ich möglichst viele Stile und Musikrichtungen präsentieren möchte. Gerade auch die Themen Psychedelic- und Krautrock faszinieren mich sehr. DJ Tollschock ist unberechenbar. Ich spiele über einen Abend verteilt die verschiedensten Genres, mische Musik aus den Siebzigern mit Krautrock, Hip Hop mit Techno, Elektro mit Soul. Es ist auf jeden Fall ein roter Faden ersichtlich, jedoch beschränke ich mich musikalisch nicht mehr auf ein Thema sondern habe meine eigene HEIKO SCHWEITZER -- DJ will dieses nicht als Kritik an einzelnen Personen verstanden wissen. Es geht dabei auch nicht um eine spezielle Veranstaltung. Es ist eine Kritik an der Art und Weise wie sich die Feierkultur der Jugend bis zum heutigen Tage gewandelt hat. Wie die Leute teilweise künstlich generierten Trends hinterherlaufen ist doch irgendwie hirnlos. »DER STURM« versteht sich als militante Untergrundbewegung die versucht sich gegen die Verdummung junger Menschen und deren Ziel sich willenlos abzuschießen zu wehren. Wir sind für die Erschaffung des eigenen Freiraums und unterstützen Künstler mit eigenen Visionen. Wir sind ein Extrem. Sinnbildlich die Gegenbewegung HEIKO SCHWEITZER -- Ich

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MUSIKKOFFER: HEIKO SCHWEITZER zur Entwicklung des gegenwärtigen Feiertrends. HANIX - Gab es für dich je die Option heilbronn den rücken zu kehren und für die Musik hier wegzuziehen? und mich verbindet ja eine regelrechte Hassliebe. Als ich 1994 mit meinem ersten Laden angefangen hatte war Heilbronn ja eigentlich der völlig falsche Standort. Plattenläden die zur gleichen Zeit wie ich angefangen haben, aber in größeren Städten verankert waren, sind regelrecht explodiert. Da wurde und wird teilweise bis zum heutigen Tag richtig Geld verdient. Heilbronn dagegen war und ist bekanntlich nicht das Mekka, um in diesem Bereich weiterzukommen. Mit der Geburt meines Sohnes erloschen die letzten Gedanken von hier wegzuziehen. Ich bin ein Mensch der sich ständig reflektiert, ich weiß gut einzuschätzen was ich kann und was ich nicht kann. Trotz häufig immens positiven Feedbacks bei meinen auswärtigen Gigs musste ich doch irgendwie feststellen das der König im eigenen Land nichts wert ist. Ich habe auch anfangs nicht verstanden wie Heilbronner lieber in andere Städte fahren um Platten zu kaufen, Leute aus anderen Städten hingegen sich total für meinen Laden begeistern konnten. Eines der schlagkräftigsten Argumente für einen Künstler ist doch ganz klar, dass du in einer Stadt wie Berlin nahezu täglich das Glück haben kannst einen anderen Künstler kennenzulernen und direkt am nächsten Tag mit diesem im Studio sitzen und loslegen kannst. Das ist hier nicht gegeben. Im Zeitalter der Globalisierung durch das HEIKO SCHWEITZER -- Heilbronn Internet verliert aber dieser Umstand immer mehr an Bedeutung. Schade finde ich die Masse an jungen Leuten die Heilbronn zum Studieren oder aus Gründen der Selbstverwirklichung verlassen. Uns fehlt es hier eben doch an einigen Dingen wie beispielsweise einer Kunstuniversität. Positiv wirkt dagegen unser Standort Heilbronn. Städte wie Mannheim oder Stuttgart, Heidelberg und auch Frankfurt oder München mit Ihren Flughäfen oder Konzerten sind problemlos und zeitnah erreichbar. Das Ausland liegt fast vor der Tür. Wir sind alles andere als von der Außenwelt abgeschnitten. Das gefühlte Zentrum Europas quasi. Was ich mittlerweile sehr zu schätzen weiß, ist das wir in Heilbronn eine kleine familiäre Untergrundszene haben auf die man stolz sein kann. Diese ist hauptverantwortlich für tolle Events, wie das Aleycat, kleine Skatecontests bei denen DJs oder Bands auftreten sowie Kunstausstellungen oder Lesungen. HANIX - Musik mal komplett ausgenommen. Wie verbringst du deine freizeit? Gibt es absolute hotspots in der region für dich? man mich immer mal wieder auf ein Bierchen im data 77112 und kürzlich besuchte ich zum zweiten mal das sonntägliche Bikepolo. Das hat mir viel Spaß gemacht. Könnte sein das man mich dort in Zukunft öfters sehen wird. Desweiteren gehe ich in meiner Freizeit auch sehr gerne auf Flohmärkte und fahre gelegentlich mit meinem Longboard durch die Pampa. Und auch für mich gilt: Es gibt nichts Besseres als gute Musik, gutes Essen und dazu ein guter Wein. HANIX - Das titelthema dieser haniX-ausgabe ist ja bekanntlich »zeit«. erzähl uns was dir bei diesem thema spontan durch den Kopf geht. wir alle einfach viel zu wenig davon haben. Mit zunehmendem Alter macht man sich ja ganz automatisch darüber Gedanken. Ich beschäftige mich mit vielen Dingen. Projekte die ich gerne angehen und umsetzen würde. Doch am Ende des Tages steht doch immer die Erkenntnis: Ich habe nicht genügend Zeit um alles umzusetzen. HANIX - abschließend deine Message an die hanix Leser! HEIKO SCHWEITZER -- Das wenn wir die Musik ausnehmen wird es doch etwas minimal, da ich schon sehr viel Zeit im Studio verbringe. Was ich an der Region sehr zu schätzen weiß ist die umliegende Landschaft. Sehr schön. Ein Hotspot ist da zum Beispiel der Wald am alten Friedhof nahe des Köpferbrunnens. Super zum spazieren gehen. Dann sieht HEIKO SCHWEITZER -- Also lass Hirn regnen«. Nein ernsthaft. Das Leben ist ein ständiges Übungsfeld und dieses wird nie verlassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass, wenn der Status der Weisheit tatsächlich erlangt ist, die Lebensaufgabe als beendet gilt und das Leben endet. Keep the faith. HEIKO SCHWEITZER -- »Herr, wer lust Darauf hat heiKo in seinem laDen zu besuchen, Kann Das an werKtagen täglich in einer nebenstrasse Der fussgängerzone tun.

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teXt: rita e. tÄUBer fOtO: ULLa KUehnLe F R A N Z E R H A R D WA LT H E R : DIE BILDER SIND IM KOPF KUnsthaLLe VOGeLMann 11.9.- 20.11.2011 Sa | 19.11. | 20.11. Finissage-Sonderprogramm mit den Spr ach- und Stim m k üns te n vo n E XVOCO. Be s pie lung II/ III vo n Lo th ar He inle und Exklusi vFüh r ung m it Franz Erh ard Walth e r

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Bis zum 20.11.2011 präsentiert die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn eine Werkschau des international renommierten Künstlers Franz Erhard Walter. Anlass der Ausstellung ist der »Ernst Franz Vogelmann«-Preis für Skulptur, den der Konzept-, Installations- und Prozesskünstler im vergangenen Jahr für sein künstlerisches Lebenswerk verliehen bekommen hatte. Wesentlich ist dabei, dass Walther den Kunst - und Skulpturenbegriff grundlegend und nachhaltig erweitert hat. Sein in den 1960er Jahren entstandener heute legendärer 1. Werksatz schrieb Kunstgeschichte und machte den Künstler bereits in jungen Jahren zu einem Vertreter der internationalen Avantgarde. Aktuell erfährt »sein vollkommen neuer Umgang mit Skulptur« [Urteil d. Jury], der den Betrachter nicht nur visuell, sondern physisch in seine Werke einbindet, neue und besondere Aufmerksamkeit. Namhafte Ausstellungshäuser wie u.a. das Museé National d´Art Moderne im Centre Pompidou in Paris [2011] oder das Kunstmuseum Luzern [2010] entdecken die Arbeiten des vierfachen documenta-Teilnehmers in ihren Magazinen wieder. Geradezu spektakulär zu nennen ist auch der jüngste Ankauf des kompletten 1. Werksatzes durch das Museum of Modern Art in New York, das Schlüsselwerk Walthers, das bereits 1969 durch eine Ausstellung internationale Anerkennung erfahren hatte. Seit den 1960er Jahren ist Walthers Werk-und Kunstbegriff in der Diskussion und lieferte nachfolgenden Künstlergenerationen mit der Idee eines »leibhaftig« in Aktion tretenden Betrachters wichtige Anregungen. Als Professor an der Kunstakademie Hamburg leitete er von 1971 bis 2005 die dortige Bildhauerklasse, aus der so unterschiedlich aktionistisch agierende Künstler wie Rebecca Horn, Santiago Sierra, Jonathan Meese, John Bock oder Christian Jankowski hervorgingen. Der Ernst Franz Vogelmann-Preis an Franz Erhard Walther und die damit verbundene und retrospektiv angelegte Ausstellung »Die Bilder sind im Kopf« reihen sich somit ein in die aktuelle Wiederentdeckung und Rezeption seiner künstlerischen Arbeit. Die Überblicksschau eröffnet dem Besucher aufschlussreiche und raumgreifende Einblicke in wesentliche zwischen 1957 und 2009 entstandene Werkkomplexe.

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interVieW: rOBert MUcha fOtOs: ULLa KUehnLe » I C H K A N N T E K E I N E Ä H N L I C H E U N T E R N E H M U N G « Im Apr i l 2 0 1 1 e r h i e l t Fr anz Erhard Walther für sein künstlerisches Le b en s werk d en » Er n s t Franz Vo g e lm ann Pre is « für Sk ulptur. De r v i e r f a c h e Do c u m enta-Teilnehmer zählt zu den Pionieren d e r i n t e r n a t i o n a l e n Na c h k riegsmoderne. Sein zwischen 1963 und 1969 re a l i s i e r t e r 5 8 t e i l i g e r 1 . Werksatz - textile Objekt-Formationen, die de n Bet r a c h t er er s t m a l s a ls ak tiv Hand e lnd e n in d e n We rk pro zess m i t e i n b e zo g e n - g i l t als ein Schlüsselwerk der deutschen Ko nze ptk uns t. Wi r s p r a c h e n m i t d e m Künstler in der Kunsthalle Vogelmann über Sku l p turen , d ie d i e Zeit ü be rs pring e n, Stre e t A r t und wie s o e r ni cht wei ß , wie ei n Mo bilte le fo n be d ie nt wird .

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KULTURBEUTEL: FR ANZ ERHARD WALTHER Katalog zur Ausstellung Bei einer Bestellung im zeichnung versehen. »Die Bilder sind im Kopf«, 128 Seiten, 44 Abbildungen, 15 Euro. Voraus erhält man den Katalog signiert und mit einer Original- Eine speziell zur Heilbronner Ausstellung entstandene Edition (Auflage 25), »Hand /Hände«, sign. und mit einem gezeichneten Zertifikat ausgestattet, ist während der Dauer der Ausstellung für 600 Euro erhältlich. HANIX -- franz erhard Walther, sie zählen zu den 1. Werksatz - textile Objekt-formationen - hat die Betrachter von skulpturen erstmals zum aktiven handeln in den Werkprozessen einbezogen. War das eine zeitlose revolution in der Kunstwelt? Pionieren der nachkriegsmoderne und haben den tradierten Begriff von skulptur aufgebrochen und diesen auch erweitert. Was war so anders an ihren skulpturen? F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Der entscheidende Unterschied, das Neue und Andersartige meiner Werke, ist darin gesehen worden, dass ich die Skulptur aus einer Handlung heraus gedacht habe oder eine Handlung mit Werkstücken verband. Die Handlung als Werk zu betrachten und bestimmte Situationen einer Handlung als Skulptur oder als Raumdefinition zu erkennen, verbunden mit dem Element Zeit - es muss schließlich in der Zeit und mit der Zeit agiert werden - war damals einzigartig. Ich kannte keine ähnliche Unternehmung. Die Kunstwelt hat das zu Beginn jedoch negativ gesehen. Man fragte sich in diesen Kreisen, ob die Arbeiten überhaupt künstlerischen Wert hätten. Das hat sich inzwischen schon lange erledigt. Bis heute ist der Gestus ein Werk mit einer Handlung zu verbinden oder Handlung als Werk zu definieren frisch geblieben. Auch weil nachfolgende Künstlergenerationen dieses Konzept aufgegriffen haben und es immer noch tun. H A N I X -- ihr zwischen 1963 und 1969 realisierter -- Offenbar. In New York gibt es aktuell eine große Ausstellung meines 1. Werksatzes bei Dia:Beacon, die über eineinhalb Jahre läuft. Meine Werkstücke sind, wie die der anderen Künstler, die dort ausgestellt werden, etwa zur selben Zeit entstanden. Die Besucher sagen mir immer wieder: »It jumps out of the time!« Diese Skulpturen werden also als gegenwärtig empfunden während die Werke anderer hervorragender Künstler als historisch betrachtet werden. Das ist auch etwas, dass ich wollte: dass meine Skulpturen die Zeit überspringen. Es scheint gelungen zu sein. H A N I X -- Mit welchem Kniff haben sie den BetrachF R A N Z E R H A R D WA LT H E R ter zum aktiven handeln gebracht? -- In dem ich Werkstücke entwickelt habe, die so formuliert sind, dass sie auch Handlung erfordern und nicht nur Betrachtung oder Rezeption, so haben die Leute mit und in meinen Werkstücken agiert. Diese Arbeitsweise war seltsamerweise von Anfang an gegeben, was mir zunächst gar nicht bewusst F R A N Z E R H A R D WA LT H E R

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KULTURBEUTEL: FR ANZ ERHARD WALTHER Wenn man als Künstler im MoMA au ss t e l l t , ka nn da s Publikum sc hlec ht sa gen, das se i e in Sc heiß, der da gezeigt werde. war. Zunächst waren es innere Handlungen, etwa mit den 1957 bis 1958 entstandenen Wortbildern. Ab 1962 hat es sich dann weiter zur physischen Handlungen der »Betrachter« entwickelt. H A N I X -- Wieso ist es ihnen wichtig, dass die Betrachter ihrer Werke das aktiv handelnd tun und nicht passiv konsumierend? HANIX -- aktuell kann man in der Kunsthalle Vo- gelmann ihre ausstellung »Die Bilder sind im Kopf« sehen. Was erwartet die Besucher? -- Gute Frage. Es war damals ein neuer Werkgestus, der wie gesagt, bis heute interessant geblieben ist. Die Frage: »Was ist ein Werk?« beziehe ich nicht nur auf meine eigene Arbeit sondern auch auf die Geschichte der Kunst. Da entsteht eine interessante Spannung. Ich setze meinen Werkentwurf in Beziehung zu Werkentwürfen der Geschichte. Das ist eine spannende Unternehmung, die mich auch persönlich betrifft. Ein Publikum dafür zu gewinnen ist eine andere Sache, dass kann nicht erzwungen werden. Es hat sehr lange gedauert, bis diese Werkkonzeption akzeptiert war und ich ein ernstzunehmendes Publikum hatte. Für diese Entwicklung haben auch Zufälle eine Rolle gespielt. Ab Ende 1969 hatte ich für einige Monate einen Raum im Museum of Modern Art (MoMA) in New York zur Verfügung, in dem ich jeden Tag meinen Werksatz vorgeführt habe. Wenn man als Künstler im MoMA ausstellt, kann das Publikum schlecht sagen, das sei ein Scheiß, der da gezeigt werde. Das war davor problemlos möglich. Das MoMA war und ist einfach eine Autorität in der Kunstwelt. Dass ich dort als völlig unbekannter Künstler diesen Raum hatte, hat dem Ansehen meiner Kunst und der Toleranz gegenüber meinen Werken enorm geholfen. F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Zum Einen können sie meine Werkentwicklung sehen. Also wie sich die Vorstellung der Werke im körperlichen und projektiven Bezug entwickelt hat. Zu sehen sind exemplarische Beispiele aus den Fünfzigern bis hin zu Werken aus der jüngsten Vergangenheit. Ich denke, dass viele Menschen hier erstmals eine Konfrontation mit solchen Originalen erfahren können. Aus meinen Gesprächen, die ich hier in Heilbronn geführt habe, konnte ich erfahren, dass viele Menschen die Werke in diversen Publikationen schon gesehen haben, es für sie aber eine völlig andere Erfahrung war, sich körperlich vor und in meinen Werken zu bewegen. Wenn man sich dafür interessiert, können Besucher hier in der Kunsthalle Vogelmann die Evolution meiner Konzeption sehr gut nachvollziehen. H A N I X -- Wieso lohnt es sich grundsätzlich KunstF R A N Z E R H A R D WA LT H E R ausstellungen zu besuchen. sie müssen wissen, dass die heilbronner noch nicht die großen Museumsbesucher sind. F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Auf diese Frage gibt es eine ganze Menge an Antworten. Was man allemal lernen kann ist, wie Kultur Kunst entwickelt hat. Wie sich Wirtschaft entwickelt hat, wie sich Geistesgeschichte entwickelt hat, wie sich der Mensch entwickelt hat. Es gibt kulturelle Phasen, in denen die Zeit still zu stehen scheint, in denen sich Dinge nur wiederholen. Und dann gibt es in kürzester Zeit rasante Entwicklungen. Die Frage, die sich

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KULTURBEUTEL: FR ANZ ERHARD WALTHER Macht ihnen lehren genau so viel spaß, wie das aktive künstlerische handeln? stellt, lautet »Warum?«. Warum setzt sich der eine Künstler durch und der andere nicht. Wieso wird eine Epoche prägend und die andere nicht. In Museen kann man etwas darüber lernen. Wobei die Kunst alleine diese Frage nicht beantworten kann. Darüber hinaus spielt die ästhetische Erfahrung, die in Museen erlebt werden kann, natürlich auch eine Rolle. H A N I X -- inzwischen ist skulpturenkunst auch in der street art angekommen. Was halten sie von dieser entwicklung? -- Den Gestus, temporäre Skulptursituationen im öffentlichen Raum zu schaffen, kenne ich aus den sechziger und siebziger Jahren. Das ist nicht neu. Aber das finde ich interessant, es gehört dazu und entwickelt letztendlich eine Tradition begründet von beispielsweise Duchamp und Kurt Schwitters. Ob StreetArt-Künstler allerdings langfristig Einfluss auf die Kunstentwicklung haben werden, weiß ich nicht. Das ist ein Problem dieser rein temporären Skulpturen, die ja allein in Publikationen aufbewahrt werden können. H A N I X -- Darf man Kunst ungefragt in den öffentF R A N Z E R H A R D WA LT H E R lichen raum stellen? F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Warum nicht? Also ich hätte nichts dagegen, denn heutzutage wird offiziell auch soviel künstlerische Scheiße in den öffentlichen Raum gestellt, dass vieles durchaus auch ungefragt und ohne Erlaubnis der Behörden seine Berechtigung im öffentlichen Raum hat. H A N I X -- sie leiteten in hamburg über drei Jahrzehnte an der Kunstakademie die Bildhauerklasse. -- Für mich war die Lehre streckenweise aktives künstlerisches Handeln. Ich war über Jahrzehnte im ständigen, sehr interessanten Dialog mit jungen Menschen, wobei in meinen Anfangsjahren einige Schüler älter waren als ich. Ich war herausgefordert, meine Überlegungen zu präzisieren, da ich öffentlich darüber gesprochen habe. Ich hatte dazu die Zeit. Wenn ich die für die Lehre notwendige Zeit während meiner künstlerischen Arbeit hätte aufbringen müssen, wäre es nicht gegangen. Das war also ein glücklicher Umstand. Ich konnte auch aus Erfahrungen vieles weitergeben, da ich, auch im Bezug auf meine Kunst, über historische Gesichtspunkte intensiver nachdenken musste. Ich wurde schließlich mit der Fragestellung konfrontiert, wie meine Werke mit der Geschichte zusammenhängen. In meinem künstlerischen Schaffen wollte ich mich zwar immer von der Kunstgeschichte lösen um Freiräume zu gewinnen, aber dennoch mit der Geschichte der Kunst verbunden bleiben. H A N I X -- Woran erkennt man schüler von ihnen? F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Primär an ihrer klaren Haltung. Aber auch an ihrer Radikalität. Im künstlerischen Prozess und Arbeiten stellt sich oft die Frage: »Ist das notwendig?«. Um diese Frage stets auf das Neue beantworten zu können, bedarf es meiner Ansicht nach Haltung und Radikalität. Ich denke diese Eigenschaften wird man bei Leuten, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, immer erkennen. H A N I X -- Wohin wird sich die skulpturenkunst und F R A N Z E R H A R D WA LT H E R Bildhauerei ihrer Meinung nach entwickeln? -- Da habe ich keine Ahnung. Die Frage, die sich stellt, ist auch weniger, wohin sich die Form entwickelt sondern viel mehr, ob der Begriff in Zukunft wichtig bleibt. Wenn man heute gewisse Dinge mit dem Begriff Kunst belegt, werden diese ja eher schwächer. Ich denke aber, dass Bildhauerei oder Skulpturenkunst, dadurch dass sie zentrale Definitionen des Formens sind, bleiben. Aber es werden enorme Verwandlungen stattfinden, die auch notwendig sind. H A N I X -- Wo kann man in der näheren zukunft ihre F R A N Z E R H A R D WA LT H E R Werke noch bestaunen? ist auch eine neue Werkstückreihe am entstehen? -- Ja, es entsteht gerade eine neue Werkgruppe. Es wird darüber hinaus Ausstellungen in Herford und in Krefeld geben, dazu zwei GalerieausF R A N Z E R H A R D WA LT H E R

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KULTURBEUTEL: FR ANZ ERHARD WALTHER M a n kan n du rch die gewäh lte Ba ukonzeption die Arc hitektur lesen, we n n man sich durch die Kunsthalle bewegt . stellungen in Genf und Paris. Auch in Madrid werden Arbeiten von mir ausgestellt. Ich werde also nach wie vor umgetrieben. H A N I X -- Wir haben gelesen, dass sie das internet und e-Mails nicht nutzen. ist das wahr? -- Ich verstehe davon nichts, das will ich vielleicht auch gar nicht. Ich bin nicht einmal fähig dazu, ein Mobiltelefon zu bedienen. H A N I X -- sind sie denn überhaupt nicht neugierig, F R A N Z E R H A R D WA LT H E R was es dort zu entdecken gibt? Oder verschließen sie sich der Moderne und halten so ein stück an der Vergangenheit fest? -- Es klingt ja immer als wäre ich ignorant. Aber für meine Arbeit benötige ich die neuen Medien nicht. Ich habe mein Klemmbrett, mein Papier und Bleistift. Das ist mein Metier, damit kann ich alles ausdrücken und formulieren. Ich habe auch keinen Fernseher zuhause, hatte nie eine Uhr. Ich brauche diese Dinge nicht. H A N I X -- herr Walther, wie gefällt ihnen die neue F R A N Z E R H A R D WA LT H E R heilbronner Kunsthalle Vogelmann? F R A N Z E R H A R D WA LT H E R -- Es ist ja kein großer Bau, klein ist er allerdings auch nicht. Was der Architekt daraus gemacht hat, finde ich sehr gut. Auch die Räume und Treppenaufgänge finde ich gut. Man kann durch die gewählte Baukonzeption die Architektur lesen, wenn man sich durch die Kunsthalle bewegt. Ich konnte in und mit den Räumen sehr gut arbeiten. Sie haben Proportionen, die keine Eigenheiten haben, auf die ich bei meinen Installationen hätte Rücksicht nehmen müssen. Sie sind neutral genug und dennoch haben die Räume eine Eigensprache. Ich finde, Heilbronn kann stolz auf diese Kunsthalle sein. H A N I X -- für eine stadt wie heilbronn also gar nicht schlecht... -- Das Museum mit der Kunsthalle Vogelmann und dem Kunstverein macht hier gute Arbeit. Diese Qualität ist für eine Stadt der Größe Heilbronns außergewöhnlich, das findet man selten. Das würde jeder Großstadt Ehre machen. F R A N Z E R H A R D WA LT H E R

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GESELLSCHAFTSMAGAZIN FÜR LEUTE DER REGION HEILBRONN

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Joerg Fi s c h e r u n d Ro b i n Du h m e e rschaffen mit ihrer Stahl-Beton-Gaia eine Skulptur, in d e r s i c h d i e k o s m i s c h e Ei n gebung des 68-jährigen Künstlers und Architekten Joe r g Fi s c h e r m a n i f e s t i e re n s o ll. Die Skulptur vereinigt griechische und südamerik a n i s c h e My t h o l o g i e i n s i c h und soll eine Liebeserklär ung an Mutter Erde und ih re Erd l i n g e s e i n . VON PETER GUSDEK FOTOS: ULLA KUEHNLE G O L D J O S

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KULTURBEUTEL 2: GOLDJOS In einer ruhigen Seitenstraße in Neckarsulm empfängt Architekt Joerg Fischer seine Gäste mit einer kindlichen Freude und Unbekümmertheit. Hier lebt der rüstige Senior, dessen Aussehen an einen Künstler aus mediterranen Gefilden erinnert. Sein langes weißes, zum Künstlerzopf gebundenes Haar vermittelt sofort etwas Feingeistiges. So sehen Architekten und Künstler aus. Joerg Fischer ist inzwischen beides. Jahrzehntelang Produktionen sind Schmuckstücke, die an zierlichen Frauenhälsen hängen sollen. Die großen Stahlfiguren mit der Betonkugel, die ein konstanter Bestandteil seiner Arbeiten ist, wiegen über 200 Kilogramm und sind kalt und oftmals nur von Hand gebogen. Einzig wenn es gilt, feine Krümmungen zu vollziehen, den Stahl in sich zu verbiegen oder ein kleiner Radius gebogen werden soll, wird zum Kran anschaut, dann wirkt er wie eine Balletttänzerin«, gibt Fischer auch gleich die Erklärung, wieso Kahn sich nicht erkannt haben mag. Wahrscheinlich betrachtete er die Skulptur aus einer Position die ihn eine grazile Tanzfee statt einen stämmigen Fußballer erkennen ließ. Und es ist tatsächlich so. Jeder Schritt, den man um seine Skulpturen macht, bringt ein anderes Motiv hervor, das sich dem Betrachter Die Gaia-Macher Jörg fischer (li.) & robin Duhme (re.) gestaltete und entwarf der 68-jährige Neckarsulmer hauptsächlich Häuser und Fabrikhallen. Bis er, wie er selbst sagt, am 26. Mai 2008 eine Art kosmische Eingebung hatte. Er hat seine damalige Eingebung umgehend mit Stift auf Papier festgehalten. Seit diesem Tag könnte Fischer, wenn ihm die Möglichkeiten zur Verfügung stünden, Tag und Nacht Kunst erschaffen. »Aber das geht nicht, weil ich dafür vier Leute bräuchte, die Tag und Nacht durcharbeiten müssten - über ein Jahrzehnt! So viel Ideen habe ich in meinem Kopf«, erklärt Joerg Fischer. Der Architekt erschafft Skulpturen aus Stahl und Beton. Seine großen Werke sind dem menschlichen Maßstab nachempfunden und 1,90 Meter hoch, seine filigransten oder zur Rotglut übergegangen, um den Stahl zu verformen. »Ich brauche zum Verbiegen Tonnenkräfte. Manchmal schweißen wir Stahlträger an die Figuren, damit der Hebelarm länger ist. Mit Hilfe des Kranes bekommt man so etwas dann auch hin«, beschreibt Joerg Fischer den Biegevorgang für seine Stahlskulpturen. Fischer hat an die 50 große Figuren kreiert. Vom Golfer bis zum Tango tanzenden Liebespaar hat er viele Motive aus seinem stählernen Werkstoff gebogen. »Meinen Fußballer habe ich Oliver Kahn zeigen lassen. Er gefällt ihm nicht, weil er sich nicht drin erkannt hat«, erzählt Fischer von der Reaktion des ehemaligen TorwartTitans. »Wenn man den Fußballer aus einem bestimmten Blickwinkel darbietet. Von einer Golfer-Skulptur hat der Architekt und Künstler 17 Fotografien gemacht, jedes aus einer anderen Perspektive. Auf einem Foto sieht der stählerne Golfer aus wie ein sich verneigender Schauspieler, auf dem nächsten Bild zeigt sich wieder eine völlig neue Skulptur, obwohl es immer noch der Golfer ist. Jede der Fischer´schen Skulpturen ist ein Unikat, selbst, wenn er eine Kleinserie einer Figur anfertigt. »Es geht nicht mit einer Schablone und gießen kann ich die Skulpturen, wie es beispielsweise bei Bronzeskulpturen möglich ist, auch nicht. Das ist jedes Mal aufs Neue Handarbeit für ein Einzelstück. Jede Figur hat somit ihre eigene Geschichte. Der Stahl hat von Figur zu Figur unterschiedliche Musterun-

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KULTURBEUTEL 2: GOLDJOS gen der feinen Risse, die durch den Biegevorgang entstehen aber auch die Oberflächenfärbung, die mit dem Rosten einhergeht, ist bei jeder Figur unterschiedlich«, erklärt Joerg Fischer. Momentan arbeitet Joerg Fischer zusammen mit Fliesenkünstler Robin Duhme an seinem Herzensprojekt: der Gaia. Auch die Gaia ist eine 1,90 Meter hohe Stahl-Beton-Skulptur, doch in dieser Figur wird sich die Kernessenz von Fischers kosmischer Eingebung vom 26. Mai 2008 widerspiegeln und konzentrieren. In einem Skizzenbuch versieht Fischer seine Zeichnungen von neuen Figuren mit einem Sternchen-System. Drei Sternchen bedeuten, dass die Figur unbedingt umgesetzt werden soll. Neben der Skizze der Gaia hat Fischer mit Bleistift sechs kleine Sterne gezeichnet. Was ungefähr heißen soll: »Da hat es mir die Fontanelle heraus geschlagen«, wie der 68-jährige den Moment der Eingebung für die GaiaSkulptur beschreibt. Zu Gaia muss man wissen, dass sie in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde ist, deren Name möglicherweise die Gebärerin heißen kann, wie es auf Wikipedia heißt. Aus dieser Vorstellung der Griechen leitet sich ab, so lauet es im Online-Lexikon weiter, dass Gaias Hauptbedeutung die der Muttergottheit sei, die alles Lebende hervorbringt und ernährt als auch den Menschen nach dessen Tod in ihren Schoß aufnimmt. Joerg Fischer und Robin Duhme treffen sich ein- bis zweimal die Woche in Duhmes Werkstatt in Widdern, um an der Fertigstellung der Gaia zu arbeiten. Das schwere, mannshohe Stahlband wird dabei in sich verbogen. Dieser Arbeitsvorgang wird allerdings in einer Heilbronner Schlosserei vollzogen. »Diese Krümmung ist eine Präzisionsbewegung - so heißt das astrophysikalisch«, erklärt Fischer. Der Betonkopf, den Robin Duhme mit kleinsten, zurechtgelegten und

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KULTURBEUTEL 2: GOLDJOS geklopften Fliesenmosaiksteinchen besetzt, hat durch die Präzessionsbewegung des in sich verbogenen Stahlbandes die exakte Schräglage der Erde - 23 Grad 27 Winkelminuten. Der 41-jährige beschreibt seine filigrane Arbeit an den nur quadratmillimeter-großen, blauen Mosaikplättchen: »Das sind bis zu sieben Arbeitsgänge pro Blättchen. Ich muss alle vier Ecken angleichen und anklopfen, damit keins raussteht. Und vorab sind natürlich die kleinen Plättchen zurecht zu schneiden und zu sägen.« Länger als vier Stunden am Stück kann Robin Duhme die Arbeiten unter seiner Lupe nicht durchführen. Denn sein Werken erfordert höchste Konzentration, um Fischers und seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Den betonenen Erdkopf ziert auch ein kleines MosaikKonterfei von Pachamama. Pachamama hat für die Völker der Anden eine ähnliche Bedeutung, wie Gaia für die Griechen. Ebenfalls sind die neun Plejaden durch kleine Goldkugeln dargestellt, die mittels eines Widerhakens in den feinadrigen Fugen des Erdmosaiks befestigt wurden. Die größte Kugel hat einen Durchmesser von nur drei Millimetern. Als Spachtelmasse für die feinen Fugen dient eine selbstgemischte, erdfarbene Mixtur aus Rohputz, Rotkalk, Erde und Künstlerkohle. Die Plejaden galten in fast allen Kulturen als besondere Sterne. Die hellsten Sterne sind, wie Gaia selbst, nach Gestalten der griechischen Mythologie benannt. Ihre Namensgeber sind der Titan Atlas, seine Frau Plejone sowie deren sieben Töchter Alkyone, Asterope, Celaeno, Plektra, Maja, Merope und Taygete. Um den »Erdkopf« der Gais schwingt sich dazu ein feiner Schweif aus Blattgold. Bewegt man sich um den Betonkopf, erzeugt der BlattgoldSchweif einen sogenannten »Flash of Lightening«-Effekt. Je nach Sonneneinstrahlung wird der Betrachter der Gaia von einem aufblitzendem Licht verfolgt+. »Das hat etwas Magisches«, findet Fliesenkünstler Robin Duhme. Und so soll die Gaia auch sein, wenn es nach Joerg Fischer geht. Magisch und kosmisch beeinflusst. »Die Gaia soll ein Symbol für Mutter Erde als Erdling und zugleich als Mensch sein. Aus der Erde geboren, mit der Sonne als Symbol«, sagt Joerg Fischer. >> FRANZ ERHARD WALTHER DIE BILDER SIND IM KOPF >> 11.09.- 20.11.2011 www.museen-heilbronn.de Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr Medienpartner VOGELMANN >> KUNSTHALLE S TÄDTIS CHE M U SE E N HE I L B RON N

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Der KÜhLschranK VOn...: CASH FOR CLUNKERS fOtOs: MehMet fiLiz / ViDeO: Matthias Bitsch Der Kühlschrank: MarKe: neff MODeLL: K6604X6 tYP: standkühlschrank nUtzinhaLt: 153 Liter enerGieeffiziensKLasse: a+ enerGieVerBraUch: 284 kWh in 365 tagen aBMessUnGen: 87 x 54 x 54 cm (hxBxt) MahLzeiten, Die Dieser KÜhLschranK herGiBt: frühstück - nein Mittagessen - Ja abendessen - Ja Der Besitzer: VOrnaMe: raLf nachnaMe: Vogt tiere: diverse (hund, fische)

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DER KÜHLSCHR ANK VON...: CASH FOR CLUNKERS Das sagt ralf Vogt über sein Kühlaggregat: »rechteckig, praktisch, gut.«

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A RT F L E I N Ver n is s a g e a m 4 . Nove m be r im R ath aus Fle in Interviews: Marcel Kantimm / Fotos: Privat -- ralf, was ist dein Kunstmetier? R A L F B AU E R -- Ich arbeite mit allen Materialien, sehr gerne auch mit Pastellkreide. Ich male und ich mache Skulpturen. Oft sammle ich irgendwelche Sachen, die dann mehrere Jahre in meinem Fundus sind, ehe ich sie bearbeite. H A N I X -- Welches Material ist für dich am speziellsten und am schwersten zu bearbeiten? R A L F B AU E R -- Für mich ist es Metall. Darauf werde ich in Zukunft auch mehr meinen Fokus legen. Dazu muss ich noch einen Schweißkurs machen, den habe ich noch nicht. H A N I X -- Wie sieht dein konkretes künstlerisches schaffen aus? R A L F B AU E R -- Ich kann nur nachts produktiv arbeiten. Ich muss alleine sein, Ruhe um mich haben und klassische Musik hören. Obwohl ich von Haus aus Rocker bin, brauche ich für mein künstlerisches Werken klassische Musik. Ich mag diese Atmosphäre. HANIX

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KUNSTREGION: ART FLEIN HANIX -- achim, Du bist über die Glasmalerei zur Kunst gekommen? Skulpturenkunst: von ralf Bauer (linke seite) -- Ja, ich male und zeichne. Mein Onkel war Kunstmaler. Von ihm habe ich das Interesse mitbekommen und mit Glasmalerei angefangen. Ich habe auch immer viel gezeichnet und Linolschnitte angefertigt. Inzwischen male ich mit Acrylfarben. H A N I X -- Du malst ausschließlich auf Keilrahmen. A C H I M B RO C K H A G E Welche Motive hast Du dir für deine Bilder gewählt? -- Ich male hauptsächlich Gegenstände und Menschen. Irgendwo sehe ich einen Menschen, das kann in der Zeitung sein, der mir irgendwie gefällt. Und dann male ich diesen Menschen auch. H A N I X -- War die resonanz der 1. art flein für dich A C H I M B RO C K H A G E befriedigend? Acrylmalerei: von achim Brockhage (diese seite) -- Durchaus. Sonst würden wir keine zweite Ausstellung organisieren. Die Grundidee war, dass sich Leute, die Kunst mögen und betreiben - ob als Hobby oder beruflich - zusammen tun und etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Das ist uns unserer Meinung nach gelungen. A C H I M B RO C K H A G E

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KUNSTREGION: ART FLEIN Malt expressionistisch: ralf Deschner HANIX -- ralf, welche art von Kunst machst Du? -- Ich male ausschließlich. Ich habe mich mein ganzes Leben zur Malerei hingezogen gefühlt. Seit 2004 beschäftige ich mich intensiv in meiner Freizeit damit. H A N I X -- Wie sehen deine Motive aus? R A L F D E S C H N E R -- Ich bin ein expressionistischer Maler, wenn man das so sagen will. Für die letzte Ausstellung vor einem Jahr habe ich noch mit Tusche und Aquarellfarben gemalt. Im letzten Jahr habe ich mich dem Malen mit Acrylfarben gewidmet. Diese Bilder werden diesmal auch in Flein zu sehen sein. H A N I X -- Du hast auch schon ein paar Bilder verkauft. ein tolles Gefühl? R A L F D E S C H N E R -- Ein neues Gefühl, das ich öfter haben könnte, wenn es nach mir ginge. Der Gedanke, dass mein Bild bei jemandem in der Wohnung hängt, fasziniert mich. RALF DESCHNER

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KUNSTREGION: ART FLEIN Cover seines neuen CartoonBuches: von hans-Jürgen riesmeier isBn: 9783842380936 HANIX -- hans-Jürgen, neben deinem Beruf als fotograf hast Du auch zeichnerisches talent? -- Ich zeichne Cartoons. Ich mag Situationskomik und lache natürlich auch gerne, da bietet sich die Kunstform der Cartoons an. H A N I X -- es gibt auch zwei Bücher mit cartoons von dir. Welche Motivation steckt hinter den H A N S - J Ü RG E N R I E S M E I E R Büchern? H A N S - J Ü RG E N R I E S M E I E R -- Ich wollte den Leuten in diesen Krisenzeiten etwas zum Lachen a nbieten. H A N I X -- Wieso RALF DESCHNER lohnt es sich deiner Meinung nach eure Vernissage zu besuchen? -- Ich denke, dass wir ein vielfältiges Angebot präsentieren. Ein bunter Strauß an Kunst aus der Region, dazu noch Livemusik. Ich denke, man kann mit einem Besuch bei uns nicht viel falsch machen.

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I N T E R V I E W : M A R I A V I D E O : M A T T H I A S S A N D E R S B I T S C H V O L K S A B S T I M M U N G 2 0 1 1 Der vo n d e r L a n d e s re g i e r u n g e i n g ebrachte Gesetzentwur f zur Kündigung der S21Finanz i e r u n g s ve r t r ä g e w u rd e a m 2 8. September 2011 wie geplant mehrheitlich von Seiten d e r S P D , C D U u n d F D P a bgelehnt. Nach der Abstimmung haben mehr als ein Dr i t t e l d e r Ab g e o rd n e t e n - w ie von der Ver fassung vorgesehen - das Referendum b e a n t r a g t. Da m i t i s t d e r Vo l ksentscheid formell auf den Weg gebracht worden. Di e e r s t e l a n d e s we i t e Vo l k s abstimmung in der Geschichte Baden-Wür ttemb e r g s w i rd a m 2 7 . November 2011 durchgeführ t.

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iM GesPrÄch Mit Den BeatsteaKs I M M E R P U N K . I M M E R AU F D E R S U C H E . interVieW: JOhannes LinDenLaUB Di e Be a t s t e a k s s p i e l en Ende November in Heilbronn. Gr ü n d u n g s m i t g l i e d u n d Gitarrist Bernd Kur tzke über Aufnahmen i m Pro b e r a u m , d e n S c h w aben an sich und das Gefühl, den Club ve rl a s s en z u m ü s s en , we nn d e r e ig e ne So ng ge s pie lt wird . »Ich bin gewissermaßen noch unverbraucht«, meint Bernd Kurtzke, während er die mit mehreren Schlössern gesicherte Proberaumtür öffnet, aus der uns der Duft des Rock&Roll entgegenweht. »Ist seit längerem mein erstes Interview«, erklärt er sich. Ich atme tief ein und identifiziere überhitzte, technische Geräte, kalten Rauch und Männerschweiß. Eine ehrliche Mischung. Wir durchqueren einen mit Instrumenten vollgehängten, engen Flur und lassen uns auf einer gut eingesessenen Eckcouch nieder. Auf dem Tisch eine leere Coladose, ein Aschenbecher und eine geöffnete, aber fast volle Packung Kartoffelchips. Gegenüber: Ein Schreibtisch, ein Computer, eine Plexiglasscheibe. Dahinter, im Dunkeln nur schemenhaft zu erkennen: Der Proberaum. Aus irgendeinem Grund hatte ich mehr Glamour befürchtet - vielleicht, weil hier ein Nummer-Eins-Album aufgenommen wurde. H A N I X -- Probt ihr heute noch? proben - wir nehmen ein paar Coverversionen auf und neue Versionen von unseren eigenen Songs. Die kommen dann auf die Special Edition von »Boombox«. H A N I X -- »Boombox« habt ihr auch hier, in eurem Proberaum, aufgenommen. B E AT S T E A K S -- Naja, Ja, und ich hoffe, dass wir auch das nächste Album wieder hier aufnehmen werden. Wir sind hier viel spontaner als im Studio. Da wird drei Tage lang B E AT S T E A K S --

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS wissenschaftlich mit der Mikrophonierung experimentiert, während wir däumchendrehend darauf warten, endlich den ersten Ton spielen zu können. H A N I X -- zwei zitate aus Plattenkritiken zum aktuellen album: »Die Band hat sich endlich selbst gefunden.« Und: »eine Band auf der suche nach einer neuen richtung.« nach einer neuen Richtung sind wir eigentlich immer, bei allem was wir machen. H A N I X -- Mir kam Boombox in jedem fall heterogener vor, als die alben davor. B E AT S T E A K S -- Vielleicht B E AT S T E A K S -- Wir eher: eklektischer? H A N I X -- Woher stammt denn dieser eklektizismus? ja gegensätzlicher eigentlich nicht sein (schmunzelt). Aber ich glaube, es ist tatsächlich von beidem was dran. Gefunden haben wir uns dahingehend, dass wir die Platte hier, in diesen Räumlichkeiten selbst aufgenommen und mitproduziert haben. Da haben wir früher nämlich schon von geträumt. Und auf der Suche B E AT S T E A K S -- Könnte waren uns bereits im Vorfeld der Produktion sicher, dass wir ein vielschichtiges Album machen wollen. Ich denke, dass uns das dazu motiviert, diese Vielschichtigkeit auf die Spitze zu treiben. Wahrscheinlich haben wir in dieser Hinsicht das Ende der Fahnenstange auch noch längst nicht erreicht. Wir können unsere Grenzen bestimmt noch weiter ausloten.

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS H A N I X -- Wie sieht euer Vorgehen beim songwriting aus? B E AT S T E A K S -- Zunächst gibt es die Phase, in der jeder alleine für sich Ideen sammelt. Dann kommt irgendwann der Tag X, an dem wir uns unsere Ideen gegenseitig vorspielen. Nur an den Ideen, auf die alle Bock haben, wird schließlich weitergearbeitet, und dabei hat jeder das Recht, die Idee zu erweitern oder kaputt zu machen. Oder aus der ursprünglichen eine neue Idee hervorzubringen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas dabei herauskommt, von dem alle Fünf sagen: »So, das ist jetzt ein Song von UNS.« »Wir kön n e n un s e re Gre n ze n b e stimmt noch we i te r au s lot e n .« H A N I X -- Geht ihr euch dabei nicht manchmal gegenseitig an die Gurgel? so schlimm ist es nicht, aber natürlich gibt es Auseinandersetzungen. Das ist wie in jeder guten Beziehung: Wenn man nicht streitet, kommt man auch nicht weiter. Und wir sind mittlerweile alt genug, um zu wissen, wie man konstruktiv streitet. H A N I X -- War das früher anders? B E AT S T E A K S -- Nein, gewalttätig ist noch nie jemand geworden. Aber es kam auch mal vor, dass einer 'ne Woche lang geschmollt und nicht geredet hat. H A N I X -- Was ist zuerst da: text oder Musik? B E AT S T E A K S -- Also, aller Regel ist es so, dass die Idee für die Musik zuerst da ist. Dann setzt sich unser lieber Sänger hin und denkt sich Melodien aus, die er gern dazu singen möchte. Die wiederum versuchen die anderen mit Worten zu füllen - die Musik suggeriert uns häufig, welcher Text zu ihr passen könnte. Dass jemand zuerst mit einer Textidee ankommt, ist eher die Ausnahme. B E AT S T E A K S -- In

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS Irgendein Magazin hat uns mal unterstellt, wir wü rde n »a ufgemotzten Penisroc k« ma c hen. H A N I X -- in letzter zeit schreibt ihr ausschließlich englische texte. B E AT S T E A K S -- Das hat sich so ergeben. Weißt du, englisch ist wesentlich unverfänglicher - du kannst Sachen viel besser ausdrücken, ohne dabei explizit zu werden. Es gibt nur ganz Wenige, die es schaffen, dir in unserer Muttersprache einen Text um die Ohren zu hauen, der dich richtig packt. Dennoch kann es durchaus passieren, dass wir auch wieder deutsche Texte machen. H A N I X -- ihr stecht nicht gerade durch politische texte hervor - seid ihr dennoch eine politische Band? B E AT S T E A K S -- Würde ich schon sagen. Politik hat für mich nicht in erster Linie mit Rechts, Links, Mitte zu tun, sondern mit dem täglichen Leben - also damit, wo Politik eigentlich erst entsteht. Wir haben eine Meinung und wir engagieren uns. Das macht uns zu politischen Menschen und die Beatsteaks zu einer politischen Band. H A N I X -- ihr selbst definiert euch als Punkband. für uns auf jeden Fall in Anspruch. Punk hat weniger mit der Musik zu tun, sondern mehr mit einer Haltung, die du an den Tag legst. Ich meine, wir machen auch Popmusik. Aber der Begriff ist für mich überhaupt nicht negativ besetzt. Es gibt genauso schöne Popmusik, wie es auch beschissenen Punkrock gibt. H A N I X -- Welches ist die seltsamste Bezeichnung für eure Musik, die du bisher gehört hast? Magazin hat uns mal unterstellt, wir würden »aufgemotzten Penisrock« machen. H A N I X -- Lest ihr Plattenkritiken? B E AT S T E A K S -- Irgendein interessieren mich vor allem, wenn sie ins Extreme gehen. Wenn jemand unsere Platte so richtig scheiße findet, bin ich sehr daran interessiert, warum. Vielleicht finde ich ja etwas von dem, was er nicht mag, bei mir selbst wieder und merke auf diese Weise, was wir beim nächsten Mal besser machen können. Außerdem: Wäre doch schrecklich, wenn alle total geil finden, was wir machen. H A N I X -- Gibt es eine Kritik, die du noch im Kopf hast, weil sie so besonders war? B E AT S T E A K S -- Die jeden Fall, im klassischen Sinn. Obwohl wir mittlerweile bei einer großen Plattenfirma sind, leben wir den Do-It-Yourself-Gedanken. Das ist für mich der Grundgedanke von Punk. Der Begriff war ja ursprünglich ein abfälliges Etikett für Leute, die sich freiwillig an den Rand der Gesellschaft gestellt haben. Für mich bezeichnet Punk heute Jemanden, der frei im Kopf ist, eine eigene Meinung hat und sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um andere kümmert. Der im besten Sinne selbstbestimmt sein Leben lebt. Und das nehme ich B E AT S T E A K S -- Auf meinst außer »aufgemotzter Penisrock«? Ad hoc fällt mir nur eine ein, bei der es nicht um uns ging, sondern um eine Platte von Dirk Zöllner, die hieß »Ich darf alles«. Und der Rezensent schrieb lediglich »Nein!!!« - und sonst nichts. Eindeutiger kann man nicht abgewatscht werden. H A N I X -- Kannst du dich an den Moment erinnern, an dem du die Beatsteaks zum ersten Mal im radio gehört hast? B E AT S T E A K S --Du

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS B E AT S T E A K S -- Ich habe uns das erste Mal in einem Club gehört. H A N I X -- noch besser. B E AT S T E A K S -- Ich bin knallrot geworden und rausgegan- gen. H A N I X -- hast du wenigstens noch mitbekommen, ob die Leute getanzt haben? war ohnehin voll. Und es war nicht so, dass die Leute sie fluchtartig verlassen hätten. Die haben schon weiter getanzt. Aber mir war die Situation entsetzlich unangenehm. H A N I X -- Warum? B E AT S T E A K S -- Die Tanzfläche Das Leben ist so teuer, das würde nicht funktionieren - da spricht jetzt natürlich auch ein Vater, der weiß, dass da noch einiges auf ihn zukommt. Ich kann gut leben und müsste mir die nächsten paar Jahre keine Gedanken machen, wie ich über die Runden komme. Das ist aber auch okay so, denn wenn du zu schnell zu viel verdienst, wirst du faul - und das ist dem Gedanken des Musizierens nicht unbedingt zuträglich. H A N I X -- Wirst du auf der straße erkannt? B E AT S T E A K S -- Hin B E AT S T E A K S -- Nee. zu sagen, denn es hat mich garantiert niemand in dem Laden gekannt. Vielleicht war es einfach nur die Angst, dass mich durch Zufall doch jemand erkennt und sieht, wie ich in der Disco stehe und zu meinem eigenen Lied mit dem Fuß wippe. Mich selbst würde das bei anderen Musikern gar nicht stören, aber ich selbst wollte so einfach nicht gesehen werden. H A N I X -- hat es dich vielleicht einfach überwältig? B E AT S T E A K S --Schwer und wieder. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, aber manchmal ist es schon kurios, vor allem, wenn ich so normale Sachen mache, die man halt machen muss - zum Beispiel Einkaufen. Dann »Plötzlich wurde uns klar, stehe ich da, völlig versunken in der Warenwelt, habe mich gerade für dass es doch mehr als zehn einen Joghurt entschieden, und plötzlich fragt mich jemand, ob ich ihm Leute interessier t . Und in den ein Autogramm geben kann. Das ist dann immer eine sehr lustige Erkenntfolgenden Jahren merkten nis, so unter dem Motto: »Stimmt, da war ja noch watt jewesen!« wir dann, dass wir tatsächlich H A N I X -- stehst du manchmal ein- d avon leben können« fach nur da und kannst das alles selbst nicht fassen? B E AT S T E A K S -- Doch Schon, auch. Aber in erster Linie war ich peinlich berührt. Und ich kann dir nicht einmal genau sagen, warum. HANIX - Gab es den einen Moment, an dem ihr wusstet: Wir können jetzt von der Musik leben? B E AT S T E A K S -- Überwältigt? sicher. Jedes Mal auf Tour, zum Beispiel. Da stehen 3000 Leute vor der Bühne oder 4000 oder wie bei Rock am Ring 80000 - so viele Leute wollen eine Band sehen, bei der der Name schon quatsch ist? Und dann denkste schon: Kiek ma' an, kannste nich' alles falsch jemacht ham. H A N I X -- Welches war das tollste, welches das schlimmste erlebnis, das ihr je bei einem Konzert hattet? das war mehr ein schleichender Prozess, der nach der Veröffentlichung von "Smacksmash" einsetzte. Das war ja gewissermaßen unser Durchbruch, wie man so schön sagt. Und mit dem wurde uns bewusst, dass die ganze Angelegenheit nun doch etwas ernster wird, und wir jetzt nicht mehr so einfach sagen können, »och, keine Lust mehr«. Plötzlich wurde uns klar, dass es doch mehr als zehn Leute interessiert. Und in den folgenden Monaten und Jahren merkten wir dann, dass wir tatsächlich davon leben können - was für uns allerdings nie ein Grund gewesen ist, Musik zu machen. Das war mehr ein Bonus, das Sahnehäubchen oben drauf - ein Privileg, das wir uns über die Jahre hinweg erspielt haben. H A N I X -- Könnt ihr euch vom finanziellen standpunkt zur ruhe setzen? B E AT S T E A K S -- Nein, ich so drüber nachdenke, hatten wir beides gleichzeitig. Wir haben unser zehntes Konzert EVER 1995 im Vorprogramm der Sex Pistols gespielt. Den Moment des Konzertes selbst empfand ich als sehr schlimm, weil wir plötzlich vor 5000 Leuten standen - zu diesem Zeitpunkt war das eine für uns unfassbare Menge. Ich habe drei Wochen gebraucht, um zu realisieren, was wir da eigentlich gerade gemacht hatten. Im Nachhinein war ich natürlich stolz wie bolle. Insofern war dieses Erlebnis ganz toll - und richtig scheiße. (längere Pause) Beeindruckend waren natürlich auch die 80000 bei Rock am Ring, diese schiere Masse an Menschen. B E AT S T E A K S -- Wenn

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS H A N I X -- ich glaube, ich würde mir in die hose machen. Naja, die ersten drei Songs hast du es zumindest schwer, deiner Aufregung Herr zu werden. Aber irgendwann spielst du deine Musik wie im Proberaum, nur dass dir eben ein paar Leute zuschauen. Dann schaust du zurück, und solange du in frohe Gesichter blickst, ist alles gut. B E AT S T E A K S -- H A N I X -- Gab's denn in letzter zeit überhaupt noch unzufriedene Gesichter? grafieren - jedenfalls fand ich das schon sehr befremdlich. Weil an der Stelle auch zwei andere hätten stehen können, die sich für das Konzert interessieren. Jedenfalls konnte ich das in dem Moment nicht richtig einordnen: Hat das was mit uns zu tun oder einfach nur mit fehlendem Respekt der Situation gegenüber? H A N I X -- Was denkst du, wenn du auf ein Meer von empor gereckten Mobiltelefonen schaust? B E AT S T E A K S -- Ich komme nicht aus dieser Welt und kann das nicht nachvollziehen. (Denkt nach) Aber meine Eltern kamen auch nicht aus meiner Welt und fanden Dinge, die ich gemacht habe, nicht nachvollziehbar. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, wie's der alte Fritz schon gesagt hat. Soll'n se also machen. Und wenn du dann in der Wuhlheide (Berlins zweitgrößte OpenAir-Bühne, d. Red.) stehst und sagst »Macht ma' Licht wirklich. Wobei: Vor nicht allzu langer Zeit haben wir in der Schweiz gespielt, kleiner Club, vielleicht 200 Leute. Und vorne in der ersten Reihe stehen zwei Mädels mit dem Rücken zu uns und sind mit ihrem Telefon zugange. Keine Ahnung, was die da gemacht haben - SMS verschicken, den Fußboden foto78 B E AT S T E A K S -- Nicht

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS »Sola nge du in frohe Gesichter blickst, ist a lles gut . « an«, und das machen dann auch alle, sieht das mit 17000 Handylampen wenigstens genauso gut aus wie früher mit Feuerzeugen. H A N I X -- Glaubst du nicht, dass den zuschauern etwas verloren geht, wenn sie ständig filmen und photographieren? brauche ich auf Konzerten keinen Photoapparat. H A N I X -- Wie viele Leute waren auf dem am schlechtest besuchten Beatsteaks-Konzert? glaube, dass diese Generation es einfach gewöhnt ist, Konzerte auf andere Art und Weise zu konsumieren. Die Jugendlichen wachsen in einer Welt mit Facebook und YouTube auf, die haben ganz andere Filter als du oder ich. Und deswegen nehmen sie so ein Konzert auch anders wahr. Dass ich das nicht nachvollziehen kann, liegt schlicht und einfach an der Tatsache, dass die Welt, in der ich aufgewachsen bin, eine andere war. Deswegen funktioniert meine Wahrnehmung anders und vermutlich auch meine Erinnerung. Und deswegen B E AT S T E A K S -- Ich Fünf. Und zwar 1997, auf unserer allerersten eigenen kleinen Tour in Düsseldorf im AK 47. War ein herrliches Konzert. Mit Bierschlacht! Vier Leute von der Gästeliste, ein Zahlender, fünf verkaufte CDs. Nachts haben wir in einer Wohnung neben diversen Farbtöpfen schlafen dürfen und hatten am nächsten Tag einen tierischen Schädel von den ganzen Ausdünstungen. Das sind so Erlebnisse, die hängenbleiben. B E AT S T E A K S -- H A N I X -- habt ihr schon Mal in heilbronn gespielt? in Heilbronn selber noch nicht, in der Gegend aber schon. (tippt auf seinem Handy rum) Ja, 22. November ist es soweit, ich hab gerade noch mal nachgeschaut (ehrlich begeistert) - auf unserer App! B E AT S T E A K S -- Nein,

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS » Jugendlic he ha ben ga nz a ndere Filter a ls wir. « H A N I X -- Gibt's etwas Besonderes an Konzerten im schwabenland? ich jetzt nicht behaupten. Ist auf jeden Fall ein sehr netter Menschenschlag da unten. HANIX - Das findest DU? als BerLiner? B E AT S T E A K S -- Könnte klar. Der Schwabe an sich ist mir nicht fremd. Hängt damit zusammen, dass unser Drummer Thomas aus Kleinengstingen kommt. Der fährt also fast in die Heimat. H A N I X -- Wo kommt denn deiner Meinung nach der Berliner schwabenhass her? B E AT S T E A K S -- Ja, konnten, wie die Schwaben heute. Ich glaube, Schwaben und Sachsen sind sich ähnlich, die reisen gerne rum, schauen sich alles an, wollen gerne auch mal woanders wohnen. Und nach Berlin wollen eben gerade viele Schwaben. Irgendeine Minderheit muss hier wohl einfach dran glauben. H A N I X -- ein Wort zur Berlinwahl. B E AT S T E A K S -- Ich hasse mich selbst dafür, sie verpennt zu haben. H A N I X -- Du warst nicht wählen? ich nicht nachvollziehen, ist eben so eine typisch engstirnige Geschichte. Früher, im Osten, sind dem gemeinen Berliner die Sachsen auf den Sack gegangen - wofür die Sachsen damals genauso wenig B E AT S T E A K S -- Kann gebe es hiermit offen und ehrlich zu. Dass die FDP aber sowas von raus ist, fand ich jedenfalls großartig. Beängstigend nur, dass die NPD in ein paar Bezirksparlamente eingezogen ist. Wenn ich deren Parolen lese, frage ich mich immer, wie weit das Gum- B E AT S T E A K S -- Ich

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INTERVIEW DES MONATS: BEATSTEAKS BOOMBOX: cover des aktuellen und gleichnamigen Beatsteaks albums. miband der Demokratie dehnbar ist, dass solche Kloppköppe immer noch ins Raster passen. Darf ich jemandem das Recht der freien Meinung gewähren, auch wenn ich weiß, dass derjenige selbst es bei Andersdenkenden ablehnt? In dem Punkt fällt es mir schwer, unsere Verfassung nachzuvollziehen. H A N I X -- Mein Vater hat immer gesagt: »eine Demokratie muss auch solche Parteien aushalten können.« B E AT S T E A K S -- Ist mokratie ist letztlich nur ein Wort, das vielleicht nicht die Menschen fasst, die eine solche Partei aushalten müssen. H A N I X -- Gibt es eigentlich eine frage, von der du dich wunderst, dass sie dir noch nie in einem interview gestellt wurde? ja eigentlich auch richtig. Aber De- lange) Mich hat noch nie jemand explizit gefragt, ob unsere Musik Kopf- oder Bauchsache ist. B E AT S T E A K S -- (Überlegt Die Beatsteaks spielen am 22. november 2011 auf ihrer Winter-tour in der heilbronner harmonie zum ersten Mal in der stadt auf. infos zu den BeatsteaKs: http://www.beatsteaks.com/

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Z E I T Gespräch der Generationen Manon (12) unterhält sich mit erna fischer (85) über zeit Operationen am Herzen der Zeit hans Luithle ist Uhrenmachermeister. ein hausbesuch. Zeit zum Erleben Die »experimenta« heilbronn hat ihre erste sonderausstellung »zeit« in eigenregie auf die Beine gestellt Zeitmanagement Über die Kunst, sich den alltrag einzuteilen

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teXt: rOBert MUcha / fOtOs: ULLa KUehnLe GESPRÄCH DER G E N E R AT I O N E N Wi r s p r a c h e n m i t d e r zwölfjährigen Manon Zora-Li Schmidt un d de r f ü n f u n d a c ht z i g j ä h rig e n Erna Fis ch e r übe r Ve rgang e nh ei t, Geg enwar t und Zuk unft.

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TITELTHEMA: ZEIT E R N A F ISC HE R: »Die Zeit geht, wie ich finde, im Alter sehr schnell vorüber. Ic h b i n n i c h t mehr so flink wie früher. Für alle Tätigkeiten benötige ich me h r Ze i t a l s i n meinen jungen Tagen. Heute brauche ich viel mehr Schlaf und ve r t u e v i e l Zeit mit Dingen, die ich früher im Handumdrehen erledigt hab e . D e s h a l b h abe ich das Gefühl, da ss die Zeit unheimlic h sc hnell vergeht . I c h sc haf f e n äm lich n ie , was ic h mir für den Ta g vorgenommen ha be. Ic h b in in me in e m A lt e r e in fach zu la ngsa m. « H A N I X -- Manon, ist das Jahr 2011 in deiner Wahrnehmung schnell oder langsam vergangen? auf dem Gaffenberg im Sommerferienlager. H A N I X -- frau fischer, ging ihr Jahr 2011 bisher auch wie im flug vorbei? denkt, ist das sehr weit weg. Und ehe man sich versieht, ist man alt. H A N I X -- Kam das alter schneller als sie es erwartet haben? Ich würde sagen, dass es eher schnell vergangen ist. Ich hatte dieses Jahr so viele schöne Erlebnisse, die sehr schnell vorüber gegangen sind. Manchmal fällt es mir schwer, mich daran zurückzuerinnern, weil ich schon wieder so viele neue Sachen erlebt habe. MANON -- H A N I X -- Dann warst Du ja ganz schön umtriebig. habe eine beste Freundin wieder gefunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Das war toll. H A N I X -- zeit mit lieben Menschen zu verbringen ist wichtig. Wie verbringst Du die zeit mit deinen freunden und freundinnen? M A N O N --Ich Die Zeit geht, wie ich finde, im Alter sehr schnell vorüber. Ich bin nicht mehr so flink wie früher. Für alle Tätigkeiten benötige ich mehr Zeit als in meinen jungen Tagen. Heute brauche ich viel mehr Schlaf und vertue viel Zeit mit Dingen, die ich früher im Handumdrehen erledigt habe. Deshalb habe ich das Gefühl, dass die Zeit unheimlich schnell vergeht. Ich schaffe nämlich nie, was ich mir für den Tag vorgenommen habe. Ich bin in meinem Alter einfach zu langsam. ERNA FISCHER -- H A N I X -- ab welchem alter haben sie bemerkt, dass die zeit nach ihrem empfinden schneller vorüberzieht? Im Nachhinein betrachtet: ja, es kam schneller als erwartet. ERNA FISCHER -- H A N I X -- Manon, besitzt Du eine Uhr? MANON -- Ja, aber die habe ich nicht dabei. H A N I X -- schaust Du oft nach der Uhrzeit? Nein, eigentlich nicht. Nur wenn ich einen Termin habe, schaue ich öfter auf die Uhr. MANON -- H A N I X -- hast Du viele termine? E R N A F I S C H E R -- Natürlich, ich muss jeden Tag zur Schule. In meiner Mittagspause schaue ich dann oft auf die Uhr. H A N I X -- Musst Du dich oft hetzen, damit Du pünktlich zur schule kommst? MANON -- gehe mit meinen Freundinnen in die Stadt oder wir besuchen uns gegenseitig. Diesen Sommer waren wir auch zusammen M A N O N --Ich Wenn man jung ist und ans Alter oder das Altern ERNA FISCHER -- Manchmal, wenn ich

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TITELTHEMA: ZEIT zum Beispiel in der Mittagspause mit meinen Freundinnen im HarmoniePark sitze. Vor kurzem haben wir erst fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn auf die Uhr geschaut. Dann sind wir schnell in den Klassenraum gerannt. Fast wären wir zu spät gekommen. Als der Lehrer ankam, hatte ich meine Schulsachen noch nicht draussen und war noch ganz schön aus der Puste. H A N I X -- War es dir unangenehm, dass Du beinahe zu spät gekommen bist? Bewässerungsanlage gespielt. WIr sind immer wieder unter dem Sprühwasser durchgerannt. Das war lustig, wir waren alle etwas nass. H A N I X -- sehen sie oft auf ihre Uhr, frau fischer? erste Uhr zurückerinnern? Inzwischen schon. Ich lebe doch auch nach der Uhr. Ich versuche eine Regelmäßigkeit in meinen Tagesablauf zu halten. Ich verspüre beispielsweise selten ein Hungergefühl also nehme ich meine Mahlzeiten zu bestimmten Uhrzeiten ein. Und dazu brauche ich eine Uhr. ERNA FISCHER -- H A N I X -- nehmen wir an, alle Uhren fielen aus. Würden sie das essen vergessen? Nein, ich fand das lustig, weil wir alle so schnell gerannt sind. MANON -- H A N I X -- ihr hattet die zeit einfach vergessen als ihr im Park gewesen seid. Im dritten Reich war ich für den Arbeitsdienst eingeteilt. Ich war 16 Jahre alt. Wegen der Arbeit hatte ich damals auch eine Uhr. Das war in einem Barackenlager in dem ich für den Küchendienst zuständig war. Morgens gab es immer noch einen gemeinschaftlichen Appell, für den wir uns umziehen mussten. Zum Appell war Pünktlichkeit geboten. Ich habe leider einmal meine Uhr aus Versehen auf den warmen Ofen gelegt und sie ist dabei kaputt gegangen. Mein Vater hat mir aber eine neue Uhr zugeschickt. ERNA FISCHER -- H A N I X -- sie waren in den Kriegsjahren noch ein teenager. sicherlich keine einfache zeit für ein junges Mädchen? ERNA FISCHER -- Wir haben über die Schule geredet und wir haben mit einer MANON -- Nein, vergessen würde ich es nicht. Aber Hunger verspüre ich einfach kaum noch. ERNA FISCHER -- H A N I X -- Können sie sich an ihre Ich bin im Sude-

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TITELTHEMA: ZEIT tenland aufgewachsen, das im heutigen Tschechin liegt. 1938 wurde meine Heimat von den Nazis besetzt, ein Jahr später ging der Krieg los. Doch die schlimmste Zeit begann 1942 als ich aus der Schule kam. Dann kam die Vertreibung. H A N I X -- sie haben sich damals sicherlich gehetzt gefühlt? die nicht nach meinen Plänen lief. Der Arbeitsdienst, zu dem ich eingeteilt wurde, war beispielsweise nicht freiwillig. Es war mir furchtbar zu wider, dass ich als Hilfsmädchen arbeiten musste. Das habe ich wirklich als lästig empfunden. H A N I X -- Manon, kannst Du dir vorstellen solch ein Jugendarbeitslager zu absolvieren? M A N O N --Wenn dort viele Kinder wären schon. Aber wenn ich allein dort sein müsste, fände ich das doof. E R N A F I S C H E R -- Man konnte sich die Teilnahme damals aber nicht aussuchen. Jeder musste dort hin. M A N O N --Jeder musste zu solchen Lagern? E R N A F I S C H E R -- Der Staat hat uns das damals befohlen. Ich musste den Arbeitsdienst und später Kriegsdienst absolvieren. Damals habe ich sehr viel geweint. H A N I X -- Könntest Du dir vorstellen, dass die Bundesregierung dir solche Dienste vorschreibt und Du weit weg von deiner Mutter warst, um Dienstmädchen zu sein? M A N O N -- Eher nicht. Das klingt nicht so schön. Ich wurde damals ins heutige Polen geschickt, um den Dienst abzuleisten. Es war kalt und ich war weit weg von meiner Familie. Schrecklich. Nach dem Kriegsdienst kam ich nach Hause. Danach musste ich in einer Fabrik arbeiten. ERNA FISCHER -- H A N I X -- Ging diese zeit schnell vorbei? Also langweilig wurde es uns nicht. Die meisten Jugendlichen waren in der HitlerJugend oder dem Bund Deutscher Mädel. Dort wurden wir beschäftigt, es gab eine Menge zu tun. Ich habe daran nicht nur schlechte Erinnerungen. WIr wurden damals nicht vordergründig auf Krieg getrimmt. Die Jungs haben beispielsweise Modellflugzeuge gebaut oder wir waren gemeinsam wandern. Solche Unternehmungen machen Kindern und Jugendlichen natürlich Spaß. ERNA FISCHER -- H A N I X -- sie hatten also eine gute Jugendzeit, trotz des Dritten reiches? Wenn ich mich zurückerinnere: diese Pflichtdienste gingen schnell vorüber. Es gab eben viel zu tun, da kommt es einem so vor als würde die Zeit schneller vergehen. ERNA FISCHER -- H A N I X -- hast Du eine Beschäftigung, für die Du am liebsten zeit aufwendest? M A N O N -- Ich male sehr gerne. Manchmal male ich auch länger als ich eigentlich wollte. Das passiert meiner Mutter auch manchmal. H A N I X -- frau fischer, in welche Beschäftigung haben sie als junges Mädchen zeit investiert? ERNA FISCHER -- Als ich die Schule abgeschlossen hatte, begann die Zeit, ERNA FISCHER -- Unsere Freizeit

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TITELTHEMA:ZEIT war damals sehr beschränkt. Aber wenn ich einmal Zeit hatte, habe ich mir Rechenaufgaben gestellt. Mathe war mein Lieblingsfach. Und ich habe auch sehr gerne gehandarbeitet. Dabei habe ich dann auch nicht auf die Zeit geachtet. Wir hatten damals keinen Fernseher oder Radio. M A N O N -- Wir haben auch keinen Fernseher. H A N I X --Wofür mussten sie am meisten zeit aufbringen damals? ERNA FISCHER -- aufgaben mit hilfe des computers? H A N I X -- als sie noch schülerin waren, wurde auf schiefertafeln geschrieben. Nur wenn wir für die Schule etwas am Computer machen müssen. Und wenn ich etwas nicht weiß, schaue ich im Internet nach. MANON -- H A N I X -- Und dann hast Du die information, nach der Du gesucht hast in sekundenschnelle? M A N O N -- Mein Papa hilft mir dann immer. Ich kenne mich mit Computern noch nicht so gut aus. E R N A F I S C H E R -- Dieses Internet ist für mich ein spanisches Dorf. Ich verstehe einfach nicht, wie es funktioniert. Als Liebhaberin von Mathematik, gibt es sicher viele spannende Informationen im Internet aber mit 85 Jahren fange ich nicht mehr an, mich damit auseinanderzusetzen. H A N I X -- Wieso eigentlich nicht? Wäre die zeit vergeudet? Das stimmt. Wir haben zunächst auf Schiefertafeln geschrieben. Ich wurde 1932 eingeschult. Später kam dann das Schulheft. ERNA FISCHER -- H A N I X -- in der damaligen zeit war es unvorstellbar, dass ein paar Jahrzehnte später in sekundenschnelle mit jemandem am anderen ende der Welt kommuniziert werden kann. inzwischen gibt es Bild-zu-Bild-telefonie. sie können ihr Gegenüber am anderen ende der Leitung sehen, wenn sie miteinander telefonieren. Für das tägliche Leben natürlich. H A N I X -- Und wofür musst Du am meisten zeit aufbringen? Für meine Hausaufgaben und das Lernen. Dienstags komme ich erst um 17 Uhr aus der Schule nach Hause. Danach muss ich meine Hausaufgaben machen und wenn Klassenarbeiten anstehen noch lernen. Das ist dann schon ziemlich viel, ich lerne dann den ganzen Tag lang. E R N A F I S C H E R -- Heutzutage ist der Lehrplan sicherlich gedrängter als damals bei uns. MANON -- H A N I X -- Machst Du deine haus- Ich gebe mir selbst nicht mehr so viel Zeit. Deshalb ist es meiner Ansicht nach sinnlos, sich damit zu beschäftigen. Ich löse lieber Kreuzworträtsel. ERNA FISCHER -- Ich finde das toll. Obwohl ich mir einfach nicht vorstellen kann, wie diese Technik funktioniert. Zum Beispiel Telefonieren ohne Kabel. Alles geht heutzutage durch die Luft. Wo treffen sich diese Strahlen? Ich werde das wohl nicht mehr ergründen. ERNA FISCHER -- H A N I X -- ist die Geschwindigkeit, mit der heute alles pas-

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TITELTHEMA: ZEIT siert zu schnell für die Menschen? Es ist alles sehr schnell geworden. Ich war berufstätig und damals war auch Hektik dabei. Aber durch die Computer wurde wirklich vieles beschleunigt. Damals haben wir uns noch Briefe geschrieben. ERNA FISCHER -- H A N I X -- schreibst Du Briefe per hand? schreiben. Eine SMS geht aber viel schneller. Manchmal habe ich gerade eine Nachricht verschickt und habe umgehend die Antwort. Das ist schon komisch. H A N I X -- als frau fischer so alt war, wie Du es jetzt bist, musste sie oft wochenlang auf einen antwortbrief warten. Würde dich das nerven, so lange warten zu müssen, bis Du endlich eine antwort bekommen würdest? Nein, wenn, dann schreibe ich auf meiner 40-jährigen Schreibmaschine. ERNA FISCHER -- H A N I X -- irgendwann kam das telefon in ihr Leben. ERNA FISCHER -- Das war schön. H A N I X --Das kam wie aus der Pistole geschossen. Was hat sich durch das telefon für sie verändert? Ich hatte eine Brieffreundin, aber irgendwann haben wir aufgehört uns zu schreiben. Meiner besten Freundin schreibe ich per SMS oder wir telefonieren. MANON -- H A N I X -- so eine sMs kommt Brief. Das ist besser, oder? einfach viel schneller an als ein Ich finde Briefe zu schreiben eigentlich ganz schön. Ich kann dann noch ein Bild dazu malen oder ein kleines Geschenk dazu packen. Man sollte mehr Briefe MANON -- Wenn ich keine andere Wahl hätte, wäre es einfach so. Ich mag meine beste Freundin sehr. Auf einen Antwortbrief von ihr würde ich auch Wochen warten. Die Vorfreude und die Spannung auf einen Brief ist viel größer als bei einer SMS. Aber natürlich finde ich es gut, wenn ich schnell eine Antwort von ihr bekomme. MANON -- H A N I X -- haben sie schon einmal eine e-Mail geschrieben? habe eine sehr liebe Freundin, die ich seit der ersten Klasse kenne. Sie wohnt allerdings in München. Da ich mich gerne unterhalte und tratsche, war das Telefon natürlich ein Segen. H A N I X -- sollte man heutzutage manchmal etwas langsamer sein? Oder anders gefragt: Geht dir manches viel zu schnell? E R N A F I S C H E R --Ich In der Schule geht es manchmal zu schnell. Die Lehrer sollten sich lieber etwas mehr Zeit zum Erklären nehmen. Dann verstehen die Kinder das Thema auch besser und hätten bessere Noten. Die Lehrer gehen oft von sich aus und nehmen nicht die Sicht der Kinder ein. Das wäre aber besser. Das sage ich den Lehrern auch oft. MANON -- H A N I X -- es gibt das geflügelte Wort »zeit ist Geld«. Wie findest Du diesen spruch? Ich weiß es nicht. Vielleicht bedeutet es, dass die Zeit schnell vergeht? E R N A F I S C H E R -- Das ist ein Spruch, der für die Geschäftswelt ausgelegt ist. Das habe ich selbst wäh-rend meiner Berufstätigkeit erlebt. Ich habe beispielsweise auf einer Trabrennbahn gearbeitet und musste das Programmheft erstellen. Das war oft hektisch und stressig. Wir mussten schließlich rechtzeitig fertig werden, da unser Chef sonst Geld verloren hätte. MANON --

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TITELTHEMA:ZEIT H A N I X -- Kann stress und hektik auch mal guttun? Ich habe das noch nicht erlebt. Ich denke also: Nein! Aber Hektik und Stress lässt sich besser ertragen, wenn die Arbeit Spaß macht. ERNA FISCHER -- H A N I X -- Geht ihnen manchmal etwas zu langsam? hat schließlich auch nicht immer Zeit. Dieses Alleinsein ist nicht ganz einfach. H A N I X -- Manon, gibt es aufgaben, die dir zu lange dauern oder die zu einem ungünstigen zeitpunkt kommen? Heinzelmänner geben, die sich darum kümmern. Lieber mache ich Unordnung. Ich finde Unordnung schön. E R N A F I S C H E R -- Da muss ich dir Recht geben, Manon. Ich räume die Spülmaschine auch nicht gerne aus oder ein. H A N I X -- Kannst Du dir vorstellen, wie lange das »Jetzt« dauert? Inzwischen nicht mehr. Eher bin ich zu langsam. Aber in gewissen Zeiten als ich berufstätig war, dazu Hausfrau und Mutter und nebenbei noch meine kranke Mutter pflegen musste, waren mir die Tage manchmal zu kurz. Ich bin einem ständigen Schlafdefizit nachgerannt. ERNA FISCHER -- H A N I X -- Wofür würden sie gerne mehr zeit aufwenden? Ja, zum Beispiel die Spülmaschine auszuräumen. Oft sage ich, dass ich mich gleich darum kümmern werde. »Gleich« kann bei mir aber auch ziemlich lange dauern. MANON -- H A N I X -- Verschwenden sie zeit? Ich bin Witwe und deshalb alleinstehend. Ich würde gerne mehr Zeit mit Menschen verbringen, mit ihnen reden. Mein Sohn ERNA FISCHER -- Ich verschwende keine Zeit durch Unorganisiertheit. Aber im Alter bin ich einfach langsamer geworden. Dadurch dauert eben alles länger. Diese Zeit würde ich gerne einsparen. M A N O N -- Ich würde gerne die Zeit einsparen, die ich zum Ausräumen der Spülmaschine brauche. Pure Zeitverschwendung, wie ich finde.Es sollte ERNA FISCHER -- Das »Jetzt«? Vielleicht dauert es genau so lange, wie man dafür braucht, das Wort »jetzt« auszusprechen? Ungefähr eine Sekunde. Jetzt ist eigentlich jetzt oder jetzt oder jetzt. MANON -- H A N I X -- abschließend aus der Gegenwart zurück in die Vergangenheit: heilt zeit Wunden? Ja, definitiv. Jedoch nicht alle endgültig, manche Sachen vergisst man nicht vollständig. ERNA FISCHER --

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teXt & fOtOs: Maria sanDers ZEIT ZUM ERLEBEN »Sollen w i r h e u t e Ab e n d i n s K i n o gehen?« - Folgt kein euphorisches »Ja klar« als Antwo r t , d a n n e r w i d e r n v i e l e Me n schen häufig diese Frage mit: »Sorr y, i ch hab' l e ide r ke i n e Ze it « o d er » Geh t n ic h t, d ie Ze it is t zu k napp« . De rar tige Au ssa gen bekom m e n w i r o f t z u h ö re n . Do c h ist das wirklich der Fall? Oder anders gefragt: Was ist de n n Zei t ü b er h a u pt ? Ha t nich t j e d e r gle ich vie l Ze it? Mit ge nau di esen Frage n h at si c h a u c h d a s Tea m d er Le rn- und Erle bnis we lt » e xpe rim e nta« i n Hei lb ro nn b e sc h äft i gt . Au s v iel en Id een e ntwick e lte s ich s ch lie ßlich d ie So ndera usstellung »Ze i t - Ex p e d i t i o n i n d i e v i e r te Dimension«. Das Besondere daran ist, dass es d ie e r ste e i g e n e Au s s t el l u n g i s t , d ie d as Te am in Eig e nre g ie g e plant, o rga ni si er t u nd um g e se tzt ha t . Si eb en Wi s s en s ch aftle r h abe n e in um fangre ich e s Wis sen über die Ze i t z u s a m m e n g e t r a g e n . Wi s s e n, das in der neuen Sonderausstellung mit 40 Aus stel l un g sstüc k en z u m An f a s s en und Aus pro bie re n ve rm itte lt we rd e n möchte. Dass das Phänomen Zeit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten ist, stellen Besucher bei einem Rundgang schnell fest. »Im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung stehen die unterschiedlichen Größenordnungen der Zeit«, sagt Dr. Christian Sichau, Ausstellungsleiter der Experimenta. In acht Zeiträumen sind die Jahrmillionen gegliedert, in denen sich der Mensch entwickelte. Die Jahrtausende, die die Natur veränderten. Das Jahrhundert als Lebenszeitraum der Menschen. Das Jahr mit seiner Gliederung, der Tag mit seinem Rhythmus und die Stunde, ganz gleich von welcher Uhr sie angezeigt wird. Und mit der Uhr hat alles begonnen. Bereits im Altertum hat der Mensch ange94 fangen, regelmäßige Abläufe in der Natur zu beobachten, und seinen Tagesablauf nach dem Stand der Himmelsgestirne einzuteilen. Der Tag hat begonnen, wenn die Sonne aufging. Die Hälfte des Tages war vorüber, wenn die Sonne zur Mittagszeit ihren höchsten Stand am Himmel erreichte. Und wenn es dunkel wurde, war es Zeit für die Nachtruhe. Sonne, Mond und Sterne sowie die Jahreszeiten waren für den Menschen wichtige Orientierungspunkte. Doch sie waren ungenau und je nach Kontinent und Zeitzone unterschiedlich gegeben. Man versuchte genauer zu werden und fand in der Kerzenuhr eine Möglichkeit, um die Zeit präziser anzugeben. So haben die Menschen im Mittelalter

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TITELTHEMA: ZEIT durch eine gleichmäßige Brenndauer der Kerze, die Zeit eindeutige und unumkehrbare Richtung verläuft. Man kann nicht in die Vergangenheit zurück und begangene ablesen können. Es folgt die Entwicklung der Ägypter: Fehler wieder ausbessern. Das funktioniert nicht. DesDie Sonnenuhr. Sie haben sich am Schatten der Sonne wegen bedeutet Zeit, eine Reihenfolge unterschiedlicher orientiert, und konnten die Tageszeiten mithilfe von Ereignisse der Gegenwart, die von der Vergangenheit in Markierungen festlegen. Allerdings ist diese weit verbreitete Naturuhr auch nicht sehr zuverlässig. Denn bei Richtung Zukunft verläuft. Mit anderen Worten: »Die Dunkelheit oder Regen konnte die Zeit nicht abgelesen Zeit ist ein Ordnungsparameter, um die Dauer von Ereignissen und dessen Abfolge zu messen«, sagt Dr. Anwerden. Der Mensch bemerkte, dass er die Zeit nicht dreas Bauch. Das ist die objektive, messbare Sicht, Zeit souverän messen kann. Auch die darauf folgenden zu beschreiben. Nach Meinung des deutschen ZeitforEntwicklungen der Sand- und Wasseruhren standen in schers Prof. Dr. Karlheinz Geißler, gibt Abhängigkeit zur Natur, und waren es auch eine subjektive Betrachtung daher kein optimales ZeitmessgeEvolutionä r für den Menvon Zeit. Nämlich die, wie wir sie rät. »Zeit galt auch als Prestige«, erklärt Dr. Andreas Bauch, Physis ch e n wa r die Entstehung der selbst empfinden. »Für mich vergeht die Zeit nicht schnell oder langsam, kalisch-Technische Bundesanstalt. So war eine Person im Mittelalter Räderuhr, die sich schließlich sondern sie vergeht immer so, wie ich sie erlebe«, so der Wissenschaftler. einflussreich, wenn sie die Uhrzeit angeben konnte. Evolutionär für komplett von der Natur löste. Es kommt also darauf an, was wir mit unserer Zeit anfangen, wie wir sie den Menschen war die Entstehung gestalten. Geschehen innerhalb eines der Räderuhr, die sich schließlich Der Mensch konnte die Zeit Zeitraums viele Ereignisse, spricht komplett von der Natur löste. Der man davon, dass die Zeit in diesem Mensch konnte die Zeit von nun u n eingesc hrä nkt und konsMoment schnell vergeht. Sie vergeht ab uneingeschränkt und konstant quasi »wie im Fluge«. Ereignet sich anzeigen. ta nt a nzeigen. nur wenig bis nichts innerhalb eines Zeit ist also messbar. Ist es dann Zeitraums, kommt uns diese Zeit oft auch möglich Zeit zu definieren? wie eine Ewigkeit vor. Wiederum empfinden wir nachWarum es sie gibt, wird man wahrscheinlich nie erträglich einen ereignisreichen Zeitraum als lang. Ein gründen können. Doch fest steht, dass Zeit in eine

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TITELTHEMA: ZEIT Ausstellungsleiter Experimenta: Dr. christian sichau Assistentin der Ausstellungsleitung: Monika hampe ereignisloser Zeitraum, erscheint uns im Nachhinein als relativ kurz. Denn es gibt wenig bis keine Handlungen, die wir uns merken mussten. Seit knapp drei Stunden erkundet auch Sibylle Metzger (40) aus Deidesheim die Sonderausstellung. Sie ist mit ihrem Sohn Leander (7) und dessen Schulfreundin Thabea (7) dort und stellt fest: »Man braucht wirklich Zeit, um die Ausstellung wirken zu lassen.« Besonders gut gefällt ihr, dass sie und die Kinder aktiv mitmachen können und zeigt auf ein Exponat. »Wir haben gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit dabei vergangen ist.« Wussten Sie eigentlich, dass Ihr Körper gegen halb elf morgens und gegen vier Uhr nachmittags am leistungsfähigsten ist? Neben der objektiven und subjektiven Wahrnehmung von Zeit, gibt es noch ein weiteres Uhrwerk, das den Takt vorgibt: Unsere innere Uhr. Sie ist jedem Menschen angeboren. Außerdem ist bewiesen, dass jeder von uns anders tickt. Das heißt, entweder gehört man zu den Morgentypen oder zu den Abendtypen. Beide folgen jeweils einem anderen Rhythmus. Die Morgentypen werden »Lerchen« genannt. Ihnen bereitet das Aufstehen gegen sechs Uhr in der Früh keine Schwierigkeiten. Sie haben am Vormittag eine lange Hochphase und gehen zeitig gegen zehn Uhr abends schlafen. Das Gegenteil der Lerchen sind die »Eulen«. Sie stehen am liebsten erst gegen acht Uhr morgens auf und sind besonders um die Mittagszeit produktiv. Zum Abend laufen sie zur Hochform auf und bleiben bis etwa ein Uhr nachts wach. »Ich bin ein Frühaufsteher«, sagt Aylin Zühlke (15) über sich selbst. Sie habe immer einen bestimmten Ablauf, dem sie morgens folgt. »So habe ich genug Zeit und kann nichts vergessen.« Mit Freundin Tamara Rosenstengel probiert sie ein Spiel

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Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn

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TITELTHEMA :ZEIT an einem Ausstellungsstück aus. Dort kann man durch verschiedene Regler angeben, wie viel Zeit man beim Essen, Lernen, Schlafen oder in der Freizeit verbringt. Das Exponat zeigt dann die Werte in Jahren an. Über die Zukunft haben sich die beiden Teenager auch ihre Gedanken gemacht. Besonders nach der Fotobox, das ein Foto von ihnen gemacht hat, wie sie in 20 Jahren aussehen. »Echt heftig«, findet Tamara das Ergebnis. Die 15jährige Realschülerin kann sich vorstellen, die Fachhochschulreife zu machen und danach eine Ausbildung zur Hotelfachfrau anzufangen. Aber das werde sich zeigen. Sie nimmt von der Ausstellung mit, dass Zeit etwas Kostbares ist. »Irgendwann ist jede Lebenszeit zu Ende«, erzählt Tamara Rosenstengel, »deswegen sollte man sie nicht mit unnötigen Dingen verschwenden.« Wi ss e n swe r t e s Die Experimenta in Heilbronn bietet Ausstellungen zum Anfassen. Als Lern- und Erlebniswelt macht sie Na98 turwissenschaft und Technik in vier aufwendig inszenierten Themenwelten spielerisch verständlich. Junge und erwachsene Besucher erleben anhand von 150 interaktiven Exponaten die Bereiche Energie & Umwelt, Technik & Innovation, Mensch & Kommunikation sowie Menschen & Freizeit. Aber es gibt noch mehr zu entdecken: In der »akademie junger Forscher« steht das Experimentieren im Mittelpunkt. Unter pädagogischer Leitung können Kinder und Jugendliche aller Altersklassen in drei Laboren und zwei Ateliers forschen, was das Zeug hält. Zudem können Besucher eigene Stärken in den unterschiedlichen Talentschmieden herausfinden und vertiefen. Workshops, Vorträge, Experimental-Shows und Sonderausstellungen machen das Angebot abwechslungsreich. Die Sonderausstellung »Zeit - Expedition in die vierte Dimension« ist für Interessierte noch bis zum 29. April 2012 geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter www.experimenta-heilbronn.de.

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TITELTHEMA: ZEIT

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TEXT & FOTOS: WOLFGANG FISCHER O P E R A T I O N E N H E R Z E N D E R Z E I T Wen n e i n e r im Un t e r l a n d r i c h t ig »tickt«, dann kann es nur Uhrmacher-Meister und Ju we l i e r Ha n s Lu i t h l e s e i n . 66 seiner jetzt 76 Lebensjahre habe er in der Uhrmac h e r -We rk s t a t t z u g e b r a c h t . Oder fast. Mit ihm über die Zeit zu philosophieren fällt t ro t zd e m s c h we r. E s s i n d k eine großen Wor te, die er über die »vier te Dimension « ve r l i e r t , v i e l m e h r ü b e r d ie großen oder minimalsten Räder werke, die die Zeit a m l a u f e n h a l t e n . Od e r a u ch kleine Lebenser fahr ungen, die aber jeder kennt: »Al s i c h Fu ß b a l l s p i e l t e , w i r i n Führ ung lagen, verging die Zeit bis zum Schlusspfif f v i e l z u l a n g s a m u n d w a re n wir im Rückstand, dann lief sie uns d avon«. Und: »De n k e i c h ü b e r e i n s c h w i e r i g e s Thema nach, vergeht die Zeit viel schneller.« Für Hans Luithle ist der Beruf Berufung. Der Name Luithle ist im Unterland seit 105 Jahren, bzw. mit ihm in der dritten Generation, der Inbegriff für Uhren und Schmuck. Schon als Zehnjähriger schaute er seinem Vater auf die Finger und begann erste Handgriffe zu üben. Zum zweiten Mal fiel bei den Luithles der Apfel nicht weit vom Stamm. Fein säuberlich hat er die Firmengeschichte, seine Zeugnisse, Graduierungen (stets mit Best-Noten), Erfolge bei Gestaltungswettbewerben, diversen Fach- und Fortbildungskursen sowie Berufungen in höchste deutsche Gremien seiner Zunft, abgelegt. Dazwischen aber auch Bilddokumente aus seiner Zeit als Fußballer, als sich der VfR und die Böckinger Union vor Tausenden von Zuschauern heiße Matches lieferten, von denen alte Fußball101 fans noch heute schwärmen. Da erlebte man den Feinmechaniker robust und derb. Nicht fehlen dürfen Bilder, die ihn mit bekannten, früheren Tennisspielern zeigen. Er war viele Jahre Sponsor des ATPHallenchallenger-Turniers, Heilbronn Open, in Talheim. »Dr. für Chronometrie« Über einen verwinkelten schmalen Gang und einige Stufen geht es in die Werkstatt. Aha, hier rastet die Zeit, nimmt Auszeit, bis sie von den unverändert zitterfreien Händen repariert und wieder auf`s korrekte Zeitgleis gestellt wird. Überall an den Wänden hängen Uhren oder sie liegen in Regalen. Dazwischen kleine Schächtelchen mit Schrauben, Zahnrädern, Stiften.

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TITELTHEMA: ZEIT Meint einer der Zeitgeber, sich tot stellen zu müssen, oder verschlafen das Stundenziel erreichen zu wollen oder vielleicht ein Wettrennen zur 60-Minutengrenze veranstalten zu müssen, tritt unser »Dr. für Chronometrie, Hans Luithle« zur Herzoperation an. In der Tat sieht Luithle bei seinem Beruf Verwandtschaft mit Ärzten. Sie sind ebenfalls Feinst-Mechaniker, zwar an einem lebenden Objekt, dafür mit optischer und elektronischer Mikrotechnik ausgestattet. Im rechten Auge klemmt eine Lupe, in den Händen hält er eine Pinsette und Mikro-Schraubenzieher. Die Reparatur kann beginnen. Staub und vertrocknetes Öl sind die häufigsten Krankheiten bei älteren Uhren. Es mag kaum zu glauben sein, aber es kann auch kleinere Unfälle geben. Einem Mitarbeiter passierte etwas nicht Alltägliches: Mit dem Einatmen zog er ein feines Zahnrad in die Nase, und weg war es für immer! Aber es kann noch verflixter kommen. Luithle lacht. Ein einziges Mal, und das war als Bub, pfefferte er eine Uhr in die Ecke. Trotz seines mehrstündigen Eingriffs absolvier102 te die Uhr ihre Stunde schon in rund 45 Minuten. Er kam lange nicht hinter den Fehler: Einem Zylinderrad fehlte eine Zacke. So übersprang das Gegenrad diese Lücke, was die Uhr pro Stunde um 15 Minuten schneller laufen ließ. In den vergangen Jahrzehnten hat sich viel verändert. Es kamen Funkuhren auf den Markt. Die Atomuhr in Braunschweig korrigiert dabei per Funk mindestens einmal pro Tag eventuelle Abweichungen; dann folgte die Digitalisierung der Zeit (»ein typisches Zeichen der Zeit«) und schließlich sorgen kleine Knopf-Batterien für langfristigen Antrieb. »Früher wurde ein defektes Rädchen ausgewechselt; manches Teilchen stellten wir sogar noch selber her. Heute liefern die Hersteller gleich Komponenten, die man nur noch einsetzen muss. Da ist keine große Uhrmacherkunst notwenig«, klagt Luithle. Überhaupt, Uhren sind kein Statussymbol mehr, wie noch nach dem Krieg bis in die 70er Jahre hinein. Männer schätzen heute Quarzuhren wegen ihrer Genauigkeit. Wenigstens sehen viele Frauen eine Uhr noch als Schmuckstück.

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TITELTHEMA: ZEIT Ro l ex & Co. Noch sei niemand auf die Idee gekommen, Luithle eine Uhr zu schenken. Logisch! Es kommt auch niemand auf die Idee, Audi-Chef Stadler eine "indische Reisschüssel auf vier Rädern" schenken zu wollen und dann auf Freudensprünge zu hoffen. In Luithles Geschäft an der Deutschhofstraße, den Auslagen und im Tresor liegen hunderte feine, schöne, teure Stücke. Natürlich sind nicht die Teuersten der Welt dabei, wie Chronometer von IWC, die beim Preis von 250.000 Euro beginnen; oder, eine besondere Rolex, die er einer Pflege unterziehen durfte. Das "Uhrli", es sei mit 125.000 Euro zu kalkulieren gewesen, hatte soviel Platinbesatz, dass nicht einmal das "R" als Firmenzeichen auf dem Zifferblatt noch Platz hatte. Für ein Geschenk dieser Dimensionen, würde er seine persönliche Rolex natürlich abnehmen, sauber verpacken und zur Seite legen. Luithle begnügt sich mit seinen Gesellen- und Meisterstücken, die er unverändert immer wieder gerne ansieht und Gästen mit berechtigtem stolz zeigt.

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SEI EIN ZEITMANAGER ES LOHNT SICH ! teXt: Vanessa KÄrcher fOtOs: fOtOLia Zeitmanagement - in letzter Zeit hört man diesen Begriff immer häufiger. Aber was genau bedeutet Zeitmanagement eigentlich? Dieser Begriff ist irgendwie zu abstrakt, als dass man ihn greifen kann um etwas Konkretes damit anfangen zu können. Wir suchen zunächst im Netz nach einer verständlichen Definition. Wiki sagt dazu folgendes: »Unter Zeitmanagement versteht man mehrere Vorgehensweisen, die dabei helfen sollen, anstehende Aufgaben und Termine innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitraums abzuarbeiten.« Zeitmanagement ist ein dehnba104 rer Begriff und beinhaltet unterschiedliche Themen. Die Hauptfrage lautet hierbei: Wie können wir es erreichen, unsere Zeit systematisch und diszipliniert zu planen? Persönliches und berufliches Zeitmanagement Das Eisenhower-Prinzip, das von US-Präsident und Alliieren-General Dwight D. Eisenhower praktiziert und gelehrt wurde, ist simpel und gilt als Geheimnis vieler USPräsidenten. Das Prinzip: Alle Aufgaben werden einem von vier Be-

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TITELTHEMA: ZEIT reichen zugeordnet, das heisst nach Wichtigkeit und Dringlichkeit eingeteilt und abgearbeitet. In der Praxis könnte dies bedeuten, die Aufgaben in zum Beispiel vier farblich unterschiedliche Ablagekörbchen zu sortieren. Große Aufgaben werden in kleine Teilaufgaben gespalten und einzelne Aufgaben an andere deligiert. Wichtig: keine »Zwischenhäufchen« und weitere Bereiche bilden. Kriterium des Dringlichen ist die Kurzfristigkeit der zu erledigenden Aufgabe. Die Kriterien des Wichtigen lauten hingegen, dass das Projekt langfristig angelegt ist und große Bedeutung hat. Aufgaben, die im Quadrant »nicht wichtig - nicht dringend« landen, werden eliminiert. Das Pareto-Prinzip Das Pareto-Prinzip ist ein weiterer Leitfaden zur besseren Zeiteinteilung. Sicher haben Sie schon einmal etwas von der 80-20-Regel gehört. Falls nicht, werden Sie merken, dass diese erstaunlich einfache Theorie auf sehr viele Bereiche anwendbar ist. Vilfredo Pareto, Nationalökonom und Soziologe italienischer Herkunft (1848-1923), entdeckte 1897 dieses Prinzip. Er beschäftigte sich mit der Verteilung von Reichtum und Einkommen im England des 19. Jahrhunderts. Das Pareto Prinzip besagt: In 20 % der Zeit werden 80 % der Arbeiten erledigt und unterscheidet die Kriterien effektiv und ineffektiv. So behauptete der Italiener, dass 80 Prozent der anfallenden Arbeiten in Projekten in 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit erledigt werden. Für die verbleibenden 20 % der Aufgaben, müssen oft 80 % der Zeit und Mittel eingesetzt werden. 20 Prozent der Angestellten einer Firma sind für 80 Prozent der Arbeitsleistung verantwortlich. 20 Prozent der Kunden sind für 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Das Fazit zum Pareto-Prinzip kann also lauten: Mit nur 20 Prozent des Aufwands wird bereits ein Nutzen von 80 Prozent geschaffen! Voraussetzung ist allerdings, dass die Konzentration auf die wichtigsten Aufgaben gelegt wird. Umgekehrt bedeutet das: 80 Prozent unserer täglichen Zeit vergeuden wir mit Dingen, die uns unseren Zielen nur wenig näher bringen! Nicht nach Perfektion streben Wir alle möchten immer perfekt sein. Doch diese Tugend macht uns oftmals einen Strich durch die Rechnung. Gut zu sein ist meist völlig ausreichend. Perfektionismus heißt zugleich auch Stress, Energieverlust, aber vor allem Zeitverlust. Gemäß dem vorgestellten Pareto-Prinzips ist dies unwirtschaftlich. Es ist daher oftmals Erfolg bringender, seinen eigenen Perfektionismus runterzuschrauben und die »gewonnene« Zeit für neue, wesentlichere Aufgaben einzusetzen, als seine Energie in die noch fehlenden 20 Prozent zu stecken. Aufgaben werden schneller gelöst und man selbst ist zufriedener und gelassener. Selbstverständlich gibt es nicht nur Aufgaben, bei denen ein 80-ProzentErgebnis zufriedenstellend ist - vor allem nicht für den Chef. Im Privatbereich fährt man aber mit der 80-ProzentLösung ganz gut. »Die Fähigkeit, Nein zu sagen, ist der erste Schritt zur Freiheit!« Warum fällt es so schwer »Nein!« zu sagen? Oft ist es die Angst, die Menschen »Ja« sagen lässt. Angst vor Ablehnung oder nicht mehr gemocht zu werden. Angst vor Konsequenzen. Angst, etwas zu versäumen. Man möchte nicht egoistisch wirken oder man geniest das Gefühl des Gebrauchtwerdens. Dabei ist »Nein«-Sagen einfach zu lernen. Folgende Punkte helfen: beDenKzeit nehmen: Analysieren Sie die Situation kurz. Lernen Sie auf sanfte Art »Nein« zu sagen: Begründen Sie argumentativ ihr »Nein«. Bedanken Sie sich aber für das Vertrauen, das der andere in Sie setzt VerstänDnis zeigen: In manchen Situationen reicht auch ein »halbes« Nein. Bieten Sie an, einen Teil der Aufgabe zu übernehmen. Oder sagen Sie für einen anderen Zeitpunkt zu. alternatiVen Vorschlägen: Bieten Sie einen anderen Lösungsvorschlag an oder empfehlen Sie an andere Personen weiter. Ziehen Sie Personen hinzu, deligieren Sie Aufgaben. To Do-Liste Um zu Erledigendes nicht zu vergessen und den Überblick nicht zu verlieren, behelfen sich viele Menschen einer To-Do-Liste und betreiben, ohne es wissen, bereits aktives Zeitmanagement. Angenommen eine Geburtstagsfeier steht ins Haus und muss organisiert werden. Jeder weiß, dass dies Einiges an Arbeit mit sich bringt. Es müssen Einladungen verschickt werden, die Essens- und Getränkeauswahl muss getroffen werden, Einkäufe sind zu erledigen, es muss gekocht und dekoriert werden, zum Schluss wirft man sich noch in Schale und zieht gerade noch den linken

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TITELTHEMA: ZEIT Schuh an bevor der erste Gast auch schon vor der Türe steht. Stress pur! Eine To Do-Liste wird in solchen Situationen zu einem unentbehrlichen Helfer im Alltag und dient zugleich als Kontrollinstrument. Wichtig ist hierbei alle anstehenden Teilaufgaben zu notieren, diese zu priorisieren, den benötigten Zeitaufwand ehrlich und realistisch abzuschätzen und ausreichend Puffer einzubauen. Eine To-Do-Liste kann sowohl für einen Tag, eine Woche oder eine bestimmte Aufgabe verwendet werden. Ganz wichtig: Nach getaner Arbeit wird das »To Do« abgehakt, die Visualisierung verstärkt das Gefühl, dass es vorangeht. Mal ehrlich, ist es nicht ein Glücksgefühl, wenn man etwas Erledigtes abhaken kann? Zeitdiebe und Zeitfresser Wir alle kennen sie, die sogenannten Zeitdiebe und Zeitfresser. Ein Tag ist rum und man fragt sich, was man denn heute alles so Produktives getan hat. Die Antwort ist hin und wieder schon einmal erschreckend. So vieles hatte man sich doch vorgenommen. Und genau darum ist es besonders wichtig diese lästigen Biester zu erkennen, diese so gut wie möglich zu reduzieren oder gar zu eliminieren. Getreu nach dem Motto: Gefahr erkannt - Gefahr gebannt. Beispiele für Zeitfresser gibt es genug. Manche mag man sogar. Ob Handy, Telefon, der PC, Freunde, Termindruck, fehlende Zielsetzungen, ein schlechtes Ablagesystem, mangelnde Tagesplanung, Ablenkung, Lärm, langwierige Besprechungen, Unentschlossenheit, unnötige Wartezeiten, zu wenig Delegation, mangelnde Selbstorganisation, unangemeldete Besucher oder das Kollegenschwätzchen im Büro. Die Liste ließe sich noch mit unzähligen anderen Punkten füllen. Das Wichtigste zum Schluss Bei all den Terminen, der Geschäftigkeit, dem Hin und Her, kurz gesagt: bei all dem Stress, ist eines ganz besonders bedeutsam. Sich einen regelmäßigen Ausgleich zu schaffen. Das WIE spielt hierbei eine untergeordnete Rolle und kann tausend Facetten haben. Es kommt darauf an, sich Momente des Glücks zu zaubern, Momente, die Spaß machen, Momente, um einmal inne zu halten. Die einen powern sich beim Sport aus, andere suchen Ruhe und Entspannung in einem guten Buch. Die Möglichkeiten sind so vielseitig, wie die Menschen unterschiedlich sind. Nur, wer Zeitmanagement verinnerlicht, zieht einen Nutzen daraus. Was habe ich nun von all der Theorie? Nichts, wenn Sie nichts davon umsetzten! Vorteile und Nutzen von organisiertem Zeitmanagement Wer seine Zeit gut einteilt, schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Eine Erhöhung der Effektivität (Zielorientierung) und Effizienz (Wirtschaftlichkeit) ist genau so wahrscheinlich, wie ein schnellerer Stressabbau und ein dadurch gesteigertes Level an Gelassenheit und Zufriedenheit. Aber vor allem ist der Zeitgewinn hervorzuheben. Ob die gewonnene Zeit für andere, schöne, lustige, nervenkitzelnde Aktivitäten, wichtige, gewinnbringende, zielführende Aufgaben oder unsere wertvollen bedeutenden und oft zu kurzkommenden lieben Mitmenschen eingesetzt wird, spielt dabei keine Rolle! Probieren Sie diese Techniken aus, fangen Sie langsam an und Sie werden ganz bestimmt positive Veränderungen wahrnehmen. mein Persönliches zeitmanagement testen: httP://KaffeePausensPiele.worDPress.com/categorY/ zeitmanagement/

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TITELTHEMA: ZEIT

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HERBST IM UNTERLAND ein fOtOstrecKe Mit BiLDern VOn WOLfGanG fischer

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QUIZ DICH GLÜ C K L I C H

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº3 FRaGE: WIE hIESSEn CaSh FoR ClunKERS, BEVoR SIE CaSh FoR ClunKERS hIESSEn? SIE haBEn zuSammEn mIT dEn BEaTSTEaKS GESpIElT und haBEn SoGaR SChon Im auSland (öSTERREICh) GETouRT. SEIT 20 jahREn SInd dIE RoCKER Im unTERland und daRüBER hInauS unTERWEGS um EhRlIChEn RoCK daRzuBIETEn. SpäTzlE KönnEn SIE Ganz GuT. WEnIGER GuT FunKTIonIERT aCKERSalaT zu WaSChEn. üBER hEIlBRonn SaGEn dIE ClunKERS »loVE IT oR lEaVE IT!« JAILERS TASCHE SUBTIL BIKES BEATSTEAKS CASH FOR CLUNKERS- 1 x JaiLers-tasche 1 x sKULL-LeD-set 1 x 2 tickets PAKET In der Heilbronner JVA hat sich ein kleines aber feines Label gegründet. Produziert werden diverse Taschen aus LKW-Plane oder Leder und Kaffeesäcken. Der Clou bei den Taschen: der MiniHandschellen-Verschluss. Subtil-Bikes hat etwas für Velo-Piraten: LED-Lichter in Totenkopf-Design. Die Teile sehen dabei nicht nur super aus, sondern sind auch richtig schön hell. Wir verlosen ein Set, wahlweise in rot oder blau. Ende November gastieren die Berliner »Beatsteaks« auf ihrer »Winter-Tour« auch in der Heilbronner Harmonie. Wir verlosen einmal zwei Tickets für das Heilbronner Konzert des Jahres. Feinster Punkrock ist garantiert. 2 x c-f-c-fan-PacKaGe Die Heilbronner Rocker haben je zwei CDs ihres Albums »Rockapokalypse« und Fan-Shirts mit knallrotem Cash for Clunkers Schriftzug. Besser gekleidet geht es kaum Wer Meint, Die LÖsUnG zU Kennen, schicKt Diese Per MaiL an: QUiz@haniX-MaGazin.De; Betreff: Wer nicht hat, Der WiLL nOch! einsenDeschLUss ist Der 18. nOVeMBer. Der rechtsWeG ist aUsGeschLOssen. aLLe GeWinner WerDen schriftLich BenachrichtiGt UnD naMentLich VerÖffentLicht. Die richtiGe antWOrt aUf Die fraGe Des VOranGeGanGenen QUiz LaUtet: 3,50 EUR GeWinner: JOchen MeYer (JaiLers-tasche), anDreas hOfMann (sUBtiLes sKULL-LeD-set), christOPher hainz (schicKe WeinVerKOstUnG) & anJa WÖrner (stricK-BLitz)

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natascha staPf L I E B E H E I M AT, ein Brief aUs MaGDeBUrG / VOn natascha staPf vor einem Jahr machten sich mein Freund, Jonathan und ich auf den Weg, um 550 Kilometer nordöstlich in der Landeshauptstadt Sachsen- Anhalts, nämlich in Magdeburg zu landen. Hier studieren wir beide jetzt: Jonathan VWL und ich Medizin. Was ich gleich gelernt habe? Integration beginnt im eigenen Land. Dazu muss man keiner anderen Nationalität angehören oder einen Stempel im Pass haben. Nein, es sind die kleinen unterschiedlichen Nuancen im Alltag, die mich an dich, meine Heimat, erinnern. Ob du's glaubst oder nicht, aber Maultaschen und Spätzle sind hier eine Seltenheit. Ja und Buabaspitzle sogar ein Fremdwort. Die Spezialitäten hier heißen Grünkohl, Leber und eine für mich immer noch undefinierbare Suppe namens Soljanka. Nun wohne ich in einem der Neuen Bundesländer. Eine bessere Beschreibung zu der Region fällt mir nicht ein. Ich lernte schnell, dass Worte wie Wende, Ossis oder Osten, nicht gerne gehört werden. Aber wie soll ich denn als Süddeutsche die Region und ihre Bewohner nennen? Ja und zum Begriff Wende: Auch wenn das System der DDR für mich niemals eine politische Option darstellte und sogar mein lieber verstorbener Onkel insgesamt 13 Jahre im DDR - Knast wegen versuchter Republikflucht einsaß, lernte ich zu akzeptieren, dass sich viele Menschen von der Wende betrogen fühlten. Denn sie empfanden diese vielmehr als Übernahme und nicht als Wiedervereinigung. Ich musste mich also in einer besonderen Form der Toleranz üben. Was mich hier aber sehr berührt, ist die Freundlichkeit der Menschen. Egal, ob es kurz vor Ladenschluss ist oder eine elend lange Warteschlange an der Kasse steht - die Menschen haben stets Zeit für Freundlichkeit. Und wenn da dieses kleine Mädchen an der Kasse steht, dass so oft den 6-er Pack Sprudel und andere Dinge für ihre Familie besorgt, dann steht die Kassiererin auf und hilft der Kleinen den Sprudel zu ihrem Fahrrad zu tragen. Und die anderen Kunden warten gerne. Magdeburg ist eine wirklich schöne Stadt, aber leer. Seit der Wende sind zirka 60.000 Menschen in den Westen umgezogen. Das ist echt schade. Die Stadt bietet nämlich eine perfekte Infrastruktur und ist für viel mehr Menschen ausgelegt. Tatsächlich leben hier etwa 230.000 Einwohner. Dafür genieße ich die vielen Parks, denn Magdeburg gehört ja auch zu den grünsten Städten Europas. An Feiertagen muss ich hier nicht schon früh aufstehen und einen Grillplatz reservieren. Denn es gibt unendlich viel Grünfläche mit öffentlichen Grillplätzen. Von Wein versteht hier allerdings kaum jemand etwas. Deine Weinberge, liebe Heimat, die vermisse ich schon

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS MAGDEBURG sehr. "Die Stadt ist ihrer glücklichen Lage, ihrer schönen und fruchtbaren Gegend nach auf Garten, Frucht und Weinbau gegründet", stellte einst schon Goethe fest. Was soll ich da noch hinzufügen? Lustig ist, dass ich immer dann an dich erinnert werde, liebe Heimat, wenn ich von den Menschen hier gefragt werde: "Wo kommst Du denn her?" Und ich freue mich über diese Frage. "Aus Heilbronn! Bei Stuttgart liegt das.", sage ich dann immer. Es ist so, dass ich mehr "schwäbel" seit dem ich hier in Magdeburg lebe. Ich glaube, es geht mir darum meine Heimat hochzuhalten. Heimat und Heimatverlust waren ja auch einst mein Abiturthema. Dieses Thema darf ich hier am eigenen Leib erfahren. Wie gesagt, Integration beginnt im eigenen Land. Dazu muss ich nicht auf die andere Seite der Welt reisen! Magdeburg ist schon weit genug, um dich, meine Heimat, zu vermissen. Ich vermisse dich! Deine Natascha STECKBRIEF A l ter : 32 Be r u f : Med i zi n stu d en ti n H e r ku n f t: Hei l b ro n n Wo h n o r t : M a g d eb u rg I n S a ch s e n - A n h a l t sei t: 9/20 1 0

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rafaeLa carriJO S TAU , E I N E M Ö G L I C H K E I T ZU ABLENKUNG ODER EIN GRUND SAUER ZU SEIN? R afaela C a r r i j o s t a m m t a u s Br a s i l i en und lebt der Liebe wegen in Sülzbach. An die s e r St e l l e s c h re i b t s i e a l s Ne ig´schmeckte über Eigenheiten unserer Region. Wir k or r i g i e re n ih ren Sa t z b a u d a b ei nich t. Mit dem Auto in einer Schlange zu stehen ist ein großes Drama für das Deutsche Volk, besonders für die Heilbronner. Hier im kleinen, multikulturellen Heilbronn, alles funktioniert prima. Niemand braucht sich in Warteschlangen zu stellen, nicht im Supermarkt oder in Ämtern. Alles läuft zack zack, ganz unkompliziert und fließend, eben so, wie ein schwäbisches Leben sein muss. Zeit bedeutet auch Geld und Zeit und Geld verlieren die Menschen aus der Region nicht gerne. Heilbronn ist nicht ziemlich groß und eine ganze Menge der Einwohner benutzt die Stadtbahn und Busse, weshalb der Verkehr meist fließt. Aber will man einen Heilbronner schlecht gelaunt sehen, fährt man zur Hauptverkehrszeit auf die Autobahn, wenn alles voll ist. Dann schimpfen Männer und Frauen um die Wette. Die Menschen fragen sich wieso, weshalb und warum. Ob ein Unfall, eine Baustelle oder ein LKW den Verkehr, der doch eigentlich fließen sollte, zum stoppen bringen. Feierabendverkehr ruiniert das Leben, mindestens für die Einheimischen. Ganz anders begegnen die Menschen in meiner Heimat Brasilien Staus. In Brasilien das bedeutet eine Möglichkeit zu Ablenkung. In dieser sogenannten »Rush Hour« man kann auch sehr viel Spaß haben. Ein Stau in Brasilien sieht definitiv anders aus als einer in Heilbronn. Bei uns entscheidet man sich den Stau zu genießen, zu philosophieren und währenddessen zu träumen. Wir haben sogar einen Song. Übersetzt heißt eine Zeile: »Durch den Stau sehe ich eine Welt voll von Menschen und Zeichen.« Ich habe gelesen dass im Schnitt verbringt jeder Deutsche pro Jahr gut 50 Stunden in Staus, mehr als eine ganze Arbeitswoche. Jedes Jahr gibt es mehr als 1000 Staus mit über zehn Kilometer Länge. Wenn das so ist, und man sich wieder einmal in einem Stau befindet, sollte man einfach eine Unterhaltung für diese Zeit finden. In Brasilien ist die Verkehrssituation nicht besser als hier. ,Wir erleben in den Groß122

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NEIG´SCHMECKT: STAU städten täglich stundenlang dauerndes »Stop and Go«. Aber wir überstehen diese Zeit gut gelaunt. Bei uns zum Beispiel schminken sich die Frauen gerne, dass sie hübsch aussehen für ihren Partner oder eine spontane Happy Hour mit Freunden. Manche Brasilianer beten während eines Staus. Ich habe beides gleichzeitig gemacht, mit Gott gesprochen habe ich laut und deutlich. Weil ich war allein in meinem Auto. Es konnte mich niemand hören. In Brasilien habe ich während Staus außerdem oft den Meerblick genießen können. Aber hier ist es auch sehr schön. Gibt es so viel Wald und Weinberge zu bewundern aber nein, die Menschen wollen über diese vorübergehende Störung, die ein Stau mit sich bringt, meckern. Es tut mir leid, liebe Unterländer, dass ich hier etwas an meiner neuen Heimat kritisieren muss aber ich will nur ein Tipp geben. In Brasilien sagt man: »Wenn es keine Lösung gibt, die Lösung ist gegeben!« Man sollte die Zeit, die ein Stau einem beschert, genießen. Eigentlich ganz einfach. Man kann die Lieblingsmusik einlegen und laut mitsingen, einen lieben Menschen anrufen. Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Stau für sich zu nutzen. Brasilianische Männer haben noch mehr Spaß im Stau. Zuerst probieren sie über den Standstreifen zu fahren, dann wenn das nicht mehr geht, wird gelesen oder - noch besser -geflirtet. Viele junge Paare haben so ihr Liebesleben angefangen. Genau wie es hier einen Trend gibt, über das Internet zu flirten, flirtet man in Brasilien aus dem Auto heraus. Das sind kulturelle Unterschiede. Hier wird ein flirtender Latino mit Sportauto eher als Prolet angesehen. Aber selbst, wenn die Deutschen den Stau nicht als Partnerbörse für sich entdecken, ist es besser, Staus gelassen zu ertragen und sich dabei eine gute Zeit zu machen. Neulich stand ich am Weinsberger Kreuz im Stau. Keine unbekannte Situation für alle Autofahrer aus der Region. Ich habe zum ersten Mal gesehen, wie eine Mann seine Zeitung im Stau gelesen hatte. Er sah entspannt dabei aus. Das war toll, er hat den Stau akzeptiert ohne dagegen zu kämpfen. Klar, Baustellen verursachen immer Stau aber deswegen gibt es hier so tolle Autobahnen. In Brasilien sollten wir streiken, vielleicht einen riesigen Stau provozieren, dass wir irgendwann auch so tolle und sichere Straßen bekommen. Hier in Deutschland gibt es tolle Autobahnen mit den besten Autos der Welt, dazu gibt es schöne Natur zu sehen und Hunger hat hier auch kaum jemand. So ein bisschen Stau kann helfen sich selbst und die Umgebung zu genießen. Es macht einfach Spaß aus dem Auto heraus zu merken was hinter der Fensterscheibe existiert. Mit Spaß und Humor ein Stau ist leichter zu ertragen.

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arOUnD the WOrLD Mit PatricK OrtWein & PaUL hOcK OHN E F L IE GE R U M D I E W E LT UN D D A B E I N E U E F E L S E N ERK L E T T E R N teXt: MattheW GULL fOtOs: PriVat Die He i l b ron n er Pa t r ic k Or t wei n und Paul Ho ck wo llte n nach d e m Abi ni cht sofor t l osstud i eren . Al s o en t s c hl o s s e n s ie s ich ih re be id e n Ho bbys , Re isen und Klett e r n , z u ve r b i n d e n u n d o h n e Flugzeug um die Welt zu reisen und dabei neue K le tte r fe l se n u n d L eb en s er f a h r u ng e n zu s am m e ln. De n Ze itpunk t d e r Rückkehr l a s s en Pa u l u n d Patrick d abe i vö llig o ffe n. H A N I X - also, Patrick, bald geht es mit deiner reise los. Wie lange wirst du uns denn verlassen? PAT RICK O RT W E I N -- Naja, wir werden Deutschland in etwa zum 15. November mit dem Bus von Paul verlassen, wie lange ich von diesem Zeitpunkt unterwegs sein werde, steht noch völlig offen. Da lege ich mich nicht auf einen Zeitraum fest. HAN IX -- Gibt es da f ü r e i n e n G r u n d ? f ü r g e wöhnlic h s e t z t m a n j a e i n D a t u m f e s t und s agt ich gehe für e i n b i s z w e i M o n a t e o d e r e in semester ins a u s l a n d . PATRICK O RT W E I N -- Zum einen kann ich das nicht, weil ich keinen Flug gebucht hab, also überhaupt kein "Rückfahrschein" in der Tasche habe, zum anderen will ich mir selbst keine Barriere sein, indem ich mich unter Zeitdruck setze. Dass alles strukturiert und bis ins Detail geplant sein muss, ist eine Denke die ich nicht als eine positive Eigenschaft sehe. Es gibt zum Beispiel viele Studienberater, die Studenten bestimmte zeitliche Begrenzungen empfehlen, damit sie durch den Auslandsaufenthalt keine Fragen in ihrem Lebenslauf aufkommen lassen. Das ist bildungspolitischer Schwachsinn, ebenso wie jungen Menschen zu sagen, sie hätten keine Zeit und müssten sofort nach dem Abi studieren. Ich finde jeder sollte die Mög-

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ARO UND THE WORLD: PATRICK ORTWEIN & PAUL HOCK lichkeit haben, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und Reisen als einen Selbstzweck sehen und nicht zwangsläufig in Verbindung mit einer beruflichen Karriere. H ANI X -- also g e h t e s d i r d a r u m d e i n e r e i s e mögl ichst frei z u g e s t a l t e n ? PAT R I C K ORT W E I N -- HANI X -- a l s o g a n z o h n e f l u g z e ug? hast du flugangst? PATRI CK O RT W E I N -- (lacht) Nein, kein Stück! Ich geh auch gerne Fallschirmspringen, das würde nicht zusammenpassen. So frei wie es eben geht. Wie frei ich mich bewegen kann, hängt ja auch von anderen Faktoren, wie Visabestimmungen und politischer Stabilität in den jeweiligen Ländern ab. Beschränkt werde ich nur durch das Ziel das ich mir gesetzt habe, die Weltreise ohne Flugzeug zu schaffen, aber ich glaube, dass mich das nicht in meiner Freiheit einschränkt - im Gegenteil. HANI X -- W a s i s t d a n n d e r G r u n d dafür auf d a s f l u g z e u g z u v e r z i c h t e n ? i st es eine ökologische Überlegung? PATRI CK O RT W E I N -- Naja, der Nachhaltigkeitsgedanke ist schon auch ein Grund, da hatte ich eine super Lehrerin auf dem Gymnasium die uns viel über Globalisierung und die Folgen beigebracht hat. Das spielt aber nur bedingt

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AROUND THE WORLD: PATRICK ORTWEIN & PAUL HOCK » Man s ollt e keine Angst vor dem Reisen ha b e n u n d den Mensc hen nic ht mit einer skeptischen Grundeinstellung begegnen. Ich denke, so kann man sich viele schöne Er fahrungen ve r b au e n . Wenn da nn eben ma l wa s pa ssier t... n aja, s h it ha ppens!« eine Rolle. Worum es mir eigentlich geht, ist von meiner Reise jeden Meter zu erleben. Es ist ja so, dass man räumliche Distanzen in kürzester Zeit überwinden kann. Wer übermorgen z.B. in Malaysia sein will, geht heute noch ins Reisebüro und fliegt morgen los. 15 Stunden später ist man in einer komplett anderen Welt. Ein Klimawechsel, der dich wie ein Schlag ins Gesicht trifft, eine andere Sprache und eine neue Kultur. Man hat keine Zeit sich langsam anzupassen, sondern wird da direkt reingeworfen. Wenn man den Landweg geht, erlebt man jeden Meter, jede kleine Veränderung viel intensiver mit und es ergeben sich durch Zufälle neue Reiseziele. Man kann sich einfach durch die Welt treiben lassen. HANI X --G i b t e s d a n n ü b e r h a u p t e ine art Planung deiner reiseroute? Die gibt es schon. Zumindest grob. Paul und ich werden zusammen hier losfahren und über Frankreich nach Spanien zum Klettern gehen, in El Chorro werden wir uns voraussichtlich ein bisschen länger aufhalten, bis ich dann nach Marokko weiterziehe und Paul spontan entschließt wie es für ihn weitergeht. Mein Plan ist auf jeden Fall die Westküste Afrikas entlang zu reisen, um auf einem Schiff Richtung Südamerika anzuheuern. Aber wie gesagt, das kann auch alles ganz anders kommen. PATRI CK O RT W E I N -- HANI X -- P a u l w i e s t e h t d e i n e P l a nung? hast d u k o n k r e t e V o r s t e l l u n g e n w i e l a nge ihr zus a m m e n u n t e r w e g s s e i d u n d w i e e s danach für dich weitergeht? Die Frage hat im Prinzip Paddy schon beantwortet, das kann ich jetzt noch nicht entscheiden PAUL HO CK --

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AROUND THE WORLD: PATRICK ORTWEIN & PAUL HOCK und mach das auch davon abhängig wie es mir unten in El Chorro gefällt. Das kommt darauf an, wie lange ich überhaupt reisen werde. Ich hab zwar keine Weltreise geplant, aber werde mir auch so viel Zeit lassen wie es eben braucht, von daher kann ich nichts ausschließen. HANI X -- Patric k , w i e d e i n e r e i s e d an n a b laufen wird we r d e n w i r j a g e n a u e s te n s v e r folgen können. D u w i r s t i n h a n i X mo n a t lich berichten u n d u n s e i n b l i c k e in d e i n e n reisealltag un d d e i n e G e d a n k e n w e l t g e b e n . erzähl uns mal , w a s g e n a u d u d a m ac h s t u n d über was du sc h r e i b e n w i r s t ! PATR I C K ORT W E I N -- HANI X -- in manchen Ländern wirst du möglicherweise mit gefährlichen situationen konfrontiert, hast du auch angst? PATRI CK O RT W E I N -- Angst nicht unbedingt. Ich glaube »gesunder Respekt« trifft das schon eher. Man sollte keine Angst vor dem Reisen haben und den Menschen nicht mit einer skeptischen Grundeinstellung begegnen. Ich denke, so kann man sich viele schöne Erfahrungen verbauen. Wenn dann eben mal was passiert... naja, shit happens! HANI X -- U n d d u P a u l ? PAUL HO CK -- Ich werd für HANIX monatlich Berichte über meine Reise schreiben, das heißt ich schreibe über das was mir auf dem Weg passiert aber ich werde auch viel Reflexion betreiben und zum Beispiel kleine Artikel über Themen schreiben, die mich beschäftigen. Das könnte dann die Frage nach dem »freien Willen« bei der Reise sein. Was uns latent beeinflusst und wie frei wir wirklich sein können. Oder über den Stress bei der Reiseplanung, da steht soviel an dass man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht und man eigentlich gar keine Zeit hat sich darüber Gedanken zu machen was hier grade abgeht. Aber das Wichtigste ist, dass HANIX von Anfang an meine Reise begleitet und dabei verfolgt, inwieweit meine Pläne umgesetzt werden oder von der anfänglichen Planung abweichen. Da bin ich selbst mal gespannt. Ich habe keine Angst aber ich mach mir schon ein bisschen Sorgen wegen meinem neuen Bus, da gibt es 1000 Geschichten von Kletterern denen in abgelegenen Gebieten das Auto aufgebrochen wurde, vor allem in Spanien und Südfrankreich. Besitz macht eben abhängig! Aber ich glaub mit solchen Zwischenfällen muss man leben, das kann immer passieren. HANI X --ist euch bei früheren reisen schon einmal etwas zugestoßen? Mal überlegen... also ich war sieben Monate in Südamerika und mir ist nichts passiert, es ist noch nicht mal etwas gestohlen worden. PATRI CK O RT W E I N -- Mir wurden in Guatemala einmal 80 Dollar im Schlaf aus der Hose gestohlen, die ich übrigens anhatte. Das war zwar Scheiße, aber echt sozial dass mir mein Reisepass gelassen wurde. Damit war ich noch ganz gut dran im Vergleich zu anderen Reisenden. PAUL HO CK -- HANI X -- G i b t e s b e i e u c h s c h o n Pläne für nach der reise? PAUL HO CK -- H ANI X -- Bei so v i e l e n L ä n d e r n u n d K u l t u r e n , da w erden wir b e s t i m m t e i n e M e n g e s p a n n e n d e Gesc hichten hö r e n . PAT R I C K ORT W E I N -- Ich hoffe doch! (lacht) Eigentlich weiterhin Reisen und Klettern! Ich hab schon dieses Jahr mit dem Gedanken

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AROUND THE WORLD: PATRICK ORTWEIN & PAUL HOCK HANI X -- P a u l , w i e h a b t i h r b e i d e euch eig e n t l i c h k e n n e n g e l e r n t u n d w i e kamt ihr auf die i dee zusammen loszuziehen obwohl ihr n i c h t d i e g a n z e r e i s e z u s a m m e n unternehmt? PAUL HO CK -- Wir haben uns in der Sauna der Kletterarena kennengelernt und dass wir zusammen reisen hat sich bei einem Bier nach dem Klettern ergeben, wir haben uns übers Studieren und Reisen unterhalten. Paddy hatte die Idee mit der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Asien zu starten, ich hab ihn gefragt ob er nicht Lust hätte, mit mir loszuziehen und er hat spontan einfach ja gesagt. HANI X -- hattet ihr also, bevor ihr euch kennen gelernt habt, beide vor, alleine reisen zu gehen und was gibt es für Gründe so eine reise alleine zu starten? gespielt Sport zu studieren, bin aber wie Paddy von dem Gedanken nicht losgekommen noch mal reisen zu gehen und beim Sportklettern richtig Gas zu geben. Je nachdem was die Reise bringt, werde ich vielleicht die Pläne mit dem Studium nach der Reise umsetzen. PATRICK O RT W E I N -- Bei mir ist ein Vortrag übers Reisen in der Kletterarena in Heilbronn angesetzt. Das Datum und wie es danach weitergeht ist noch offen. Ich hab vor, mir in Spanien Unis anzuschauen, die Überlegung dort zu studieren ist schon da, aber ich hab keine Ahnung auf was ich Lust habe, wenn ich von der Reise zurückkomme.. HAN IX -- K l e t t e r n i s t f ü r e u c h s c h o n e in h obby, das ihr mi t g r o ß e r L e i d e n s c h a f t b e t reibt, oder? Gib t e s a u c h a n d e r e s p o rt a r t en, die euch rei z e n u n d e v e n t u e l l a u f d e r r eise eine rolle s p i e l e n w e r d e n ? Also ich wär eh alleine reisen gegangen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man eher Leute kennenlernt, wenn man alleine ist, aber es ist super dass wir jetzt zusammen durchstarten! PATRI CK O RT W E I N -- Aber du kennst das doch, du bist schließlich alleine von England nach Deutschland gezogen vor vier Jahren. Da hat dich zwar eine Frau erwartet, aber den Schritt musstest du schon alleine machen, ohne Garantie dass alles glatt läuft. Das lässt einen einiges eigenständiger und selbstbewusster werden. Außerdem bist du flexibler und kannst machen worauf du Lust hast, einfach weitergehen wenn es dir reicht und musst dich nicht rechtfertigen. PAUL HO CK -- HANI X -- A b e r i c h h a b e g l e i c h e i n en groß e n s p r u n g g e m a c h t u n d b i n m i t meinem ganz e n G e p ä c k h i e r h e r g e z o g e n u n d konnte mich schließlich einleben, du wirst ständig u n t e r w e g s s e i n . f ü h l t m a n s i c h da nicht manchmal einsam? PATRI CK O RT W E I N -- Oh ja, Surfen! Ich hoffe, dass der Paddy mich ein bisschen ins Wellenreiten einführt, das wär neben dem Klettern auch ein Grund nach Marokko zu gehen. PATRICK O RT W E I N -- Also ich freu mich aufs Surfen in Marokko und vor allem auf El Chorro. Da erwartet uns eine Highline, also eine Slackline die zwischen zwei Felsen gespannt ist. Da freu ich mich natürlich auch riesig drauf, aber der Fokus liegt schon auf dem Klettern. PAUL HO C K -- Ja, das wird bestimmt mal passieren, aber man muss schließlich auch lernen mit sich selbst klarzukommen. Außerdem hab ich den Vorteil, dass ich, wenn es mir nicht gefällt, meinen Rucksack schnappe und einfach weiterziehe. Wenn man alleine reist kann man viel spontaner agieren und unabhängig Entscheidungen treffen, außerdem lernt man auf Reisen immer Leute kennen und ist am Ende selten wirklich alleine. HANI X -- Jungs, ich wünsche euch eine gute, spannende und erfolgreiche reise. alles Gute!

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KLEINANZEIGEN Telefon / Fax (0 7131) 798 181 E-Mail: schuhmacherei@jvaheilbronn.justiz.bwl.de

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Na m e soll der Legende nach von Ne w Yorker G Is , d i e hier s t a t io nie r t ware n, ge präg t wo rd e n s e in. Un s e re Mi t a r b e i t e r i n Ma vinga Petrasch schickt uns jeden Monat Vi d eo g r üße aus Ne w Yo rk . Di e s m a l : Wi t z i g , s t a rk u nd inspirierend. Comedian David Rozier a u s Broo k l y n . Da s s d a s L e ben nicht stillstehen muss, wenn man im Ro l l s t u h l s i t z t , b e we i s t Damon Rozier! Seit einem Motorradunfall i s t Da m o n g e l ä h m t . Er e ntschied daraufhin Comedy zu machen, Bü c h e r z u s c h re i b e n und andere Leute zu motivieren. Er g en i eß t s e in le be n im Ro lls tuh l!

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aUs DeM Via archiV pInnBoaRd Via GrafiK Das Kollektiv Via Grafik gründete sich 1998 um freie künstlerische Projekte zu realisieren. Nach der Gründung des Via Grafik Gestaltungsbüros 2002 wodurch der Beschluss gefasst wurde, sich professionell zu organisieren, erlangte die Arbeit des Kollektivs in den darauffolgenden Jahren sowohl in der »Urban Art« als auch in der Designszene europaweit große Beachtung. 2005 erschien bei Pyramide Edition, Frankreich, eine erste Monografie über Via Grafik, die unterstreicht, dass die Arbeit des Kollektivs zum Beginn der 2000erJahre als Pionierleistung betrachtet wird. Galt das künstlerische Interesse von Via Grafik in den ersten Jahren vornehmlich der Zusammenführung von Gestaltungsgattungen und der Pflege des irritierenden chaotischen Moments, der dem Geist von Graffiti und Streetart innewohnt, so hat sich ihre Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen freier Kunst und kalkulierter Verwendung künstlerischer Mittel zu einem bestimmten Zweck generieren, stark vertieft und in den letzten Jahren dahingehend weiterentwickelt, Orts- und Kontextspezifische Konzepte zu entwickeln, deren Form sich aus der jeweiligen Idee ableitet. Als wichtige Arbeit in der jüngeren Entwicklung des Kollektivs kann die Umsetzung von Wandgrafiken im Neubau des UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel (2010) in Darmstadt betrachtet werden. lEo Volland Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Matratzen crn**cr*d in hamburg, 2008 als Grafiker sitzt man oft zwischen dem auftraggeber mit seinen Kommunikationszielen und dem adressaten - in der Werbung dem Konsumenten. Das kann mal mehr, mal weniger sinnvoll sein. Je nach ziel. Da ich denke, dass man anderen keine Dinge aufschwatzen muss, die sie nicht brauchen oder anderen schaden, gebrauche ich mein handwerk gerne für nützlichere Dinge. im Kontext von Werbung ein paar Momente zu skizzieren, in denen sich die ganze Blase der Verheissung soeben mit einem simplen »Plöff« verabschiedet hat und der drin enthaltene stickige Dunst noch über unseren Köpfen schwebt, war das szenario, das mich im sommer 2008 dazu veranlasste, für ein paar tage nach hamburg zu fahren, um dort einen Kumpel zu besuchen und mit ihm Plakate aufzuhängen.

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VA N E S S A M AC C O ein haUsBesUch VOn JOhannes LinDenLaUB Die K ar l -Mar x-Al l ee k en n t j ed er, d e r m al in Be rlin war o d e r s ie in » Die BourneVe rsch w ör u n g « f ü r Mo s k a u g eha l t e n h at - e ine s ch nurge rad e , m e h rs purige Pra chtstraß e , au f de r z u D D R - Zei t en z wis ch e n A le xand e rplatz und Frank fur te r Tor Auf märsch e s t a t t f a n d e n u n d Pa r a d e n abgehalten wurden. Zu beiden Seiten stehen große Wo h n b l ö c k e i m n e o k l a s s i z i s tischen Stil, den man auch gern als »Stalingotik« b e ze ich n e t . Ganz o b en , i m a c ht en Sto ck e ine s Blo ck e s , ö ffne t m ir Vane s sa Ma cco die Tü r - si e i st n o c h n i c ht d a z u g ek o m m e n, ih r k le ine s WG-Zim m e r fe r ti g ei nzurichten , u n d i h r En t h u s i a s m u s i s t ansteckend.

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BERLIN CALLING: VANESSA MACCO STECKBRIEF S t e ckb r i e f : A l t e r : 20 Be r u f : S tu d e n t i n Kinder: 0 H a u s t i e re : 0 Mi t b ewo h n e r : 3 I n Be r l i n s e i t 8/20 1 1 H eilb ro n n b e s u ch e p. A . 1 ( g e p l a n t ) B es uc h au s H e i l b ro n n : S ch o n v i e r Be s u ch e B erlin e r L i e b l i n g s o r t : Ad m i ra l b r ü cke H ANI X -- B i s t d u w e g e n d e s s t u d i u m s nach Berl in gezogen ? Das war nicht der einzige Grund. Meine beste Freundin wohnt schon etwas länger hier, und es war immer unser gemeinsamer Traum, zusammen nach Berlin zu gehen. Eine Chance, zu studieren, hatte ich für dieses Wintersemester eigentlich nicht, weil es durch das Ende der Wehrpflicht und die Umstellung aufs achtjährige Gymnasium noch mehr Bewerber gab, als sonst. Aber durchs Losverfahren habe ich jetzt glücklicherweise doch noch einen Platz bekommen. VM -- H ANI X -- Wo bist du denn reingelost worden? und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die mir hier geboten werden. Auch das Gefühl der Anonymität ist etwas Schönes, aber wenn man nicht aufpasst, kann man sich in dieser Stadt auch schnell verlieren. HANI X -- Gibt es hier etwas, das dich wirklich stört? Dass man sich nachts nicht richtig sicher fühlen kann. VM -- HANI X -- Was vermisst du in Berlin am meisten? VM -- Einen guten Heilbronner Weißherbst. Meine Lieben. Die Menschen und das Arbeitsklima im Moccafé und im Mobilat. In den Studiengang Geschichte und Kultur des Vorderen Orients mit dem Schwerpunkt Semitistik an der FU Berlin. VM -- H ANI X -- Bist du überhaupt schon richtig angekommen? V M -- Ja HANI X -- hast du noch Kontakt zu anderen exilheilbronnern? Allerdings, die halbe Stadt ist ja hergezogen. Allein schon durch meine Heilbronner Gastro-Jobs kenne ich eine Menge Leute. VM -- HANI X -- ein Wort zum berühmten schwabenhass. und nein. Sofort nach meinem Einzug habe ich ein Praktikum angefangen, dazu noch einen Barjob, und dementsprechend hatte ich wenig Zeit, um Berlin zu genießen. Andererseits habe ich jetzt schon so viel erlebt - mein Praktikum habe ich bei HomeBase, einem internationalen Künstlerprojekt gemacht, bei dem ich die einzige Deutschsprachige bin. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele atemberaubende Menschen kennen gelernt, wie an diesem Ort. Deswegen werde ich HomeBase auch weiterhin unterstützen, und wenn alles klappt, begleite ich im kommenden Jahr das »Artists-inResidence«-Programm in Jerusalem. Ich verspüre hier einen sehr großen Drang, zu leben Wahrscheinlich kommt der Berliner einfach nicht mit unserem süßen Dialekt klar. VM -- HANI X -- Was könnte heilbronn von Berlin lernen? Aufgeschlossener zu sein und mehr Akzeptanz gegenüber Menschen zu zeigen, die anders sind oder sich anders kleiden. VM -- HANI X -- Was fällt dir auf, wenn du jetzt nach heilbronn zurückblickst? H ANI X -- Was ist das tolle an Berlin? VM -- In vielen Momenten hatte ich das Gefühl einen Stillstand zu erleben. Viele geben sich mit dem zufrieden, was sie haben und scheinen keine Lust auf das zu verspüren, was das Leben sonst noch so zu bieten hat. VM --

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L E S ER B R IEFE Liebes HANIX-Team, euer Interview mit dem Titanic-Mann und ehemaligen »Tiefschlag«-Gründer Oliver Maria Schmitt schießt den Vogel ab. Noch nie habe ich ein solch kritisches aber auch vor Heimatverbundenheit strotzendes Interview über Heilbronn gelesen. Obwohl das Gespräch im Magazin über unglaubliche zwölf Seiten ging, kam es mir keine Zeile zu lang vor. Selten habe ich mich bei der Lektüre eines Interviews so gut unterhalten gefühlt. Gerne mehr davon. a n d R E a S V o l l K E R T, WIESBadEn Hey ihr Magazin-Macher! Ich bin vor kurzem aus Neuseeland nach Stuttgart gezogen und durch meine Frau bin ich auf euer Magazin aufmerksam geworden. Schön, dass es hier in der Gegend auch Bikepolo-Spieler gibt. In Stuttgart habe ich leider noch keine getroffen, obwohl es sie geben muss. Vielleicht komme ich mal in Heilbronn auf eine Partie vorbei. Tolles Video übrigens zum neuen Trendsport. anTon mauTh, STuTTGaRT Hallo Redaktion! Auf diesem Wege möchte ich ihnen mein Lob für das SchmittInterview zukommen lassen. Heilbronn war wirklich einmal auf der Weltkarte der Geschichte verzeichnet. Das vergesse ich manchmal. Auch ich war damals, wie Oliver Maria Schmitt, auf der Waldheide, um gegen Atomraketen im Unterland und gegen amerikanische Besatzung zu protestieren. o l I V E R S C h Wa R z , hEIlBRonn Ihr Lieben, die erste Ausgabe hatte ich noch verpasst. Die zweite habe ich von der ersten bis zur letzten Zeile verschlungen. Euer Magazin hat mich sehr überrascht. Positiv natürlich. Wer hätte gedacht, dass es bei uns so interessante Menschen oder Sportarten gibt. Ihr arbeitet sicherlich wie die Berserker. Ich sage euch: eure Arbeit lohnt sich. Weitermachen! Kl auS GEmmInGER, pER maIl Hallo HANIXE! Eure Arbeit ist klasse. Eine wirkliche Bereicherung der regionalen Medienlandschaft. Man kann euch nur besten Erfolg wünschen. Ich drücke alle Daumen, die ich zur Verfügung habe. m I C h a E l V o G T, hEIlBRonn

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IM P R E SSU M Verlag und Redaktion 74elf marcel Kantimm & robert mucha gbr salzstraße 27 74076 heilbronn e-mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber marcel Kantimm robert mucha Chefredakteur robert mucha (V.i.s.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter rafaela carrijo, wolfgang fischer, Johannes lindenlaub (berlin), Vanessa Kärcher, rita e. täuber, maria sanders, natascha stapf, matthew gull, sascha wartha, Peter gusdek, Katharina Voos e-mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka (leitung), robert beutelsbacher, rafaela carrijo, sarah fischer, matthias bitsch, mavinga Petrasch (new York), lisa herdon, stefan Dittrich, lisa maria Klotz, Köni, nicolai Köppel Bildredaktion mehmet filiz, ulla Kühnle Artdirektion raimar schurmann Grafik & Illustration sevtap celik, florian geiger, Kathrin leisterer, Via grafik Audio Philipp seitz (ant studio) IT-Support martin riemer (easy networx / www.easy-networx.de) PR & Netzwerk Philipp Kionka (KK media / www.kk-media.de), florian hettenbach Technischer Ansprechpartner: info@kk-media.de Marketing & Sales robert mucha e-mail: anzeigen@hanix-magazin.de Verlagskoordination & Administration marcel Kantimm e-mail: anzeigen@hanix-magazin.de es gilt die anzeigenpreisliste nr. 1/Juli. 2011 namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die meinung des herausgebers bzw. der redaktion wieder. für die richtigkeit von angaben, Daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber bzw. die redaktion keine Verantwortung übernehmen. haftung für links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen inhalten aller gelinkten seiten auf unserer homepage und machen uns diese inhalte nicht zu eigen. Diese erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen informationen. 74eLf Gbr Ust.-iD: De271248199 Geschäftsführende Gesellschafter: Marcel Kantimm, robert Mucha FüR unTERWEGS HANIX gibts auch für iPhone oder iPad über die kostenlose »keosk«-App im Appstore.

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DER HISTORISCHE SCHUSS text von Wolfgang fischer/ Wikipedia foto: Privat Der historische Schuss: Heilbronns Synagoge an der Allee als architektonisches schmuckstück für die neckarstadt konnte die 1873 bis 1877 im neoorientalischen stil erbaute synagoge am südlichen ende der allee bezeichnet werden. Unser »historischer schuss« zeigt das areal in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. nach dem nationalsozialisten die Kirche am frühen Morgen der reichsprogrom- bzw. »reichskristallnacht« (10. november) angezündet hatte, wurde sie Mitte 1940 abgerissen. auf dem archivbild bereits enthalten und unverändert bestehend ist links neben der synagoge das 1930 errichtete Postgebäude. Die aktuelle ansicht zeigt auf dem ehemaligen Platz des jüdischen Gotteshauses das 1948/49 errichtete Kino und dahinter das jetzt prägnante "»timme«-hochhaus. Die jüdische Gemeinde und ihre synagoge schrieben, wie vielerorts in Deutschland, eines der dunkelsten Kapitel der heilbronner Geschichte. erinnert wird an die Juden in heilbronn sowie die synagoge mit einer skulptur - was soll sie eigentlich ausdrücken einer Gedenktafel und dem »synagogenweg«. nach ende des Krieges bis 1982 blieb der Weg von der Gymnasiumsstraße zur allee namenlos. es sei nicht aufgefallen, weil es in ihm keine Postadressen gibt. informationen: »Wikipedia« / »Die heilbronner straßennamen«, G. schwinghammer / r. Makowski Bilder: Privat / Wofi

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V E R A N S TA LT U N G E N IM NOVEMBER 10. November aLtes theater heiLBrOn - rick Kavanian »Ipanema«, zu Deutsch »aufgewühltes Wasser« lautet der Titel des neuen Programms. Denn genau dieses aufgewühlte Wasser liegt zwischen Rick und seinem Freund Dimitri: Der Atlantik. Dimitri feiert seinen 40. Geburtstag, doch Rick hat seinen Flieger verpasst und würde nun alles tun, um noch irgendwie zur Party zu gelangen. Wie und ob er es schafft, stellt sich im Laufe der Show heraus, doch eines ist jetzt schon sicher: Rick Kavanian wird mit seinem einzigartigen Wandlungstalent das Publikum begeistern. Einlass 20 Uhr November Mobilat - DUBWars DUBWARS bringt mal wieder die gesamte Bandbreite der urbanen Bass Music ins Mobilat nach Heilbronn. In gewohnt außergewöhnlicher Dekoration und Visuals kann an diesem Abend mit einem besonders breit gefecherten Programm Aufgetrumpft werden. Einlass 21.30 Uhr - Eintritt 6 EUR 12.November BUKOWsKi - tonsport, heilbronn 8.November DichtUnG & Wahrheit - nicolai Köppel liest. In der Bücherei »Dichtung & Wahrheit« in der Heilbronner Hafenmarktpassage liest Nicolai Köppel vor. Heuer geht's um die Vorstellung einer Doppel-CD mit den schönsten Lesebühnentexten aus fünf Jahren Beginn 20 Uhr - Eintritt frei Sport mag Mord sein, wenn man Tanzen nicht dazu zählt. TONSPORT jedenfalls ist Pflichtprogramm! Für´s Aufwärmprogramm sorgen Matthias Engelmann und Junglict und anschließend lassen es Vladimir Corbin und Peddy aus dem gleichnamigen Hause sportlich auf der Tanzfläche zugehen. Zurück zum Sport: Bewegung, Leute! Einlass 23 Uhr

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VER ANSTALTUNGEN: NOVEMBER 2011 SPRECHKONZERT MIT EXVOCO "BII BÜLL REE FOO - FAA FOO FEE" ZUR FINISSAGE FRANZ ERHARD WALTHER "DIE BILDER SIND IM KOPF" >> SAMSTAG, 19.11.2011, 19 UHR November KUnsthaLLe VOGeLMann - finissage-Wochenende zur »franz-erhard-Walther«-ausstellung Das Stuttgarter Ensemble EXVOCO vereint Virtuosen der Sprechkunst. Grenzgängerisch bewegen sich die Stimmkünstler zwischen Musik, Sprache und Theater. Zur Finissage der »Franz-Erhard-Walther«-Ausstellung erwartet die Besucher ein dafür eigens entwickeltes Programm mit dadaistischer Lautpoesie von Hugo Ball bis Kurt Schwitters, konkreter Poesie von Franz Mon und musikalischen Sprachperformances der Komponisten Dieter Schnebel und Georges Aperghis. »Lustsinnig losgelassen. EXVOCO im Zwischenbereich von Musik, Literatur, Theater vermag das Publikum immer wieder zu Begeisterungsstürmen hinzureißen, ein bei avantgardistischer Kunst selten anzutreffendes Phänomen.« (Neue Zeitschrift für Musik) 22.November harMOnie - Beatsteaks Was waren das noch für Zeiten, als den Beatsteaks ihre erste wahre Feuertaufe bevorstand. 12.000 Fans lechzten vor rund zehn Jahren dem Auftritt der Toten Hosen entgegen - und die fünf Berliner traten als Support so ziemlich jedem einzelnen in den Hintern. Feuertaufe geglückt! Sie rocken die Bühnen der Welt und kommen nun auch nach Heilbronn. Einlass 20 Uhr - Eintritt 35 EUR

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VER ANSTALTUNGEN: NOVEMBER 2011 U. a. 28. November theater heiLBrOnn, »Die Wanze« 4.November rathaUs fLein - 2. art flein Im Fleiner Rathaus stellen zum zweiten Mal fünf verschiedene Künstler aus der Region aus diversen Kunstdisziplinen ihr Erschafftes zur Schau. Neben Bildern, Skulpturen und Cartoons wird auch für das leibliche Wohl durch das Team des Backstübles gesorgt sein und mit Livemusik von den Sambanditos und Red Reason eingeheizt. Einlass 19 Uhr; Eintritt frei Eine Detektivgeschichte für Menschen zwischen 8 und 99 Jahren wird derzeit für die Kammerspiele erarbeitet: "Die Wanze" nach der gleichnamigen Krimiparodie von Paul Shipton. Dieser Insektenkrimi wird sowohl im Theater als auch mobil in Schulen gezeigt. Premiere ist am 27. Oktober um 11 Uhr in den Kammerspielen. Torsten Krug führt Regie. Raik Singer spielt nicht nur Wanze Muldoon, sondern auch alle anderen Figuren im Stück, was viel vom Reiz der Inszenierung ausmacht. Sein Name ist Muldoon, Wanze Muldoon. Er ist eigentlich ein Käfer (warum er Wanze heißt, ist eine lange Geschichte!)Aber vor allem ist er Privatdetektiv - und zwar ein supercooler Typ. Er ist der beste Schnüffler im ganzen Garten. Da tragen sich seit einiger Zeit merkwürdige Dinge zu. Immer wieder verschwinden Insekten. Einfach so und jeder kann der nächste sein. Wanze Muldoon ist mit dem Fall eines vermissten Ohrwurmes befasst. Von dem gibt's keine Spur.

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KLEINANZEIGEN

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D I E NÄ C H ST E AU SGA BE H A N I x E r SC H E I N T A M 30. NoV E M B E r