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Content:
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MAI 2012 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRISTOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG.

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SEP 2011 OKT 2011 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT teilt, NOV 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG D ER DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR e i l t , IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, BILDUNG ENERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST DEZ 2011 / JAN 2012 FEB 2012 heilt. Z E I T MRZ 2012 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO - GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE - MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL - MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD ARMUT REBELLION APR 2012 RE G IO EI NH LB RO NN AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK G ES LS CH M AG R LE U TE D ER HIER SIND DIE ä nd e uslä M E D I A D A T E N 2 0 1 2 www.hanix-magazin.de Stand Januar 2012 Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 www.chouchouboutique.tumblr.com Mediadaten

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E D I TO R I A L SEX IST NUR SCHMUTZIG, WENN ER RICHTIG GEMACHT WIRD Liebe Leserinnen, liebe Leser, tatsächlich lassen sich einige Entwicklungen in der Gesellschaft mit Sex erklären: Kann es zum Beispiel sein, dass die Stimmung in Deutschland nicht nur wegen Hartz IV so schlecht ist, sondern auch, weil einfach Millionen von Menschen - grob gesagt - schlecht gefickt durch die Gegend laufen? Wer hat schon gute Laune, wenn Monate ohne Endorphinausschüttung hinter einem liegen. Laut einer Umfrage ist das, was die Menschen am glücklichsten macht, Sex. Am wenigstens mögen sie die morgendliche Fahrt zur Arbeit. Blöderweise hat man das eine ständig, das andere eher selten.  HANIX-Reporterin Maria Sanders hat für unsere Titelgeschichte Hans in Gundelsheim getroffen. Hans beglückt berufsbedingt täglich zwei bis fünf Damen und wird auch sonst gepflegt und gehegt, wie ein Pascha. Hans ist Zuchtbulle. Wir sprachen mit Paarpsychologin Bettina Klepser, die uns verriet, dass nahezu alle Beziehungsprobleme auch etwas mit der partnerschaftlichen Sexualität zu tun haben. Eine Escortdame beschreibt für uns Prostitution aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Und unser Fotograf Mehmet »Memo« Filiz hat eine heiße Fotostrecke für uns produziert und ist dafür extra nach Erfurt gefahren. Wir haben mit unseren Filmteams bei »Artagos« in den Böllinger Höfen vorbeigeschaut und im »Love and Toys« in der Weinsberger Straße nach dem Rechten gesehen. Außerdem veröffentlichen wir Fälle aus einer Doktorarbeit, die sich mit Masturbations-verletzungen, hervorgerufen durch Staubsauger, beschäftigt hat. Und oben drauf gibt es drei Top-Listen mit in Körperöffnungen gefundenen Dingen. Im Heilbronner Café Wilheln finden regelmäßig Poetry Slams statt. Wir trafen drei urbane Poeten zum Gespräch. Mit dabei: Nektarios Vlachopoulos, der amtierender deutschsprachige Poetry-SlamMeister. Kurz nach ihrem Auftritt auf einem Singer-Songwriter-Slam in Hamburg trafen wir die Heilbronnerin Sandra Besara zum Interview. Die talentierte junge Frau, die in Schweden aufgewachsen ist, erzählte uns vom Schanzenviertel in Hamburg und warum ihr Folkmusik so am Herzen liegt. Und für unser Interview des Monats haben wir mit dem schwäbischen Kabarettisten Christoph Sonntag gesprochen. Am 9. Mai tritt er vor 6 000 Zuschauern in der Stuttgarter Porsche-Arena auf. Ein Meilenstein seiner Karriere, wie er uns verriet. Und er hat uns die spannende Frage beantwortet, welches Multimediagerät Wolfgang Schäuble wäre, wenn er ein Multimediagerät wäre. »We are all fucked!« Viel Vergnügen beim Lesen. Eure HANIXE. Sandra Besara: Die 21-jährige Heilbronnerin spielte vor kurzem auf einem Songwriter-Slam in Hamburg und veröffentlicht in Kürze ihre erste EP. Sex: Unser Themenschwerpunkt lautet diesmal Sex. Wir haben uns der schönsten Nebensache der Welt ausführlich und durchaus humorvoll gewidmet.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS MAI 2012 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG.

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº8 18 N I C O L E TAU T Z MEINE PLATTENKISTE 40 SANDRA BESARA MUSIKKOFFER 46 P O E T RY SL AM KULTURBEUTEL Die Frontfrau von »Uniseven« hat uns Einblick in ihre Plattenkiste gewährt. In ihrer Top 5 finden sich Adele, Rocker Lenny Kravitz und Coldplay. Sandra Besara ist Songwriterin und tritt meist nur mit ihrer Stimme und Gitarre auf. Die Musik ist dabei der beste Freund der 21 jährigen. Alle zwei Monate findet im Café Wilhelm ein Poetry Slam statt. Wir trafen drei der urbanen Poeten zum Gespräch. 52 ZWISCHEN WAC H Z U S TA N D UND SCHLAF PARTHENAS WELT 54 S O N D E R AU S S T E L LU N G V E S PA KUNSTREGION 64 TANZ! HEILBRONN KUNSTREGION Parthena Iakovidou entführt uns dieses Mal in die Phase zwischen dem Wachsein und kurz vor dem Einschlafen. Das Sinsheimer Technikmuseum widmet der Vespa zum 66. Geburtstag eine sehenswerte Sonderausstellung. Zum vierten Mal findet in diesem Jahr im Heilbronner Theater das Festival »Tanz! Heilbronn« statt.

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RO C K A M G A F F E N B E RG & FAC H K R Ä F T E B Ü N D N I S STADTLEBEN / LANDLEBEN 12 & 14 80 IM GESP R ÄC H : C H R I S TO P H S O N N TAG INTERVIEW DES MONATS C H A L L E N G E AC C E P T E D SMS MICH MAL A N A LTAG DER »DITTRICH, KLOTZ & KÖNI«-SKETCH Wir sprachen mit dem schwäbischen Kabarettisten über das Opel-Image der Schwaben, über alte und neue Zeiten und Wolfgang Schäuble. BBQ -ISLAND HEIMATLIEBE A RTAG O S & LOV E A N D TOY S AUSBILDUNG & MACHER IM UNTERLAND 34&38 S E L B S T F I N D U N G I N YA L E & AU F RU F Z U M E H R K N U T S C H E R E I BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS NEW HAVEN, USA / NEI`GSCHMECKT 142 & 144 88 SEX TITELTHEMA M AU R E TA N I E N & S E N E G A L AROUND THE WORLD, TEIL 6: WESTSAHARA BOB SEGMENT FROM NEW YORK CITY TO HEILBRONX Gerne der Zeiten gedenk' ich, da alle Glieder gelenkig - bis auf eins. Doch die Zeiten sind vorüber, steif geworden alle Glieder - bis auf eins. (J. W. v. Goethe) BERLIN, 2008 VIA ARCHIV D I E G RU P PE BERLIN CALLING QUIZ (140), BRIEFE/IMPR. (162), DER HISTORISCHE SCHUSS (164), VERANSTALTUNGSKALENDER (166)

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DAS HANIX TEAM WER UND WI ESO? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 34 JAHRE JESSICA ZIPPAN VERMARKTUNG/ANZEIGENVERKAUF 22 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. Der Vogel kämpft sich aus dem Ei und wir sind mit dabei! Die Werbeagentur Hettenbach freut sich auf die Zusammenarbeit. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r d i e Region Heilbronn - f ü r L e s e r, d i e i n t e re s s i e r t , kulturell aufgeschlo s s e n u n d n e u g i e r i g a u f e i n en alternativen Blick a u f St a d t -. L a n d k re i s - u n d S zenekultur sind. WER MACHT HANIX? Heilbro n n e r Me d i e n - u n d Ku l t u r s chaffende, die ihre Er f a h r u n g e n u . a . i n Be r l i n , München, Stuttgar t od e r Ha m b u r g g e s a m m e l t h a b en und nun etwas in i h re r He i m a t b e we g e n w o l l en. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION 37 JAHRE Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r L e u te und Gesells c h a f t d e r Re g i o n He i l b ro n n will mit spannenden , u n t e r h a l t s a m e n u n d i n f o r mativen Beiträgen die re g i o n a l e Me d i e n l a n d s c h a f t bereichern. Bier zapfen alleine macht nicht glücklich. Außerdem erstelle ich für´s Leben gerne Terminpläne, die dann hoffentlich jeder einhält.

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SEVTAP CELIK GRAFIK 25 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 27 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Heilbronn wird in den nächsten Jahren wachsen. Und dieses Magazin wird die Stadt dabei begleiten. Klar will ich dabei mitwirken! »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA PR, NETZWERK & FILM 25 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION & FILM 34 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 23 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 37 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 34 JAHRE ROBERT BEUTELSPACHER FILM & ANIMATION 24 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar - die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Mein Chef hat gesagt, wir machen jetzt ein Magazin. Jetzt mache ich das und habe auch noch Spaß dabei. Danke, Chef. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 21 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 61 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 37 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit - und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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FR AGE DES MONATS: WARUM BIST DU DABEI? SASCHA WARTHA REDAKTION 36 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 28 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 41 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 28 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 45 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 55 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten-Schreiber.

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STADTL EBEN: MAI 2012 Fc lAube ProuDlY PreSentS: JubilÄuMS »rocK AM gAFFenberg« Rechtzeitig zum großen Jubiläum des zehnjährigen Bestehens des FC Laube 02 Heilbronn e.V., findet das kleine Jubiläum des »Rock am Gaffenberg« statt. In der 5. Auflage wird dieser Event in diesem Jahr am Samstag, den 12.05.2011 stattfinden. Organisiert wird »Rock am Gaffenberg« von den ewig junggebliebenen Alt-Kickern des FC Laube Heilbronn. »Willkommen an alle kopfschüttelnden Tanzbären, die gerne mit offenem Verdeck durch den Sommer fahren. Das ist euer Event«, lädt Axel Rehm vom FC Laube alle Rockliebhaber ein. Denn so oder ähnlich könnte man den generationsübergreifenden Rockabend des FC Laube beschreiben. Neben Rockmusik vom Feinsten, kommt das Feiern in dem unverwechselbaren Ambiente unter dem Zelt am Gaffenberg sicherlich nicht zu kurz. Auch das parallel stattfindende DFB-Pokalspiel, das natürlich live übertragen wird, dürfte keine Alternative zu unseren regional- und überregional bekannten Bands darstellen. Diverse Snacks und ein reichhaltiges Getränkeangebot runden das Programm ab. Den Beginn des Abends ab 20 Uhr gestaltet die Band »INHUMAN« aus Dreieich. Diese vier Musiker zaubern mit knackigen Gitarren und modernen Rock-Hymnen mit dezentem Punk- und Alternative-Einschlag ein Grinsen auf jedes Gesicht. Gute Laune ist also garantiert. Gegen 22 Uhr geht das Rockspektakel mit der weit über die Grenzen Heilbronns bekannten Band »Uniseven« weiter. Die Band um den Frontman und »Ex-FC Laube«Spieler »Tibi« Winkler wird mit ihren Songs so richtig einheizen. Hier ist Stimmung garantiert. STA DT K R E I S HEILBRONN: Im Jahr 1990 wurden in Heilbronn 1333 MenSchen geboren. 1041 MenSchen in heilbronn zur Welt. 2010 kamen nur noch Heilbronn. Galeria Kaufhof in der Deutschhofstraße. Am Haupteingang. Ein Vater bewegt sich mit seinem zweijährigen Sohn im Buggy in Richtung Eingangstür. Ein Typ geht vor ihnen durch die Tür und lässt sie hinter sich zufallen. Der Vater geht um den Buggy rum, öffnet die Tür, schiebt den Buggy durch und sagt zu seinem Sohn: »Siehst du, und zu solchen Leuten darf man dann Arschloch sagen!«

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ver a ti ern alt zene r S u kult eim H icnk Bl - erig ugi t ne a llendark uffa itenst a e chw eressant rei int pen rup www.hanix-mediadaten.de WERBUNG 2.0 zielg iales imed t mulgazin Ma v ikati am mun rks om ewi erb tiv rak e takt kon ativnd nov age in usr era nsiv inte ion eg R rellltsam ulturha k te un nn bro eil H e mativ infor äg e Beitr end spann affin

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L ANDLEBEN: MAI 2012 KO N Z E RT I E RT E MASSNAHMEN ZUR FAC H K R Ä F T E S I C H E RU N G I N D E R R E G I O N Der sich abzeichnende Fachkräftemangel könnte den Wohlstand der gesamten Region Heilbronn-Franken sowie die Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit der regionalen Wirtschaft gefährden. Deshalb haben die IHK Heilbronn-Franken, die Handwerkskammer Heilbronn-Franken, der Arbeitgeberverband HeilbronnFranken e. V., die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, der DGB Region Nordwürttemberg sowie die Agenturen für Arbeit Heilbronn, Schwäbisch Hall und Tauberbischofsheim das »Fachkräftebündnis HeilbronnFranken« gegründet. Durch geeignete Maßnahmen und Aktivitäten will das Bündnis dazu beitragen, dass die Fachkräftebasis in der Region Heilbronn-Franken langfristig gesichert wird. Die Koordinierung des neuen Bündnisses übernimmt die IHK. Das Fachkräftebündnis versteht sich dabei auch als regionale Fachkräfteallianz, wie sie von der landesweiten »Allianz für Fachkräfte Baden-Württemberg« gefordert wird. Rückgängige Geburtenzahlen und die Abwanderung von jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren führen dazu, dass die Rekrutierung geeigneter Nachwuchs- und Fachkräfte für viele Unternehmen der Region langfristig problematisch werden wird. »Wenn es uns nicht gelingt, die Weichen richtig zu stellen, laufen wir in einen massiven Fachkräftemangel hinein«, erklärt IHK-Präsident Thomas Philippiak. Deshalb haben sich jetzt die Akteure des neuen »Fachkräftebündnisses Heilbronn-Franken« zusammengefunden, um gemeinsam entsprechende Maßnahmen zur Fachkräftesicherung zu entwickeln. Sie verstehen sich dabei als Repräsentanten der gesamten Region. Um die Belange und Maßnahmen der gesamten Region im Bündnis zu berücksichtigen, werden die Bündnispartner eigenverantwortlich weitere regionale, teilregionale und lokale Gremien und Interessengruppen einbinden. »Es ist wichtig, dass insbesondere mit den Landkreisen, Kommunen und den lokalen Arbeitskreisen ein stetiger Austausch stattfindet«, erläutert Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH. Ittlingen. Auf einem Kinderfußballturnier steht ein Vater mit seinem fünfjährigen Sohn an der Kasse und bestellt. Vater: »Eine Cola und für mich....hm....habt ihr auch Bier?« Kassiererin: »Ja klar, kostet Ð1,80.« Vater: »Ach...nee....ist irgendwie auch scheiße, Alkohol trinken vor den Kindern.« Kassiererin: »Vor allem ist es scheiße, vor den Kindern `Scheiße´ zu sagen!« L ANDKREIS HEI L B RO N N : Im Jahr 1990 wurden im Landkreis Heilbronn 3581 MenSchen geboren. 2010 kamen nur noch 2653 MenSchen im Landkreis Heilbronn zur Welt.

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Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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SM S M I C H M A L ! UNGEWOLLT LITERARISCHES IN CA. 300 ZEICHEN MIT UNTERSTÜTZUNG VON WWW.SMSVONGESTERNNACHT.DE 02:13 Bi n b e i Ni n a i m Ba d e z i m m e r. Bi n m a l g e s p a n n t w i e d i e a l t e Jungfer so drauf ist. 02:14 Der frischverliebte junge Mann hackte seine drei Nachrichten in ein iPhone 4s M I S T ! Ha b d i e S M S z u e r s t a n s i e g e s c h i c k t , b i n w o h l i n 1 5 m i n w ied e r d a . L a s s t m i rn Bi e r ü b r i g . . . 03:29 ZEICHEN Ic h g l a u b i c h b i n ve r l i e b t : ) A l s ich w i e d e r i n s Zi m m e r k a m - f l u c h t bere i t - m e i n t e s i e n u r » C h a l l e n g e acc e p t e d « u n d d a n n h a b e n w i r e s wie F A C T S d i e K a rn i c k e l g e t r i e b e n ! 07.04.2012 DATUM Unerwartet verliebt. 02:13 UHRZEIT Eigentlich hatte sich Ninas Besuch nach seinem Fauxpas schon mit einem Oster-Bierchen statt Sex abgefunden. Doch dann wurde doch noch ordentlich gerammelt.

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PFEFFER lebensmittel IM ZEHENDER AM MARKT PFEFFER lebensmittel TAGBAR UND FEINKOSTVERSAND PFEFFER IM ZEHENDER AM MARKT -- MARKTPLATZ 12 DONNERSTAG UND FREITAG 10 -19 UHR, SAMSTAG 9 -15 UHR PFEFFER TAGBAR -- FRANKFURTER STRASSE 16.1 MONTAG BIS MITTWOCH 10 -15 UHR MITTAGSTISCH AN DER LANGEN TAFEL 12-14 UHR DAS KLEINE MENÜ -- VORSPEISE, HAUPTSPEISE, KAFFEE: 13 EUR / NUR HAUPTGANG: 7,50 EUR WWW.PFEFFER-LEBENSMITTEL.DE

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TEXT: WOLFGANG FISCHER FOTOS: PRIVAT DIE LIEBLINGSMUSIK VON N I C O L E TAU T Z Di e Fro n t f r a u vo n » Un i s even« hat uns Einblick in ihre Plattenk i s t e g e w ä h r t . In i h re r Top 5 finden sich unter anderem Adele, Ro c k e r L e n ny Kravitz und Coldplay.

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MEINE PL ATTENKISTE: NICOLE TAUTZ N i c o l e T a u t z´ s Best fiveAlben: 1.Adele, »21« »Sie singt mir aus dem Herzen.« 2.Lenny Kravitz, »5« »Sein Auftritt war mein erstes Live-Konzert.« 3.Keane, »Under the iron sea« »Die Musik lief zur Beruhigung im Kreißsaal.« 4.Coldplay, »xy« »Bei der Musik kam unser kleiner Sohn zur Welt.« 5.Tina Dico, »In the red« »Mit ihr würde ich gerne mal auf der Bühne stehen.« Ganz schön interessant, welche Beweggründe und Ereignisse bei der Zusammenstellung der fünf Lieblingsmusik-Platten und CDs auf unsere Interviewpartnerin einwirken. Für Nicole Tautz aus Brackenheim ist es bei einem Interpreten und einer Band der Einfluss, der nur Frauen vorbehalten ist. Die Songs sind seit der Geburt ihres Sohnes ihre »very best«. Die Musik lief zur Ablenkung und Beruhigung vor der Entbindung im Kreißsaal. Nicole Tautz ist das Abbild einer absolut sympathischen, jungen, aktiven Frau unserer Tage. Verheiratet mit dem Fußballspieler des FC Laube und Sänger der Band Float, Marcus Trautz, ist ihr Termin- plan stets gut gefüllt. In ihrer Rolle als Mutter fühlt sie sich sehr wohl. Zusätzlich studiert sie noch Dienstleistungs-Management an der Dualen Hochschule in Stuttgart. An den Wochenenden steht sie dann mit den Pop- und Rockbands »Uniseven« und der neu formierten Gruppe »Lazy Monkeys« auf der Bühne. Vor gut einem Jahrzehnt hat sie ihre Karriere bei »No Limit« gestartet, bis sie 2006 zu »Gonzo & Friends« wechselte. Ihr Repertoire ist ungeheuer vielseitig. Sie heizt dem Publikum mit Songs von Tina Turner genauso ein, wie sie sich verträumt bei Liedern der blonden, dänischen Sängerin Tina Tico zeigt. Mit einem breiten Grinsen sagt sie: »Ich würde gerne alle Lieder von Adele singen, aber da haben meine Bandmitglieder was dagegen.« Ihr größter Traum wäre es, einmal mit Tina Tico gemeinsam auf der Bühne zu stehen. »Das Leben hält viele Überraschungen bereit«, sagt sie. »Ich könnte ihr einfach mal schreiben, und vielleicht meldet sie sich.« Im Herbst ist Tina Tico auf Deutschland-Tour und einige Tage in Stuttgart und Karlsruhe. Mensch, das würde passen! Aber auch mit der britischen Sängerin Adele fühlt sich Nicole verbunden. Beide haben nämlich die gleiche Stimmlage. Nicole schwärmt: »Sie singt mir einfach aus dem Herzen.«

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D I T T R I C H , K L O T Z & K Ö N I »ANALTAG« Go d e l a d re h t f l eißig und passionier t Homevideos f ü r d i e Fr a u vo n heute. Als Frauenrechtlerin und Vo r re i t e r i n d e r m odernen Frauenbe wegung lässt Sie s i c h n i c h t vo m Manne einschränken! Emanzipation i s t h i e r g e f r a g t ! Doch plötzlich steht der prächtige Ac h i m i n d e r Tü r... Wird Godela ihre Frau stehen? D I T T R I C H , KLOTZ & KÖNI SIND BUCHBAR! K O NTAKT: 0176/99053371 W W W . DERDRANGZUMKLANG@WEB.DE W WW.LISAMARIAKLOTZ.DE

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DAS ONLINE-PORTAL FÜR DIE WIRTSCHAFT IN BADEN-WÜRTTEMBERG 7 REGIONEN AUF EINEN STREICH Das Regionalportal von B4B BW-NORD bietet tagesaktuelle und interessante Informationen für Unternehmer, Führungs- und Fachkräfte und Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen. aktuelle, relevante Wirtschaftsmeldungen für alle wichtigen Branchen der Region Online-Pressemappe "Firmenporträt" kostenlose Branchenbucheinträge markante Werbeplatzierungen Kontakt: redaktion@b4b-bw-nord.de www.b4b-bw-nord.de

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON MEHMET FILIZ, KLEMENS SCHAIKA & ROBERT MUCHA

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Es ist angegrillt Die wenigen warmen Sonnentage, die der April im Heilbronner Land anzubieten hatte, nutzten einige Sonnenanbeter und Fleischliebhaber sogleich um auf dem Neckar in sogenannten BBQIslands anzugrillen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Jüdische Ruhestätte »Der Jüdische Friedhof auf der Gemarkung Bad Rappenau-Heinsheim ist einer der größten und kunstgeschichtlich interessantesten Jüdischen Friedhöfe Deutschlands. Über Tausend Grabsteine für die Toten aus zeitweise bis zu 25 Gemeinden zwischen Eppingen, Bad Wimpfen und Mosbach legen davon ein eindrückliches Zeugnis ab.« Diese historischen Informationen und weiteres Wissenswertes ist unter anderem auf dem Informationsschild vor dem Friedhof zu lesen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Kaugummiautomat beim Schloss Inmitten des gleichnamigen Städtchens erhebt sich als imposantester Profanbau das mächtige Renaissanceschloss Neuenstein (hier im Hintergund), die ehemalige Fürstenresidenz der Grafen von Hohenlohe. Heute ist es Besuchern als Schlossmuseum zugänglich. Darüber hinaus beherbergt es das Zentralarchiv des Hauses Hohenlohe. Vis-a-Vis des Schlosses befindet sich eine Gaststätte an deren Häuserwände ein nicht mehr oft zu findendes Relikt aus Kindertagen der vor 1985 Geborenen angeschraubt ist: ein Kaugummiautomat. Der Automat wirkt dabei ähnlich mitgenommen, wie die Wand an der er befestigt ist.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Gedenktafel Das Backsteingebäude, neben dem Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet worden ist, wurde von seinen Graffitis befreit. Schließlich sollte der Rahmen für die Enthüllung einer Gedenktafel angemessen sein. Innenminister Reinhold Gall, Vertreter der Polizei und der Stadt Heilbronn mit Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach an der Spitze, der türkische Generalkonsul aus Stuttgart, Mustafa Türker Ari, sowie zahlreiche Bürger haben am 25. April - gemeinsam mit Familienangehörigen - der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter auf der Heilbronner Theresienwiese vor genau fünf Jahren gedacht. Bei der Veranstaltung wurde auch eine neue Gedenktafel enthüllt, die darauf hinweist, dass der sogenannte Heilbronner Polizistenmord Teil einer Mordserie neonazistischer Verbrecher war. Die sieben Städte, die 2000 bis 2007 Schauplätze dieser Gewalttaten waren, haben sich zu gemeinsamer Erinnerung entschlossen und folgenden Text vereinbart: »Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden und eine Polizistin.«

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Teppichtiger Künstler JC Leopold stellt aktuell in Heilbronns Kunst- und Kulturwerkhaus, der »Zigarre«, aus. Neben den als Kaminvorleger gedachten, auf dem Bild zu sehenden Teppichtigern, sind Radierungen, Bildhauerei und weitere Objekte des Künstlers zu sehen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Zwei rechts, zwei links Guerilla Knitting, auch Urban Knitting, Yarn bombing oder gestricktes Graffiti, ist eine Form der Streetart, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden. Dies kann vom Anbringen von gestrickten Accessoires bis zum Einstricken ganzer Stadtmöbel reichen. Die Knittings können lediglich der Verschönerung dienen oder auch eine symbolische Bedeutung haben. Hier wurde in der Nähe des Heilbronner Marktplatzes ein Fahrradständer in warme Strickwolle gepackt.

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karrierestarten de 365 Tage Messe online rund um deinen Beruf w.fotoli Bild: ww a.de (First signal) folge uns auch auf www.facebook.com/karrierestarten

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A U S B I L D U N G U N T E R L A N D : ARTAGOS FOTOS: MEHMET FILIZ PRODUKTION: PHILIPP KIONKA Wi r s i n d d i e s m a l b e i A r tagos zu Besuch, um hinter die Kuliss en z u s c h a u e n . A r t a g o s u n t erstützt und betreut die Onlineplattform » l i ve - s t r i p. c o m « i n Marketing- und technischen Fragen.

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"Geredet wurde schon viel, jetzt was für die rechte Gehirnhälfte"

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M A C H E R U N T E R L A N D : LOV E A N D TOY S FOTOS: MEHMET FILIZ PRODUKTION: PHILIPP KIONKA »Love a n d Toy s« f ü h r t n i c h t n u r Erotikspielzeug renommier ter Herstelle r. Im Sortimen t b e f i n d e n s i c h Di l d o s , Vi b ratoren, Liebeskugeln, Herrenspielzeug, Massageöle u n d Gl e i t g e l s u n d n o c h v i e l es mehr. Zudem bietet »Love-and-Toys.de« auch Onl i n e e i n r i e s i g e s So r t i m e n t a n Piercingschmuck. Für alle Körperstellen wie Bauc h , Br u s t , In t i m , L i p p e , Na s e, Zunge und Ohr. Aktuell sind weit über 6000 Piercin g s a l l e r Ma t e r i a l i e n , Fa r b e n und Größen direkt erhältlich. Ein Hausbesuch.

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MUSIK IST EINFACH MEIN BESTER FREUND Sandra Besara ist Songwriterin. Zuletzt hat sie an einem Singer/Songwriter-Slam teilgenommen. Momentan sitzt sie mit DJ und Produzent Walter Kaiser an ihrem ersten Album. Wir sprachen mit der 21-jährigen Heilbronnerin über die therapeutische Wirkung des Schreibens. Außerdem über die Fallgruben des Musikbusiness und verdutzte Stuttgarter Passanten, deren Geld Sandra nicht wollte. TEXT: SASCHA WARTHA FOTOS: ULLA KÜHNLE

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MUSIKKOFFER: SANDR A BESAR A H A N I X -- Sandra Besara, wer bist du eigentlich? Erzähl uns ein wenig von dir. Ich komme aus Heilbronn und mache Musik, schreibe Texte und spiele mit meiner Gitarre. Ich lasse quasi Text, Gitarrenklang und Gesang zur Leidenschaft werden. Damit schaffe ich es, das zu tun, was ich liebe. Und es hilft mir enorm gedankliche Freiheit zu erlangen. SANDRA BESARA -- H A N I X -- Kannst du uns etwas über deine Musik erzählen? Musikmachen bedeutet für mich ganz klar, sich den Dingen zu stellen, die einen beschäftigen und schlaflose Nächte bereiten. Ich verarbeite sie dann auf meine musikalische Art. Jeder Mensch hat doch sein Päckchen zu tragen. Ich wirke meinem Päckchen mit musikalischer Selbsttherapie entgegen. Musik zu machen, macht meinen Kopf frei. Die Musik ist einfach mein bester Freund. Sie schlägt mir nicht die Türe vor der Nase zu, und ist immer für mich da. H A N I X -- Das hört sich nach einer innigen Beziehung an, die du zur Musik hast. Wie hat die Bindung zwischen dir und deiner Musik angefangen? Nun ja, es ist bei mir schon so, dass die Musik mich findet, weniger ich die Musik. Ich werde, wie viele andere Künstler auch, durch das Leben inspiriert, durch die Natur und die Geschichten anderer Menschen. Meine Musik ist sehr ruhig und melancholisch, weniger extrovertiert. Zwischen den Zeilen findet man mitunter auch etwas Wut, sei es in den Texten oder auch in den Melodien. SANDRA BESARA -- Während meine Schwestern früher Mamas Schminke plünderten, bin ich eigentlich schon immer diejenige gewesen, die mit dem Tennisschläger Gitarre gespielt hat. Ich kann mich noch daran erinSANDRA BESARA -- nern, dass ich mit fünf Jahren unbedingt eine Gitarre haben wollte. Die habe ich dann auch bekommen. Mein Vater spielte früher ein orientalisches Saiteninstrument. Deshalb hatte ich vielleicht diesen Wunsch nach einer eigenen Gitarre. Die Zeit verging und ich verbrachte unzählige Stunden in meinem Kinderzimmer damit unerträgliche Töne aus meiner Gitarre zu schnalzen. Mit neun Jahren fing ich dann mit richtigem Gitarrenunterricht an. Mit dem Schreiben begann ich ungefähr ein Jahr davor. Sicher nicht extrem ambitioniert, aber doch nachhaltig. Diese alten Texte sind wie ein Tagebuch. Das Schreiben an sich hilft mir enorm. Ich wäre mit Sicherheit nicht der Mensch, der ich jetzt bin, wenn ich nicht damit angefangen hätte. H A N I X -- Was außer dem Leben, der Natur und den Geschichten anderer Menschen inspiriert dich noch?

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MUSIKKOFFER: SANDR A BESAR A Sandra Besara: Definitiv Konzerte. Der Sound, das Ambiente und die Stimmung unter den Menschen inspiriert mich total. Dabei gibt es immer wieder Momente bei denen mir bewusst wird, dass ich etwas mitnehmen konnte. Die Schallwellen, die meinen Körper erreichen und Emotionen auslösen, ziehen mich dann kurzum doch zur eigenen Musik. Also um auf die Frage zurückzukommen: Live Musik und Konzerte inspirieren mich sehr. Ich bin aber auch ein Mensch, der eine ordentliche CD-Sammlung sein Eigen nennt. Ich kaufe mir immer wieder mal ein Album eines Künstlers und setze mich sehr bewusst damit auseinander. Zuhause, ganz versunken in einer anderen Welt Musik zu hören hat auch seinen Reiz. Aber es ist nicht mit dem Gefühl der Livemusik zu vergleichen. H A N I X -- Du scheinst viele Konzerte besucht zu haben. Kannst du eines, das für dich alles gesprengt hat, hervorheben? Das kann ich sagen. Angus & Julia Stone in Luxemburg. Das war ein Überraschungstrip und ich hatte keine Ahnung was da jetzt kommt. Als ich realisierte wer sie sind, war es eigentlich schon um mich geschehen. Ich stand im Publikum und habe mich einfach verzaubern lassen. Oder Andy McKee, mein Lieblingsgitarrist. Ein Mann, ganz alleine auf der Bühne, der es nur mit seiner Gitarre in der Hand schafft mich zu Tränen zu rühren. Ich meine der singt ja noch nicht einmal. Welche emotionale Wucht. Sagenhaft! SANDRA BESARA -- H A N I X -- Du selbst stehst auch nur mit dir alleine auf der Bühne. mich alleine. Dann kam irgendwann die Gitarre dazu und ich konnte mich wieder ein kleines Stückchen selbst finden und meinen Gefühlen Ausdruck verleihen. Es kam nie wirklich der Punkt an dem ich feststellte: »Shit, mir fehlt ganz klar eine Band.« Wobei ich dem ganz und gar nicht verschlossen bin. Wenn mehrere Menschen zusammen Musik machen, ist das sehr schön. Als Solokünstlerin, gerade wenn dann die Bühnen irgendwann ein kleines Stückchen größer werden, fühlt man sich mitunter schon ein wenig alleine. Da wären so ein paar andere Menschen an meiner Seite schon was feines. Ich halte es nur für sehr schwierig Musiker zu finden, die Musik genau wie ich verstehen und fühlen und somit auch ohne Kompromisse meine Musik mittragen können. Mich dieser Suche zu widmen steht bei mir derzeit nicht an oberster Stelle, denn ich habe aktuell keine Probleme mich selbst zu verwirklichen. Früher war es ja auch so, dass ich die ersten Texte in denen ich meinen eigenen Schmerz zum Thema gemacht habe, nicht unbedingt mit anderen Menschen teilen wollte. Da sind ja auch Themen darunter, die für keine anderen Ohren bestimmt waren und teilweise noch sind. H A N I X -- Das bedeutet um öffentlich spielen zu können, musstest du covern? musik kann man auch sehr gutes Geld nebenbei verdienen. Nein, es ging mir dabei um den direkten Kontakt zu den Menschen. In der City hat niemand Zeit, alles wuselt umher. Wenn sich dann jemand aus diesem Alltagsstress von mir heraus reißen lässt und mir fünf Minuten seiner Zeit schenkt und einfach nur zuhört, habe ich schon etwas erreicht. H A N I X -- Du hattest ja kürzlich an einem Singer/Songwriter-Slam in Hamburg teilgenommen. Welche Eindrücke konntest du mitnehmen? Nun, das ganze hat ja für mich als Soloprojekt begonnen. Ich fing an zu schreiben, ganz für SANDRA BESARA -- Genau. Durch eine spontane Aktion fing ich an in Stuttgarts Fußgängerzone Straßenmusik zu betreiben. Ich nahm dafür kein Geld, hatte keinen Sammelhut oder ähnliches aufgestellt. Ich wollte einfach Musik machen und coverte Lieder, hinter denen ich stehen konnte. Manche wollten gar nicht akzeptieren, dass ich es nicht auf Geld abgesehen hatte. Ihr könnt mir glauben: Mit StraßenSANDRA BESARA -- Zuerst einmal muss ich sagen, dass es in Hamburg bitterkalt sein kann. Mir kam am Heilbronner Bahnhof ein Mann im TShirt entgegen als ich in den Zug nach Hamburg gestiegen bin. Stunden später stieg ich in der Hansestadt aus dem Zug und erstarrte vor Kälte. Ich zog eigentlich während der ganzen Zeit alle meine mitgeführten Klamotten übereinander an und fror dennoch. Aber Hamburg ist so schön. Das war den Kälteschmerz wert. Ich bin ja eher nicht der klassische Großstadt Fan, habe es lieber beschaulich mit direktem Zugang zur Natur. Aber Hamburg! Das hat was. Ich habe mich dort richtig wohl gefühlt. An dem Slam war interessant, dass die teilnehmenden Künstler fast alle, genau wie ich, aus anderen Städten angereist waren, gar nicht in Hamburg wohnten. Man lernte sich kennen und so eine Zeit unter Gleichgesinnten ist natürlich etwas wunderbares. Solche Geschichten, wie diesen Slam, gibt es dort regelmäßig und man merkt sofort, dass das Publikum da richtig Bock drauf hat. Etwas in dieser Form vermisse ich hier in Heilbronn schon. Daran erkennt man dann schon die Unterschiede im Vergleich zwischen Heilbronn und SANDRA BESARA --

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MUSIKKOFFER: SANDR A BESAR A

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MUSIKKOFFER: SANDR A BESAR A »Unter dem »Künstler-will-Er folg-haben-um-jeden-Preis«-Spiel l eidet neben dem Konsument auch der Künstler selbst .« einer Großstadt. Die alternative Szene hier ist mir persönlich noch lange nicht groß genug. H A N I X -- Du arbeitest im Moment an einer EP. Was hat es damit auf sich? Alltag beschäftigen, reflektieren. Wir arbeiten mit Hochdruck daran und ich hoffe das es im Mai oder Juni fertig sein wird. Aber genau sagen kann ich es leider nicht. H A N I X -- Das Musik-Buisness steht auch für Kommerz und zwielichtige Typen, die sich an anderen bereichern möchten. Wie stehst du als alternative junge Frau diesem Geschäft gegenüber? Ich habe mich mit einem Demo bei Walter Kaiser beworben und er gibt mir jetzt die Möglichkeit so etwas auf die Beine zu stellen. Eine sehr angenehme Atmosphäre dort bei Walter im Studio. Ursprünglich hätte ich natürlich gerne gleich ein ganzes Album gemacht, doch der gemeinsame Entschluss die Songs einsprachig zu halten, hat die Auswahl der in Frage kommenden Stücke etwas dezimiert. Jetzt machen wir eine EP, bestehend aus fünf bis sieben deutschsprachigen Liedern. Es ist eine Art Collage aus älteren Stücken und frisch für die EP geschriebenen Texten, die aber allesamt Gedanken, die mich im SANDRA BESARA -- Ich fange an Probleme damit zu bekommen, wenn auf die Kunst geschissen wird. Da ich ehrliche Musik zu machen als sehr reinen und nahezu heiligen Prozess verstehe, kommt es für mich überhaupt nicht in Frage mir selbst aufgrund besserer Karrierechancen untreu zu werden. Es passiert in diesem »Künstler-will-Erfolg-haben-um-jeden-Preis«-Spiel soviel Ungerechtes - den Künstlern wie auch den Konsumenten gegenüber. SANDRA BESARA -- Nein, so will ich das nicht betreiben. Ich kümmere mich ja selbst um meine Angelegenheiten und selbst auf dem Level, auf dem ich das im Moment betreibe, ist man vor Abzocke nicht gefeit. Ich mache mein Ding und würde natürlich sehr gerne meine Berufung zum Beruf wandeln, jedoch immer bewusst und nicht um jeden Preis. Ich empfange Menschen die mich auf ehrliche Art und Weise unterstützen wollen mit offenen Armen, denn genau das sind die Menschen, die ich in meinem Leben haben möchte. Die Ehrlichen und Aufrichtigen. Sollte das sich so nicht für mich ergeben, dann halt nicht. Für mich ist Erfolg erzwingen keine Option. Was mit keiner Silbe bedeutet, dass ich nicht ambitioniert bin. H A N I X -- Das heißt, dass wir dir jetzt einen ehrlichen und aufrichtigen Manager suchen.

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MUSIKKOFFER: SANDR A BESAR A Das wäre schon toll, jemanden zu haben, der mir einen ordentlichen Schwung Arbeit einfach mal abnimmt. Jemand der es schafft, diese Träume, an denen ich arbeite, umzusetzen. Jemand, der mich bei der Hand nimmt und sagt: »Hier Sandra, das ist etwas für dich. Das gefällt dir.« Aber ein ehrlicher und aufrichtiger Manager? Das klingt irgendwie widersprüchlich. SANDRA BESARA -- H A N I X -- Du bist 21 Jahre alt und hast dein Leben noch vor dir. Wo siehst du dich in zehn Jahren? glücklich fühlen zu lassen. Dafür spielt ja auch die Musik eine zentrale Rolle. Das sich diese Situation, Ambitionen geltend zu machen und nach außen zu tragen, so wie jetzt eingestellt hat, lässt mich umso mehr jeden einzelnen Tag genießen. Ich habe eigentlich überhaupt kein Bedürfnis zu wissen wo ich in zehn Jahren stehe. Ganz ehrlich. H A N I X -- Du wirkst mitunter etwas gesellschaftskritisch. Wie nimmst du diese wahr? Eigentlich dachte ich einmal nach der Schule studieren zu wollen, Musik auf Lehramt zum Beispiel. Doch mittlerweile habe ich aufgehört mir einen Lebensplan zurecht zu flicken. Dem Einzigen, dem ich nacheifere, ist, dass diese Flamme in mir nicht erlischt und weiterhin genug Sauerstoff bekommt, um mich SANDRA BESARA -- Als sehr materialistisch. Menschen werden nicht mehr für die Geschichten und Erfahrungen, Persönlichkeiten oder deren Einstellung sondern aufgrund Ihres Bankkontos bewertet. Geld kommt und geht, es sollte diese Wertschätzung bei weitem nicht in diesem Maße genießen. Wir werden doch von Anfang an zum Funktionieren getrimmt. Dieser Druck der dabei ausgeübt wird geht SANDRA BESARA -- mir gewaltig auf die Nerven. Wieso muss der berufliche Weg von Anfang an feststehen.? Wer gibt einem die Zeit Lebenserfahrung zu sammeln und somit selbst herauszufinden, was man machen möchte? Eine Auszeit nehmen, versuchen das Leben zu verstehen und zu sich selbst zu finden. Das ist in unserem System gar nicht so einfach umzusetzen bei dieser Schnelllebigkeit. Alles auf Nummer sicher, die Zukunft muss abgesichert sein ohne zu wissen ob man diese Zukunft überhaupt erreicht. Das Miteinander findet doch nur in engsten Zirkeln statt, dabei vereint uns Menschen doch alle das selbe Schicksal. H A N I X -- Deine Message an die HANIX Leser lautet: Hört auf eure Herzen und folgt ihnen! SANDRA BESARA--

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»ICH HABE DEN GRÖSSTEN POETRY SLAM D E R W E LT G E W O N N E N « Po e t r y Sl a m e r f re u t sich in unserer Neckarstadt großer Be l i e b t h e i t . Se i t 2 0 09 wird in Heilbronn kräftig geslamt. Wi r t r a f e n d re i Sl a m e r und sprachen mit ihnen über humorist i s c h e Te x t e , d e n Se x a p peal des Schreibens und über den Sieg von Ne k t a r i o s V l a c h o p o u los beim größten Poetr y Slam der Welt . INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ

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KULTURBEUTEL: P OETRY SL AM H A N I X -- Darf ein Slamer seinen Text vom iPad ablesen oder verstößt das gegen Slamerehre?  N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- So lange der Text nicht nur ums iPad geht und das Pad nicht Bestandteil des Werkes ist, ist es okay. P H I L I P P H E RO L D -- Es ist einfach ein bisschen uncool. Wenn jeder seinen Text vom Zettel abliest, fallen die Zettel gar nicht auf. Wenn aber auf einmal ein Slamer mit nem iPad da steht, kann es auch störend sein. Es verstößt aber definitiv nicht gegen die Regel. H A N I X -- Nektarios beschrieb das Gerät in einem seiner Texte als Fenster in eine neue Dimension von Scheiße. Wäre das iPad eine Person des öffentlichen Lebens, wäre es Wolfgang Schäuble und als Staat wäre es Lettland hat er gesagt. Wie viel Zeit hast Du, um dir so etwas auszudenken? Oder passiert das nebenbei? fing mit dem iPad an und ich habe ihn dann einfach mit einem anderen Text zusammen getackert. H A N I X -- Gibt es eine »Poetry Slam«-App? N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Ich wüsste nicht, dass es eine Poetry Slam App gibt. H A N I X -- Erzählt uns von euren Anfangstagen. Wie seid ihr zum Slamen gekommen? Wie war das nochmal mit dem iPad? Ach ja, ich hatte ein paar Texte vorzutragen, war aber noch mit keinem Text fertig. Einer meiner Texte N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Ich habe 2004 angefangen zu rappen bis mir das Ganze ein bisschen zu sehr zu einer »Ellenbogengesellschaft« verkommen ist. Dabei ist dann einfach die Poesie verloren gegangen. Dann habe ich 2008 an meiner Schule in Heidelberg ein Plakat für einen »Poetry Slam«Workshop gesehen und daran teilgenommen. Mein Kursleiter hatte ein T-Shirt mit dem Spruch »Ein guter Rapper überlegt erst mal« an. Da dachte ich >okay, da bleib ich jetzt dran<. Dann war es ein toller Workshop und meinen zweiten Slam hab ich gewonnen. Von dem Moment an war klar dass ich Slamer bin. N I C O L A S G RO S C H K E -- Bei mir war es eigentlich ähnlich. Auch ich habe zunächst mit dem Rappen angefangen. P H I L I P P H E RO L D --

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Meine alte Crew hatte sich irgendwann mehr oder weniger aufgelöst. Während meines Zivildienstes habe ich dann ein Mädchen kennengelernt, die in Stuttgart ab und zu auf Slams mitgemacht hat. Sie hat mich dann einfach gefragt, ob ich nicht mal mitmachen will. Das war dann 2007 mein Einstieg. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Bei mir war das ganz klassisch. Ich habe mir einen Poetry Slam angeschaut, weil ein Bekannter teilgenommen hat. Ich war zuerst aber ziemlich eingeschüchtert, da es sich hier um ein Festival handelte, bei dem grandiose Poeten teilgenommen haben. Dann habe ich es aber doch versucht und bin dabei geblieben. H A N I X -- Der Ursprung liegt in den USA, allerdings nicht in New York. Wisst ihr aus welcher Stadt heraus Poetry Slam die Welt erobert hat? mit ernsten Texten nicht gewinnen kann. Diese müssen eben besonders gut sein. P H I L I P P H E RO L D -- Vielleicht kann man sagen dass ein mittelmäßiger ernster Text immer verliert und ein mittelmäßiger lustiger Text gute Chancen hat. N I C O L A S G RO S C H K E -- Insgesamt ist die deutsche Szene mit viel Wortwitz und Heiterkeit versehen. H A N I X -- Gibt es internationales Feedback für die humorvolle deutsche Slamer-Szene? Die Ursprungsstadt des Poetry Slam sollte man natürlich kennen. Der erste Slam fand in Chicago statt. ALLE -- H A N I X -- Wikipedia schreibt, dass auf deutschsprachigen Slambühnen eine Dominanz an satirischen und humoristischen Beiträgen herrsche und diese meist auch gewinnen. Seht ihr das ähnlich? Ich würde diese WikiAussage schon unterschreiben. Lustige Texte kommen in Deutschland sehr gut an, was aber nicht heißt, dass man N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Marc Kelly Smith, der »Poetry Slam«-Erfinder selbst, war ja schon oft zu Gast und er hat die letzten Meisterschaften in Hamburg als Höhepunkt der Slam-Geschichte bezeichnet. P H I L I P P H E RO L D -- Ich war eine Zeit lang in New York zu einem Praktikum und habe dort zweimal einen Slam besucht. Man kann schon sagen, dass das typisch amerikanisch war. Es herrschte eine sehr persönliche Atmosphäre und jeder hat da einfach sein Ding durchgezogen. Die Texte sind auch nicht überwiegend witzig, es ist also ganz anders als in Deutschland. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Ich weiß nicht warum dies in Deutschland so ist. Was auffällt ist, dass Lachen sehr ansteckend ist und sich schnell im Raum verbreitet. Fängt jemand also an zu lachen, lassen sich die meisten einfach davon anstecken. Bei lustigen Texten kann man als Zuhörer N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S --

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KULTURBEUTEL: P OETRY SL AM » I n s g e s amt ist die deutsche Szene m i t v i e l Wor twitz und Heiterkeit versehen.« ( Nicolas Groschke) auch kurz mal aussteigen und der Wiedereinstieg ist relativ einfach. Bei ernsthaften Texten ist dies unmöglich und man muss fünf Minuten konzentriert dran bleiben. H A N I X -- Wie bekommt man auf einem Slam das Publikum auf seine Seite? zubeziehen, in welcher Art auch immer. Daher kommt ja auch der Name. Künstler und Publikum sollen miteinander agieren. H A N I X -- Ist es ein großer Schritt vom Sofareimer zu Hause auf eine Slambühne? Wie war das bei euch? Nur etwa 50 Prozent macht der Text selbst aus und zu 50 Prozent kommt es auf das Vortragen an. Wichtig ist, dass man authentisch und ehrlich ist. P H I L I P P H E RO L D -- Ganz wichtig ist auch der Einstieg. Wenn du auf die Bühne kommst, dich gut präsentierst und vielleicht gleich ein lustiger Witz in deiner Einleitung fällt, hast du schon viel gewonnen. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Mit der Zeit seid ihr bestimmt sicherer bei euren Auftritten geworden. Ich glaube es ist gar nicht so der Auftritt vorm Spiegel. Ich denke eher, dass man unglaublich mit den Auftritten reift. Man merkt mit der Zeit einfach worauf es ankommt, wann man seine Eckpunkte setzen muss. Ich habe mich am Anfang sehr auf der Bühne ausprobiert, habe Prosa und Lyrik angefasst, war mal ernst und mal lustig. Wichtig ist aber, wie vorhin schon erwähnt, dass man authentisch bleibt um dann eben auch sicher zu werden. P H I L I P P H E RO L D -- H A N I X -- Habt ihr euch auf der Bühne schon selbst gefunden? Und wie persönlich sind eure Texte überhaupt? Klar, gerade bei Nektarius war es krass zu beobachten. Wie er vor seinen ersten Auftritten gezittert hat, dass hat auch noch der Zuschauer in der letzten Reihe gesehen. Mittlerweile ist es sehr beeindruckend wie souverän er auf der Bühne wirkt. P H I L I P P H E RO L D -- H A N I X -- Interagiert ihr mit eurem Publikum oder lest ihr euren Text einfach runter? Ich glaube manchmal wartet man schon auf eine Reaktion des Publikums. Grundsätzlich gehört es zum Slam dazu, das Publikum einN E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Definitiv war und ist das so. Dies ist ein laufender Prozess, der immer noch nicht aufgehört hat. Irgendwann pendelt sich dann natürlich eine Richtung ein auf die man sich einlässt, aber das Lernen hört nie auf. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Ich zum Beispiel schreibe nicht, weil ich mir irgendwas von der Seele reden will sondern einfach weil ich was schönes produzieren möchte. Es lässt sich aber nicht verhindern, dass auch persönliche Dinge in die Texte hinein fließen. Man kann also sagen, N I C O L A S G RO S C H K E --

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»Wenn ich so richtig überle g e s i n d eigentlich alle meine Texte d i re k t m i t meinen Er fahrungen verkn ü p f t . « (Philipp Herold) dass ich nicht bewusst mein Herz öffne aber meine ganze Erfahrungswelt einfließen lasse. P H I L I P P H E RO L D -- Wenn ich so richtig überlege sind eigentlich alle meine Texte direkt mit meinen Erfahrungen verknüpft. Schreibe ich etwas lyrisches geht es eher um meine Gefühlswelt und in den Prosatexten spielt sich viel über Alltagsdinge die ich erlebt habe ab. H A N I X -- Übung macht bekanntlich den Meister. Wie trainiert ihr? Und was trainiert ihr? als besonders gelungen. Verratet doch den besten Satz, den ihr je geschrieben habt.  Das beste Schreibtraining ist Schreiben. Dadurch werden nicht alle Texte kontinuierlich besser aber die Frequenz an guten Texten steigert sich enorm. Die »Übertexte« kommen aber deshalb nicht zwangsläufig. Manchmal merkt man einfach, dass der produzierte Text einfach der Wahnsinn geworden ist. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Übt ihr das Vortragen eurer Texte vor dem Spiegel? Ich feiere gerade von dem heutigen Text, den ich gestern erst fertig geschrieben habe, einen Satz, der jetzt aber aus dem Zusammenhang gerissen ist: »Kompensiere den Missstand zwischen Fremdscham und Blickfang mit unbeholfenen Gesten im Schein von zu hellen Lichtern.« P H I L I P P H E RO L D -- Mir fällt jetzt spontan ein recht sauberer Reim von mir ein: »Liebe aber heißt Bewegung... Gewaber, Schweiß, Erregung.« N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Einen Satz, den ich ganz gut finde, geht so: »Wie im Copyshop bring ich Gedanken zum Ausdruck.« N I C O L A S G RO S C H K E -- HANIX -- Mädels? N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Definitiv ist Schreiben sexy. Wenn man sich nur mal den Reisepoeten vorstellt, ist das schon ein mächtiges Instrument. P H I L I P P H E RO L D -- Es kommen schon einige Leute nach dem Slam auf einen zu. Wenn Jungs sagen »Hey der Text war toll« sage ich einfach »Danke«. Wenn das schicke Mädels sagen, bleibe ich natürlich dran. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Man muss sich aber Beeindruckt ihr mit eurem Geschreibe auch Wenn ich einen Text geschrieben habe, lese ich diesen mit Sicherheit 30 mal laut vor. Der Text ist dann zwar fließend aber mit Sicherheit nicht das, was er nach fünf Auftritten sein wird, da sich die Reaktion des Publikums nochmal stark auf den Text auswirkt. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Manche Sätze empfindet ihr mit Sicherheit

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KULTURBEUTEL: P OETRY SL AM schon bewusst sein, dass es nicht die Person sondern der Moment ist, der eine bestimmte Atmosphäre schafft. H A N I X -- Also ist schreiben sexy. Unser Titelthema ist diesmal »Sex«. Deshalb auch noch die Frage nach dem verficktesten Satz aus eurer Feder. Oh, der fällt mir sofort ein: »Selbst mein bis dato tadelloses Liebesleben litt unter der Eintönigkeit. Der Sex verkam zu einem fantasielosen mechanischen Prozess, das Problem lag auf der Hand.« N I C O L A S G RO S C H K E -- Mir fällt ein Satz aus einer Fussballmetapher ein: »Jeden noch so schönen, feinen Pass, hab ich nur bei dir so schön mitgenommen und reingemacht.« N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Seit wann wird eigentlich in Heilbronn geslamt? Im Mai wird ein großer, runder Geburtstag des Stadt- und Kreisjugendrings gefeiert. Hierzu findet dann im Rahmenprogramm auch ein Poetry Slam mit dem Thema Jugend statt. Das heißt, dass sich alle Vortragenden in ihren Texten an das vorgegebene Thema halten müssen. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Habt ihr vor euren Auftritten eigentlich noch Lampenfieber? Das kommt ganz stark auf den Auftritt an. Aber so ganz weg ist das Lampenfieber nie, was auch gut so ist. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Erzählt uns von euren bis dato größten Auftritten. P H I L I P P H E RO L D -- Im letzten Jahr beim U20-Finale im Schauspielhaus Hamburg bin ich vor 1 200 Zuschauern aufgetreten. Es war auch gleichzeitig einer meiner schönsten Auftritte. Zum Einen, weil ich Vizemeister geworden bin und zum Anderen ist eine Art Vorbild von mir aufgetreten, den ich vor Jahren schon auf einem Video gesehen habe und auf einmal stehe ich auf der gleichen Bühne. N I C O L A S G RO S C H K E -- Der coolste Auftritt den ich bisher hatte war auch gleichzeitig der Erste. Das ganze war im DAI (Deutsch-Amerikanisches-Institut) in Heidelberg. Ich bin zwar in der Vorrunde ausgeschieden, aber die Veranstaltung war toll. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- Na ja, ich habe den größten Poetry Slam der Welt gewonnen. Der Slam war in der O2-World in Hamburg und es waren 4 500 Zuschauer da. Das war bei den deutschsprachigen Meisterschaften letztes Jahr. Eigentlich war die Halle aber schon zu groß, da es nicht nur in die Breite sondern auch in die Höhe ging und somit unheimlich viel vom Raum verschluckt wird. H A N I X -- Mit welchem Text hast Du gewonnen? Seit April 2009 sind wir hier im Café Wilhelm. Am Anfang noch mit einigen leeren Tischen, doch momentan haben wir einen Lauf und sind regelmäßig ausverkauft. Inzwischen gibt es hier alle zwei Monate einen Slam. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S -- H A N I X -- Kann man das Café Wilhelm inzwischen als Slaminstitution in Baden-Württemberg bezeichen? Oder ist es noch nicht ganz so weit? Vom Cafe Wilhelm als eine SlamerInstitution kann man noch nicht sprechen, dazu gibt es einfach zu viele Veranstaltungen, die um einiges länger existieren und regelmäßig große Häuser füllen. N I C O L A S G RO S C H K E -- Das Interesse an Slams in Heilbronn ist aber immens groß. Wir denken, dass wir auch größere Häuser füllen könnten, sind aber an das Cafe Wilhelm gebunden, was nicht das Schlechteste ist. P H I L I P P H E RO L D -- H A N I X -- Verwundert euch das Interesse der Heilbronner? Nein, eigentlich nicht. Man muss ja ehrlich sagen, dass dies die einzige Veranstaltung dieser Art in Heilbronn ist. Außerdem ist das kulturelle Angebot nicht riesengroß und man merkt, dass die Leute einfach ein bisschen ausgehungert sind, was das Thema Kultur im Allgemeinen angeht. N I C O L A S G RO S C H K E -- H A N I X -- Im Sommer finden zwei Open-Air-Slams in Heilbronn statt. Könnt ihr dazu auch schon etwas erzählen? Es waren zwei Texte. In der Vorrunde ging es um eine Twighlight-Parodie und im Finale gegen den Vorjahressieger habe ich mich selbst beweihräuchert und beschrieben, wie ich mich in mich selbst verliebe und mich auf eine Beziehung mit mir selbst einlasse. N E K TA R I O S V L A C H O P O U L O S --

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KOLUMNE: PARTHENAS WELT ZWISCHEN WA C H Z U S T A N D UND SCHLAF Wenn wir gemütlich in unserem Bett liegen und die Augen schließen, entspannt sich nach und nach unser Bewusstsein. Wir können in diesem Befinden Geräusche und Bewegungen wahrnehmen. Wir können auch noch an etwas denken, aber kurz darauf schlafen wir ein. Die Empfindungen beim Einschlafen sind von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Manchmal kommt es vor, dass wir beim Einschlafen plötzlich zucken. Dabei erschrecken wir, weil wir das Gefühl haben zu fallen. Doch unser Körper und unser Geist entspannen sich wieder schnell. Manche von uns sehen Bilder oder hören sogar Stimmen beim Einschlafen. Für diesen Zustand gibt es ebenso einen Namen: Der hypnagogische Zustand. Kurz gesagt: Wir sind immer noch bei Bewusstsein und träumen, sind aber wach. Einige von uns klappern sogar mit den Zähnen, wenn sie ins Schlummerland eintauchen. Das kann sehr unterhaltsam sein, wenn man selber nicht gleich einschläft und unerwartetes Geklapper von seinem Bettnachbarn hört. Und vielen von uns fällt erst gar nichts auf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass all diese Einschlafereignisse innerhalb weniger Minuten oder sogar innerhalb weniger Sekunden geschehen. Ich persönlich finde ja, dass umso feinfühliger ein Mensch ist, desto mehr fallen ihm solche Phänomene auf. Deshalb liebe Leserinnen und Leser bringt euch nicht um den Schlaf, bloß weil ihr darauf wartet Stimmen zu hören. Es klappt nicht bei jedem. Ein kleiner Rat am Rande für die, die nicht gleich oder manchmal sogar gar nicht einschlafen können. Denkt nicht an Erledigungen, nicht an Probleme und auch nicht an die Arbeit! Es sei denn, die Arbeit macht Spaß. Das ist nicht ganz einfach. Findet eure bequemste Schlafposition und schließt eure Augen. Wenn euer Kopf denken möchte, dann lasst ihn an etwas Schönes denken. Wie zum Beispiel an eine Geschichte oder einfach an einen schönen Ort, wie ich es immer mache. Falls das alles nicht hilft, dann denkt euch einen Satz aus, den ihr die ganze Zeit konzentriert wiederholt, bis euer Hirn freiwillig einschläft. Ein Beispiel: »Ich fahre meine Gedanken herunter und schalte sie aus.« Erst wenn mein Wecker klingelt, schalte ich sie wieder an. Es sei denn, ich kann ausschlafen. Es braucht etwas Übung. Aber aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass ich mein Gehirn damit ganz gut ausgetrickst habe. Das Wochenende ging mal wieder zu schnell vorbei und es war höchste Zeit ins Bett zu gehen. Ich war noch gar nicht so müde, aber der nächste Arbeitstag stand bevor und ich wollte nicht wie ein Zombie dort auftauchen. Widerwillig begab ich mich ins Bett. Ich lag nun da und machte die Augen zu. Da ich nicht gleich einschlafen konnte, dachte ich an einen schönen Strand, wie ich da lag und mich sonnte. Ich stellte mir das Meeresrauschen vor. Urplötzlich und innerhalb weniger Sekunden konnte ich mich nicht mehr auf diesen einen Gedankengang konzentrieren. Es funktionierte einfach nicht. Es kamen viele zusätzliche Bilder hinzu. Dann geschah etwas, was ich kaum beschreiben kann. Alle Gedanken waren auf einen Schlag zerstreut, und ich war weg: Eingeschlafen. Der Wecker klingelte und ich wurde sofort wach. Irgendwie fühlte ich mich eigenartig. Nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich gut. Ich hatte durchgeschlafen. Ich stellte meinen Wecker auf den Schlummermodus und blieb noch fünf Minuten liegen. Ich dachte darüber nach, was in der letzten Nacht geschehen war. Vergessen hatte ich es nicht. Ich wollte unbedingt herausfinden, was das war und ob es noch andere Menschen gab, denen das Gleiche widerfahren ist. Was befindet sich zwischen Wachzustand und Schlaf? Oder anders gefragt. Wo befinden wir uns kurz vor dem Einschlafen? Es gibt tatsächlich eine Bezeichnung dafür. Wir befinden uns im so genannten Alpharhythmus.

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Kultroller SonDerAuSStellung iM Auto & techniK MuSeuM SinSheiM FOTOS: TECHNIKMUSEUM SINSHEIM Mit einem Vespa-Roller erfüllte sich nach dem Ende des 2. Weltkriegs für Millionen Menschen der Traum von der individuellen Mobilität. Bereits 1946 erschien die vom Konstrukteur Corradino d'Ascanio aus der Not heraus geborene Ur-Vespa »Vespa 98«, die schnell den liebevollen Beinamen »Paperino« (Entchen) erhielt. Zahllose Motorroller-Hersteller sind seither mit den unterschiedlichsten Modellen auf dem Markt erschienen und wieder verschwunden. Vespa-Roller haben dagegen inzwischen Kult-Status erlangt und gelten für ihre Fans als die Motorroller schlechthin. Zum 66. Geburtstag der legendären Marke dokumentiert das Auto & Technik Museum Sinsheim in einer Sonderausstellung bis zum 4. November 2012 mit über 40 Fahrzeugen, Sze54 nen und Displays die Typengeschichte von Vespa. Zu sehen sind Motorroller, wie sie schon früh in Film und Fernsehen eine wichtige zweite Hauptrolle spielten, wie z.B. in »Roman Holiday« mit Gregory Peck und Audrey Hepburn, das erste Modell der 50-ccm-Baureihe, Gewinner von Custom-Shows, Umbauten für die Rennszene sowie unrestaurierte und restaurierte Modelle im direkten Vergleich. Die Firma Piaggio, die die Vespa-Motorroller produziert, wurde 1884 von Rinaldo Piaggio in Genua gegründet und entwickelte sich in den Jahrzehnten bis zum Zweiten Weltkrieg zu einem der wichtigsten Flugzeughersteller Italiens. Aus diesem Grund waren die

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KUNSTREGION: 66 JAHRE VESPA Werksanlagen während des Kriegs das Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Bereits während der letzten Kriegsmonate überlegte man bei Piaggio, wie nach dem absehbaren Kriegsende die Produktion in den weitgehend zerstörten Fabriken weitergehen könnte. Ein einfaches, für die Masse der Bevölkerung erschwingliches motorisiertes Zweirad schien die geeignete Lösung zu sein. Mit der Entwicklung des Fahrzeugs beauftragte Enrico Piaggio, einer der zwei Söhne des Firmengründers Rinaldo, seinen Konstrukteur Corradino d'Ascanio, der eigentlich Flugzeugkonstrukteur war, und keine besondere Sympathie für Motorräder hegte. Entsprechend unkonventionell war der Entwurf, den er vorlegte. Der Motor, sonst bei Motorrädern ein sorgfältig gestalteter Blickfang, verschwand unter einem Blechgehäuse und wurde direkt mit dem Hinterrad gekoppelt, so dass auf eine Kette verzichtet werden konnte. Ketten waren durch die notwendige Schmierung eine ständige Schmutzquelle. Vorne wurde der Fahrer durch ein Blechschild vor Regen und Wind geschützt. Für den Antrieb sorgte ein einfacher, gebläsegekühlter 98-ccmEinzylinder-Motor mit 3,2 PS Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei ca. 60 km/h. Als Enrico Piag55 gio den Prototypen mit den voluminösen Front- und Heckpartien und dem Einschnitt in der Mitte, wo der Fahrersitz platziert war, betrachtete, rief er: »Es sieht aus wie eine Wespe!«. Damit war die »Vespa« geboren, denn »Vespa« ist das italienische Wort für »Wespe«. Schnell wurde die Vespa zum wichtigsten Produkt von Piaggio. Bereits 1950 begann die Lizenzfertigung in Deutschland. Es folgten Produktionsstandorte in Großbritannien, Frankreich und Spanien sowie in Übersee. 1957 wurde sogar ein Kleinwagen auf VespaBasis, ähnlich dem deutschen Goggomobil, auf den Markt gebracht. Parallel zu den normalen Serienrollern entstanden außerdem zahlreiche Spezialversionen wie Roller mit Seitenwagen oder getunte Rennroller, die meisten davon kreative Eigenbauten der stetig wachsenden Vespa-Fangemeinde. Das revolutionäre Design des Vespa-Schöpfers Corradino d'Ascanio ist trotz allen technischen Fortschritts bis in die heutige Zeit in seinen wesentlichen Elementen unverändert geblieben. Über 17 Millionen Vespa-Roller sind in den vergangenen 66 Jahren produziert worden und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht in Sicht.

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KUNSTREGION: TANZ! HEILBRONN »TA N Z ! H E I L B RO N N « 4 . Au f l a g e des Festivals »Tanz! Heilbronn« Vo m 9 . - 1 3 . Ma i 2 012 wird »Der aufrechte Gang« getanzt Un t e r a n d e re m z u Gast die Candoco Dance Company mit einer Deutschen Erstaufführ ung Es ist mittlerweile aus der Vielfalt der Angebote am Theater Heilbronn nicht mehr wegzudenken: Das Festival »Tanz! Heilbronn«, das jedes Jahr im Mai für eine Woche Highlights des internationalen zeitgenössischen Tanzes auf den Bühnen des Stadttheaters präsentiert. Im Mai 2009 aus der Taufe gehoben, erfreut es sich von Jahr zu Jahr wachsender Beliebtheit bei Tanzfreunden weit über die Region hinaus. Vom 9.-13. Mai 2012 lädt das Theater Heilbronn zum vierten Mal zum Festival »Tanz! Heilbronn« ein. Thema ist diesmal der »aufrechte Gang« und zwar sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Unter diesem Motto hat Festivalkuratorin Karin Kirchhoff europäische und außereuropäische Tanz-High65 lights eingeladen. Das Festival bietet ein dichtes Programm in allen drei Spielstätten: unter anderem mit einer deutschen Erstaufführung der britischen Candoco Dance Company, einem großen Stück der kanadischen Compagnie Marie Chouinard oder einer außergewöhnlichen Open-Air-Performance der Pariser Compagnie Retouramont. Außerdem gibt es wieder ein Tanzprojekt mit Jugendlichen und viele Möglichkeiten, die Aufforderung »Tanz! Heilbronn« ernst zu nehmen und sich selbst in Workshops zu betätigen. Karten unter 07131/563001 oder 563050 oder im Online-Ticket-Shop unter www.theater-heilbronn.de

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IM GESPRÄCH MIT CHRISTOPH SONNTAG » D I E S C H WA B E N H A B E N E I N OPEL-IMAGE« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG Chr i s t o p h So n n t a g i s t e i n e r d e r bekanntesten Kabarettisten Deu t s c h l a n d s . A m 9 . Ma i t r i t t er in der ausverkauften Pors c h e - A re n a i n St u t t g a r t vo r 6000 Menschen auf. Ein Meilens t e i n i n s e i n e r b e r u f l i c h e n K arriere. Wir sprachen mit dem g e b ü r t i g e n Wa i b l i n g e r ü b e r direkte Demokratie via Sma r t p h o n e , d a s s c h w ä b i s c h e Image und Wolfgang Schäuble als Mu l t i m e d i a g e r ä t . H A N I X -- Herr Sonntag, waren die Zeiten früher besser? sie waren anders. »Alte Zeiten Neue Zeiten« behauptet nicht, dass eine Zeit besser war, als die andere. Ich vergleiche einfach früher mit heute. Heute könnte keiner mehr ohne die neuen Medien leben. Es ist dieser Tage zum Beispiel unvorstellbar, dass man sich nicht kurz per Telefon mitteilen kann. Was ich früher als besser empfand, war die Freiheit, die man hatte. Wir konnten uns damals als Kinder draußen ausprobieren, und bis zum Sonnenuntergang spielen. Heute stehen die Kids unter  starker Kontrolle der Eltern. Ein Stück Freiheit ist meiner Ansicht nach schon verloren gegangen. H A N I X -- Und was können wir von der neuen Zeit erwarten? Wird es schlimm? C H R I S TO P H S O N N TA G --Nein, Die Menschen können dann direkt über ihr Multimediagerät abstimmen. Egal ob auf Kommunal-, Landes-, Bundes oder europäischer Ebene. H A N I X -- Sie vergleichen früher mit heute. Hat das einen bestimmten Hintergrund? überhaupt nicht. Ich bewerte ja auch nicht, sondern beobachte einfach nur, und mache mir meine eigenen Gedanken und witzigen Kommentare dazu. Nehmen wir aber exemplarisch das Internet. Die heutige Vernetzung bewirkt, dass man sich einfach global informieren kann. Dass wir wissen, was gerade in Syrien los ist, liegt an Smartphone-Videos, Bloggern, Tweets und was es alles gibt. Früher musste man fressen, was einem die Massenmedien aufgetischt haben.  Wovon ich überzeugt bin, ist, dass sich die Demokratie ganz anders darstellen wird. Man wird morgens sein Smartphone anschalten, und dann wird es heißen: »Guten Morgen Herr Sonntag, Sie sind wahlberechtigt. Heute stehen folgende Debatten an...« C H R I S TO P H S O N N TA G -- Nein, Ich nehme mir die Freiheit heraus, die Themen zu behandeln, die mich interessieren. Ich habe für das Radio Tagespolitik zwei Jahrzehnte wirklich massiv bearbeitet, und täglich meine Show neu schreiben müssen. »Alte Zeiten Neue Zeiten« war dann mal als Zugabe dabei. Das hat dem Programmchef von »SWR 3« so gut gefallen, dass wir eine Hörfunkserie daraus gemacht haben. Diese wiederum kam bei den Hörern extrem gut an. Nach diesen positiven Resonanzen war klar, dass ich aus meinem Radioprogramm eine Bühnen-Show mache. Das ist also mein ganz persönlicher Spaß, den ich mir gönne.   C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Herr Sonntag, Sie sind selbst Familienvater. Sollten Eltern versuchen, ihre Kinder vor neuen Zeiten zu bewahren? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Das geht doch gar nicht. Eltern sollten ihre Kinder so oft wie möglich in den Arm nehmen, ihnen zuhören und versuchen herauszuhören, worum es ihren Kindern wirklich geht. H A N I X -- »Alte Zeiten Neue Zeiten« geht nun in die zweite Runde. Wieso ist dieses Programm so erfolgreich? hat zwei Gründe. Zum Einen hängt es meiner Meinung nach mit der Öffnung nach C H R I S TO P H S O N N TA G -- Das

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG Europa zusammen. Die Europäisierung, die Griechenlandkrise, die Globalisierung. Alles wird größer, schneller, gigantischer. Die Menschen entwickeln deshalb Ängste.  Selten hat sich die Menschheit, zumindest in unseren Breitengraden, so schnell und so brutal verändert. Und das führt in der Retrospektive zur Regionalisierung. Das heißt, dass die Menschen dieses Kontinents immer weiter fortschreiten in ihrer Europäisierung, gleichzeitig aber plötzlich wieder stolz darauf sind, aus dem Remstal zu kommen. Früher hat man diese provinzielle Herkunft verschwiegen und erzählt, dass man aus Stuttgart stammt, weil es einem peinlich war zu Waiblingen zu stehen. Heute sind die Leute stolz auf ihre gute Luft, auf den regionalen Wein, und lokale Eigenheiten und Produkte. Der zweite Grund für den Erfolg von »Alte Zeiten Neue Zeiten« ist, bei aller Bescheidenheit, dass die Show einfach wahnsinnig gut gemacht ist.  H A N I X -- Schwelgen die Menschen so gerne in Gedanken an frühere Tage, weil es gerade so beschissen läuft? ein Meilenstein. Bis zum 9. Mai ist es aber noch sehr viel Arbeit.  H A N I X -- Matthias Bulling ist ihr Regisseur. Er ist Macher des Alten Theaters in Heilbronn, und laut eigener Aussage, möchte er sich nicht als Regisseur haben wollen. Beschreiben Sie ihn uns bitte. C H R I S TO P H S O N N TA G -- Für mich ist er ein sehr wichtiges Rädchen in dem Machwerk, weil er als ausgebildeter Schauspieler natürlich über das Handwerkszeug verfügt, das mir als Autodidakt teilweise fehlt. Und Matthias kann mir Dinge so portioniert zeigen, dass ich sie schnell umsetzen kann, ohne es wochenlang einstudieren zu müssen. Wir ergänzen uns gut, und die Arbeit mit ihm macht mir unheimlich viel Spaß.  H A N I X -- Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Matthias Bulling? Die Vergangenheit wird eindeutig verklärt. Viele unserer Probleme liegen darin begründet, dass wir vergessen, dass wir in der Gegenwart leben, uns gleichzeitig über die Zukunft Sorgen machen und über die Vergangenheit reden. Dabei sollten wir versuchen unsere Gegenwart zu formen. Die Vergangenheit hat aber den großen, charmanten Vorteil, dass sie berechenbar ist. Man kann sich die Vergangenheit so hinbiegen, wie man es eben für sich braucht. Die Zukunft lässt sich dagegen nur befürchten oder erhoffen. Und die Gegenwart ist das Scharnier zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie existiert für uns gar nicht richtig. Immer fragen wir Menschen uns: »Was mache ich morgen und was habe ich gestern eigentlich getan?«  C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Am 9. Mai treten Sie in der Stuttgarter Porsche-Arena auf. Der SWR schneidet für das Fernsehen live mit. Was darf man sich von diesem Abend erwarten? Er ist Macher des Alten Theaters, wo ich aufgetreten bin. Wir konnten uns gut leiden, und mein damaliger Regisseur ist nach München gezogen. Ich erzählte Matthias davon, und von meinem neuen Programm. Wir haben es zusammen ausprobiert. Bisher sind wir beide sehr glücklich über diese Zusammenarbeit. C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Nun bitte ganz spontan: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Heilbronn denken? In Heilbronn war ich einmal mit einer sehr schönen Dame in einem Turm. Darin ist auch eine Diskothek. Dass es so etwas in Heilbronn gibt, hat mich sehr überrascht. Ich finde auch, dass Heilbronn eine gute Stadt ist. Ich bin gerne dort, spiele gerne in Heilbronn und muss sagen, dass ich immer ein tolles Publikum hatte. Mir fällt oft auf, dass Baden-Württemberg sehr dicht besiedelt ist. Städte wie Heilbronn wären in etwas freierem Umfeld sicher eine kleine Metropole. Durch die dichte Besiedelung kann Heilbronn aber nicht so leuchten, wie es der Stadt vielleicht zusteht. Das selbe Schicksal teilen übrigens auch Ludwigsburg oder Reutlingen. Allesamt tolle Städte, die unter der Strahlkraft Stuttgarts zu leiden haben.  C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Max Goldt fiel bei der Durchfahrt durch Heilbronn vor einigen Jahren auf, dass es sehr viele Sexshops in Heilbronn gebe. Die Porsche-Arena vermittelt Popstar-Feeling. Wir sagen ganz klar: Schwäbisches Kabarett verlässt nun den Weinkeller und das Vereinsheim! Wir behaupten zusammen mit dem SWR etwas protzig, das schwäbisches Kabarett auch bundesweit tauglich ist. Es ist ein riesiges Unterfangen - die Produktion kostet ein Schweinegeld. Alleine die Bühne, die wir für die Aufzeichnung bauen lassen, kostet 60000 Euro. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Abend. Für meine berufliche Karriere ist das C H R I S TO P H S O N N TA G -- Ich glaube, dass Max Goldt in jeder Stadt nur die Sexshops auffallen. Da würde ich mir keine Sorgen machen. C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Sind die Heilbronner ein eigenes Völkchen in der schwäbischen Gemeinde? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Sie sind es weniger als andere.

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG Wenn ich von Stuttgart aus nach Künzelsau oder Bad Mergentheim fahre, nehme ich einen großen Charakterwandel wahr. Das ist in Heilbronn nicht so. Heilbronner sind für mich, ähnlich wie Stuttgarter, großstadtorientierte Menschen.  H A N I X --Welche Reaktionen erfahren Sie auf ihre schwäbische Herkunft, wenn Sie im Deutschen Ausland unterwegs sind? Mag man uns oder werden wir als unsympathisch wahrgenommen? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Laut wissenschaftlichen Untersuchungen rangiert der schwäbische Dialekt bei den beliebtesten Mundarten auf dem zweiten Platz. Allerdings nimmt unser Sprechen auch den zweiten Rang bei den unbeliebtesten Dialekten ein. An den Schwaben kann man sich reiben. Wir sind keine smarten Hessischbabbler, die immer als nett empfunden, darüber hinaus aber kaum wahrgenommen werden. Uns Schwaben nimmt man wahr. Wir sind wie Kanthölzer, um die man herum muss. Das macht mich schon stolz. Die Schwaben sind auch ein Volk, das man nicht so schnell begeistern kann. Ich habe in Berlin viel mit Dieter Hallervorden zusammen gearbeitet. Ich habe festgestellt, dass die Berliner sinnlos begeistert sind, wenn sie wissen, dass sie es sein müssen. Die Schwaben sind von großen Namen nicht von Haus aus begeistert. Man muss den Schwaben schon zeigen, dass man gut ist, großer Name hin oder her. Ich finde, man hat es schwerer an das schwäbische Herz heranzukommen, als anderswo in Deutschland. Aber wenn man es geschafft hat, fällt man auch nicht so schnell wieder raus. Das ist mir sehr sympathisch.   H A N I X -- Gibt es eine schwäbische Eigenart, die Sie als höchst unsympathisch empfinden und umgekehrt? Die sympathischste Eigenart der Schwaben ist die Ernsthaftigkeit und der Schwergang. Was mir nicht so gefällt, ist eine gewisse Freudlosigkeit und C H R I S TO P H S O N N TA G --

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG »Die sympathisch ste Eigenar t der Schwaben ist die Ernsthaftigkeit und der Schwergang. Was mir nicht so gefällt, ist eine gewisse Freudlosigkeit und Lebensang st, die im Pietismus begründet ist . Ich hoffe, dass unsere Kinder sich von diesem Kleinlichen, Sparsamen freimachen können.« Lebensangst, die im Pietismus begründet ist. Ich hoffe, dass unsere Kinder sich von diesem Kleinlichen, Sparsamen freimachen können. Man weiß, woher diese Eigenschaften rühren, und das sie aus der Not geboren wurden. Dennoch: Diese schwäbischen Charaktereigenheiten stören mich. H A N I X --Wie bewerten sie die deutsche KabarettSzene? Sind Sie zufrieden oder schauen sie neidvoll in andere Länder? Ich denke, sie ist sehr lebendig. Es hat sich auch viel getan in den letzten Jahren. Als ich 1987 beim SWF angefangen habe, gab es zwei, drei Kabarett- beziehungsweise Comedy-Formate. Heute hat jeder Radiosender zig humoristische Rubriken, dass man als Hörer oft gar keinen Durchblick hat, was es alles gibt. Die Comedy-Welle, die Deutschland vor ein paar Jahren erfasst hat, hat mir nicht unbedingt gefallen, da ich nicht in die Breite sondern Tiefe strebe. Aber sie bewirkte, dass das Spektrum erweitert wurde. Auch der Kabarettist darf jetzt mal Blödsinn machen, er darf sich heute weiter aus dem Fenster lehnen, als früher und auch Themen behandeln, die vor Jahren noch sakrosankt waren. Das hat der Szene gut getan. C H R I S TO P H S O N N TA G -- H A N I X -- Welche Funktion hat das politische Kabarett in Deutschland? Hat es überhaupt eine? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Nachkriegsjahre eine wichtige Funktion. Aber das hat meiner Meinung nach stark nachgelassen. Wenn man ehrlich ist, geht heute kein Besucher eines kabarettistischen Programms danach politisch geläutert nach Hause. Früher war das, wie gesagt, noch etwas anders. Aber auch damals diente Kabarett hauptsächlich dazu, die informelle Szene zu sammeln und sich zu markieren, um zu zeigen, dass man zu den Besseren gehört. Für mich ist Kabarett heute Unterhaltung. Ich sehe mich als Unterhaltungskünstler an, der einen meinungsbildenden Auftrag im Hintergrund mitschwingen lässt. H A N I X -- Waren Sie stolz auf die Schwaben, die so vehement auf die Straßen gingen, um gegen oder für Stuttgart21 zu protestieren? Kabarett hatte im Mief der Ja, durchaus.  Wir Schwaben sind aber auch bekannt dafür, wider den Stachel zu löcken. Wir sind relativ unbeugsam, wenn es darum geht. Das kennt man bereits aus den Überlieferungen der Bauernkriege. Zwar sind wir nicht so mutig und rebellisch wie die Badener, aber wir lassen uns nicht alles gefallen. Stuttgart21 war aus meiner Sicht die größte Marketingaktion, die die Stuttgarter je initiiert haben. Stuttgart war weltweit in aller Munde. Auch der Mut der Stuttgarter Bürger so konsequent auf die Straße zu gehen, hat mich beeindruckt. Ich fand aber auch, dass das Thema falsch gewählt war. Es C H R I S TO P H S O N N TA G --

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG » U n s S c hwaben haftet eine Ar t O p e l - I m a g e an. Und ein besteh e n d e s I m a ge zu ändern ist sehr sc hwe r, j a f ast nicht möglich. Doch d i e s e s I m a g e haftet uns aus gutem Grund an.« gab früher auch schon öfter kontroverse Sachverhalte gegen die sich die baden-württembergischen Bürger hätten wehren können, und es nicht getan haben.  H A N I X -- Wieso gelten die Schwaben eigentlich als bieder und konservativ? Schließlich sind es doch die Schwaben, die die erste grüne Landesregierung stellen und auf die Straßen gehen, um so langatmig zu protestieren, das selbst hartgesottenen Berliner Berufsdemonstranten Freudentränen in die Augen schossen. C H R I S TO P H S O N N TA G -- Ich will einmal versuchen, das an einem Auto-Beispiel aufzuzeigen. Ein Opel wird immer als Opel wahrgenommen werden. Selbst wenn die Qualität höher sein sollte, als bei Daimler oder Audi. Uns Schwaben haftet eine Art Opel-Image an. Und ein bestehendes Image zu ändern ist sehr schwer, ja fast nicht möglich. Doch dieses Image haftet uns aus gutem Grund an. Den Pietismus, der uns geschmälert hat, habe ich schon ange- sprochen. Während sich ein katholischer Bayer oder atheistischer Hamburger schon immer auf seine Tradition berufen konnte und wusste, wer er war, wurden wir Schwaben unter dem Wissen, dass es da oben eine Herrlichkeit gibt, vor der man als Mensch nur zerkrümeln konnte, geknechtet. Dann kam auch noch die unglückliche Entwicklung bei den Nachkriegsfilmen hinzu: Wenn man einen Trottel im Film gebraucht hat, war es ein Schwabe. Das hat unsere Vätergeneration natürlich geprägt. Wir stellen uns darüber hinaus auch oft ungeschickt an. Stuttgart hat beispielsweise in Europa nach Budapest das zweitgrößte Mineralwasseraufkommen. Das weiß nur keine Sau. Wäre München so reich an Mineralwasser, würde man ab Augsburg Schilder am Straßenrand stehen sehen, die darauf hinweisen, dass man gleich in die zweitgrößte Mineralwasserstadt Europas einfährt. Wir Schwaben zeigen ungern, was wir haben und können. Aber das ist nicht unsympathisch, wie ich finde. Es gehört zu unserer Mentalität.

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INTERVIEW DES MONATS: CHRISTOPH SONNTAG H A N I X -- Wird es nach dieser Legislaturperiode weiterhin einen grünen Landeschef in Baden-Württemberg geben? Wenn ich das wüsste. Ich finde, er passt gut zu unserem Bundesland. Winfried Kretschmann verkörpert die richtige Mischung. Er hat eine schwäbische, vereinsgemeierte Provinzpolitikermentalität, zu der er steht. Ihm haftet auch etwas Konservatives an. Auf der anderen Seite ist er ein Grüner, sprich im Prinzip ein Revolutionär. Dieser Mix passt gut zum liberalen Stuttgart, und dem konservativen Baden-Württemberg.     C H R I S TO P H S O N N TA G -- HANIX -- Der baden-württembergische CDU-Chef ist Heilbronner. Was halten Sie von Thomas Strobl? Kann er die CDU im Ländle wieder zu Meisterehren führen? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Er kämpft zumindest seit vielen Wirtschaft bestand, hat aktuell nichts zu melden. Das kann sehr befruchtend sein, weil ganz neue Dinge ohne alte Einflüsse entstehen. Auf der anderen Seite verliert die Regierung die Unterstützung dieser Gruppierung vielleicht, was destruktiv sein könnte. H A N I X -- Strobl ist bekanntlich der Schwiegersohn Schäubles. Eine schwäbische Musterfamilie wie aus alten Zeiten? C H R I S TO P H S O N N TA G -- Das kann man schon meinen. Ob es tatsächlich eine Musterfamilie ist, sei dahin gestellt. Mit Sicherheit ist es eine sehr erfolgreiche Familie.   H A N I X -- Um abschließend auch nochmals die neue Zeit ins Spiel zu bringen: Welches Multimediagerät wäre Wolfgang Schäuble, wenn er ein Multimediagerät wäre? Jahren darum. Die Karten sind hier im Bundesland aber so neu durcheinander gemischt, dass ich keine Prognose diesbezüglich abgeben kann. Was grün-rot aktuell macht, ist die schwäbische Schickeria, die immer als Entourage im Schlepptau des Ministerpräsidenten dabei war, auszubremsen. Diese Gruppe, die aus Leuten aus Kunst, Kultur und Das ist eine schwere Frage, weil ich aufpassen muss, dass kein Rollstuhlwitz daraus wird. Ich denke, er wäre auf keinen Fall ein iPod, sondern ein zuverlässiges Faxgerät, das seit vielen Jahrzehnten auf Normalpapier druckt und erstaunlicherweise immer noch funktioniert. C H R I S TO P H S O N N TA G -- schick & springer Weine einen Wein abend mit guten Freunden geniessen ... sprechen sie uns an ! Öffnungszeiten Donnerstag 15 - 19.30 Uhr Freitag 15 - 19.30 Uhr Samstag 10 - 14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung schick & springer Weine Kübelstraße 58, 74076 Heilbronn T 07131 64 99 80 - 0 F 07131 64 99 80 - 1 weine@schickundspringer.de www.schickundspringer.de

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S E X U E L L E P R O B L E M E S I N D O F T E I N S Y M P T O M F Ü R E T WA S ANDERES Ein Gespräch über Liebe, Sex und Zärtlichkeit mit Paartherapeutin Bettina Klepser HANS SCHIESST INS GLÜCK Hans beglückt berufsbedingt mehrere Damen am Tag mit seiner Männlichkeit. Ein Hofbesuch beim Zuchtbullen. ES MACHT MIR NICHTS AUS MIT FREMDEN MÄNNERN ZU SCHLAFEN Eine Prostituierte schreibt über ihren Job und wie sie dazu steht. »AU« STEHT FÜR AUTOEROTISCHER UNFALL Eine Reise in die Randgebiete der menschlichen Sexualität. Aberwitzige Listen, Unglaubliches, Schmerzhaftes. Und Staubsauger spielen auch eine Rolle. MEIN JOTT ANNA Unser Fotograf Mehmet Filiz durfte Jott und Anna beim Schäferstündchen und Duschen zusehen.

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INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA »SEXUELLE PROBLEME SIND OFT EIN SYMPTOM F Ü R E T WA S ANDERES«

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TITELTHEMA: SEX Bett i n a K l e p s e r i s t Pa a r t h e r a p e utin. Natürlich sind Probleme mit der Se x u a l i t ä t e t w a s , d a s s s i e t a gtäglich zu hören bekommt. Wir s p r a c h e n m i t d e r 4 8 - j ä h r i g en Therapeutin über Liebe, Sex und Zä r t l i c h k e i t . HANIX -- Frau Klepser, was verbirgt sich hinter systemischer Paartherapie? Das Besondere an der systemischen Therapie ist, das wir grundsätzlich lösungsorientiert vorgehen. Die analytische Therapie konzentriert sich eher auf die Ursachen der Probleme, dass mache ich zum kleinen Teil zwar auch, aber ich gehe nicht den kompletten Leidensweg mit meinen Patienten durch sondern schaue von Anfang der Behandlung an vom Hier und Jetzt in die Zukunft. Das Ganze hat auch hypnotherapeutische Anteile in der Art, dass man auch auf Fantasiereise geht, heißt sich Fragen wie »Wo will ich hin? Was ist der Idealfall?« stellt. Systemik an sich heißt, dass die Menschen immer in Zusammenhang mit ihrer Umgebung gesehen werden, hierzu gehört die Familie, Kinder aber auch Freunde. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Kann man sagen, dass jede Beziehungskrise auch etwas mit einer Krise im Bett zu tun hat? dungsglied, da zumindest das Begehren und Verlangen noch vorhanden ist. Ich würde also sagen, wenn Sex bei einem Paar in der Krise noch funktioniert ist zumindest noch Liebe vorhanden. HANIX -- chen? Wer kommt zu Ihnen? Sind Männer oder Frauen die treibende Kraft, eine Therapie aufzusu- Bevor ich angefangen habe, dachte ich, dass es bestimmt meistens die Frauen sind, aber das hat sich nicht als richtig herausgestellt. Man kann dies natürlich nicht pauschalisieren aber ich würde sagen, dass die Frauen Probleme zuerst bemerken. Sie erwähnen das Thema oft schon ein Jahr im voraus. Dass man dann aber wirklich einen Termin ausmacht geht doch eher von den Männern aus. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Haben Frauen oder Männer eher Probleme mit einem nicht intakten Sexualleben? In nahezu jeder Familientherapie kommt irgendwann das Thema Sexualität zur Sprache. Das frage ich auch gezielt ab. Manche Paare würden dieses Thema aus Schamgefühl sehr lange verschweigen. Meistens ist ein Problem mit Sexualität ein Symptom für etwas anderes. Es gibt allerdings auch Fälle in denen so ziemlich gar nichts mehr funktioniert bis auf die Sexualität. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Gibt es auch Beziehungen, die krieseln in denen der Sex aber wunderbar funktioniert? Die Schamhaftigkeit würde ich nicht aufs Geschlecht beziehen, aber ich kann schon sagen, dass Probleme in der Sexualität die Männer eher beschäftigt. Männer warten sehr oft lange bis sie sich Hilfe holen, da sie als Mann den Anspruch haben alles selbst lösen zu können. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Wir leben aber heute in Zeiten der Emanzipation. Haben Sie oft mit einem veralteten Männerbild zu tun? Wenn dies in einer Beziehung der Fall ist, so ist die Sexualität natürlich ein ganz starkes BinBETTINA KLEPSER-- In der Paarberatung würde ich sagen, dass es immer noch so ist und ehrlich gesagt finde ich BETTINA KLEPSER--

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TITELTHEMA: SEX » I m L a u f e der Zeit reden Paare z u we n i g über ihre sexuellen Wünsche.« es auch ein Stück weit richtig. Es darf ruhig dieses Klischee des »starken Mannes« geben. In der Einzeltherapie ist es allerdings etwas anders, hier holen sich auch die Männer gern Hilfe. HANIX -- Woran liegt es ihrer Meinung nach, das Männer für eine Paarberatung nicht so offen sind wie für eine Einzeltherapie? Mein Eindruck ist, das Männer im partnerschaftlichen Bereich ihre Probleme eher mit Frauen besprechen als mit ihren Kumpels. Am Anfang habe ich gar nicht mit vielen Männern als Patienten gerechnet, aber das Gegenteil ist der Fall. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Mit welchen Einstiegsfragen und Erwartungen kommen Paare zu Ihnen? wieder läuft oder sich die Häufigkeit verzehnfacht. Meistens möchten die Paare wieder zueinanderfinden und auch an der Sexualität Spaß haben. H A N I X -- Kann Sexualität Jahrzehnte überdauern? Manche möchten einfach, nennen wir es mal, eine Reparatur. Das kann ich leider nicht bieten. In Bezug auf Sexualität ist es bei circa zwei Dritteln der Paare so, dass die Beziehung schon sehr lange läuft und alles funktioniert hat. Dann kommen allerdings Faktoren wie Stress im Beruf oder auch Kinder hinzu. Entweder man schläft dann nicht mehr oft miteinander oder das Thema wird irgendwann wie eine eheliche Pflicht gesehen und driftet ab in Langeweile, was dann einfach zu Unzufriedenheit führt. Die Erwartung ist dann nicht, dass auf einmal alles BETTINA KLEPSER-- Ich glaube ganz ehrlich ja, man muss natürlich auch etwas dafür tun. Ich finde zum Beispiel das Thema Überraschungen ganz wichtig. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Reden Paare zu wenig über ihre Sexualität? Ich denke im Laufe der Zeit reden Paare zu wenig über ihre sexuellen Wünsche. Wenn man sich kennenlernt und noch jünger ist, ist das alles selbstverständlich noch einfacher. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Woran liegt diese allgemeine Kommunikati-

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TITELTHEMA: SEX onsblockade? solchen Themen umgehen. Schließlich hatte sich der Täter weit vor seiner schrecklichen Tat selbst angezeigt. Passiert ist jedoch nichts und nun ist ein Kind ermordet worden. Die Schamhaftigkeit kann auch da sein, obwohl man sich schon sehr lange kennt. Die Ängste liegen, vor allen Dingen bei Männern, darin zu versagen und den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Ein großes Thema ist hier das Elternwerden. Nicht nur, dass man vielleicht nachts nicht mehr so gut schlafen kann oder der Körper der Frau sich verändert. Es kommen auch alte familiäre Muster zum Vorschein, so dass die Partner teilweise von sich denken man kennt den anderen so nicht. Dies kann natürlich sehr befremdlich sein und das färbt sich dann auch auf Themen ab, die man im Zweifelsfall eher nicht bespricht. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Gibt es Menschen, die sich nicht klar über deren eigene sexuelle Neigung sind? Das hatte ich erst in einem Fall, kann also nicht viel dazu sagen. Wobei auch in diesem Fall handelte es sich eigentlich nur darum, dass der Mann, um den es ging, nur hören musste, dass seine Neigung völlig in Ordnung und »normal« ist. Er hat also so was wie Legitimation benötigt. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Sexualität wird heutzutage so offen behandelt, wie noch nie zuvor in unserer Gesellschaft. Wieso gibt es diesbezüglich immer noch so viele Problemfälle? Gerade der Fall in Emden ist meiner Meinung nach eine Riesentragödie und ich kann nur hoffen, dass alle Behörden aus den hier begangenen Fehlern lernen. Die Gesellschaft muss mehr für das Thema »Sexuelle Neigungen« sensibilisiert werden, so wie es mit der Krankheit Depression ganz gut funktioniert hat. Meiner Meinung nach gibt es mittlerweile sehr viele Fachkräfte die sich mit dem Thema Depression befassen aber noch zu wenige für die anderen Themen wie Sexualität. Auch ich hatte schon Anfragen vom Gericht, ob ich junge Sexualstraftäter therapiere. Hierzu fehlen mir aber die nötigen Kompetenzen. Gerichtsmitarbeiter bestätigten mir, dass es zu wenige Therapeuten gibt, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Auch wir hatten Probleme einen kompetenten Gesprächspartner aus der Region für dieses Interview zu finden. Wenn man als Heilbronner Hilfe und therapeutische Beratung in sexueller Hinsicht benötigt, muss man weit reisen. Das ist zwar richtig, aber gewisse Neigungen zu haben ist in unserer Gesellschaft noch nicht sehr lang verwurzelt. So war die Homosexualität sehr lange als psychische Krankheit im »ICD10«-Katalog, in dem alle psychischen Erkrankungen aufgelistet sind, beschrieben. Übrigens, alle Erkrankungen aus diesem Katalog werden von den Krankenkassen anerkannt und bezahlt. Dies ist auch der Grund, weshalb eine Familientherapie nicht bezahlt wird. Sie ist nicht als psychische Krankheit anerkannt. Um aber am Beispiel Homosexualität zu bleiben: Da Homosexualität sehr lange, auch gesellschaftlich, als Erkrankung gesehen wurde, kann man sich vorstellen wie schwer es ist mit dem Thema umzugehen. Insbesondere für ältere Menschen ist das nicht ganz einfach. Jüngere Menschen gehen mit diesem Thema deutlich offener um. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Werden Probleme mit der Sexualität von der Gesellschaft nicht ernst genommen? Man hört immer wieder von Straftaten mit sexuellem Hintergrund, die auch im Vorfeld hätten verhindert werden können. Aktuell zeigt das Beispiel des kleinen ermordeten Mädchens in Emden, dass die Gesellschaft und die gesellschaftlichen Institutionen eher lax mit Ja, hier im Raum Heilbronn gibt es kaum Therapeuten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Soweit ich weiß, sind die nächsten Sexualtherapeuten in Stuttgart, Heidelberg und Karlsruhe beheimatet. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Wann sind Sie als Therapeutin zufrieden? B E T T I N A K L E P S E R -- Wenn ich beim Abschlussgespräch den Eindruck habe, nützlich gewesen zu sein. Zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich immer das Bestreben, dass die Paare zusammen bleiben. Aber es kann natürlich auch sein, dass am Ende einer Therapie eine Trennung die beste Lösung ist. Überwiegend läuft es aber glücklicherweise darauf hinaus, dass die Paare wieder einen Weg zueinanderfinden. Sehr zufrieden bin ich auch, wenn ich Paare therapiere, die schon seit Jahrzehnten zusammen sind und es diesen einen Moment gibt, in dem auf einmal wieder gelacht wird. Dann merke ich, dass etwas vorwärts geht. H A N I X -- Heimliche Küsse, Berührungen im Büro, verbotene Stunden im Ehebett - was ist eigentlich das Reizvolle an einer solchen Liaison? Ich denke schon, dass, wenn so etwas passiert, und die Beziehung eigentlich gut läuft, dies erst mal kein Weltuntergang ist. Manchmal ist es so, dass den Partnern erst dann bewusst wird, dass in BETTINA KLEPSER--

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TITELTHEMA: SEX der Beziehung etwas fehlt. Wenn dann Affären ausgelebt werden, ist dies noch kein Grund alles aufzugeben, aber es ist ein Zeichen, dass ein Partner außerhalb etwas sucht von dem er denkt dies in der Beziehung nicht zu bekommen. Die einzige Möglichkeit für mich als Therapeutin ist dann zu schauen, ob dies auch innerhalb der Beziehung gefunden werden könnte. Ich arbeite zwar erst seit 15 Monaten hier, aber ich habe es bis jetzt noch nicht erlebt, dass eine Affäre so wichtig war und die Beziehung dafür aufgegeben wird. H A N I X -- Warum bleiben manche Menschen vergeben sind? - oft über Jahre - bei einem Mann oder einer Frau, die schon sieren, dass bei Menschen ab und zu mal die Sicherungen durchknallen. Grundsätzlich muss man aber schon unterscheiden zwischen Affären und Männern die kein Unrechtsbewusstsein besitzen und aus Macht- oder Erniedrigungsgelüsten gewisse Dinge tun. H A N I X -- Warum vergessen Frauen, die der Erotik dieser Macht erliegen, Falten, Glatzen und sogar Bierbäuche? »Strauss-Kahns Fall geht ans Abgründige«, schrieb der »Spiegel«. Können Sie uns die geheimnisvollen Muster von Erotik und Macht erklären? Für eine Affäre mit jemandem der verheiratet ist oder in einer langjährigen Beziehung lebt gibt es eigentlich nur einen richtigen Grund: Beziehungsvermeidung. Es gibt viele Gründe für erwachsene Menschen sich nicht auf eine Beziehung einzulassen. Das hat in den meisten Fällen mit alten Verhaltensmustern zu tun. Entweder man wird dann »der einsame Wolf« oder man geht eben »Beziehungen« ein die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Was kann man in solch einem Fall als guter Freund oder gute Freundin raten? Wahrscheinlich ist das das Pendant und ein ähnliches Steinzeitthema wie das eben. Für manche Frauen ist es wohl dann doch anziehend, wenn der Mann Sicherheit ausstrahlt und das materielle Leben dadurch »gesichert« ist. Mein Fall wäre es ehrlich gesagt nicht. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die sich in einer solchen Beziehung und somit auch Abhängigkeit befinden? B E T T I N A K L E P S E R -- Es ist zwar nicht mein Weg, aber ich finde auch dies nicht schlimm. Ich habe mir hier in der Praxis ganz schnell abgewöhnt wegen irgendwas meinen mahnenden Zeigefinger zu erheben, da dies in der Regel alles noch schlimmer macht. H A N I X -- Anne Sinclair ist sofort zu ihrem Ehemann Strauss-Kahn nach New York geflogen. Können Sie diese Loyalität nachvollziehen? Jeder Mensch ist natürlich anders, ich denke dass ich ein wenig provozieren würde. Meiner Meinung nach ist es auf keinen Fall nützlich der- oder demjenigen Hoffnung zu machen. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Ist verbotene Liebe immer unglücklich? Ich glaube sehr wohl, dass es auch möglich ist, dass in so einem Fall alle zufrieden sind. Derjenige der Beziehungen vermeiden will sowieso. Aber auch diejenigen, die verheiratet sind und eine Affäre führen, lassen sich ja nicht komplett auf jemand neues ein. Denn wenn diese Beziehung dann vorbeigehen würde, wäre es ein großes Drama. Ehrlich gesagt gibt es auch Menschen, die, aufgrund vieler größtenteils schlechter Erlebnisse, so leben wollen und sollen. BETTINA KLEPSER-- HANIX -- Der mächtigste Bänker der Welt soll in einem New Yorker Luxushotel ein Stubenmädchen vergewaltigt haben, der ehemalige Gouverneur von Kalifornien hat ein Kind mit seiner Haushälterin und weitere Sex-Affären: Was bringt Männer dazu, sich derart kopflos und beschämend zu benehmen? Ich denke auch hier kommen wir wieder auf die alten Muster zu sprechen. Es existieren immer diese Glaubenssätze wie »du darfst deinen Mann auf keinen Fall verlassen« oder »du musst deinen Mann immer unterstützen«. Das sind Dinge, die teilweise in Familien von Generation zu Generation weitergegeben wurden. BETTINA KLEPSER-- H A N I X -- Ist der Schmerz, der durch einen Seitensprung entsteht, der schlimste Schmerz, den man in einer Beziehung empfinden kann? Wahrscheinlich leben wir teilweise doch noch ein bisschen in der Steinzeit und es kann pasBETTINA KLEPSER-- Ich würde sagen, dass es eher eine oberflächliche Kränkung ist, wenn man betrogen wurde. Dieser Schmerz geht noch nicht wirklich in die Tiefe. Meiner Erfahrung nach sind Dinge die die Partner richtig verzweifeln lassen eher tiefergehend. Diese Themen werden durch verschiedenste Dinge angestoßen. Hier entsteht dann erst ein Teufelskreis und dies ist meiner Überzeugung nach das heftigere Thema als betrogen zu werden. Ich denke betrogen zu werden ist natürlich immer schlimm, aber dass dies, wie früher, überwiegend unverzeihlich ist, ist heute nicht mehr so. BETTINA KLEPSER--

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TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: ULLA KÜHNLE H A N S S C H I E S S T I N S G LÜ C K Er is t e i n z i e m l i c h t a f f e r Ty p. Reihenweise scharren sich die Mädels um ihn. Imm e r we n n Ha n s vo r b e i l ä u f t , l iegt ein Knistern in der Luft. Sein Gang ist lässi g , s e i n e s c h w a r ze n Ha a re r a ssig, und der silberne Bullenring in seiner Nase , ze i g t i hn vo n s e i n e r w i l d e n Seite. Wie ein leidenschaftlicher Rebell sieht e r a u s . Ha n s i s t s i c h s e i n e r Wirkung auf seine weibliche Anhängerschaft durc h a u s b e w u s s t , u n d s p i e l t g e rne damit. Der Kerl lässt einfach nichts anbren n e n , u n d g i b t s i c h g e r n e j e der Gelegenheit hin. Wie viele kleine Hansi Juni o r s d a b e i s c h o n e n t s t a n d e n sind, kann er mit Sicherheit nicht einmal meh r a n e i n e r Ha n d a b z ä h l e n . Zu gern »liebt« er in den Tag hinein. Übrigens: Han s i s t n i c h t i r g e n d we r. Er i s t Zuchtbulle, und muss ge wissermaßen ber ufsbedi n g t t ä g l i c h a u f s Ne u e s e i n e n Mann stehen.

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TITELTHEMA: SEX HANS IM GLÜCK Als einziger Bulle lebt er mit rund 100 Mutterkühen und Kälbern zusammen in einem großräumigen Stall auf dem Ferienhof Michaelsberg in Gundelsheim. Seine Aufgabe ist es für Nachwuchs zu sorgen. Und damit hat der sportliche Zuchtbulle alle Hufen voll zu tun. Gerade schmeißt sich eine braune Kuh an ihn. Sie blökt ihn an, und versucht ihn zu besteigen. Hans ist schon ganz verwirrt. »Das ist normal«, erklärt Landwirt Michael Schäfer. Wenn Kühe »rindern«, also voller Liebeslust sind, kann es sogar passieren, dass sie andere Kühe oder den Bullen besteigen. Das hat keineswegs etwas mit einem Machtgehabe zu tun: Die Kühe sind einfach brünstig, und zeigen Zuchtbulle Hans auf diese Weise, dass sie bereit zur Paarung sind. »Da kann er einem manchmal schon leidtun«, sagt Rinderzüchter Schäfer, und kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Je nach dem, wie die Kuh-Damen in Stimmung sind, muss Hans zwischen zwei und fünf Kühe decken - mehrmals am Tag. Da ist Konzentration gefragt. Wenn eine Kuh bereits trächtig ist, hat sie keinen Bedarf mehr, vom glücklichen Hans beglückt zu werden. Nach etwa neun Monaten bringt sie dann ihr Kalb zur Welt. Weitere neun bis zehn Monate säuft es von der Muttermilch. Damit die Färse weiterhin, beziehungsweise wieder Milch gibt, muss sie wieder trächtig werden. Ein Kreislauf, der sich von ganz allein schließt. Denn sind die Rinder wieder bereit, geht das große Brüllen von vorne los. HAURUCK Mit einer fast ohrenbetäubenden Lautstärke brüllen einige Kühe den armen Hans an. Verdutzt schaut er aus der Wäsche. Denn das ist wieder ein Zeichen dafür, dass sie besonders gut gelaunt sind. Dann lässt Hans nicht lange auf sich warten. Eine Kuh-Lady hat er im Visier und folgt ihr.

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TITELTHEMA: SEX Er läuft direkt neben ihr, doch sie weicht ihm immer wieder aus, und geht in eine andere Richtung. »Hm, keine Lust?«, denkt sich Hans vielleicht. Aber tapfer wie ein Pionier bleibt er dran, nimmt Anlauf und springt auf sie drauf. Bei einem stattlichen Körpergewicht von rund 700 Kilo, sind die hauruckartigen Leibesübungen vom Zuchtbullen Hans ganz schön anstrengend. Fertig! So, jetzt erst mal ausruhen, und Grünes fressen. Normalerweise gibt es in einer Rinderherde immer zwei bis drei Bullen, die sich den Job teilen. Doch momentan muss Hans allein aushelfen. So ein Zuchtbulle kann bis zu 15 Jahre alt werden. Mit seinen vier Jahren hat er also noch viele glückliche Momente vor sich. ZÄRTLICHKEITEN Eine Lieblingskuh hat Hans nicht. Da ist er sehr einfach gestrickt, und lässt sich von seinen Instinkten leiten. Was aber nicht bedeutet, dass Hans nicht einfühlsam genug ist. Auch zwischen ihm und manchen weiblichen Mitbewohnern können Romanzen entstehen. »Das kann man gut auf der Weide beobachten«, sagt Hofherr Schäfer. Dort haben sie viel Freiraum, und manchmal sieht man, wie eine Kuh den Bullen schleckt, und anders herum. Dieser Austausch von Zärtlichkeiten ist Hans aber nur selten möglich. Zu anstrengend ist sein Job als einziger Erzeuger. FRAUENQUOTE Wer jedoch denkt, dass Hans der Chef ist, irrt. Nur weil er in jedem beglückenden Moment gute 200 Milliliter von sich gibt, heißt das noch lange nicht, dass er auch das Sagen hat. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Bei den Angus-Rindern wird »Frauenquote« großgeschrieben: Mutterkühe führen die Herde. »Hans trottelt quasi hinterher«, so der Landwirt. Die ursprünglich aus Schottland stammenden Angus-Rinder sind mit knapp 140 Zentimeter Körperhöhe kleiner, als deutsche Färsen. Dafür sind sie in der Gruppe sehr stark. Sie haben einen sehr ausgeprägten Mutterinstinkt, und beschützen ihre Kälbchen und sich gegenseitig. Wenn es sein muss, auch den Bullen Hans. Würde eine Kuh zum Beispiel von einem Fuchs angegriffen werden, eilen die anderen schnell zur Hilfe. Rasch würden die hornlosen Kühe den Fuchs einkreisen, und schließlich mit ihren Hufen zertrampeln. Da sollte es sich Hans mit seinen Powerrindern nicht verscherzen, und stets treu seinen Dienst tun. Doch er ist auch nur ein Bulle und kann gelegentlich mal Schwierigkeiten im Stehvermögen haben. »Erektionsprobleme können vorkommen«, sagt Züchter Michael Schäfer. »Schlimmer ist es, wenn das beste Stück platzt.« Vor Jahren sei das einem seiner Bullen passiert, erinnert er sich. Das war's dann mit der aktiven Karriere. »Aber das kommt eher selten vor«, fügt der Landwirt hinzu. Seit 1977 betreiben Michael und Ehefrau Gerda Schäfer die Zucht mit deutschen Angus-Rindern. Auch Oma Theresia Schäfer und die Kinder Michael, Stephanie und Martina helfen fleißig mit, egal ob auf dem Hof, im eigenen Bio-Laden oder im Restaurant. »Landwirtschaft muss man eben leben«, sagt Michael Schäfer, und strahlt übers ganze Gesicht. Da kann sich auch Hans noch weitere Jahre des Glücks erfreuen.

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TEXT: MIA MIA ILLUSTRATION: RENÉ TACKENBERG REN » E S G E F Ä L LT MIR, MICH AUF EINEN FREMDEN MENSCHEN EINZUSTELLEN«

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TITELTHEMA: SEX Mi a i s t Pro s t i t u i e r te. Sie arbeitet als E s c o r t - Da m e i n e i ner großen deutschen St a d t . A n d i e s e r St elle schilder t sie, w i e s i e i h re n Jo b s elbst wahrnimmt. Es macht mir nichts aus, mit fremden Männern zu schlafen. Warum das so ist, kann ich auch nicht genau sagen. Aber ich denke nicht, dass das irgendwelche anderen Rückschlüsse auf mich als Menschen zulässt. Natürlich bietet man eine sehr spezielle Dienstleistung an: Etwas, das andere Leute als sehr intim empfinden. Zum schlechteren Menschen wird man deswegen noch lange nicht. Es gefällt mir, mich auf einen fremden Menschen einzustellen, ich genieße es überwiegend. Ich empfinde körperliche Nähe und Sexualität als etwas sehr Natürliches, nicht als bedrohlich. Viele Menschen haben Angst vor zu viel Nähe. Für mich hat das eher gesellschaftliche Gründe, als dass es tatsächlich in der Natur des Menschen liege. Für die meisten ist Sex etwas, das man nur mit vertrauten Personen teilt. Ich brauche dieses Vertrauen in der Form nicht, und kann mich in der Hinsicht sehr leicht öffnen. Ich weiß nicht, ob all diese Dinge, die ich zu beschreiben versuche, für einen Außenstehenden überhaupt nachvollziehbar sind. Es ist eben einfach so, wie ich es schreibe. Natürlich gibt es auch Situationen, wo die gemeinsame Harmonie einfach nicht vorhanden ist, und man keine intimere Ebene findet. Andererseits habe ich bisher sehr viele, sehr intime und sehr emotionale Momente erlebt, die keinesfalls von oberflächlicher Natur waren. Ich kann auch mit einem wildfremden Menschen sehr nahe sein, und berührende Augenblicke teilen. Ich habe es zuvor selbst nicht geglaubt, doch ich habe es eben erlebt. Vielleicht ist nicht jeder dazu in der Lage, aber ich kann mich unter bestimmten Voraussetzungen auch einem fremden Menschen vollständig öffnen.  Was sagt das nun weiter über mich aus? Dass ich mir selbst nichts wert bin? Dass mir alles gleichgültig ist, und mich wahrscheinlich andere Probleme, wie Drogen oder Schulden, in diese Lage getrieben haben? Oder dass ich einfach nur eine geldgierige, materialistische Schlampe bin? In meinen Ohren klingt das total bescheuert. Und das sind nur einige Klischees, mit denen ich ständig konfrontiert werde. Es mag sicherlich in dem einen oder anderen Fall zutreffen, aber das tut es für andere Menschen außerhalb des Gewerbes auch. Ich habe eigentlich immer ein relativ »normales" Leben geführt. Meine Kindheit war schön, und ich habe ein sehr enges und gutes Verhältnis zu meiner Familie. Ich liebe sie sehr. Das Gymnasium habe ich nach der elften Klasse verlassen, und danach eine kaufmännische Ausbildung begonnen und ordentlich abgeschlossen. Irgendwie hat mir der Job nie wirklich gefallen, und ich fand es auch wenig kreativ. Ich holte das Abitur nach und begann zu studieren. Ich hatte längere Beziehungen, aber eine Erfüllung waren sie wohl alle nicht so. Klar, gab es zum Teil schöne Momente, aber es hat eben nicht gereicht. Kriminelle Energie habe ich bisher auch nicht verspürt. Meine Adern und Nasenschleimhäute sind unversehrt, und ich fühle mich sehr normal. Irgendwie schaffen es andere Menschen trotzdem immer wieder, in mir in erster Linie eine Prostituierte zu sehen. Das

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TITELTHEMA: SEX » Ich habe Prostitution e ben ganz anders erlebt . All die negativen B eispiele, die selbst in meinem Kopf rumschwirr ten, und mich j ahrelang davon abhielten, habe ich nicht er fahren.« ist für mich vollkommen okay. Ich bin sogar stolz darauf. Aber leider verbinden andere Leute gewisse Attribute mit mir, die eben den genannten Klischees entsprechen. Diese Attribute scheinen mir auf die Stirn geschrieben zu sein. Sobald jemand von meinem Beruf erfährt, ist es so, als würde in leuchtenden Buchstaben ein Warnhinweis über mir auftauchen. Das wiederum macht jede bisher noch angemessene Einschätzung meiner Person sofort zunichte. Ich kann im Endeffekt nicht objektiv beurteilen, ob ich »anders" bin als andere. Aber bestimmt führe ich kein asoziales Dasein, oder schade oder verletze andere Menschen bewusst. Daher kann ich auch nicht verstehen, was der Beruf sonst über mich aussagen soll - außer, dass ich dafür bezahlt werde, mich Männern zu öffnen, mich ihnen zu nähern, und mit ihnen zu schlafen. Mir ist durchaus bewusst, dass nicht alle Frauen in dem Gewerbe so über ihren Beruf denken wie ich. Ich will auf gar keinen Fall leugnen, dass es auch viele Prostituierte gibt, die aus finanzieller Not oder Zwang heraus in diesem Gewerbe arbeiten. Das mag ein Aspekt des Gewerbes sein. In Deutschland sind die der Zuhälterei ähnlichen Verhältnisse verboten, und leider werden häufig Frauen aus dem Ausland auf diese Art ausgenutzt. Es mag auch noch den Teil des Milieus geben, wo sich kriminelle Aktivitäten abspielen, rigide Führungsmethoden herrschen, und Drogen zur Tagesordnung gehören. Ich möchte kein unrealistisches Bild einer immer fröhlichen, unproblematischen Branche zeichnen. Diese Erfahrungen habe ich in dem Gewerbe nur nie gemacht. Im Gegenteil, ich habe es immer als etwas sehr Positives erlebt. Gerade die Nähe zu uns Mädchen untereinander, und der offene Umgang, sind für mich Gründe, warum ich diesen Beruf als so schön empfinde. Natürlich habe ich inzwischen auch schon Mädchen getroffen, die Schulden hatten oder Drogen nahmen. Viele von ihnen hatten wenig Bildung, und dementsprechend auch keine guten Abschlüsse. Sie haben diesen Weg vielleicht aus Mangel an Alternativen gewählt. Mir sind die Beweggründe durchaus bekannt, warum sich viele Frauen für die Prostitution entscheiden. Das möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Es gibt aber auch genauso andere junge Frauen, wie ich, die den Beruf völlig freiwillig nachgehen, und sogar gerne machen. Ganz ohne Not oder Zwang. Ich habe Prostitution eben ganz anders erlebt. All die negativen Beispiele, die selbst in meinem Kopf rumschwirrten, und mich jahrelang davon abhielten, habe ich nicht erfahren. Ich würde sogar behaupten, dass sie selten geworden sind. Eine Prostituierte hat keine gute Position in der Gesellschaft, und erst recht nicht in den Köpfen der Menschen. Und weil ich niemanden verletzen oder durch meine Arbeit bloßstellen möchte, lüge ich meine Familie und andere Menschen an. Das ist sehr schwer für mich, und tut mir selber sehr weh. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen zu dem Beruf in der Öffentlichkeit stehen, wenn sie ihn gerne ausüben. Dann können andere Leute auch mal eine andere Realität dieses Gewerbes kennen lernen. Ich hoffe, dass die Menschen in meinem Umfeld, die von meinem Beruf mittlerweile wissen, immer noch den Menschen in mir sehen können, der ich auch vorher war, der ich als Prostituierte bin, und unabhängig davon, immer sein werde. Ich habe mich durch die Prostitution niemals entwürdigt oder minderwertig gefühlt. Ganz im Gegenteil: Ich habe dadurch eine große Wertschätzung erfahren, weil ich vielen Menschen etwas geben konnte. Für viele Menschen bin ich sogar zur Bezugsperson geworden, und das nicht nur auf sexueller Ebene.

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Dieter Asmus, Vitaminbombe, 1976, Sammlung Jaeschke, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012 AUFBRUCH REALISMUS >> 31.3.-1.7.2012 STÄDTISCHE MUSEEN HEILBRONN >> KUNSTHALLE VOGELMANN 74072 Heilbronn, Allee 28 >> MUSEUM IM DEUTSCHHOF 74072 Heilbronn, Deutschhofstr. 6 www.museen-heilbronn.de

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TEXT: LAILA KÜHLE & DETLEF DRESSLEIN FOTOS: PR »Au« Steht Für AutoerotiScher u n FA l l eine reise in die randgebiete der menschlichen Sexualität. Aberwitzige listen,unglaubliches, Schmerzhaftes. und Staubsauger spielen auch eine rolle.

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TITELTHEMA: SEX Jeder Mensch hat Sex. Halt, nein, fast jeder: Denn laut Sexualwissenschaftlern sind etwa 5 Prozent der Deutschen asexuell. Diese Menschen haben keinerlei Interesse an irgendeiner Form von Sexualität. Weder paarweise noch in Gruppen, noch allein. Sie, die wir jetzt der Einfachheit halber zu den restlichen 95 Prozent zählen, werden aber nach der Lektüre womöglich Angst haben, sich überhaupt noch sexuell zu betätigen. Denn wir führen Sie in eine Welt, die den meisten bisher verborgen geblieben ist. Danken Sie dem Herrgott dafür! Wir erzeugen Gänsehautgefühle, die ungefähr so angenehm sind wie das Kratzen an einer Schiefertafel, das Beissen auf Alufolie oder der Anblick eines offenen Beinbruchs. Sie werden einen Ausflug in die »Randgebiete der menschlichen Sexualität« unternehmen, wie es der Münchner Urologe und Sexunfallarzt Michael Autenrieth so wunderbar euphemisiert. Eine brutale Expedition! Und dennoch: Es wird auch ein grosses Vergnügen sein. Denn wenn der Verstand erst einmal ausgeschaltet ist, begibt sich der Mensch offenbar blind in schier unglaubliche Situationen. Vor allem, wenn er denkt, dass es niemals jemand mitbekommen wird. Wenn ihm dann aber der Gang zum Arzt nicht erspart bleibt, dann wird es so richtig peinlich. Viele Betroffene erfinden noch auf dem Weg ins Krankenhaus die tollsten Geschichten. Da wollte man sich gerade, nichts Böses ahnend, auf die Toilette setzen, ist dann aber ganz unglücklich, Herrgott, so was von unglücklich, abgerutscht und, ja, es hört sich komisch an, mit dem Hintern voran auf eine Flasche Deodorant gestürzt. Die stand eben genau da, denn am Abend zuvor war man in grosser Eile und hat das Deodorant auf den Boden fallen lassen. Das Flakon stand dann eben senkrecht da und ist, ähem, im Hintern gelandet. Alles ein sehr unglücklicher Zufall. Die Ärzte sind Kummer gewohnt, nehmen auch die unglaubwürdigsten Münchhausiaden mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis und vermerken auf ihrem Krankenblatt ein einfaches »AU«. Autoerotischer Unfall. Die meisten Betroffenen aber fügen sich ohnehin schweigend. Denn ihre aktuelle Lage, die Grösse und Beschaffenheit des zweckentfremdeten Gegenstands und überhaupt die ganze Situation lassen keinen Raum für glaubhafte Alternativgeschichten. Und der erfahrene Urologe/Proktologe/Gynäkologe ist immer auch Psychologe genug, um schweigend und ernsthaft zu tun, was zu tun ist. Wenn man bedenkt, wie häufig man im Leben Sex hat und wie viele Menschen es gibt, verwundert es eigentlich, dass die Notaufnahmen nicht voll von Menschen sind, die sich beim Geschlechtsakt verletzt haben. Ist es vielleicht sogar ein sexuelles Armutszeugnis, wenn man sich nicht schon mindestens einmal den Kopf geprellt, den Arm ausgekugelt oder bis zur Ohnmacht masturbiert hat? Oder den Penis gestaucht, geknickt oder eingerissen? Oder die Hoden verdreht? Oder eine holländische Salatgurke, na ja, Sie wissen schon ... Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, beim Sex zu verunfallen. Die hier beschriebenen Fälle zeugen also zumindest von sexueller Aufgeschlossenheit. Allerdings meist in Verbindung mit einem gewissen Grad an Dämlichkeit oder wenigstens Tollpatschigkeit. Trotz allem wünschen wir Ihnen viel Spass bei der Lektüre und hoffen, dass Sie sich »die Sache« keinesfalls vermiesen lassen.

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TITELTHEMA: SEX 24 D I N G E , DIE SC H O N E INM A L AU S E INE R VAG I N A E NTF E R N T WUR D E N 1. Plastikkappe eines Filzstifts 2. Kappe einer Haarspraydose 3. Blechbüchse 4. Kinderspielzeug 5. Plastikpropeller 6. Glassplitter 7. Senftube 8. Ende eines grossen Holzpinsels 9. Sicherheitsnadel 10. Wachsmalstift 11. Flaschenverschluss 12. 0,5-Liter-PET-Flasche 13. Keramikscherbe 14. Tauchsieder 15. Gabel 16. Besenstiel 17. Stuhllehne 18. Bohnenstange 19. Zylinder 20. Küchenlampe 21. Gurke 22. Brillenbügel 23. Schraubenzieher 24. Kopfteil eines Aals

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Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn

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TEXT:LAILA KÜHLE & DETLEF DRESSLEIN FOTOS:PR MORBUS KOBOLD -  ODER WENN MÄNNER I M H A U S H A L T  »HELFEN«

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TITELTHEMA: SEX Na c h t e i l w a r n u r, dass beim Abnehmen des Aufsatzes nur m e h r 1 1 Ze n t i m e t e r Platz waren, bis man(n) zu einem heft i g ro t i e re n d e n Pro peller gelangte. Als »Michael Alschibaja Theimur«, geboren am 17. Februar 1943 in Paris, im Jahr 1978 an der »Urologischen Klinik und Poliklinik Rechts der Isar« der Technischen Universität München seine Dissertation einreichte, ahnte er wohl nicht, was folgen würde. Für gewöhnlich verstauben solche Arbeiten ja ungelesen in meterlangen Universitätsregalen. Die Dissertation von Dr. Alschibaja jedoch war Auslöser eines Rechtsstreits, Grundlage vieler eher halb- bis viertelwissenschaftlicher Diskurse und nicht zuletzt, ohne dass daran ein Wort verändert worden wäre, der Text eines Comedyprogramms, mit dem die Autorin Charlotte Roche und der Schauspieler Christoph Maria Herbst 2004 wochenlang auf Tournee waren und ganze Säle voller Frauen, aber auch Männer, zum Toben brachten. Die Dissertation von Michael Alschibaja hat den schlichten Titel »Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern«. Spätestens jetzt wird manchem kichernd klar, was der brave Herr Doktor da unwissentlich angerichtet hat. Alschibaja untersuchte zur Erlangung seines Doktortitels insgesamt 16 Fälle aus den Jahren 1966 bis 1972: acht aus der Urologie des Münchner Klinikums Rechts der Isar, fünf aus dem Städtischen Krankenhaus zu Rosenheim und noch drei weitere aus dem Hamburger Krankenhaus St. Georg (keine Sorge, wir erzählen Sie nicht alle). Allein die räumliche Konzentration der meisten seiner Fälle auf den oberbayerischen Raum lässt vermuten, dass derlei Verletzungen ziemlich häufig in deutschen urologischen Abteilungen anzutreffen waren. Denn auch der Übeltäter war in sehr, sehr vielen Haushalten zu finden: das Modell »Kobold« der Firma Vorwerk. Was ein wenig an Loriot erinnert, war für die Betroffenen eher unlustig. Denn das Besondere am »Kobold« war, dass hier der Motor unmittelbar hinter der Saugdüse angebracht war. Somit sparte man sich den umständlichen Verbindungsschlauch wie bei herkömmlichen Modellen. Nachteil war nur, dass beim Abnehmen des Aufsatzes nur mehr elf Zentimeter Platz waren, bis man(n) zu einem heftig rotierenden Propeller gelangte. Und elf Zentimeter - viele Männer sind ja in der glücklichen Lage -, da bleibt kein Spielraum. Wer sich also durch den Luftstrom eines »Kobold« stimulieren lassen wollte, seinen Penis darob in jenes Ansaugrohr verbrachte und dabei mehr zu bieten hatte als jene elf Zentimeter - für den wurde es extrem ungemütlich. Und er wurde ein Fall für die Urologie. In Fachkreisen wurde das Verletzungsmuster schon bald als »Morbus Kobold« bekannt und berühmt. Und die Firma Vorwerk aus Wuppertal kämpfte anfänglich noch beherzt gegen ihr neu gewonnenes Image, musste aber schon bald einsehen, dass sie nur verlieren konnte. Im Jahr 1985 veröffentlichte beispielsweise der Chaos Computer Club (CCC) im »Bildschirmtext« (so etwas wie der Urgrossvater des Internets) einen launigen Artikel mit dem Titel »Onanie macht krank«. Der Autor beschrieb darin, basierend auf »Dr. Alschibaja« Dissertation, mit stark ironischem Unterton die Gefahren des Haushaltsgeräts, das die Firma aus dem Bergischen Land bis dato als »seit 1930 Weltspitze durch technischen Vorsprung« und dem Motto »Nur Saugen allein genügt nicht« so solide beworben hatte. Die Klage gegen den Club wurde aber schliesslich zurückgezogen, nachdem die Arbeit von Dr. Alschibaja zeigte, dass die beschriebenen Fälle tatsächlich echt und wissenschaft-

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TITELTHEMA: SEX ristische Potenz dieser 68 maschinenbeschriebenen Seiten. Herbst begann ganz akkurat mit der Anatomie (»Der Penis ist ein lang gestreckter, zylindrischer Körper, der im Wesentlichen aus erektilem Gewebe aufgebaut ist.«), ging sodann rasch zu einigen statistischen Feinheiten über, wie etwa der Häufigkeit der Masturbation in Abhängigkeit von Alter und Schulbildung. Bereits bei Seite 5 der Arbeit, unter Kapitel »III. Staubsauger«, wurden die ersten Zuschauer unruhig. Als Herbst nämlich erst die Motorleistung des »Kobold 116« vortrug (17.000 Umdrehungen in der Minute) und das Kapitel schliesslich im Satz gipfelte: »Entfernt man nun die Saugdüse, so trennt nur noch ein 11 Zentimeter langer Ansaugstutzen« von 3,2 Zentimeter Durchmesser den Propeller von der Staubsaugerspitze. Spätestens jetzt litten die Zuhörer immer stärkere virtuelle Schmerzen, konnten aber wie bei jedem guten Unglücksfall auch nicht mehr anders, als genau hinzuhören. Und es folgte der Hauptteil: der Vortrag der 16 Fälle des Dr. Alschibaja. In einem Interview erzählte Christoph Maria Herbst später vom typischen Verlauf einer solchen Lesung: »Wir hatten immer ein bis sechs Männer, die in Ohnmacht gefallen sind. Sie merken, dass es ihnen ein bisschen mulmig wird, stehen auch auf, aber schaffen es nicht mehr. Andere können beobachtet werden, wie sie rausgehen und zitternd an einer Zigarette ziehen. Es ist ein sehr verstörender Abend.« Zwei Fälle zitieren wir - wie die Vortragenden - wörtlich mit nur leichten Kürzungen aus »Dr. Alschibaja« Dissertation aus dem Jahr 1978. Zwei weitere Fälle erzählen wir kurz und griffig nach. lich belegt waren. In den 1990ern diente die Dissertation für Satiriker und Scherzbolde, aber auch für Journalisten als Beleg für vermeintlich unsinnige oder kuriose Doktorarbeiten an deutschen Universitäten. Wie zum Beispiel im Nachrichtenmagazin  Focus, das 1995 schrieb: »Welchen Fortschritt für welche Wissenschaft bringt etwa die Beschäftigung mit Penisverletzungen beim Onanieren unter Zuhilfenahme eines Staubsaugers, die mit akademischen Würden bedacht worden ist?« Dass hier freilich schon der Titel der Doktorarbeit völlig falsch zitiert wurde, scherte die Journaille wenig. Und schliesslich diente die Arbeit im Jahr 2004 als veritables Comedyprogramm. Unverändert und nur leicht gekürzt, rezitierte Schauspieler und »Stromberg« Christoph Maria Herbst unter Assistenz von Charlotte Roche und zahlreicher sachdienlicher Dias aus »Dr. Alschibaja« Doktorarbeit. Dabei zeigte sich die ungewollte humo110 VORWEG DIE ERKLÄRUNG DER LATEINISCHEN BEGRIFFE UND FREMDWÖRTER: PRÄPUTIUM: VORHAUT FRENULUM: VORHAUTBÄNDCHEN GLANS PENIS: EICHEL ZIRKUMZISION: BESCHNEIDUNG SULCUS CORONARIUS: KRANZFURCHE CERCLAGE: VERSCHLUSS DES GEBÄRMUTTERHALSES URETHRA: MÄNNLICHE HARNRÖHRE NEKROSE: ABSTERBEN CORONA GLANDIS: EICHELRAND ORIFI CIUM EXTERNUM: HARNRÖHRENÖFFNUNG HYPOSPADIA PENIS: HYPOSPADIE; ENTWICKLUNGSSTÖRUNG DER HARNRÖHRE

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TITELTHEMA: SEX 57 D I N GE , DIE SC H O N E I N M AL AUS E I N E R H A R N RÖH R E E N T F E R N T WER D E N M U SST EN 1. Thermometer 2. Wunderkerzen 3. Streichhölzer 4. Nussschalen 5. Wäscheleinen 6. Kupferdraht 7. Kabel 8. Rosen 9. Maden 10. Kugelschreibermine 11. Zweig 12. Getreideähre 13. Bohne 14. Gitarrensaite 15. Hühnerknochen 16. Füllfederhalter 17. Glasrohr 18. Haare 19. Kleiderreste 20. Paraffin 21. Siegellack 22. Schilfrohr 23. Efeublatt 24. Stiel einer Erdbeere 25. Blütenstiel 26. Grashalm 27. Strohhalm 28. Petersilienwurzel 29. Pflanzensamen 30. Haselnuss 31. Kirschkern 32. Fuchsschwanz 33. Schweinssehne 34. Schwamm 35. Ausgebrannte Kohle 36. Geschrumpfte Gurke 37. Papier (zusammengerollt) 38. Schieferstift 39. Dattelkern 40. Goldkettchen 41. Schiesspulver 42. Korkstück 43. Zähne 44. Kreidestück 45. Roter Pfeffer, ungemahlen 46. Erbsen 47. Zimmerernagel 48. Watte 49. Kaugummi 50. Uhrenbatterie (Knopfzelle) 51. Eisenstücke 52. Schuhbänder 53. Angelhaken 54. Zigarettenstopfer 55. Lockennadel 56. Metallkatheter 57. Streichholz

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TITELTHEMA: SEX FALL 1 SCHU., 66 JAHRE, RÖM.-KATH., VERHEIRATET, BERUF: RENTNER (GRAFIKER) VORGESCHICHTE: Der 66-jährige Patient hatte mit 30 JahILLUSTRATION: FLORIAN GEIGER ren geheiratet. Nach 26 Jahren wurde er wieder geschieden und lebte, nachdem er sieben Jahre allein war, mit einer 54-jährigen Witwe zusammen. Er war mit starken sexuellen Tabus behaftet, sodass er nur zögernd Auskunft über sein Sexualleben gab. Dennoch liess sich Folgendes explorieren: Den ersten Geschlechtsverkehr hatte er mit 23 Jahren. Auf Fragen nach Masturbationsgewohnheiten und Häufigkeit gab er nur ausweichend Antwort. Selten sei er mit Prostituierten verkehrt. Während seiner Ehe habe er bis auf den Anfang nur ein Mal pro Woche Geschlechtsverkehr mit seiner Frau gehabt. Die Abstände seien mit wachsendem Alter grösser geworden. Mit seiner jetzigen Lebensgefährtin sei er seit 1,5 Jahren nur noch alle ein bis drei Monate sexuell verkehrt. Er bestritt sehr heftig, jemals pornografische Literatur gelesen zu haben. Onanie hielt er für ungesund, konnte aber nicht angeben, warum. UNFALLHERGANG:  Dazu gab der Patient zuerst folgende Darstellung: Er sei gestolpert und mit dem Penis auf ein Glas gefallen. Als ihm aber gesagt wurde, dass die Art der Verletzungen unmöglich durch ein Glas verursacht werden konnte, sondern vielmehr alles auf einen Masturbationsversuch mit einem Staubsauger hindeute, widersprach er nicht und bestätigte sogar, dass er einen Staubsauger »Kobold« der Marke Vorwerk benutzt hätte. Zu dem Patienten war kein richtiges Vertrauensverhältnis herzustellen, sodass nicht weiter in ihn eingedrungen wurde. VERLAUF:  Unter antibiotischem Schutz kam es zu einer komplikationslosen Abheilung, wobei sich allerdings eine etwa fingerkuppengrosse Nekrose an der Ventralseite der Glans penis ausbildete. Am 36. Tag wurde der Patient aus der stationären Behandlung entlassen. vier Jahren wurde der Patient zur Nachuntersuchung bestellt. Der Penisbefund zeigte den Zustand nach Zirkumzision; es bestand eine Hypospadia penis mit einer frei durchgängigen Öffnung an der Ventralseite des Penis unmittelbar proximal des Sulcus coronarius. Das ursprüngliche Orifi cium externum war narbig verzogen, verwachsen und nur 4 Millimeter sondierbar. Narbige Einziehung im Sulcus coronarius, die auf die Glans übergeht. Varizenartige Erweiterung der Venen im Bereich der Glans penis. Es zeigte sich ferner eine Deviation des Penis nach ventral und dextral. Sensibilitätsverlust im gesamten Narbenbereich. Miktion mehrstrahlig, ansonsten unauffällig. Beschwerden beim Geschlechtsverkehr bestanden noch im Sinne einer verminderten Erektion und einer Deviation des Penis. Bei der Ejakulation würde das Sperma nur heraustropfen. NACHUNTERSUCHUNG:  Nach Die Glans penis zeigte multiple tiefe Schnittverletzungen, teils mit erheblichen Gewebsdefekten auf. Die Haut war an der Corona glandis vollkommen abgerissen, die Glans mit dem Schaft nur mehr auf einer Breite von einem Zentimeter verbunden. Die Harnröhre fehlte bis 1 Zentimeter proximal vom Frenulumansatz-Bereich. ERSTVERSORGUNG:  LOKALBEFUND:  Zunächst sparsamste Wundexzision. Dann Versorgung der Harnröhre, wobei die Schleimhaut mit der äusseren Haut im Sinne einer vorderen Hypospadie vernäht wurde. Ein Ballonkatheter wurde in die Blase eingeführt. Dann Versorgung der Glans, wobei eine gute Wiederherstellung gelang. Druckverband mit Fettgaze.

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TITELTHEMA: SEX sei dann so klein gewesen, dass er zuerst befürchtete, er sei amputiert worden. Nach dem ersten Schreck sei er dann in das Krankenhaus gefahren. LOKALBEFUND:  Erhebliche Penisverletzung mit multiplen quer und winkelig verlaufenden Riss- und Schnittwunden. Die Glans war teilweise zerfetzt. Tiefe quer verlaufende Wunde im Frenulumansatz-Bereich, auf die rechte Seite der Glans penis übergreifend, mit Durchtrennung der Harnröhre. Teilabriss des inneren Präputialblattes. Abtragen der zerfetzten Haut, sparsamste Wundrevision und Vernähen mit Catgut. Versorgen des Präputiums im Sinne einer Zirkumzision. Einführen eines Ballonkatheters zur Harnröhrenschienung und Endzu-End-Vereinigung der Urethra. Druckverband mit Fettgaze. ERSTVERSORGUNG:  VERLAUF: Unter FALL 2 BE., 48 JAHRE, RÖM.-KATH., LEDIG, BERUF: LAGERARBEITER VORGESCHICHTE: Der debile 48-jährige Patient war ledig. Seinen ersten Geschlechtsverkehr hatte er mit 36 Jahren. Seitdem verkehrte er nur dreimal mit einer Partnerin. Nach eigenen Angaben onanierte er regelmässig während seiner Jugend sechs- bis achtmal die Woche, jetzt zwei- bis dreimal die Woche. Der Patient war völlig ungehemmt und gab bereitwillig und offen Antwort über sein Sexualleben. antibiotischem Schutz heilten die Wunden gut ab. Im Verlauf der stationären Behandlung stiessen sich jedoch Nekrosen ab und es bildete sich eine Fistel im Frenulumbereich aus. Ein Harnwegsinfekt wurde von zwei Stämmen des Bacterium proteus verursacht, die eine gemeinsame Empfindlichkeit gegen Nitrofurantoin, Gentamycin und Nalidixinsäure besassen. Der Patient zeigte sich bei der Behandlung unkooperativ. Nachdem er einmal entlaufen war, verliess er die Klinik nach 13 Tagen stationärer Behandlung auf eigenen Wunsch und gegen ärztlichen Rat. Allerdings kam er einen Monat später mit Miktionsbeschwerden wieder zur stationären Aufnahme, da sich durch Vernarbung eine vordere Harnröhrenstruktur gebildet hatte. 3. FALL: Patient habe sich schon den ganzen Abend mit erotischen Gedanken beschäftigt, er sei sexuell sehr stimuliert gewesen. Da sei ihm die Idee gekommen, den Staubsauger als eine Art Vagina-Ersatz zu benutzen. Der Effekt sei enttäuschend gewesen und so habe er den Apparat angestellt. Im selben Augenblick sei der Staubsauger an seinen Körper herangezogen worden und sein Penis sei im Ansaugstutzen verschwunden. Es habe einen fürchterlichen Lärm gegeben, er habe einen stechenden Schmerz im Glied empfunden und es habe Blut gespritzt. Sein Penis UNFALLHERGANG: Der Obwohl der 31-jährige Schweisser seit zwei Jahren glücklich verheiratet war, lief es sexuell in seiner Ehe eher bescheiden. Der Mann war von seinen Eltern sehr streng erzogen und nie aufgeklärt worden. Seine Frau, die katholisch erzogen worden war, war in Sachen Sexualität ebenfalls sehr zurückhaltend. Einen Tag bevor seine Frau von einer zweiwöchigen Reise zurückkehrte, wollte der Mann noch staubsaugen. Dabei habe er zwischendurch in Illustrierten gelesen und sei dadurch stimuliert worden. In seiner Fantasie verband er dann »saugen« mit »Staubsauger « und hielt seinen halb erigierten Penis in das Gerät. Dann

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TITELTHEMA: SEX habe er nur einen fürchterlich lauten Knall gehört und viel Blut gesehen. Anfangs merkte er gar nicht, was er seinem Penis da angetan hatte, denn die Schmerzen traten erst später ein. Erst als er beim Wasserlassen ein Brennen bemerkte, das sich bis ins Mark zog, ging der junge Mann zum Arzt. Sehr starke Verletzungen hatte er nicht, doch zwei Wochen im Krankenhaus blieben ihm trotzdem nicht erspart. Die Folgen waren eine traumatisierte Eichel und auf die doppelte Länge ausgedehnter Geschlechtsverkehr, bei dem das Sperma nur tropfenweise austrat. Damit aber nicht genug ... 4. FALL: was es mit diesem ominösen Staubsauger auf sich hatte. Er lieh sich den Staubsauger seines Sohnes, steckte seinen Penis in den Saugstutzen und der wurde auch sofort hineingesogen. Ein stechender Schmerz war die Folge. Der Vater stiess das Elektrogerät zwar sofort weg, sein Penis jedoch sei ganz klein geworden und habe sich regelrecht in den Bauch zurückgezogen. Um diese Verletzung zu versorgen, bedurfte es einer Vollnarkose. Mit mehreren Einzelknopfnähten wurden die Hautlappen wieder zusammengeführt. EPILOG: ... denn der Vater des Mannes aus dem vorigen Fall stellte seinen Sohn am Tag seiner Entlassung zur Rede. Er beschuldigte ihn, seine Ehefrau während ihrer Reise mit einer anderen betrogen zu haben, und behauptete, dass die Verletzungen in Wirklichkeit auf einen Biss zurückzuführen sei, den ihm die fremde Frau zugefügt habe. Als Mann der Tat beschloss der Vater selbst zu überprüfen, Der »Kobold« ist in dieser Form heute längst nicht mehr erhältlich. Mittlerweile trennt auch bei ihm ein etwa ein Meter langer Schlauch Düse und Motor, sodass zwar der Saugeffekt stattfindet, aber ohne jede negative Nebenwirkung bei Zweckentfremdung. Allerdings blüht ein regelrechter Schwarzmarkt, und im Internet sind immer noch einzelne Modelle zu bekommen. Dr. Michael Alschibaja betreibt mit seinem Sohn eine urologische Praxis im Stadtzentrum von München.

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TITELTHEMA: SEX 27 D I N G E , DIE SC H O N MAL I N E I N E M REKT U M GEFU N D E N WUR D E N 1. Handy 2. Schnur 3. Hamsterskelett 4. Konservendose 5. Lampenschirm 6. Gummiball 7. Kerze 8. Blumen 9. falscher Fingernagel 10. Apfel 11. Glühbirne 12. Glassplitter 13. Zwiebel 14. gefrorener Schweineschwanz 15. Regenschirm mit Hülle 16. Werkzeugtasche; komplett mit Werkzeug 17. Sektflasche 18. Colaflasche 19. Massagestab 20. Bocciakugel 21. Spraydose 22. Staubsaugeransatzteil, zwei 23. Hartgummistab 24. Tischtennisball 25. Spatenstiel (19 Zentimeter) 26. Stuhlbein 27. Ausgabe der »Bild am Sonntag« (zusammengerollt)

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TITELTHEMA:SEX DIE PEIN L I C H ST E N SEX U N F Ä L L E DAS BUCH Sex ist die schönste Sache der Welt - wenn er denn richtig gemacht wird. Da es aber während des Aktes zu temporären Durchblutungsdefiziten im Gehirn kommt, kann aus dem Traum schnell ein Albtraum werden und schon landet man in der Notaufnahme einer Unfallklinik... Und dann geht es auch schon los Ärzte und Pfleger müssen sich die absurdesten Geschichten anhören. Wer gibt denn schon gerne zu, dass er einen Sex-Unfall hatte? Und was für die Betroffenen peinlich ist, ist für Außenstehende umso komischer: Im Körper verlorene Gegenstände, Liebesspiele mit Handschellen, die nicht mehr aufgehen wollen, Armbrüche wegen zusammengekrachter Betten und natürlich der gute alte Akt mit dem Staubsauger. Die unglaublichsten Sexunfälle der Welt haben die Journalisten Detlef Dreßlein und Laila Kühle exklusiv für dieses Buch recherchiert und zusammengestellt. DIE AUTOREN ihr erstes Buch. Ihrer Familie das Thema ihres Erstlingswerks nahezubringen, war nicht einfach. Detlef Dreßlein, geboren 1970 in Erlangen, studierte Germanistik in Bamberg und besuchte anschließend die Deutsche Journalistenschule in München. Nach Jahren als freier Autor und Pauschalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie als Redakteur bei der GQ arbeitet er seit 2005 beim Playboy in München. Dort gewann er mit seinen Reportagen mehrere wichtige Auszeichnungen, zuletzt 2006 den Feuilletonpreis des Verbands Deutscher Sportjournalisten. Er lebt in München. BIBLIOGRAFIE Laila Kühle, 22 Jahre alt, studiert Philosophie. Nebenbei arbeitet sie als freischaffende Journalistin. Dieses ist Detlef Dreßlein I Laila Kühle Ich habe mich versehentlich auf den Staubsauger gesetzt Aberwitzige Sex-Unfälle 12,90 Ð (D), 13,30 Ð (A), sFr. 22,90 (CH) 176 Seiten, Broschur ISBN 978-3-86882-171-0 mvg Verlag, München 2010

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MEIN JOTT ANNA FOTOS: MEHMET FILIZ Wir ha b e n k e i n e Mü h e n u n d Ko s t en gescheut, um eine ero t i s c h e Fo t o s t re c k e z u p ro d uzieren. Also haben w i r u n s e re n Fo t o g r a f e n Me hmet Filiz nach Er fur t g e s c h i c k t . Do r t h a t e r i n d er PräsidentenSuite d e s R a d i s s o n Ho t e l s Jo t t u n d Anna getroffen. Die be i d e n s i n d t a t s ä c h l i c h b e s t e Freundinnen und sind fü r u n s g e m e i n s a m i n s Be t t u nd unter die Dusche ge s t i e g e n , u m Zä r t l i c h k e i t e n auszutauschen.

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QUIZ DICH G L Ü C KLICH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº8 FrAge: Mit WeM WAr chArlotte roche geMeinSAM AuF tour uM AuS Der DoKtorArbeit »PeniSverletzungen bei MASturbAtion Mit StAubSAugern« vorzuleSen? AlS MichAel AlSchibAJA theiMur iM JAhr 1978 An Der urologiSchen KliniK unD PoliKliniK rechtS Der iSAr Der techniSchen univerSitÄt München Seine DiSSertAtion einreichte, Ahnte er Wohl nicht, WAS Folgen WürDe. CHOUCHOU BOUTIQUE VERLAG Love Toys Verlag 3 x 20-EURO-Gutschein 2 x Buch Erotik-Set 2 x Buch Französischer Chic und Coolness in Heilbronn. chouchou, die kleine aber feine Boutique in der Oberen Neckarstraße verlost drei Gutscheine im Wert von je 20 Euro. Sex ist die schönste Sache der Welt - wenn er denn richtig gemacht wird. Es kann aber auch Einiges schief gehen. Wir verlosen zweimal das aberwitzige Buch »Ich habe mich versehentlich auf den Staubsauger gesetzt«. »Love and Toys« stiftet diesmal ein Erotik-Set, bestehend aus einem Vibrator, Fair-Trade-Condomen und Gleitgel. Ob alleine oder zu zweit: Spaß ist mit dem Love-and-Toys-Paket in jedem Fall garantiert. Weil die Welt voll von Männern ist, die keine echten Kerle sind und somit auch der männliche Nachwuchs gefährdet ist, hat Tom Wilt Kniffe und Tricks in guter Charlie-Harper-Manier zusammengetragen. Wir verlosen das Buch zweimal. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: FUCK YOU! EINSENDESCHLUSS IST DER 18. MAI 2012. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: 20 JAHRE

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L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS NEW HAVEN, USA / VON JOERG MARTIN HARTMANN FOTOS: JOERG MARTIN HARTMANN klar, kalt, hell. Ich bin eben durch die fremde Stadt auf dem Bike geradelt, das mir meine Landlady ausgeliehen hat. Seit zehn Tagen bin ich hier in New Haven an der Yale University, und zum ersten Mal fühle ich mich wohl. Ich bin hier her gekommen, um zu vergessen. Um meine Erinnerungen zu verlieren, um alles hinter mir zu lassen. Ich betone, ich bin nicht hier her nach Connecticut gekommen, um mir ein neues Leben aufzubauen. Ich will einfach nur vergessen. Leer werden. Platz schaffen. Alle Poster von den Wänden reißen, die Staubfänger in den Müll schmeißen, die Kleider in die Tonne kloppen, und frei werden von all dem, was ich mit ihnen verbinde. Daheim hab ich das auch versucht. Alkohol, Sex, exzessiver Sport, Yoga. Rennen, wegrennen, betäuben, überspielen, verdrängen. Vergessen, leer werden. Ich sein. Meine Wohnung sah aus, als würde niemand darin wohnen. Es ist mir nicht gelungen. Seine Süchte wird man nicht los. Auch nicht seine Ängste. Sie verlagern sich. Erst denkt man, man hätte sie überwältigt, dann tauchen sie an anderen Stellen mit anderen Masken wieder auf. Es wäre faul, sie den Teufel zu nennen, aber sie wirken so. Und so radle ich die Straße entlang, und erfreue mich an dem Neuen. Die unmarkierte Leere. Gebäude, die mir nichts sagen. Straßen, die nicht vollgesogen sind mit Erinnerungen, wie es das Pflaster meiner Heimatstadt war. Immer wenn ich lief, schienen die Erinnerungen aus den Steinen zu quellen, als liefe ich über nasses Moos. Und ich hab sie gehasst. Ich wollte trockenen Fußes gehen, auf festem Grund und wenn es sein muss in der Wüste. Ohne alles. Und jetzt, nach dem Radeln, steh ich hier. Im Kreuzgang einer weltweit anerkannten Institution. Neogotisch. Sandsteinmauer und eine vergessene Ecke. Auf dem Mülleimer stapeln sich Papierkaffeebecher. Durch angestaubte, bleiverglaste Fenster schaue ich Studenten beim Vorübereilen zu. Mich sieht niemand. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn zufällig jemand in das Fenster schaut, hinter dem ich stehe und beobachte. Niemand würde damit rechnen, dass ich hier stehe und Augen mache. Wer mich sähe, würde zunächst erschrecken. Noch mehr, wenn ich meine Augen bedeutungsvoll aufreißen würde. Und dann noch mit dem Finger auf die Person zeigen! Mit dem Fingernagel klicke ich an die Scheibe. Testweise. Niemand hört das. Mein Blick fällt auf das Fensterbrett aus Sandstein. Steinmetzarbeit. Wer weiß, wie alt? Ein Kaffeefleck darauf setzt sich deutlich ab. In meiner Tasche habe ich zwei Stifte. Einen Füller, einen Lackstift. Ich krakele mit dem Lackstift meinen Namen in den Kaffeefleck, als ob der auf mich, seit wer weiß wie lange, gewartet hätte. Vorstellung von der Schönheit des Schriftzugs und Ergebnis der Realisierung weichen deutlich voneinander ab. Es sieht hässlich, nicht stylisch aus. Das ehrwürdige Gebäude. Seit so langer Zeit kommen hier Leute vorbei und reißen sich zusammen, die Räume unmarkiert zu lassen. Sie der Allgemeinheit zu lassen, ihnen keinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Und dann komm ich daher gelaufen. Ausgerechnet ich! Ob es hier Videokameras gibt? Sicher. Bestimmt wurde ich beim Krakeln aufgezeichnet. Man wird das Standbild mit

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS NEW HAVEN, USA mir in »Wanted«-Plakate montieren, und diese auf dem Campus aufhängen. Ich sollte mich stellen. Ich verlasse den Kreuzgang durch eine Seitentür. Draußen will ich mich einreihen in die Menge der vorbeieilenden Studenten. Es gelingt mir nicht. Ich bin anders als sie geworden. Ich habe ihr Eigentum beschädigt, und sollte mich schämen. Warum hab ich das nur gemacht? Wenn ich mich freiwillig stelle, wird vielleicht alles gar nicht so schlimm! Ich kann es ja erklären! Wahrscheinlich wird meine Ehrlichkeit mit Freiheit belohnt! Kann doch jedem mal passieren! Schwamm drüber! Machen Sie's weg und gut ist. Wahrscheinlich aber eher nicht. Und jetzt, nach meinem Vergehen, stehe ich draußen. Sehe die Gebäude an, und es scheint mir, sie hätten ihre Wertigkeit durch mein Tun verändert. Einerseits noch eindrucksvoller. Andererseits hat sich aber meine Rolle in ihnen vom Naivling zum (sich seiner Schuld) Bewussten gewandelt. Es ist die alte Geschichte von Adam und Eva. Schuld durch Individualität und Selbstbewusstsein durch Schuld. Hier stehe ich. Verhaftet mich doch, wenn ihr wollt! Ich werde mich nicht freiwillig stellen. Ich werde den Leuten StecKbrieF N a m e : J o e rg M a r t i n H a r tmann Alter: 32 i n N ew H ave n s e i t : Fe b r u ar 20 12 Fr ü h e re r Wo h n o r t : Ka r l sruhe D e r ze i t i g e r Wo h n o r t : N ew H aven / USA hier offen und ehrlich gegenüber treten. Es muss so sein, dass auch sie Schuld auf sich geladen haben - irgendwann, irgendwo einmal. Der oder die. Und ich. Jetzt gehöre auch ich zu ihnen. Ich bin nun auch kein Naivling mehr. Ich halte die anderen nicht mehr für unschuldig. Wir gehören jetzt zusammen, wir sitzen in einem Boot. Unsere Aufgabe ist es, dass wir uns gegenseitig helfen. Im Spannungsfeld von Anspruch und Realität. Liebe Heimat, wenn ich zurückkomme, sehen wir uns. Und ich kann Dir berichten von den Menschen hier in New Haven, Connecticut. Grüße. Joerg

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TEXT: RAFAELA JECKLE FOTO: PRIVAT I N D E U T S C H L A N D W I R D Z U W E N I G G E K N U T S C H T R a f a e l a Je c k l e s c h re i bt diesmal über die Unterschiede zwischen Br a s i l i a n e r n u n d De utschen wenn es um die Themen Liebe, Sex und Zä r t l i c h k e i t g e h t . Hier in Heilbronn wird der Brasilianerin zu wenig ö f f e n t l i c h g e h e r z t . Dafür geben Rafaelas Landsleute ihrer Meinung n a c h z u v i e l Ge l d f ü r plastische Chir urgie aus.

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NEIG´SCHMECKT: IN DEUTSCHL AND WIRD ZU WENIG GEKNUTSCHT Historikern zufolge war es das Christentum, das den Begriff »Sünde des Fleisches« eingeführt hat. Noch heute kann man Jahrhunderte alte christliche Zeichen zur Sexualität und über sexuelle Praktiken finden. Und immer sind sie mit Verboten behaftet und Schuld zuweisend. Der Ausdruck der Sexualität in einer Kultur unterliegt dem Einfluss der Religion. Deutschland und Brasilien sind christliche Länder, weshalb die Sexualität in beiden Ländern in ähnlicher Weise geäußert wird. Natürlich mit ein paar Unterschieden, da Brasilien ein tropisches Land ist und Deutschland ein Land der nördlichen Hemisphäre. Parallelen können wir bei der patriarchalischen Gesellschaft, der Monogamie und der Ehe als familiärer Institution festmachen. Die Grundstruktur ist also sehr ähnlich. Doch so unterschiedlich Brasilien und Deutschland sind, gibt es unterschiedliche Gewohnheiten und kulturelle Eigenheiten rund um das Thema Sex. So hat mich die FKK-Kultur in Deutschland geschockt. Ich war noch nicht lange in Deutschland als am Breitenauer See nicht nur Männer und Frauen nackt die Outdoor-Duschen betreten und nutzen sondern Frauen jeden Alters oben ohne am Ufer liegen. Ohne Schamgefühl, ihre Brüste zu zeigen. Für mich ist das unmöglich und es hat mich gestört, dass mein Mann andere Frauen halb nackt im Freibad sehen konnte. Viele Deutsche haben diesbezüglich ein verzerrtes Bild von Brasilien und sehen Brasilien als das Land der sexuellen Freiheit. Dabei ist in meinem Land oben ohne Tabu. Frauen, die sich am öffentlichen Strand oben ohne sonnen, können sogar verhaftet werden wegen unzüchtigen Verhaltens und Erregung öffentlichen Ärgernisses. Dafür gleichen die Bikini-Höschen hier in Heilbronn eher Liebestötern von Omas. Die Deutschen zeigen im Freibad nicht gerne ihren Po. Kein Wunder, dass die kleinen brasilianischen Bikinis hier für Furore sorgen. Ich könnte nie einen »deutschen« für mich altmodischen Bikini tragen. Ich könnte allerdings niemals oben ohne am Strand liegen. Ein absolutes No-go für mich. Nach einer Weile des Nachdenkens kam ich zu dem Schluß, dass die jeweilige nationale Bademode viel mit dem Schönheitsideal der Einheimischen zu tun hat. Viele deutsche Frauen haben große Brüste, dazu aber wenig Hüften und Hintern. Im Gegenteil zu brasilianischen Frauen, die wenig Oberweite haben aber mit viel Hintern aufwarten können. Der Karneval in Rio ist das Mekka der Stringtangas und nackten Popos. Dafür sieht man auf dem Oktoberfest üppige Dekoletees. Wie in Deutschland, so hat auch in Brasilien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Geschlechter-Revolution stattgefunden. Die Einführung der Pille auf dem Markt in den 60er Jahren hat eine Trennung zwischen Sex und Fortpflanzung geboten. Das brachte wichtige Änderungen, wie zum Beispiel die Befreiung der Frauen in Bezug auf ungewollte Schwangerschaften und der Möglichkeit der Verwirklichung größerer Gleichheit in Bezug auf den Menschen. Seit die Welt begann sich zu drehen, ist die Sexualität ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Sexualität hat Platz in der Mythologie, Philosophie und Kunst genommen, quasi in jeder Form der Darstellung menschlichen Wissens. Ob in der Modewelt oder wie in Brasilien insbesondere beim Tanz und der Musik. Die Brasilianer tragen bunte, leichte Kleidung. Es ist warm in Brasilien. Das hat also ganz praktische Gründe. Aber automatisch zeigen die Brasilianer dadurch mehr Haut. Und Haut ist sexy. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Brasilien und Deutschland ist der Körperkult. In Brasilien wird er ein wenig übertrieben. Brasilianer sind Weltmeister auf der Suche nach dem perfekten Körper. Das Time Magazine brachte sogar eine Geschichte über lateinamerikanischen Frauen, die ihre Körper wie nie zuvor von plastischen Chirurgen zurecht schnibbeln lassen. Nach Angaben der brasilianischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie, gaben Brasilianer, vor allem die brasilianische Frauen, mehr Geld für verschönernde Eingriffe aus als alle anderen. Sogar die Amis, traditionell auf Platz Eins, wurden abgelöst. Man will wundervoll sein, sich wohl in seiner Haut fühlen und dem Schönheitsideal entsprechen. Ein bisschen mehr deutsch-sein würde den Brasilianern gut tun. Ein weiterer riesiger Unterschied zwischen Heilbronn und jeder Stadt in Brasilien ist, wie sich Paare finden. In Brasilien lernen die Leute neue Bekanntschaften durch Freunde kennen und die Straßen sind der ideale Ort für Singles, die Kunst des Flirtens zu üben. Bei uns in Brasilien flirtet man schon im Kindergarten und saugt es quasi mit der Muttermilch auf. Hier in der Heilbronner Region scheint es mir, wäre die Spontaneität, die Freude an der Liebe, der Mut das Herz eines Anderen zu erobern verloren gegangen. Auf den Straßen sind immer mehr Singles unterwegs. Und das leider nicht aus freier Entscheidung, alleine sein zu wollen. Sie beherrschen das Spiel der Verführung einfach nicht. Das ist schade. Hier in der Region gibt es wundervolle Frauen und Männer aber so viele sind gehemmte Einzelgänger, die nur im Internet den Mut finden

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NEIG´SCHMECKT: IN DEUTSCHL AND WIRD ZU WENIG GEKNUTSCHT ihre Partner zu suchen. Das Internet-Dating ist irgendwie zum Trend geworden. Den Menschen fehlen soziale Netzwerke in ihrem alltäglichen Leben. Chats und Facebook sind heute die sogenannten »modernen Treffpunkte«. Wir werden überflutet mit Anzeigen, Werbebannern für Dating-Seiten und Penis-EnlargementVersprechungen. Ich bin überzeugt davon, dass sich wahre, romantische Liebe eher auf der Straße finden lässt als im Internet. Aber das mag auch voreingenommen von mir sein. Gott sei Dank habe ich einen der letzten deutschen Träumer heiraten dürfen. Diesbezüglich ist Brasilien Europa Lichtjahre voraus. Die Menschen sind nicht zu schüchtern, um ihre Gefühle zu zeigen. Sie wollen Leidenschaft und wahre Liebe leben. Ganz im Gegensatz zu dem stereotypen Bild der Brasilianer das hier herrscht, und weismachen will, dass Brasilianer nur nach sexueller Freiheit streben. Nein, in meiner Heimat wird die Liebe so intensiv wie möglich gelebt. Die Brasilianer nehmen sich Zeit für die Leidenschaft bis sie den Partner für ihr Leben finden und dann nehmen Sie sich Zeit für die Liebe. Bei uns will man eine feste Beziehung haben und ewig zusammen bleiben. Was Menschen meiner Meinung nach zusammen hält, ist aber nicht die institutionelle Ehe, finanzielle Gründe oder die Angst allein zu sein sondern die Entscheidung zusammen zu Träumen. Brasilianische Mädchen und Jungen ziehen nur aus ihrem Elternhaus aus, um mit ihrem Partner zusammen zu leben. Meistens wird schon mit Anfang 20 geheiratet. Kaum jemand verlässt sein Elternhaus, um alleine zu leben oder in eine WG zu ziehen. Wenn man in Brasilien zusammen lebt, erlangt die Verbindung sofort den Status einer Ehe. Das ist unabhängig davon, ob man sich standesamtlich trauen ließ. Unsere Gesetze erkennen die Vereinigung als Ehe an sobald die Zahnbürsten sozusagen im selben Zahnputzbecher sind. Eine feste Beziehung muss mit Sorgfalt, Aufmerksamkeit, Respekt, Liebe und Leidenschaft am Leben gehalten werden. In Brasilien haben wir ein Sprichwort, das sagt, dass jeder Kuss die Intensität und das Verlangen des ersten Kusses sowie die Verzweiflung und Leidenschaft des letzten Kusses haben muss. Bei meiner Hochzeit habe ich meinen Ehemann im Standesamt aus voller Seele geküsst. Es war der wichtigste und glücklichste Tag in unserem Leben. Ich wollte meinen Prinzen mit aller Freude, Liebe, Leidenschaft und, klar, Zunge küssen. Es war lustig, da wir die Gäste und den Standesbeamten mit unserem leidenschaftlichen Kuss überrascht haben. Für die Anwesenden war die Intensität unseres Kusses überraschend, doch für mich war es Ausdruck wahrer Romantik. Ein Happy-End wie man es aus Seifenopern kennt. In Deutschland wird wenig öffentlich geknutscht. Die Paare haben auch vergessen Hand in Hand zu laufen. Es ist wichtig, seiner Beziehung einen Raum für Romantik zu gewähren. Nur so kann man seine Sexualität in ihrer Vollständigkeit ausleben. In einer Beziehung und in der Ehe muss die Liebe gepflegt und nicht nur verwaltet werden wie eine Geschäftsbeziehung. Es ist sehr wichtig für die Partner einer Liebesbeziehung täglich die Zeit zu finden, sich zu küssen, miteinander zu reden, zusammen zu lachen und Liebe zu machen.

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AROUND THE WORLD MIT PATRICK ORTWEIN GRENZEN, SO NICHTIG WIE LINIEN IM SAND TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: PATRICK ORTWEIN

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ARO UND THE WORLD: WESTSAHAR A DIE WESTSAHARA: EIN FRAGWÜRDIGER STATUS Weit und breit ist kein Schatten in Sicht. Zwei Welten treffen an diesem Ort aufeinander, die sich in ihrer scheinbar endlosen Weite so ähnlich und doch gänzlich verschieden sind. Ihr Bild wirkt als ob sie immerzu das Selbe wären und doch sind sie ständig in Bewegung. Zu jeder Sekunde, in jedem Zentimeter verschieden. Zur Rechten, das offene Meer, dessen Wellen in gleichmäßigen Abständen auf den Strand treffen und aus deren Zusammenspiel mit dem Sand, der sich ins endlose erstreckenden Dünen zur Linken, ein beruhigendes Rauschen erwächst. Dringt man jedoch tiefer in eine der beiden Seiten vor, ist das einzige Rauschen das man hört, jenes im eigenen Kopf, das in der absoluten Stille wurzelt. Jenes Rauschen, das, wenn man ihm lange genug lauscht, nur ein leises Staunen über die Grenzenlosigkeit des Ganzen zurücklässt. Wenn es da nicht doch Linien gäbe, die mit einem Lineal mitten durch diese Landschaft gezogen wurden, um sie sich zu Eigen zu machen. Und daraus erwachsende Konflikte, die dem Anblick ein Stück der Romantik rauben. Der etwa 1000 km lange Abschnitt der Westsahara erweist sich als denkbar ungünstiges Territorium für einen längeren Aufenthalt. Nicht nur im Hinblick auf klimatische, sondern auch bezüglich politischer Bedingungen zieht sich eine unsichtbare Grenze durch den Süden Marokkos. Die Präsenz des Militärs und ständige Kontrollen sind ein ebenso allgegenwärtiger Anblick, wie endlose Wüstenlandschaften und aufgrund der stetigen Angst vor Terroranschlägen islamistischer Fundamentalisten, in den Anblick der Gegend fest integriert. Es scheint unvorstellbar wie Nomadenstämme bereits vor hunderten Jahren ihre Handelswege über diese Distanzen ausbauen konnten. Heutzutage ist diese Frage aufgrund einer gut ausgebauten Straße bis zur mauretanischen Grenze hinfällig. Eine residente Frage ist jedoch die Landeszugehörigkeit dieser Fläche, obschon bei der Fahrt durch die endlose Weite das Verständnis für Grenzen gänzlich verloren geht. Zumindest emotional betrachtet. Aus rationaler Sicht jedoch wurden die Fischrechte für die Küste der Westasahara zu einem großen Teil an

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AROUND THE WORLD: WESTSAHAR A Die UN hingegen ist sicher, dass die Zugehörigkeit dieses A b s chnitts weiterhin unter Disput steht . Eine Frage, die bis in die ko l o n i s atorische Vergangenheit des 19. Jahrhunder ts zurückreicht und im Besitzanspruch der Spanier wurzelt . Europa verkauft, das davon auch rücksichtslos Gebrauch macht. Selbstverständlich nicht ohne Konsequenz für heimische Fischer, die folglich Restefischen gehen. Von Konzessionsverträgen, die einen Ausgleich schaffen sollen, haben diese Fischer noch nichts gespürt, wohl aber von der übermächtigen Konkurrenz aus Europa. Das ist so einfach, dass es die Fische selbst verstehen. Etwas komplexer ist die Lage im Hinblick auf den Wüstenabschnitt. Fragt man diesbezüglich einen Marokkaner, dann wird dieser zweifelslos darauf bestehen dass es ein Teil seines Landes ist. Die UN hingegen ist sicher, dass die Zugehörigkeit dieses Abschnitts weiterhin unter Disput steht. Eine Frage, die bis in die kolonisatorische Vergangenheit des 19. Jahrhunderts zurückreicht und im Besitzanspruch der Spanier wurzelt. Jene nannten diese Gegend »Rio de Oro«, Fluss des Goldes also, obwohl sich hier weder noch vorfindet. Seine metaphorische Bezeichnung bezieht die Gegend in seinem reichlichen Phosphatvorkommen das für die Kolonisatoren wesentlich interessanter war als Wasser. Es ist kein Geheimnis, dass Europa auch die Ausbeutung der Rohstoffe des afrikanischen Kontinents in seine Geschichtsbücher aufnehmen muss und dass dieses Kapitel noch lange nicht zu Ende geschrieben ist. Mit der marokkanischen Unabhängigkeit im Jahr 1957 gab Spanien das Gebiet ab und sowohl Marokko als auch Mauretanien erhoben einen historischen Anspruch darauf. In dieser Debatte war das wesentlich ärmere Land Mauretanien klar unterlegen. In den Folgejahren pumpte Marokko nicht nur endlos Militärtruppen in die Gegend, sondern auch immense Geldsummen in den Ausbau der Infrastruktur und lockt noch heute Bewohner mit einer Steuerbefreiung in die eher unattraktive Gegend. Das Resultat ist eine immer noch leblose Gegend, mit einer wunderbar ausgebauten Straße. Zumindest bis zum 4 km langen Niemandsland zwischen dem marokkanischen und mauretanischen Grenzposten. Wenn man diese gesetzlose Piste, die wie ein Friedhof elektronischer Geräte und Autoteile wirkt, mit einem 4×4 passiert, wird man (nicht zuletzt aufgrund des nicht gekennzeichneten Minenfeldes abseits der Route) von einem abenteuerlichen Gefühl überkommen. Dieses

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AROUND THE WORLD: WESTSAHAR A ist an der mauretanischen Grenze jedoch schnell verflogen, wenn man den Grenzbeamten, und somit einem Kampf um seinen Eigentum ausgesetzt ist. GESETZLOSE GRENZEN Es ist schwer gänzlich ohne Verluste davonzukommen, man muss dem ausgeübten Druck dennoch nur bedingt nachgeben um die Schranken passieren zu können. Die Durchsuchung, die weniger der Sicherheit im Lande als der persönlichen Bereicherung dient, ist jedoch Pflichtprogramm und ein Visa per se noch lange keine Eintrittsgarantie. Es empfiehlt sich einige Kondome als Bestechungsmittel unter den Beamten zu verteilen. Diese sind beliebt, günstiger als IPod und Kamera und tragen nicht zuletzt zur Entwicklungshilfe bei. Auch nach der Grenze folgen wieder endlose Kontrollen durch Militär und Polizei, die von immanenten Problemen in Westafrika zeugen. Insbesondere Mauretanien sieht sich in ständiger Konfrontation mit Dürren und Hungersnöten, welche die Stimmung unter dem Volk destabilisieren. Umso erstaunlicher wirken die Menschen in diesem Land bezüglich ihrer Offenheit und Gastfreundschaft. Die Angst, unter dem Umsturz des Nachbarlandes Mali zu leiden, ist allerdings spürbar vorherrschend. Auch hierzulande üben islamistische Fundamentalisten und terroristische Banden seit geraumer Zeit Druck auf die Regierung aus. Die Vermutung, die Tuareg-Rebellen könnten Gebietsanforderungen auch hier zur Tat werden lassen, ist evident und berechtigt. MALI: WENN DIE EMOTIONEN EINES MOMENTES DIE EXISTENZ EINER GANZEN NATION BEDROHEN Der schöne Teil am Reisen, der im ziellosen Treiben und dem Gefühl gründet, dass jede Entscheidung eine lebensverändernde Konsequenz haben kann, derer man sich gerne aussetzt, ist hier hinfällig. Es gilt rational zu entscheiden wo man reist. Bestimmte Gegenden sind zu meiden, andere ohnehin gesperrt. So wurden nun, mit Ausnahme Nigers, alle Grenzen zu Mali gesperrt und den dort festsitzenden Touristen und Bürgern ein Zeitfenster von 72 Stunden gewährt um das Land zu verlassen. Ein

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AROUND THE WORLD: WESTSAHAR A Flüchtlingsstrom überkam folglich die Nachbarländer, insbesondere Burkina Faso. Die Situation in Mali kam zugleich überraschend und hat sich aufgrund der Tuareg-Rebellion im Norden des Landes, bereits lange zuvor angekündigt. Der Putsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré, welcher vom Militär aufgrund mangelnder Unterstützung der Regierung gegen die Tuareg ausging und letztlich auf eine Ansprache des Innenministers folgte, löste ein Machtvakuum aus, das in der Unfähigkeit gründete, nach der Machtübernahme schnellstmöglich eine provisorische Regierung auf die Beine zu stellen. Zeitgleich bot es den Rebellen einen Angriffspunkt im Chaos. Man kann sagen, das Militär hat die richtige Entscheidung, jedoch mit zu emotionaler Hastigkeit getroffen und läuft nun Gefahr in der eigens ausgelösten Welle zu ertrinken. Nicht zuletzt da der Umsturz nur kurz vor den Präsidentschaftswahlen des 29. April stattfand. Die Putschisten konnten die selbst auferlegte Verantwortung nicht tragen. Folgerichtig wurde zwei Wochen nach dem Putsch die Macht wieder abgegeben und aufgrund des ausgeübten Drucks der westafrikanischen Nachbarländer, die Verfassung wieder in Kraft gesetzt und demokratische Neuwahlen angekündigt. UNSTIMMIGKEITEN AUF BEIDEN SEITEN In der Regel lösen sich Konflikte nicht von alleine. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass Unstimmigkeiten im individuellen Machstreben zum Geschwür unter den Rebellen heranwachsen und ihre scheinbare Übermacht eindämmen. Während die aufständischen Tuareg die Errichtung des unabhängigen Wüstenstaates Azawad mit laizistischen Intentionen verfolgen, ist das Interesse der pragmatisch-verbündeten Fundamentalisten Al-Qaida die Etablierung islamischen Rechts im ganzen Land und demnach wenig harmonisierend. Diverse Städte, unter anderem das historisch wertvolle Touristengebiet Timbuktu, wurden (scheinbar ohne großen Widerstand) eingenommen, während in der Hauptstadt Bamako das Chaos herrschte. Das Militär machte Schlagzeilen in der ganzen Welt mit Plünderungen und Warnschüssen und scheint die Kontrolle über die Situation verloren zu haben. Ersteres war jedoch in einigen Fällen gerechtfertigt und ging keinesfalls nur willkürlich von statten. Es wurden Häuser diverser Minister aufgebrochen und in einigen Fällen immense Geldsummen sichergestellt. In diesen speziellen Fällen kann man die Plünderungen

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AROUND THE WORLD: WESTSAHAR A »Tagelang keine weißen Gesichter zu sehen macht das Reisegefühl interessanter aber auch ein wenig ängstlich.« demnach als legitim betrachten. Es gilt jedoch die gesamte Situation differenziert zu betrachten und alle Seiten zu beleuchten. Eine Aufgabe, die nicht gerade leicht zu bewältigen ist, wenn man nicht persönlich vor Ort sein kann. Augenzeugenberichte der flüchtigen Einwohner divergieren in den meisten Fällen. Während einige Flüchtlinge die Situation im Land als bedrohend empfanden und das Militär als eine anarchistisch plündernde Gruppierung erlebte, die sich Autos, Wohnungen und sämtliche Besitztümer willkürlich zu Eigen macht, behaupten andere der Putsch habe sich friedlich zugetragen. In Dörfern im Süden des Landes habe man gar nichts vom Machtwechsel mitbekommen und in Bamako, der Hauptstadt des Landes, seien lediglich Warnschüsse abgefeuert worden, das Militär habe jedoch eine eher beschwichtigende Wirkung auf das aufgebrachte Volk gehabt. Es ist unmöglich hinsichtlich stetiger Veränderungen im Lande einer der vielzähligen Meinungen Glauben zu schenken. Die Ankündigung der Islamisten bis zum Ende des Monats 50 weiße Köpfe rollen zu lassen lässt wenig Raum für Spekulationen über den Ernst der Lage. Fest steht, dass in Mali nun ein Krieg herrscht, der noch lange nicht zu Ende ist und dessen Ausgang weitestgehend von der Unterstützung anderer Länder abhängt. Schließlich auch davon, dass man den Wüstenstaat Azawad, ebenso wenig wie die Verhängung der Scharia gegen den Willen des Volkes und damit islamistische Fundamentalisten niemals anerkennt um ihnen keinen Boden zu gewähren in dem sie ungehindert heranwachsen. HIER WIRD GESCHOSSEN, DORT GETANZT Afrika leidet derzeit unter seinen Wahlen. Der unsichere Status Quo, aufgrund der bevorstehenden Wahlen in den meisten Ländern, dämmt den Tourismus welcher oftmals den stärksten ökonomischen Zweig darstellt, stark ein. Man passiert Straßen und Dörfer, teilweise tage- und wochenlang, ohne andere »weiße Gesichter« zu sehen. Das macht das Reisegefühl interessanter und zugleich ein wenig beängstigend. Man kann nie voraussagen welchen Ausgang die Wahlen haben und wie das Volk darauf reagiert. So ist zu der Zeit in der ich diesen Artikel schreibe, ein Tag zuvor ein Staatsstreich im Nachbarland Guinea-Bissau ausgebrochen, für welches ich mir einige Tage zuvor ein Visa geholt habe, da die Lage als »sicher« ausgewiesen wurde. Der zweite Putschversuch in einem Monat in Westafrika.

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AROUND THE WORLD: WESTSAHAR A In diesem Fall hat das Militär, das kurz vor einem sicheren Ausgang der Wahlen Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes, den Favoriten der Neuwahlen, in seinem Zuhause festgenommen. Es ist jedoch mit Interventionen der UN zu rechnen, wie Generalsekretär Ban Ki-moon ankündigte. Bürger sprechen sich in der Hauptstadt Bissau offen gegen den Coup aus. Guinea-Bissau zählt zu den ärmsten westafrikanischen Ländern. Das Hauptexportprodukt des Landes sind Erdnüsse und die meisten Menschen leben von weniger als 2 USD am Tag. Seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1974 hat kein Präsident in dem Kleinstaat Guinea-Bissau eine volle Amtszeit überstanden. Das Nachbarland Senegal hingegen, von welchem die Situation aus sicherer Distanz betrachtet werden kann, ist um einiges friedlicher. Die Stimmung in der Zeit der Musikfestivals wie immer ausgelassen. Es gibt hier und dort zwar diverse Dörfer, in welchen man brennende Straßen vorfindet und Wade-Anhänger Unruhe stiften, das Militär ist jedoch sofort zur Stelle und beschwichtigt die Lage. So ist das in Afrika, solange das Militär mit der Handgranate in der Hand bereit steht, den Stift jedoch nicht zieht, gilt die Lage als sicher. Die Bürger sind allerdings größtenteils zufrieden mit dem neuen Präsident Macky Sall, der versprach gegen Korruption und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich im Lande zu arbeiten. Damit kann man hier punkten. Denn auch hier gibt es Polizisten die mit 80 Euro im Monat unmöglich eine Familie ernähren können und, irgendwie verständlicherweise, versuchen über einen wenig legitimen Weg ein wenig »Geld dazu zu verdienen«. Und das, obwohl Senegal sowohl zu den reicheren als auch teureren Ländern Afrikas zählt. Es ist auch eines der interessantesten und wildesten Länder. Ein buntes Land, das so unzähmbar wirkt wie die Tiere die es bewohnen. Mit seiner Hauptstadt Dakar, in welcher man von Eseln gezogene Karren neben Männern im Anzug sieht die sich zum Gebet inmitten des Getümmel auf einer Sandstrasse niederlassen. Die hiesigen traditionellen Tänze, welche von einer Animalität zeugen, die sich in mehreren kulturellen Eigenheiten widerfindet. Nicht zuletzt im Volkssport »la lutte«. Eine Art Wrestling, die jedoch eher einem Straßenkampf gleicht. Die Stimmung im Stadion gleicht einem Zoo und eskaliert zum Ende des letzten Kampfes vollends. Wenn die Massen vor dem Stadion 5 Minuten vor Ende Einlass gewährt bekommen und selbst die Polizei keinen Widerstand mehr leisten kann oder will, werden die Tore aufgeschmissen und ein anarchistischer Zustand bricht über das Stadion, dass man meinen könnte, der eigentliche Kampf steht noch bevor. Es kommt zu Massenschlägereien und jene, die versuchen in ein Taxi zu flüchten, müssen sich beeilen , um nicht vor verschlossenen Türen zu stehen und im Gemenge unterzugehen, wie in einer Welle die auf ein Riff bricht. All das ist »Mamaafrika«. Wild, gesetzlos, unvorhersehbar und derzeit inmitten eines politischen Umsturzes. Gleichsam glanzvoll und bunt wie Pfaufedern und schlichtweg auf eine verrückte Weise einzigartig schön.

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KLEINANZEIGEN

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Na m e soll der Legende nach von Ne w Yorker G Is , d i e h i e r s t a t i o nier t waren, geprägt worden sein. Un s e re Mi t a r b e i t e r i n Ma vinga Petrasch schickt uns jeden Monat Vi d e o gr üße aus Ne w York. Di e s m a l : Bu l l e t s ove r Brownsville. Filmemacher Damon Didit und Na t u r a l L a n g d o n a u s N YC treffen HANIX-Repor terin Mavinga Pet r a s c h u n d t e i l e n i hre Geschichte des Filmemachens.

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AUS DEM VIA ARCHIV PinnboArD VIA GRAFIK Unser Beitrag zur Ausstellung mit bemalten Boards vieler Gestalter von überall her: »Plastic Consumer« und »Festgeld & Zahnersatz«. leo vollAnD Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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»helping hounds«, Ausstellung in Berlin, 2008

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D I E G RU P P E EIN HAUSBESUCH VON JOHANNES LINDENLAUB Cor ti n a B o b, Ba r 1 1 , Ma d o n n a , Wild At Hear t, Morena, Weiße Taube, Travolta, Wie n e r Bl u t - a c h t Ba r s a u f 6 0 0 Metern, dazu ein Buch- und ein Plattenladen, ein Ge s c h ä f t f ü r Fa h r r ä d e r, f ü n f Spätverkäufe, ein Secondhand, 15 Imbisse und Rest a u r a n t s , e i n e Fe u e r we h r, e i ne Moschee und natürlich der Spätzle-Express. Wi l l ko m m e n i n K re u z b e rg. Willkommen in der Wiener Straße. Wi l l k o m m e n z u m Exilheilbronner-Gr uppeninter vie w.

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BERLIN CALLING: DIE GRUPPE HANIX -- Hi, Gruppe. Ich bin etwas enttäuscht - ich hatte Dich mir größer vorgestellt. GRUPPE -- Was soll das denn heißen? Ich bin doch groß! HANIX -- Ja schon. Aber Du wirkst irgendwie - naja, abwesend. StecKbrieF Abwesend? Ach so. Ich bin in der Tat etwas zerstreut. Kann mich zwar schlecht in Scheiben schneiden, aber irgendwie klappt es ja dann doch immer. Muss heute nämlich unter anderem arbeiten, habe einen Musikvideodreh, verbringe das Wochenende in der alten Heimat UND soll gleichzeitig mit Dir reden. G. -- HANIX -- Dann mal los. Also: Wie fing das an mit dir und Berlin? Mitglieder: ca. 20 Tre f f e n : 2 -3 x p ro M o n at. B e r u f u n g : H e i m a t h a f en Kinder: 4 H a u s t i e re : 3 I n t e re ss e n : S n ow b o a rd e n , Fo t ografieren, Ro l l e r f a h re n , Ka m p f s p o r t , Klettern, g e m e i n s a m Ko c h e n In Berlin seit: 1999 L i e b l i n g s t re f f p u n k t : D i e S c hwa r zwaldstuben in Berlin Mitte Ursprünglich bin ich nur zum Studieren hergekommen, habe mich dann aber dynamisch weiterentwickelt. Bin gewachsen. Zuerst nur durch Heilbronner. Dann wurde auch mal der eine oder andere Berliner - oder eine Berlinerin - mitgebracht, und das hat mir wohl ganz gut getan. Aber auch an der Stadt selbst bin ich gewachsen. G. -- HANIX -- Inwiefern? Berlin hat mir Gelassenheit und Toleranz beigebracht. Hier findet nämlich jeder seine Nische und kann so sein, wie er will. Gerade erst ist mir zum Beispiel ein Typ im Piratenkostüm entgegengekommen. Und der hat das ernst gemeint. G. -- HANIX -- Könnte Berlin auch etwas von Heilbronn lernen? G. -- Wand lesen. Das ist alles größtenteils an den Haaren herbeigezogen, damit auch der Berliner was hat, über das er sich trotz seiner großen Toleranz aufregen darf. In Heilbronn empfinde ich die Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen übrigens als wesentlich ernster. HANIX -- Was würde denn einer Gruppe typischer Berliner in Heilbronn passieren? Gar nix. Die würde ganz schnell wieder zurück nach Berlin fahren. Freiwillig. G. -- HANIX -- Wie würdest Du Dich selbst beschreiben? Hundekot mit Tütchen aufsammeln. HANIX -- Ist das eigentlich Zufall, dass du direkt neben dem Spätzle-Express wohnst? G. -- Quatsch. Ich habe jahrelang darauf gewartet, dass hier eine Wohnung frei wird. HANIX -- Ehrlich? G. -- Nein. Ich wohne ja in vielen Stadtteilen. Übrigens: Vor Als witzig und unkompliziert. Selbstbewusst. Ich bin mir selbst bewusst, dass man mit mir gut feiern kann. Da fällt mir ein - im Kühlschrank stehen noch ein paar Beck's. Auch eins? HANIX -- Gerne. G. -- Prost! Von Freunden höre ich oft: Wenn DU auf die Party kommst, komme ich auch. Ja, in aller Bescheidenheit: man kann mit mir rauschende Feste feiern. G. -- HANIX -- Du bist eine große und vor allem sehr stabile Gruppe. Was ist dein Erfolgsgeheimnis? G. -- ein paar Wochen erst hatte der Spätzle-Express zwei riesige Löcher in der Fensterscheibe. HANIX -- Der Schwabenhass. Wie verhält man sich denn als Gruppe Schwaben in Berlin? GG. -- Unauffällig. Akzent verbergen. Nee, jetzt mal im Ernst. Das Thema Schwabenhass ist durch. Für mich war das eine selbsterfüllende Prophezeiung, in der die Schwaben nur ein Platzhalter sind. Morgen treiben die Medien die nächste Sau durchs Dorf. Die schwangere Latte-Macchiato-Mutter. Den Bionade-Biedermaier. Gerade sind's die Touris. "Touristen fisten", musste ich neulich an einer Das hat nichts mit Geheimnissen zu tun. Es sind zwei ganz einfache Fakten: Alle wissen, dass man sich hundertprozentig auf mich verlassen kann. Ich bin da für meine Freunde. Und niemand muss sich bei mir verstellen. Wo ich bin, da ist Zuhause. HANIX -- Gibt es etwas in Heilbronn, das dir nie aufgefallen ist, solange du noch dort wohntest? Mir ist aufgefallen, wie dunkel es nachts ist. Dunkel und still. Man sieht die Sterne. G. --

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L E SERBRIEFE Ich habe heute erstmals in eurem Magazin geblättert und muss sagen: Außergewöhnlich! Großes Lob an euch. Einzig die Rückkehr von der Fotogalerie solltet ihr noch etwas eleganter gestalten. Artur Krüger, v i A FAc e b o o K Liebes HANIX-Team, die neue Ausgabe ist wirklich super geworden! Viele interessante Aspekte und spannende Themen...und dank dem KEOSK-Reader kann man "euch" überall hin mitnehmen ;-); SAbrinA Sch, v i A FAc e b o o K Liebe HANIX-Redaktion, eine tolle Ausgabe ist euch für den April gelungen. Sehr informativ fand ich den Teil mit den ausländischen Feiertagen. Sicher erhebt ihr bei dieser Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dennoch: schön, dass ihr die wunderbare Idee des Stadt- und Kreisjugendrings, einen interkulturellen Kalender zu produzieren, aufgegriffen habt. Ich hoffe, dass es 2013 wieder einen interkulturellen Kalender geben wird. SiMone beiSterle, necKArSulM Sehr frisch! Da werd ich mal dranbleiben..., MArtin ruMbolz, v i A FAc e b o o K Liebe Leute, ich wollte mal ganz grundsätzlich eure Cover-Sounds lobend erwähnen. Jedesmal geiler Scheiß! Bin schon auf die nächste Ausgabe und ihren Sound gespannt. oliver Müller, heilbronn Gut geworden die Ausgabe. Schon wieder! lutz hAuFe, v i A FAc e b o o K

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IMP R E S S U M Verlag und Redaktion 74ELF Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Salzstraße 27 74076 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Rafaela Jeckle, Parthena Iakovidou, Johannes Lindenlaub, Maria Sanders, Sascha Wartha, Mia Mia, Leila Kühle, Detlef Dreßlein, Joerg Martin Hartmann, Patrick Ortwein, Wolfgang Fischer, Klemens Schaika, Leo Volland, Peter Wanner (Stadtarchiv Heilbronn) E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka (Leitung), Robert Beutelsbacher, Sarah Fischer, Matthias Bitsch, Mavinga Petrasch (New York), Stefan Dittrich, Lisa Maria Klotz, Ben Sommerfeld, Nicolai Köppel, Steven Zuleger Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Lisa Hofmann, Florian Geiger, René Tackenberg, Kathrin Leisterer, Via Grafik Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) PR & Netzwerk Philipp Kionka (KK Media / www.kk-media.de), Florian Hettenbach Technischer Ansprechpartner: info@kk-media.de Vermarktung & Sales HETTENBACH GMBH & CO KG WERBEAGENTUR GWA Werderstraße 134 74074 Heilbronn: Jessica Zippan Telefon: 07131 - 79 30 121 Fax: 07131 - 79 30 229 Mail: zippan@hettenbach.de www.hettenbach.de www.hanix-mediadaten.de Verlagskoordination & Administration Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Zu den wenigen historischen Gebäuden im heutigen Stadtbild gehört das Fleisch-, Gerichts- und Hochzeitshaus am früheren »Krammarkt« beim Brückentor. Es wurde 1598/1600 von Baumeister Hans Stefan erbaut, der seit 1580 Bürger zu Heilbronn war. Das Haus war multifunktional angelegt: Im Erdgeschoss boten die Metzger auf Fleischbänken ihre Produkte an. Sie betrieben ihr Handwerk seit Jahrhunderten bevorzugt in der damals direkt auf das Fleischhaus zuführenden Metzgergasse (1477 hatten hier 10 Metzger ihr Geschäft). Im ersten Obergeschoss hatte das reichsstädtische Gericht seinen Sitzungssaal - das erklärt die repräsentative Gestaltung des Gebäudes. Seit 1655 mussten zudem aus feuerpolizeilichen Überlegungen alle Hochzeiten in dem Steinhaus abgehalten werden - das erklärt den Namen Hochzeitshaus. Die Funktion als Fleisch- und Schlachthaus hatte das Gebäude bis 1880, danach diente es vorübergehend der städtischen Botenmeisterei, bis es 1905 zum Historischen Museum wurde. Museum blieb es auch nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, zuletzt für Naturgeschichte. Aktuell ist dort noch bis 3. Juni 2012 die Ausstellung  "Heilbronner Schauplätze" zu sehen, dann wird wieder umgebaut. Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Geschichte der Stadt gibt es auf www.stadtarchiv-heilbronn.de und im neuen Haus der Stadtgeschichte, das am 28. Juli 2012 eröffnet wird.  

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"Das alte Schlachthaus in Heilbronn"; um 1870

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V E R A N S TA LT U N G E N IM MAI bis 1. Juli Kunsthalle Vogelmann: Aufbruch Realismus. Die neue Wirklichkeit im Bild nach '68 Die neue Wirklichkeit im Bild nach '68. Unterschiedliche Strömungen und Ereignisse, wie Pop-Art in den USA, Wiederentdeckung von Neuer Sachlichkeit und Surrealismus sowie die zunehmende Politisierung der Gesellschaft und Studentenrevolte in Berlin, trugen dazu bei, dass die 70iger Jahre dem Thema »Wirklichkeit« eine neue Perspektive eröffnet haben. In der Heilbronner Ausstellung, die in beiden Häusern der Städtischen Museen Heilbronn (Kunsthalle Vogelmann und Museum im Deutschhof ) gezeigt wird, werden erstmals die verschiedenen Formen und Facetten des Realismus jener Zeit beleuchtet. Neben internationalen Positionen von Howard Kanovitz, Robert Cottingham, Lowell Nesbitt und Domenico Gnoli, werden in dieser umfangreichen retrospektiven Schau auch Künstler aus der Bundesrepublik Deutschland vertreten sein. Wie zum Beispiel Gerhard Richter, Jan Peter Tripp, Jürgen Waller, Harald Duwe, Johannes Grützke, HansPeter Reuter, Peter Nagel, Ben Willikens, Konrad Klapheck und Lampert Maria Wintersberger. aus dem sie in den Westen flohen, als die Zwillinge noch Kinder waren. Sie erfährt, dass ihre Mutter Nawal im Alter von 14 Jahren ein Baby bekommen hat. Es war ein Junge, der ihr sofort nach der Geburt weggenommen wurde. Die Spurensuche gerät zum kriminalistischen Puzzlespiel. »Keinemusik - Labelnight«, Neckarlust, Heilbronn Theater Heilbronn (Großes Haus): Premiere Verbrennungen (Schauspiel von Wajdi Mouawad) Nachdem sie sechs Jahre in völligem Schweigen verbracht hat, stirbt Nawal im Alter von 60 Jahren. Ihren Kindern, Jeanne und Simon, Zwillinge von 22 Jahren, hinterlässt sie ein eigenartiges Testament. Jeanne soll ihren Vater finden, von dem sie dachte, dass er längst gestorben sei. Simon soll sich auf die Suche nach seinem Bruder machen, von dessen Existenz er noch nie etwas gehört hat. Simon ist wütend. Jeanne ist erschüttert. Aber sie will das Vermächtnis erfüllen. Und sie begibt sich in das von Bürgerkriegen zerrüttete Heimatland der Mutter, das auch ihr Geburtsland ist und Keinemusik ist kein Plattenlabel wie du es kennst. Wenn hier eine Platte erscheint, dann wird sie eigenhändig verpackt, künstlerisch veredelt, gestempelt und noch einmal zärtlich in den Arm genommen, bevor sie in den Läden und auf den Turntables landet. Die Frage ist doch: Warum sollte man jemand anders die Drecksarbeit machen lassen, wenn man es selber genauso schlecht hinbekommt? Oder vielleicht sogar ein bisschen besser? Keinemusik ist ein DIYBetrieb. Nicht, weil das so interessant aussieht oder weil man sich auf dem Nostalgievorsprung so gut sonnen kann, sondern weil es sich so am besten anfühlt. Keinemusik ist ein Label-, Booking- und Partynetzwerk. Alles was passiert, steht pünktlich und sogar zweisprachig auf Keinemusik. com. Keinemusik ist vor allem aber die Idee hinter einem Kollektiv. Es sind Typen, die eher zusammen ein Barbeque schmeißen würden, als Businesspläne zu diskutieren. Einige davon bringen die Eleganz und den Sexappeal zurück ins Deep- und Techhouse-Geschäft. Wieder andere mischen zu Unterhaltungszwecken Schallplatten ineinander, manche sind multimediale Alleskönner, wieder andere treiben sich in Redaktionen herum oder produzieren Kunstwerke mit abartiger Wertsteigerung. Wenn es so etwas wie ein Credo gibt, dann gilt: Du musst nicht überernst sein, um ernst genommen zu werden. Herzlich willkommen auf der Party, Brüder und Schwestern. Einlass ab 23 Uhr. Wer bis 1 Uhr kommt, zahlt 2 Euro weniger.

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VER ANSTALTUNGEN: MAI 2012 Cocoon Recordings erschien, und die den GänsehautTrack »Little Eternity« enthielt, den Sven Väth in seine Mix-CD »Sound of the Fourth Season« aufnahm. 2004 gab Ingo dann seinen Einstand im Cocoonclub an der Seite von Sven, daraus resultierte der »micromized«-Abend, den er zusammen mit Chris Tietjen hostete. 2006 produzierte er zusammen mit REBOOT den erfolgreichen Remix des Technoklassikers »Quo Vadis« von G-Man. Seit 2009 ist Ingo im Roster des Cocoon-Bookings, und im November 2010 erschien das erste Album des umtriebigen Musikers: »3.625 Tage«. 2011 startet er sein eigenes Label EUREKA Frankfurt und 2012 geht er, mit Unterstützung von Fred Moody und Mux, endlich im Bukowski an den Start! Trotz Top-Act gilt: Free Entry bis 01.30 Uhr! Festival »Tanz! Heilbronn«, Theater Heilbronn Das Festival »Tanz! Heilbronn« präsentiert immer im Mai für eine Woche die Highlights des internationalen Tanztheaters auf den Bühnen des Heilbronner Stadttheaters. Vom 9. bis zum 13. Mai 2012 lädt das Theater Heilbronn zum vierten Mal zum Festival »Tanz! Heilbronn« ein. Thema ist diesmal »Der Aufrechte Gang« und zwar sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Nach diesem Motto hat Festivalkuratorin Karin Kirchhoff europäische und außereuropäische Tanz-Highlights eingeladen. Eröffnet wird das Festival am 9. Mai um 19.30 Uhr im großen Haus mit einem rauschhaften Lauf durch die Evolution der Menschheit: »Sideways rain« ist eine Arbeit des brasilianischen Choreografen Guilherme Botelho und seiner Schweizer Compagnie Alias. Weitere Infos gibt's unter www.theater-heilbronn.de. Hip Hop, »Invictus-Tour« mit FARD, Mobilat, Heilbronn »Ingo Boss: Same mind-Tour", Bukowski, Heilbronn Endlich verkündet das Buko stolz: »Wir haben Ingo in Heilbronn!« Mit Veröffentlichungen auf Cocoon, nach zahlreichen Gigs im Cocoonclub, gibt Ingo Boss seine Premiere in Heilbronn! Sein Durchbruch als Produzent hatte Herr Boss mit der »Transistor EPT«, die 2003 auf Der gebürtige Iraner bringt perfekt aufs Papier, was im Kopf sehr vieler Mitbürger vorgeht, die einen Migrationshintergrund haben. Eine desaströse Integrationspolitik führte letztendlich zu einem neben uns her lebenden Kulturkreis, welcher MittelklasseBürgersöhnen und -töchtern oftmals fremd erscheint. FARD erzählt in seinen Texten davon, prangert an, analysiert und träumt von anderen Bedingungen. Hip Hop kommt hier einer seiner wichtigen Aufgaben nach: Sprachrohr einer Generation, mit Rap als Vehikel um sich bemerkbar zu machen. Um seinesgleichen aber eben auch »die Anderen« anzusprechen. FARD gelingt dies mit meisterlichem Flow und klaren Worten! Klar spielt auch hier Bling Bling eine Rolle, ist ja Rap Musik. Ja, auch Gangster Attitüde. Dafür authentisch, real, energetisch. Dazu kommt, dass FARD auch noch großen Erfolg feiert: Über 360.000 »Likes« bei

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VER ANSTALTUNGEN: MAI 2012 Facebook hat, und zig Millionen YouTube-Klicks, sowie mit seinem letzten Album »Invictus« Platz 11 der deutschen Albumcharts belegte. Einlass ab 21.30 Uhr, Eintritt 14 Euro VVK, 17 Euro AK oder doch lieber Spaghetti mit Rote Beete? Er erzählt von ebenso liebenswerten wie skurrilen Erlebnissen mit seinem Patenonkel Luigi, vom Aufwachsen in Deutschland, von seinem Lieblingssport Fußball und natürlich vom täglichen Chaos in der eigenen Familie. Eine aberwitzige Reise durch zwei Kulturen, die doch viel mehr gemeinsam haben, als man denkt.  Beginn um 20 Uhr, Eintritt 22,50 Euro Improtheater »Ohne Gewähr«, Ebene 3 im Kulturforum K3, Heilbronn Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: Wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne jegliche Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um. Daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten, Märchen oder sogar ganze Romane erwachsen. Los geht's um 20 Uhr. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. »Buss it again Pow Pow - Buss di Dance«, Mobilat, Heilbronn 16. Mai Reggae / Dancehall Floor: Pow Pow Movement (Cologne) Yardstyle Sound (Heilbronn). Drum n Bass / Dubstep Floor: Julez, Rollin G, Jano P & MC Maso ( me2you Crew ) Ashley Aames (Sleepwalker). It's a Family thing again. Pow Pow and Yardstyle a Buss di DANCE!!! Einlass ab 21.30 Uhr, Eintritt 6 Euro »FUKKK OFFF«, Mobilat, Heilbronn »Italiener weinen nicht!«, Altes Theater, Heilbronn-Sontheim Italiener weinen nicht! ... außer bei Geburtstagen, Hochzeiten und beim Fußball! In seinem neuen Soloprogramm begibt sich Capitoni auf die Suche nach seinen Wurzeln und letztlich nach sich selbst. Dabei muss er feststellen, dass sich selbst ein gestandener Halbitaliener mit zunehmendem Alter immer häufiger fragt: Wer bin ich? Ein Italiener gefangen im deutschen Körper? Berlusconi oder Beck? Spätzle al dente Konstante Topplatzierungen in den weltweiten elektronischen Downloadcharts und der stetig wachsende Respekt unter Produzenten und seinen Fans, lässt die Verbindung zwischen dem aggressiven Künstlernamen und dem Mr. Nice Guy der elektronischen Musik nicht offensichtlich werden. Bis man die Musik gehört hat! Durch unzählige veröffentlichte Tracks in den letzten fünf Jahren, wird es keinen einzigen Club von Toulouse bis Tanzania geben, der nicht den Geschmack von Bastian Heerhorst's aka »FUKKK OFFF in your face«-Basslines gekommen ist, und jede verdammte Minute geliebt hat. Seit drei Jahren non-stop auf Tour, hat es ihn nicht daran gehindert eigene Releases und Remixe zu produzieren, und einen Hit nach dem anderen bei weltweit renommierten Labels heraus zu bringen. Bei seinem NY'er Stammlabel COCO MACHETE, bei Frankreichs elektronischem Label CITIZEN, bis hin zu den Global Players bei UNIVERSAL MUSIC, ist der Bedarf nach seinen einzigartigen Interpretationen und an

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seinen energetischen Shows stetig wachsen. Ein zweites Album in Arbeit lassen keinerlei Ermüdungserscheinungen bei dem Weltbürger aus Hamburg auftreten. Warum auch? Wenn man beständig etwas neues, frisches dem in die Jahre gekommenen und klischeebesetzten elektronischem Universum hinzufügen kann. FUKKK OFFF Elektro/ Bass/ Rave-Floor The Kidz Make Noiz aka Brad Pitch & Joe Dirt [Heilbronn] Dubstep/ Drum 'n' Bass/ UK Bass-Floor DUBWARS Soundsystem aka Ridick & Redrum [Heilbronn | Stuttgart] Einlass um 21.30 Uhr, Eintritt 8 Euro Komödie »Liebe, verhasste Mama«, Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »Neckarfest«, Heilbronner Innenstadt Zeitgleich zum Landesturnfest veranstaltet Heilbronn auch ein Neckarfest! Musikalische und natürlich turnerische Darbietungen werden auf insgesamt vier Bühnen entlang des Neckars, unter anderem auf einer schwimmenden Bühne bei der Götzenturmbrücke, auf der Insel-Bühne bei der Friedrich-Ebert-Brücke, beim Hagenbucher und auf der neuen Neckarbühne beim Soleo in der Unteren Neckarstraße geboten. Neben zahlreichen Beiträgen des Turnerbundes - auch in der Innenstadt und den Stadtteilen - werden in den Abendstunden Pop-, Rock-, und volkstümliche Formationen für tolle Stimmung sorgen. Unter anderem gibt es am Donnerstagabend eine Abba Tribute Show zu sehen, am Freitag tritt die SWR 1 Band auf und am Samstag kommen die 80er Jahre Fans mit »Markus« und »Geier Sturzflug« voll auf ihre Kosten.  Neckarfest-typisch findet am Sonntag, 20. Mai der große Festumzug auf dem Wasser statt. Unter anderem zeigen Turner auf insgesamt acht Flößen ihre Übungen zwischen Rosenberg- und Friedrich-Ebert-Brücke. Natürlich werden diese wie bei vergangenen Neckarfesten von anderen schwimmenden Untersätzen jeglicher Art begleitet; nur den Wettbewerb »Wer ist Kapitän des originellsten Neckardampfers?« gibt es in 2012 nicht. Rund 40 Imbiss- und Getränkestände bieten entlang des Neckars kulinarische Genüsse an. Die Palette reicht von klassisch Deftigem über sportlich-leichtes bis hin zu kulinarischen Schmankerln. Zahlreiche Spezialitäten, Getränke und Süßwaren runden das Angebot ab.  Sheldon Levine hat sich von seiner Mutter losgesagt, weil er ihr die Schuld am Scheitern seiner Ehe gibt, und ist nach Kalifornien verschwunden. Doch vor der Mutterliebe gibt es kein Entrinnen: Hartnäckig verfolgt die Witwe ihren Sohn mit Briefen, bis ihre Korrespondenz zu einem Dialog der Abrechnung wird. Doch als Sheldon wochenlang nichts mehr von seiner Mutter hört, beginnt er sich Sorgen zu machen. Dass sie ihn endlich loslassen und ihren Guru heiraten will, ist wiederum ihm nicht geheuer. Sheldon droht heimzukommen, das Spiel beginnt neu mit getauschten Rollen. Mrs. Sheldon wandelt sich von der braven Hausfrau zur Köchin im tibetanischen Kloster, bis sie schließlich ihre eigene TV-Show hat und ihr Tanzlehrer bei ihr einzieht - nur Sheldon, kommt nicht voran, bis er nach einem Nervenzusammenbruch endlich seine wahre Berufung findet und Psychotherapeut wird. Zuletzt liegt Mrs. Levine bei ihrem Sohn auf der Couch. »Liebe verhasste Mama« ist eine herrlich überdrehte Mutter-Sohn-Groteske. Sehr amerikanisch, sehr bissig und vor allem sehr komisch! Schauspieler: Cornelia Bielefeldt, Philippe Kemmer, Regie: Nicolas Kemmer. Los geht's um 20.45 Uhr, Eintritt 15 Euro »HD meets HN«, Mobilat, Heilbronn »Back on the Planet« ein Track als Liebeserklärung an das würdige, niemals altern wollende Chicago Deep House Genre. In diesem Sinne hat unser alter Heidelberger Rotkäppchen Haudegen Oliver Twist seinen Kumpel Dionne aus dem Hause Smallville als DJ Partner am Start. Zusammen mit dem Heilbronner Vinyl addictet Duo Michael Mutterkorn & Candy Pollard servieren euch die Helden einen Clubabend voller Spirit und jeder Menge Herz. Musik verbindet. Oliver Twist / HD Dionne / HH - Smallville Michael Mutterkorn / HN - Who The Fuck Candy Pollard / HN - Who The Fuck Einlass ab 21.30 Uhr, Kulturbeitrag 5 Euro

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VER ANSTALTUNGEN: MAI 2012 19. Mai 26. Mai »Markt des guten Geschmacks«, Botanischer Obstgarten, Heilbronn »HERON @ HEILBRONN«, Bukowski, Heilbronn Entdecken Sie geruhsam und voller Genuss die geschmackliche Vielfalt lokaler Produkte und Gerichte.  Weitere Infos gibt's unter www.hagenkaffee.de. Ganztags von 11 bis 22 Uhr, Kübelstraße 7 (Eingang Ecke Erlenbacher Straße/ Im Breitenloch) Konzert »Guitar Gangsters«, Mobilat, Heilbronn Die Londoner Guitar Gangsters sind inspiriert von Bands der ersten UK Punk Welle, wie The Clash, The Boys, Generation X, und The Jam. Zusammen mit der Energie und Attitüde von US Bands wie My Chemical Romance und Social Distortion ergibt das die Band in der du immer sein wolltest! Bei einer Gangsters-Show wirst du keine abgedroschenen politischen Parolen hören. Was dich erwartet, sind in zwei Minuten Power-Punk Krachern verpackte Querschnitte aus dem Urban-Life, Stories über Bad Attitude, Sex, Ambitionen, Erfolg und Mißerfolg. Guitar Gangsters werden nicht deine Welt verändern. Das überlassen sie den politischen Bands. Wenn du aber Guitar Gangsters live erlebt hast, wirst du das Gefühl mitnehmen, selbst die Welt verändern zu können! In ihrer 22jährigen Bandgeschichte haben Guitar Gangsters sieben Studioalben, zwei Live-Alben und drei Singles veröffentlicht. Sie haben in 18 Ländern live gespielt, u.a. in den USA, Brasilien und auf Malta! Sie waren zusammen mit Stiff Little Fingers auf England Tour und in Europa mit The Lurkers, 999 und zuletzt mit TV Smith unterwegs. Guitar Gangsters waren auf fast allen Punk-Festivals in Europa vertreten und spielen weiterhin mit der Eindringlichkeit und Attitüde, die sie 1987 dazu getrieben haben, ihre Gitarren umzuhängen. Sie spielen immer noch so, als müssten sie damit ihren eigenen Arsch retten. Zumindest die Zukunft des Rock'n'Roll, so wie wir sie kennen! Einlass um 20.30 Uhr, Beginn 21 Uhr, Eintritt 5 Euro Mit Heron aus Münster ist heute ein langgehegter Wunschkandidat zu Gast. Der DJ, Producer und Labelowner von Limikola, der nebenbei - ja, Ihr hört richtig, Landschaftsökologie studiert - hat sich ab Mitte 2007 mit den sehr erfolgreichen Schaltkreis-Partys einen Namen gemacht. Danach ging alles ziemlich schnell. Erste eigene Radiosendung, und dann, 2008 der Ritterschlag: Richie Hawtin spielt auf der Time Warp alle drei Tracks von Herons Retro EP. Keine Frage, dass die danach wegging, wie warme Semmeln! Außerdem verpassen Euch Ridick von der Dubwars Crew und Buko-Homie Fred Moody in dieser Nacht heiße Ohren. Und das Tollste an einer Nacht Ende Mai ist doch: Wer spät abends leichtfertig ins Bukowski geht, kann am nächsten Tag leicht fertig im Freibad ausschlafen. Und zwar nahtlos, ohne zwischendrin nach Hause zu müssen! »Betonbruch-Festival«, Mobilat, Heilbronn Bereits zum 18. Mal veranstaltet der Betonbruch-Verein sein szeneübergreifendes Festival mit vielen Bands, Liedermachern, einer Ausstellung und Lesung. Wir freuen uns auf ONEINCHMAN (Stoner Rock/70er Rock),BLUE VEIINS (Alternative/Indie), MY HUMBLE SELF (Alternative Rock), LINCHPIN (Trash/Industrial Metal), ACROMONIA (Melodic Death Metal), SCREAMING LUNCHBOX (Alternative/ Indie), ALBERT SCHNAUZER (Liedermacherrocker mit Band), DOCTORONGA (Lewd belly Rock), SALVO GALIANO (Acoustic/Pop Punk), NILS SMOLO (Acoustic/ Blues), GERNOT (Rock`n`Blues), ROSARIO TETTO (Straßenmusik), JUSTIN STREICHER (Rock/Pop) und dieses Jahr im Complex 23/PlemPlem. OFFENE BETOBRUCH LESUNG u.a. mit EMPIRICAL I, Dirk Werner und Michael Bomeier AUSSTELLUNG mit WEINSBERGER KREUZ u.a. Sascha Simm und Benny Pfleghaar Ihr könnt Euch gerne noch für die Lesung und Ausstellung anmelden: krankekunst@gmx.netEinlass ab 20 Uhr, Eintritt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro

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D I E N Ä C H ST E AU SGA B E H A N I X E R SC H E I N T A M 31. MAI