Flash Download 3D-Zeitschrift benötigt das Flash 10.1 Plugin von Adobe.
Download von adobe.com

Bitte Stellen Sie sicher dass Javascript
in Ihrem Browser aktiviert und erlaubt ist.


Content:
1
Nº1 6 MÄRZ 2013 IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: »YEN« STEHEN VOR DEM NATIONALEN DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT H AN DA RBEI T AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF 15 MONATE WELTREISE ZURÜCK

2
Nº4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 OKT 201 1 DEZ 2011 / JAN 2 01 2 Nº 1 SEP 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR t e i lt , e i l t , Nº3 NOV 20 11 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, BILDUNG E N ERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E IT ARM UT Nº1 Nº 5 FEB 2012 Nº2 Nº 6 MRZ 2012 Nº3 Nº7 APR 2012 Nº4 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. Nº8 MAI 2012 EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD REBELLION Ausl än ä KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº5 Nº 9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº6 Nº10 AUG 2012 Nº7 Nº11 SEP 2012 Nº8 N º1 2 OKT 2012 HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER ESSEN & T RIN KEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SCHA F F E , SCHA F F E HÄ US L E BAUE ! Nº9 Nº13 NOV 2012 Nº10 N º 14 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº11 Nº15 FEB 2013 Nº12 IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S „ F O R E V E R YO U N G “ A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT W IRTSC HAF T PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB JU G E N D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº13 Nº14 Nº15

3
E D I TO R I A L »Ist dIe technIk noch so weIt, handarbeIt bleIbt handarbeIt.« Liebe Leserinnen, liebe Leser, seit ein paar Jahren, hat man den Eindruck, gibt es den ganz neuen Trend, Dinge selber, mit der Hand, zu tun. Ob es Schmuck ist, der selbst gebastelt wird, Socken, die gestrickt werden oder das Wohnzimmerregal, das selbst geschreinert wird. Do-it-yourself heisst dieser Trend neudeutsch. Und weil wir up-to-date sind, widmen wir uns in dieser HANIX-Ausgabe dem Themenschwerpunkt »Handarbeit«. Hierfür zeigen wir, wie man ordentliche Papierschiffchen bastelt, die auch tatsächlich schwimmen können. Unsere Reporterin Maria Sanders hat Steffen Würtz in Brackenheim besucht. Der Sattler-Meister stellt allerlei aus Leder her. Vom Pferdesattel bis zur schicken Damenhandtasche. Jungmutter Yasemin Lee näht süße Quietsche-Monster. Wir haben sie in Leingarten besucht, um zu erfahren wie sie dazu kam, nicht nur ihre eigenen Klamotten umzunähen, ein Handwerk, das ihr ihre Oma beigebracht hat, sondern nun auch für Babys Kuschelmonster, Krabbeldecken und vieles mehr herzustellen. Autor Nicolai Köppel schreibt über die Pornosammlung seines Vaters, und wie er dadurch als Jugendlicher seine damalige Freundin »Manuella«, sie »verstehen«, kennen und schätzen gelernt hat. Im Interview stand uns der Geschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Ralf Schnörr, Rede und Antwort. Mit ihm haben wir unter anderem über das Imageproblem des Handwerks und über Schwarzarbeit geplaudert. Auf dem Neckarsulmer Flohmarkt haben wir alte Handarbeit-Magazine aus den 50er Jahren gekauft und entdeckt. Der DIY-Trend ist sehr viel älter als uns es neumodische Magazine weiß machen wollen. In seinem 8. Jahr jagt HEC-Kapitän Luigi Calce nun für Heilbronn dem Eishockey-Puck hinterher. Wir trafen den Italo-Kanadier zum Interview des Monats. Dabei verriet er uns, dass er selber noch nicht weiß, ob er nach dieser Saison seine aktive Karriere beendet und dass er sich durchaus vorstellen könnte, eines Tages Nachfolger von Falken-Manager Ernst Rupp zu werden. Der Brief an die Heimat erreicht uns diesmal direkt aus dem Paradies, nämlich aus Hawaii, wo Katharina Strack-Becker Touristen massiert und über die Insel führt. Sie hat ihre Seelenheimat gefunden. Heilbronn sei »nur« ihre Herkunftsheimat, wie sie uns geschrieben hat. Der HANIX-Mann für den guten Ton, Toningenieur Philipp Seitz, öffnete diesmal seine Plattenkiste für uns und hat uns seine Lieblingsplatten vorgestellt. Allesamt aus der elektronischen Ecke. Inzwischen steht er aber auch immer mehr auf handgemachte Musik, wie er uns verraten hat. Diese Geschichten und viele mehr gibt es in dieser Ausgabe zum Nachlesen, Hören und Sehen. Viel Spaß dabei wünschen euch die Handwerker vom HANIX-Team! Heilbronner Eishockeylegende: Luigi Calce ist Kapitän und Publikumsliebling von den Heilbronner Falken. Der 39-jährige sprach mit uns über viele Umzüge und Manager Ernst Rupp. DIY in den 50er Jahren: Wir haben auf dem Neckarsulmer Flohmarkt alte Handarbeit-Magazine mit dem schönen Magazin-Titel »Die schöne Handarbeit« entdeckt und eingescannt. Unsere große Bildstrecke besteht diesmal aus wunderbaren Faksimiles.

4
BEDIENUNG DES MAGAZINS Nº 16 MÄRZ 2013 IM GE SPR ÄC H: HE C-K AP ITÄ N LUI GI CA LCE ÜB ER SEI NE DE UTS CH LAN D-TOU R, ERN ST RU PP UN D VER LETZU NG EN MU SIK KO FFE R: YE N STE HE N VO R DE M DU RC HB RU CH - EIN BA ND -PO RTR AIT H A N D A R B E IT AROU ND TH E WO RLD : K ORTW EIN DE R HE ILB RO NN ER PAT RIC R WE LTR EIS E ZU RÜ CK BLI CKT AU F ÜB ER EIN JAH

5
Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

6
I N H A LT HANIX Nº16 16 PHILIPP S EI T Z MEINE PLATTENKISTE 34 YE N MUSIKKOFFER 48 D Ä N I S CHE WE S T E RN KÖPPELS KURZGESCHICHTEN Toningenieur Philipp Seitz hört viele Musikrichtungen gerne. Geprägt wurde er allerdings von elektronischer Musik. Bei YEN geht es um mehr. Die vier Musiker aus Heidelberg, Dallau und Heilbronn verschenken Glück und laden alle dazu ein. Wie unser Autor Nicolai Köppel einmal die Pornosammlung seines Vaters fand und sich freute. L AU S B U B TAT TOO MACHER IM UNTERLAND 40 O L A F M E T ZE L KUNSTREGION 54 I M G E S P RÄCH: LU I G I C A LCE INTERVIEW DES MONATS »Emrah de Lausbub« ist TattooKünstler und Inhaber von Lausbub Tattoo. Wir haben ihn in seinem Studio in der Heilbronner Salzstraße mit unserem Filmteam besucht und ihm beim Stechen zugesehen. Olaf Metzel zeigt in einer breit gefächerten Auswahl in den sechs Sälen des Kunstvereins Heilbronn und der Kunsthalle Vogelmann seine neueste Werkgruppe mit Wandarbeiten, für die er Zeitungsmotive auf große Aluminiumplatten drucken lässt. . Italo-Kanadier Luigi Calce ist schon lange heimisch geworden in Heilbronn. Wir sprachen mit dem Kapitän der Heilbronner Falken über das Eishockey-Geschäft, Verletzungen und lange Busreisen.

7
60 HANDARBEIT TITELTHEMA 12 & 14 D E U TS C H L A N D S T I PE N D I U M & MY HUMBLE SELF STADTLEBEN / LANDLEBEN Holen sie sich bunte Rollen, Nadel auch und stricken Wolle. Viele Hefte man studiert, manches Muster ausprobiert. Schwierig ist es zu entscheiden, wen soll man mit was bekleiden. Mit viel Eifer werden Maschen dann zu Jacken, Mützen, Taschen. MANCHMAL DER »DITTRICH«-SONG ZUM THEMA HANDARBEIT E S R AU C H T G A N Z S C H Ö N HEIMATLIEBE W U R S T B R AT E R E I S I L Z E R MITTAGSTISCHTEST G EW I N N M A L W I E D E R ! 1 00 KATH A R I N A STRACK- BEC KER BRIEF AN DIE HEIMAT AUS HAWAII QUIZ MAINZ, 2007 VIA ARCHIV Katharina Strack-Becker ist von Heilbronn nach Hawaii ausgewandert und hat auf der paradiesischen Insel im Pazifik ihre Seelenheimat gefunden. LESERBRIEFE / IMPRESSUM LESER UND MITARBEITER 1 02 RÜ CK BL I C K AROUND THE WORLD RU T E N B I N D E N 1 9 5 0 E R J A H R E HISTORISCHER SCHUSS Patrick Ortwein ist nun seit über einem Jahr unterwegs in der Welt. Er blickt zurück auf die vergangenen 15 Monate seiner Reise. V E R A N S TA LT U N G E N M Ä R Z VERANSTALTUNGSKALENDER

8
DAS HANIX TEAM W ER UND W I ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 34 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION & SOCIAL MEDIA 38 JAHRE Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

9
JESSICA ZIPPAN VERMARKTUNG/ANZEIGENVERKAUF 23 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 28 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Der Vogel kämpft sich aus dem Ei und wir sind mit dabei! Die Werbeagentur Hettenbach freut sich auf die Zusammenarbeit. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE 26 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION 35 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 24 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

10
RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 39 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 35 JAHRE LISA HOFMANN GRAFIK 21 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. IN STILLER ERINNERUNG SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 21 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 64 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 38 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. * 14. Dezember 1949 † 25. Januar 2013 Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

11
SASCHA WARTHA REDAKTION 37 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 30 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 42 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 30 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 46 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 56 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

12
STADTL EBEN: MÄR Z 2013 ZAHL DER DEUTSCHLANDS T I P E N D I E N H AT S I C H V E R D O P P E LT Die Zahl der Deutschlandstipendien hat sich 2012 verdoppelt: 10.977 Stipendien haben die Hochschulen in diesem Jahr vergeben, 2011 waren es 5.375. Damit ist gut anderthalb Jahre nach seiner Einführung bereits rund jedes vierte öffentlich geförderte Stipendium für Studierende ein Deutschlandstipendium. »Die Zahlen zeigen: Das Deutschlandstipendium hat sich an den Hochschulen etabliert«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium Helge Braun bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin. Das Deutschlandstipendium beträgt 300 Euro im Monat. Es wird, unabhängig vom Einkommen der Eltern, an besonders begabte, leistungsfähige und engagierte Studierende vergeben. Die Hälfte des Stipendiums werben die Hochschulen bei privaten Förderern ein, meist sind dies Unternehmen aus der Region. Die andere Hälf12 te gibt das Bundesbildungsministerium dazu. Auf diese Weise wurden bereits rund 30 Millionen Euro an privaten Mitteln mobilisiert. Auch die Hochschule Heilbronn ist seit Programmbeginn, dem Wintersemester 2011/12, dabei. Juliane Dietrich von der Stipendienstelle der Hochschule Heilbronn ist mit dem privaten Engagement für das Deutschlandstipendium in der Region Heilbronn zufrieden: »Im Moment haben wir 26 Förderer und 63 Stipendiaten.« Und diese Zahl soll in diesem Jahr weiter erhöht werden, um in Zukunft an der Heilbronner Hochschule noch mehr hochbegabte und leistungsbereite Studenten zu unterstützen. weItere InformatIonen unter: www.deutschlandstIpendIum.de

13
Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

14
L ANDLEBEN: MÄR Z 2013 MY HUMBLE SELF De r fei n si n n i g e So u n d vo n » My Hum ble Se lf« er i n n e r t an » Bel l e a n d Seb a s t ian« . We r s i c h davon ü b er zeu g en wil l , k a nn die s am 2 . Mär z i m » Pea r l s a n d Diamon d« t un . Dor t g e b e n di e Her ren u m Fro n t f rau Le onie von Bü l ow ein Ak u s t ik - Set zum Be s te n . »My Humble Self«, das sind Leonie von Bülow (Gesang), Marian Graf (Schlagzeug), Raphael Eschenbacher (Bass), Rouven Eschenbacher (Gitarre und Gesang) und Alexander Eckbauer (Gitarre). Die Unterländer Combo spielt fast ausschließlich »unplugged« mit akustischen Instrumenten. So werden sie es auch am 2. März im »Pearls and Diamond« auf der HANIX-Release-Feier tun. Alternative-Rock, das trifft den Stil von »My Humble Self«, am ehesten – und doch ist es viel mehr. Der Sound erinnert an eine Mischung aus den frühen »Eddie Brickell and the new Bohemians«-Stücken, oder an »Belle and Sebastian«. Die Gruppe formierte sich 2008 und seither gab es kaum Umbesetzungen, was für Kontinuität und eine konstante Weiterentwicklung spricht. Wenn man die jungen Musiker nach den eigenen Stärken fragt, bekommt man folgende Antwort: »Wir haben von Anfang an nie andere Bands gecovert. Es war uns sehr wichtig, unsere eigene Musik und eigene Texte zu machen. Auf unserer ersten EP »Early Days», das ist sicherlich nicht alltäglich, integrierten wir ein Cello als Begleitinstrument. Seit unserer Gründung übernahm Leonie von Bülow den Gesangspart. Es gibt nicht allzu viele Bands in der Region mit einer Leadsängerin. Unsere Stärke liegt sicher in unseren Liveauftritten.«

15
A C C E B I J S S O R E S Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130

16
MEINE PL ATTENKISTE: PHILIPP SEITZ PROTOKOLL:ROBERT MUCHA FOTO: ULLA KUEHNLE PHILIPP SEITZ: ELEKTRONISCHE SOUNDS VON MASSIVE BIS DORFMEISTER De r 3 0 - j ä h r ig e Ph il ipp Se itz is t aus ge bild e te r To nte ch nik e r. Von Ver a n s t a l t u n g s t ec h n ik übe r Film to n h in zu e ige ne n Mus ik p rodu k t i o n en u n d Ba n d a u fnah m e n in s e ine m To ns tud io k üm m e r t si c h de r Heil b ro n n er u m gute n So und . Ne be nbe i o rganis ie r t e r da s Rö m er s ee- Fe s tival in Bad R appe nau.

17
MEINE PL ATTENKISTE: PHILIPP SEITZ Ich habe fünf Alben ausgewählt, die mich langfristig betrachtet am meisten geprägt haben. Allesamt sind es definitiv Tonträger aus der elektronischen Ecke. Wobei es mir schwergefallen ist, mich für eine Reihenfolge festzulegen. Als erste Platte möchte ich das Remix-Album »No Protection« von »Massive Attack« und »Mad Professor« nennen. Das Album hat mich sehr geprägt, ich habe aber sehr lange gebraucht, bis ich einen Zugang zu der Platte gefunden habe. Es war ein Geschenk meiner Schwester und lag zunächst zwei Jahre im Regal herum. Ich konnte nichts damit anfangen. Dann auf einmal hat es mich gepackt. Dieses Album hat sehr viel Dynamik. Man könnte meinen, dass es ein Chillout-Album ist. Aber dann reißen einen sehr schrille Töne immer wieder heraus. Dieses Album hat auch die Musik, die ich selbst produziere, stark beeinflusst. Gerade was die Rohheit angeht, hat mich »No Protection« beeindruckt. Den Mut zu haben und sich soviel Spielraum, was Schrägheit und Verzerrtheit angeht, zu lassen, finde ich faszinierend. Als nächstes Album kommt eine »Mouse on Mars«Platte, nämlich »Iaora Tahiti«. »Mouse on Mars« ist eine deutsche Elektronik-Band. Es ist schwer zu sagen, was für eine Musik sie machen. Jedenfalls klingen sie für mich sehr interessant. Deren Spektrum geht von technoiden Einflüssen hin zu ruhigeren Ambient-Sounds. Die Produktionstechnik der Band hat mich auch in meinem Schaffen beeinflusst. »Mouse on Mars« höre ich schon immer und ich werde sie auch immer hören. Die Band besticht auch durch schöne Live-Performances. Alles in allem eine schöne Platte. Die dritte Platte, die es in meine Top Fünf geschafft hat, ist »Greetings from Birmingham« von Mick Harris, dem Ex-Schlagzeuger von »Napalm Death«, der sich, als es mit dem Erfolg von »Napalm Death« losging, ausbezahlen lies und seither seine eigenen Projekte umsetzt. Das Album hat er unter dem Pseudonym »Scorn« herausgebracht. Ich würde seine elektronischen Produktionen als sehr minimal bezeichnen. Zum Teil ist er auch auf den Dubstep-Zug aufgesprungen, allerdings mit seiner sehr speziellen Art.  Kommen wir zur vierten Scheibe, die ich nennen möchte: »Mishaps Happening« von »Quantic«, der im wahren Leben Will Holland heißt. Zunächst hat er sample- und instrumentallastigen Trip-Hop-Sound produziert. Er hat sich dann von reiner Computermusik hin zu Produktionen mit echten Instrumenten hinentwickelt. Das ist bei mir selbst ganz ähnlich. »Quantic« hat das sehr konsequent und gut umgesetzt. Von Will Holland kann man eigentlich alles hören. Er ist ein sehr genialer Musiker, wie ich finde. Zu guter Letzt kommt die »DJ-Kicks« von »Kruder und Dorfmeister«. Ein perfekter Mix an chilligem, downbeatigen und trip-hoppigem Zeug, was mich extrem beeinflusst hat. Diese Platte hat mir gezeigt, was in dieser Musik so alles geht.

18
M R . S T E F A N D I T T R I C H ! St ef an Dittrich s ingt Lie d e r. Ma n c hm a l auch lus tige , zum Be is pie l. Di esm al: M A N CH M A L St e fan D . a l ia s R a in er S c hüttle r s ing t vo n s e ine m e inzig e n Fre u nd ... stefan dIttrIch Ist buchbar! k on t a k t : 0 1 7 6 / 9 9 0 5 3 3 7 1 w w w .d e r d r a n g z u m k l a n g @ w e b . d e

19


20
FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN MeLi DiKta

21
Schon von weitem können Heilbronner ihre Heimatstadt sehen. Dank der Kühltürme des Kohlekraftwerkes in Neckargartach. Das moderne Wahrzeichen der Stadt dampft und raucht unentwegt und wacht über die Stadt.

22
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION In der Heilbronner Wilhelmstraße ist alte Bausubstanz erhalten geblieben und nicht den Bombenangriffen des 2. Weltkrieges zum Opfer gefallen. Großstadtflair!

23
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Auch das Heilbronner Land hat sein kleines Skigebiet. Auf dem schneebedeckten Stocksberg in den Löwensteiner Bergen herrschte an den Wochenenden im Februar reges treiben. Die meisten Besucher waren mit dem Schlitten unterwegs aber auch der ein oder andere Snowboarder und Skifahrer begab sich auf die kurze Abfahrt.

24
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Der Skilift auf dem Stocksberg wurde bei so viel Schnee natürlich in Betrieb genommen.

25
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Einfach mal Pause machen und zurücklehnen. Diese beiden Mitarbeiter der Bahn gönnten sich während Gleisarbeiten kurz vor dem Heilbronner Hauptbahnhof eine kurze Auszeit.

26
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Der Straßenmusikant und sein treuer Gefährte erfreuten die Passanten der Heilbronner Fußgängerzone mit Akkordeon-Musik und drolligem Aussehen.

27
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Schiff Ahoi! Ein ausgemusterter alter Kahn hat seine letzte Ruhestätte zwischen der Experimenta und dem Fruchtschuppen-Areal gefunden.

28
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Gesichert von einem dünnen Seil liegt dieser riesige Anker in der Heilbronner Hafenstraße und wartet darauf, endlich wieder in See stechen zu können. Ob das klappt, darf bezweifelt werden.

29


30
HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Auf dem Weg zum Abitur müssen diese beiden Schülerinen des Robert-MayerGymnasiums zunächst durch den Friedenspark laufen.

31
WOHnkOMpETEnz aUs TradiTiOn MiT innOvaTiOn seit ÜBeR 100 jahRen wohnen und leBen in deR Region heilBRonn GEWO Wohnungsbaugenossenschaft Heilbronn eG • Urbanstraße 12 • 74072 Heilbronn Tel.: 07131-62440 • E-Mail: info@gewo-hn.de • www.gewo.hn • www.studenten.hn

32


33


34
TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: MEMO FILIZ Das EhrlichE macht siE bEsonDErs Han d g em a c h t e Mu s i k , e ige ne Te xte und j e d e Me nge Lie be s m ü h‘ . Das s c hei n t ein e t y pis c h e Ko ns te llatio n vie le r Band s zu s e in. Be i Y E N g eht es u m me h r. Die vie r Mus ik e r aus He id e lbe rg , Dal l au u n d Hei l b ro n n ve rs ch e nk e n Glück und lad e n alle d azu ei n.

35
MUSIKKOFFER: YEN »Zettel und Stift«, ruft Schlagzeuger Benny rüber und macht große Augen. »Ihr müsst euch das aufschreiben«, sagt er kritisch und fuchtelt mit seinen Sticks in der Luft herum. Yen kontert: »Nee, ich muss mich nur konzentrieren.« Er grinst, stützt das Kinn auf seine Hand ab und wartet. Der Fuß auf dem Pedal seiner Bass Drum ist schon startklar. »Wichtig ist, dass du gleich dabei bist, sonst klingt es zu dünn«, sagt Benny. »Stimmt«, erwidert Yen und ahmt noch ein paar lang gezogene Uhs und Ahs nach. Die Stimmung ist vertraut und trotz gegenseitiger Kritik, harmonisch. »Kritikfähig ist Yen auf jeden Fall«, sagt Benny. »Wenn sie positiv ist«, ergänzt Yen den Satz und fängt laut an zu lachen. Chris Fueterra (Gitarre), Yen-Hwei Bella Anetzberger (Gesang), Benjamin Heckmann (Schlagzeug) und Steffen Fütterer (Bass) heißen die drei Jungs und das hübsche Mädel mit ganzem Namen. Sie sind ordentlich am Proben für den großen Tag: Die Veröffentlichung ihres dritten Albums »Into the Sun«. Dafür müssen alle Songs perfekt sitzen. »Klingt noch nicht präsent genug«, wirft Bassist Steffen in die Runde, während Bandchef Chris den Sound der einzelnen Instrumente immer wieder neu einstellt. Jedes Lied wird aufgenommen und auf Herz und Nieren geprüft. »Hören wir es uns doch mal an«, sagt er und klickt mit der Maus auf den Play-Button seines Apple-Rechners. Kopfhörer wieder auf. Jetzt ist es ruhig im Proberaum. Kein Geräusch, keine Worte, keine Witze. Nur geneigte Köpfe und nachdenkliche Gesichtsausdrücke. Unfassbares TalenT Alle sieben Jahre verändert sich der Mensch. Schenkt man der Theorie der Siebenjahresperiode Glauben, dann ist auch für YEN die Zeit gekommen. Sieben Jahre sind seit ihrer Gründung 2006 vergangen. Eine lange Zeit, in der die meisten Künstler das Handtuch werfen und aufgeben. YEN nicht, sie sind zäh. Die Bandmitglieder haben viel zusammen erlebt, Hochs und Tiefs inklusive. Dafür kann sich der Erfolg sehen lassen: Sie haben auf vielen großen Festivals gespielt, teilten sich mit Musikgrößen wie Die Happy oder Ray Wilson von Genesis die Bühne und kassierten auch von Stefan Raab ein ordentliches Lob. »Unfassbares Talent«, sagte Entertainer Raab einmal über die schöne Halbchinesin, als Yen in seiner Sendung vor Millionen Zuschauern auftrat. Die Rockmusiker geben Gas. Aber auch sie können mal ins Stolpern geraten: »Ups, jetzt bin ich draußen«, sagt Yen verlegen. Sie hat den Vers mit dem Refrain verwechselt. Aber das kann schon mal passieren, bei über vierzig selbstgeschriebenen Songs im Kopf. Mit beiden Händen umfasst sie den Mikrofonständer. Ihr Pullover ist lang und verdeckt fast die Finger. Zu kalt ist es im Proberaum, obwohl die Heizung schon auf volle Pulle läuft. Ihre Augen sind geschlossen. Yen zu sehen und zu hören ist ein Genuss. Ihre Stimme verursacht Kopfschütteln, so sehr fasziniert ihre Präsenz. Gefühlvoll haucht Yen ins Mikro, ihre Stirn angespannt und ihre Augen wieder geöffnet. Schaut man in sie hinein, ist es, als ob man in ihre Seele blicken würde. Viel geben sie preis. Viele ihrer Gefühle, die sie in den Texten einfließen lassen. Die verrückteste Situation, in der sie einen Song geschrieben hat: Yen war mit dem Auto unterwegs und hatte einige Einfälle für ein Lied. Doch Papier war rar: »Ich habe alles auf kleine Post-its geschrieben«, erinnert sich die Sängerin, »mein ganzes Lenkrad war voller Zettel.« Für ihre Songs lassen sich Yen und Chris vom Leben inspirieren, vom Beobachten und den eigenen Erfahrungen.

36
MUSIKKOFFER : YEN neUes bewUssTsein In ihren Geschichten erzählen die Künstler von Situationen, die jeder von uns schon mindestens einmal durchgemacht hat: Verliebt sein, abgelehnt werden oder an das Gute zu glauben, auch wenn alles verloren scheint. »Fear« ist so ein Song, der genau das beschreibt. »Dem Leben trotzen und jede Angst überwinden«, so Sängerin Yen. Darum geht es in dem Lied: sich nicht vor Morgen zu grämen, sondern das große Unbekannte als etwas Gutes anzunehmen. Befreiung, Revolution, Erlösung und die Suche, nach einem neuen Bewusstsein für eine bessere Welt. Das sind die Themen mit denen sich die Musiker auf ihrer neuen Platte auseinandersetzen. Und die hat gute Chancen für einen Durchbruch: »Die Lieder gehen einem nahe«, sagt Detlef Rupp (43) aus Untereisesheim, »und vor allem, nicht mehr aus dem Ohr.« Er ist mit Freunden nach Mosbach zur Release-Party gekommen, um mitzufeiern. Und die Message des Albums? Klar und einfach: Immer der Sonne entgegen. »Lass dich nicht aufhalten und freue dich, auf das was kommt«, beschreibt Gitarrist Chris das neue Glücksgefühl, das durch die Gitarrensaiten rauscht. Da ist er, der große Abend und die Bude brennt vor Energie. Gut gelaunt tanzen und lachen die Gäste zu den rockigen Nummern der Band. Rock’n’Roll lässt grüßen und bei ein, zwei oder auch drei Gläschen Wein brodelt die Menge. Blitzartig streicht Chris über die Saiten seiner EGitarre und ein quietschend frecher Sound donnert aus den Lautsprecherboxen. »Uh«, setzt Steffen mit den Adlips ein, Chris folgt und Benny drescht in einem Affenzahn auf sein Schlagzeug ein. Wie die Kirsche obendrauf, tritt Yen als musikalischer Sahnehupferl mit ihrer Seelenstimme hervor und verzaubert das Publikum. sie sind so echT

37
MUSIKKOFFER: YEN Kann man sich von guter, selbstgemachter Musik satthören? »Nicht, wenn sie aus dem Herzen kommt«, sagt Yvonne Volz. Die Auensteinerin hat schon viele Bands gehört. Sie weiß auch, dass der Musikmarkt mehr als überlaufen ist und es gute Musiker schwer haben. Von YEN ist sie begeistert: »Sie sind so echt.« Wenn man sie zum ersten Mal live erlebt, ist es, als hätte man einen Schatz gefunden. »Sie stehen auf der Bühne und strahlen«, erzählt die 33-Jährige. Mittlerweile besucht sie das sechste Konzert der Band. Freunde, Verwandte, das Management und zahlreiche Fans aus anderen Großstädten sind zur Release-Party gekommen. Auch Birgit Lehmann ist regelmäßig dabei. Sie erinnert sich noch gut daran, als sie die Band zum ersten Mal gesehen hat. Das war auf dem Maschseefest in Hannover vor vier Jahren. Die Rockmusiker saßen auf ihrem berühmt-berüchtigten Sofa am Ufer und spielten an diesem Abend ein paar leichte Akustik-Songs. Berühmt-berüchtigt deswegen, weil das Sofa nicht nur Maskottchen der Band ist, sondern derartigen Kultstatus erreicht hat, dass sie ihm sogar ein ganzes Album widmeten. »Sofa – so good« heißt die Platte von 2009. Durch ganz Deutschland tourten sie mit dem guten Stück. Zu den Hütern des Ordnungsamts pflegen sie daher eine besondere Beziehung. Wenn sie mal wieder ein spontanes Open-Air-Konzert vor ihrem eigentlichen Auftritt gaben und für jegliche Anmeldung bei der Stadt die Zeit fehlte. Mit ihren Fans fühlen sich YEN verbunden und sind dankbar für die Treue. »Wir wollen einfach unser Glück teilen«, begründet Bassist Steffen das Engagement, »und dazu sind alle eingeladen.« Der YEN-Sound an jenem Abend auf dem Maschseefest drang wie eine Sirene direkt in Birgit Lehmanns Ohr. »Ihre Musik hat mich richtig angezogen«, sagt die Hannoveranerin. Eigentlich waren sie im Begriff zu gehen, bis sie YEN hörten. Die 52-Jährige mobilisierte ihre Freunde mitzukommen und drängte sich durch die vielen Menschenmassen. »Ich war verzaubert«, sagt Fan Birgit. Zu etlichen Konzerten ist sie YEN gefolgt. Was es genau ist, versucht sie in Worte zu fassen: »Ihre Authentizität und das Ehrliche machen sie besonders.« Oben: Album »Into the Sun« (VÖ 25.01.2013) Unten: Single »Redemption« (VÖ 11.01.2013) weiTere infos UnTer: www.yen-mUsic.com www.facebook.com/yenofficial

38
M IT TAGST I Sc H T E ST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die sm al w are n w i r b ei d er Wu r s t b rate re i Silze r in d e r He ilbro nne r Inne nsta dt. Gete s te t w u rde n eb en d em Ges c h m a ck auch d ie Ge s ch wind igk e it, d ie Fre undli chkei t d e s Ser vi c e -Pe rs o n a l s , n a t ü r l ic h d er Pre is und auch d ie ind ivid ue lle n Eigenhei ten d e r L okal i t ät. Im Tes t h a b en wir u ns für d as um ge k e h r te Sch ulno te n-System entsc h ied en . Da s b ed eu t e t, d as s d ie 6,0 d ie Hö ch s tno te is t.

39
MITTAGSTISCHTEST: WURSTBR ATEREI SIL ZER Wurstbraterei Silzer Große Bahngasse 6 | 74072 Heilbronn T 07131 251825 4,0 Preise 2,50 - 9,00 EUR Geschmack 4,5 Geschwindigkeit 3 Minuten Apfelschorlen-Index (0,4l) 2,00 EUR Service Individualität Beste Currywurst der Stadt

40
Olaf Metzel: Aus der Kurve. arbeiten vOn 1988 bis 2013 16. März bis 23. Juni 2013 E r ö f f n u n g : f r E i ta g , 1 5 . M ä r z , 1 9 u h r Ausstellung des Kunstvereins Heilbronn in der Kunsthalle Vogelmann Olaf Metzel zeigt erstmalig in einer breit gefächerten Auswahl in den sechs großen Sälen des Kunstvereins Heilbronn und der Kunsthalle Vogelmann seine neueste Werkgruppe mit Wandarbeiten, für die er Zeitungsmotive auf große Aluminiumplatten drucken lässt, um diese zu Reliefs zu falten, zu knicken und zusammenzusetzen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl weiterer Werke aus den letzten drei Jahrzehnten. Der Parcours beginnt unmittelbar im Eingang mit einem Porträt des italienischen Fußballstars Mario Balotelli, der 2012 in Siegerpose mit nacktem Oberkörper nach seinem Tor auf dem Platz posierte, als er die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale der Europameisterschaft verabschiedet hatte. Im ersten Ausstellungsraum hängt ein Relief der jung verstorbenen Amy Winehouse, deren Bild als drogensüchtiges Genie in den Medien, von Bunte bis Spiegel, gezeichnet wurde. Zwei Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben. Im nächsten Saal werden fünf der insgesamt sechs Fassbinderfragmente zu sehen sein, eine Werkserie von Reliefs, die u. a. auf Rainer Werner Fassbinders Drehbüchern zu den Filmen „Veronika Voss“ und „Querelle“ basieren. Sie bilden zu den farbigen Arbeiten aus den Printmedien einen starken schwarz/weißen Gegensatz. Nebenan wird die Arbeit Il balletto della crisi aus dem Jahr 1988 gezeigt, die im Werk Olaf Metzels für die frühe Auseinandersetzung mit den Printmedien steht. Die raumfüllende Installation Basisarbeit (1999), wie auch die Arbeiten Milieufragen (Beton, 2007), Turkish Delight (Bronze, 2006), Red Party (Bistrotische, Aluminium, Kunststoff, 2008) oder die abstrakte Wandarbeit Aus der Kurve (Alumium und Beton, 2013) werden ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein; sie alle belegen Olaf Metzels Beschäftigung mit gesellschaftlich relevan-

41
KUNSTREGION: OL AF METZEL ten wie brisanten Themen und offenbaren die vielfältigen Wendungen in seiner bildhauerischen Arbeit. Dieses präzis konzipierte Zusammenspiel von Inhalt, Material, Machart und Form zeigt sich etwa auch bei Turkish Delight, einer in Bronze gegossenen nackten Frauenfigur, die zum einen ein klassisches Thema der Kunstgeschichte zitiert, doch durch das kleine und ebenso sprechende Detail des Kopftuches in einen gesellschaftlich aktuellen wie brisanten Kontext gehoben wird. Umgekehrt funktioniert dieser Vorgang aber auch, etwa bei der Arbeit Aus der Kurve, die in ihrer attraktiven Erscheinung Ergebnis einer Ästhetik der Verwüstung ist. Die Wandarbeit Gelbes Mauerstück. Ein Apfel für das Rot, ein Himmel für das Blau von 2012 aus der neuen Werkgruppe beschließt im zweiten Obergeschoss den Ausstellungsparcours. In raumgreifender Größe (4 x 6 x 1 Meter) ist die Kunstkritik in den Feuilletons der deutschen Zeitungen und Magazine thematisiert. Der Kunstverein Heilbronn bespielt in Kooperation mit der Kunsthalle Vogelmann mit der Ausstellung von Olaf Metzel erstmals alle Räume des Gebäudes. Für weitere Informationen oder elektronische Bildunterlagen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Begleitend zur Ausstellung erscheint im Kölner Snoeck Verlag das Buch Kaffee, Zeitung, Zigaretten in deutscher, englischer und französischer Sprache mit Textbeiträgen von Bodo Fründt, Patrick Lambert und Peter Richter. kunstvereIn heIlbronn kunsthalle vogelmann/allee 28, 74072 heIlbronn tel: 07131 – 83970 kunstvereIn-heIlbronn.de maIl@kunstvereIn-heIlbronn.de

42
KUNSTREGION: OL AF METZEL

43
KUNSTREGION: OL AF METZEL

44
KUNSTREGION: OL AF METZEL

45
KUNSTREGION: OL AF METZEL

46
KUNSTREGION: OL AF METZEL

47


48
D än isc h e We st er n TexT: NICOLAI KÖPPeL FOTOS: ARCHIV

49
KÖPPELS KUR ZGESCHICHTEN: DÄNISCHE WESTERN Nicolai Köppel schreibt zwar schon lange nicht mehr mit der Hand, aber kann sich noch gut an die eine oder andere Sehnenscheidenentzündung erinnern. »Dänische Western« ist dem gleichnamigen Buch entnommen, das im maringo Verlag erschienen ist. www.nicolaikoeppel.de / www.maringoverlag.de Mein Vater stammte aus einer Metzgersfamilie, also ich quasi auch noch so ein bisschen. er hatte es allerdings geschafft, sich von der zwanghaften nachfolge zu befreien, sein erbteil nach dem Verkauf der gekachelten Klitsche in ein Jurastudium zu investieren, mit einer eigenen Kanzlei gewinnbringend zu wirtschaften und seinem sohn das zu geben, was er selbst nicht gehabt hatte: die volle Packung Leistungsdruck. Also tat ich, was mein Vater erwartete: ich studierte. Das gefiel mir, und ich sah auch nach 19 semestern keinen Grund, damit aufzuhören. Das Unisekretariat allerdings schon. Mein Vater verlor inzwischen fast sein ganzes Vermögen an der Börse, rechnete alles durch, gab die Kanzlei auf, zog sich ins Privatleben zurück und fiel letzte Woche vom schönsten Apfelbaum seiner streuobstwiese. Meine eltern sind seit einundzwanzig Jahren geschieden, meine Mutter befand sich auf Mittelmeertour mit ihrem neuen Lover stefan, den ich noch nicht kannte, ich wusste nur, dass er drei Jahre jünger war als ich. Meine Mutter am telefon wollte den Urlaub nicht abbrechen, um nur halberholt und halbgebräunt auf dem Friedhof rumzustehen und einen Flunsch zu ziehen. Das hätte Papa nicht gewollt, sagte sie. Der Meinung war ich auch. ich fuhr alleine hin und bereitete das Begräbnis vor. irgendjemand hatte die Jalousien heruntergelassen. ich war lange nicht hier gewesen. Die Küche war neu. Das gehörte jetzt alles mir und der iKeA-Kreditbank. in der Küchenschublade fand ich seinen Geldbeutel mit allen Karten, im Arbeitszimmer seine Pinnummern und den computer. Mit seiner VisA zahlte ich alles, was ich aus dem internet haben wollte und war erstaunt, dass es viel weniger als sonst war, heulte eine Weile und machte mir einen Kaffee. Auf der tasse war ein Pin-up-Girl abgebildet, und darunter stand »rechtsanwälte tun es vor Gericht«. im Keller fand ich ein fabrikneues trekkingrad. Mein alter herr. ich war stolz auf ihn. Auf dem Dachboden stand ein kühlschrankgroßer Pappkarton, den klappte ich nur auf und wieder zu – ein Blick genügte, und ich trug ihn vom Dachboden ins Wohnzimmer. Mein Vater hatte guten cognac sehr gemocht. Davon nahm ich mir eine Portion. Das brauchte ich jetzt. ich hatte soeben seine Pornosammlung gefunden. Und somit Ablenkung in ihrer reinsten Form. ich vermute, jeder hat so was, aber die meisten werfen immer wieder was davon weg. nicht so mein Vater. Die nachkriegsgeneration trennt sich schwer von Bewährtem. Obenauf lagen archäologischerweise Videos aus den späten 90ern, teresa Orlowski, traci Lords, cicciolina, alles nicht mein typ, und auch nicht so richtig spannend. Die waren erschienen, als ich lange volljährig war. ich kramte einen blickdichten Müllbeutel aus dem schrank und tütete sie zum letzten Mal ein. sowas muss man nicht haben, und doppelt schon gar nicht. Darauf einen Dujardin. eine schicht weiter unten wurde es spannend. hochglanzzeitschriften, von den 70ern bis Mitte der 90er, komplette Jahrgänge, manche in liebevoll passenden sammelordnern. ich sah mich das Ganze schon im internet verkaufen: Vintage hardcore, mint condition, startgebot 1 euro.. eine Ausgabe allerdings war ein bisschen zerlesener als die anderen, genauer, die Ausgabe 3/1985. Dieses heft, und zwar genau dieses, hatte ich mit 13 unter dem schreibtisch meines Vaters gefunden, mich für diesen erschütternden Fund sofort verantwortlich gefühlt und das heft knapp zwei Wochen behalten, bis ich es schweren herzens, aber nicht nur pochenden herzens zurücklegte. ich hörte nie wieder von der Angelegenheit, mein Vater hatte geschwiegen, klar. Meine Mutter wusste sicher nichts von irgendwelchem Fickheftchenkram, die hätte sich schon bei ihm gemeldet, und also wusste er,

50
KÖPPELS KUR ZGESCHICHTEN: DÄNISCHE WESTERN ich hatte das Ding, und was brachte es, mich zu behelligen, er konnte ja damit rechnen, dass ich meinen Fund sicher aufbewahrte. Vielleicht hatte er den Verlust gar nicht bemerkt, ganz anders als ich, als ich das heft wieder weggab. Wie oft hatte ich in den kommenden Jahren zurück an diese 64 seiten hochglanzmagazin gedacht, vor allem diese Fotostory eines Pärchens namens Bobby und Lisa, die im heißluftballon unterwegs waren und nichts besseres zu tun hatten, als dabei zu poppen, aber damals hieß es noch nicht poppen. Damals hieß es auch noch nicht »Lieber internetnehmer, Du wünschen heute Geschlecht auf Linie zu finden?« sondern »Lisa staunt Bauklötze, was für große türme man von hier oben sehen kann.« Da war noch echte Poesie drin. so im Vergleich. so ging es ab: der schnauzbärtige Bobby am Arbeiten immer angestrengt schnutend, die allzu blonde Lisa in unaufhörlich überraschter huch-Pose mit aufgerissenen Augen und dem Finger an den Lippen, prä-Botox-ära. Mit der anderen hand hielt sie sich im angeblich wackeligen Ballon fest – und nicht nur sich. schon nach wenigen sekunden änderte sich damals meine ganze Welt: ich war jetzt nicht mehr wie die anderen Dreizehnjährigen, ich hatte Gott gesehen – oder zumindest seine beste idee und in Farbe. ich wusste schon damals, dass für die Fotos einfach ein Korb, in den zwei Leute passten, vor himmeltapete gestellt worden war, aber wer wollte an sowas denken? Der unschlagbar neue eindruck damals, die beiden vor der Linse eingefrorenen Körper, die heiße Dinge taten, war so unauslöschlich real, dass ich noch heute, wenn am himmel ein heißluftballon zu sehen ist, nach oben schaue und mit einem Grinsen denke: ihr geilen schweine. Jetzt sah ich es wieder und merkte, Bobbys Gesicht hatte ich vergessen gehabt, und Lisas nicht mehr gesehen, seit ich 13 war. Lisa hatte, das bemerkte ich jetzt erst, verdammt viel ähnlichkeit mit cornelia stubenreuter, mit der ich später in der Oberstufe ging. erklärte das irgendwas? Jedenfalls, da war sie wieder, die Fotostory. es war ein nostalgischer Moment, die Bilder wiederzusehen, auf die ich wichsen gelernt hatte. Was heißt gelernt? ich war ein naturtalent gewesen, von Anfang an. Bald hatte ich einen festen händedruck, meine Freundin hieß

51
KÖPPELS KUR ZGESCHICHTEN: DÄNISCHE WESTERN Manuella, wenn sie verstehen. Und wenn ich mir jetzt den Pappkarton meines Vaters so ansah, war dieses naturtalent ein ererbtes. Meine Mutter hatte sich immer beklagt, dass mein Vater und ich kaum richtige hobbys hatten. Jetzt wusste ich: wir hatte keine Zeit für richtige hobbys gehabt! Aber ich schweife ab. Gutmütig seufzend legte ich das heft beiseite. Bobby und Lisa würden mit mir gehen, wenn ich dieses haus in ein paar tagen wieder verließ. Dachte ich jedenfalls. Weiter unten wurden die Vhs-tapes interessanter, die Männer auf den covern noch bärtiger, die Frauen gleichsam ondulierter und insgesamt alles weitaus buschiger als heute. Der Videorecorder meines Vaters stand noch mit seinem Fernseher verkabelt. ich konnte nicht widerstehen. ewig hatte ich keinen Videorecorder mehr bedient. ich schob eine cassette ein, starrte auf den Bildschirm und war ganz verwirrt, als der Film gleich losging und nicht erst das Menü kam. ein Film namens »James Bums – 00sex - Lizenz zum Löten« begann, und wieder zoomte es mich zurück in pubertäre Gedankenwelten: das da sind erwachsene, die haben da schon haare, die haben da auch sex. schien mir logisch, ein bisschen wie im Affenhaus. Wie machen es die Kids heutzutage mit ihrem intimrasurzwang? nicht, dass ich was dagegen hätte. ich kenns ja auch nicht live. Was das angeht, ist eigentlich alles genau wie früher. ich holte mir einen Aschenbecher, bestellte mir eine Pizza und entdeckte anlässlich des erotikwesterns »spiel mir am Glied bis zum tod« auf der Videorecorderfernbedienung die taste »schnellvorlauf« wieder, die einem den Film in achtfacher Geschwindigkeit brachte, zum zeitsparenden Auffinden der sogenannten ‚guten stellen‘. Das war nötig, denn in Pornos gab es früher allen ernstes lange Dialogpassagen. Man vergisst das heute gern. Manchmal entdeckte man die synchronstimme eines bekannten schauspielers, die sprecher synchronisierten zum Geldverdienen auch schweinkram, und mein Verhältnis zu den Waltons war nie wieder dasselbe, nachdem ich zwei der Geschwister mal bei einer Gruppensexszene hören musste. Durfte. egal. nächster Film. Das spulen auf sicht machte spaß wie früher, ein einziges fleischfarbenes tonloses ruckeln und hoppeln in den satten Farben der 70er Jahre, ein spastisch vorbeifetzendes hautfarbenes stellungswechselwuseln, das mir zwar meine aktuellen traurigen Gedanken vertrieb, mich aber auch daran erinnerte, dass es nichts brachte, seinen Filmidolen allzusehr nachzueifern, zum Beispiel, was diese Geschwindigkeiten anging. Arme cornelia stubenreuter, dachte ich bei mir. Das lange Gucken im schnellvorlauf hatte aber auch noch einen ganz anderen und gänzlich unerwarteten nebeneffekt, nämlich den: Als ich drei 90-Minuten-streifen in einer Dreiviertelstunde durchgespult hatte, begann sich meine realitätswahrnehmung zu ändern. Die reale Welt lief nach meinem Zeitgefühl vergleichsweise entsetzlich langsam. Von alleine hätte ich das gar nicht bemerkt. Aber jetzt klingelte es. Vor der tür stand ein junger Mann mit schnauzbart, der direkt aus dem Genreklassiker »sündbad und die 40 räuberinnen« entsprungen zu sein schien. nur der styroporkarton in seinem Arm sprach eine andere sprache. Das war wohl doch eher der neffe von »Da Luigi«, der mich eine ewigkeit lang anstarrte, um dann zu sagen »Pppppppiiiizzzzzzzzaaaabbbblllliiiittttzzzz« ich zahlte in pornöser Geschwindigkeit, er brauchte eine gefühlte Viertelstunde, um mir das Wechselgeld zu geben. Dabei linste er ins Wohnzimmer und sah, dass ich mir gerade den nonnenporno »hinter Klostermauern zur Lust verdammt« reinzog. Unglaublich, wie hart diese Menschen im Mittelalter für Gotteslohn arbeiten mussten. Und so schnell. Mit einem stück Artischockenpizza in der hand kam ich wieder runter und baute den super-8-Projektor auf. Der halbmeterhohe Bodensatz des wundersamen Pappkartons bestand nämlich aus Filmspulen. Gekaufte Bänder wie Josefine Mutzenbacher und den Grafen von Monte Lüstern, die ganzen Klassiker der 50er und 60er. Und was war das noch weiter darunter? Lauter unetikettierte Filme, die aussahen, als hätte sie mein Vater besonders gehütet, jede rolle luftdicht verpackt. Auf der ersten spule war ein Urlaubsfilm. Mein Vater filmte segelboote, sonnenuntergänge und andere südländische schönheiten. Ja, ich erinnerte mich an gefilmte Kindergeburtstage, aber irgendwann ging die Kamera kaputt – und dann gab es bald Video, Das konnte man gucken, aber damals noch nicht selber machen. rückblickend schade, man hätte sein ganzes Leben in bewegten Bildern. heute nerven ewig videofilmende eltern – aber man denke nur an die mediale Unterstützung beim Aufarbeiten der eigenen Vergangenheit. Man bringt seinem Psychologen ein paar tapes oder eine Festplatte mit und sagt »Gucken sie sich den 35. Geburtstag meiner Mutter an, dann wissen sie alles.« Man bekommt so schneller die richtigen Medikamente. es kann ja nicht jeder soviel Glück haben wie ich, der seine Droge schon mit dreizehn gefunden hatte. Aber was war das plötzlich auf der zweiten Filmspule? Das war doch zuhause, ja das war die schrankwand, die vor 30 Jahren in unserem Wohnzimmer gestanden hatte, meine Kindheitsschrankwand. Und wer war die junge Frau, die nackt ins Bild kam und vor dem eichenholzfurnier zu unhörbarer Musik hippiemäßig und verdammt lasziv zu tanzen begann? Auf der dritten spule kam ein Mann dazu, der mir auch mehr als bekannt vorkam. Was machten die da? Mein hirn und der Projektor ratterten im Gleichtakt. Vorspulen war nicht. ich sah es mir an. so oder so ähnlich war ich entstanden. nach all dem seelenlosen Gerammel hatte das hier endlich was mit mir zu tun. Am nächsten tag hatte ich ringe unter den Augen, was sich im Bestattungsinstitut niemand zu kommentieren traute. Am nachmittag sichtete ich den rest der sammlung. Je länger ich zusah, desto unklarer wurde mir, warum meine Mutter meinen Vater überhaupt verlassen hatte. er war richtig gut. Und ich hatte den Vergleich. Meine innere ruhe war zurück-

52
KÖPPELS KUR ZGESCHICHTEN: DÄNISCHE WESTERN gekehrt. Als der alte Pfarrer haffner wegen der trauerrede zum Kaffee vorbeikam, schloss ich die tür zum Wohnzimmer vorsorglich ab und setzte mich mit ihm in die Küche. Als er mal nicht aufpasste, ließ ich die DVD der polnischen Filmbiographie »Johannes Paul der Längste« unbemerkt in seine Aktentasche gleiten. Unrealistischer Film. solche Dildos kann es im Warschau der 60er nicht gegeben haben. nicht in pink. ich fuhr mit dem trekkingrad zum Friedhof. termin um elf, mein Vater war schon früher da. Zu meiner großen Überraschung erschien auch meine Mutter, eingehakt in einen jungen Mann, der mir als stefan vorgestellt wurde, der aber, wie ich fand und wie eigentlich nur ich wissen konnte, dem heißluftballonBobby wie aus dem Gesicht geschnitten war. nur der schnurrbart fehlte, aber wenn meine Fantasie eins war, dann doch wohl rege. Meine Mutter hatte sich die haare blondieren lassen, meinen Vater ließ die ganze Veranstaltung und die neonbeleuchtete Aussegnungshalle älter aussehen, als er geworden war. Der inhaber der benachbarten streuobstwiese öffnete auf dem Parkplatz den Kofferraum und setzte mir drei Körbe späte äpfel vor die Füße. Die habe mein Vater noch kurz vorher gesammelt. Pfarrer haffner hielt eine schöne rede und drückte mir die hand und sagte »Die Liebe höret nimmer auf«. Dann ging es zum »Gasthaus hirschen«, 25 Mann hoch. Wir waren angemeldet, hinterzimmer. Viel schweinebraten, viel schnaps. ich zahlte die vierstellige Zeche mit Papas Visacard. Die eltern von cornelia stubenreuter waren auch da und zeigten Fotos ihrer enkel herum. Auf den Abzügen in Querformat konnte man cornelia in ganzer Breite erkennen. Mit ihr im heißluftballon, das risiko wäre mir heute zu hoch. nach dem Leichenschmaus gingen Mutter und ihr stefan mit mir in Vaters haus, Kaffee trinken. Während meine Mutter mit stefan in der Küche Filtertüten suchte, schmiss ich meinen trost der letzten tage wieder zurück in den hüfthohen Pappkarton und schubste ihn unter die treppe. nur zwei Dinge wanderten nicht zurück. ich dehnte das Kaffeetrinken aus, bis einer nach dem anderen aufs Klo musste. Als stefan weg war, drückte ich meiner Mutter einen braunen Umschlag in die hand und gestand ihr, dass »das da« unter dem schreibtisch gelegen hätte. ich log nicht, ich verschwieg nur, dass das schon über 20 Jahre her war. ich fühlte mich, als sei ich

53
jetzt endlich wieder in reinen mit ihr. Auch war mir stefan sympathisch. Kaum war meine Mutter auf dem Klo, gab ich ihm die Filmspule, die den tanz vor der schrankwand enthielt. er bedankte sich, irgendwie verwirrt, weil er nicht erwartet hatte, dass ich ihm was schenkte. er berichtete jedoch, dass er meine Mutter gedrängt habe, den Urlaub zu unterbrechen und herzukommen, allein schon meinetwegen. Für alles andere sei später noch Zeit. ich dankte ihm. netter Kerl. Mein Geschenk war in guten händen. Kurz überlegte ich, dass wenn er so alt war wie meine Mutter jetzt, würde sie knapp 80 sein, aber was soll’s, dachte ich – da hat sie sich schon längst nen Jüngeren geholt. stefan schien sich keine sorgen zu machen. ihm schmeckten auch die späten äpfel. sie wollten für die nacht ins hotel, das redete ich ihnen aus. Wir bestellten uns drei Pizzen. Als der Pizzabote uns drei sah (zwei Burschen unter 35 und eine blondierte endfünfzigerin), wünschte er uns mit schmierigem Grinsen »einen guten Appetit und noch viel spaß«. ich sagte, es sei nicht so, wie er denke, und er sagte »Das ist nicht mein Problem«. Womit er völlig recht hatte. tatsächlich verbrachten wir den Abend vor dem Fernseher mit einer Vhs von »in 80 tagen um die Welt«. Die stelle, wo Phileas Fogg und Passepartout mit dem heißluftballon fahren, die gefiel mir am besten. Und außerdem hatte Passepartout dieselbe synchronstimme wie der typ, der in dem Film »Wenn's der Postfrau zweimal klingelt« die Brünette mit den roten stiefeln von hinten seitlich … und die so aussieht wie Birgit Günter, die ich auf einer erstsemesterparty während des studiums … aber das ist eine andere Geschichte. Kennengelernt habe, wollte ich sagen. Was sie wieder denken. Die Doppel-CD »Die Hirsche in Nachbars Garten« sammelt die besten Texte des »brillanten Vorlesers, der es mit seiner wandlungsfähigen Stimme schafft, kleine Hörspiele in den Raum zu zaubern, voll von Allerweltstypen, Sinnsuchern und Knallchargen.« (Neckar-enz-Bote). Über zwei Stunden Vorlesespaß mit Pornos, Aliens, Satanismus - aber auch Liebe, Vaterschaft und nächtlicher Tierpflege. www.nicolaikoeppel.de

54
IM GESPRÄCH MIT LUIGI CALCE » E s g a b lu k r at i v E r E angEbotE als von dEn FalkEn« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE Luigi Calce ist in Heilbronn sesshaft geworden. Inzwischen spielt der Italo-Kanadier seine achte Saison im Trikot der Heilbronner Falken und unabhängig davon, ob er noch eine Spielzeit dranhängt oder nicht: Calce wird mit seiner Familie in Heilbronn bleiben. Wir sprachen mit dem Profisportler über sein Treffen mit Wayne Gretzky, deutsche Dialekte und die Nachfolge von Falken-Manager Ernst Rupp.

55
INTERVIEW DES MONATS: LUIGI CALCE HANIX — Luigi, Du bist Kanadier. Wahrscheinlich hast Du schon im Bauch deiner Mutter als ungeborenes Baby Eishockey gespielt ... meine Familie aus Italien stammt, habe ich früher zunächst Fußball gespielt. Ich habe dann im Alter von acht Jahren mit Eishockey angefangen, was für einen Kanadier ehrlich gesagt sehr spät ist. In Kanada kommt man, bei dem ganzen Hype um diesen Sport, einfach nicht daran vorbei, sich mit diesem Sport zu beschäftigen. Mein Vorteil war, dass ich schnell gut Schlittschuh gelaufen bin. HANIX — Du hast als Jugendlicher sicherlich auch den Mann mit der Rückennummer »99« angehimmelt. Wir meinen natürlich Wayne Gretzky. Hast du seine Hoch-Zeit miterlebt? LUIGI CALCE—Natürlich habe ich das mitbekommen. Wayne Gretzky war und ist ein großer Nationalheld und ich hatte sogar die Ehre ihn zweimal live zu erleben. Ich durfte ihm sogar einmal die Hand schütteln, was für mich, als damals 14 jährigen, fantastisch war. HANIX — War Gretzky auch dein Idol? Oder hattest Du andere Vorbilder? LUIGI CALCE—Da Kind wusste ich natürlich immer, dass ich Eishockey professionell spielen möchte. Als ich dann in meinem ersten Jahr, also als Anfänger, in meinem Verein fast den Rekord der meisten Tore in einer Saison gebrochen habe und danach den neuen Vereinsrekord für die meisten Tore in einer Saison aufstellte, hat man natürlich schon einige Leute gehört, die gesagt haben, dass der Calce mal ein großer werden kann. Jeder redet dann von der NHL, in die ich es leider nicht geschafft habe, obwohl ich immer in den höchsten Junioren-Ligen spielte. Irgendwann bin ich dann, aufgrund meiner italienischen Abstammung, nach Italien in die höchste Liga gewechselt. HANIX — Wie kam der Kontakt nach Italien zustande? Hattest Du einen eishockeybegeisterten Onkel in Mailand sitzen? LUIGI CALCE—Als ich noch bei den Junioren gespielt habe, waren oft Leute da, die einige Kontakte nach Italien hatten. Diese Menschen haben mir dann geholfen einen italienischen Pass zu bekommen und sie haben mich auch weiter zu anderen Leuten mit noch mehr Kontakten vermittelt. Es war ein gutes Netzwerk, das funktioniert hat. Glücklicherweise waren einige Vereine aus der ersten italienischen Liga, die damals noch recht gut war, an mir interessiert. Die italienische Liga ist leider aus Geldmangel zusammengebrochen und die meisten Spieler sind dann in die Schweiz oder nach Deutschland gegangen. HANIX — Konntest du überhaupt italienisch sprechen? Du bist zwar italienischer Abstammung aber im englischsprachigen Toronto aufgewachsen. LUIGI CALCE—Als zählte auch Wayne zu meinen Idolen, dies ist aber wahrscheinlich bei jedem jungen kanadischen Eishockey-Spieler so gewesen. Ich hatte noch ein weiteres Eishockey-Idol, Doug Gilmour aus Toronto, der aber in Deutschland wahrscheinlich nicht so bekannt ist. Er war auch so klein wie ich jetzt, aber ein großer Beißer und Kämpfer. HANIX — Wann wurde dir und deinem Umfeld klar, dass es eventuell zu einer Profikarriere reichen könnte? Schließlich warst Du ein talentierter Schlittschuhläufer ... LUIGI CALCE—Klar konnte ich, da wir glücklicherweise zu Hause italienisch gesprochen haben. Allerdings was er anfangs in Italien trotzdem schwierig, da ich die Sprache als Erwachsener in Kanada kaum noch gesprochen habe und LUIGI CALCE—Ja

56
INTERVIEW DES MONATS: LUIGI CALCE man nur zu zweit, ohne Kinder, ist. Wir haben auch überlegt, ob wir nicht lieber in Adendorf geblieben wären, da die Zeit in Amberg nicht so schön war. Als wir dann aber nach Braunschweig gezogen sind, haben wir uns sehr wohl gefühlt. Die Stadt ist zwar eher klein, hat aber eine tolle Lebensqualität. Anschließend sind wir nach Ratingen bei Düsseldorf gezogen und hatten dort tolle drei Jahre, bis der Verein, wie so oft im Eishockey, pleitegegangen ist. Nach einigen weiteren Stationen, wie zum Beispiel Dresden und Essen, sind wir dann in Heilbronn in der Oberliga gelandet. Ehrlich gesagt hat mich Tanja dazu überredet, weil ich nicht in der Oberliga spielen wollte. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar, denn mittlerweile sind wir seit 8 Jahren hier und fühlen uns sehr wohl. HANIX — Stichwort Vereinspleiten: Scheinbar ein größeres Problem im deutschen Eishockey. Oder hattest Du einfach diesbezüglich viel Pech gehabt? mich erst einmal wieder rein finden musste. HANIX — Nach dem Kollaps der italienischen Liga hat es dich nach Deutschland verschlagen. Wie kam dann der Kontakt nach Deutschland zustande und wohin bist du zuerst gewechselt? muss man sagen, dass es tatsächlich manchmal so ist, dass sich Vereine verkalkulieren. Das kam auch schon in der DEL vor. Man muss aber sagen, dass es jetzt deutlich stabiler ist, als noch vor ein paar Jahren. Ich möchte noch erwähnen, dass ich niemals zwecks finanzieller Dinge gegen einen Verein vor Gericht gezogen bin, sondern eher in solchen Fällen auf Geld verzichtet habe. Im Laufe meiner Karriere habe ich dadurch auf eine ordentliche Summe verzichtet. HANIX — Wieso bist Du mit deiner Familie letztendlich in Heilbronn sesshaft geworden, nachdem Du zunächst zu diesem Wechsel von deiner Frau überredet werden musstest? LUIGI CALCE—Leider erste Station in Deutschland war Adendorf bei Lüneburg, wo ich auch meine Frau kennengelernt habe. Eigentlich war gar nicht geplant nach Deutschland zu gehen und ehrlich gesagt wollte ich mit Eishockey aufhören. Irgendwann hat mich dann ein Agent zu Hause in Kanada angerufen und gefragt, ob ich denn noch spielen möchte. Ich habe gezögert aber mein Vater hat mir gesagt, dass ich es versuchen soll. Also ging ich nach Adendorf. Dort habe ich meine Frau Tanja kennengelernt, die mich dann nach Saisonende in Kanada besucht hat. Anschließend sind wir für ein Jahr nach Amberg gegangen und wollten einfach sehen ob es funktioniert mit uns. Glücklicherweise hat es das und sie ist dann auch für einen Sommer mit mir nach Kanada gegangen. Nach dem Sommer sind wir dann wieder zurück nach Deutschland und ziemlich umher gezogen. HANIX — Ihr musstet teilweise im Jahresrhythmus die Stadt wechseln? Das klingt furchtbar anstrengend ... LUIGI CALCE—Es LUIGI CALCE—Meine Ganze ging natürlich gut los, da wir gleich in meinem ersten Jahr aufgestiegen sind und somit waren meine Bedenken zwecks der Oberliga, in der ich eigentlich nicht spielen wollte, weg. Ich habe dann immer wieder neue Verträge bekommen und auch das Umfeld, in allererster Linie meine ich Trainer Rico Rossi, hat eben gestimmt. Es gab in all den Jahren zwar immer wieder andere Angebote, die lukrativer waren als die der Heilbronner Falken, aber für mich war Geld nicht immer das Allerwichtigste. Ich habe zwei Kinder, die irgendwann in den Kindergarten und in die Schule gegangen sind. Uns war es einfach nicht wert, das Alles für ein bisschen mehr Geld wieder umzuschmeißen. HANIX — Wie empfindest du die schwäbische Mentalität? Für viele zugezogene ist es kein Zucker- LUIGI CALCE—Das ist natürlich nicht so schlimm, wenn schlecken mit den Schwaben, die ja sehr eigen sind.

57
INTERVIEW DES MONATS: LUIGI CALCE es mich so sagen, bei meinen Stationen im Norden fand ich es sehr gemütlich und ich habe die Leute sehr gemocht. Im Westen waren die Menschen für mich am einfachsten, weil sie sehr locker waren. Im bayerischen Amberg hat es mir am wenigsten gefallen, was aber nicht nur an den Leuten dort lag. Im Schwabenland war es anfangs so, dass ich dachte, dass sich viele Menschen für etwas Besseres halten und damit muss man erst mal klarkommen, auch wenn es die Menschen gar nicht so meinen. Mittlerweile habe ich mich mit vielen Leuten und auch der Mentalität angefreundet und ich kann es im schwäbischen sehr gut aushalten. Hier kann ich auch dem Verein mal ein großes Dankeschön aussprechen, denn die Leute haben sich immer darum gekümmert, dass bei mir alles passt. Ich finde auch, dass Heilbronn eine schöne Stadt ist. Die Umgebung mit den Weinbergen und Wäldern mag ich sehr. HANIX — Du bist durch das Eishockey sehr viel in Deutschland herumgekommen. Welcher Dialekt war für dich am einfachsten und welcher am schwierigsten zu verstehen? LUIGI CALCE—Lass was ich mir mit der Zeit selbst durch Zeitunglesen und Fernsehen beigebracht habe. Am schwierigsten war aber tatsächlich sächsisch zu verstehen. Wenn sich ein Sachse Mühe gegeben hat, habe ich ihn auch recht gut verstanden. Wir hatten damals in Dresden einen Betreuer aus dem tiefsten Wald, der breitestes Sächsisch gesprochen hat und den habe ich wirklich überhaupt nicht verstanden. Das Problem hatten aber meine damaligen deutschen Kollegen auch. HANIX — Ernst Rupp ist der Macher des Eishockeys in Heilbronn. Er ist so etwas wie der Franz Beckenbauer des Heilbronner Eishockeys. Allerdings soll er kein einfacher Mensch sein. es fast jedes Jahr ein anderes Bundesland und ein anderer Dialekt war, war es auch jedes Jahr wieder von Neuem schwer. Meine Zeit im Norden mal ausgeschlossen, da ich damals fast gar kein Deutsch konnte, LUIGI CALCE—Da damaligen Kontakt zu mir hat zunächst Rico Rossi aufgenommen. Den ersten Kontakt mit Herrn Rupp hatte ich, als ich das erste Mal nach Heilbronn gekommen bin. Mich haben viele Leute vor ihm gewarnt und gesagt, dass er etwas schwierig ist. Ich habe aber grundsätzlich keine Probleme mit ihm, obwohl er eine Persönlichkeit ist, die man zu nehmen wissen muss. Er ist einfach jemand, der viele Ideen hat und alles leiten möchte und auch unheimlich viel für das Heilbronner Eishockey opfert. Aber wie bei allen anderen Menschen auch muss man eben wissen, wie man mit ihm umgeht. Wenn er zum Beispiel keinen guten Tag hat, geht man LUIGI CALCE—Den

58
INTERVIEW DES MONATS: LUIGI CALCE ihm eben aus dem Weg, wenn das möglich ist. Ich bin Ernst Rupp sehr dankbar, denn im Eishockey ist es nicht normal, dass jemand acht Jahre im selben Verein spielt und das liegt nicht nur an Rico Rossi, sondern auch an Herrn Rupp. HANIX — Was passiert mit dem Eishockey in Heilbronn, wenn Ernst Rupp nicht mehr Manager ist? bei die meisten Verletzungen eher glimpflich abgelaufen sind. Meine Frau sagt natürlich schon seit Jahren, dass ich aufhören soll, aber ich liebe diesen Sport, und solange es noch geht, ist es natürlich schwer, damit aufzuhören. HANIX — Wovon hängt ab, ob Du nach dieser Saison aufhörst oder weitermachst? Den Verein wechseln wirst Du wohl nicht mehr, oder? kann ich natürlich schwer beantworten und dies wäre wohl eher eine Frage an Ernst Rupp. Klar ist nur, dass es irgendwann einen richtig guten Nachfolger geben muss, aber das hat alles auch noch Zeit. Eines ist klar, Ernst Rupp hat das Heilbronner Eishockey, auch als es schon totgesagt war, am Leben gehalten und gut durch die letzten Jahre gebracht. HANIX — Du sitzt mit deinen Teamkollegen ziemlich viel und lange im Bus. Ihr müsst zum Beispiel nach Bremerhaven fahren, wenn es gegen die Fischtown Pinguins geht. Was macht ihr während der Fahrt? LUIGI CALCE—Vieles. Viel schlafen, Zeitung lesen, manchmal spielen wir Karten, schauen Filme oder TV-Serien auf unseren iPads oder Laptops und manchmal wird auch auf den Tablets gespielt. HANIX — Die weiteste Fahrt ist, wie erwähnt, nach Bremerhaven. Fahrt ihr hierfür auch erst am Spieltag los und nach dem Spiel direkt zurück? LUIGI CALCE—Das allererster Linie wird mein Körper, der nach so langer Zeit schon einiges mitgemacht hat, entscheiden, wie es weitergeht. Ein Wechsel zu einem anderen Verein kommt absolut nicht mehr infrage, soviel ist klar. Entweder spiele ich noch ein Jahr hier in Heilbronn oder ich werde versuchen als Trainer, wenn möglich im Falken-Nachwuchs, tätig zu sein. Später ist natürlich auch ein Trainerposten in einer anderen Stadt denkbar. Den CTrainerschein habe ich schon, im Sommer mache ich die B-Lizenz und natürlich möchte ich auch den A-Trainerschein machen. HANIX — Wieso willst Du Trainer und nicht Manager werden? Du hast es selbst gesagt, irgendwann muss ein richtig guter Nachfolger für Ernst Rupp gefunden werden ... LUIGI CALCE—In bei dieser Fahrt bleibt der Ablauf gleich. Wir fahren sehr früh los, halten einmal lange an, um zu essen und uns etwas die Beine zu vertreten und kommen in der Regel zwei Stunden vor Spielbeginn in der Eishalle an. Dann folgt das normale Aufwärmprogramm für die Mannschaft mit etwas Jogging, Gymnastik und Stretching. Kurz vor dem Spiel haben wir nochmal 20 Minuten auf dem Eis, um das Blut endgültig in Wallung zu bringen. Manche Vereine fahren meines Wissens auch mal einen Tag früher, das haben wir aber noch nie gemacht. HANIX — Neulich erst hast Du versucht den Puck mit deinem Gesicht zu fangen. Wer Eishockey spielt, bleibt von Verletzungen nicht verschont, richtig? LUIGI CALCE—Da gibt es einige Verletzungen, die ich mir zugezogen habe und alle kann ich gar nicht aufzählen. Von Nasenbeinbrüchen, über Schläge an die Schläfe, verlorenen Zähnen, lädierten Schultern bis hin zu allen möglichen Bänderverletzungen war so ziemlich alles dabei, aber auch das gehört zum Eishockey dazu, da es nun mal ein harter Sport ist. Aber ich muss schon sagen, dass es kaum eine Saison gab, in der ich nicht verletzt war. Wo- LUIGI CALCE—Auch ja, sag niemals nie. Sollte sich jemals die Möglichkeit ergeben auch in den Managementbereich zu gehen, werde ich auch das in Erwägung ziehen. Ich glaube zwar nicht, dass ich der neue Ernst Rupp werde, wenn er aber kommt und mich fragt und mir die Möglichkeit gibt, von ihm noch ein paar Jahre zu lernen, bin ich durchaus gesprächsbereit. Im Eishockey ist es immer schwierig zu sagen, was nach der aktiven Laufbahn kommt. Ich habe nur Eishockey spielen gelernt und mit knapp 40 Jahren einen neuen Beruf anzufangen ist natürlich schwer. Auf der anderen Seite reicht das verdiente Geld, im Gegensatz zum Fußballgeschäft, natürlich auch nicht, um gar nichts mehr zu machen. Ich lasse mich einfach überraschen. HANIX — Und Du bleibst mit deiner Familie erst mal in Heilbronn. Deine Frau hat ja ein Restaurant eröffnet und somit steht ein Umzug wohl nicht an? LUIGI CALCE—Nein, ein Umzug kommt nicht in Frage. Selbst wenn ich einen Job als Trainer bekommen sollte, möchte ich unbedingt in dieser Region bleiben. Außerdem haben wir jetzt ein Restaurant in der Heilbronner Innenstadt, das ganz gut angelaufen ist. LUIGI CALCE—Na

59


60
LEEBELLE Yasemin Lee näht süße Monster, dicke Krabbeldecken und Wickeltaschen aus Jeans HANDWERKSKAMMER Ein Gespräch mit Ralf Schnörr, dem Geschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn GUT GESATTELT Ein Hausbesuch bei Sattler-Meister Steffen Würtz SCHIFF AHOI Gebrauchsanweisung zum Schiffchenbau

61
JOSHIS MEINUNG Handarbeitsunterricht heisst jetzt Menuk TW HANDGEMACHTES IN DEN 50ER JAHREN Den DIY-Trend gab es schon in den 50ern - Wir haben den Beweis GÖTTLICHE HÄNDE Rafaela Jeckle über brasilianische Handwerkskunst

62
» IcH M Ac H E MONSTE R , W E I L ES Z U V I E L E EU LE N GI BT« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: LISA BÜRG

63
TITELTHEMA: HANDARBEIT Di e 3 0 - j ä h r ig e Ya s e m in Le e näh t, s e it s ie e in k l ei n es Mä d c hen war le id e ns ch aftlich g e rne . Au f i hrer L o t t a , w ie s ie ih re Näh m as ch ine l i eb evo l l n en n t , h at s ie s ch o n im m e r ih re eig en en K l a m o t t en um g e näh t. Du rc h i hre S c hwa n ge rs ch aft k am d ie Türk in a u f d i e Id ee, l u s t ige Mo ns te r für Babys zu en t wer f en u n d z u näh e n. Wir unte rh ie lte n u n s m it » L eeb el l e« übe r ge m e ins am e Stund e n m i t i hrer Om a vo r d e r Näh m as ch ine , wie s o s ie k ein e s ü ß en Eule n näh t und Pro d uk tio ns a u s l a g er u n g i n d ie Türk e i. H A N I X — Yasemin, Du nähst Krabbeldeckchen, Quietsche-Monster und Wickeltaschen für Babys beziehungsweise für deren Mütter. Wie bist Du dazu gekommen? Bist Du gelernte Schneiderin? Ich bin gelernte Werbekauffrau. Während meiner Schwangerschaft habe ich angefangen, für meinen kleinen Madox zu nähen. Allerdings ist meine Oma gelernte Schneiderin und sie hat mir schon im Kindesalter nähen und stricken beigebracht. Ich habe das Schneidern also wieder neu für mich entdeckt. YASEMIN LEE — H A N I X — Du bist als kleines Mädchen also stundenlang mit deiner Oma hinter der Nähmaschine gesessen und hast mit ihr geschneidert? tag geschenkt bekommen und sie ist auch deutlich älter als ich. Ich habe meine eigenen Klamotten umgenäht oder aufgepimpt. Als der Kleine dann unterwegs war und letztes Frühjahr auf die Welt kam, hatte ich auch einen Grund andere Dinge zu nähen und auch selbst zu entwerfen. H A N I X — Und wieso sind es ausgerechnet Monster geworden, die Du für Babys entwirfst? Y A S E M I N L E E — Ich wollte keine Eulen machen, da die gerade fast inflationär als Baby-Kuscheltiere hergestellt werden und so kam ich dann auf meine Monster, die übrigens mit Rasseln oder Quietschen gefüllt sind. Die Monster haben jeweils auch einen kleinen Henkel und einen Klettverschluss, damit man sie gut mitnehmen und tragen kann, oder zum Beispiel gut am MaxiCosi befestigen kann, wie ich es immer gemacht habe. Ich nähe aber auch Krabbeldecken, die ich ordentlich ausfülle. Meine Decken sind sehr dick, da ich als Mutter natürlich darauf bedacht bin, dass die Decken keine Bodenkälte durchlassen sollen. Die meisten Krabbeldecken, die zum Verkauf angeboten werden, sind meiner Meinung nach viel zu dünn. Als Mutter will man für sein eigenes Kind sowieso das Beste und Schönste. H A N I X — Mit welchen Materialien arbeitest Du am liebsten? Genau. Ich bin gebürtige Türkin. In unserer Kultur ist es üblich, dass die Mädchen solch ein Handwerk beherrschen. Wir haben dann meistens zusammen diese typischen türkischen Platzdeckchen genäht oder Mützen gehäkelt. Da sie selbst Schneiderin war, kamen auch immer Aufträge zum Umsäumen oder Kürzen rein. Solche Sachen habe ich also schon als Kind gemacht. YASEMIN LEE — HANIX — Du bist also keine Nähanfängerin. Wie lange hattest Du vor deiner Schwangerschaft keine Nähmaschine mehr angefasst? Meine Nähmaschine, die alte Lotta, war immer in Betrieb. Lotta habe ich zu meinem 17. GeburtsYASEMIN LEE — Ich arbeite sehr gerne mit Fleece oder Volumenfleece. So werden die Monster schön kuschelig. YASEMIN LEE —

64
TITELTHEMA: HANDARBEIT Für eine Krabbeldecke brauche ich mindestens zehn Stunden. Für ein kleines Monster-Set, das sind drei verschiedene Monster aus Fleece, benötige ich ungefähr sechs bis sieben Stunden Zeit. Es kommt natürlich auch darauf an, wie sehr mich mein Sohn beansprucht. Ich kann durch mein Mutter-Sein natürlich nicht immer nähen, wenn mir gerade danach ist. YASEMIN LEE — H A N I X — Hast Du viele Versuche gebraucht, bis Du mit deinen Monstern und Decken zufrieden warst, oder hat es auf Anhieb zufriedenstellend hingehauen? Dadurch, dass ich keine Nähanfängerin war, hat es eigentlich auf Anhieb gut geklappt. YASEMIN LEE — H A N I X — Erzähl uns vom Herstellungsprozess deiner Monster. Wie gehst Du vor? Es gibt zunächst die Planung. Ich überlege mir die Farben und die Gesichter der Monster und skizziere dies grob vor. Bisher gibt es drei Monsterformen, nur die Gesichter variieren. Aber natürlich gehe ich hier auch auf individuelle Kundenwünsche ein. Nach dem Skizzieren geht es eigentlich direkt an die Nähmaschine. Die Gesichter entstehen durch reine Handarbeit. Die Knöpfe und Applikationen nähe ich von Hand auf. Das geht mit der Maschine nicht. YASEMIN LEE — H A N I X — Wird es in Zukunft mehr als die drei bisherigen Monster-Formen geben? Bei den kleinen Monstern wird es bei den drei bestehenden Formen bleiben. Ich habe aber auch große Monster entwickelt und da wird es mehrere Varianten geben. YASEMIN LEE — H A N I X — Wie würdest Du deinen Zustand beim Nähen selbst beschreiben? Hat die Arbeit für dich etwas Meditatives oder bist Du dabei höchst angespannt und konzentriert? Für die Gesichter der Monster verwende ich Knöpfe und verschiedenste Applikationen. Für die Krabbeldecken verwende ich meistens Baumwollstoffe. Als Füllmaterial verwende ich klassische Füllwatte. Die Wickeltaschen, die ich entworfen habe, sind aus Jeansstoff. Jeans ist auch mein Lieblingsmaterial, obwohl Fleece natürlich viel einfacher zu verarbeiten ist. H A N I X — Wer per Hand arbeitet, braucht Zeit. Wie lange sitzt Du an deinen Monstern, Taschen und Krabbeldecken? Dadurch, dass ich Fulltime-Mama bin, freue ich mich jedes Mal, wenn ich hier in mein kleines Näh-Kabuff komme und etwas anderes tun kann als Wäsche zu waschen, meinen Sohn zu füttern oder was man als Mutter eben sonst noch so zu tun hat. Für mich ist das Nähen total entspannend. Dazu gibt es mir ein gutes Gefühl, da ich etwas erschaffe und kreativ tätig bin und Kunden zufriedenstelle. YASEMIN LEE — H A N I X — Willst Du deine Produktpalette erweitern oder bleibt es bei den Monstern, Decken und Wickeltaschen? Zunächst soll es bei diesem Sortiment, das noch um kleine Taschen für Mädchen und Rucksäcke YASEMIN LEE —

65
TITELTHEMA: HANDARBEIT für Jungen erweitert wird, bleiben. Ich möchte auch weiterhin nur Sachen für Babys und Mütter nähen. Kürzlich hatte aber zum Beispiel eine Kundin angefragt, ob ich auch ein Nestchen für sie nähen würde. Das habe ich dann natürlich auch gemacht. H A N I X — Seit Mitte Januar firmierst Du mit deinen Näharbeiten unter dem Label »Leebelle«. Wie zufrieden bist Du mit dem Start? Y A S E M I N L E E — Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich habe bisher nur Flyer verteilt und es gibt eine »Leebelle«-Facebook-Seite. Und über Auftragsmangel kann ich mich eigentlich nicht beschweren. Ich habe immer etwas zu tun. H A N I X — Wie viel Geld muss man investieren, wenn man »Leebelle«-Produkte bestellen will? kostet ebenfalls 20 Euro und eine Wickeltasche bekommt man für 30 Euro. Die Preise variieren aber auch ein bisschen. Das hängt von den individuellen Kundenwünschen ab. Ich denke, das sind faire Preise für Handgearbeitetes. H A N I X — Hast Du zukünftig auch einen Online-Shop geplant oder andere Vertriebsmöglichkeiten ins Auge gefasst? Das kleine Monster-Set, bestehend aus drei kleinen Monstern, kostet 20 Euro. Ein großes Monster YASEMIN LEE — Es gibt ja »DaWanda«, ein Onlineportal für selbst gemachtes. Dort werde ich meine Sachen in Kürze auch anbieten. Irgendwann soll es auch eine eigene Homepage mit integriertem Shop geben. Aber ich wollte ganz bewusst zunächst klein anfangen, um überhaupt einschätzen zu können, ob Interesse an meinen Monstern, Decken und Wickeltaschen besteht. Sollten mir die Leute die Sachen aus den Händen reißen, wird die Produktion in die Türkei ausgelagert ... (lacht). YASEMIN LEE —

66
»UNSERE HANDWERKSBETRIEBE GENERIEREN ZEHN MILLIARDEN EURO J A H R E S G E S A M T U M S AT Z « INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ & DAV

67
TITELTHEMA: HANDARBEIT Ralf Sc h n ör r s t eh t a n d er Sp i t ze d e r Hand we rk s k am m e r He ilbro nn-Fra nken. Er i st de r j ün g s t e Ha u p t g es c h ä f ts füh re r e ine r Hand we rk s k am m e r in Deutschla nd. Wir sp r ac h e n m i t d em Ba d en er übe r d as Im age d e s Hand we rk s , s e in s elbst gebau te s Gar t en ha u s u n d S c hwa r z arbe it. H A N I X - Herr Schnörr, Sie sind, obwohl Sie noch recht jung sind, der Geschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Wie kamen sie an den Posten? jemand der mit Hammer und Nagel durch die Gegend läuft. Sind sie denn zumindest zu Hause selbst ein passionierter Handwerker? Dies ist eine etwas längere Geschichte. Ursprünglich komme ich aus der öffentlichen Verwaltung, und zwar aus dem Rathaus. Ich habe dann in Kehl Verwaltungswissenschaften studiert und habe danach sechs Jahre bei der Kreishandwerkerschaft in Heilbronn gearbeitet. Da ich mich für Kommunalpolitik interessiere, habe mich 2005 um die Bürgermeisterstelle in Neckargerach, einer kleinen Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis beworben und bin dort auch gewählt worden. Dann trug es sich zu, dass in der Handwerkskammer Heilbronn die Stelle des Hauptgeschäftsführers vakant wurde, da mein Vorgänger in den Ruhestand gegangen ist. So habe ich mich dann im Oktober 2009 auf dieses Amt beworben und bekleide es seit März 2010. RALF SCHNÖRR H A N I X - Sie sind also eher ein Zahlenakrobat als Ich versuche natürlich schon auch ein wenig handwerklich tätig zu sein, zumal ich aus einer einfachen Arbeiterfamilie stamme und in der Landwirtschaft, in der man viele Handarbeiten erledigen muss, groß geworden bin. Ehrlich gesagt bin ich aber in meinem Verwandtenkreis derjenige, der am wenigsten handwerkliches Geschick aufweisen kann und so hat man schon früh festgestellt und gemutmaßt, dass ich irgendwann in einem Büro landen werde. Nichtsdestotrotz gehe ich zu Hause schon relativ zügig an die handwerklichen Aufgaben ran, komme aber auch schnell an einen Punkt, an dem ich dann Hilfe von Freunden oder Verwandten benötige. RALF SCHNÖRR H A N I X - Das El Dorado für viele Männer ist der Baumarkt. Sind sie selbst auch gern in Baumärkten unterwegs? RALF SCHNÖRR - Ich bin zwar sehr selten in Baumärkten,

68
TITELTHEMA: HANDARBEIT lee ansässig sind, sondern auch im Bildungszentrum in den Böllinger Höfen, in der Außenstelle Tauberbischofsheim und in der Außenstelle Schwäbisch Hall. Der Handwerkskammerbezirk geht über die gesamte Region HeilbronnFranken und somit vertreten wir circa 12 000 Handwerksbetriebe mit ungefähr 120 000 Mitarbeitern und 5 000 Auszubildenden. Die Betriebe machen einen Jahresgesamtumsatz von circa zehn Milliarden Euro. H A N I X - Das sind imposante Zahlen. Worin liegen denn die genauen Aufgaben einer Handwerkskammer? aber wenn ich dann mal dort bin, gefällt es mir sehr gut und ich verbringe mehr Zeit im Markt, als ich müsste. H A N I X - Weil man unter seinesgleichen ist? Die Aufgaben der Kammer kann man unterteilen in hoheitliche und freiwillige beziehungsweise dienstleistende Aufgaben. Zu den hoheitlichen Aufgaben gehören unter anderem die Abnahme von Gesellen- und Meisterprüfungen aber auch die Bekämpfung von Schwarzarbeit und gewisse Rechtsberatungen für unsere Betriebe. Im Dienstleistungsbereich möchte ich Themen wie Unternehmensberatung in Form von beispielsweise Nachfolgeregelungen aber auch Beratungen von Existenzgründern nennen. Es finden aber auch Informationsveranstaltungen zu neuen oder geänderten Gesetzen statt. Wir sind natürlich ständig dabei diesen sehr wichtigen Bereich der Dienstleistungen auszubauen und möchten unser Angebot weiterhin erhöhen. RALF SCHNÖRR H A N I X - Ist Schwarzarbeit im Bereich Handwerk tatsächlich ein so großes Thema oder wird es ihrer Meinung nach in der öffentlichen Meinung überschätzt? Ich würde sagen, diese Aussage trifft überhaupt nicht zu. Mir fällt es eher auf, dass, in den Baumärkten in denen ich unterwegs bin, eine gute und ausgeglichene Mischung zwischen Frauen und Männern herrscht. Aber wie schon vorhin erwähnt, so oft bin ich nicht in Baumärkten unterwegs, da es allein meine Zeit nicht erlaubt. Wir haben auch zu Hause eine relativ klare Aufgabenteilung. Meine Frau ist beispielsweise für die Gartenarbeit zuständig und ich darf lediglich den Rasen mähen. Ich möchte aber noch kurz erwähnen, dass ich vor Kurzem ein Gartenhaus selbst aufgebaut habe, welches auch noch steht. RALF SCHNÖRR H A N I X - Kommen wir zur Handwerkskammer HeilbronnFranken, der Sie vorstehen. Wie viele Mitarbeiter sind hier tätig? Für uns sind circa 95 Mitarbeiter in der Spur, die allerdings nicht alle im Gebäude auf der AlRALF SCHNÖRR - Ich würde schon sagen, dass es ein großes aber gleichzeitig auch ein sehr schwieriges Thema ist. Wir erhalten sowohl von Handwerkern als auch von Kunden sehr viele, zum Teil anonyme, Hinweise zu diesem Thema. In solchen anonymen Hinweisfällen wird es natürlich schwierig den Zoll mit ins Boot zu holen, da wir viele Informationen benötigen, um tätig werden zu können. Wir hatten erst vor Kurzem einen sehr großen Fall in der Gerüstbauerbranche, bei dem ein hoher sechsstelliger Bußgeldbescheid erlassen wurde. Diese Beträge nimmt natürlich nicht die Handwerkskammer, sondern die örtliche Polizeibehörde ein. Obwohl der Kammer in solchen großen Fällen auch hohe Kosten entstehen. So mussten wir in dem eben erwähnten Fall aufgrund der Komplexität auch Sachverständige zu Rate ziehen und dementsprechend bezahlen. RALF SCHNÖRR -

69
TITELTHEMA: HANDARBEIT H A N I X - Sie haben erwähnt, dass sie über 120 000 Mitarbeiter hier in der Region betreuen. Welcher ist denn der in dieser Kammerregion am häufigsten und welcher der am seltensten ausgeübte Handwerksberuf? Zu den Spitzenreitern in unserer Region gehören natürlich neben den Friseuren die KFZ-Betriebe, die Elektrotechnik und das Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk. Betriebe wie Metzgereien oder Bäckereien haben es im Gegensatz dazu momentan sehr schwer. Dies hängt mit Sicherheit mit der Attraktivität der Arbeitszeiten und der Konkurrenz der großen Ketten zusammen. Insbesondere ist es in diesen Branchen sehr schwierig Nachwuchs auszubilden und das Angebot in diesen Bereichen ist deutlich höher als die Nachfrage. So existieren momentan noch einige Hundert Ausbildungsstellen, die nicht besetzt sind. Allerdings ist dies kein spezielles Problem unserer Region, diese Problematik existiert bundesweit. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Berufe aussterben, man kann eher sagen dass sich der Markt verschärft und die Betriebe neue Wege gehen müssen. RALF SCHNÖRR H A N I X - Unserer Erfahrung nach kämpfen momentan fast alle Betriebe mit dem Mangel an Auszubildenden. Haben es Handwerksbetriebe noch schwerer, vielleicht weil auch das Image eines Handwerkers nicht auf demselben Level eines kaufmännischen Angestellten ist? ßen Industriebetrieben wie zum Beispiel Audi ist einerseits ein Segen, zugleich aber auch ein Fluch, um es mal überspitzt zu formulieren. Auf der einen Seite sind die Weltkonzerne auch für die zuliefernden Handwerksbetriebe gut, andererseits wird natürlich die Masse an in Frage kommendem Fachpersonal immer kleiner und somit der Konkurrenzkampf um gute Auszubildende größer. Im Handwerk können unsere Betriebe mit monetären Mitteln nur sehr schwer dagegen ankämpfen. Man muss dann versuchen andere Aspekte in die Waagschale zu werfen, wie die sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, das in aller Regel familiäre Verhältnis in den Betrieben und das man jeden Tag sieht, was man mit den eigenen Händen erschaffen hat. H A N I X - Muss man, um genau diese von ihnen eben erwähnten Sachverhalte zu schätzen, ein besonderer Schlag Mensch sein, um Handwerker zu werden? Ich stelle immer wieder fest, dass es viele erst zu schätzen wissen, was sie am Handwerk hatten, wenn sie den Schritt weg vom Handwerk gemacht haben. Und ja, ich persönlich glaube schon, dass man ein besonderer Schlag Mensch sein muss, wenn man Handwerker oder Handwerkerin werden will. RALF SCHNÖRR H A N I X - Ist in den letzten 20 Jahren der Anteil an Abiturienten in handwerklichen Berufen gestiegen? R A L F S C H N Ö R R - Das müsste man natürlich genauer recherchieren. Grundsätzlich vermute ich aber, dass, wenn sich etwas Grundlegendes verändert hätte, es auch aufgefallen wäre und somit liegt es nahe zu sagen, dass sich hier nicht viel verschoben hat. H A N I X - Nochmals kurz zurück zum Imageproblem des Handwerks. Ist das soziale Ansehen von Handwerkern in den letzten Jahren angestiegen oder hinkt es ihrer Meinung nach weiterhin stark hinterher im Vergleich zu anderen Berufen? R A L F S C H N Ö R R - Das ist ganz klar mit Ja zu beantworten, das Ansehen von Handwerkern ist angestiegen. Und ich möchte ihnen auch gleich einen wichtigen Grund dafür mitteilen, nämlich unsere Imagekampagne, die mittlerweile im vierten Jahr läuft. In einer früheren Forsa-Umfrage hat man festgestellt, dass die Vielfältigkeit und Innovationskraft des Handwerks in der Bevölkerung kaum präsent war. Daher hat man diese Kampagne mit viel Geld deutschland- Genau das ist das Problem. Das Image des Handwerks ist leider immer noch ausbaufähig. Da man beispielsweise kein Abitur benötigt herrscht immer noch die Meinung, dass, wenn man es als Kaufmann nicht schafft, man immer noch Handwerker werden kann. Diesbezüglich versuchen wir als Handwerkskammer massiv gegenzusteuern. Denn das Handwerk ist zum Beispiel sehr vielfältig in seinen Angeboten. Es gibt Unmengen an Chancen sich mit einem Handwerk selbstständig zu machen. Man kann nach der Ausbildung den Meister machen oder sogar ein Studium beginnen. Die allgemeine Meinung, dass man im Handwerk auch mit schlechten Noten zu Recht kommt, ist schon lange nicht mehr gültig. Die Anforderungen an den Auszubildenden sind in den letzten Jahren gestiegen, wie in allen anderen Berufen auch. Die Konkurrenz zu den groRALF SCHNÖRR -

70
TITELTHEMA: HANDARBEIT weit ins Leben gerufen, um in allererster Linie das Image des Handwerks aufzupolieren und somit auch Nachwuchs zu generieren. Die Kampagne läuft seitdem sehr erfolgreich und es gibt viele Branchen in Deutschland, die das Handwerk um diese Kampagne beneiden. H A N I X - In Deutschland gibt es zig Handwerkskammern. Um eine bundesweite Kampagne umzusetzen bedarf es demnach eines kammerübergreifenden Konsens. Wer beschließt, dass so eine Kampagne in Auftrag gegeben wird? mertag und den Zentralverband des deutschen Handwerks. In diesen Gremien finden dann regelmäßig Sitzungen statt, in denen deutschlandweite Themen wie zum Beispiel die genannte Imagekampagne, besprochen werden. Hierbei ist jede Kammer dementsprechend stimmberechtigt. H A N I X - Können sie uns etwas darüber erzählen, wie die oberste Instanz der Handwerkskammern darauf kam, die Kräfte zu bündeln und eine gemeinsame Imagekampagne ins Leben zu rufen? Hierzu muss ich zuerst einmal sagen, dass das Handwerk etwas anders aufgebaut ist als beispielsweise die Industrie. Zum einen haben wir das freiwillig organisierte Handwerk, wie zum Beispiel die Innungen und die Fachverbände. Zum anderen gibt es die gesetzlich organisierten Handwerkskammern, wovon es allein in Baden Württemberg acht gibt. Diese sind dann wiederum über den baden-württembergischen Handwerkstag organisiert. So ist das in jedem Bundesland. Als höchste Instanzen gibt es dann auf Bundesebene den deutschen HandwerkskamRALF SCHNÖRR - Der Hauptgrund dieser Kampagne war zuerst einmal ein Forsa-Umfrage, die vom Zentralverband in Auftrag gegeben wurde. Nach dem die Umfrage ausgewertet wurde, hat man sich über alle Kammern hinweg dazu entschieden eine groß angelegte Imagekampagne ins Leben zu rufen, an der sich alle Kammern, nach einem bestimmten Verteilerschlüssel, finanziell beteiligt haben. Der Auftrag wurde ausgeschrieben und die renommierte Agentur »Scholz and Friends« hat das am besten geeignete Konzept vorgestellt und somit den Zuschlag erhalten. Ehrlich gesagt wundert es mich heute noch, dass wir so eine selbstbewussRALF SCHNÖRR -

71
KLEINANZEIGEN te und freche Kampagne fahren durften, da die Altersstruktur in den Kammern nicht unbedingt der Zielgruppe entspricht. Ich bin mit knapp 40 Jahren in Deutschland der jüngste Hautgeschäftsführer, der in den Kammern tätig ist. Somit war es damals sehr mutig von den Entscheidern eine solche Kampagne zu befürworten. H A N I X - Was zu begeistern? macht speziell die Handwerkskammer Heilbronn-Franken um junge Leute für das Handwerk wieder anzustoßen, zu begleiten und zu unterstützen. H A N I X - Und die Betriebe machen gut mit? Wir versuchen die Kampagne auf unserer Ebene und in unserem Einflussbereich zu unterstützen. So haben wir ein Projekt ins Leben gerufen. Mit Auszubildenden aus der Region renovieren wir in einem Zeitraum von drei Jahren die »Heilbronner Hütte« in den Alpen. Eine wunderbare Sache, die allen Beteiligten viel Spaß macht. Die Imagekampagne muss zukünftig allgegenwärtig sein. Sei es auf den betriebseigenen Fahrzeugen, auf Internetseiten aber auch in Begleitung bestimmter Aktionen der Betriebe. Wir als Kammer sind dafür zuständig dies immer RALF SCHNÖRR - Man kann schon sagen, dass wir mit der Mitmach-Bereitschaft der Betriebe noch nicht ganz zufrieden sind. Es ist aber auch klar, dass so etwas viel Zeit benötigt und man auch nie wirklich zufrieden sein sollte. Die Kampagne hat zwar eingeschlagen, das Handwerk ist in der Wahrnehmung der Bevölkerung viel präsenter und es wird, wie erwähnt, auch deutlich positiver wahrgenommen. Der nächste Schritt muss nun sein, dass Betriebe die vorhandenen Werbematerialien bestellen und über die betriebseigenen Kanäle streuen. Das war anfangs sehr überschaubar. Allerdings kann man jetzt, im vierten Jahr, schon davon sprechen, dass das ganze Projekt und auch die Bereitschaft der Betriebe mitzumachen langsam in Fahrt kommt, was aber mit Sicherheit noch gesteigert werden muss und kann. RALF SCHNÖRR -

72
M EI ST ER AU S HABERSc H L Ac H T

73
TITELTHEMA: HANDARBEIT Steffen Würtz ist Sattler. Der begabte Handwerksmeister weiß neben Pferdesätteln, auch anderes aus Leder zu zaubern. Voller Begeisterung und mit tief schwäbischem Dialekt, zeigt er Pflegetipps auf und erklärt warum es für ihn keine andere Berufung geben kann. TEXT & FOTOS: MARIA SANDERS Während andere an diesem Freitagmittag schon Pläne schmieden, wie sie ihr freies Wochenende gestalten, ist Steffen Würtz auf dem Weg zu seinem nächsten Termin. Heute geht es zur Pferdeinhaberin Regina Kunz nach Ettlingen. Der Reitstall Seehof liegt südlich von Karlsruhe und ist von seiner Werkstatt in Haberschlacht gute 60 Kilometer entfernt. Würtz steigt aus seinem weißen Transporter, hievt einen braunen Sattel aus dem hinteren Abteil und läuft zur Koppel. Ein aufgewecktes Wiehern gibt es von der Freiberger Stute zwar nicht zur Begrüßung. Dennoch ist sie sichtlich neugierig, was der Mann in der beigen Arbeitsjacke und der braunen Zimmermannshose darbringt. Skeptisch schaut sie ihn an und lenkt ihren Blick immer wieder in seine Richtung, während er den Sattel anpasst. Würtz lässt sich nicht beirren. Er strahlt Ruhe aus und läuft wie ein Pferdeflüsterer um die Stute. Seine Hand berührt dabei stets das Fell. »Auf acht oder neun«, fragt Steffen Würtz auf tiefbreitem, aber sympathischem Schwäbisch, wie er den Sattelgurt einstellen soll. »Acht ist gut«, antwortet Regina Kunz. Mit kritischem Blick prüft der 36-Jährige, wie der Sattel auf dem Pferderücken anliegt. Von allen Seiten begutachtet er den Sitz. Schon fast ein bisschen mürrisch wirkt er dabei, so konzentriert ist Sattler Steffen auf seine Arbeit. Nun ist auch Pferdeinhaberin Regina schon ganz gespannt auf sein Urteil. »Jetzt sitzt er gut«, sagt Würtz und lächelt. Regina Kunz ist erleichtert und atmet auf. Mit Freundin Melanie kümmert sie sich um das Pferd. Viel zu wichtig ist es beiden, dass es ihrer Stute gut geht. »Genau das schätze ich an ihm«, lobt Kunz seine gewissenhafte Arbeitsweise. »Mir ist es lieber, er nimmt den Sattel noch einmal mit und dafür passt er dann perfekt.« fIeber des selbermachens »Ich bilde doch nicht meine eigene Konkurrenz aus.« Diesen Satz hat der damals 16jährige Würtz oft zu hören bekommen. Das ist auch der Grund dafür gewesen, warum der Beruf eine Zeit lang vom Aussterben bedroht war. Aber das legte sich wieder. Die Renaissance des Westernreitens in den vergangenen 15 Jahren war zeitgleiches Aufleben des Sattlerberufes. »Ich wusste, das will ich machen«, sagt Steffen Würtz entschlossen. Bereits als Teenager half er oft seinem Opa bei handwerklichen Arbeiten und war davon begeistert. Vom Fieber des Selbermachens

74
TITELTHEMA: HANDARBEIT braunes gold Spezialisiert hat sich der Sattler auf den Bereich des Reitsports. Das heißt, Würtz fertigt überwiegend Pferdesättel, Trensen und Zaumzeug an. Doch für ihn ist das noch lange kein Grund, sich ausschließlich darauf zu beschränken. »Leder bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten«, schwärmt Steffen Würtz. Zudem ist es sehr strapazierfähig und je nach Dicke, auch atmungsaktiv. Und so lässt er sich seine kreativen Ideen mit dem brauen Gold nicht nehmen. Neben seinem Hauptgeschäft, dem Sattelmachen, stellt er auch Gürtel, Taschen, Armbänder, Portemonnaies, Babyschuhe und andere Waren aus Leder her. Diese sind im Nebenzimmer der Werkstatt liebevoll sortiert und ausgelegt. Sein Einfallsreichtum ist ebenso vielfältig, wie seine Produkte. Dabei steht ihm Nina Reimold (30) nicht nur zur Seite, sie packt auch selbst mit an. Manchmal schneidet sie Ledermuster, ein anderes Mal flickt sie sie. Die offene Art und das Können schätzt die Lebensgefährtin sehr an ihm: »Seine Gabe ist sein Handwerk, damit kann er anderen eine Freude bereiten.« legende von haberschlacht Plötzlich ist Besuch da. Michael Fender (44) ist mit Tochter Linda (13) in die Werkstatt gekommen, um seine kaputte Lederhose abzuholen. »Wir helfen uns gegenseitig«, so der Abteilungsleiter vom Sportverein Meimsheim. Steffen Würtz nickt zufrieden. Nächsten Samstag findet die Winterfeier statt und dafür benötigt er unbedingt seine Lederhose. Die Männer des Vereins geben dann eine choreografie zum Besten. Seit Tagen sind sie dafür am Proben. Würtz und Fender erinnern sich an alte Zeiten. Sie erzählen von Gustav Schütz, dessen Werkstatt Steffen Würtz 2004 übernommen hat, bis er 2007 in seine heutige Werkstatt wechselte. Gustav Schütz ist eine Legende von Haber- angesteckt, kreierte Steffen Würtz während seiner »Indianerzeit«, wie er sie heute nennt, Mokassins für die damalige Freundin oder baute Tipis, die Zelte der nordamerikanischen Indianer. Nach über 40 Bewerbungen fand Würtz im Jahr 1999 dann endlich eine Lehrlingsstelle in Schweinfurt. Doch bald schon bekam sein Traum des großen Sattlerhandwerks Risse: »Ich überlegte, ob ich die Ausbildung abbrechen sollte.« So groß war die Sehnsucht zu Familie, Freunden und Pferden im heimischen Haberschlacht, einem Ortsteil von Brackenheim. Doch der Bub einer achtköpfigen Familie hielt durch. 2002 endete seine Ausbildung. Es folgten zwei Gesellenjahre in Schweinfurt. Bereits zu dieser Zeit hatte Würtz sein eigenes Handwerksgewerbe anmeldet und bediente freitags und samstags eigene Kunden. Was anfangs noch zu scheitern drohte, verläuft im Nachhinein umso besser: Im Anschluss seiner Ausbildung besuchte der zielstrebige Sattlergeselle die Meisterschule von 2002 bis 2004 und legte damit das Fundament seines heutiges Betriebes.

75
TITELTHEMA: HANDARBEIT schlacht. »Mit ihm ist ein Stück Brackenheim verloren gegangen«, findet Michael Fender. Noch heute sprechen die Menschen vom Meistersattler Schütz. Es ist gut um das Geschäft von Steffen Würtz bestellt. Sein Handwerk ist gefragt. Zumal es im Umkreis von 40 Kilometern nur vier weitere Sattler gibt, die sich auf den Reitsport spezialisiert haben. »Wir kommen uns nicht in die Quere«, so Würtz und ist nicht unbedingt abgeneigt von dem Oligopol. Derweil läuft der kleine Luis immer wieder zwischen Papa Steffens Füße und will spielen. »Na komm‘ her, Zwetschke«, nennt Würtz seinen dreijährigen Sohn liebevoll und nimmt ihn auf den Arm. Dabei erzählt er von einem alten, aber wirkungsvollen Pflegetipp für Glattleder: »Handwarmes Wasser, etwas Essig und dazu neutrale Schmierseife.« Das Gemisch vermengen und das Leder mit dem darin zuvor eingetunkten Lappen feucht abwischen. »Das ist die ideale Grundpflege«, so der Fachmann. eIn wIedersehen Wieder klingelt die messingfarbige Glocke an der Tür. Annette Riexinger tritt herein und staunt. »Wie sich alles verändert hat«, sagt die 41-Jährige und schaut sich um. Vor sechs Jahren hat sie in dem ehemaligen Gasthof »Zur Traube« noch bedient. Sie möchte etwas für Nina Reimold abgeben und fragt Steffen Würtz bei der Gelegenheit, ob er ihren Ledergürtel anpassen könnte. Dieser ist ihr zu groß geworden und weitere Löcher wären gut, damit sie ihn wieder tragen kann. Der Sattler nimmt den Gürtel der Frau entgegen. »Kein Problem«, sagt er und geht zur anderen Seite der rund 70 Quadratmeter großen Werkstatt. Während sie ihm ihr Leid klagt, sind von Steffen Würtz nur zwei wuchtige Schläge zu hören. Mit einem Locheisen hat er rasch zwei neue Löcher in den Gürtel geschlagen. »Jetzt müsst es gehen«, sagt er und überreicht ihr den Gürtel. Die Nordheimerin strahlt vor Freude und zieht den Geldbeutel aus ihrer Tasche. »Was bekommen Sie«, fragt Riexinger bereitwillig, fast jeden Betrag zu zahlen. »Ein Wiedersehen«, sagt der Sattler bescheiden und lächelt sich an. Ganz überrascht schaut sie drein. »Wenn sich meine Kunden freuen«, sagt Würtz nachdem sie fort ist, »bedeutet es mir mehr, als das Geld, das ich dafür bekomme.« weItere Infos unter: www.sattlereI-wuertz.de Fördern Sie unsere Talente! Das Deutschlandstipendium verdoppelt Ihre Spende! Fachkräftenachwuchs für unsere Region sichern www.hs-heilbronn.de/talente

76
TITELTHEMA: HANDARBEIT

77
BLOG www.hanix-blog.de

78
JOSHIS M E I N U N G Unser Kolumnist Joshua ist neun Jahre alt. Er schreibt und illustriert diesmal über Handarbeit und versteht nicht, wie er in der Schule seine Utensilien für den »Menuk-TW«-Unterricht, so heisst der Handwerks-Unterricht heutzutage, in einem Schuhkarton unterbringen soll, wenn seine Stiefoma davon mindestens 60 benötigt.

79
TITELTHEMA: HANDARBEIT Handarbeit ist also das Titelthema von der neuen HANIX-Ausgabe… Handarbeit, Handarbeit… Handarbeit… Wenn ich mir überlege was bedeutet eigentlich Handarbeit dann würde ich sagen alles was man mit den Händen und Gegenständen arbeiten kann. Das bedeutet aber NIcHT, dass alles was man mit den Händen MAcHT, Handarbeit ist. Zum Beispiel sich beim Rülpsen die Hand vor den Mund zu halten ist zwar wirklich fein, trotzdem aber keine Handarbeit. Ich mache Handarbeit in der Schule und das macht Spaß, es kommt meistens auch was Tolles dabei raus. Das Fach heißt Menuk TW (TW steht für Textil Werken), auf englisch sagt man dazu Arts and crafts. Meine Stiefoma macht ganz viel verschiedene Handarbeiten, zum Beispiel Stricken, Nähen, Häkeln, Stopfen, Pätschwörk und alles was ihr einfällt, deshalb sieht ihr Handarbeitszimmer aus wie ein aufgeplatztes Kissen. So viel liegt da rum. Meine TW-Kiste in der Schule ist nur so klein wie ein Schuhkarton für einen einzelnen erwachsenen Schuh, da soll ich dann alles reinstopfen. Wie soll das gehen? Meine Stiefoma bräuchte mindestens 60 davon, aber dann die für zwei Schuhe. In TW hab ich mal eine »Schaukelpuppe« gestrickt. Das ist ein gestricktes Männchen das an einem kleinen Stock hängt, dann muss man den Stock hin und her drehen und das Männchen schaukelt. Deshalb heißt es Schaukelpuppe. Und auch wenn es SchaukelPUPPE heißt ist es nicht nur was für Mädchen, sondern auch für Jungs, schließlich ist es ja ein gestricktes MäNNchen. Dann hab ich schon einen Pappkopf mit echten Haaren dran gebastelt – also nicht echt-echte Haare von irgend jemandes Kopf sondern Stoffhaare waren das. Trotzdem sieht es echt so aus wie echt. Bei mir in der Schule (Elly-Heuss-Knapp) gibt´s eine GTB, also Ganztagesbetreuung, die heißt Elly´s Ecke. Der Scheff davon ist der Stadt- und Kreisjugendring, über die hat HANIX auch schon geschrieben, in der letzten Ausgabe. Dort jedenfalls bau ich gern lustige Robotermodelle aus Holzklötzen, Pappe, Plastik, Korken, Flaschendeckeln… also quasi aus Müll. Die sind echt gut, manchmal sehen sie aber auch scheiße… ääääh, NIcHT SO GUT aus. Naja, kann nicht immer alles gleich klappen. Jetzt hab ich einen Robotervogel aus dem Film »Ritter Rost – Eisenhart und voll verbeult« (muss man schon genau schreiben, damit die Leser wissen, welcher Ritter RostFilm das war) nachgebaut. Im Auto hat meine Schwester aber ihre Tasche drauf geknallt und ein Bein ist abgebrochen, dann musste ich das mit dem Bein nochmal von vorne machen. Da war ich echt sauer, weil es ja viel Mühe war und das blöd ist, wenn andere nicht beachten, dass jemand so lange an was arbeitet. Alle in der Betreuung haben mich komisch angeguckt, weil ich maulig war und der Vogel gestern ja noch heile war. Dinge, die mit Handarbeit hergestellt wurden sind oft wertvoller als Dinge, die von Maschinen gemacht wurden. Aber Dinge, die die Natur macht sind noch viel wertvoller, zum Beispiel Gold, Silber, Edelsteine und Diamanten. Oder was für unser Leben wertvoll ist, so wie LUFT. Handgearbeitete Sachen von Menschen sind deshalb so wertvoll, weil sie meistens mit Gefühl und viel Fleiß gemacht wurden. Als zum Beispiel meine Mama mir und meiner Schwester einen bunten Schal gestrickt hat. Darüber habe ich mich gefreut, weil: Sie hat es mit LIEBE gemacht.

80
DIY IN DEN 50ER JAHREN Aktuell ist der Do-It-Yourself-Trend auf seinem Höhepunkt. Jedes Magazin, egal ob für Männer oder Frauen, gibt Tipps zum Selbermachen. Online-Kaufhäuser wie »DaWanda« bieten Selbstgemachtes bis zum Abwinken an und haben großen Erfolg damit. Was heute trendy ohne Ende erscheint, war aber schon in den Nachkriegsjahren en Vouge. Wir haben auf dem Neckarsulmer Flohmarkt alte Hand-arbeit-Magazine mit dem schönen Magazin-Titel »Die schöne Handarbeit« entdeckt und eingescannt. Unsere große Bildstrecke besteht diesmal aus wunderbaren Faksimiles.

81
TITELTHEMA: HANDARBEIT

82
TITELTHEMA: HANDARBEIT

83


84
TITELTHEMA: HANDARBEIT

85


86
TITELTHEMA: HANDARBEIT

87
TITELTHEMA: HANDARBEIT

88
TITELTHEMA: HANDARBEIT

89


90
TITELTHEMA: HANDARBEIT

91
TITELTHEMA: HANDARBEIT

92
TITELTHEMA: HANDARBEIT

93
TITELTHEMA: HANDARBEIT

94
TITELTHEMA: HANDARBEIT

95
TITELTHEMA: HANDARBEIT

96
HANDWERKER – MENSCHEN MIT GÖTTLICHEN HÄNDEN TEXT: RAFAELA JECKLE FOTO: FOTOLIA Unsere Hände und riesigen Daumen sind verantwortlich für unsere Entwicklung als Spezies. Die Hände der Menschen sind ein wichtiges Arbeitsinstrument, ein tolles Werkzeug. Die Hände sind der Kanal für unsere Kreativität. Mit den Händen bauen wir unsere Welt, produzieren wir unsere Nahrung, machen wir Kunst, nähen wir unsere Kleider und wir fördern den Fortschritt auf unserem Planeten. Durch Ihre Hände zerstören umgekehrt aber auch viele die Welt, bauen Aggression und vermitteln ihren Hass. Schade, denn es ist eine absolute Respektlosigkeit gegenüber diesen wunderschönen Werkzeugen des Körpers. Denn in Wahrheit sind Hände unsere Mittel um Liebe zu

97
TITELTHEMA: HANDARBEIT kommunizieren. Hände sind etwas Göttliches voller Kraft und Energie mit unglaublicher schöpferischer Kraft. Die Hände ermöglichen uns die Menschen zu begrüßen, den Kopf eines Kindes zu streicheln, geschundene Körper zu massieren und sogar zu heilen. Die Hände sind ein Mittel des Glaubens, denn in Religionen auf der ganzen Welt werden sie verwendet, um Gebete zu verrichten. Wir alle sind natürlich Handwerker, weil wir direkt oder indirekt durch die Hände erstellen, arbeiten und die Welt materialisieren. Seit Anbeginn des Planeten haben unsere Händen uns Erfolg gebracht! Deswegen gratuliere ich von ganzem Herzen allen, die ihre Hände benutzen, um die Welt zu verändern. Mein herzlicher Glückwunsch geht also auch an die primitiven Künstler aus den »Cueva De las Manos« in Argentinien, die noch in der Zeit, als Menschen ausschließlich in Höhlen hausen mussten, wussten, dass man die Macht der Hände zu verehren hat. Sie haben eine der bekanntesten Höhlenmalereien der Welt erschaffen. Heutzutage findet man weltweit wunderbare Beispiele kultureller Ausdrucksformen und Wunder, die mit den Händen erschaffen wurden. Der Beruf eines Handwerkers ist so unglaublich vielfältig. Künstler, Ärzte, Physiotherapeuten, Schreiner, Mechaniker, Schriftsteller, Köche – sie sind alle Handwerker und wie alle diese Menschen haben wir Nicht-Handwerker auch unsere Hände um zu erschaffen, herzustellen und Freude zu vermitteln. Wir müssen unsere Hände nur dafür benutzen. Ich zum Beispiel bin eine Handwerkerin der Worte. Mit den Händen füge ich die Buchstaben zusammen, um Geschichten zu erzählen. Die Deutschen sind weltberühmte Handwerker, bekannt für ihre Holzschnitte, Metallarbeiten und Glasbläsereien. In Heilbronn, während der Weihnachtszeit, finde ich für mich außergewöhnliche Handarbeiten. Ob Geschirr aus Keramik, bunte Kerzen oder technisch einwandfreie Nussknacker. Hier in der Region beeindrucken mich auch die Lebensmittelhandwerker, die aus einfachem Korn die unterschiedlichsten Brote backen können. Die schwäbischen Bäcker sind große Handwerker. Nirgendwo sonst in der Welt habe ich so viele leckere Backwaren gesehen. Ganz ähnlich verhält es sich mit den schwäbischen Metzgern. Die Handwerker, die mich am meisten beeindrucken, sind diejenigen, die wahre Kunstwerke erschaffen, wie Gemälde und Skulpturen. Die Bauernmalerei ist ein rustikales deutsches Handwerk. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist sehr bekannt in Brasilien. Es war für mich wunderbar hier im Landkreis Heilbronn diese Kunst dort zu entdecken, wo sie entsteht. In vielen Besenwirtschaften in der Region hängen Bilder im Stil der Bauernmalerei. Last, but not least möchte ich Handwerkskunst aus meinem Heimatland Brasilien vorstellen. In Brasilien manifestiert sich Handwerkskunst in unendlich viele Ausdrucksformen. Ob in Form von farbigen Skulpturen den sogenannten »baianas«, die hübsche, kräftige Frauen aus dem Bundesland Bahia darstellen, bis hin zu einfachen Hüten aus Stroh, die gar nicht so einfach herzustellen sind. Die Besonderheit des brasilianischen Handwerks ist, dass fast alle Materialien, die verwendet werden, aus der Natur stammen und Naturprodukte im unbehandelten Sinne sind. Holz, Steine, Sand, Strohpalmen, Leder und Samen verwandeln sich in reinste Kunst. Durch handwerkliches Geschick, Technik und Kreativität verwandeln sich Naturprodukte in tolle Schmuckstücke, die ich nach meinen Brasilienbesuchen immer gerne mit nach Deutschland bringe, um meinen Freundinnen hier in Deutschland fantastische Federohrringe oder Körnerketten zu schenken. Sehr schön auch sind die Bilder von den talentierten Straßenkünstlern aus Pelourinho, so heißt die Altstadt meiner Heimatsstadt Salvador de Bahia. Die Leinwände sind wie die Anatomie meiner Stadt! Eine andere sensationelle Kunstform arbeitet mit farbigem Sand. Die brasilianischen Handwerker erschaffen Landschaften oder andere Bilder mit farbigem Sand in Gläsern, Flaschen oder Tassen aus Glas. Um mit farbigem Sand zu arbeiten, braucht man viel Konzentration und Inspiration, um das Design in den diversen Glasbehältern zu erstellen. Als mein jetziger Mann noch mein Freund war und mich in Brasilien besucht hatte, war er begeistert von den Hängematten-Handwerkern. Er hat sich sofort eine für seinen schwäbischen Garten gekauft. Unsere Gewohnheit in Hängematten zu schlafen haben wir Brasilianer von den Indianern geerbt, die ihr Leben in die Natur integriert haben. Für die Indianer bedeutet Kunsthandwerk zu produzieren den kollektiven Geist zu entwickeln. In dieser Weise fördern die brasilianischen Ureinwohner Entspannung, Schönheit und Ruhe in ihren Gemeinden. Es ist wunderbar, einfach Körper und Seele baumeln zu lassen. Das kann der Schwabe bekanntlich nicht besonders gut mit seiner Schaffe-Schaffe-Mentalität. Mein schwäbischer Ehemann kann das inzwischen aber ganz gut. Dank eines brasilianischen Hängematten-Handwerkers.

98
QUIZ DIcH GL Ü c KLIcH !

99
TITELTHEMA: HANDARBEIT FRAGE: SEIT WIE VIELEN JAHREN SPIELT LUIGI cALcE INzWIScHEN BEI DEN HEILBRONNER FALKEN? LUIGI cALcE IST FALKEN-KAPITäN UND PUBLIKUMSLIEBLING IN DER HEILBRONNER EISHALLE. DER ITALO-KANADIER SPIELT VIELLEIcHT SEINE LETzTE SAISON PROFI-EISHOcKEY. MIT DEN HEILBRONNER FALKEN IST ER EINST IN DIE 2. BUNDESLIGA AUFGESTIEGEN. PEARLS DIAMOND LEEBELLE CHOUCHOU BURNSIDE 50€-Gutschein 3er Monster-Set 3 x 20€-Gutschein 2 x Skull-Caps Ob Frühstück, Abendessen oder einfach einen leckeren Cocktail schlürfen: im Pearls and Diamond ist man für all das an der richtigen Adresse. Wir verlosen einen Gutschein im Wert von 50 Euro. Die Leebelle näht lustige Monster für Babys. Wir verlosen ein 3er-Set der Leebelle-Monster. Natürlich sind die Kuschelmonster von Hand und mit ganz viel Liebe gemacht. Handarbeit made in Leingarten! Französischer Chic und Coolness in Heilbronn. chouchou, die kleine und sehr feine Boutique in der Oberen Neckarstraße verlost drei Gutscheine im Wert von je 20 Euro. www.burnsideshop.de verlost zweimal Luckies Skull Caps im Doppel-Pack um dein Bike auf zu pimpen. Stilvoller kann man Luft nicht im Fahrradschlauch halten. Viel Glück! WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: HÄNDE HOCH EINSENDESCHLUSS IST DER 19. MÄRZ 2012. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: GLEIS 3

100
EIN BRIEF VON KATHARINA STRACK-BECKER TON: PHILIPP SEITZ / GELESEN VON RADANA BROCKHOFF STEcKBRIEF N a m e: Ka t h a ri n a S t ra c k- B e c ke r Al t er : 41 B eru f: ( Di p l . S p o r t ) , M a ss a g e-T h era p e uti n, co a c h + B u s i n e ss O w n er H e rku n f t : H e i l b ro n n Wo h n o r t : Ka p a a , Ka u a i , H awa i i I n H awa i i s ei t : 1 0/2 0 0 2 H ei m a t b e s u c h e p. A. : Deu t s c h l a n d c a . 2 x p ro J a h r, Hei l bro nn c a . j e d es z we i t e J a h r Ve rb l i e b en e Fre u n d e i n d e r H e i m a t : E rs t a u n l i c h v i el e L i e b l i n g s o r t a u f H awa i i : Ke a h u a Arb o re t u m Ka u a i , Ka m a l a ni Ka i B e a c h , et c . . . L I E B E H E I M AT, dieser Brief an dich aus der Ferne macht mir Freude, denn er gibt mir die Gelegenheit nochmals nachzufühlen, was meine Heimat mir tatsächlich noch bedeutet und jemals bedeutet hat ... Ich lebe nun seit über 10 Jahren in Hawaii auf einer kleinen wunderschönen Insel namens Kauai. Es ist die älteste der bewohnbaren hawaiianischen Inseln und sie wird auch die Garteninsel genannt. Sie ist sooooooooo grün. Ich bin sicher, Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele verschiedene Grüntöne es hier gibt. Und dann stelle dir inmitten des vielfältigen, üppigen Grüns auch noch die vielen bunten exotischen Blumen und Bäume vor, dann hast du einen kleinen Eindruck dieses paradiesischen Gartens. Nun stelle dir vor, dass dieser wundervolle Garten umgeben ist von gaaaaaanz vielen traumhaften, beinahe menschenleeren Sandstränden und von viel Sonne und Meer, dann glaubst du mir bestimmt, ich bin hier wirklich im Paradies! Ich sende dir ein paar Fotos mit, damit du dir noch besser vorstellen kannst, wie es hier aussieht! Und weisst du, das Schönste an allem ist hier für mich, dass in diesem Paradies sehr sehr liebenswerte Menschen leben. Hier leben Menschen, die voller Herzlichkeit sind, die mich anlächeln egal, wohin ich gehe, die geduldig auf mich warten, wenn ich mal länger brauche oder wenn ich mich verspäte. Weisst du, wenn du hier in einen Coffeeshop gehst und es dir nichts mehr ausmacht, gegebenenfalls bis zu 15 Minuten auf deinen »Coffee to go« zu warten, dann bist du hier angekommen, in der Ruhe und Gelassenheit, die die Menschen und das Land ausstrahlen. Wenn ich Auto fahre und im Stau stecke (das kommt hier auch schon mal vor), dann nehme ich mir diese »geschenkte« Zeit, um über die Dinge nachzudenken, wo ich sonst nicht dazu komme, und bin geduldig, und ich sehe in den anderen wartenden Autos ebenso friedliche Gesichter ... Wozu der Zeitdruck, wozu hupen? Ändern kann man die Situation eh nicht, also machen wir das Beste daraus ... Und das sind nur ganz wenige der so vielen »Kleinigkeiten«, die mich hier so zufrieden leben lassen. Weisst du, liebe Heimat, wenn ich ganz ehrlich bin, so habe ich mich bei dir nie so ganz zuhause gefühlt. In mir wollte das warme, verwurzelte Heimatgefühl damals einfach nicht aufkommen, das ich von den meisten meiner lieben Freunde so gut kannte. Damals habe ich mich immer gefragt, was an mir verkehrt ist, dass ich nicht diese tiefen Heimatgefühle empfinden konnte ... Versteh mich nicht falsch, ich habe dich und mein Leben dort sehr geliebt, nur heute weiss ich, dass es für mich eine sogenannte Seelenheimat gibt. Meine Seele fühlt sich hier auf dieser kleinen Insel so sehr zu Hause, wie ich mich bei dir nie zuhause gefühlt habe! Mein Herz ist warm, wenn ich dieses Gefühl von Heimat hier spüre. Zugleich fühle ich, je mehr ich hier ankomme und zuhause bin, wie sehr ich auch mit dir verbunden bin, eben auf eine andere Art! Ich bezeichne dich als meine Herkunftsheimat; die Heimat, in die ich geboren wurde, und die mich genährt hat und mir die Basis gegeben hat und zu der gemacht hat, die ich jetzt bin und dafür bin ich sehr sehr dankbar! Je länger ich hier bin, desto mehr weiß ich diese vielen Geschenke, die du mir gemacht hast, zu schätzen! Du bist mir nach wie vor einfach sehr vertraut! Ich habe

101
BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS K APAA, K AUAI, HAWAI mich nie mehr irgendwo so gut im Wald ausgekannt wie bei dir, Waldwege, Feldwege, Fahrradwege, selbst die verstecktesten Wege in der Stadt und in den Dörfern kannte ich! Mit dir habe ich die ersten 20 Jahre meines Lebens verbracht, bevor mich die Stadt Köln in die Ferne gerufen hat und von dort aus die Insel Kauai! Und, ich kann dir sagen, ich habe nirgends in der Welt so gute Maultaschen gegessen wie bei dir! Und, jedes Mal wenn ich dich besuche und wieder mal in einen Supermarkt gehe, läuft mir das Wasser im Mund zusammen, denn ich kann mir nach all den Jahren immer noch so genau vorstellen, welcher Geschmack sich in den Produkten in den Regalen verbirgt. Als wäre ich nie weg gewesen, weiß ich genau wie beispielsweise ein Landliebe Joghurt und richtiger Quark schmeckt, den es hier gar nicht gibt oder eine echte Heilbronner Seele! Gute Milchprodukte und vor allem gutes echtes Brot vermisse ich hier, vor allem die vielfältige Auswahl an den leckersten Vollkornbroten, Brötchen und Süßstückchen der Welt in deinen Bäckereien! Ich hatte auch schon mehrmals die Gelegenheit, dich meinen hawaiianischen Freunden und Lehrern vorzustellen. Es hat mich begeistert zu erleben, mit welcher Offenheit meine Herkunftsheimat die Menschen meiner Seelenheimat aufgenommen hat. Damit hat sich für mich ein Kreis geschlossen ... indem ich der Stimme meines Herzens in die Ferne gefolgt bin, habe ich nichts verloren, sondern nur noch viel mehr gewonnen. Nun steht die Brücke zwischen Kauai und Heilbronn, zwischen Hawaii und Deutschland, zwischen Polynesien und Europa ... auf dieser Brücke reist der »Spirit of Aloha« hin und her, nicht nur zwischen mir und dir, sondern auch zwischen den vielen Menschen, die diese Brücke mit mir in den letzten zehn Jahren bereits betreten haben und noch betreten werden ... Sehr viel könnte ich dir noch über den »Spirit of Aloha« und die faszinierende Weisheit der Kultur im Pazifik berichten, doch das sprengt an dieser Stelle den Rahmen. Wenn du mehr erfahren möchtest, dann antworte mir, du kennst ja jetzt meine Adresse und kannst sie jederzeit im Internet unter www.touchkauai.de nachsehen. Mit ganz herzlichen Grüssen aus Kauai, Deine Katharina P.S. Auch mein lieber Ehemann Enrico, den ich hier finden durfte, sendet dir liebe Grüsse, er hat dich auch schon kennengelernt!

102
AROUND THE WORLD MIT PATRICK ORTWEIN E I N J A H R U M D I E W E LT TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: PATRICK ORTWEIN

103
ARO UND THE WORLD: RÜCKBLICK »Ma te r i e kön n en w ir a n f a s s en , das be we is t, d as s s ie e xis tie r t. Die Sc h we rkr a f t o d er d a s So n n enlich t k ö nne n wir zwar nich t anfa sse n , ab er s i e s in d d en n o c h e xis te nt, we il s ie auf Mate rie wirke n . … Ha b en Sie s i c h n o c h nie g e wund e r t, we s h alb d ie Uhre n , di e uns d ie Zeit a n g eb en, nich t auch vo n d e r Ze it be trie b e n we rde n , s o n d er n vo n Fede rn, Zah nräd e rn o d e r Batte rie n?« Das ist ein kleiner Auszug aus Martin Suter’s Roman »Die Zeit, die Zeit«. Schon der Titel birgt etwas leidvolles das mit dieser Thematik verbunden ist, wie eine Litanei auf ein Schicksalsgefüge das uns überraschend heimgesucht hat. Für Suter eine Hypothese dass man sehr wohl die Existenz der Zeit selbst in Frage stellen kann, ist für jeden von uns die Konfrontation mit einem Phänomen das uns im Alltag nachjagt. Wieviel Zeit bleibt uns im Leben, was vermögen wir in der uns vergönnten Zeit zu unternehmen und viel wichtiger : Was ist ihrer würdig ? Was wäre wenn. Klingt trivial, aber so ist es. Wir kommen nicht immer darum uns zu fragen wo wir wären, hätten wir das ein oder andere anders gemacht. Den Entschluss habe ich lange vorher gefasst, aufgebrochen bin ich im November 2011. Eigentlich nicht auf eine Reise, denn diese hat in der Regel ein Anfang und ein Ende. Ich hab mich auf die Reise begeben, vielleicht trifft es das eher. Und genaugenommen würde ich es auch nicht als EINE Reise beschreiben, vielmehr als mehrere, unabhängige Etappen. Doch darauf kommen wir später. Den Versuch unternommen die Zeit und Suggestionen anderer Menschen die meinen zu wissen was im Leben wichtig ist, zu ignorieren, bin ich dann eben mal losgegangen. Ich sah faktisch, dass mir ein paar Jahre Zeit bleiben um die Welt ein bisschen zu erforschen, hier und da einiges mitzunehmen und zu lernen, und dann war’s das auch schon mit der Sache die wir das Leben nennen. Und es gibt viel zu lernen in der Welt, dabei spielt die zeitliche Abfolge keine Rolle. Wenn man Suter’s These glauben darf, dann existiert die Zeit nicht, sondern lediglich Veränderung. Und wenn nur Veränderung besteht, ist es doch egal in welcher Abfolge ich vom Bankkaufmann, zum Marinero, und am Ende vielleicht zum Familienvater werde (Vaterschaftsklagen bitte bis zu meinem 30. Lebensjahr zurückhalten). Wichtig ist nur sich stets daran zu erinnern dass man eben nicht alles weiss, dass es für jeden überall und von allem etwas zu lernen gibt. Also bin ich aufgebrochen, für einfach mal solange wie ich Lust habe und die einzige Prämisse die ich mir dabei selbst gesetzt habe, war kein Flugzeug zu benutzen. Der ursprüngliche Plan war, so um die Welt zu reisen. Ich kann vorneweg nehmen, dass sich Pläne ändern und ich meinen Plan vielleicht nicht gänzlich verworfen habe, dennoch zurückgestellt. Wenn man reist, ist es zwar durchaus wichtig sich immer ein paar Ziele zu stecken, denn es ist sehr leicht einfach in den Tag zu leben und sich dabei ein bisschen in der Welt zu verlieren. Doch man sollte nicht zwanghaft an etwas festhalten das dem eigenen Glück im Weg steht. Woran ich jedoch festhalte, ist ohne Flugzeug weiterzureisen, aus der Prämisse wurde eine Ideologie und ein Flugzeug ist und bleibt für mich rein pragmatischer Natur, etwas womit man eine Etappe überspringt um zu einem Ziel zu gelan-

104
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK gen. Ein Exempel unseres Zeitgeist, alles sofort zu haben, keine Grenzen zu kennen und immer mehr zu wollen. Ein Katalysator für die Unzufriedenheit - denn die Adaption an Bequemlichkeit kennt keine Grenzen, und ein potentieller Verlust der Grössendimension unserer Welt. Wenn ich jetzt will kann ich in weniger als 24 Stunden von Trinidad in Singapur sein, um die 20 km nach Venezuela ohne Flugzeug zurückzulegen, muss ich mit den örtlichen Fischern interagieren, Risiken nehmen vor denen Geld nicht schützt und womöglich mehere Tage bis Wochen einplanen bis ich loskomme. Eine Reise ist jeden Meter zu spüren den man zurücklegt, damit verbundene Unbequemlichkeiten einzustecken, aus diesen zu lernen und möglicherweise auf dem Weg kurzerhand den Plan zu verwerfen um woanders rauszukommen als geplant. Nein, »go with the flow« ist nicht nur eine banale Floskel. Ein Flugzeug ist ein Mittel zum Zweck, wenn »die Zeit begrenzt ist«. Doch mal ehrlich, ist sie das? Was weiss ich. Klar denke ich noch in einer europäischen Zeitdenke, alles andere wäre gelogen. Wenn gerade eine da ist, dann schaut man auf die Uhr und sieht nach wieviel Zeit noch zum arbeiten bleibt bevor die Nacht ein104 bricht, oder man fragt in einem Dorf in Gambia wie lange der Fussweg bis zum nächsten Dorf dauert. Ein Grund übrigens für einen 1A Nervenzusammenbruch, denn ob das Ziel 10 min oder 1 Tag weit entfernt ist, als Auskunft bekommt man meistens »eine Stunde«. Hier bekommt die Zeit noch keine allzugrosse Bedeutung zugemessen, und etwas das nicht materieller Natur ist, oder auf Materie wirkt und das man ausser Acht lässt, büsst seine Bedeutung und damit seine Existenz ein. Und ja, ich zähle auch hin und wieder die Monate und stelle fest dass ich schon ziemlich lange, ziemlich weit weg von Freunden und Familie bin. Es ist schwer sich um etwas anderes zu kümmern ausser ums Reisen, wenn man jeden Tag eine Ladung neuer Eindrücke ins Gesicht geschleudert bekommt, hin und wieder arbeiten muss, neue Menschen kennen lernt und dann doch gleichzeitig den Menschen in der alten Heimat treu bleiben will. An dieser Stelle also ein kleiner Nachruf an all meine Freunde: »Leute, Ich denk öfters an euch als dass ich es gebacken bekomm zu schreiben, verzeiht mir!« Und ein weiterer Nachruf für das Finanzamt: »Wenn ich von arbeiten rede, dann meine ich selbstverständlich ehrenamtliche, un-

105
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK bezahlte Arbeit, die keine Versteuerung bedarf« Und noch ein letzter fuer das Hanix Magazin: Eigentlich wurde ich gebeten einen kleinen Rückblick für die Jahresendausgabe des Hanix über meine Reise zu verfassen. Eigentlich wäre ich zu der Zeit auch noch auf den Kap Verden gewesen, hätte eigentlich auch einen Computer und mit etwas Glück auch Internet gehabt. Aber eigentlich hätte da auch die Welt untergehen sollen, was zeigt dass nichts ist wie es eigentlich sein sollte… und dass das Wort »eigentlich« eine Plage ist. Ich war nicht mehr auf den Kap Verden, hatte keinen Computer, und alles andere als festen Boden unter den Füssen. Naja, und die Welt, soweit ich das beurteilen kann, steht noch. Vermutlich sehr zum bedauern des durchgeknallten Engländers Roger, der sein Boot auf Grenada an ein ausserst liebenswürdiges, junges Pärchen aus Südafrika verschenkt hat, und sich mit den Worten verabschiedete: »Nehmt das Boot, nehmt es und wenn die Illuminati zur Apokalypse auf die Erde kommen, dann geht! SEGELT SOWEIT IN DEN PAZIFIK WIE IHR NUR KÖNNT! Ich fliege nach England um meine Tochter zu retten…!« … Armer Irrer, noch viel ärmere Tochter und glückliches Pärchen. Katy und Stephan werden übrigens tatsächlich in den Pazifik segeln, auch ohne Weltuntergangszenario, jedoch um Kokosnüsse zu schlürfen und um Inseln anzusegeln, deren Namen man nicht aussprechen kann, wo die indigene Bevölkerung immernoch versucht Flugzeuge mit Speeren vom Himmel zu holen. Aber das ist eine andere Geschichte. Meine Geschichte hat mich zu der Zeit ungefähr hierhin verschlagen: 14 Grad, 10 min, Nord ; 57 Grad 41 min West. Wer sich jetzt tatsächlich die Mühe gemacht hat zu schauen wo das sein soll, wird gemerkt haben dass es wohl zu dem Zeitpunkt kein Mensch interessiert hat. Mitten auf dem Atlantik, noch ca 187 Nautikmeilen vor der Küste von Martinique, bereits 20 Tage auf See und habe noch nicht ein Schiff in all den Tagen gesehen. Eigentlich war es nur ein einziger langer, langer Tag. Essen, schlafen, rauchen, schlafen, Kaffee trinken und hin und wieder ein Ausruf des Kapitän: »oh puton une tempête!« (»Oh scheisse ein Sturm!«). Ja das und die Geschichten meines Kapitän, waren das einzige was vermochte die Monotonie zu durchbrechen. Eine angenehme ambivalente Form der Monotonie. Wir haben zu zweit eine 8-Meter Yacht

106
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK von den Kap Verden nach Martinique übergesetzt. Kirk, ein 68-jähriger 68er, ursprünglich aus Frankreich, lebte im Alter von 18 über einen Zeitraum von 2 Jahren mit seiner Frau bei einem Nomadenstamm in der West-Sahara und ist seitdem sein Leben lang auf Reisen. Er lebte über 30 Jahre in der Karibik und hat mit seinem Boot Charter gefahren. Sein Sohn wurde auf einem Boot geboren und hat nie an Land gelebt. Er hatte zwei eigene Boote, eines davon hat er versenkt weil er mit einer brenndenen »Gute-NachtZigarette« eingeschlafen ist, und kurz darauf vom Wasser aus einem Feuerball beim Sinken zusah. Das gibt zu denken. Kirk selbst kehrte erst vor einem Jahr, aufgrund seines dritten Herzinfarktes, nach Frankreich zurück um, wie er sagt, »nach einem coolen Leben mal so langsam den Löffel abzugeben«. »Weisst du ich hab wenigstens gelebt, eure Jugend ist doch »une tristesse«. Wir waren richtig frei damals, da kam die Pille und all die abgefahrenen Drogen und das beste: es gab noch kein Aids. Klar, die Siphillis gab´s schon, aber dann haust du eben ein bisschen Penicillin drauf und schon ist´s weg! Und ihr müsst diese scheiss Verhütungsmittel benutzen und euch das Gerede über die Spätfolgen von LSD anhören…« Dann zündet er sich eine »GuteNach-Zigarette« an und legt sich schlafen. Ungeachtet der Untiefen die uns vor der Küste der Insel Fogo erwarteten. Wie komm ich also zu diesem Paradiesvogel, der auf jede lebensgefährliche Situation mit einem »Insha Allah« kontert. Alors, nachdem ich meinen Wohnort auf den Kap Verden von einem Schiff in Santiago, auf die Berge und später die Hauptstadt der Nachbarinsel gewechselt habe, wo ich mich bereits ziemlich heimisch gefühlt habe, bekam ich eines Tages einen Anruf von einem Freund in Tarrafal, auf dessen Boot ich gelebt, gearbeitet und auch navigiert habe. Ein kurzer Anruf, der ziemlich schnelle Handlungen mit sich zog. »Hey, nächste Woche muss ein Segelboot nach Martinique übergesetzt werden, in die Karibik, Verpflegung und alle Kosten werden übernommen, du segelst mit einem Kumpel von mir, bist du dabei?« Und so schnell hab ich also alles hinter mir gelassen. Zugleich wurde mir bewusst wie weit ich schon gereist bin und dass die Kap Verden nicht nur mein Ruhepol nach einer anstrengenden Reise durch Afrika war, sondern ein bisschen zu meinem Zuhause wurde. Anstrengend, da es sich zwar idyllisch anhört zwischen zwei Welten, dem Meer und Sanddühnen durch die Sahara zu trampen und die Nächte im Zelt zu verbringen, die Realität jedoch hier und da anders aussieht. Da kommen dann eben auch mal wilde Hunde die das Zelt nachts umkreisen, deren Gebell dich schon eine halbe Stunde vor ihrer Ankunft aus dem Schlaf holt, während ich mich zurücksehne in mein WG Zimmer wo ich mit meinen Mitbewohnern gemütlich abends ein Bier trinke und keine Hunde auf »Mein Zuhause« urinieren. Ja, Reisen ist eben kein Urlaub, Reisen ist anstrengend, und bildet. So hab ich wohl am meisten von den einfachsten Familien gelernt, von denen ich eingeladen wurde, bei den tausenden von Kilometern die ich mittlerweile bereits gehitchhiked bin (ausser Booten, Autos und Motorrädern ist es mir sogar gelungen ein Pferd und einen Esel inmitten der Metropole Dakar zu hitchhiken). Ich habe Eindrücke gesammelt, gelernt die

107
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK Diversität der Kulturen immer aufs Neue mit objektivem Blick zu betrachten und auch mal harte Erfahrungen einstecken müssen. Ein Motorradunfall in Guinea, der mich ins Krankenhaus nach Bamako, Mali, brachte, wo zu der Zeit gerade der »Coup d’Etat« ausbrach und mich inmitten eines Chaosgebiet befinden liess. Ja, das war wohl eher eine beschissene Situation, doch da waren auch andere, interessante, witzige Erfahrungen. Wir erinnern uns an Suter und seine These bezüglich der Zeit. Ich frage also einen Fahrer wie lange es noch dauert bevor wir den Mercedes 5-Sitzer zu 9. besteigen und eine 36 Stunden Fahrt über die Grenze von Senegal nach Guinea starten. »Gleich«, antwortet er, »es fehlt nur eine Person, wir starten gleich«. 3 Tage und 3 Naechte haben wir auf diese verdammte Person gewartet. Nächte die Ich auf einer schmutzigen Strasse neben dem Auto zubringen musste, der Geruch dieser Strasse traf auf meine Müdigkeit und forcierte sie zu… nichts! Mein Kopf war leer, eine absolute Nonchalance war alles was zurückblieb, zu müde um an irgendetwas zu denken und die Situation angemessen zu beurteilen. Die erste Nacht habe ich kein Auge zugebracht. Ein bisschen besorgt über die forschenden Blicke der Menschen um mich herum. Während des zweiten Tages bin ich immer wieder eingenickt, hab die ersten Bekanntschaften geschlossen, meinen Rucksack unter meinen Kopf gelegt und einfach geschlafen. In der zweiten Nacht fand ich mich inmitten der ganzen Leute wieder, wir tranken Kaffee, assen alle zusammen aus seiner grossen Schüssel Reis mit Fisch und die ganzen Zweifel die mir zuvor durch den Kopf gingen waren verflogen. Meinen Rucksack liess ich auch mal unbeaufsichtigt liegen. Vertrauen ist das Wichtigste. Zu wenig ist eine Barriere, zuviel eine Erfahrung. Als ich in den Nächten auf der Strasse lag wurden mir einige Dinge bewusst. Zum einen, dass ich das sicherlich nicht mein ganzes Leben lang tun kann, schon gar nicht mit 68 wenn ich möglicherweise meine Rente ausbezahlt bekomme, vielleicht auch nicht. Zum anderen hab ich mir Gedanken über den Wert des Selbstwertgefühls gemacht und beschlossen dass es gar nicht existiert, sondern lediglich die Angst vor der Beurteilung durch andere. Es ist alles andere als einfach sich damit abzufinden einige Zeit auf der Strasse zu schlafen, über Wochen hinweg gibt einem das zu denken und man hinterfragt ehrlich ob es das wert ist. Ist es. Ich war damals so glücklich wie gerade im Moment, auch wenn ich etwas dekadenter auf einem Boot im Hafen vor Chaguaramas, in Trinidad und Tobago hause. Gut, wir haben kein Gas und meistens auch kein Licht, aber dafür einen abgefahrenen Jungle um uns wenn wir morgens aufwachen, eine Kabine die Privatssphäre gewährt, was mir wichtig ist, und einen Job der ein bisschen Regel in den Tagesablauf bringt (ehrenamtlich, versteht sich!). Ich arbeite gerade an einem Holzmast zweier Franzosen, kämpfe mit der Ausbesserung des beschädigten Holzes in der vertikalen und werde ihn anschliessend streichen. Im Prinzip arbeite ich an dem Boot bis es wieder im Wasser ist, werde dann meinen Klettergurt nicht mehr für den Mast des Segelboots benutzen sondern wieder meinen Rucksack aufsetzen und mich zum Klettern nach Venezuela begeben. Thomas und ich suchen derweil nach einem Ruderboot um die Strecke

108
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK

109
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK zu überwinden, die aus diversen Gründen von den meisten Seglern gemieden wird. Wir sind uns einig, dass wenn wir einmal auf dem Kontinent sind, eine neue Etappe, eine andere Reise beginnt und wir haben wohl beide genug vom Inselleben fürs Erste. Auch wenn man hier wohl Jahre zubringen könnte. Thomas hab ich übrigens in Martinique kennengelernt, er ist so alt wie ich, aus Frankreich und hat den Atlantik von La Rochelle mit einem Katamaran traversiert. Wir lernten uns kennen als ich nach den ersten 3 Tagen in Martinique von Board ging, mit einer riesigen Tüte Essen versorgt wurde und mich an den Strand »plage du surf« in Tartane begab. In Begleitung meiner neuen Freundin, 6.5 Fuss gross, wenig volumös und äusserst geschmeidig zu handhaben wenn ich sie mit der richtigen Technik mit Füssen trete…. Nein, ich rede nicht von postkolonialer Sklaverei, sondern von meinem Surfbrett. Mit diesem und meinem Zelt hab ich 10 Tage am Strand von Tartane in Martinique zugebracht, da diese Insel viel zu teuer für meinen Geschmack ist. Dort habe ich beim Surfen Thomas kennengelernt der bereits 2 Monate auf der Insel festhing und dessen Finanzen darunter stark litten. Er ging so ziemlich pleite kann man wohl sagen. Als ich eines morgens beim Bäcker Broot kaufte bin ich in einen Segler gelaufen der eine Crew suchte, Thomas angerufen und mich am Tag drauf auf einem Katamaran wiedergefunden. So kamen wir über Barbados nach Trinidad. Auch wenn nicht alles glatt ging. To keep a long story short … Ich habe gelernt dass man besser genau nachfragt bevor man bei irgendjemand aufs Boot geht und ich lerne immer wieder dass es verdammt viele Freaks in der Welt der Segler gibt. In Trinidad lernten wir Ricardo kennen, einen Spanier mit einem 50 Fuss grossen Boot mit welchem wir nach Grenada und zurück segelten und auf dem wir jetzt mit Hali, einer Engländerin und Garance, einer Franzosin alle zusammen wohnen. Ja, ich denke wir hatten Glück, das hat man nicht immer, aber meistens läuft man am besten wenn man wie ein Kind das seine ersten Gehschritte unternimmt, ganz naiv immer wieder aufsteht und weiterwackelt bis man wieder auf die Schnauze fällt. Das Weinen kann man sich jedoch sparen, in den meisten Teilen der Welt gibt es da wenig Erbarmen. Trinidad ist einer dieser Orte. Reisende die seit Jahren hier sind, seit Jahrzenten unterwegs, eindrucksvolle Persönlichkeiten und so richtige Mistkerle. Jeder versucht ein bisschen Geld zu machen und manche scheuen vor keiner Gelegenheit zurück einen anderen auszunehmen. Da werden Boote gestohlen, weiterverkauft, der Diebstahl bei der Polizei gemeldet und doppelt abkassiert, usw… Ich geb euch ein Beispiel: Thomas ging mit einem vermeindlichen Freund zu den Fischern, in einer eher bizarren Ecke des Hafens um ein bisschen … Tee für den Abend zu kaufen. José, der venezuelanische Fischer, meinte am Tag drauf zu mir »wär ich in Venezuela mit ihm alleine gelaufen, hätte ich ihn bis aufs letzte ausgenommen«. Ich hab ihn gefragt was er getan hätte wenn Thomas ihm kein Geld gegeben hätte. José mimte mit seiner Hand eine Pistole nach die er zweimal abdrückte… »pewpew«. Und lächelte zwiespältig. Man kann das für einen schlechten Scherz nehmen, da José’s Geschichte allerdings allseits bekannt ist, und jeder weiss dass er sich nicht aus Freude am Fischen beteiligt, sondern diverse Probleme mit ein paar Jungs in Venezuela hatte, die von seinem Cousin »aus der Welt geschafft« werden mussten, ehe er zurück konnte, hatten wir wenig Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Die Welt ist keinesfalls schlecht, nur gäbe es ohne schlecht ja auch kein gut. Beide Seiten muss man akzeptieren, mit der einen geht man nur besser nicht nachts spazieren. Dann herrscht in diesem Hafen gleichzeitig eine gemütliche Stimmung unter den Seglern, wenn die Sonne einen roten Schleier über dem Meer zurücklässt, wir die Umrisse vom venezuelanischen Festland in nicht allzuweiter Ferne erahnen und Menschen aus aller Welt sich am Pier auf ein Bier treffen, dann zeigt der Hafen sein Potential als Tor zur Welt. Wenn die grossen Pläne offenbart werden, von manchen tatsächlich umgesetzt, von anderen nur Luftschlösser die am Leben erhalten werden um dem Dasein seinen Sinn zu erhalten. Wenn man nicht reist, dann macht man eben Träume, wenn man reist lebt man sie. Doch Träume zu leben bedeutet auch dass diese unweigerlich mit der Realität konfrontiert werden, zu Träumen schützt vor Enttäuschung und überbrückt die Leere. Ist das vielleicht der Grund warum manche Menschen nie aufbrechen um sich in ihre grossen Abenteuer zu stürzen? Oder ist es die Angst vor dem Unbekannten, das zumal so gross wirken kann, vor allem wenn man alleine aufbricht. Für sich selbst kann man so am meisten profitieren, es bringt mit sich, dass man zwar viele schöne Erfahrungen, Naturschauspiele die sich offenbaren, ganz für sich alleine hat und frei ist nur für sich alleine zu entscheiden. Entscheidungen zu treffen die in einer Gruppe vielleicht nicht möglich wären. Jedoch auch die Verantwortung für solche alleine trägt und keine Entscheidung zu treffen, ist bekanntlich auch eine Entscheidung. Alleine reisen macht stark, es formt den

110
AROUND THE WORLD: RÜCKBLICK Charakter. Schiller schrieb »der Starke ist am mächtigsten alleine«. Und dann gibt es Momente, da will man sich herumdrehen und sich mit jemand über das was man sieht austauschen, und da tut es gut gemeinsam zu reisen. Hier war Afrika für mich eine Schule, selten traf ich andere Reisende und war oft auf mich selbst gestellt. Doch glücklich sein, das muss man auch alleine vermögen, und wer mit sich alleine nicht glücklich ist, wird es auch nie mit anderen in Gemeinschaft sein. Ich denke ich bin kein Einzelgänger, ich geniesse es mit anderen zu reisen und abgefahrene Dinge zu erleben an die man sich gemeinsam erinnert. Aber ich kann es wenn ich will, wenn es darauf ankommt, sein. Eine Freundin schrieb mir neulich eine Nachricht. Eine dieser schönen, seltenen Nachrichten die von Empathie zeugen und Interesse daran was mir zurzeit wohl im Kopf rumgeht. Sie schrieb »Auch wenn ich traurig bin wegen irgendetwas- man kann sich doch immer auch zu einem gewissen Grad aussuchen, ob man lacht oder nicht. Meistens lache ich dann. Du auch? ...Denkst du dein Zuhause ist in deinem Kopf? Oder überall? Oder nirgendwo und hast du das Bedürfnis verloren so etwas zu haben? Manchmal belächle ich mich damit und denke an dich. Aber im Moment tut es mir gut.« Da hast du mich ganz schön zum Nachdenken gebracht. Ich denke, dass man ein Zuhause überall haben kann. Das Paradies existiert ohnehin nicht, es ist ein Gemütszustand in uns der durch die Umwelt lediglich beeinflusst wird. Ein Zuhause braucht jeder Mensch, ich trage meins mit mir herum, und ja, ich kann meistens lächeln, weil ich das tue was ich will und am besten kann. Reisen. Ich wurde auch des Öfteren gefragt ob ich vor etwas weglaufe. Und eigentlich könnte man eine solche Aussage abtun, aber sie interessiert mich doch zu sehr als dass ich sie ignorieren könnte. Gehen, sich bewegen bedeutet nicht gleich dass man wegrennt. Ich bin glücklich wenn ich spüre dass ich mich, im metaphorischen Sinne, bewege und nicht stillstehe. Ich könnte dem was ich tue nicht den Wert etwas Absoluten zuschreiben. Es gibt unendlich viele Wege ein Leben zuzubringen, und was ich tue muss nicht für jeden das Richtige sein. Ich erinner hier an die Stelle mit den Hunden die auf mein Zelt urinierten. Das gehört eben dazu. Aber ich kann behaupten, dass ich für mich einen sinnvolen Weg ausgesucht hab. Wissen kann ich es nicht, meistens muss man sich eben mit einer Ahnung zufrieden geben. Auf dem Boot mit dem wir wir den Atlantik traversierten fiel mir das Gedichtband »les fleurs du mal« von Baudelaire in die Hände. Und damit als erstes sein Gedicht »Le Voyage«: Amer savoir, celui qu'on tire du voyage! Le monde, monotone et petit, aujourd'hui, Hier, demain, toujours, nous fait voir notre image: Une oasis d'horreur dans un désert d'ennui! Faut-il partir? rester? Si tu peux rester, reste; Pars, s'il le faut. L'un court, et l'autre se tapit Pour tromper l'ennemi vigilant et funeste, Le Temps! Il est, hélas! des coureurs sans répit, Baudelaire schreibt in diesem Auzug über die bittere Weisheit die wir aus der Reise ziehen, die Welt, monoton und klein, die uns stets ein Spiegel ist, gleicht einer »Oase des Horror in einer Wüste der Langeweile«. »Soll man gehen? Bleiben? Wenn du kannst bleib, geh wenn du musst.« Der eine rennt, der andere verkriecht sich um die unheilvolle Feindin, die Zeit zu täuschen. Reichlich melancholisch, und auch wenn ich die Welt weder als klein, noch als monoton, noch die Zeit als Feindin betrachte, sie kann wenn sie will. Wenn man es soweit kommen lässt ist das eigenes Verschulden. Wenn mir also wieder mal jemand vorhalten sollte dass ich vor etwas davonrenne, werde ich dem Jemand zustimmen. Ja, ich fliehe vor der Monotonie, »cette salope«, und sie wird mich nicht kriegen!

111
www.facebook.com/memografie

112
AUS DEM VIA ARCHIV PINNBOARD VIA GRAFIK Zoing Zisch Zack, Ausstellung im Peng-Land, Mainz 2007 Zusammen mit noch drei weiteren Kollegen hatten André Nossek und ich diese Ausstellung im Peng-Land auf die Beine gestellt. Hier der Beitrag von André, dem ich nun im elften Jahr im Via Grafik Gestaltungsbüro gegenübersitze. LEO VOLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

113


114
LESER B R IEFE Liebes HANIX-Team, ich war auf eurer letzten Release-Feier im Pearls an Diamond zu gast und möchte mich auf diesem Wege für den schönen Abend bedanken. Live-Musik im Gewölbekeller, ein andauerndes lautes Gesprächswabern, dazu leckere Getränke und gutes Essen. Was will man mehr von einem Freitagabend in Heilbronn. Habe mich sogar kurz gefühlt, wie in einer richtigen Großstadt. Beim nächsten mal bin ich auch wieder dabei und bringe noch ein paar Leute mit. Darf ich doch!!?. PAT R I c K N O S E c K , HEILBRONN die dreiteilige Video-Dokumentation über den amerikanischen Künstler, die in euer Magazin eingebunden war fand ich toll. Nach der Lektüre dachte ich mir: Heilbronn, doch immer wieder überraschend. MAIKE KUHN, L AUFFEN Sehr geehrte Redaktion, ich war auf das äuserste beeindruckt von Björn Ewers´Bildstrecke »crowd Surfing« in ihrer letzten Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt »Jugend«. Die Bilder haben mir wahnsinnig gut gefallen. Gefallen hat mir auch, dass ich im Text dazu nachlesen konnte, wie der Fotograf vorgegangen ist, um diese Bildstrecke zu fotografieren. Machen Sie weiter so mit ihrem Online-Magazin. Es tut der Region gut und hat immer etwas informatives, aufschlussreiches oder einfach nur schönes, wie eben die Bildstrecke »crowd Surfing« zu bieten. cL AUDIA BEcKER, HEILBRONN Sehr geehrte HANIX-Redaktion! Seit der ersten Ausgabe verfolge ich als ExilUnterländer euer Medium und bin beeindruckt von der Konstanz und der Güte der Beiträge. Egal ob filmisch, fotografisch oder textlich: Ihr schafft es ein gleichbleibend hohes Niveau abzuliefern. Und ihr tut der Stadt und der Region sicherlich gut. BJöRN KäPPLING, KöLN Guten Tag ihr Magazinmacher! Wer hätte gedacht, dass ein Heilbronner einen der größten Pop-Art-Künstler unserer Zeit vertritt. Das Interview mit Ted Bauer, der James Francis Gill vertritt, wie ich durch ihr Magazin lernen durfte, war sehr überraschend. Auch

115
I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74elf marcel kantimm & robert mucha gbr kastanienweg 12 74080 heilbronn e-mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber marcel kantimm robert mucha Chefredakteur robert mucha (v.i.s.d.p.) Redaktionelle Mitarbeiter rafaela Jeckle, maria sanders, patrick ortwein, katharina strack-becker, leo volland, peter wanner (stadtarchiv heilbronn), Joshua, radana brockhoff, nicolai köppel, olaf metzel e-mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion philipp kionka (leitung), sarah fischer, stefan dittrich, kris rampmaier, ben sommerfeld, lisa marie klotz, nicolai köppel Bildredaktion mehmet filiz, ulla kühnle, lisa bürg, meli dikta Artdirektion raimar schurmann Grafik & Illustration lisa hofmann, florian geiger, kathrin leisterer, via grafik Audio philipp seitz (ant studio) IT-Support martin riemer (easy networX / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales hettenbach gmbh & co kg werbeagentur gwa werderstraße 134 74074 heilbronn: Jessica zippan telefon: 07131 - 79 30 121 fax: 07131 - 79 30 229 mail: zippan@hettenbach.de www.hettenbach.de www.hanix-mediadaten.de Verlagskoordination / Administration / Social Media marcel kantimm namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die meinung des herausgebers bzw. der redaktion wieder. für die richtigkeit von angaben, daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber bzw. die redaktion keine verantwortung übernehmen. haftung für links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten seiten auf unserer homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. diese erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen Informationen.

116
DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Vieles geschieht im Weinbau auch heute noch in Handarbeit. Das Schneiden der Reben gehört dazu – auch wenn dafür jetzt überwiegend Elektro- oder pneumatische Scheren verwendet werden – sowie das Rebenbinden. Mit dem Rebschnitt im Januar/Februar beginnt der Arbeitszyklus in den Weinbergen. Ihm folgt das Biegen und Festbinden der Fruchtruten an den vorgesehenen Drähten. Dies bringt eine gleichmäßigere Nährstoffversorgung, denn ohne das Biegen würde der Saft in die Spitze der Triebe schießen und der untere Teil wäre schlecht versorgt. Es waren vor allem die Frauen, die früher das Rebenbinden übernahmen. Denn die Triebe sind empfindlich und brechen leicht. Und da beim Schnitt meist nur zwei Ruten je Stock stehenbleiben, würde ihre Beschädigung zu größeren Verlusten im Ertrag führen. Behutsamkeit war und ist also vonnöten, Fingerspitzengefühl und »Handfertigkeit«. Außerdem ist feuchtes Wetter gut, weil dann die »Bogreben« geschmeidiger sind. Früher wurden die gebogenen Triebe mit Weidenruten festgebunden, die vorher gewässert worden waren. Mit einem kleinen, scharfen Messer wurden sie zurechtgeschnitten – so wie es dieses Foto zeigt. Heute verwendet man speziellen Bindedraht, der mit (z.T. akkubetriebenen) Bindezangen festgezwirbelt wird. Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Weinbaugeschichte der Stadt gibt es in der Ausstellung »Heilbronn historisch« im neuen Haus der Stadtgeschichte (Otto Rettenmaier Haus, Eichgasse 1).

117
Rutenbinden im Heilbronner Gewann Obere Ried beim Weinsberger Sattel; 1950er Jahre

118
V E R A N S TA LT U N G E N IM MÄRZ Sonntag, April 2013 Galerie Rieker Ausstellung »Flora Flora« Die Galerie präsentiert in dieser Ausstellung Bilder und Skulpturen von Barbara Armbruster, Heinrich Brummack, Hermann Försterling, Albert Hien, Georg Mühleck, Peter Riek, Stefan Soravia und Jo Winter. absoluten musikalischen Spitzenreiter heraus und verkörpert ein Spektrum diverser Stile, von Jazz-Rock über Weltmusik bis zu Folklore und klassischer Komposition. In der Ebene 3 stellt er sein neues Album "Set The Hammer Free" vor. 1. März Bukowski 1. März BUKOWSKI MEETS SCHACHT Mobilat Super 80 Die etwas andere Reise durch die 1980er mit Brad Pitch ,Hillbilly Phil,Peter Rock und Plattentäter. März Alte Börse Schwäbisch Hall Stay True and Rock Your City Music present : ANNISOKAY ( Halle) Kleiner Club mit großem Programm: Der Schacht Club ist ein äußerst unkonventioneller Club mitten im schönen Hohenlohe, weitab von großen Städten gelegen. Die regionale Alternative für alle, die gerne House, Techno und Electro auf anspruchsvollem Niveau hören und in warmer und familärer Atmosphäre dazu abfeiern möchten. Kommt Euch bekannt vor, bis auf Hohenlohe natürlich? Dann seid Ihr mit Pravi Lopov in der Pflicht, der SchachtCrew, die extra mit einem ganzen Support-Bus in Heilbronn anreist, zu zeigen, dass es hier ganz ähnlich zugeht! Annisokay ist eine fünfköpfige, aufstrebende PostHardcore Band aus Halle/Salle. Die Jungs verbinden treibende Rhythmen und Melodien mit gefühlvollem Gesang und bebenden Screams. Außerdem: WE SET OUR DREAMS / ESCAPE FROM WONDERLAND & Of Elephants and Women 2. März Bukowski DJ Dag @ Heilbronn März Ebene 3 Sean Noonan's Brewed by Noon Schlagzeuger, Komponist, Geschichtenerzähler und Produzent: Sean Noonan kristallisiert sich aus dem Brooklyner Underground als Teil der nächsten Generation der Der März ist noch jung, und unser heutiger Stargast jung geblieben! Weil er aber keine 18 mehr ist, hier nur ein sehr, sehr kleiner Ausschnitt seines Wegs: DJ Dag ist einer derer, die den legendären Sound of Frankfurt prägten. Bekanntgeworden u.a. über seine Sets in der Kultsendung hr3 clubnight und in den Clubs, die man rückblickend guten Gewissens als halls of fames bezeichnen darf – Omen, Dorian Gray und Cocoon. Zusammen mit Jam El Mar bildete Dag das Projekt Dance 2 Trance und räumte

119


120
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z mit dem Titel Power of American Natives eine Goldene Schallplatte ab. Genug gehört? Dann auf, mit Lilly Putt und T-WATCH einen Großen begrüßen! 2. März Freie Waldorfschule Frauenflohmarkt »Kleiderrausch« Kleidung, Accessoires, Schönes und Nützliches gibt es in netter Atmosphäre zu kaufen. 2. März Mobilat DUBWARS pres. NIVEAU ZERO 2. März Der Frühling steht vor der Tür und keine Stadt soll schöner sein zu dieser Zeit als Paris – da wir Euch aber nicht alle ins zauberhafte Paris bringen können, bringen wir seine Magie einfach zu Euch. Und so haben wir kurzerhand Frankreichs heißesten Dubstep Import, NIVEAU ZERO, erneut eingeladen. Eingefleischte DUBWARS Fans wissen – dieser Mann kommt nicht zum ersten Mal und er wird auch diesesmal ganz bestimmt wieder für brock out sorgen. Als Teil des Ad Noiseam Kollektivs und gefragtester Dubstep DJ & Live Act Frankreichs wird er den DUBWARS Floor mit seiner energiegeladenen Performance zum Kochen bringen. Theater Heilbronn Theater spezial im Komödienhaus: »Ohne Rolf« »Ohne Rolf«, das sind die zwei Männer, die unzählige Plakate blättern, wenn sie was zu sagen haben. Sprechen heißt bei ihnen eben Blättern. Die auf 1000 Plakate gedruckten knappen Sätze wie auch das überraschende Geschehen zwischen den Zeilen sind umwerfend witzig, spannend und gelegentlich sogar musikalisch. Nach dem vielfach ausgezeichneten ersten Programm »Blattrand« und seinem Nachfolger »Schreibhals«, mit denen die beiden Plakatblätterer schon im Heilbronner Komödienhaus zu Gast waren, bieten »Ohne Rolf« mit »Unferti« erneut virtuoses Print-Pong und seitenweise überraschend komische Momente. März 2. März Pearls and Diamond HANIX-Release-Feier Gewölbekeller Bürgerhaus Böckingen 25 Jahre Mundartkabarett U.f.u.g. "Mir komme da als nemme mit" Wir feiern die zweite HANIX-Ausgabe (www.hanix-magazin.de) des Jahres 2013...diesmal wieder mit Livemusik. Die Heilbronner Akustik-Rock-Band "My Humble Self" gibt sich die Ehre und wird uns mit feinstem Live-Sound beglücken... März Mit einem neuen Programm, garniert mit "Leckerbissen" der letzten zwei Jahrzehnte, begeht das in Böckingen beheimatete Mundartkabarett "Unterhaltung für unverzichtbar gehalten" sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. U.f.u.g. spielt Alltagsszenen mit einem garantiert hohen Wiederekennungswert - witzig, spritzig, hinter- bis blödsinnig -"grad so wie bei ihne dahoim, oder doch ganz anders". Jazzclub Cave 61 Basement Research (D/USA) "Basement Research" war das erste Projekt von Gebhard Ullmann für das Label Black Saint / Soul Note in Zusammenarbeit mit dem legendären Gründer des Labels Giovanni Bonandrini. Aufgenommen in New York und veröffentlicht 1995 war es gleichzeitig der Beginn der Achse Berlin/New York, in deren Folge Ullmann nach New York zog und bis heute dort, aber auch in Berlin eine ganze Reihe von hochgelobten transatlantischen Projekten initiiert hat. 2. März Kulturkeller Michael Elsner "Schlaraffenland" - Kabarett Die Schweiz ist voll. Von Deutschen. Deshalb kommt Michael Elsener aus der Schweiz nach Deutschland, und erzählt, was wir unbedingt wissen sollten. Über das zartbittere Schokoladenland. Über ein Leben jenseits von EU-Normen. Über die Gefühlswelt eines Nichtmitglieds.

121
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Und er erklärt, warum die Schweiz immer eine Extrawurst will. Und warum die dort "Cervelat" heißt. Mitnehmen wird Michael nur seine Stimme. Denn die reicht. Sie ist schnell. Sie trifft. Sie überrascht. Mal rau, mal fein, mal melodiös. Sie spricht für Michael, den jungen Schweizer. Für Röbi, den gehemmten Eidgenossen. Für Bostic, den Integrationsexperten mit Migrationshintergrund. Und sie spricht für viele mehr. Wer sich auf sie einlässt, wird staunen. Und sowohl seinen Wohnsitz, als auch sein Erspartes in Deutschland behalten. Musikliteratur auf die Bühne. Am 3. März 2013 wird es die Uraufführung der Oper »Minsk« des irisch-britischen Komponisten Ian Wilson und der in London lebenden Lyrikerin Lavinia Greenlaw sein. Die Oper ist inspiriert von dem Gedicht »Minsk« in Lavinia Greenlaws gleichnamigem Lyrikband. Die musikalische Leitung hat Ruben Gazarian, Regie führt Christian Marten-Molnár. 5. März Stadtbibliothek Heilbronn Dr. Alexander Bahar: Kriminalfall Reichstagsbrand 2. März Kaffeehaus Hagen Theaterfreispiel: Völlig Ausgebucht 25 Personen – ein Schauspieler – eine turbulente Komödie von Becky Mode. Sami, arbeitsloser Schauspieler mit Diplom, der sich seinen Lebensunterhalt in der telefonischen Reservierungsannahme eines Promi-Restaurants verdient, muss wissen, wer keinen und wer einen Tisch bekommt. Die feine Gesellschaft ist es, die hier unter die Lupe und gleichwohl auf den Arm genommen wird. Für den Telefonterror, den er durch Sonderwünsche von Wolfgang Joop (Keine weibliche Bedienung!), oder Cornelia Fischmeyer-Eckel (Tisch 31!) aushalten muss, bemitleidet man ihn von Herzen. Arrogante Tussis, Mafia-Liebchen, die schon mal reichlich was für gute Plätze springen lassen, sehr ernste Sekretärinnen, ahnungslose Provinzler, die in prominenter Umgebung gabeln wollen. Alles ist vorhanden. Dazu dringen noch nervende Drangsalierungen des Ausbeuter-Chefs und Horrornachrichten aus dem Restaurant über zwei Sprechanlagen ins Souterrain, wo sich Sami in der Telekom-Zange windet. Der Pfiff des Stücks: Ein einziger Schauspieler muss nicht nur Sami, den Reservierungsmenschen, sondern auch sämtliche Anrufer(innen) spielen, die ihm telefonisch auf den Leib rücken. Wer hat am 27. Februar 1933 das Reichstagsgebäude in Berlin angezündet? Die Kontroverse um diese Frage reißt bis heute nicht ab. Hinter der Frage nach den Tätern steht die Frage nach dem Stellenwert dieses Verbrechens für die nationalsozialistische Herrschaftssicherung. Bereits am folgenden Tag unterzeichnete Reichspräsident von Hindenburg die von der Hitler-Regierung erlassene Verordnung "zum Schutze von Volk und Staat", bekannt geworden als "Reichstagsbrandverordnung". Begründet mit einer ungeprüften und tatsachenwidrigen Auslegung der Reichstagsbrandstiftung, ersetzte diese Verordnung die demokratische Weimarer Verfassung durch den permanenten Ausnahmezustand. Sie bildete damit neben dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 ("Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich") das pseudolegale Fundament der Nazi-Terrorherrschaft. In seinem Vortrag wird der Referent die Zuhörer auf eine kriminalistische Spurensuche mitnehmen sowie der Legendenbildung nach 1945 durch ehemalige NS-Seilschaften nachgehen. 5. März Ebene 3 Kommunales Kino: Still Walking März 5. März Theater Heilbronn Oper »Minsk« Intersport Veranstaltungscenter redblue Württ. Kammerorchester: Babykonzert Einmal im Jahr heben das Theater Heilbronn und das Württembergische Kammerorchester einen Schatz und bringen gemeinsam ein außergewöhnliches Werk der Tanzen, Krabbeln, Kuscheln, Lachen, Singen – und all das im klassischen Konzert! Beim Babykonzert nehmen die Musiker des WKO vor der Bühne Platz und der

122
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Zuschauerraum wird mit Krabbelmatten ausgelegt. Die Babykonzerte sind aus der Idee geboren, klassische Musik schon für Kinder bis zu einem Lebensjahr zu einem Erlebnis zu machen. Darüber hinaus bieten sie Eltern die Möglichkeit, die Begeisterung mit ihren Jüngsten zu teilen und selbst einmal wieder klassischen Klängen live folgen zu können. Im März-Konzert stehen Werke von Mozart, Dvořák, Bach, Grieg und Rossini auf dem Programm. 7. März Kulturkeller Klassik im Keller: Irina Loskova März Altes Theater Patrizia Moresco "WAHN.SINN!! Zu alt für Limbo zu jung zum Sterben! Patrizia Moresco bekannt aus vielen deutschen Film- und Fernsehproduktionen und ihren Bühnenfans sicher noch als Frontfrau der Comedy-Gruppe "Shy Guys" in bester Erinnerung, mit der sie 18 Jahre lang durch ganz Europa, Amerika und Kanada tourte begeistert nun mit ihrem Soloprogramm! Zur "Zwangsentschleunigung" verdammt, steckt die Moresco in einem unendlichen langen Stau. Da entladen sich Emotionen. Von wegen im Alter wird man gelassener. Drastisch, provokant und hintersinnig verpackt sie ihre wahnwitzigen Geschichten, erzählt über verlorene Lebenszeit, Heimat, Lüge, Sex, meditatives Gärtnern und den sinnentleerten Gigantismus, der uns durch die Shopping-Center und Ü30-Partys unseres Planeten treibt. Zwischen Stop and go wird ihr bewusst, wie sehr sich ihr Leben seit dem mppfffzigsten Geburtstag verändert hat. Zu alt für Limbo zu jung zum Sterben! Patrizia Moresco spricht mit Stimme und Körper und wechselt in altemberaubenden Tempo, Dialekte, Sprachen und Rollen, zieht alle Register ihres Könnens: Slapstick, Schauspiel, StandUp und Gesang. Kurzum ein rasanter Abend! Ihr erstes öffentliches Konzert gab Irina Loskova bereits mit neun Jahren und ging im Anschluss aus mehreren Klavierwettbewerben als Siegerin hervor. Ihr Studium an der Gnessin Musikakademie in Moskau schloss sie mit Diplomen als Konzertpianistin, Kammermusikerin, Opernund Liedbegleiterin sowie als Klavierpädagogin ab. Neben ihrer vielfältigen Konzerttätigkeit, Auditionen am Bolschoi Theater, der Zusammenarbeit mit Solisten der Moskauer Philharmonie arbeitete sie als Klavierpädagogin am Badischen Konservatorium Karlsruhe und seit 2008 an der Musik- und Kunstschule Region Freudenstadt. Die angesehene russische Konzertpianistin spielt u.a. Werke von Chopin, Prokofiev, Brahms und Schumann. Lassen Sie sich von ihrem kunstvollen Spiel und der wunderbaren Musik dieser hervorragenden Komponisten verzaubern! 7. März Mobilat Out of the dark Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies 8. März Mobilat »LONDON KILLS ME« mit Werner Niedermeier & Waltha Himmel März Theaterschiff vocaldente - »startin' someting« vocaldente ist Preisträger bei den größten und bedeutendsten nationalen und internationalen Vokal- und A-Capella-Wettbewerben in Asien, Europa und den USA. Die fünf Sänger von vocaldente formen ihre Klänge rein akustisch und mit klassischen Mitteln. Ihr Repertoire umfasst die Unterhaltungsmusik von den goldenen Zwanzigern bis hin zum aktuellen Popsong. »Was lange währt, wird endlich gut«, könnte man sagen. Englische Härte ist angesagt, denn am 8. März wird kein geringerer als Werner Niedermeier hinter den Decks stehen, um den dreckigen Minimal-Sound aus der britischen Metropole direkt nach Heilbronn zu importieren. Niedermeier blickt auf eine mehr als 20-jährige Karriere als DJ zurück, die ihn in die Top-Clubs von Tokyo, Berlin, Paris und – selbstverständlich – London beförderte, seine Remix-Arbeiten wurden währenddessen von so ziemlich jedem namhaften Electronic-Label der Welt veröffentlicht. Tatkräftige Unterstützung gibt es an diesem Abend zudem von KyoHospital- Mitbegründer Waltha Himmel, den das Mobi dank den »Rotkäppchen«- Veranstaltungen noch in bester Erinnerung hat. Man darf sich also gefasst machen - auf Bässe, die hart sind wie englischer Fußball und Sounds, so schmutzig wie das Wasser der Themse.

123


124
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z 8. März Pflanzen Kölle Poetry Slam No. 8 Der erste Slam im Jahr 2013 ist der nunmehr dreizehnte Slam. Und weil das was Besonderes ist haben wir uns auch etwas Besonderes überlegt. Und damit das Publikum auch mal Platz hat findet der dreizehnte Poetry Slam nicht im Café Wilhelm statt sondern im Gartencenter Pflanzen-Kölle. Wie gewohnt erwarten Euch ein phänomenales Programm aus den besten Super-Poeten, dem wohl beliebtesten Special Guest unseres Slams und den charmanten Moderatoren Nektarios Vlachopoulos und Philipp Herold. Märchen und Mord und zwar von keiner geringeren als von der erfolgreichen Bestseller-Autorin Donna Leon selbst, die seit mehr als 10 Jahren in Venedig lebt. Es erwartet Sie eine Lesung in englischer Sprache (Übersetzung auf Videoleinwand) mit bezaubernden Geschichten und scharfsinnigen Einblicken in die Stadt der Gondeln, umrahmt von Stücken von Vilvaldi sowie weiteren Venezianischen Komponisten. Präsentiert wird dieser einmalige Klassik-Genuss vom Originalklang-Orchester Il Pomo d’Oro. 9. März Jazzclub Cave 61 Marc Perrenoud Trio (CH) 8. März Jugendhaus Bretzfeld THE LOWEST, VENGEANCE TODAY, HIEROGLYPHS, 38NORTH // JOTS Das Marc Perrenoud Trio (Gewinner ZKB Jazzpreis 2010) meldet sich mit einer neuen CD zurück. Perrenoud sprüht vor Ideen. Seine melodischen Kaskaden haben eine lyrische Intensität, seine Motive entwickeln sich in rhythmisch knackigen Sequenzen. Sein elegantes Spiel wird von den beiden Mitmusikern hervorragend unterstützt. März 10. März Mobilat Buss it Million Stylez – Buss di Dance Moto-Cross-Gelände Frankenbach 43. Winter-Moto-Cross Rennen März Audi Forum Neckarsulm Donna Leon & Il Pomo d'Oro - eine musikalische Lesung Wenn Donna Leon gerade mal keine Besteller schreibt, hört sie am liebsten klassische Musik. Und so kam die mehrfach ausgezeichnete Autorin auch zu ihrem ersten Roman über ihre Leidenschaft für die Oper. Während eines Opernbesuches ereiferte sich ihr Begleiter: "Ich könnte den Dirigenten umbringen!" – "Ich mach’s für dich, aber in einem Roman", beruhigte sie ihn. Und so entstand das "Venezianisches Finale", der erste Fall für den inzwischen legendären Commissario Brunetti. Was liegt also näher, als ihre beiden Leidenschaften zu verbinden? Lassen Sie sich an diesem Abend entführen in die Gassen Venedigs mit ihren Mythen und Legenden von Liebe, Im März wird die deutsche Motocross-Szene wieder ganz genau nach Heilbronn schauen, wenn nach der HallenSaison die besten Motocrosser zum ersten Mal wieder im Freien die Messer wetzen. Gut präpariert werden die 40 Piloten der internationalen Klasse allesamt sein. Neben den deutschen Cracks werden sich auch Profis aus Belgien, Holland, Tschechien, Ungarn, Österreich und Russland auf der erst im vergangenen Jahr umfangreich renovierten Piste den letzten Feinschliff vor der dem Beginn der WM und den nationalen Meisterschaften holen. Einer wird in den beiden Läufen höchst motiviert antreten: Lokalheld Lars Reuther aus Pleidelsheim. Der 20-Jährige gilt als eines der größten Talente im deutschen MotocrossSport, holte im vergangenen Jahr Gesamtrang drei im hoch angesehenen ADAC Motocross-Youngster-Cup und will sich nun der harten Konkurrenz in der internationalen Kategorie stellen. Die Veranstalter präsentieren dieses

125
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Jahr eine Premiere: Erstmals treten die drei besten Junioren der acht Landesverbände gegeneinander an. Dass die 10- bis 14-jährigen Jung-Crosser auf ihren 20 PS starken 85-ccm-Maschinen alles geben werden, ist im hochkarätigen Umfeld Ehrensache. März Galerie KunstEtage K55 Kunstverein Feuerbach/Künstlerbund Heilbronn: Das bin ich. Das schaff ich. Ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Vereine präsentiert Künstlerinnen und Künstler mit jeweils einem Selbstportrait und weiteren Arbeiten aus ihren Ateliers. Alle Bilder haben dabei die gleiche Formatvorgabe. Schlagzeuger und -Komponist. 1959-1962: SchlagzeugStudium an der High School of Music and Art in Brooklyn, New York, mit Diplomabschluss. 1968 wird er vom Pianisten Horace Silver entdeckt. Anfangs nähert Cobham sich dem Free Jazz an, setzt sich aber Ende der 1960er Jahre stilistisch davon ab und trägt maßgeblich zur Entwicklung von Jazz-Rock und Fusion bei. Er zählt seit den 70er Jahren zur Elite der Jazz-Rock-Drummer, was sicherlich auch durch seine Mitgliedschaft im Mahavishnu Orchestra unterstützt wird. Er verwendet lateinamerikanische Techniken, die er auf das "American Drumset" übersetzt. Hervorstechend ist seine fulminante Technik, wie z.B. die Nutzung der Doublebassdrum. 14. März Theaterschiff 11. März Arthur Rimbaud "Letzte Tage in Marseille" Lesung nach einem Theaterstück von Alexander Bertsch Kulturkeller Literatur am Montag: George Sand (1804-1876) Die Schauspielerin Silvia Bretschneider liest aus den Werken der Schriftstellerin. Anne-Gabriele Michaelis erzählt aus dem Lebensbild und Werk George Sands. März Haus der Stadtgeschichte Führung "Heilbronn historisch! - Spezial: Heilbronn im Frühjahr 1933. Machtergreifung vor 80 Jahren" März Ebene 3 Kommunales Kino: Intouchables Rimbaud liegt in einem Krankenhaus in Marseille im Sterben. Jean Fardos, ein früherer Freund aus Paris, trifft auf Rimbauds Schwester Isabelle, die sich um ihren Bruder kümmert. Eine weitere Rolle spielt Pater Chaulier, der nur darauf wartet, den todkranken Freigeist Rimbaud zu bekehren. In den Dialogen und Monologen des Stückes bekommt der Zuschauer Einblicke in die Biografie dieses außergewöhnlichen Dichters, der seine literarische Karriere im Alter von 20 Jahren abrupt beendete. Immer wieder werden auch Gedichte aus seinem Werk in Übersetzung zu Gehör gebracht, vor allem Teile aus einem der berühmtesten Gedichte "Das trunkene Schiff", das Rimbaud im Alter von 17 Jahren verfasst hat. Dieses Schiff, das nirgendwo landet, wird zu einem Symbol für Rimbauds eigenes Leben. März 15. März Jazzclub Cave 61 Billy Cobham & Band (USA) Mobilat RIDERS ON THE STORM : UNCHAINED Billy Cobham ist ein panamaischer Fusion- bzw. Jazz125 Und wieder einmal findet sich die Trommel & Bass Gesellschaft zu RIDERS ON THE STORM im Mobilat /

126
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Heilbronn zusammen. Dieses mal können wir schon im Vorraus sagen: Wer sich das hier entgehen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen. RIDERS ON THE STORM hat sich in den letzt...en Monaten als Bühne für DnB Crews, DJs und MCs aus der ganzen Republik etabliert. Diese Nacht lassen wir unsere absoluten Favoriten auf unsere Familie los. Die SHG Crew ist mit Vollbesetzung am Start!! Das bedeutet Vollgas an den Decks und natürlich auch am Mic. DJ FK, DJ SELECTED ID sowie MC GENERAL LUDZN, MC JAYRUFF & MC SEEKAY heizen uns mit Ihrem unvergleichlichen Spirit ein. Dazu haben wir von der Mannheimer MA:SSIVE Crew DJ BLIND:SIGHT am Start sowie den SLEEPWALKER DnB Act AUDIOCOMMAND Live. Abgerundet wird das ganze von der ME2YOU CREW mit JULEZ, JANO P, ROLLIN G & host des Abends....MC MASO. Und natürlich darf Initiator ASHLEY AAMES ( SLEEPWALKER DnB / DATA 77112 / MOBILAT ) auch nicht fehlen. März Bukowski HEILBRONN – GROOVE ON Konstanz back in town – auch 2013 wird die Truppe um Bombilla und Chris Pascott das Bukowski wieder auf links drehen! Bombilla, seit 2007 erfolgreich als Produzent, DJ und Liveact unterwegs ist, überzeugt wo er steht und geht durch seine Vielfältigkeit, Kreativität und technische Raffinesse an den Reglern, wie auch im Studio. Neben zahlreicher Gigs im In- und Ausland veranstaltet er seit 2009 in Konstanz seine eigene Partyreihe: Techno College hat sich dort zum festen Bestandteil der elektronischen Musikszene etabliert. Chriss Pascott unterstützte ihn seither als Resident und bestreitet auch des öfteren mit ihm gemeinsame Gigs als DJ-Duo. Vor einem Jahr waren die beiden das erste mal zu Gast im Bukowski und heute wird das wiederholt! Freier Eintritt bis 01.30 Uhr - BE THERE! Erstmals bespielt der Kunstverein Heilbronn mit einer Sonderausstellung im Rahmen der Kooperation mit den Städtischen Museen Heilbronn auch deren Räume in der Kunsthalle Vogelmann. Zu sehen ist von Olaf Metzel, Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München, überhaupt zum ersten Mal in einer breit gefächerten Auswahl die neueste Werkgruppe der "Zeitungsarbeiten", bei denen der Künstler monumentale Größe mit äußerster Fragilität verbindet. Als hätte ein Leser verärgert die morgendliche Zeitung zusammengeknüllt und weggeworfen oder ein Fischhändler seine Ware eingepackt, wie Peter Richter im Katalog zur Ausstellung schreibt, faltet, knickt und knüllt Olaf Metzel riesige Aluminiumplatten, die trotz überdimensionalem Format ihren bunten Vorbildern zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch die Zeitungsseiten von Olaf Metzel überdauern, das weiche Papier erstarrt in den sperrigen und schneidenden Aluminiumplatten, und das Ergebnis einer Ästhetik der Verwüstung sind attraktive Reliefs, die in der Kunstgeschichte ihre klassischen Vorbilder haben. Kein Wunder, wenn die Betrachter gebannt etwa vor der Arbeit zu Leben und Tod von Amy Winehouse stehen und sich ihnen die ganze Ausweglosigkeit und Wut in diesem Leben ausdrückt, denn intellektuelle Brillanz und Empathie haben Olaf Metzel zu einer unwiderstehlichen Kombination von Inhalt und Machart geführt. In seinen Kunstwerken koppelt Olaf Metzel stets einen hohen bildhauerischen Anspruch und die installativen Qualitäten seiner Arbeit mit gesellschaftlich brisanten wie aktuellen Themen. Oder um es kurz und knapp mit Olaf Metzel zu sagen: Produktion = Provokation, mehr kann Kunst heute nicht für sich beanspruchen! 15. März Harmonie Heilbronn Atze Schröder mit "Schmerzfrei" März Kunsthalle Vogelmann Eröffnung der Ausstellung "Olaf Metzel" 126 Es rappelt an allen Ecken und Enden. Verschnupft stellen wir angesichts der Griechenlandpleite fest, dass der Ouzo nach dem Essen beim Griechen wohl doch nicht umsonst gewesen ist. Die Geburtenrate sinkt dramatisch und nur noch alternde, prominente Lustgreise scheinen bereit zu sein, ihre DNA der Sintflut zu opfern. Bahnhöfe werden unter die Erde gelegt und Atomkraft ist auf einmal doch nicht so gut. Alle wissen nix und keiner genaues. Nur

127
Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn

128
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Atze Schröder schaut dem Treiben amüsiert zu und stellt lachend fest: Alle schmerzfrei! Wird Amy Winehouse wiedergeboren? Warum sind zehn deutsche Hausfrauen wertstabiler als 72 Jungfrauen im Paradies? Was hilft gegen brennende Eifersucht? Was treibt Männer ohne Not in eine Sterilisation? Und was kann man beim flotten Dreier alles falsch machen? Fragen gibt es genug. Aber die Antworten spricht nur einer klar aus. Atze Schröder. Denn Atze ist schmerzfrei! März Kulturkeller Peggy O. & Michael Sorg "Ringelstern" - Lyrik. Chanson. Jazz Unternehmen, die schon seit einigen Jahren aktiv sind, veranstalten Stadt Heilbronn, Stadtsiedlung Heilbronn und Venture Forum Neckar e.V. (VFN) diese Auftaktveranstaltung. Referenten informieren Besucher, die bereits eine Geschäftsidee haben und Unterstützung bei deren Umsetzung benötigen, über Innovationsgutscheine, alternative Finanzierungsformen und Anlaufstellen für die weitere Beratung von Gründern und junge Unternehmen in Heilbronn. Die Veranstaltung ist Teil der neuen Kooperation zwischen Stadt Heilbronn, Stadtsiedlung Heilbronn und dem Venture Forum Neckar e.V., die sich zum Ziel gesetzt haben, die Nachfolger für junge Heilbronner Erfolgsfirmen wie IB Solution, Ambiel oder 8 Grad zu finden und bestmöglich auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Bei entsprechender Resonanz sind Folgeveranstaltungen mit einzelnen Schwerpunktthemen geplant. "Ringelstern", das sind Texte von Ringelnatz an Musik des Jazzpianisten Thelonoius Monk, angerichtet an überraschend leichter Kost von Bertolt Brecht, gewürzt mit einer deutlichen Gefühlsnote Rainer Maria Rilke und einer kleinen Prise Christian Morgenstern. Serviert wird das auf vielen herrlichen Tönen von Friedrich Hollaender, Georg Kreisler oder Hanns Eisler, den ganz großen Komponisten des deutschen Kabaretts. Stücke, die Michael Sorg immer wieder neu und stimmig arrangiert. Und für die Peggy O. stimmlich alle Register zieht. 19. März Ebene 3 "Homo Faber" nach Max Frisch - Film und Gespräch März Mobilat Stereototaleria Die Classic-Punkrockandrolleria Extase mit viel Gefühl. Wir verabschieden die kalte Jahreszeit mit einer heißen Ladung Rock and Roll und einem Schuss Soul, gepaart mit einem unglaublich sympatischen DJ-Team des ehemaligen Stereo Total in HNX. Ab in den Frühling mit Euch Lumpen. Volker Schlöndorffs "Homo Faber" ist die Verfilmung des gleichnamigen (abgesehen vom orthographischen Unterschied) Werkes "Homo faber" von Max Frisch aus dem Jahr 1957. Es ist die Geschichte der inzestuösen Liebesbeziehung zwischen Faber und seiner Tochter und deren Tod, welche die rationale Weltsicht des Technokraten Fabers ins Wanken bringt. Der Film kam im März 1991 in die deutschen Kinos – wenige Tage vor Frischs Tod. Nachgespräch mit Dr. Andreas Wagenknecht, Medienwissenschaftler, Universität Mannheim. 19. März Altes Theater Heinrich Del Core "Durchbeißen" 18. März Innovationsfabrik Gründen in Heilbronn - Sei kreativ! Für Gründungswillige, Existenzgründer, aber auch junge Ein kabarettistischer Leckerbissen! In den letzten Jahren verzauberte er das Publikum, als Schwabe und als halber Restitaliener. Heinrich Del Core kann auch anders. Er geht zurück zu seinen Wurzeln im Mund, im Garten und in Italien. Vom ersten Zahnen zu den lachenden Dritten,

129
karrierestarten de 365 Tage Messe online rund um deinen Beruf Bild: ww .de w.fotolia a (Firstsign folge uns auch auf www.facebook.com/karrierestarten

130
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z von Bluetooth bis zu den "zahn Geboten", von Karius bis Berlusconi, vom Liebesbiss zur Zahnpasta, alles garantiert unplaqued! Und voll al dente. Heinrich Del Core (früher auch mal "Heini Öxle") ist unterwegs auf neuen Wegen, und bleibt sich dennoch treu: magisch, schwäbisch und von italienischer Leichtigkeit. Humor ist wenn man trotzdem beißt. "Durchbeißen" – ein kabarettistischer Leckerbissen für alle, die das Thema angeht – also alle, denn Zähne haben die meisten von uns, wenn es auch nicht die eigenen sind. Heinrich Del Core, Baden-Württembergischer Kleinkunstpreisträger, zeigt wie sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können. Dabei stammt die Musik der Band samt und sonders aus eigener Feder. Einflüsse aus Funk, Jazz und Reggae, hie und da auch mal mit poppigen Attitüden, Songs, die sich unweigerlich ins Ohr schrauben und das Tanzbein jucken lassen. 22. März Bukowski CARMEN BERNABEs BIRTHDAY BASH März Harmonie Heilbronn Dieter Nuhr mit "Nuhr unter uns" Nuhr unter uns: Der Titel ist Programm! Dieter Nuhr steht nicht über den Dingen, er ist bei uns - und flüstert uns direkt ins Ohr. Nuhr spricht aus, was andere oft nicht mal zu denken wagen! Er schaut über den Tellerrand, und was er da sieht, ist zwar oft lächerlich, aber immer saukomisch! Nuhr hat in den letzten zehn Jahren die erfolgreichsten deutschsprachigen Kabarettprogramme aller Zeiten vorgelegt. Seine Themen sind Philosophie, das Wetter und die bedrohte Rotbauchunke. Ab zu spricht er auch über schwarze Löcher, psychologische Probleme und alkoholische Getränke. Und außerdem über Gott und die Welt und den Stau. Dieter Nuhr ist anders - und live am besten. Nicht umsonst füllt er seit Jahren die allergrößten Säle. Und selbst wo Tausende zuhören, hat jeder einzelne das Gefühl: Wir sind Nuhr unter uns. Carmen Bernabe räumt am Bodensee und längst auch in Heilbronn mit allen Vorurteilen und Klischees in den Clubs auf: Female Pressure ist ihr Programm, treibende Electro/Minimal/Techhousebeats, mit denen sie sich heute ihr eigenes Geburtstagsständchen spielt. Mit Daniel Calisse und Da Bomb Da Beat schicken wir zwei weitere Garanten für Party total ins Rennen, und so soll es ja schließlich sein, wenn jemand was zu feiern hat. Happy Birthday Carmen! 24. März Kaffeehaus Hagen Junges Ensemble Café-Théatre "Der Kleine Prinz" 26. März Ebene 3 Kommunales Kino: Cinema Jenin 29. März Bukowski 22. März TANZFLÄCHEN AUS BASS & MUSIK IM HERZ Ebene 3 Grand Malheur Ihre musikalischen Wurzeln können die 10 Musiker aus Öhringen, Schwäbisch Hall, Heilbronn und Bietigheim wohl kaum verleugnen. Acid-Jazz-Legenden wie Galliano und Incognito oder der unverwechselbare Sound von Jamiroquai lugen gerne mal aus dem ein oder anderen Song von Grand Malheur heraus. Wer auf Kontrollverlust steht, ist hier und heute richtig, denn ganze 4 Mann kredenzen ein allerfeinstes BassBuffet: mit einem Arsenal an Killer-Nummern, knallharten Beats und unausweichlichen Bässen, um uns in den Wahnsinn zu treiben. Da wären einmal Erasmus & Krieger, von 00:00 – 03:30 mit den besten reduziert klickernden und techhousigen Tönen am Start. Im Anschluss eine Runde Techno in Reinkultur von System 32 und ab 06:00

131
iver nat r zene r S u kult eim H icnk Bl - erig ugi t ne a auchweite ant rei teress lendark ffal nst ppe lgru iales imed t mulgazin Ma v ikati am mun rks om ewi erb www.hanix-mediadaten.de WERBUNG 2.0 tiv rak e takt kon ativnd nov age in usr era affin n nsiv inte ion eg R alte rellltsam ulturha k te un nn bro eil H e mativ infor e äg Beitr end spann

132
VER ANSTALTUNGEN: MÄR Z Mr Plasmiq mit der ganz deep-brachialen Detroit-Kelle! Früh kommen, lange bleiben, was Anderes hilft da nicht! März kalische Einstimmung gibt's von Candy Pollard. Auf Floor 2 begrüssen wir Ramone. Er ist fester Bestandteil der STAY und Back2New Partys im Robert Johnson. Klassisch. Hip. Groovig. Frankfurt. Offenbach. Begleitend dazu gibt's Musik von Karl Ferdinand und Michael Mutterkorn. Mobilat LATERNE, LATERNE Jubiläums-Spezial auf zwei Floors! 31. März Zu unserem einjährigen Jubiläum haben wir uns etwas besonderes ausgedacht: Neben all den Laterne-Freunden auf der Tanzfläche haben wir diesmal auch unsere Freunde hinter dem DJ-Pult eingeladen, um mit uns gebührend zu feiern! Bukowski HNX ALLSTARS – THE WHITE RABBITS März Mobilat Wortsport Lounge Lance Butters ist der Prototyp einer neuen Battlerap-Generation. Was als Internet-Phänomen begann, wurde zum Hoffnungsträger all derer, die keine Lust auf den üblichen Scheiss haben. Was unterscheidet Lance außer der Maske vom Rest ? Über-arrogante Lines, gekoppelt mit einer Angeberattitüde, kompromisslosen Ansagen und ein eigener Humor. Lance Butters ist die schlecht gelaunte Antwort auf Pandabären, die Lieblingsrapper deiner Schwiegermutter und auf die Frage: wie cool kann man Rappen? Heute treten wir den Beweis an: viele Köche verderben den Brei nicht unbedingt, manchmal bringen sie die Masse auch einfach nur zum Überkochen...: Die Drum Poets, Mux, Fred Moody, DJ Shakaree, T-WATCH, Junglict und Shie geben sich die Platten in die Hand, und falls Ihr Euch heute fühlt, wie Alice im Wunderland – das liegt an den weißen Kaninchen an der Bar, der Garderobe und überall! Pünktlich zu Ostern macht sich die Buko-Crew für Euch zum Affen Hasen. Wir tun hier halt alles, für Euer Entertainment...! März Mobilat Who the fuck is Ben UFO? It's going to be very British, again. Am Ostersonntag ist bei uns Benjamin Thomson aka Ben UFO zu Gast. Der 27-jährige Brite lässt sich wohl am besten mit dem Wort "Vollblut-DJ" beschreiben. Obwohl er noch keine einzige Produktion veröffentlich hat, ist er mittlerweile international auch auf den ganz großen Bühnen anzutreffen. In seinen Sets spiegelt sich die Genre-Scheuklappen ignorierende Veröffentlichungspolitik seines mit Pearson Sound (aka Ramadanman) und Pangaea betriebenen Labels "Hessle Audio" perfekt wieder. Nachzuhören u.a. auf seinem kürzlich erschienen Mix für die renommierte Mix-CD-Reihe des Londoner Fabric- Clubs. House, Bass, Techno! Musi132

133
KLEINANZEIGEN Leebelle Leebelle actor

134
D I E Nä c H ST E AU SGA BE H A N I X ER Sc H E I N T A M 30. M ä R Z 2 0 1 3