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Content:
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Kostenloses Mitnahme-Exemplar Nr. 61 Juni/Juli 2019 Junge Winzer stößt an!

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SOMMER SPEZIAL auf Burg Stettenfels 11.07. 20:30 Uhr Zwei Stunden Unterhaltung Eintritt frei! Einlass 20:00 Uhr www.volksbank-heilbronn.de

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 61 nachdem wir in unseren vergangenen zwei Ausgaben (»11 prägende Ereignisse für Heilbronn« und »Heilbronn Mystery«) vermehrt Blicke in die Heilbronner Vergangenheit gewagt hatten, widmet sich diese 61. Hanix-Ausgabe der Gegenwart und Zukunft. Zunächst in unserem Themenschwerpunkt »Junge Winzer«. Dem Württemberger Wein und den einheimischen Weintrinkern – und somit auch den Heilbronnern – haftet das wenig zuträgliche Image der »Viertelesschlotzer« an. Dabei hätten gerade die hiesigen Jungwinzer verdient, das angestaubte TL-Image loszuwerden. In dieser Ausgabe stellen wir einige – längst nicht alle – Winzer-Talente vor und zeigen, dass der Weg aufs Weingut in Stadt und Region sich lohnt. Da kommt Qualität und Leidenschaft in die Flasche. Neben unseren Autoren, die wir in die Weinberge und -keller der Region geschickt haben, sei auf LISA NEUBAUER und CHRISTOPH RAFFELT hingewiesen, die wir als Expertin und Gastautor für diese Ausgabe gewinnen konnten. Lisa ist professionelle Sommelière und hat uns zum einen ein lesenswertes Interview gegeben. Zum anderen hat sie mit uns sechs Heilbronner Weine von drei Jungwinzern aus der Stadt verkostet. Einem der verkosteten Weine würde sie sofort einen Smoking anziehen. Gastautor Christoph Raffelt schreibt über die »Generation Frische« aus Heilbronn. Der Herausgeber des Blogs originalverkorkt.de verfasst seit 2007 Texte und Expertisen über Wein. Mittlerweile ist das Blog mit mehr als 900 Artikeln zu einer festen Größe in der deutschsprachigen Weinwelt geworden. Neben dem Blog hat Christoph Weinkritiken in der effilee veröffentlicht und er war u. a. an der Entstehung des Falstaff Wein Guide Deutschland 2014-2016 EDITORIAL beteiligt. Christoph war zwischenzeitlich auch Dozent der Deutschen Wein- und Sommelierschule Hamburg. Seit Juli 2016 gibt es das Büro für Wein & Kommunikation. Dort bündelt er journalistische Arbeiten sowie Aufträge für Kunden aus dem Weinbereich. Im April erreichte uns eine Interviewanfrage von den Machern des Karlsruher Stadtmagazins Inka, ob wir uns nicht mit ihnen für deren neue Sonderpublikation Super Inka von Stadtmagazin-Machern zu Stadtmagazin-Machern unterhalten wollen. Wollten wir natürlich. Und weil das Gespräch so anregend war und das Interview von INKA-Redakteur Patrick Wurster ein sehr schönes geworden ist, gibt’s diesmal das Interview des Monats mit Hanix-Chefredakteur ROBERT MUCHA. Wir haben ja auch schon lange nichts mehr von uns hören lassen. Auch ansonsten ist diese Ausgabe, wie schon angedeutet, eine sehr junge. Die jugendliche Neugierde all das in diesem Heft zu entdecken, muss aber von euch kommen. Entkorken erst mal keinen TL: die Wirkungstrinker aus dem Hanix-Besen. Renommiert: Gastautor Christoph Raffelt und sein Blog originalverkorkt.de. Foto: Cordula Kropke 3

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IMPRESSUM VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Dr. Bernhard Stumpfhaus, Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Matthias Marquart, Lea Pomocnik AUTOREN UND MITARBEITER Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Kathrin Stärk, Markus Heffner, Nicolai Köppel, Christoph Raffelt, Sarah Baudenbacher, Maike Endresz, Maria Maroge, Dorothea Braun-Ribbat, Patrick Wurster, Lisa Neubauer ARTDIREKTION Raimar Schurmann LAYOUT Raimar Schurmann (Leitung), Florian Geiger FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATOREN Meli Dikta, Ulla Kühnle, Nico Kurth, Cordula Kropke, Christoph Schmidt, Patrick Labitzke, Claudia Wagner, Kathrin Leisterer, Lisa Maria Klotz, Larissa Bertonasco (Cover) LEKTORAT Marcel Kantimm & Udo Völker VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.) VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2019 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 4 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: One Man House vs. Fischsterben in der Schozach 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für Juni und Juli 14 Streifzug durch die Region Diesmal: Interview mit einer engagierten Mutter, »Zeit für Heilbronn« & Jugendarbeit beim TC Sulmtal 16 Taschenkontrolle bei Marianna Kurth, Modestylistin 18 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Kaffeenerd Richard Petrick 20 ABENTEUER UM DIE ECKE Welten entdecken in der neuen experimenta INHALT Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 22 Politik und Gesellschaft Kinder in Heilbronn & Kunst, bitte! 30 Kultur Die tarantistische Revolution 34 Wirtschaft Weinperlen 36 Kunst Die Stadt, die Kunst und der Zwerg 38 Film Arthaus-Tipps »Sunset« & »My Days of Mercy«. Dazu weitere Filmstarts 42 Interview des Monats Hanix-Redaktionsleiter Robert Mucha über seine Fußballaffinität, den Hanix-Blick auf die Heilbronner Stimme, Anzeigen von Lidl und seinen Blick aufs Hanix-Konto. HANIX NR. 61 46 Titelthema Wie junge Winzerinnen und Winzer den Weinstil der Region um Heilbronn verändern. 84 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT- KOLUMNE »Ernst, mach dei Gosch auf!« 86 Brief an die Heimat Von Bord der AIDA auf Karibik-Kreuzfahrt 88 Historischer Schuss Freibad Neckarhalde, 1935/36 90 .jpg BILDERGALERIE U. a. UEFA Youth League TSG Hoffenheim vs. Real Madrid, Hanix-Konzert mit den Mighty Tinies auf der Buga & Buntes aus der Region 94 Veranstaltungskalender Gute Termine für Juni und Juli 102 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: Die Sex-Koys & der Goldfist 5

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DIENSTAG, 30. APRIL 2019, 16:13 UHR ONE MAN HOUSE VON THOMAS SCHÜTTE, HEILBRONN Auf der Heilbronner Inselspitze ist am 27. April das sogenannte »One Man House« eingeweiht worden. Das Kunst-Haus ist nach Angaben der Städtischen Museen das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Für den Künstler Thomas Schütte bedeutet es Atelier und Rückzugsraum gleichermaßen. Schütte gehört zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern seiner Generation, er ist unter anderem Träger des Ernst-Franz-Vogelmann-Preises. Im Eröffnungsgespräch sagte Schütte dem SWR augenzwinkernd: »Für Heilbronn habe ich ein echtes Filetstück geliefert«. In der Galerie auf der Inselspitze werden außerdem Architekturentwürfe von Thomas Schütte gezeigt. Hanix Nr. 61 Foto: Meli Dikta 6 HINGUCKER

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FREITAG, 5. APRIL 2019, 10:33 UHR TOTE FISCHE IN DER SCHOZACH, ILSFELD Tausende Fische verendeten im April in der Schozach bei Ilsfeld, nachdem in der Nähe auf dem Gelände einer Spedition Chemikalien ausliefen. Nach Polizeiangaben beschädigte ein Staplerfahrer Anfang April mit der Transportgabel einen 1.000-Liter-Flüssigkeitscontainer, der einen Grundstoff für ein Reinigungsmittel auf Alkoholbasis enthielt. Die Flüssigkeit gelangte daraufhin über Entwässerungskanäle in die Schozach und löste das massive Fischsterben aus. Der 31-jährige Staplerfahrer und ein Kollege verschwiegen den Unfall allerdings und meldeten sich weder bei der Firmenleitung noch bei den Umweltbehörden. Interne Recherchen der Speditionsleitung hätten schließlich zu den beiden Verdächtigen geführt. Hanix Nr. 61 Foto: picture alliance/Christoph Schmidt/dpa WEGGUCKER 7

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DIE TIPPS FÜR HEILBRONN Mini-Festival 01. Juni ELECTRONIC & GOA IM HAFEN PRÄSENTIERT: DAVID JACH Bukowski, Heilbronn Lasst es Liebe regnen! Am besten auf zwei Floors. Nach diesem Motto sorgt das Buko-Team mit coolen Locals, Tech- House und Goa-Sound, Fresh-Fruits, Body- Painting, Neon-Deko und viel Liebe für ein besonderes Mini-Festival. Als Headliner wurde David Jach organisiert! Die Frische seiner Performance ist bunt, leicht, immer etwas nostalgisch, aber gleichzeitig den üblichen 0815-Techno-Releases einige Schritte voraus. 3D-Hörspiel Ab 07. Juni DIE DREI ??? UND DAS VER- SUNKENE SCHIFF experimenta, Heilbronn Die äußerst erfolgreiche Reihe der drei Kult-Detektive kommt nun nach Heilbronn. Mit speziell dafür entwickelter Sound- 8 Technologie wird das Hörspiel zum Klangerlebnis mit naturgetreuer Akustik im Raum, die für ein Abtauchen in die Geschichte sorgt. Justus, Peter und Bob wittern vor der Küste ihres Ferienortes einen alten Goldschatz. Und natürlich stürzen sie sich sofort in das neue Abenteuer … Party 21. Juni HANIX AUF DER BUGA: NECKARSTRAND-PARTY MIT DEXTER & CANDY POLLARD Buga, Heilbronn Wir nutzen den Neckar für eine Strandparty auf der Buga. Seine Fans kennen Dexter vor allem als Produzent: Mit seinen zwei Instrumental-Alben »The Jazz Files« und »The Trip« hat sich der gebürtige Heilbronner als feste Größe der deutschen Beatmaker- Szene etabliert – und ganz nebenbei auch noch Platin- und Goldschallplatten für seine Zusammenarbeiten mit Cro und Casper eingeheimst. Candy Pollard ist ein stark in seiner Heimatstadt Heilbronn verwurzelter DJ, der seinen Beruf von Grund auf gelernt hat. Dabei lässt er sich von verschiedenen Musikstilen inspirieren. Mittlerweile bespielt er die Top-Clubs bei regelmäßigen Terminen im Berliner Berghain, im Munich Blitz oder Offenbachs Robert Johnson. Musik-Aktion Ab 25. Juni SPIEL MICH! Diverse Standorte, Heilbronn Bei »spiel mich!« geht es darum, sich einfach hinzusetzen und in die Tasten zu greifen, allein, vor Publikum, als Laie oder Profi. Diese Aktion wird in diesem Jahr zwischen Juni und September zum zweiten Mal in Heilbronn durchgeführt. Die Straßenpianos stehen im Veranstaltungszeitraum bis zum 10. September an verschiedenen Standorten im öffentlichen Raum am und um den Neckar sowie auf dem BUGA-Gelände. Musikalische Theaterperformance 20. Juli HANIX & THEATERLABOR STILBRUCH: »AUF DEM FLIE- GENPLANETEN« Fährbühne auf der Buga, Heilbronn Mike ist ein verschrobener Sonderling, der sich für physikalische Phänomene und wissenschaftliche Randgebiete interessiert. Angetrieben von der Missgunst und dem Spott der Anderen, forscht er fernab der Außenwelt an seinem technischen Transportmodul. Er verrennt sich und eines seiner Experimente entpuppt sich als biologische Farce. Kafkaeske Alpträume treffen auf surreale Trips und die Erkenntnis, das Fliegen, in einer kaputten Welt mit neuen Anforderungen, nicht zu den Verlierern in der Nahrungskette zählen. Popkulturfestival 25. bis 27. Juli »VIEL & DRAUSSEN«-FESTIVAL Wilhelm-Waiblinger-Haus/ Innenhof, Heilbronn Beim »Viel & Draußen« treffen sich jährlich regionale und überregionale Bands und Künstler am letzten Juli-Wochenende im Innenhof des Wilhelm-Waiblinger-Hauses. Das abwechslungsreiche Programm reicht von Open Air Poetry Slam über regionale Pop- und Rock Newcomerbands bis hin zu Metal- und Hardrockbands. STADTLEBEN Hanix Nr. 61

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AUF DICH. UND HEILBRONN. HEILBRONNER ORIGINAL. SEIT 1927.

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DIE TIPPS FÜR DIE REGION Festival 07. bis 09. Juni 16. INTERNATIONALES STRASSENMUSIKFESTIVAL Blühendes Barock, Ludwigsburg Am Pfingstwochenende gehört Ludwigsburg ganz den Straßenmusikern und ihrem Publikum. Im Blühenden Barock spielen Bands und Musiker aus der ganzen Welt drei Tage lang in atemberaubender Kulisse. An zwölf Spielstätten werden sich 40 Künstler von allen fünf Kontinenten drei Tage lang abwechseln und um die Gunst der Zuhörer buhlen. Mit ihrer Stimmkarte entscheiden die Besucher über die Gewinner. Und eines versprechen die Veranstalter: Einfach wird die Wahl ganz bestimmt nicht. Konzert 29. Juni HIPHOP AM VIADUKT: DENDEMANN, ANTILOPEN GANG, FATONI & DEXTER Festplatz Am Viadukt, Bietigheim-Bissingen Lange Zeit war nicht klar, wie das Line-up beim dritten Konzerttag der neuen Eventreihe »Live am Viadukt« in Bietigheim-Bissingen aussehen wird – irgendwas mit Hip Hop, hieß es. Inzwischen ist klar: Die Stadt an der Enz mausert sich 10 in diesem Sommer zu einem echten Hip- Hop-Mekka. Bei Open Air am Viadukt kommen Legendemann Dendemann, die Antilopen Gang und Raptalent Fatoni nach Bietigheim-Bissingen. Und auch der Heilbronner Dexter ist am Start. Fahrradausfahrt 30. Juni RADKULTOUR 2019 – KULTURELL-KULINARISCHE RADTOUR IM NECKARTAL Start am Wasserschloss, Bad Rappenau Die RadKultour lädt am 30. Juni zu Kultur und Kulinarik im schönen Neckartal ein. Auf der RadKultour geht es gemeinsam mit den Bike Guides zu den kulturellen Highlights im Neckartal. Unterwegs erwarten Mitfahrer spannende Kurzführungen und kleine Köstlichkeiten. Die geführte Radtour (ca. 30 km) startet am Wasserschloss in Bad Rappenau und geht über das Schloss Horneck in Gundelsheim bis nach Bad Friedrichshall. Dort gibt es die Gelegenheit, den Tag auf dem Weingut Friedauer bei Livemusik gemütlich ausklingen zu lassen. Filmfestival 11. bis 14. Juli NATURVISION – NATUR-UND UMWELTFILMFESTIVAL Central Filmtheater & Open Air, Ludwigsburg NaturVision ist das herausragende Naturund Umweltfilmfestival in Europa. Seit 17 Jahren führt es mit einem vielfältigen Programm auf höchstem Niveau den Besuchern die faszinierende Schönheit unserer Welt vor. Das Festival begeistert jährlich rund 15.000 Besucher im Kino und beim NaturVision Open Air mit Filmen für jede Altersgruppe und einem vielfältigen Rahmenprogramm. Beim internationalen NaturVision Filmwettbewerb werden renommierte Filmpreise verliehen. Comedy & Lunch 14. Juli BENEFIZ-VERANSTALTUNG Götzenburg, Jagsthausen In diesem Jahr veranstalten die Freunde der Burgfestspiele Jagsthausen wieder die Benefiz-Matinee zugunsten des Sommertheaters. Los geht’s mit Sektempfang im idyllischen Ambiente der Götzenburg und der Auslosung der Plätze. Ab 11 Uhr begeistert Michael Krebs mit seiner Mischung aus Musik und Comedy im Burghof. Im Anschluss geht es weiter zum Lunch und gemütlichen Beisammensein im Park der Götzenburg. Getränke, Lunch und Vorstellung sind im Kartenpreis enthalten. Weinfest 26. Juli bis 29. Juli BEILSTEINER WEINBERGFEST Hohenbeilstein, Beilstein Das Weinbergfest in Beilstein findet wie jedes Jahr auf dem Burgparkplatz statt. Während der vier Festtage können Besucher hundert verschiedene Weine und Sekte der Beilsteiner Weinmacher sowie verschiedene Köstlichkeiten probieren. Neben den kulinarischen Genüssen wird ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm geboten. Die Eröffnung findet freitagabends statt. Am Samstag startet nachmittags die Wandernde Weinprobe. Sonntags messen sich die Damen, Herren und Senioren (ab 40 Jahren) bei der Original Unterländer Buttenolympiade. Abends findet ein großes Brillantfeuerwerk statt. LANDLEBEN Hanix Nr. 61

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ZUKUNFTSSTARKE IT Und Sie! DIE IT. DIE LEIDENSCHAFT. DIE ZUKUNFT. UND SIE? Wir suchen die, die unsere digitale Welt mitgestalten wollen. Die gern hier bleiben und etwas werden möchten. Bei Bechtle, einem der führenden IT-Unternehmen Europas. Wo die Berufsbilder und Aufgaben so vielfältig sind wie die Freiräume groß. Könnte Sie das ausfüllen? Mehr unter bechtle.com/leidenschaft 11

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Festival 01. bis 02. Juni KESSELFESTIVAL Cannstatter Wasen/Reitstadion/ Neckar, Stuttgart Ab jetzt findet jährlich das neue, nachhaltige Musik-, Sport- und Kultur Festival auf dem Cannstatter Wasen, im Reitstadion und ja, auf dem Neckar statt. Internationale Topstars der Musikszene auf der Hauptbühne, junge Musiker auf der Nachwuchsbühne, Sport- und Funsportbereiche zum Mitmachen und Zuschauen, Nachhaltigkeit zum Anfassen im integrierten Übermorgen- Markt und ein interaktives Kinder- und Familienprogramm machen das Kessel Festival zu etwas Besonderem. Comedy-Talk-Lesung 05. Juni MICKY BEISENHERZ – »ZUR APOKALYPSE GIBT ES FILTERKAFFEE«-TOUR Theaterhaus, Stuttgart Micky Beisenherz ist ein medialer Tausendsassa; neben der regelmäßigen Kolumniererei im Stern ist er auch gefragter Autor, Moderator, hat eine Sendung im WDR zusammen mit Oliver Polak, führt zwei sehr erfolgreiche Podcasts und brachte 12 im Februar 2019 sein Buch heraus: »... und zur Apokalypse gibt es Filterkaffee - Dinge, von denen ich nichts verstehe, über die ich aber trotzdem schreibe«. Im nächsten Schritt wird er im Frühjahr 2019 das erste Mal mit einer eigenen Show auf Tournee gehen. Es wird keine klassische Lesung, keine durchkonzeptionierte Comedy- und keine reine Talk-Show. Dafür Unterhaltung im eigentlichen Wortsinne. Talk 16. Juni JAKOB AUGSTEIN UND NIKOLAUS BLOME - OBEN UND UNTEN IM DIALOG DAI, Heidelberg Zum ersten Mal seit Jahrzehnten machen sich die Abgehängten ernsthaft bemerkbar. Oben und Unten ist heute mehr als der Streit um Hartz IV, Niedriglohn oder Vermögensteuer. Die neue Frage »Wer gehört dazu?« ist inzwischen genauso wichtig wie die alte Frage »Wer hat was?« – eine Debatte, die sich nicht mehr klar mit den Positionen »links« oder »rechts« verhandeln lässt. Augstein (Verleger der Wochenzeitung Der Freitag) und Blome (Stellvertretender Chefredakteur der Bild) streiten in bewährter Weise: provokant, kontrovers und immer unterhaltsam. Konzert 02. & 03. Juli UDO LINDENBERG – LIVE 2019 SAP Arena, Mannheim 2019 geht Udo Lindenberg wieder auf Tour! Mit völlig neuem Programm, einer Fülle von musikalischen Panik-Komplizen und jeder Menge visueller Überraschungen. In der Panik-Zentrale brodelt gerade die Ideen-Maschine, alle Apparate drehen auf voller Power. Denn nach einem Jahr des Grübelns und Diskutierens, des Prüfens und Erforschens, steht nun fest: Am 31. Mai 2019 wird der Startschuss in Bremen gesetzt – und dann reist Udo Lindenberg mit seinem Tross quer durch die Bunte Republik Deutschland und macht dabei auch am 2. und 3. Juli Halt in der SAP Arena Mannheim. Festival 04. & 14. Juli JAZZOPEN STUTTGART Diverse Locations, Stuttgart Das Jazzopen Festival verwandelt die Landeshauptstadt Stuttgart wieder in einen Hotspot für Musikfans. Spielstätten sind der Ehrenhof des Neuen Schlosses am Schlossplatz, das Alte Schloss, das Scala Ludwigsburg, das Eventcenter SpardaWelt und der BIX Jazzclub. Als Top-Acts sind Bob Dylan, Christina Aguilera und Sting bestätigt. Darüber hinaus sind Bobby McFerrin, Chilly Gonzales & Kaiserquartett, Jamie Cullum & LP, Parov Stelar und viele mehr mit dabei. Festival 19. & 21. Juli DAS FEST Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe Bis zu 250.000 Besucher jeden Alters kommen alljährlich am letzten Wochenende vor den baden-württembergischen Sommerferien in der Karlsruher Günther-Klotz- Anlage zusammen, um »Das Fest« zu feiern. Somit ist »Das Fest«, das seit 1985 stattfindet, das größte Familienfestival im süddeutschen Raum. Und es verspricht dieses Jahr wieder eine fette Party zu werden – im wahrsten Sinne des Wortes: »Fettes Brot« werden zum dritten Mal den Hügel rocken. Für Max Giesinger wird Karlsruhes größtes Open-Air ein Heimspiel. METROLEBEN Hanix Nr. 61

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Man sagt, die neue Generation lebt nur für den Moment. Wir sagen: genau richtig. Die neuen 718 T Modelle. Bei uns im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel. 07131 5034-200 www.porsche-heilbronn.de 718 Boxster T · Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): innerorts 11,3–10,8 · außerorts 6,3–6,2 · kombiniert 8,2–7,9; CO 2 -Emissionen kombiniert 187–181 g/km 718 Cayman T · Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): innerorts 11,3–10,8 · außerorts 6,3–6,2 · kombiniert 8,1–7,9; CO 2 -Emissionen kombiniert 186–180 g/km

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NIEMAND KENNT SEIN KIND BESSER ALS DIE ELTERN Drei Mütter fordern die Verlegung des Stichtages in Baden-Württemberg zur Einschulung auf den 30. Juni. KATRIN GÖLTENBOTH, JULIA MARSCHAND und NICOLE STOLZENBERGER fanden kurz nach dem Start ihrer Online-Petition schon viele Unterstützer – in wenigen Wochen knapp 20.000 Unterschriften. Doch das Wichtigste dabei: Den Eltern mehr Rechte durch Entscheidungsfreiheit verschaffen und die Kinder vor einer zu frühen Einschulung schützen. Wir trafen Katrin Göltenboth in ihrer Heimatstadt Bretzfeld. Von Lea Pomocnik, Fotos: Meli Dikta Hanix: Katrin, Sie haben zusammen mit anderen Müttern die Petition für die Verlegung des Stichtages gestartet. Wie haben sie sich gefunden? Katrin Göltenboth: Wir haben uns auf Facebook in einer gemeinsamen Mami-Gruppe kennengelernt und da wurde gepostet, dass es in Bayern geklappt hat, durch eine Online-Petition den Stichtag zur Einschulung zu verlegen. Das wollten wir in Baden-Württemberg auch schaffen und haben beschlossen, dass wir ebenfalls eine Petition starten. Aus welchem Grund finden Sie es notwendig, den Stichtag zur Einschulung vorzuverlegen bzw. den Eltern die Möglichkeit zu geben, selbst entscheiden zu können? Uns geht es darum, dass man kein Datum festlegen kann, wann das Kind bereit ist, in die Schule zu gehen. Man muss das Kind immer im Besonderen anschauen. Beim Schularzt werden oft nur die motorischen Fähigkeiten und das Kognitive getestet. Niemand kann in die Kinderseelen reinschauen und beurteilen wie sie mit Frustration und Stress umgehen. Die sozial-emotionalen Kompetenzen werden kaum bis gar nicht abgefragt, und lassen sich auch weder testen noch anhand eines Fragenkatalogs erkunden. Bei vielen Kindern führt die zu frühe Einschulung zu Überforderung. Eltern sollten die Möglichkeit haben selbst entscheiden zu können, ob ihr Kind bereit ist oder nicht. Sie kennen es am besten. Zwar kennt man als Elternteil sein Kind am besten, doch wo können diese sich Hilfe holen, wenn es um die Einschulungsfrage geht? Gibt es Beratungsstellen? Die Eltern haben selbstverständlich die Möglichkeit sich von ihrem Kinderarzt, den Erziehern oder anderen Fachleuten wie etwa Logopäden, bei Unklarheiten oder Unsicherheiten beraten zu lassen. Das endgültige, freie und finale Entscheidungsrecht sollte allerdings bei den Eltern liegen. Ihre Petition hat in relativ kurzer Zeit ca. 20.000 Unterstützer in Baden-Württemberg erreicht. Doch es gibt auch einige Stimmen, die dagegen sind. Bringt euch das zum Nachdenken? Es kommen nicht so viele Stimmen, die dagegen sind. Oft verstehen »Gegner« im ersten Moment nicht worum es geht, und denken etwa, wir meinen mit Stichtag den Einschulungstag. Wir gehen mit den Kritikern ins Gespräch und erklären. Wir wollen schließlich niemandem etwas absprechen. Im Gegenteil, wir wollen mehr Entscheidungsfreiheit, mehr Elternrechte. Bei wie vielen Unterschriften geht das Thema vor den Landtag? Wie lange kann man die Petition noch unterschreiben, wann ist Schluss? Wir haben zu Beginn mit einer Laufzeit von einem Jahr gestartet. Da haben wir aber nicht damit gerechnet, dass das ganze Thema so einen Zulauf bekommt. Dass wir in kurzer Zeit so viele Unterschriften bekommen, hätten wir uns nicht erträumt. Mittlerweile unterstützen die SPD und die FDP uns. Sobald die 21.000 Unterschriften gesammelt sind, werden wir die Petition vorzeitig beenden und im Landtag einreichen. Wie geht es danach weiter? Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, sagt, dass sich dann näher damit beschäftigt und darüber beraten wird. Wie das im Einzelnen läuft, wie lange Entscheidungen dauern werden, das wissen wir bis jetzt leider auch noch nicht genau. Die SPD hat einen parlamentarischen Antrag gestellt, den die CDU beantwortet hat und die FDP hat vor einigen Wochen eine Regierungsbefragung zum Thema durchgeführt. Die Thematik ist dort sehr aktuell und es tut sich etwas. Es wäre toll, wenn wir relativ zeitnah unsere gewünschten Unterschriften voll haben, dass es zügig weitergehen kann. Weitere Infos: www.openpetition.de Schuleintritt in Baden-Württemberg: Wir fordern die Verlegung des Stichtags auf den 30.06. www.facebook.com/PetitionfuerEinschulungskorridorinBW Hanix Nr. 61 14 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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Hanix Nr. 61 EINMALIG, BESONDERS UND UNGEWÖHNLICH »40 Heilbronner Perlen jenseits der Touristenpfade.« So beginnt das Buch von Ulrike Heinricht und Ulli Fink-Spieler. Eine Publikation voller Geheimtipps, abseits von Plätzen, an welchen sich Touristen und Besuchergruppen tummeln. 208 Seiten laden zu einer Entdeckungsreise Heilbronns der anderen Art ein: Von ungewöhnlicher Gastronomie, Wein, Kunst, Räumen für Kreativität über Natur bis zu besonderen Heilbronner Extras. In zwei Jahren von der Idee zum fertigen Buch. Diese Zeit hat die beiden Herausgeberinnen Heilbronn und seine Menschen noch intensiver erleben lassen. »Für uns war es ein unerwartetes Geschenk, dass ganz unterschiedliche Gastautoren spontan bei dem Buch mitgewirkt haben. Ihr Engagement und ihre unkomplizierte Unterstützung hat uns beeindruckt«, erzählt Ulrike Heinricht. Dass all diese Menschen ihre persönliche Note ins Buch gebracht haben, macht es so besonders. Sie erzählen aus ihren tiefen Erinnerungen und Erlebnissen heraus – dadurch erscheinen die einzelnen Heilbronner Fleckchen so sympathisch. Egal ob Student, bekannte Persönlichkeit oder Kolumnist. Das Buch weckt Lust auf die Stadt, sich auf sie einzulassen, sie zu erleben, sich Zeit für sie zu nehmen. Für die beiden Autorinnen waren die Interviews mit den Gastronomen, Künstlern und Machern aus Heilbronn mehr als nur ein Plausch bei einer Tasse Kaffee. Sie durften berührenden und bewegenden Geschichten lauschen. Und sie haben vor allem eines erfahren: Offenheit und jede Menge Vertrauen. Für Ulrike Heinricht und Ulli Fink-Spieler war das Großprojekt Buch eine tolle Erfahrung. Viele Learnings, neue Kontakte und eine andere, noch positivere Sicht auf Heilbronn und seine Menschen. In den letzten beiden Jahren hat sich viel in der Stadt getan, sie ist in Bewegung und bringt Möglichkeiten für die Menschen, sich zu entfalten. Diesen Vibe bringen die Herausgeberinnen in ihrem Buch an die Leute und geben ihnen dadurch die Möglichkeit, die Besonderheiten kennenzulernen. Weit weg vom Touristenführer und ganz nah dran an den Lieblingsorten der Heilbronner. Ein Buch von zwei Reingeschmeckten als Einstiegshilfe und Geschenk an die Stadt. (lep) ◆ MIT VOLLEM EINSATZ Nachwuchsförderung beim TC Sulmtal e. V. Training und professionelle Unterstützung sind bei jedem Sport das A und O. Auch beim Tennis. Je früher Kinder mit einer Sportart beginnen, desto besser etabliert sich diese in ihrem Alltag. Der Neckarsulmer Tennisklub geht in puncto Nachwuchs-Förderung mit Beispiel voran. »Tennis darf kein ›teurer Sport‹ für interessierte Kinder und Jugendliche sein. Daher ist es unser Hauptziel, das Vereinstraining ganzjährig, d. h. sowohl im Winter als auch im Sommer, kostenfrei zu gestalten«, erklärt Mutlu Cheri vom Verein. Ab drei Jahren können die Kinder von qualifizierten Trainern lernen und bei regelmäßigen Trainingseinheiten mit anderen Kindern zusammen den Schläger schwingen. Der Spaß am Sport steht im Vordergrund. Während sich der Verein vor 20 Jahren kaum vor tennisbegeisterten Kindern retten konnte, muss heute aktiv auf die jungen Menschen zugegangen werden. Ganztagsschulen und andere gesellschaftliche Entwicklungen tragen dazu bei, dass der Verein neue Wege gehen muss. Ganz erfolgreich schafft er das bereits durch die Zusammenarbeit mit Schulen in der Umgebung – das Training findet in den Wintermonaten direkt in der Bildungseinrichtung statt. Der Verein möchte seine Klubjugend noch weiter ausbauen. Tennisbegeisterte Kinder und Jugendliche, oder solche die es werden wollen, sind beim TC Sulmtal immer willkommen. (lep) ◆ Mehr Infos unter: www.tc-sulmtal.de/jugend/tc-sulmtal-jugend STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION 15

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MARIANNA KURTH macht wovon viele Frauen träumen: Shoppen und Stylen – und das gegen Bezahlung! Modestylistin nennt sich das, wenn man für Shootings und Filme gebucht wird, um die Protagonisten modisch in Szene zu setzen. Sie ist freischaffend und wird von ihrer Stuttgarter Agentur mittlerweile an Kunden wie Breuninger oder Daimler vermittelt. Die Mutter von zwei Söhnen lebt mit ihrem Mann in Neckargartach. Von Maria Maroge Fotos: Meli Dikta Stilvolle und schöne Momente für Bühne und Leben kreieren BERUF: Modestylistin JAHRGANG: 1984 BERUFUNG: Mutterstylistin Mariannes Sinn für Ästhetik begann vermutlich bei der Auswanderung von Russland nach Deutschland, als sie acht Jahre alt war. »Es war alles so sauber hier in Deutschland, geordnet, freundlich und es gab Bananen!«, erinnert sich die 34-Jährige und schmunzelt. Sie wuchs in Werl in Nordrhein-Westfalen auf und entschied sich nach dem Abitur nach Dortmund zu ziehen, um Anglistik, Germanistik und Textilwissenschaft zu studieren. Parallel arbeitete sie im Museum und half einer Freundin aus, bei ihren Kurzfilm-Drehs, die Schauspieler modisch auszustatten. Mit einem kleinen Budget durfte sie Shoppen gehen, früher eher in Second-Hand-Läden, wo sie auch ihr seidiges Chanel-Tuch ergattert hat, das sie stolz aus ihrer Tasche zieht. Heute betreut sie exklusivere Kunden und darf großzügiger einkaufen. Sie muss sich mit der Szene im Vorfeld vertraut machen, die fotografiert oder gefilmt wird, muss alle Details und benötigten Accessoires beachten, die Größen der Protagonisten im Blick behalten, bügeln, die Models einkleiden und ggf. die Ausstattung je nach Szene sortieren, um modische Regiefehler zu vermeiden. Durch das Aushelfen bei der Freundin konkretisierte sich ihr Berufswunsch. Sie brach ihr Masterstudium ab, zog 2011 nach Köln und assistierte ein Jahr lang bei einer Modesytlistin. Kurz bevor sie nach Köln umsiedelte, lernte sie ihren Nico kennen, »beim Arbeitsamt Dortmund, als wir beide Hartz IV beantragten!« Marianna lacht herzlich und erinnert sich noch gerne daran, wie sie sagt. Als freischaffende Akademiker mit künstlerischem Beruf habe man keinen einfachen Start. Nico ist Diplom-Fotodesigner. Er lud sie irgendwann zu seiner Ausstellung ein und die Liebe nahm ihren Lauf. »Nach einem Monat verließ er mich und das war gut so!« Sie ergänzt verschmitzt: »Er fotografierte ein halbes Jahr auf der Aida und ich zog eben nach Köln.« Er folgte ihr schließlich, sie zogen zusammen und waren sich schnell einig, dass sie ein Baby möchten. 2013 war dann ein bewegtes Jahr: Sohn Levi kam auf die Welt, sie zogen für Nicos Job bei Förch in den Süden und heirateten. »Es war nicht immer einfach, weil wir als Freischaffende wenig finanzielle Freiräume hatten und unsere Familien im Norden leben.« Seit 2014 leben sie in Neckargartach und Marianna begann, sich als Modesytlistin von der Stuttgarter Agentur Stammhaus vermitteln zu lassen. »Ich war anfangs sehr schüchtern. Doch mit jedem Auftrag wurde ich routinierter und selbstsicherer.« Und immer in der Tasche dabei: ihr Handwerkzeug, Klemmen und doppelseitiges Klebeband. Bei einem Shoot für Breuninger durfte sie dem weltberühmten Fotograf Michel Comte assistieren, die Models einkleiden. Bei einem anderen Shooting organisierte sie die Ausstattung für eine Fotostrecke im Focus mit Olympiasieger und Ironman Hawaii-Sieger Jan Frodeno. Seit Mai 2018 bereichert Sohn Mick nun die Familie Kurth. Sie liebe es, Mutter zu sein – und blickt auf das Urlaubspolaroid mit ihrem Mick – wie auch ihren vielseitigen sowie kreativen Job. »Wenn ich älter bin, werde ich aus meinem Fundus einen Stylisten-Verleih gründen.« ◆ Hanix Nr. 61 16 TASCHENKONTROLLE

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Hanix Nr. 61 MARIANNA KURTH LEERT IHRE TASCHE 17

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»RICHI« studiert seit 2016 internationales Weinmanagement in Heilbronn. Seine zweite Leidenschaft, die zu »schwarzem Gold«, wurde durch seinen lieben Mentor und Chef Stefan Dachale (Mókuska Kaffeerösterei) in Stuttgart und der Kaffeeszene in Prag geweckt. Seine Liebe zu den kleinen Dingen, die im Detail liegen, und dem Wert der Gäste, spiegelt sich in der Art und Weise wieder, mit welcher Sorgfalt und Ruhe er das Ganze angeht. Zusammen mit vier befreundeten Studienkollegen ruft er jetzt ein Pop-up Konzept im Innenhof des Mobilat Club ins Leben. Mit dem geschmeidigen Namen »Kaffee und Kippe.« Da sich das Ganze unmittelbar in der Nähe des Campus befindet, ist es ein Leichtes für jeden Studenten in town, »Kaffee und Kippe« anzusteuern. Fühl dich aber auch unbedingt angesprochen, wenn Du kein Student bist, und komm rum. Mit der Intention sich einfach zu verbinden. Solange, bis der Letzte merkt, dass Heilbronn gar nicht mal so beschissen ist. Interview: Sarah Baudenbacher, Fotos: Meli Dikta Hanix: Hallo lieber »Richi«, was ist dein Lieblingsding? Richard Petrick: Das wäre meine »Comandante C40 Nitro Blade«-Kaffeemühle. Sie kommt aus dem Schwarzwald. Made in Germany. Das spürt man schon, wenn man sie in der Hand hält: dass sie für Wertigkeit steht. Du kannst sie gern einmal nehmen. Sie ist aus Edelstahl, genau so wie die Mahlscheiben, die nach dem Härten nochmals geschärft werden und die Kaffeebohnen somit förmlich »schneiden«. Die kannst du auch beliebig, Nuance für Nuance, verstellen und damit sogar Espresso mahlen. Sie eignet sich perfekt zum Brühen von frisch gemahlenen Specialty-Arabica-Bohnen. Wie haben sich eure Wege gekreuzt? Da sie mit ca. 230 Euro ihren Preis hat, hab ich sie zu meiner großen Freude geschenkt bekommen. Von meinem Chef, dem Inhaber des Mókuska Caffè in Stuttgart. Dort hab ich 2015 angefangen zu arbeiten und war gleich fasziniert vom Thema Kaffee. Parallel dazu war ich auf einem Weingut beschäftigt und kam dadurch auch zu dem was ich jetzt studiere: Internationales Weinmanagement. Was hat die Kaffeemühle für Features? Was macht sie für dich so besonders? Sie hat neben dem praktischen Zweck, leckeren Kaffee zu mahlen auch einen persönlichen Wert für mich. Es entschleunigt. Die Bohnen selbst von Hand zu malen schafft einen ganz anderen Bezug zu ihnen. Morgens aufzustehen und erst mal das Geräusch des Mahlwerks und der sich zerkleinernden Bohnen zu hören ist für mich zu einem Ritual geworden. Dazu ist sie ein toller Urlaubsbegleiter. Neben ihr begleitet mich auch meine AeroPress, sowie ein Gaskocher und immer eine Packung frischer Kaffee. Dann kommt für dich ein Kaffee unterwegs, an der Tanke beispielsweise, nicht in Frage? Ganz ehrlich, wenn ich lange mit dem Auto unterwegs bin, dann halte ich auch mal an der Tankstelle und hole mir einen Kaffee. Ich bin da nicht so dogmatisch. Kaffee ist für mich eher kein Wachmacher, sondern ein Genussprodukt. Genau wie Wein. Da sehe ich sehr viele Parallelen, auch sensorisch. Wenn ihr jetzt mal hier in diesen Kaffee reinriechen wollt … das ist auch sehr spannend. Es erinnert etwas an Wein, da es sich bei beiden um die gleiche Aufbereitungsmethode handelt. Der Kaffee wächst am Hanix Nr. 61 18 MEIN LIEBLINGSDING

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NAME: Richard »Richi« Petrick ALTER: 27 BERUF: Student Internationales Weinmanagement (HS Heilbronn) BERUFUNG: Ich möchte Leute für Sachen begeistern, die mich begeistern. WÜRDE SEIN LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: Nichts auf der Welt. Instagram: kaffeeundkippe.hn Kaffeebaum bzw. am Strauch. Und die Bohnen sind die Samen der Kaffeekirsche. Die Kaffeekirsche kann rot oder gelb sein. Wenn die Kirschen reif sind, werden sie gepflückt und dann gibt es mehrere Aufbereitungsmethoden. Zum Beispiel? Ich erklär euch zwei davon. Die Natural-Aufbereitungsmethode, das bedeutet, dass die Kirsche zusammen mit dem Samen getrocknet wird, auf hektargroßen Flächen, wo sie ganze drei Wochen lang getrocknet werden. Da läuft einer mit dem Rechen durch und kümmert sich um die Trocknung. Das, was ihr jetzt getrunken habt, war beides »natural«. Hier kommt es zu einem TUM School of Management Technical University of Munich WHERE MANAGEMENT MEETS TECHNOLOGY www.wi.tum.de/programs www.wi.tum.de/tum-campus-hn BEWEGUNG ähnlichen Geschmacksprofil, da beide etwas fermentiert riechen und süßlich sind. Dann gibt es eine andere Methode, die nennt sich Fully Washed, also gewaschener Kaffee. Da hat der Kaffee viel mehr säurige Noten, ist eher zitruslastig. Dazu wird die Kaffekirsche nach der Lese sofort getrennt. Anschließend geht es in Enzymbäder, wo eine weitere Fermentation erfolgt. Aber eben ohne die Kaffeekirsche. Dadurch bekommt man ein ganz anderes Geschmacksprofil. Du hast aktuell, zusammen mit vier befreundeten Kommilitonen das Projekt »Kaffee und Kippe« ins Leben gerufen, welches kürzlich erfolgreich seine Eröffnung im Innenhof des Mobilat gefeiert hat. Wie kam es dazu? Das Ganze entstand mit der Intention gegen die vielen Aussagen zu wirken, in denen sich negativ gegenüber Heilbronn geäußert wird. Wir kommen ursprünglich unter anderem aus Stuttgart und Bayern. Als Zugezogene bekommen wir sehr oft zu hören: »Heilbronn ist keine schöne Stadt.« Das muss nicht sein. Wir finden es hier mega-cool und wollen ein bisschen was bewegen. Gerade auch durch den Ausbau vom Campus. Wir wollen mit dem Thema Kaffee die Leute begeistern und sensibilisieren. Kaffee ist ein Produkt, das fast jeder trinkt. Kaffee ist das am meisten getrunkene Getränk in Deutschland. Aber kaum einer schert sich wirklich darum, wie es schmeckt. Jeder greift im Supermarkt ins Regal und kauft womöglich einfach das Günstigste ein, weil das Verständnis überhaupt nicht da ist. Und das wünschen wir uns zu ändern. Warum Kippe? Es sollte authentisch klingen und zum Mobilat-Innenhof passen. Daher sollte es was Diffuses sein. Der Kaffee steht für uns aber weiter an erster Stelle. ◆ TUM CAMPUS HEILBRONN BACHELOR IN MANAGEMENT & TECHNOLOGY MASTER IN MANAGEMENT MASTER IN MANAGEMENT & INNOVATION 19

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Maike Endresz Fotos: Meli Dikta Ein Tag in der neuen experimenta und ihrem Maker Space Himmel. Der Start: Geht-so-gut. »Bitte zieh dir ein frisches T-Shirt an«, war jedenfalls kein Bilderbuchsatz um einen experimenta-Ausflug mit Joshua, dem besten Sohn der Welt, der sich in einer hormonell turbulenten Lebensphase befindet, zu beginnen. Glücklicherweise ist das Maker Space im alten experimenta-Gebäude Joshis zweites Zuhause, sodass sich seine muttergemachte Übellaunigkeit bei Annäherung zusehends legt. Zum Glück gesellt sich auch Joshis Kumpel Jacob zu uns. Die Laune meines Pubertiers wird nochmals besser. 20 Liebe Leser, ich entschuldige mich vorab für eine viel zu knappe und selektive Schreibweise, da ich in der Zeichenanzahl sehr begrenzt bin und in diesem Abenteuer sonst nur mit einer reinen Aufzählung Herrin der Lage und so überhaupt nicht gerecht würde. Sehr überwältigend, riesig und vielfältig. Und ich so sehr schnell reizüberflutet. Wir starten im obersten Stockwerk. Heute ist der letzte Ferientag und der erste mit richtig schlechtem Wetter – so halten wir es für schlau, das Feld von hinten aufzuräumen. Ganz oben in der 5. Etage haben wir einen sensationellen Ausblick auf die Stadt. Der doofe Regen verhindert, dass wir uns auf der riesigen Terrasse in Aussichten verlieren. Die Sternwarte, von Joshi sehnlichst herbei gewünscht, ist leider noch nicht eröffnet, so geht’s direkt ein Stockwerk tiefer. Im »Forscherland« kann man Abenteuer zu Lande, zu Wasser und in der Luft erleben. Das Kind in mir hat großen Spaß daran, Stoffblumen mit einem Staubsaugerrohr aufzublasen. Die Teenager feiern die Schwebekugel aus Eisen und sind auch sonst von allem magnetischen sehr angezogen. Um uns herum schwirren Papierflieger und Bälle durch die Gegend, ich sehe lauter strahlende, verzückte Gesichter. In jeder Etage gibt es in der Mitte ein sogenanntes »Studio«, in denen mit verschiedenen Materialien weiter gearbeitet werden kann. Mir hat dort die geschäftige, fast meditative Ruhe ganz besonders gut gefallen. Weiter also in Etage drei namens »Weltblick«. Hier lauschen wir Geräuschen mit Bindfäden an den Fingern, schleichen wie ein Ninja, um einen Schlüssel zu klauen, und stellen verschiedene Bewegungen und Töne nach. Gottlob sind die beiden Teenager dabei, die deutlich schneller verstehen, was zu tun ist und mich immer wieder mal leicht augenrollend korrigieren: »Mams! Du musst den Knopf dann auch drücken, sonst geht’s nicht!« »Nein, mit dem Gegenstand jetzt dagegen schlagen, oh man!« ABENTEUER UM DIE ECKE Hanix Nr. 61

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Flugs weiter in das zweite Stockwerk: »Kopfsachen«. Gleich zu Beginn straucheln wir mit diversen Brillen durch einen Hindernisparcours in schwarz-weiß. Mein Sohn sagt, seine »Sehhilfe« macht Betrunkenen-Optik (woher weiß er das?), meine ist ein Kaleidoskop, die von Jacob ist einfach »zu krass«. Mir ist bisschen schlecht danach. In dieser Etage wird mir ganz besonders bewusst, wie hemmungslos und freiwillig die Besucher jeden Alters vor Publikum alles Menschenmögliche versuchen: Schuhplattlern, Hip-Hop tanzen, gegen Pfosten laufen, laut brummen oder Tierfiguren nachahmen. Man stelle sich das auf dem Marktplatz oder in einem Supermarkt vor. Peinlich fänden es die meisten. Hier scheint es normal. Perfect world für mein kindliches ich. Flink weiter in die 1. Etage: »Stoffwechsel«. Hier angelangt bin ich nicht mehr wirklich aufnahmefähig, der halbe Tag ist rum. Kurz erweitern wir gemeinsam das sehr eindrucksvolle Kabelbinder-Kunstwerk. Dann lasse ich die Teens in der Windwerkstatt zurück und rette mich in eine kurze Auszeit an der wunderschönen Wand voll Pflanzen. Es riecht nach Natur, fasst sich toll an und sieht zauberhaft aus. Daneben ein weiteres Herzerfreu: Nahrungsketten-Matrjoschka-Puppen. Wer frisst wen in Ozean, Savanne und auf dem Feld. Unterdessen erscheinen Joshua und Jacob nebenan als Superhelden auf einem der großen Motion-Capture-Bildschirme, der eine aus Wasser, der andere ist Energie, die Moves sind sehr heldenhaft und die Jungs total im Glück. Natürlich müssen wir noch unterirdisch zum Maker Space rüber, bevor wir im Science Dome eine Show anschauen. Ich verstehe nun, warum mein Lieblingssohn sich im Maker Space so wohlfühlt: 3D-Drucker, Textilwerkstatt, Greenscreen, Tonstudio, Bildbearbeitungsplätze, Holzwerkstatt, Chill-out-Lounge, Tischkicker, Automaten voll ungesunder Schokoriegel. Welcome to Joshis World! Der selbst ernannte Nerd kann sich hier voll austoben. Auch Nicht- Nerds können das. Jeder ist willkommen dort seine eigenen Projekte fertigzustellen, kostenlos und mit sehr gutem Equipment. Abschließend: die Show! »Nachts im Labor« läuft im sehr (!) beeindruckenden Science Dome. Uns wird in kurzweiligen 45 Minuten von zwei Schauspielern die Elektrizität erklärt. Blitze, fliegendes Konfetti, faradayscher Käfig, abstehende Haare, Tesla-Spulen ... und Finger in den Ohren wegen der Lautstärke. »Mama. Mams! Mummeltier!! Mutter!!! Du kannst aufhören. Man muss sich schon lang nicht mehr die Ohren zuhalten!« Augenrollen. Jacob klatscht sich die Hand gegen die Stirn. Gekicher. Ha. Zur Belustigung meiner jugendlichen Begleiter beigetragen. Was für ein perfekter Ausflug. Fazit: Dies hätte ein Fortsetzungsroman werden müssen. Gehet also hin und erfahret! Es ist für jeden Kauz etwas Spannendes dabei.◆ DAUER: It takes as long as you want, baby. ORT: experimenta, Experimenta- Platz, 74072 Heilbronn KOSTEN: Gesamtticket Erwachsene 14 € TIPP: Ruhig öfter hingehen! Es gibt so viel zu entdecken! WEITERE INFOS: www.experimenta.science Kapitel Das Taschenhaus-Stütz GmbH Weinsberger Straße 17/1 · 74072 Heilbronn · Tel.: 0 71 31 / 94 20 27 Mo–Fr 9.00–18.00 Uhr · Sa 10.00–16.00 Uhr · www.dasTaschenhaus.de www.ergobag.de Termine unserer Schulranzenberatungstage www.satch.com 2019 siehe www.dasTaschenhaus.de 21

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»Steck Deine Kindheit in die Tasche und renne davon, denn das ist alles, was du hast«. Dies sagte der große Theatermann Max Reinhardt, er wusste, wovon er sprach: Als Jude musste er vor den Nazis fliehen. Was können sich die Kinder, die Jugendlichen heute in die Tasche stecken und was tragen sie lebenslang als Rucksack mit sich? Das wird nicht allein von Elternhaus und Herkunft bestimmt, sondern auch vom Ort und den sozialen Gegebenheiten ihres Aufwachsens. »Kinderparadies« hieß ein Spielwarengeschäft, das der Grafiker Gerald Stephan in den 80er Jahren in Heilbronn eröffnete und das es lange Jahre gab. Es war das erste, das »pädagogisch wertvolles Spielzeug« verkaufte, das auch ästhetischen Ansprüchen genügte, Kindern Wertvorstellungen vermittelte, ihren Schönheitssinn ansprach, die Fantasie anregte und dauerhaft für Generationen war. Und dann kam Playmobil ... Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Meli Dikta Kinder in Heilbronn Folgt man den offiziellen Verlautbarungen, dann könnte man meinen, ganz Heilbronn sei ein »Kinderparadies«. »Heilbronn, die kinderfreundliche Stadt«, das geht runter wie ein Honigbrot, weltweit erste UNICEF-Kinderstadt im Jahr 2004 auch, als die Heilbronner 1,5 Millionen Euro spendeten. Für die am 1. Januar 2008 eingeführte Gebührenfreiheit für Kindergärten als erste Großstadt wurde Heilbronn deutschlandweit fast so sehr gepriesen, wie man es selber tat. Der römische Philosoph Cicero war der 22 Meine Kindheit: Wir stellten im Zuge dieses Beitrags Politikern aus der Stadt die Frage nach deren Kindheitserinnerungen. Rainer Hinderer, Alexander Throm, Agnes Christner und Josip Juratovic schwelgten für uns in ihrer kindlichen Vergangenheit. Ansicht, Kindheit könne nicht gepriesen werden. Es dauerte fast 2000 Jahre, bis Rousseau die Gesellschaft dazu brachte, Kindheit als Kindheit zu begreifen, in seinem Roman »Émile« entwarf er ein neues Bild davon und von der Erziehung. Auf Kinderbildern der Romantik spielen Kinder im Freien, tragen die Mädchen luftige Kleidchen – fast wie heute, da der Kampf um Markenklamotten und Spielzeughalden in den Kinderzimmern auch in Leitartikeln von »Spiegel« und »Zeit« thematisiert wird. So weit die Meinungen zu POLITIK & GESELLSCHAFT Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Erziehung auseinandergehen, der Konsens besteht darin, Kindheit als Errungenschaft der Zivilisation, als besonders prägende und vor allem schützenswerte Lebensphase zu betrachten. Und dann kam die AfD … Schützenswerte Lebensphase? In weltweit herrschenden Kriegen und Auseinandersetzungen, der Gewalt und der Ausbeutung ausgeliefert, da hilft kein Wegschauen, sondern hinschauen – und mit dem Kehren vor der eigenen Haustüre zu beginnen. Dem Vernichtungswillen der Nazis entging auch nicht das »unwerte Leben« von geistig oder körperlich Behinderten. Bezeichnet als »lebensunwertes Leben« wurden Kinder gequält und getötet, auch solche aus Heilbronn – und auch von einem Heilbronner. Karl Lempp, 1881 hier geboren, Sohn einer ehrbaren Beamten- und Pfarrerfamilie, wirkte als Chefarzt der Kinderklinik und Leiter des Gesundheitsamtes in Stuttgart maßgeblich an den Euthanasieprogrammen der Nazis mit. Das Ausmaß kam heraus, als man über 500 Totenscheine von Kindern auswertete. Das geschah erst vor zehn Jahren. Weitgehend unbeachtet blieb 2018, dass die AfD im Bundestag in einer sog. »Kleinen Anfrage« einen Bezug zwischen Behinderung, Inzucht und Migration nicht nur unterstellte, sondern auch belegt haben wollte: »Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt, insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen (bitte nach Jahren aufschlüsseln)? Wie viele Fälle daraus haben einen Migrationshintergrund?« Bei den Fragestellern war auch die Heilbronner Abgeordnete der AfD, Franziska Gminder, die inzwischen auf Platz 1 der AfD-Liste für den Gemeinderat kandidierte. Die Bundesregierung antwortete, dass »Daten zum Familienstand der Eltern von Kindern mit Behinderungen« statistisch nicht erhoben werden, mehr als 94 Prozent der schwerbehinderten Menschen Deutsche seien. Nicht nur die Sozialverbände sahen in dieser Anfrage eine fatale Nähe zur Nazi-Ideologie. Und dann kam Kevin F. … Wer kennt nicht noch den schönen Spruch: »Wohltätig ist der Watsche Macht, wenn sie zur rechten Zeit hernieder kracht!« Laut der jährlich veröffentlichten Polizeistatistik ist Heilbronn die sicherste Stadt im Land. Ist sie das auch für Kinder? Da liest man zu »kindlichen« Tätern: »Im Fünf-Jahres-Vergleich weisen die tatverdächtigen Kinder mit 433 Tatverdächtigen den niedrigsten Wert und die tatverdächtigen Jugendlichen mit 1.458 Tatverdächtigen den zweitniedrigsten Wert auf. Die Anzahl der jungen Tatverdächtigen ist ebenfalls zurückgegangen.« Aber wie steht es um Kinder als Opfer? Die, an → RAINER HINDERER Rainer Hinderer (SPD), MdL und Fraktionsvorsitzender hat wohl schon als Knirps kräftig auf die Pauke gehauen: »Meine Kindheit in der Heilbronner Nordstadt mit unserem ›Abenteuerspielplatz‹ in der Schmiede meines Vaters, im Nikolaikindergarten und in der Dammschule habe ich in bester, unbeschwerter Erinnerung. Unser Revier erstreckte sich vom Wartberg – im Winter mit waghalsigen Schlittenfahrten die Wartberghole hinunter – bis zur Schaeuffeleninsel, von wo aus wir immer mal wieder den unterirdischen Lauf des Pfühlbaches erkundeten. Den ersten Fernseher gab es 1972 zur Olympiade in München; schon deshalb verbrachten wir viel Zeit auf der »Gasse«: bei Freunden klingeln, im Hof kicken, das »Bergle« mit Rollschuhen runterfahren und sich blutige Knie holen.« denen sich der pädophile Erzieher am Wilhelm-Busch-Kindergarten und in seiner Nachbarschaft verging, oder der kleine arglose Ole, den seine Pflegeoma erstickte? Diese Fälle sind wenigstens aufgeklärt. Und was ist mit den anderen? Carsten Diemer, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizei hat für Hanix Zahlen und Fakten dazu ermittelt, sich viel Zeit genommen, die Kollegen vom Haus des Jugendrechts einbezogen. Dennoch ist es schwer, verlässliche Zahlen zu erhalten, und eine Ein- und Zuordnung der Taten vorzunehmen. Die »wohltätige Watsche« z. B. ist immer eine Straftat, ob vom Vater, vom Lehrer oder von einem Gleichaltrigen verabreicht, aber unterschiedlich zu bewerten. Tut sie nur weh, oder ist die Nase gebrochen oder das Trommelfell verletzt? Und wie ist es dann erst mit Fußtritten, Quälereien, Schlägen mit dem Gürtel, Demütigungen, Mobbing, Bildern im Internet, die die Persönlichkeit verletzen? Alles keine Ausnahmesondern Regelfälle. Dieter Ackermann vom Haus des Jugendrechts nennt diese Vorkommnissen das »tägliche Brot« und räumt mit der Vorstellung auf, dass es dabei Unterschiede zwischen prekären oder gutbürgerlichen Familienverhältnissen gebe. Was immer zur Anzeige gebracht wird, das wird auch verfolgt, sagt Diemer, STROMWERBUNG MIT KUCHEN Lecker Kuchen von Mama. Hat natürlich erstmal nix mit Strom zu tun. Schmeckt aber gut. Und ist in ganz vielen Fällen nicht nur mit Liebe und feinen Zutaten aus der Region gemacht – sondern eben auch mit Strom von hier. Richtig gutem Strom, gewonnen aus der Kraft des Wassers, des Winds und der Sonne unserer Heimat. Von deiner ZEAG halt. ZEAG Energie AG · Weipertstraße 41 · 74076 Heilbronn · www.zeag-energie.de STREITKULTUR 23

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24 Aus einer anderen Zeit: Kinderfoto von Heilbronns Bürgermeisterin Agnes Christner aber das »Dunkelfeld« sei groß und kaum einschätzbar. Und der Aktionsrahmen der Polizei? Misshandlungen und Gewalttaten können ebenso wie falsche Beschuldigungen ein ganzes Leben zerstören. Einigkeit herrscht dazu: »Unsere Kinder sind »anders« als früher und mehr als früher wird Erziehung z. B. der Schule überlassen. Die Zeiten haben sich geändert, die Gesetze nicht«, so bringt es Ackermann auf den Punkt. Und dann kam Facebook … »Facebook«? Da lächeln die Beamten nur milde, die Kinder von heute haben längst andere Ebenen des Datenaustausches und – davon nicht getrennt zu sehen – des Zusammenseins. So scheint Geschlechtsverkehr bei Kindern unter vierzehn, untereinander, an der Tagesordnung zu sein, so wie »Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung« wie es juristisch korrekt heißt. Auch wenn es um dieselbe Sache geht, die Einstufung als Strafbarkeit hängt von den Umständen und dem Alter ab, was eine solche Straftat bei den Betroffenen oft lebenslang anrichtet, ist schwer zu katalogisieren. In der polizeilichen Präventionsarbeit gab es 2018 dazu 437 Veranstaltungen, 197 zu Gewaltkriminalität, 92 zu Mediensicherheit, 146 zu Suchtprävention. Diese, dazu die Zusammenarbeit mit Jugendamt und dem Haus des Jugendrechtes – der Aktionsrahmen ist klar umrissen – zeigen die Grenzen. Am Ende gibt Carsten Diemer dann, bei allen Vorbehalten, Einblick in die Opferzahlen: 2018 waren 377 Kinder betroffen. Und dann gibt es auch die andere Seite. Was die Stadt, ihre Institutionen wie auch private Initiativen für Kinder → ALEXANDER THROM Alexander Throms Kindheit spiegelt ein Stück Heilbronner Zeitgeschichte wieder: »Ich bin in Heilbronn geboren und dann ab der Grundschule im Südviertel aufgewachsen. Die Straßen rund um das Südviertel sowie der Bolzplatz am Cäcilienbrunnen, genannt »Cäce« waren unsere Heimat. Nach der Schule, die damals noch regelmäßig gegen Mittag endete, Nachmittagsunterricht gab es nur ein- oder zweimal die Woche, waren wir relativ frei und unabhängig und eben auf der Straße und dem Bolzplatz mit den Rädern unterwegs. Eine schöne, freie und unabhängige Zeit.« Sein Resümee: »Ich durfte in einem sehr gemischten Stadtviertel aufwachsen, wo man sich auch behaupten und durchsetzen musste. Allerdings hatten wir auch Freiheiten, die es heute vielleicht bei den Kindern nicht mehr so gibt.« tun, das kann Neid erwecken, wirft aber auch die Frage auf, wo bei einem solchen Angebot noch Zeit zum Träumen bleibt. In der Beschäftigung mit der Kunst schon. Über »Kopfhörer« des Württembergischen Kammerorchester (WKO) kommt Musik zu Babys, Kindern und Jugendlichen, 21 Veranstaltungen gibt es in der nächsten Saison. Die Schülerkonzerte des WKO besuchen jährlich ca. 4.500 Grundschüler aus Heilbronn und der Region. Die Christoph-Reinwald-Stiftung war eine der ersten, die Kunsterziehung von Kindern im Museum institutionalisierte und finanzierte. In diesem geschützten Raum der Fantasie haben in 24 Jahren 94.721 Kinder im »Jungen Museum Christoph Reinwald« nicht nur erste Schritte ins Reich der Kunst gemacht, sondern auch erfahren, wie schön es ist, kreativ zu sein. Eine weitere »Spielstätte« ist das Theater. 2018 besuchten 22.598 Kinder und Jugendliche ab drei Jahren die BOXX. Das »Weihnachtsmärchen« im Großen Haus sahen rund 30.000 Kinder »und natürlich besuchen auch Jugendliche im Klassenverband, als Leistungskurs oder Theater-AG, die Vorstellungen im Großen Haus und im Komödienhaus«, sagt Pressereferentin Silke Zschäckel. In dieser Spielzeit waren schon fast 45.000 Kinder und Jugendliche über Schulen und Kitas im Theater. Von 38 Kooperationsschulen kommen Schüler mindestens einmal jährlich in eine Vorstellung, zu Workshops, blicken hinter die Kulissen. Mit der Kita-BOXX reist das Theater zu den ganz Kleinen und im Juli gibt es ein → AGNES CHRISTNER Festival der Dass gleiche Bildungschancen für Mädchen noch nicht so lange selbstverater. Das En- Schülertheständlich sind, erzählt die Kindheit gagement der Sozialbürgermeisterin: »Ich bin der Heilbronner Bür- als Einzelkind in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen und gerstiftung hatte eine glückliche, unbeschwerte ist beispielhaft. In einer Kindheit. Mit den Nachbarskindern habe ich viel Zeit im Freien verbracht. Dank der Unterstützung durch einmaligen bundesweit meine Eltern und einer Lehrerin Aktion unterzeichne- wechselte ich nach der Grundschule auf das Gymnasium in der nächsten ten 2008 die Kleinstadt – für ein Kind von der Vertreter schwäbischen Alb damals noch weniger sämtlicher selbstverständlich als heute.« Heilbronner Schulen ein »Bündnis gegen Gewalt«, 2016 wurde es erweitert in »Bündnis gegen Sucht, Gewalt und Intoleranz«. Finanziert werden u. a. Selbstbehauptungskurse, Programme der Gewaltprävention in allen Altersstufen, mit Lehrerfortbildungen und Netzwerkarbeit mit Schulen, Ämtern, Diakonie, Kripo usw. aber auch mit jugendkulturellenn Projekten. Über 100.000 Euro wurden dafür 2018 aufgewendet. Demnächst werden Kinder und Jugendliche über einen »Kinderbeirat« in die Arbeit mit einbezogen, so lernen sie früh sich an bürgerschaftlichen Fragen zu beteiligen und Verantwortung zu tragen. Der Beirat wird aus Schülerinnen und Schülern (10 bis 16 Jahre) bestehen, er kann eigene Projekte vorschlagen und bei der Vergabe von Fördermitteln mitreden. Diese Aufzählung lässt sich fast endlos fortsetzen, angefangen mit kirchlichen Kinderchören und nicht endend beim Jugendfußball. Denn wenigstens in der Theorie muss kein Kind im Abseits stehen. Dieser Tage ist der Zwischenbericht »Bildungsmanagement der Stadt Heilbronn« erschienen. Im Vorwort dazu schreibt Sozialbürgermeisterin Agnes Christner: »Heilbronn ist eine Stadt, die sich wie keine andere verändert«. Diesen Chancen müsse auch KINDER IN HEILBRONN Hanix Nr. 61

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die Bildungslandschaft gerecht werden: »Heilbronn bietet mit seinem vielfältigen und qualitativ hochwertigen Bildungsangebot beste Rahmenbedingungen für ein gutes Aufwachsen.« Keine Selbstverständlichkeit im Vergleich mit anderen Städten sind die »ausreichenden Plätze in Kindertagesstätten, auch ganztags und für Kleinkinder, mit intensiver Sprachbildung von Anfang an«. Bei der Inanspruchnahme der Ganztagsangebote an Grundschulen liegt Heilbronn landesweit nach wie vor an der Spitze. Christner weiter: »Das wollen wir noch verstärken. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an Bildung, um ihnen faire Zukunftschancen zu eröffnen, ist nach wir vor unser Ziel.« Dabei sehe man die vielfältige kulturelle und soziale Herkunft der Kinder in Heilbronn als Chance wie auch als Herausforderung. Laut neuester Zahlen leben in Heilbronn 12.395 Kinder unter zehn und 9.550 Jugendliche von zehn bis 18 Jahre, rund 2.800 von ihnen sind von Armut betroffen. Zugleich besuchen 19.352 »SuS« – das ist die gendergerechte Abkürzung für »Schülerinnen und Schüler« – Schul-Kindergärten, Grundschulen, Gymnasien, sonderpädagogische Schulen und berufliche Schulen. »SuS« mit Zuwanderungsgeschichte gehen am meisten (34.5 %) ins »Auslaufmodell Werkrealschule« und am seltensten auf Gymnasien (7,9 %). Wer sich die Mühe macht, den 80-seitigen Bildungsbericht zu lesen, wirft auch einen Blick in die Zukunft der Stadt. Als vor zwei Jahren ein paar stramm rechts gescheitelte Jungmänner der AfD den Heilbronner »SuS« die Demokratie beibringen wollten, ausgerechnet auf dem Friedensplatz, erlebten sie ihr blau-rotes Wunder. Die Schüler der umliegenden Gymnasien ließen bei ihrer Gegendemo argumentativ und in der Lautstärke den rechten Eiferern keine Chance – und das während des Unterrichts. Begleitet von Lehrern. Schon damals war von »Schulschwänzen« die Rede. Und dann kam Greta … und die Sache mit »Friday for Future« und plötzlich war »die Jugend« nicht mehr desinteressiert, a-politisch, nur auf Party machen aus. Im Vergleich zu den 68er ist ihre Rebellion sanfter, zivilisierter, aber auch konkreter und darum im Doppelsinn »nachhaltiger«. Die Geschichte liebt Mädchen, die Unschuld im Gesicht, die in den Kampf ziehen, als Rächerinnen, Märtyrerinnen, Kriegerinnen – und jetzt Greta Thunberg, die Jeanne d'Arc im Kampf gegen den Klimawandel und für die Zukunft ihrer Generation. »Dass sich so viele junge Menschen für mehr Klimaschutz einsetzen und die Einhaltung der Klimaschutzziele einfordern zeigt, dass sie sich Gedanken und Sorgen um ihre Zukunft machen und bereit sind, sich – viele zum ersten Mal – gesellschaftlich zu engagieren«, sagt auch Christner, davon überzeugt, dass sich für das Schwänzen »praktikable Lösungen finden lassen«. Schwänzen als »ziviler Ungehorsam«, der umkämpfte Begriff ist schon aus der Bibel bekannt, richtet sich gegen eine Erwachsenenwelt, die, so sehen es die »SuS«, ihrer Verantwortung für kommende Generationen nicht gerecht wird. Sie werfen nicht mit Eiern, Tomaten, Steinen oder Molotowcocktails, sie streiken und argumentieren. Gregor Landwehr ist 20, macht gerade sein Abitur. Er gehört zu den Initiatoren und Organisatoren der Heilbronner Schülerproteste von »Friday for Future« und hält das »Schwänzen« dafür »in der Konfrontation von Recht und moralischen Zweifeln« für legitim. Wenn Jugend protestiert, dann habe das ein großes Potenzial, gerade in der sonst so »ruhigen Heilbronner Parteienlandschaft«. Es gehe nicht allein um Klimawandel, sondern auch um »Klimagerechtigkeit«, um soziale Fragen, um Politik, gegen Faschismus und offen gezeigtem Rassismus. Bei der Großdemo von »Friday for Future« im Juni in Aachen wollen auch Heilbronner Schüler Talmarkt Bad Wimpfen Mit Gewerbeschau 27.Juni - 2.Juli Kapitel 25

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dabei sein. Wenn deren Aktionen schon nicht überzeugen, dann sollte es die Ernsthaftigkeit und die Konsequenz tun, mit der sie sich mit Zukunftsfragen auseinandersetzen. Neulich schrieb die angesehene Neue Zürcher Zeitung: »Die ökologischen Probleme können einen melancholisch werden lassen – es gibt so viel zu tun, so viele Meere und Gewässer zu säubern, so viele Arten zu erhalten, so viele Naturgebiete zu retten, dass die Erwachsenen sich rasch komplett überfordert fühlen. Aber wie kann man glauben, dass es etwas zur Lösung des Problems beiträgt, wenn nun Tausende von ganz jungen Menschen die Ängste der Alten in die Straßen tragen und die bekannten Slogans wiederholen? Man muss es so drastisch sagen: Der Kampf gegen den Klimawandel verdient etwas anderes als die Mobilisierung von Milchgesichtern.« Milchgesichter? Etwa als Gegensatz zu abgebrühten Erwachsenen? Die Forderungen der Jungen sind auch Fragen an eben diese, sie müssen beantwortet werden. Gregor Landwehr möchte, dass man diese Forderungen nicht verkürzt rüberbringt: die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens, die Nettonull bis 2035, der Kohleausstieg bis 2030, eine 100-prozentige erneuerbare Energieversorgung bis 2035 und schon zum Jahresende das Ende der Subventionen für fossile Energieträger bei gleichzeitiger Abschaltung eines Viertels der Kohlekraftwerke, eine CO-2-Steuer von 180 Euro pro Tonne. Ideen gibt es viele, umgesetzt werden könnten sie z. B. mit lokalen Agenden und durch Maßnahmen, wie etwa der Begrünung von Parkplätzen. »Das zu fordern sei nicht naiv«, sagt Landwehr. Wenn so ein »Kinderglaube« gegen Resignation, Gleichgültigkeit, Wurstigkeit der Erwachsenen hilft, dann wünschte man sich, er wäre so ansteckend wie Masern. Er sei so aufgewachsen erzählt er, zuhause, mit einem Vater 26 als Gewerkschafter und einer in der SPD engagierten Mutter, seien politische Gespräche an der Tagesordnung gewesen und daraus resultiere auch die Erkenntnis: »Man muss sich engagieren, nur dann kann etwas besser werden«. So viel Ernsthaftigkeit provoziert geradezu die Frage: »Wie spielen die Kinder in Heilbronn?« Die elementare Bedeutung des Spielens, über die Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln, Erfahrungen machen, ihre Handlungsfreiheit austesten, ist spätestens seit Schiller und seinen Briefen »über die ästhetische Erziehung des Menschen« erkannt. Spielen sei der alleinige Weg »die Ganzheitlichkeit der menschlichen Fähigkeiten hervorzubringen«. Da wird in Heilbronn viel für die Menschwerdung getan – z. B. mit exakt 123 Kinderspielplätzen – die fantastisch gelungenen der Buga nicht mitgezählt. Für ihren Unterhalt werden 1,12 Millionen im Jahr aufgewandt. Als es in den ersten Tagen nach der Buga-Eröffnung an einer Rutsche zu ein paar harmlosen Unfällen kam, war die Aufregung groß. Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas versuchte zu erklären, dass → JOSIP JURATOVIC Spielen auch bedeute, Kindern Kinder-Spaß? Heute trauen sich Kinder unter dem Lernzwang kaum ein Gefühl für mehr die Schülerstreiche der Risiko zu geben »klassischen« Art. MdB Josip Joratovic, in Kroatien aufgewachsen, nen. Aber erklär' um daraus ler- schon noch: »Gerne erinnere ich das mal den Helikopter-Eltern mich an einen Streich zurück. Auf meinem Schulweg kam ich an einer von heute, die Weide mit Schafen und Eseln vorbei – letzterer wurde von mir in pampen nur an beim Matschedie Schule entführt, um dort den Bakterien denken, für die es Schultag mit uns zu verbringen. Schon als Kind habe er sich »gerne »Belohnungskreativ eingebracht – ob beim Theater oder dem Schreiben von Texten, braucht, damit programme« besonders beim Malen. Und es wird sie ihren Kindern auch klar, warum seine politische den selbstständigen Schulweg Karriere als Betriebsratsvorsitzender bei Audi begann: »Gemeinsame Aktivitäten mit meinen Freun- Geld allein beibringen. den haben meine Kindheit geprägt. macht nicht Damals schon habe ich mich in der glücklich, schon Funktion des Organisators wiedergefunden, der die jungen Mender. Aber mit gar nicht Kinschen zusammenbringt. Geld kann man Voraussetzungen für Kinderglück schaffen, das ist Aufgabe der Politik. Aus der Landesförderung erhält die Stadt Heilbronn 17.355.000 Euro. In den letzten fünf Jahren hat sie jährlich rund 5 Millionen Euro, also 25 Millionen, allein für den Bau und Unterhalt von Kitas aufgewendet. Das Investitionsprogramm für die nächsten vier Jahre liegt gleichauf. Der Aufwand für die kostenlose Kinderbetreuung beläuft sich auf 7,8 Millionen jährlich (und erspart Heilbronner Eltern pro Kind ca. 10.000 Euro), der für Unterhalt und Betrieb (inkl. Zuschüsse an die freien Träger) liegt bei fast 55 Millionen Euro. Wenn es nur nach Zahlen ginge, dann, ja, dann, ist Heilbronn wohl doch ein »Kinderparadies«. ◆ KINDER IN HEILBRONN Hanix Nr. 61

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Wer sich – nicht erst seit heute – auf den Kunstmarkt begibt, begibt sich auch auf Glatteis. So betrachtet sind die überschaubaren 45.000 Euro, die Museumsleiter Marc Gundel als jährlichen Ankaufsetat erhält, wenigstens für eines gut: vorsichtig und umsichtig zu kaufen. Aber: »Kunst, bitte!« heißt auch »Mehr Kunst, bitte!« Die Chance dafür ist gegenwärtig gar nicht so schlecht. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Meli Dikta, Dr. Bernhard Stumpfhaus, Ulla Kühnle & Patrick Labitzke Kunst, bitte! Entwicklungen brauchen einen Flow – und der ist gerade in Heilbronn spürbar, vielleicht noch nicht überall angekommen, aber mehr als nur ein lindes Lüftchen für einen neuen Kunstfrühling. Den gab es zuletzt bei der Landesgartenschau 1985, als der damalige Museumsleiter Dr. Andreas Pfeiffer eine Skulpturen-Allee anlegte, anknüpfend an die Tradition, dass Kiliansturm und Seyffer-Altar Heilbronn schon als »Skulpturenstadt« positioniert haben. Lange, zu lange, hatte dieser Aufbruch in die Kunst gedauert, ein »Kunstmuseum« hatte man zugunsten anderer Museumssparten, z. B. der Archäologie, liegen lassen. Dies auch aus schierem Mangel: 90 Prozent früherer Bestände wurden im Krieg zerstört. Der damals gegründete Verein der Museumsfreunde ist bis heute eine der Säulen des Heilbronner Kunstbetriebes, zuvor hatten nur Kunstverein und Künstlerbund den Musen und keinem Museum gedient. Erst nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss und dann der Bestellung Pfeiffers als erstem hauptamtlichen Museumsdirektor Ende der 70er Jahre zog wieder die Kunst ins Museum ein, seit 1991 findet sie im Deutschhof statt. Der zweite Motivationsschub kam durch den Sammler Ernst Franz Vogelmann und seine Stiftung, vor allem als diese ein Konvolut von Beuys-Multiples erwarb, den Museen als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte und dank eines weiteren großen finanziellen Engagements den Bau der Kunsthalle ermöglichte. Vogelmann ist bis heute der einzige große Mäzen für Kunst geblieben. Der Vogelmann-Preis, mit dem es gelang, in die »Champions League« der Kunstpreise aufzusteigen, ist hoch dotiert, aber mit Geld lassen sich Weltkünstler wie die bisherigen Preisträger nicht ködern. Sie und ihre Werke haben Spuren in Heilbronn zurückgelassen. Roman Signer, der erste, kam nach Heilbronn, baute seine Ausstellung auf und fuhr danach stracks nach New York, um dort dasselbe zu tun. Franz Erhard Walther wurde 2017 auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet, Thomas Schütte stellt auf der Insel-Spitze sein »One Man House« auf und zeitgleich in Paris aus, nächstes Jahr dann im Moma in New York, Turner-Prize-Träger Richard Deacon wird gerade in Palermo gezeigt und lässt sich wohl demnächst auch wieder in Heilbronn blicken. Warum aber »Mehr Kunst, bitte!«? Haben wir nicht auch die Jugendkunstschule der Volkshochschule, die »Agora« von Joannis Avradmidis auf dem Marktplatz als eine der letzten Großstiftungen und jetzt die Buga, dazu Ausstellungen in Firmen und Institutionen? Die Antwort gab der Unternehmer Ernst Franz Vogelmann: »Kunst bringt eine Stadt voran!« Geeignet dafür, auf den Geschmack zu kommen, ist die gegenwärtige Ausstellung in der Kunsthalle, was ja schon ihr Titel vorgibt »Wie es Euch gefällt«. Es werden rund 160 Objekte gezeigt, die die städtischen Museen in den letzten fünfzehn Jahren erwerben konnten oder gestiftet bekamen. Die 45.000 Euro für Ankäufe kommen dabei nicht aus dem Kulturetat, sie sind »Wechselgeld« für den Vermögenshaushalt, denn sie werden nicht »vervespert« sondern wieder angelegt – in Kunst. Bei dem volatilen Kunstmarkt mit seinen Ausschlägen lässt sich nur antizyklisch sammeln. Gundel tut das, so konnte er z. B. schon mal eine Zeichnung von Alfred Lörcher für 80 Euro erwerben oder eine Skulptur von Emy Roeder für einen fünfstelligen Betrag, das Wort »Schnäppchen« verbietet der Respekt. Zurzeit wird in Bremen die Heilbronner Ausstellung »Bildhauerinnen – von Kollwitz bis Genzken« gezeigt, die sich als erste in Deutschland der »unweiblichsten aller Künste« widmete. Wetten, dass sie dort ein vielfaches von Besuchern als die 4.000 in Heilbronn haben wird? Die Außenwirkung der Stadt in Sachen Kunst ist steigerungsfähig, mit Qualität und Mut allein ist das nicht zu machen. Als Gundel vor fünfzehn Jahren sein Amt Heilbronn antrat, umfasste die Würthsche Sammlung knapp 9.000 Werke, inzwischen sind es doppelt so viele. Es gibt kein Museum in Deutschland, schon gar kein »Städtisches«, das sich Hanix Nr. 61 Die Auseinandersetzung des Bildhauers Thomas Schütte mit dem Thema Bauen 28 wird während der Bundesgartenschau in den Räumen der Inselspitze anschaulich. POLITIK & GESELLSCHAFT

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Hanix Nr. 61 im Schatten solch gigantischer Ansprüche und Mengen behaupten muss. Deshalb bietet die Buga eine große Chance. Nicht alle Besucher werden nur »Blümle schauen wollen«, die Stadtarchitektur weitet den Horizont über die Beete hinaus, die Skulpturen aus der Sammlung Würth ziehen Blicke auf sich, vor allem aber: Auch die Stadt lockt mit Kunst, die auch einen Bezug zu ihr hat. OB Mergel spricht von Heilbronn gerne als »Musikstadt«, die »Kunst- und Skulpturenstadt« ist nicht in seinem Vokabular. Die Sparten gegeneinander aufzurechnen ist unangebracht, aber Kunst hat es schwer in Heilbronn, auch aus historischen Gründen. »Kunst im öffentlichen Raum«, einst verpflichtend mit drei Prozent der Bausumme öffentlicher Gebäude gefördert, gibt es so gut wie keine mehr und was in der »Mittelstadt« im öffentlichen Raum steht, entspricht dieser Bezeichnung. Manches davon würde man heute nicht mehr erwerben und was am Kunstpfad am Wartberg steht, ist eher – durchaus legitim – Landschaftsdekoration denn »Kunsterlebnis«. Bei der »Kulturmatinee« der SPD im Kaffeehaus Hagen zur Gemeinderatswahl stellte Bildhauer Peter Riek fest, was fast gleichlautend auch Marc Gundel sagt: Heilbronn ist keine Kunststadt, war schon als Reichsstadt geprägt vom »bilderfeindlichen« und auf Kirchenmusik ausgerichteten Protestantismus. Heilbronn hat keine Sammler, keine Mäzene, keine Galerien. Mit dem Tod von Manfred Rieker tut sich kaum mehr etwas. Gundel ergänzt, dass es sicher Sammler gebe »aber die kaufen woanders und sie zeigen es nicht« und beim Mäzenatentum verstecke man sich gerne hinter Vogelmann und dessen Stiftung nach dem Motto: »Ihr habt ja den!« Ein Blick in die Partnerstadt Solothurn zeigt, was möglich ist. So könnte der »Flow« der Buga, eben durch verstärkte und spektakuläre Präsenz von Kunst im öffentlichen Raum, eine feine Chance sein. Auch nach Einschätzung von Matthia Löbke. Leiterin des Kunstvereins, bestimmen die Szene weniger die mangelnde Unterstützung der Stadt, sondern historische Gegebenheiten und »auch das geringe Interesse auf der Seite der Bildungsinstitutionen!« Das Thema »Geisteswissenschaften im Hochschulbetrieb« sei nicht zu unterschätzen, denn »die Weichen werden einfach anders gestellt«. Die in der Kulturkonzeption beschriebene Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit sei dringend notwendig. Der Kunstverein, seit über 100 Jahren Teil der Kulturgeschichte der Stadt, von Anfang an fest im bürgerlichen Leben verankert, hat es da möglicherweise etwas einfacher als die im Vergleich dazu jungen Städtischen Museen. Matthia Löbke jedenfalls freut sich über die Präsenz von Kunst in der Stadt zur Buga: »Wir haben für das Projekt Migration und Pflanze von Silke Wagner neben der besonderen Landesförderung (Sondertopf Gesellschaftlicher Zusammenhalt) noch großzügige Förderung durch KUNST, BITTE! (v. l. n. r.) Der Schwarze Kopf aus Muranoglas von Thomas Schütte, Museumsleiter Marc Gundel und Matthia Löbke, Leiterin des Kunstvereins Heilbronn. die Kulturstiftung der Kreissparkasse sowie gute Unterstützung der Bürgerstiftung bekommen. Die waren einfach vom Projekt überzeugt.« Die Kooperationen mit Partnern der Stadt, die bei Realisierung und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen »waren echt unkompliziert und super.« Auch die Präsenz der Städtischen Museen mit Kunst in der Stadt zur Buga und darüber hinaus ist innovativ und gelungen. Betrachtet man das »One Man House« von Schütte als Ausrufezeichen, dann ist das Kunstprojekt »Sie sind hier« der Text dazu. Am Wettbewerb dazu beteiligten sich 18 Künstler (mehrheitlich vom Künstlerbund Baden-Württemberg). Sie konnten dafür Orte in der Innenstadt wählen, um sich mit ihnen und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen für einen neuen Blick darauf. Nebst dem Schütte-Haus ist »Reef« (Riff) von Richard Deacon passend positioniert an der Anlegestelle neben dem Theaterschiff, es überrascht die geheimnisvolle Messboje auf dem Neckar von Valentin Beinroth, es frappiert ein Banner aus Netzgewebe am Bollwerksturm, dessen Vorlage sich auf ein Bollwerk bezieht. Sie ist eine Zeichnung des Bauinspektors Bonifatius Häcker von 1735 von der Befestigungsanlagen für Heilbronn. Im Rathausinnenhof sind Peter Riek und Vanessa Henn zu Gestaltern geworden. Riek lässt »Gras wachsen« über die in schändlichem Zustand befindlichen Bodenmosaike von Blasius Spreng und thematisiert damit das Vergessen und Verdrängen des 4. Dezembers 1944, Henn belebt den stillgelegten Brunnen auf humorvolle Weise. Apropos »Vergessen«: Warum überlässt man dem Deutschen Werkbund, diesem Meilenstein in der Geschichte von Kunst und Design, nur den Berlinern und ihren Museen? Einer der Gründer war der Heilbronner Silberwarenfabrikamt Peter Bruckmann! Nur ein Beispiel für »Mehr Kunst, bitte!« Maria Theresia Heitlinger, Vorsitzende des Kunstvereins, bringt es auf den Punkt: »An der Rosenauschule steht in Stein gemeißelt: »Beharrlichkeit führet zum Ziel. Das ist von Schiller und symptomatisch für die Kulturarbeit in Heilbronn.«. ◆ Die Städtischen Museen Heilbronn verfügen über einen Jahresetat für Ankäufe von 45.000 Euro, eine Kürzung um 5.000 Euro wurde nicht rückgängig gemacht. Die Etats der Museen im Land bewegen sich zwischen 20.000 Euro und 250.000 Euro (bei staatlichen Museen). Bei den städtischen Museen rangiert Heilbronn damit im unteren Mittelfeld. 29

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Mit »Stilbruch« öffnen zwei junge Theatermacher ab Mai ein theatrales Panoptikum im Mobilat. Von Kathrin Stärk, Fotos: Meli Dikta Die tarantistische Revolution Tobias Frühauf und Philipp Wolpert sind die wahrscheinlich jüngsten Intendanten des Landes. Wer kann sich das schon mit Anfang zwanzig auf die Visitenkarte schreiben? Philipp ist der Regisseur des Duos und gerade mal 22, sein Cousin und Partner-in-Crime Tobias drei Jahre älter. 30 Philipp schrieb mit zwölf sein erstes Musical und gab mit 14 Jahren sein Regiedebüt. »Ich habe ganz intuitiv begonnen und in freien Gruppen Theater gespielt«, sagt er. Heinz Kipfer, Geschäftsführer des Theaterschiffs Heilbronn, war begeistert von dem Musiktheater des Jungen. Regisseur Philipp Wolpert (links) und Dramaturg Tobias Frühauf. Tobias ist der Dramatiker und Dramaturg des Duos. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann studierte er Medien- und Verlagswissenschaften an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Für ihn war das Theater eine späte Liebe. »In der Realschule stand Theater nicht so auf dem Lehrplan, aber Literatur hat mich immer begeistert.« Die Verbindung zur Musik bescherte Philipp mehrere Stipendien des Landes Baden-Württemberg im Fachbereich Musik sowie zum »Triadischen Ballett« von Oskar Schlemmer an der Musikakademie Ochsenhausen und der Akademie Schloss Rotenfels und durch Regieassistenzen an Theatern wie Heilbronn oder am Schauspiel Stuttgart bekam er Einblicke »in das hierarchische System der Stadttheater«. Was ihm auffiel: Die Arbeit in dieser »Theaterblase« kann Kreativität auch ersticken. »Du machst Theater für außen, doch es fehlt der Kontakt nach draußen.« In seinen Bewerbungen für verschiedene Häuser merkte er irgendwann: »Ich schreibe Konzepte für sie, und nicht für mich, für das, was ich sehen will.« Intendanten mit Anfang 20? Wow! Und so gründete er gemeinsam mit Tobias ein eigenes Theaterlabel, um Projekte abseits der eingefahrenen Strukturen zu realisieren. Unabhängig von ergrauten Theaterhäuptern, »die langsam am Aussterben sind«, wie er anfügt. Dabei gingen sie vor wie bei einer Start-up-Gründung, überlegten, wie sie Menschen mit ihrer Arbeit erreichen können. »Im Theater wird das geschriebene Wort aktiviert«, sagt der Autor, der erst vor drei Jahren die Bühnenwelt für sich entdeckte. Er ging viel ins Theater und rezensierte auch. So professionalisierte sich seine Leidenschaft. Als die beiden dann gefragt wurden, für die Spielzeit 2018 die Marbacher Theaterfestspiele als Intendanten zu leiten, musste er sich entscheiden. Er gab das Studium zugunsten seiner Passion auf. Die beiden Newcomer und ihr noch junges Theaterlabel »Tacheles und Tarantismus« gehen damit als die bis dato jüngsten Intendanten in die deutsche Theatergeschichte ein. KULTUR Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Wenn er mit dem Schreiben beginnt, steht zwar eine grobe Richtung, doch »auf dem Weg passiert noch viel Ungeplantes«. Seine Arbeitsweise ist eher assoziativ. Im Alltag versucht er, Gedanken oder Sätze festzuhalten, aus denen er dann im besten Fall ein Fragment generiert. Auch hier schwingt Musik mit: »Es entsteht ein Flow.« Und wie beim Hip-Hop, bei Spoken Word, bleibt vieles spontan, roh, ungeschliffen. »In den Proben mit den Schauspielern wird der Text auch weiterentwickelt, manchmal auch umgeworfen«, erklärt Tobias. Wichtig ist ihm bei seiner Arbeit, dass die Stücke relevante Themen unserer heutigen Gesellschaft abbilden. »Theater sollte alle ansprechen, nicht nur auf einer intellektuellen Ebene.« Und Philipp ergänzt: »Letztlich haben wir unsere eigene Theaterutopie realisiert.« Und dazu gehört, dass ihre Projekte verschiedene Menschen – Musiker, Schauspieler, Tänzer – zusammenbringen und deren Impulse und Temperamente einfließen dürfen. Textarbeit wie bei einer Jam-Session Ihr erstes großes Projekt war »Surreale Realität« im Stuttgarter Club Zollamt. »Ubu – eine Trapoper«, die im Heilbronner Mobilat uraufgeführt wurde, ist Ende August wieder als Open-Air-Inszenierung auf der Kulturinsel in Stuttgart zu sehen. Mit relativ wenig Werbung, vor allem über Social Media, erreichten sie eine riesige Bandbreite an Leuten: »Von Schülern über Studis, Technogänger aber auch über 70-Jährige, die dann auf Goa auf der Tanzfläche abgefeiert haben.« Ist das die von ihnen ausgerufene tarantistische Revolution? Die beiden lächeln fein, dann antwortet Philipp: »Es geht darum, Muster zu sprengen, keinen klaren Vorgaben zu folgen und auch mit anderen Kunstrichtungen zusammenzuarbeiten.« Gerade kommen sie aus dem dunklen Raum, wo schon die Bühne für ihr neues Stück steht. Der Autor und der Regisseur haben selbst mit angepackt und gemeinsam mit einem Streetartist gebaut. »Wandstreichen als Ausgleich zur Büroarbeit«, sagt Philipp. Auch im Mobilat haben sie sich gegen eine klassische Guckkastenbühne entschieden. »Wir passen das Bühnenbild immer an den Raum an.« Reduziertes Arbeiten, wie sie es gewohnt sind, schafft oft viel stärkere Bilder. Ab Anfang April wird geprobt. Philipp geht dabei sehr intuitiv vor: »Ich habe einen sehr musikalischen Zugang, was die Arbeit mit dem Text angeht. Das ist eher wie eine Jam-Session.« Call und response, wie das musikwissenschaftlich heißt und man es vielleicht aus dem Blues kennt. »Im Chaos finden wir die Struktur« In den Proben entsteht oft etwas aus dem Moment heraus. »Dadurch, dass Tobi als Autor dabei ist, gibt es Reibungspunkte, es wird viel diskutiert.« Ihre Trapoper entstand innerhalb von nur zwei Wochen. »Das war wie ein Trainingscamp.« Je nach Kraft, Lust und Ausdauer wird da schon mal von früh bis spät geprobt. »Wir wollen aber auch dieses Risiko, diesen Sprint. Im Chaos finden wir die Struktur.« Die beiden treiben sich gegenseitig an, wie ein Motor. »Wir funktionieren auch nur in dieser Kombo«, sagt Tobias. »Dadurch, dass wir uns so gut kennen, gibt es da blindes Verstehen«, ergänzt sein Cousin. Ab Mai können wir alle teilhaben an dieser Revolution, denn dann starten die beiden mit einem wöchentlichen Programm im Mobilat, wo sie eine feste Spielstätte gefunden haben. Ihr Konzept hat auch in der Stadt gezündet: nicht nur bei Clubbetreiber Michael Brähne, sondern auch bei Stiftern (die Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn und die Dieter Schwarz Stiftung) und der Hochschule Heilbronn. Die ist für die beiden ein wichtiger Partner, denn in ihren Überlegungen spielen Studenten eine große Rolle. »Über die neue Außenstelle der TU München kommen viele neue Studierende nach Heilbronn«, gibt Tobias zu bedenken. Und diese jungen Leute bringen Erwartungen mit an ihren Studienort. Um für sie attraktiv zu sein und sich das Label »Studentenstadt« anheften zu dürfen, braucht es mehr als einen neuen Campus. Und dazu möchten die beiden beitragen, indem sie sowohl die freie Theaterszene als auch das Nachtleben mit ihrem »Stilbruch« bereichern. Dieses theatrale Panoptikum ist Spielstätte, Theaterlabor aber auch Plattform für Diskurs. »Ein geschützter Raum, in dem mutig in die Zukunft geblickt wird und Utopien realisiert werden können«, wie sie auf ihrer Seite proklamieren. Labor ist an dieser Stelle schon ganz richtig, denn sie experimentieren ja selber noch – in ihren Stücken, aber auch, was das Drumherum angeht. Die Kooperation mit der Hochschule liegt ihnen besonders am Herzen, denn sie möchten diese Bildungseinrichtung über Workshops einbinden, aber dass die Studenten auch ganz konkret mitwirken an der Theaterarbeit. Laientheater machen sie trotzdem nicht. Allein schon wegen ihres Ensembles, das sie gerade aufbauen und dem Schau- 27 / 28 / 29 JUNI 2019 STILBRUCH MANDO DIAO The Seer HANS SÖLLNER TEN YEARS AFTER DORO Westwood folkshilfe Sons of the East MAX MUTZKE & MONOPUNK Wendrsonn ALBERT HAMMOND NIEDECKENS BAP u.v.m. 3 TAGE - 3 BÜHNEN - 17 BANDS 31

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spieler angehören wie Sinem Spielberg (Absolventin der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und 2017 nominiert für den Theaterpreis DER FAUST), Andreas Posthoff (Jahrgang 1961, den man aus dem Kinder- und Jugendtheater Radelrutsch und verschiedenen Produktionen des Theaterschiffs Heilbronn kennt) oder Paul-Louis Schopf aka NisiMasa, der Schauspiel in Linz studierte, im Tatort zu sehen war und seit 2015 auch mit elektronischer Musik experimentiert. Die drei sind ab 16. Mai in der Eröffnungsproduktion »Ein Science-Fiction-Drama« im Theaterlabor Stilbruch des Mobilat zu sehen. Darin beamen sie uns ins Jahr 2048, wo sich der Schriftsteller Charlie Manello mit einer Schreibblockade herumschlagen muss und beim Prokrastinieren im Netz versinkt. Eine Auseinandersetzung mit Themen wie Künstliche Intelligenz oder Gentechnik. »Wir zeigen das überhöht, inspiriert von Cyberpunkfilmen der 80er«, erklärt Tobias. In ihrer zweiten Arbeit, »Jetzt! Das letzte Abendmahl« (ab 9. November im Mobilat), wechseln sie wieder ins Genre des Technotheaters. Auch hier versuchen sie, eine Symbiose zwischen der Musik und »spoken word« zu finden. Name-Dropping gefällig? Da es sich bei Stilbruch um eine Experimentierfläche handelt, bleibt es aber nicht bei ihren theatralen Grenzgängen zwischen Performance, Party und Film. Im Rahmenprogramm holen die beiden Blogger, Autoren oder berühmte Köpfe wie den Musiker und Schauspieler Friedrich Liechtenstein ins Mobilat, den die meisten aus einer Supermarkt-Werbung kennen dürften. Am 25. Mai ist er in der Musikperformance »Charlie Manello und der Delfinmann« zu Gast, bei der er mit Charlie Manello und der Tarantist-Allstar-Band auf der Bühne stehen wird. Ganz ohne vorherige Probe. Über die von ihnen bewunderte Autorin Hanna Mittelstädt haben sie eine Produktion des Berliner HAU – Hebbel am Ufer an Land gezogen mit Robert Stadlober, Wolfgang Krause Zwieback und Corinna Harfouch. Noch mehr Name-Dropping gefällig? Im 15. Juni wird Allroundtalent Friedrich von Borries seinen Roman »RLF: Das richtige Leben im Falschen« vorstellen und am 22. November kommt Ronja von Rönne nach Heilbronn. Auch die Buga nutzen sie als Plattform und lassen in der Musikperformance »Auf dem Fliegenplaneten« kafkaeske Alpträume auf Surreales treffen, die im Rahmen der Hanix-Veranstaltungsreihe am 20. Juli auf der Buga zu sehen sein wird. Darüber hinaus planen die beiden auch kleinere, zwanglose Open-Stage-Formate und natürlich Partys – damit die Leute auch nach der Vorstellung im Mobilat bleiben. »Mal schauen, wie es anläuft«, sagt Philipp, und fügt etwas nachdenklich an: »In Berlin würden uns die Leute bestimmt die Bude einrennen.« In Heilbronn beschreiten sie mit ihrem Konzept in jedem Fall Neuland. Denn in der Neckarstadt bewegt sich Theater eher in den gewohnten Gefilden von Komödie, Klassikern und Sternchenthemen. Noch. »Es heißt ja nicht, dass über 50-Jährige nur Emilia Galotti sehen wollen«, ist Tobias überzeugt. Und so hoffen die beiden, auch beim klassischen Theaterpublikum Neugierde wecken zu können. Leute, die üblicherweise nicht ins Mobilat gehen. Dass es gegen die Location und die Gegend durchaus Vorbehalte gibt, ist den beiden klar. Sie hoffen dennoch, ein breites Publikum in die Salzstraße locken zu können. Dort soll nämlich, geht es nach Mobilat-Macher »Ed« Brähne, eine kulturelle Oase entstehen, wo Biergarten, Theater und Club nicht nur nebeneinander existieren, sondern sich interdisziplinär verzahnen. Ganz im Sinne der tarantistischen Revolution. ◆ Hanix Nr. 61 Infos: Premiere von »Ein Science- Fiction-Drama«: 07.06., 22.06., 05.07., 06.07., 19.07. Friedrich von Borries liest »RLF: Das richtige Leben im falschen.«: 15.06. Tarantismus-Partyreihe »Juicy Gay und MC Smook«: 22.06. Infos und Tickets: www.tachelesundtarantismus.com www.mobilat.club/theater 32 STILBRUCH

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ONE MAN HOUSE THOMAS SCHÜTTE Haus und Ausstellung | Eintritt frei Täglich geöffnet bis 22.09., 12 – 18 Uhr Information 07131 / 562295 www.museen-heilbronn.de 33

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Weinanbau hat Tradition. Wein ist ein Kulturgut. Und ebenso langweilig kommt er manchmal daher. Dass das nicht so sein muss, zeigen junge Winzer wie DANIEL KUHNLE, die neue Wege einschlagen. Von Matthias Marquart, Foto: Ulla Kühnle Keine Perlen vor die Säue Hanix Nr. 61 Wein war in der Vergangenheit schon immer etwas dröge – etwas für das ältere, gesetztere Publikum, für Genießer und kein besonders exorbitantes Klientel. Ausnahmen zugelassen, denn schließlich gibt es ein den meisten Weintrinkern verborgenes Terrain der hochpreisig gehandelten Weine, die schon eher wieder als Spekulationsobjekte denn als Genussmittel dienen. Bei den Römern noch Grundnahrungsmittel wie bei den Bayern heute noch das Bier, hatte der Wein mehr und mehr eher das »Hans Moser-Publikum« als Zielgruppe. Den Viertelesschlotzer eben. Und der war ohnehin von seinem Wein überzeugt – Vermarktung wie beim Bier war da vergeudetes Geld. Neue Zielgruppen 34 Marketing beschränkte sich so beim Wein hauptsächlich auf den Radio- und Fernsehspot vom Kenner und dem Württemberger, den die älteren Leser wohl noch im Ohr haben. Richtig prickelnd war das nicht. Dann kommt da der junge Dieter L. Schnitzius vor über 15 Jahren in einer damals eher bescheiden laufenden Genossenschaftskellerei auf die Idee die Weintrinker von morgen etwas eher zum Rebensaft zu locken. Er betrieb Marktforschung und der »Taurus« war geboren. Kalt, süffig, süß – ein Partygetränk. Zur Vermarktung setzte er – zum Entsetzen einer altehrwürdigen Weingemeinde – eine leicht bekleidete junge Winzerin auf einen Traktor und lichtete sie ab. Die Sache machte bundesweit Schlagzeilen – heute steht der Taurus in nahezu jedem Discounter und ist ein Verkaufsschlager. Wein zum Essen Dass also Marketing – neben einem guten Produkt – oftmals wichtiger ist als dieses selbst, das hat auch Daniel Kuhnle erkannt. »Die Qualität der vielen unterschiedlichen Weine ist in Baden-Württemberg mittlerweile überall sehr gut. Um sich hier abzuheben, muss man schon kreativ werden.« So kam der 34-jährige Winzer und studierte Weinbetriebswirtschaftler vom Weingut Kuhnle aus Weinstadt-Stümpfelbach Ende 2017 auf die Idee, Wein in Form von Perlen – quasi »Wein zum Essen« – auf den Markt zu bringen. Er experimentierte und so entstand ein neues Produkt. Er »verpackte« Weine von hoher geschmacklicher Intensität in eine knackige, äußerst elastische Membran aus Algenextrakt und damit frei von tierischen Erzeugnissen wie beispielsweise Gelatine. Kuhnle: »Anfangs hat jeder aus der Weinbranche über uns gelacht. Weinperlen – Blödsinn – schließlich muss Wein flüssig sein und ins Vierteleglas.« Doch was ursprünglich als Marketing-Gag gedacht war, gewann den Start-up-Preis 2018 des Landes Baden-Württemberg, erhielt ein landesweit großes Echo in der Medienlandschaft und erschloss sich eine weitere, neue Zielgruppe. Kuhnle: »Ein Großteil unserer Kunden ist weiblich und zwischen 35 und 65 Jahre alt. WIRTSCHAFT

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Durch die Hitzebeständigkeit der Perlen bis zu plus 160 und einer Kälteresistenz bis zu minus 20 Grad, eignen sich unsere Weinperlen optimal zum Kochen, zum Garnieren von Speisen aber auch – beispielsweise mit unseren ›Apéro-Perlen‹ – als Zusatz in Getränken wie Sekt oder dergleichen.« Denn mit dem, was erfolgreich mit Wein begann, hat es der findige Jungunternehmer nicht auf sich beruhen lassen. Mittlerweile gibt es die Perlen außer mit Wein mit zahlreichen Füllungen wie Gin, Schnaps und Likör, als Salatperlen oder passend zur Jahreszeit als spezielle Perlen zu Spargelgerichten. Kooperation statt Konfrontation Von dem riesigen Erfolg war aber auch Daniel Kuhnle anfangs überrascht: »Unsere ersten 100 Dosen waren an einem Tag ausverkauft. Bei einem Bericht in der Landesschau haben wir ausdrücklich darum gebeten, die Ausstrahlung um fünf Tage zu verzögern, um dann auch eine größere Lieferung im Haus zu haben.« Denn produziert werden die Perlen von einer Firma am Rande des Schwarzwalds, die über das notwendige Know-how verfügt, die Perlen aus dem Algenextrakt herzustellen. Kuhnle: »Nach der Ausstrahlung des Berichts gingen dann die Online-Bestellungen im Sekundentakt bei unserem Weingut ein. Das war so viel, dass wir beschlossen haben, mit der Gundelhof GmbH ein eigenes Onlineportal zu gründen.« Mittlerweile hat sich Kuhnle außer in Deutschland weitere Absatzmärkte in Österreich, der Schweiz, Japan und Asien erschlossen. Und auch bei der Vermarktung geht der Unternehmer eigene Wege, denn es sei ihm von vornherein klar gewesen, dass er schnell Nachahmer finden würde. Daniel Kuhnle: »Das lässt sich nie verhindern. Deshalb versuchen wir immer ein bisschen schneller als die Konkurrenz zu sein.« Außerdem setzt Kuhnle auf Kooperation statt Konfrontation. »Wir ermöglichen unseren Kooperationspartnern ihre eigenen Produkte in Perlenform anzubieten und regional zu vermarkten. Beispielsweise Ouzo-Perlen in Griechenland.« Die Kooperationspartner verpflichten sich im Gegenzug dazu, neben ihren Produkten noch Kuhnles Perlen ins Regal zu stellen. »Dadurch ist gewährleistet, dass unsere Produktpalette optimal präsentiert wird, da unsere Partner ja hochmotiviert sind ihre eigene Ware zu vermarkten und nicht irgendwo in einer Ecke des Ladens zu verstecken.« Indem die Händler also ihre Produkte verkaufen, verkaufen sie die aus dem Remstal gleich mit. Eine Grenze hat sich Daniel Kuhnle allerdings gesetzt: »Bei Lidl, Aldi oder Metro wird es uns nie geben. Erstens wird dort massiv mit Knebelverträgen gearbeitet, zweitens wollen wir exklusiv bleiben.« So tragen Kuhnles Weinperlen und seine Prinzipien vielleicht auch dazu bei, dass dem Wein sein Status als Kulturgut erhalten bleibt – auf die Vielfalt, Qualität, den Fortschritt und auch auf neue Ideen kommt es eben an. ◆ BAUUNTERNEHMEN SCHNEIDER 35

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Von Dr. Bernhard Stumpfhaus Die Stadt, die Kunst und der Zwerg Kunstprojekte in Heilbronn Heilbronn hat nun seinen eigenen prominenten Thomas Schütte, das One Man House auf der Inselspitze. Es ist ein aufrechter Bau, mit einem riesigen, runden Fenster auf den Neckar hinaus, genau in Richtung auf die Liebesschloss-Brücke gegenüber. Hach, Romantik am Neckar! Das Haus hebt sich weniger durch seine Ausstrahlung, welcher gleich die Funktionslosigkeit des Gebäudes anzusehen ist, durch seinen ungewöhnlichen Ort, und sein immenses Fenster, sondern vor allem durch seine Farbe von der umgebenden Stadtlandschaft ab. »Das Rot«, so steht in einer das Projekt begleitenden, in der Galerie Inselspitze erschwinglich zu erwerbenden, Broschüre der Heilbronner Museen zu lesen, »betont den skulpturalen Charakter, was insbesondere der oberen, kubischen Form zu seiner Geltung verhilft. So fällt das markante Haus auf und präsentiert sich seiner Umgebung selbstbewusst und keck.« Der Künstler, so steht dort geschrieben, wolle nicht, dass das Haus, das außen und innen mit Holz verschalt ist, wie eine Gartenlaube aussehe, weswegen er sich für dieses Rot entschieden habe. Anders erklärt die Heilbronner Stimme die Findung der Farbe: »Als in der Anfangsphase der Schreiner mit einem roten Auto vorfuhr, war für Schütte die Farbe ausgemacht für das Eremitenhaus …« (HSt, 26.04.2019). Die Aussagen widersprechen sich nicht direkt. Immerhin mag der Wunsch, das Haus nicht einer Gartenlaube ähnlich zu gestalten, seine Realisierung einem Zufall verdanken. So funktioniert Wunscherfüllung im Allgemeinen und bei Schütte im Besonderen. Er überlässt viel dem Zufall, der Inspiration durch den Moment, weswegen er seine Arbeit oft als ein Spielen bezeichnet. Sei es, wie es mag, die Entscheidung wurde also zufällig so gefällt, dass die Farbe des Hauses exakt derjenigen des Heilbronn-Marketings entspricht. Und so passt es, dass in dem oben genannten Artikel ausdrücklich gefragt wird, ob Heilbronn mit diesem Haus ein Wahrzeichen erhalte. (HSt., ebd.) Apropos Marketing. Die Inselspitze als Aufführungsort ist für die Wirkung der Arbeit Schüttes sehr wichtig. So wird etwa die Anmutung des großen, runden Fensters als Bullauge gespeist durch die Lage auf der Spitze der Insel, beinahe direkt über dem Wasser. Warum hier? Immerhin standen zur Auswahl der Deutschhof, der Stadtgarten, der Europaplatz. Abgesehen davon, dass der Deutschhof zu eng gewesen und das Haus durch die vollständige Rundumbebauung nicht sichtbar gewesen wäre, dass der Stadtgarten mehr Baustelle ist denn Ausstellungsort und der Europaplatz den Zugang der Immobilie nur unter Lebensgefahr gewährt zwischen Berufsverkehr und Turbo-Hassadeuren mit getunten Höllenmaschinen, bleibt eigentlich nur die Inselspitze. Zudem hat sie die schicke Galerie unter der Brücke, wo man geschickt weitere Kunstwerke, thematisch passend, architektonische Kleinmodelle des Künstlers, ausstellen kann. Die Auswahl des Ortes trifft einen Kern im Schaffen Thomas Schüttes. Als Künstler reagiert er sensibel auf den öffentlichen Umgang mit Kunst, als Gestalter von Großplastiken achtet er sehr genau auf ihre Funktion im öffentlichen Raum. Künstlerisch groß geworden ist er mit den Debatten der 1980er Jahre, in denen festgehalten wurde, dass monumentale Kunst eigentlich nicht mehr in den öffentlichen Raum gehöre. Dieser sei entweder durch Marketing und Geschäfte kommerzialisiert oder durch die umgebenden Wohnhäuser privatisiert. Heute, so Schütte, diene die Kunst im öffentlichen Raum im Wesentlichen dem Stadtmarketing. Überhaupt gebe es aber in diesem Sinne einen öffentlichen Raum als bürgerlichen Versammlungsort gar nicht mehr. Er sei heute vielmehr durch die Smartphones der Passanten realisiert. Jeder laufe mit einem solchen Ding herum und schaue in seine Gruppen und Chats. Die Macht übrigens – auch deswegen lohnen öffentliche Großskulpturen als Veranschaulichungen mächtiger Prinzipalen nicht mehr – sei heute unsichtbar, sie sei in den Satelliten, in Netzwerken und Strukturen, in blinden Häusern, von denen man nicht wisse, wer sie bewohne. Wo kann man also Kunst aufstellen? Das Beste sei, sagt der Künstler, ein Haus zu bauen, in welches man dann eine Skulptur stelle. Hier sei sie sicher und könne in Ruhe wirken. Etwas von diesem Ausspruch realisiert durchaus das One Man House. In seinem Inneren ist man in Ruhe abgeschirmt von den Bewegungen der Straße, des Neckarufers und schaut kontemplativ nach außen. Interessanterweise fläzen sich Passanten im Haus gern auf dem breiten Fensterbrett, in modellhaften Posen, um sich von ihren Begleitern fotografieren zu lassen. So wäre der Besucher wohl seine eigene Skulptur im Haus, der sich ablichten und später dann auf Facebook oder Instagram ausstellen lässt: One Man House. Eine weitere Möglichkeit wäre der geschützte Hanix Nr. 61 36 diese Seite: Joseph Beuys, Kein Weekend, Kunsthalle Vogelmann ©Hanix 2019 rechte Seite: Simone Demandt, Sie sind hier 2, Bollwerksplatz, Det. ©Hanix 2019 KUNST

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Hanix Nr. 61 bronns in Vergrößerung, Vanessa Henn widmet den Springbrunnen im Hof des Rathauses erfrischender Kunst um, Bernd Henning befüllt in der Kirchbrunnenstraße ein Gewächshaus mit Müll und stellt darüber einen herabblickenden König, für Richard Deacon stehen dessen Skulptur ›A Rock‹ dauerhaft vor der Kunsthalle und temporär ›The Reef‹ am Theaterschiff und schließlich widmet Peter Riek seine Installation dem Gedenken und dem Verheilen Heilbronner Kriegswunden. Subtil sind hier Bezüglichkeiten verschiedenster Art gesetzt. So wird bei der Messboje Beinroths mit der Frage, wie dieses Gerät funktionieren und was es messen mag, ausdrücklich auf die Museumspädagogik der nahen experimenta verwiesen. Demandts Stadtplan aus dem 17. Jahrhundert am Bollwerksturm, monumental aufgezogen, assoziiert in seiner grafisch-puristischen Ästhetik die semantischen Konzeptionen eines Matt Mullican, wie sie derzeit als ›Organizational Legend‹ in der Kunsthalle zu sehen sind, denn Themen der Abschottung und Ausgrenzung am historischen Ort. Zudem lassen sich in der roten Schrift dieser Arbeit: ›Sie sind hier‹ (am Bollwerksturm im gedruckten Plan mit einem roten Punkt versehen) Gemeinsamkeiten finden mit den überall in der Stadt viral verteilten punktförmigen roten Aufklebern: ›You are here‹. Spielen beide Projekte etwa zusammen? Haben wir es gar mit subtilem Ambush-Marketing der Stadt zu tun? Sehr hintergründig spielt das mit Müll befüllte Glashaus von Bernd Henning nicht nur auf unseren Konsum an, sondern auch in Gestalt eines Gewächshauses auf den nicht intendierten Müll, den Touristen und Marketing mit Nippes, Tüten und Werbeplastik in der Landschaft wie in der Stadt beim Besuch bunter Gärten akkumulieren und absondern. Zudem führt uns dieses Häuschen mit seinem einen König zurück zu Schüttes One Man House. Der Heilbronner Peter Riek schließlich verweist mit seiner Outdoor-Arbeit im Hof des Rathauses auf seine gleichzeitig aufgeführte Innen-Installation ›Trauerarbeit‹ im Deutschhof. Sie ist hier platziert in räumlicher Nachbarschaft zum Zyklus ›Totentanz Heilbronn‹ vom unlängst verstorbenen Raphael Seitz. Beide Zyklen sind Teil einer umfassenden Schau der Heilbronner Museen, die beide Häuser, den Deutschhof wie die Kunsthalle Vogelmann, umfasst, mit dem Titel ›Wie es Euch gefällt‹. Richten sich die Outdoor-Arbeiten in der Stadt an das auswärtige Sommerpublikum, so spricht die Ausstellung der städtischen Museen mit dem Shakespeare-Zitat ›Wie es Euch gefällt‹ vor allem Heilbronner an. Sie Raum, eine Sonderform des öffentlichen Raumes, weil er nur begrenzt zugänglich ist, weder privat noch öffentlich. Und genau das trifft auf die Inselspitze zu. Sie ist über steile Treppen bedingt begehbar, deren Tore nachts verschlossen werden. Auf der Insel, während der Ausstellung und der Öffnungszeiten des Hauses, wacht Personal, das alles mit rechten Dingen zugeht. So verweist auch die Wahl des Ortes auf einen zentralen Punkt im Werk Thomas Schüttes: Wo soll Kunst platziert werden? Die Inselspitze ist zwar öffentlich einsehbar, aber durch ihre spezifische Errichtung und Gestaltung, durch das Kunstwerk selbst eben auch, anders als seine Alternativen, ein geschützter Raum. Man könnte jetzt noch so vieles schreiben, über den Titel beispielsweise: »One Man House«, wo doch innen eine lange Bankreihe übereck ausdrücklich diesem Titel widerspricht. Aber der Künstler weiß es selbst nicht mehr. Gerade bei seinen Titeln in Englisch erinnert er sich häufig nicht, woher sie kommen. Und es gilt auch, dass der Titel nicht gleich dem Kunstwerk ist, über deren Gleichsetzung durch die Kunstjournalisten sich Schütte gern lustig macht. Über die fachwerklich anspruchsvolle Ausarbeitung, über den Raumeindruck im Innern … Es sei noch darauf verwiesen, dass es in der Galerie nebenan kleine Hausmodelle von der Hand des Künstlers zu sehen gibt. Das ist insofern sehr spannend, da man hier gleichsam die gegensätzliche Perspektive zum One Man House einnimmt. War man eben als Besucher im Haus, so beugt man sich nun als Betrachter über kleine Häuschen und schaut von außen auf sie herab. Das rote ›Tiny-House‹ mit der begleitenden kleinen Schau in der Galerie Inselspitze ist nur ein Teil der Kunstorte und -inszenierungen, welche die Menschenströme des anstehenden Sommers in das Stadtzentrum selbst locken. Neben dem pinkfarbenen Karl, der ausdrücklich von den Verantwortlichen als Kunstwerk bezeichnet wird – was zeigt, dass der Ausdruck Kunstwerk als Würdetitel nun wirklich nichts mehr taugt oder umgekehrt: Er lässt die Arbeiten von Schütte, Deacon und anderen pinkfarbenen Plastikzwergen kategorisch gleich sein – gibt es von den Städtischen Museen ausgerichtet sieben prominente Out-Door-Projekte, die unter dem Titel ›Sie sind hier‹ zusammengefasst und zu unterschiedlichen Terminen installiert werden. Valentin Beinroth platziert eine gelbe Messboje an der experimenta, Simone Demandt montiert am Bollwerksturm einen historischen Stadtplan Heilsind eingeladen, sich die Erwerbungen der letzten 15 Jahre anzuschauen und auf einer Voting-Card mitzuteilen, welche ihnen am besten gefällt. Schreitet man durch die beiden Ausstellungshäuser, die eine Menge zu bieten und zu entdecken haben, viele Erinnerungen wach rufen an stattgefundene Ausstellungen, so werden immer weitere, überraschende Bezüglichkeiten offenbar. So bietet dieser Kunstsommer neben der ästhetischen Kontemplation der einzelnen Kunstobjekte und -projekte selbst durchaus einen einmaligen Blick auf das neue Heilbronner kulturelle Engagement. Es stellt sich uns, genau wie Thomas Schütte, die Frage, welche Rolle Kunst im öffentlichen Raum dieser Stadt spielt. Es sind große Namen, es gibt lokales Engagement, die zweifellos diese Stadt aufwerten. Es stellt sich nun die Frage, welche Rolle Museum und Kunstprojekte in einer dynamischen Stadt in struktureller Anpassung spielen. Und umgekehrt lässt sich formulieren, ob diese Kunstwerke in Stadt und Museum, in ihren gewollten wie ungewollten Bezüglichkeiten im öffentlichen Raum dieser Stadt uns etwas zu sagen haben, was über die Intention ihrer Platzierung hinausgeht. Dieser Kunstsommer in Heilbronn gibt uns die Möglichkeit einer Nagelprobe, ob die Kunst in Aussage und Ästhetik ganz dem Stadtmarketing anheimgefallen, ihrem Sinn unterworfen ist, oder ob sie darüber unkalkulierbar hinausragt, uns eigenwillig anspricht in einem Sinne, der so nicht vorausberechnet und verklausuliert wurde. Kurzum, dieser Kunstsommer bietet die Möglichkeit, die Kunst in ihren eigenen Qualitäten, Stärken und Schwächen in Heilbronn auf ihre Selbständigkeit hin zu befragen. ◆ KUNSTPROJEKTE IN HEILBRONN 37

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SUNSET MY DAYS OF MERCY Der zweite Film in der Karriere eines Regisseurs ist immer schwer. Aber er ist noch mal schwieriger, wenn das erste Werk nicht nur direkt im Wettbewerb von Cannes lief und dort mit einem der Hauptpreise bedacht, sondern anschließend auch noch mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Solch ein gigantischer Erfolg kann dann ganz schnell zur riesigen Last werden. In einer solchen Situation befand sich László Nemes, nachdem sein Debüt »Son Of Saul« rund um den Globus für berechtigte Begeisterungsstürme sorgte. Eine lesbische Romanze, die sich über bitter geführte Todesstrafen-Debatten erstreckt, wird in »My Days of Mercy«, dem ersten US-amerikanischen Spielfilm des israelischen Regisseurs Tali Shalom-Ezer, mit der nötigen Zurückhaltung behandelt. »My Days of Mercy« mit Ellen Page und Kate Mara in den Hauptrollen hat bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen 2018 in Hamburg den Publikumspreis für den besten Spielfilm gewonnen. In den Arthaus-Kinos ab 13. Juni 2019 Ungarn, Frankreich 2019 Länge: 141 Minuten FSK: ab 12 Jahren Regie: László Nemes Darsteller: Juli Jakab, Vlad Ivanov, Evelin Dobos, u.v.a. Ungarn, im Jahr 1913: Írisz Leiter (Juli Jakab) ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, doch mit 21 Jahren bricht die junge Frau in Richtung ihrer Geburtsstadt Budapest auf, um dort eine Ausbildung zur Schneiderin zu machen. Obwohl sie anfangs abgewiesen wird, findet sie schließlich eine Anstellung in dem Hut-Geschäft Leiter, das einst ihren Eltern gehörte und mittlerweile von dem entfernten Verwandten Oszkár Brill (Vlad Ivanov) betrieben wird, der aber nichts von seiner Verbindung zu dem Mädchen weiß. In der Stadt ist das Geschäft vor allem für seine außergewöhnlichen Kreationen bekannt, aber genau in diesem Laden verloren die Eltern von Írisz einst ihr Leben. Von Oszkár Brill erfährt sie, dass sie einen Bruder hat, von dem sie nichts wusste, und macht sich auf die Suche nach ihm. Dabei kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur, dass sie nicht nur zu einem gewissen Kalman Leiter führt, sondern auch bis in die höchsten Kreise der österreichisch-ungarischen Gesellschaft. ◆ 38 In den Arthaus-Kinos ab 11 Juli 2019 USA, Großbritannien 2019 Länge: 104 Minuten Regie: Tali Shalom-Ezer Darsteller: Ellen Page, Kate Mara, Amy Seimetz, u.v.a. Seit jeher reist Lucy (Ellen Page) mit ihrer Schwester Martha (Amy Seimetz) und ihrem kleinen Bruder Ben (Charlie Shotwell) durch die Vereinigten Staaten, um gegen die Todesstrafe zu protestieren. Für ihre Proteste hat die kleine Familie eine ganz persönliche Motivation, schließlich sitzt mit Simon (Elias Koteas) ihr eigener Vater im Todestrakt, weil er seine eigene Frau umgebracht haben soll. Nach wie vor bestreitet Simon die Tat weshalb ihm seine Kinder stets mit allen Kräften unterstützen und zur Seite stehen. Eines Tages kommt es zu einer Demonstration, bei der sich Befürworter und Gegner der Todesstrafe gegenüberstehen. Dort lernt Lucy Mercy (Kate Mara) kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, doch wird diese frische Liebe auf eine harte Probe gestellt, denn schließlich gehört Mercy zu den Befürwortern der Todesstrafe ... ◆ ARTHAUS-KINOTIPP Hanix Nr. 61

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AUSSERDEM IM KINO X-Men: Dark Phoenix Start: 06. Juni Etwa zehn Jahre nachdem sie es mit dem ebenso mächtigen wie machthungrigen Mutanten Apocalypse aufgenommen haben, sind die X-Men rund um Charles Xavier (James McAvoy) zu Helden geworden. Für ihren jüngsten Auftrag werden Mystique (Jennifer Lawrence), Beast, Storm, Nightcrawler und Quicksilver ins Weltall geschickt, wo sie einige verunglückte Astronauten retten sollen. Dabei wird ihr Raumschiff von einer Sonneneruption getroffen, die Jean Grey (Sophie Turner) zwar absorbieren und umlenken kann. Aber durch die enorme Energie erwacht eine mysteriöse Macht in ihr: die Phoenix Force. Pets 2 Start: 27. Juni Kaum verlassen die Menschen früh morgens ihr Zuhause, um in die Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen zu gehen, geht es in ihren Wohnungen auch schon drunter und drüber – denn dann haben ihre tierischen Mitbewohner sturmfrei. Hund Max und seine Kumpanen haben allerdings nicht nur Spaß, sondern auch neue Sorgen als im Tumult der Großstadt sowie beim Familienurlaub auf dem Land ein Menschensprössling gehütet werden soll. Und als wäre das noch nicht genug, verliert die Spitz-Dame Gidget auch noch Quietschebienchen, Max‘ geliebtes Spielzeug, an eine Horde neurotischer Katzen! Spider-Man: Far From Home Start: 04. Juli Der freundliche Superheld aus der Nachbarschaft Peter Parker (Tom Holland) aka. Spider-Man beschließt, zusammen mit seinen besten Freunden Ned, MJ, dem nervigen Flash und dem Rest der Bande einen Trip durch Europa zu machen. Peters Plan, den Superhelden für ein paar Wochen hinter sich zu lassen, wird jedoch schnell wieder verworfen, als er Nick Fury (Samuel L. Jackson) dabei hilft, die mysteriösen Angriffe gefährlicher, aus Elementen bestehender Monster aufzuklären. In Venedig sorgt gerade ein Wassermonster für Chaos und Verwüstung, als plötzlich ein aus dem Nichts auftauchender anderer Held den Tag rettet: Mysterio (Jake Gyllenhaal). Leid und Herrlichkeit Start: 25. Juli Salvador Mallo wächst im Valencia der 60er Jahre im Haus seines Vaters und seiner liebevollen Mutter (Penélope Cruz) auf. Früh entdeckt er seine Begeisterung für das Medium Film und das Kino und so zieht es ihn in den 80er Jahren schließlich nach Madrid, wo er Federico kennenlernt, eine Begegnung, die sein Leben auf den Kopf stellt. Viele Jahre später ist Salvador Mallo (jetzt: Antonio Banderas) ein gefeierter Regisseur, einer der erfolgreichsten Filmschaffenden Spaniens, und blickt auf ein ereignisreiches Leben voller Exzesse, Erfolge und Verluste zurück. Und schließlich scheint sich für Salvador ein Weg in ein neues Leben aufzutun … 39

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Hanix Nr. 40 40 Kapitel

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Bionischer Holzpavillon Buga, Heilbronn, 10. April 2019, 21:34 Uhr Foto: Meli Dikta Hanix Nr. 40 Kapitel 41

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»Unsere Leser haben uns gerettet!« Hanix Nr. 61 ROBERT MUCHA MAIKE ENDRESZ MARCEL KANTIMM Interview: Patrick Wurster (Inka Magazin) Illustrationen: Claudia Wagner / Farbenmetzgerei 42 INTERVIEW DES MONATS

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»Eines der erstaunlichsten Magazine kommt aus Heilbronn«, befand schon 2015 der Deutsche Journalisten-Verband in seiner Mitgliederzeitschrift »Blickpunkt«. »Global und regional, schwäbisch urban, relevant, individuell, recherchierend, entdeckend und zielgruppenorientiert« beschreiben sich die »Hanix«-Macher in ihren Mediadaten. Benannt haben die beiden Gründer und Herausgeber – Chefredakteur Robert Mucha und Verlagskaufmann Marcel Kantimm – ihren »FC St. Pauli der Unterländer Medienlandschaft« zwar nach dem urschwäbischen Ausdruck für Müßiggang (»Was machsch?« – »Ha nix!«), bewegen aber in ihrer Heimatstadt mittlerweile so einiges! INKA-Redakteur Patrick Wurster hat die Kollegen besucht und im Gespräch mit ROBERT MUCHA neben manch anderer Parallele erfahren, dass die beiden Blattmacher aus Heilbronn vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen, um trotz instagramisierter Zeiten mit einem lokal-regionalen Printprodukt erfolgreich zu sein. Hanix Nr. 61 Patrick Wurster: Mit unserer anlassbezogen erscheinenden Zeitung »Super INKA« brechen wir aus dem auf Veranstaltungen fokussierten Pocket-Format unseres Stadtmagazins aus; Ihr verfolgt einen etwas anderen Ansatz und füllt euer zweimonatlich erscheinendes »Hanix« vornehmlich mit Longreads, geht aber auch relativ viel über bildhafte Ästhetik. Robert Mucha: Ich habe das Magazinmachen von 2004 bis 2009 als Redakteur bei »11 Freunde« gelernt und die Wertschätzung für Haptik, Layout und Bildsprache aus Berlin mit in die Heimat zurückgenommen. Als ich mich beruflich verändern wollte, war die klaffende Lücke in Heilbronn augenscheinlich; also habe ich das Feld besetzt – zusammen mit meinem Schulfreund Marcel Kantimm, der bei uns die Verlagskoordination innehat, während sich Maike Endresz um Anzeigenmarketing und Mediaberatung kümmert. Sie ist die geborene Relationship-Managerin und versteht es, bei unseren Kunden den passenden Tonfall an den Tag zu legen. Denn beim Anzeigenverkauf willst du nicht nerven, musst aber. Wir können uns dazu auf eine wirtschaftsstarke Region stützen und wollen trotzdem unabhängig sein, keinen Auftragsjournalismus betreiben. Heute bietet »Hanix« drei Menschen einen Fulltime-Job. Darüber hinaus arbeiten immer wieder Leute auf 450-Euro-Basis für uns, dazu kommen Freelancer für Text und Bild sowie Layout und Vertrieb. An jeder Nummer sind schlussendlich um die 20 bis 30 Personen beteiligt. Den ursprünglichen Gedanken an ein regionales Sportmagazin, ich komme aus dem Sportjournalismus, haben wir wieder verworfen – zugunsten eines Stadtgesellschaftsmagazins mit dem qualitativen Anspruch aus meiner »11 Freunde«-Zeit. So haben wir thematisch viel mehr Spielraum. Wir können Fußball genauso beackern wie Stadtgeschichte, Kulinarik oder Mystery wie in der 60. Ausgabe. ROBERT MUCHA Du bist aber immer noch sehr fußballaffin, hast als A-Jugendspieler des VfR Heilbronn zur »Klasse von 96« gehört, die damals mit dem Gewinn des DFB-Pokals national für Furore gesorgt hat. Ich habe allerdings bereits im Alter von 23 Jahren wieder aufgehört mit dem Leistungsfußball. Letztes Jahr sind wir aufgrund meiner engen Verbindung beim 2018 neugeründeten, aktuell in der Kreisliga B kickenden Nachfolgeverein VfR Heilbronn 96-18 als Sponsor eingestiegen und beraten den Klub auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Der Fußball-Link ist definitiv da. Mit der »Heilbronner Stimme« habt ihr eine auflagenstarke Tageszeitung vor Ort. Beharkt ihr euch in Sachen Themen und Anzeigen so wie wir in Karlsruhe mit den BNN, die nach Jahrzehnten des Dagegenseins inzwischen fast schon subkultureller daherkommen als INKA? Ich sehe das pragmatisch: Das einzige, was wir beide machen, ist journalistische Texte und Fotos auf Papier drucken. Die »Stimme« hat 100 Redakteure und veröffentlicht dazu noch weitere Publikationen wie ihr Anzeigenblatt »Echo«. Das ist eine ganz andere Disziplin als das, was wir betreiben, auch in Sachen Anzeigenvermarktung. Bei einer Tageszeitung werden Preise aufgerufen, die sich unsere Kunden teils gar nicht leisten können und wollen. Da ist unser direkter Wettbewerber eher das »Moritz« als auflagenstärkstes Stadtmagazin Baden-Württembergs, wobei wir uns von den »Veranstaltungskalendern« durch eine hochwertige Produktion schon immer deutlich abheben wollten. Die »Stimme« muss jeden Tag eine Zeitung vollmachen; wir dagegen erscheinen sechsmal im Jahr mit round about 100 Seiten pro Heft – die fahren überspitzt formuliert unser Jahrespensum in nur einer Woche. Aber wir stoßen mitunter zwangsläufig auf dieselben Geschichten und natürlich informiert man sich hier wie da, wer was im Blatt hat. Somit kommen wir gar nicht darum herum, dass 43

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Geschichten auch mal zuerst in der »Heilbronner Stimme« laufen und dann thematisch von uns besetzt werden. Wir ziehen sie eben anders auf. Da habe ich überhaupt keinen Schmerz mit und betrachte das als unterschiedliche Sportarten. Ihr habt einen bemerkenswerten Werdegang. 2011 als reines Onlinemagazin mit kleinem Darlehen und großem Anspruch gestartet, seid ihr in den damals schon lange kriselnden Printmarkt eingestiegen, obwohl du genau das in einem »Stimme«-Artikel kategorisch ausgeschlossen hattest (»Nur eines wird nie passieren: Dass wir in einer Print-Ausgabe erscheinen«). Woher kam der Sinneswandel? Wir haben als Flash-Magazin schon in Printanmutung produziert, die Onlineausgaben quasi nur nicht gedruckt und sind deshalb immer unter dem Radar geflogen. Dann kam aus der Leser- und Kundschaft die klare Ansage: Wenn es euch gedruckt gäbe, würden wir viel öfter reinschauen und schalten. Wir sind zu Onlinezeiten zehnmal pro Jahr erschienen – da ist es viel verlangt, sich immer wieder eigenständig an uns zu erinnern. Also haben wir nach 25 Onlineausgaben ab Frühjahr 2014 drei gedruckte »Best of«-Hefte u. a. mit Interviews und Titelthemen produziert, um auszutesten, ob’s mitgenommen wird und uns die Vermarktung erleichtert. Nachdem klar war, dass es funktioniert, ist nach 38 Onlineausgaben 2015 die erste Printausgabe Oktober/ November erschienen. Durch die Entscheidung zu drucken, sind wir im Stadtbild vom Bäcker über die Gastro bis zur Hochschule präsent, als Marke deutlich bekannter und als Medium relevanter geworden. Wie geht ihr mit den ständig steigenden Papierkosten um und welchen Stellenwert hat online inklusive Social Media heute für euch? Das mag jetzt reichlich naiv rüberkommen, aber ich kümmere mich um Inhalte und will mich durch Zahlen diesbezüglich nicht verrückt machen lassen. Ich kenne den Papierpreis nicht, habe noch nie auf unseren Kontostand geschaut. Das ist Marcels Bereich, den er im Auge hat. Er hat Verhandeln und Rechnen bei Kaufland gelernt – die ganz harte Schule. (lacht) Unser Fokus liegt definitiv auf der Printausgabe, wobei uns bewusst ist, dass wir die nächste Generation an Lesern nur auf dieser Schiene nicht abholen werden. Wir sind also aktiv auf Facebook und Instagram und wollen insbesondere auf Instagram in Zukunft mehr experimentieren und diesen Kanal bespielen. Und sicher denken wir auch über Podcastformate nach. Dass ihr mittlerweile Lidl zu euren Anzeigenkunden zählt, kam nicht überall gut an. 44 Wir sind kein Wohlfahrtsverein und wollen auch gar keiner sein. Dass es manche Leser gibt, denen Lidl-Anzeigen bei uns weniger gefallen, mag sein. Uns freut das Engagement des größten europäischen Handelskonzerns in unserem lokalen Magazin ungemein. Und es schafft etwas mehr Planungssicherheit. Im Anzeigengeschäft musst du mit Rabatten arbeiten, aber wir sind keine Rabattfeen, da waren wir von Anfang an relativ konsequent. Was nicht heißt, dass man nicht auch mal eine Anzeige »verschenkt«, wenn kleine, engagierte Unternehmen gar kein Werbebudget zusammenkratzen können, mit ihrem Angebot aber wichtig sind für die Stadt. Wir haben den kompletten INKA-Magazinvertrieb mit mehreren Stadtund Überlandtouren inhouse, in der City fährt u. a. der Karlsruher Radkurier für uns. Wie organisiert ihr eure Verteilung? 500 unserer circa 1.000 Auslagestellen im Großraum Heilbronn versorgt ein selbstständiger Verteiler und Veranstalter, mit dem wir schon lange befreundet sind. Einen Teil, an ca. 100 Orte, verteilen Marcel und ich aber noch selbst; Etwa bei Stellen, wo sich die beiden Gründer hin und wieder sehen lassen sollten. Wir konzentrieren uns dabei aufs Stadtgebiet und die wichtigen größeren Gemeinden im Landkreis und der Region wie Neckarsulm, Brackenheim, Beilstein, Ilsfeld oder Öhringen; dazu kommen noch ca. 400 Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien usw. über die Lesemappe. Man schätzt es, dass wir für Abwechslung in der Medienlandschaft sorgen, unsere 15.000er Auflage geht weg, wir produzieren relativ wenig Altpapier. Dabei musst du lesen wollen, wenn du dir ein »Hanix« mitnimmst. Es gibt sie also durchaus, die Leute mit Lust auf lange, gut gemachte Lesestrecken. Von daher wundert es mich überhaupt nicht, dass ihr auf eure »Super INKA«-Zeitung so viel positives Feedback erhalten habt. Obwohl man Heilbronn nicht unmittelbar mit cool assoziiert (»Da ist doch nix los außer Stadttheater und Kunsthalle Vogelmann und überhaupt sind da doch eh alle stuttgart-orientiert«), mag zumindest manch einer von außen meinen ... Wir sind hier aufgewachsen und in den 90ern fand ich Heilbronn durchaus cool! Subkulturell ging nach meiner Wahrnehmung früher etwas mehr, wir waren mit führend was elektronische Musik in Süddeutschland anbelangt, die ersten rein elektronischen Clubs sind hier aufgepoppt. Es gibt attraktivere Städte, aber Heilbronn bietet spannende Menschen und Orte, die einen zweiten und dritten Blick wert sind! Zudem konnte man bei unserem Start schon absehen, welche Dynamik in die Stadt hineinkommt; vom 2010 eröffneten Bildungscampus über das ebenfalls ausgebaute experimenta Science-Center bis hin zur »Bundesgartenschau 2019«. Heilbronn bekennt sich zur Transformation von der Industrie- zur Wissensund Dienstleistungsstadt, was dann eine Publikation wie »Hanix« nochmals legitimiert. Mit der »Schwarmstadt«-Initiative konnten wir vor gut einem Jahr ein Stadtentwicklungsthema anstoßen, das hier vorher noch keiner besetzt hatte – und jetzt hörst und liest du ständig davon. Das hat uns als kleine Medienklitsche noch mal deutlich nach vorne gebracht, was die Relevanz anbelangt. Ausgangspunkt war ein kooperatives Forschungsprojekt mit einer repräsentativen Studie der hiesigen DHBW und uns aus dem Sommer 2017 zur Lebensqualität in Heilbronn; heraus kam das mausgraue »Hanix«-Cover mit der Durchschnittsnote 3,2, die Bewohner von Stadt und Landkreis Heilbronn gegeben haben. Und die Erkenntnis: Es fehlt an Subkultur, Individual-Gastronomie und -Einzelhandel sowie Einbindung der Kreativwirtschaft. Wer die Studenten in der Stadt halten möchte, muss mehr bieten als ein geiles Gehalt, weil sie das als Fachkräfte in München und Berlin ebenso bekommen. Die jungen Leute mögen das Umland schätzen, wollen aber nicht immer nach Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim oder Heidelberg fahren müssen, um etwas zu erleben. Dabei kann Heilbronn ein attraktiver urbaner Standort mit INTERVIEW DES MONATS Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Anziehungskraft sein, auch wenn es in der Provinz liegt. Über das »Wie« haben wir 2018 drei Veranstaltungen mit dem Who’s who aus Bildung, Wirtschaft, Kultur, Politik und Verwaltung aufgezogen. So kam es, dass wir mittlerweile auch Workshops organisieren, etwa im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zum Thema Schnittstellen mit der Kreativwirtschaft; in Planung ist ein selbstkreiertes Format zur »Fachkräftegewinnung für den ländlichen Raum«. Kurz gesagt: Seit der »Schwarmstadt«-Nummer hat man uns auf dem Radar. Dabei standet ihr noch 2017 ausgerechnet zur Jubiläumsausgabe Nummer 50 kurz vor dem Aus. Wenn man so hochwertig druckt wie wir, seine Autoren anständig bezahlt, und zusieht, dass jeder, der mitarbeitet, ein vertretbares Honorar erhält oder zumindest geldwerte Leistungen, dann kostet das. Im Juni 2017 war absehbar, dass wir im August eine Lücke von 16.000 Euro haben werden und nicht mehr bereit sind, ein weiteres privates Darlehen aufzunehmen. Aufgrund eines sehr emotionalen Leserimpulses, die davon Wind bekamen, haben wir die Schieflage öffentlich gemacht. Unsere Leser haben uns überzeugt, dass sie eine Chance verdienen, uns etwas zurückzugeben. Das klingt sehr »cheesy«, es ist aber tatsächlich so gewesen. Und so wurde die Jubiläumsparty vor der Kunsthalle Vogelmann zur Retterparty. Wir haben ein kleines Merch-Sortiment aufgesetzt und das Supporter- Abo ins Leben gerufen, wofür wir bis heute eine eigene Edition mit Extra-Cover und dem Vermerk »Bezahltes Abo-Heft – Danke für deine Unterstützung« herausgeben. Die rund 500 Abonnenten sind bemerkenswerterweise nur Exil-Heilbronner, sondern auch Leute aus dem Stadtgebiet, die sich ihr »Hanix« ebenso gut umsonst besorgen könnten, aber unter dem Unterstützergedanken gerne ihre 40 Euro im Jahr bezahlen. Auch die Anzeigenkunden haben vermehrt gebucht, damit wir weitermachen. Das hält immer noch an. Seither konnten wir uns auf einem hohen niedrigen oder unteren mittleren Niveau deutlich stabilisieren. Schonungslose Ehrlichkeit war der richtige Move – unsere Leser und unsere Anzeigenkunden haben uns gerettet! Kurz vor der Offenbarung seid ihr beim ersten »Ideenstark«-Wettbewerb des Landes für Kultur- und Kreativschaffende in Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Habt ihr von der Stadt Heilbronn keine Rückendeckung für euren inhaltsbezogenen Kurs? Die Auszeichnung hat für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt. In diesem Zug wurden wir Anfang Juni 2017 vom Oberbürgermeister eingeladen – und danach haben wir beschlossen, aufzuhören. Wir hatten konkret nach Unterstützungsmöglichkeiten der Stadt und der städtischen Gesellschaften gefragt. »Die Nachfrage regelt den Markt«, lautete die lapidare Antwort aus dem Rathaus. Man könne uns nicht helfen. Dabei machen wir im Prinzip das beste Stadtmarketing und dann kommt, aus unserer Sicht, zu wenig Unterstützung von der Stadt. Natürlich fahren wir nicht immer auf Kuschelkurs: Eine Satire unseres Kolumnisten Oliver Maria Schmitt, gebürtiger Heilbronner, Ex-Chefredakteur und Mitherausgeber der »Titanic«, zur OB-Wahl 2014 hatte z. B. Anzeigenstornierungen aus der Privatwirtschaft zur Folge ... Auf der Buga 2019 wird Schmitt nun auf ausdrücklichen Wunsch des OB im Heilbronner Pavillon auf Videoscreens durch die Stadt führen. Aber grundsätzlich arbeiten wir mit der Verwaltung ganz gut zusammen – im Verhältnis dazu, was wir für Heilbronn tun, könnte allerdings schon noch ein bisschen mehr Support kommen. So selbstbewusst sind wir mittlerweile. Dass wir mit unserer Art des Magazinmachens einen als attraktiv wahrgenommenen Mix der Stadtgesellschaft erreichen, zeigt sich an der Heilbronn Marketing GmbH HMG: Dort sind die »Hanix People« im internen Sprachgebrauch eine eigene Zielgruppe. ◆ ROBERT MUCHA FREMDSTOFFE IM FLUSS 5. AUGUST 2019 EINSENDESCHLUSS Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.neckarperspektiven.de 45

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Titelthema: [S. 48–82] JUNGE WINZER 46 »Schenkt ein! Schenkt ein! Das nenn’ ich Therapie!« ETA Hoffmann, Jurist und Schriftsteller (1776 – 1822) Artwork: Kathrin Leisterer-Miskovic GENERATION FRISCHE → S. 48 Stettener Weine nach Schweizer Art → S. 52 WEINBAUSCHULE WEINSBERG → S. 54 Sommelière Lisa Neubauer im Interview → S. 58 WEINVERKOSTUNG → S. 61 Viola & die Wengerterinnen → S. 68 FOTOSTRECKE JUNGWINZER → S. 70 Vom Weinkeller ins Theater → S. 80 Hanix Nr. 61

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Wie junge Winzerinnen und Winzer den Weinstil der Region um Heilbronn verändern. Von Christoph Raffelt, Fotos: Meli Dikta Generation Frische Die Veränderungen, die Weinregionen im Laufe der Zeit in eine neue Richtung bewegen, finden oftmals an ganz entfernten Orten statt. Sie beginnen zum Beispiel im südafrikanischen Swartland, in einem Weinberg im australischen Eden Valley oder auch im neuseeländischen Marlborough. Dorthin verschlägt es immer wieder junge Winzer aus Württemberg, wenn sie sich entschlossen haben, in Geisenheim Weinbau zu studieren und in diesem Rahmen ihre Praktika in aller Welt machen. Bei manchen, wie etwa bei Cathrin Bihlmayer, 48 einer der sogenannten Weinschwestern aus Löwenstein, stand die Reise nach Neuseeland noch vor ihrem Entschluss, sich tatsächlich dem Weinbau zu widmen, den ihr Großvater vor Jahrzehnten begonnen hatte. Ein Weingut zu übernehmen ist keine einfache Entscheidung, und sie will wohl überlegt sein. Winzer zu werden, vor allem in einem kleinen Familienweingut, heißt, im Weinberg und im Keller zu stehen, sich in der Buchhaltung auszukennen und nicht zuletzt auch im Marketing; denn Wein verkauft sich heute in den seltensten Fällen von selbst. Das spürt man auch in Württemberg immer häufiger. Und wer dort eigene Wege gehen will, hat es nicht einfach, denn die Strukturen und Preise, die von großen Genossenschaften bestimmt werden, wirken übermächtig. Württemberg war über Jahrzehnte hinweg ein Sonderfall in der deutschen Weinlandschaft. Die Weine, die im Ländle entstanden, wurden auch überwiegend dort getrunken – sowohl von den Einheimischen als auch von Ferien- oder Wochenendbesuchern. Sie schätzten den besonderen Stil der oft restsüßen, sehr hellen, maischeerhitzen Trollinger, die in großen Mengen entstanden und auch heute noch entstehen. Doch die Generation, die diese Weine schätzte, wird kleiner, eine andere rückt nach und würde gerne andere Weine trinken. Zu ihr gehören auch viele Jungwinzer, die zwar mit den typischen Trollingern und Lembergern der älteren Generation aufgewachsen sind, ihre Zunge aber in ganz anderen Regionen geschult haben. So kann, wenn es schief läuft, ein Generationskonflikt ausbrechen, der nicht immer leicht zu kitten ist. Nicht nur die stilistische Grundausrichtung eines Weinguts kann sich mit einem Generationswechsel verändern, sondern auch die Sichtweise über die Art des Anbaus im Weinberg oder des Ausbaus im Keller. In manchen Weingütern ist dieser Generationswechsel kein Problem, und die Älteren helfen bei ihm mit und ziehen sich später langsam zurück. In anderen Fällen ist für die jungen Weinmacher direkt klar, dass sie auf eigenen Füßen stehen müssen. Zwei dieser Winzer sind Stephanie und Fabian Lassak. Sie haben sich nach Wanderjahren unter anderem in Neuseeland, wo sie gemeinsam bei einem Weingut in Marlborough gearbeitet haben, dazu entschlossen, in Stephanies Heimat in Hessigheim ein eigenes Projekt zu starten. Die beiden wollten den Generationskonflikt gar nicht erst aufkommen lassen; denn ihre Eltern arbeiten noch in der Genossenschaft – greifen den beiden jungen Nebenerwerbswinzern aber tatkräftig unter die Arme. Die Belastungen für die beiden sind hoch. Sie pendeln zwischen den bei Stuttgart gelegenen Weingütern, wo sie ihrem Haupterwerb nachgehen, und Hessigheim, wo sie unermüdlich ihr eigenes Weingut Stück für Stück erweitern. Die ersten 1,2 Hektar haben sie 2013 erworben, heute JUNGE WINZER Hanix Nr. 61

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sind es 2,7 Hektar, bestockt mit Riesling, Pinot noir und Lemberger. Pinot- und Lemberger-Reben wurden in einer aufwendigen Massen-Selektion vervielfältigt und nicht, wie sonst üblich, geklont. Sie stammen aus Betrieben im Burgund und – was den Lemberger angeht – aus dem österreichischen Burgenland. Dort, wo der Lemberger Blaufränkisch heißt, entstehen heute einige der besten Weine dieser Rebsorte, und sie werden weltweit gefeiert. Dahin möchten die Lassaks auch kommen, und sie sind auf einem guten Weg. Die beiden sind offen, absolut qualitätsorientiert, weltgewandt und doch durchaus regional verwurzelt. Sie bilden eine Ausnahme in Hessigheim und über den Ort hinaus. Dazu zählt auch, dass die beiden von Beginn an auf ökologischen Anbau gesetzt haben. Etwas anderes kam für sie nie in Frage. Diese Entscheidung war unter anderem ein Ergebnis ihrer Erfahrungen im neuseeländischen, seit langer Zeit ökologisch arbeitenden Weingut Hans Herzog in Marlborough. Probiert man ihre Weine, wird direkt klar, dass ihre Vorlieben viel eher im Burgund und im österreichischen Burgenland zu finden sind – eben da, wo auch die Reiser für ihre neu angelegten Weinberge herkommen. Die Weine, obwohl es die ersten Jahrgänge sind, sind geschliffen klar und präzise und zeugen von viel Erfahrung – auch wenn die beiden noch keine 30 Jahre alt sind. Deutlich länger dabei ist Tobias Heinrich vom Weingut G. A. Heinrich, auch wenn er immer noch zu den jungen Winzern der Gegend gehört. Er würde die Wichtigkeit der Erfahrungen, die er im Ausland gemacht hat, diese Öffnung hin zu anderen Horizonten, die in der Art der Weinbereitung und in der Geschmacksbildung deutliche Spuren hinterlässt, direkt unterstreichen. Auch er hat seine Neuseeland-Erfahrung hinter sich, und er hat ferner seine Zunge vor allem an klassischen Weinen aus dem französischen Burgund geschult. Diese Vorliebe für klassische Weinbereitung in klassischen Weinbaugegenden findet man in seinen Weinen wieder. Tobias Heinrichs jüngsten Spross, den Trollinger Non Traditionel, könnte man auch in einer der besten Ortschaften des Beaujolais verorten. Dieser Wein hat so gar nichts mehr mit der Schwabenmilch zu tun, wofür Württemberg lange bekannt war; denn der Wein sprengt überkommene Grenzen und heißt nicht umsonst abgekürzt TNT. Dabei ist er nicht wirklich ein Bilderstürmer, sondern vielmehr eine Bereicherung. Er ist so entstanden, wie es heute angesagt ist, ohne jeden Schnickschnack. Das heißt: mit spontaner Vergärung, ausgebaut im großen Holzfass und abgefüllt mit wenig Schwefel. Auf diese Weise kann auch die Weinszene in Berlin, Köln oder München wieder mit Trollinger leben. Tobias Heinrich gehört außerdem zu den ersten Winzern, die sich nach burgundischem Vorbild wieder an die Qualitäten einzelner Heilbronner Lagen heranwagen. Das, was heute große Lagen sind, war über Jahrhunderte in Parzellen aufgeteilt – ganz einfach, weil die Vorfahren um die Unterschiedlichkeiten wussten. Diese Kompetenz ist schnell verloren gegangen und muss nun wieder hart erarbeitet werden. Vor allem seine Lemberger und Spätburgunder aus dem Heilbronner Löwenherz zeigen aber deutlich, dass er auf dem richtigen Weg ist. Davon zeugen sehr gute Bewertungen in den einschlägigen Weinmagazinen wie falstaff, Vinum oder Gault&Millau. Sich Stück für Stück an die Lagen und einzelne Parzellen heranzuwagen, das ist auch das Ziel von Alexander Bauer. Auch er will Grenzen ausloten. Gleichzeitig aber lebt er mit seinen Eltern unter einem Dach, und gemeinsam betreiben sie das Weingut Ich mach’s mir schön: Wir pflanzen und pflegen! Nähere Infos am Kundenservice oder unter www.pflanzenkoelle.de GENERATION FRISCHE Irrtümer und Druckfehler vorbehalten. Pflanzen-Kölle Gartencenter GmbH & Co. KG, Im Neckargarten 6, 74078 Heilbronn. Kontakt Dienstleistung Heilbronn bepflanzungsservice.heilbronn@ pflanzen-koelle.de www.pflanzen-koelle.de Im Neckargarten 4 74078 Heilbronn Tel.: 07131/15 95-741 49

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»Die Menschen zwischen 20 und 45 wollen keinen typischen Trollinger mehr trinken. Das fällt dem Anbaugebiet gerade auf die Füße. Bisher war alles immer auf Menge ausgelegt. Jetzt gibt es einen Umschwung, und das muss auch so sein.« Alexander Bauer und die Besenwirtschaft, die in den letzten Jahren immer erfolgreicher geworden ist. Als Alexanders Vater mehr durch Zufall Weingut und Besen übernommen hatte, gab es nur den typischen maischeerhitzen Trollinger mit 10 % Alkohol, von dem jeder Gast im Durchschnitt anderthalb Liter trank. Diese Art der Weinbereitung hat der Vater allerdings schon geändert. Alexander geht noch einen Schritt weiter. Um nicht in Konflikt zu geraten mit den Trinkgewohnheiten des Stammpublikums, hat Alexander seine eigene Linie neben der schon sehr guten klassischen Linie entwickelt. Im Gegensatz zu seinem Vater, der als Kind eine Phobie gegen Holzfässer entwickelt hatte, die er damals putzen musste, ist Alexander Bauer ein Freund des Holzfasses. Mittlerweile hat er 90 Fässer im Keller. Dass er damit exzellent umgehen kann, zeigen zum Beispiel sein im Fass ausgebauter Sauvignon blanc und auch sein feiner Spätburgunder. Einige 50 seiner Weine findet man mittlerweile auch in Restaurants außerhalb des Gebietes, und das ist für ihn sehr wichtig. Trollinger in die Düsseldorfer Szenegastronomie zu verkaufen ist nun wirklich nicht gerade alltäglich. Dass so etwas besonders erwähnt werden muss, deutet auch auf die große Rückständigkeit des Gebietes hin, die vor allem die jungen Winzer anprangern – und verändern möchten. Erste zarte Versuche bietet beispielsweise die Interessensvereinigung Wein.im.Puls Württemberg, der sich Viola Albrecht (siehe Portrait) vom Weingut Albrecht-Kiessling angeschlossen hat und ebenso Lars Hieber vom Weingut Schäfer-Heinrich. Sie vertritt eine ganze Reihe von jungen Winzern im Ländle, ähnlich, wie das die Generation Riesling gebietsübergreifend macht. Sich zusammenschließen, sich gemeinsam präsentieren und vor allem sich untereinander austauschen – das ist etwas, was Winzer wohl zuerst in Übersee kennengelernt haben. Wie gut das funktionieren kann, hat man bei der Winzervereinigung Message in a bottle gesehen. Ihr gehörten einst all die heute so bekannten rheinhessischen Winzer wie H. O. Spanier, Daniel Wagner oder Philipp Wittmann an, die damals aber noch kaum jemand kannte. Rheinhessen war vor 25 Jahren vor allem Fassweinland, und nur wenige trauten sich, eigene Weine abzufüllen und zu vermarkten. Das hat sich seitdem grundlegend verändert. Für Lars Hieber ist dies ein Ansporn, sich noch besser zu vernetzen und auch durchaus noch klarere Kante zu zeigen. Das macht der junge Winzer, der mit Schäfer-Heinrich eines der ersten biologisch zertifizierten Weingüter ganz Württembergs führt, zum Beispiel mit seiner Serie »Was ist das?«. Zu dem seit einigen Jahren abgefüllten roten Vin naturel kommt mit dem aktuellen Jahrgang noch ein Weißwein hinzu, wobei der Begriff Weißwein nur unvollständig den Wein beschreibt. Es ist nämlich ein Orangewein, ein weißer Wein, der auf der eigenen Maische vergoren und ungeschwefelt abgefüllt wurde. Auch das gibt es also mittlerweile in Heilbronn. Die Idee stammte von Alexander Zülch, einem Weinhändler für diese Art von Naturweinen, die er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paris erfolgreich verkauft. Diese beiden Weine machen nur einen Bruchteil seiner Arbeit aus, doch für Lars Hieber sind diese Weine ein sehr gutes Experimentierfeld. Nicht zuletzt, um jene Rebsorten besser kennenzulernen, die in den Cuvées des Weinguts eine immer größere Rolle einnehmen. Es sind die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten wie Cabernet blanc, Souvignier gris oder Cabernet Cortis. Ein eindeutiger Schwerpunkt der Arbeit von Lars Hieber liegt, trotz 20 unterschiedlicher Sorten in den Weinbergen, in der Arbeit mit Riesling und Lemberger, die beide eine deutliche Keuperwürze aufweisen. Auch bei ihm wird schnell klar, dass er ein Verfechter von reifer, aber frischer Säure in seinen Weinen ist. Diese Frische sorgt gleichzeitig auch für eine Klarheit in der Frucht, die bei ihm beim Lemberger noch von einem präzisen Holzeinsatz gerahmt wird. Seit 1990 ist dieses Weingut als biologisch arbeitender Betrieb zertifiziert und hatte damit lange einen Leuchtturm-Charakter. Im Gegensatz zu anderen Regionen spielt ökologischer Anbau immer noch eine untergeordnete Rolle im Württemberg. Mehr Geld verdient man mit den Weinen nicht, aber die Akzeptanz oder besser noch die JUNGE WINZER Hanix Nr. 61

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Nachfrage nach diesen Weinen wird auch bei den Hiebers in Zeiten der offensichtlichen Klimaveränderungen deutlich größer. Dass Wein auch erfolgreich über einen frischen Auftritt funktioniert, wenn die Qualität in der Flasche stimmt, zeigen die Weinschwestern mit ihren Wein ebenso eindrücklich wie das Weingut Leiss. Die Weinschwestern setzen mit ihrem »Hurlyburly Rosé«, dem »Lieben, Leben, Lemberger« oder dem »Cabernet Blanc Jungle Drum« auf genau die jungen Weintrinker, die ihre Weinerfahrungen in Weinbars und bei Special Events machen, wo zum Wein noch eine gute Portion Entdeckungslust und Lebensgefühl hinzukommt. Bei Leiss präsentiert man sich etwas klassischer und zeitloser, aber mit einem ganz ausgeprägten Gefühl für Harmonie und Feinheit, und das nicht nur im Auftritt, sondern auch in den Weinen selbst, die Gerhard Leiss verantwortet. Vater Wolf-Peter Leiss ist für den Weingarten zuständig, Mutter Christa für die Gastwirtschaft, die Schwester Stefanie mit Weinbetriebswirtschaftsstudium für die Zahlen und das Marketing, Gerhard hauptverantwortlich für den Keller. Auch das ist eine Art, sich generationsübergreifend komplett dem Weingut zu widmen. Bei Leiss hat man sich bei der Präsentation GENERATION FRISCHE der Weine ganz klar an die Qualitätspyramide angelehnt, die ihr Vorbild im Burgund hat aber heute auch in Deutschland zum Beispiel beim Verband der Prädikatsweingüter (VDP) eine wichtige Rolle spielt. In der Basis findet man die Gutsweine, die den modernen Stil des Weinguts repräsentieren. Mit den Ortsweinen fokussiert sich Gerhard Leiss schon deutlicher auf das Besondere der Gipskeuper-Böden der Lagen rund um Gellmersbach. Die Lagenweine schliesslich bringen die Unterschiede der teils steilen Lagen Herzgrüble, mit hohem Kalkanteil, Dezberg mit Ton- und Kalkmergel und Steinacker mit Schilfsandstein ins Glas. Besonders beeindrucken hier die Weißweine und allem voran die Rieslinge Kayberg, Schnellberg und Réserve, die teilweise ihren besonderen Schmelz dadurch erhalten, dass sie wie früher wieder im großen Holzfass ausgebaut werden. Wer diese Weine vor Ort probieren möchte, hat rund sechs Wochen im Jahr Zeit. Die Besenwirtschaft ist dabei Teil des modernen und klaren Gesamtkonzeptes. Die Architektur erhielt 2013 den 1. Platz des Architekturpreises »Wein« der rheinland-pfälzischen Architektenkammer. Einer, der fast im Stillen sein Ding macht und den man vielleicht schnell mal übersieht, weil seine Weine außerhalb der eigenen, ganz traditionellen Heilbronner Besenwirtschaft kaum präsent sind, ist Felix Springer. Er bildet den größtmöglichen Kontrast zu dem in jeder Hinsicht modernen Weingut Leiss. Springer hat bei Jürgen Ellwanger im Remstal und beim großen Paul Fürst in Churfranken gelernt und zwischendurch noch ein Studium in Geisenheim abgeschlossen. Er bearbeitet sechs Hektar, wo er neben den typischen Rebsorten der Region eine große Besonderheit anbaut. Sein Frühburgunder gehört zu den eigenständigsten Weinen von Heilbronn. Und auch bei Paul Fürst entstand aus dieser Rebsorte ein besonderer Wein. Felix Springers Frühburgunder ist ein Wein, der ohne Technik, mit viel Gefühl für die Sorte und dem richtigen Händchen für den Einsatz von Zeit und Holz entstanden ist. Und auch er zeigt etwas, was die Weine der neuen Generation insgesamt heraushebt: Sie zeigen Klarheit und Frische, sind nicht mehr das eindimensionale Ergebnis von eingesetzter Technik, sondern zeugen von einem Gefühl für Reben und Boden und ebenso für das, was eigentlich am Wichtigsten ist: Trinkfluss und Trinkspass bei jenen zu wecken, die auch in Zukunft Weine aus Heilbronn und Umgebung entdecken sollen. ◆ Zeig, was in dir steckt! Mut, Leidenschaft und Zielstrebigkeit machen uns besonders. Dank dieser Werte erzielen unsere rund 75.000 Mitarbeiter täglich Höchstleistungen und setzen branchenweit neue Maßstäbe. Dabei sind für uns Zusammenarbeit auf Augenhöhe sowie ein wertschätzender Umgang selbstverständlich. Deine Einstiegsmöglichkeiten Du hast die Möglichkeit in unseren verschiedenen Tätigkeitsbereichen einzusteigen. Ob klassisch im Vertrieb, der hochmodernen Logistik, im Bereich Bau und Immobilien, dem Fleischwerk oder in einem unserer Verwaltungsbereiche – bei uns findest du den Einstieg der zu dir passt. Wähle dabei zwischen: Traineeprogramm Direkteinstieg Duales Studium Ausbildung Abiturientenprogramm Deine Vorteile ✓ Attraktive Vergütung ✓ Motivierende Arbeitsatmosphäre in einem dynamischen Team ✓ Fachliche und persönliche Entwicklung ✓ Vielfältige Sonderzuwendungen und Vergünstigungen ✓ Aktive Gesundheitsforderung, z. B. Kooperationen mit Fitnessstudios, Teilnahme an Firmenläufen Interesse geweckt? Bewirb dich jetzt unter kaufland.de/ karriere 51

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Der Jungwinzer DANIEL SCHWEIZER betreibt in Stetten am Heuchelberg ein Weingut, das einzigartig im Land sein dürfte. Der 29-Jährige verzichtet auf jeglichen Einsatz von Maschinen und Zusatzstoffen, stattdessen setzt er ganz auf die Kraft von Pferden und den Geschmack der Natur. Anfangs noch belächelt, überzeugt das Ergebnis seines ökologischen Anbaus zwischenzeitlich auch Sternegastronomen. Von Markus Heffner Fotos: Meli Dikta Weine nach Schweizer Art Der Empfang ist herzlich, der Abschied feuchtfröhlich. Wer Daniel Schweizer in seinem Weingut am Fuße des Heuchelbergs in Stetten besucht, der kann sich auf eines gefasst machen: Eine Kostprobe seiner großen Leidenschaft, die von gutem Geschmack zeugt und ganz und gar seine Handschrift trägt. Bei dieser Gelegenheit kann es dann passieren, dass der 29-Jährige ins Philosophieren kommt, über unterschätzte Rebsorten, schnörkellose Etiketten, Mondphasen, zinkfreie Weinbergpfähle aus Cortenstahl und uniformierte Weine mit deutschem Gütesiegel, deren Qualitätsanspruch nicht der seine ist. »Ich mache lieber mein eigenes Ding«, sagt er. Keine Frage: Daniel Schweizer ist ein wenig aus der Art geschlagen, ein Querdenker, der schnurstracks seinen eigenen Weg geht. Der hatte ihn zunächst allerdings zu einer Lehre als Einzelhandelskaufmann bei Intersport geführt, was ihm grundsätzlich zwar Spaß gemacht hat, wie er sagt, aber keinesfalls lebenserfüllend für ihn war. Ein Beruf, aber keine Berufung. Seine Bestimmung hat er nun stattdessen in der Liebe zum Weinbau gefunden, was einerseits naheliegend war, andererseits aber auch nicht. Zusammen mit seinen vier Geschwistern, drei Brüdern und einer Schwester, ist er in den Weinbergen aufgewachsen, die sich direkt hinter dem Elternhaus sanft den Hügel hinaufziehen. Schon sein Opa hatte eigene Weinberge bewirtschaftet und die Trauben bei der Weinbaugenossenschaft Schwaigern abgeliefert, genauso die Eltern, deren Rebveredelungsbetrieb im hinteren Teil des Weinguts liegt. »Ich war immer derjenige, von dem man am wenigsten gedacht hat, dass er die Tradition im Weinberg fortsetzt«, erzählt er. Heute kann und will sich Daniel Schweizer ein Leben ohne seine Rebstöcke und Holzfässer indessen nicht mehr vorstellen. Schon der Gedanke, länger als acht Tage irgendwo im Urlaub und damit viel zu weit weg von Zuhause zu sein, erscheint ihm fast quälend, wie er lachend zugibt. Den ein oder anderen Urlaub musste Freundin Mira daher auch schon alleine verbringen, zu oft ruft der Berg nach seinem Herrn. Fährt Daniel Schweizer doch einmal weg, dann mit Sicherheit in irgendeine Weinbauregion. Lange hält er es aber auch dort nicht aus. »Ich könnte mir keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen, als diesen hier«, sagt er, und lädt zum Rundgang durchs Gut ein, dem sich Hündin Gerda, die er meist dabei hat bei der Arbeit in den Weinbergen, nur zu gerne anschließt. Seit 2014 führt Daniel Schweizer sein Weingut als Ein-Mann- Betrieb, nachdem er zuvor noch eine Winzerlehre gemacht und anschließend zwei Jahre im Staatsweingut Weinsberg gearbeitet hatte. Wegweisende Jahre, wie Daniel Schweizer sagt, in denen er die ganze Bandbreite dessen kennengelernt hat, was bei der Weinherstellung heutzutage zum Einsatz kommt. Mit jeder neuen Zutat ist er dabei mehr ins Grübeln gekommen, zunehmend der Frage auf der Spur, ob es nicht möglich ist, alles ganz anders zu machen, also auf alles Zusätzliche zu verzichten und aus der reinen Traube einen hundertprozentigen Naturwein zu produzieren. Um noch tiefer in die Kunst des Kelterns hinabzutauchen, absolvierte er an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg von 2015 an ein Studium zum Techniker für Weinbau und Önologie, aus dem er viel für sich mitgenommen hat. Seine Philosophie stand derweil schon vorher fest: Der Wein muss Spaß machen, beim Trinken später sowieso, aber auch vorher schon. Seine Passion ist es, typische Württemberger Rebsorten zu kultivieren, wobei er einen ausgeprägten Hang fürs Seltene hat. Auf zwei Hektar erstrecken sich seine Hanix Nr. 61 52 JUNGE WINZER

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Hanix Nr. 61 Weinberge zwischenzeitlich, die er alle neu gepachtet hat und seither auf traditionelle Weise bewirtschaftet, wie er es nennt. Zu dieser Tradition gehört auch, dass durch seine Weinberge keine Schlepper oder sonstigen schweren Landmaschinen pflügen, die den Boden zu sehr verdichten und damit seine natürliche Struktur verändern würden. Stattdessen spannt er regelmäßig Ottilie vor den Pflug, eine erfahrene Tinkerstute, die beim Öffnen der Gassen zwischen den Rebstockreihen hilft, bei der Traubenernte und allen anderen Arbeiten im Weinberg. Weil die Pferdedame sich schon im fortgeschritten Alter befindet und auf den Ruhestand zusteuert, werden derzeit nebenbei die neuen Erntehelfer Willy und Michl eingelernt, zwei reinrassige Schwarzwälder, eine Rasse also, die einst für schwere Waldarbeit gezüchtet wurde und damit alle Voraussetzungen für den Job im Weinberg mitbringt. Alle drei gehören einem Bekannten von Daniel Schweizer, der erst vor Kurzem den Nachbarhof gekauft hat und demnächst dort einzieht, was die wichtige Beziehungspflege zu den vierbeinigen Helfern noch einmal erleichtert. Anfangs wurde der rothaarige Jungwinzer von den erfahrenen Kollegen noch etwas belächelt ob seiner unkonventionellen Methoden, seit die Weine nach Schweizer Art aber auch in der umliegenden Sternegastronomie gefragt sind und von Stuttgart bis Mannheim getrunken werden, lacht niemand mehr. Doch aller Anfang ist schwer, auch und gerade im Weinbau. In den ersten Jahren musste Daniel Schweizer so manches Lehrgeld bezahlen, sich herantasten an das Zusammenspiel von Natur und Mensch. Wenn er heute davon spricht, den Wein sich selber zu überlassen, dann meint er das auch so. Er beginnt damit schon bei den Rebstöcken im Weinberg, die er weder düngt noch gießt, damit sie möglichst tiefe Wurzeln schlagen, robuster und kräftiger werden und so eine geschmackliche Vielfalt entwickeln können. Qualität, sagt er, werde im Weinberg erzeugt. »Im Keller geht es darum, sie zu erhalten.« Bis zu 50 Tage lang lässt Daniel Schweizer seine Rotweine auf der Maische reifen, bei den Weißen kann der Gärprozess mehrere Monate dauern – je nach Witterung. Denn auch im Keller des Weinguts, in dem vor allem handverlesene Holzfässer lagern, gibt die Natur den Viertelestakt vor. Denn nicht der Winzer selber temperiert den Raum, sondern das Wetter draußen vor der schweren Stahltür. Ist es kalt, hat es im Weinkeller rund fünf Grad. Wird es warm, steigen die Kellertemperaturen auf bis zu 14 Grad an. Spontangärung nennt sich das nur noch selten anzutreffende Verfahren, das Daniel Schweizer bei allen seinen Weinen anwendet. Bei dieser önologischen Methode erfolgt die alkoholische Gärung ohne den Zusatz von speziell gezüchteten Weinhefen ausschließlich durch natürlich im Weinberg und im Keller vorkommende Hefearten. Die Kunst dabei ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann der Reifeprozess abgeschlossen ist. Eine Frage von Gefühl und Geschmack, so Daniel Schweizer, der mit dem Prädikat »Überzeugungstäter« vielleicht am besten beschrieben ist. Einen Wein zu produzieren, der nicht nur aus der Natur stammt, sondern auch von ihr geprägt und geformt wurde: Diesem Ideal folgt er unerbittlich und konsequent, im Weinberg gleichermaßen wie in seinem Keller. Die absolut einzige zusätzliche Ingredienz, die er seinen Weinen zumutet, ist flüssiger Schwefel, den er so spät wie möglich in nahezu homöopathischer Dosierung beimischt. Das Labor habe schon angerufen, erzählt er, um darauf hinzuweisen, dass zu wenig Schwefel in seinen Weinen sei. Eine durchaus ungewöhnliche Feststellung für Wissenschaftler, die eigentlich auf der Suche nach zu hohen Werten sind. WEINE NACH SCHWEIZER ART Uniformierte Weine, die stereotypen Qualitätsvorgaben folgen und immer gleich schmecken, sind nicht die Sache von Daniel Schweizer, der dieses Jahr zum fünfjährigen Bestehen einen Jubiläumswein abfüllen wird. Er setzt stattdessen auf natürliche Faktoren, wie er sagt, auf Wind und Wetter sozusagen, die je nach Ausprägung charakteristisch sind für seine Jahrgänge. Ob Lemberger, Riesling, Portugieser, Samtrot, Trollinger, Regent oder Ruländer. Jeder Jahrgang, der in Flaschen abgefüllt wird, schmeckt anders als sein Vorgänger oder Nachfolger. Zwischen 18 und 24 Monaten reifen seine Weine in der Regel im Keller, derzeit hat er bei Rotweinen den Jahrgang 2016 und bei Weißweinen Jahrgang 2017 im Angebot. Seine Leidenschaft gehört vor allem den unterschätzten und seltenen Sorten, etwa dem Portugieser oder Ruländer, die kaum noch angebaut werden. Momentan hat er acht verschiedene Weine auf der Karte, die längst auch im illustren Kreis der gehobenen Gastronomie geschätzt werden, in Friedrichsruhe und anderen Feinschmeckerorten Als Genussmensch beschreibt sich Daniel Schweizer auch selbst, wobei er zweifelsfrei zur schnörkellosen und schlichten Sorte gehört. Davon zeugt auch das Etikett auf seinen Flaschen, das er selber zusammen mit seiner Tante entworfen hat, die Grafikerin ist: Ein kleines weißes Kreuz auf schwarzem Grund, sozusagen ein Schweizerkreuz, mehr nicht. Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, den Ausbau von Weißweinen voranzutreiben, weshalb er dieses Jahr auch neue Weinberge dazugepachtet hat. Dazu hat er noch ein paar andere Ideen, die ihm so schnell nicht ausgehen. Eine davon lagert auf dem Hof: Eine große Palette mit Weinbergpfählen aus Cortenstahl, die in den neuen Anlagen zum Einsatz kommen sollen, weil sie zinkfrei sind und somit der Boden nicht belastet wird. Außerdem gefällt ihm die Optik des rostbraunen Metalls. »Es passt einfach besser in die Landschaft«, sagt Daniel Schweizer, der seit diesem Jahr auch Herr über eine eigene Abfüllanlage ist. Großartig zu expandieren, die Produktionsmenge zu erhöhen und möglichst viel Geld zu verdienen, fällt ihm trotz der Erfolge und des Zuspruchs aber nicht ein. »Wer einmal diesen Weg begonnen und Spaß daran gefunden hat«, sagt er, »der dreht nicht mehr um.« ◆ 53

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Wein- und Obstbau sind ein wichtiges Standbein der Landwirtschaft in Baden-Württemberg. In der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) werden seit 150 Jahren Fachleute für die Praxis ausgebildet. Bei einem Rundgang mit Rektor ROLF HAUSER ist Leonore Welzin bis ins Herzstück der Weinbauschule vorgedrungen. Von Leonore Welzin, Fotos: Nico Kurth Die Kinderstube von Kerner und Dornfelder Hanix Nr. 61 Ein Feld unzähliger Barriques. Die Fülle bauchiger Bottiche, Geruch und Farbe von Holz, die Ruhe zum Reifen der Aromen, all das schafft eine magische Atmosphäre. Das stärkende Gefühl von zeitloser Dauer, ein größerer Kontrast zum schnell getakteten Alltag ist kaum denkbar. Die liegenden Fässer werden von einer Parade imposanter Eichenholzfässer umringt. Schnitzereien auf der Sichtseite machen aus den riesigen Behältern gewichtige Zeitzeugen. Der Blick bleibt an einem Porträt hängen. Daneben der Name Immanuel Dornfeld. Ist das der Namensgeber für den »Dornfelder«? »Ja, aber nicht nur: Auf ihn geht die Schule zurück« erklärt Rolf Hauser. Dornfeld, geboren 1796 in Neckarweihingen, repräsentiert ein Stück Wein-Historie, auf die man hier mit berechtigtem Stolz und Hochachtung blickt. Immanuel Dornfeld war Verwaltungsbeamter und Weingärtner. Zwar hatte er sich seine Kenntnisse über den Weinbau nur autodidaktisch angeeignet, aber als Mitglied der »Gesellschaft für die Weinverbesserung Württemberg« gingen seine Ambitionen wesentlich weiter. Das belegen Schriften, die er verfasst hat: »Weinbauschule, oder Anleitung zur Pflanzung der Rebe und Gewinnung des Weins« (Stuttgart 1859, Heilbronn 1860), »Der rationelle Weinbau und die Weinbereitungslehre« (Heilbronn 1864), »Die Geschichte des Weinbaues in Schwaben« (Stuttgart 1868) und »Die Wein- und Obstproducenten Deutschlands« (Stuttgart und Tübingen 1868). Bereits 1849 hatte Immanuel Dornfeld detaillierte Vorschläge für die Einrichtung einer Weinbauschule vorgelegt. Als er 1850 die Stelle des Kameral-Verwalters für das Oberamt Weinsberg antritt, verfolgt er sein Vorhaben noch nachdrücklicher. König Wilhelm I. genehmigt 1863 das Bestreben. In einer Bauzeit von zwei Jahren wird es in Weinsberg realisiert und schließlich 1868 eröffnet. 2018 feierte die Weinbauschule ihr 150. Jubiläum. Sie umfasst mittlerwei- 54 Schulleiter mit Mission: Rolf Hauser will aus Erfahrung schöpfen, traditionelle Methoden mit modernster Technik verknüpfen und Theorie, Ausbildung und Praxis miteinander verzahnen. JUNGE WINZER

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le neben dem erweiterten Lehr- und Versuchsgebäudekomplex die Weinanbaugebiete Weinsberg, Gundelsheim und Burg Wildeck, sowie das Obstgut Heuchlingen. Dornfelds Grundidee, die Weinbereitung aus der Tradition heraus zu optimieren, ist bis heute aktuell geblieben und ein Leitgedanke der LVWO. Aus Erfahrung schöpfen, traditionelle Methoden mit modernster Technik in Einklang bringen als auch Theorie, Ausbildung und wissenschaftliche Praxis miteinander verzahnen, das sind nicht nur schöne Worte, sondern Ziele, an deren Verwirklichung an der LVWO kontinuierlich gearbeitet wird. Hauser, der hier seit 36 Jahren arbeitet, seit 25 Jahren in leitender Funktion, weiß das zu schätzen: »Unsere Lehrer sind keine Vollzeitpädagogen, sondern jeder leitet ein Ressort, ist beispielsweise spezialisiert auf Kellerwirtschaft, Obstbau oder Marketing. Eine optimale Lösung für ein Bildungsinstitut«, meint Hauser. Die Studentin Regina Class und ihre Kommilitonen Marvin Rosental und Jonathan Hengerer bestätigen das: »Vom Pflanzen übers Keltern bis zum Marketing werden ganz unterschiedliche Fähigkeiten gebraucht, wir lernen hier die ganze Palette«, so Class, die aus einer Familie mit »grünen Berufen« wie Gärtner und Landschaftspfleger kommt. »Weinbauer ist ein facettenreicher Beruf, bei dem man viel draußen ist und bei dem auch Handarbeit eine wichtige Rolle spielt«. Vielfalt, frische Luft und körperliche Arbeit schätzt auch Jonathan Hengerer, der aus einer Heilbronner Weinbau-Familie stammt und aus Erfahrung weiß, dass »Weinbau und Vermarktung internationaler geworden sind. Der Konkurrenzdruck steigt.« Genau deshalb sei es wichtig, sich zu überlegen, »was meine Produkte auszeichnet. Vom Pflanzen bis zum Abfüllen und zum Verkauf muss ich alles authentisch verkörpern«, ergänzt Class. Marvin Rosental, der fünf Jahre in der Metallindustrie gearbeitet hat, bevor er sich für die LVWO in Weinsberg entschied, verweist auf unterschiedliche Betriebsstrukturen: »In der Metallbranche hast du immer jemand, der vor dir sitzt, d. h. es ist schwierig, dein eigenes Ding durchzuziehen. Hier habe ich entdeckt, dass es wichtig ist mit Leuten zu kommunizieren«, was besagt, hier prägen nicht steile, sondern flache Hierarchien und Teamwork das Betriebsklima. Hengerer bestätigt das: »Man kennt hier alle Lehrer persönlich«. Und Class fasst zusammen: »Wir studieren nicht, um im Büro zu sitzen, sondern um die Tradition weiterzuführen. Wir wollen alle schnell von einem Ort zum anderen. Da halten Baustellen oft auf. Lässt sich das umgehen? WIR STEHEN FÜR MOBILITÄT UND SIND IHR WEGBEREITER. Wir bauen ganz bewusst – für die Region Heilbronn-Franken, in der unsere Mitarbeiter verwurzelt sind. Leider nein. Wir arbeiten aber eng verzahnt, um Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Damit schließlich alle zügig die ebenen, abriebarmen Oberflächen genießen können. STEINBRUCH JÄGERHAUS www.IhrWegbereiter.de SCHNEIDER BAU GmbH & Co. KG 74076 Heilbronn Hans-Rießer-Str. 18 Tel. 0 71 31 / 94 43 - 0 WEGBEREITER BAUSCHULE immer mittwochs, auf der BUGA 14-tägig, 2019 Heilbronn 10 – 16 Uhr, auf der BUGA 2019 Heilbronn im Pavillon der Handwerkskammer. http://www.facebook.com/IhrWegbereiter 55

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Weinmacher in Ausbildung: Regina Class und ihre Kommilitonen Marvin Rosental und Jonathan Hengerer. Das Schöne am Weinbau ist, dass er eine Kulturtechnik ist, die nicht ohne Tradition auskommt.« Das Spannungsverhältnis von Innovation auf Basis tradierter Werte und solider Erkenntnisse durchzieht die LVWO. So repräsentieren die Außenbetriebe (Weinsberg, Gundelsheim und Burg Wildeck, sowie das Obstgut Heuchlingen) mit ihren unterschiedlichen Böden, Höhenlagen und Wetterbedingungen eine Vielfalt an Möglichkeiten, sowohl für die Forschung wie für den praktischen Unterricht. Neben dem mehrere 1.000 Rebsorten umfassenden Züchtungssortiment befinden sich in Weinsberg auch die zugehörigen Sämlingsquartiere. Wie soll der Weinbau in Zukunft aussehen? Rund um Weinsberg liegen zwischen 200 und 270 m Meereshöhe steile Rebflächen kalkreicher und lehmig-toniger Böden. Unterhalb der Burg Weibertreu zeigt sich mit der Einrichtung von befahrbaren Kleinterrassen die gelungene Kombination von moderner Weinbautechnik und dem Bewahren der Kulturlandschaft. Vor dem Hintergrund des Klimawandels geht es beispielsweise am Schemelsberg um internationale Rebsorten. Das oft sommertrockene Gundelsheim in einer Höhenlage zwischen 120 und 200 m, bietet in den steileren Lagen gute Voraussetzungen für Rotweine wie Spätburgunder, Lemberger und Schwarzriesling. Auf dem Übergang zur Hochfläche wachsen Riesling und Kerner. Landschaftsprägend sind Terrassen mit bis zu sechs Meter hohen Trockenmauern. Die ältesten Rebstöcke sind über 50 Jahre alt. Im Betrieb Burg Wildeck werden wichtige Fragen der Kulturführung, d. h. Laubwandgestaltung, Rebschutz oder Bodenpflege bearbeitet. Bedingt durch die Höhenlage von 370 m ist die Rebenentwicklung dort um eine Woche verzögert. Andererseits ist Burg Wildeck bis in die letzten Herbsttage nebelfrei, wodurch sich beste Voraussetzungen ergeben für Spätburgunder und vor allem für Weißweinsorten wie Riesling, Grauburgunder oder Chardonnay. Das 1953 gegründete Obstgut Heuchlingen, auf einem Höhenrücken (210 m) zwischen Kocher und Jagst, besteht aus einem fruchtbaren Lehmboden, der für alle Obstarten geeignet ist. Hier wachsen Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche, Walnüsse und weitere Spezialitäten. Eine größere Fläche wird seit 2003 nach anerkannt ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet. Sie unterliegt den Kontrollen der EU-Bio-Richtlinie. Versuchsschwerpunkt sind Tests neuer Sorten, von Anbausystemen und Kulturstrategien für die jeweilige Obstart. Auch der geschützte Anbau von Strauchbeeren in Folienhäusern gehört zum Programm. Heimische Früchte – Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen, Mirabellen und Mispeln – bieten eine Fülle an Düften und Aromen. Diese zu veredeln, zu konservieren und ins Glas zu bringen, ist Aufgabe der Brennerei. Hier sind Kreativität und eine gute Nase gefragt, um aus Destillaten und Fruchtsäften, Brände und Liköre zu komponieren. Bei allem Raffinement, das die Veredlung erfordert, ist und bleibt der Boden das A und O. Wir treten ihn mit Füßen, er liefert uns lebenswichtige Nährstoffe. Damit Böden auch in Zukunft fruchtbar sind, möglichst schädlingsresistente Früchte liefern, müssen sie geschützt und gepflegt werden. Fachgerechte Bewirtschaftung soll Bodenverdichtung, Hanix Nr. 61 56 DAS WIRD EUER SOMMER! WWW.HEILBRONNER-BAEDER.DE JUNGE WINZER

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Erosion oder den Eintrag von Schadstoffen vermeiden. Praxisnahe Lösungen für nachhaltige Bewirtschaftung und die Berücksichtigung von Klima und Witterungseinflüssen spielen im heutigen Wein- und Obstbau eine zentrale Rolle. Die Themenkomplexe Bodenkunde und Bodenpflege sind fester Bestandteil der Ausbildung in Weinsberg. Dass die Qualität von Trauben und Wein letztlich von der Sorgfalt des Winzers NALANS BUTCHEREI abhängen, war Immanuel Dornfeld bewusst. Ob er allerdings geahnt hat, welche Fortschritte der Weinbau in Schwaben eines Tages machen würde? Dass er 1955 gar Pate stehen würde für die Neuzüchtung einer Rebe, genannt »Dornfelder«? Ähnlich wie schon 1929 der Weinsberger Dichter und Arzt Justinus Kerner, der namentlich mit der Kreuzung aus rotem Trollinger und weißem Riesling geehrt und verewigt wurde. Vater beider Züchtungen ist der aus Neckarsulm stammende Diplom-Landwirt August Karl Herold, der beide Sorten während seiner Tätigkeit an der Württembergischen Anstalt für Rebenzüchtung und Rebenpfropfung und später an der LVWO züchtete. Er muss ein Mensch mit viel Geduld gewesen sein, denn von der Kreuzung bis zur neuen Sorte vergehen 30 Jahre. Weniger bekannt sind seine Züchtungsergebnisse mit Namen Heroldsrebe, Helfensteiner und Juwel. Der weiße Kerner wie der rote Dornfelder sind ertragreiche Sorten, die sich durchsetzen konnten. Insbesondere der Dornfelder ist zu einem Rotweinklassiker gereift, der sich seit Jahren einer immensen Nachfrage erfreut. Wie sagte doch Regina Class: »Das Schöne am Weinbau ist, dass es eine Kulturtechnik ist, die nicht ohne Tradition auskommt.« Und die Traditionen des Obst- und Weinbaus warten immer wieder mit Überraschungen auf. Die neueste Rebsorte trägt nüchtern, wie moderne Zeiten sind, keinen großen Namen, sondern die schlichte Bezeichnung »We 88-101-13«. Abwarten, Wein trinken und Mal sehen, welche Zukunft ihr beschieden sein wird. ◆ 57

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Wir trafen im Heilbronner Restaurant Beichtstuhl LISA NEUBAUER, Sommelière im Gourmet-Restaurant Handicap in Künzelsau, um mit ihr sechs Heilbronner Weine zu probieren. Zuvor interviewten wir die 29-jährige Heilbronnerin zu der neuen Heilbronner Generation im Weinbau. Sie gab Einblick in ihren Alltag, erzählte, wann es ihr schwerfällt, Wein auszuspucken und auf welches Storytelling sie setzen würde, um für die Weinregion Heilbronn zu werben. Im Anschluss an dieses Gespräch ist die Weinverkostung mit dem Genussprofi auf den Folgeseiten nachzulesen. Von Robert Mucha, Fotos: Ulla Kühnle Das Besenprinzip Hanix: Lisa, wie bist Du auf den Wein gekommen? Hast Du dein Hobby zum Beruf gemacht? Lisa Neubauer: Ich bin ein Gastro-Kind. Ich glaube, das ist die netteste Formulierung. Meine Eltern sind Gastronomen, seit ich denken kann. Also hatte ich ebenfalls mit Wein zu tun. Die Passion für Wein habe ich bekommen, als ich als Siebenjährige in den Weinkeller meines Vaters durfte. Ich fand die Etiketten so toll und war gewillt, eine Liste anzufertigen. Da habe ich gesagt: »Papa, ich fertige jetzt eine Liste an, was du alles im Keller hast.« Du bist Sommelière im Gourmet-Restaurant Handicap in Künzelsau. Wie sieht dein Joballtag aus, was muss man als Sommelière können und wieviel Liter Wein spuckst Du am Tag aus? 58 Ja, man spuckt wirklich viel aus. Sonst bin ich mittags bereits voll wie eine Haubitze. Wenn ich verkoste, trinke ich nicht, sondern bewerte den Wein. Das würde keinen Sinn ergeben. Was wirklich Gutes spuckt man natürlich ungern aus. Da trinkt man gerne einen Schluck. Der Arbeitsalltag einer Sommelière ist abhängig davon, womit man sich beschäftigt. Es gibt die Sommeliers, die nur Wein ausschenken. Die bereiten ihre Weinstationen vor, gucken, dass ihre Weine alle da sind, dass die richtigen Gläser da sind und warten dann, bis der Kellner sie an den Tisch lässt, dass sie Wein verkaufen können. Ich bin allerdings ein Sommelier ohne Porzellan-Allergie, ich trage ebenfalls Teller. Davor habe ich keine Angst. Sommelier ist übrigens nicht nur ein Weinberuf. Wir kennen uns mit Spirituosen, Cocktails, Tee, Kaffee, Zigarren, Käse, und allem, was mit Kulinarik zu tun hat, aus. Wir sind für den Genuss zuständig. Das heißt, meine Vorbereitung beginnt mit der Frage: Ist alles da? Sind die Tische sauber eingedeckt? Steht alles? Sind meine Gläser fertig? Habe ich genug Weine da? Habe ich noch ein paar Spirituosen? Muss ich noch ein bisschen was vorbereiten? Dann ist eigentlich das Wichtigste, dass der Gast kommt. Meine Arbeit beginnt, indem ich dem Gast zuhöre. Vorher kann ich nicht sagen, was passiert. Ich muss das alles auf den Gast individuell einstimmen. Schon mal bei einer Weinverkostung nicht eingesehen, einen besonders leckeren Wein auszuspucken und einfach runtergeschluckt? Wenn ich über eine Messe laufe oder bei einem Winzer verkoste und da ist ein Wein, bei dem ich sage ›Geil, da habe ich Bock drauf‹, dann mache ich das. Bin ich in der Verkostung für einen Wettbewerb oder für eine offizielle Prüfung, mache ich das definitiv nicht. Da geht es nur um das Analytische, da bricht man sehr runter und versucht ganz andere Aspekte zu greifen. Da lasse ich die Emotionen weg. In diesen Situationen fokussiere ich mich auf die Fragestellungen: Ist der Wein sauber? Ist er gut gemacht? Ebenfalls, wenn er mir nicht schmeckt: Ist er gut gemacht. Steckt ein tolles Handwerk dahinter. Da muss ich dann wirklich alles ausspucken. Das außergewöhnlichste Aroma, dass ein Kollege oder Du bisher in einem Wein erschmeckt haben? Z. B. Feuchter Laubboden oder Red Bull … Die Klassiker grenzen sich dadurch ein, dass es das ist, was die meisten Leute kennen. Wenn jemand in einen Wein reinriecht und oft Kirschen oder spezielle Beeren isst, erkennt derjenige diese Aromen eher, als wenn ich jetzt mit Kumquat oder sonst was anfange. Feuchter Waldboden wird gern genannt, weil damit neben einem Geruch auch eine Stimmung erklärt werden kann. Wenn man durch den Wald läuft, nachdem es genieselt hat, em- JUNGE WINZER Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 pfinde ich ein erdiges, würziges Aroma. Ich mag das, unabhängig vom Wein, durch den Wald zu laufen und ihn riechen. Das ist eine besondere Stimmung. Das riecht man natürlich. Man kann von Menthol-Typen in Weinen, z. B. Eukalyptus, bis hin zu Pferdeschweiß und nasser Hund, alles Mögliche riechen. Welche typischen Aromen produzieren Weine aus unserer Region? Wenn man guckt, was die alteingesessenen Herren und Damen hier gerne trinken, haben wir immer sehr viele rote und dunkle Früchte. Wir haben in Württemberg Rotwein, dass einem schwindlig wird. Wir haben hauptsächlich Rotwein von der Anbaufläche her, jedoch unglaublich tolle Weißweine. Ich bin selber sehr großer Weißweintrinker und werde hier in Württemberg echt glücklich mit meiner Weißweinauswahl. Wir finden viele rote, tiefe Früchte. Kirsch finde ich einfach sehr schön. Was immer sehr viele Leute, wenn sie in Rotwein reinriechen riechen, ist schwarze Johannesbeere. Solche Aromen haben wir hier. Durch das Klima können wir Kraft in unsere Rotweine bringen. Da wird alles immer ein bisschen schwerer. Das heißt, dunkle rote Früchte werden immer präsent sein. Und, weil unsere Winzer natürlich auch viel mit Holz arbeiten, wird man ein bisschen an Kaffee, Röstaromen oder Vanille erinnert. Pfeffer ist ebenfalls ein bisschen vertreten. Alles, was so ein bisschen Kraft gibt, kann man riechen. Man darf eines nicht vergessen: Alles, was man riecht, ist eine subjektive Meinung. Es ist ein persönliches Empfinden. Gibt es Gerichte oder Lebensmittel, zu denen Du keinen Wein empfehlen würdest? Oder gibts zu allen Speisen auch den passenden Wein als Begleitung? Es gibt eigentlich zu allen Speisen den passenden Wein. Was jedoch immer ätzend ist, ist Suppe. Aus dem einfachen Grund, dass man eine warme Flüssigkeit löffelt und eine kalte hinterher trinkt. Flüssigkeit und Flüssigkeit zusammen, ist immer schwierig. Ich finde, man hat weniger Lust, etwas zu trinken, während man eine Suppe verspeist. Also gibt es einen passenden Wein zu Döner? Logisch. Wir haben was Fettiges, wir haben was Kräftiges. Wir haben hier so viele geile Rotweine, die man sich dazu sofort ziehen kann. Ich würde einen geilen Trollinger zum Döner trinken. Unser Kolumnist Oliver Maria Schmitt hat früher den hiesigen Wein ausschließlich zum Kochen verwendet, inzwischen trinkt er ihn auch. Ist der Wein von hier besser geworden in den letzten Jahren? Wir haben in den letzten Jahren mehr gute Weine hier entdeckt. Es gab aber vorher bereits einige Sachen, wo wir uns definitiv nicht verstecken müssen. Ich habe Weine aus den Neunzigern und aus den Achtzigern aus Württemberg getrunken, aus dem Barrique, wo ich sage: Alter Vater, geil. Württemberg bekommt inzwischen aber endlich mehr Augenmerk, weil die jüngeren Winzer die Welt gesehen haben, sich mit anderen Sachen beschäftigen und es ihnen darum geht: Was trinke ich gerne? In Württemberg waren wir immer davon verwöhnt, dass unsere Eltern zum Winzer gefahren sind, haben sich zwölf, 24 Liter-Pullen Riesling oder Trollinger-Lemberger geholt. Das war der Schoppen. Das ist unser Schorle-Wein. Das war normal, dass man Wein zu was getrunken hat. Jeder hat so seine Lieblinge, ob weiß oder rot, gehabt. Es ging jedoch nicht darum, dass man sich ein schönes Glas nimmt, da einen geilen Wein rein packt und genießt. Die jungen Winzer wollen Qualität haben. Ich trinke schon mal eine Schorle, wenn es sein muss. Wenn ich jedoch dafür einen geilen Spätburgunder kriege oder einen coolen Lemberger, dann ist mir die Schorle wurscht. So viele junge Winzer sind einfach mal auf den Trichter gekommen, zu sagen, ich mache jetzt was, wozu ich voll Bock habe, das selber zu trinken. Man merkt, dass die INTERVIEW MIT LISA NEUBAUER Passion einfach dahinter ist, dass wir Qualität brauchen. Genauso wie bei unseren Speisen. Wir brauchen gutes Fleisch. Wir müssen nicht jeden Tag Fleisch essen. Ich bin ein Gegner von jeden Tag Fleisch essen und ich liebe Fleisch. Wir brauchen jedoch gutes Fleisch. Wir brauchen gutes Gemüse. Wir müssen uns Zeit nehmen zum Kochen. Genau das müssen wir beim Wein genauso machen. Dieses ganze Thema Genuss sollte man einfach setzen. Das können wir Württemberger verdammt gut. Ganz ehrlich: Hausgemachte Maultaschen von meiner Mama, darüber lasse ich mal gar nichts kommen. Da können sie mir Trüffelnudeln in Berlin oder sonst wo machen, das ist mir wurscht. Mich zu Mamas Maultaschen auf die Terrasse setzen, mit meinen Eltern eine tolle Flasche Wein aufmachen und vor allen Dingen einfach mal die Seele baumeln lassen – darum geht es. Wir Schwaben sind dafür bekannt, dass wir uns in der Besenwirtschaft gemütlich hinsetzen. Wir haben so viele coole Besenwirtschaften. Es wird immer schwerer, ein gutes Gasthaus zu finden. Genießt das. Eine fette Bratwurst dazu und einen geilen Rotwein. Einfach dieses, nicht drüber nachdenken, sondern es genießen. Das machen wir Württemberger echt gut. Wir müssen uns nur fieser behaupten, als andere. Weil wir diesen Stempel mit dem Viertelesschlotzer einfach haben. Welchen Anteil haben junge Heilbronner Winzer am Qualitätssprung? Ich glaube, den Anteil haben sie sich eingeheimst und da braucht man gar nicht drüber diskutieren. Sie haben ihre Eltern, die ihnen immer diese Grundstilistik in die Wiege gelegt haben. Sie haben praktisch schon immer gewusst, wie man Wein in Württemberg macht – also wie ihn Papa oder Mama macht. Jedoch trinken sie qualitativer. Sie gucken sich das Burgund an. Sie gehen nach Australien. Sie gehen nach Neuseeland. Sie sehen sich alle möglichen abgefahrenen Weinziele an, deren Weine hier überhaupt nicht machbar sind aufgrund vom Klima, aufgrund vom Boden, aufgrund von der Rebsorte. Sie gucken sich andere Leute an. Nach dem Motto: Hey, was gibt es auf der Welt? Das haben die Jungen gemacht. Die sind rausgegangen und sind – das ist das Schöne – wieder zurückgekommen und haben gesagt, hier ist es geil. Diese Haltung: Ich habe die Welt gesehen, ich gucke mir andere Winzer an, andere Stilistiken und komme dann wieder nach Hause, das ist der Knackpunkt. Unsere jungen Winzer hier in Württemberg kommen wieder zurück. Yes! Württemberger Wein hat im Vergleich zu anderen deutschen Weinregionen ein ausbaubares Image. Warum eigentlich? Und immer noch zurecht? Wir schleppen einen kleinen Rucksack mit. Da ist einfach dieses Image vom schon angesprochenen Viertelesschlotzer und Schorle-Trinker mit den kleinen Henkelgläsern und den Senioren auf den Weinfesten, die die ganze Zeit nur Wein aus Literflaschen mit Schraubverschluss trinken – ihren Trollinger Lemberger. TL, TL, TL. Überregional entstand das Bild: Die trinken nichts Gescheites, wieso soll dann was Gescheites daher kommen. Wenn man jetzt die Winzer fragt, geht die Literflasche derbe zurück. Und da ist keiner böse drum. Das ist aber das, was Württemberg trotzdem immer nachhängen wird. Inzwischen mache ich mit vielen Leuten aus dem deutschen Raum, egal, wo sie herkommen, eine Flasche Württemberger auf und keiner hat sich bisher jemals beschwert. Warum hat Heilbronner Wein bei Weinliebhabern eine Chance verdient? Wegen der Vielseitigkeit. Weil es schmeckt. Weinliebhaber gehen oft ebenfalls auf die Diskussion über Region ein. Was haben wir hier für einen Boden? Was haben wir für Rebsorten? 59

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Wie sind sie ausgebaut? Was ist die Stilistik? Was für ein Klima herrscht? Da kann man wirklich in die ganzen Nerds reinbuddeln, wie man möchte. Wir haben hier das Glück, sehr, sehr idyllisch zu liegen. Ganz ehrlich, wer braucht aus einer Stadt raus ungefähr zwei Minuten und sitzt in den Weinbergen und guckt einfach mal so ein bisschen durch die Gegend? Wir haben ein unglaublich schönes Weintrinkergefühl. Nicht nur das im Glas, sondern wir haben das Optische dazu. Ich glaube, die Weintrinker, die wirklich gerne Stilistiken trinken, die sagen, ich trinke gerne Riesling, ich trinke gerne Sauvignon Blanc, werden hier fündig. Wir haben hier einen geilen Sauvignon Blanc. Wir haben ebenfalls guten Riesling. Wir haben top Lemberger. Es gibt wirklich in sehr vielen Verkostungen, bei sehr vielen Preisen, einen Heilbronner, der vorne dabei ist. Es gibt so viele Heilbronner Winzer, die für ihre Weine hochgelobt werden, die damit jedoch nicht prahlen müssen. Wir Heilbronner schreiben keine Rezessionen oder posten irgendwas auf Facebook. Weil wir das nicht müssen. Es gibt unsere Mund-zu-Mund Propaganda. Wir teilen das gerne mit Freunden und sagen: Du willst einen geilen Heilbronner? Pass auf, geh mal dahin, kauf dir davon sechs Flaschen. Das, was wir hier in Heilbronn machen, ist dieses untereinander tauschen. Das können wir den Weintrinkern nur mitgeben. Ich merke es, wenn ich jemandem was Württembergisches mitbringe. Wir Württemberger kamen ebenfalls auf den internationalen Messen super an. Wir sind halt Schwaben: Nichts gschwätzt ist globt gnug. Wir müssen uns nicht gegenseitig auf ein Treppchen heben. Wir machen es, indem wir sagen, okay, da hole ich mir sechs Flaschen, anstatt darüber für einen Facebook-Post zwei Fotos und eine Bewertung abzusetzen. Das Heilbronner Weinland wirbt für sich mit dem USP »Deutschlands größte Rotweinregion«. Man setzt auf Quantität, um Weintouristen anzulocken. Das richtige Marketing-Pferd oder hättest Du einen anderen Slogan als Vorschlag? Ich würde auf diese Heilbronner Geselligkeit setzen. Wobei ich der Meinung bin, dass das jede Anbauregion in Deutschland hat. Weil wir alle gerne Wein trinken. Das ist das Schöne an Deutschland. Was ich schwierig finde, zu sagen, ich werbe mit dem Attribut, die größte Rotweinregion zu sein. Was gerade mitschwingt: Wir haben eine riesengroße Fläche für ganz, ganz viele rote Trauben. Man sollte ein bisschen mehr auf unsere Qualität aufmerksam machen. Ich glaube, man sollte darauf setzen, die Jungen mit ins Boot zu nehmen und einfach damit zu vermarkten. Ich trinke zum Beispiel gerne bei uns auf der Couch oder bei meinen Eltern auf der Terrasse mit meinem Vater ein Glas Wein. Da sind zwei Generationen, die eigentlich verschiedene Weintypen trinken würden. Dennoch haben wir Spaß an gutem Wein. Man sollte, glaube ich, signalisieren, dass wir in Württemberg die ganz alten Weintrinker haben und die ganz jungen Weintrinker und alle können sich an einen Tisch setzen. Das Besenprinzip. Warum wirbt man nicht mit einem Besentisch? Wir Schwaben sind zwar manchmal ein bisschen verhalten, im Besen jedoch geht es. Werbt doch einfach damit, dass wir zusammensitzen. Dass da Opi und Omi, die man praktisch anschreien muss, wenn sie einen verstehen sollen, sitzen. Dann hat man hier die 16-, 17-jährigen, die an ihrem süffigen Muskateller trinken und sich praktisch den Zucker flüssig einführen. Und die jungen Erwachsenen, die so langsam anfangen, qualitätsvoll trinken zu wollen. Man hat die verschiedenen Ebenen des Weintrinkers. Man fängt süß an. Dann wird man ein bisschen filigraner. Später wird es ein bisschen schwerer. Danach kommt die Schorle, weil irgendwann ist es zu viel Säure. Diese Bandbreite müssen wir zeigen. Die Bandbreite von jung nach alt. Und alle trinken sie das gleiche. ◆ Hanix Nr. 61 ab der spielzeit 2019/2020 kino- und theater-abo 3 x KINO + 3 x THEATER JE 3 WAHLGUTSCHEINE FÜR DAS THEATER HEILBRONN* UND DAS KINOSTAR ARTHAUS-KINO HEILBRONN *Die Theatergutscheine gelten für die 2. Preiskategorie und sind für Schauspielvorstellungen im Großen Haus und im Komödienhaus einlösbar (Sonderveranstaltungen ausgenommen). Abopreis: 73,20 € / 45,60 € (erm.) kino- und theater-abo 60 MYSTERY HEILBRONN

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LISA NEUBAUER hat mit uns sechs Heilbronner Weine verkostet. Alle sind mindestens einen Schluck wert. Protokoll: Robert Mucha SECHS UNIKATE VON DREI HEILBRONNER WINZERN Hanix Nr. 61 ALEXANDER BAUER hat sehr viel Kraft in seinen Weinen, was das kräftige, knackige Säurespiel im Sauvignon angeht, als auch einfach ausdrucksstarke Weine. Das passt gut zu den Themen »Besen« und »zünftig«. Aber es ist auch sehr modern, eine weit denkende Stilistik. Man merkt, dass er sich viele Gedanken gemacht hat und sich weiterentwickeln möchte. Man spürt, dass es etwas ist, woran er gearbeitet hat. Bei MARKUS DRAUTZ ist es eine alteingesessene Stilistik. Er mag das, was er tut, und darauf hat er jetzt Lust. Man merkt diese Leidenschaft, die ihn lenkt, und dass er diese Ideen, die er hat, ausleben will. Ich finde, sein Fumé blanc ist ein schönes Beispiel dafür. Und dann haben wir TOBIAS HEINRICH, der das Familienweingut repräsentiert, wo alle ein bisschen mitmachen, und der etwas Klassisches hervorbringt. Die Scheurebe, wie er sie macht, schmeckt super. Flasche auf, Spaß im Glas. Und trotzdem hat es etwas Unkonventionelles, einen burgundischen, französischen Einfluss. Ein Unikat. FAZIT: Wir haben hier sechs Unikate stehen und alle trinkt man gerne. Und die sind nur von drei Winzern. Wir haben davon in Heilbronn noch einige mehr. So viel falsch machen kann man nicht. Man geht zum nächsten Winzer und probiert es aus. Es ist toll! 61

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ALEXANDER BAUER » Ich bin schon Feuer und Flamme, wenn jemand sagt, dass ein Junger ein Weingut mit Besenwirtschaft und die Fremdenzimmer übernimmt. Alexander Bauer hat das getan, mit seinen Eltern hinter sich. Seine Weine sind sehr kräftige und ausdrucksstarke Rotweine. Er mag es also schon sehr mit Wumms. Hanix Nr. 61 Der Wein: Ein blauer Zweigelt R von Alexander Bauer. Ein Reserve, der entsprechend ein bisschen im Holz gelagert wurde. Der Zweigelt ist eigentlich typisch für Österreich. Das sind einfach keine Rebsorten, die wir sonst in Württemberg haben. Was aber wieder zeigt, dass wir in Württemberg echt ein Händchen für Roten haben können. Wenn man bedenkt, dass Alexander Bauer eigentlich für kräftige Rotweine steht und man den Zweigelt auch sehr easy-drinking ausbauen kann, hat dieser Wein Ausdruck und Kraft, ist aber trotzdem süffig! Es ist ein kräftiger Wein und etwas für jemanden, der gerne Rotwein trinkt, ohne gleich die ganz schweren Kaliber herauszuholen. Das ist reine Eleganz! Diesem Wein will ich das kleine Schwarze anziehen! Denn: Er ist einfach etwas Geradliniges. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Ich glaube, das wäre mein Wartezeit-Wein. Man kennt das: Man ist verabredet, aber die Verabredung ist zu spät. Und zwar nicht fünf Minuten, sondern eher eine Stunde. Ja, dann 62 ROT macht man diese Pulle auf! Dann ist das Warten wenigstens nicht ätzend. Der perfekte Begleiter für: Zu irgendetwas Zünftigem. Den würde ich auch zu einem gut gewürzten Tatar trinken oder zu Maultaschen. Nein, fette Bratwurst! Ja, so eine grobe Bratwurst! Nur mit Besenbrot dazu, geiler Shit. Ist ein Wein für: Für spontane Rotwein-Trinker, die es nicht vorhatten. Ist kein Wein für: Für die Prosecco-Fraktion. Definitiv nicht. Sonstiges/Besonderheit: Eine klassische österreichische Rebsorte in Württemberg, funktioniert ganz gut anscheinend! JUNGE WINZER

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Hanix Nr. 61 WEISS Bei seinen Weißweinen merke ich, dass viel Säure eine Rolle spielt. Sie schmecken knackig und frisch. Dieses Kräftige, Voluminöse passt auch perfekt zur Besenküche, und das zusammen aufzugreifen, finde ich unglaublich cool. Wenn ich einfach in eine Besenwirtschaft gehe und ich kann einen verdammt leckeren Sauvignon Blanc in einem Besen trinken, dann finde ich das schon ziemlich beeindruckend. « Der Wein: Sauvignon blanc R von Alexander Bauer. Also ich gehe schwer davon aus, dass er den Wein im Fass schön brav gelagert hat. Man riecht das warme Holz. R steht für Reserve, also einfach für ein bisschen gelagerte Weine, meistens im großen Holz. Das ist ein schönes Beispiel für einen Weißwein im Holz. Wir haben Gott sei Dank schon lange begriffen, dass wir Weißwein auch ins Holz packen können. Das ist für mich ein Beispiel für einen eleganten Wein. Für mich ist das so ein mineralisches Spiel. Man hat Säure und Frucht und es ist nichts überdominant. Nichts ist anstrengend im Mund. Mein Vater, als alter Smokingträger, ist da Inspiration: Eleganter Wein, dem ziehst du einen Smoking an und der steht ihm. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Das ist so ein Wein, den schenkt man ein, wenn man seinen zukünftigen Schwiegervater fragen will, ob man seine Tochter heiraten darf. Der setzt, aber macht auch wach und aufnahmefähig. Er macht den Jungen mutig und frisch. Und der Ältere, der lehnt sich zurück. WEINVERKOSTUNG Der perfekte Begleiter für: Dazu schmeißt man eine Runde Fisch auf den Grill und reicht ein paar fertige Soßen dazu. So eine selbst gemachte Mayo oder eine Knoblauchcremesoße. Und von mir aus ein bisschen Gemüse. Ist ein Wein für: Für Urlaubs- und Launetrinker. Für die pralle, warme Sonne. Ist kein Wein für: Omas. Die würden jetzt sagen: Da haben wir ein Problem mit der Säure. Sonstiges/Besonderheit: Der Holzeinschlag, den er hat. 63

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MARKUS DRAUTZ » Markus Drautz betreibt das Weingut mit seiner Frau Stephie und seiner Mutter Monika. Und man merkt, dass wirklich ein Zusammenhalt existiert. Man erkennt aber auch: Markus Drautz hat seinen Kopf. Ich finde Winzer toll, die einfach sagen: »Darauf habe ich jetzt Lust.« Und das hat Markus mir gezeigt. Als er mir zum ersten Mal seine etwas naturbelasseneren Weine, bei denen sie sich ausprobiert und ein bisschen herumgesponnen haben, zeigte, fand ich das toll. Hanix Nr. 61 Der Wein: Der BF 17 von Markus Drautz. BF steht für Blaufränkisch. Bei Blaufränkisch ist Österreich der absolute Vorreiter. Was viele Württemberger Gott sei Dank wissen, jedoch nicht alle, Blaufränkisch ist Lemberger. Was wir hier haben, ist das Naturprodukt schlechthin. Hier wurde nur mit den Füßen gestampft und mit den Händen ausgedrückt. Das Ding hat keine Maschine gesehen. Wir machen hier in Württemberg Handarbeit. Das ist körperlich anstrengend. Das ist für mich ein Wein, der in Erinnerung ruft, was unsere Winzer hier machen. Unsere Winzer haben natürlich technischen Fortschritt. Einzelne Weine, wie diesen, kann man aber super mit dem eigenen Körper machen. Ich würde den BF 17 ein wenig gekühlt trinken. Und: Der braucht Luft. Gebt ihm etwas Zeit zum Atmen. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Vor großen Entscheidungen oder beim Sinnieren mit Freunden. Wenn plötzlich Diskussionen über wichtige Themen wie Politik, das Ungerechte der Welt und alles, was eigentlich so ein bisschen runterzieht, starten: Ich glaube, das fände ich mit einem BF 17 angenehmer. 64 ROT Der perfekte Begleiter für: Guten Metzgerschinken. Das klingt so plump. Manchmal braucht man nur ein einziges Ding. Ok, so ein bisschen Besenbrot ist nie verkehrt und von mir aus ein paar Oliven oder Gewürzgurken. Ganz zünftig. Ist ein Wein für: Es ist ein Wein für Möchtegern-Philosophen – und für die echten natürlich auch. Ohne das jetzt böse zu meinen. Der BF 17 kann das angesprochene Sinnieren sicher unterstützen. Ist kein Wein für: Graue Mäuschen. Ich sitze in einem Freundeskreis ganz allein im Eck und möchte auf keinen Fall sagen, worauf ich Lust habe. Bei diesem Wein musst du was sagen können. Sonstiges/Besonderheit: Das Handgemachte. Das ist ein schönes Beispiel, um zu zeigen, was passiert, wenn man Handarbeit walten lässt. Ist wie so ein kleines Schmuckstück. JUNGE WINZER

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Hanix Nr. 61 WEISS Es ist eine andere Stilistik und es ist nichts für den klassischen Weiß- oder Rotweintrinker, sondern man muss offen dafür sein. Ich finde, er hat vor allem mit seinem Sauvignon Blanc sein absolutes Steckenpferd gefunden. Besonders die Hades-Version mit Barrique trinke ich gern flaschenweise. Das macht Spaß! « Der Wein: Ein FB 16 von Markus Drautz. Wenn man sich damit beschäftigt, kann man rausfinden, dass FB für Fumé blanc steht. Fumé blanc ist ein Sauvignon blanc im Barrique-Fass ausgebaut. Was hier auffällt: Der wirkt so ein wenig trüb. Das Ding ist nicht filtriert und wurde so gelassen, wie er ist, der Wein hat auch erst kurz vor der Abfüllung Schwefel gesehen. Darauf kannst du kauen, das hat Power. Das ist so ein Weißwein, der braucht Sturzbelüftung. Markus hat mir das gezeigt. Eine Milchflasche und die Flasche da einfach Sturz reinhauen. Und so kaltstellen. Geil. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Wenn man sich vollgefressen hat und eigentlich einen Schnaps braucht, würde ich mir davon ein Glas einschenken und mich Zurücklehnen. WEINVERKOSTUNG Der perfekte Begleiter für: Da kann man das richtige Fleisch dazu essen. Für Fleisch brauche ich Rotwein und für Fisch brauche ich Weißwein: Bullshit. Diesen Wein nehme ich zum Grillen raus. Wir brauchen nicht mehr diese klassischen Regeln und sollten offen für Neues sein. Ist ein Wein für: Der FB 16 ist wirklich ein Wein für mutige. Ist kein Wein für: Oh, für viele ist das nichts. Das ist kein Wein für Mädchen. Sonstiges/Besonderheit: Fumé blanc als Sauvignon blanc Barrique und unfiltriert ist schon mal nicht geschönt. Das ist schon mal das, was diesen Wein absolut ausmacht. Und das ist gehaltvoll. 65

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TOBIAS HEINRICH » Bei Tobias Heinrich finde ich sehr beeindruckend, dass er auf dieses Natürliche, das spontane Vergären ohne Hefe und den Bioausbau, setzt. Hanix Nr. 61 Der Wein: Ein Trollinger Non Traditionel von Tobias Heinrich. Wichtig ist, das nicht Englisch auszusprechen, sondern Französisch. Tobias war lange in Burgund und die französischen Züge hat man hier schon sehr, dieses rot-fruchtige. Der TNT ist äußerst naturbelassen, dabei süffig und fruchtig. Er hat nichts Schweres. Eindeutig die Handschrift von Tobias Heinrich. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Ich finde, das ist ein nachmittags- oder Mittagswein. Früher war das üblich, zum Mittagessen ein Glas Wein zu trinken. Dann wurde es etwas verpönt. Zurück zum Mittagswein! Zurück dazu, mittags mal eine Pulle aufzumachen mit seinen Freunden. Vielleicht nicht grade fünf Flaschen. Aber hey, eine Halbe geht auch. Der perfekte Begleiter für: Mein Vater macht zu Hause immer schwäbische Bruschetta mit Schwarzwurst, Blutwurst und Oliven. Klar, natürlich auch Tomatensoße. Alles ein bisschen cremiger mit leicht geröstetem Besenbrot und ich mache die Pulle TNT dazu auf. 66 ROT Ist ein Wein für: Das ist ein Wein für Leute, die sich zurücklehnen können. Die nicht nachdenken, sondern einfach mal sagen: Prost und die Klappe halten. Ist kein Wein für: Es ist kein Wein für die Etikettentrinker dieser Welt, die »Weinwappler«. Wir lachen dann immer ein bisschen. Meistens haben sie keine Ahnung, wie das Ding schmecken sollte. Für die ist es nichts. Sonstiges/Besonderheit: Die Besonderheit ist wirklich das Etikett. Also das einfache Trinken, das gemütliche Trinken ist großer Fokus. Man hat die Heilbronner Farben mit drauf, aber es sind auch die Französischen. Das mit dem Melken der »Schwabenmilch« finde ich geil. Und den Mittelfinger, der sagt: Was wollt ihr eigentlich? Das ist ein geiler Wein, unkompliziert kommt er und sagt: Lass mich doch einfach so sein. JUNGE WINZER

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Hanix Nr. 61 WEISS Er guckt, dass er im Weinberg naturnah arbeitet. Und man muss auch definitiv sagen, dass er seine burgundischen Einflüsse nicht leugnen kann. Er arbeitete im Burgund und von dort hat er einiges mitgebracht. « Der Wein: Eine 2018er Scheurebe von Tobias Heinrich. Sie ist keine große Rebsorte, wie die typischen Riesling-Größen, die wir sonst so haben. Es ist eine Bukett-Rebsorte. Das heißt, ich habe eine extrem fruchtige Nase und das finde ich schon cool. Viele Junge fangen ein bisschen mit süßlicheren Weinen an, wie man so sagt. Also mit mehr Restzucker. Was aber hier sehr schön ist, dass der Wein sehr frisch wirkt. Meistens ist das Problem, dass die Scheurebe so süße Beine hat, extrem latschig wirkt. Als würde man auf Honig kauen. Aber die Scheurebe von Tobias Heinrich hat wirklich ein extrem gutes Säurespiel. Das ist etwas Frisches. Trinkt sich zu folgendem Anlass am besten: Beim mit ein paar Freunden auf der Terrasse sitzen. Es ist gerade noch warm genug, man braucht keine Jacke und dann die Flasche aufmachen. Also total unkompliziert. So ein richtig schöner warmer Sommerabend, mit vier, fünf Kumpels und einfach trinken. WEINVERKOSTUNG Der perfekte Begleiter für: Was ich cool dazu fände, wäre was fischiges. Etwas sehr Leichtes, z. B. eine Lachs-Sahne-Soße, ein paar Bandnudeln, ganz unkompliziert. Ein bisschen Räucherlachs reinschneiden, dass man mehr Würze hat. Und das dann ganz frisch halten, also wirklich so wie ein Frühlings- oder Sommergericht! Ist ein Wein für: Das ist ein Wein für Stimmungstrinker. Ist kein Wein für: Für die dicken Rotweinschinkentrinker ist es definitiv nichts. Sonstiges/Besonderheit: Einfach kein zu kleines Glas nehmen. Was ich immer bei Weißwein sage: Greift nicht zum Schnapsbecher! 67

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Die Zukunft ist weiblich! Ja, klar, wissen wir doch. Gebetsmühlenhaft wird es unablässig beschworen: Die Frauen sind auf dem Vormarsch in Wirtschaft und Gesellschaft. Na gut – ein bisschen – auch in der Politik. Aber bei Heilbronner Wengertern? Von Dorothea Braun-Ribbat Foto: Meli Dikta orientierten sich in ihren Lehrjahren bereits auswärts und machten dann ihren Techniker in Weinsberg. Und die Young Generation? Die hat sich in Sachen Weinbau erfolgreich im In- und Ausland getummelt, kommuniziert auf schnellen Wegen, im World Wide Web via Social Media und knüpft eifrig an und in diversen Netzwerken, verbindet sich mit Kolleg*innen ihrer Generation über Landes-Weingrenzen hinweg. So ist Viola Albrecht auch Mitglied bei »Vinissima - Frauen und Wein e. V.«, dem (einzigen) deutschen Frauen-Wein-Netzwerk. Doch, es scheint wirklich so zu sein: Die Zukunft im Weinbau ist – oder wird zumindest zunehmend – weiblich. Das Beispiel dieser jungen Heilbronner Winzerin lässt das jedenfalls sehr hoffen. Her mit der Krone #Wein #weiblich #Württemberg Ja, doch, es gibt sie, die jungen Wein-Frauen wie zum Beispiel Viola Albrecht. Eine Winzerin mit klassisch weiblichem Profil: RMG – Abitur mit den Leistungsfächern Mathematik, Physik und Chemie. Bachelorabschluss in Önologie an der Geisenheim University. Arbeitsaufenthalte in Europa und Übersee: Marlborough/Neuseeland und Romagna/Italien. Seit einem Jahr ist sie nun in Heilbronn voll eingestiegen in Keller und Kontor des Weinguts Albrecht-Kiessling, des bekanntlich idyllisch unterm Wartberg in Heilbronn gelegenen elterlichen Betriebs. In der Tat, so ein Werdegang ist nicht untypisch für junge Winzer*innen aus traditionsreichen Weinbau-Familienbetrieben. Opa ging damals in die Berufsschule und »schaffte« daheim mit. Vater und Mutter Auch wenn es in Herz und Hirn einiger (älterer) Weinfunktionäre noch nicht so richtig angekommen ist, das Bild von der dekorativen Weinkönigin samt ihren liebreizenden in Dirndl gewandeten Prinzessinnen ist längst passé. Viola Albrecht hat ihre jüngst zurückliegende Amtszeit als Württemberger Weinprinzessin aktiv und intensiv genutzt, um als Genussbotschafterin für die Weine Württembergs zu werben. Natürlich gehörte es auch zu den klassischen Aufgaben einer Weinhoheit, mit ihrem Krönchen geschmückt der Eröffnung von Weinfesten beizuwohnen. Aber anstatt Weinverse aufzusagen und den Pokal »Zum Wohle« zu erheben, sah und sieht sie ihre wesentliche Aufgabe darin, die Württemberger Weinregionen in ihrer jeweiligen Besonderheit vorzustellen, die Typizität von Unterländer-, Remstäler- und Bodenseeweinen hervorzuheben und Lust am Genuss zu wecken. Von wegen »Kenner trinken Württemberger« (der Button mit dem Trinkbruder, Sie wissen schon ...). Mit leichtem Florett hat Viola den Kampf gegen das problematische Image der Württemberger »Alte-Herren-Schlotzer-Weine« aufgenommen. Anstelle schwerer Geschütze in Form von plakativer Großwerbung mit Weinfestszenen im Hintergrund, bevorzugt Prinzessin Viola den Einsatz Hanix Nr. 61 68 JUNGE WINZER

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önologischer Kompetenz und die persönliche Aufforderung zu unkomplizierter Verkostung: »meet and greet«. sorgfältiger, aufwendiger Etikettenrelaunch markieren bereits den erfolgreichen Weg in das »Neue Zeitalter«. Hanix Nr. 61 Weinbau in der DNA? Ganz bewusst hat sich die junge Frau für einen Einstieg in den Heilbronner Familienbetrieb, seine Fortführung, aber auch seine Erneuerung entschieden. Beim Weingut Albrecht-Kiessling geht es um eine Jahrhunderttradition »alten reichsstädtischen Ursprungs« – wie Theodor Heuss in seiner Doktorarbeit von 1905 »Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn a.N.« vermerkt. Zum »Stand gezählt« wird in der väterlichen Linie der Name Albrecht und bereits 1475 im Beetbuch erwähnt. Die mütterliche Seite, Kiessling, wird im Kirchenbuch 1653 als dem »Stand« zugehörig ausgewiesen. Indes: Tradition und Geschichte sind ja gut und schön, aber wie ist es heutzutage um die Zukunft der Weingüter bestellt? »Wichtig ist, dass die junge Generation in die Betriebe kommt und Verantwortung übernimmt«, dafür hat sich Viola Albrecht entschieden. Ihre jüngere Schwester Luisa steht auch bereits in den Startlöchern und wird nach Abschluss ihres Studiums in Geisenheim ebenfalls in Heilbronn Im Breitenloch einsteigen. Ein Beruf in der Familientraditon, ein Arbeitsplatz im Drei-Generationen-Verbund, das ist nicht einfach zu bewältigen, das kann Fluch und Segen zugleich sein. Für die Winzerin (zu der Heilbronner Berufsbezeichnung »Wengerter« gibt es leider kein weibliches Pendant) überwiegen indes die Vorteile, die zu dieser Lebensentscheidung geführt haben. Jung, leistungsfähig, gut ausgebildet, frei im Kopf, hat sie noch nicht »diese ganzen Muster« (wie die Elterngeneration) ausgebildet und freut sich darauf, die Weiterentwicklung des Weingutes zu gestalten, das Profil zu schärfen und die Ziele zu präzisieren. Die makellose Außendarstellung und die vorbildliche Präsentation der Weingärtnerfamilie, wie es seither der Brauch war, ist das Eine. »Ich sehe unser Image eher anders, transparenter, lockerer. Es muss nicht immer alles perfekt sein, wir können auch mal Ecken und Kanten zeigen«, meint die junge Führungskraft selbstbewusst und gelassen. Individualität ist ihr allerdings sehr wichtig. »Der Betrieb braucht nicht zu wachsen, aber die Qualität unserer Weine muss weiterhin auf die Spitze getrieben werden.« Voilà, ein neues Logo und ein WENGERTERINNEN Viola viral Biedere Zeitungsanzeigen waren gestern (außer denen im Heilbronner Besenkalender - versteht sich). Virales Marketing ist angesagt, der Mix macht die Musik. In ihrer Bachelor-Thesis hat sich Viola Albrecht seinerzeit damit auseinandergesetzt, wie der Wein in das Alltagsleben der (jungen) Leute integriert und in den Lifestyle erfolgreich aufgenommen werden kann. Sie untersuchte, welche möglichen Veranstaltungsformate, Events und Aktivitäten geeignet sein könnten, positive Emotionen und angenehme Erlebnisse mit dem Wein zu verbinden. Eines dieser Projekte hat sie sich für den Praxis-Anfang ausgewählt und ist mit einer besonderen Veranstaltungsreihe erfolgreich an den Start gegangen: »After Work mit Viola« ist die neueste »must be part of«-Devise für die vinophile Community. An jedem letzten Donnerstag im Monat trifft man/frau sich im »Wohnzimmer am Wartberg«, dem attraktiven Neubau des Weinguts Albrecht-Kiessling. Das ist eine wunderbare Gelegenheit, – nicht nur für junge Leute – sich genüsslich von Violas Wein-Virus infizieren zu lassen. Wie denn? Zum Beispiel bei einer »Big Bottle Sekt-Party«. Da werden Magnum-Rieslingsekt-Flaschen mit dem Säbel geköpft und kunstgerecht von der Gastgeberin sabriert. Das ist prickelnde Animation, Sehen und Gesehenwerden, Action und Chill-out bei Wein und leckeren essbaren Kleinigkeiten. »After Work mit Viola« ist so bereits zum Selbstläufer geworden, hat sich als Format etabliert ohne in der Form zu erstarren und bietet jedes Mal unter neuem Motto Überraschungen mit und beim Wein. So war es ja schließlich auch gedacht. Erlebnisökonomie und Marketingstrategien hin oder her, die persönliche Begrüßung durch die Winzerin, die mit strahlendem Lächeln und verschmitzten Grübchen im Gesicht ihre Gäste einzeln willkommen heißt, ist die wirkungsvollste Marken-Message in Sachen Heilbronner Wein. »Die machet des richtig gut«, kommentiert anerkennend Oma Lisa Kiessling. Die, damit meint die Wengerterfrau ihre dynamischen Albrecht-Enkelinnen, von deren Aktivitäten in Sachen Wein sie sehr beeindruckt ist. Wo sie recht hat, hat sie Recht. Also: Auf die tollen Winzerinnen! Prosit – es möge nützen.. ◆ 69

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NIX FÜR VIERTELESSCHLOTZER! Hanix Nr. 61 EINE PORTRAITSTRECKE VON NICO KURTH 70

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CATHRIN BIHLMAYER Hanix Nr. 61 Alter: 33 Weingut: Weingut Bihlmayer, Löwenstein Ausbildungssatationen: - 2006: Seyfried Estates, Richmond, Neuseeland - 2006-2010: Studium in Geisenheim Weinbau und Önologie - 2008-2009: Nebenjob bei Weingut Georg Breuer, Rüdesheim - 2009-2010: Praxissemester Weingut Gies-Düppel, Birkweiler JUNGE WINZER Was macht dich bzw. einen guten Winzer aus: Das Leben, das wir führen, wertzuschätzen. Projekte optimistisch anzupacken. Authentische Weine zu erschaffen, die unsere besondere Heimat wiederspiegeln. Erster selbst gekelterter Wein: Ein 2007-er Müller- Thurgau, der war so lala Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Grauburgunder Lagenwein vom Löwensteiner Wohlfahrtsberg 71

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ANJA & SIMON GEMMRICH Alter: Anja 27, Simon 26 Weingut: Weingut und Edelbrennerei Gemmrich, Beilstein Ausbildungsstationen: Simon: Ausbildung Winzer: 2009: LVWO Weinsberg 2010-12: Weingut Karl Haidle KG (Remstal) Staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie: 2017-19: LVWO Weinsberg 2019: Jungwinzer des Jahres Anja: Weinbetriebswirtschaft: 2013-16: Hochschule Heilbronn 2016: Auszeichnung Weinprinzessin BaWü Praktikum: 2017: Neuseeland, Kumeu River Wines 2017: Neuseeland, The Hunting Lodge Winery 2019: Jungwinzer des Jahres Was zeichnet einen guten Winzer aus / Was zeichnet dich als Winzer aus: Simon: Liebe für den Beruf, Spaß an der Arbeit und Idealismus Anja: Spaß an der Arbeit, viel ausprobieren, sich auf neues einlassen zu können, 72 auf den Kunden hören, mit offenen Augen durch die Welt gehen, neue Ideen und Inspirationen aus anderen Branchen holen und über den Tellerrand hi nausschauen Erster eigener Wein: 2017 Muscaris Weißwein trocken, aus der „Unka puttbar“ Weinlinie PIWI Wein (aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten) Prämiert Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Muscaris – Besonderheit: im Beilsteiner Eichenfass vergorener Wein (sehr untypisch, besonders schmelzig) JUNGE WINZER Hanix Nr. 61

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WERBEARTIKEL PREISLISTEN PRINT-ON-DEMAND SCHNITTSTELLE ZU ERP-SYSTEM BESTELLPROZESS SHOP WEB-TO-PRINT BROSCHÜREN DRUCK PDF FLYER VISITENKARTEN FREIGABEPROZESS CI-KONFORM DRUCKVORLAGEN ZEITERSPARNIS TRANSPARENT BROWSERBASIERT KLEINSTAUFLAGEN VERSANDSCHNITTSTELLE LOGISTIK LAGERHALTUNGSKOSTEN PROZESS PERSONALISIERBAR PRODUKTPREIS AUTOMATISIERT PLATTFORM DIGITAL PUBLIKATIONSVERFAHREN KOSTENERSPARNIS EISBERGEFFEKT BLATTSAMMLUNG SIE HABEN viele wiederkehrende Druckjobs und möchten für Einkauf und Abwicklung zusätzliche Zeit sparen? WIR BIETEN eine schlanke, transparente und einfache Lösung. Komplett digital – von der Bestellung bis zum Versand! Dazu eine perfekte, moderne und ausfallsichere Druckproduktion. Lassen sie uns gemeinsam das bestmögliche System für ihre Belange finden! Ihr Ansprechpartner: Florian Mitzenheim Telefon: 07263/20986-24 f.mitzenheim@zieglerdruck.de www.crossmediaexperts.de info@zieglerdruck.de | Telefon: 07263 20986-0

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CHRISTOPH GOLTER Alter: 26 Jahre Weingut: Weingut Golter, Ilsfeld Ausbildungsstationen: Ausbildung Winzer: 2009-10: Destillateur und Winzer Gerhard Steng in Lauffen (Steng Lauffen) 2010: Weingut Zipf, Löwenstein 2011-12: Weingut Brennfleck, Sulzfeld am Main 2012: Praktikum in Kanada versch. Weingüter 2013-14: Weingut Fürst Hohenlohe Öhringen, Öhringen- Verrenberg Staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie (Techniker): 2014-16: LVWO Weinsberg Internationales Weinmanagement (B.A.) HS Heilbronn: Seit 2016 Was zeichnet einen guten Winzer aus / Was zeichnet dich als Winzer aus: Nachhaltiger und bedachter Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern, ausgeprägtes Fingerspitzengefühl im Weinausbau und gute Sensorik. Fokussierung auf die Herstellung qualitativ hochwertiger Weine. Erster eigener Wein: Lemberger – sehr kräftig und vielseitig Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Lemberger – trocken Reife Sauerkirsche und Dörrpflaumen, würzig-pfeffriger Abgang Hanix Nr. 61 74 JUNGE WINZER

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LARS HIEBER Hanix Nr. 61 Alter: 29 Jahre Weingut: Ökologisches Weingut Schäfer-Heinrich, Heilbronn Ausbildungsstationen: Ausbildung Winzer: 2006-08: Weingut Jürgen Ellwanger 2009: Weingut Stadt Lahr – Fam. Wöhrle Zivildienst: Betriebshelfer im Weinbaugebiet Praktikum: 2010: Südtirol, Weingut Manincor in Kaltern 2010: Südafrika, Saxenburg Wine Farm Staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie (Techniker) 2011-13: LVWO Weinsberg Was zeichnet einen guten Winzer aus / Was zeichnet dich als Winzer aus: Ich arbeite am liebsten mit den Händen. Wenn ich die Wahl habe, dann bin ich am liebsten allein im Weinberg. Man muss ein guter Beobachter sein, damit man agieren kann statt zu reagieren. Den Weinberg muss man leiden lassen, sonst bekommt der Wein keinen JUNGE WINZER Charakter. Ein Bewusstsein für die Umwelt ist wichtig, deshalb seit vielen Jahren Öko-Weinbau. Der elementare Punkt, um heute erfolgreich zu sein, ist eine gute Vermarktung. Erster eigener Wein: Ein Orange Wine, ein vergorener Naturwein, hergestellt zusammen mit meinem Vater. Es ist ein Weißwein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Lemberger – trocken (öko, vegan) Reifung im Barrique Holzfass fruchtig, kräftig und sehr intensiver Geschmack 75

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SILAS HOLZAPFEL Hanix Nr. 61 Alter: 26 Jahre Weingut: Weingut Holzapfel, Neckarsulm Ausbildungssatationen: Winzerausbildung: 2003-2005: G.A. Heinrich Heilbronn 2005-2006: Kurz-Wagner Talheim 2007: Weingut Holzapfel 2008: Hildenbrand Estate Südafrika 2008-10: Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker für Weinbau und Oenologie 2011: Weingut Holzapfel Was macht dich bzw. einen guten Winzer aus: Ein Alleinstellungsmerkmal, so dass die Weine eine eigene Handschrift tragen. Authentische und eigenständige Weine 76 produzieren und so nachhaltig wie möglich im Weinberg arbeiten und im Keller so wenig wie möglich eingreifen. Aus jedem Jahrgang einen hervorragenden Wein zu erzeugen. Erster selbst gekelterter Wein: ein Riesling trocken 2011 Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Cabernet Blanc trocken 2018, Geschmack nach Stachelbeere und Kräutern, dazu hat er eine feine Säure. Passt ideal zu Spargel aber auch solo ein Genuss. JUNGE WINZER

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WISSEN SCHAFFT ERLEBEN Hanix Nr. 61 Kann man mit Entspannung die Welt verändern? In der experimenta können neugierige Menschen zwischen 4 und 104 Jahren Wissenschaft neu begreifen. Anfassen ist erlaubt. Mitmachen ist erwünscht. Hier kann man entdecken und erfinden. Faszinierende Phänomene, einzigartige Laborwelten und spektakuläre Shows erleben. Möchten Sie mehr wissen? www.experimenta.science ERLEBEN SCHAFFT WISSEN DER ERLEUCHTETE 77

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JOHANNES SCHÖNBRUNN Hanix Nr. 61 Alter: 36 Jahre Weingut: Weingut Schönbrunn, Erlenbach-Binswangen Ausbildungsstationen: Ausbildung Winzer: 2000-02: Weingut Fürst Hohenlohe, Öhringen 2002-03: Staatsweingut Freiburg, Freiburg Praktikum: 2004: Weingut Kanu Wines, Südafrika, Stellenbosch Staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Oenologie: 2005-07:LVWO Weinsberg Seit 2009: GbR Weingut Schönbrunn zusammen mit seinem Vater Was zeichnet einen guten Winzer aus / Was zeichnet dich als Winzer aus: Spaß und Leidenschaft am Beruf, Freude an der Natur, guten Geschmackssinn was Wein angeht. Erster eigener Wein: Grauburgunder Diesen Wein von dir sollte man unbedingt probieren (auf Foto): Sauvignon Blanc (Premiumwein – Linie Passion) Weisswein Trocken 78 JUNGE WINZER

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7x IN FOLGE Hanix Nr. 61 Händler des Jahres Jahres Händler des * Bei der Onlineverbraucherumfrage „Händler des Jahres 2018/2019“ in Deutschland, durchgeführt von Q&A Research BV, wählten deutsche Verbraucher die besten Handelsketten in verschiedenen Kategorien wie bspw. Preisniveau, Aktionen und Angebote, Produktqualität, Service etc. Insgesamt wurden 229.855 Bewertungen abgegeben. Die Umfrage fand zwischen dem 15.05.– 03.09.2018 statt. Kaufland hat in der Kategorie Supermärkte im stationären Handel den ersten Platz erreicht. Mehr Informationen unter haendlerdesjahres.de DER ERLEUCHTETE 79

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Vom Gewölbekeller ins Theater - Weinverkostung auf Schlossgut Ehrenberg und ein Besuch im Komödienhaus. Von Leonore Welzin Fotos: Nico Kurth Im Namen der Steinrose Hanix Nr. 61 Der Wein ist eine uralte Kulturpflanze. Die Bühne eine ebenso alte Kultureinrichtung. Winzern wie Theaterspielen sind Kulturtechniken mit einem gemeinsamen Ursprung: Rausch und Ekstase. Auf die Idee, das archaische Erbe in modernen Zeiten, wo Spezialisierung, Entfremdung und High End-Produkte den Ton angeben, nach Gemeinsamkeiten abzuklopfen, kam der Kritikerin Leonore Welzin bei der »Affäre in der Rue de Lourcine« im Komödienhaus Heilbronn. »Sakrament, hab ich ‘n Durst!« sind die ersten Worte des Hauptdarstellers Lenglumé am Morgen nach einem Zechgelage. Der Nachdurst lässt ihn blind nach allem greifen, was Durst löscht: Blumenvase, Waschkanne, Karaffe, egal – und sei es der Brandbeschleuniger auf dem Kaminsims! Obwohl die Story ein verrückt konstruierter Krimi ist, lässt der Autor Eugène Labiche (1815-1888), ein Humorist mit Sinn fürs Groteske und Erfinder des Albtraum-Vaudeville, die Lust an Spirituosen wie eine Basslinie durch das Stück laufen: Als seien es muttermilchschwere Brüste baumeln an den Armen der Dame des Hauses zwei Flaschen Genever, quasi das Lebenselixier schlechthin. Am Frühstückstisch zaubert der Bedienstete Getränke in popbunten Farben ins Glas, während eine Weinbergschnecke über die feine Tafel schleicht. Der Satz »Sakra, hab ich ‘n Durst!«, erinnert immer wieder an Flüssignahrung. Kurz: Komasaufen, Filmriss und Schleichwerbung waren schon Labiche bekannt. Die Inszenierung besticht mit Liebe zum Detail und ausgelassener Spiellust. Von der Pariser Uraufführung 1857 hat es 131 Jahre gedauert bis diese komödiantische Köstlichkeit im Gewand eines Krimis ihre deutschsprachige Erstaufführung erlebte, 1988 an der Berliner Schaubühne. In der Gesellschaftssatire lotet Labiche raffiniert den schmalen Grat zwischen Wahn und Wirklichkeit aus. Seine Figuren tanzen über Abgründe und stolpern in rasanter Choreografie durch die Tür-auf-Tür-zu-Komödie. Gedeckte Tafel im Gewölbekeller: Amuse-Gueule und Atmosphäre 80 bei einer Weinverkostung im Schlossgut Ehrenberg. JUNGE WINZER

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Hanix Nr. 61 Je absurder die Verstrickungen, desto bizarrer die Verrenkungen der Figuren beim Versuch, sich aus der Misere zu winden. Den Erfolg verdankt das Stück unter anderem seiner Übersetzerin Elfriede Jelinek, die Heilbronner Inszenierung (Regie: Marc Becker) so genialen Schauspielern wie Sabine Unger (Madame Lenglumé), Sven Marcel Voss (Diener) und, allen voran, Nils Brück, der einen guten Text improvisatorisch ausbaut, wie ein Winzer das Potenzial seiner Rebe: »Ach, war das gut! Es gab Brandteigkrapfen mit Vanillesoße … mit Sahne! …und dann der Madeira … der Champagner… der Pomard! Sakra, hab ich einen Durst!« Brück alias Lenglumé berauscht sich am Überfluss der Delikatessen: »Entenleberpastete an Feige und Calvados, Beluga Kaviar, Austern, Fois gras, Hummer, Langusten, Jakobsmuscheln und Seeteufel, Rehrücken, Bisonragout, Wagyu Filet, Goldsteak Ribery, Bouillabaisse, Coq au Vin, Quiche Lorraine, Flan, Tarte, Crème brûlée, Labiche au chocolat … Und dann der Chablis, der Sancerre, der Riesling Smaragd, der Château Lafite, Château Latour, Château-neuf-du-Pape, Château Cheval Blanc, Château Margaux … der Zidane, der Henry, der Griessman, der Belmondo, der Trollingäär, der Lembergäär«. Die Lust am Amuse-Gueule überschlägt sich im deutsch-französisch-schwäbischen Sprachgemisch und mündet, gewürzt mit Ironie, im Lokal-Kolorit. Szenenapplaus! Amuse-Gueule auch bei der Weinverkostung im Schlossgut Ehrenberg. Zur Begrüßung im Innenhof servieren Ulrike Scheuermann und Matthias Reiß »Die Schaumgeborene«. Der fein perlende, fruchtige Winzersekt aus Flaschengärung mundet. Nach dem Empfang geht’s durch eine ungewohnt niedrige Tür über eine steile Stiege in die dunkle Kühle des Gewölbekellers. Auf einer Tafel im Kerzenschein erwarten »Dr. Jay Kay«, »Nachwuchs«, »Fruchtüberflieger«, »Blauer Franke«, »Drachenblut« und »Herzklopfen« die knapp dreißig Gäste. Es gilt Aromen und Geschmacksnoten von weißen und roten Weinen zu erkunden, sich – von leicht bis süffig – Kerner, Riesling und eine Lagekomposition aus Muskateller, Sauvignon blanc und Riesling, sowie Spätburgunder, Lemberger und Samtrot auf der Zunge zergehen zu lassen. Ulrike Scheuermann reicht passend zu den edlen Tropfen mal Deftiges wie Lachsschnecken, Leberwurststullen mit rotem Pfeffer, Bärlauchtöpfchen, Ziegenfrischkäse mit grünem Spargel oder Speckgugelhupf zum Spätburgunder. Zum Lemberger gesellt sich Schokoladenkuchen, nach Samtrot schließt ein Stückchen Käse den Magen. Wie im Theater ist auch bei dieser Inszenierung die Dramaturgie die halbe Miete. Die andere Hälfte das Bühnenbild, will heißen: das Ambiente. Nur drei Kilometer vor den Toren Heilbronns liegt das ehemals denkmalgeschützte Schlossgut. Es ist der Wirtschaftsteil des sogenannten Neuen Schlosses von Talheim. Erbaut 1756 auf den Grundmauern einer alten Burganlage, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, wurde es Mitte der 1970er-Jahre unter Denkmalschutz gestellt, um dann drei Jahrzehnte in einen Dornröschen-Schlaf zu fallen. Ende der 1990er-Jahre übernahm der Architekt Matthias Reiß das Gelände, um aus dem alten Hofgut ein Wohn- und Geschäftshaus zu machen. Sein Credo: Der Umbau sollte so ökonomisch sein, dass die Kosten für Eigentumswohnungen nicht höher als im ortsüblichen Wohnungsbau liegen. Die einmalige Atmosphäre und die historische Substanz sollten weitestgehend erhalten bleiben. Es wa ren noch sämtliche Außenmauern der Wirtschaftsgebäude, der 400 m² große stützenfreie Gewölbekeller, die Umfassungsmauern und das Hofpflaster vorhanden. Höchstens fünf Prozent der brauchbaren Altsubstanz vielen den Umbauplänen zum Opfer. Fast alle Ma- WEIN UND THEATER Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. MINT-Berufe bieten gerade jungen Frauen viele Möglichkeiten. Lass dich von uns über deine Chancen beraten. Denn mit einer technisch-wissenschaftlichen Ausbildung wirst du zur gefragten Fachkraft und das bringt dich weiter! Informiere dich jetzt unter www.dasbringtmichweiter.de 81

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terialien – Stein, Ziegel, Holz – wurden gleich an Ort und Stelle wieder verbaut. Alles was alter Bestand ist, ist als solcher auch zu erkennen, es wurde nur behutsam ausgebessert. Alles was neu ist, ist kompromisslos neu. Bruchsteinmauern, Feldsteinpflaster und Schlammputze kontrastieren mit Stahl, Sichtbeton und Glas. Das Fazit des Architekten ist positiv: Durch die Baumaßnahme konnte ein Objekt erhalten werden, welches viele Jahre unter Denkmalschutz stand und trotzdem bereits zum Abbruch freigegeben war. Talheimer Geschichte wurde so für spätere Generationen konserviert. Zugleich wurde ein Ort geschaffen, an dem Leben und Arbeiten unter einem Dach möglich ist. Die außergewöhnliche Grundriss-Konzeption, die Materialkomposition und die einmalige Atmosphäre ergeben in der Summe eine überragende Wohnqualität. Das schätzen nicht nur die zugezogenen Menschen, sondern auch die alten Bewohner: Fischreiher, Spechte, Eisvögel, Meisen, Eichhörnchen, Igel und Hasen. Im Gewölbekeller leben sogar Salamander und Kröten. Wie kamen der Architekt und die Krankengymnastin zum Weinbau? »Unsere Hauptberufe sind letzten Endes Stubenhockerberufe«, gesteht Reiß und holt aus: »Zum einen mögen wir beide das draußen sein, die Bewegung an der frischen Luft, überhaupt sportliche Betätigung draußen und bei jedem Wetter. Wir sind auch leidenschaftliche Skifahrer, Segler, Motorradfahrer und wir haben ein Expeditionsfahrzeug für Wüstentouren, oder den Polarkreis oder halt sonst was. Dann ›hegen und pflegen‹ wir gern und sehen gerne ›gedeihen‹. Da werden Nutz- und Ziergarten – auch wenn sie so groß sind wie unsere – irgendwann zu klein. In naher Zukunft werden wir unsere eigentlichen Berufe nicht mehr ausüben können – die Nerven und das Alter! Wir möchten nicht ohne Beschäftigung und Pflichten da stehen. Es macht uns Spaß, etwas Neues zu erlernen. Außerdem hat man da draußen weiten Abstand von Bürokraten, Verwaltern, Bedenkenträgern und sonstigen Nervensägen. Aber die drängen sich mittlerweile auch dort rein. Nicht zuletzt ›erhalten‹ wir gerne. Das machen wir letzten Endes ja auch hauptberuflich. So wie ich als Architekt vorsichtig abwäge, ob ein Gebäude in der Stadt wirklich wegmuss, so sehe ich auch die Kulturlandschaft als etwas Unwiederbringliches. Wenn viele mithelfen, den Untergang aufzuhalten, bleibt sie uns erhalten – und damit auch die dort existierende, spezielle Flora und Fauna. Alle reden von Umweltschutz und Nachhaltigkeit – wir versuchen es zu leben. Mit Elektrofahrzeugen, PV-Anlagen, topgedämmten und energetisch optimiertem Baubestand und eben mit der Erhaltung der unter Naturschutz stehenden Terrassenlagen.« Seit 2009 hat das Paar fast jedes Jahr einen Weinberg gekauft. Reine Terrassenanlagen seien zwar preiswert, bei den gemischten Anlagen hängt der Preis stark vom Zustand, der Bestockung und der Lage ab. »Unsere Weinberge liegen im Schozachtal in der Nähe unseres Schlossgutes und am sogenannten Prallhang des Neckars zwischen Lauffen und Heilbronn. Lagen auf Lehmkalksteinböden, die z. B. dem Riesling seine mineralische Frucht verleihen«, erklärt Reiß, der am liebsten Weinberge erwirbt, die sowohl aus Terrassenlage als auch aus Steillage bestehen. Der Vorteil ist eine schöne Reifespreizung, die dem Wein vielfältige Aromen verleiht. Praktischer Nebeneffekt sei die Tatsache, dass wenigstens ein Teil maschinell bearbeitet werden kann. Man rechnet für die Weingewinnung aus Steillagen etwa den vierfachen Handarbeitsanteil – ohne dass man dafür mehr Geld verlangen kann: »Wir glauben allerdings, dass es seinen Grund hat, dass seit römischer Zeit diese Weinberge die bevorzugten Lagen waren, denn Steillagen werden besonders gut besonnt und belüftet. Damit ist der Wein robuster und weniger krankheitsanfällig. Das wiederum senkt den Pflanzenschutzmittelverbrauch und hebt die Qualität«. Was ihn sauer macht, sind Bürokraten, Bedenkenträger und Verwalter. » Eine unserer reinen Terrassenanlagen wird über einen Wiesenweg quer durch unseren Weinberg erschlossen. Dieser öffentliche Weg ist an einer Stelle eingestürzt. Um einen teuren, fahrzeugtauglichen Wiederaufbau zu sparen, hat die Gemeinde diesen Weg kurzer Hand für Fahrzeuge gesperrt. Nicht nur unser Weinberg kann jetzt zum Teil gar nicht mehr angefahren werden, sondern auch 0,75 ha andere Rebflächen in Steil- oder Terrassenlage sind damit in absehbarer Zeit dem Verfall preisgegeben«, empört er sich. »In dieser 1700 Jahre alten Kulturlandschaft haben sich Tierarten erhalten, die früher eigentlich überall vorkamen – bis ihnen die industrialisierte Landwirtschaft den Garaus gemacht hat. Eulen, Kauze, Bussarde, Milane und Sperber jagen dort Hamster, Mäuse, Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern und den Kaninchennachwuchs. Es gibt dort noch sehr viele Wildbienen, Wespen, Hornissen und Schmetterlinge. Schon heute sind diese Tiere in den Agrarwüsten weitestgehend ausgerottet. Gehen die Terrassenlagen unter, werden unsere Enkel diese Tiere nur noch im Zoo oder in Bildbänden besichtigen können. Das ist die Wahrheit hinter den vielen öffentlichen Bekundungen, diese Landschaft erhalten zu wollen«. Das Logo von Schlossgut Ehrenberg ist übrigens eine Steinrose. Ein Dickblattgewächs, früher Hauswurz genannt, das gern in steinigen Terrassenanlagen wächst. Der lateinische Name lautet Sempervivum, also »immer lebend«, was für die Zukunft hoffentlich ein gutes Omen ist. ◆ Hanix Nr. 61 82 Architekt Matthias Reiß und Krankengymnastin Ulrike Scheuermann im Komödienhaus: Seit 2009 hat das Paar fast jedes Jahr einen Weinberg gekauft. WEIN UND THEATER

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Hanix Nr. 61 DER ERLEUCHTETE 83

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Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Foto: Ulla Kühnle »Ernst, mach dei Gosch auf!« Warum es irgendwo in Südafrika Vesperbrettle gibt, aber kein Sauerkraut Dorftratsch kann schon auch ganz reizend sein, vor allem, wenn er unerwartet kommt. Ich war zum Sonnen in Südafrika, hatte mir in Kapstadt neue afrikanische Künstler im neuen, in jeder Hinsicht spektakulären Museum Zeitz MOCAA angeschaut, dann fuhr ich rüber nach Stellenbosch, um mir von neuen, unbekannten Winzern neue Weine aus der neuen Welt eingießen zu lassen. Ja, schon klar, das waren jetzt ein bisschen viele Neuigkeiten in nur einem Satz – aber wen interessiert schon alter Wein aus alten Schläuchen? In Stellenbosch, dem schmucken Weinhauptstädtchen Südafrikas, war an diesem Mittwoch »Street Soiree«, eine Art ambulantes Weindorf, das einmal im Monat wie ein Partyraumschiff vom Himmel fällt. Wie aus dem Nichts ploppen Punkt 18 Uhr auf der Drostdy Street kleine Wein- und Futterstände und jede Menge Flaschen auf, und exaktemente Punkt 20 Uhr ist alles auch schon wieder vorbei. Zehn Minuten später rollt der Verkehr über die Straße, als sei nie etwas gewesen. Hab ich mir das alles nur eingebildet? Nein, hab ich nicht, denn ich war gerade, eine gute halbe Autostunde von Kapstadt entfernt, in Heilbronn, in Erlenbach und Weinsberg. 84 Ich hatte einige sehr ordentliche und angenehm an Champagner gemahnende Winzersekte probiert, nun orderte ich am Stand des Weingutes Ernst Gouws einen Chenin Blanc, ein fruchtig erfrischendes Getränk mit einem Hauch von Melone und einem Spritzer Apfelaroma – genau das richtige an einem milden, warmen Februarabend. Als ich mich für den feinen Wein bedankte, fragte mich der Winzer, ein wuchtiger Mann mit kugelrundem, ja schon traubenförmigem Schädel, ob ich Deutscher sei. Kaum hatte ich bejaht, wechselte Ernst Gouws vom Englischen ins Deutsche, und das klang plötzlich so, als würde man sich in Erlenbach oder Weinsberg mit einem alten Winzer unterhalten: Sprachmelodie, Betonung, Aussprache – perfektes nordschwäbisch mit einem Hauch von Hohenlohe und einem Spritzer Fränkisch. Mitte der Siebzigerjahre wurde der junge Ernst von seinem Vater ins Ausland geschickt: »Er hat g’sagt, bevor ich an seine Reben und seine Tanks darf, soll ich erschtmal a bißle Wein lernen.« Der Kellermeister von Nederburg, einem großen, renommierten Weingut in Ernsts Heimatdorf Paarl, hatte seine Ausbildung in Weinsberg gemacht. Das sei die beste Weinbauschule überhaupt, hatte er gesagt, also wurde Ernst Auszubildender an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau zu Weinsberg. »Des war natürlich alles unheimlich primitiv«, lacht Mr. Gouws, »die Milch haben wir noch selber gemolken. Des war halb Ausbildung, halb schaffe.« Doch mit halbem Einsatz war die Sache nicht zu machen – das hat den jungen Südafrikaner beeindruckt: »Die Genauigkeit, der Fleiß, die Leistung, des war alles neu für mich, des gab’s ja so bei uns net.« Leicht war das freilich nicht für den Neu-Schwaben: »Ich konnt ja die Sprach net, nur Afrikaans und a bißle Englisch.« Sprachkurse gab es keine, da musste er selbst sehen, wo er blieb. »Da hab ich viel fernseh g’schaut, des hat mir enorm geholfen.« Geniert hat er sich trotzdem, anfangs sprach er nicht viel, er konnte ja kaum was. Bis einer seiner Kollegen sagte: »Ernst, mach dei Gosch auf«, lacht Gouws, und seitdem habe er die Gosch in Weinsberg aufgemacht. Nicht zuletzt beim Essen. »Alles Schwäbische hat mir g’schmeckt: Spätzle, Rostbraten, Saitenwürscht, Linsen, aah, des war gut!« Nur mit dem Sauerkraut habe er sich nie anfreunden können, und das sei bis heute so geblieben. Das Kraut war zu sauer, dafür war der Wein aber zu süß. »Damals isch ja fast alles lieblich ausgebaut worden, des kammer sich heut gar nicht mehr vorstellen. Beim Kerner und beim Riesling ging des ja noch – aber lieblicher Trollinger, des war ja noch schlimmer als Sauerkraut.« Doch ohne Trollinger, das habe er schnell begriffen, sei Württemberg nicht vorstellbar. In Südafrika gebe es keinen, sagt der Winzer, den würde man hier nicht goutieren, hier wolle man kräftige, tiefe Rotweine. Und was hat er nach drei Jahren in Weinsberg an Überlebenstipps aus dem Schwabenland mitgenommen? »Ha, die Brettle«, ruft Ernst Gouws, und seine Augen beginnen zu leuchten. »Die Veschperbrettle! Veschpern, des gab’s ja bei uns net, gibt’s auch heut net. Des gibt’s nur bei euch! Wenn ich heut Ausflüge mit meiner Familie mach, sind die Veschperbrettle aber immer mit dabei.« An Heilbronn in den Siebzigern hat er keine großen Erinnerungen mehr, ausgehen war mit dem schmalen Budget nicht drin. »Ich war ohne Ahnung, ohne Sprache und ohne Geld. Am Wochenende hab ich bei Weingütern g’schafft, da gab’s gutes Taschengeld. Oft hab ich beim Heilbronner Weingut G. A. Heinrich ausgeholfen, da gab’s immer prima Mittagessen, oft von der Besenwirtschaft, so was kannte ich ja überhaupt net.« Die Herzlichkeit der Menschen, die habe ihn beeindruckt und habe ihm viel übers Heimweh hinweggeholfen. Und eine Sache würde er sowieso nie vergessen: »Ich hab auch viel beim Paul Keicher in Erlenbach g’schafft. Da hat der noch sei Besenwirtschaft g’habt – des war einmalig. Mit dem Paul hen mir die ganze Nacht durchg’soffe – und dann den ganzen nächsten Tag im Wengert g’schafft.« Kurze Pause, Ernst Gouws sinniert, dann schenkt er mir ein letztes Glas ein, gleich ist acht Uhr und die »Street Soiree« in Stellenbosch endet. »Also des in Erlenbach, ich sag’s dir: Ich hab da so was von Spaß g’habt wie nie wieder im Leben. Des war wirklich unvorstellbar.« Und das muss ich nun 9.290 Kilometer südlich von Erlenbach erfahren. Die Welt ist halt ein Weindorf. ◆ OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE – FOLGE 23 Hanix Nr. 61

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Podcast ab Juni 2019! Mehr Infos folgen auf Instagram & Facebook. Hanix Nr. 61 Podcast powered by: Podcast Feeling Live erleben – bei deiner persönlichen e-Probefahrt im VW eGolf! Jetzt Termin vereinbaren beim Autozentrum Hagelauer: Tel.:07131/6234-9011 www.hagelauer.de/eProbe eprobe@hagelauer.de DREI VERMUMMTE GESTALTEN 85

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Ein Brief von NICOLAI KÖPPEL von Bord der AIDA Liebe Heimat, heute morgen bin ich bei der von mir gewählten Schlaftemperatur von 19 Grad Celsius erwacht. Ich habe 360° Sonnenaufgang ohne störende Landschaft erlebt und seit sechs Uhr morgens dreimal gefrühstückt. In verschiedenen Restaurants. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch im Bademantel erscheinen können, ich hab noch einen zweiten im Schrank und kann jederzeit einen dritten kriegen. Der Pool wird wie jeden Tag um diese Zeit noch gereinigt (immerhin war da gestern Abend wieder Party mit Liveband), ab neun Uhr aber kann man mich wieder planschen sehen, ehe das Wasser auf gefühlte 25 Grad aufgeheizt wird, denn alles andere wird bei den Außentemperaturen als zu kalt empfunden. Zwar nicht von mir, aber ich bin kein typischer Kreuzfahrtkunde. Habe ich erwähnt, dass ich in der Karibik bin, zusammen mit 3.500 anderen auf einem Schiff, das knapp eine fucking Milliarde Euro gekostet hat? Mein Bett wird täglich neu überzogen, sechs Aufzüge tragen mich ein gutes Dutzend Stockwerke hoch wohin immer ich will, in der Crewbar kostet der Gin Tonic einen Euro fünfunddreißig, ich bin braun gebrannt und döse am Tag bis zu sechs Stunden, damit ich fit bin für den Nachtschlaf oder die aufreibenden Landgänge auf einer der zehn Inseln, die wir innerhalb von 14 Tagen anfahren – und da ist die Dominikanische Republik noch nicht mal mitgezählt! Auf Aruba gehe ich für ein Viertelstündchen nur deswegen von Bord, um mal an einem Ort gewesen zu sein, der in einem Song der Beach Boys auftaucht, und mein Dekadenzometer verzeichnet angesichts dieser Aktion einen ordentlichen Ausschlag. Andere sind da hart gesottener, und die Einheimischen haben sich den Hartgesottenen angeglichen: Da bahnt sich einer seinen Weg mitten durch eine Reisegruppe und ruft laut »Deutschland, wie geht Dir?«, damit man ihn bemerkt. Auf Curaçao habe ich ein Ingwerbier für sieben Dollar getrunken und bin über eine auf Curaçao krass berühmte Brücke gegangen, bis der Laden offen hatte, wo ich mir ein T-Shirt kaufen konnte, auf dem »Curaçao, est. 1499« steht. Auf St. Vincent habe ich Samenkapseln des Kanonenkugelbaums vom Boden aufgelesen, um mich zuhause mit meiner Kanonenkugelbaumplantage dumm und dämlich zu verdienen – da kann die Buga lange düngen! Auf Grenada bin ich auf eigene Faust rumspaziert und hatte drei Blocks von der Hauptstraße entfernt einen Anflug von German Touri Angst, als mich drei große starke Männer, die sich vielleicht noch nicht mal untereinander kannten, alle gleichzeitig zu sehr wichtigen Sehenswürdigkeiten fahren wollten. Eine der Inseln dieser Karibikkreuzfahrt – ich bin zu entspannt, um nachzugucken, welche – wurde einst für eine Kiste Waffen und einen Sack Glasperlen an die Kolonialisten verkauft. Kann man diese Originalglasperlen nirgendwo museal angucken? Das müssen geile Dinger gewesen sein. Es erinnert mich so an Grundschulzeiten, und daran, dass man für drei ordentliche Murmeln zu meiner Zeit und an meinem damaligen Ort (Großsachsenheim, ca. 1980) wirklich was verlangen konnte, eine Prise Tom Sawyer, nur ohne die toten Katzen. Wie viele Murmeln wäre Heilbronn einer militärisch überlegenen Invasionsmacht wert? Jetzt hab ich ganz vergessen, aufzuklären, was zur Hölle ich hier eigentlich mache! Okay, dass ich das Gefühl habe, auf Karibikinseln per se nix verloren zu haben, ist mein Problem, die Landschaft ist wunderschön, die Menschen sind auf eine manchmal Hanix Nr. 61 86 BRIEF AN DIE HEIMAT

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Hanix Nr. 61 traurig stimmende Art im Rahmen ihrer Möglichkeiten geschäftstüchtig (selbst St. Vincent mit seinen »Fluch der Karibik«-Originaldrehorten ist erfreulicherweise noch nicht ansatzweise verdisneyt), das Wetter ist ganzjährig bombe, und ich habe nur eine einzige kurze Hose dabei, weil ich ganzjährig doof bin. Aber man kann an Bord des Schiffes waschen. Man kann an Bord des Schiffes auch Bier brauen oder abends vor 2000 Leuten eine Aufführung der maritimen Franchiseversion von »Wer wird Millionär« gucken, danach noch in die Disco gehen oder bis nachts um zwei Currywurst fressen, die im Preis mit drin ist, und ich meine nicht eine pro Tag oder pro Person, sondern alle, die man verflucht noch mal essen kann, zwei Wochen lang all you can eat Currywurst, die ziemlich lecker ist. Man kann im Casino an Bord Haus und Hof verspielen, kann an Kunstauktionen teilnehmen, die von ahnungslosen Damen moderiert werden (»Keine Gebote? Zum Ersten ...«) oder Volleyball spielen (Schach geht auch, da war bloß nie jemand), kann heiraten oder den Küblböck machen, wenn einem danach ist, oder beides oder alles, denn man hat Zeit. Wenn man nicht schnorcheln oder raften oder climben oder fresh-air-snappen will, hat man sogar noch mehr Zeit: Jede der 13 für Passagiere zugänglichen Etagen hat eine Grundfläche von knapp 9000 Quadratmetern, und ich darf mit meinem »Staff«-Ausweis sogar in den dem Volk versperrten Mittelgang namens »Nagasaki« und wahrscheinlich außerdem fast überall hin. Mehr als »Hello Sir« werden sich meiner Erfahrung nach auch dort die wenigsten zu sagen trauen, wenn ich ihnen begegne. Es heißt, es sind auch 970 Crewmitglieder an Bord. Ich sehe immer nur dieselben fünfzig. Weil auf der Hälfte der Reise die Hälfte der Passagiere durch neue ausgetauscht wird, mache ich zweimal die Seenotrettungsübung mit, und jedes Mal sind es dieselben zwei Niederländer, die den Weg zum Sammelplatz nicht finden und ausgerufen beziehungsweise von den maritimen Feldjägern eingesammelt werden müssen. An zwei Abenden spiele ich vor insgesamt etwa 2.500 Leuten Lieder zur Gitarre. Danach erkennen mich die Leute in der Raucherecke und sind erstaunt, dass ich, wenn ich schon mitfahren darf, auch noch Gage obendrauf gezahlt kriege. Da sieht man, wie die All-inclusive-Kultur an Bord die Sitten verdirbt. In der Realität, das ist das mit Boden unter den Füßen, kostet alles einzeln und extra, da kann ich mir nicht zum Abendessen zwei Liter Rotwein hinstellen lassen und achtmal vom Lachs nachholen, d. h., kann ich schon, aber wenn ich das mache und danach nicht zahlen will, kann ich nur noch in Schlangenlinien wegrennen, da kriegen die mich. Hier an Bord kann oder will keiner wegrennen, vor allem nicht abends oder nachts, weil das Schiff dann schon auf dem Weg zur nächsten Insel ist. Man könnte meinen, es gäbe auch ein Nachtleben hier, also eins im originalen Sinn von Nachtleben, so ein kleiner Swingerklub oder eine illegale Pokerrunde, das eine oder andere Treffen der Anonymen Alkoholiker, aber nein – oder man zeigt es mir einfach nicht. Wellness, Massagen, Wasserrutsche, Kurse für kunstsinniges Gemüseschnitzen ja, Darkroom nein. Immerhin Travestieshows und zweideutige Blicke auf dem Achterdeck und die großartige nächtliche Pooldecksause »crew meets band«, wo mit der schiffseigenen Liveband im Nacken Crewmitglieder »ihren Song« singen. Klingt mäßig, aber hier ereignete sich mein Kreuzfahrthighlight: Prakash Vamsi, der in einem der Restaurants an Bord im Service arbeitet, gnarlt Rage against the machines »Killing in the Name of« inclusive der ausgedehnten Schrei-Coda »Fuck You I Won't Do What You Tell Me«, und »mein« Tontechniker Iwan, der mit seinem Chef nur englisch spricht, weil der das nicht so gut kann, macht einen sehr schönen Rammstein-Klassiker. Die Sängerin, die ihm bei »Ich habe Angst und bin allein« assistiert, klärt mich später bei einer gemeinsam gerauchten Stange Zigaretten (Päckchenpreis: 1,20) auf, dass ich nicht erkältet bin, sondern nur die klimatisierte Luft schlecht vertrage, das geht vielen so auf ihrer ersten Kreuzfahrt, wenn's für mehr als eine Innenkabine nicht gereicht hat. Na dann! Zurück in meiner Außenkabine im zweiten Stock zuhause in Heilbronn bin ich bei einsetzendem Nieselregen trotz Frühlingsgefühlen dann doch offen für eine Neuauflage des Ganzen auf hoher See. Ohne niedere Beweggründe. Bis auf die Mandeltörtchen. Von denen hab ich zu wenige gegessen, das weiß ich sicher daher, dass noch welche da waren, als ich von Bord ging. Ich verspreche, ich guck mir nächstes Mal auch mehr die Landschaft an. Und den Maschinenraum will ich auch sehen. Bloß mal gucken. Das muss das Boot abkönnen. Auf bald auf dem Neckarbummler, Nicolai NICOLAI KÖPPEL VON BORD DER AIDA 87

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FREIBAD NECKARHALDE –– 1935/36 –– Fotograf: Foto Mangold, Stadtarchiv Heilbronn Hanix Nr. 61 Schon um 1850 gab es an der Neckarhalde ein Flussbad, zu dem wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Spiel- und Liegewiese hinzukam. Außerdem wurden einige Bretterbuden als Umkleidekabinen aufgestellt. Zur Badesaison 1930 bekam die Neckarhalde die von den Badegästen seit Langem geforderte Duschanlage, denn das Neckarwasser war doch sehr schmutzig. Das Wasser, das nun aus drei Brausen auf die Abspül-Bedürftigen niederrieselte, kam allerdings auch aus dem Fluss. Ablagerungen am Ufer verdarben ebenfalls den Badespaß und in der Neckar-Zeitung hieß es, die Neckarhalde sei ein »Schlamm- und kein Flußbad mehr«. Nun ergriff der Schwimmerbund die Initiative. Er startete im Sommer 1932 eine Sammlung für den Bau eines »Reinwasserbades« an der Neckarhalde – rund 8.000 Reichsmark kamen zusammen. Die NSDAP führte nach ihrer Machtübernahme die publikumswirksame Spendenaktion weiter. So fand im August 1933 eine groß angelegte Werbe-Veranstaltung »Heilbronn schwimmt« statt, deren Einnahmen dem geplanten Schwimmbad zugutekamen, und die mit einem spektakulären Feuerwerk einschließlich einer Beleuchtung der Neckarufer endete. Am 1. Juli 1934 konnte das ausschließlich durch Spenden finanzierte Freibad in der Neckarhalde eröffnet werden. Zwar gab es zunächst nur ein Schwimmbecken, aber bereits ein knappes Jahr später war auch das noch fehlende Sport- und Sprungbecken samt der »fabelhaft-modernen Sprungturmanlage« vollendet. Wieder ein Jahr später – im Juni 1936 – wurde der neuangelegte Neckaruferweg vom Götzenturm bis zur Neckarhalde für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Als dieses Foto im Sommer 1935 oder 1936 entstand, markierten hohe Pappeln die Grenze vom Freibadgelände zu den landwirtschaftlich genutzten Wertwiesen. Die parkähnliche Liegewiese in Richtung Süden entstand erst später. Der südlichste Teil dieses Areals geht auf die Landesgartenschau 1985 zurück. Damals diente er als Ausstellungsfläche und wurde anschließend dem Freibad zugeteilt. Näheres zur Heilbronner Geschichte unter www.stadtarchiv.heilbronn.de 88 DER HISTORISCHE SCHUSS

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Aus Geld Zukunft machen! Weil auch das, was nach uns kommt, wichtig ist. Geldanlage – eine Generation weitergedacht. Mit PrivatFonds: Nachhaltig Wussten Sie schon, dass es auch bei der Geldanlage Möglichkeiten gibt, Renditechancen mit nachhaltigen Investments zu kombinieren? Mit PrivatFonds: Nachhaltig wurde eine zukunftsfähige Multi-Asset-Lösung entwickelt, die genau diesen Anspruch erfüllt. Lassen Sie sich in Ihrer Volksbank Heilbronn eG zu Chancen und Risiken beraten, zum Beispiel dem Risiko marktbedingter Kursschwankungen. Mehr Informationen erhalten Sie online, direkt in Ihrer Filiale oder telefonisch unter: 07131 634-0. Ausführliche produktspezifische Informationen und Hinweise zu Chancen und Risiken des Fonds entnehmen Sie bitte dem aktuellen Verkaufsprospekt, den Anlagebedingungen, den wesentlichen Anlegerinformationen sowie den Jahres- und Halbjahresberichten, die Sie kostenlos in deutscher Sprache bei Ihrer Volksbank Heilbronn eG oder über den Kundenservice der Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main, Telefon 069 58998-6060, www.union-investment.de, erhalten. Diese Dokumente bilden die allein verbindliche Grundlage für den Kauf des Fonds. Stand: 1. April 2019 Einfach QR-Code scannen und auf unserer Internetseite informieren. UMP04610 11.18 89

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.jpg Viertelfinale 90 UEFA Youth League 2018/19, TSG Hoffenheim vs. Real Madrid, Dietmar-Hopp-Stadion, Sinsheim, 03.04.2019, 18:00 Uhr bis 19:45 Uhr Fotos: Ulla Kühnle Die TSG Hoffenheim qualifizierte sich für das Halbfinale der UEFA Youth League. Am 3. April setzte sich die TSG gegen Titelverteidiger Real Madrid bei strömendem Regen mit 4:2 durch. Ebenfalls im Einsatz für die Kraichgauer: der Heilbronner Benedikt Landwehr. Im Halbfinale im schweizerischen Nyon waren die Jungs von Trainer Marcel Rapp gegen den FC Porto allerdings chancenlos und unterlagen gegen den späteren Youth-League-Sieger mit 0:3. .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 [1] Kids vor gestalteter Wand, Mojäk Galerie, Heilbronn, 27.04.2019, 20:26 Uhr [2] Zieleinlauf des Trollingermarathons, Frankenstadion, Heilbronn, 05.05.2019, 14:16 Uhr [3] Preview der multimedialen Wassershow, Buga-Gelände, Heilbronn, 10.04.2019, 21:54 Uhr Fotos: Meli Dikta .JPG – BILDERGALERIE 91

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Hanix-Konzert mit den Mighty Tinies, Fährbühne auf der Buga, Heilbronn, 20.04.2019, 19:29 Uhr bis 21.05 Uhr Fotos: Meli Dikta Insgesamt viermal werden wir auf der Buga Kulturveranstaltungen organisieren. Den Anfang haben wir mit einem Live-Konzert der Mighty Tinies am 20. April gemacht. An diesem lauen Osterabend haben Helen, Sebastian und Co. mit Ukulelen und noch kleineren Instrumenten für eine schöne Atmosphäre auf und vor der Fährbühne auf dem Buga-Gelände gesorgt. Am 21. Juni geht es mit unserer Neckar- Strand-Party mit den DJs Dexter und Candy Pollard weiter, gefolgt von der musikalischen Theaterperformance »Auf dem Fliegenplaneten« vom Theaterlabor Stilbruch am 21. Juli. Kommt vorbei. Hanix Nr. 61 92 .JPG – BILDERGALERIE

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Hanix Nr. 61 [1] Topfpflanzen, Buga-Gelände, Heilbronn, 10.04.2019, 19:56 Uhr [2] Fruchtschuppen, Buga-Gelände, Heilbronn, 10.04.2019, 20:44 Uhr [3] Palmen in Fässern, Buga-Gelände, Heilbronn, 10.04.2019, 20:51 Uhr Fotos: Meli Dikta .JPG – BILDERGALERIE f r e i r a u m - p h o t o s . d e WER DIE NÄCHSTE PARTY NICHT VERPASSEN WILL FÄHRT HNV. Holt euch jetzt euer Sunshine Ticket. Flexibel unterwegs für nur 49,75 € pro Monat im ganzen HNV-Gebiet. Mehr Infos unter: www.h3nv.de 93

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Theater Heilbronn Juni & Juli 2019 BOXX Alles oder Nichts! Expedition Sinnsuche (Theaterclub 2) 01.06., 02.06. Großes Haus Hexenjagd (Schauspiel) 01.06., 04.06., 07.06., 30.06., 06.07., 12.07., 14.07. Komödienhaus Unsere Frauen (Komödie) 01.06., 02.06., 07.06., 08.06., 13.06., 15.06., 27.06., 05.07., 12.07. BOXX Der Junge mit dem längsten Schatten (Schauspiel) 04.06., 05.06., 18.07., 19.07. Großes Haus Der Steppenwolf (Schauspiel) 05.06. Großes Haus Die Dreigroschenoper (Schauspiel) 06.06., 28.06., 02.07., 04.07., 10.07., 13.07., 20.07. Termine Juni 2019 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar 94 BOXX Heldenzeit (Theaterclub 1) 08.06., 09.06. Großes Haus La Finta Giardiniera – Die Gärtnerin Aus Liebe (Oper) 09.06., 14.06., 1506., 23.06., 25.06., 28.06., 03.07., 05.07. Großes Haus Viel Lärm um nichts (Komödie) 22.06., 26.06., 29.06., 16.07., 17.07., 19.07. BOXX Das Traumfresserchen (Schauspiel) 23.06., 25.06., 2606., 27.06., 28.06., 14.07., 15.07., 16.07., 17.07. BOXX Tigermilch (Schauspiel ) 29.06., 02.07., 03.07. BOXX Emil und die Detektive (Schauspiel ) 04.07., 05.07. BOXX Der goldne Topf (Schauspiel) 09.07., 11.07., 12.07. Komödienhaus Wir sind mal kurz weg (Revue) 18.07., 19.07., 20.07., 25.07., 26.07., 27.07., 28.07., 30.07., 31.07. Sa 01. Mobilat, Heilbronn ReadyForTechno (Clubbing) Bukowski, Heilbronn Electronic & Goa im Hafen präsentiert: David Jach (Clubbing) Kulturkeller, Heilbronn Werner Brix - Friss und stirb! (Kabarett) Theaterschiff, Heilbronn Weiber! Ein musikalischer Mädelsabend (Theater) Theaterlabor Stilbruch im Mobilat Juni & Juli 2019 »Ein Sience-Fiction-Drama« von Tobias Frühauf 07.06., 22.06., 05.07., 06.07., 19.07. Friedrich von Borries liest »RLF: Das richtige Leben im falschen.« 15.06. Tarantismus-Partyreihe »Juicy Gay und MC Smook« 22.06. »Auszeit« Lesung mit Andreas Posthoff Theater Unterwegs: Begegnungsrunde und Generationenaustausch in der Richard Drautz Stiftung 26.06. »Ein Sience-Fiction-Drama« von Tobias Frühauf 05.07. experimenta, Heilbronn Voices in the Dark Reloaded (Musikshow) Edeka Ueltzhöfer, Sontheim BBQ-Grillabend (Kulinarikevent) Kulturgebäude, Leingarten Flohmarktine Frauen- & Mädelsflohmarkt (Frauenflohmarkt) Altstadt, Bad Wimpfen Wimpfener Reichsstadtfest (Historisches Bürger- und Stadtfest) Kreatief - Kultur im Unterland, Neckarsulm Romeo im Fundbüro - Kreatief Musical 2019 (Musical) Cannstatter Wasen, Stuttgart Übermorgen Markt 2019 (Nachhaltigkeitsmarkt) Cannstatter Wasen, Reitstadion & Neckar, Stuttgart Kessel Festival 2019 (Nachhaltiges Musik-, Sport- und Kulturfestival) Alte Feuerwache Mannheim, Mannheim Weltverbesserer (Science Slam) Maimarktgelände, Mannheim 4. Zeltfestival Rhein-Neckar: Ska-P. (Festival) Stadtzentrum, Heidelberg Heidelberger Schloßbeleuchtung (Lichtshow) So 02. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Die Sonne – Der Stern von dem wir leben (Führung) Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Sonntagsführung: Wie es Euch gefällt (Führung) Cannstatter Wasen, Stuttgart Übermorgen Markt 2019 (Nachhaltigkeitsmarkt) Cannstatter Wasen, Reitstadion & Neckar, Stuttgart Kessel Festival 2019 (Nachhaltiges Musik-, Sport- und Kulturfestival) Wagenhallen, Stuttgart Maceo Parker (Konzert) Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Maimarktgelände, Mannheim 4. Zeltfestival Rhein-Neckar: Eule findet den Beat (Festival) 01. – 02.06.2019 Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Mo 03. Wertwiesenpark, Heilbronn Yoga im Park - Saisonstart (Outdoor Yoga) Harmonie, Heilbronn Erste Allgemeine Verunsicherung (Konzert) Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Carmen Würth Forum, Künzelsau Herbert Pixner Projekt (Konzert) Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Di 04. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Tankturm, Heidelberg Denkfest 2019 (Austauschplattform für Kulturakteure) Mi 05. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach- Clubbing) IHK Heilbronn-Franken, Heilbronn Mut zum Scheitern – aus Misserfolg lernen (Vortrag & Diskussionsrunde) Museum Würth, Künzelsau Claus Peymann liest Thomas Bernhard »Meine Preise« (Lesung) 03. – 07.06.2019 Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Maimarktgelände, Mannheim 4. Zeltfestival Rhein-Neckar: Status Quo (Festival) Capitol, Mannheim Richard David Precht (Vortrag und Diskussion) Tankturm, Heidelberg Denkfest 2019 (Austauschplattform für Kulturakteure) halle02, Heidelberg Power-Point Karaoke (Impro- Comedy) Mercedes-Benz Arena, Stuttgart Phil Collins – »Still Not Dead Yet«-Tour (Konzert) Theaterhaus, Stuttgart Micky Beisenherz – »Zur Apokalypse gibt es Filterkaffee«-Tour (Comedy-Talk-Lesung) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Ameli in the woods (Konzert) Do 06. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Werner Acker präs. Jazz Requests Wunsch-Konzert (Konzert) Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Rosenau, Stuttgart Bärbel Stolz – Ich bin dann mal Ex (Lesung) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Noah Kwaku (Konzert) Fr 07. Frankenstadion, Heilbronn VfB Stuttgart Traditions-Elf gegen HN-Allstars (Fußballbenefizspiel) Theaterschiff, Heilbronn Weiber! Ein musikalischer Mädelsabend (Theater) Ebene 3, Heilbronn Fusion (Konzert) Innenstadt, Heilbronn Critical Mass Heilbronn (Fahrrad-Demo) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) experimenta, Heilbronn Die Drei ??? und das versunkene Schiff (3D-Hörspiel) Kreatief - Kultur im Unterland, Neckarsulm Romeo im Fundbüro - Kreatief Musical 2019 (Musical) Blühendes Barock, Ludwigsburg 16. Internationales Straßenmusikfestival (Festival) Multihalle, Mannheim concrete : music (Projektwoche Architektur & elektronische Musik) Maimarktgelände, Mannheim 4. Zeltfestival Rhein-Neckar: Namika & Joris (Festival) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Die Nerven (Konzert) Schlossplatz, Stuttgart SWR Sommerfestival: Die große SWR Tatort Premiere (Public Viewing) 95

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Sa 08. Innenstadt, Heilbronn Flammende Sterne (Pyroshow) Zigarre Kunst- und KulturWerk- Haus, Heilbronn Vintage Hair Masterclass mit Emily (Workshop) Theaterschiff, Heilbronn Heinz-Erhardt-Abend (Theater) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) experimenta, Heilbronn Voices in the Dark Reloaded (Musikshow) Blühendes Barock, Ludwigsburg 16. Internationales Straßenmusikfestival (Festival) SAP Arena, Mannheim Eric Clapton Live (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Kicks N Coffee 2019 (Sneaker-Markt) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Kids of Adelaide (Konzert) Schlossplatz, Stuttgart SWR Sommerfestival: »Wünsch dir was«-Tour von SWR1 Pop & Poesie in Concert mit Special Guest Dodokay (Konzert) Mercedes-Benz Arena, Stuttgart Udo Lindenberg (Konzert) So 09. Hip Island, Heilbronn Beach of Love (Beach-Clubbing) Emma23, Heilbronn Brazilian Metal Night (Konzert) Innenstadt, Heilbronn Flammende Sterne (Pyroshow) 96 Blühendes Barock, Ludwigsburg 16. Internationales Straßenmusikfestival (Festival) Nun, Karlsruhe Gisbert zu Knyphausen (Konzert) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Sickless (Konzert) Mo 10. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Schlossplatz, Stuttgart SWR Sommerfestival: Joris, Milow und Lea (Konzert) Di 11. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Mi 12. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - MAYLA (Konzert) Do 13. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Mobilat, Heilbronn Openmic. Open-Stage. (Offene Bühne & Clubbing) Harmonie, Heilbronn WKO: 10. Heilbronner Konzert (Konzert) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Henning Sieverts Symmethree (Konzert) Stadtpalais, Stuttgart Musikfestival Sound of Stuttgart - Levin goes lightly (Konzert) Fr 14. Wertwiesenpark, Heilbronn Kris Kristofferson & The Strangers (Konzert) Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Exoplaneten 2/4 (Führung) experimenta, Heilbronn Die Drei ??? und das versunkene Schiff (3D-Hörspiel) Maimarktgelände, Mannheim 9. Maifeld Derby (Festival) Sa 15. Wertwiesenpark, Heilbronn Rea Garvey – Neon Summer Tour 2019 (Konzert) Ebene 3, Heilbronn BongaZa and the Harvest (Konzert) experimenta, Heilbronn Voices in the Dark Reloaded (Musikshow) Maimarktgelände, Mannheim 9. Maifeld Derby (Festival) Stadtpalais, Stuttgart Freund & Kupferstecher präs. Dexter (Producer) + Tribez. – live (Party) So 16. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Wertwiesenpark, Heilbronn The Kelly Family (Konzert) Maimarktgelände, Mannheim 9. Maifeld Derby (Festival) Heuchelberger Warte, Leingarten Gunter Haug liest: »Von Rittern, Bauern und Gespenstern – Geschichten aus dem prallen mittelalterlichen Leben« (Lesung) Mo 17. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Di 18. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Mi 19. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Mobilat, Heilbronn Neuron w/ (Clubbing) Gartenlaube, Heilbronn Seefest (Fest) Kulturhaus Würth mit Bibliothek Frau Holle, Künzelsau Faisal Hamdo »Fern von Aleppo – wie ich als Syrer in Deutschland lebe« (Lesung) Do 20. Hip Island, Heilbronn Liebe für meine Stadt (Open Air Festival) Gartenlaube, Heilbronn Seefest (Fest) 08. – 20.06.2019 Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Caro Josée & Band (Konzert) Fr 21. BUGA, Heilbronn Hanix Neckarstrand-Party mit DJ Dexter & Candy Pollard (Party) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) experimenta, Heilbronn Die Drei ??? und das versunkene Schiff (3D-Hörspiel) Sa 22. Gartenlaube, Heilbronn Seefest (Fest) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) Theaterschiff, Heilbronn Weiber! Ein musikalischer Mädelsabend (Theater) experimenta, Heilbronn Voices in the Dark Reloaded (Musikshow) So 23. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Mo 24. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) TUM Campus, Heilbronn Bachelor in Management & Technology der TUM School of Management (Online-Info-Chats) 20. – 30.06.2019 Di 25. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Kiliansplatz, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Kulturhaus Würth mit Bibliothek Frau Holle, Künzelsau Singbar! (Karaoke-Erlebnis) Mi 26. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Richard-Drautz-Stiftung, Heilbronn Auszeit mit Andreas Posthoff (Begegnungrunde & Lesung) Do 27. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Zigarre Kunst- und KulturWerk- Haus, Heilbronn Heilbronner Schreibtischtäter: Familienbande – Geschichten von Liebe und Hass (Lesung) Weingut Albrecht-Kiessling, Heilbronn After-Work mit Viola (After Work Party) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Gerd Putscheffs »Duende Now« (Konzert) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) Schlosshof und Schlosspark, Bonfeld 6. Blacksheep Festival (Festival) Fr 28. Mobilat, Heilbronn Breaking Ground (Clubbing) Botanischer Obstgarten, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Unterwegs mit SOFIA (Führung) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) experimenta, Heilbronn Die Drei ??? und das versunkene Schiff (3D-Hörspiel) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) Schlosshof und Schlosspark, Bonfeld 6. Blacksheep Festival (Festival) Festplatz Am Viadukt, Bietigheim-Bissingen Dieter Thomas Kuhn & Band (Konzert) Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker – Sommerkonzert im Rahmen des Würth Open Airs 2019 (Konzert) Sa 29. Theaterschiff, Heilbronn Heinz-Erhardt-Abend (Theater) Zigarre Kunst- und KulturWerk- Haus, Heilbronn Vernissage »touching balls« (Ausstellung) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Simply the best (Konzert) Marktplatz, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Kulturkeller, Heilbronn Zurück zum Happy End (Theater) Bahnhofsvorstadt, Heilbronn Fest der Vielfalt u. a. mit Soul Connection (Straßen- und Kiezfest) experimenta, Heilbronn Voices in the Dark Reloaded (Musikshow) experimenta, Heilbronn Berufspraxistag Naturwissenschaft und Technik (Infotag) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) Schlosshof & Schlosspark, Bonfeld 6. Blacksheep Festival (Festival) Festplatz Am Viadukt, Bietigheim- Bissingen HipHop am Viadukt: Dendemann, Antilopen Gang, Fatoni & Co. (Konzert) Carmen Würth Forum, Künzelsau Revolverheld und Support Aura Dione – Würth Open Air 2019 (Konzert) So 30. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Irgendwann geht alles kaputt (HörSpielpräsentation) Carmen Würth Forum, Künzelsau Foreigner und Alan Parsons Live Project – Support: Mother´s Finest – Würth Open Air 2019 (Konzert) Heilbronner Land RadKultur (Fahrrad-Event) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) Wartesaal, Besigheim Eyes to my Soul (Vernissage) 97

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Termine Juli 2019 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Mo 01. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) Im Wizemann, Stuttgart Suicideboys (Konzert) 98 Di 02. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) TUM Campus, Heilbronn Bachelor in Management & Technology der TUM School of Management (Online-Info-Chats) Festplatz, Bad Wimpfen Talmarkt 2019 (Volksfest & Krämermarkt) SAP Arena, Mannheim Udo Lindenberg: Live 2019 (Konzert) Mi 03. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) SAP Arena, Mannheim Udo Lindenberg: Live 2019 (Konzert) Do 04. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Rollschuhplatz, Nordheim Sunstorm Open Air 2019 (Festival) Mercedes-Benz Museum, Stuttgart Mercedes-Benz Konzertsommer 2019: Andreas Bourani (Konzert) Kulturzentrum Tollhaus, Karlsruhe The Ukulele Orchestra of great Britain (Konzert) Fr 05. Theaterschiff, Heilbronn Weiber! Ein musikalischer Mädelsabend (Theater) Innenstadt, Heilbronn Critical Mass Heilbronn (Fahrrad-Demo) Rollschuhplatz, Nordheim Sunstorm Open Air 2019 (Festival) Museum Würth, Künzelsau Samuel Koch & Samuel Harfst (Konnzertlesung) Diverse Orte, Heidelberg Bis 20. Juli: Metropolink #05 - Opening (Street-Art-Festival) Altes Schloss, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Mnozil Brass - Gold (Konzert) Mercedes-Benz Museum, Stuttgart Mercedes-Benz Konzertsommer 2019: Cro (Konzert) SAP Arena, Mannheim Neil Young (Konzert) Sa 06. Kulturkeller, Heilbronn Rainer Bielfeldt: Die Erinnerung von morgen (Konzert) Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Die Sonne - Der Stern von dem wir leben (Führung) Götzenturm, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Rollschuhplatz, Nordheim Sunstorm Open Air 2019 (Festival) Blühendes Barock Gartenschau Ludwigsburg Bis 29. August: Sandkunst 2019 Mercedes-Benz Museum, Stuttgart Mercedes-Benz Konzertsommer 2019: Max Herre (Konzert) Altes Schloss, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Bobby McFerrin - Gimme 5 (Konzert) SAP Arena, Mannheim Mark Knopfler & Band (Konzert) So 07. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Rollschuhplatz, Nordheim Sunstorm Open Air 2019 (Festival Mercedes-Benz Museum, Stuttgart Mercedes-Benz Konzertsommer 2019: Walk off the Earth (Konzert) Altes Schloss, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Chilly Gonzales & Kaiser Quartett (Konzert) Mo 08. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Wartesaal, Besigheim Unser Saatgut – wir ernten was wir säen (Attac-Film) Di 09. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Kulturzentrum Tollhaus, Karlsruhe Anna Calvi (Konzert) Mi 10. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Schlossplatz, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Bob Dylan (Konzert) 01. – 10.07.2019 Hanix Nr. 61

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Hanix Nr. 61 Mercedes-Benz Arena, Stuttgart Pink: Beautiful Trauma World Tour (Konzert) Do 11. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Hallo Heilbronn – Sommerspezial (Talkreihe) Johanniterkirche, Schwäbisch Hall Ulrike Schweikert liest aus »Die Astrologin« (Lesung) Schlossplatz, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Sting (Konzert) Fr 12. Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Jupiter und Saturn - Gasriesen am Abendhimmel (Führung) Schlosspark, Bad Rappenau 3. Rappenauer Weindorf (Weinfest) Leonhardskirche, Stuttgart PeterLicht - Wenn Wir Alle Anders Sind (Konzert) Schlossplatz, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Jamie Cullum & LP (Konzert) Sa 13. Hauptstraße, Weinsberg Dîner en blanc (Straßen- Picknick) Schlosspark, Bad Rappenau 3. Rappenauer Weindorf (Weinfest) 10. – 23.07.2019 Schlossplatz, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Christina Aguilera & Aloe Blacc (Konzert) SAP Arena, Mannheim Reggaeton Festival mit dem Headliner Bad Bunny (Konzert) So 14. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Carmen Würth Forum, Künzelsau Ballett-Abschlussgala der staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim (Ballett) Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall Joie de vivre – Französisches Sommerfest in der Kunsthalle Würth! (Museumsfest) Götzenburg, Jagsthausen Comedy & Lunch mit Michael Krebs (Benefiz-Veranstaltung) Schlossplatz, Stuttgart Jazzopen Stuttgart: Parov Stelar (Konzert) Mo 15. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Di 16. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Robert-Mayer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Partielle Mondfinsternis (Astro-Event) Mi 17. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Bankhaus, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Do 18. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Theaterschiff, Heilbronn Heinz-Erhardt-Abend (Theater) Audi Forum, Neckarsulm Be Inspired: Superfood – Großer Hype, kleine Wirkung? (Talkreihe) Fr 19. Botanischer Obstgarten, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Biergarten Saline, Bad Friedrichshall Soul Connection (Konzert) Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe Das Fest 2019 (Festival) Sa 20. Haigern, Talheim Haigern live! 2019 (Festival) Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe Das Fest 2019 (Festival) So 21. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Haigern, Talheim Haigern live! 2019 (Festival) Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe Das Fest 2019 (Festival) Mo 22. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Haigern, Talheim Haigern live! 2019 (Festival) Di 23. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Klee 1 Die Wein- und Tapasstube in Ilsfeld geöffnet 13.-16.06. 04.-07.07. Klee 1 - 74360 Ilsfeld weingut-golter.de - 07062/978940 christoph@weingut-golter.de 99

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Harmonie, Heilbronn Erste Allgemeine Verunsicherung (Konzert) Mi 24. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Do 25. Hip Island, Heilbronn Kingston Vibes by Yardstyle Sound (Beach-Clubbing) Wilhelm-Waiblinger-Haus, Heilbronn Open Air Poetry Slam auf dem Viel & Draußen Festival (Poetry Slam) Weingut Albrecht-Kiessling, Heilbronn After-Work mit Viola (After Work Party) Fr 26. Wilhelm-Waiblinger-Haus, Heilbronn Viel & Draußen Festival (Festival) Burg Hohenbeilstein, Beilstein Weinbergfest Beilstein 2019 (Weinfest) Kulturzentrum Tollhaus, Karlsruhe Joris: Schrei es raus - Sommer 2019 (Konzert) Sa 27. Wilhelm-Waiblinger-Haus, Heilbronn Viel & Draußen Festival (Festival) 100 Kaffeebucht, Heilbronn Spiel mich! Heilbronn (Piano-Art-Event) Burg Hohenbeilstein, Beilstein Weinbergfest Beilstein 2019 (Weinfest) So 28. Hip Island, Heilbronn Soul Sunday (Beach-Clubbing) Burg Hohenbeilstein, Beilstein Weinbergfest Beilstein 2019 (Weinfest) Mo 29. Hip Island, Heilbronn Day One Studententag (Beach-Clubbing) Burg Hohenbeilstein, Beilstein Weinbergfest Beilstein 2019 (Weinfest) Di 30. Hip Island, Heilbronn Bingo (Beach-Clubbing) Schloss Ludwigsburg, Ludwigsburg KSK music open 2019: Gregory Porter (Konzert) Mi 31. Hip Island, Heilbronn Beach of Happiness (Beach-Clubbing) Schloss Ludwigsburg, Ludwigsburg KSK music open 2019: Tom Jones (Konzert) 23. – 31.07.2019 Hanix-PARTY 2. AUGUST 2019 KUNSTHALLE VOGELMANN Hanix auf der BUGA 21. Juni Neckar-Strand-Party mit DEXTER & CANDY POLLARD 20. Juli Live-Hörspiel mit Theater-Performance von TACHELES & TARANTISMUS 20. September Lesung der besten Hanix-Kolumnen mit OLIVER MARIA SCHMITT Interesse an einem Hanix-Abo? Dann mailt uns! abo@hanix-magazin.de www.hanix-magazin.de facebook.com/hanix.magazin Hanix Nr. 61

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Für Freunde, Familie, Neuankömmlinge, Alteingesessene und Abgewanderte. Für nen schlappen 40er gibts sechs Mal Hanix in den Briefkasten. Hanix Nr. 61 Bestellen unter: → abo@hanix-magazin.de → shop.hanix-magazin.de/shop SCHENKE EIN MAGAZIN! 28. – 31.05.2019 101

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Tiere ab 18 Lisa Maria Klotz kam wahrscheinlich durch Geburt zur Welt. Seitdem zeichnet, malt und spielt sie am liebsten Quatsch. Zur Beruhigung backt Lisa Pfannkuchen und ihr animalisches Buch »Tiere ab 18« soll man sich und anderen gefälligst in großer Stückzahl bestellen! Check da Shit out: www.tiereab18.de Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 61 102 TIERE AB 18

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Alle 60 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf- Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online-Archiv unter www.hanix-magazin.de. Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Meli Dikta

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Genieße den Sommer mit uns auf der BUGA Wir sind offizieller Partner der BUGA Besuche unser Insektenhotel, bestaune unseren Karl in der Zwergen ausstellung und genieße unsere Lidl-Blumenwiese! Außerdem sind wir Lebensmittel partner der SWR-Küche! Das Lidl-Bienenprojekt schützt und fördert die Artenvielfalt lidl.de/lebensraum Für Druckfehler keine Haftung. Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Rötelstr. 30, 74166 Neckarsulm lidl.de/buga