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Kostenloses Mitnahme-Exemplar Nr. 65 Februar/März 2020 Titelthema: Nachhaltigkeit & Klimaschutz für eine Zukunft!

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Die zweite Staffel von „Hallo Heilbronn!“ ist gestartet. Wir freuen uns auf unsere Gäste! Sascha Straub Großartige Gäste und Live- Musik im einzigartigen Ambiente des Abraham-Gumbel-Saals. Immer um 19:00 Uhr, Saalöffnung 18:30 Uhr Der Eintritt ist frei! Termine Frühjahr 2020: 13. und 27.02. 12. und 26.03. Weiter geht‘s im Oktober! Abraham-Gumbel-Saal Heilbronner Bankhaus Allee 18 Saalöffnung 18:30 Uhr www.volksbank-heilbronn.de Besuchen Sie uns auch auf:

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 65 die Welt steht an einem Scheidepunkt. Der Klimawandel schafft es inzwischen regelmäßig auf die Titelseiten der großen Magazine und Gazetten. Ist die Welt noch als eine lebenswerte für die kommenden Generationen zu retten? Schaffen wir es, ein nachhaltiges Leben und Wirtschaftssystem zu etablieren – und zwar schnell? Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass wir nur eine Welt haben und diese seit Jahrhunderten von uns vergewaltigt wird. Die Quittung bekommt die Menschheit gerade serviert. Unser Themenschwerpunkt: »Nachhaltigkeit & Klimaschutz«. Dafür haben wir die Klimademo in Heilbronn am Black Friday begleitet, wir haben uns angeschaut, wie die unabhängige Bürger-Energie-Genossenschaft EnerGeno die Energiewende vor Ort vorantreibt, wir blicken auf die Smoghistorie der Stadt zurück und haben Aktivisten und Akteure für den Klimaschutz und nachhaltiges Handeln porträtiert. Und wir haben uns erklären lassen, was es kosten würde, Heilbronn zur CO2-neutralen Stadt zu machen. Schlappe 1,3 Milliarden Euro! Am 25. März lesen und streiten JAKOB AUGSTEIN und NIKOLAUS BLOME in bewährter und unterhaltsamer Weise im Komödienhaus des Heilbronner Stadttheaters. Ihr fortlaufendes Phoenix-Streitgespräch haben die beiden abgedruckt. Jetzt sind sie mit ihrem Buch »Oben und unten« auf Tour. Autor Jan Freitag bat die beiden Journalisten zum Interview, um sich über die Kraft des Streitgesprächs zu unterhalten. Autorin Brigitte-Fritz Kador hat sich in dieser Ausgabe dem anstehenden Hölderlin-Jahr gewidmet. Designerin SEVTAP CELIK von Paper & Sons hat ihren Papierrucksack für uns gelehrt, Fotografin ULLA KÜHNLE zeigt uns kurz vor ihrer EDITORIAL Fotoausstellung ihren liebsten Fotoapparat und der historische Schuss zeigt diesmal einen der ersten Ökos Heilbronns – Hans Harnischfeger. Und zu guter Letzt noch der Hinweis auf den Originalteile-Podcast. Einmal im Monat veröffentlichen wir seit Juni 2019 eine neue Folge des »Leute-Podcasts aus Heilbronn & Region«. Bisher waren Gastronomin Mares Baudewijns, Unternehmer Burkhard Snapa, Hip-Island-Vater Ralph Munz, Trendsportveteran Stefan Pyttlik, Satiriker Oliver Maria Schmitt, Winzerin Viola Albrecht, Reisebloggerin Katrin Lehr und Olympiasiegerin Carina Bär die Gesprächspartner von Robert Mucha. Für eine Zukunft: die Wenigflieger von Hanix. In der Region hat man Erfahrung mit schlechter Luft: Verkehrsschild in Beilstein, das auf den Ozon-Versuch von 1994 hinweist. Foto: B. Kimmerle 3

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IMPRESSUM VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Dr. Bernhard Stumpfhaus, Lilja von Mannstein AUTOREN UND MITARBEITER Gunter Haug, Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Maria Maroge, Kathrin Stärk, Maike Endresz, Sarah Baudenbacher, Steffen Weimann, Jan Freitag ARTDIREKTION & GRAFIK Raimar Schurmann FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATOREN Meli Dikta, Ulla Kühnle, Nico Kurth, Anton Knittel, Sebastián Laraia, Lisa Maria Klotz, Ryuichi Maruo, Fritz Friederich, Barbara Kimmerle, Paula Frank, Jan Wojcik LEKTORAT Marcel Kantimm & Udo Völker VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.), Lilja von Mannstein VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2020 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: Universitätsstadt Heilbron 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für Februar und März 14 Streifzug durch die Region Diesmal: Interview mit Posturologie-Experte Martin Lochner, MHP Riesen & Hölderlins musikalische Huldigung 16 Notizen aus der Provinz DIE GUNTER HAUG KOLUMNE Stadt lass nach! 18 Taschenkontrolle bei Sevtap Celik, Co-Founder bei Paper & Sons – The Paper Bag Company 20 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Fotografin Ulla Kühnle 22 ABENTEUER UM DIE ECKE Lunchkonzert beim WKO 24 Politik & Gesellschaft Wehret den Anfängen! – Antisemitismus in Heilbronn? Hanix Nr. 65 4 INHALT

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Hanix Nr. 65 26 Kultur I Komm ins Heutige, Freund! – Zum 250. Geburtstag von Dichter Friedrich Hölderlin 30 Kultur II Tanzduo Gonzales/Fauser aus Heidelberg 32 Kunst Die Wahrheit des Leibes – Das Künstlerduo VestAndPage 34 Film Arthaus-Tipps »Suicide Tourist« & »Die perfekte Kandidatin«. Dazu weitere Filmstarts 38 Interview des Monats Nikolaus Blome und Jakob Augstein liegen politisch weit auseinander. Bei Jakob Augstein und Nikolaus Blome ist das keine Frage, sondern Konzept. Hier gibt es keine Große Koalition, hier herrscht gepflegte Konfrontation: keine Phrasen, keine Kompromisse, sondern klare Kante. Wir baten die beiden Journalisten zum Interview, um sich über die Kraft des Streitgesprächs zu unterhalten. HANIX NR. 65 44 Titelthema Die Förderung nachhaltiger Entwicklung und der Kampf gegen den Klimawandel sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit. Nachhaltige Entwicklung ist zwar eine globale aber eben auch eine lokale und regionale Aufgabe. 72 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT- KOLUMNE Gegen Pussy und Zahnpasta auf Mallorca 74 Brief an die Heimat Steffen Weimann aus China & Neuseeland 76 Historischer Schuss Im Pfühlpark, 1980 78 .jpg BILDERGALERIE U. a. mit Hundeglück im Schuhkarton, Heuchelberger Warte, Weihnachtsbaumverkauf, Holymess Multimarkt u. v. m. 82 Veranstaltungskalender Gute Termine für Februar und März 90 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: Die Bärsche 5

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MITTWOCH, 07. FEBRUAR 2018, 12:58 UHR BILDUNGSCAMPUS, HEILBRONN Reinhold R. Geilsdörfer und Peter Frankenberg von der Dieter Schwarz Stiftung, Oberbürgermeister Harry Mergel, der ehemalige TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann und Dekan Gunther Friedl (v. l.) halten im Februar 2018 hoffnungsfroh das akademisch anmutende Heilbronner Ortseingangsschild vor der Brust. Ab dem 1. Februar 2020 wird der Traum der Herren zwei Jahre später Wirklichkeit: Heilbronn darf sich offiziell »Universitätsstadt« nennen. Zweimal war Heilbronn der Titel von der Landesregierung in der Vergangenheit verwehrt worden. Seinen neuerlichen Vorstoß hatte Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) mit der dynamischen Entwicklung auf dem Bildungscampus begründet. Mergel durfte zurecht optimistisch sein. Schließlich ist es das Innenministerium, das darüber entscheidet, was auf Verkehrsschilder geschrieben werden darf. Und an dessen Spitze steht mit Thomas Strobl ein gebürtiger Heilbronner. Hanix Nr. 65 Foto: Anton Knittel / Stadt Heilbronn 6 HINGUCKER

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MITTWOCH, 07. FEBRUAR 2018, 12:58 UHR BILDUNGSCAMPUS, HEILBRONN Heilbronn darf sich vom kommenden Februar an »Universitätsstadt« nennen – nach Mannheim, Konstanz, Ulm und Tübingen als fünfte Baden-württembergische Stadt. Aber hat man je von einer Heilbronner Universität gehört? Sei´s drum: Die TUM ist da. Obwohl es sich allenfalls um einen winzig kleinen Teil einer Universität handelt: nicht einer Heilbronner, sondern der Münchner Technischen Universität. Die lässt sich in Heilbronn durch die Dieter Schwarz Stiftung 20 Professuren finanzieren. »Universität« ist daher eigentlich nur ein geliehener Titel. Passendere Vorschläge? Wie wäre es mit Universitätle-Stadt? Oder gleich München – Stadtteil Heilbronn? Hanix Nr. 65 Foto: Anton Knittel / Stadt Heilbronn WEGGUCKER 7

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DIE TIPPS FÜR HEILBRONN Clubbing 01. Februar LASS DICH FEIERN: SASCHA SONIDO Bukowski, Heilbronn Sascha Sonido steuert heute das Buko an. 2011 ist er mit Volldampf in der Szene aufgetaucht, und schnell haben die krassesten Labels angebissen. Mittlerweile ist er selbst Labelhead von Straight Ahead Music. Im Buko geht er heute mit seiner großen Empathie für Club-Musik ans Werk und genau das machen unsere Heilbronner Homies auch! Party 08. Februar HANIX-PARTY MIT SOUL CONNECTION, ULRIK NEUMANN & AAMES Arkus, Heilbronn Tanzt! Mit! Uns! Die nächste Hanix- Party bittet zum Hüftschwung. Diesmal können wir mit dem Arkus-Gebäude in der Happelstraße 17 wieder eine außergewöhnliche Location anbieten. Ab 21 Uhr spielt Soul Connection live und in Farbe. DJ Ulrik Neumann versorgt euch davor und danach mit feinsten, sehr tanzbaren Musikstückchen. Anschließend wird euch Aames elektronische Mucke um die Ohren hauen. Gefeiert wird von 19 Uhr bis 4 Uhr in der Früh. Der Kulturbeitrag beträgt schlappe 5 Euro. 8 Lesung & Therapie 13. Februar SEBASTIAN LEHMANN – ELTERNZEIT Theaterschiff, Heilbronn Wie alle echten Berliner kommt Sebastian Lehmann eigentlich aus Süddeutschland. Deswegen telefoniert er sehr oft mit seinen Eltern in der badischen Provinz. Dabei unterhalten sie sich über seine brotlose Kunst als so genannter Schriftsteller, Tiefkühlpizza als Hauptmahlzeit und warum immer noch keine Enkelkinder auf dem Weg sind. Sebastian hat die Telefonate mitgeschrieben und liest sie jetzt auf der Bühne und im Radio vor. Seine Mutter ist stolz, sein Vater wollte sich nicht äußern … Lesung & Live-Ermittlung 06. März PROFILER SUZANNE GRIEGER-LANGER – COOL IM KREUZFEUER Harmonie, Heilbronn Profiler Suzanne Grieger-Langer stellt ihr neues Buch vor: »Cool im Kreuzfeuer – Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmordkampagnen souverän überstehen«. Doch dies ist keine Lesung – dies ist eine Live-Ermittlung! Die berühmteste Profilerin Deutschlands entschlüsselt live den Code des konzertieren Rufmordes, benennt die Aggressoren und verrät, wie man sich vor ihnen schützen kann. »Cool im Kreuzfeuer« ist packende Unterhaltung zu einem sehr ernsten Thema. Kreisliga A Fußball 08. März VFR HEILBRONN - SGM HÖCHSTBERG/TIEFENBACH Frankenstadion, Heilbronn Aufsteiger VfR Heilbronn ist verlustpunktfrei durch die gesamte Hinrunde gekommen – 14 Spiele, 14 Siege lautet die beeindruckende Serie. Nachdem der Rückrundenauftakt eine Woche zuvor in Dahnfeld bestritten wird, bittet der VfR Heilbronn zum ersten Heimspiel 2020. Ziel für die Rückrunde: der direkte Bezirksliga- Aufstieg – gerne ohne Punktverlust! Fotografie-Ausstellung 20. März VERNISSAGE FOTOGRAFIE ULLA KUEHNLE 2002/2020 Zigarre Kunst- und Kulturwerkhaus, Heilbronn Ulla Kuehnle ist Fotografin aus Leidenschaft, mit ihren Bildern prägt sie u. a. Heilbronns Bildsprache. Nun wird es Zeit für ihre erste Ausstellung. Die Heilbronnerin zeigt im Sheddach der Zigarre Fotografien, die in den vergangenen 18 Jahren ihrer freischaffenden Tätigkeit als Fotografin entstanden sind. Die Ausstellung läuft bis zum 5. April. Ab 19 Uhr sind zur Vernissage die Türen am 20. März geöffnet. STADTLEBEN Hanix Nr. 65

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» Tanzt mit uns!« Hanix Happelstr. 17 74074 Heilbronn Soul Connection (live) DJ Ulrik Neumann & DJ Aames P A R T Y in 19 – 4 Uhr der Kulturbeitrag: 5 Euro A r k u s Samstag 8. 2. 2020

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DIE TIPPS FÜR DIE REGION Comedy 06. Februar ABDELKARIM – STAATSFREUND NR. 1 Neubausaal, Schwäbisch Hall Abdelkarim wusste jahrelang nicht, was er eigentlich ist. Ein deutscher Marokkaner, ein marokkanischer Deutscher oder einfach nur abschiebewürdig? Mittlerweile weiß er es: Er ist ein Deutscher, gefangen im Körper eines Grapschers. Aber Abdelkarim hat sich um den Gesellschaftsteilnahmeschein bemüht. Und er hat es geschafft: Er ist der wichtigste Mann in Deutschland. Er ist der »Staatsfreund Nr. 1«! Konzert 16. Februar GISBERT ZU KNYPHAUSEN (DUO) Scala, Ludwigsburg »Ein trauriger Mann über das Leben und Sterben« schrieb der deutsche Rolling Stone über das aktuelle Gisbert zu Knyphausen- Album »Das Licht dieser Welt«. Und auch wenn der Berliner Songwriter natürlich gar nicht immer traurig ist, geht besagte Platte beim Hören an unheimlich vielen Stellen 10 ganz, ganz tief unter die Haut. 2020 wird Gisbert hier und da mit dem Vibrafonisten Karl Ivar Refseth im Duo unterwegs sein, um neue und alte Songs in ganz speziellen, akustischen Arrangements zu spielen. Musical 20. Februar HÖLDER - DAS ROCK-MUSICAL Stadthalle, Lauffen Im Jahr 1793 begegnen uns Hölderlin, Schelling und Hegel während ihrer Studienzeit am Tübinger Stift. Im Kern formulieren sie, wie wir zu einem guten Leben für alle gelangen – und das auch noch im Einklang mit der Natur! Über diese mittlerweile zwar 230 Jahre alte These gerät eine Schulklasse im Jahr 2020 in Streit. Passt das, was die Dichter schreiben, wirklich in die Gegenwart? Im Rockmusical »Hölder« berühren sich bedeutende Figuren und Gedankenwelten aus dem 18. Jahrhundert und heute. Lesung 19. März JAN JOSEF LIEFERS – SOUND- TRACK MEINER KINDHEIT Carmen Würth Forum, Künzelsau Der Schauspieler, Regisseur und Musiker Jan Josef Liefers erlebte seinen Durchbruch 1997 an der Seite von Til Schweiger in »Knocking on Heaven’s Door« und in Helmut Dietls »Rossini«. Im Münsteraner »Tatort« gibt er den Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne. Im Carmen Würth Forum liest er u. a. aus seinem Buch »Soundtrack meiner Kindheit« und Literatur von T. C. Boyle und Paul Auster. Konzert 22. März KONSTANTIN WECKER & JO BARNIKEL – SOLO ZU ZWEIT Forum am Schlosspark, Ludwigsburg »Poesie und Musik können vielleicht die Welt nicht verändern, aber sie können denen Mut machen, die sie verändern wollen.« Dies ist und bleibt der Wunsch von Konstantin Wecker. Die Gäste seines Programms »Solo zu zweit«, das er mit seinem langjährigen Bühnenpartner Jo Barnikel präsentiert, erleben einen Abend, der geprägt sein wird von kraftvollen Tastenklängen und feinfühliger Poesie. Comedy 26. März BÄRBEL STOLZ - »TOLLER ARSCH« Alte Mälzerei, Mosbach Als »Die Prenzlschwäbin« ist sie in der Comedywelt durchgestartet. 2020 lässt sie die Fiktion hinter sich und tritt als Bärbel Stolz auf – ganz nahbar, ganz neu, ganz unverfälscht, mit viel Intelligenz, Humor und einem tollen Hintern. In ihrem Bühnenprogramm »Toller Arsch« geht es um das Leben als Frau in der Großstadt. Als Heldin des eigenen Lebens muss eine Frau die unterschiedlichsten Rollen spielen: Mutter, Hausfrau, irgendwie emanzipiert – aber bitte immer sexy. LANDLEBEN Hanix Nr. 65

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1.000 FRAGEN AN DIE ZUKUNFT Nr. 501 HABEN WIR DIE ZUKUNFT IM BLICK? Nur was nachhaltig ist, ist auch zukunftsstark. Daher ist es unsere Verantwortung, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Eine große Herausforderung, der wir uns täglich neu stellen. Indem wir vorausschauend wirtschaften, Gesellschaft und Umwelt stets im Blick behalten und auf ein respektvolles Mit einander achten. bechtle.com/nachhaltigkeit Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, mit Umsicht zu wachsen und ganz konkret in den Schutz unserer Umwelt zu in - vestieren. Zum Beispiel durch den Einsatz regenerativer Energien, neue Mo bilitätskonzepte und die Reduktion von Ve r- packungsmaterialien. Deshalb setzen wir nicht nur auf smarte Lösungen für Ihre IT – sondern auch für die Zukunft. 11

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Konzert 12. Februar KIEFER SUTHERLAND – LIVE 2020 Im Wizemann, Stuttgart Nach den Erfolgstourneen in 2017, 2018 und 2019 kündigt Hollywood- und TV-Star sowie Sänger Kiefer Sutherland im Februar 2020 erneut Konzerte hierzulande an. Im Rahmen der vier bestätigten Termine wird er natürlich auch sein aktuelles Album »Reckless & Me« im Gepäck haben. »Reckless & Me« ist authentischer Country- Rock mit geschickt gesetzten Anleihen von Blues, Folk und Americana – getragen von der kernig-rauen Stimme des rauchenden Whiskeyliebhabers. Kunstmesse 13. bis 16. Februar ART KARLSRUHE Messe, Karlsruhe Die 17. Ausgabe der art Karlsruhe wird vom 13. bis 16. Februar 2020 Kunst aus einer Spanne von 120 Jahren in den Karlsruher 12 Messehallen vereinen. Die Messe bietet rund 50.000 Besuchern ein umfangreiches Angebot, das von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst reicht. Über 200 internationale Galerien präsentieren ihr Galerieprogramm sowie zahlreiche One-Artist-Shows, flankiert von einem vielseitigen Rahmenprogramm und den Sonderausstellungen. Lesung 23. Februar CLAUS KLEBER – LESEN. HÖREN14 Alte Feuerwache, Mannheim Breaking News. Claus Kleber zu Gast. Seit einigen Jahren arbeitet lesen.hören daran, ihn nach Mannheim zu locken. Es hat geklappt! »Na gut, Sie charmante Nervensäge«, schrieb er im November. Lebt man gefährlicher als früher in Europa, wenn man im Dienste der Wahrheit recherchiert? Wie hat Edward Snowden das Geschäft mit der Nachricht verändert? Das alles fragt Insa Wilke Claus Kleber. Heute Abend nicht auf dem Bildschirm, sondern live auf der Bühne der Alten Feuerwache. Lesung 02. März RONJA VON RÖNNE - »JETZT IST NOCH VIEL SCHLECHTER«-TOUR 2020 Karlstorbahnhof, Heidelberg Ronja von Rönne, geb. 92, hat sehr viele Studien abgebrochen und einige Praktika absolviert. Dabei hat sie gelernt, dass sie weder Studentin noch Praktikantin werden will. Seitdem schreibt sie, oft für die Welt am Sonntag, selten ganze Bücher und immer auf sudelheft.de. 2016 ist ihr erster Roman »Wir kommen« im Aufbau Verlag erschienen. Im Februar 2017 erschien ihr zweites Buch »Heute ist leider schlecht«, eine Sammlung ihrer besten Kolumnen und neuer Texte im Fischer Verlag. Konzert 03. März MAX HERRE – »ATHEN TOUR 2020« Capitol, Mannheim Im März 2020 geht Max Herre mit seinem vierten Solo-Album ›Athen‹ auf ausgedehnte Konzerthaus-Tour. Zwanzig Jahre nach der Hitsingle »Mit dir« knüpfen Max Herre und Joy Denalane an die Vergangenheit an und besingen auf »Das Wenigste« erneut ihre Liebe. ›Athen‹ ist eine ganz und gar einzigartige Platte: Weil sie sich aus Erinnerung speist und dabei radikal frisch klingt. Nach den ausverkauften Open Air Shows dürfen sich die Fans des Ausnahmekünstlers wieder auf die Intimität der Konzertsäle freuen. Satire-Show 11. März DER POSTILLON - LIVE Theaterhaus, Stuttgart Im Jahr 2017 begann eine neue Ära: Der Postillon - Live brachte die seriösesten Nachrichten in die entlegensten Ecken des Landes. Jetzt kommen sie wieder! Besser und neuer! Die alten Autoren der Nachrichtenshow wurden – dem Willen des Publikums entsprechend und um Tantiemen zu sparen – gnadenlos gefeuert, der Soundtrack wurde neu komponiert und die Moderatoren Thieß Neubert und Anne Rothäuser werden pünktlich zum Tourstart nur wenig gealtert sein. Aber eines bleibt wie gewohnt: die unerschütterliche Liebe zum Publikum. METROLEBEN Hanix Nr. 65

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Nachhaltigkeit, Design und Mobilität. Der erste vollelektrische Porsche. Soul, electrified. Der neue Taycan. Ab sofort bestellbar im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Taycan Turbo S · Stromverbrauch (in kWh/100 km): kombiniert 26,9; CO₂-Emissionen kombiniert 0 g/km Stand: 12/2019 Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel. +49 7131 5034-200 www.porsche-heilbronn.de

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AUF DIE HALTUNG KOMMT ES AN MARTIN LOCHNER, Fachapotheker für Offizin- und Klinische Pharmazie, war 48 Jahre als Apotheker in Heilbronn tätig. Zuletzt als Gründer und Inhaber des »Haus der Gesundheit« am Wollhaus. Ein Italien- Urlaub im Jahr 2004 machte ihn auf eine innovative Therapieform aufmerksam. Die Posturologie wird bereits seit Jahrzehnten in Italien und Frankreich zur Behandlung der Volkskrankheit Rückenschmerzen eingesetzt. Als Betreiber einer Posturologie-Praxis mit Belegärzten in der Allee und Organisator von Seminaren und Workshops zur Ausbildung von Ärzten, Zahnärzten, Physiotherapeuten und Heilpraktikern widmet er sich heute ausschließlich der Bekanntmachung dieser völlig neuen Sichtweise auf die Entstehung von Erkrankungen und Schmerzen des Bewegungsapparates in Deutschland. Von Lilja von Mannstein, Foto: Meli Dikta Hanix: Herr Lochner, bei der Posturologie, übersetzt die Lehre des Körperhaltungssystems, handelt es sich um ein alternativmedizinisches Konzept zur Behandlung von Rücken-, Gelenk-, und Muskelschmerzen. Welchen Ansatz verfolgt diese Therapieform? Martin Lochner: Im Vergleich zu herkömmlichen Therapien, die symptomatisch behandeln, zielt die Posturologie darauf ab, die Schmerzursache zu beheben. Diese liegt nach Ansicht der Posturologen in der Fehlhaltung eines Menschen. Denn wenn jemand korrekt steht, entstehen keine Fehlspannungen oder Fehlbelastungen in den Gelenken und somit auch keine Schmerzen. Sie sind Geschäftsführer der Posturologie Forschungsgruppe e. V., die sich u. a. dafür einsetzt, dass die Posturologie als Therapieform zunehmend in Deutschland Fuß fasst. Im Mittelpunkt steht dabei eine Behandlungsmethode, die sich »globale Haltungsreprogrammation« nennt. Klingt wie ein Computer-Update am Menschen. Was erwartet einen Patienten bei dieser Zurückprogrammierung seines Haltungssystems? Die Haltung eines Menschen ist in seinem Langzeitgedächtnis gespeichert. Wenn ein Mensch über einen Zeitraum von etwa neun Monaten eine Fehlhaltung einnimmt, speichert das Gehirn diese als normale Haltung ab. Bei der globalen Haltungsreprogrammation findet praktisch eine Umspeicherung in die korrekte Haltung statt. Diese wird im Langzeitgedächtnis verankert. Die Fehlhaltung wird durch die korrekte Haltung quasi überschrieben. Und wie bringen Sie einen Patienten in diese korrekte Haltung? Einfluss auf die Haltung nehmen hauptsächlich unsere Füße, unsere Augen und unsere Zähne. Die Füße lassen sich durch speziell für den Patienten angepasste Sohlen behandeln. Bei den Augen geht es in erster Linie um die Stärkung der Augenmuskulatur durch Augenübungen und gegebenenfalls die Korrektur des geringfügigen Astigmatismus von unter 0,5 Dioptrien durch eine Brille. Bei den Zähnen werden Kiefer- und Zahnstellungen überprüft und behandelt. Die Posturologie ist also eine interdisziplinäre Behandlung. Wir ziehen im Ernstfall auch Augen- und Zahnärzte hinzu. Kann jeder Patient, dessen Haltung geschädigt ist, auf diese Weise geheilt werden? Ganz ohne Medikamente und ohne Operationen? Im Prinzip ja. Es gibt sogar Schlaganfall-Patienten, die nach einer Behandlung wieder sicherer gehen können. Die posturologische Heilmethode lässt sich aber auch mit allen klassischen Therapieformen wie beispielsweise der Physiotherapie oder der Osteopathie kombinieren. Wie sieht es aus mit den Kosten für eine an die Posturologie angepasste Therapie? Ist die posturologische Heilmethode durch Leistungen der Krankenkassen abgedeckt? Es ist eine Privatleistung. Das hat aber mit der Wirksamkeit der Leistung nichts zu tun. Grund hierfür ist, dass die Therapieform noch nicht sehr bekannt und daher vom zentralen Bundesausschuss auch noch nicht genehmigt ist. Ähnlich wie bei der Akupunktur. Die wurde anfangs auch nicht von den Kassen bezahlt und ist heute aber eine Kassenleistung. Also würde ich sagen, es ist noch keine Kassenleistung. Wie viel kostet eine Therapie denn? Im ersten Jahr belaufen sich die Kosten auf circa 800 bis 1000 Euro. Darin enthalten sind die Erstbehandlung, Kontrolltermine und die Sohle. Im zweiten Jahr kommen auf den Patienten Kosten von etwa 600 Euro zu. Alles plus minus. Wann sollte man ihrer Ansicht nach einen Posturologen aufsuchen? Macht es Sinn, sich untersuchen zu lassen, auch wenn man bspw. noch keine schwerwiegenden Rückenprobleme hat? Man sollte einen Posturologen aufsuchen, wenn man immer mal wieder Rückenprobleme hat oder wenn die Haltungsstörung sichtbar ist. In der Prävention ist die Therapie natürlich am allerbesten. Für ältere Menschen als Sturzprophylaxe oder bei Kindern in der Wachstumsphase. Die Therapie ist nicht altersabhängig. Sie funktioniert beim Kleinkind bis zum über 90-Jährigen. Wie und wo finde ich einen behandelnden Arzt oder Therapeuten in meiner Nähe? Auf unserer Internetseite www.posturmedizin.de sind eine ganze Reihe aufgelistet. Sollte man dort nicht fündig werden, kann man uns gerne eine E-Mail mit der entsprechenden Postleitzahl an info@posturmedizin.de schicken. Dann nennen wir einen Therapeuten in der Nähe. ◆ Infos: www.posturmedizin.de Hanix Nr. 65 14 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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HÖLDERLIN ZUM 250. GEBURTSTAG MHP RIESEN GEGEN DEN LIGATREND Hanix Nr. 65 »… ins tiefste Herz …«, eine musikalische Huldigung und Uraufführung zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin mit Maraile Lichdi (Sopran) und dem Sonar Quartett aus Berlin. Hölderlin Gedichte und Briefe an Suzette Gontard inspirierten Luigi Nono zu seinem ätherischen Streichquartett »Fragmente – Stille. An Diotima« (1980): Emphatisches Innehalten und Verstummen geben Hölderlins Gedanken als »schweigende Gesänge aus anderen Himmeln« Raum. Feinfühliger ließe sich die tragische Beziehung des Dichters zu seiner Muse nicht nachempfinden. Sehnsucht und Suche nach paradiesischer Erfüllung bestimmen das Auftragswerk der niederländischen Künstlerin Rozalie Hirs. Sie nähert sich dem Liebespaar über das »Hohelied« und vertont ein eigenes Gedicht für Sopran und Quartett (Uraufführung). Tiefe Leidenschaft und ekstatische Seelenzustände entfacht Leoš Janáčeks bekenntnishaftes Opus »Intime Briefe« (1928). Über den genauen Inhalt der versteckten Mitteilungen des Komponisten an die ferne Geliebte können wir nur Mutmaßungen anstellen. Die vibrierende Gleichzeitigkeit von Offenbartem und Verborgenem in dieser Musik facht die Frage zu Hölderlin neu an: Welche geheimen Botschaften an Suzette mögen uns wohl für immer verborgen bleiben? ◆ 20. März 2020, 19.30 Uhr, Kilianskirche Heilbronn, Eintritt frei. Förderkreis für Neue Musik Heilbronn e. V. in Zusammenarbeit mit »Musik an der Kilianskirche Heilbronn«. 21. März 2020, 20.00 Uhr, Klosterhof Lauffen a. N., Eintritt frei. Förderkreis für Neue Musik Heilbronn e. V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Lauffen. Die Heimspiele des Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg entwickeln sich in dieser Saison zum Zuschauermagneten. Die Partien des Tabellenzweiten sind inzwischen praktisch alle ausverkauft. Markus Buchmann ist überzeugt: »Der sportliche Erfolg ist das A und O.« Nachdem die Profibasketballer aus Ludwigsburg in der vergangenen Saison die Play-offs verpasst hatten und die Spielzeit 2018/19 als keine gute abgeheftet wurde, sieht es in der aktuellen Saison aus Ludwigsburger Sicht wieder freundlicher aus beim Blick auf die Tabelle. Neben dem Liga-Primus FC Bayern München und den Korbjägern von ALBA Berlin haben sich die MHP Riesen in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt. Zeitweise konnte sogar die Tabellenführung in die Barockstadt geholt werden. Die Playoffs sollten in dieser Saison also locker erreicht werden – und vielleicht reicht es am Ende sogar zur Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb. Wie vor zwei Jahren, als die Mannschaft in der Champions League für Furore sorgte mit dem Erreichen des Final Four in Athen. Wer die Ludwigsburger Basketballer in dieser Saison noch unterstützen möchte, muss sich sputen. Denn ganz gegen den Ligatrend wachsen bei den Riesen die Zuschauerzahlen (der Zuschauerschnitt liegt aktuell bei 3.845 Besuchern) in der MHP Arena. Aktuell sind bei Heimspielen keine Karten mehr an Spieltagen zu bekommen – die Spiele sind schon zuvor ausverkauft. Das liegt vor allem an der Performance des Teams, aber auch an der Umtriebigkeit der PR- und Marketingabteilung der Riesen. Die Verantwortlichen haben parallel zu den Spielen auch hier die Aktivitäten verstärkt. Sei es mit dem Hochschul-Programm über den Grundschulligacup bis hin zum neu gegründeten Kids-Club. Die Riesen strecken sich in vielen Bereichen, um auf sich aufmerksam zu machen. ◆ #HauS gmacHt nehmen Sie ihre energieversorgung selbst in die Hand! als teil der Heilbronner energiegenossenschaft energeno eg erzeugen Sie in gemeinschaftsanlagen Solarstrom, mit dem Sie sich selbst versorgen können. lust auf energiewende in bürgerhand und echten Ökostrom aus Heilbronn? Sprechen Sie uns an www.egHf.de Energeno wir macHen Heilbronn zur SonnenStadt! Jetzt Solar- Strom von Heilbronner ScHuldäcHern bezieHen STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION 15

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Notizen aus der Provinz Ist ja schon ein bissle merkwürdig: Da ist in der Nacht vom 31. Dezember 2019 auf den 1. Januar 2020 im Leintal plötzlich eine neue Stadt entstanden – und die gesamte Weltpresse hat dieses Ereignis einfach ignoriert! Während sie bei jedem neuen fünf Quadratmeter-Inselchen, das in Island aus dem Eismeer gurgelt, einen Mordsaufstand machen, haben sie die Geburt einer beinahe-12.000-Einwohner-Stadt schlicht und ergreifend verpennt! Ha no! Stadt lass nach! Ok, ganz aus dem Nichts ist die neue Stadt nicht gekommen, denn an derselben Stelle gabs zuvor schon ein Dorf namens Leingarten, bestehend aus dem badischen Ortsteil Schluchtern und seinem württembergischen Pendant Großgartach. Was das eigentliche Wunder ist: Nämlich, dass es die 50 Jahre lang miteinander ausgehalten haben – die Badener mit den Württembergern und umgekehrt. Wo es doch hüben wie drüben den fatalen Spruch gibt, »lieber eine Ratte in der Küche, als einen (je nach landsmannschaftlicher Herkunft kommt anstelle der Pünktchen jetzt »Badener« oder »Württemberger«) … im Keller«. Aber egal, das soll der kleindörfliche Schnee von gestern gewesen sein, denn nun ist man Stadt. Worauf sie im dörflichen Rathaus jahrelang emsig hingearbeitet haben. Schon 2008 hat es nämlich eine Stadtwerdungsinitiative gegeben. Aber damals hat die Landesregierung klar und deutlich abgewunken: eine Stadt ohne eigenes Gymnasium?! Undenkbar! Jetzt hat Leingarten zwar immer noch kein Gymnasium, aber Schwamm drüber: Das ist für eine Stadtwerdung im Jahr 2020 16 kein Ausschlusskriterium mehr. Sooo arg wichtig ist das mit der fehlenden Bildung heutzutage nun wirklich nimmer. Dafür gibt es hienieden aber jede Menge Kultur: Angefangen bei der Kreiselkunst (auf jedem Verkehrskreisel steht eine beeindruckende Plastik) über das aktuell neu ausgebaute Museum (wo sie mit berechtigtem Stolz einige Tonscherben ausstellen, die sogar einer prähistorischen Kulturepoche, der jungsteinzeitlichen Großgartacher Kultur, ihren Namen gegeben haben), Kunstausstellungen, dem Kulturmarkt mit seiner legendären Bluesnacht – das alles übrigens ohne jenes unerträglich pseudokulturelle Wonnegebrunze, das man bei der kulturbetroffenen Bussibussi-Schickeria in der benachbarten Großstadt so oft erleiden muss. Und dann ist da natürlich noch – last but not least (!) – alle drei Jahre der »Käsritt«, immerhin eines der traditionellsten Heimatfeste im Land. So gesehen war die Stadtwerdung also eine beinahe zwangsläufige Eruption – was die Nichtbeachtung durch die Weltpresse (mit rühmlicher Ausnahme der wackeren »Heilbronner Stimme«) umso unverständlicher macht. Leingarten: die 314. Stadt in BaWü! So jung – und trotzdem nicht die Kleinste! Denn da gibt es ja noch die Zwergstadt Zavelstein (700 Einwohner) und das Städtle Hayingen auf der Alb mit grade mal 2.000 Seelen. Sogar das benachbarte Schwaigern (die Stadt mit den drei Nullen im Wappen), das sich schon seit Menschengedenken Stadt nennen darf, ist um ein paar Hundert Nasen kleiner. Jetzt allerdings kommt diese alles entscheidende Frage (ich gebe zu: so was kann nur ein Schwabe fragen, aber so isch es eben!): »Was bringts?« Früher hat es so ein Nest ja gewaltig gepusht, wenn es die Stadtrechte verliehen bekommen hat. Denn damit waren Markt-, Zoll- und Münzrechte verbunden: bares Geld also. Aber was bringt eine Stadterhebung heutzutage? Klare Antwort aller beteiligten Behörden: »Satz mit x: Nix!« Wobei das so natürlich auch wieder nicht stimmt, denn der Bürgermeister darf sich nun immerhin als Stadtschultes titulieren lassen, außerdem müssen die Ortsschilder und die Briefbögen ausgetauscht werden. Mit anderen Worten: bringen tuts den Schildermalern und Briefbogenbedruckern ein kleines bisschen was, ansonsten aber »Außer Spesen nix gewesen!« Egal – denn die Rechnung für den Städtles- Gag übernehmen – großzügig wie immer – sowieso wieder die Steuerzahler. Für die freilich wäre nun der nächste, eigentlich ganz logische Schritt interessant: nämlich ein Zusammenschluss von Leingarten und Schwaigern zur Großen Kreisstadt mit 23.000 Einwohnern. Das wäre endlich ein wirklicher Knaller, zumal damit Aufgaben vom Landratsamt herüberwachsen würden. Ganz im Sinn der viel beschworenen Bürgernähe. Allerdings ... gäbe es in diesem Fall anstelle von bislang zwei ChefInnen im Rathaus künftig nur noch eine(n) OB. Was in der Folge natürlich die hoch spannende Frage aufwerfen könnte, welche der bisherigen Verwaltungsspitzen im Interesse einer Großen Kreisstadt »Schwaingarten« dann freiwillig in die zweite Reihe treten würde. Aber bis dahin wird noch ziemlich viel Wasser den Leinbach hinunter fließen müssen, denn welcher (Kommunal-)Politiker liebäugelt schon gerne mit einem Rücktritt? ◆ GUNTER HAUG-KOLUMNE – FOLGE 4 Hanix Nr. 65

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Zum Glück trägt SEVTAP CELIK ein Notizbuch in ihrem Papierrucksack. Sie sprudelt nämlich vor Ideen. Es kann dabei um eine selbst gemachte Kleiderstange aus Wasserrohr gehen, ein Logo-Entwurf für das mitbegründete Start-up »Paper & Sons«, ein experimentelles Leinwand-Bild oder die Gründung einer Surfschule in Portugal. Das Leben ist wie ein bunter Jahrmarkt für die Heilbronnerin. Sie genießt es auch, gut vernetzt zu sein und ihre Heimatstadt mitzugestalten. Von Maria Maroge, Fotos: Meli Dikta Ideenreich, neugierig und voller Schaffensdrang ins Abenteuer Leben Wie ein internationales Unternehmen klingt »Paper & Sons«, welches für ein modisches sowie nachhaltiges Produkt steht: ein wasserabweisender, reißfester Papierrucksack. Die Idee entstand in Heilbronn. Sevtap und ihre zwei Arbeitskollegen Samuel und Claudia stecken dahinter und gründeten das Start-up neben ihrem Hauptjob. Seit Herbst 2019 steht der Online-Shop. »Wir bekommen viel positives Feedback und wurden regelrecht überrannt. Wir müssen aber noch feilen und wollen das Projekt langsam wachsen lassen«, erklärt die 33-Jährige. Sie möchten das Portfolio langfristig erweitern mit weiteren Farben und ergänzenden Produkten. Die Ideen gingen ihr jedenfalls nicht aus, »aber zum Glück lösen sich manche beim Joggen auf oder meine Freunde holen mich auf den Boden der Tatsachen zurück«. Sevtap lacht: »Ja, ich habe viele verrückte Träume, wie etwa eine Surfschule in Portugal zu eröffnen.« Sie habe sich in das Land verliebt und in den Sport. Zunächst möchte sie ihre Heimat aber nicht verlassen, denn sie mag ihren Job als Grafik-Designerin und ihre Netzwerke: »Ich verbinde schöne Erinnerungen mit Heilbronn und mir hat es hier immer gereicht.« Sie habe früh die Leidenschaft fürs Kreative entdeckt, dann eine Ausbildung zur Grafikerin gemacht, Flyer für Heilbronner Clubs entworfen. Sie veranstaltete Events für Künstler mit, arbeitete schließlich bei mehreren Agenturen und war auch eine Zeit lang selbstständig. Seit 2016 ist sie nun bei beyerdynamic angestellt und mag ihre vielseitigen Aufgaben. Sie dürfe sogar währenddessen Musik mit ihren Kopfhörern hören - ein Privileg, das sie schätze. Musik begleite sie den ganzen Tag und fördere ihre Kreativität. Vielseitig sind auch ihre Hobbys. Sie ist neugierig und experimentell. »Mir schießt eine Idee durch den Kopf und ich bastel solange herum, bis zum Beispiel aus einem Kupfer-Wasserrohr eine schwebende Kleiderstange entsteht oder ich baue mein eigenes Wakeboard. Oder ich male ein Aquarell und mixe es mit Illustrationen oder Spray. Vielleicht baue ich ja demnächst einen VW-Bus um - für meine Portugal-Reisen«, erzählt Sevtap und erheitert sich über ihre »verrückten Träume«. Sie liebe es zu reisen und neue Kulturen zu entdecken, aber auch Istanbul, die Heimat ihrer Familie, regelmäßig zu besuchen. »Die Stadt ist atemberaubend und eine Oase für Kunstschaffende.« Ihren Eltern ist sie dankbar, wie offen sie stets waren und ihr und ihrer Schwester viel Raum zur Entfaltung schenkten. Mit 23 Jahren zog sie daheim aus und lebt nun in Böckingen. Auch Innenarchitektur ist ihre Leidenschaft. Bauhaus und Vintage treffen sich bei ihr daheim, gepaart mit ihren Kunstwerken. Letztere hatte sie sogar in einer Ausstellung gezeigt. »Doch als jemand eines meiner Exponate kaufen wollte, konnte ich mich nicht trennen!«, erklärt sie amüsiert. Also konzentriere sie sich auf weitere Hobbys, um dem Platzproblem vorzubeugen. Surfen zum Beispiel. Vorher spielte sie Handball, seit ihrem 6. Lebensjahr bis als Erwachsene. Mangelnde Zeit und das zunehmende Verletzungsrisiko veranlassten sie aufzuhören. »Ich vermisse es, aber ich bin zu ehrgeizig, um halbe Sachen zu machen.« Außerdem biete das Leben viele weitere Abenteuer. Neugierig blickt sie diesen entgegen. ◆ BERUF: Grafik-Designerin und Mitbegründerin Paper & Sons JAHRGANG: 1986 Infos: www.paperandsons.de BERUFUNG: 18 leidenschaftliche Gestalterin TASCHENKONTROLLE Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 SEVTAP LEERT IHRE TASCHE 19

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ULLA KÜHNLE befindet sich mit Ihrem Studio ganz oben drin im alten Fleischhaus, über dem leckeren Restaurant der Gebrüder Pfeffer. Es ist gut möglich, dass ihr besonderes Lieblingsding sie auf den Weg gebracht hat, auf ihr wunderbares Talent für die Fotografie zu stoßen und die Art und Weise Dinge zu sehen. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, welch schönen und vielleicht auch unterbewussten Zusammenhang sich im Namen »Freiraum-Photos« und dem Wort »Stereoskopie« findet. Interview: Sarah Baudenbacher, Fotos: Meli Dikta Hanix Nr. 65 Hanix: Hey liebe Ulla, was ist dein absolutes Lieblingsding? Ulla Kühnle: Mein Stereomat. Ich hab eine Weile überlegt und ging dann bis zu meiner Kindheit zurück. Wie alt warst du damals? So sieben, acht. Ich hab das zu der Zeit von meinen Eltern bekommen, als ich im Krankenhaus war. In den Stereomat zu schauen war für mich immer, als würde ich mich in eine andere Welt beamen. Meine Highlights waren unter anderem »Pippi Langstrumpf« und die »sieben Weltwunder«, mit den Mammutbäumen und dem Grand Canyon. Für euch habe ich »Jack and the Beanstalk« eingesetzt. Man guckt durch die kleine Glasscheibe und bekommt das Gefühl, 20 Virtual Reality vor 40 Jahren in diese Welt hineinzufliegen. Bei Pippis Villa Kunterbunt war’s ein Gefühl, als würde ich in ihrem Wohnzimmer stehen. Wie funktioniert das Gerät? Du legst in den Stereomat kleine Dias ein, die in einer runden Pappscheibe eingebracht sind. Die Bilder sind stereoskopisch. Das heißt, wenn man durch die Gucklöcher sieht und das Ganze dadurch vergrößert und mit beiden Augen betrachtet, wirkt es in der Tiefenwahrnehmung räumlich, als könnte man es anfassen. An der Seite ist ein Hebel zum Weiterschalten auf das nächste Bild. Die kriegt man übrigens heut noch genauso zu kaufen – inklusive Büchlein, in dem man noch etwas zu dem 3-D-Bild lesen kann. MEIN LIEBLINGSDING

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Hanix Nr. 65 NAME: Ulla Kühnle ALTER: 50 Jahre BERUF: Fotografin BERUFUNG: Fotografin WÜRDE IHR LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: Kommt aufs Angebot an! www.freiraum-photos.de Egal wo man in dem Moment ist. So wie im 3-D-Kino. Es geht um das Erlebnis. Es ist immer schon faszinierend für den Menschen, wenn man sich in einem virtuellen Raum bewegt. So war’s auch für mich als Kind. Was glaubst du, worum es dabei geht? Dem Menschen geht’s immer ums Gleiche. Der Realität zu entfliehen. Das ist unser ewiger Antrieb. Schon immer. Aber auch nur, weil man sich aus Angst nicht mit sich selbst befassen möchte oder kann … Ne, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass es auch inspirierend ist, wenn man sich woanders hin vorstellt. Es bringt einen ja trotzdem weiter und ich denke, dass es auch einfach entspannend ist, sich in einer anderen Welt zu bewegen. Man ist ja trotzdem mit sich selbst beschäftigt. Man flieht ja nicht tatsächlich. Es ist ein wenig wie im Urlaub. Man ist mit sich, gewinnt aber andere, neue Eindrücke. Bewahrst du das Teil an einem bestimmten Ort auf? Er steht eigentlich bei meiner Mutter im Bücherregal. Manche haben ja ihr Lieblingsding immer in Gebrauch oder haben es bei sich. Ne, so weit ist es noch nicht mit mir und dem Stereomaten. (lacht) Gibt’s für dich privat auch so einen Escape Room oder musst Du immer zum orangenen Plastik greifen, wenn Du eine kleine Auszeit brauchst? Hier in meinem Studio befindet sich auch mein Escape Room. War der Stereomat für dich der Vorbote zur Fotografie? Darüber hab ich vor Kurzem nachgedacht. Ich muss gestehen, es war echt das Größte für mich damals, in den Stereomaten zu gucken. Deshalb kann es gut sein, dass dieses kleine Ding mich auch zur Fotografie gebracht hat. Würdest du dein Lieblingsding gegen irgendetwas tauschen? Ja. Gegen eine Hasselblad! Das ist eine Mittelformatkamera. ◆ Mittlerweile kann man sich den Stereomaten auch personalisieren lassen. Das fände ich zum Beispiel für einen virtuellen Heilbronnrundgang ganz spannend. Was passiert mit dir, wenn du die »Jack and the Beanstalk«-Scheibe einlegst? Ich fühle mich, als würde ich mir einen Film ansehen. Wenn man da durchschaut, kann man sich einfach woanders hindenken. Nachhaltigkeit mit STYLE. App öffnen. Mo buchen. Unterwegs sein. Mehr Infos unter www.zeag-energie.de/carsharing SUZANNS FLAMENCO-SCHUHE Info: Ulla Kühnle stellt vom 20. März 2020 (Vernissage um 19 Uhr) bis zum 5. April 2020 im Scheddach des Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre ihre Arbeiten aus. 21

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Maike Endresz, Fotos: Ulla Kühnle Lunchkonzert mit APPetizer Hanix Nr. 65 Donnerstag abends höre ich immer Jazz und gewöhne mich so langsam dran. Dienstags tob ich zu Latino-Rhythmen, meine Tochter schwingt die Hüften zu HipHop-Beats. Vorwiegend freitags wirbeln wir zusammen durchs Wohnzimmer zu allem was uns bewegt. Und Klassik? Das läuft bei meinem Zahnarzt im Wartezimmer und bei der Stiefmama im Norden. Die singt dann auch dazu. Ich nicht. Damit will ich nicht sagen, dass ich klassische Musik nicht mag. Sie ist nur so ... weit weg ... irgendwie. Vielleicht ändert sich das nach diesem Abenteuer und dann wird's meine Mittwochsmusik. Das WKO hat sich da was ausgedacht: Ein Lunchkonzert. Ganz jungfräulich findet es diesen Mittwoch statt, beginnend um 12 Uhr dauert die »Frühlingssinfonie« von Robert Schumann eine halbe Stunde, danach gibt's 22 lecker Häppchen und Getränke, um 13 Uhr ist Schluß und man kann frisch beseelt an den Arbeitsplatz zurückkehren. Das gefällt mir, denn ich bin nicht sicher, ob ich als Klassik-Neuling gleich mal für ein Drei-Stunden-Konzert gemacht wäre. Außerdem verhält sich der Inhalt meines Kleiderschranks eher so, dass allein der Gedanke, ob ich die passende Abendgarderobe für Straussens Rosenkavalier da rauspulen könnte, mich vermutlich für den Besuch eines ausgewachsenen Klassik-Konzerts massiv hemmen würde. Aber heute: Jeans und Pulli. Helllichter Tag. Und Handy. Denn darauf habe ich »Wolfgang« geladen, eine App, die mir für dieses Konzert Hinweise zur Musik verspricht. Klassik für Dummies, quasi. Das WKO-Ensemble erscheint auf der Bühne. Farbenfroh gekleidet, kein Frack weit und breit. Bei den ersten Tönen beginnt lovely Wolfgang uns mit Informationen zu versorgen und öffnet somit Türen zur, für mich, fremden Welt der klassischen Musik. So verstehe ich jetzt, dass sich im ersten Satz die »Instrumente ins Wort fallen«, sich der Orchesterklang trübt, da der Winter noch nicht überstanden ist, dann langsam, aber stetig die Sonne an Kraft gewinnt, die Heiterkeit auch Schumanns erlebten Frühling reflektiert, da er während des Komponierens frisch verheiratet und voller Inspiration war. Dass zwischen den Sätzen nicht geklatscht wird, sagt mir die App leider nicht, merke ich dann aber, als ich ganz allein losapplaudieren möchte. Was ich aber erfahre, ist, dass im zweiten Satz auch eine Herausforderung in puncto Klangtransparenz für den Dirigenten Case Scaglione bevorsteht. Merkt man aber nicht, der schmucke Texaner ist voll in seinem ABENTEUER UM DIE ECKE

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Hanix Nr. 65 Element und interagiert durch Mimik, Gestik und seine Blicke wunderschön mit den Musikern. So ein Konzert ist definitiv nicht nur was fürs Ohr! Im vierten und letzten Satz gibt es »keine Grübeleien mehr«, auch Scaglione strahlt übers ganze Gesicht, »die Hörner und die Flöte vergessen alles um sich herum« kommentiert Wolfgang und die Sinfonie endet fulminant, der Frühling erstrahlt in vollem Glanz! Applaus, Applaus! Richtig gut war das, kurzweilig und dolle informativ. Warum Schumanns Schwiegervater ihn für einen »nichtsnutzigen Komponisten« hielt, erschließt sich mir nicht, da muss definitiv mehr dahinter gesteckt haben. Klanggenährt aber offenbar hungrig strömt das Publikum ans Häppchen-Buffet. Kleine Gläser mit Kartoffelsalat und Mini-Schnitzel, Hackbällchen, Linsen, Blätterteiggebäck in süß und salzig, Lebkuchen und Getränke warten auf uns. So wird nach den Ohren auch noch der Gaumen verwöhnt. Sehr wunderbar! Im Gespräch mit einigen der Zuhörer, unter denen sich heute herrlicher Weise auch eine Schulklasse befindet, oute ich mich nochmal als echter Klassik- Doofkopp und vermittle auch den etwas älteren Kalibern Wolfgangs Daseinsberechtigung. Wohl war ihnen nicht bewusst, dass Banausen wie ich da durchaus mal an die Hand genommen gehören. Vielleicht kommen sie dann im April doch auch mit dem Handy. Vielleicht halten sie mich aber nur für eine bemitleidenswerte Spätpubertierende, das war ihren Reaktionen nicht wirklich zu entnehmen. In jedem Fall hatte ich großen Spaß am Konzert, am Essen und den anschließenden Gesprächen. Darum empfehle ich Euch heiß und innig das Lunchkonzert mit APPetizer am 29. April! Fazit: Bringt Frischfleisch in die Klassik-Szene! Gehet, höret und sehet! ◆ DAUER: 1 Stunde ORT: Harmonie Heilbronn WEITERE TERMINE: 29.04.20 um 12 Uhr mit Ludwig von Beethovens Sinfonie Nr.2. D-Dur op.36 unter der Leitung von Case Scaglione KOSTEN: 13 € inkl. Häppchen und Getränke TIPP: Wolfgang mitnehmen und zwischen den Sätzen nicht klatschen! WUNSCHHAUS – BAUPARTNER AUF AUGENHÖHE. wunschhaus.de Kapitel „Wunschhaus“ ist nicht nur ein Name. „Wunschhaus“ ist eine Philosophie. Seit 27 Jahren erfüllen wir die Wünsche unserer Kunden nach individuellen Familienwohnsitzen und renditestarken Anlageobjekten. 23

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Antisemitismus in Heilbronn? Der Verfassungsschutzbericht vom Sommer letzten Jahres zeigte es deutlich: Auch wenn Heilbronn der sicherste Stadtkreis im Land ist, eine »Insel der Seligen« ist er deshalb noch lange nicht. Vor allem wenn es um politisch motivierte Straftaten geht. Der Bericht zeigt auch, dass, teils in der Öffentlichkeit wahrgenommen, teils auch nicht, hier die rechte Szene ebenso wie die Ultralinke, dass Islamisten und Reichsbürger in Heilbronn sehr wohl tätig sind und teils ganz unverhohlen im Licht des Alltages agieren. »Gruppierungen, die die Werte unserer Demokratie abschaffen wollen, dürfen wir nicht gewähren lassen«, sagte der zuständige Innenminister und Heilbronner Thomas Strobl bei der Vorstellung des Berichtes. Von Brigitte Fritz-Kador, Foto: Flickr Wehret den Anfängen! Von »antidemokratisch« ist es nur ein kleiner Schritt zu »antisemitisch«. Die IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) gehört zu den von Verfassungsschutz beobachteten islamischen Gemeinschaften, sie ist auch in Heilbronn aktiv. Eine Gruppe Jugendlicher des Ortsvereins Heilbronn besuchte 2018 das Grabmal Erbakans in Istanbul, der Identifikationsfigur der Bewegung, bei der das Innenministerium antisemitische Charakterzüge und eine deutliche Gegnerschaft zur freiheitlich demokratischen Grundordnung sieht, die nach Überzeugung des Bundesamtes für Verfassungsschutz »ein antidemokratisches Staatsverständnis zeigt und westliche Demokratien ablehne«. Antisemitistische Vorgänge wie das Schänden des Chanukka-Leuchters zum jüdischen Lichterfest vor zwei Jahren, mitten auf der Allee, lassen sich nicht übersehen und darf man nicht übergehen. Zugleich weiß man, dass es diesen unterschwellig und dauerhaft präsenten Antisemitismus gibt, der vor allem dann zum Vorschein kommt, wenn das gesellschaftliche Klima danach ist, dass man die sonst eingezogenen Köpfe wieder aus dem braunen Sumpf emporstrecken kann. Das aber ist wieder die »Wetterlage« – auch in Heilbronn. Der sich gerade in Heilbronn und Stuttgart gründende Verein »konsequent e. V. – Verein zur Abwehr des Antisemitismus« will auch landesweit aktiv sein und hat jetzt schon, vor Gründung, bundesweites Echo erfahren. Das offizielle Gründungsdatum ist der 29. Januar, das konnte Initiator, Guido Rebstock, früher Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium und heutiger Geschäftsführer der Innovationsregion Hohenlohe, schon zum Jahreswechsel ankündigen. Mit ihm sind Hanspeter Hagen (Kaffeehaus Hagen) und der Journalist und Autor Gunter Haug im Boot. Hagen stellt dafür die Räumlichkeiten seines Hauses für jeweils monatliche Treffen zur Verfügung, zu den Kaffeehausgesprächen »Wehret den Anfängen!« mit dem Aufruf: »Nichtstun und immer nur schockiert sein ist tödlich!« Zu den weiteren Unterstützern zählen aus dem Stuttgarter Landtag die Fraktionsführer Andreas Schwarz (Grüne), Wolfgang Reinhart (CDU), Andreas Stoch (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte des Landes und auch OB Harry Mergel, er ist Gründungsmitglied des Vereins. Als Michael Blume, Religionswissenschaftler, letztes Jahr im Heinrich-Fries-Haus auf Einladung des SPD-Ortsvereins Heilbronn und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Heilbronn-Unterland über aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus sprach, kamen an die hundert Zuhörer – für Veranstaltungen dieser Art ein sehr guter Besuch. Eine Erkenntnis daraus: Antisemitismus ist, über Judenfeindlichkeit hinaus, ein gesellschaftliches Problem. Und: Rassistisches Verhalten geht auch darüber hinaus. Blumes damalige Forderung an die Zivilgesellschaft, sich Rassismus und Antisemitismus zu widersetzen, wird der Verein nun umsetzen. Dass dieser jetzt schon in Heilbronn auf gute Resonanz stößt, zeigte sich beim ersten Termin im neuen Jahr im Kaffeehaus Hagen. Hier stand das Thema »Nie war er so wichtig wie heute – Qualitätsjournalismus in Zeiten ›Fake News‹ und Co« zur Debatte. Also »Fake News«, die »Macht« der Presse, die Verrohung der Sprache und die Arbeit von Journalisten in Zeiten von Hassmails und Nazidemos (mit Christian Klose, stellv. Chefredakteur der Heilbronner Stimme, Ulrike Hagenbuch, Leiterin des SWR-Studios Heilbronn, Brigitte Fritz-Kador, freie Journalistin, Robert Mucha, Chefredakteur Hanix, Moderation: Gunter Haug). Dass unter zivilisierten Zeitgenossen Debatte weiter möglich ist, war eine der Erkenntnisse des Abends, denn es gab auch aus dem Publikum so viele Rede- und Diskussionsbeiträge, dass es nicht nur ein lehrreicher, sondern auch sehr lebendiger Abend wurde. Mit der Einschränkung, dass die Thematik auch noch mehr Breite und Tiefe vertragen hätte oder ein anderes Mal noch weiter ausgelotet werden sollte. In Heilbronn hat nicht nur die Stadt selber, sondern z. B. auch der Stadtteil Sontheim eine besondere jüdische Geschichte. Die Ambivalenz, mit der man auf sie einging und eingeht, zeigt sich einerseits darin, dass schon 1962 der Heilbronner Autor und Feuilletonist Hans Franke das Buch herausgab »Die Geschichte der Juden in Heilbronn im Dritten Reich«, eine Recherche und Aufarbeitung, die bis heute Wirkung und Wert hat, dass der jü- Hanix Nr. 65 24 POLITIK & GESELLSCHAFT

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dische Friedhof im Breitenloch gepflegt wird, auch dass es noch 1982 bis 1984 eine heftige öffentliche Kontroverse um das sog. »Sontheimer Gebetshaus« an der Sontheimer Hauptstraße – nicht nur im Gemeinderat – gab. Eigentümer war die Stadt, vermietet war das Gebäude an ein türkisches Ehepaar, die Stadt wollte es im Zuge der Sontheimer Ortskernsanierung abreißen, der Antrag dafür lag dem Regierungspräsidium schon vor. Verhindert und einer angemessenen Nutzung zugeführt hat es damals die SPD-Fraktion mit Frieder Niethammer und Rudi Fritz. Solches Vergehen an der Geschichte wäre im Heilbronn von heute sicher nicht mehr möglich. Zusammenschlüsse zu (auch überkonfessionellen) Vereinen gegen Antisemitismus gibt es – nachweisbar – seit mehr als hundert Jahren. Der 1890 gegründete »Verein zur Abwehr des Antisemitismus« hatte so prominente Mitglieder wie den Historiker Theodor Mommsen oder die Schriftsteller Thomas Mann, Paul Heyse und Gustav Freytag und Industrielle wie Robert Bosch. Er war die Dachorganisation für weitere Vereine in Deutschland, auch für den 1928 gegründeten Heilbronner Ableger, unterstützt von Max Rosengart und Siegfried Gumbel. Er hatte ein kurzes Leben, wurde, wie alle anderen, 1933 zwanghaft aufgelöst, machtlos und Opfer nationalsozialistischer Hetze, deren Schlagworte heute in Pegida- und AfD-Kreisen wieder »gesellschaftsfähig« sind. Bei seiner Gründung 1928 in Heilbronn hatte der evangelische Theologe Eduard Lamparter gesagt: »Die antisemitische Rassentheorie begünstigt, züchtet und sanktioniert nationalistischen Hochmut und Gewaltwillen, der sich das Recht anmaßt, andere als Unedlere und Minderwertigere niederzuzwingen. ... Die christliche Kirche muss mit allem Nachdruck dafür einstehen, dass ganz andere Wirklichkeiten, nämlich Willensfreiheit, Erziehung, Gewissen und Religion über Wert und Unwert eines Menschendaseins entscheiden … und: Es gilt altes Unrecht gutzumachen und mitzuhelfen, dass kein neues Unrecht mehr geschieht!« Diese Worte haben an Aktualität nichts verloren. Und diese Aktualität hat auch das Heilbronner Vorhaben, vorangetrieben von Guido Rebstock, nach dem dieser – über Michael Blume bzw. von diesem angeregt und nachdem Studium einer Dissertation über die Anfänge des Vereins beschloss, aktiv zu werden. Es gelang ihm schnell, die Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag – mit Ausnahme der AfD – für sein Vorhaben zu gewinnen. Ein Artikel in der FAZ erbrachte dann auch bundesweite Resonanz, auch von persönlich Betroffenen. So meldete sich u. a. der Autor Henry George Richter-Hallgarten (veröffentlichte u. a. über Thomas Manns Sohn Klaus), ein Nachfahre von Charles Lazarus Hallgarten, dem jüdischen deutsch-amerikanischen Bankier, Philantrop und Sozialreformer, ein großer Stifter in der Stadt, seine Eltern stammten aus Mannheim. Oder auch Jürgen Sudhoff, Diplomat und Botschafter unter Genscher (zuletzt in Frankreich) und auch dessen Sprecher. Und es gibt auch Unterstützung vor Ort durch die Volksbank Heilbronn. Ihr Gründer war der jüdische Bankier Max Gumbel, dessen Sohn, der schon genannte Siegfried, Rechtsanwalt und Stadtrat in Heilbronn, von den Nazis verfolgt, wurde 1942 in Dachau ermordet. Guido Rebstock will die erste Mitgliederversammlung des neu gegründeten Vereins – Vereinssitz ist Heilbronn – abwarten, da soll dann über den weiteren Weg entschieden, Strukturen geschaffen und Tätigkeitsfelder definiert werden – u. a. denkt man daran, in Schulen zu gehen, hier auch mit neuen Mitteln und Methoden über den Nationalsozialismus und Antisemitismus aufzuklären. ◆ Starte mit uns in deine berufliche Zukunft! Deine Einstiegsmöglichkeiten in unserem Vertrieb, in der Logistik oder im Fleischwerk: • Ausbildung • Abiturientenprogramm • Duales Studium Bewirb dich jetzt unter kaufland.de/schueler Kapitel 25

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Friedrich Hölderlin trug keinen Zopf und keine Perücke, er ist auch heute nicht von gestern. Am 20. März wird er 250 Jahre alt. In den kommenden Monaten feiern ihn die Hölderlinstädte Lauffen am Neckar, Nürtingen, Tübingen, Bad Homburg und ganz Deutschland – als den »größten deutschen Dichter«? So sehen ihn viele. Im Tübinger Klöpferverlag erschien zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe von Kurt Oesterle »Wir & Hölderlin: Was der größte Dichter der Deutschen uns 250 Jahre nach seiner Geburt noch zu sagen hat«. Damit wäre auch Marcel Reich-Ranicki einverstanden gewesen. Die anrollende Bücherschwemme zum Jubiläumsjahr wird angeführt von der Hölderlin-Biographie Rüdiger Safranskis, der zur feierlichen Eröffnung des Hölderlinjahres und des Hölderlinhauses am 20. März nach Lauffen kommt. Safranski wählte als Untertitel dessen berühmte Aufforderung »Komm ins Offene, Freund!«. »Komm ins Heutige, Freund!« Das ist die Aufforderung der Stunde, Hölderlin offen zu begegnen. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Nico Kurth Komm ins Heutige, Freund! 26 Ein Heilbronner war der erste Biograph Hölderlins: der Dichter Wilhelm Waiblinger. Als Vorbild seines ersten Romanes »Phaeton«, er schrieb ihn mit 18 Jahren, ist unschwer Hölderlin zu erkennen. Seine Hölderlin-Biographie entstand aus eigener Anschauung, jahrelanger persönlicher Nähe und größter Zuneigung. Schon sie enthält, auch aus heutiger Sicht, wertvolle Hinweise darauf, dass Hölderlins geistige Verwirrung seiner letzten vier Lebensjahrzehnte eben doch nicht so einfach als »Verrücktheit« gesehen werden kann. Der Dichter Stefan Zweig nannte sie den »Kampf mit den Dämonen«, die erst kürzlich erschienene »Streitschrift« von Reinhard Horowski heißt einfach: »Hölderlin war nicht verrückt«! Der Neurologe weiß, wovon er schreibt, er ist mit dieser Ansicht nicht allen. Über Jahrzehnte, eigentlich Jahrhunderte galt: Warum sollte man sich mit einem »Verrückten« beschäftigen, auch in seiner Geburtsstadt Lauffen, wo es bis in die 1960er Jahre gerade noch dazu gereicht hat, die Schulen nach dem »größten Sohn der Stadt« zu benennen – und eine Straße am Stadtrand. Ein schändlicher Umgang mit Tradition. Hölderlins damals so benanntes »Geburtshaus« wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem reichen Junker erworben und abgerissen. An seiner Stelle steht heute eine Gedenkstätte, beschattet von hohen Bäumen des Klosterhofareals an der Mündung der Zaber in den Neckar. Der »genius loci« brüllt hier geradezu! Auf der Gedenktafel liest man »Seliges Land! Kein Hügel in dir / Wächst ohne den Weinstock, / Nieder ins schwellende Gras / Regnet im Herbste das Obst. / Fröhlich baden im Strome / Den Fuß die glühende Berge, /Kränze von Zweigen und Moos Kühlen ihr sonniges Haupt.« In Verehrung, völlig unbemerkt von der damals ignoranten Öffentlichkeit, stand hier vor genau 50 Jahren ein anderer großer Lyriker, Paul Celan, aus Paris angereist. Zum 200. Geburtstag Hölderlins hielt er eine Lesung in Stuttgart. In der Regiswindiskirche lag noch bis in die 60er Jahre hinein, in einer Mauernische, ungeschützt vor Witterung, abgesichert nur durch ein Gitter, das Taufbuch, aufgeschlagen auf der Seite mit Hölderlins Taufeintrag. »Dichterhäuser haben es schwer« titelte die »Zeit« schon 2015 und empörte sich darüber, dass die Stadt Nürtingen das dortige »zweite Elternhaus Hölderlins« umbauen und »mit Büroräumen vollstopfen wolle«. 1999, mit dem Amtsantritt von Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger in Lauffen, begann ein neues Kapitel der Hölderlin-Rezeption. Er hat nicht KULTUR Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 nur zu jeder Lebenslage das passende Hölderlin-Zitat, Waldenberger ist Vorstandsmitglied der Tübinger Hölderlin-Gesellschaft und er steht jetzt auch als »Sieger« da – nach jahrzehntelangem zähen und oft desillusionierenden Kampf um das Wohnhaus der Familie, das jetzt, zum 250. Geburtstag, erhalten, umgebaut und erweitert wird. Um endlich ein angemessener Ort für den Dichter zu sein. Noch im Jahr 2014 schrieb Hans Ulrich Gumbrecht in der FAZ: »Doch vielleicht ist diese matte Klassiker-Distanz genau die richtige Voraussetzung, um die Sprache von Hölderlins Gedichten zu entdecken. Zu entdecken – und nicht wieder-zu-entdecken – weil der Blick des Lesens auf diese Sprache noch nie so frei von ideologischen Vororientierungen war wie gerade jetzt. Es ist eine Sprache, deren Erhabenheit sprachlos machen kann, vor Bewunderung sprachlos – im wörtlichen Sinn.« Damals kämpfte Waldenberger schon längst dafür, nicht nur Hölderlins Gedichte zu entdecken, sondern ihn auch ins Heute zu holen – und das nicht nur in Lauffen. Die Mittel, die die Stadt für die »Spekulationsimmobilie« nicht aufbringen konnte und durfte, kamen als Geschenk, die Rede ist von 900.000 Euro, vom Lauffener Unternehmer Heinz-Dieter Schunk, der das Anwesen kaufte und es dann der Stadt übereignete. Wenn es ab dem 20. März bespielt wird, dann wird es, da muss man kein Prophet sein, auch die Außenwirkung der Stadt am Neckar erheblich beeinflussen. »Manches hab ich versucht und geträumt und habe die Brust mir wund gerungen« schrieb Hölderlin an seine Großmutter – so geht es auch vielen, die sich ihm als Dichter und Lyriker zu nähern versuchen. Es war kein Zufall, dass ein sehr prominenter Hölderlin-Verehrer just diese Zeilen bei seinem Amtsantritt zitierte: Papst Franziskus. Hölderlin war zwei Jahre alt, als sein Vater, der angesehene Klosterhofmeister (Verwalter der Lauffener Klostergüter), starb. Als Vierjähriger verließ er mit seiner Mutter, die Johann Gok, Weinhändler, Kammerrat und Bürgermeister von Nürtingen geheiratet hatte, und der jüngeren Schwester »Rike« Lauffen. Wohl deshalb hat man ihn hier lange nicht »verortet«. Dabei kann man es sich so schön vorstellen: Ein blondgelocktes Kind, spielt am »Kies«, so heißt hier der »Neckarstrand«, wo der Fluss flach und breit ist, im Sand und mit Steinen, im Blick, rechts und links vor ihm, auf einer hohen Bastei die Regiswindiskirche und gegenüber, auch auf Fels gebaut, die Pfalzgrafenburg. »Der Neckar« hat Hölderlin ein Leben lang begleitet: »In deinen Tälern FRIEDRICH HÖLDERLIN wachte mein Herz mir auf / Zum Leben, deine Wellen umspielten mich, / Und all der holden Hügel, die dich / Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.« Hölderlin bringt in dieser Ode zwei Bilder in eines: das eines »schwäbischen Arkadiens« und das seines Sehnsuchtslandes Griechenland, das er, um es mit Goethes Iphigenie zu sagen, »mit der Seele suchte«. So heißt es dann auch in der letzten Strophe der Neckar-Ode: »Zu euch, ihr Inseln! bringt mich vielleicht, zu euch / Mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn / Auch da mein Neckar nicht mit seinen / Lieblichen Wiesen und Uferweide.« Das ist doch die reine Werbung! Darauf könnte man sich auch in Heilbronn besinnen, wo man immer noch meint, Mark Twain sei der Einzige gewesen, der den Neckar besungen hat. Auf dem Olymp ist Hölderlin nicht gestanden, als Dichter hat er ihn betreten. Auch wenn, mit Ausnahme von Schiller, die wenigsten Zeitgenossen sein Genie erkannten und ihm Goethe, der Weimaraner Olympier, gönnerhaft riet, es mit »kleinen Idyllen« zu versuchen. Aber Goethe hat ja auch den anderen Zeitgenossen, Heinrich von Kleist, nicht kapiert. Kleist und Hölderlin sind sich nicht begegnet – höchstens im Papierkorb Goethes. In Heilbronn werden sie sich treffen, im »Literaturhäusle«, im Trappenseeschlößle. Anton Knittel, dessen Leiter, bereitet für Herbst 2020 eine spannende Reihe vor: Kleist und Hölderlin. Diese Unangepassten, die an den politischen Entwicklungen Verzweifelnden, hätten sich vielleicht ganz gut verstanden, haben sie doch auch denselben Weg aus der Wirklichkeit gewählt: der eine mit der Pistole, der andere in eine andere Welt, in der er sich »Scardanelli« nannte, gelegentlich dichtete, auch Verse, die ganz und gar nicht »sinnfrei« waren. Heute weiß man, dass er auch als Opfer seiner pietistisch-engen, strengen und beherrschenden Mutter war, die sein Genie nie verstand, ihn zum Pfarrer machen wollte und finanziell völlig unnötig kurz hielt. Auf sie passt wie gemünzt, was der ebenfalls gleichaltrige und ebenfalls zu feiernde Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel sagte: »Die Mutter ist der Genius des Kindes«. Es war ein verhängnisvoller Genius, die hinzukommenden falschen Diagnosen und Indikationen von Ärzten taten das übrige. So war er weniger in dem Turm am Tübinger Neckarufer »eingesperrt« als in sich selbst – und das als der Rufer von »Komm ins Offene! Freund!« Dieser Satz, in Sütterlinschrift, gesprüht auf den Hölderlinturm in Tübingen, war jahrelang lesbar: »Der Hölderlin isch et veruckt gwä!« Hegel, aus der gleichen Kiste wie Hölderlin stammend, der sog. »schwäbischen Ehrbarkeit«, gehobenes Bürgertum, wo man streng darauf achtete, den Ruf zu wahren, sich zu bilden, standesgemäß zu heiraten, das Vermögen zu mehren oder wenigstens zusammenzuhalten, war im Tübinger Stift zeitweise Hölderlins Zimmergenosse zusammen mit dem Philosophen Friedrich Schelling. Eine fantastische Konstellation, ein Trio, die (voraus)denkende Avantgarde Deutschlands, das man ob seiner revolutionär-freiheitlichen Ansichten »die Jakobiner« nannte, noch nicht einmal 20 Jahre alt. Dazu schrieb ein Stiftler »Die Erde raucht von Tyrannenblut«, ehe man sich am Idealismus wieder aufrichtete – nur Hölderlin schaffte es nicht. Die Philosophie zehrt bis heute davon, wie Hegel, Schelling und Hölderlin gegen die Orthodoxie kämpften und das Weltbild erneuerten. Thomas Assheuer beschrieb das Szenario in der »Zeit« (2007) so: »Alles scheint wie immer, aber nichts ist mehr wie sonst. Vom Donnergrollen der Französischen Revolution ist noch nichts zu hören, aber im Evangelischen Stift Tübingen brodelt es. In der Kaderschmiede für die künftigen Diener der württembergischen Kirche halten unbotmäßige Studenten »freisinnige Reden« und rufen »Vive la liberté!«. Eine Revolte liegt in der Luft. Unverzüglich 27

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melden die Famuli, die Aufpasser im Stift, die Aufsässigkeiten nach Stuttgart, wo die Strafen gemäß der Pönalverordnung festgesetzt werden. Der Landesvater Carl Eugen fürchtet um die »gottgesetzte« Ordnung: »Die ungehorsamen Glieder sind vom übrigen Corpore abzuschneiden.« Ach, wie sind die Bubis von heute doch brav geworden! Hölderlin, der Meister des Metrums, dessen Gedichte Musik sind, die singen und swingen, wäre heute mit Sicherheit auch ein Star der Poetry-Slam Szene. Die Kraft der Poesie (auch wenn die Reime holpern, aber wer kommt heutzutage noch im Deutschunterricht über fünffüßige Jamben hinaus?) verbindet – so wie der »Starkult«. Hölderlin hatte alle Attribute dafür: Genialische Attitüde, groß gewachsen, schlank, gut aussehend und ebenso angezogen, hochintelligent, hochmusikalisch (er spielte konzertreif Flöte!), rebellisch, ein Träumer von Freiheit, fähig zur Freundschaft und vor allem zur Liebe: »Und mit jedem Stundenschlage / Werd ich wunderbar gemahnt / An der Kindheit stille Tage/ als ich Sie, die Eine fand!« Die »Eine« war »Diotima«, die große Liebe, die Trennung von ihr und ihr Tod waren es, die Hölderlin aus der Bahn warfen. Der Bildhauer Thomas Lenk, dessen oft satirisch-überhöhten Werke selten skandalfrei aufgestellt wurden, hat für Lauffen die Arbeit »Hölderlin im Kreisverkehr« geschaffen, es steht vor der Zufahrt zum Klosterhof-Areal. Hölderlin reitet gesenkten Hauptes auf einer Schreibfeder, Nietzsche, der große Hölderlin-Verehrer radelt herbei, Goethe und Schiller erwachsen gemeinsam aus dem Unterleib eines Titatenpferdes und »Diotima« steht alleine da in ihrer berührenden, klassischen Schönheit. Da ist alles gesagt. Nun wird man, mehr als je, in diesem Jahr über Hölderlin reden und schreiben, die Germanisten haben Hochkonjunktur, aber nicht nur sie. Das Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen hat einen berühmten Schüler: Harald Schmidt. Auch an ihm geht das Hölderlin-Jahr nicht vorüber. Unter anderem gibt es am 24. Oktober eine Lesung von ihm – in der Pfarrkirche St. Johannes, bei freiem Eintritt. Für Baden-Württemberg haben die Hölderlinstädte unter der Ägide von Thomas Schmidt von der Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach eine Fülle von Veranstaltungen geplant, die hier einzeln gar nicht aufzählbar sind. Dafür abrufbar unter www.hoelderlin2020.de – und das lohnt sich! Auch die Fülle der Lauffener Veranstaltungen ist hier aufgelistet. Eine besondere Verehrung erfährt Hölderlin in Frankreich, vor allem dank der 28 links: Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger: Der Hölderlin-Fan kämpft dafür, nicht nur Hölderlins Gedichte zu entdecken, sondern ihn ins Heute zu holen. Beide rechts: Das verloren geglaubte Hölderlinhaus geht seiner Fertigstellung entgegen: Die anspruchsvolle Restaurierung wird nichts beschönigen. »Zeitfenster« lassen die Nutzungen nachvollziehen, vom Fachwerk bis zur 60er-Jahre-Tapete. seinerzeit so aufsehenerregenden Biografie von Pierre Bertaux über den »Deutschesten aller Dichter«. Interessant ist auch die Hölderlin-Rezeption unter seinesgleichen von heute. Hans Magnus Enzensberger versuchte ihn zu parodieren, schaffte es aber nicht, Günther Grass dichtete zum Thema der barbarischen Herrschaft der Nazis in Griechenland (»Europas Schande«): »Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land heimgesucht, / trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister«. Über 100.000 Exemplare einer Gedichtsammlung druckte man schon für diesen Zweck im Ersten Weltkrieg: »Oh heilig Herz der Völker! O heilig Herz der Völker, o Vaterland! / Allduldend gleich der schweigenden Mutter Erd' / Und allverkannt, wenn schon aus deiner Tiefe die Fremden ihr Bestes haben.« Hätten sie doch alle drei Strophen des Gedichtes gelesen mit der Zeile »Du Land des hohen ernsteren Genius! Du Land der Liebe!« Grass spielt ja darauf an, dass Hölderlin vor allem von Nazis, Deutschnationalen, Philosophen wie Heidegger missbraucht und missinterpretiert wurde. Diese Einvernahme Hölderlins von sowohl »rechts« wie auch »links« gibt bis heute noch und noch Stoff. Grass sah es auch humorvoller. In den »Eintagsfliegen« beschreibt er (japanische) Touristen vor dem Hölderlinturm in Tübingen: »In seinem Turm kichert Hölderlin. Der hat gut lachen. Machte sich einfach davon und hinterließ jenen Worterguss, dessen irrer Sinn weiß, wie missglückt der Mensch und wie umfassend die Welt in all ihrer Schönheit gesäumt ist vom ewiglich strahlenden Müll.« Lutz Rathenow wunderte sich: »… wieder fünf Stunden in T. fleißig, in Nähe des Hölderlinturms aufgehalten / wieder nicht wahnsinnig geworden.« Die Autorin hatte das zufällige Glück, 1971 bei der Uraufführung der »Szenischen Biografie« zu »Hölderlin« am Staatstheater Stuttgart neben deren Autor Peter Weiss und seiner Frau, der Bühnenbildnerin Gunilla Palmström KULTUR Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 zu sitzen und deren leises Stöhnen zu hören, wenn ihnen an der Inszenierung von Peter Palitzsch etwas missfiel. Die meisten Schlagzeilen machte sie, weil hier erstmals ein blanker Busen auf der Bühne dargeboten wurde. Peter Weiss sagte dazu 1971 dem Spiegel: »Ich habe hier die politische Wirklichkeit, in der Hölderlin lebte, vermengt mit der Problematik eines Individuums, in dem sich die ganze Epoche spiegelt. Das Hauptthema ist: Wie verhält sich ein Mensch, der sehr stark an seiner eigenen Zeit teilnimmt, gegenüber den gesellschaftlichen Veränderungen? Wie wird er fertig mit den Problemen, löst er sie oder zerbricht er daran? Hölderlin ist daran zerbrochen, aber er ist zeitlos geblieben.« Das Stück ist aktueller denn je. Das Theater Esslingen spielt es, das Theater Heilbronn ignoriert Hölderlin. Man könnte seine Gedichte, statt in den Tornister, nun in den Rucksack stecken, etwa wenn man sich zu »work & travel« nach Australien aufmacht, wusste er doch schon: »Immer ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht.« Vor wenigen Wochen gab es im Heilbronner Rathaus eine Sternstunde des Geistes und der Demokratie: Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, erhielt den von dem Heilbronner Ehepaar Harald und Gudrun Friese gestifteten Otto-Kirchheimer-Preis. Er nahm sich viel Zeit dafür, in der Pressekonferenz, in seiner großartigen Rede und in einer Diskussion äußerte er seine tiefe Sorge um die Demokratie. Bei Hölderlin konnte man vor 200 Jahren fast gleiches in seiner Abhandlung über Religion (er verwandte den Begriff synonym zu Mythologie) lesen: Religion sorge für den Zusammenhalt der über alles bloß Mechanische des menschlichen Getriebes und damit über alle wirtschaftlichen, rechtlichen und moralischen Verhältnisse hinausreicht und allem einen höheren Sinn verleihe. Hölderlin, der Dichter und Denker ist, wusste: »Was bleibet aber, stiften die Dichter«. ◆ FRIEDRICH HÖLDERLIN Das Hölderlinhaus in Lauffen Nirgendwo in Deutschland wird von diesem Hölderlin »in Stein gehauen« mehr bleiben als in Lauffen. »Es war ein Sensationsfund im Jahr 1970. Das längst verloren geglaubte Haus der Familie Hölderlin in Lauffen wurde wiederentdeckt«, hieß es in einer Pressemitteilung der Stadt. Nun gehen der stattliche Bau Nordheimer Straße 5 und die angrenzende Scheune der Fertigstellung entgegen, weitere Teile des Anwesens werden wegen der schwierigen Hanglage erst etwas später fertig. Der ehemalige Kirchenraum des Klosters mit seinen gotischen Fenstern, längst für Veranstaltungen und viele Hölderlingeburtstage genutzt, aber wird neugestaltet fertig sein für die Auftaktveranstaltung am 20. März. Im Haus selber wird in vier Räumen eine Dauerausstellung eingerichtet, für die Eva Ehrenfeld das inhaltliche Konzept erstellte: »Als Geburtsort und mit dem nur kurzen Aufenthalt der Familie hier habe ich mich entschieden, den Schwerpunkt auf den Menschen Hölderlin zu legen, intensiv mit Briefzitaten zu arbeiten, ergänzt durch passende Gedichtausschnitte.« Hölderlin in einer einzigen Ausstellung komplett darzustellen sei sowieso unmöglich. Briefstellen werden seine »Persönlichkeitsfacetten« charakterisieren. In dem ihm und der Familie gewidmeten Raum ist er »der Junge, der Sohn, der Bruder, der Wanderer«, im Raum 2 »der Freund, der Liebhaber, der Unfreie, der Empfindsame«, Thema in Raum 3 ist »der Ehrgeizige, der Eigenwillige, der Erfinder, der Geniale« und in Raum 4 geht es um seine Weltsicht als »der Religiöse, der Politische, der Utopist, der Nachdenkliche«. Ein Audioguide liefert zu den Texten vertiefende Informationen. Diese vier Räume, Kern der Ausstellung, werden flankiert von einem »Erlebnisraum Gedicht«, in dem das Gedicht »Der Mensch« multimedial vermittelt wird, ein einleitender Film, noch im Eingangsbereich, illustriert den Geburtsort aus der Sicht des Jungen. Im 2. Stockwerk lädt das »Sommerzimmer« zum Verweilen ein. Hier kann man in Büchern blättern und die Aussicht auf Burg und Kirche genießen. Auf dieser Etage finden sich auch die Beispiele für die weltweite Wirkung anhand von Übersetzungen und weitere Themen. Die aufwendige, denkmalpflegerisch und vor allem auch baulich anspruchsvolle Restaurierung, darauf verweist Klaus-Peter Waldenberger, wird nichts beschönigen. »Zeitfenster« in jedem Raum lassen die Nutzungen nachvollziehen, vom Fachwerk bis zur 60er Jahre-Tapete. Ein besonderer Ort wird »die Scheune« mit barrierefreien Anschluss ans Wohnhaus über zwei Stege. Hier leuchten fünf besondere Worte Hölderlins als Neonschriften. »Inhaltlich gehe es darum«, sagt Eva Ehrenfeld, »zu vermitteln: Wer war dieser Mensch, wie hat er gedacht, wie ging er mit anderen um, was war sein dichterisches Anliegen.« Sie hofft, dass er den Besucherinnen und Besuchern tatsächlich auch emotional nahekommt »denn manche Äußerungen könnten genauso in anderen Lebensgeschichten vorkommen (»das kenne ich auch« oder »das verstehe ich«). Rezitator der (Hör)Gedichte ist Schauspieler Hanns Zischler. Bruno Ganz hätte es sicher getan. Zu seinen Lebzeiten kam er nach Lauffen zu einer denkwürdigen Rezitation. Um Hölderlin hier, am authentischen Ort, ins Heutige zu holen, hat die kleine Stadt – Bürgermeister Waldenberger musste oft auch einen widerspenstigen Gemeinderat überzeugen – großes geleistet, viel Geld in die Hand genommen, aber auch große (finanzielle) Unterstützung erhalten. Zum Geschenk des Hauses kam nochmals eine 200.000 Euro-Spende von Heinz-Dieter Schunk. Alles in allem kostet das Projekt 5,3 Millionen Euro, etwa 1,5 Millionen Euro muss die Stadt stemmen, Land und Denkmalschutz sind die weiteren Geldgeber. Hölderlin nannte das Haus seiner Kindheit in Nürtingen »das liebe elterliche Haus«. Könnte er das Haus seiner Geburtsstadt sehen, fände er sicher noch schönere Worte. 29

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Viel Ausdauer und Kampfgeist hat es das Künstlerpaar JAI GONZALES und BERNHARD FAUSER gekostet. Rückschläge mussten verkraftet werden, aber das Durchhalten hat sich gelohnt: Mit der Hebelhalle als Künstlerhaus konsolidiert Heidelberg seinen Ruf als experimentierfreudige Tanzstadt auf internationalem Niveau. Baden-Württembergs Tanzlandschaft hat einen zuverlässigen Kreativ-Posten am Neckar und für das Duo Gonzales/Fauser ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Von Leonore Welzin Foto: Ryuichi Maruo In der Hebelhalle geben sich Tanz-Ikonen die Klinke in die Hand Hanix Nr. 65 Rätselhaft rebellisch und explosiv, das war Louise Lecavalier als Frontfrau und Mitgründerin des kanadischen Tanzensembles La La La Human Steps. Ihre akrobatischen Elemente, Barrel Jumps und horizontalen Sprung-Pirouetten sind stilbildend für die zeitgenössische Neoklassik. Waghalsige Manöver, am liebsten in Serie, bei denen ihre blonde Mähne aus Dreadlocks aufstiebt und ihr drahtiger Körper auf dem Partner landet wie ein Greifvogel auf seiner Beute, beeindrucken weltweit. Louise Lecavalier, geboren 1958 in Montreal, ist ein Phänomen, das post68 im Tanz ein neues, wildes, zupackendes Frauenbild aufleuchten lässt, sie definiert Power- Point mit Spitzenschuhen, bevor es die Präsentationssoftware überhaupt gibt. Ihr 30 aufgemaltes Oberlippen-Bärtchen gehört zum schillernden Spiel mit Geschlechterrollen, das in den 1980ern en vogue ist. Begeistert von der androgynen Erotik und dem parodistischen Seitenhieb auf Rollenklischees ist David Bowie (1947 - 2016). Der britische Glamrocker, selbst eine Attraktion der Unterhaltungsbranche, nimmt die Frankokanadierin 1990 mit auf seine »Sound + Vision«-Welttournee. In seinem Musikvideo »Fame« spielt sie die weibliche Hauptrolle. Während sein Fame (Ruhm) über den Tod triumphiert, ist ihrer verblasst. Oder doch nicht? Welche Themen bewegen Lecavalier heute? Allgemeiner gefragt: Was machen Tanzprofis im fortgeschrittenen Alter? Um das herauszufinden, hat das Kuratoren-Duo Jai Gonzales und Bernhard Fauser die Themenreihe »Old stars – New moves« ins Leben gerufen und Tanz-Ikonen wie Susanne Linke (1944), William Forsythe (1949) und Louise Lecavalier (1958) nach Heidelberg ins Künstlerhaus Hebelhalle geholt. So kommt das Heidelberger Publikum in den Genuss außergewöhnlicher Choreografien wie »Ecoute Chopin« von Linke und »Battleground« von Lecavalier, beides im Kern Solowerke, die wie Forsythe‘s Choreografie »a quiet evening of dance« (für sieben ehemalige Tänzer) Sportlichkeit und Jugendlichkeitswahn des Tanzes einer Revision unterziehen. Gonzales und Fauser sind Herz und Motor einer selbstbestimmten, vor Ort KULTUR

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Hanix Nr. 65 gewachsenen, zeitgenössischen Tanz- Szene. 1988 haben sie in Heidelberg das »UnterwegsTheater« gegründet. 20 Jahre lang sind sie von Spielstätte zu Spielstätte gezogen, bis sie vor zehn Jahren endlich eine feste Bleibe in einem ehemaligen Industriegebäude gefunden haben. Übrigens in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs – als Tipp für Heilbronner, die nichts mit Tanz am Hut haben, aber das Bahnhofsviertel in HN auf Vordermann bringen wollen. Die 800 qm große Hebelhalle beherbergt ein Vorzeige-Ensemble des zeitgenössischen Tanzes. Dazu eine Expertise in Sachen Tanz, Performance, ortsspezifischer Installation, die ihresgleichen sucht und sich in einer Vielzahl von Projekten, Outdoor- und Indoor-Formaten, Workshops bis hin zu spartenübergreifenden Experimenten verwirklicht. Dass es so etwas am Neckar in unmittelbarer Nachbarschaft von Heilbronn gibt (sogar mit S-Bahn-Anbindung von Eppingen und Mosbach), mag verblüffen, denn mit dem fünftägigen Tanz!HN-Festival, das hier jährlich stattfindet, wird suggeriert, die Expertise für zeitgenössischen Tanz säße in Berlin. Ein Irrtum, wie ein Besuch in der Heidelberger Hebelhalle (Hebelstraße 9) schnell verdeutlicht. Auch ein Blick auf das aktuelle Programm lohnt sich: Internationaler Tanz, ein neues Festival und die Fortsetzung von ARTORT, dem Heidelberger Festival für Kunst im öffentlichen Raum, gehören zu den Highlights des Jahres 2020. TECart Dance eröffnet das Programm. Erstmalig zeigt das Festival für Neue Medien und Tanz aus unterschiedlichen Perspektiven die Spannungen zwischen zeitgenössischem Tanz und Medienkunst. Eingeladen sind fünf Gastspiele (vom 13. bis 22. Februar) mit international profilierten Performance-Künstlern aus Japan, Korea, Italien und Spanien. Im März kommt »imagine« von Jai Gonzales mit dem UnterwegsTheater Ensemble auf die Bühne, die Uraufführung ist am Freitag, 13. März. Ende März bis Mitte April zieht der Heidelberger Frühling in die Hebelhalle ein, unter anderem mit der Anne Friedland Dance Company aus Israel, (24. / 25. 3.), Elizabeth Diller: »Architektur und Musik« (4. 4.) und dem Mahler Chamber Orchestra: »Spiritual Paths« (5.4.). Der Sommer steht im Zeichen von ARTORT, erneut auf dem Airfield Pfaffengrund. Ab September gehört die gesamte Hebelhalle dem 720-Stunden-Festival mit Bildender Kunst, Fotografie, Theater, Tanz, Musik sowie Workshops für Tanzprofis. ◆ GONZALES & FAUSER Für Freunde, Familie, Neuankömmlinge, Alteingesessene und Abgewanderte. Für nen schlappen 40er gibts sechs Mal Hanix in den Briefkasten. Das perfekte Geschenk für jeden Anlass: Ein Hanix-Abo Hanix Abo SCHENKE EIN MAGAZIN! Bestellen unter: → abo@hanix-magazin.de → shop.hanix-magazin.de/shop 31

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Das Künstlerduo VestAndPage. Von Dr. Bernhard Stumpfhaus Die Wahrheit des Leibes Das Heilbronner Land beherbergt ein international bekanntes Perfomance-Duo, Verena Stenke und Andrea Pagnes. Seit 2012 leben die beiden abwechselnd in Neckarsulm und Venedig. Sie haben sich 2006 in Berlin kennengelernt, 2010 geheiratet. Sie sind nach einem sechsjährigen Aufenthalt in Florenz hierher an den Neckar gezogen. Der in Venedig gebürtige Andrea Pagnes studierte Literaturwissenschaften und Philosophie sowie an der Università Internazionale D'Arte Museologie und Kunstkritik. Seine Partnerin Verena Stenke hat in Heilbronn Kunst und Maskenbild studiert. Als Paar, Verena Stenke und Andrea Pagnes, als Perfomance-Duo VestAndPage, sind sie aufgetreten während der fünfwöchigen Konzeptveranstaltung »IschdesjetztKunscht?« im Herbst letzten Jahres im Wasserschloss Bad Rappenau. Vielleicht gibt es zudem einen weiteren, eher verdeckten Kunstbezug zu Heilbronn. Immerhin feiert diese Stadt ja Thomas Schütte, den Autor unseres neuen Wahrzeichens, des One- Man-Houses. Dieser Künstler hat Köpfe in Murano-Glas gestaltet. Andrea Pagnes war neben seiner literarischen und malenden Tätigkeit in Venedig dort auch aktiv als Glaskünstler und künstlerischer Leiter einer Murano-Glasfabrik. Vielleicht können wir Pagnes einmal in einem Künstlergespräch erleben mit Thomas Schütte über die besonderen Qualitäten des Murano-Glases im Allgemeinen und der Glasköpfe Schüttes im Speziellen? Das Paar ist jedoch eher mobil im physischen wie im künstlerischen Sinn. Sie sind weltweit berühmt nicht nur für ihre Performances, sondern auch durch ihre auf ihren körperlichen Darstellungen basierenden Videokunst. Zudem kommen Texte und Reflexionen zur Perfomance-Art sowie Poesien zu zwischenmenschlichen Interaktionen. Bemerkenswert dabei ist, dass das Duo dabei nicht für sich allein performt und Filme produziert, sondern auch dafür sorgt, dass andere Menschen in Kontakt kommen und sich austauschen. Dafür steht einerseits die 2010 durchgeführte Aktion ›Fragile − global performance chain journey‹. In diesem Projekt wurde eine einzige Glasscheibe 740 Künstlern in 62 Ländern weltweit geschickt. Mit der Auflage, die Scheibe nicht zu zerbrechen oder zu verändern, wanderte sie als Experiment, wie heute im digitalen Zeitalter zunehmender Virtualisierung, ein reales Objekt um die Welt reisen könne, als Performance von einem Künstler zum anderen. Andererseits haben beide 2012 die ›Venice International Performance Art Week‹, ins Leben gerufen. Diese bis heute andauernde Unternehmung ist eine Art Layer-Veranstaltung, die nicht nur Performances anderer Künstler kuratiert, sondern auch Workshops ausrichtet, Forschungen und Diskurse unterstützt zu den Fragen der Körperlichkeit heute. Unterstützt wird das Projekt vom European Cultural Centre (ECC) Italy; beherbergt ist es im Palazzo Mora. Als Start dieses performativen, forschenden und Gemeinschaft stiftenden Projekts wurde von VestAndPages eine Trilogie konzipiert und kuratiert, die unter den Titeln: Hybrid Body-Poetic Body (2012), Ritual Body-Political Body (2014), Fragile Body-Material Body (2016) eine Unmenge internationaler Künstler und Künstlerinnen, darunter Namen wie Yoko Ono, Nam June Paik, Bruce Nauman, sogar den toten Andy Warhol im Vergleich mit Eminem (Ersteren einen Hamburger essend, letzteren Frühstückpops mit Milch) ausgestellt und aufgeführt hat. Die Perfomance-Wochen sind als Kataloge erschienen im Verlag VESTANDPAGE-press. Ein weiteres umfangreiches Projekt ist der Perfomance-Film sin∞fin, der als Trilogie auf verschiedenen Kontinenten stattfindet und vor Ort vom Künstlerpaar sowohl aufgeführt als auch filmisch dokumentiert wird. Hier gibt es weder ein Skript noch irgendeine Art von linearer Narration. Das ist heute bemerkenswert, als alle Welt bei der Betrachtung von Bildern gemeinschaftlich ausruft: Das Bild erzählt eine Geschichte! Geschichten sind zeitlich, kausal linear, sofern sie einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende haben, die logisch miteinander verknüpft sind und so etwas wie eine selbstverständliche, kollektive Übereinkunft von Sinn simuliert. Eben diesen unterlaufen Stenke und Pagnes, indem sie bewegte Bilder so in Szene setzen, als seien sie Kompositionen der Gleichzeitigkeit. Der Film sin∞fin beschäftigt sich zunächst explizit mit universellen menschlichen Qualitäten und Erfahrungen, sowohl für sich allein als auch in der Begegnung mit einem anderen Menschen, als Paar, und dessen Abwesenheit, einsam ausgesetzt. Das Ganze findet statt an ungewöhnlichen Orten unserer äußeren Natur. Eigentlich ist die Natur als immer Anwesende die Dritte im Bunde, die Trilogie ist also auch durchaus auch eine Ménage-à-trois zu verstehen: ein Paar und die Natur. Sie trägt den Untertitel: Im Zentrum des Spiegels. Insofern tritt die äußere Natur nicht nur als spektakuläre Bühne für die merkwürdigen Handlungen des Künstler-Paares auf, sondern kann durchaus auch verstanden werden als Metapher unserer inneren Natur, als Teil des Settings unserer wunschgemäßen Handlungen, Übersetzungen dessen, was der Körper an Bedürfnissen, Mängeln, Befriedigungen und Lüsten im Tag- und Nachttraum spüren lässt, vor dessen Horizont wir versuchen Hanix Nr. 65 32 Filmstill 1: Internet-Trailer ‚Plantain © VestAndPage 2017 KUNST

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Hanix Nr. 65 eben diese physischen Ahnungen in Bilder und Sprache zu übersetzen, zu zensieren und folglich umzuformen. Dabei gehen Stenke und Pagnes durchaus an existenzielle Grenzen, balancieren auf Eisschollen, sitzen nackt in arktischer Kälte, spritzen eigenes Blut in Objekte der Umgebung. Der erste Teil dieser Trilogie findet unter dem Titel ›Performances at the end oft he world‹ (eine Hommage an Roman Herzogs Film: ›Begegnungen am Ende der Welt‹, 2007) in Patagonien und Feuerland statt, der zweite ›Performances at the holy centre‹ in Indien und Kaschmir, der dritte ›Performances at the core oft he looking-glass‹ in der Antarktis. Das jüngste Filmprojekt ›Plantain‹ (dt. Spitzwegerich) von 2018 beschäftigt sich mit der wahren Geschichte der Flucht Deutscher zu Ende des WK II von Ostpreußen nach West-Deutschland. In umgekehrter Richtung unternehmen VestAndPages eine Perfomance-Wanderung von Deutschland durch Polen nach Kaliningrad. In sieben Kapiteln widmen sie sich Fragen nach Identität, Krieg, Schuld, Mut, Trauma, dem Geheimnisvollen und dem Vergessen. Der Film ist preisgekrönt beim Independent Film Festival 2018 in Berlin. Wie kann man sich die Kunst, eigentlich müsste man sagen die Künste, des Künstlerpaares VestAndPages vorstellen. Sie selbst sprechen von Layer-Art, Schichten-Kunst. Schaut man sich die Filme an, so fällt auf, dass es bei den einzelnen Performances in den Filmen eine Menge Überblendungen gibt, die mehr zeigen, als es die einzelne Live-Aufführung vor Publikum zu zeigen in der Lage ist. Zudem kommen Schichten von Sprache, die das Bild vor Augen entweder parallel begleiten, sodass man entweder hören oder sehen muss und der jeweils andere Sinn deshalb zurücksteht, oder überblenden, sodass die Sprache als Beschreibung der Bilder, bzw. umgekehrt, die Bilder eine Illustration der Sprache sind, oder die Sprache figuriert wie eine schamanistische Begleitformel, eine Besprechung (im magischen Sinne) der Bilder. VESTANDPAGE Die Verbindung von Sprache und Performance findet sich nicht allein im Film, sondern auch in Live-Performances. Beide Gattungen haben bildlich den menschlichen Körper zum Thema, dessen Konstituierung in unserer Kultur wesentlich sprachabhängig ist. Da der menschliche Körper das künstlerische Werkzeug, in seinen Verbiegungen, Veränderungen, Deformationen, Be- und Entkleidungen, ein Werkzeug im Raum, und gleichzeitig das biologisch-biografische Wesen des aufführenden Menschen selbst, also Person und Akteur in einem, gleichzeitig ist, können die beiden Künstler von ihrer Kunst aussagen, dass sie echtes Leben sei. Kunst und Leben sind eins. Hier ist Performance pure Präsentation. Der männliche Künstler präsentiert Mann, die weibliche Künstlerin Frau, beide Paar wie im bürgerlichen Leben auch. Sie präsentieren sich. Andererseits, und hier kommt die Schichtung ins Spiel, bewegt sich der Körper in Verkleidung, durch stilisierte Bewegungen mit Masken, Kleidern oder einfach nur in seinem Erscheinen an einem unwahrscheinlichen Ort, ist der Körper Kunstwerk, ein Produkt kultureller Überformung. In diesem Sinne ist Performance eine Symbolisierung von etwas, von Wünschen, Begehren, Mängel, Erwartungen etc. – sowohl des Einzelnen wie der Gesellschaft. Der männliche Künstler symbolisiert Mann, ist also etwas anderes als bloß Mann; er verweist auf etwas, was Mann bedeutet (individuell, gesellschaftlich, unbewusst, etc.). In diesem Sinne ist Performance Repräsentation, Darstellung und nicht wörtlich zu nehmen. Schließlich ist Körper ja nicht nur er selbst, oder Darstellung von Vorgängen an sich, die er ausdrückt, er ist ja auch Kommunikationsmittel. Der Körper teilt sich jemand anderem mit, er ist rhetorisch. Er reagiert auf Impulse von anderen und sendet Impulse an andere. Er befindet sich als Volumen in einem Raum, reagiert auf ihn, fühlt sich wohl oder eingeschränkt und teilt mit, was er mag oder nicht mag. Das kann er für sich selbst – Note to myself – Filmstill 2: Internet-Trailer ‚Plantain © VestAndPage 2017 oder in Bezug auf andere – als (hoffentlich) verständliche gestisch-mimische Äußerung. Diese Differenzierungen des Körpers in Aktion funktionieren allerdings nur in der Theorie, analysierend, wenn man die eigene physische Realität hier und jetzt (beispielsweise als diese Zeilen Lesender) ausklammert. Tatsächlich ist es aber so, dass wir alle als Menschen alle diese Akte gleichzeitig vollziehen. In jedem Moment fungieren wir vieldimensional ohne Unterscheidungen, ob ich gerade präsentiere oder repräsentiere. Ich agiere mit einem bestimmten Bewusstsein, vergessend, dass es gleichzeitig andere Vorgänge in mir gibt, die unbemerkt jenes Bewusstsein modifizieren. Das Künstlerpaar VestAndPage widmet sich der Vielschichtigkeit des menschlichen Körpers als er selbst und als ein Mittel symbolischen Ausdrucks, wobei Letzterer in seiner Bezüglichkeit, was symbolisiert wird für wen, äußerst verflochten und meist überdeterminiert ist. Stenke und Pagnes wenden sich der Analyse und Darstellung dessen zu, was der menschliche Körper in seiner ganzen Komplexität ist und sein kann. Ihnen ist gerade der Körper die Schatzkiste, der in der Lage ist, in dem ständigen Strom von verwirrender Vielfalt sich durchdringender Schichtungen von Bedeutung (Repräsentation) und Bedeutungslosigkeit (Präsentation), neue Bilder und Bedeutungen zu generieren (Poesie als Hervorbringung von Metaphern und Bildern). Warum ausgerechnet der Körper? Nun, dieses Fundament unserer Existenz erfährt in den Zeiten seiner digitalen Ersetzung durch 3-D-Suggestionen eine Virtualisierung: Mein Körper wird ersetzt durch meinen Avatar im Gaming (Ego-Perspektive) oder 3-D-Simulationen der VR (in der Medizin, dem virtuellen Meeting im Büroalltag etc.). Unter Absehung meiner eigenen Physis, die hier nur immobil hockt und schaut, werde ich ein anderer und halluziniere mich über die Bedingtheiten meiner Physis hinweg mit dem hohen Preis von den Fantasien anderer abhängig, Teil eines selbstreferenziellen Musters zu sein. Für VestAndPage ist Performance auch ein heiliger Kampf um die Freiheit des Menschen, eines jeden einzelnen, sich frei bewegen und ausdrücken zu können. ◆ Kontakt über: www.vest-and-page.de I thank Endaf Kerfoot for the opportunity of contact with the artists. 33

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SUICIDE TOURIST DIE PERFEKTE KANDIDATIN Der Däne Max Isaksen (Nikolaj Coster-Waldau) arbeitet als Versicherungsdetektiv. Als er gerade mitten in einer persönlichen Existenzkrise steckt, wird er darauf angesetzt, das Verschwinden einer Person aufzuklären: Arthur Dinesen (Anders Mossling) wurde schon seit Langem nicht mehr gesehen. Der Fall scheint längst erkaltet zu sein. Seine Spurensuche führt Max an einen ungewöhnlichen Ort: das Hotel Aurora. Die geheime Einrichtung ist insofern einzigartig, dass sie sich darauf spezialisiert hat, ihren Kunden die eigenen aufwendigen Selbstmord- Fantasien zu erfüllen. »Eine existentielle Reise auf der Suche nach Wahrheit und die Unausweichlichkeit des Todes.« (kino-zeit.de) Haifaa Al-Mansour, die mit »Das Mädchen Wadjda« ihren Durchbruch feierte, bildet auch in ihrem Heimatland Saudi Arabien eine Ausnahmeerscheinung. Das Königreich hat erst letztes Jahr nach 35 Jahren den Betrieb von Kinos erlaubt. Nun stellt Al-Mansour, die in Saudi-Arabien als Frau erst seit Kurzem eine Produktionsfirma gründen darf, ihr Politdrama »Die perfekte Kandidatin« vor, unter anderem finanziert mit deutschen Geldern. In dem Drama geht es um eine junge Ärztin, die für das Gemeindeamt kandidiert, während ihr Vater mit der wiedervereinten Saudi National Band auf Tournee geht, der es laut Gesetz verboten wurde, öffentlich aufzutreten. In den Arthaus-Kinos ab 27. Februar 2020 Dänemark, Norwegen, Deutschland 2019 Länge: 90 Minuten Regie: Jonas Alexander Amby Darsteller: Nikolaj Coster- Waldau, Tuva Novotny, Robert Aramayo, u. v. a. In den Arthaus-Kinos ab 12. März 2020 Deutschland, Saudi-Arabien 2019 Länge: 101 Minuten Regie: Haifaa Al Mansour Darsteller: Nora Al Awadh, Dae Al Hilali, Mila Al Zahrani u. v. a. Hanix Nr. 65 Der ehemalige Versicherungsmakler Max (Nikolaj Coster-Waldau) leidet an einem unheilbaren Gehirntumor und hat beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Er will sich erhängen. Doch kurz bevor er seine Tat umsetzen kann, scheitert das Unterfangen in der letzten Sekunde an seiner eigenen Willenskraft. Kurz darauf erhält Max einen Anruf von Alice (Tuva Novotny), einer ehemaligen Kundin, die er als Makler einst betreute. Der Tod ihres Mannes Arthur wurde noch immer nicht aufgeklärt, aber so lange das nicht geschehen ist, kann sie nicht seine Lebensversicherung in Anspruch nehmen. Also nimmt Alice den Fall selbst in die Hand, um endlich damit abschließen zu können. Max soll ihr dabei helfen. Bei der Recherche stößt er auf den Werbefilm des mysteriösen Hotels »World's End«, kurz vor seinem Tod hatte Arthur mit diesem Hotel zu tun. Es ist nicht irgendein Hotel, denn das Hotel bietet geplante und betreute Suizide an. Wenn man einmal dort eingecheckt hat, gibt es kein Zurück mehr. Grund genug für Max, aus eigenem Interesse in Kontakt mit dem Hotel zu treten ... ◆ Maryam ist eine Ärztin in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Trotz ihrer exzellenten Fähigkeiten muss sie sich jeden Tag aufs Neue den Respekt der Mitarbeiter und der Patienten erkämpfen. Wütend macht Maryam vor allem der Zustand der Straße vor der Klinik. Weil die Stadt die Zufahrt nicht asphaltiert, bleiben die Patienten regelmäßig im Schlamm stecken. Maryam will Veränderung und bewirbt sich um eine bessere Stelle in Dubai. Doch wegen einer Formalität und weil sie keine männliche Begleitung hat, lässt man sie nicht reisen. Maryam sucht Hilfe bei einem entfernten Cousin. Doch der Zufall will es, dass dieser als Beamter nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrats empfängt. Vor allem aus Trotz erklärt sich Maryam kurzerhand zur Kandidatin ... ◆ 34 ARTHAUS-KINOTIPP

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AUSSERDEM IM KINO Birds Of Prey: The Emancipation Of Harley Quinn Start: 06. Februar Ex-Psychiaterin und bekennender Baseball-Fan Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich gerade frisch von ihrem Freund Joker (Jared Leto) getrennt und sucht in Gotham nach neuen Horizonten. Diese trifft sie bald in Gestalt der Superheldinnen-Truppe »Birds Of Prey«, die aus Huntress (Mary Elizabeth Winstead), Black Canary (Jurnee Smollett-Bell) und Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) besteht und in Eigenregie die Unterwelt der Stadt kräftig durchputzt. Obwohl die Ex-Kriminelle und die Selbstjustiz-Truppe sich anfangs nicht so ganz grün sind, schließen sie sich letztlich doch für den guten Zweck zusammen … Sonic The Hedgehog Start: 13. Februar Sonic, der blaue Igel aus einer anderen Dimension, flieht vor außerirdischen Verfolgern, die seine Spezialfähigkeiten für ihre Zwecke missbrauchen wollen, auf die Erde. Das Dumme ist nur, dass es ihm auf unserem Planeten nicht anders ergeht. Auch die US-Regierung interessiert sich bald für den schnellen Igel, der bei seiner Ankunft erst einmal für einen Stromausfall sorgt. Washington beauftragt den wahnsinnigen Dr. Robotnik (Jim Carrey) damit, Sonic zu jagen, ohne zu ahnen, dass der verrückte Professor die Kräfte des Igels selbst zur Weltherrschaft nutzen will. Der Dorfsheriff Tom (James Marsden) steht Sonic zur Seite. Leinwandadaption des populären Maskottchens des Spieleherstellers SEGA: »Sonic the Hedgehog«. Die Känguru-Chroniken Start: 05. März Der unterambitionierte Berliner Kleinkünstler Marc-Uwe und das vorlaute Känguru (gesprochen von Marc-Uwe Kling) nehmen es mit dem rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs auf, der den malerischen Nachbarschaftskiez verschandeln will. Doch davor müssen die beiden sich erst mal kennenlernen. Und das geschieht, indem das vorlaute Beuteltier bei ihm an der Tür klingelt und wenig später ungefragt sein Mitbewohner wird. Fortan häufen sich die abstrusen Erlebnisse des ungleichen Teams. Denn wo das antikapitalistische Känguru ist, da ist auch das Chaos nicht weit. Denn es unterwandert jede gesellschaftliche Regel mit Links. Verfilmung des gleichnamigen Buches von Marc-Uwe Kling. Der Fall Richard Jewell Start: 19. März »Da ist eine Bombe im Centennial Park. Ihr habt noch 30 Minuten!« Mit diesen Worten alarmiert Wachmann Richard Jewell (Paul Walter Hauser) die Behörden, als er am Rande der Olympischen Spiele von Atlanta 1996 eine Bombe findet. Danach hilft er bei der Evakuierung von Passanten. Er wird als Held gefeiert, doch bald dreht sich der Wind. Wusste Jewell von der Bombe, weil er sie selbst platziert hat? Für das FBI passt der übergewichtige Einzelgänger, der so gerne ein richtiger Polizist wäre, perfekt auf das Profil eines Bombenlegers. WIR ALLE PRÄGEN UNSEREN BODEN. Regional Boden verbessern in der BBH – unsere Kooperationsanlagen in Kupferzell und Öhringen. Wie ist Straßenbau nachhaltig und zukunftsweisend? Wir bauen Material aus, verbessern es und bauen es wieder ein. SCHNEIDER BAU GmbH & Co. KG Hans-Rießer-Str. 18 74076 Heilbronn Tel. 0 71 31 / 94 43 - 0 www.IhrWegbereiter.de immer mittwochs, 14-tägig, 10 – 16 Uhr, auf der BUGA 2019 Heilbronn im Pavillon der Handwerkskammer. 35

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»Fridays for Future«-Demo in Heilbronn, 29. November 2019 Foto: Nico Kurth 36 Kapitel Hanix Nr. 40

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Hanix Nr. 40 Kapitel 37

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»DIE MENSCHEN SIND ERKENNTNISRESISTENT« Hanix Nr. 65 NIKOLAUS BLOME und JAKOB AUGSTEIN liegen politisch weit auseinander. Was ist rechts, was ist links? Bei Jakob Augstein und Nikolaus Blome ist das keine Frage, sondern Konzept. Hier gibt es keine Große Koalition, hier herrscht gepflegte Konfrontation: keine Phrasen, keine Kompromisse, sondern klare Kante. Ihr fortlaufendes Phoenix-Streitgespräch haben sie abgedruckt. Jetzt sind sie mit ihrem Buch »Oben und unten« auf Tour. Am 25. März lesen und streiten beide in bewährter und unterhaltsamer Weise im Komödienhaus des Heilbronner Stadttheaters. Jan Freitag bat die beiden Journalisten zum Interview über die Kraft des Streitgesprächs. Von Jan Freitag, Fotos: Sebastián Laraia 38 INTERVIEW DES MONATS

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NIKOLAUS BLOME (links im Bild) studierte Geschichte, Volkswirtschaft und Politik in Bonn und Paris. Er war Büroleiter in Brüssel und stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Die Welt und arbeitete von 2006 bis 2013 bei BILD, als Leiter des Hauptstadtbüros und stellvertretender Chefredakteur. Nach zwei Jahren beim SPIEGEL in gleicher Funktion kehrte Blome Ende 2015 als stellvertretender Chefredakteur zu BILD zurück. JAKOB AUGSTEIN (rechts im Bild) studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft in Berlin und Paris. Nach Stationen bei der Süddeutschen Zeitung und der Zeit ist er seit 2008 Verleger der Wochenzeitung Der Freitag. Er diskutiert wöchentlich mit Nikolaus Blome auf Phoenix in der Sendung »Augstein und Blome« über ein aktuelles Thema. NIKOLAUS BLOME & JAKOB AUGSTEIN Hanix: Herr Blome, Herr Augstein, trifft sich Berlins politische und mediale Prominenz eigentlich noch immer in Läden wie dem sale e tabacchi, hier in Kreuzberg, um Netzwerke zu spinnen und pflegen? Jakob Augstein: Also was politische Prominenz betrifft, müssen Sie ihn fragen, da kenne ich mich nicht so aus. Nikolaus Blome: Das sale e tabacchi soll früher ja die Kantine der taz gewesen sein, aber ich weiß nicht, ob das wirklich »Prominenz« angezogen hat. Wichtiger ist wohl das Café Einstein Unter den Linden, dicht am Regierungsviertel. Morgens zum Frühstück ist das wie ein Laufsteg. Ich bin da auch ab und zu. Wenn Sie Herrn Augstein, rein hypothetisch, nicht seit acht Jahren kennen, Sendungen machen, Bücher schreiben, sondern zufällig erstmals hier treffen würden – kämen Sie miteinander ins Gespräch? Blome: Nein, weil man sich dort nicht zufällig trifft, sondern verabredet. Augstein: Herr Blome, das meint er doch nicht! Entschuldigen Sie den Kollegen; mein Empathie-Level ist größer als seins. Es geht um die Frage, ob wir uns trotz aller Differenz sympathisch wären. Wenn die natürliche Fremdheit eines eher linken Journalisten des Freitag mit einem eher nicht so linken der Bild erst überwunden wäre, würde ich sagen: Wir fänden uns ansprechend genug. Aber diese Hürde wäre angesichts der Schützengräben, in denen sich alle Welt mittlerweile verschanzt, hoch. Blome: Finden Sie, auch hier sitzen die Helme so tief wie da draußen? Interessant … Gerade unter politischen Korrespondenten in der Hauptstadt bestehen doch kaum Berührungsängste! Auch deshalb war mein Wechsel von der Bild zum Spiegel seinerzeit zumindest in dem Punkt gar nicht so schwierig: Man kennt und schätzt die Profis, wenn sie welche sind. Ideologische Gräben sind kein Hinderungsgrund für die Kontaktaufnahme. Augstein: Dennoch braucht es für echten Austausch ein Mindestmaß an Zuneigung. Bei noch so viel journalistischem Interesse kann es Leute geben, mit denen man nur schlecht reden kann, obwohl sie einem inhaltlich nahe stehen – während man sich manchmal gut mit denen unterhalten kann, die einem inhaltlich ganz fern sind. Blome: Darüber hinaus sieht man selbst Wildfremden oft an, ob sie gern und viel lachen. Natürlich gibt es Leute, die mich interessieren, obwohl sie immer grimmig gucken; aber Lachen können hilft bei der Kontaktaufnahme. Mit Augstein konnte ich jedenfalls von Beginn an gut lachen und was ganz wichtig ist: auch über mich selber. Das kann ich keineswegs in der Gegenwart von jedem. Augstein: Das beruht zwar auf Gegenseitigkeit, aber bevor‘s hier zu rührselig wird: Der zweite, mindestens ebenso große Faktor, warum wir auf die Initiative von Phoenix hin zueinandergefunden haben, ist Professionalität. Für mich bedeutet die, von sich und seiner Eitelkeit so abstrahieren zu können, dass man nicht auf Teufel komm raus recht behalten will, sondern das, was man kann, so gut macht, wie es nur irgend geht. Klingt banal, aber bei allem, was man gegen den Kollegen Blome oder seine Unpünktlichkeit sagen kann, geht es bei ihm wirklich um die Sache. Blome: Pünktlich bin immer ich, alles andere ist eine Lüge. Aber das mit der Professionalität stimmt. Auch deshalb wurden wir von Phoenix geradezu gecastet. Die wollten zwei maximal unterschiedliche Weltanschauungen, unterhaltsam und klug vermittelt sehen. Zum Beispiel: Kann es der Staat besser als das Individuum? Ist die Marktwirtschaft gerecht oder nicht? Sind die USA vertrauenswürdiger als Russland? Augstein: War die Krim eine Sezession oder eine Annexion. Blome: Darüber bei aller Leichtigkeit echt ernst zu werden und Disput nicht in sinnfreien Streit umschlagen zu lassen, ist nur bei einem gewissen Respekt voreinander denkbar. Den haben wir. 39

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Heißt, Sie haben bei der Anfrage von Phoenix 2011 sofort zugesagt? Augstein: Daran kann ich mich nicht genau erinnern, mit dem Alter wird man ja vergesslich. Aber grundsätzlich galt gewiss schon damals: Erst gucken, dann zu- oder absagen. Blome: Soweit ich mich erinnere, ging der Pilot, den wir live on tape, also ungeschnitten, gedreht haben, so glatt von der Hand, dass ihn Phoenix gleich senden wollte. Mir fiel das irgendwie leicht. Augstein: Was Herr Blome sagen will: Er ist ein Naturtalent. Mir dagegen fiel der Start weniger leicht, ich musste mich erst ein wenig ins Format reinarbeiten. Zumal es nicht geschnitten wurde. Da den Faden zu behalten, ist nicht so einfach. Blome: Das stimmt allerdings. Aber Sie beide sind doch überaus Talkshow-erfahren! Augstein: Den Spannungsbogen im Zwiegespräch aufrecht zu erhalten, ist ungleich schwieriger, als in einer großer Runde zu sitzen und hin und wieder das Wort zu ergreifen. Um da keine Löcher entstehen zu lassen, müssen wir uns hin und wieder gegenseitig aushelfen, und um das zuzulassen, muss man sich erst mal kennenlernen. Kommunikation vor laufender Kamera ist kein Selbstläufer. Lief die Kommunikation im Netz denn seinerzeit bereits aus dem Ruder? Augstein: Nein, es gab ja noch nicht mal den Begriff der Filterblase. Blome: Aber deshalb hat man uns auch nicht engagiert. Es ging um Gesprächspurismus ohne Moderator. Augstein: Wobei die legendären Dispute von Hauser und Kienzle im ZDF-Magazin Frontal, so anregend ich sie seinerzeit fand, alle gescriptet waren. Und ehrlich gesagt: So klingen sie heute auch. Blome: Angeblich sind beide nur zur Sendung in denselben Raum gegangen; ansonsten hätten sie sich dauernd angebrüllt. Ihre Ansichten sind kompatibler? Blome: Nein, sie orientieren sich nur nicht entlang tradierter Kampflinien von CDU und SPD. Dass Herr Winterkorn mit 3.000 Euro Rente pro Tag in die Rente geht, obwohl er VW vor die Wand gefahren hat, darf man aus linker Sicht ebenso Scheiße finden wie aus liberaler, sogar konservativer. Den ideologischen Parteibuchjournalismus aus früheren Zeiten gibt es in Qualitätsmedien heute nicht mehr. Augstein: Aber wenn ich als Linker jetzt sage, wir müssten dieses System mit staatlicher Regulierung von Managergehältern brechen, würde Kollege Blome sofort Stopp brüllen. Blome: Genau. Augstein: Das macht Ihre Kritik an Winterkorns Pension so wohlfeil, die kostet Sie gar nix. In der Beobachtung politischer Phänomene sind wir sowohl bei Phoenix als auch in den Büchern oft einer Meinung, aber er würde stets sagen, der Markt wird‘s schon richten, während ich intervenieren will. Trotzdem ist unsere Übereinstimmung heute viel wert; viele Leute haben schon Mühe, sich über ein gemeinsames Bild der Wirklichkeit zu einigen – und erst recht, im Konsens darüber zu argumentieren. Sind Ihre Diskussionen demnach ein Angebot ans Publikum, seine Filterblasen zu verlassen und wieder ins Gespräch zu kommen? Augstein: Anfangs nicht unbedingt, mittlerweile ja. Blome: Ich bin also Teil Ihres Kreuzzugs? Augstein: Im Ernst: Wir alle, mich eingeschlossen, reden doch zusehends über die Mittel der Kommunikation statt über deren Inhalt. Während es allerorten um Metaebenen geht, versuchen Herr Blome und ich auf der Basis eines grundsätzlich vereinbaren Wertefundamentes selbst dann Kontakt zu halten, wenn die Ansichten unvereinbar sind. Auch wenn er mal wieder das Offensichtliche übersieht, glaube ich ihm ja, ein Demokrat zu sein. 40 Blome: So missionarisch bin ich nicht. Falls unsere Dialoge einen pädagogischen Effekt haben sollten, freut mich das, vielleicht macht es mich sogar ein bisschen stolz. Aber mein Ansatz ist nicht Erziehung, sondern Neugierde. Was meine Filterblase denkt, weiß ich. Mich interessiert seine, also die andere. Warum da 2 und 2 gleich 5 sein soll, werde ich aber vermutlich nie verstehen. Augstein: Aber gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren ist die Entwicklung der Debattenkultur doch extrem verstörend. Da finde ich unseren Ansatz, sich gesittet mit jemandem zu streiten, der grundsätzlich anderer Meinung ist, wertvoll. Die arrogante Rechthaberei der Linken nervt mich inzwischen beinahe so sehr wie der geifernde Hass der Rechten. Blome: Was das betrifft, sehe ich kaum noch Unterschiede zwischen Rechts- und Linksaußen. Beide hassen sich mit ähnlich rechthaberischer Arroganz und haben noch etwas gemeinsam: Diese Krakeeler sind so erkenntnisresistent, dass selbst die simpelste Tatsachenbehauptung angezweifelt wird. Wo ist für Sie da die Grenze, auf Gegner zuzugehen – bei Stiefelnazis und Autonomen? Augstein: Als Journalist gibt es keine. Als Gerichtsreporter habe ich einmal über einen Nekrophilen berichtet, der schlimme Dinge mit Leichen vom Friedhof gemacht hat. Auch mit dem hätte mich gerne unterhalten. Und wenn ich schon mit Nekrophilen rede, tue ich das auch mit Alexander Gauland. Zu sagen, ich rede nicht mit dir, weil du ein Nazi bist, halte ich für verrückt. Blome: Es ist eine Sache, Augstein, wie ein Anthropologe mit der Botanisiertrommel durch Mecklenburg-Vorpommern zu laufen, um Neo-Nazis für ihr journalistisches Mikroskop zu suchen. Und es ist etwas ganz anderes, mit diesen Leuten wahrhaft ins Gespräch zu kommen, auf Augenhöhe. Das geht nur bis zu einem gewissen Punkt und dann versucht man auch nicht mehr, solche Irren vom Gegenteil ihres Irrwegs zu überzeugen. Augstein: Aber das ist ja auch nicht der Grund, um mit Alexander Gauland zu reden. Blome: Wobei Sie mit Gauland im Zweifel auf Augenhöhe diskutieren. Wo das nicht mehr möglich scheint, ist eine Pegida-Demo, INTERVIEW DES MONATS Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 auf der die Teilnehmer erst Adventslieder singen und dann grölen, Ausländer aufzuhängen. Bei denen kann ich zwar recherchieren, aber ein echter Austausch scheint mir unmöglich. Sie glauben also, dass der Kontakt zur gegenüberliegenden Seite wirklich neue Erkenntnisse liefert oder anders gefragt – bindet Alexander Gauland ausgerechnet Ihnen Umsturzpläne der AfD unter die Nase? Augstein: Das ist optimistisch, in der Tat. Aber es auszuschließen, beschränkt mich doch nur in meinen Möglichkeiten. Blome: Alexander Gauland ist als Person und wegen seiner Macht zu interessant, um ihn zu ignorieren. Dass er über sich lachen kann, bezweifele ich allerdings. Haben Sie es je erlebt, dass einer von Ihnen seine Meinung aufgrund der Argumente des anderen überdacht, wenn nicht gar geändert hat? Augstein: Falls ja, würde ich es in der Öffentlichkeit nicht zugeben. Blome: Herr Kollege, Sie haben unlängst Ihre Meinung in Sachen Vermögenssteuer geändert, die Sie zuvor flammend verteidigt hatten und nun ablehnen. Ich war sehr stolz auf mich. Augstein: Erstens war das ein Witz und zweitens haben Sie recht. Blome: Bei mir hat sich der Blick auf die Flüchtlingskrise in den letzten zwei Jahren dahingehend geändert, dass eine rein rationale Ansprache bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung nicht mehr funktioniert. Und damit meine ich nicht Alu-Hüte, sondern die Gefühle ganz normaler Leute. Diese Gefühle schaffen politische Fakten. Das hätte ich früher bestritten; jetzt ist es mir klarer. Glauben Sie dennoch weiterhin an die heilende, erhellende Kraft von Streitgesprächen wie den Ihren als Grundlage von Lösungsorientierung und Kompromiss? Augstein: Es geht darum, die Argumente des anderen zu prüfen. Blome: Aber auch ums Gewinnen, also Überzeugen durch die stärkeren Argumente. Augstein: Andererseits ähnelt unser Disput dem antiken Rhetorenstreit, wo es zwar auch ums Präsentieren geht, das man aber auch nicht – etwa durch Lautstärke – überziehen darf. Sonst wird es populistisch. Debattenkultur hat demnach auch einen sehr handwerklichen, am Ende also journalistischen Aspekt. Aber was genau macht denn Ihren Streit zu Journalismus? Augstein: Argumente sind immer journalistisch, deshalb sollten sie einem besser nie ausgehen; nichts ist so peinlich wie das Schweigen, nachdem eines Ihrer Argumente in der Luft zerrissen wurde. Blome: Ich muss gleich lachen. Aber natürlich beruht unsere Sendung auch auf Recherche im journalistischen Sinn. Lebenslanger Recherche durch Berufs- und Lebenserfahrung oder punktueller aufs jeweilige Thema? Augstein: Beides. Ein paar tagesaktuelle Zahlen und Fakten sollte man jedenfalls besser parat haben. Blome: Weil ich das nachrichtliche Grundrauschen dieser Welt als Zeitungsjournalist ohnehin stets im Ohr habe, muss ich nicht alles vorbereiten, schlage aber schon Sachen nach und dann kommen ein paar Spritzer Entertainment dazu. Anfangs, das räume ich ein, etwas zu viel davon; das waren schon bunte Kessel manchmal. Augstein: Zu Beginn waren die Themen aber auch nicht so fundamental wichtig. Da ging es noch nicht dauernd ums Ganze wie heute. Zwischendurch wurde es mit den Kriegen in der Ukraine und Syrien zwar richtig bitter; wo Menschen sterben, sinkt der Ironie- und Humorlevel automatisch. Das gilt gewissermaßen auch für die SPD. Aber bei Angela Merkel darf dann wieder gelacht werden. NIKOLAUS BLOME & JAKOB AUGSTEIN Blome: Unser Höhepunkt begleitender Haptik, auf dieses Beispiel läuft es fast immer hinaus, waren diesbezüglich … Augstein: … die eingekochten Gurken … Blome: … im Zusammenhang mit dem Lebensmittelkeim Ehec. Damals, es gab uns etwa 18 Monate, habe ich zuhause ein paar Gurken zermanscht, und Sie haben die im Studio gelöffelt. Darauf werden wir bis heute regelmäßig hingewiesen, wenn es um mehr Entertainment geht. Aber die Zeiten sind dafür womöglich doch zu ernst, zu ruppig, zu wenig spielerisch. Augstein: Verlieren wir etwa grad unseren Humor, Herr Blome? Blome: Nein, aber eingespielte Witze haben gerade ausgespielt. Trotzdem herrscht auch in den Büchern ein jovialer Tonfall, der an Salons reicher weißer Männer erinnert, die über eine Gesellschaft diskutieren, zu der sie den Kontakt verloren haben. Wie vermeiden Sie Wolkenkuckucksheimdebatten für Wolkenkuckucksheimzugangsberechtigte? Blome: Indem Sie zuvor mit wachen Augen durch die Stadt laufen, viel lesen, sich der Tatsache bewusst sind, dass man nicht arm sein muss, um über Armut zu reden, und ebenso wenig reich, um über Reichtum zu befinden. So viel Empathie müssen Sie uns schon zutrauen. Augstein: Und der Kollege arbeitet, wie Sie wissen, für die Bild-Zeitung, die ebenso wie Spiegel-Online, wofür ich bis vor Kurzem eine Kolumne geschrieben habe, zu den Massenmedien zählt. Anders als viele andere Kollegen sind wir es also gewohnt, eine enorme Zahl von Menschen zu adressieren. Und eben deshalb wird mir im eigenen Umfeld öfter vorgeworfen, gar kein echter Linker zu sein. Das kennen Sie vermutlich nicht aus Ihrem. Blome: In der Tat. Was ich allerdings häufiger mal höre, ist der Vorwurf, unsere Gegensätze seien doch ohnehin bloß gespielt und wir seien – auch, weil wir tatsächlich keinem so grundsätzlich verschiedenen Biotop entstammen – gar nicht unterschiedlicher Meinung. Das stimmt nicht! Und wenn jemand sagt, Sie seien kein Linker, erkläre ich hiermit: Doch, er ist einer. So einen Mist wie Ihren kann kein Rechter reden. Augstein: (lacht) Ich kann auch nur sagen: Wer denkt, wir spielen das nur, hört nicht zu oder checkt nicht, wie stark die Differenzen sind. 41

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Darum geht es in jedem Buch, jeder Sendung. Wenn es Themen gibt, über die wir absehbar einer Meinung sind, behandeln wir sie nicht. Blome: Unser Prinzip lautet Reibung, in deren Hitze die Leute etwas erkennen, was sie bewegt und belebt. Meine Hoffnung ist, dass es unter den Zuschauern genügend Leute gibt, die sich dabei mal auf die eine, mal auf die andere Seite schlagen. Oder besser: immer auf meine. Anders als bei Phoenix ist die Reibungshitze in den Büchern jedoch inszeniert, oder? Augstein: Genau, die Bücher sind Gesprächssimulationen. Alles andere könnte und wollte man aber auch nicht lesen. Blome: Trotzdem waren die Grundlagen der schriftlichen Dialoge stets echte Gespräche, deren Inhalt jeder in halben oder ganzen Sätzen mitgeschrieben hat, um daraus seine Passagen zu formen. Die bei Phoenix geboren sind? Augstein: Das vielleicht, aber es sind keine verschriftlichten Sendungen. Blome: Die Idee ist in einem wunderbaren Sommer entstanden, den ich auf Spiegel-Kosten in meinem Garten verbrachte. Sechs Monate frei. Großartig. Anfangs dachte ich an ein Hörbuch, aber das hätte nicht funktioniert. So reden wir eben auf Papier weiter. Hat Sie dieses Reden – ob auf Papier oder am Bildschirm – auch persönlich verändert? Augstein: Mich total, kein Witz: Dadurch, dass ich mich Woche für Woche, Buch für Buch in diese Gesprächssituationen begebe, stelle ich mich und meine Positionen permanent infrage. Wenn Herr Blome mal einen Punkt macht, würde ich abwechselnd zuschlagen oder losheulen – aber ich verkneife es mir, lerne zurückzustecken, nachzudenken, zu reflektieren. Das geschieht in den Sozialen Netzwerken kaum noch. Dort entsteht gerade eine rechthaberische Generation radikalisierter Wahnsinniger. Blome: Diesen Kulturpessimismus teile ich nicht. Im digitalen Raum sind sicher massenhaft Irre unterwegs. Viele davon nutzen allerdings nur dessen Anonymität, um sich in einer Weise auszutoben, die ihnen analog unmöglich ist. Aber viele Hater im Netz sind fürs echte Leben keineswegs verloren. Sind Sie also wirklich das misanthropische Gegenstück zum philanthropischen Blome? Augstein: Ich würde es weniger drastisch ausdrücken, aber weil Linke selten auf der Gewinnerseite stehen, neigen sie naturgemäß zum Kulturpessimismus. In den zwölf Jahren seit der Finanzkrise hat die Linke trotz günstiger Voraussetzungen den Protest nicht konstruktiv zum Systemwechsel genutzt. Das desillusioniert. Wenn man jedoch damals alles gut fand und jetzt eben auch, wie der Kollege hier, dann wäre ich auch entspannt. Sie Neoliberaler! Blome: Na ja, bei der höchsten Sozialstaatsquote aller Zeiten nach dem längsten Aufschwung aller Zeiten frage ich mich eher, 42 Jakob Augstein, Nikolaus Blome Oben und unten Abstieg, Armut, Ausländer - was Deutschland spaltet woher die Unruhe der Linken kommt. Sie kulminiert darin, dass alle glauben, Rentner seien arm. Es gibt welche, gewiss, aber das sind Ausnahmen. Für solche Aussagen sagt Herr Augstein in »Oben und unten«, Ihnen fehle die Empathie fürs Leben des normalen Menschen« … Augstein: Ha! Blome: (lacht) Wenn ich irgendwann eine Doktorarbeit über Marketing, Branding, Framing und wie das alles heißt, schreiben müsste, dann würde ich mir Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband mal vorknöpfen, der den Leuten solange eingeredet hat, Rentner seien bettelarm, bis es alle geglaubt haben. Sie können ja kaum noch »Rentner« sagen, ohne »Armut« zu hören. Augstein: Und da mangelt es am Wesentlichen unserer Gesprächskultur, die ich vorhin erwähnt hatte. Wenn unabhängig von irgendeiner Wertung nicht mal unsere Beobachtung politischer Phänomene übereinstimmt, reden wir aneinander vorbei. Selbst die Angst vor Armut schafft Fakten, also Realität. Blome: Umso mehr leugne ich Ihre Prämisse, Rentner seien auch faktisch alle arm! Augstein: Dieses Leugnen gelingt Ihnen jedoch nur, weil Sie nicht den reinen Rentenbezug betrachten, sondern auch noch Nebeneinkünfte, die in der Regel nur Besserverdienende haben. Aber selbst wenn Herr Blome und ich uns hier mal über den Befund nicht einigen können, gibt es noch genug, über das es sich mit ihm zu streiten lohnt. Welches Thema brennt Ihnen diesbezüglich noch so unter den Nägeln, dass es Bücher füllen könnte? Augstein: Die Zukunft. Vor der herrscht zurzeit eine merkwürdige Furcht, aber auch Blindheit. Ich wache morgens mit der Zukunft auf und gehe abends mit ihr ins Bett. Blome: Ernstlich? Warum? Aus Angst vorm Klimawandel und der Weigerung des Menschen, dafür auf Wohlstand zu verzichten. Augstein: Immerhin verändert sich da gerade etwas und macht das Thema vom Randthema zum Hauptthema. Blome: Für ein Randthema ist allerdings schon reichlich Geld hineingeflossen, aber stimmt schon – solange die Leute keine Angst vor Arbeitslosigkeit und Krieg haben, steht es weiter vorn im Bewusstsein. Augstein: Aber in einem fast surrealen Missverhältnis zwischen Rhetorik und Handeln. Und Angst vor Flüchtlingen steht konstant davor. Blome: Kann sein, dass Klima oben auf der Agenda bleibt, aber neue Arbeitslosigkeit würde es sofort verdrängen, in a minute. Die Frage für ein neues Buch lautet daher: Worauf können wir uns einigen. Augstein: Als Buchtitel leider völlig ungeeignet, Herr Blome. Herr Blome, Herr Augstein – Die Zeit hat Günther Netzer und Gerhard Delling, als beide noch Fußball im Ersten moderiert haben, mal »Siez-Freunde« genannt. Sind Sie so was wie »Duz-Feinde«? Augstein: Nein, wir siezen uns auch im echten Leben, nicht nur hier fürs Mikrofon. Blome: Und das ist auch ganz gut so. Also doch Siez-Freunde? Augstein: Ich komme aus Hamburg, da reichen acht Jahre Bekanntschaft noch nicht ganz für eine Freundschaft. Aber wir kommen gut klar. Blome: Wenn ich irgendwo in höchster Not wäre und nur eine Handvoll Ansprechpartner hätte, könnte es sein, dass ich den Kollegen Augstein anrufe. Augstein: Echt jetzt?! Blome: Um dann das Gegenteil zu machen, was Sie mir raten. ◆ NIKOLAUS BLOME & JAKOB AUGSTEIN Hanix Nr. 65

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Titelthema: [S. 46–71] NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ »Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.« Greta Thunberg schwedische Klimaschutzaktivistin (*3. Januar 2003 in Stockholm) Artwork: Raimar Schurmann Hanix Nr. 65 44

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EnerGeno: 1.000 Mitglieder machen bei der Energiewende in Bürgerhand mit. Von Leonore Welzin, Fotos: Nico Kurth »Wir machen Heilbronn zur Sonnenstadt!« Hanix Nr. 65 Stadt-Verwaldung statt Stadt-Verwaltung dachte der Künstler Joseph Beuys und pflanzte mithilfe freiwilliger Helfer im Verlauf mehrerer Jahre 7.000 Bäume in Kassel. Der Öffentlichkeit wurde das Landschaftskunstwerk 1982 auf der documenta 7 vorgestellt, fünf Jahre und eine documenta später war das Werk abgeschlossen. Im Hinblick auf die allgemeine Verstädterung veränderte diese umfangreiche künstlerische und ökologische Intervention den urbanen Lebensraum nachhaltig. Beuys selbst bezeichnete das Projekt als soziale Plastik: »Ich wollte ganz nach draußen gehen und einen symbolischen Beginn machen für ein Unternehmen, das Leben der Menschheit zu regenerieren innerhalb des Körpers der menschlichen Gesellschaft, und um eine positive Zukunft in diesem Zusammenhang vorzubereiten«, erklärte Beuys. Das anfangs umstrittene Projekt hat sich zu einem stadtbildprägenden Bestandteil des öffentlichen Raums der Stadt Kassel entwickelt. Beuys, ein bekennender Grüner, war ein wertvoller Stichwortgeber, »nachhaltige Veränderung«, das Leben der Menschheit »regenerieren« im Sinne einer »positiven Zukunft« sind heute aktueller denn je. Heilbronn ist nicht Kassel, einen Künstler vom Rang des Joseph Beuys gibt es hier nicht, aber zukunftsweisende Impulse, wie sie durch die Weltausstellung documenta nach Kassel getragen werden, sind nicht Künstlern vorbehalten. Eine Heilbronner Bürger-Initiative hat sich 2010 zusammengefunden, um gemeinsam das Konzept regenerativer Energie durchzusetzen. »Energie für alle« ist das Motto, die »Energiewende in Bürgerhand« das Ziel der EnerGeno Heilbronn-Franken, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert und das 1.000. Mitglied erwartet. »Arbeitsweise und Arbeitsfelder der Genossenschaft werden geprägt durch die Vision einer Gesellschaft, deren Energieversorgung ökologisch und sozial, nachhaltig, sauber und dezentral erfolgt, frei von schädlichen Emissionen und Belastungen für Mensch und Umwelt, frei von Monopolen, Kartellen und Lobbyisten, frei von politischen Abhängigkeiten und Ressourcenknappheit, zugänglich und erschwinglich für alle.« Die Präambel der EnerGeno-Satzung klingt wie eine Ode an die Zukunft. Begründete Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Planeten waren bereits 1972 aufgekommen, als der Club of Rome, ein Thinktank aus internationalen Experten, der sich seit Jahrzehnten mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen auseinandersetzte, seinen Report die »Grenzen des Wachstums« veröffentlichte. Das Fazit lautete »Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht«. Zwischen 2050 und 2100 würde das Ökosystem kollabieren, wurde prognostiziert. Dass es wesentlich schneller gehen könnte, wurde der Welt durch die Reaktorkatstrophe von Fukushima im März 2011 bewusst. Der sogenannte »saubere Strom« zeigte seine tödliche Seite. Die 46 Engagiertes und einfallsreiches EnerGeno-Team: Auch eine Genossenschaft braucht Macher, die voran gehen. NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Bundesregierung beschloss den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis spätestens 2022. Von den drei Standorten in Baden-Württemberg ist nur noch Neckarwestheim am Netz. Politiker anderer Länder haben den Warnschuss ignoriert. Neuere Studien des Club of Rome zu Zukunftsszenarien bestätigen die negativen Trends, der wachsende Zeitdruck verschärft die Problematik. Nur eine »überaus ambitionierte Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergibt bei knapp 8 Mrd. Menschen eine nachhaltige Gesellschaft«, heißt es im Update 2004. Einige Autoren nehmen allerdings an, dass die Kapazität des Planeten, Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren, bereits im Jahr 1980 überschritten wurde und weiterhin überschritten werde, 2004 um ca. 20 %. 2016 wurden die Experten noch deutlicher: Es gehe nicht nur um eine Begrenzung des Wachstums in den Industrieländern, sondern um eine Abkehr vom derzeitigen marktradikalen Denken insgesamt und um einen radikalen Umbau der Volkswirtschaften, erklären sie und empfehlen: »Den Wohlstand neu [zu] DESIGN erfinden« (»Reinventing prosperity«), so der Titel des Reports. Wohlstand ist nicht ohne Nachhaltigkeit zu haben. Ziel der Nachhaltigkeit ist das Gleichgewicht zwischen Nutzung einerseits und Regeneration der Ressourcen andererseits. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft. Er wurde im frühen 18. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer zunehmenden Holzverknappung definiert. Schon im späten Mittelalter waren die Kapazitäten der Wälder in vielen Regionen Mitteleuropas, besonders in solchen mit ausgeprägter Bergbautradition, überschritten worden. Die Ausbeutung der Wälder durch unkontrolliertes Abholzen war über mehrere Jahrhunderte der vermeintlich einzig gängige ökonomische Weg. Als die Menschen erkannten, dass sie im Begriff waren, die Natur unwiderruflich zu zerstören, führte die Einsicht in die Misere schließlich zu alternativen Handlungsoptionen. Die alte Forstwirtschaft wurde durch eine völlig neue, regional nachhaltige Waldwirtschaft abgelöst. »Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch« dichtete Hölderlin in jener Epoche. Der norwegische Wirtschaftsexperte und Zukunftsforscher Jørgen Randers gab 2012 zu bedenken, dass die Menschheit die Ressourcen der Erde ausgereizt habe. »Jedes Jahr stößt sie doppelt so viel Treibhausgas aus, wie Wälder und Meere absorbieren können«. Die planetare Krise atomarer und fossiler Energie ist heute so offensichtlich, wie es einst der selbst verschuldete Holzmangel in einigen Regionen war. »Für die Atomkraft haben wir immer noch kein Endlagerungskonzept in Deutschland, Kosten und Probleme werden einfach externalisiert und den kommenden Generationen aufgehalst. Zu den fossilen Energieträgern ist zu sagen, dass wir global in einem Jahr die Menge an Öl, Gas und Kohle verbrennen, die in fünf bis sechs Millionen Jahren gebildet wurden. Das heißt – auch ohne die Gefahren des Klimawandels zu betrachten – geht diese Rechnung nicht auf. Wir müssen also möglichst sofort und ohne Kompromisse zurück zu einem solaren Zeitalter. Die Techniken sind da, was fehlt, ist der politische Wille und zwar auf allen Ebenen«, erklärt Sebastian Staudenmayer, Projektleiter der Energie-Genossenschaft. Auch im globalen Maßstab wird der fehlende politische Wille beklagt. Jørgen Randers und Graeme Maxton, die Autoren von »Reinventing prosperity«, stellen 47

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fest: »Das Wirtschaftssystem ist nicht die Lösung, sondern der Grund unserer Probleme«. Harter Tobak für Autokraten wie Donald Trump (USA) und Jair Bolsonaro (Brasilien), sollte man meinen. Unbelehrbar bestreiten sie die von Menschen verursachte Erderwärmung. Verschwörungstheorie sei das, um der Weltwirtschaft zu schaden, behaupten sie und machen business as usual. Politiker, denen die Sachlage zu komplex ist, geben vor, das Notwendige verstanden zu haben, sehen ihre Aufgabe aber als Vermittler zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen. Heraus kommt – meist erst nach langen Verhandlungen – ein sogenannter »Kompromiss des Machbaren« à la »Green Deal« (EU-Kommission 2019 unter der Präsidentschaft von Ursula von der Leyen). Schon der Hybrid aus dem positiv besetzten Begriff »green« (grün) mit dem negativ konnotierten »deal« (Geschäft) lässt erahnen, wie verzweifelt die Lage der Entscheidungsträger ist. Auf der anderen Seite laufen Klima-Aktivisten Sturm gegen Ignoranz, Borniertheit und Nichtstun. Fridays for Future, allen voran ihre Galionsfigur, die 17-jährige Greta Thunberg, streiken sich die Seele aus dem Leib: »How dare you!«, klagt der Teenager aus Schweden die Mächtigen beim UN-Klima-Gipfel 2019 in New York an. Mutig war ihr Segeltörn von Europa nach New York, spektakulär ist ihr Wissen, mit dem sie souverän, nachdrücklich und emotional Politikern Paroli bietet: »You have stolen my dreams and my childhood with your empty words. People are suffering. People are dying. Entire ecosystems are collapsing. We are in the beginning of a mass extinction. And all you can talk about is money and fairy-tales about eternal economic growth! How dare you!« Greta lebt vegan, reist nicht mit dem Flugzeug und hat sich zum Shop-stop verpflichtet, d. h. nichts wird gekauft, was nicht absolut notwendig ist. Weltweit unterstützen elf Millionen. Anhänger die Freitags-Demonstrationen. Inhaltlich fordert Fridays for Future lediglich, dass die Politiker einlösen, was sie sich bei der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris vorgenommen hatten: nämlich ihren Enkeln und dem Planeten eine Zukunft zu sichern. Bis Ende 2019 sollten Subventionen für fossile Energieträger eingestellt werden, ein Viertel der Kohlekraft sollte abgeschaltet und CO2-Steuer auf alle Treibhausgas-Emissionen erhoben werden. Bis 2030 sollte ein 100 % Ausstieg aus der Kohle erfolgen, bis 2035 sollte die Energieversorgung zu 100 % mit erneuerbarer Energie gesichert sein und Treibhausgas-Emissionen auf nettonull gesenkt werden. Lobbyisten haben all das verhindert und statt der CO2-Steuer einen Deal, den sogenannten Emissionshandel durchgesetzt. Dirk Messner (CSU), seit 1. Januar 2020 Chef des Umweltbundesamtes (UBA), verspricht Besserung. Der Politikwissenschaftler, der als renommierter Nachhaltigkeitsforscher gehandelt wird, meint »Umweltfragen sind keine Gedöns-Themen mehr«. Schlimm, wenn sie‘s bisher waren! Die Wissenschaft fungiere als Frühwarnsystem (das von Entscheidern seit 50 Jahren ignoriert wird). Er will Lösungskorridore aufzeigen und Tempo machen. Hoffentlich bleibt es nicht bei leeren Versprechungen. Immerhin kann sich jeder auf der Homepage des UBA seine persönliche Ökobilanz errechnen. Siehe: uba.co2-rechner. de/de_DE/. Technologisch habe das fossile Zeitalter die Menschheit weit gebracht, aber jetzt sei es an der Zeit, schlauere und längerfristige Lösungen zu finden. Sie werden dezentraler, gemeinschaftlicher und ressourcenschonender sein müssen, meint Sebastian Staudenmayer. Darin stecke ein riesiges Potenzial für regionale Wertschöpfung und neue Ideen für unser Wirtschaften. Die Krise als Chance betrachten und gemeinsam aktiv werden. Das zeichnet die Bürgerenergie-Bewegung aus. »Mit unseren 34 Solaranlagen produzieren wir Jahresempfang im Museum: 100 Mitglieder der EnerGeno informierten sich 48 über Neuerungen ihrer Energie-Genossenschaft und über Konzernlobbyismus. ENERGENO

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nun insgesamt Strom für 6.000 Haushalte und sparen jährlich 12.500 t CO2 ein«, so Staudenmayer. Um diese Menge CO2 zu binden, wäre die Speicherkapazität von 950.000 Bäumen nötig. Das entspricht 22 Mal dem Heilbronner Baumbestand, der immerhin 43.000 Bäume umfasst. Der Solarstrom wird durch die Bürgerwerke direkt an die Heilbronner Stromkunden geliefert. Außerdem kann man das Solarmodul für Zuhause erwerben und so auch als Mieter ganz einfach Sonnenstrom auf dem Balkon erzeugen. Beim diesjährigen Jahresempfang der Heilbronner Energiegenossenschaft EnerGeno eG im Museum im Deutschhof begrüßte Georg Dukiewicz, Geschäftsführer der EnerGeno, die rund 100 Besucher. »Wir machen Heilbronn zur Solarstadt«, versprach Dukiewicz und schaute zurück auf ein erfolgreiches Jahr 2019, in dem die EnerGeno zehn weitere Projekte in Heilbronn umsetzen konnte, vier davon auf Heilbronner Schuldächern: »Wir liefern unseren Stromkunden jetzt echten Ökostrom vom Heilbronner Schuldach«, schloss er und warb für eine Energiewende in Bürgerhand. Im Anschluss folgte der Fachvortrag von Tina Ternus, einer Energiewendeexpertin, die sich seit zehn Jahren mit Konzernlobbyismus und orchestrierten Meinungskampagnen gegen Energiewende und Klimaschutz beschäftigt. Vor allem die Arbeit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wurde im Vortrag analysiert und deren Einflussnahme auf die öffentliche Meinung dargestellt. Am Schluss entspann sich eine rege Diskussion über das Ausmaß des gerade gehörten. Auch die anwesenden Vertreter von Fridays for Future und Parents for Future waren begeistert von der investigativen journalistischen Arbeit und fachlichen Tiefe der Referentin. Die Medienlandschaft wurde kritisch durchleuchtet und Ternus mahnte, ob der gezielten Einflussnahme von Lobbyorganisationen auf Politik und Medien, wachsam zu bleiben. In Deutschland engagieren sich bereits über 180.000 Menschen in einer der rund 1.000 Bürger-Energiegenossenschaften. Um die Energiewende insgesamt zum Erfolg zu führen, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien im Strom-, Wärme- und Mobilitätsektor dringend erforderlich. Durch den Zusammenschluss vieler rückt die Energiewende näher. Simon Federau, 31 Jahre, von Beruf IT-Projektmanager, ist seit drei Monaten Mitglied und überrascht: »Ich wusste nicht, dass die EnerGeno zu den Bürgerwerken und damit zur größten, privat organisierten Bürgerinitiative Deutschlands gehört«. Auch im Marketing lässt sich das EnerGeno-Team etwas einfallen und setzt bei der Hausgmacht-Kampagne auf lokale Kooperationen mit Gastronomen. Wer bei EnerGeno einsteigt, bekommt einen Gutschein, der bei inhabergeführten Gastronomen (VELO, Pfeffer, Falafel Beirut, Michels Küche, Hartmanns, Kaffeehaus Hagen, JULS und dem Pier 58) in Heilbronn eingelöst werden kann. Und wer weiß, vielleicht verwalden die Energie-Genossen in ihrem Jubiläumsjahr auch noch ein Stück Stadt, wie einst Beuys in Kassel. ◆ Info: Wie kann man bei der EnerGeno mitmachen? Zunächst kann man sich auf der Homepage informieren: www.eghf.de Wer vom Konzept überzeugt ist, kann sofort Strom- oder Gaskunde werden, Anteile zeichnen, ein Solarmodul für Zuhause bestellen oder Projekte und Projektideen an die EnerGeno weiterleiten. Auch ehrenamtliches Engagement ist willkommen. Nicht von schlechten Eltern... ...sind unsere neuen Kurse zu den Themen: Familienstart Eltern und Kinder gemeinsam Kinder und Jugendliche Pädagogik Väter willkommen u.v.m. Unser neues Programm ist online: www.hdf-hn.de/kurse/ auf den anfang kommt es an! Haus der Familie gGmbH Fügerstraße 6 74076 Heilbronn Tel. 07131 27692-30 www.hdf-hn.de Wir expandieren und suchen Verstärkung! Haben Sie Lust in unserem Team mitzuarbeiten? Wir suchen Erzieher*innen, Hebammen, Pädagog*innen als Kursleiter*innen. Bewerbungen bitte online an info@hdf-hn.de. 49

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Globaler Klimastreik am Black Friday: Es geht um mehr als ums Klima, es geht um Systemwandel. Seit einem Jahr sind auch in Heilbronn Schüler*innen Teil der weltweiten Bewegung »Fridays For Future«. Sie fordern eine Politik, die diese Klimakrise ernst nimmt und Lösungen bringt. Ein Besuch beim globalen Aktionstag in Heilbronn Ende November. Warum es nicht nur um Klimaschutz geht, sondern auch um einen Generationenkonflikt. Von Kathrin Stärk Fotos: Nico Kurth Hanix Nr. 65 »Ich gehe jetzt Geschichte machen« Als die ersten Demonstrant*innen um 10:45 Uhr am Bollwerksturm eintreffen, hat es bereits begonnen zu regnen. Die Organisatoren huschen zwischen mehreren Pavillons und der Bühne herum, andere verteilen gerettete Lebensmittel, die Parents For Future (PFF) schenken Früchtepunsch aus. Organisator Obai besucht eigentlich die 12. Klasse, heute ist er Ansprechpartner für alle. »Obai, wie dringend suchst Du Ordner? Ich wollte eigentlich nur so dabei sein …« – »He, das ist eine moralische Pflicht!«, entgegnet der 18-Jährige und drückt dem Fragenden eine Ordnerbinde in die Hand. Heute, am weltweiten Aktionstag, wird jede*r gebraucht. Schönwetterdemonstrant*innen bleiben da lieber zu Hause. Ben ist Schüler des Berufskollegs und mit seinen 22 Jahren einer der Älteren im Orga-Team der Heilbronner Fridays For Future (FFF). »Beim letzten Global Climate Strike am 20. September waren es über 2.000 Menschen«, sagt er. Heute hoffen sie auf 500. So auch Kristin, die dem zunehmenden Niederschlag trotzt und im Schutz eines Pavillons anbietet, sich schnell noch ein T-Shirt zu besprühen mit »Neustart Klima« oder »Fridays For Future«. Sie ist 18 Jahre alt und macht ein FSJ an einer Grundschule. Heute hat sie einen Lehrer und fünf Schüler*innen der Sprachförderung im Schlepptau. Kristin ist von Anfang an in Heilbronn dabei. Das Datum erinnert sie gut: »Das war kurz nach meinem Geburtstag Anfang Februar.« Damals stand sie kurz vorm Abi und im Gegensatz zu anderen Mitstreiter*innen hatte sie großes Glück mit ihren Lehrern, 50 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Hanix Nr. 65 berichtet sie. Die meisten hätten ihr Engagement unterstützt. »Es war aber nicht so gern gesehen, wenn wir jüngere Schüler*innen eingeladen haben.« Ihre Doppelstunde Geschichte am Freitag fiel in die Zeit der Demos. Statt den Unterricht zu besuchen, habe sie zu ihrem Lehrer gesagt: »Ich geh jetzt Geschichte machen.« Auch über die Demos hinaus organisiert sie mit der Heilbronner Ortsgruppe Aktionen, zum Beispiel ein Kino-Event, bei dem der Film »Dark Eden« gezeigt wurde. Ein umweltgerechtes Leben ist nicht einfach Dem Vorwurf, viele der Jugendlichen seien Heuchler*innen, sie wollten nur Schule schwänzen, es gehe ihnen gar nicht um ein nachhaltiges Leben, begegnet sie ruhig: »Ich bin schon länger Vegetarierin, kaufe Second Hand oder mache Kleidertausch und fahre viel Fahrrad. Ich hab nicht mal einen Führerschein. Zum Glück wohne ich in der Stadt, auf dem Land ist das natürlich anders.« Ihr ist bewusst, dass ein umweltgerechtes Leben nicht einfach ist: »Es ist eine Frage von Geld und Bequemlichkeit.« Deshalb appelliert sie an die Politiker*innen: »Sie müssen den politischen Rahmen setzen, denn die Menschen handeln nicht altruistisch. Es sind die großen Entscheidungen, die den Unterschied machen.« Für sie ist FFF ein wichtiger Anstoß, den die Jugendlichen aber nicht alleine geben können. »Die Parents helfen uns sehr viel«, sagt sie mit Blick auf Karen, die sich gerade ein T-Shirt mit »Climate Justice Now« besprüht. Karen ist zwar keine Mutter, aber engagiert sich seit Juli bei PFF. Später wird sie auf der Bühne stehen und ihre Geschichte erzählen, die mit Zweifeln beginnt: »Ich bin 29 und weiß nicht so richtig, ob ich mich mehr zur Generation der Fridays zählen soll oder zu der, die maßgeblich an unserer Klimakatastrophe schuld ist.« Um 11:39 Uhr betritt Obai die Bühne und erinnert an den ersten Global Strike im September 2019. Trotz der Massen auf den Straßen habe der Bundestag ein Klimaschutzgesetz beschlossen, mit dem er nicht zufrieden ist. Die Demo-Besucher*innen sind da ganz seiner Meinung. Seine weiteren Worte gehen im Prasseln des Regens, Trommeln und zustimmenden Pfiffen unter. Auch die nächste Rednerin, Alana vom Orga-Team, kritisiert die Regierenden: »Wohin grüner Kapitalismus uns leitet, hat das Klimapaket gezeigt – und zwar nirgendwo hin.« Wirkliche FRIDAYS FOR FUTURE Klimagerechtigkeit und weltweiter Frieden kann nur durch einen grundsätzlichen Systemwandel erreicht werden. Der Kapitalismus mit seinem verschwenderischen Produktionswahn und unendlichem Wirtschaftswachstum könne nicht in Einklang mit ökologischen Interessen gebracht werden. Sie richtet den Blick auch auf die Proteste in Chile oder auf Rojava, ein Projekt der demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien. »Rojava verteidigen bedeutet auch, den Aufbau einer ökologischen Gesellschaft zu verteidigen. 2012 wurde dort gemeinsam ein alternatives Gesellschaftsmodell basierend auf den Grundprinzipien Frauenbefreiung, Ökologie und Demokratie aufgebaut.« Alana verweist auf die Folgen der türkischen Militäroffensive, die in der Region zu einer politischen und humanitären Katastrophe geführt hat: »Das ist ein Krieg gegen die Zivilisation und ein Krieg gegen die Natur!« »Ich bin nicht wegen der Menschen hier!« Ihre Rede endet mit einem kleinen Aufruhr, den nur der Regen überdeckt. Während viele Junge »Hoch die internationale Solidarität!« skandieren, sehen das die Älteren anders. Einigen Parents wäre es lieber, wenn das Thema nicht an so zentraler Stelle bei den FFF-Demos behandelt würde, da es nur ein Aspekt unter vielen in der Klimakrise ist. Für viele hier aber zeigt das Beispiel modellhaft den moralischen Bankrott der westlichen Industriestaaten – sowohl in der Klimafrage als auch in der Nahostpolitik. Als Grit von der Interventionistischen Linken (IL) auf der Bühne »System Change, not Climate Change« fordert, sind einige Ältere nicht einverstanden. Eine Frau ist sichtlich empört: »Ich bin wegen der Natur hier, nicht wegen der Menschen!« Ob dem Orga-Team die ideologischen Gräben bewusst sind, entlang derer sie sich bewegen? Kurz darauf gibt es ein kurzes Intermezzo mit Vertreter*innen der MLPD, die aufgefordert werden, ihre Fahnen runterzunehmen, da man hier keine Parteipolitik haben will. Auf der Bühne hingegen steht mit der IL eine linksradikale Gruppierung auf der Bühne, der vom Hamburger Verfassungsschutz vorgeworfen wird, die Proteste zu instrumentalisieren. Laut Obai hatte sich die Heilbronner Gruppe beim letzten Orgatreffen vor der Demo besprochen, dass man den Parteien nicht verbieten könne, ihre Fahnen mitzubringen. »Auf den Plakaten 51

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Und das war der Punkt, an dem ich begriffen habe: Worauf ich keinen direkten Einfluss habe, ist der Sockelbetrag.« Der kalkuliert, was ein Mensch pauschal an CO2 ausschüttet, einfach weil er in diesem System lebt. Das habe ihr klar gemacht, dass sie auf anderer Ebene für gesellschaftliche Veränderung kämpfen muss: »Es geht darum, unseren politischen Handabdruck zu vergrößern. Zu zeigen, dass eine langfristige Veränderung des Systems notwendig ist.« Das fordern Demonstrant*innen dann auch lautstark, als sich der Zug in Bewegung setzt: »Was wollen wir?« – »Klimagerechtigkeit!« – Wann wollen wir’s?« – »Jetzt!« Dem kann man sich nur schwer entziehen. Selbst genervte Autofahrer, die im Stau stehen, können die Appelle kaum überhören, die ihnen per Megafon entgegenschallen: »Stellt eure Autos ab, für den Klimaschutz! Es geht auch um eure Zukunft!« Vor dem Friseursalon Hair Point in der Turmstraße steht ein Passant mit gereckter Faust: Daumen hoch für FFF. Verständnislos bis genervt sind dagegen die Black Friday Shopper, die an diesem Tag auf dem Weg ins K3 vom Demozug zum Innehalten gezwungen werden. Manchen steht das Unwohlsein ins Gesicht geschrieben. Anschließen möchten sie sich trotzdem nicht: »Ich muss noch was einkaufen. Gibt heute tolle Angebote.« Black Friday Shopper treffen auf Demonstrant*innen sollte immerhin etwas zum Klimaschutz stehen. Daran haben sich alle gehalten«, sagt er rückblickend. Trotzdem befürchten die Jugendlichen, dass Parteien durch FFF nur für sich werben wollen – dabei sollen die Proteste doch unparteiisch sein. Ein Vertreter der MLPD pocht ruhig, aber bestimmt, auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung: »Es geht doch um unser aller Zukunft.« Unternehmer Hartmut Brösamle, der gleich in Doppelfunktion als Vertreter von Scientists und Entrepreneurs for Future auf der Bühne steht, kritisiert vor allem das »Klimaschutzpaketchen« der Regierung. Er hält es für lächerlich. Die Klimapolitik der GroKo sei zutiefst unchristlich und unsozial. Er plädiert für ein generationenübergreifendes Bündnis, oder in seinen Worten: »Wir Alten freuen uns, wenn wir bei euch mitmachen dürfen!« Erst durch Greta und die FFF-Bewegung sei etwas gelungen, was 25 Weltklimakonferenzen und Tausende Wissenschaftler und Journalisten nicht geschafft haben: Das Thema Klimawandel wieder auf die Titelseiten zu bringen. Sein Appell: »Bitte, bitte gebt nicht auf, lasst uns nicht aufgeben! Politik ist ein verdammt langatmiges Geschäft und Politikerinnen und Politiker sind gut darin, Dinge einfach auszusitzen.« Wenn es gelingt, immer mehr Menschen zum Mitdemonstrieren zu bewegen, dann werde diese Bewegung als Auslöser für den Beginn von echtem Klimaschutz in die Geschichtsbücher eingehen. Den Systemwandel, fordert auch Karen, die PFF-Aktivistin. Sie spricht von Ernährung und den Auswirkungen aufs Klima. »Es hat mich schockiert, als ich gemerkt habe, dass durch die Tierhaltung und Produktion tierischer Lebensmittel mehr Treibhausgase verursacht werden als durch den weltweiten Verkehr mit Autos, Bahnen, Schiffen und Flugzeugen zusammen.« Karen ernährt sich mittlerweile vegan, was ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck deutlich verbessert habe. »Trotzdem bräuchten wir mit meiner Lebensweise immer noch 1,8 Planeten. Beim Einbiegen auf die Allee werden die Rufe lauter: »Es gibt kein Recht auf SUV fahren! Motor aus, Fahrrad fahren!« Einpeitscher Niklas ist seit zwei Monaten bei FFF dabei und schon nach einer halben Stunde heiser. Vor der Redaktion der Heilbronner Stimme versagt seine fast, als er skandiert: »Allee, Allee! Viele Bäume, keine Autos, das wollen wir auf der Allee.« Vorne marschieren die Schüler*innen, gefolgt von Familien und PFF. In der Mitte des Zugs, der mit versiegendem Regen an Menschen gewinnt, tummeln sich eher die Linken und Kapitalismuskritiker sowie ein lautstarker Wagen der Automotive Workers for Future. Ein Bäpper auf ihrem Bollerwagen fordert: »Rettet die Umwelt vor Profitwirtschaft«. Hier werden Journalist*innen eher kritisch beäugt und auch mal scharf nachgefragt, was denn da so aufgeschrieben wird. Und dann ist da noch Cornelia. Die 61-Jährige ist seit 35 Jahren Klimaaktivistin, überzeugte Fahrradfahrerin. Während sie früher wegen ihres Engagements für den Klimaschutz verlacht wurde, werde sie heute gehört, erzählt sie. »Neulich hat mich einer meiner Schüler gefragt, ob die Überschwemmungen in Venedig mit dem Klimawandel zusammenhängen. Das hat mich gefreut, dass er das zusammengebracht hat.« Die Erhöhung des Meeresspiegels sieht sie als eine der größten Gefahren der Klimakrise. Ständig würden die Prognosen nach oben korrigiert. Wie man da noch von Panikmache sprechen kann, ist ihr schleierhaft. Denn die Effekte, die steigende Temperaturen auf die Ozeane haben, sind ausführlich erforscht. An der Ecke Gerberstraße wird der Zug unterbrochen. Eine Gruppe Jugendlicher hat eine spontane Sitzblockade ausgerufen und fordert »Verkehrswende jetzt«. Für diese mutige Aktion wird sich Peter von den PFF später in seiner Rede bedanken. Der 47-Jährige arbeitet als Systemadministrator in einer großen Handelsfirma in der internen IT und hat mit seiner Partnerin fünf Kinder. »Ich habe mich schon immer für Umweltthemen interessiert, das Thema ist aber über die Familienzeit in den Hintergrund Hanix Nr. 65 52 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Hanix Nr. 65 geraten. Als ich Ende 2018 das erste Mal von Greta Thunberg und ihrem Schulstreik gehört habe, hat mich das wachgerüttelt.« Greta habe ihm die unmittelbare Betroffenheit der Kinder und das Ausmaß der Gefahr verdeutlicht. Ihm wurde klar, dass die Grundlage für das Leben auf diesem Planeten ins Wanken gekommen ist. Mit Schaudern verfolgt er seitdem, wie sich die Meldungen über Torf- und Waldbrände, schmelzendes Eis, Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren überschlagen. Wie Forscher weinend ihren Bericht über den Zustand unserer Meere verfassen. Wie gleichzeitig das Problem marginalisiert wird, und die Menschen offensichtlich nichts Wichtigeres zu tun haben, als zu leugnen, dass es da überhaupt ein Problem gibt. Und falls doch, dass bestimmt sie selbst niemals in der Lage sind, etwas daran zu ändern. »Das hat mich erst mal in ein Loch geworfen.« Peter hat seitdem einiges geändert: »Ich fahre praktisch nur noch Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel, fliege nicht mehr, esse nur noch Fleisch von Weidetieren, habe meinen Stromtarif auf Ökostrom umgestellt usw. Aber es ist klar, dass die Wirksamkeit sehr begrenzt ist, solange nicht ein Großteil der Bevölkerung mitmacht.« Es sei Zeit, aufzustehen und den dringend notwendigen Systemwechsel einzufordern. Oder wie es die radikaleren Aktivisten von Extinction Rebellion es ausdrückt: »Despair ends and tactics begin.« Dass Peter bei den Demos die Rede der Parents hält, hat mittlerweile Tradition. Es ist für ihn ein Ventil für seine Verzweiflung. In seinen Reden mahnt er regelmäßig an, sich auf das Kernthema zu konzentrieren, nämlich den Klimaschutz. Im Hinblick auf die eingangs erwähnten Reden meint er: »Sobald man in andere Themengebiete abschweift, bröckelt der Konsens und die Bewegung macht sich angreifbar. Allerdings haben wir kein Recht, den Fridays Vorschriften zu machen.« Es gab wohl auch schon engagierte Parents, die den Jugendlichen »...mal den Plan machen« wollten. Doch das weist Peter von sich: »Wir sind es, die das Problem verursacht haben, also sollten wir vielleicht eher mal zuhören und unterstützen, anstatt Anweisungen zu geben.« Man könnte es sich nun einfach machen und darauf verweisen, dass diese Themen, die den Schüler*innen wichtig sind, nicht alle Leute ansprechen. Aber das ist dann vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Oder wie Peter sagt: »Das Problem sind nicht die Leute, die da sind, sondern die Leute, die nicht da sind.« Und die sind auch an diesem Freitag in der Mehrheit. Bisweilen ergeben sich absurde Szenen, wenn erboste Autofahrer, genervte Polizisten und irritierte Passanten der Demo gewahr werden. Gefilmt und fotografiert werden die FFF-Aktivist*innen allenthalben, hie und da auch belächelt. Eine Gruppe von Opel-Mitarbeitern im Blaumann lacht sie ganz offen aus, während aus dem linken Block »Brecht die Macht der Banken und Konzerne« erschallt. Vor dem CDU-Büro, wo eigentlich ein Zwischenstopp eingeplant war, lässt sich niemand blicken. Nicht mal Licht brennt. Nur in der Tür eines Versicherungsbüros steht ein hemdsärmeliger Mitarbeiter, der anerkennend lächelt. Im Zug selbst wird unterdessen heiß diskutiert: »Wir müssen drüber reden, was für eine Gesellschaft wir in 20, 30 Jahren wollen. Das wird aber nicht ohne Verzicht gehen.« Am besten sofort. Denn es ist mittlerweile zehn nach zwölf. ◆ Aktuelle Streiktermine und mehr: fridaysforfuture.de FRIDAYS FOR FUTURE Gemeinschafts-Praxis für Posturologie-Haltungstherapie bei chronischen Rücken-, Nacken-, Gelenkschmerzen, Skoliose, Migräne und zur Sturzprophylaxe Dr. med. Günter Prade Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. med. Antonio Fimiani Facharzt für Physikalische Medizin Allee 62 74072 Heilbronn Termine nach telefonischer Vereinbarung: 07131-9199985 E-Mail: info@posturmedizin.de 53

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Historische Schlaglichter auf die Luftverschmutzung in Heilbronn. Von Annette Geisler (Stadtarchiv Heilbronn), Fotos: Stadtarchiv Stadtluft macht krank »Stadtluft macht krank« war eine der Parolen, die man am 23. Oktober 1956 in der Wartberg-Gaststätte hören konnte. Oberbürgermeister Paul Meyle hatte hierher eingeladen, um mit Experten über den Zustand der Heilbronner Luft zu beraten. Vertreter des Gewerbeaufsichts- und des Gesundheitsamts sowie der Polizeibehörde waren gekommen, auch Ärzte, Kaminfegermeister, Gemeinderäte und erfreulicherweise auch zahlreiche Industrielle waren anwesend. Es stand nicht gut um die Heilbronner Luft – hinsichtlich der »Luftverseuchung« durch Flugstaub, Rauch und Ruß nahm die Stadt einer der vordersten Plätze in der Bundesrepublik ein. Im Juni 1956 hatte die Heilbronner Stimme von einem Wochenende berichtet, bei dem Heilbronn unter einer bleiern wirkenden Dunstglocke lag. Das ängstigte viele Stadtbewohner und kaum jemand wagte sich ins Freie. Dass in diesem Zusammenhang in den Medien fälschlicherweise wiederholt der Begriff »London-Smog« fiel, war nicht gerade beruhigend, erinnerte dies doch an die erst vier Jahre zurückliegende Londoner Wintersmog-Katastrophe. Die Stuttgarter Zeitung berichtete 1956, dass die Luftverschmutzung in Heilbronn über das erträgliche Maß hinausginge. Im Ruhrgebiet gäbe es Orte, die weniger unter Rußbelästigung zu leiden hätten 54 Entlang der Rosenbergstraße 1966 (Foto: Fritz Friederich, Stadtarchiv Heilbronn) wie das Stadtzentrum von Heilbronn. Und den Luftverschmutzungsgrad von Stuttgart überträfe Heilbronn »mühelos«. Die auf dem Wartberg Tagenden nannten als Verursacher des Heilbronner Smogs vor allem die zu niedrig gebauten Schornsteine, in die Jahre gekommene Kesselanlagen, minderwertige Kohle und schlecht ausgebildete Heizer. Diplom-Meteorologe Schwalb aus Stuttgart appellierte an die Heilbronner Stadtverwaltung, bei der künftigen Stadtplanung unbedingt die Frischluftschneisen zu erhalten, die örtliche Industrie bat um Zeit, um Lösungen zu finden, und alle Beteiligten hofften auf ein künftiges Fernheizwerk. Luftverschmutzer Als Konsequenz der Tagung wurde ein Beirat aus Sachverständigen gegründet, der mit dafür sorgen sollte, dass Heilbronn nicht im »Luftsumpf« versank. Aber viel zum Besseren tat sich offensichtlich nicht. Wenige Monate später, im Januar 1957, stellte die Heilbronner Stimme fest, dass die »Luftverseuchung« in der Stadt durch Abgase, Rauch und Ruß solche Ausmaße angenommen habe, dass die ganze Bevölkerung alarmiert sei. NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 oben: Das Heilbronner Salzwerk um 1955 (Foto privat) unten: Blick über die Nordstadt 1967 (Foto: Fritz Friederich, Stadtarchiv Heilbronn) Als »Dreckschleudern« galten unter anderem die Salzsiederei des Salzwerks, die Heilbronner Glashütte, die Ölspaltanlage der Stadtwerke, die Zuckerfabrik im Süden der Stadt, die Hefefabrik Lindenmeyer und einige Lackfabriken im Norden. Als eine Sofort-Maßnahme gab es im Herbst 1957 einen intensiven Fortbildungskurs für Dampfkesselheizer. Sieben Jahre nach der Luftreinhalte-Konferenz auf dem Wartberg war man immer noch kaum weiter. Der Beirat kam zwar hin und wieder zusammen, da er keine konkreten Maßnahmen beschließen konnte, war er weitgehend macht- und wirkungslos. 1963 galten immer noch die Industriebetriebe und die Hausheizungen als Hauptverursacher der Heilbronner Luftverschmutzung. Hinzu kamen die damals noch zahlreichen mit Dampflokomotiven betriebenen Güterzüge der Deutschen Bundesbahn, die zum Beispiel auf der Bottwartalbahn bis kurz vor ihrer Stilllegung Ende 1968 eingesetzt wurden. Im Frühjahr sorgten die nächtlichen Weinbergräucherungen zur Spätfrostbekämpfung für eine schwarz-graue Dunstglocke über Heilbronn, die manchmal bis in die Mittagszeit anhielt. Was immer wieder beklagt und thematisiert wurde, waren die zum Teil sehr intensiven Gerüche, mit denen einige Firmen wie die Brauerei Cluss, die Seifen- und Waschmittelfabrik Flammer, C.H. Knorr und die Zuckerfabrik die Stadtluft zusätzlich belasteten. Als neu hinzugekommener Umweltverschmutzer erwies sich das Kohlekraftwerk Heilbronn der EVS. Im Oktober 1954 war der erste Block in Betrieb gegangen, bis 1960 waren drei weitere STADTLUFT HISTORISCH Blöcke gebaut worden, 1965 kamen Block 5 und 1966 Block 6 hinzu. Die Schornsteine waren anfangs nur 70 Meter hoch, sodass vor allem die Einwohner von Neckargartach unter dem Ruß des Kraftwerks litten. Als die EVS Ende der 1970er Jahre den siebten Block plante, wurde schnell klar, dass eine Erweiterung nur unter strengen Auflagen für eine bestmögliche Entschwefelung und Entrußung der Verbrennungsabgase infrage kam. Wenn zum 31. März 2020 die Blöcke 5 und 6 endgültig stillgelegt werden, ist nur noch dieser siebte, 1985 fertiggestellte Block in Betrieb. Was in Heilbronn lange fehlte, waren konkrete Daten über den Grad der Luftverschmutzung. Im Januar 1966 begann das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt endlich mit der Messung der Luftverunreinigungen – allerdings nur vorübergehend. Im April 1973 wurde in der Paulinenstraße 18 eine feste Messstation installiert, die allerdings nur den Schwefeldioxidgehalt und weder Kohlenmonoxid noch Feinstaub erfassen konnte. Erst seit Ende 1979 misst eine vollautomatische »Mehrkomponentenmessstation« in der Austraße die Schadstoffe in der Heilbronner Luft. Im 19. Jahrhundert Im September 1970 titelte die Heilbronner Stimme, dass in der Stadt der »Baumtod« umginge. Insbesondere die Linden starben damals ab, weil sie den Umweltbedingungen nicht gewachsen waren. Das erinnert an frühere Zeiten. Ausgangs des 19. Jahrhunderts 55

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litten die Stadtbäume ebenfalls unter der »Luftverseuchung«, die in einer florierenden Industrie- und Gewerbestadt wie Heilbronn – das auch »Schwäbisches Liverpool« genannt wurde – deutlich zutage trat. Der 1863 gegründete Heilbronner Verschönerungsverein hatte zahlreiche Grünprojekte ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Stadt nicht nur schöner, sondern auch gesünder zu machen. Die Bäume, die auf seine Initiative hin an zahlreichen Innenstadtstraßen und Plätzen gepflanzt wurden, gediehen jedoch oft nur sehr kümmerlich, weil ihre Blätter unter Rauch und Ruß erstickten. Das betraf auch die Linden an der damals zur breiten Grünanlage gestalteten Allee. Positiv auf das Stadtklima wirkte sich aus, dass der Heilbronner Gemeinderat schon ab 1869 vorschrieb, dass an zahlreichen neuanzulegenden Straßen in den stadtkernnahen Außenbezirken Vorgärten anzulegen waren. Je nach Straße sollten sie zwischen vier und acht Metern breit sein, was zu einer luftigen und durchlüfteten Bauweise führte. 1876 wurde festgelegt, dass die Vorgärten eine »angemessene Bepflanzung« haben sollten. Und im Februar 1859 empfahl die Bauschau-Kommission, die östliche Stadtseite möglichst frei von Fabriken zu lassen. Der Osten sei mittlerweile die einzige stadtnahe Möglichkeit für die Heilbronner Einwohner, um bei »einem unverdorbenen Spaziergang« frische Luft zu tanken. Fabriken entstanden im Osten zwar doch, allerdings waren es nur wenige. Als der Friedhof an der Weinsberger Straße im November 1882 aufgelassen wurde, nutzte die Stadtverwaltung die Gelegenheit, um hier einen Park mit Kinderspielplatz anzulegen. Auch am Ende der Allee wurde ein großer Spielplatz eingerichtet, bei dem die Innenstadtkinder unter Schatten spendenden Bäumen spielen konnten. Und als die Papierfabrik Schaeuffelen in Konkurs ging, übernahm die Stadt 1927 das Areal samt dem ausgedehnten, um 1842 angelegten Garten. Am Rand des wachsenden Industriegebiets entstand nun ein Park für die erholungssuchende Bevölkerung. Ein Teil hat sich erhalten – es ist der heutige Campus-Park mit 56 Blick über die Nordstadt im Februar 1984 (Foto: Jan Wojcik, Stadtarchiv Heilbronn) der wohl größten Platane von Heilbronn. Sie ist etwas mehr als 165 Jahre alt. Auch am Zustand des Kiliansturms ließ sich die Wirkung der Luftverschmutzung ablesen. Der Heilbronner Sandstein war gegenüber der »schwefeligen Säure der Rauchgase« aus den zahlreichen Hauskaminen und Fabrikschloten nicht widerstandsfähig genug. Deshalb musste der bereits um 1890 umfassend restaurierte Turm ab 1930 schon wieder ausgebessert und erneuert werden. Der mit der Bauleitung beauftragte Münsterbaumeister Karl Friederich setzte durch, dass die »von der zerstörenden Wirkung der Rauchoxyde« beschädigten Sandsteine durch den robusten Muschelkalk ersetzt wurden. Das gab dem Kiliansturm ein scheckiges Aussehen, was erst durch die letzte Sanierung in den Jahren 2003 bis 2005 beseitigt wurde. Wintersmog und Sommersmog Doch zurück ins ausgehende 20. Jahrhundert. Schon ab Ende der sechziger Jahre hatte die Luftbelastung in den Städten in Bezug auf Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid stark zugenommen. Zum Luftverschmutzer Nr. 1 wurde der Straßenverkehr, wovon eine »autogerecht« gebaute Stadt wie Heilbronn besonders betroffen war. Anfang der 1980er Jahre stand unsere Stadt hinsichtlich der Luftbelastungswerte hinter Mannheim und Karlsruhe an dritter Stelle aller Städte in Baden-Württemberg. Im Sommer 1984 gründete sich die Heilbronner Elterninitiative »Saubere Luft – gesunde Kinder«. Diese Bürgerinitiative trug mit dazu bei, dass der Gemeinderat im Frühjahr 1985 ein lufthygienisches Gutachten in Auftrag gab. Hinzu kam, dass sich zu Beginn des Jahres eine Inversionswetterlage aufgebaut hatte, bei der die Stadt immer mehr unter einer dunstig-gelben Smogglocke versank. Im westlichen Ruhrgebiet war am 18. Januar zum ersten Mal in der Bundesrepublik Smogalarm der Stufe drei ausgelöst worden. Vier Tage NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 lang galt dort ein komplettes Fahrverbot, die Industriebetriebe mussten ihre Produktion drosseln, auch der Schulunterricht fiel aus. In Heilbronn wurde es erst zum Pferdemarkt-Wochenende wieder richtig erträglich, als ein kräftiger Wind mit Regen die Stadt durchpustete. Auch das 1989 vorgelegte lufthygienische Nachfolge-Gutachten sowie der im Juli 1993 vorgestellte städtische Luftreinhalteplan bestätigten, dass 70 Prozent der in die Luft gelangten Stickoxide vom Straßenverkehr stammten (Mitte der 60er Jahre war das nur ein Drittel gewesen). Der Straßenverkehr war zum Hauptauslöser des sogenannten Sommersmogs geworden, bei dem die Luft durch zu hohe Ozonkonzentration belastet wird. Der Verkehr stand deshalb im Mittelpunkt des weltweit ersten Modellversuchs gegen Ozon: Um herauszufinden, ob sich die »Ozonspitzenkonzentrationen« durch lokale Maßnahmen senken lassen, wurden Heilbronn und Neckarsulm vom 23. bis 26. Juni 1994 auf Weisung des baden-württembergischen Umweltministeriums zum Sperrbezirk. Nur Autos mit geregeltem Dreiwegekatalysator oder schadstoffarmem Dieselmotor durften in dem rund 45 Quadratkilometer großen Versuchsgebiet fahren. Auf dem entsprechenden Autobahnabschnitt galt die Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Die Industrie sollte während der vier Versuchstage ihre Produktion herunterfahren. Die Auswertung der von zwei Messstationen und 16 Messwagen erfassten Daten zeigte jedoch, dass lokale, kleinräumige Beschränkungen die Ozonwerte nicht senken können. Ab Frühsommer 1997 informierte einige Jahre lang eine Tafel an der Allee über die aktuellen Werte der Luftschadstoffe Ozon, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickoxid und Staub. Die Daten lieferte die »Vielkomponentenmessstation« in der Austraße. 2004 wurde die Tafel abgebaut, da sich die Werte dank der Katalysatortechnik bei den Kraftfahrzeugen und besserer Filter in den Kraftwerken verbessert hatten. Der telefonische Ozon-Informationsdienst wurde bereits ums Jahr 1999 eingestellt. Dagegen steigt in den Städten die Belastung durch Feinstaub, der durch Industrieanlagen und Hausheizungen, vor allem aber durch den Verkehr auf den Stadtstraßen hervorgerufen wird. STADTLUFT HISTORISCH Deshalb widmete sich der zweite kommunale Luftreinhalteplan von Heilbronn, der im Frühjahr 2007 vorgestellt wurde, dem Abbau von Feinstaub. Die Maßnahmen, die hier vorgeschlagen werden, sind fast dieselben wie aus dem Jahr 1993: Einrichtung von Umweltzonen mit Tempolimits, mehr grüne Wellen für einen besseren Verkehrsfluss, Förderung von Fahrgemeinschaften und die Gewährung von Jobtickets, Ausbau der Radwege, der Fußgängerzonen und eines umweltverträglichen Öffentlichen Nahverkehrs. Der Luftreinhalteplan von 1993 schlug auch Samstagsfahrverbote für die Innenstadt vor – die kostenlose Nutzung des ÖPNV an Samstagen ist dazu vielleicht eine Alternative. Stadtgrün Außerdem kann eine Begrünung die Lebensqualität einer Stadt beziehungsweise Großstadt erheblich verbessern, wie es schon der Heilbronner Verschönerungsverein ab 1863 erkannt und umgesetzt hatte. 1983 dachte die Stadtverwaltung an ein »Grüninselprogramm«, um die Stadt attraktiver zu machen. Das innovative Grünleitbild, das 1992 vom Grünflächenamt unter seinem Leiter Hans-Peter Barz entwickelte wurde, geht weit darüber hinaus. Ihm liegt der Gedanke zugrunde, dass Stadtgrün und Freiflächen (wie Spielplätze) für eine lebenswerte Stadt unabdingbar sind. Der Grünleitplan bildete die Basis für den bundesweit ersten innerstädtischen Grünmasterplan, der seit 2005 für Heilbronn vorliegt. Aber auch jeder Einzelne kann und sollte dazu beitragen, dass die Luft in unseren Städten sich bessert, dass es Natur und Umwelt und damit uns Menschen gut geht. ◆ Der Campuspark während der Bundesgartenschau 2019 (Foto: Barbara Kimmerle, Stadtarchiv Heilbronn) 57

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DANIEL KNOLL hat mit seinen Mitstreitern der Energiewende Heilbronn einmal ausgerechnet, was es konkret brauchen und kosten würde, damit Heilbronn die Vorgaben aus dem Pariser Klimaabkommen zum CO2-Verbrauch einhalten kann, um noch eine 67-prozentige Chance zu haben, dass die Erderwärmung nicht über 1,5 °C hinaus geht. Otherwise we are fucked! Von Daniel Knoll, Fotos: Ulla Kühnle & NASA 1,3 Milliarden Euro für Kapitel 2, Seite 108 PROLOG Von Gretas Reden bleibt in den 15-Sekunden Instagram-Storys sowas übrig wie »How dare you«, »Our house is on fire« oder »I want you to panic«. Ich habe mir ein paar ihrer Reden komplett angesehen. Nach den Medien-kompatiblen, emotionalen Einleitungen folgt häufig etwas, das mehr nach Uni-Vorlesung klingt. In ihrer Rede in der Nationalversammlung in Paris im vergangenen Juli sagte sie da den Satz: »Ich möchte auf Seite 108, Kapitel 2 im letzten IPCC-Report verweisen.« Im Dezember auf dem Weltklimagipfel in Madrid derselbe Verweis: »In Kapitel 2, Seite 108, des SR1.5 IPCC-Berichts ...« Scheint wichtig zu sein, was da steht. Also ruhig den Bericht mal googeln und in dem PDF auf Seite 108 gescrollt. Dort findet man eine Tabelle. Darin steht, wie viel CO2 weltweit ausgestoßen werden darf, um die im Pariser Klimaabkommen als Ziel festgelegten 1,5 °C Erwärmung mit einer 67-prozentigen Chance einzuhalten. Für den Stichtag 1. Januar 2018 findet man dort die Zahl 420 Gigatonnen CO2. Jedes Jahr werden 42 Gigatonnen ausgestoßen. Bei diesem 58 Tempo haben wir das also deutlich vor 2030 erreicht. Bei einer Erwärmung über 1,5 °C hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit für das Auslösen natürlicher Kipppunkte. Schmilzt beispielsweise der Permafrostboden in der Arktis, wird darin gebundenes Methan frei. Das ist ein noch viel wirksameres Klimagas als CO2. Die Erwärmung, auch weit über 2 °C hinaus, ließe sich nicht mehr aufhalten. Bei einer linearen Reduktion der CO2-Emissionen haben wir Erdenbürger also noch weniger als 15 Jahre, um auf null zu kommen. Im Pariser Klimaschutzabkommen haben sich die Großkopfeten dieser Welt darauf geeinigt, dass die Entwicklungsländer später mit der CO2-Minderung beginnen dürfen. Begründet wird dies mit ihrem historisch betrachtet geringeren Beitrag zum Klimawandel und ihrer wirtschaftlichen Situation. Wir müssen also schneller sein. An dieser Stelle wird jetzt meist über Plastikverpackungen und die Smartphones der schulschwänzenden Fridays-for-Future-Schüler debattiert. Beim Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn haben wir uns die Mühe gemacht und die Fakten recherchiert und ein Lösungskonzept erarbeitet: 85 % der CO2-Emissionen in Heilbronn sind energiebedingt. Der Rest verteilt sich auf die nicht-energiebedingten Emissionen der Industrieprozesse (7 %, vor allem die chemische Reaktion bei der Zementherstellung) und Landwirtschaft (7 %, zum Beispiel durch chemische Dünger) sowie Abfallwirtschaft (1 %). Klimaschutz dreht sich also um Energie. In den Statistiken des Bundeswirtschaftsministeriums findet man genau, wofür wir Energie brauchen. 39 % sind mechanische Energie, im Wesentlichen für die Mobilität, aber auch für Motoren in der Industrie. 27 % entfallen für Raumwärme und 24 % für Prozesswärme in der herstellenden Industrie und ein bisschen im Backofen in der Küche. 5 % der Energie wird für Warmwasser benötigt und für die Beleuchtung werden 3 % gebraucht. Die berüchtigten Smartphones und die komplette restliche IT von der Cloud bis zum Streaming verbraucht in Deutschland 2 % der Energie. »Nuhr« schön, wenn man sich über das Wesentliche erregt. Nach einem Jahr Fridays for Future-Streiks ist klar: Zu größeren Verhaltensänderungen und Einschränkungen sind die meisten Heilbronner für die Zukunft ihrer Kinder nicht bereit. Diesen bleibenden Eindruck hat zumindest die kreischende SUV-Fahrerin NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 bei der Blockade der Gerberstraße durch FFF-Schülerinnen am Rande des letzten globalen Klimastreiks bei mir hinterlassen. Dann halt nicht. Hier unser Konzept für eine CO2-freie Energieversorgung Heilbronns ohne Komfort-Einschränkungen, umsetzbar in 15 Jahren: 1,3 Milliarden Euro, um Heilbronns Energieverbrauch CO2-frei zu machen Wie kann man Gebäude ohne CO2-Emissionen im urbanen Raum beheizen? Wärmepumpen entziehen mit dem umgekehrten Kühlschrank-Prinzip der Umgebung Energie. Dafür ist Strom notwendig, um 15.000 kWh Wärmebedarf zu decken, 5.000 kWh Strom. Die Energiekosten sind so nicht höher als bei einer Gastherme. Die Lebensdauer einer bestehenden Heizungsanlage beträgt 15 bis 20 Jahre. Werden ab sofort beim Austausch also keine neuen Gasthermen mehr installiert, erreichen wir das Klimaziel hier ohne zusätzlichen Aufwand. Die Industrie erzeugt ihren Prozesswärmebedarf schon heute zu einem großen Teil mit Strom. Wo noch mit fossilen Brennstoffen gearbeitet wird, muss das umgestellt werden. Wärmepumpen funktionieren bei dem benötigten Temperaturniveau meist nicht. Mit dem Prinzip des Wasserkochers können aber auch höhere Temperaturen mit Strom erreicht werden. Der Effizienz-Gewinn fehlt dann. Der US-Volkswirt Tony Seba prognostiziert die disruptive Umstellung des Automobilsektors auf Elektroautos bis 2030. Seba ist kein Öko, er sagt das aus rein wirtschaftlichen Gründen: »Ab 2025 wird es in keinem Markt mehr wirtschaftlich einen Sinn ergeben, ein neues Benzin-Auto zu kaufen.« Wer einmal E-Auto gefahren ist, wird das auch als Komfort-Gewinn sehen. Schon jetzt haben Hersteller E-Autos angekündigt, die in der Anschaffung so viel kosten wie vergleichbare Verbrenner, der Betrieb ist dank wesentlich weniger wartungsintensiver Teile und effizientem Antrieb günstiger. Über 80 % der in Deutschland zugelassenen PKW sind jünger als 15 Jahre. Aber wer will in 10 Jahren noch mit einem veralteten Verbrenner die wenigen verbleibenden Tankstellen suchen? Gute Chancen also hier, das Klimaziel zu erreichen. Ich höre schon, was ist mit den armen Kindern in den Kobalt-Minen. Kobalt wird schon lange für die Entschwefelung von Dieselkraftstoff verwendet. Warum eigentlich empörte sich darüber niemand? Man kann Kobalt auch aus industriellen Minen ohne Kinderarbeit beziehen. Daher kommt auch die absolut größte Menge auf dem Weltmarkt. Sagt doch eurem Autohändler, dass euch nicht nur die geilen Felgen, sondern auch die sozialen Standards der Fahrzeugherstellung interessieren. Lithium ist übrigens keine seltene Erde, kann an vielen Orten gewonnen werden und der angeblich hohe Wasserverbrauch ist im Vergleich zur Wasserverschmutzung bei der Erdölförderung verschwindend gering. Warum Wasserstoff-PKW oder synthetische Kraftstoffe nicht besser sind und sich nicht durchsetzen werden? Ein Batterie-Elektrisches-Auto verbraucht 20 kWh pro 100 km. Um den Wasserstoff für ein Brennstoffzellen-Fahrzeug herzustellen, sind 50 kWh Strom pro 100 km nötig. Um synthetischen Kraftstoff für einen konventionellen Verbrenner herzustellen, sind 100 kWh pro 100 km nötig. Statt Rohstoffe für Akkus benötigt man also Platz und Rohstoffe für wesentlich mehr Windräder und Solarparks. Selbst die Wasserstoff-Entwickler und -Forscher sagen daher: Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe sollen nur dort verwendet werden, wo Akkus technisch nicht eingesetzt werden können. Also bei schweren Langstrecken-LKW, der Binnenschifffahrt und dem Luftverkehr. Damit haben wir gerechnet. All diese Maßnahmen bringen nichts für den Klimaschutz, wenn wir nicht auf 100 % Ökostrom umstellen. Durch das Heizen und Fahren mit Strom wird der Stromverbrauch Heilbronns von 701 Millionen kWh auf 1,7 Milliarden kWh steigen. Wie kann man 1,7 TWh Ökostrom produzieren? Der Weinstadt Heilbronn ist ihr größtes Energie-Potenzial sehr bewusst: die Sonne. Wenn man alle Flachdächer, nach Süden, 1,3 Milliarden errechnet: Daniel Knoll (Bild links) hat mit seinen Mitstreitern der Energiewende Heilbronn ausgerechnet, welche Investitionen nötig sind, um globale Klimaziele zu erreichen. Ist Verursacht durch Abfallwirtschaft CO2- Emissionen Heilbronn Landwirtschaft Industrieprozesse Energieverbrauch Prozesswärme z.B. Kochen Kühlen Erhitzen Warmwasser Raumwärme Mechanische Energie Individualverkehr Straßengüter Omnibus z.B. Verkehr, Motoren Klimaschutz- und Energiekonzept Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn, Autor: Daniel Knoll Grafische Zusammenfassung, Quellen-Angaben siehe Textfassung Energie- Verbrauch Ist IKT Beleuchtung Energie- Effizienz Strom Strom Strom Strom Elektrisch Strom Wärmepumpen Wärmepumpen E-Mobilität Akku Strom Strom Strom Strom- Verbrauch Neu Wirkungsgrad -verlust PtX Saisonausgleich Luftverkehr Binnenschifffahrt Ist- Stromverbrauch Heilbronn Zusätzlicher Stromverbrauch Import Ziel Strom-Erzeugung Wasserkraft Windkraft Onshore z.B. 6 Mal Windpark Harthäuser Wald (dort 16 WKA) Windkraft Offshore ca. 38 Windräder Photovoltaik Solarparks 2,9 km² Photovoltaik Alle Dachflächen Power to Gas E-Mobilität leitungsgebunden Power to Gas Power-to-liquid- Treibstoffe Biotreibstoffe Strom Strom Strom Strom Biomasse Ist in HN Beispiele EnerGeno- Solarparks ZEAG- Windpark Harthäuser Wald ENERGIEWENDE HEILBRONN 59

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Osten und Westen sowie flach nach Norden geneigten Dachflächen mit Photovoltaik-Modulen belegt (geeignet sind laut einer Laser-gestützten Vermessung 15.000 Gebäude in Heilbronn), kann man damit ein Sechstel dieses Strombedarfs produzieren. Für die Gebäude-Besitzer und -Nutzer ist das wirtschaftlich attraktiv. 5 % und mehr Rendite pro Jahr sind für den Anlagen-Betreiber drin und die Gebäude-Nutzer profitieren von günstigem Sonnenstrom. Wer nicht selbst investieren will, kann sein Dach auch vermieten. Bislang sind allerdings erst 8,5 % der geeigneten Dachflächen belegt. Hier ist in den nächsten 15 Jahren noch richtig viel zu tun. Mischt man Sonnenstrom, Windkraft an Land und Windkraft auf dem Meer zu je einem Drittel, erhält man einen Energiemix, der relativ gut zum Verbrauch im Tages- und Jahresverlauf passt. Um ein weiteres Sechstel des Energieverbrauchs mit Sonnenstrom zu decken, sind drei Quadratkilometer eng bebaute Solarparks notwendig. Ist das nicht sehr viel Fläche? Ich stand 2018 bei einer Protestaktion in der Nähe von Köln hinter dem Hambacher Forst an der Tagebaukante. Vor mir ein riesiger Schaufelradbagger, der den sandigen Boden abgräbt, so tief, dass der Kiliansturm mehr als sechs Mal aufeinandergestapelt werden müsste, damit das Kiliansmännle aus dem 400 m tiefen Loch herausschauen könnte. Am Horizont, am anderen Ende des Braunkohletagebaus, die Abraumhalde. So weit weg wie der Heuchelberg vom Wartberg. Solarpark-Fläche ist keine verlorene Fläche. Bei der Agro-Photovoltaik stellt man die Modulreihen weiter auseinander und lässt beispielsweise Schafe darunter. In heißen und trockenen Sommern wächst auf solchen Feldern sogar mehr als ohne die Beschattung. Auch in normalen Solarparks wachsen viele Wildkräuter und leben Tiere. Laut Studien sogar mehr als auf der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Fehlen noch zwei Drittel Strom. Sechs Windparks von der Größe des Harthäuser Waldes erzeugen ein Drittel des berechneten neuen Stromverbrauchs. 38 durchschnittliche Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee das verbleibende Drittel. Für die Strom-Erzeugung aus Wasserkraft besteht kein Ausbaupotenzial. Die bestehenden Wasserkraftwerke am Neckar erzeugen 2 % des künftigen Stromverbrauchs. Das genügt noch nicht ganz. Die Energieproduktion ist trotz der Mischung noch nicht exakt im Einklang mit dem Stromverbrauch. Das Stromnetz bleibt aber nur stabil, wenn ständig Produktion und Verbrauch exakt ausgewogen sind. Wir wollten es für Heilbronn genau wissen und haben die dargestellte Situation simuliert. Beim Heilbronner Stromnetzbetreiber kann man den jährlichen Lastverlauf des heutigen Stromverbrauchs herunterladen. Dazu kommt der Lastverlauf der neuen Stromverbraucher Wärmepumpen und Elektro-Fahrzeuge. Für unsere Modellierung sind wir davon ausgegangen, dass E-Autos zum Teil am Arbeitsplatz tagsüber laden, zum Teil nach Feierabend zuhause eingestöpselt werden und einige verteilt über den Tag beispielsweise auf einem Lidl-Parkplatz laden. Alles zusammen ergibt eine neue zeitliche Verteilung des Stromverbrauchs. Dem gegenüber stellen wir den Verlauf der Produktion der drei erneuerbaren Energien Photovoltaik, Wind Onshore und Offshore extrapoliert auf unseren angenommenen Anlagenpark. 60 Wird mehr produziert als verbraucht, laden wir damit zunächst stationäre Akkus auf. Diese dienen für den kurzfristigen Ausgleich. 20 MW Akkus mit 50 MWh Kapazität würden für Heilbronn genügen. Das können größere Anlagen sein wie die vor ein paar Jahren installierte 5MW »Kraftwerksbatterie«. Diese besteht aus zwei Containern auf dem Gelände des Kohlekraftwerks in Heilbronn. Aber auch viele kleine Speicher, wie sie viele Photovoltaik-Anlagenbetreiber im Keller stehen haben, können das lösen. Für die langfristige Speicherung ist mehr Kapazität und Leistung nötig. Eine Möglichkeit ist Power-to-Gas Technik. Dabei wird aus Ökostrom Wasserstoff hergestellt und in einem chemischen Prozess zusammen mit CO2 aus der Atmosphäre synthetisches Gas hergestellt. Dieses kann in bestehenden Kavernen im deutschen Gasnetz gespeichert werden. Fehlt es an Strom aus Sonne und Wind, werden zunächst die Akkus abgerufen, ist mehr Energie nötig, wird das synthetische Gas in Gasturbinen wieder in Strom umgewandelt. Dabei wird nicht mehr CO2 frei, als zuvor bei der Herstellung des Gases der Atmosphäre entnommen wurde. Der Prozess ist also CO2-neutral. Was koschts? Die Anlagen zur Energieerzeugung und Speicherung kosten 1,39 Milliarden Euro. Alle dargestellten Technologien können wirtschaftlich betrieben werden. Die Investoren erwirtschaften damit also Renditen von 4-5 %. Wir wünschen uns, dass möglichst viel davon von Bürgern und Bürger- Energie-Genossenschaften umgesetzt wird. Dann bleibt das Geld hier. Heute bezahlen wir 30 Cent pro kWh für unseren Strom. Darin sind viele Steuern, Abgaben und Umlagen enthalten. Der eigentliche Einkaufspreis von Strom liegt bei rund 5 Cent. Die EEG-Umlage für die Finanzierung der erneuerbaren Energien (Anteil rund 50 % am heutigen Stromverbrauch) liegt aktuell bei 6,756 Cent. Die dargestellten Erzeugung- und Speicheranlagen verursachen Kosten von 11 Cent pro kWh. Es wird also sogar billiger als bisher. EPILOG »Ein Friedensvertrag der Menschheit mit der Natur ist ohne eine globale Sonnenenergiewirtschaft nicht möglich. Wir stehen so sehr unter Zeitdruck, und wir haben andererseits die Chancen einer Sonnenstrategie so greifbar vor uns, dass wir die menschenverachtenden Verschleppungsmethoden derjenigen, die ›nicht tun, was sie wissen‹, nicht mehr hinnehmen werden. Für die Gewinnung der ›Energie des Volkes‹ ist eine Mobilisierung der Energien des Volkes nötig. Eine Sonnenenergie-Revolution. Dazu gibt es keine politische Alternative.« Hermann Scheer, Sonnenstrategie, 1993 (Deutscher Politiker, Preisträger des ›Alternativen Nobelpreises‹ Right Livelihood Award, † 2010). ◆ ENERGIEWENDE HEILBRONN Hanix Nr. 65

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Der Leute Podcast aus Heilbronn & Region! Hanix Nr. 65 Podcast powered by: Podcast Feeling Live erleben – bei deiner persönlichen e-Probefahrt im VW eGolf! Jetzt Termin vereinbaren beim Autozentrum Hagelauer: Tel.:07131/6234-9011 www.hagelauer.de/eProbe eprobe@hagelauer.de 62 GESTALTUNG

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Hanix Nr. 65 DIE ENGAGIERTEN Auch in Heilbronn treiben »Firstmover« die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit voran und geben ein Beispiel, das weitere Mitmacher benötigt. Ulla Kühnle hat neun engagierte Menschen aus der Region portraitiert, wir haben sie zu ihrer Motivation befragt. NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ 63

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Name: Gila Seewi Alter: Ü30 Beruf: Lebensmittelchemikerin Hanix Nr. 65 Engagiert für folgende Initiative: Erst seit Kurzem in der Lokalen Agenda 21 – im neuen Team »17 Nachhaltigkeitsziele« – um diese UN-Ziele in Heilbronn bekannter zu machen. Z. B. durch eine digitale »Karte von Morgen« mit nachhaltigen Heilbronner Initiativen und dazu flankierenden Entdeckungstouren in der Stadt. Durch Vernetzung mit Schülern und nachhaltigen Akteuren und dem Mit-Ausrichten des Nachhaltigkeitstages in Heilbronn Ende Mai 2020. Deshalb engagiere ich mich dafür: Weil ich finde, dass die Lokale Agenda 21 mir eine schöne Möglichkeit bietet, konkret vor Ort mitzugestalten und meine Ideen einzubringen – speziell zum großen Themenfeld der Nachhaltigkeit. Und weil wir Mitglieder der LA21 in den Bereichen Klima – Wohnen – Mobilität ein breites Wissen haben. Dieses teilen wir gern mit der Stadtgesellschaft, der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat und können somit Impulse für mehr Nachhaltigkeit geben. Darum solltest Du mitmachen: Weil wir es in diesem Jahrzehnt noch in der Hand haben, unseren Planeten so zu hinterlassen, dass er für zukünftige Generationen lebenswert bleibt. Wir freuen uns auf Euch! Infos und Kontakt unter: gila.seewi@agenda21-hn.de 64 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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NACHHALTIG? SEIT 1927. Hanix Nr. 65 FAMILIENGEFÜHRT, REGIONAL UND ELEKTRISCH. SICHER DIR DEINE PERSÖNLICHE E-PROBEFAHRT IM VW EGOLF! JETZT TERMIN VEREINBAREN BEIM AUTOZENTRUM HAGELAUER: TEL.:07131/6234-9011 WWW.HAGELAUER.DE/EPROBE EPROBE@HAGELAUER.DE 65

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Name: Dr. André Gützloe Alter: 42 Jahre Beruf: Klimaschutzmanager und Nachhaltigkeitsbeauftragter bei der Stadt Heilbronn Hanix Nr. 65 Engagiert für folgende Initiative: Erarbeitung eines Klimaschutz-Masterplans und Aufbau eines kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements. Deshalb engagiere ich mich dafür: Damit die Stadt Heilbronn zukünftig ein ambitioniertes Klimaschutzziel umsetzen kann, benötigt sie die tatkräftige Unterstützung aller Heilbronner Bürgerinnen und Bürger. Beispielsweise spart ein angepasstes Heizen und Lüften im Winter neben der Freisetzung klimaschädlicher Gase auch Geld. Kürzere Wegstrecken können zudem oftmals auch ohne ein Auto zurückgelegt werden. Durch die verstärkte Nutzung von Bus, Bahn oder Fahrrad lassen sich die städtischen Treibhausgasemissionen ebenfalls reduzieren. Darum solltest Du mitmachen: Damit die Stadt Heilbronn zukünftig ein ambitioniertes Klimaschutzziel umsetzen kann, benötigt sie die tatkräftige Unterstützung aller Heilbronner Bürgerinnen und Bürger. Beispielsweise spart ein angepasstes Heizen und Lüften im Winter neben der Freisetzung klimaschädlicher Gase auch Geld. Kürzere Wegstrecken können zudem oftmals auch ohne ein Auto zurückgelegt werden. Durch die verstärkte Nutzung von Bus, Bahn oder Fahrrad lassen sich die städtischen Treibhausgasemissionen ebenfalls reduzieren. Infos und Kontakt unter: Dr. André Gützloe, Klimaschutzleitstelle, Stadt Heilbronn, www.klimaschutz-heilbronn.de, andre.guetzloe@heilbronn.de 66 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Name: Yasemin Özbek Alter: 33 Jahre Beruf: Kaufmännische Angestellte / Projektkoordinatorin »Interkulturelle Umweltmentoren« ← rechts im Bild Hanix Nr. 65 Engagiert für folgende Initiative: Projekt »Interkulturelle Umweltmentoren« 2019 wurden erstmals 16 interkulturelle Umweltmentoren vor allem in den Sprachen Türkisch, Arabisch und Kurdisch im Handlungsfeld Umweltschutz in mehreren Modulen (Müllvermeidung & Trennung, Recycling, Upcycling, Wasser-Verbrauch, Sparpotentiale, Strom, Heizen, nachhaltiger Konsum usw.) und durch mehrere Fachveranstaltungen intensiv qualifiziert. Die ausgebildeten Umweltmentoren informierten bis heute ca. 160 Familien in Heilbronn zu den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energiesparen und verwiesen auf vorhandene Beratungsstellen und Ansprechpartner. Deshalb engagiere ich mich dafür: Durch das Projekt kann aktiv und sehr wirksam etwas für den Umwelt- und Klimaschutz gemacht werden. Interessant war es, auf Grundlage der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe das jeweilige Bewusstsein für Umweltthemen zu besprechen und Wege aufzuzeigen, umweltfreundlicher im Alltag zu agieren. Darum solltest Du mitmachen: Umweltschutz geht uns alle an. Nur gemeinsam können wir es schaffen, dass wir alle, unsere Kinder und auch die nächsten Generationen, auf unserem Planeten leben können Infos und Kontakt unter: Stadt Heilbronn, Stabsstelle Partizipation und Integration, 07131 56-4460, E-Mail:yasemin.oezbek@heilbronn.de NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ 67

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Name: Nicklas Hencke (links im Bild) Alter: 30 Jahre Beruf: Grundschullehrer Engagiert für folgende Initiative: foodsharing Heilbronn Deshalb engagiere ich mich dafür: foodsharing Heilbronn verbindet zwei meiner Leidenschaften: gemeinschaftlich Gutes tun und »gerettetes« leckeres Essen zubereiten! Darum solltest Du mitmachen: In der Kätchenstadt warten noch viele Lebensmittel darauf, von Dir vor der Tonne gerettet zu werden. Heilbronn und die Welt brauchen Dich! Probier’s aus, es ist fühlt sich gut an … Infos und Kontakt unter: foodsharing.de Hanix Nr. 65 Name: Bernd Robock Alter: 67 Jahre Beruf: Physik-Ingenieur im Ruhestand Engagiert für folgende Initiative: Reparier Cafe Heilbronn Deshalb engagiere ich mich dafür: Reparieren heißt für mich, dass nicht so viele Wertstoffe weggeschmissen werden. Außerdem kann ich so Menschen, die es sich sonst nicht leisten können, bei ihrem Wunsch nach Mobilität auf zwei Rädern unterstützen. Darum solltest Du mitmachen: Hast du schon mal Deinem Fahrrad oder Handy einen Namen gegeben? Spätestens nach einer Notfall-OP im Reparier Cafe haben sie einen für ihr zweites Leben verdient! Heilbronn und die Welt brauchen Dich! Probier’s aus, es fühlt sich gut an! Infos und Kontakt unter: reparierheilbronn.wordpress.com 68 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Ziegler Hanix Nr. 65 69 WERBEARTIKEL PREISLISTEN PRINT-ON-DEMAND SCHNITTSTELLE ZU ERP-SYSTEM BESTELLPROZESS SHOP WEB-TO-PRINT BROSCHÜREN DRUCK FLYER VISITENKARTEN FREIGABEPROZESS CI-KONFORM DRUCKVORLAGEN ZEITERSPARNIS TRANSPARENT BROWSERBASIERT KLEINSTAUFLAGEN VERSANDSCHNITTSTELLE LOGISTIK LAGERHALTUNGSKOSTEN PROZESS PERSONALISIERBAR PRODUKTPREIS AUTOMATISIERT PLATTFORM DIGITAL PUBLIKATIONSVERFAHREN KOSTENERSPARNIS EISBERGEFFEKT BLATTSAMMLUNG SIE HABEN viele wiederkehrende Druckjobs und möchten für Einkauf und Abwicklung zusätzliche Zeit sparen? WIR BIETEN eine schlanke, transparente und einfache Lösung. Komplett digital – von der Bestellung bis zum Versand! Dazu eine perfekte, moderne und ausfallsichere Druckproduktion. Lassen sie uns gemeinsam das bestmögliche System für ihre Belange finden! Ihr Ansprechpartner: Florian Mitzenheim Telefon: 07263/20986-24 f.mitzenheim@zieglerdruck.de www.crossmediaexperts.de info@zieglerdruck.de | Telefon: 07263 20986-0

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Name: Axel Schütz Alter: 59 Jahre Beruf: Lehrer am Friedrich-von-Alberti- Gymnasium, Bad Friedrichshall Engagiert für folgende Initiative: Nachhaltigkeit an Schulen: #changemaker und Future Fashion at school Deshalb engagiere ich mich dafür: Die mangelnde Kenntnis über die Komplexität des nachhaltigen Handelns und Unkenntnis über die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ist besorgniserregend. Mit unserer Schülerfirma #changemaker wollen wir Wirtschaft anders denken, uns der globalen Verantwortung stellen und den Schüler*innen konkrete Möglichkeiten des Engagements aufzeigen. Darum solltest Du mitmachen: In seiner berühmten Streitschrift »Empört Euch!« identifiziert Stéphane Hessel die Gleichgültigkeit als »das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann« und benennt die »Fähigkeit zur Empörung« als Voraussetzung für Engagement. Der Ausdruck der Hilflosigkeit der einzelnen gegenüber einer immer komplexer werdenden Welt und immer schwieriger lösbaren Problemen muss durchbrochen werden. Deshalb müssen wir über Lösungswege aufklären und Vernetzungsmöglichkeiten anbieten. Also: Empört Euch! Engagiert Euch! Infos und Kontakt unter: www.changemaker.fvag.net www.ff-at-school.de Hanix Nr. 65 Name: Thissany Nadaorajah Alter: 13 Jahre Beruf: Schülerin Engagiert für folgende Initiative: #changemaker-Team am Friedrich-von- Alberti-Gymnasium 70 NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ

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Hanix Nr. 65 Name: Michael Scheurig Alter: 57 Jahre Beruf: Diplom Biologe, Landwirt Engagiert für folgende Initiative: Solawi Heilbronn, Mosbach, Eberbach, Hofgut-Robern (Biogemüse, Streuobstwiesen, Naturschutzprojekte) Deshalb engagiere ich mich dafür: Ich konnte vor zehn Jahren einen Hof pachten, der mitten in einem Streuobstgürtel liegt und unter dem Motto Schutz durch Nutzung bauen wir Biogemüse und Streuobstprodukte an. Im Jahr 2013 kam dann die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) hinzu, eine Verbrauchergruppe, die gemeinsam mit dem Hof und dem Landwirt die Verantwortung für fair, umweltverträglich und nachhaltig produzierte Lebensmittel übernimmt. Darum solltest Du mitmachen: Es geht um den Erhalt unserer Lebens- und Existenzgrundlagen und die Förderung regionaler und nachhaltiger Entwicklung. Infos und Kontakt unter: www.solawi-erleben.de Michael.Scheurig@Hofgut-Robern.de Name: Sabrina Poledda Alter: 27 Jahre Beruf: Gesundheits- und Krankenpflegerin Engagiert für folgende Initiative: Solawi Heilbronn, Mosbach, Eberbach Deshalb engagiere ich mich dafür: Als Ehefrau und Mutter liegt mir die Qualität und Herkunft unserer Lebensmittel sehr am Herzen. In der Solawi haben wir saisonales, regionales, frisches Gemüse und kennen auch den genauen Standort vom Anbau. Durch unseren monatlich festgelegten Beitrag bieten wir unserem Landwirt auch eine gewisse Sicherheit, was mir persönlich sehr wichtig ist. Durch die freiwilligen Arbeitseinsätze habe ich als Mitglied die Möglichkeit, direkt vor Ort unseren Landwirt zu unterstützen und einen Ausgleich zum Alltag zu schaffen. Darum solltest Du mitmachen: Es wird Zeit, für zukünftige Generationen umzudenken, es zählen auch die Kleinigkeiten wie z. B. plastikfrei einzukaufen oder auf kurze Transportwege von Lebensmitteln zu achten. Infos und Kontakt unter: www.solawi-erleben.de, info@solawi-erleben.de NACHHALTIGKEIT UND KLIMASCHUTZ 71

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72 Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Gegen Pussy und Zahnpasta auf Mallorca Warum man auf gute Vorsätze für 2020 tunlich verzichten kann. Die erste Kolumne des Jahres soll, einem uralten Menschheitsbrauch folgend, allen meinen Lesern Kraft, Zuversicht und Brennstoff für das ewige Erleuchtungslämplein liefern. Denn in und um die kleine Weltmetropole Heilbronn fehlt’s ganz gewaltig an Zuversicht. Nun, da die größte Garten- und Rentnerausstellung der Geschichte plötzlich selbst zu einer solchen geworden ist, bleibt die schon zur Gewohnheit gewordene Selbstbefriedigung durch immer neue prickelnde BUGA-News leider aus. Kein ICE hält mehr in der traditionell abgehängten Neckarstadt, und ein Foto: Ulla Kühnle eigener Großflughafen ist nach wie vor nicht in Sicht. Da kann das Weiterleben nur durch eines gesichert werden, bzw. durch drei Dinge: durch Selbstmotivation, Verbesserung der inneren Einstellung und Zieloptimierung. Immer wieder kommen nämlich Menschen in meine Praxis und sagen: Herr Schmitt, Herr Schmitt, wir wissen nicht mehr weiter! Wohin soll uns das Leben nur führen? Was ist der Sinn und was kostet mich das? Nun, hier ist endlich Antwort. Ich möchte dazu eine Geschichte erzählen, die euch allen eine Lehre sein wird. In jedem Jahr soll man ja mindestens eine Sache versuchen oder anpacken, die man bislang noch nie gemacht hat. Aus Termingründen konnte ich diesen mir selbst erteilten Rat das ganze letzte Jahr über nicht befolgen. Sodass mir am letzten Tag des Jahres praktisch keine Wahl mehr blieb – ich musste wohl oder übel mitmachen. Am 31. Dezember stand ich bei strahlendem Sonnenschein und schnuckligen 17 Grad in Inca, einem kleinen Städtchen auf Mallorca. Wer der Deutschen liebste Insel im Sommer besucht, um mit Millionen Gleichdebiler der Badehysterie an überfüllten Ständen zu obliegen, ist selber schuld. Im Winter, wenn Deutschland grau und nasskalt ist, dann tobt im Rentnerparadies Malle der Frühling: Alles grünt und kein Mensch ist da. Außer in Inca. Um mich herum standen knapp tausend Spanier und warteten auf das Startsignal zum traditionellen Silversterlauf von Inca. Insgesamt 6,1 Kilometer galt es zu bewältigen. Das ist nur ein kleiner Schritt für die laufende Menschheit, aber ein riesiger Sprung für mich. Ich bin nämlich noch unsportlicher als Winston »No sports« Churchill und deshalb noch nie irgendwo mitgelaufen. Sechs Kilometer strengen mich schon an, wenn ich sie nur mit dem Auto fahre. Doch hatte ich im Verlauf des Jahres gleich mehrere Motivationsbücher gelesen. Sie trugen Titel wie »Du kannst es!«, »Dein Weg ist das Ziel«, »The Big Five for Life«, »Unaufhaltbar« oder »Sprenge deine Grenzen« und erzählten mir alle mehr oder weniger das Gleiche: Dass ich nur an mich glauben müsse; dass ich es schaffen könne, wenn ich nur wollte; dass praktisch alles möglich sei; dass ich den »Sieger-Turbo« zuschalten müsse; dass der gewinnt, der sich selbst anfeuert und Mut zuspricht. Nun war es an der Zeit, das Gelernte umzusetzen. Ich lief beim großen Silvesterlauf von Inca mit, weil ich absolut und um jeden Preis gewinnen wollte. Weil ich zu den Besten gehörte. Weil der Weg auf das Siegertreppchen mein Ziel war. Dicht gedrängt standen wir vor der Startlinie. Die Stimmung war aufgeräumt, manche waren verkleidet. Einer trug ein Ballettröckchen und eine Nikolausmütze, unter seiner Läufernummer stand sein Name: »Pussy«. Ein anderer hatte sich als Zahnpastatube verkleidet und trug einen blauen Schraubverschlusshut. Manche Läufer saßen, denn es war ein Inklusionslauf, also rollten auch viele Stühle mit. Dann fiel der Schuss. Nichts regte sich. Wir waren alle eingekeilt. Weglaufen war so unmöglich wie die Flucht nach vorn. Als OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 ich mich schließlich auch mal hinsetzen wollte, setzte sich auch der Pulk – und zwar langsam – in Bewegung. Sofort gab ich Vollgas und hängte alle ab. Oder jedenfalls viele bzw. manche Vereinzelte. Mit letzter Kraft begab ich mich in den Windschatten eines Rollstuhlfahrers und trabte durch die gesperrten Straßen von Inca. »Vamos!« riefen die Menschen am Straßenrand, »venga, venga!« Ich packte meine letzten Kräfte zusammen und ging über zum Endspurt, jetzt wollte ich es wissen und gab alles. Dann erst sah ich das Schild »Kilómetro 1«. Noch über fünf waren abzulatschen. Mierda! Inzwischen war ich auch fast alleine, das gesamte Feld war an mir vorbeigezogen. »Pussy« hatte mich längst überholt. Die Zahnpastatube hatte mich überholt. Und nun, als es leicht bergab ging, rollte mir mein Windschattengeber einfach davon. Er war mit seinem schnellen Rollstuhl eindeutig im Vorteil. Ob ich hinterherrennen und ihm den abnehmen sollte? Ich überlegte, ob ich mir ein Taxi rufen sollte, um mich an den anderen vorbei bis zur Zielline bringen zu lassen. Um die ganze erniedrigende Prozedur abzukürzen, und damit diese Kolumne nicht annähernd so lang wird wie mein endloser Loserlauf, und damit ihr es wisst: Die Bücher haben gelogen! Man kann es nicht schaffen! Allein der Versuch ist schon sinnlos. Es stimmt einfach nicht, dass alles möglich ist. Daher mein Rat an euch für das Jahr 2020: Liebt euch nicht, sorgt euch lieber! Auch hundert Schwalben machen noch keinen Sommer. Harte Arbeit und Disziplin bringen gar nichts. Guter Rat ist viel zu teuer. Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer aber auch. Wenn ein Plan nicht funktioniert, dann ändere nicht den Plan, sondern suche die Schuld bei dir selbst. Du hast im Leben drei Optionen: Aufgeben, Kapitulieren oder rechtzeitig Abhauen. Lass heute etwas bleiben, worauf du morgen stolz sein kannst! Aller Anfang ist so schwer, dass es sich fast nie lohnt. Vergiss all die Gründe, warum du es ganz sicher nicht schaffst, und konzentriere dich auf den einen Grund, warum du es sowieso vermasselst. Denke nie an dich selbst, denn du bist es nicht wert! Und nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Mein Hauptfehler war, überhaupt beim Silvesterlauf von Inca mitgelaufen zu sein. Ich hatte nicht die geringste Chance auf einen der vorderen Plätze. Verzweifelt versuchte ich noch, mich selbst anzufeuern. Doch ich hörte mir nicht zu. Als ich den Sieger-Turbo zuschalten wollte, fand ich FOLGE 27 den Schalter nicht. Frustriert stapfte ich voran. Jedes Mal, wenn ich eine Kreuzung passiert hatte, pfiff hinter mir ein Polizist und gab den Verkehr auf der Kreuzung wieder frei. Ich war der allerletzte. Doch dann entdeckte ich ganz vorne, am Horizont, einen weiteren Läufer. Er war noch übergewichtiger als ich. Sein schlei-chender, taumelnder Gang wies darauf hin, dass er es wohl nicht mehr lange machen würde. Seine Tage, vielleicht sogar Stunden waren gezählt. Langsam, sehr langsam arbeitete ich mich in seine Nähe vor. Ganz alleine rollte ich das Feld von hinten auf und verkürzte immer mehr. Schon konnte ich sein Stöhnen hören, sein Ächzen und Klagen. Der Dicke hatte sich eindeutig übernommen. Also beschloss ich, diesen Kombattanten zu überholen. Immer weiter kämpfte ich mich an ihn heran. Stück für Stück, Schritt um Schritt. Ich konnte seinen Schweiß riechen, und der roch nicht nach Parfüm. Ich setzte zum Überholvorgang an. In endloser Zeitlupe zog ich an ihm vorbei, Millimeter um Millimeter, wie ein LKW auf der Autobahn, der einen anderen Laster überholt, der exakt gleich schnell ist. Doch es gelang! Schon eine Stunde später hatte ich den Dicken überholt. Er sah nicht gut aus. Vielleicht war er nicht nur adipös, sondern hatte auch noch eine schlimme Krankheit? Krebs im Endstadium? Egal, jetzt sind wir alle am Ziel dieses Textes angelangt, und die Moral von dieser Laufgeschichte kann nur lauten: Wenn dir Leute einreden wollen, alles sei möglich und du könntest es schaffen – vergiss es. Glaube ihnen nicht! Du wirst es nie schaffen. Aber wenn du die Chance hast, einen einsamen langsamen Dicken im Endstadium zu deklassieren und total zu versenken – dann tu es! Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich. ◆ 73

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Brief an die Heimat aus Christchurch, Neuseeland und Shenyang, China von STEFFEN WEIMANN Liebe Heimat, gerade habe ich ein neues Lebens-Jahrzehnt begonnen. Ein Augenblick, um mein Verhältnis zu Dir neu zu bewerten. Wie du weißt, bin ich schon immer einer gewesen, der gerne die Welt erkundet. Eine Welt, die sich seit meiner Geburt 1969 in Eppingen stark verändert hat. Angefangen hat alles mit den ersten Streifzügen im Blumenviertel. Ausgehend von meinem Elternhaus im Fliederweg haben wir mit unserer Gang und den »Großen« das Umfeld erkundet, jede Menge Unfug angestellt und gegen die Pfaffenbergbande gekämpft. Mit meinem roten Fahrrad, das nicht lange im Originalzustand blieb, und den coolen Jungs, die mit dem Bonanza-Rad unterwegs waren, wurden die Erkundungskreise immer größer. Der Fixpunkt und die Basis für den Mut zur Erkundung ist schon damals unser Zuhause gewesen. Mit meinen Eltern und meinen beiden Schwestern lebte ich zusammen mit meinen Großeltern unter einem Dach. Und wir alle wollten unsere Geschichten erzählen, bei einer guten Vesper am Ende eines ereignisreichen Tages. Die Erwachsenen würden zuhören, mahnen, schmunzeln und ab und zu auch mal schimpfen. Smartphones und Social Media gab es nicht. Die Sehnsucht nach Neuem ist mir in meinem Leben immer geblieben. Die Sehnsucht nach »dahoim« auch, wenn ich eine Zeit lang im Ausland war. Ich habe im bayrischen »Ausland« gelebt und am Niederrhein, habe in den USA gearbeitet und mit Freunden und Familie viele Länder und Kontinente bereist. Beseelt hat mich immer die psychologische Nähe zu meinen Wurzeln und der Gewissheit, dass ich immer wieder zurückkehren kann. Ob als Pendler von Heidelberg, München und dem Ruhrgebiet oder heute in regelmäßigen halbjährlichen Einsätzen im Osten Chinas. Wichtig ist die Verbindung nach Hause als Basis für die Bereitschaft zu gehen und die Welt aus einer anderen, vor allem auch 74 BRIEFE AN DIE HEIMAT Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 kulturellen Perspektive zu betrachten. Je unsicherer und mehrdeutiger die Welt und unsere Zukunft werden, desto wichtiger erscheint es, ein Stück vertrautes Terrain zu haben. Dabei leben wir aus meiner Sicht in einer unglaublich interessanten Zeit. So viele Möglichkeiten mitzugestalten bei den Herausforderungen, die vor uns liegen. So viele Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht trägt auch dazu bei, dass ich beruflich viel mit Innovation und Veränderung zu tun habe und persönlich Wachstum mit persönlicher Weiterentwicklung verbinde. In diesem Sinne würde ich soweit gehen, dass es das Gefühl »Heimat« in der Qualität für mich nicht gäbe, wäre da nicht das Unbekannte, das immer wieder lockt. Forschung im Bereich »New Work« beschreibt diesen Effekt als »belonging« und »becoming«. Wie Kinder immer wissen wollen, was um die nächste Ecke herum lauert, sind wir als Erwachsene im Grunde auch dauerhaft glücklich, wenn wir uns weiterentwickeln und eine solide Basis sowie Routine gleichzeitig haben. Diese Eigenschaft ist unterschiedlich ausgeprägt und durch traditionelle Arbeitsformen auch ein Stück weit verloren gegangen. Hier bist Du, liebe Heimat, gerade dabei aufzuholen. Für regionale Verhältnisse spürt man eine Aufbruchstimmung: Mit der Buga, dem wachsenden Bildungswesen, dem damit zusammenhängenden Zulauf von jungen Menschen und der Aufnahme von Themen der Digitalisierung und digitalen Transformation kehrt ein neuer Geist bei dir ein. Viele neue Erfahrungen in Bezug zu Heimat stecken auch im Umgang mit der Flüchtlingskrise in den letzten Jahren. Nordhausen hat seine eigene Geschichte der Flucht der Waldenser. Darum war es auch selbstverständlich, dass Verfolgte hier gut aufgenommen und integriert wurden. Unsere Kinder lernten viel über andere Kulturen durch die Integration von Kindern in der örtlichen Schule. Wir konnten das Thema oft gemeinsam thematisieren. Das hat ebenfalls dazu geführt, dass wir die Flucht meiner Großmutter mit meinem Vater und dessen Schwester aus einem Vorort von Osijek (heutiges Kroatien) nach dem Krieg neu bewerten und verarbeiten konnten. Damals ging die Flucht nach der Vertreibung aus der Heimat über anderthalb Jahre und hat die Familiengeschichte nachhaltig geprägt. Um einen Beitrag zu leisten, habe ich mich in der Folge mit meinem Wissen und dem Netzwerk darum bemüht, Geflüchtete in Beschäftigung zu bringen. Dabei sind unter anderem ein Start-up und inzwischen auch gute Freundschaften entstanden. Als bekennender Europäer und Weltbürger schätze ich die Offenheit, mit der ich in aller Welt bisher fast vorbehaltlos aufgenommen worden bin. Hier kann ich nur raten: Geht raus und erlebt selbst, wovor Ihr euch fürchtet. Das beste Mittel, um Ängste abzubauen! Der Blick für die Heimat verändert sich und färbt sich mit dem Erlebten ein. Wenn ich mit dem Auto, Motorrad oder dem Mountainbike im Ländle unterwegs bin, habe ich immer öfter einen Wow-Moment, wenn ich die Umgebung plötzlich ganz anders wahrnehme als früher. Im Augenblick bunter, tiefer, reichhaltiger und ja, stimmiger, wertschätzender als zuvor. Manchmal brauche ich eine ganze Weile, das auf der Zunge zergehen zu lassen. Heute genieße ich es, alles miteinander verbinden zu können und verbunden zu sein. Reisen, Arbeit, Freizeit, Familie, Vereine, Sport, Freundschaften, Leben, Forschen, Lehren, Coachen, Beraten und viele weitere Rollen und Aktivitäten lassen sich heute wunderbar vereinbaren. Im Zentrum all dessen steht heute wie damals meine Familie mit meiner Frau und meinen Töchtern. Nordhausen ist in vielerlei Hinsicht meine neue Heimat geworden. Das kollektive Gedächtnis in den Kreisen der Familie und der Freunde, das gemeinsame Erinnern spielt sich in diesem emotional reichen Erlebensraum ab. Heute kommen die Kinder von der Schule und den Streifzügen heim und berichten von ihren Abenteuern. Die Kinder geben uns in gewissem Sinne eine Heimat. Vor Kurzem traf ich zufällig einen alten Schulfreund aus der Nachbarschaft, der heute in Freiburg lebt. Wir haben uns ein paar Minuten ausgetauscht. Dabei gab es so viele »Wie gehts denn« und »Weißt du nochs«, dass ich danach das Gefühl hatte, dass es genau das ist, was einem das Gefühl gibt, in der Heimat zu sein. Es hinterlässt ein Gefühl des »ganz und gar seins« – einfach schön. Wohl nur, wenn man selten die Gelegenheit hat sich außerhalb sozialer Medien persönlich zu treffen. Ich sitze hier im Osten Chinas in meinem Appartement und schreibe Dir, liebe Heimat, mit der Inspiration, die ich in der Form oft nur in der Ferne verspüre. Weil Du mir so lieb geworden bist, weil ich Dich und meine Familie und Freunde vermisse, vielleicht auch den guten Kaffee. Bis ich wieder aufbreche, Dich neu kennenzulernen. Ich bin bald zurück! Steffen STEFFEN AUS NEUSEELAND UND CHINA 75

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Im Pfühlpark September 1980 Fotograf: Jan Wojcik, Stadtarchiv Heilbronn Hanix Nr. 65 Bei welchem Anlass dieses Foto entstand, ist leider nicht bekannt. Aufgenommen wurde es von Jan Wojcik, der schon früh der grün-alternativen Bewegung nahestand. Links ist Hans Harnischfeger zu sehen. Der Vermessungsingenieur gründete damals – im September 1980 – den wohl ersten alternativ-ökologischen Naturkostladen in Heilbronn. Hans Harnischfeger gab dafür seinen Beruf auf und investierte all seine Ersparnisse. Zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Bettina Rohn übernahm er eine ehemalige Metzgerei an der Ecke Sicherer- und Wartbergstraße, und die beiden bauten sie zu einem Laden für ökologisch produzierte Lebensmittel um. Der Name »Lebenslust« war Programm – es sollte ein Ort sein, der Lust auf ein natürliches Leben machte; nachhaltig und bunt sollte das Angebot sein. Hier konnte man loses Gemüse, Obst und Nüsse sowie Milch, Käse und Säfte aus ökologischem Anbau kaufen. Die frische Ware wurde jeden Morgen bei einzelnen Landwirten abgeholt. Natürliche Aromen, Essenzen und Duftöle in kleinen Glasfläschchen ergänzten das Sortiment. Im Schaufenster der »Lebenslust« und im Schaukasten daneben konnten die lokalen gesellschaftlichen und ökologischen Initiativen ihre Plakate aushängen. Nachdem die Kunden immer wieder nach Lektüreempfehlungen hinsichtlich gesunder Ernährung, Ökologie und Ressourcenschonung fragten, richteten die beiden im Nebenzimmer des Ladens die Buchhandlung »Leselust« ein. Auch ausgewählte Schallplatten von alternativen, weitgehend nicht-kommerziellen Künstlern wie dem Liedermacher Walter Mossmann gab es hier. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit organisierte Bettina Rohn-Harnischfeger eine kleine Ausstellung mit Literatur für und über Kinder und gab einen Flyer mit Kinderbuch-Geschenkempfehlungen heraus. Ein Ort zum Geldverdienen waren die »Lebenslust« und die »Leselust« allerdings nicht. Nur mit viel Idealismus und Einsatz konnten die beiden Geschäftsinhaber den Bioladen und die Buchhandlung am Leben erhalten. Im Frühjahr 1996 war dann Schluss. Neuer Wirkungsort des engagierten Ehepaares wurde Pracze in Polen. Hans Harnischfeger starb dort im Sommer 2007 im Alter von nur 60 Jahren. Näheres zur Heilbronner Geschichte unter 76 www.stadtarchiv.heilbronn.de DER HISTORISCHE SCHUSS

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Aus alter Flasche wird neue Flasche Die Lidl-Kreislaufflasche: unser innovativer Recyclingkreislauf Aus dem Plastik-Granulat entsteht ein neuer Flaschenkörper Unsere 1,5 l Still-Flasche aus100% recyceltem Kunststoff * Flasche wird gepresst und zerkleinert Flasche bei Lidl kaufen Saskia- oder Freeway-Flasche bei Lidl zurückgeben Die neue Kennzeichnung „verantwortlicher verpackt“ weist nachhaltigere Verpackungslösungen von Lidl-Eigenmarkenprodukten einfach und transparent aus. Die Lidl-Kreislaufflasche ist ein Teilprojekt unserer Plastikstrategie REset Plastic der Schwarz Gruppe. Mehr Informationen unter: www.reset-plastic.com *100% Rezyklat, ausgenommen Deckel und Etikett Für Druckfehler keine Haftung. • Filial-Angebote: Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Rötelstr. 30, 74166 Neckarsulm Namen und Anschrift der regional tätigen Unternehmen unter www.lidl.de/filialsuche oder 0800 4353361. lidl.de 77

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.jpg [1] 78 Stadtbahn S4, Haltestelle Rathaus, Heilbronn, 19.12.2019, 17:48 Uhr [2] Actionfiguren, Retroflohmarkt in der Zigarre, Heilbronn, 01.12.2019, 13:28 Uhr [3] Autofahrt, Weinsbergerstraße, Heilbronn, 30.12.2019, 18:12 Uhr [4] Christbaumverkauf, Hof von Familie Steinbacher, Maad, 21.12.2019, 11:39 Uhr [5] Holzkreißel, Holymess Multimarkt in der Zigarre, Heilbronn, 01.12.2019, 14:07 Uhr [6] Bierflasche, Café Portugal, Heilbronn, 22.12.2019, 20:51 Uhr Fotos: Meli Dikta .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 [1] Baumkronen, Stadtwald am ehem. Jägerhaus-Steinbruch, Heilbronn, 28.12.2019, 15:43 Uhr [2] Damenhandtasche, Café Portugal, Heilbronn, 22.12.2019, 22:01 Uhr Fotos: Meli Dikta .JPG – BILDERGALERIE 79

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[1] Hundeglück im Schuhkarton, Tierheim, Heilbronn, 27.12.2019, 16:31 Uhr [2] Unterland im Nebel, Heuchelberger Warte, Leingarten, 06.01.2019, 14:13 Uhr [3] DJ-Set, Holymess Multimarkt in der Zigarre, Heilbronn, 01.12.2019, 14:47 Uhr [4] Müllsammelaktion, Weinsberger Straße, Heilbronn, 15.12.2019, 12:20 Uhr [5] Topfpflanzen, Heuchelberger Warte, Leingarten, 06.01.2019, 14:30 Uhr [6] Karl-Nägele-Brücke im Nebel, Kreuzung Fügerstraße/Gottlieb-Daimler-Straße, Heilbronn, 26.12.2019, 12:47 Uhr Fotos: Meli Dikta Hanix Nr. 65 80 .JPG – BILDERGALERIE

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Hanix Nr. 65 [1] »Berg on fire« Outdoor Winterzauber, Heuchelberger Warte, Leingarten, 06.01.2019, 15:11 Uhr [2] Hundeglück im Schuhkarton, Tierheim, Heilbronn, 27.12.2019, 16:42 Uhr Fotos: Meli Dikta .JPG – BILDERGALERIE f r e i r a u m - p h o t o s . d e 81

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Termine Februar 2020 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, 82 Theater HN Februar & März 2020 Großes Haus Drei Männer und ein Baby (Komödie) 01.02. BOXX Kasper in Teufels Küche (Kasperle-Theater) 01.02. Großes Haus Mike Janipka (Musik, Poesie und Fotokunst) 02.02. Komödienhaus Schimmelreiter (Puppentheater) 02.02. BOXX Der goldene Topf (Schauspiel) 03.02., 06.02., 10.02., 11.02., 12.02. BOXX Invisible Lands (Imaginale) 04.02. Großes Haus Drei Haselnüsse für Aschenbröde (Märchenkomödie) 05.02., 06.02. Großes Haus Mit der Faust in die Welt schlagen (Schauspiel) 05.02., 11.02., 13.02., 21.02., 06.03., 28.03. BOXX Tria Fata (Imaginale) 05.02. Großes Haus Faust. Der Tragödie Erster Teil (Schauspiel) 06.02., 08.02., 14.02., 23.02., 29.02., 01.03., 19.03., 31.03. Komödienhaus Chambre Noir (Imaginale) 06.02. Komödienhaus Sonny Boys (Komödie) 07.02., 09.02., 11.02., 13.02., 15.02., 20.02., 21.02., 22.02. BOXX Drei Akte (Imaginale) 07.02. BOXX R.O.O.M. (Imaginale) 08.02. BOXX Der Morgen kann warten (Imaginale) 09.02. Großes Haus Viel Lärm um nichts (Komödie) 12.02. BOXX Der Junge mit dem längsten Schatten (Schauspiel) 13.02., 14.02., 15.02., 26.03., 27.03. Bukowski, Data77112 Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour, Jäkbar & Doris Hill Sa 01. Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - Von der Pampelmuse geküsst (Theater) Kulturkeller, Heilbronn Heilbronner Leibgerücht (Kabarett) BOXX Das Traumfresserchen (Schauspiel) 17.02., 18.02., 01.03., 29.03. BOXX Buchpremiere: »Hawai« von Cihan Acar (Buchvorstellung) 18.02. BOXX Wild! (Schauspiel) 20.02., 05.03., 06.03. Großes Haus La Traviata (Oper) 20.02., 22.02., 28.02. BOXX No und Ich (Schauspiel) 21.02. BOXX Boxx @ Night No. 10: Mann Mann Mann...von Missverständnissen und anderen Frauen (Extra) 22.02. BOXX Nachtgeknister (Schauspiel) 23.02. Kinostar Arthaus-Kino Heilbronn »Solo Sunny« (Film) 24.02. Großes Haus Der Tod und das Mädchen (Tanz) 27.02., 08.03., 17.03., 20.03. BOXX Netboy (Schauspiel) 02.03., 03.03., 04.03. Komödienhaus Burg Stettenfels, Untergruppenbach Gruseldinner – Jack the Ripper (Gruseldinner) MHP Arena, Ludwigsburg MHP Riesen vs. Rasta Vechta (Basketball) Tollhaus, Karlsruhe Sebastian Lehmann »Andere Kinder haben auch schöne Eltern« (Lesung) Bella Figura (Komödie) 07.03., 10.03., 12.03., 13.03., 15.03., 21.03., 27.03. Großes Haus Born to be wild? (Musikshow) 14.03., 18.03., 21.03., 22.03., 27.03., 29.03., BOXX Flieg, Tölpel Flieg (Gastspiel) 15.03., 16.03., 17.03. Komödienhaus Kabarett – Theater Distel (Theater Spezial) 20.03. BOXX Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute (Schauspiel) 22.03., 24.03., 25.03. BOXX Gehen oder Bleiben? (Lesung und Liederabend) 23.03. Komödienhaus Jakob Augstein und Nikolaus Blome (Theater Spezial) 25.03. Großes Haus Die lustige Witwe (Operette) 26.03. Großes Haus Crooked Letter, Crooked Letter (Krimi Gastspiel) 30.03. So 02. Soziales Zentrum Käthe, Heilbronn Veganes 3-Gänge-Menü (Volksküche) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Gruseldinner – Jack the Ripper (Gruseldinner) KuMa, Lauffen am Neckar Jule Malischke (Konzert) 01. – 02.02.2020 Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 Musikhalle, Ludwigsburg Die Mondblumen (Puppentheater) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Horizon (Networking Messe) Tollhaus, Karlsruhe Wallis Bird »New Moon Tour« (Konzert) Mo 03. Friedrichsbau Variete, Stuttgart Marlene - The Concert Of Her Life (Theater) Mannheimer Abendakademie, Mannheim Networking für Introvertierte (Networking) Di 04. experimenta – Das Science Center, Heilbronn Streit um die Vielfalt: Wie radikal muss Artenschutz sein? (Vortrag) Capitol, Mannheim Alexander Herrmann LIVE – Schnell mal was Gutes (Stand-up-Comedy) Liederhalle, Stuttgart The Sound of Hans Zimmer & John Williams (Konzert) Mi 05. Theaterschiff, Heilbronn Weiber (Theater) La Bohème, Heilbronn Lindy Hop Social (Tanzveranstaltung) Kulturbühne Kapelle im Schloss · Februar/März 2020 SAMSTAG 08.02. 20.00 Uhr "Cindy"- Pop ok. danke. tschüss SONNTAG 15.03. 15.00 Uhr für kids ab 4 Jahre Musiktheater Lupe "Wolle im Wasser" SAMSTAG 22.02. 20.00 Uhr Lennart Schilgen Musik-Kabare� SAMSTAG 21.03. 20.00 Uhr Jonathon Long Blues www.kulturforum-brackenheim.de SAMSTAG 07.03. 20.00 Uhr Sebas�an Lehmann Lese-Show SAMSTAG 28.03. 20.30 Uhr Max Prosa Lyrischer Folk & Andere Welten 02. – 07.02.2020 Flina Kulturhalle, Flein Powermesse Heilbronn (Handwerksmesse) Liederhalle, Stuttgart Özcan Cosar »Cosar Nostra« LIVE (Stand-up-Comedy) Do 06. Stadtbibliothek, Heilbronn Travel Slam Heilbronn I (Theater) Kultura, Öhringen Matthias Jung »Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig.« (Kabarett) Neubausaal, Schwäbisch-Hall Abdelkarim: Staatsfreund Nr. 1 (Stand-up Comedy) Schräglage, Stuttgart M.O.P. »20th Anniversary - Warriorz« Tour (Konzert) Fr 07. experimenta – Das Science Center, Heilbronn Voices in the Dark reloaded (Science Dome Special) Kulturkeller, Heilbronn Heilbronner Leibgerücht (Kabarett) Robert-Meyer- Volks- und Schulsternwarte, Heilbronn Sternennacht auf der Waldheide (Sternenschau) La Bohème, Heilbronn Akustiktrio SwingToGo (Konzert) Carmen Würth Forum, Künzelsau Florian Schroeder – Ausnahmezustand (Kabarett) Tollhaus, Karlsruhe Caveman mit Martin Luding (Theatercomedy) Fr 28. » Tanzt mit uns!« Hanix PARTY in der Arkus Samstag 8. 2. 2020 Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »Moonwalk« (Liederabend) DAI, Heildelberg Boris Palmer - Erst die Fakten, dann die Moral (Vortrag) Soul Connection (live) DJ Ulrik Neumann & Dj Aames Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Deichkind (Konzert) Sa 29. Intersport redblue, Heilbronn Bauen, Wohnen & Renovieren (Messe) Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - von der Pampelmuse geküsst. (Theater) Happelstr. 17 74074 Heilbronn Kultura, Öhringen Die Feisten – Junggesellenabschied (Comedy) Carmen Würth Forum, Künzelsau Justus Frantz (Kammerkonzert) Scala, Ludwigsburg Mund.art Bombole · Schwabenwochen (Comedy) Merlin Kulturzentrum, Stuttgart The Screenshots (Konzert) 19 – 4 Uhr Kulturbeitrag: 5 Euro 83

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Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Silbermond - Schritte Live (Konzert) Sa 08. Arkus, Heilbronn Hanix-Party mit Soul Connection (Live), DJ Ulrik Neumann & AAMES (Party mit Konzert) Theaterschiff, Heilbronn Weiber_(Theater) Kulturkeller, Heilbronn Und wenn schon...Liese-Lotte Lübke (Kabarett) Ebene 3 im K3, Heilbronn Amy Blond - eine Hommage an Amy Winehouse (Konzert) Kulturkeller, Heilbronn KabarettMusik - »Und wenn schon« Liese-Lotte Lübke (Konzert) Harmonie, Heilbronn ABI Zukunft Messe Heilbronn 2020 (Messe) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Von Sinatra bis Piaf (Konzert inklusive Menü) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim ok.danke.tschüss – Die höflichste Rebellion der Welt (Konzert) Scala, Ludwigsburg HISS · 25 Jahre Jubiläum (Konzert) Wagenhalle, Stuttgart Götz Widmann tohuwabohu (Konzert) 84 So 09. experimenta – Das Science Center Phantasiewelten (Science Dome Special) Tollhaus, Karlsruhe Das Vereinsheim (Konzert) Scala, Ludwigsburg Live Vortrag – Neuseeland (Vortrag) Im Wizemann, Stuttgart Schwarz – White Room Tour 2020 (Konzert) Mo 10. Scala, Ludwigsburg René Marik - Montagslesung (Lesung) Im Wizemann, Stuttgart Lotte (Konzert) Di 11. Harmonie, Heilbronn WKO Heilbronner Konzert - Meisterwerke(Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Hot 8 Brass Band (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Das Vereinsheim live (Konzert) Mi 12. Soziales Zentrum Käthe, Heilbronn Treffen der Energiewende Heilbronn (Guter Zweck) Experimenta – Das Science Center, Heilbronn Reparier Café (Hilfe zur Selbsthilfe) Harmonie, Heilbronn 6. Heilbronner Konzert: Meisterwerke (Konzert) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Seminar 1: Mein Kaffee und ich - Liebe auf den ersten Blick (Seminar) Im Wizemann, Stuttgart Kiefer Sutherland (Konzert) Do 13. Theaterschiff, Heilbronn Sebastian Lehmann – Elternzeit (Theater) Altes Theater, Heilbronn Christos Asonitis Quintett (Konzert) Abraham-Gumbel-Saal, Heilbronn Hallo Heilbronn (Talkshow) Kunsthalle Würth, Schwäbisch-Hall »The End: Das Buch vom Tod« / Lesung mit Eric Wrede (Lesung) Im Wizemann, Stuttgart Philipp Dittberner (Konzert) Fr 14. Unter der Pyramide – Kreissparkasse, Heilbronn RAMPENlicht - Herr Schröder mit »World of Lehrkraft« (Stand-up Comedy) Wartesaal, Besigheim Christoph Beck Quartett (Konzert) MHP Arena, Ludwigsburg ABBA World Revival meets Classic (Konzert) Rosengarten, Mannheim Ralf Schmitz (Comedy) TIKK – Theater im Kulturhaus Karltorbahnhof, Heidelberg Verliebt, Vertont, Verdichtet am Valentinstag (Theater) Sa 15. Kulturkeller, Heilbronn Jetzt hätten die guten Tage kommen können (Kabarett) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Whiskyseminar (Seminar) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Mord(s)dinner - Krimi und Dinner mit dem Theater Q-rage (Krimidinner) Rosengarten, Mannheim Paul Panzer - Midlife Crisis (Comedy) So 16. Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker (Sinfoniekonzert) Theaterhaus, Stuttgart Chaplin – Das Musical (Musical) Mo 17. Kaffehaus Hagen, Heilbronn Seminar 3: Mein Kaffee und ich - Klein, schwarz und sexy (Seminar) Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker (Sinfoniekonzert) Halle 02, Heidelberg Martin Kohlstedt (Konzert) Liederhalle, Stuttgart Night of the Dance (Irischer Stepptanz) Di 18. Städtische Museen, Heilbronn Museum mit Genuss 60+ (Kunst & Kulinarik) 07. – 18.02.2020 Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 Renitenztheater, Stuttgart Christian Springer: Alle machen, keiner tut was (Stand-up-Comedy ) Mi 19. Kultura, Öhringen Andy Häussler – Kraft der Träume (Mentalmagie) DAI, Heidelberg Trinker, Cowboys, Sonderlinge – Ronald D. Gerste (Literaturveranstaltung) Do 20. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Lennart Schilgen (Kabarett) Carmen Würth Forum, Künzelsau The Ukulele Orchestra of Great Britain (Konzert) Fr 21. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Robert-Mayer-Sternwarte, Heilbronn Gastvortrag: Die Geschichte des Universums (Vortrag) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Gruseldinner – Dracula (Krimidinner) Alte Feuerwache, Mannheim Katja Riemann // lesen.hören14 (Literaturfestival) 18. – 29.02.2020 Sa 22. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Intersport redblue, Heilbronn SABU- Messe (Messe) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Lennart Schilgen (Musik-Kabarett) Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker (Sinfoniekonzert) Alte Feuerwache, Mannheim Matthias Brandt// lesen.hören14 (Literaturfestival) So 23. Burg Stettenfels, Untergruppenbach Gruseldinner - Geisterjäger John Sinclair (Krimidinner) MHP Arena, Ludwigsburg Falco - Das Musical (Musical) Theaterhaus, Stuttgart Berlin Berlin - Die große Show der 20er (Musical Theater) Alte Feuerwache, Mannheim Claus Kleber// lesen.hören14 (Literaturfestival) Mo 24. Rosengarten, Mannheim The Music of Harry Potter - Live in Concert (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Nathan Gray & Band (Konzert) »Unter der Pyramide« Kreissparkasse Heilbronn, Heilbronn Kammermusikreihe Hornsignale (Konzert) Di 25. Unter der Pyramide« Kreissparkasse Heilbronn, Heilbronn Kammermusikreihe Hornsignale (Konzert) Rosengarten, Mannheim Falco – Das Musical (Musical) Liederhalle, Stuttgart Helge Schneider (Comedy) Mi 26. experimenta – Das Science Center, Heilbronn Reparier Café (Hilfe zur Selbsthilfe) Im Wizemann, Stuttgart Alice Merton (Konzert) Do 27. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Harmonie, Heilbronn Bibi & Tina »Das Konzert« (Konzert) Weingut Albrecht-Kiessling, Heilbronn After-Work mit Viola (After Work Party) Abraham-Gumbel-Saal, Heilbronn Hallo Heilbronn (Talkshow) Tollhaus, Karlsruhe SAGA »Out of the Shadows« – World Tour 2020 (Konzert) SAP Arena, Mannheim AnnenMayKantereit (Konzert) Fr 28. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »Moonwalk« (Liederabend) DAI, Heildelberg Boris Palmer - Erst die Fakten, dann die Moral (Vortrag) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Deichkind (Konzert) Sa 29. Intersport redblue, Heilbronn Bauen, Wohnen & Renovieren (Messe) Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - von der Pampelmuse geküsst. (Theater) Kultura, Öhringen Die Feisten – Junggesellenabschied (Comedy) Carmen Würth Forum, Künzelsau Justus Frantz (Kammerkonzert) Scala, Ludwigsburg Mund.art Bombole · Schwabenwochen (Comedy) Merlin Kulturzentrum, Stuttgart The Screenshots (Konzert) 85

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Termine März 2020 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour, Jäkbar & Doris Hill Mo 02. Scala, Ludwigsburg BANFF Mountain Film Festival (Outdoor Filmfestival) Karlstorbahnhof, Heidelbberg Ronja von Rönne (Lesung) Di 03. experimenta - Das Science Center, Heilbronn Robert Mayer Lecture mit Prof. Dr. Wolfgang Wägele: Verlust der Vielfalt: Was wissen wir (nicht) über das Ausmaß des Artenschwundes? (Vortrag) Scala, Ludwigsburg Die Känguru Chroniken – Preview (Film) Capitol, Mannheim Max Herre (Konzert) Mi 04. Fr 06. Harmonie, Heilbronn Profiler Suzanne Grieger- Langer - Cool im Kreuzfeuer (Live-Ermittlung) experimenta – Das Science Center, Heilbronn Voices in the Dark reloaded (Science Dome Special) Ebene 3, Heilbronn A Tribute to Neil Young mit Schirneck & Keune (Konzert) Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - von der Pampelmuse geküsst. (Theater) Robert-Mayer-Sternwarte, Heilbronn Mondfoto für jedermann (Workshop) Porsche Arena, Stuttgart Disney on Ice - Das zauberhafte Eisfestival (Schlittschuh-Show) Substage, Karlsruhe Antilopen Gang: abbruch, abbruch (Konzert) Sa 07. La Bohème, Heilbronn Soirée Cabaret: In-Orkestra, Paris Chanson, Cancan, Musique du monde (Tanz- unnd Musikveranstaltung) Harmonie, Heilbronn Johann König - Jubel, Trubel, Heiserkeit (Comedy) Harmonie, Heilbronn Spider Murphy Gang - Unplugged Akustik Tour 2020 (Konzert) Kulturkeller, Heilbronn Alfred Mittermeier: Paradies (Kabarett) Hanix Nr. 65 So 01. Soziales Zentrum Käthe, Heilbronn Veganes 3-Gänge-Menü (Volksküche) redblue, Heilbronn 20. Bauen, Wohnen & Renovieren (Messe) Kulturkeller, Heilbronn Hans Gerzlich: Und wie war dein Tag, Schatz? (Kabarett) 86 La Bohème, Heilbronn Lindy Hop Social (Tanzveranstaltung) Im Wizemann, Stuttgart Napalm Death (Konzert) Do 05. Altes Theater, Heilbronn Annette Kienzle & Lukas Grossmann (Konzert) Carmen Würth Forum, Künzelsau Pierre M. Krause zu Gast bei Bernadette Schoog (Talk) Premiere: 18. Januar 2020 Mit der Faust in die Schauspiel nach dem Roman von Lukas Rietzschel Weltschlagen KARTEN: 07131.56 30 01 · WWW.THEATER-HEILBRONN.DE 01. – 07.03.2020

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Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - von der Pampelmuse geküsst. (Theater) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Sebastian Lehmann: »Andere Kinder haben auch schöne Eltern« (Lese-Show) Neubausaal, Schwäbisch Hall Özcan Cosar: Cosar Nostra (Comedy) Porsche Arena, Stuttgart Disney on Ice - Das zauberhafte Eisfestival (Schlittschuh-Show) Theaterhaus, Stuttgart Rainald Grebe: Das Münchhausenkonzert (Konzert) So 08. Di 10. Buchhanndlung Osiander, Heilbronn Susanne Fröhlich - Ausgemustert (Lesung) Freund & Kupferstecher (Stuttgart) Audio88 & Yassin: Platzangst Tour 2020 (Konzert) Mi 11. Theaterhaus, Stuttgart Der Postillon - Live: Die große Jubiläumstour! (Satire-Show) Do 12. Im Wizemann, Stuttgart Hyphen Hyphen (Konzert) Sa 14. Kulturkeller, Heilbronn Aydin Isik: ehrlich gesagt … (Kabarett) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Simply the best mit Simone von Racknitz–Luick & Gerhard Knoppek (Konzert) Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker (Sinfoniekonzert) MHP Arena, Ludwigsburg Fat Freddy’s Drop (Konzert) So 15. experimenta – Das Science Center Phantasiewelten (Science Dome Special) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Musiktheater Lupe: »Wolle im Wasser« (Kindertheater) MHP Arena, Ludwigsburg MHP Riesen vs. Crailsheim (Basketball-Bundesliga) Mo 16. Museum im Deutschhof, Heilbronn Museum mit Genuss 60+: »Auf Humboldts Spuren« (Führung mit Kaffeerunde) Hanix Nr. 65 Carmen Würth Forum, Künzelsau »Liebster Bester Freund« – Rezitation aus Briefen Wolfgang Amadeus Mozarts an seine Freunde mit Rolando Villazón (Rezitation), Emmanuel Tjeknavorian (Violine) und Maximilian Kromer am Klavier (Mozartfestival) Im Wizemann, Stuttgart Culcha Candela (Konzert) Porsche Arena, Stuttgart Disney on Ice - Das zauberhafte Eisfestival (Schlittschuh-Show) Mo 09. Ebene 3, Heilbronn Literatur am Montag - Friedrich Hölderlin (Lesung) 07. – 16.03.2020 Abraham-Gumbel-Saal, Heilbronn Hallo Heilbronn (Talkshow) Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Fr 13. experimenta – Das Science Center, Heilbronn Voices in the Dark reloaded (Science Dome Special) Ebene 3, Heilbronn Ohne Gewähr (Improtheater) Unter der Pyramide, Heilbronn Rampenlicht - Katie Freudenschuss mit »Einfach CompliKatie!« (Musikalisches Kabarett) Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt(Theater) Gleis 3, Neckarsulm Die Wunderübung (Theater) F O T O G RA F I E U LL A K U E H N LE 2 0 0 2 / 2 0 2 0 2 0 . 3 . / 5 . 4 . V ER N IS S A G E ZIGARRE KUNST- UND KULTURWERKHAUS SHEDDACH ACHTUNGSTRASSE 37 74072 HEILBRONN F R EI T A G 2 0 . 3 1 9 U H R 87

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Altes Theater, Heilbronn Magic Monday Benefiz - Soul Connection feat. Suren Lama (Konzert) SAP Arena, Mannheim James Blunt (Konzert) Di 17. SAP Arena, Mannheim Die drei ??? und der dunkle Taipan (Live-Hörspiel) Mi 18. Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Do 19. Harmonie, Heilbronn WKO: 7. Heilbronner Konzert - Nordlichter (Konzert) Audi Forum, Neckarsulm Volker Klüpfel und Michael Kobr: Lesetour »Draussen« (Lesung) Carmen Würth Forum, Künzelsau Jan Josef Liefers liest u. a. aus seinem Buch »Soundtrack meiner Kindheit« und Literatur von T. C. Boyle und Paul Auster (Lesung) Fr 20. Harmonie, Heilbronn Urban Priol - Im Fluss (Kabarett) experimenta – Das Science Center, Heilbronn Voices in the Dark reloaded (Science Dome Special) 88 Theaterschiff, Heilbronn Weiber (Theater) Robert-Mayer-Sternwarte, Heilbronn Der Große Wagen (Führung) Zigarre, Heilbronn Vernissage: Ulla Kühnle Fotografie (Ausstellung) Sa 21. Kulturkeller, Heilbronn Daniel Helfrich: Trennkost ist kein Abschiedsessen (Musikalisches Kabarett) Theaterschiff, Heilbronn Weiber (Theater) Robert-Mayer-Sternwarte, Heilbronn Sonne, Mond und Sterne für Kinder (Kinderführung) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Jonathon »Boogie« Long (Blues-Konzert) Neubausaal, Schwäbisch Hall Christoph Sieber - Menschbleiben (Kabarett) MHP Arena, Ludwigsburg Simple Minds (Konzert) Wartesaal, Besigheim Open Stage (Mixshow) Im Wizemann, Stuttgart 2Raumwohnung (Konzert) Wagenhallen, Stuttgart Finchi’s Love Tape Tour 2020 (Konzert) So 22. Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Konstantin Wecker & Jo Barnikel: »Solo zu zweit« (Konzert) Mo 23. Ebene 3 im K3, Heilbronn Tomi Salesvuo East Funk Attack: Surreal! Tour 2020 (Konzert) Di 24. Scala, Ludwigsburg Anna Depenbusch (Konzert) Capitol, Mannheim Moses Pelham (Konzert) Mi 25. Museum im Deutschhof, Heilbronn Perspektivenkonzert von Benedikt Büscher (Konzert) redblue, Heilbronn WKO: Babykonzert (Konzert) Stadttheater, Heilbronn Jakob Augstein und Nikolaus Blome: Oben und unten? Abstieg, Armut, Ausländer - was Deutschland spaltet. (Lesung & Streitgespräch) Do 26. Museum im Deutschhof, Heilbronn Mit Baby auf KulTour »Peter Riek. Origins« (Führung) Abraham-Gumbel-Saal, Heilbronn Hallo Heilbronn (Talkshow) Weingut Albrecht-Kiessling, Heilbronn After-Work mit Viola (After Work Party) Theaterschiff, Heilbronn Gatte gegrillt (Theater) Fr 27. experimenta – Das Science Center, Heilbronn Voices in the Dark reloaded (Science Dome Special) Kulturkeller, Heilbronn Damenbesuch: Vier Hochzeiten und zwei Todesfälle (Musikalisches Kabarett) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »So long, Leonard« Tribute Concert (Konzert) Theaterschiff, Heilbronn Weiber (Theater) Robert-Mayer-Sternwarte, Heilbronn Aus der Wüste in den Kosmos: Instrumente für das Paranal- Observatorium in Chile (Vortrag) Porsche Arena, Stuttgart Die Teddy Show (Comedy) Wagenhallen, Stuttgart Ines Anioli: Cumedy – deeper wird’s nicht! (Comedy) Sa 28. Emma 23, Heilbronn Buschläufer und Canned Wizardry live (Konzert) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Bluegrass & Folk mit The Ranch Busters, Horse Mountain, Donnerwetter (Konzert) Theaterschiff, Heilbronn Heinz Erhardt Abend - von der Pampelmuse geküsst. (Theater) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Max Prosa: Lyrischer Folk & andere Welten (Konzert) Carmen Würth Forum, Künzelsau Würth Philharmoniker (Sinfoniekonzert) 16. – 28.03.2020 Hanix Nr. 65

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Hanix Nr. 65 Scala, Ludwigsburg Marina & The Kats (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Digitalism (Konzert) Porsche Arena, Stuttgart Die Teddy Show (Comedy) So 29. Innenstadt, Heilbronn Magie der Stimmen (Chor-Festival) Wartesaal, Besigheim Vernissage: »Lasst die Volksseele kochen« von Otto Beer, Peter Schmidt, Margit Stäbler-Nicolai und Günther Zitzman (Ausstellung) Mo 30. Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Int. OCEAN FILM TOUR Vol. 7 (Filmevent) Di 31. Unter der Pyramide, Heilbronn WKO: Kammermusikreihe - Balkanplatte (Konzert) Theaterhaus, Stuttgart Ingmar Stadelmann: Verschissmus (Stand-up-Comedy) Wagenhallen, Stuttgart CocoRosie: Put The Shine On Tour 2020 (Konzert) WIR KÖNNEN MAGAZIN – ABER NICHT NUR! Was wir in gewohnter Hanix-Qualität noch so drauf haben, ist bisher ein Geheimtipp: Hanix verknüpft, was zusammengehört. Über die letzten Jahre konnte Hanix die besten Autoren, Gestalter, Fotografen, Filmer, Cutter, Musiker, Booker und Vermarkter der Stadt für sein Netzwerk gewinnen. Die Stärke liegt in der Vielseitigkeit der Kombination: Media und Content, Musik, Booking und Beratung, Print und PR, Merch und Marketing, Druck und Digital, Planung und Party, Grafik, Gastro und Social Media – fast alles geht. Weil wir es halt können. Neugierig auf mehr? info@hanix-magazin.de oder 07131/1216500 28. – 31.03.2020 Die April/Mai- Ausgabe von Hanix erscheint Ende März 2020 Interesse an einem Hanix-Abo? Dann mailt uns! abo@hanix-magazin.de www.hanix-magazin.de facebook.com/hanix.magazin 89

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Tiere ab 18 Als (fast) moderne Frau ist sie mit ihren Tieren jetzt auch auf Instagram zu finden: lizandtheanimalz Schaut mal rein! Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 65 90 TIERE AB 18

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Alle 64 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf- Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online-Archiv unter www.hanix-magazin.de. Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Meli Dikta

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Interaktive Station: Farbraum WER DIE WELT VERÄNDERN WILL, MUSS SIE VERSTEHEN. Wir alle wollen verstehen. Warum die Welt so ist, wie sie ist und wie sie besser werden kann. Endlich gibt es einen Ort, an dem man diesem Forschungsdrang nachgehen kann: Nur in der experimenta warten mehr als 275 interaktive Stationen und Experimente auf kleine und große Weltentdecker. www.experimenta.science FÜR ALLE VON 3 – 103 JAHREN