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Content:
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Nr. 53 Februar/März 2018 Freiheit für Sibel!

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Hanix macht Heilbronn zur Schwarmstadt Bottom-Up- Stadtentwicklung Design – Think – Publish

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 53 arbeitsreiche Wochen liegen hinter uns. Mitte Januar haben wir drei Publikationen in Druck gegeben. Neben dem Heft, das ihr in euren Händen haltet, durften wir auch die Dokumentation zu den acht Praxisworkshops, die das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes 2017 durchgeführt hat, produzieren. Dazu kam die umfangreiche Abschlussdokumentation des »SCHRITTMACHER Innovationcamp – die Gesundheitsbranche im Wandel«, das wir ebenfalls im Auftrag des Kompetenzzentrums vom 8. bis 10. Dezember für über 70 Teilnehmer organisiert und im Heilbronner insel-hotel durchgeführt haben (Seiten 32, 76 und 77). Die Zeit war in der Vorweihnachtszeit und zwischen den Jahren knapp, um auch diese Hanix-Ausgabe gehaltvoll und lesenswert zu gestalten. Wir haben es trotzdem versucht. Für das Interview des Monats waren wir diesmal aber – ganz pragmatisch und im Geiste unseres Themenschwerpunktes Einzelhandel – einkaufen. Im vergangenen November erschien in der Süddeutschen Zeitung ein bemerkenswertes Interview mit SIBEL KEKILLI. Die aus Heilbronn stammende Schauspielerin sprach über Freiheit und den Preis, den sie für ihre persönliche Freiheit bezahlen musste. Dieses Gespräch wollten wir euch nicht vorenthalten und haben die Rechte zur Veröffentlichung erworben. Natürlich sollte das Gespräch auch bemerkenswert bebildert werden. Ehrensache! Sofort zogen uns die Portraits, die der Hamburger Fotograf PETER HÖNNEMANN von Kekilli machte, in ihren Bann. Die sollten es sein. Der honorige Fotograf, der auch schon den Dalai Lama portraitierte, rief auf unsere Anfrage nach dem Preis für die Fotografien den handelsüblichen Tarif für Covermotiv und Verwendung im Innnenteil auf. Auf Nachfrage, ob er, wenn wir alle drei Bilder nähmen, etwas am Preis EDITORIAL machen könne, antwortete der Hamburger mit norddeutschem Charme: »Sie können gerne die drei Bilder zu den schon genannten Konditionen bekommen. Hoffe, Sie können damit leben!« Können wir! Schon erwähnt unser Themenschwerpunkt: Einzelhandel in Heilbronn. Autorin Brigitte Fritz-Kador widmete sich dem Thema ausführlich und recherchierte den ganzen Dezember dazu. Beim Tischgespräch diskutierten wir mit AXEL PALM (Modehaus Palm), ROMINA CONSAGRA (chouchou Boutique), ALINA FISCHER (Stadtgalerie) und IRINA SCHARFETTER (Heilbronn Marketing) über die Situation in der Heilbronner Innenstadt. Illustrator NATALIS LORENZ bekam von uns die Aufgabe, durch die Fußgängerzone zu schlendern und seine Eindrücke für uns zu verbildlichen. Dazu waren wir bei THOMAS GAUSS in seinem Sporthaus Saemann und blicken in historischen Bildern zurück in die Vergangenheit des Heilbronner Einzelhandels. Außerdem waren wir bei den Red Devils in Neckargartach beim erstklassigen Ringen, in der Kletterarena Höhe machen, in Kolumbien, Ecuador und Peru auf Reise, bei FRAU SCHNEPF im Schreibwarenladen und im Mobilat. Alles Weitere müsst ihr selbst entdecken. Support your local dealer! Eure Einkäufer von der Wilhelmstraße Fotograf Peter Hönnemann macht beim Preis keine halben Sachen. Seine Portraits von Sibel Kekilli sind es wert.

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IMPRESSUM VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Friedemann Orths, Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Dr. Bernhard Stumpfhaus, Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Maria Sanders, Matthias Marquart AUTOREN UND MITARBEITER Nicolai Köppel, Mares Baudewijns, Sibel Taylan, Thomas Aurich, Ralph Munz, Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Sarah Baudenbacher, Xenia Kegel, Michael Siegele ARTDIREKTION Raimar Schurmann LAYOUT Raimar Schurmann (Leitung), Florian Geiger FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATORINNEN Meli Dikta, Memo Filiz), Ulla Kühnle, Nico Kurth, Kathrin Leisterer, Lisa Maria Klotz, Natalis Lorenz, Peter Hönnemann, Walter Schels, Hermann Eisenmenger, Fritz Friederich LEKTORAT Friedemann Orths, Udo Völker VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.) VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2017 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: MS Experimenta vs. Baumfällarbeiten 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für Februar und März 14 Streifzug durch die Region Diesmal: Interview mit dem HILL-Institut, Ausstellung von Larissa Bertonasco & Förderung für die Stadtbücherei 16 Smalltalk Dinge, die Heilbronner nicht sagen, Thekenphilosophen & #ashtag #eilbronn 18 600 Sekunden KÖPPELS ZEHN MINUTEN HEILBRONN Climate change is real 20 Taschenkontrolle bei Eva Schnepf, Inhaberin Seel- Schreibwaren 22 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Apostolos »Tolly« Simeonakis von Flumoto 24 ABENTEUER UM DIE ECKE Klettern und Bouldern in der Kletterarena 26 Kultur Michael »Ed« Brähne übernimmt den Mobilat Club INHALT Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 28 Sport Red Devils Heilbronn 32 Wirtschaft Hanix organisiert Innovationcamp für die Gesundheitsbranche 34 Kunst Philipp Kionka & Andreas Golder 36 Film Arthaus-Tipp »Der seidene Faden« & »Das Leben ist ein Fest«. Dazu weitere Filmstarts 40 Interview des Monats Weltstar Sibel Kekilli über Freiheit: Die in Heilbronn aufgewachsene Schauspielerin spricht über den Preis ihrer persönlichen Freiheit, das Casting zu »Game of Thrones« und ihr Engagement für Frauenrechte. HANIX NR. 53 46 Titelthema Der stationäre Handel befindet sich im Wandel – auch in Heilbronn. Nun hat er die wunderbare Aufgabe, sich komplett neu erfinden zu dürfen. 68 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT- KOLUMNE Es groovt wie Sau in Künzelsau 70 Brief an die Heimat Abenteuerliches Südamerika 74 Historischer Schuss Allee-Unterführung, 1973 76 .jpg BILDERGALERIE U. a. SCHRITTMACHER Innovationcamp & Buntes aus der Region. 80 Veranstaltungskalender Gute Termine für Februar und März 88 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: das Spaßhorn

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MONTAG, 18. DEZEMBER 2017, 13:24 UHR MS EXPERIMENTA, HEILBRONN Nach mehrtägiger Fahrt mit Hochwasserunterbrechungen ist das neue Laborschiff MS Experimenta am 15. Dezember in Heilbronn angekommen. Das 105 Meter lange Schiff wird zu einem einzigartigen schwimmenden Science-Center und bietet auf über 500 Quadratmetern vielfältige attraktive Angebote. Neben den beiden Laborräumen und dem offenen Workshop- Bereich sind drei der beliebten Talentschmieden installiert. Darüber hinaus gibt es noch Flächen für zusätzliche, offene Workshops und Aktionen. Nachmittags wird die Forschertour, ein spezielles Experimentierangebot für Ganztagesschulen, im Atelier angeboten. Hanix Nr. 53 Foto: Meli Dikta HINGUCKER

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MONTAG, 11. DEZEMBER 2017, 15:23 UHR STADTGARTEN, HEILBRONN Im Heilbronner Stadtgarten haben die Baumfällarbeiten begonnen. Eine einsame Motorsäge ist zu hören, zu sehen ist nichts. Das Vorhaben soll sich nicht öffentlich vollziehen, dichte Sichtschutzzäune verhindern jeglichen Einblick. Schon zuvor wurden alle Bäume, die dran glauben müssen, mit einem roten Kreuz gekennzeichnet – und es sind viele. Der Bau des Hotels wie der damit verbundene Baumkahlschlag sind in der Heilbronner Bevölkerung umstritten, auch aus Gründen des Klimaschutzes. Dass es bei einigen wenigen Aktionen und verbalen Protesten blieb, auch das erinnert an die Vorgänge bei der Theatersprengung seinerzeit. Hanix Nr. 53 Foto: Meli Dikta WEGGUCKER

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TIPPS FÜR HEILBRONN Konzert 03. Februar WEDGE Emma23, Heilbronn WEDGE erblickte 2014 das Scheinwerferlicht der Welt. Das Trio wurde von Gitarrist und Sänger Kiryk Drewinski, Drummer Holger »The Holg« Grosser sowie Bassist und Organist Dave Götz in Berlin gegründet und benannte sich nach dem ersten Steinwerkzeug der Menschheitsgeschichte. Noch bevor die Band ihren Namen fand, entstand ihr erstes Studio-Album und wurde kurzerhand auf dem italienischen Label Heavy Psych Sounds im September 2014 veröffentlicht. Ihr Sound ist dementsprechend archaisch, äußerst effektiv, »made from solid rock« und verursacht bei richtiger Anwendung Feuer. WEDGE mischen dabei vor allem Elemente von klassischem Rock, 60s Garage und etwas Psychedelic mit einer ordentlichen Dosis Spielfreude. Clubbing 09. Februar WHO THE FUCK IS KONSTANTIN SIBOLD? Mobilat Club, Heilbronn Who the fuck is Konstantin Sibold? Nach der alljährlichen Weihnachtssause startet das neue WTF-Jahr mit Konstantin Sibold. Er war bereits zweimal zu Gast in Heilbronn, zuletzt 2014 in der Pauline. Seitdem ist bei Konstantin viel geschehen: Nach seinem ersten Hit »Madeleine« folgten weitere Kracher. »Mutter« auf Gerd Jansons Running Back – Imprint war nur eine davon. Sein Remix für Red Axes »Sun My Sweet Sun« der auf dem Münchener Kultlabel Permanent Vacation veröffentlicht wurde, hat in seinem Genre bei Beatport mittlerweile nahezu die Rekorde gebrochen. Kabarett 09. Februar FAKE NEWS – BALKEN BIEGEN FÜR FORTGESCHRITTENE Kulturkeller, Heilbronn Falschnachrichten manipulieren und hebeln die Welt aus den Angeln. Im heimischen 24-Stunden-Allerlei dagegen kommen sie als Notlügen, Hirngespinste oder ausgewachsener Kappes daher. Sie sind der Photoshop für die Nacktheit der Tatsachen und in Beziehungen die kleine kosmetische Korrektur der Wahrheit. Tina Häussermann hält als zweifache Mutter den Weltmeistertitel im Schnelldurchschauen von Falschnachrichten. Fabian Schläper ist als Yoga- Junkie ebenfalls ein Meister seines Faches. Er atmet. Ein und aus. Kein Hindernis ist so groß, dass er nicht die Augen davor verschließen könnte, bis es sich in Räucherstäbchendunst aufgelöst hat. Multivisionsvortrag 01. März KEINE ANGST VOR INDIEN – VOM FOTOGRAFEN UND FILMEMACHER PETER WITT & DIANA ALBRECHT Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Von allen fremden Kulturen ist die indische Kultur wohl die, die uns Europäer zu allen Zeiten am meisten faszinierte. Aber Schlagzeilen über Indien können Angst machen. Vergewaltigungen, Armut, Kindersterblichkeit. Wie erlebt der Reisende Indien, wie ist Indien wirklich? Indien steht für Spiritualität, für uralte Hochkulturen, die ganz Asien geprägt haben, und glücklich scheinende Menschen. Warum sind so viele Inder so tiefenentspannt und scheinbar zufrieden mit ihrem Leben? Trotz des Kastensystems ist Indien in Bewegung und hat seinen eigenen Weg in die Zukunft genommen. Ein Multivisionsvortrag in HD-Qualität. Spenden-Projekt 17. März ERSTER 24 STUNDEN BENEFIZLAUF – LAUFEN FÜR NEPAL Heilbronn Ein 24-Stunden-Lauf bedeutet, dass jeder Lauf-, Wander- oder Spazierlustige innerhalb der vorgegebenen 24 Stunden eine festgelegte Strecke beliebig oft laufen kann. Jeder kann dabei frei entscheiden, zu welchem Zeitpunkt innerhalb der 24 Stunden begonnen werden möchte, wann und wie lange Pausen eingelegt werden und wann die Rundenzählung beendet wird. Das Projekt ist Bestandteil der Arbeit einer Organisation namens Jamunapur Help Society. Jubiläumsfeier 24. März 25 JAHRE WEINHANDLUNG KIRCHNER Weinhandlung Kirchner, Heilbronn Von 10 bis 18 Uhr finden Verkostungen der Weine von Weingütern wie Domaine La Casenove, Immich-Batterieberg, Schäfer-Heinrich, Rinke sowie eine Raritätenverkostung mit Probeweinen von 1993 statt. Am Abend ab 19:30 Uhr gibt es ein Weinmenü mit Etienne Montès von La Casenove im Restaurant Ratskeller im Zentrum Heilbronns. Bevor er das väterliche Weingut übernahm, war er einer der berühmtesten Fotoreporter Frankreichs. STADTLEBEN Hanix Nr. 53

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DIE TIPPS FÜR REGION Jazzkonzert 02. Februar JAZZ IM WARTESAAL: BABAK NEMATI QUARTET Wartesaal, Besigheim Das Babak Nemati Quartet ist eine bunte Modern-Jazz-Gruppe mit erfahrenen und hoch experimentellen Musikern aus der Schweiz, Spanien und aus dem Iran. Kurz, nachdem die Band vor sieben Jahren von Bandleader und Gitarristen Babak Nemati in Zürich gegründet wurde, fanden sich die vier engagierten Musiker in einem Aufnahmestudio wieder und haben ihr erstes Album mit sieben Eigenkompositionen aufgenommen. Im September 2012 fand die CD »Seven Good Wishes« ihren Weg in den Katalog des Schweizer Jazz-Labels Altrisuoni. Während ihrer Club-Tour in Westeuropa 2014 entstanden viele neue Ideen und Kompositionen für das zweite Album. Und die Band hat sich schnell weiterentwickelt. Kulinarik 17. Februar WEIN UND SCHOKOLADE Schell Schokoladenmanufaktur, Gundelsheim Teilnehmer genießen das einzigartige Geschmackserlebnis einer Pralinen-, Wein-, Schokolade- und Essigprobe aus dem Sortiment der Schokoladenmanufaktur Schell. Zum Beispiel Riesling-Schleckerle, Müller-Thurgau-Schleckerle und Trockenbeerenauslese-Aperitifessig aus Müller- Thurgau, Balsam-Schleckerle und Württemberger Balsamessig, Umami-Schokolade und Riesling Classic, Barriquetrüffel und Barriqueschokolade mit Lemberger Wein, Trockenbeerenauslese- Trüffel, Muscat de Rivesaltes und Champagner-Trüffel, um nur einige zu nennen. Abgerundet wird das Seminar durch eine Führung durch die malerische Altstadt von Gundelsheim zum Schloss Horneck, der ehemaligen Deutschmeisterresidenz des Deutschen Ritterordens. Dauer des Seminars ca. drei Stunden. Kino 21. & 28. Februar BEGABT Scala-Kino, Neckarsulm Der alleinstehende Frank Adler hat auf seine vielversprechende Karriere verzichtet und die Vaterrolle für seine aufgeweckte kleine Nichte Mary übernommen. Marys Mutter war ein Mathematikgenie, wurde für ihre wissenschaftliche Karriere aber vom wirklichen Leben völlig abgeschottet und beging kurz nach der Geburt ihrer Tochter Suizid. Auch Mary ist überaus intelligent, aber obwohl Frank sich ihrer Hochbegabung bewusst ist, möchte er, dass sie eine normale Kindheit erlebt. Deshalb geht sie in die örtliche Grundschule, wo sie gleich am ersten Tag durch das mühelose Lösen komplizierter Rechenaufgaben auffällt. Ihre Lehrerin und die Schuldirektorin versuchen Frank vergeblich zu bewegen, sie auf eine renommierte Schule zu schicken, wo ihre Begabung gefördert werden kann. Denn Frank hat das Schicksal seiner Schwester vor Augen, das er seiner Nichte ersparen will. Kabarett 04. März OLAF BOSSI – HARMONIE- SÜCHTIG Burg Stettenfels, Untergruppenbach Eigentlich ist Olaf Bossi direkt aus der Mitte der Gesellschaft; Mittelschicht, mittelalt, mittelguter Ehemann und Familienvater. Also im Prinzip ganz normal. Aber genau damit fühlt er sich immer häufiger alleine. Die Gesellschaft scheint vom goldenen Mittelweg abgekommen zu sein. Die Extreme haben das Wort. Im Netz regiert der Hass, auf den Straßen die Angst und im eigenen Zuhause das Chaos. Und das macht ihn langsam auch wütend. In einer Zeit, wo neue Mauern und gesellschaftliche Spaltung drohen, sehnt er sich nach Ruhe, Frieden und Harmonie – wenn es sein muss um jeden Preis. Workshop für Kinder 13. bis 15. März FRÜHLINGS-KREATIV- WERKSTATT AudiForum, Neckarsulm Insekten, ganz besonders Bienen, haben die wichtige Aufgabe, die Natur in all ihren wunderbaren Facetten zu erhalten. Das Insektenhotel soll den fleißigen Helfern eine Heimat bieten und trägt so zu deren Überleben bei. In der Frühlings- KreativWerkstatt gestalten Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren ihr eigenes Insektenhotel, das sie selbstverständlich mit nach Hause nehmen dürfen. Unter fachkundiger Anleitung können die Kids ihrer Kreativität freien Lauf lassen: das Insektenhotel konstruieren, mit den unterschiedlichsten Materialien füllen und bunt bemalen. LANDLEBEN Hanix Nr. 53

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Beste Qualität und Preise Im Auftrag des FRUCHTHANDEL MAGA ZINS hat im Herbst 2016 die GfK Nürnberg 9.000 Haus halte nach ihrer Mei nung zum Obst- und Gemüseangebot der verschie denen Handelsgruppen, einschließ lich der Kategorie Discount, befragt. Nicht das einzelne Geschäft, sondern die Lei s tung der ge sam ten Handelsgruppe wurde be wer tet. Mehr Informationen finden Sie auf: lidl.de/obstgemuese lidl.de

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Workshop für Kinder 15. und 16. Februar BODY_BOTS – ROBOTERWORKSHOP zkm, Karlsruhe In diesem experimentellen Roboter-Workshop für Kinder werden Möglichkeiten erfunden, den eigenen Körper zu erweitern. So lautet die Frage an die Kids: Was würdest Du gern an Deinem Körper optimieren oder was noch können? Vielleicht einen zusätzlichen Finger entwickeln, der von einem Roboter gesteuert wird oder einen zusätzlichen Orientierungssensor, der im Dunkeln sehen kann. Alle neuen Funktionen werden aus Lego Technic-Teilen gebaut und mit der Software von Lego Mindstorms programmiert. Viele wichtige Impulse und Ideen für diesen Workshop können in der neuen Ausstellung »Open Codes. Leben in digitalen Welten« gesammelt werden. Vernissage 17. Februar LAURA POLKE: MACH KEINEN SCHEISS MIT MENSCHEN KOHI Kulturraum, Karlsruhe Laura Polke bedruckt Platten, T-Shirts, Plakate, Taschen, Jacken und rechtzeitig zur Vernissage auch das KOHI-Sofa. Die Wände werden besprüht, bemalt und beklebt und wer will, bei dem bleibt was hängen: Polke bedruckt am Abend mitgebrachte T-Shirts und andere Klamotten. Wie das wird? »Drucken ist ein Abenteuer. Der Rest ist Politik.« Inhaltlich beziehen sich Polkes Arbeiten auf die aktuellen politischen Themen wie Atommüll, Krieg und die Entfremdung der Menschen. Clubbing 23. Februar CHRIS LIEBING Club Lehmann, Stuttgart Der 23. Februar wird das erste dicke Ausrufezeichen im noch jungen Partyjahr setzen. Dann finden zwei gefeierte Techno-Legenden zusammen, die uns schon in der Vergangenheit großartige Nächte beschert haben. Da ist der Lehmann Club, eine Institution in Sachen gelebter Clubkultur und Anlaufpunkt für alle Techno-Heads in und um Stuttgart. Und da ist Chris Liebing, jährlicher Fixpunkt im Lehmann-Programm und der Mann, der seit Anfang der Neunziger Techno immer wieder auf ein neues Level katapultiert. So auch in 2018. Support bekommt er von den Ibiza-erprobten Afterlife-Residents Confidns. Konferenz 02. bis 04. März JOURNALISMUS 2.0 – FAKE NEWS, AUFKLÄRUNG UND DEMOKRATIE IM DIGITALEN ZEITALTER Deutsch-Amerikanisches Institut, Heidelberg Fehlinformation, mangelndes Vertrauen, Printmedien im freien Fall, Entlassungen, sich ständig wandelnde Geschäftsmodelle und sich noch schneller wandelnde Verbrauchergewohnheiten – der Journalismus im digitalen Zeitalter befindet sich an einem bedeutungsvollen Scheideweg und ist dabei, sich neu zu erfinden, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Kurz: Die gesamte Journalismus-Branche steht vor erheblichen Herausforderungen. Das DAI Heidelberg veranstaltet in Zusammenarbeit mit der US-Botschaft Berlin eine dreitägige Konferenz zum Thema Journalismus 2.0 – Fake News, Aufklärung und Demokratie im digitalen Zeitalter. Konzert 23. März TRETTMANN – #DIY TOUR 2018 Im Wizemann, Stuttgart Album des Jahres, sechs Kronen in der Juice, Vergleiche mit »Stadtaffe« und »Searching for the Jan Soul Rebels«, gefeierter Auftritt bei Böhmermann, Klassiker, ausverkaufte Tour 2017, über 50 Millionen Streams. Am besten einfach nicht darüber nachdenken, was da passiert ist, gesagt oder geschrieben wurde. Einfach weitermachen. Die Trettmann #DIY Tour geht im Jahr 2018 in die 2. Runde. Wer beim ersten Durchgang leer ausgegangen ist oder zu langsam war, kann nun direkt zuschlagen – denn ein Ende von Trettmanns Run ist nicht in Sicht. Als Support hat Tretti wieder den letzten echten Punk – Joey Bargeld – dabei. Also ist der Mosh Pit bei »Nur noch Einen« safe. Multimediashow 26. März PLANET ERDE II: EINE ERDE – VIELE WELTEN SAP Arena, Mannheim Eigens von der BBC für die Live-Show zusammengestelltes Filmmaterial in bisher nicht gekannter Detailgenauigkeit führt den Besucher in extreme Lebensräume – auf Inseln, in Wüsten, in den Dschungel und sogar in Städte – die bislang für das menschliche Auge unerreichbar waren. Die Live-Version von »Planet Erde II: Eine Erde – viele Welten« bringt dem Zuschauer verborgene und geheimnisvolle Welten näher als je zuvor – und das mithilfe außergewöhnlicher Bilder, gefilmt in faszinierendem 4K-Ultra-HD-Format. Die Musik, die die Aufnahmen passgenau untermalt und auf besondere Weise emotional auflädt, stammt aus der Feder des in Frankfurt geborenen Oscargewinners Hans Zimmer sowie von Jacob Shea und Jasha Klebe. METROLEBEN Hanix Nr. 53

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Früher war alles besser. Heute auch. Der neue 911 Carrera T. Echte Gefühle? Sind zurück. Was es dafür braucht? Einen 6-Zylinder-Biturbo-Boxermotor. Ein 7-Gang-Schaltgetriebe. Und einen Fahrer – Sie. Der neue 911 Carrera T wartet. Ab sofort bestellbar bei uns im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Hanix Nr. 53 Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel. 07131 5034-200 www.porsche-heilbronn.de Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): innerorts 13,5–11,5 · außerorts 7,1–6,8 · kombiniert 9,5–8,5; CO 2 -Emissionen kombiniert 215–193 g/km

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STUDIEREN AUCH OHNE ABI Denkt man an die HS Heilbronn, hat man das typische Bild im Kopf: Junge Studenten, die über den Campus laufen. Doch am Heilbronner Institut für Lebenslanges Lernen (HILL) sieht das anders aus. Hier studieren neben Bachelorabsolventen und Berufstätigen auch Menschen ohne Abitur. Ein Interview mit PROF. DR. FAUSER, Geschäftsführer des HILL und MATJA PEHAR, Referentin für Weiterbildung. Von Lea Pomocnik, Foto: Ulla Kühnle Hanix: Seit 2015 sind Sie zusammen mit Prof. Dr. Ruf Geschäftsführer des HILL – des Heilbronner Instituts für Lebenslanges Lernen. Wie verändern sich Lernprozesse im Laufe des Lebens, lernen wir wirklich das ganze Leben lang? Prof. Dr. Simon Fauser: Man muss zwischen Arten des Lernens unterscheiden. In der frühkindlichen Bildung ist alles erfahrungsbasiert, das Kind lernt mit allen Sinnen. Im Laufe des Lebens und insbesondere des Schullebens kommen wir vom erfahrungsbasierten zu einem eher kopfbasierten Lernen. Im berufsbegleitenden Bereich betonen wir beide Bereiche, weil wir den Berufsteil, in welchem jeder seine Erfahrungen schon gemacht hat, stark mit einbringen wollen. Neurobiologisch ist klar: Wenn man Erfahrung mit Inhalten verknüpfen kann, können diese wesentlich besser verarbeitet werden. Das führt zu einem nachhaltigeren Lernerfolg. Die Prozesse des Lernens verändern sich, vor allem aber auch die Arten. Das HILL bietet viele Möglichkeiten im Bereich berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudiengänge. Welche Menschen sind das, die hierherkommen? Matja Pehar: Unser Angebot umfasst aktuell sieben Studiengänge. Es gibt einen Bachelorstudiengang, den man auch ohne Abitur machen kann. Man qualifiziert sich über die Berufserfahrung – Zielgruppe sind also Personen mit einem technischen Background. Sie haben eine Ausbildung absolviert, eine Aufstiegsfortbildung wie den Techniker oder Meister drangehängt und sind im Bereich Maschinenbau tätig. Bei den MBA-Formaten sieht es anders aus: Hier liegt ein Erststudium sowie die erste Berufserfahrung vor. Die drei Masterstudiengänge sind für eine Zielgruppe konzipiert, die das erworbene Wissen für den nächsten Karriereschritt benötigen und das bisherige Know-How in das Studium mit einfließen lassen. Die Studiengänge des HILL sind alle am wirtschaftlichen Geschehen orientiert. Was zeichnen die Studiengänge des HILL noch aus, gibt es Besonderheiten? Matja Pehar: Das Tolle an den Studiengängen sind die sogenannten »on the job«-Projekte. Das sind Projektarbeiten, die sich mit aktuellen Problemstellungen aus dem Arbeitsalltag der Studierenden beschäftigen. Der Studierende kann Einfluss auf die Themenwahl nehmen und sein Berufsalltag wird mit dem Studium kombiniert. Wir haben es geschafft, die stressigen Phasen vor einer Klausur durch solche Projekte, die in Präsentationssituation abgeschlossen werden, auszutauschen. Bis zu einem Drittel der ECTS-Punkte im Studium wird über diese Projekte bezogen. Wir bereiten so die Studierenden auf Entscheidungssituationen vor. Studierende stehen im engen Kontakt mit ihren Dozenten und Professoren. Welche Rolle spielt das Unternehmen, aus dem die Studierenden kommen? Prof. Dr. Simon Fauser: Viele unserer Studierenden werden von ihrem Unternehmen unterstützt, sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Arbeitszeit. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Studis, die das für sich selbst machen und sich weiterentwickeln möchten. Wir sind direkt im Kontakt mit Personalentwicklungsabteilungen, besuchen diese und gehen ins persönliche Gespräch. Bei uns beginnt die Betreuung nicht am ersten Tag der Vorlesung, sondern deutlich eher. Wie haben Studieninteressierte die Möglichkeit, sich über die Webseite hinaus zu informieren? Matja Pehar: Das zentrale Element, wie wir mit unseren Interessenten ins Gespräch kommen, sind unsere Infoabende. Diesen Schritt empfehlen wir unseren Interessenten wärmstens. Wir haben pro Jahr acht Termine. Am Infoabend erlebt man die Menschen, die Akteure, den Studiengangleiter und die Mitarbeiter. Das Wichtigste ist, dass man mit den anderen Interessenten in einem Raum zusammenkommt. Da merkt man schnell, ob man hier reinpasst und ob man unter Gleichgesinnten ist. In der heutigen Gesellschaft geht alles schneller, mehr Leistung, mehr Umsatz. Das Wissen von qualifiziertem Fachpersonal und Experten wird immer wichtiger. Was bedeutet das für Maßnahmen der Weiterbildung in der Gesellschaft? Prof. Dr. Simon Fauser: Weiterbildung wird eine eher noch zunehmende Rolle spielen. Dazu zwei Punkte: Erstens sehen wir den politischen Akteur, der positive Rahmenbedingungen schafft – beispielsweise Stichwort steuerliche Anrechenbarkeit von Weiterbildungsausgaben oder Bildungszeitgesetz. Zweitens: der demografische Wandel – der es unabdingbar macht, die begrenzte Ressource Personal effizient zu nutzen. Die Mitarbeiterbindung wird bei immer mehr Unternehmen dazu führen, dass sie im Sinne von Passgenauigkeit die Mitarbeiter, die bereits da sind, unterstützen und weiterentwickeln müssen. Unternehmen werden gezwungen sein, sich dieser Individualität zu widmen, weil sie anders keine guten Mitarbeiter mehr bekommen oder sich diese nicht mehr halten lassen. ◆ Hanix Nr. 53 14 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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EIN STÜCK HEIMAT Illustrationen von LARISSA BERTONASCO in der Mojäk Galerie MEHR KULTURELLE VIELFALT Hanix Nr. 53 Bereits 2005 erschien Larissas Kunstkochbuchklassiker »La Nonna, La Cucina, La Vita« mit den Rezepten und Geschichten ihrer italienischen Großmutter. Das Buch war ursprünglich ihre Diplomarbeit, mit der sie das Illustrationsstudium in Hamburg abschloss. Es wurde ein großer Erfolg. Wahrscheinlich weil es um mehr ging als nur neue Kochrezepte von altbewährten italienischen Gerichten. Larissa versuchte in den Geschichten und Bildern des Buches vor allem die Atmosphäre des Landes und ihre Kindheitserinnerungen authentisch festzuhalten. Schon bei diesem Buch ging es ihr als Tochter einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters vor allem um die Themen Heimat und Identität. Wo ist mein Zuhause? Was gibt mir das Gefühl, mich an einem Ort zugehörig zu fühlen? Woraus genau setzt sich das zusammen? Mit Freunden gemeinsam zu kochen und zu essen hat natürlich immer viel damit zu tun. Aber auch anderes ist ein wichtiger Teil davon, wie bestimmte Geschichten, Orte oder Menschen, die für jemanden eine besondere Bedeutung haben. Die Suche nach diesem persönlichen Stimmungsbild zieht sich als roter Faden durch Larissas Arbeiten, egal ob es um Kulinarisches oder andere Themen geht. In der Ausstellung in der Heilbronner Mojäk Galerie zeigt Larissa Bilder, die in den letzten Jahren entstanden sind. Das sind einige Motive aus den Kochbuch-Nachfolgewerken »La Cucina Dolce« und »La Cucina Verde« in Zusammenarbeit mit Carlo Bernasconi, der bereits das Cover von Hanix, Ausgabe 48, zierte. Aber auch Bilder, die zu dem Literaturklassiker Carmen entstanden sind, sowie mehrere freie Arbeiten sind dabei. Es gibt Originale und Drucke in ganz unterschiedlichen Formaten zu sehen. Das süße Leben und die Farben des Südens werden so für einige Wochen mit malerischen Zeichnungen die Räumlichkeiten der Galerie bespielen und dabei helfen, den letzten Atemzug des Winters vielleicht noch ein wenig schneller zu verscheuchen. Bei einer Lesung wird Larissa Texte aus ihrem noch nicht veröffentlichten Buch »Heimathafen« lesen, welches das Thema aus der Perspektive des Exils im Norden betrachtet – und über ihre künstlerische Arbeit sprechen. Larissa ist in Heilbronn geboren und aufgewachsen, bevor sie direkt nach dem Abitur mit 19 Jahren nach Italien ging, um dort zu studieren. Mittlerweile lebt sie seit 25 Jahren in Hamburg. Die alte Heimat Heilbronn liegt genau auf halber Strecke zwischen ihrer jetzigen Heimat im Norden und Ligurien, wohin sie oft fährt, um ihre italienische Familie zu besuchen. ◆ (lep) Larissa Bertonasco – La Dolce Vita 10.3. – 19.5.2018 Ausstellungseröffnung: Sa., 10.3.2018, 15 Uhr Lesung & Gespräch: Do., 15.3.2018, 19 Uhr MOJÄK GALERIE Frankfurter Str. 20 74072 Heilbronn Mi. – Sa. 11.30 - 22 Uhr So. – Di. Geschlossen Die Stadtbibliothek Heilbronn startet 2018 mit neuen Perspektiven Einen großen Erfolg kann die Stadtbibliothek mit einem Förderantrag im Rahmen des Programms »360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« der Kulturstiftung des Bundes verbuchen. Ab Sommer 2018 bekommt die Stadtbibliothek vier Jahre lang eine Vollförderung von bis zu 360.000 Euro. Die Mittel werden dazu eingesetzt, eine Stelle für einen Kulturagenten zu schaffen, welcher die Diversitätsarbeit der Häuser begleitet. Dazu kommen freie Mittel für neue oder überarbeitete Programminhalte. Im Rahmen einer geplanten räumlichen Erweiterung 2018/19 wird zudem eine inhaltliche Neukonzeption angestrebt. In Angebot, Publikumsansprache und Personalstruktur soll sich eine größere kulturelle Vielfalt widerspiegeln. »Wir werden uns zu einem interkulturellen Literatur- und Medienhaus entwickeln und Begegnung und Partizipation für alle in den Vordergrund stellen«, sagt Monika Ziller, Leiterin der Heilbronner Stadtbibliothek. Kulturelle Integration wird dabei als ein Prozess wechselseitigen Lernens verstanden. Durch bestehende Netzwerke aus der Integrationsarbeit soll ein Konzept entwickelt werden, das Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in verschiedenen Altersklassen anspricht. Integration wird als wechselseitiger Prozess des Voneinanderlernens gesehen. Heilbronns Kulturbürgermeisterin Agnes Christner freut sich sehr über die langfristig angelegte Förderung: »Wir sind stolz darauf, dass unsere Bibliothek zusammen mit großen Häusern in Hamburg, Bremen, Berlin und Köln von dieser Förderung partizipieren kann. Mit der Auswahl unserer Stadt, in der 50 Prozent der Einwohner Zuwanderungsgeschichte haben, kann eine beispielhafte Arbeit auch für andere Städte in Deutschland geleistet werden.« ◆ (lep) STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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Dinge, die Heilbronner nicht sagen »Toll, das vielfältige Angebot an innerstädtischen Nagelstudios.« THEKENPHILOSOPHEN In jeder Ausgabe stellen wir unseren vier Thekenphilosophen eine knifflige Frage aus dem Leben. Das Szenario: Der Gast sitzt an der Theke, weiß nicht weiter und fragt den Wirt nach dem richtungsweisenden Ratschlag. UNSER THEKENSZENARIO DIESMAL: Gefühlt herrscht seit Längerem eine Meckerstimmung in Heilbronn, die Bürger bemängeln den Leerstand in der Innenstadt, den sterbenden Einzelhandel oder das Verkehrschaos auf den Straßen. Doch bei aller berechtigter Kritik: Brecht eine Lanze für die Stadt! Was gefällt euch an Heilbronn bzw. was läuft hier gut? Protokoll: Friedemann Orths Fotos: Ulla Kühnle Sibel Taylan, Data 77112 Das Industriegebiet finde ich schön, der kleine Inselhafen, wo die Boote ausruhen, den Pfühlpark, vor allem der Rosengarten, der botanische Garten, die wunderschönen Weinberge und Wälder, die Ruhe dort, das Hawaiiviertel, die vorbeifahrenden Güterzüge, die Bahnschienen, der Osten, der Kletterpark Weinsberg, alle Läden, die es hier gibt – ohne sie zu bewerten – oder Läden, die es mal gab, die kleinen Bäckereien, Mühlen, Metzger, der Markt … die umliegenden Dörfchen auch, dienstags Saunafrauentag im Stadtbad; auch sein Parkdeck finde ich ziemlich toll da, unsere Zentralität, meine Liebsten sind hier, mein data 77112, dass manche, wenige Menschen anderen Menschen, die unter Verwirrtheit, Krankheit und Einsamkeit leiden und im Dunklen hocken, ihr Licht schenken. Selbstlos. Der Zusammenhalt unter vielen Menschen hier ist wirklich stark. Manche riskieren sogar jeden Tag ihr Leben für uns. Die Ausdauer vieler Menschen ist bewundernswert. Thomas Aurich, u. a. Winterdorf Wo die Post abgeht, gibts Stau. Ein Qualitätsmerkmal somit. Heilbronn ist Weinstadt, Kinderhauptstadt und Stadt am Fluss. Superlativen. Welche Großstadt in Deutschland hat kostenfreie Kindergärten? Keine. Wir haben den Gaffenberg, die Megakinderfreizeit. Welche Stadt hat unsere Spielplatzqualität? Wir leben in einer Weinarena, werden Universitätsstadt, bekommen das größte Science-Center Deutschlands und haben 110000 Stadtbäume. Und weil ich dies schreibe, wir feiern an der größten Gastromeile am Fluss in Süddeutschland. Und die Geburt eines neuen Stadtteils mit unglaublicher Lebensqualität dürfen wir eben auch begleiten. Gekrönt durch die Buga. Und ganz nebenbei, hier leben die treuesten Freunde des Landes. Home is where my friends live. Ralph Munz, u. a. The Rooms Club Eins muss gesagt sein: Das, was uns gerade nervt – Staus, bescheuerte Verkehrsführungen, Dreck und Lärm – zeigt ja, dass etwas passiert, dass morgen etwas Neues entsteht. Und wenn man sich dessen bewusst ist, was alles bis Ende nächsten Jahres entsteht, darf man nicht mehr über alles und jeden Meckersalven ablassen. Das Gute an Heilbronn sind die Bürger. Die verschiedenen Nationen mit ihren verschiedenen Kulturen und Bräuchen. Das ist die große Aufgabe Heilbronns. Eine Einheit zu bilden, die ihre Stadt liebt. Bürger, die morgens aufstehen und sagen, wie schön es hier ist. Die bereit sind, etwas für ihre Stadt zu tun. Heilbronn ist eine Einwanderungsstadt. Das hat mit den GIs angefangenen und hört mit den Syrern nicht auf. Lasst euch etwas einfallen, wie ihr besser miteinander umgeht. Akzeptiert, wo ihr seid und wo euer Nachbar herkommt. Interessiert euch über die Hintergründe und feiert ihre Feste. Diese Stadt muss sich dazu bekennen, was sie ist. Und das kann sie nur, wenn alle, die hier leben, guter Hoffnung sind. Und den Glauben haben, dass sich jemand um sie kümmert. Mares Baudewijns, Eckstein Der Neckar verläuft durch die Stadt, worüber ich mich täglich freue. Hat nicht jede Stadt! Mittlerweile haben wir auch eine kleine Neckarmeile, die viele Menschen anzieht und die Stadt dadurch lebendiger macht. Nicht zu vergessen unsere Parks und die wunderschöne Natur am Stadtrand, die Weinberge, die das Weindorf ermöglichen. Die Jäkbar ist eine absolute Bereicherung für Heilbronn, das Hartmans genießt Kultstatus. Last, but not least, Heilbronner Eishockey, 2. Bundesliga – läuft! SMALLTALK Hanix Nr. 53

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#ASHTAG #EILBRONN Unsere Social-Media-Rückschau zu Heilbronn. Mal spannend und unterhaltsam, oft langweilig und öde. Wir schlagen uns für euch durchs Heilbronner Twitterund Facebook-Dickicht und scrollen auch da, wo es wehtut. Bucket List: Verfolgungsjagd mit der Polizei Jede Menge Fastfood-Müll lag rund um einen PKW, der am Freitag, kurz vor 2 Uhr, einer Streife des Polizeireviers Eppingen bei der Ittlinger Stadthalle auffiel. In dem Skoda saßen mehrere Personen. Als die Beamten auf den Wagen zugingen und einer an die Scheibe der Fahrertüre klopfte, gab der Fahrer Gas. Der später festgenommene Fahrer, ein 19 Jahre alter Heilbronner, wird verdächtigt, während eines Krankenbesuchs in der Klinik einem anderen Besucher den Autoschlüssel gestohlen zu haben, um dann mit dem Skoda umherzufahren. Der Polizei gegenüber gab er an, er sei geflüchtet, weil er einmal eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei erleben wollte. Der Fahrer des Wagens ist quer durch das Strafgesetzbuch polizeibekannt. Heilbronner Stimme – Für Wildtiere im Zirkus? Als Anwalt der Vertreter, die für einen Verbleib von Wildtieren in Zirkussen sind, tat sich die Heilbronner Stimme hervor. Könnte man zumindest bei der Berichterstattung rund um den Weihnachtszirkus auf der Theresienwiese vermuten. Gleich mehrere Artikel und Schlagzeilen widmete der Medienpartner des Heilbronner Weihnachtscircus dem Thema. Beim Lesen der Texte dürften sich allen Tierschützern die Zehennägel aufrollen: »Tiger und Löwen profitieren vom Zirkus«, »Tiger und Löwen bleiben Stars in der Manege« oder »Kippt das Heilbronner Wildtierverbot?« Lediglich in Randnotizen wurden hingegen PETA- Proteste und Kritik des Deutschen Tierschutzbundes erwähnt. Wir schaffen Verbindungen und sind Ihr Wegbereiter. Asphaltbau und Befestigung großer Flächen. Weitsicht und der Blick fürs Detail. Straßenbau hat oft auch etwas mit Akrobatik zu tun: Der Spagat zwischen allen Blickrichtungen. In großen Dimensionen denken und den Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen immer im Blick haben. Das ist das Ziel. Schneider Bau GmbH & Co. KG 74076 Heilbronn · Hans-Rießer-Straße 18 Telefon 0 71 31 / 94 43 - 0 www.IhrWegbereiter.de http://www.facebook.com/IhrWegbereiter

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Von Nicolai Köppel Foto: Ulla Kühnle Climate change is real (nur damit keine Missverständnisse entstehen) Es gibt so Tage, da stellt einen das Leben an den richtigen Fleck zur richtigen Zeit 1 , und alles, was man dann noch tun muss, ist 2 das Richtige. Nun, warum ist das so schwer? Viel ist von Parallelgesellschaften die Rede, mancherorts gar vom kollektiven Unterbewussten 3 . Wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist und trotz allem ebenjener Luzifer ein Geschöpf Gottes ist und man immer auch ein bisschen was von seinen Eltern hat, dann ist Gott wohl auch ein bisschen ein Eichhörnchen 4 . Ein bisschen ist das so, als würde man »Warum« 5 fragen, und die Antwort ist immer »Weil« 6 . Man sucht Antworten, gerade zu Beginn des neuen Jahres, was traditionell der beste Zeitpunkt ist, um die erste Kolumne des Jahres zu schreiben 7 und wird von einer Ecke des einem bekannten Universums zur nächsten geschickt, so klein und dösig das Universum auch sein mag, es ist kein Stillstehen oder gemütliches Sammeln von Informationen und Kenntnissen und Informationen, sondern immer ein Wupp: hier, nee: Wupp: da 8 , und die Hälfte davon wusste man irgendwie schon oder hatte es bereits mal aufgeschnappt, nur nicht an der Stelle, für die es vielleicht gedacht gewesen war, aber es bringt auch an der richtigen Stelle nicht den gewünschten Kick 9 . Ich soll hier immer eine sogenannte Heilbronnkolumne schreiben – aber weder bin ich von hier, noch kenne ich mich hier gut aus. Die erste Kolumne vom hinteren Rand des Winters 10 ist außerdem immer die schwerste, weil man bei Kälte so selten vor die Tür kommt und also in den zurückliegenden Wochen schier nix erlebt hat 11 . Aber was ist Erleben genau? Für manche gilt ja schon Fernsehen als hinreichende Welterfahrung, für andere das Internet. Manche müssen auf den Markt und Gemüse kaufen, wieder andere brauchen Sport. Wenige nur setzen auf Veränderung als Mittel, um sich lebendig zu fühlen 12 . Aber wo und wie man sich auch herumtreibt, auf den Frühling kann man immer hoffen, weil er ja sicher kommt 13 – und wie genau er dann aussieht, weiß man im Vorfeld eh nicht genau. Man weiß ja auch vorher nicht genau, wer einen da morgens im Spiegel anguckt. Also schon 14 , vielleicht nicht auf den Verstrubbelungsgrad genau, und in die Zukunft gucken kann auch keiner. Das heißt, wenn eine Kolumnengöttin namens Karla Kolumna zukünftig das Abfassen dieser Kolumne übernähme, vielleicht könnte es die. Im Nachhinein wird es so aussehen, als hätte es genau so sein müssen 15 – also benehmen wir uns dementsprechend! ◆ 1 selbst in Heilbronn, jaja! 2 ... Trommelwirbel ... 3 Wäre es nicht mal eine Überlegung wert, ob das kollektive Unterbewusste eine multiple Persönlichkeit ist? Kommt mir logisch vor – aber das bin vielleicht nur ich *kicher* 4 bloß: ein Schwarzes oder ein Rotes? Mal ganz abgesehen davon, dass Gott natürlich auch das Eichhörnchen gemacht hat und die Familienähnlichkeit schon allein so gewährleistet sein müsste. Da beißt sich das Argument in die selbst gesammelte Nuss. 5 Psalm 115,2 6 Hebräer 5,11 7 Guten Rutsch nachträglich an dieser Stelle! 8 grässlich, gell? 9 Oder empfinden Sie das anders? 10 »vom Arsch des Winters« wäre metaphorisch auch möglich gewesen, aber ich bin von so viel Lokalmasochismus umgeben, da brauch ich nicht auch noch den wie nichtessbaren Kunstschnee auf der Bezahlpiste ausgestreuten Wettermasochismus dazu. Ohnehin schlimm, dass das althergebrachte Meckern übers Wetter bei einigen neuerdings direkt in die Sorge über das Weltklima übergeht. Mehr dazu in der übernächsten Fußnote. Nein, nicht hier unten weiterlesen! Hoch den Blick, Heilbronn! Bis gleich ;) 11 Man könnte auch sagen, dass man bei Kälte wieder mehr zusammenrückt und sich gegenseitig intensiver erfährt, und so kommt man ganz lässig aus dem Winter zurück mit einem Sack an frischem Input, den man mit dem bewährten Gestaltungsautomatismus wieder zum Output verwurstet. Tja. Siehe Kolumnenbeginn, man weiß es nicht genau. Sicher sind nur die Verzückungspotenziale mancher Dinge (Mondscheinsonate, z. B. https://youtu.be/4Tr0otuiQuU) und Menschen (gut möglich, ich meine dich damit. Ja, dich!). 12 Die zweite Fußnote über das Wetter lässt auf sich warten. Wenn das hier eine durch Ihre Steuern finanzierte Publikation wäre, fühlten sich die Macher – inklusive mir – sicher verpflichtet, ein bisschen gefälliger und ohne Widerworte abzuliefern und ein bisschen mehr auf Konsens und ist-doch-alles-super-hier und jetztdas-Wetter-mäßig zu schreiben. Aber so ist das: Jede Stadt hat das unabhängige Magazin, das sie verdient. Ob Ihr das glaubt oder nicht. Siehe die vorletzte Fußnote (»Lokalmasochismus«). 13 Und hier das Wetter: Ist es nicht zauberhaft, wie sich im Nachhinein alles so anfühlt, als hätte es genau so sein müssen? Man muss nur Geduld haben, auch und gerade mit dem Wetter. (»Kalt heute.« – »Und letzte Woche war’s für die Jahreszeit zu warm.« – »Und der Frühling wird sicher wieder zu kalt.« – »Oder zu warm.« – »So oder so ähnlich, es ist immer dasselbe.« – »Das wird wohl der nahende Weltuntergang sein.« – »Sag ich doch.«) 14 Name, Adresse, der Rest: Fake News! 15 Nicht nur die Geschichte wiederholt sich. Hanix Nr. 53 Nicolai Köppel denkt sich diese Kolumne »600 Sekunden« nicht aus, sondern lässt sie jedesmal extra passieren. Mehr gibt’s hier: www.nicolaikoeppel.de 600 SEKUNDEN – DIE STADTKOLUMNE

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Wir fördern individuelle Neigungen. Realschulabschluss Berufsfachschule: Mode und Design, Wirtschaft, Farbe und Gestaltung Abitur Technisches Gymnasium* Profil: Gestaltungs- und Medientechnik Wirtschaftsgymnasium* Profil: Wirtschaft Fachhochschulreife mit Berufsausbildung > Grafik-Designer* | > Mode Designer Samstag, 3. Februar 2018 10 Uhr bis 15 Uhr Fachhochschulreife Technische Dokumentation* und Kfm. Berufskolleg mit Übungsfirma Akademie für Kommunikation Frankfurter Str. 81 – 85 74072 Heilbronn Fon 0 71 31 / 59 493-0 | www.akademie-bw.de 5 Minuten vom Hbf HN *Jeder Schüler bekommt einen eigenen Laptop • Einkommensabhängiges Schulgeld ab 120 € / pro Monat Wir sind eine bekenntnisfreie Schule Schule & Ausbildung

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EVA SCHNEPF ist Inhaberin von Seel Schreibwaren in Heilbronn. Direkt neben dem Wollhaus befindet sich ihr Geschäft, in dem sie seit über vierzig Jahren arbeitet. Sie erzählt uns, wie ihr Lebenstraum entstanden ist und wie er täglich neu herausgefordert wird. Von Maria Sanders, Fotos: Meli Dikta Die Schreibwarenhändlerin BERUF: Schreibwarenhändlerin JAHRGANG: 1954 BERUFUNG: Heilbronn voranbringen Eva Schnepf überlegt einen Moment, als sie neben ihrem großen Schreibtisch steht. Sie erinnert sich daran, was sie beruflich machen wollte: »Das sicher nicht«, sagt sie mit einem Lächeln. Alles drehte sich damals um dieses Geschäft. Als eines von fünf Kindern hat ihr das weniger gefallen. Mit 17 lernte sie dann ihren heutigen Ehemann kennen. Er sagte zu ihr: »Nirgendwo sonst kannst du dich so sehr selbstverwirklichen wie in deinem eigenen Geschäft.« Dieser Satz prägte Eva Schnepf. Viele Jahre führte sie den Betrieb mit ihren Eltern, bekam Kinder und genoss die Zeit als Mutter. Sie wollte es bei ihren Kindern anders machen, wollte mehr für sie da sein. Mit Mitte 40 ist sie dann wieder voll in Seel Schreibwaren eingestiegen und hat später das Fachgeschäft übernommen. Unterstützt wird sie täglich von einem großartigen Team, wie sie selber sagt, in dem auch ihr Bruder Fritz Seel und ihre Tochter Franziska Schnepf Teil davon sind. Das Geschäft ist ihr Ein und Alles geworden. »Deswegen kann ich mir gar nicht vorstellen, schon wieder damit aufzuhören«, sagt die 63-Jährige kopfschüttelnd und überlegt laut, dass 70 doch auch ein tolles Alter für eine Berufstätige sei. Ihr Fahrrad hält sie fit. Jeden Tag fährt sie damit zur Arbeit. Oder einkaufen, zu Freunden oder mit ihrem Mann im Sommer in die Weinberge. Zehn Kilometer kommen da am Tag gut und gerne zusammen. Handschuhe, Mütze und eine kleine Fahrradlampe hat sie immer dabei. Und weil Eva Schnepf alles mit dem Füller aufschreibt – sogar den Einkaufszettel – darf auch der nie in ihrer Tasche fehlen. »Es gibt nichts Entspannteres, als mit dem Füller zu schreiben«, schwärmt sie und erzählt, wie die goldene Feder ihres Füllers ihre Hand regelrecht übers Papier gleiten lasse. Nach dem Krieg war das Schreibwarengeschäft der Familie Seel 1954 das erste Haus, das in der damaligen Hohestraße gebaut wurde. »Seither hat sich vieles verändert«, sagt die Heilbronnerin und zählt auf: Attraktivität der Lage, Konsumverhalten, Kaufinteressen und Märkte. Allein seit den 90er Jahren nimmt die Kundenfrequenz kontinuierlich ab. »Das Internet hat enormen Einfluss«, beschreibt Schnepf den begehrten Vertriebskanal als einen der Gründe für den Rückgang. »Wir bauen auf unsere kompetente und freundliche Beratung vor Ort mit Persönlichkeit und Leidenschaft«, so die Inhaberin. »Das ist unsere einzige Chance.« Und was macht sie eigentlich am liebsten, wenn sie Zeit hat, wollen wir gerne wissen? »Ich esse sehr gern.« Kaum zu glauben bei der zierlichen Erscheinung. »Am liebsten so, wie Thomas Pfeffer kocht«, fügt Eva Schnepf mit einem breiten Lächeln hinzu und meint die frische Küche der »Pfeffer Tagbar« ein paar Straßen weiter. Na dann bis zum nächsten Mal. ◆ Weitere Infos unter: www.seel-heilbronn.de 20 TASCHENKONTROLLE

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EVA SCHNEPF LEERT IHRE TASCHE

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»Beschde wo gibt’s, Luxus, kannsch vergesse.« In diesen drei Kategorien bewertet Tollys Vater Dinge. Gut, wirklich so richtig gut, komplett für die Tonne. Wie wohl so manch einer von uns, fällt APOSTOLOS SIM- EONAKIS (Tolly) wichtige Entscheidungen nicht so einfach und geschmeidig aus dem Bauch heraus. Was ihm bei Entscheidungsfindungen stellenweise eine Stütze ist, erzählt er uns in diesem köstlichen Gespräch. Interview: Sarah Baudenbacher Fotos: Meli Dikta Beschde wo gibt’s Hanix: Hey Tolly, es fiel dir nicht leicht, dich auf ein Lieblingsding festzulegen, denn Personen sind in unserer Rubrik nicht zugelassen. Konntest du dich entscheiden? Tolly: Ich war hin- und hergerissen. Ich hab ganz viele Lieblingsdinger, bin unter anderem ein Stuhlfetischist ... ich besitze sehr viele Stühle, die ich auch sammle. Da gibt es diesen Stuhl, den ich auf dem Sperrmüll fand. Den wollte ich zunächst als Lieblingsding bezeichnen. Aber dann hab ich mich für »Wevo« entschieden. Wevo? Ein Waschmaschinenmodell aus der ehemaligen DDR? Wevo ist ein sehr kleiner Plüschhund, an sich ein klassisches Stofftier. Den hab ich von meiner Mama bekommen. Das ist noch gar nicht so lange her. Es ist nicht so sehr der Hund an sich, der mir wichtig ist, sondern die Kombination zwischen Namen und Hund. Erzähl uns die Geschichte, die dahinter steckt. Vor 14 Jahren habe ich eine Küche gesucht aber irgendwann hatte ich die Schnauze voll. »Jetzt zuschlagen für 30 Prozent Rabatt«, oder du gehst rein ins Küchenstudio und der Verkäufer sagt: »Ich rede mit dem Chef, dann gibt es vielleicht nochmal zehn Prozent. Aber nur heute!« Das hat genervt, weil alle Küchenverkäufer »nur heute« die Gelegenheit fürs Leben suggerierten. Ein Freund hat mir dann jemanden empfohlen. Ein Verkäufer, der einfach nur seinen Job macht und sagt »Hey, wir haben Küchen, das ist der Preis.« Dieser Mann arbeitete in einem unscheinbaren Laden in Böckingen. Ich bin direkt hingefahren. Der Laden hieß »Wevo«. Mir kam dann ein Mann entgegen, 1,65 m groß, knuffiger Typ, etwas untersetzt, volles grau-braunes Haar, viel Pony, so ein bisschen wie der Sänger von Iron Maiden in den 70ern. Ich fand seine Erscheinung super, ein Mensch, der superfreundlich war. Nicht dieser aufgesetzte Verkäufertyp, dieser kleine Mann strahlte wahrhaftige Freundlichkeit aus: »Hallo, hallo, hallo, kann ich Ihnen was anbieten, trinken sie was? Piccolo, Zigarette, Cognac?« Also hat er sich erst mal eine Zigarette angemacht. Fand ich geil. »Stört Sie nicht, oder?« Und wir reden hier nicht vom Jahr 1983, sondern von 2004. Das Gespräch über meinen Küchenwunsch ging dann so los, dass ich mich für eine Arbeitsplatte aus seinem Sortiment interessierte. Die fand ich nicht schlecht, »diese Grau-braune da hinten«, beschrieb ich. »Grau-braun? Haben wir nicht!« Ich lotse ihn also durch sein Küchenstudio zur grau-braunen Arbeitsplatte … und: Die war nicht grau-braun, die war einfach voll verstaubt. Er hat ordentlich drüber gepustet: »Die isch weiß.« Was für ein genialer Typ! Er war damals übrigens ziemlich erfolgreich. Ich wollte dann wissen, wofür der Name »Wevo« steht? »Für Werner Vogt.« Es war der Name seines Vaters, der das Unternehmen gegründet hatte. Ich mochte den Typ. Wann kam Hund Wevo dann in dein Leben? Ungefähr ein Jahr nach dieser Küchenstory war ich bei meiner Mutter zum Essen, als sie von McDonald’s-Happy-Meal-Stofftieren in ihrem Keller erzählte. Also wollte ich, dass sie mir zeigt, was sie so hat. Und dann war der hier dabei. Ich fand den einfach so untypisch, so »stand alone« und er machte einfach gar keinen Sinn. Er hat mich sofort an Wevo erinnert. Das war 1:1 die Iron-Maiden-Frisur von Werner Vogts Sohn. Also hat der Stoffhund den Namen bekommen. Das erinnert mich an diesen schmissigen Makler aus »Mieten, Kaufen, Wohnen« mit seinen nach hinten geschmalzten Locken, der jede Küche, und mag sie noch so schäbig sein, völlig euphorisch als »Bella Cucina« anpreist. Beschde wo gibt’s. Die »Bella Cucina«? Das ist ein Spruch von meinem Vater. Kann nur noch gesteigert werden durch den Begriff: »Luxus.« Wenn etwas nicht von Wert ist: »Kannsch vergesse«. Diese drei Kategorien zeichnen bei ihm die Wertschätzungen des Lebens aus. Meine Freunde sagen immer, mein Vater sei ein Philosoph, weil er alles auf ein Minimum begrenzen kann. »Beschde wo gibt’s, Luxus, kannsch vergesse.« Großartig. Aber zurück zu Wevo. Siehst du Werner Vogts Sohn immer noch in ihm, wenn du ihn heute anschaust? Ja, der Hund konserviert eine Erinnerung! Er ist ein treuer Begleiter. Wenn ich in den Urlaub fahre, ist er dabei, oder bei wichtigen Präsentationen. Er hilft mir bei Entscheidungsfragen. Er ist auf meiner Seite, von Anfang an, ich musste ihn nicht für mich gewinnen. Was für mich wichtig ist, bei meinen Lieblingsdingern: Sie dürfen nicht perfekt sein. Wenn man Wevo anschaut, stellt man fest, dass der eine Arm länger ist als der andere, die Augen MEIN LIEBLINGSDING Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 NAME: Apostolos Simeonakis (Tolly) ALTER: 45 BERUF: Druckvorlagenhersteller/ Selbstständiger (Inhaber Flumoto GmbH) BERUFUNG: Architektur WÜRDE SEIN LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: House Stahl von Pierre Koenig (Case Study House No. 22) stehen nicht parallel. Er ist einfach wie ein Mensch, da ist nix perfekt. Der richtige Wevo, also sein Sohn, ist leider vor einiger Zeit gestorben. Seither ist der Hund mir noch wichtiger geworden. Wusste Original-Wevo davon, dass ein imperfekter Plüschhund nach ihm benannt wurde? Ich weiß garnicht, ob ich es ihm gegenüber erwähnt hatte. Ich habe jedenfalls vor Kurzem gegenüber einem anderen Dienstleister von mir erwähnt, dass ein anderes Stofftier nach ihm benannt ist. Es gab mal die Druckerei »Emil Stahl« in Heilbronn und der Inhaber der Druckerei hat es nie geschafft, sich glatt zu rasieren. Er hatte immer noch so ein paar Stoppeln übrig. Irgendwann hatte ich mal bei Ikea ein Stofftier gesehen, was zwischen all den anderen 150 Stofftieren Knötchen im Gesicht hatte. Und ich dachte: »Das ist Stahl.« So haben Stofftiere bei mir ihre Geschichte. Aber »Wevo« ist mir sehr ans Herz gewachsen. Es gibt einfach Leute, über die man sich, auch wenn man mit ihnen keinen privaten Kontakt hat, freut, wenn man sie sieht, weil man weiß, dass sie herzlich und authentisch sind. Das gibt es nicht so häufig. Zum Beispiel die »Familie Feinkost Müller«, die deren Ware immer anmoderiert haben, wie Karl Moik das Musikantenstadl. Ich finde es toll, dass es solche Menschen gibt. Was bedeutet dir Wevo? Du meintest, du kannst ihm alles erzählen ... Es kann durchaus vorkommen, dass ich im Vorbeigehen mal frage: »Wevo, was würdest du jetzt machen?« Er weiß ja gar nicht, worum es geht, weil er weder Verstand noch Herz hat. Wenn ich mich mit Wevo unterhalte, ist es ein Selbstgespräch. Man sagt ja, Menschen sollten sich selbst öfter reflektieren. Ich spreche in Situationen, die mich beschäftigen, dann einfach mit Wevo und er schaut mich an und sagt nix. Manche machen eine Pro- und Contraliste, werfen eine Münze, fragen das Universum. Im Prinzip ist das alles fürn Arsch, weil du so entscheiden wirst, wie du dich entscheiden willst. Aber dieser Prozess, sich mit etwas auseinanderzusetzen oder etwas an sich heranzulassen, ist wichtig. Andere sagen auch Achtsamkeit dazu. ◆ APOSTOLOS SIMEONAKIS NEUE KOMMUNIKATION FÜR INTERNATIONALE KUNDEN. Mitten in Heilbronn und an 6 weiteren Standorten. Chancen zum Dialog zwischen Menschen, Marken und Maschinen gibt es täglich neue – damit unsere Kunden sie optimal nutzen können, bieten wir ein ganzheitliches Leistungsspektrum: Von innovativer Beratung und kreativen Ideen über verbindliches und zuverlässiges Projektmanagement bis hin zu effizienter Werkbank. WIR SUCHEN DICH! Als Kreativitätsschleuder, Kundenversteher, Innovationstreiber oder Verkaufsförderer. jobs.camao.one

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Friedemann Orths, Fotos:Ulla Kühnle Klettern und Bouldern in der Kletterarena Auch wenn wir uns größtenteils in der Waagerechten bewegen, liegt das Klettern uns Menschen doch im Blut. In Zeiten, in denen uns noch wilde und vor allem deutlich schnellere Bestien durch die Natur jagten, war der einzige Weg zu überleben oft nur der in die Vertikale – auf Bäume oder Felsen. Glücklicherweise ist das Erklimmen luftiger Höhen inzwischen nicht mehr zwingend überlebensnotwendig, weshalb sich Klettern zu einem beliebten und vielseitigen Sport entwickelt hat. Kein Wunder, schließlich zieht die Faszination, alleine, nur durch ein (oder gar kein) Seil gesichert, an einer Wand zu kleben, die eigenen Muskeln zu spüren und genau zu wissen, dass der kleinste Fehler den Absturz bedeuten kann, viele in ihren Bann. Wer die Action am eigenen Leibe erleben möchte, dem bietet die Kletterarena in der Lichtenbergerstraße nahezu alles, was sich das Kletterer- und Bouldererherz wünscht. Grob ist die Arena nämlich in drei Bereiche unterteilt: den Boulder-, den Kletter- sowie einen Trainingsbereich. Auf etwa 2000 m² Kletterfläche und einer Maximalhöhe von 18 Metern kann man sich austoben – vorausgesetzt, man besitzt einen Toprope-Schein, im Kletterbereich, der auch eine Wettkampfwand beinhaltet, voll und ganz austoben. Selbstverständlich bietet die Kletterarena Kurse an, nach deren Absolvierung man sich an allen künstlichen Kletteranlagen bewegen darf. Damit niemandem langweilig wird, werden die Griffe regelmäßig ausgetauscht und von Profis »umgeschraubt«, was neue Routen hoch in die Wand ermöglicht. Etwa 120 verschiedene Wege, die Wand hochzukraxeln, werden in der Kletterarena angeboten. Natürlich gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, die man anhand der Farben der Griffe erkennt: Während man sich bei den einfacheren Routen noch relativ leicht an großen, gut zu greifenden Griffen festhalten kann, bieten die Griffe auf den schweren Wegen für Ungeübte kaum Halt und sind teilweise so winzig, dass man sich nur mit zwei Fingern festklammern kann. Ebenso variieren die Abstände zwischen den Halt gebenden Elementen, was für spektakuläre Verrenkungen sorgt. Beim Erklimmen der Wand merkt man, bis man den Blick nach unten richtet, oftmals gar nicht, wie hoch man plötzlich ist, da man sich so auf die Griffe und den eigenen Körper konzentriert. Wer direkt loslegen und einfach mal in die Welt des Kletterns reinschnuppern möchte, für den ist das Boulderareal mit 540 m² Boulderfläche bestens geeignet. Bouldern, das Kletten in Absprunghöhe ohne Sicherung, erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit, da keine Vorkenntnisse benötigt werden, dem Schwierigkeitsgrad jedoch kaum Grenzen gesetzt sind – getreu dem Sprichwort »easy to learn, hard to master«. Denn ähnlich wie beim Klettern stellen sich dem Sportler die verschiedensten Probleme, die es beim Bewältigen des Hindernisses zu lösen gilt: So kann es sein, dass man schon mal über Kopf unter einem »Fels«-Vorsprung hängt, um ans vorher festgelegte Ziel zu gelangen. Ein »Boulderproblem« besteht zumeist nur aus vier bis acht Kletterzügen, diese verlangen dem Boulderer aber das Maximum an Kraft und Technik ab. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass viele das Klettern oder Bouldern inzwischen als Alternative zum Fitnessstudio nutzen. Im hauseigenen Trainingsbereich bietet die Kletterarena verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Körper zu stählen: Neben klassischen Geräten für die Oberkörpermuskulatur kann man sich aber beispielsweise auch an einer Systemwand und dem »Steckbrett« voller Löcher, in die man seine eigenen Griffstangen stecken und sich dann daran hochziehen muss, quälen. Auch diverse Kleingeräte wie Hanteln und Medizinbälle stehen zur Verfügung. Für absolute Neulinge bietet die Kletterarena Schnupperklettern und einen Boulderstar- ABENTEUER UM DIE ECKE Hanix Nr. 53 Das Hanix »Abenteuer um die Ecke« wird präsentiert von

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ter-Kurs an, Fortgeschrittene und Profis, die bereits Kletterscheine besitzen, können sich alleine bzw. mit ihren Kletterpartnern im Areal vergnügen. Eine große Vielfalt an Trainingsmöglichkeiten und Schwierigkeitsgraden gewährleistet, dass auch regelmäßigen Besuchern nie langweilig wird. Fazit: Bouldern und Klettern sind wahnsinnig anstrengend und erfordern Kraft, Ausdauer und Technik. Egal ob in Absprunghöhe am Boulderpilz, gesichert an der Wand oder im Fitnesssareal, in der Kletterarena wird der eigene Körper ausgepowert. Gleichzeitig geht es aber auch darum, Probleme und Aufgaben, die die festgelegten Routen dem Kletterer stellen, zu bewältigen und im wahrsten Sinne des Wortes »Lösungswege« zu finden – das alles, während die Muskeln stärker schmerzen und der Boden sich immer weiter entfernt. Der Blick die Wand hinunter oder das Gefühl, mit brennenden Oberarmen eine besonders schwierige Route gemeistert zu haben, sind einfach toll und befriedigend. ◆ SCHWIERIGKEITSGRAD: mittel bis schwer DAUER: 2–4 Stunden ORT: DAV Sektion Heilbronn e.V. Lichtenbergerstraße 17 74076 Heilbronn AUSRÜSTUNG: bequeme, sportliche Kleidung und Schuhe KOSTEN: Schnupperkurs: 15 €, eine ausführliche Preisliste mit Tages-, Monats- und Jahreskarten gibt es auf der Homepage. TIPP: Kursangebot und -anmeldung, Preise und weitere Infos: www.diekletterarena.de Qualität, Kompetenz & Genuss - Vielfalt in einem Haus HAGEN RÖSTEREI RÖSTHANDWERK SEIT 1934 HAGEN RESTAURANT FRÜHSTÜCK . MITTAGSTISCH . EVENTS HAGEN KAFFEE KAFFEESPEZIALITÄTEN AUS ALLER WELT HAGEN TECHNIK MASCHINEN . SCHULUNGEN . SERVICE HAGEN SEMINARE KAFFEE . TEE HAGEN KULTUR HAGEN DEKO THEATER & MUSIK HOME & GESCHENKIDEEN Willy Hagen GmbH - Kaffee-Tee-Spezialhaus - Christophstraße 13 - 74076 Heilbronn - Tel: 07131-15554-0 - www.hagenkaffee.de Kapitel Öffnungszeiten - Mo - Fr: 8:30 - 18:00 Uhr Sa: 8:30 - 16:00 Uhr - Sonntags und an Feiertagen geschlossen

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MICHAEL »ED« BRÄHNE übernimmt das Mobilat. Von Leonore Welzin Fotos: Meli Dikta Subkulturelle Doppelsocke Mobilat – der Name ist Programm: Ob als Schmerz-Gel mit dem Slogan »Schnell wieder mobil« oder als Szene-Club in der Salzstraße. Im Hotspot urbaner Mobilmachung trifft sich seit der Gründung vor 21 Jahren Heilbronner Subkultur. Mit Gästen wie Harry Rowohlt, Wiglaf Droste, Max Goldt und Mani Neumeier von Guru Guru hängte das Gründer-Duo Jochen Wieland und Pierre Gattinger 1997 die künstlerische Messlatte der Underground-Unterhaltung hoch. Seit Januar 2018 ist Michael »Ed« Brähne neuer Mitinhaber des kultigen Kellerclubs mit Auslauf im Hinterhof. Wieland bleibt dem Mobilat beratend erhalten. Brähne, Jahrgang 1979, stammt aus Bad Friedrichshall. Er hat in Tübingen Politik- und Empirische Kulturwissenschaften studiert. Seit Mitte der 1990 Jahre ist er in der Rap- und Graffiti-Szene aktiv. Die erste federführend mit organisierte Veranstaltung war das Hip Hop-Event »Millennium« (1999), eine Großveranstaltung in der Ballei Neckarsulm. »Im Jahr 2000 fing der Hype des deutschsprachigen Rap an«, sagt Brähne, der schmunzelt, wenn er dran denkt, dass man damals unter Hanix Nr. 53 KULTUR

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Jugendkultur firmierte und ständig auf der Suche nach Veranstaltungsorten war und im Alpen-Vereinsheim gerappt wurde. Rapper der Region verbanden sich zum Kollektiv Wortsport. 2002 traten sie erstmals im Mobilat auf: »Dreieinhalb Stunden live, mit DJ und vielen Wortsport- Künstlern«, erinnert sich Brähne. Wenig später bekommt die Wortsport Lounge einen festen Platz im monatlichen Termin-Kalender des Mobilats. Der Club, der ein breit gefächertes Programm aus Musik (Techno, House, Reggae, Dance Hall, Alternativ Rock, auch Metal, Britpop, Gothic und Hip Hop) und Literatur anbietet, wird zur Homebase der Sprachartisten. Brähne steigt ins Musikgeschäft ein, macht Wortsport Productions (WSP) zum erfolgreichen Label. Mit der (musikalisch-literarischen) Doppelsocke als Logo ist WSP mittlerweile prägend für das Mobilat und über die Region hinaus bekannt. Insofern liegt es nahe, dass der Chef des Labels nun auch den Club leitet. Das Konzept des Mobilats will Brähne beibehalten, das Programm hat sich bewährt. Was er sich wünscht, sind etwas mehr Live-Bands. In Sachen Literatur läuft bereits eine Frischzellenkur, 2017 gab es jede Menge Lesungen mit jüngeren Autoren: Manuel Möglich mit »Deutschland und überall«, Dennis Gastmann mit »Atlas der unentdeckten Länder« und auch Max Goldt war wieder da. Einst Heizkeller und Motorradwerkstatt hat das Mobilat den Charme des Unterirdischen und die Patina der 80er. Der neue Geschäftsführer ist optimistisch: »Für junge Leute, die sich bewusst entscheiden, ihren Lebensentwurf anders anzugehen, ist ein Laden wie das Mobilat wichtig«. Wieland blickt zurück auf die Anfänge: »Wir wollten weg vom Hochglanzgetue und ehrliche Unterhaltung mit Inhalt bieten, wie ich das Ende der 80er, als ich in Berlin gelebt und gearbeitet habe, im SO36 und anderswo erlebt hatte.« Unabhängig wollen sie bleiben, lehnen eine Ausfallbürgschaft der Stadt ab, suchen bezahlbare Räumlichkeiten: »Den Keller konnten wir zuerst gar nicht besichtigen, da das Wasser knöcheltief drinstand. Also mussten wir erstmal trockenlegen, bevor wir das Ganze sanieren konnten«. Von den handwerklichen Qualitäten der Macher zeugt unter anderem die stabile Theke aus gusseisernen Teilen der ehemaligen alten Heizungsanlage. Einfallsreich werden Formate ausprobiert: »Wir hatten achtmal Kunst gegen Bares: ein Abend, eine Bühne, acht Künstler, acht Sparschweine, acht Mal zehn Minuten ganz viel Spaß. Am Ende kürt das Publikum den Sieger des Abends: das Kapitalistenschwein. Denn, ob der Vortrag gefallen hat, erkennt der Künstler am Inhalt seines Sparschweins«, so Wieland. Und wie kam es zu dem Namen? Der Name Mobilat wurde in feuchtfröhlicher Runde entwickelt, dabei ging es um den Zusatz »damit ihr besser funktioniert«, erinnert sich Wieland dunkel: »Die Einen sagen, das wäre eminent politisch, ich meine aber, das war einfach der größte Lacher.« ◆ Unser brennt für Outdoor! Bekleidung für extreme Bedingungen HighTech Navigation bringt Sie auf den richtigen Weg Alpine Kletterrucksäcke & feinstes Equipment Funktionelle Baselayer für jede Jahreszeit KULTUR

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Die Heilbronner Red Devils haben ihre erste Bundesligasaison hinter sich – nach einem ziemlich überraschenden Aufstieg direkt aus der Regionalliga. In den Playoffs war sogar erst im Viertelfinale gegen den Topfavoriten Wacker Burghausen Schluss. Was war da also in der vergangenen Zeit in Neckargartach los? Von Friedemann Orths, Fotos: Nico Kurth Hanix Nr. 53 Die Stadt braucht die Red Devils Die Menge in der Römerhalle in Neckargartach jubelt. Soeben hat Frank Stäbler, Weltmeister 2017, seinen Gegner in nur 53 Sekunden spektakulär auf die Schultern befördert und damit den Kampf direkt gewonnen. Im letzten Heimkampf der Hauptrunde können die schon sicher für die Playoffs der Bundesliga qualifizierten Red Devils einen ungefährdeten 24:5-Sieg gegen die RKG Freiburg 2000 verbuchen – und das in beeindruckender Weise. Plötzlich Bundesliga Beeindruckend ist überhaupt die gesamte Saison, die der VfL Neckargartach im SV Heilbronn am Leinbach Abteilung Ringen, so der etwas sperrige, offizielle Name der »Red Devils« Heilbronn, in seinem ersten Bundesliga-Jahr zeigt. Den Kampfnamen gab sich der Verein im März 2017, um als frischgebackener Bundesligist seine Zugehörigkeit zum Stammverein SV Heilbronn und der Stadt zu zeigen. Dabei hatte man, als Zweiter der Regionalliga Baden-Württemberg, noch vor Saisonbeginn gar nicht damit gerechnet, überhaupt in der Bundesliga anzutreten: Erst eine Ligareform des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) ermöglichte den Red Devils, überraschend in der höchsten Klasse an den Start zu gehen. Die Zweite Bundesliga, in welche die Neckargartacher Ringer eigentlich aufgestiegen wären, wurde durch die Reform in die erste Liga eingegliedert. Somit hätte der Erstplatzierte der Regionalliga, ASV Nendingen II, nach dem Aufstieg gegen seine eigene, erste Mannschaft antreten müssen. Deshalb ging der Startplatz eben an den zweitplatzierten VfL Neckargartach – eine Riesenchance, die der Verein um Abteilungsleiter Jens Petzold nun eindrucksvoll genutzt hat. SPORT

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Hanix Nr. 53 Heilbronner Aushängeschild Petzold, dessen beeindruckende Statur schon vermuten lässt, in welchem Sport er aktiv ist, stammt selbst aus Neckargartach, ist dort aufgewachsen und entschied sich schon früh für den Ringsport. »In Neckargartach gab es immer zwei Möglichkeiten: Entweder geht man zum Fußball oder zum Ringen,« erklärt Petzold. »Ich entschied mich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern für den Ringsport«. Der 1924 gegründete Verein ist Fans und Interessierten sowieso bekannt und kann besonders ab den 1950er-Jahren eine erfolgreiche Historie vorweisen. Bis heute bringt Neckargartach regelmäßig Spitzensportler hervor, die nicht nur auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene Erfolge feiern – auch bei internationalen Turnieren wie Europa- und Weltmeisterschaften konnten in Neckargartach ausgebildete Ringer Medaillenerfolge verbuchen. Einen sehr großen Anteil an den Errungenschaften hat dabei Jugendtrainer Rolf Friebe, der seit mittlerweile 40 Jahren im Verein tätig ist und, so Petzold, »unzählige Talente nach oben gebracht hat.« Jens’ Brüder Lars und Dirk errangen für den Verein in den Achtzigern und Neunzigern zwei Silber- und drei Bronzemedaillen bei den Deutschen Meisterschaften. Und mit Eduard Popp erkämpfte sich ein Eigengewächs bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio einen starken fünften Platz, der ihm zusätzlich den Titel »Unterländer Sportler des Jahres«, gewählt von der Leserjury der Heilbronner Stimme, einbrachte – was die Bekanntheit und Relevanz des Vereins auch außerhalb der Ringergemeinde und RED DEVILS HEILBRONN Region noch steigerte. Popp verlängerte zudem nach dem Aufstieg seinen Vertrag und setzte somit ein deutliches Zeichen: Der Lokalmatador wird auch in der Bundesliga für seinen Heimverein auf der Matte kämpfen. Der Ringkampf, eine der ältesten Sportarten überhaupt und Teil des klassischen Fünfkampfes der Antike, lässt sich in zwei Stile unterteilen: Griechisch-Römisch und Freistil. Während im Ersteren nur der Oberkörper ab der Gürtellinie des Gegners angegriffen werden darf, kann im Freistil der gesamte Körper, also auch die Beine, bearbeitet werden. Ziel ist es, den Gegner mit beiden Schulterblättern auf die Matte zu »pinnen«, was den Kampf auch sofort beendet. Weiterhin werden Punkte für gelungene Griffe und Würfe vergeben; landet keiner der beiden Kontrahenten auf den Schultern, gewinnt der Ringer, der am Ende des Kampfes die meisten Punkte sammeln konnte. Schläge, Tritte und Würgen sind selbstverständlich verboten und wie bei allen Kampfsportarten hat der Respekt gegenüber dem Gegner einen hohen Stellenwert. Sozialer Halt Welchen Stellenwert Vereinsstrukturen haben und wie wichtig das soziale Umfeld eines Vereins sein kann, macht Jens Petzold deutlich. »Natürlich ist ein Verein auch ein Auffangbecken und gibt sozialen Halt. Meine Brüder und ich haben uns dort immer gut aufgehoben gefühlt. Als junger Kerl habe ich das Vereinsleben richtig genossen – ich habe dem Verein viel zu verdanken«. Nach seiner sportlichen Laufbahn bei den Ringern verließ Petzold aus beruflichen der laden für …tolle geschenke ...ausgefallene postkarten ...coole kindersachen ...und vieles mehr! Biedermanngasse 15 | 74072 heilbronn www.tipi-heilbronn.de www.facebook.com/tipi.heilbronn� BIOLAND BETRIEB LAND-WIRTSCHAFT vom Biobauern Frische Eier, aromatische Kartoffeln, Craft-Bier! Vielfältiges Käsesortiment – regional bis europäisch – wir haben die Orginale! Biohofladen klein & fein Öffnungszeiten: Freitags von 10:00 bis 18:30 Uhr durchgehend geöffnet Samstag von 9:00 bis 12:30 Uhr Ökologischer Landbau & kleine Bio-Brauerei Wimpfener Straße 24/1 · 74172 NSU-Obereisesheim Telefon 07132.43427 · Telefax 07132.44085 e-mail: lang@naturkost-lang.de www.naturkost-lang.de

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Gründen den Verein, nur um dann 2011 als Abteilungsleiter einzuspringen: Damals bestand die Gefahr, dass der Verein die Ringerabteilung auflösen könnte, weshalb er der Anfrage gerne nachkam und mit einem schlagfertigen Team die Abteilung Ringen, damals fast aus der Verbandsliga abgestiegen, übernahm. »Gemeinsam haben wir Strukturen geschaffen und sind jetzt in der Bundesliga – das war damals natürlich nicht abzusehen«, fasst der Neckargartacher, bei dem man die Leidenschaft für »seinen« Verein regelrecht spüren kann, zusammen. Zwei einmalige Chancen Petzold und sein Team verstehen es, strukturiert zu arbeiten. Als der Verein nach der Ligareform Ende 2016 vor der Wahl »Zwangsaufstieg« in die erste Liga oder Zurückstufung in die Verbandsliga stand, handelten die Verantwortlichen schnell und nahmen die Herausforderung, den VfL Neckargartach bundesligatauglich zu machen, an. Ein wichtiger Schritt hierbei war die Vertragsverlängerung von Eigengewächs Eduard Popp, die ein wichtiges Signal sendete: Neckargartach mit seinem Olympia-Fünften ist bereit für die Bundesliga. Und genau diese Verlängerung sorgte für einen kleinen Schneeballeffekt bei der Akquirierung neuer Talente. Denn die gute Arbeit des Vereins sollte schließlich noch zusätzlich belohnt werden: Einige Vereine aus der Bundesliga hatten sich 2016 vom Deutschen Ringer-Bund (DRB) abgespalten und die Deutsche Ringer-Liga (DRL) gegründet. Der Streit zwischen den beiden Verbänden sorgte dafür, dass der Weltverband UWW gemeinsam mit dem DRB beschloss, dass Ringer, die in der DRL kämpfen, nicht an internationalen Turnieren teilnehmen dürfen – für die betroffenen Ringer natürlich inakzeptabel. Dies führte dazu, dass zahlreiche Toptalente auf der Suche nach einem neuen Verein waren. Und der VfL nutze diese einmalige Chance und sicherte sich, mit der Vertragsverlängerung von Popp im Rücken, vor Beginn der neuen Saison mit Pascal Eisele (WM-Bronze 2017), Stefan Kehrer (Deutscher Meister 2017), Fabian Fritz, Bogdan Eismont und Etka Sever (Europameister 2016, U23) schon im März echte Spitzenringer, die zu Teilen auch im deutschen Nationalteam ringen. Im April unterschrieb mit Frank Stäbler schließlich der Weltmeister von 2015, der dann im August 2017 in Paris, schon als Red Devil, erneut Weltmeister wurde. RED DEVILS HEILBRONN Hanix Nr. 53

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Erste Saison – voller Erfolg Und so war es auch keine allzu große Überraschung, dass die Red Devils in ihrer ersten Bundesligasaison voll durchstarteten. »Wir wussten, dass wir bundesligatauglich sind, aber dass wir jetzt sogar in den Playoffs so weit gekommen sind, konnten wir nicht absehen,« fasst Petzold die Erwartungshaltung vor der Saison zusammen. Zu Saisonbeginn im September wurden alle drei Heimkämpfe gewonnen, die Red Devils starteten perfekt in die Saison. Nach drei Niederlagen gegen die Favoriten Mainz und Adelshofen rutschte das Team schließlich auf den dritten Platz in der Tabelle ab. Laut Petzold verschmerzbar und die Kritik für einen Liganeuling »Jammern auf hohem Niveau.« Die Truppe setzte sich im Achtelfinale gegen Hallbergmoos durch und verlor dann gegen Titelfavorit Wacker Burghausen – doch egal wie weit die Red Devils in den Playoffs schließlich gekommen sind, »die Endrunde ist Zugabe und die gesamte Saison ein Riesenerfolg«, so Petzold. Auch dass der Club zu den zuschauerstärksten der Liga gehört, ist ein Indiz dafür, dass alle im Verein einen außergewöhnlichen Job machen. »Das erfüllt uns wirklich mit Stolz,« sagt Petzold, »allerdings haben wir vor der Saison auch einiges dafür getan, um den Zuschauern eine gute Show zu bieten.« Einen gewissen Eventcharakter sollen die Heimkämpfe haben, weshalb bei den Red Devils eigene Cheerleader – stilecht mit roten Hörnern – sowie Musik und Lichteffekte für Stimmung sorgen. »Wenn du einen Weltmeister im Team hast, musst du den auch präsentieren,« erklärt Petzold und verweist auf das Marketing-Team um Leiter Ralf Scherlinzky und die Helfer des Vereins. Etwa 50 bis 60 Leute sind bei den Heimkämpfen im Einsatz und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. »Deshalb ist unser Erfolg auch ein Verdienst des gesamten Teams. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und sind in dieser Hinsicht sogar mehr als bundesligatauglich,« stellt Petzold fest – was auch schon die Konkurrenz bemerkt hat, die etwas neidisch nach Neckargartach ob der tollen Stimmung und Zuschauerzahlen blickt. »Dennoch hatten wir auch zu Zweitligazeiten in den Neunzigern immer einen guten Zuschauerschnitt. Wir sind eben ein Traditionsverein,« merkt Petzold stolz an. Und dass dieser Traditionsverein auch in den kommenden Bundesligasaisons einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, steht außer Frage. In Neckaragartach ist etwas gewachsen, das sich nun fest verwurzeln kann – allerdings nur, wenn die Unterstützung durch Sponsoren und Publikum weiterhin auf demselben Niveau bleibt. »Nach der ersten Saison muss ein Schlussstrich gezogen und die finanzielle Seite genauer betrachtet werden, dann wird entschieden, ob wir uns für die nächste Saison melden,« erklärt Petzold. »Hier steht noch eine Menge Arbeit bei den Sponsoren an, um unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen zu können – wir brauchen die gesamte Region, um den Bundesligaspitzensport hier zu etablieren.« Und wenn man sich umschaut in der Käthchenstadt, gibt es schließlich nicht allzu viele etablierte Bundesligavereine, weshalb man durchaus behaupten darf, dass die Stadt auch die Red Devils braucht. ◆

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Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und Hanix haben Akteure aus dem Gesundheitswesen und der Kultur- und Kreativwirtschaft bei einem zweieinhalbtägigen Innovationcamp im Heilbronner insel-hotel zusammengebracht. Mit erstaunlichen Erfolgen. Von Matthias Marquart , Fotos: Ulla Kühnle Ohne Heilbronn ist Heilbronn kreativer Ja, mit der Kultur- und Kreativwirtschaft ist es so eine Sache. Zwar ist sie es, die maßgeblich zum Flair, der Dynamik und Entwicklung einer Stadt beiträgt, doch sie kostet eben auch ab und an ein wenig Geld und vor allem die Bereitschaft Neues, Ungewöhnliches zuzulassen und zu fördern. Und eben darin sind die Köpfe in Verwaltung und zuständigen Gremien leider meist wenig kreativ. Da werden oft schon die ersten ungewöhnlichen Ansätze im Keim erstickt und nach dem Motto: »wo kommen wir denn da hin / das haben wir noch nie so gemacht / das gab’s noch nie / wir machen das, wie immer«, verfahren. Das soll sich in Heilbronn nun allerdings ändern, wenn man Heilbronns erstem Bürgermeister Martin Diepgen Glauben schenken möchte, der als Leiter des Dezernats II unter anderem für Wirtschaft und Finanzen sowie die Stabsstelle Wirtschaftsförderung zuständig ist. Beim »Schrittmacher Innovationcamp« der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung, des daran angeschlossenen Kompetenzzentrums und Hanix als Organisator ließ er zur Begrüßung, nach einer Lobeshymne auf die dynamische Entwicklung der Stadt Heilbronn, jedenfalls verlauten, dass die Stadt Heilbronn 2018 beginnen werde, eben jene Kultur- und Kreativwirtschaft verstärkt zu fördern. Schön wäre das – denn an wirklich großen Taten kann sich die Stadt in diesem Bereich bisher wirklich nicht rühmen. Gesundheitswesen trifft Kreative So haben diesmal andere die Initiative ergriffen. Umso erstaunlicher, als dass es sich dabei um Verwaltungen innoch viel größerem Stil – nämlich auf Bundesebene – handelt. Diese sind anders als die Komunalpolitik vor Ort scheinbar bereit, einen Sprung zu wagen. Ein Sprung, der wichtig, nötig und auch wirtschaftlich sinnvoll ist. So hat sich auf Bundesebene die Erkenntnis durchgesetzt, dass – sofern man die Kultur- und Kreativwirtschaft mal auf klassische Branchen loslässt – Synergien und wirtschaftlich positive Entwicklungen entstehen. Und beim Innovationcamp in Heilbronn war das Gesundheitswesen im Visier. Zweieinhalb Tage intensiver Austausch zwischen Künstlern, Managern, IT-lern, Architekten, Fotografen, Designern, Ärzten und Pflegern aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, um nur einige Branchen zu nennen, die hier »aufeinanderprallten« und die normalerweise keine oder nur wenig Berührungspunkte haben. Entsprechend vorsichtig und teilweise noch mit klassischen Vorurteilen und daraus resultierenden Vorbehalten, ob ein derartiges Projekt Früchte tragen könne, gingen die Akteure in vier Workshops an die Arbeit. »Simulation in der Medizin«, »Raumdesign in der Kinderklinik«, »Nachwuchskräfterecruiting für die Alten- und Krankenpflege« sowie »Changeprozesse für das Be- und Entlohnungssystem im Gesundheitswesen« waren die Themen, die in den mit je 15 Teilnehmern, einem Mentor sowie einem Fallgeber besetzten Teams behandelt wurden. Susan Barth, Mentorin für die »Changeprozesse«, brachte die Erwartungshaltung nahezu aller Teilnehmer auf den Punkt: »Ich wünsche mir, dass die Menschen, die sich hier versammelt haben und zusammenkommen, offen sind und gemeinsam denken, sodass etwas Neues entstehen kann. Was das sein wird, ist noch unklar.« Ganz ähnlich sah es auch Matthias Leitner, Mentor des Workshops »Fach- und Nachwuchskräfterecruiting für die Alten- und Krankenpflege«: »Es sollte keiner mit vorgefertigten Erwartungshaltungen herkommen. Ich erwarte mir Offenheit, Nachsicht und ›Flughöhe‹. Die Teilnehmer sollen sich trauen, groß zu denken.« Neue Ideen und konkrete Lösungsvorschläge Nach zweieinhalb intensiv genutzten Tagen mit faszinierenden Impulsvorträgen ging es dann an die Vorstellung der Ergebnisse. Und was die Teams da präsentierten, konnte sich wahrlich sehen lassen. So wählte das Team des Workshops »Changeprozesse für das Be- und Entlohnungssystem im Gesundheitswesen« beispielsweise einen konkreten Fall, der aus dem Umbau der SLK-Kliniken entstand (die Gruppe wählte exemplarisch den HNO-Bereich): Da wurden mehrere Stationen zu einer großen zusammengelegt und neben weiteren Umstrukturierungsmaßnahmen unter anderem ein rotierendes Personalsystem eingeführt. Ständig wechselnde Patienten und Teams waren dabei die Folge. Dies führte zu Unzufriedenheit WIRTSCHAFT Hanix Nr. 53

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LEUCHTEN WOHNEN ACCESSOIRES GESCHENKE beim Personal, das keinen Bezug mehr zum einzelnen Patienten herstellen und individuell auf ihn eingehen kann und zur daraus resultierenden Unzufriedenheit der Patienten und der Angehörigen. So sinkt die Motivation des Personals, Krankenstände steigen, was wiederum zur Überlastung des Personals führt. Mangelnde Wertschätzung macht sich breit, die Klinik wird so mittel- und langfristig neben finanziellen Einbußen vor allem auch ein Imageproblem und Schwierigkeiten in der Fachkräftegewinnung bekommen. Grund genug, sich diesem Problem konkret zu nähern. So war das Ziel, die Vorschläge zur Verbesserung der Situation soweit herunterzubrechen und zu konkretisieren, dass am Ende das Gerüst für einen Förderantrag beim Bundesgesundheitsministerium, das immerhin bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro für derartige Projekte bereitstellt, stehen würde. Und das Team war erfolgreich: Das Pilotprojekt »Team-Insel« auf der HNO-Station der SLK-Klinik Heilbronn wurde erarbeitet. Dieses sieht zwei zuständige Personen (davon mindestens eine Fachkraft) für sechs Zweibettzimmer, das heißt zwölf statt bisher 16 Patienten und damit eine Reduktion des Betreuungsschlüssels von 1/16 pro Fachkraft auf 1/12 vor. Des Weiteren die Errichtung einer »Insel« an der Rezeption mit »Schichtführern«, die als kompetente Ansprechpartner für Ärzte, Patienten und Angehörige zur Verfügung stehen. Außerdem sollte einmal wöchentlich ein 30-minütiger »Jour fixe« mit Oberärzten als Koordinatoren, Stationsärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Beratungsdiensten bis hin zur Reinigungskraft stattfinden, sodass sich jeder zuständig fühlen, Verantwortung übernehmen und als erster Ansprechpartner fungieren könne. Um die Maßnahme zu evaluieren, sei ein Vergleich mit anderen Stationen, die Entwicklung des Krankenstandes, der Springerzeiten sowie das Abfragen der Zufriedenheit von Mitarbeitern, Patienten und Angehörigen angedacht. Durch diese Maßnahmen sei eine Steigerung der Zufriedenheit aller Beteiligten – sogar in der Klinikverwaltung – möglich, da diese nachhaltige Lösung unter dem Strich ein wesentlich günstigeres und effizienteres Arbeiten ermögliche. Fortsetzung erwünscht Und dies ist nur ein Beispiel dafür, was die Kreativen mit den Vertretern aus der Gesundheitswirtschaft binnen kürzester, aber intensiv genutzter Zeit auf die Beine stellten. Jedes Team konnte mit konkreten und realisierbaren Lösungsansätzen in ihren jeweils gewählten Themenbereichen aufwarten. Aber nicht nur inhaltlich, auch für die Teilnehmer selbst war das Innovationcamp ein erfolgreiches Projekt. Teilnehmerin Ulrike Landes, 50 Jahre an der Klinik am Klinikum am Weissenhof tätig: »Für mich persönlich habe ich mitgenommen, die Dinge auch einmal im Gesamten zu betrachten, sich von Konflikten zu entfernen und von außen zu beurteilen.« So zeigte das Projekt deutlich, wie wertvoll die Kultur- und Kreativwirtschaft in scheinbar ganz gegensätzlichen Wirtschaftszweigen wirken kann, sofern man sie ernst nimmt und machen lässt. Einer, der dies längst begriffen hat, ist Ralf Klenk, Bechtle-Gründer, Stifter »Große Hilfe für kleine Helden« und Fallgeber beim Innovationcamp: »Für jemanden, der wie ich aus einer naturwissenschaftlich sehr klar reglementierten Industrie kommt, ist es eine unheimliche Bereicherung, wenn er mit Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeitet, denn dort gelten andere Gesetzmäßigkeiten.« Bleibt zu hoffen, dass sich diese Erkenntnis auch in manch anderen verkrusteten Strukturen durchsetzt und weitere Projekte wie das Innovationcamp ermöglicht. ◆ MEHR STYLE? BESUCHEN SIE DOCH MAL UNSERE AUSSTELLUNG IN SCHWABBACH PLANSTUDIO Licht & Lebensart Schwabenstraße 18 74626 Bretzfeld-Schwabbach INNOVATIONCAMP T +49 7946 989 9570 F +49 7946 989 9568 store@plan-studio.de www.store.plan-studio.de

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Kontakt: www.wohnraum-heilbronn.de www.kreativzentrum-heilbronn.de www.inselspitze.de STADT Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland machte 2016 einen Umsatz von 154,4 Milliarden Euro. Dieses Geld wird umgesetzt von Menschen, die nicht den bisher üblichen Karriereplanungen unterliegen. Die Branche ist agil, hochbeweglich, schwer berechenbar und eher wurzelhaft organisiert als netzwerkartig. Sie haben hohe Fehlertoleranzen, sind experimentell eingestellt, brechen auch einmal Projekte ab. Es geht dabei um Wissensakkumulation, Sammeln von Erfahrungen in einer beschleunigten Zeit. Diese Bewegungen organisieren sich in dem Bewusstsein, dass wir in disruptiven Zeiten leben, dass heute eine Erfindung, eine Funktion, vorher getroffene Entscheidungen plötzlich von Grund auf revidieren können. Das alles macht die Kreativwirtschaft so unberechenbar. Dennoch investiert das Bundeswirtschaftsministerium bereits in die Impulse von Start-Ups und Kultur-Szenen. Auch in Heilbronn bilden sich fruchtbare Gemeinschaften, Zusammenführungen von Unternehmern und Kreativen, von Wissenschaft und Kunst. Aus solchen Begegnungen entsteht neues Wissen, Kraft für Innovation und vor allem die Basis für Lebensqualität. Trotz der gegebenen Unberechenbarkeiten finden sich Investoren, die nicht nur den Investment-Return im Auge haben, sondern viel mehr auch ihre Möglichkeit sehen, wirkungsvoll und nachhaltig Einfluss auf die Gesellschaft auszuüben durch Impact-Investment. Impact-Investment ist eine Investition in Wirkung, also Ursachen-Setzung und Veränderung, weniger eine bloße Vermehrung von Geld. Ein Vertreter dieser neuartigen Form an kreativem Impact-Investment ist Philipp Kionka. Bekannt sind seine Unternehmungen am Immobilienmarkt mit »Wohnraum Heilbronn«. Er investiert in Altbauhäuser und baut sie um, im wesentlichen in Studenten-WGs, darunter auch Inklusions-WGs. Seit mehr als zehn Jahren ist er beim Aufbau der freien Kultur- und Kreativszene der Stadt engagiert. Angefangen hat er nach einem Studium des Musik- und Medienmanagements mit dem Musik- und Street-Art- Label: »Schmetterling« in der Karlstraße. Er förderte junge Musiker und Künstler durch Auftritte, gab ihnen Möglichkeiten, ihre Kunst aufzunehmen und zu vertreiben. Das »Kreativzentrum« in der Salzstraße, von der »Heilbronner Stimme« bereits ausführlich gewürdigt, gibt es seit über acht Jahren. Hier werden Räume für junge Selbstständige zur Verfügung gestellt als Arbeitsstätten und Schnittstellen zwischen den Künsten und Professionen. So hat Kionka das Hanix-Magazin, welches zunächst seine Adresse in der Salzstraße hatte, mit Von Dr. Bernhard Stumpfhaus unterstützt und gehört zu seinen wichtigen Impulsgebern. Auch Filmer, Grafiker und Designer kennen ihn. Hat er doch eine Menge Aufträge vermittelt und hat mit seiner Firma »Formatfilm« neue Formate kreiert wie etwa »Azubifilm«, auf dessen innovativen Impact er stolz ist. Hinzu kommen Engagements für den Popup-Store in der Hafenmarktpassage, den Aufbau von zusätzlichen Proberäumen, seine Bemühungen um die Bar PlanB in der Innenstadt und das Restaurant Jetzt&Hier, die Unterstützung des Complex23 und die Vermittlung bildender Kunst. Seine Impulse um die Galerie »Inselspitze« sind geläufig. Bemerkenswert ist, dass Kionka vor allem Interesse am Auf-den-Weg-Bringen hat, an der Gründung, weniger an der administrativen Durchführung. Damit ist er als Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft durchaus kein Einzelfall. Besonders ist allerdings, dass er mit seiner agilen Art, seinem volatilen Ideenreichtum und seiner Neugier in Heilbronn bleibt. Worum geht es dem entschiedenen Heilbronner? Sein Kampf gilt, der existenziellen Langeweile unserer Tage zu entkommen. Innovation statt Fortschritt; Fortschritt verstanden als ein stolperndes Vorwärts in der Art, wie es Pieter Bruegels »Blindensturz« zeigt. Mehr noch als das Burn-Out ist für Kionka das Bored-Out das Symptom unserer Tage. Menschen arbeiten sich ab und hasten umher ohne Berufung, leere Zeit, Hohlräume. Leerstellen sind Kionka produktive Herausforderungen der Phantasie, sind nützlich, ihnen ungesehene Gestalt zu verleihen. Wie füllt er diese Leerräume – außer bloß das notwendige Geld in die Hand zu nehmen? Es geht Kionka um Ideentransfer von Mensch zu Mensch, zwischen Lebenserfahrung und Fachwissen, unbewusster Intention und Sachorientierung. Er ist der festen Überzeugung, dass über Assoziationen Strukturen entstehen, die Neues sichtbar machen und perspektivisch Orientierung geben. Assoziation heißt ja nichts anders als Verknüpfung. Man kann Ideen verknüpfen, Menschen, Materialien oder alles untereinander, so wie es Künstler, etwa unserer Vogelmann-Preisträger Deacon und andere, auch tun. Im Grunde genommen agiert unser Impact-Investor poetisch. Er verdichtet Menschen, Ideen, Materialien, liest sie zusammen. Bedeutung, Impact, Wirkung entsteht dann von selbst: aus dem Sinn, den sich die Menschen in ihrer ungewohnten Verknüpfung gegenseitig zusammenarbeitend zuweisen. Hanix Nr. 53 © Philipp Kionka, Fotoautomat, 2015 KUNST

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Hanix Nr. 53 KÜNSTLER ANDREAS GOLDER Andreas Golder ist ein Künstler von ›da‹ und wiederum auch nicht. Er hat seine prägenden Jugendjahre hier verbracht, ist von Heidelberg über Eberbach, Öhringen und Widdern Heilbronn immer nähergekommen. Die Clubs der 1990er Jahre sind ihm hier wohl bekannt. Andererseits ist er geboren in Swerdlowsk, Ural, dem heutigen Jekaterinburg. Mit elf Jahren landete er 1990 in Frankfurt am Main und zog mit seinen Eltern die Jagst entlang. 1997 übersiedelte er mit 18 dann nach Berlin, um ein nun international bekannter Künstler zu werden. Golder hat in seinem Leben eine Menge tiefgreifender Veränderungen erleben müssen. Immerhin war der Wechsel von der damaligen Sowjetunion nach Deutschland nicht nur eine sprachliche Herausforderung, sondern auch ein kultureller Bruch. Wo liegen seine Wurzeln? Er sieht sich heute als beides: als Deutscher, als Russe und er pendelt zwischen beiden Ländern häufig hin und her. Vielleicht kann man als seinen eigentlichen identitären Wurzelort das Atelier begreifen, wuselte er doch schon als Krabbelkind durch Ateliers. Das Atelier ist ein Ort gleichsam ausgeschnitten aus den Alltagskulturen, ein Ort, in dem eigene Gesetze gelten, in dem man wohnt, wenn man nicht arbeitet, in dem man nicht wohnt, wenn man arbeitet; das Atelier vielleicht zu sehen als eine kommunizierende Röhre zwischen den Welten und Zeiten? Jedenfalls gilt, dass das, was Andreas Golder schon als Baby mitbekommen hat, andere als Erwachsene in ihrer Ausbildung erst mühsam sich erwerben müssen. Kaum ein anderer kennt sich deshalb besser mit Farbmaterialien, Maltechniken und vor allem Tricks aus, wie man welchen Effekt herstellen kann. Es sind nicht nur die Motive, seine humanen Freakshows und Farb-Kosmen, an denen man seine Malerei erkennt, es ist vielmehr diese spezifische Art seiner Farben, dieser unnachahmliche Glanz seiner Bilder – ob gegenständlich oder nicht – die seine Arbeiten auszeichnen. Er kann buchstäblich alles zum Glänzen bringen, sogar den Inhalt eines Aschenbechers oder eines benutzten Taschentuches. Das war auch schon während seines Studiums an der UDK in Berlin so, bei Wolfgang Pettrick, Daniel Richter und bei Anselm Reyle. Seine Fähigkeiten und sein eigenwilliger Stil müssen an der Uni so beeindruckend gewesen sein, dass sich selbst Professoren bei dem Studenten Golder inspirieren lassen haben – so munkelt man. Seine Fähigkeiten machten ihn schnell zu einem der Chronisten Berlins um die Jahrtausendwende. Motivisch kann man seine Bilder aus dieser Zeit durchaus als eigenwillige Übersetzungen von Otto Dix ›Großstadt‹- Apotheose sehen, in welcher das ganze menschliche Leben eingefangen ist vom Elend der Gosse bis hin zur schicken Dekadenz und wieder zurück; vielleicht bei Golder mit mehr zauberhaftem Glamour, aber vergleichbarem Humor. Sein Talent führte Golder schnell durch die großen Galerien Berlins und die Sammler stehen Schlange. Ausgestellt wurde er im angesagten Arken-Museum für moderne Kunst bei Kopenhagen, in der White-Cube-Gallery in London, war Artist in Residenz der Schweizer Galerie Urs Meile in Peking. Wie soll man die Kunst von Andreas Golder beschreiben? Das ist ein heikles Unterfangen; er ist ja noch jung, entwickelt sich weiter … Auch ist das mit der Aufzählung von Vorbildern recht zweifelhaft. So wird beispielsweise immer wieder Francis Bacon genannt, der ja mustergültig den Menschen charakterisierend-sezierend unter die Haut in ihr verdrücktes Herz schaute. Es zeigen aber schon frühe Jugend-Collagen von Golder seinen eigenen Humor, seine besondere Sichtweise auf unsere westlichen Werte und die Menschen, die sie realisieren. Es wäre schon bizarr wie wohl beeindruckend, wenn man die in diesen Collagen eines 12-Jährigen auftauchenden Glühbirnen als Bacon-Zitat wertete. Wie dem auch sei. Bacon, Dali, Rubens, Rembrandt, Dürer, Holbein, das sind große Namen von großem Image. Golder kennt sich in der Kunstgeschichte bestens aus und weiß, den beweglichen Augen eines Chamäleons gleich, beides für sich zu nutzen, ihr Image und ihr eigentliches künstlerisches Anliegen. Aber all diese Orientierungen sind ja nicht das Wesentliche und eigentlich fester handwerklicher Bestandteil der Kunst seit je. Ja, es geht Golder, diesem mit Öl imprägnierten Künstler, schon auch um Malerei an sich, damit auch um die Errungenschaften auf diesem Feld vor ihm. Aber er ist ja kein Bildungsmaler, keiner, der es nötig hat, sich durch Zitate vergessener Epochen zu inszenieren. Es gilt ihm ja, Beschreibungen zu finden für dieses seltsam ambivalente Wesen unserer Tage, das wir immer noch Mensch nennen. Und irgendwie gelingt es ihm, wie mit unbekümmert leichter Hand eines Kindes, all die menschlichen Abgründe und Widersprüchlichkeiten in die Gleichzeitigkeit seiner Kompositionen zu übersetzen, ohne dass das Bild zerreißt. ◆ Kontakt: www.google.de www.kw1.de KUNST © Annika Winkelmann: Porträt Andreas Golder, Berlin 2017

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DER SEIDENE FADEN DAS LEBEN IST EIN FEST Der letzte Film mit Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis. Für »Der seidene Faden« schickt Paul Thomas Anderson Daniel Day-Lewis als Fashion-Designer in den 1950er Jahren nach London, um dort Mode für den Adel herzustellen. »Der seidene Faden« markiert für Anderson und seinen Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis die zweite Zusammenarbeit, nachdem sie 2007 bereits gemeinsam »There Will Be Blood« gedreht hatten. Im Juni 2017 kündigte Day-Lewis an, dass »Der seidene Faden« sein letzter Film werden und er die Schauspielerei danach aufgeben würde. Als es mitten im minutiös geplanten Ablauf der Hochglanzvermählungsfeier in »Das Leben ist ein Fest« zu einer unerwarteten Essenskrise kommt, greift das Team um den gewieften Hochzeitsplaner Max zum Teigtaschentrick … Die neue Komödie von Olivier Nakache und Eric Toledano, den Regisseuren von »Ziemlich beste Freunde«. Wie bei einer echten Hochzeit geht auch bei dieser Hochzeitskomödie einiges schief. Aber es gibt eben auch viele tolle Momente – und am Ende überwiegen dann doch die schönen Erinnerungen. »Das Leben ist ein Fest« feierte seine Deutschlandpremiere als Eröffnungsfilm der 17. Französischen Filmwoche Berlin. In den Arthaus-Kinos ab 01. Februar 2018 USA, 2017 FSK: unbekannt Länge: 130 Minuten Regie: Paul Thomas Anderson Darsteller: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville, u.v.m. In den Arthaus-Kinos ab 01. Februar 2018 Frankreich, 2017 FSK: ohne Beschränkung Länge: 116 Minuten Regie: Eric Toledano und Olivier Nakache Darsteller: Jean-Pierre Bacri, Gilles Lellouche, Eye Haidara, u.v.m. Hanix Nr. 53 London in den 1950er Jahren: Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) ist ein berühmter Damenschneider und begehrter Junggeselle. Gemeinsam mit seiner Schwester Cyril (Lesley Manville) steht er im Zentrum der britischen Modewelt, ihre Marke »The House of Woodcock« wird vom Adel ebenso geschätzt wie von Filmstars und High-Society-Größen. In Liebesdingen hält sich Reynolds für verflucht und flüchtet sich von einer Affäre in die nächste. Doch dann tritt Alma (Vicky Krieps) in sein Leben, eine willensstarke Frau, die nicht nur zu seiner Geliebten wird, sondern auch zu seiner größten Inspiration. Doch Alma will nicht nur der Ton in den Händen des großen Künstlers sein, sie stellt Reynolds vor die Herausforderung, einen anderen Menschen mit einer starken Persönlichkeit an seiner Seite zu akzeptieren. Das sorgsam kontrollierte Leben des Designers droht aus den Fugen zu geraten. ◆ Max (Jean-Pierre Bacri) ist einer der erfahrensten und professionellsten Hochzeitsplaner, die es in Frankreich gibt. Doch sein aktueller Auftrag, die Hochzeit von Pierre (Benjamin Lavernhe) und Héléna (Judith Chemla), entwickelt sich nach und nach zu einer absoluten Katastrophe: Das Essen auf dem Buffet ist schlecht geworden, die Hochzeitsgesellschaft steckt auf dem Weg zur Location im Stau fest, der Fotograf verhält sich unprofessionell, ist damit aber immer noch besser als die Band, die gleich komplett abgesagt hat oder Max’ Team, das wegen einer Lebensmittelvergiftung ausfällt. Noch dazu trennt sich Max’ Geliebte Josiane (Suzanne Clément) von ihm und sein Schwager Julien (Vincent Macaigne) ist in die Braut verliebt. Aufgrund der schieren Anhäufung von Problemen beschließt Max, seine Karriere als Hochzeitsplaner zu beenden und seine Firma zu verkaufen. Oder wendet sich am Ende doch noch alles zum Guten und das unter keinem guten Stern stehende Fest wird ein Erfolg? ◆ ARTHAUS-KINOTIPP

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AUSSERDEM IM KINO Hanix Nr. 53 Black Panther Start: 15. Februar Comic-Realverfilmung zum Marvel-Superheld Black Panther: T’Challa aka Black Panther (Chadwick Boseman) kehrt nach den Ereignissen von »The First Avenger – Civil War« in ein isoliertes, technisch fortschrittliches Wakanda in Afrika zurück, um dort seinen Platz als König einzunehmen. Als ein alter Feind wiederkehrt, werden T’Challas Fähigkeiten als König wie auch Black Panther auf die Probe gestellt, denn der Konflikt bringt nicht nur ganz Wakanda, sondern auch die ganze Welt in Gefahr ... Alles Geld der Welt Start: 15. Februar Basierend auf wahren Ereignissen erzählt »All the Money in the World« von der Entführung des 16-jährigen John Paul Getty III. Um ihn zu befreien, fleht seine Mutter Gail seinen Großvater, den schwerreichen Getty Sr. an, das Lösegeld zu bezahlen. Als sich dieser auch weiter sträubt, findet Gail in seinem Berater einen Verbündeten. Die Verlegerin Start: 22. Februar »Die Verlegerin« schildert, wie Journalisten der Washington Post darum kämpfen, die sogenannten Pentagon-Papiere zu veröffentlichen. Mit der Veröffentlichung dieser Dokumente wollen sie beweisen, dass die Regierung die Beteiligung am Vietnam-Krieg schon viel früher plante, als sie zugeben wollte. Red Sparrow Start: 1. März Dominika Egorova ist vieles. Eine liebende Tochter, die ihre Mutter um jeden Preis beschützen will. Eine Primaballerina, deren Wildheit ihren Körper und Geist ans absolute Limit gepusht hat. Eine Meisterin des verführerischen und manipulativen Kampfes. Als sie eine Verletzung erleidet, die ihr Karriere-Aus bedeutet, blicken sie und ihre Mutter einer trostlosen und ungewissen Zukunft entgegen. Deshalb lässt sich Dominika für die »Sparrow School« rekrutieren, einen russischen Geheimdienst, der außergewöhnliche junge Leute wie sie darauf trainiert, ihre Körper und Geiste als Waffen einzusetzen. Nachdem sie den perversen und sadistischen Ausbildungsprozess durchgestanden hat, stellt sie sich als der gefährlichste Sparrow heraus, den das Programm je produziert hat. Unsere Erde 2 Start: 15. März »Unsere Erde 2« nimmt uns mit auf eine unvergessliche Reise um die Welt und enthüllt unglaubliche Wunder der Natur und Tierwelt. Im Laufe eines einzigen magischen Tages folgen wir der Sonne von den höchsten Bergen bis hinunter zu den entlegensten Inseln, von exotischen Regenwäldern bis hinein in den Großstadtdschungel. hast du 2018 vor? Wir eine ganze Menge! Hier erfährst du, wie wir den Sport auf ganz neue Weise erlebbar machen... ... ab Frühjahr 2018

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Hanix Nr. 40 38 Kapitel

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Nach 18 Jahren ist es für Michael Wolf (Mitte) Zeit »Tschüss« zu sagen. Der nun ehemalige Geschäftsführer des Mobilat Clubs feiert seinen Abschied mit zahlreichen Weggefährten am 30. Dezember 2017 in seinem »Wohnzimmer«. (Foto: Meli Dikta) Hanix Nr. 40 Kapitel 39

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Christian Mayer/ Süddeutsche Zeitung Fotos: Peter Hönnemann Hanix Nr. 53 SIBEL KEKILLI ÜBER FREIHEIT INTERVIEW DES MONATS

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In Hamburg-Altona regnet es, aber sie kommt strahlend ins Restaurant Klippkroog. Die Schauspielerin SIBEL KEKILLI amüsiert sich über eine kleine Komödie am Nachbartisch. Dort brüllt ein Kind wie entfesselt, eine Frau am Laptop reagiert sichtlich genervt. Kekilli ist trotzdem konzentriert. Nur manchmal weicht sie elegant einer Frage aus – oder antwortet mit einem vielsagenden Schmunzeln. Hanix Nr. 53 Hanix: Frau Kekilli, Sie scheinen – hier in diesem Hamburger Lokal – ein eher sanftmütiger Mensch zu sein. Oder täuscht der Eindruck? Sibel Kekilli: Oh, ich kann auch ausrasten. Wie äußert sich das? Es war früher schlimmer, ich habe dann, wenn ich Wut oder Ärger spürte, wie ein kleines Kind um mich geschlagen. Oder auch mal einen Gegenstand gegen die Wand gehauen. Aber ich habe hart an mir gearbeitet und mittlerweile gelernt, das zu kontrollieren. Und wem hört man eher zu: einer Frau, die rumschreit oder einer, die mit kühler Ruhe sagt: So kannst du nicht mit mir umgehen? Ich dachte früher, ich müsste mir Respekt auf brachiale Weise verschaffen. Auch im Job? Ja, auch. In Situationen, wo man kühlen Kopf hätte bewahren sollen, bin ich explodiert. Ich muss jetzt nur noch üben, durchzuatmen und nicht sofort etwas zu sagen, wenn mich die Dinge stören. Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben und dann erst die Probleme anzusprechen. Seit Beginn Ihrer Karriere gelten Sie als Schauspielerin, die von ihren Emotionen lebt – so wie in »Gegen die Wand«, Ihrem erstaunlichen Filmdebüt 2004, wo sie eine Deutschtürkin spielten, die sich gegen die Verheiratung durch ihre Eltern wehrt. Ja. Ich habe einen Zugang zu meiner Wut, meinem Schmerz, meinem Zorn. Das ist auch gut so, auch wenn es mitunter schmerzhaft ist. Ich bin heute immer noch impulsiv, aber ich weiß das besser zu nutzen, weil ich längst nicht mehr so unsicher bin. Ich kenne meine Schwächen. Ich glaube, in der Schauspielerei hilft mir das auch. Sie haben nie eine Schauspielschule besucht. Wo haben Sie die Schauspielerei dann gelernt? Diese Fähigkeit muss ja irgendwo in Ihnen geschlummert haben. Ja, weil ich immer spielen musste. Wenn man hierzulande als traditionelles türkisches Mädchen aufwächst, wird man zur Unwahrheit oft regelrecht erzogen. Man lügt, um Freiheiten zu SIBEL KEKILLI bekommen, die die anderen auch haben. Man kann das ab und zu sehr gut beobachten an den Schulen: Da kommen etwa manche Mädchen mit dem Kopftuch, und kaum betreten sie den Schulhof, verschwindet das Tuch in der Tasche. Warum ist das so? Es gibt leider Kulturen, die Menschen dazu zwingen, sich zu verstellen und so zu tun, als sei man eine andere. Alles muss der vermeintlichen Ehre und Tradition untergeordnet werden. Genau das ist das Problem unter anderem auch an der türkischen Kultur – die Außenwirkung ist das Wichtigste. »Wie würde es euch gefallen, wenn ihr so leben müsstet, wie ihr es von euren Frauen verlangt. Mit Zwängen, Vorschriften, unterdrückten Gefühlen, Notlügen und Ängsten? Was ist denn so bedrohlich an einer freien Frau?« Sie haben das gefragt, bei einer bewegenden Rede beim Bundespräsidenten 2015 zum Weltfrauentag. Ja, das habe ich. Ich liebe diese Kultur, aber ich muss solche Dinge auch ansprechen dürfen. Ich glaube, viele türkische Männer, die mit freien Frauen nicht umgehen können, haben zu wenig Selbstbewusstsein. Und deswegen machen ihnen solche Frauen Angst. Weil sie Angst haben, ihre Männlichkeit und ihr Gesicht zu verlieren. Es geht dann immer auch gleich um diesen seltsamen Begriff missverstandener Männlichkeit, die Ehre. Ich finde diesen Begriff schrecklich. Warum? Weil Ehre bedeutet, ein Leben für andere zu führen, das ehrenhafte Leben, das von mir erwartet wird. Aber ich möchte selbst entscheiden, was richtig ist. In Ihrer neuen ZDF-Neo-Serie »Bruder – Schwarze Macht« spielen Sie eine deutsch-türkische Polizistin in Hamburg. Diese Frau ist sehr tough, aber auch verzweifelt, weil ihr Bruder ins islamistische Milieu abdriftet und sich dem IS anschließen will. Ich mag die Rolle gerne. Diese Sibel in »Bruder« ist eine starke Frau, zugleich eine verletzliche Frau, und ich denke, ich spiele sie auch so.

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»Ich dachte früher, ich müsste mir Respekt auf brachiale Weise verschaffen.« Ihr Name Sibel bedeutet im Türkischen… … »Regentropfen im freien Fall«, ja. Bei der Film-Sibel haben die Autoren an mich gedacht, als sie das Drehbuch schrieben. Aber dann haben sie es mir gar nicht angeboten. Sie hatten wohl Angst, ich könnte ablehnen. Aber ich bin offen für besondere, auch für türkische Rollen. In diesem Fall glaube ich an das Schicksal, diese Rolle wollte unbedingt zu mir. Was verbindet Sie mit der ehrgeizigen Polizistin aus der Serie? Ich denke, ich bin auch so diszipliniert wie sie. Mit dem doppelten Gendefekt – als Türkin und als Frau – hat man noch mehr Probleme, Respekt zu bekommen. Als Deutschtürkin hatte ich immer das Gefühl: Ich muss besser als die anderen sein. Aber ich will mich auf gar keinen Fall als benachteiligt sehen: Ich halte es für einen Riesenfehler, wenn sich Deutschtürken in die Opferrolle drängen lassen. Wer sich als Opfer fühlt, ist anfällig für Radikalisierung – auch das zeigt die Serie. Dass junge Männer aus Trotz und Frust in islamistische oder sogar terroristische Kreise hineinrutschen können, ist eine Tatsache. Der Bruder aus dem Film merkt gar nicht, was mit ihm passiert. Er sieht sich als Opfer und glaubt, er wird nicht respektiert; er erlebt wie viele Männer mit türkischem oder arabischem Aussehen den Alltagsrassismus in Deutschland. Und diese permanente Ablehnung führt dazu, dass er die anderen nicht mehr akzeptiert. Ein Teufelskreis. Ich kann verstehen, dass viele Männer, die mit ihren Identitäten irgendwie zwischen den Kulturen hängen, so wütend werden. Weil sie keine Chance haben. Sie selbst haben immer gegen Widerstände kämpfen müssen – in der eigenen Familie, die verhindert hat, dass Sie als begabte Schülerin Abitur machen konnten, später in der Filmbranche, die Sie gerne auf die Rolle der Deutschtürkin beschränken wollte. Ist man nicht sogar freier, wenn man die Fesseln selbst gesprengt hat? Ich fühle mich heute frei, aber nur, weil ich konsequent meinen Weg gegangen bin, ohne Kompromisse. Ich habe für die Freiheit einen sehr hohen Preis gezahlt. Andererseits empfinde ich meinen Beruf als großes Glück. Für mich war es zum Beispiel wirklich schön, im »Tatort« Sarah Brandt spielen zu dürfen. Eine Deutsche ohne Migrationshintergrund, und das in der deutschesten Serie überhaupt, die in allen Wohnzimmern läuft. Trotzdem haben Sie dieses Jahr aufgehört mit dem »Tatort«. Warum eigentlich? Ich mochte diese Sarah Brandt, mit all ihren Macken – auch wenn ich Hanix Nr. 53 42 INTERVIEW DES MONATS

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Hanix Nr. 53 irgendwann gemerkt habe, jetzt ist es auch wieder gut. Es ist immer die Gefahr, dass man als Kommissarin nicht mehr für andere Rollen besetzt wird, und dafür fühle ich mich noch etwas zu jung. Das war einer der Gründe. Sind Sie nicht manchmal etwas zu forsch? Beim Deutschen Filmpreis 2010 in Berlin zum Beispiel sind Sie auf die Bühne gesprungen, ohne Schuhe, alle Blicke waren auf Sie gerichtet. Und dann haben Sie in den Saal hineingerufen: Gebt mir Jobs! Das war absolut ernst gemeint, und es war auch sehr spontan, meine Füße waren schon geschwollen, da habe ich die Schuhe ausgezogen und bin auf die Bühne gesprungen. Ich war fertig, überrascht, aber irgendwie auch euphorisch – manchmal kann ich einfach nicht anders, da kommt eine Impulsivität über mich. Und – prasselten nach diesem Auftritt die Rollen auf Sie ein? (lacht) Immerhin habe ich danach in »What a Man« gespielt, dem Film von Matthias Schweighöfer. Eine coole Komödie, und tatsächlich hat mich Schweighöfer nur deshalb zum Casting eingeladen, weil er diesen Auftritt gesehen hatte. Dann hat sich der Einsatz ja gelohnt. Was kommt als Nächstes? Ich werde in einer internationalen Serie eine Terroristin spielen. Sie heißt »Bullets« und ist eine finnisch-britsch-deutsche Co-Produktion. Darauf freue ich mich sehr. Sind Sie ein Vorbild für andere? Ich finde das Wort schwierig. Es gibt Frauen, die das behaupten. Ich würde den Mädchen sagen: Seid konsequent, seid stark. Allerdings weiß ich, wie schwierig es ist, sich zu befreien. Was heißt das konkret? Na ja, man muss vieles hinter sich lassen, vielleicht die Familie, die Kultur, das alte Leben sogar. Dazu kommt, wenn man sich auch noch traut, über solche Missstände in dieser Kultur zu sprechen, dann muss man vieles aushalten können: etwa Beschimpfungen, Drohungen bis hin zu sexuellen Belästigungen. Das Internet holt leider oft das Schlechteste aus den Leuten heraus. Ich sehe das auch an George R. R. Martin. Der Autor der Kultreihe »Das Lied von Eis und Feuer«, auf dem die Fernsehserie »Game of Thrones« beruht, in der Sie lange mitgespielt haben. Ja, er wird von sogenannten Fans oft beschimpft und unter Druck gesetzt. »Wieso feierst du Weihnachten statt zu schreiben?« oder »Iss nicht so viel, du bist so fett.« Was ist nur los, mit diesen Leuten, frage ich mich dann: Der Mann hat auch noch ein reales Leben, er kann ja nicht 24 Stunden am Tag schreiben. Wie haben Sie George R. R. Martin kennengelernt? Bei der Premiere der zweiten Staffel von »Game of Thrones«. Er meinte zu mir: Wenn ich dich früher kennengelernt hätte, dann hätte ich deine Figur viel länger leben lassen! Deine Shae im Film ist besser als meine Shae im Buch. Ich fand das sehr berührend. Und das sagt ein Autor, der seine Figuren liebt, selbst wenn er sie ans Messer liefert. Ich bewundere ihn sehr, weil er von ganz unten kommt und sich seinen Ruhm so hart erkämpft hat. »Game of Thrones« ist für viele eine der besten Serien überhaupt. Wie haben Sie die Rolle bekommen? 2010 machte der Sender HBO internationale Castings. Meine Agentur rief mich an: Ich sollte ein Video aufnehmen, ein sogenanntes Self-Tape. Ich habe ihnen angeboten, selbst nach London zum Casting zu kommen. Und dann saßen zehn Leute in diesem Raum. Oh Gott, dachte ich, vielleicht wäre das Self-Tape doch besser gewesen, damals war mein Englisch schlechter als jetzt. Nach dem Vorsprechen sollte ich noch da bleiben, eine zweite kurze Rolle einstudieren und vorspielen – alles in einer halben Stunde. Danach dachte ich, ich hab alles komplett vermasselt. Ein SIBEL KEKILLI paar Tage später haben sie mir dann die Rolle der Shae tatsächlich angeboten. Und? Ich habe erst abgelehnt. Als mir klar wurde, was es bedeutet, die Kurtisane des kleinwüchsigen Adligen Tyrion Lannister zu spielen, bekam ich etwas Panik. Heute ist Peter Dinklage für mich einer der größten Schauspieler überhaupt, aber ich dachte damals, dass man ihn vielleicht benutzen würde für irgendwelche Spielchen, über die sich die Zuschauer dann lustig machen könnten. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich es gemacht habe. Sie engagieren sich für die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Warum? Weil mir das Thema wichtig ist. Ich habe früh Ungerechtigkeiten in der Kultur gesehen, in der ich aufgewachsen bin. Das war der Grund, mich zu engagieren. Ich wollte nicht anders behandelt werden, nur weil ich ein Mädchen bin. Deshalb helfe ich zusätzlich noch Papatya, einer Organisation für junge Mädchen mit Migrationshintergrund, die dringend Schutz brauchen, weil sie zu Hause nicht mehr leben können. Weil sie angeblich Schande über ihre Familien gebracht haben und dafür büßen sollen. Wann waren Sie das letzte Mal in der Türkei? Direkt vor den Protesten im Gezi-Park 2013. Es hat sich danach nicht ergeben, und nun herrscht mir dort zu viel Willkür. Ich hatte auch ein Angebot, in der Türkei einen Film zu drehen, es war ein schönes Projekt von jungen Filmemachern, aber ich habe abgelehnt. Das deutsch-türkische Verhältnis war selten so schlecht – gilt das auch für das Verhältnis zwischen den Menschen? Nein, ich glaube, da wird vieles aufgebauscht. Aber ich würde mir wünschen, dass die deutsche Politik viel deutlicher auf die Missstände eingeht. Angela Merkel sagt dazu meistens nichts, sie schweigt, auch um den Flüchtlingsdeal mit der Türkei nicht zu gefährden. Genau darin liegt das Problem: Frau Merkel hätte viel früher mal Klartext reden müssen – was die Menschenrechte dort angeht. Die Europäer hätten, als das Verhältnis zur Türkei noch viel besser war, auch auf das Land eingehen müssen. Wer immer nur hört, dass er in Europa nicht willkommen ist, schottet sich irgendwann ab, aus verletztem Stolz. Dann kommt verständlicherweise noch Trotz und Frust mit dazu: Ihr wollt uns nicht? Na, wir brauchen euch auch nicht. Sie haben mal gesagt, dass Sie es leid sind, immer die türkische Politik erklären zu müssen. Und dass Sie nicht die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sind. Was ist denn schlimmer? (lacht) Ach, es geht schon, wenn man mich nicht darauf reduziert, ich möchte nur nicht zu allen Themen immer befragt werden; ich bin Schauspielerin, keine Türkei-Expertin. Ich werde leider wirklich oft angesprochen: Hast du gehört, was dein Präsident gesagt hat? Dann sage ich einfach nur: Ja, was hat denn Bundespräsident Steinmeier gerade wieder Spannendes gesagt? Zur Person: Sibel Kekilli kam 1980 als Arbeitertochter in Heilbronn zur Welt, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Sie arbeitete in der Heilbronner Stadtverwaltung als Angestellte, seit 1999 ist sie deutsche Staatsbürgerin. 2002 wurde sie von einer Casting- Agentin entdeckt, sie spielte dann in Fatih Akins Film »Gegen die Wand« gleich die Hauptrolle. Zweimal erhielt sie den deutschen Filmpreis als beste Schauspielerin. Kekilli hatte in der internationalen Serie »Game of Thrones« eine wichtige Rolle und spielte im Kieler Tatort eine Ermittlerin. In der Serie »Bruder – Schwarze Macht« ist sie gerade als Polizistin auf ZDF Neo zu sehen.

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Titelthema: [S. 46–66] QUO VADIS, HEILBRONNER EINZELHANDEL? »Der stationäre Handel hat die wunderbare Aufgabe, sich komplett neu erfinden zu dürfen.« Zukunft des Einkaufens, Onlineportal Artwork: Kathrin Leisterer LIEFERZEIT: EIN LÄCHELN + 5 FRAGEN AN DIE STADT → S. 46 Heilbronner Einkaufskultur → S. 54 DIE KREATIVEN WERDEN ÜBERLEBEN → S. 56 Illustrierter Einkaufsbummel durch die Innenstadt → S. 58 TISCHGESPRÄCH ZUM HEILBRONNER EINZELHANDEL → S. 60 Hanix Nr. 53

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Die Messen sind gesungen, das Weihnachtsgeschäft ist gut gelaufen, auch in Heilbronn ist man nicht unzufrieden. Tatsächlich konnte man am verkaufsoffenen ersten Adventssonntag Menschen in der Stadt sehen, die mehr Einkaufs- statt Pommes-Tüten trugen. Das Geschäftige übertüncht aber nur das wahre Bild, das die Einkaufsstadt Heilbronn abgibt – und das ist ein trauriges: gähnender Leerstand selbst in besten Lagen bei rasantem Schwund bekannter Namen der Geschäftswelt. Ja sind wir denn in Gelsenkirchen? Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Meli Dikta Lieferzeit: Ein Lächeln Dieses Weihnachtsfest war das Letzte, zu dem man in Heilbronn Gänseleber kaufen konnte, Feinkost-Müller hat zugemacht. Tierfreunde mag das freuen, aber irgendwie ist das symptomatisch – es bröckelt. Einzelhandel ist für eine lebendige Stadt eine der beiden Herzkammern, durch die das Leben fließt, so auch das Sprachbild einer »pulsierenden Stadt«. Die andere »Herzkammer« steht für das, was die Stadt als solche sonst noch bietet. Dass sich, um im Bild zu bleiben, der Herzschlag in Heilbronn nicht nur verlangsamt hat, sondern ins Stolpern geraten ist, lässt sich längst nicht mehr wegdiskutieren. Jeder Kommunalpolitiker wie auch andere, in der Verantwortung Stehende, müssten akutes Herzflimmern bekommen angesichts der Leerstände. Am 17. April 2019 beginnt die Buga, dann soll doch ein spürbarer Teil der erwarteten 2,2 Millionen Besucher über den Neckar hinüber in die Stadt kommen. Und was werden sie da erleben? Eine attraktive, lebendige Innenstadt oder zugeklebte – oder auch nicht – Schaufenster, dahinter das gähnende Elend des Leerstandes, kombiniert mit Schmuddelecken (wie z. B. in der Sülmerstraße)? Da hilft kein Schönreden. Die Flaniermeile für Heilbronn ist das Neckarufer geworden, das ist gut so, aber es ist schlecht, dass diese Rolle die Kaiserstraße und die beiden »Konsumschläuche« Fleinerstraße und Sülmerstraße samt Nebengassen so gut wie ganz verloren haben. Vormals begehrte 1a-Lagen wie z. B. die Kilianstraße haben eine so dürftige Besucherfrequenz, dass es selbst auswärtige Beobachter barmt, auch die Macher und Profis von Strabag bzw. ECE (Stadtgalerie). In deren ursprünglichen Plänen zum Abriss und Neubau des Wollhauszentrums hatten sie eine gleichzeitige Veränderung der Straßenführung eingeplant, um dem Quartier mehr Frequenz zu geben – nicht uneigennützig, aber dennoch notwendig. Das Wollhaus ist kein »wunder Punkt« in der Stadt, es ist ein wunder Klotz, an dem sich »pars pro toto« die Heilbronner Einzelhandelssituation nachvollziehen lässt. Wenn OB Harry Mergel nun hofft, was er schon letztes Jahr tat, dass nun endlich Bewegung in die Sache kommt, verbindet er das bereits mit der Einsicht, dass man Ladenflächen zurückführen muss, stattdessen die Stadt wieder mit mehr Büros und Wohnungen beleben sollte. Das Barthel-Haus lässt grüßen! Einst war der Exodus der Wohnungen aus der City in Stadtteile und umliegende Gemeinden politisches Programm. Lange dauerte es bis zur Einsicht, dass das ein Fehler war. Allem voran fehlen der Innenstadt hier lebende Menschen. Wenn nach Jahrhunderten (!) in der Kilianskirche seit HEILBRONNER EINZELHANDEL Hanix Nr. 53

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nunmehr vier Jahren keine Konfirmationen mehr stattfinden, weil hier in der Gemeinde kaum noch Konfirmanden wohnen, dann weiß man, dass die Stunde geschlagen hat. Man braucht Anlässe, um in die Innenstadt zu gehen, aber welche können das sein? Vielleicht wäre die erste Aufgabe, ein »freundliches Gesicht« zu machen! Die Stadtgärtner allein können das nicht schaffen, auch wenn sie wohl am meisten dafür tun. Ladenbesitzer, die Stühle und Tische zum Aufenthalt vor ihre Geschäfte stellen, gibt es, ebenso wie solche, die hier lieber mit Klopapier und Billigangeboten bestückte Rollcontainer positionieren. Ein freundliches Gesicht darf auch kosten. Tausende von Euro hat die Stadt ausgegeben, um die Fußgängerzonen von Kaugummiflecken zu befreien, die sind nicht von allein gekommen; eine Schätzung schon vor Jahren ergab auf 25.000 m2 Fußgängerzone eine Viertelmillion ausgespuckte Kaugummis. Ach, würde doch der kommunale Ordnungsdienst für dieses Vergehen so viele Strafzettel austeilen wie für Falschparken an Stellen, wo ein Auto nur ihn und sonst niemanden stört, er würde sich glatt selber finanzieren! Ein freundliches Gesicht hat die Stadt Regensburg gemacht, die in der Vorweihnachtszeit alle Falschparker in der Innenstadt, es waren an die 1.000, »begnadigte«, während man in Heilbronner Geschäften immer noch nachdrücklich Parkmünzen erbitten muss. Über die zuletzt vom Gemeinderat aktualisierte Gestaltungssatzung kann man streiten wie über guten und schlechten Geschmack, unbestreitbar ist der Wildwuchs, den es ohne sie gäbe, Werbeschilder, bei denen schon die Rechtschreibung eine Zumutung ist, Sonnenschirme der Marke billig, die dann auch noch draufsteht, das braucht kein Mensch. Städte mit Anziehungskraft und Aufenthaltsqualität gibt es noch in Deutschland, es sind in aller Regel die, deren alte Innenstadt erhalten geblieben ist wie z. B. in Freiburg oder in Tübingen. Wenn alte Häuser, plätschernde Brunnen und Wasserläufe, spürbare Geschichte auf ein modernes Warenangebot, lässige Gegenwart, cooles Ambiente in kleinen Läden oder großen Geschäften treffen, dann ist das fast schon die halbe Miete. Die Kriegszerstörung der Heilbronner Innenstadt kann nicht mehr als Ausrede herhalten, mit entsprechenden Bebauungsplänen, verbunden auch mit öffentlicher Förderung, hätte man schon ein ganzes halbes Jahrhundert daran arbeiten können, die Strukturen zu schaffen, in denen sich urbanes Leben entfalten kann. Wenn dann noch raffgierige Hausbesitzer gerne hohe Mieten kassieren und nur ungern niedrige Beträge in ihre Immobilie investieren, dann kommt dabei das Heilbronn von heute heraus. Zwei Beispiele dazu, erst das gute, dann das schlechte. Schon 1954 wurde die Hafenmarktpassage nach einem anspruchsvollen Gestaltungskonzept (u. a. Terrakotta-Mosaike nach persischem Verfahren) als »Fußgängerzone« eröffnet, eine revolutionäre Neuheit damals, die selbst Stuttgart nicht aufweisen konnte. Beim Umbau 1990, für damals 1,5 Millionen Mark, kam die elegante Überdachung hinzu, angelehnt an das Hysolar-Haus im Stil des Dekonstruktivismus von Günter Behnisch (Uni Stuttgart). Die Hafenmarktpassage ist immer noch schön und beweist, dass sich Investitionen in Qualität lohnen. Der auch hier unvermeidbare Leerstand konnte mit Pop-up-Läden konterkariert werden, die nun teilweise Dauermieter nach sich zogen. Das schlechte Beispiel: Seit Jahrzehnten verstauben »Gassenkonzepte« in den Schubladen des Bauamtes und da werden sie auch über die Buga hinweg liegen bleiben. Diese enthielten gute Ansätze dafür, aus Hinterhöfen Wohnhöfe zu machen, aus Gammelgassen Flaniersträßchen, aus Schmuddelecken (vollgestellt mit gelben Säcken und Müllcontainern) kleine Plätze mit Aufenthaltsqualität, aus BIS 22 UHR IN DER INNENSTADT Heilbronner Lichterzauber 3. März 2018 Buntes Lichtspektakel in der Innenstadt. FACEBOOK: HEILBRONN ERLEBEN WWW.HEILBRONN-MARKETING.DE | WWW.MEIN-HEILBRONN.DE VERANSTALTER: HEILBRONN MARKETING GMBH NOTENVERGABE Mit freundlicher Unterstützung der

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Es gibt sie noch, die guten Geschäfte in Heilbronn, aber sie werden weniger und man findet sie nicht mehr zwangsläufig in der Innenstadt. Garagendächern Spiel- und Begegnungsflächen – und das ganze auch noch umweltfreundlich. Der Dammstraße und der Nordstadt sei nicht geneidet, was die Stadt hier investierte, aber es sei nachgefragt, warum vergleichbare ganzheitliche Lösungen in der Innenstadt unterblieben. So könnte z. B. die Lammgasse immer noch »der« Geheimtip für anspruchsvolle Käuferschichten in Heilbronn und von weiter her sein, mit mehreren, hochklassigen Modegeschäften und einem Promifriseur. Und heute? Den hier noch Verbliebenen sollte man die Tapferkeitsmedaille überreichen, auf die Hinzugekommenen hat die Menschheit kaum gewartet. Jahrzehntelang hatte die Stadt den damaligen Ladeninhabern versprochen, die Lammgasse wenigstens so herzurichten, dass bei weiter möglichem Durchgangsverkehr wenigstens angenehme Fußläufigkeit entsteht. Doch kein einziges Bäumchen wurde gepflanzt, es blieb finster bei der Weihnachtsbeleuchtung, man stellte beim Weindorf die Toilettenwagen hier ab. Im Nahbereich um das Rathaus geht es auch um den Käthchenhof und eine Markthalle. Der Käthchenhof, einst belebt und eine elegante Passage, in der man Meißner Porzellan, hochwertige Kosmetik und Damenmode, gar internationale Zeitungen kaufen konnte, ist nun ein krank wirkendes »Gesundheitszentrum«. Im ersten Stock sicher eine gute Adresse, in der Passage mit ihren Leerständen ein Denkmal unerfüllter Versprechen. Nicht überraschend bei auswärtigen Investoren. Das Areal nebenan, die als Parkplatz dienende Buckelpiste, wird zur Buga kaum besser aussehen. Dabei könnte hier schon längst entweder ein Bürobau der Stadtverwaltung oder eine Markthalle oder eine Kombination aus Wohnen, Arbeiten und Handel stehen. OB Mergel sagt zwar immer wieder, dass es für eine Markthalle kein tragfähiges Konzept gebe, doch fünfzig Studenten der DHBW Heilbronn haben für Ilsfeld und die dortige Alte Kelter ein solches erarbeitet und betriebswirtschaftlich analysiert, sich die örtlichen Gegebenheiten genau angeschaut, einen Businessplan aufgestellt und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass eine Markthalle dann funktioniert, »wenn sie nicht nur Verkaufsraum bleibt, sondern sich zu einem generationenübergreifenden Begegnungsort entwickelt«. Ein besonderes Interesse der Ilsfelder galt laut der Studierenden der Kultur und den Veranstaltungen in der Markthalle. Weinabende seien genauso gewünscht wie Buchvorlesungen, Tanz- oder Clubabende. Schauen, essen, hören, probieren, kaufen – in einer Markthalle paare sich der Einzelhandel mit der Slow Culture. Auch das Design spiele in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Vom Erscheinungsbild sollen sich alle Altersgruppen angesprochen fühlen. Wie schön, wie schön – und warum der Schönheitsfehler, dass das nicht in Heilbronn stattfinden kann? Ja, es gibt sie ja noch, die schönen Geschäfte in Heilbronn, die so kunstvoll dekorieren wie z. B. »Momo« in der Kaiserstraße oder die Händler, die kräftig investieren, wie es Thomas Gauß, Vorsitzender der stadtinitiative, für sein »Sporthaus Saemann« vorhat. Oder wie das Modehaus Palm, wo eigentlich nie Stillstand herrscht. Auch wird jemand, der als Kunde ein Geschäft in Heilbronn betritt, höchst selten eine unfreundliche Bedienung erleben. Sind denn die Einzelhändler, die noch Harrenden und nach wie vor auch Investierenden, nicht eigentlich die heimlichen Helden der Stadt? Die Kunden jedenfalls sind es nicht, diesen (Billig-)Schuh müssen sie sich anziehen. Denn wenn gleichzeitig Ramsch- und Kitschläden, Billig-Brautmoden und Nagelstudios, Döner- und Bagel-Buden unübersehbar zunehmen, dann eben deshalb, weil diese eine Nachfrage bedienen. Wird es bis zur Buga wenigstens eine Vinothek in der Weinstadt Heilbronn geben? Es gibt sie noch, die guten Geschäfte in Heilbronn, aber sie werden weniger und man findet sie nicht mehr zwangsläufig in der Innenstadt. Heilbronn als Modemeile – das war einmal. Große Stuttgarter Modehäuser (die es inzwischen aber auch nicht mehr gibt) haben in Heilbronn ihren Anfang genommen oder eine Filiale gehabt, dafür stehen Namen wie Lorenz, Fischer oder Beate Mössinger. Gerade letztere, aus der Betreiberfamilie des gleichnamigen ehemaligen Cafés in der Sülmerstraße stammend, war mit ihrem Stuttgarter Nobelgeschäft über Jahrzehnte die allererste Adresse im ganzen Land, da kam selbst Mannheim nicht mit, wohin anspruchsvolle Heilbronnerinnen nach wie vor zum Shoppen fahren. Vielleicht auch, weil man dort bei Engelhorn nicht nur »Mode im Quadrat«, sondern auch Luxus und Genuss im Quadrat erleben kann, u. a. mit vier Restaurants, von Fingerfood bis zum Sternerestaurant und der Champagnerbar, während man sich in Heilbronn gehend, stehend, sitzend Pizzafladen hineinschiebt. Die Kaufkraft dieser beiden Städte und Regionen lässt sich durchaus vergleichen – die Anlässe, in die Stadt zu gehen, leider überhaupt nicht. Das Ladensterben in Heilbronn ist, vor allem, wenn man es über längere Zeit betrachtet, tief deprimierend. Mosner ist weg von der Kaiserstraße und hat sich stark verkleinert, es gibt keine Model-Boutique mehr und keine Boutique 11, keinen Schuh- Drauz und Karin-Luithle-Schuhe und keine Adam-Moden, um nur an ein paar der Glanzlichter zu erinnern, ganz zu schweigen von den wahrhaft glänzenden Juweliergeschäften. Auch wenn es sie noch alle gäbe: Das Geld für eine Cartier- oder Rolex-Uhr haben die Heilbronner, kauften sie früher auch hier, heute nicht mehr: Der Erlebniswert fehlt. Zu viele alteingesessene Namen von Familienbetrieben wie Holzäpfel und Walch verschwinden, wie auch die Herrenmode-Geschäfte, von denen zuletzt einer der Hanix Nr. 53 links: Gerber22-Mitinhaberin Katrin Dürrschmidt vor ihrem Laden für Wohnaccsessoires in der Gerberstraße. rechts: Size11-Mitarbeiterin Lena Bauer vor dem Multibrandstore von Jürgen Klein in der Sülmerstraße. HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Pioniere des modischen Aufbruchs der Stadt, Edgar Hochheimer, geschlossen hat, so wie zuvor Zimmermann, Fleischmann, Wacker, Munz. Aber braucht man noch Herrenausstatter, wenn es keine Herren mehr gibt, wenn krawattenlose, an Truthähne erinnernde Hälse aus T-Shirts unterm Anzug ragen oder der Hosenboden da sitzt, wo man sonst die Kniekehle vermutet? Früher konnte man noch in der Kirchbrunnenstraße alle Arten von Levis kaufen, vor allem auch die, die die männliche Kehrseite vorteilhaft ins Bild brachten. Im Namen der Gendergerechtigkeit: Auch das weibliche Gegenbild ist nicht stimulierend und der Stadtkultur fördernd, wenn man ihm massenhaft in der Form begegnet, dass der Umfang unterhalb der Taille im umgekehrten Verhältnis zur Enge der Leggins und der Kürze der Röcke steht. Ja, Stil- und Geschmacklosigkeit kann man auch als Form von Freiheit interpretieren, man sollte sich dann aber nicht über die Folgen wundern, wenn man weder Peek und Cloppenburg und schon gar nicht Breuninger herbeibeten kann, ja nicht einmal Zara, man stattdessen Autos mit Heilbronner Kennzeichen vorm Ludwigsburger Breuningerland zähneknirschend nach Hunderten zählen kann. Selbst wenn es an den von diesen Unternehmen geforderten Großflächen gefehlt haben sollte, wenn diese wirklich gewollt hätten, sie wären gekommen. Dafür schließt jetzt H&M einen Standort. Der vor sich hindämmernde Innenhof des Deutschhofes könnte eine Spielfläche bunten, auch kulturgeprägten City-Lebens werden. Früher war hier während des Weihnachtsmarktes mal ein Märchen- und Vorlesedorf, jetzt ist er nur noch tot – bis auf die zweiwöchige »Wissenspause« des Stadtarchivs, die den Gegenbeweis antritt. Alle zwei Jahre erstellt die IHK Heilbronn-Franken eine Kaufkraftanalyse. Nach der ist die »einzelhandelsrelevante« Kaufkraft seit 2015 um 4,6 Prozent angestiegen – ein überdurchschnittlich hoher Wert. Dennoch kein Grund zum Jubeln, trotz eines Wachstums auch beim stationären Einzelhandel, denn »dieses Wachstum fällt mit 3,2 Prozent für die Region Heilbronn-Franken geringer aus als bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft.« Diese Differenz zwischen stationärem Einzelhandelsumsatz und einzelhandelsrelevanter Kaufkraft aber geht in der Langzeitbeobachtung auf wie eine Schere auseinander: 2015 lag sie bei 965 Euro pro Einwohner, jetzt ist sie bei 1.060 Euro angekommen. Wenn man diesen Betrag pro Einwohner auf die gesamte Region Heilbronn-Franken hochrechnet, kommt man auf eine Summe von ungefähr 955 Millionen Euro, die dem stationären Einzelhandel zur Verfügung stünden, aber hier nicht ausgegeben werden, analysiert die IHK diese Entwicklung und führt sie auf die starke Zunahme im Onlinehandel zurück. So sieht das auch Thomas Gauß, bundesweit redet man von einem Umsatzanteil bei Online-Geschäften von zwei Dritteln, er spricht von 90 Prozent. Warum aber zeigen Mittelstädte wie Passau, Schweinfurt, Wetzlar, Straubing, Weiden, Trier, Fulda und Gießen, dass es auch anders geht? »Was soll da nun noch kommen?«, fragt Ina Bezner und erinnert an die Möglichkeit, nicht nur den Einzelhandel, sondern auch das Heilbronner Stadtleben um die Aspekte »Familie und Kultur« interessant zu machen. Dazu müssten auch die Kunden ihren Beitrag leisten, den Handel unterstützen wie ihn fordern. Ihre Mutter, Karin Bezner, hat vor über dreißig Jahren das Modegeschäft »Karin Bezner« in der Lammgasse gegründet und von Anfang an auf international renommierte Topmarken im hochwertigen Bereich gesetzt. Da ist »Laufkundschaft« keine Größe. Seit nunmehr zehn Jahren gibt es »Karin Bezner – Mode Besuchen Sie uns in der Kirchbrunnenstraße! S C H Ä F E R TITELTHEMA: SCHWARMSTADT

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und Wohnen« in der Schillerstraße als Concept-Store, das anspruchsvolle architektonische Ambiente entspricht dem Angebot. Von ihren Kunden, aus der Stadt wie auch der Region, hört Ina Bezner immer wieder den Satz: »Ich bin froh, dass ich nicht mehr in die Stadt fahren muss, wenn ich zu Ihnen will und so bequem bei Ihnen parken kann«. Mit ihrer Feststellung steht sie nicht alleine, dass stadtinitiative und auch die Stadt selber schon bemüht seien, dass auch die meisten Geschäftsinhaber einen guten Eindruck vermitteln wollten, sich anstrengten, dennoch sei es unübersehbar, dass der Innenstadt immer mehr die Individualität verloren gehe und das Niveau bei der Mehrheit der die Innenstadt belebenden Passanten sichtbar nachgelassen hat. Trotz positiver Ansätze, auch sie nennt dafür die Stadtgärtnerei, fehlten weiter »die Eckpunkte« in der Stadt selber, wie es z. B. die Neckarmeile ist. Und sie fragt: »Werden das in Zukunft ›Abholstationen‹ sein, mit familienfreundlichen Unterhaltungsangeboten, wo man mit autonom folgenden Kofferfahrzeugen die online-Bestellungen abholt?« Diese Vision könnte Wirklichkeit werden, wenn es die Paketdienste und Drohnen nicht mehr schaffen, die Kunden zu erreichen. Zu den bemerkenswerten Geschäften am Heilbronner City- Rand gehört auch die 2011 gegründete »chouchou Boutique« von Romina Consagra. Man findet sie nicht im Internet, dafür aber in der Oberen Neckarstraße. Der liebevoll gestaltete Mini-Concept-Store, mit so persönlich ausgesuchter Mode und Schmuck, gefällt nicht nur dem jungen Publikum. Romina Consagra hat an der Hochschule Heilbronn Betriebswirtschaft und Unternehmensführung studiert, macht den Eindruck, dass sie mit ihrem Geschäft und dem Erfolg durchaus glücklich ist und ihren Schritt in die Selbständigkeit nicht bereut. Bei allem Auf und Ab im Handel ist sie zufrieden, was ihr aber fehlt, das wäre wenigstens einmal ein Zeichen der Wertschätzung gewesen, z. B. durch die Stadt. Vielleicht muss sie einfach mal lauter klappern, um auch da wahrgenommen, gehört und gefragt zu werden? Gerade deshalb, weil man in Heilbronn, geht es um Einzelhandel, fast immer nur ein Dutzend Namen vorgesetzt bekommt. Die Vielfalt ist in Teilen noch da. In Teilen? Ja schon! Versuchen Sie mal Rosenthal-Geschirr in Heilbronn nachzukaufen. Da fährt man zu Tritschler nach Stuttgart oder Lotter in Ludwigsburg, weil man da noch weiß, wie es geht und z. B. Kochkurse anbietet. Auch von »Abholstationen« für Männer hat man schon gehört, wo sie frau, konsumfreudig wie sie ist, nach getanem Einkauf, wie aus dem Bälle-Bad bei Ikea, herausholen kann. Dass Lage nicht alles ist, weiß kaum jemand besser als Sibylle Mösse-Hagen. Als das von ihrem Schwiegervater 1934 gegründete Familienunternehmen, Hagen Kaffee, im Jahr 1994 in den alten Fabrikbau in der Christophstraße zog, das »Hawaii-Viertel« ist gewiss keine 1a-Lage, war die Adressenwahl auch ein Statement. Eine Kaffeerösterei darf nicht in der Innenstadt betrieben werden, so der bestimmende Anlass. Was man daraus machen kann, nämlich ein Haus mit fast 24 Stunden Erlebniszeit, weil man auch die Kultur mitspielen lässt, hat sich längst erwiesen. »Kaffee und dann auch Tee werden immer die Leidenschaft und die Kernkompetenz des Familienbetriebes sein«, in dem sich die dritte Generation anschickt, die Geschicke zu übernehmen, sagt Sibylle Mösse-Hagen. Wie gut dabei »old-fashioned« ankommt, zeigt das Kaffeehaus im Wiener Stil, seinem Charme erliegen die Besucherscharen schon seit Jahren. Hier liegen noch tagtäglich die überregionalen Zeitungen aus, die man in der Stadt kaum noch bekommt. In der Sülmerstraße, im Café Jansen bekam man lange noch eine Tasse frischgerösteten Kaffee für 50 Pfennig, konnte stundenlang FAZ, Spiegel und Stuttgarter Zeitung lesen. Die vielleicht vergessendste Form von Aufenthaltsqualität in einer Stadt, ein Literaturcafé, ist immer noch nicht möglich geworden. Dem modischen Hype um Kaffeemaschinen zum Preis eines Kleinwagens ist man bei Hagen nicht erlegen, Espresso von der Siebträgermaschine und Filterkaffee – das schlürft die Avantgarde. Die etwa 60 Frauen, die pro Tag im Kaffeehaus frühstücken, können seit einiger Zeit hier auch Mode und Accessoires einkaufen. Schrittweise hat Sybille Mösse-Hagen diese Sparte aufgebaut. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie lange es dauert, bis man hier vor allem auch die Geschenke und die üppigen Dekorationen der Jahreszeit entsprechend auf- und abbaut, aber genau in dieser Mühe zeigt sich die Wertschätzung für den Kunden, die er dann zurückgibt. Auch der Nachweis, wie sehr der Faktor Kultur zählen kann, wird hier ja schon seit Jahrzehnten erbracht, wenn das Kaffeehaus fast allabendlich zur Kleinkunstbühne wird. Doch darauf, warum in der Innenstadt so viele Lichter ausgehen, hat auch die erfahrene Kommunalpolitikerin, die Sybille Mösse-Hagen bis vor einem Jahr war, keine einfache Antwort, vermutet aber auch, »dass es bei der Buga schwierig wird«. Gerade Mode und vergleichbare Artikel würden immer mehr in entspannter Urlaubsatmosphäre gekauft, etwas von dieser Wohlfühlatmosphäre zu vermitteln sei genauso wichtig wie Service, nicht ruhende Anstrengung, Eigeninitiative, immer wieder neue Ideen. Oft sei es auch die ungelöste Nachfolgefrage, warum Geschäfte aufgeben. Bei Hagen stehen Tochter Antonia und Sohn Maximilian schon mit in der Verantwortung. Hier, wo allein schon der Kaffeeduft unschlagbar ist, wie glücklicherweise auch noch in ein paar anderen Geschäften in Heilbronn, zeigt sich, dass Online-Shopping durchaus verzichtbar sein kann, wenn man dafür die Sinne und die Persönlichkeit bedient: Ein Cashmerepulli kann ein besserer Putzlappen oder ein Erbstück sein; hat man ihn in den Händen und anprobiert, weiß man das. Auf die Einsicht allein darf man nicht zählen, dass es einsames Geschäft ist, die virtuellen Endlos-Regale abzuklappern oder nur ein Rendezvous mit der Sprachroboterin Alexa bei Amazon zu haben, ungewaschen, in Hausschlappen und Jogginghosen – da trifft man weder Freunde noch bekommt man ein Glas Prosecco angeboten. Rund zwei Drittel aller Deutschen sollen das tun – das stelle man sich mal bildlich vor! Einkaufen mit Eventcharakter und als emotionales Erlebnis, dieses Konzept verfolgt längstens auch Palm am Fleinertor. Auch hier ist die nächste Generation bereits angetreten, Axel Palm hat Hanix Nr. 53 Unter der Regie von Sibylle Mösse-Hagen, Prokuristin des Hagen, zog bereits 1994 die Mode ein ins Kaffeehaus in der Christophstraße. HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Hanix Nr. 53 Erfahrungen da gesammelt, wie es gute Kaufmannstradition ist: bei der auswärtigen Konkurrenz. Das renommierte Fachblatt »Textilwirtschaft« hat dem Haus Palm in der Dezemberausgabe einen doppelseitigen Bericht gewidmet, dessen Titel sagt schon alles: »Den Chip neu programmieren«. Das soll gehen mit »weniger Fläche, mehr Individualität, personeller Stärke an der Spitze und in engem Kontakt zu den Kunden«. So sieht sich Wolfgang Palm (68) noch nicht in dem angestrebten Ruhestand, sondern nach wie vor gefordert für den stationären Handel zu kämpfen, denn »Druck kommt von allen Seiten«, vom E-Commerce aber auch so: »Für uns, zwischen Metzingen und Wertheim Village, sind die Outlets die weitaus größere Konkurrenz«, sagt er da – und: »Wir müssen die Firma noch einmal neu erfinden.« Darunter versteht er u. a. »noch kundenbezogener«. Das Ziel ist, dass jeder Kunde wenigsten vier Mal im Jahr kommt. Schon lange setzt man hier auf Social Media. Die Kundendatei umfasst 7.000 Adressen, wer z. B. schon länger keinen Mantel gekauft hat, bekommt eine entsprechende Ansprache. Tablets in jeder Abteilung erleichtern den Kontakt über Facebook und WhatsApp, der Internetauftritt wird professionell betreut. Das geht alles nur, wenn man, so Wolfgang Palm, vorher den Chip im Kopf neu programmiert hat. Dass die Zeiten nicht einfach sind, zeigt sein Schlusssatz: »Die nächsten drei Jahre werden zeigen, ob Palm eine Chance hat.« Sie werden auch zeigen, wer überhaupt eine Chance hat. Apropos »Outlet«: Hat man jemals darüber nachgedacht, ob es wirklich der Untergang des innerstädtischen Handels gewesen wäre, wenn die Outlet-Pläne für den früheren Bierstorfer am Saarlandkreisel (heute das XXXL-Möbelhaus) in die Tat umgesetzt worden wären? Ein Blick auf Wertheim enthält die Antwort. Stuttgarter Händler haben vor Weihnachten ein bemerkenswertes Zeichen mit einer ungewöhnlichen Aktion gesetzt. Während man in Heilbronn immer noch den Eindruck haben muss, man wünsche sich selbst so umstrittene Ketten wie Primark herbei, wurden anlässlich der Eröffnung des zweiten Stuttgarter Primark-Stores dessen Kunden aufgefordert, die gerade erworbene Kleidung gleich wieder in bereitgestellte Container zu entsorgen. Nutznießer der Aktion gegen einen Ramscher mit Ramschpreisen sollten Bedürftige sein. Selbst Weltstädten wie Wien macht der Onlinehandel zu schaffen. Wie man hier darauf reagiert, kann ein Beispiel sein, zeigt aber auch, dass der Handel »politische« Unterstützung braucht. In Wien war es die Wirtschaftskammer (hier wäre es die IHK), die die »Echtshopper-Kampagne« mittrug. Da gab es beispielsweise wunderschöne, wertvolle Papiertüten, auf denen zu lesen steht: »Wir wissen, wo wir kaufen« oder »Chices Sackerl statt braunes Packerl!« So schafft man Solidarität mit Seriosität, Identifikation mit dem stationären Handel und der Stadt. Einer der schönen Slogans lautete »Lieferzeit – ein Lächeln!«, Conchita Wurst war das Werbegesicht. In der Abwehrschlacht gegen den Online-Handel ging ein Wiener Sportfachhändler sogar soweit, eine 35-Euro-Gebühr für eine »ausführliche Beratung« zu verlangen, z. B. wenn er über Bogenschießen beriet. Die wurde dann rückerstattet, wenn das Schießgerät bei ihm gekauft wurde. Auch so kann man dem Beratungsdiebstahl begegnen, der ja auch bei uns beschämende Formen angenommen hat. Ein Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, Rainer Erlinger, beantwortet hier Fragen zur Ethik, sagte einem Leser klipp und klar: »Es ist unmoralisch, wenn Sie mit dem Willen in das Geschäft gehen, sich dort beraten zu lassen, aber im Internet zu kaufen, die Beratung also kostenlos abgreifen wollen. Das Gleiche gilt, wenn Sie nachher noch einmal die Preise vergleichen in der Absicht, nach der kostenlosen Beratung beim Günstigsten zu kaufen.« HEILBRONNER EINZELHANDEL NOCH UNGEBUNDEN? DIE BEZIEHUNG AUF PROBE! TESTEN SIE UNS MIT UNSEREN SCHNUPPER-ABOS! Schnupper-Abo Dienstag 06.03.18, 20:00 Uhr »Das kunstseidene Mädchen« SCHAUSPIEL 10.04.18, 19:30 Uhr »Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken« MUSICAL 22.05.18, 19:30 Uhr »Ein Volksfeind« SCHAUSPIEL 10.07.18, 19:30 Uhr »Tartuffe« KOMÖDIE Preise (normal /ermäßigt): PK 1 74,50€ / 42,50€ PK 2 66,50€ / 37,00€ PK 3 59,50€ / 33,00€ PK 4 46,50€ / 29,00€ Schnupper-Abo Freitag 23.03.18, 19:30 Uhr »Unterwerfung« SCHAUSPIEL 20.04.18, 19:30 Uhr »Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken« MUSICAL 18.05.18, 19:30 Uhr »Tanz! Heilbronn« TANZ 06.07.18, 19:30 Uhr »Tartuffe« KOMÖDIE Preise (normal / ermäßigt): PK 1 89,00€ / 53,00€ PK 2 78,00€ / 44,00€ PK 3 68,00€ / 38,00€ PK 4 51,00€ / 32,00€ VERKAUFSSTART AB 01. FEBRUAR 2018 BUCHUNG UNTER: 07131.56 30 01 THEATER-HEILBRONN.DE Normales Minigolf war gestern … … lassen Sie sich jetzt von 3D-Schwarzlicht-Indoor-Minigolf begeistern! ASPERG ETTLINGEN SCHWÄBISCH GMÜND Infos unter ww.simigolf.de

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Die schamlose Gesellschaft, die wir geworden sind, zeigt sich ungeschminkt da, wo der Schnäppchenjäger der Held ist und der regulär Einkaufende der Depp. Übrigens. Ein Teil der »Echtshopper-Kampagne« in Wien war ein »Tag des Zeitungslesens« in den Cafés. Auch so schafft man Aufenthaltsqualität, und wie es auch gehen kann, zeigt die Kreissparkasse Heilbronn mit der Aktion »Einfach einkaufen«. Thomas Gauß sieht in der Abwehr des Onlinehandels auch die Politik gefordert, er nennt es eine institutionalisierte Benachteiligung des Einzelhandels, wenn Online-Bestellungen auch sonntags bearbeitet und versandt werden, während man sich in Heilbronn mit Ver.di auf zwei verkaufsoffene Sonntage verständigt habe – und er hofft darauf, dass die Scheitelwelle des Online-Konsums in absehbarer Zeit erreicht wird, nämlich dann, wenn es den Kunden zu blöd ist, umzutauschen, zurückzuschicken, ohne Beratung einzukaufen. Als Ende letzten Jahres in der ARD-Doku-Reihe »Die Story im Ersten« die Macht von Amazon auf- und angegriffen wurde, kamen die Filmemacher auch nach Heilbronn – u. a. zu Seel und zu Wollke. Die Herausforderungen des Onlinehandels für den Einzelhandel hat man in Heilbronn nicht verschlafen, aber wenn man sich das Angebot der Plattform »Mein Heilbronn« genau ansieht: Es reißt einen nicht vom Hocker! Seel in Heilbronn bietet von ca. 22.000 Artikeln etwa 13.000 online an. Bedenkt man den Zeitaufwand, diese Auswahl ins Internet zu stellen und die Plattform zu pflegen, kommt man um große Zweifel an der Effizienz nicht herum. Eva Schnepf (Seel) kann aber immerhin feststellen, dass seither die Kundenfrequenz im Geschäft zugenommen hat. Amazon wird man das Geschäft damit nicht versalzen, aber mit schnellen Apps kann man gerade auch junge Leute und Menschen mit flexiblem Kaufverhalten in die Geschäfte locken, sie vor allem auch zielgruppenkonform ansprechen. Voraussetzung ist allerdings, es gibt diese Läden in Heilbronn. Die Streetwear, die Aki Tuncer unter dem Namen »Ghetto de Luxe« in der Wilhelmstraße anbot, war auf dem Level junger Avantgarde und dazu noch mit die erste auf dem Standard von »Green Fashion«. Nach einem Seitenwechsel ist Tuncer jetzt nicht mehr Händler, sondern Manager. In einem Interview mit einem englischsprachigen digitalen Sportswear-Magazin beschwor er die Händler, ihre Konzepte und Angebote ständig zu verbessern, berichtete davon, dass in einem Hamburger Geschäft die Verkäufer mittlerweile über Headphones Informationen zu und für die Kunden erhielten: »This is a form of completely organized consumption«. Mehr denn je müsse man, um zu überleben, sich auch unterscheiden, sagt Tuncer. Unterscheiden müssen sich auch die Städte, denn auch sie sind im Wettbewerb. Wer erinnert sich noch an die letzte Kampagne für Heilbronn als Einkaufsstadt? Lange her, damals ging es um Parkmünzen bzw. befristetes kostenfreies Parken. Seither ist Stille. »Eine Stadt ohne Handel ist eine tote Stadt. Keine Geschäfte: Das bedeutet auch keine beleuchteten Auslagen, keine Sicherheit und keine sozialen Beziehungen zwischen Menschen«, so lautete die Begründung in Wien für die »Echtshopper-Kampagne«, in der auch daran erinnert wurde, was ebenfalls für Heilbronn gilt: Wo und an wen zahlen eigentlich die Online-Händler ihre Steuern? Wohin die des stationären Handels fließen, das weiß man, auch deshalb kann er etwas von der öffentlichen Hand erwarten. Was Heilbronn betrifft, kann man es hier nachlesen (siehe »Fünf Fragen an die Stabstelle Wirtschaftsförderung«), wie es gehen kann, zeigt ein Beispiel aus München, auch wenn es sich in diesem Fall um die Betreiber eines Einkaufszentrums handelt, es ist eine gute und übertragbare Idee: Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben für Start-ups im stationären Handel, mit 50 m2 Ladenfläche, bester Infrastruktur, einem 20.000-Euro-Baukostenzuschuss für die Möblierung, fachkundiger Begleitung, Sonderkonditionen bei Mieten – einzige Voraussetzung war ein überzeugender Businessplan. Mit zwei oder drei etwa nach diesem Muster geförderten Läden kann man schon eine ganze Straße wieder auf die Beine bringen. Phantasie ist kein Hemmnis: Andernorts begegnet man dem Leerstand in der Stadt mit Schaufensterkonzerten. Ein Klavier in einen leeren Laden gestellt, junge Musiker und Talente aufgerufen und schon kommt Stimmung in den Laden und in die Stadt. Wiederum andernorts gibt es Gestaltungswettbewerbe für leere Ladenfenster, da müssten doch die Künstler und Gestalter jubeln! Speziell in Heilbronn könnte ein Wettbewerb für Popup-Läden mit inhaltlichem Bezug zur Buga in der Innenstadt die schönsten Blüten treiben, es fehlt ja nicht an Kreativität. Steffen Schoch von der HMG denkt in diese Richtung, bis hin zu einem Riesenrad in der City und wenigstens an zwei Events pro Monat, die sie und die Buga im Sommer 2019 verbinden. Wenn man mal überschlägig nachrechnet, welche Unsummen aus dem Buga-Etat bisher in bunte Drucksachen mit überschaubarer Halbwertzeit geflossen sind, wünscht man sich, dass ein Bruchteil davon für solche Projekte eingesetzt worden wäre. Es war kein Zufall, dass sowohl »Spiegel« wie auch »Stern« vor Weihnachten ihre Titelstory dem Online-Handel und dessen gesellschaftliche Auswirkung widmeten. Was man da als Zukunftsvision serviert bekam, konnte einem glatt das Fest verderben. INFO: Kurz nach Hanix-Redaktionsschluss vermeldete echo24.de: »Droht der Stadtgalerie ein Ladensterben? Allein im Untergeschoss der Heilbronner Stadtgalerie schließen wohl fast zehn Geschäfte. […] Unter den Händlern und Mitarbeitern in der Stadtgalerie brodelt derzeit ebenfalls die Gerüchteküche gewaltig. […] Fakt ist, zahlreiche Verträge laufen im März aus. Raus gehen werden laut echo24.de-Informationen im Untergeschoss Starbucks, Runners Point, WMF, T-Tan, The Body Shop, Swarovski und Marken Juwelier. Bereits weg sind Butlers und ein Kinderbekleidungsgeschäft. In den oberen Stockwerken geht's weiter: Asia Hung, Gerry Weber, Segafredo, Cecli und die Parfümerie Akzente werden wohl zumachen. S’Oliver soll innerhalb der Galerie umziehen – kleiner werden.« Hanix Nr. 53 links: Wollke-Mitinhaberin Ingrid Steimer führt das Fachgeschäft für Mode und Garne Am Kieselmarkt. rechts: Tipi-Inhaberinnen Rabea Sattar und Anne Hendricks sind kürzlich in die Biedermanngasse gezogen. 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Fünf Fragen an die Stadt … beantwortet von der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung Hanix Nr. 53 Hanix: Welche konkreten Maßnahmen plant man bei der Stadt, um dem ständig wachsenden Laden-Leerstand zu begegnen bzw. hat er Ursachen, die auch die Verwaltung zum Handeln bewegen müssten? Stabstelle für Wirtschaftsförderung: Zunächst ist festzuhalten, dass sich Heilbronn durch eine unterdurchschnittliche sog. Leerstandsquote auszeichnet. Natürlich gibt es immer Veränderungen, welche beispielsweise Entscheidungen der jeweiligen Eigentümer, steigenden Mietpreisen oder steigenden Nebenkosten zuzuschreiben sind. Entstehen dabei Leerstände, versuchen wir als Verwaltung im Rahmen unserer Möglichkeiten zu vermitteln. Dies ist soweit normales Marktgeschehen. Andererseits ist hinlänglich bekannt, dass der Handel und somit auch unsere Innenstädte vor starken Veränderungen stehen durch steigende Umsätze im Onlinehandel und sich veränderndem Konsumentenverhalten. Das ist keine Heilbronner Besonderheit. Den Umgang mit diesen zukünftigen Gegebenheiten verstehen wir als unsere Aufgabe. Aktuell befindet sich der Masterplan Innenstadt für Heilbronn in Fortschreibung. Ziel ist es, gemeinsam mit einem Beratungs- und Planungsbüro besagte strukturelle Veränderungen vorzudenken und von den Ergebnissen konkrete Handlungsoptionen abzuleiten. Dabei denken wir über den Status quo hinaus. Auch Zukunftskonzepte wie Urban Gardening oder Urban Farming dürfen nicht aus den Überlegungen ausgeschlossen werden. Teile bisheriger Handelsflächen könnten in seniorengerechte und klassische Wohnnutzung mit umgebendem Ökosystem wie Praxisflächen umgewidmet werden. Hat man ein Konzept, um die Tristesse von Leerständen wenigsten während der Buga abzumildern, z.B. durch Vorgaben oder Appelle an die Hausbesitzer, für Sauberkeit und anständige Optik zu sorgen oder auch darüberhinausgehende »Fassadenkosmetik«? Tristesse können wir in der Heilbronner Innenstadt nicht feststellen. Vielmehr fällt die positive Entwicklung Heilbronns auf. Die Neckarmeile lädt zum Flanieren ein und ihre gastronomischen Angebote werden gut angenommen. Auch der Handel ist ein starker Frequenzbringer. Stadtverwaltung, Akteure des örtlichen Handels, Heilbronn Marketing und die stadtinitiative kooperieren in vielen Bereichen. Denken Sie an die Begrünung unserer innerstädtischen Plätze im Frühjahr und Sommer mit Palmen und Oleandern, die Bepflanzungen der Kreisverkehre oder die Aktion »Stadtgrün 2019«. All diese Projekte zur Verbesserung des Erscheinungsbildes der Stadt, gerade während der Buga, zeigen, dass von Tristesse keine Rede sein kann. Ist die Wirtschaftsförderung personell und finanziell ausreichend gut aufgestellt oder gibt es hier in beiden Bereichen Bedarf? Die Stabsstelle für Wirtschaftsförderung wurde zum letzten Quartal des vergangenen Jahres durch eine zweite Vollzeitstelle verstärkt. Gleichzeitig kooperieren wir eng mit dem City-Management der Heilbronn Marketing GmbH, das in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2017 personell neu ausgestattet wurde. Gibt es Vorstellungen dazu, wie man Buga-Besucher in die Stadt holt, bzw. abholt? Um Besucher in die Stadt zu holen, plant die Buga mit einer Tourist-Info-Außenstelle und dem Forum Heilbronn anzusetzen. Außerdem befindet sich ein Shuttle-Service zwischen Buga und Innenstadt per Wasser, Bus-Zügen oder Velotaxen in Prüfung. Daneben sind auch inner- und gesamtstädtische Gastronomie und die Angebote des Handels attraktiv. Gibt es Vorstellungen dazu, wie man mit Partnern z. B. aus der Kultur und der jungen Kultur hierzu ein Angebot bietet? Während der Buga plant Heilbronn eine Vielzahl von Ereignissen. Dabei herausragend wird die Einbindung des Landes-Chorfestes und des Landeskinderturnfestes sein. Außerdem gibt es ein Unterhaltungsangebot mit Street-Art-Künstlern, Walking-Acts und Musikdarbietungen an verfügbaren Flächen. Natürlich setzen wir dabei auf die Einbindung der hiesigen kulturellen Akteure und der freien Kulturszene. ◆ www.pianowinebar.com Frankfurter Straße 36, 74072 Heilbronn Wein & Kunst

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Das Haus der Stadtgeschichte hat sich im Foto-Archiv nach traditionsreichen Heilbronner Einzelhändlern umgesehen. Ein historischer Einkaufsbummel durch Heilbronn. Heilbronner Einkaufskultur Hanix Nr. 53 Fotos: Stadtarchiv Heilbronn 54 Hermann Eisenmenger: Heilbronner Stimme/Stadtarchiv Heilbronn HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Hanix Nr. 53 Kaiserstraße mit Haushaltswaren-Kachel Fotograf: Fritz Friederich, 1969 Seit 1950 befand sich das Geschäft, das damals von den Brüdern Erhard, Roland und Werner Kachel geführt wurde, in einem großzügigen Neubau in der Kaiserstraße 27. Hier konnte man sich nicht nur mit feinem Geschirr und Hausrat eindecken, seit den 1960er Jahren gab es auch ein Hi-Fi-Stereo-Studio mit Schallplatten-Bar und ab 1969 eine Abteilung für Fernsehgeräte. 2008 schloss auch dieses Heilbronner Traditionsgeschäft. Ecke Kirchbrunnenstraße und Kiliansplatz Fotograf: Fritz Friedrich, 1962 In der Capri-Drogerie konnte man sich seit 1951 mit Drogerieartikeln eindecken und der Friseursalon Wesely verhalf nicht nur zu einer schicken Frisur, sondern er verfügte auch über eine große Parfümerie-Abteilung. Zur Einkaufspause empfahl sich die Einkehr im Café Noller. Und am Kiliansplatz lockte neben der Milchbar seit Kurzem auch das Eis-Café von Enzo Presutti mit seinen italienischen Spezialitäten. Blick in die Klarastraße Fotograf: Fritz Friederich, 1966 Das 1945 gegründete Bekleidungsgeschäft Wilhelm Barthel hatte 1953 den auffallenden Neubau im Dreieck Allee, Kilianstraße und Klarastraße bezogen. Im Sommer 1980 übernahm das Mode-Center MC Krauß das Geschäft, das von 1986 bis 2007 als Bekleidungshaus Krauß firmierte. Auch das Textilhaus Veigel war in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden. 1955 bezog es einen Neubau in der Hohe Straße. 1974 ging das Textilhaus Veigel in Konkurs. Hafenmarkt-Passage Fotograf: Fritz Friederich, 1966 Die Hafenmarkt-Passage war bei ihrer Eröffnung 1954 die erste autofreie Einkaufszone in Heilbronn. Hier gab es ein vielfältiges Angebot, zum Beispiel das Wolle-Geschäft Rödel, LoLo-Moden, ein Korsettfachgeschäft und den Radiospezialisten Werner Heiligmann. Seit 1955 ist hier die Galerie Seiler beheimatet. Im Passagen-Café und in der Gaststätte »zum Hafenmarktwirt« konnten sich die Einkaufslustigen zwischendurch stärken. Herrenbekleidung Zimmermann Fotograf: Fritz Friederich, 1972 Seit 1920 befand sich das Fachgeschäft Ernst Zimmermann in der Sülmerstraße und galt als Top-Adresse, was Herren- und Knabenbekleidung betraf. Als dieses Foto entstand, hatte Zimmermann gerade das Geschäftshaus erweitert, die Fassade modernisiert und zusätzliche Angebote aufgenommen. Dazu gehörte die »Young-Europe-Style«-Abteilung samt Kaffeebar, wo sich die jugendliche Kundschaft über die neuesten Trends in der Herrenmode informieren konnte. Als Zimmermann 1999 schloss, war das für die Heilbronner Einkaufswelt ein herber Verlust. Bahnhofstraße Fotograf: Hermann Eisenmenger, 1982 Für die Jugendlichen aus Heilbronn und dem Umland war die Bahnhofstraße seit Mitte der 1960er Jahre eine erste Anlaufstelle, um sich beispielsweise mit den neuesten Jeans und Cordhosen einzudecken. Denn 1965 eröffneten Martin und Sigrid Lorenzini hier ihre Boutique Junge Mode, dann den Drugstore und 1973 die Boutique Mathilda. Auch Sam’s Jeansmode ergänzte das Angebot für junge Leute. Blick auf das Model-Haus Foto: Stadtarchiv Heilbronn, Juli 1971 Die östliche Ecke Sülmer- und Kaiserstraße war bis 1969 eine der letzten kriegsbedingten Baulücken in der Innenstadt. Beim Stoffhaus J. Model mit seiner Inhaberin Gertrud Kress-Model bekam man ein höchst vielfältiges Stoffsortiment – natürlich mit entsprechender Beratung; im Untergeschoss wurde die City-Boutique zum »Treffpunkt für die modebewußte junge Dame«. Auf dem Dach des sechsgeschossigen Hauses wurde 1973 der »Dachpavillon« eröffnet. HISTORISCHER EINKAUFSBUMMEL

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Ein Spaziergang durch Heilbronns Innenstadt stimmt einen nachdenklich. Geschäfte stehen teilweise seit Monaten leer, die Besucher in der Stadt sind überschaubar und es hängen oft mehr Rabatt-Plakate in den Schaufenstern als Neuankündigungen. Verliert die Innenstadt an Attraktivität? Wir sprechen mit THOMAS GAUSS, Inhaber des Intersport Profimarkts und des Sporthauses Saemann, über diese Veränderungen, was sie bedeuten und was es braucht, um den stationären Einzelhandel zu fördern. Von Maria Sanders, Fotos: Meli Dikta Die Kreativen werden überleben In der Heilbronner Innenstadt hat sich vieles verändert. Vor zwanzig Jahren gab es wesentlich mehr inhabergeführte Geschäfte. Heute sind die kleinen Läden mit ihren individuellen Angeboten eine Rarität. Das mag am Modetrend liegen, wenn sich ein Hutfachgeschäft wie Hut Mayer in der Sülmerstraße auflöst. Oder eben daran, dass die kleinen Betriebe von großen Filialisten, Franchise-Unternehmern und Systemgastronomen verdrängt werden. Wessen Aufgabe ist es dann, nach der nötigen Ausgewogenheit an Angeboten zu schauen? In jedem Fall ist es alarmierend, welche bemerkenswerte Wendung der stationäre Einzelhandel in Heilbronn genommen hat: Er schrumpft. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein Teil der Entwicklung macht wohl ein neuer Faktor in der Wertschöpfungskette aus: der E-Commerce, also der Warenhandel im Internet. In den vergangenen zehn Jahren hat dieser etwa 25 bis 30 Prozent Umsatzanteil erobert. Eine beachtliche Umverteilung. »Es findet eine Marktbereinigung durch den Online-Handel statt, der nicht zu umgehen ist«, stellt Thomas Gauß ernüchternd fest. Aus Kundensicht spricht viel dafür, die Dienste im Internet zu nutzen. Alle Produkte sind zu jeder Tages- und Nachtzeit, überall und zu transparent nachvollziehbaren Preisen zu erwerben. Die Phase nach dem Kauf ist zwar nicht bei allen Anbietern stets kundenorientiert geregelt, sodass man froh ist, wenn man einen Mitarbeiter im Kundendienst telefonisch oder per E-Mail erreicht, aber das scheint nicht das Hauptargument zu sein. Der Preis entscheidet. Und wenn der für das gleiche Produkt im Internet niedriger ausfällt als für das Produkt im Geschäft, zu dem man auch noch hinfahren müsste, dann ist die Antwort wohl klar, oder? Stationäre Geschäfte bleiben künftig in ausgedünnter Form bestehen Während man nach einem Online-Einkauf auf seine Lieferung wartet, kann die Ware in stationären Geschäften angefasst, angezogen und ausprobiert werden. Langes Warten ist nicht nötig. Der Kunde nimmt die Ware nach dem Kauf direkt mit nach Hause. Und im Falle einer Reklamation geht er direkt zum Verkäufer. Daher ist sich Thomas Gauß sicher: »Stationäre Geschäfte bleiben bestehen, allerdings künftig in ausgedünnter Form.« Eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist. Entscheidend ist vielmehr, wie mit dieser Entwicklung umgegangen wird. Was wird getan? Der 47-Jährige empfiehlt, kreative und ausgeklügelte Konzepte zu entwickeln, durch die der Offline-Einkauf an Attraktivität gewinnt und den Kunden einen Mehrwert bietet. Auf seinen Reisen durch Europa ist Thomas Gauß eine Stadt besonders aufgefallen: Amsterdam. »Hier wird Einzelhandel komplett neu gedacht«, erklärt der Sportökonom. Er nennt Beispiele wie das Konzept des niederländischen Jeansherstellers »Denham«. Der Kunde wird dort eingeladen, zu bleiben. W-Lan ist kostenlos, es gibt exquisiten Kaffee in einer entspannten, stylischen Atmosphäre, in der außergewöhnliche Produkte verkauft Hanix Nr. 53 rechte Seite: Thomas Gauss, Geschäftsführer Saemann und 56 Intersport Profimarkt sowie Vorsitzender der stadtinitiative HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Hanix Nr. 53 werden, die sonst keiner hat. »Es muss eben etwas Besonderes sein«, beschreibt der Geschäftsführer von Intersport Saemann. Erlebniswelten sind die Zukunft Der anspruchsvolle, wissende Kunde will ein Erlebnis geboten bekommen. Dafür verlässt er auch sein Zuhause. Erlebniswelten machen die Zukunft des Einzelhandels von morgen aus. Ähnlich wie Denham ziehen »Lust auf Gut«, ein Konzeptstore aus Freiburg, mit. Die Idee: extravagante Klamotten in einem coolen Store einzukaufen. Davor kann man sich noch im Barber Shop aufhübschen lassen und anschließend ein paar Blumen, außergewöhnlich gesteckt, für die Liebste mitnehmen. Hier wird nicht einfach nur eingekauft, sondern ein Erlebnis geschaffen, das über alle fünf Sinne erfahren und ausgiebig genossen wird. Auch Thomas Gauß möchte für seine Kunden einen hohen Erlebniswert schaffen, den man von einem Sportgeschäft nicht erwartet, und hat sich mit seinem Team einige Neuheiten überlegt. Neben ausgefallenen Eiskreationen und veganen Sorbets der Marke »Del Fiore«, kann man ab 2018 nach seinem Einkauf noch einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen – um nur einige Ideen zu nennen. So wird das Sporthaus Saemann in der Heilbronner Kaiserstraße mit völlig neuem Konzept und Antlitz daher kommen und völlig neu aufgestellt: beginnend beim Ladenbau, über ein neues Logo und ein neues Gestaltungskonzept hin zum Sortiment. Hier will Gauss für seinen zukünftigen Concept-Sport-Store einen USP entwickeln. »Unser zukünftiges Sortiment wird sonst nirgends zu finden sein. Wir konzipieren und entwickeln eigenes Sportgerät, das Design und Funktion kombiniert und als Einrichtungsgegenstand und Trainingsgerät funktioniert, z. B. den Hantelständer. Er wird nach Kundenwunsch aus Holz und vollgefräßtem Edelstahl in ei- SPORTHAUS SAEMANN ner Manufaktur angefertigt.« Im Frühahr 2018 wird eröffnet. Das Sporthaus Saemann wird zu einem konzeptionellen Sportkultur-Kaufhaus. »Die Kreativen werden überleben«, ist Gauß überzeugt, »diejenigen, die abwarten und gucken, bekommen Probleme.« Online setzt also neue Standards für offline. Wer nicht mitzieht und den Kunden keinen Mehrwert schafft, verliert sie – verliert Frequenz, Umsätze und Attraktivität. Stichwort Aufenthaltsqualität Dabei geht es nicht um die Debatte Online versus Offline-Handel, sondern um die Auswirkungen und wie damit künftig umgegangen werden soll. Eine begehrte Innenstadt schafft Frequenz. Und was macht eine Innenstadt anziehend? Auf Heilbronn bezogen, insbesondere entlang der Route von der Fleinerstraße bis hin zum K3 in der Sülmerstraße? Genau, Lebendigkeit. Wenn man sich dort wohlfühlt und sich gerne aufhält. Stichwort Aufenthaltsqualität. Vielleicht wegen der gemütlichen Atmosphäre oder der außergewöhnlichen Angebotsvielfalt. Ein wichtiges Thema sieht Gauß zudem in dem der Wirtschaftsförderung angesiedelten Leerstandsmanagement. Nicht abwarten, sondern offensiv auf außergewöhnliche Unternehmen zugehen, um sie werben und sie für Heilbronn gewinnen. Plus: Sich mit anderen Unternehmen – über mein-heilbronn.de hinaus – austauschen und gemeinsam neue Projekte realisieren, um den stationären Einzelhandel zu stärken und dadurch Heilbronn wieder attraktiver zu machen. Gute Grundlage Im Verhältnis zu anderen Städten hat Heilbronn eine gute Basis geschaffen, um die Bevölkerungszahl zu halten und den Heilbronner Stadt- und Landkreis lebenswert zu gestalten. Siehe den Bevölkerungszuwachs durch den Bildungscampus, der neu erschlossene Stadtteil Neckarbogen mit etwa 3000 Einwohnern, die 2019 fertiggestellte Bundesgartenschau sowie die experimenta als Europas größtem Wissenschaftszentrum. Nun braucht es nur noch die richtigen Angebote. Thomas Gauß ist überzeugt: »Jetzt liegt es an uns, den stationären Einzelhandel so zu gestalten, dass wir anziehend genug sind und die Kunden zu uns kommen wollen.« ◆ Bauch, Beine, Po - und Hirn. www.yogakraftwerk.de Siemensstraße 10 Bad Friedrichshall

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EINKAUFSBUMMEL DURCH HEILBRONN

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Wie fühlt er sich an, ein Stadtbummel durch die Fußgängerzone in Heilbronn – vom Wollhaus bis zum K3? Statt dafür viele Worte zu suchen, baten wir den Heilbronner Illustrator NATALIS LORENZ, für uns durch die Innenstadt zu bummeln. Seine Eindrücke sollte er in einer Illustration festhalten …

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Wie ist es um den Heilbronner Einzelhandel bestellt? Welche Zukunftsaussichten haben die Macher und Kümmerer des stationären Handels in der Heilbronner Innenstadt? Fragen, die wir den Experten und Betroffenen stellen wollten. Deshalb luden wir IRINA SCHARFETTER (Citymanagerin), ALINA FISCHER (Leiterin Stadtgalerie), AXEL PALM (Modehaus Palm) und ROMINA CONSAGRA (Inhaberin chouchou Boutique) an einem vorweihnachtlichen Dezemberabend ins Fleischhaus zu Pfeffer Lebensmittel ein. Ein Tischgespräch über das Innenstadtbild, Wünsche an die Wirtschaftsförderung der Stadt, Online-Handel und einen Ausblick auf das Buga-Jahr. Gesprächsleitung: Robert Mucha & Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Nico Kurth »Das Herz jeder Stadt ist die Innenstadt« Im Uhrzeigersinn: Alina Fischer, Romina Consagra, 60 Irina Scharfetter und Axel Palm HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Hanix: Wie ist die allgemeine Stimmungslage bei Ihnen? So trübe, wie man es in der Lokalpresse in den letzten Wochen lesen konnte? Gefühlt gab im Herbst im Wochentakt ein Geschäft die Geschäftsaufgabe bekannt. Oder ist die Lust groß, den Herausforderungen entgegenzutreten? Axel Palm: Ich bin erst seit April wieder in Heilbronn und habe zehn Jahre lang Abstand gehabt. Die Umsätze hätten durchaus besser sein können im vergangenen Oktober und im November. Woran es genau liegt, dass es so ist, wie es im Moment ist, das ist schwer zu sagen. Es gibt viele Faktoren: Onlinehandel, Outlets, aber auch die Innenstadt wird durchaus sehr negativ wahrgenommen. Das fällt mir auf, auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis ist die abnehmende Attraktivität der Heilbronner City Thema. Ich glaube, dass der Handel hier in der Stadt mit vielen Baustellen zu kämpfen hat. Manche sind beeinflussbar und andere nur partiell oder gar nicht. Wie ist deine Stimmungslage, Romina? Du bist mit deiner kleinen Boutique nicht mitten in der Innenstadt, sondern etwas am Rand, an der Neckarpromenade. Wie war dein Jahr? Romina Consagra: Mein Jahr war positiv. Ich habe nicht viel zu beklagen, aber ich bemerke jetzt kurz vor Weihnachten auch, dass es relativ ruhig ist. Das überrascht mich. Wird die Atmosphäre in der Innenstadt und das Erscheinungsbild der City auch in deinem Umfeld thematisiert? Romina Consagra: Ich bekomme – bezogen auf das Innenstadtbild, die Angebotsvielfalt und das Flair – immer öfter von Kunden gesagt, dass es ihnen in Heilbronn an Auswahl fehlt, dass sie von der Innenstadt enttäuscht sind. Es kommen viele Zugezogene, Studenten, neue Heilbronner zu mir in den Laden, deren Tenor oft lautet: »Ja, okay, die Stadt lässt ein bisschen zu wünschen übrig.« Sie sind froh, dass sie sowas wie mein kleines Lädchen am Neckar entdecken. In diese Richtung könnte mehr gehen, das ist die Meinung meiner Kunden. Frau Scharfetter, Sie sind seit Sommer 2017 bei der HMG für das City-Management Heilbronns zuständig. Zuvor hatten Sie ein ähnliches Tätigkeitsfeld im Stadtmarketing in Mannheim. Wie nehmen Sie die Heilbronner Innenstadt aus beruflicher Sicht wahr? Irina Scharfetter: Ich nehme es etwas anders wahr. Gerade zur Weihnachtszeit ist die Stimmung positiv. Ein großes Thema für die Zukunft ist Aufenthaltsqualität schaffen. Ich denke, Heilbronn hat da viel Potenzial. Aus beruflicher Sicht: Es lässt sich also mit der »Innenstadt« arbeiten? Irina Scharfetter: Es lässt sich gut damit arbeiten. Es gibt ein paar kritische Punkte, die mir von den Händlern widergespiegelt werden. Das kann man nicht alles ad hoc verändern aber wir haben uns da auf den Weg gemacht und es gibt in Heilbronn schöne Entwicklungen. Die Neckarmeile ist toll, oder neue, kleinere Geschäfte, die sich zentrumsnah ansiedeln und neue Zielgruppen heranziehen. Mit dem Hochschulstandort, der sich entwickelt, kommen zukünftig andere Zielgruppen in die Stadt. Potential ist also vorhanden. Ich beobachte auch, dass häufig negativ über die Entwicklung der Innenstadt gesprochen wird. Ich wünsche mir von den Bürgern, den Medien und Händlern, sich bewusst öfter positiv über Heilbronn zu äußern und den Blick auf die guten Entwicklungen zu legen. Das beste innerstädtische Event dieses Jahr, Frau Fischer? Alina Fischer: Das beste innerstädtische Event ist für den Einzelhandel traditionell »Jazz und Einkauf«. Wie fällt Ihr Fazit für 2017 aus? Alina Fischer: Wir spiegeln den Einzelhandel insgesamt wider, weil wir verschiedene Branchen vertreten. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Prognose für dieses Jahr positiv ausgefallen ist im Vergleich zum Vorjahr. Wir, die Stadtgalerie, sind in der Summe zufrieden. Ganz klar ist aber, dass es im Handel einen Wettbewerb um Relevanz gibt. Die Kunden werden anspruchsvoller. Es gibt ein verändertes Konsumverhalten. Durch die Digitalisierung müssen wir vermehrt den Kundenansprüchen gerecht werden und beispielsweise Informationen leichter zugänglich machen. Der Kunde hat die große Wahl darüber, wo er einkaufen geht oder wo er ein Event besucht. Daher ist klar, dass wir intensiv daran arbeiten müssen, die bestehende Aufenthaltsqualität in Heilbronn weiter zu optimieren und auszubauen. Braucht es damit einhergehend neue Eventformate für die Innenstadt oder ist die Stadt da gut aufgestellt? Axel Palm: Insgesamt sind die Formate gut, »Jazz und Einkauf« ist sehr erfolgreich und erschafft sehr gute Stimmungen in der Stadt. Die Umsetzung kann dennoch verbessert werden. Was Besucher und Kunden bei solchen Events in der Innenstadt oft vorfinden, ist eine mit Neuwagen zugestellte Fußgängerzone. Erhöhen sich dadurch die Verweildauer und vor allem die Verweilqualität? Da kann man durchaus bessere Sachen machen, finde ich. Da gibt es SCHULRANZEN- BERATUNGSTAGE T E R M I N E F I N D E N S I E U N T E R W W W.DASTASCHENH AUS.DE! LUFTSPRÜNGE GARANTIERT Schulrucksäcke zum Abheben FÜR DIE 1.-4. KLASSE Das Taschenhaus-Stütz GmbH Weinsberger Straße 17/1 · 74072 Heilbronn · Tel.: 0 71 31 / 94 20 27 Mo–Fr 9.00–18.00 Uhr · Sa 10.00–16.00 Uhr · www.dasTaschenhaus.de www.ergobag.de

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sicher viele Möglichkeiten, um die Innenstadt an sich zu bewegen. Positive Entwicklungen sind vorhanden und am Entstehen: Die Neckarmeile wurde belebt, durch die Studenten wird eine extrem positive Entwicklung entstehen. Aber wenn man die Fleiner Straße und die Sülmerstraße runterläuft, ist das nicht mehr wirklich schön. Alina Fischer: Es wäre nicht förderlich zu sagen, wir arbeiten jetzt nicht weiter an der Eventqualität in Hinblick auf die Events, die wir hier haben. Wir müssen jedes Jahr neu hinterfragen: Bieten wir an, was der Kunde erleben möchte? Wir erleben eine Zeit, in der wir einem Wandel unterliegen und das müssen wir berücksichtigen. Wie viel hat das eben Gesagte eigentlich mit der täglich gelebten Realität hier zu tun und wo haben Sie vielleicht Zweifel an sich, ob Sie alles richtig machen? Alina Fischer: Ich hinterfrage jeden Tag, was wir tun. Ich weiß nicht, ob Sie es wahrgenommen haben, aber wir haben zum Beispiel neben klassischen Marketingmaßnahmen viel Leerstandsmarketing betrieben. Das ist natürlich nicht so, dass es gottgegeben ist, dass wir beispielsweise eine echo24.de-WLAN-Lounge als Interimsangebot umsetzen können. Aber wir entwickeln Ideen, sprechen mit Dienstleistern und potentiellen Kooperationspartnern über diese und reden dann auch mit unserem Immobilieneigentümer über die Themen, um z. B. Verträge hinzukriegen, die außerhalb der normalen Vorgaben gestaltet sind, wie es hier der Fall war. Auf diese Weise schaffen wir Mehrwerte für unsere Center-Besucher. Ich bin davon überzeugt, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass wir uns sehr bemühen, wirklich Leben ins Center zu bringen, positive Veränderungen anzustoßen und Abwechslung zu schaffen. Ich kann für mich behaupten, dass ich viel darüber nachdenke, was optimiert werden kann. Menschen treffen gerne Menschen, wenn sie einkaufen. Und tauschen sich aus. Sind emotional dabei, wollen ein Erlebnis. Alina Fischer: Und dadurch resultiert, dass man die Innenstadt eher für ein Shopping-Erlebnis nutzt. Deswegen machen wir ja Events. Deswegen versuchen wir Händler, die stadtinitiative und die HMG die Aufenthaltsqualität so zu gestalten, dass man die Stadt als Treffpunkt nutzt und somit auch belebt. Irina Scharfetter: Wir bei der HMG setzen die Events vor allem auch für den Handel um und unterziehen diese stetig einem Prüf- und Optimierungsprozess. Wer ist denn die größere Konkurrenz für stationären Handel in der Innenstadt und für Innenstädte allgemein? Ist es der Online-Handel oder sind es die Kletterarenen, die Freizeitparks, die Zoos, die Bundesligastadien? Alina Fischer: Wir stehen vermehrt, das sagen Studien, im Wettbewerb mit anderen Innenstädten. Wie bist du in einer Randlage zufrieden mit Wahrnehmung und Unterstützung des Stadtmarketings? Funktionieren die verkaufsoffenen Sonntage oder Night-Shopping-Events für dich? Romina Consagra: Ich sehe mich da als Einzelkämpferin. Ich kümmere mich um mein Marketing, um meine Kundenbindung, um alles, dass mein Laden besucht wird. Ich mache Aktionen, bin aktiv, dass meine Kundschaft zu mir kommt. Ich bin da abseits jeglicher Marketingaktionen der Stadt. Ich habe damit nichts zu tun, niemand kommt auf mich zu. Aber ich will das gar nicht kritisieren. Ein verkaufsoffener Sonntag ist für mich schön, weil natürlich die Neckarpromenade gut besucht ist, sonntags erst recht. Ich könnte generell immer sonntags aufmachen, weil ich sehe, da kommen immer viele an mein Schaufenster. Aber was in der Stadt passiert, das kriege ich meistens gar nicht mit. Würdest du es dir wünschen, dass da mehr Kommunikation von Seite der HMG angeboten wird? Anfangs dachte ich, das wäre schön, ich tue ja ebenfalls was für die Stadt. Ich bekomme so viel positives Feedback: »Was für ein schöner Laden da am Neckar ist. Sowas ganz Besonderes für die Stadt. Wie toll, dass es sowas gibt.« Natürlich wäre es schön, wenn jemand von der Stadt oder der HMG das auch so wahrnehmen würde wie meine Kunden. Aber es kam bisher noch niemand vom Stadtmarketing in meinem Laden. Hanix Nr. 53 62 HEILBRONNER EINZELHANDEL

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Hanix Nr. 53 Irina Scharfetter: Darf ich kurz fragen, sind Sie Mitglied in der stadtinitiative? Romina Consagra: Nein, das bin ich nicht. Irina Scharfetter: Das war bis jetzt ein wichtiges Kriterium. Das darf doch kein Zwang sein, Mitglied der stadtinitiative zu sein, um von der HMG angesprochen und einbezogen zu werden? Irina Scharfetter: Das wird sich durch den Aufgaben- und Personalwechsel zwischen der stadtinitiative und der HMG ändern. Bis jetzt war es so, dass zu vielen Events hauptsächlich die Mitglieder der stadtinitiative angesprochen wurden. Ich bin nicht nur für Mitglieder der stadtinitiative, sondern für alle Händler Ansprechpartner. Sie müssten eigentlich in den letzten Wochen mehrere Schreiben von uns erhalten haben? Romina Consagra: Das stimmt. Irina Scharfetter: Es wird sich jetzt in der Kommunikation etwas ändern, dass wir Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten unterbreiten werden. Romina Consagra: Ich bin total positiv. Ich bin gebürtige Heilbronnerin. Ich liebe Heilbronn. Ich habe hier bewusst meinen Laden aufgemacht. Ich liebe meinen Laden. Ich liebe meinen Standort und bekomme tolles Feedback von meiner Kundschaft, die sich auch aus vielen jüngeren Neuheilbronnern erschließt. Wie wichtig sind für euch größeren Akteure im Innenstadtbereich solche Angebote, wie Romina sie hat: individuell, inhabergeführt mit einem gewissen Charme und Großstadtflair? Axel Palm: Ich würde mir wünschen, dass es mehr davon in dem Bereich Fleiner Straße, Sülmerstraße, Kaiserstraße geben würde. Da muss viel mehr dafür getan werden, dass diese Konzepte dableiben und noch mehr davon entstehen. Sind denn die Vermieter von Einzelhandelsgewerbeflächen in anderen Städten mit einem anderen Mindset ausgestattet als hier in Heilbronn? Wenn ich das als Laie betrachte: Was wird an Mietzins aufgerufen hier in der Stadt? Fazit: Die Mieten, die hier aufgerufen werden, speziell in 1a- und 1b-Lage, sind völlig irrational. Das ist einfach nicht leistbar für den Normalsterblichen mit einer Idee. Und man hat das Gefühl, dass teilweise von Vermieterseite eher Leerstand, den man abschreiben kann und der bodenschonend ist, in Kauf genommen wird als was beizutragen zur Stadtentwicklung. Axel Palm: Ja. Irgendwann in naher Zukunft findet die Buga statt. Es kommen Hunderttausende in die Stadt, die sonst nicht kommen würden. Die Buga-Besucher sind aber zunächst im Neckarbogen, weit entfernt vom Kiliansplatz. Wird denn auch die Innenstadt während der Buga besonders gefeiert? Irina Scharfetter: Es gibt unterschiedliche Runden, in denen Maßnahmen vorbereitet, angegangen und umgesetzt werden. Ein Thema, das ebenfalls auf der To-Do-Liste steht, ist die Wegeführung und die Verbindung des Buga-Geländes mit der Innenstadt. Da wollen wir Möglichkeiten bieten und Anreize schaffen, dass Buga-Besucher in die Innenstadt kommen. Es werden dafür mit der stadtinitiative unterschiedliche Konzepte vorbereitet, ebenso wie Angebote für Händler, um sich zu beteiligen und zu werben. Wir werden Tourist-Infostandorte auf dem Buga-Gelände haben, an denen die Informationen und Hinweise zur Innenstadt vertreten sein werden. Werden attraktive, Buga-unabhängige Konzepte entwickelt, dass Buga-Besucher Gründe haben werden, vom Neckarbogen zum Marktplatz zu kommen? Irina Scharfetter: Man hat doch immer einen Grund, in die Innenstadt zu gehen. Oder gehen Sie nur immer gezielt? TISCHGESPRÄCH

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In Heilbronn gehe ich zu 95 Prozent gezielt in die Innenstadt. Aber zurück zum Buga-Jahr und den Besuchern der Garten- und Stadtausstellung: Man erreicht – nach womöglich beschwerlicher Anreise – als Besucher das Buga-Gelände und bekommt viele Reize und Angebote im Neckarbogen geboten. Von Kulinarik über Kultur, Natur bis zu Architektur – auch Shopping wird möglich sein. Welchen Grund und Anreiz gibt es für den Buga-Besucher, sich nach einem intensiven (Halb-)Tagesprogramm in die Innenstadt zu bewegen? Es müssen aus unserer Sicht Anreize geboten werden, in Form von Erlebnismöglichkeiten, die es in der Innenstadt gibt, Orte, an denen es noch was zu entdecken gibt, dass man einen Grund hat, nochmal quer durch die Stadt zu laufen, den Spaziergang am Neckar zu machen und dann abzubiegen Richtung Innenstadt. Alina Fischer: Das ist ebenfalls das, was wir planen. Immer dann, wenn Händler involviert werden können, begleitet diese Maßnahmen die stadtinitiative. Konkrete Anreize, die die Händler geben können, sind Rabatte oder Aktionen für die Neukundenakquise, aber ebenfalls Stammkundenangebote oder Give-Aways, die man in dem Zeitraum spielen kann, die ebenfalls zur Buga passen, um Freude zu vermitteln. Wir haben gemeinsam ein Konzept entwickelt. Frau Scharfetter kümmert sich um die Wegeleitung in Richtung Innenstadt. Wir reden gemeinsam über Busse und wir reden gemeinsam über Velotaxis oder Ähnliches zur Erleichterung des Weges von der Buga in die Innenstadt. Wir reden ebenfalls gemeinsam über ein Begrünungskonzept. Es muss auf jeden Fall diese Wechselwirkung, diese Symbiose rausgearbeitet werden mit ganz klaren Aktionen und ganzheitlichen Events, die die Innenstadt im Buga-Aktionszeitraum fährt. Es gibt verschiedene Ideen für den Marktplatz, für das Rathaus und für den Kiliansplatz. Irina Scharfetter: Allerdings wird es keine überschneidenden Eventformate geben. Es soll kein Wettrüsten mit der Buga und dem Neckarbogen stattfinden. Die Innenstadt feiert sich also nicht explizit, sondern es wird die Buga in der Stadt gefeiert? Irina Scharfetter: Wie meinen Sie das, »die Innenstadt feiert sich«? Es gibt ein halbes Jahr, in dem potenziell täglich mehr Frequenz für die Innenstadt generiert werden kann. Die Buga-Besucher, die dieses gesteigerte Frequenzpotenzial repräsentieren, werden am Besuchstag druckbetankt mit Eindrücken auf dem Buga-Gelände und brauchen, unserer Meinung nach, mehr Anreize, die Innenstadt zu besuchen als die Möglichkeit, mit einem Fahrradtaxi in die Stadt zu kommen und bei einem Filialisten an der Neckarpromenade zu essen. Das können Sie ebenfalls auf dem Buga-Gelände. Der Buga-Besucher muss in der Innenstadt nochmal was erleben und entdecken können. Nach dem Motto: »Ich bin neugierig drauf, dahinzugehen.« Irina Scharfetter: Wir werden die Innenstadt nicht zum Eventareal ummodellieren. Es gibt klare Absprachen mit dem Kooperationspartner, der Bundesgartenschau. Bei den Veranstaltungskalendern findet eine Abstimmung statt, um ein Wettrüsten zu vermeiden. Das nützt nämlich niemandem. Die Buga ist ja in Hanix Nr. 53 64 TISCHGESPRÄCH

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Hanix Nr. 53 der Innenstadt. Wir sind ein Gemeinsames und wir wollen alle profitieren. Es wäre ungeschickt, sich als Konkurrenten zu betrachten und jeweils hier und dort Feuerwerke abzubrennen. So funktioniert eine Kooperation nicht. Alina Fischer: Deswegen sind das Dekorations- und das Begrünungskonzept ebenfalls so wichtig. Es sollte im Marketing, d. h. in der Kommunikation und Dekoration einen roten Faden geben. Das ist uns ganz wichtig, dass die Stadt in dieser Zeit eine sehr gute Aufenthaltsqualität bieten kann. Da spielen nicht nur die Dekorationen und Angebote mit hinein, die die Händler initiieren können. Bis dahin sollte die Stadt sich ebenfalls weiter optimieren, um in der Buga-Zeit die nötige Strahlkraft vorzuweisen. Ein vernünftiges Leerstandsmarketing und –management ist aus meiner Sicht von der Stadt zu organisieren. Und wie sieht das nach Ihrer Vorstellung aus? Was wäre die Zielprojektion? Alina Fischer: Wir haben bereits mehrfach angesprochen, dass wir uns wünschen, dass die Wirtschaftsförderung aktiver mit den Immobilieneigentümern spricht und sich einbringt. Es geht gar nicht darum, etwas vorzugeben respektive den Markt zu beeinflussen. Aber unterstützend Hilfe zu leisten und ebenfalls den Branchenmix im Auge zu behalten, Lösungen zu finden für Startups, für Leute, die sagen, »okay, ich möchte jetzt interimsweise Mal eine Räumlichkeit anmieten« wäre wichtig und richtig. Das Zusammenbringen der Immobilieneigentümer in Form eines Arbeitskreises wäre ein guter Start.Es gibt immer Wege, die dazu führen, dass eine Immobilie nicht abgewertet werden muss. Dafür ist ein intensiver Austausch notwendig und es bedarf einer starken Wirtschaftsförderung. Zu den Themen kann man sich sicherlich auch »Best Practices« holen. Das ist das, was wir bereits seit langer Zeit als stadtinitiative sagen: Wir würden uns freuen, wenn nicht abgewartet würde, bis ein Masterplan zum Tragen kommt, sondern finden es wichtig, heute schon aktiv zu überlegen, welche Maßnahmen kurz- oder mittelfristig ergriffen werden können, um weiter an der Innenstadtqualität zu arbeiten. Denn am Ende ist das Herz jeder Stadt die Innenstadt. Und wenn das Herz einer Stadt zum Zeitpunkt der Buga nicht schön anzusehen ist – der erste Eindruck zählt und bleibt – dann haben wir in Heilbronn eine Chance vertan. Ich denke, dass sich die Wirtschaftsförderung damit beschäftigen sollte, wie sie auf Immobilieneigentümer zugehen kann und wie Kontakte zu interessanten Unternehmen gefördert werden können. Wir benötigen nicht nur ein Leerstandsmanagement im Sinne von »Wir nehmen den Leerstand auf und rufen beim Vermieter an«, wir benötigen einen strategischen Plan. Wen hätten wir gerne an welchem Standort? Wen können wir ansprechen? Wer kann uns helfen oder wo können wir einen Kontakt vermitteln? Ich sehe eine aktive Vermittlerposition für die Wirtschaftsförderung. Sie soll sich nicht in die Wirtschaft einmischen, keine Frage. Das verstehen wir alle. Wir brauchen mehr Möglichkeiten, dieses Know-how zu bündeln und dafür zu sorgen, dass es einen Konsens gibt und dass alle gemeinsam daran arbeiten, dass die Innenstadt in Heilbronn weiterhin positiv wahrgenommen wird und sich auch positiv, insbesondere im Vergleich zu anderen Innenstädten im Einzugsgebiet, entwickeln kann. Noch vor zehn, 15 Jahren sind Ludwigsburger nach Heilbronn gekommen, um zu shoppen. Irina Scharfetter: Das ist jetzt nicht mehr so? Jetzt könnte man als Heilbronner auch mal gerne nach Ludwigsburg fahren. Wenn man beispielsweise an ein Geschäft wie Lotta denkt, sowas gibt es in Heilbronn nicht. Axel Palm: Mit der Anbindung haben wir immer ein Problem, wir sind umgeben von Städten, die eben attraktiver sind. Mannheim und Heidelberg haben ihren Reiz. Wir haben Stuttgart relativ nahe dran, dazu Ludwigsburg und Metzingen mit der Outlet-City. Das ist für uns als Textilhändler extrem schwierig. Nur das Internet zu sehen und zu sagen, das böse Internet, sehe ich als falsch. Der Online-Handel bietet ebenfalls uns Händlern eine Chance. Aber man muss sehen, dass der Markt vollgepumpt ist mit Ware. Klamotten verlieren immer mehr an Wert, weil es einfach extrem viel davon gibt. Der ganze Markt ist voll. Ich glaube, da ist die Politik ebenfalls gefragt, um einzuschreiten und zu schauen, was aktiv als reiche Stadt für die Innenstadt getan werden kann? Irina Scharfetter: Beim Leerstand ist es immer ein Zusammenspiel von drei Akteuren: Die Stadt, aber ebenfalls der Handel und dann die Immobilienbesitzer. Wenn ein Leerstand identifiziert ist, braucht es einen Händler, der da reingehen möchte und es braucht einen Vermieter, der eben ein marktgerechtes Angebot macht und erst dann wird ein Schuh draus. Es kann ein Akteur nicht alleine bestimmen. Natürlich muss man sich über Konzepte Gedanken machen, aber nur das Zusammenspiel funktioniert. Die Buga kommt mit großen Schritten. Da wäre es schlecht, wenn 2019 immer noch »Zu vermieten« groß rund um den Kiliansplatz in Schaufenstern zu lesen ist auf A0-Plakaten.

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Alina Fischer: Wir haben, was das Leerstandsmanagement angeht, bereits im Sommer von der stadtinitiative ein Schreiben an die Wirtschaftsförderung verschickt, als die großen aufkommenden Leerstandsflächen sich ankündigten. Und wir haben mittlerweile mehrere Arbeitskreise zum Thema Innenstadt durchgeführt, Herr Wolfgang Palm hatte auch eine Interessensgemeinschaft Innenstadt gegründet, nachdem es ein von der Heilbronner Stimme durchgeführtes Pressegespräch zum Thema Einzelhandel und Innenstadt gab. Leben diese Arbeitskreise und Interessensgemeinschaften noch? Alina Fischer: Nicht mehr. Jetzt hat man das Ganze mit Blick auf den Masterplan Innenstadt, der fortgeschrieben werden soll, wieder auf Eis gelegt. Leerstandsmanagement ist ein Thema, an dem man intensiv arbeiten muss. Es ist nicht mehr, wie es früher war, dass zehn Mieter in einer Schlange stehen und der Vermieter nur noch den Handshake geben muss und sich die drei Parteien »Stadt, Vermieter, Mieter« gefunden haben. Mittlerweile muss man strategisch an diese Aufgabe heran. Man braucht eine Vision für eine Innenstadt. Romina Consagra: Was man ja in anderen Städten erleben kann, Visionen für Innenstädte. Habt ihr denn eine Möglichkeit oder welche Hebel nutzt ihr, der Politik die Herausforderungen näherzubringen, dass sich dort die wichtigen Erkenntnisse schneller ergeben? Axel Palm: Mir fällt es schwer, eine Aussage zu treffen, nachdem ich knapp ein halbes Jahr wieder in Heilbronn bin und die ganzen Akteure, die hier beteiligt sind, nicht so gut kenne. Das ist durchaus ein langwierigerer Kampf. Die Stadt muss dabei sehr stark involviert und auch ein aktiver Planer sein. Wir als Händler können nur versuchen, unser Business, unser Haus so gut zu gestalten, wie wir es können. Alina Fischer: Aber am Immobilienbesitzer wird kein Weg vorbeiführen. Wenn einer sagt, ich vermiete nur zu einem bestimmten Preis, dann kann man natürlich Gespräche führen. Nur man kann niemanden zwingen, von Preisvorstellungen abzulassen. Sind denn temporäre Konzepte auf der Agenda? Ist das irgendwie ein Thema? Man sieht ja in anderen Städten, dass das ganz gut funktioniert. Es hat auch in Heilbronn vor zwei Jahren gut funktioniert. Romina Consagra: Ich kenne es aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis, da sind so viele irgendwie in den Startlöchern, die kreativ arbeiten wollen, die Lust drauf haben, hier was zu machen, sei es einen Shop, sei es ein Café mit Laden oder ein Restaurant. Die warten auf solche Möglichkeiten, um sich auszuprobieren. Irina Scharfetter: Es gibt jetzt aktuell ein schönes Beispiel, dass Leder Glenk die Weihnachtsdeko in dem leerstehenden Schaufenster von Holzäpfel gestaltet hat. Ich finde, das ist auch eine Zwischenlösung für einen bestimmten Zeitraum. Das ist der erste Ansatz. Popup-Konzepte und Zwischenkonzepte sind durchaus interessant. Romina Consagra: Solche Konzepte sind total am Puls der Zeit. Sie fördern die Aufenthaltsqualität und das Shoppingerlebnis. Ich finde, ein temporäres Konzept kann auch eine Chance sein für den Vermieter. In der Hafenmarktpassage hat das, wie gesagt, funktioniert. Dort wird jetzt nach der temporären Nutzung – die übrigens gut dokumentiert ist – besser vermietet als davor. Alina Fischer: Da muss es aber ein Konzept geben. Und man muss die Unternehmer sammeln, mit den Eigentümern in Kontakt bleiben. Aber Sie sagen immer, man muss. Wer ist denn »man«? Alina Fischer: Die stadtinitiative kann nur für ihre Händler bürgen und wir sind alle im Ehrenamt. Wir wollen im Zusammenspiel mit der Wirtschaftsförderung ein Leerstandsmanagement für die Stadt initiieren, respektive mit dem Stadtmarketing ein Leerstandsmarketing. Ein Vorschlag, den ich bereits eingebracht habe: Dass man große Leerstandsflächen wie beispielsweise den ehemaligen »Madison« durch eine schöne Wandbeklebung aufhübscht und damit eine Heilbronn-Kampagne fährt. ◆ TISCHGESPRÄCH Hanix Nr. 53

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Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Es groovt wie Sau in Künzelsau Warum man in der besten Stadt der Welt nur in begründeten Ausnahmefällen Herrendutt trägt Einer der großartigsten Buchanfänge, die ich kenne, stammt von dem in Iowa geborenen Schriftsteller Bill Bryson, der »Travels in small-town America«, sein Reisebuch durchs provinzielle Amerika, mit den Worten beginnen lässt: »I come from Des Moines. Somebody had to.« Ich sehe das ganz ähnlich: Irgendjemand muss schließlich auch aus Heilbronn kommen. Ich übernehme das gern. Also: Ja, okay, ich komme aus Heilbronn. Warum auch nicht? Es könnte doch alles viel schlimmer sein – ich könnte ja aus Unter- oder gar Obergruppenbach kommen. Oder aus Mosbach! Sogar Hößlinsülz wäre denkbar! Oder, sprechen wir es aus: aus Künzelsau! Ja, genau – aus Künzelsau. Lasst uns über Künzelsau sprechen! Auch dort sind Menschen. Habe ich mir jedenfalls sagen lassen. Deswegen müssen wir darüber reden. Man kann nicht von Heilbronn sprechen und von Künzelsau schweigen. Foto: Ulla Kühnle Was weiß man so von Künzelsau? Wenig, sehr wenig, ja eigentlich nichts. Was aber würde ich gerne über Künzelsau wissen? Alles! Denn jetzt muss es raus, ich kann es nicht mehr länger totschweigen: Es gibt in meinem Leben einen Makel, eine Fehlstelle, ja einen monströsen schwarzen Fleck, und der ist genau da, wo eine maßstabsgerechte Karte Baden-Württembergs die Ortschaft Künzelsau verzeichnen würde. Ja – ich war noch nie in Künzelsau. Nicht mal in der Nähe. Und es kann sehr gut sein, dass das bis zum Ende meines armseligen Lebens so bleiben wird. Ich bin zwar nie dort gewesen, aber ich glaube fest in meinem Inneren zu spüren, wie es sich evtl. anfühlt, einmal in Künzelsau gewesen zu sein. Künzelsau ist für mich etwas durchaus Konkretes und zugleich Vages, Ephemeres, ja eine Art Traum. Vielleicht sogar ein Wunschtraum, ein luzides Versprechen auf eine temporäre Zukunft in Künzelsau, der Stadt meiner Träume und ihrer völligen Erfüllung. Künzelsau ist für mich rundherum positiv besetzt. Vielleicht bin ich ja deshalb nie dort gewesen, weil ich Angst davor habe, es mit meinem Traumbild vergleichen zu müssen. Denn würde dieses echte Künzelsau, das ich irgendwo im südlich-nordwestlichen Dunstkreis Heilbronns vermute, würde das meine Erwartungen erfüllen können? Ich bin nämlich sehr anspruchsvoll mit Künzelsau. Ich stelle es mir als einen Ort vor, in dem alles und jedes die höchste Stufe der Perfektion erreicht hat. Allein schon des Namens traulich’ Klang: Kün-zels-au! Da schwingt Provinz im Walzertakt! Eine Lichtung stelle ich mir vor, eine wohnliche Wiese, eine Au eben, umschlungen von einem gluckernden Bächlein. Sanft streift die Morgensonne über die Halme und Blümchen, sie kitzelt die ersten Blüten wach. Und dieses spezielle frühsommerliche Blütenwachkitzeln auf der Au – das nennt man dort, und nur dort: künzeln. Daher der Name: Weil’s auf der Aue lieblich künzelt. Mit Bedacht und stolzem Bürgersinn haben die Künzelsauer auf ihrer Wiese eine wohnliche Stadt errichtet. Die Häuser tragen forsche Giebel und haben Fenster aus Mehrscheiben-Isolierglas. Handel und Gewerbe florieren, vor den alteingesessenen Familienmetzgereien und -bäckereien bilden sich nicht nur samstags lange Schlangen. Privater Autoverkehr wurde verbannt, ja überhaupt fahren die Künzelsauer kaum noch Auto; schon gar nicht nach Heilbronn, wo sie als Provinztrottel mit lächerlichen Kennzeichen (KÜN - Kraftfahrer übt noch) und unbeholfenem Fahrstil verspottet werden. Sie bleiben zuhause und häkeln oder telefonieren mit vereinsamten Verwandten. Weder tragen die Künzelsauer Tattoos noch Crocs oder sonstige Narreteien, selten Hipsterbärte und nur in begründeten Ausnahmefällen einen Dutt – womit sie sich schon mal vorteilhaft von vielen Heilbronnern abheben. Dafür tragen die Damen aparte Hochsteckfrisuren und die Herren das Haar als wallende Matte oder zum Zopf geflochten. Sieht zwar komisch aus, aber sie wollen es so. Die Menschen sind nach der neuesten Mode gekleidet, gehen gesittet durch ihre gepflegten Straßen, ohne Hektik. Aber auch ohne zu trödeln. In einem idealen Flow sozusagen. Künzelsau, so sagen Neider aus anderen, weniger glücklichen Städten hinter vorgehaltener Hand: »Künzelsau, das groovt wie Sau.« Unverschlossen sind die Türen der Häuser. Kriminalität findet nicht statt, OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE – FOLGE 15 Hanix Nr. 53

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sie ist im kompletten Stadtgebiet verboten. Dafür liegen aber überall dicke, fette Breitbandkabel herum, weil Künzelsau schon vor geraumer Zeit in der Zukunft angekommen ist. Von dort lässt es herzlich grüßen. Natürlich verabscheuen es die Künzelsauer, im Gehen irgendwelchen Conveniencefraß in sich reinzustopfen oder schwappende Milchschaum- und Sojalattegetränke aus nicht kompostierbaren Plastikbechern zu saufen. Lieber sitzen sie in den uralten Kaffeehäusern der Stadt und bestellen Apfelkuchen, einmal in der Woche sogar Kartäuserklöße mit Chateausauce. Sie frequentieren die örtlichen, übrigens hervorragend sortierten Buchhandlungen (keine Kochbücher!), spielen niemals Dart und haben eine verblüffend hohe Abschussprämie auf Teilnehmer von Jungesellen- und Junggesellinenabschieden ausgesetzt. Einmal im Jahr feiern sie das Künzelfest. Dann treffen sich alle Künzelsauer in ihrer geschmackvollen Stadthalle auf ein paar Freibier, die ihnen ihre junge, hübsche Oberbürgermeisterin ausgegeben hat, weil die Stadtkassen mal wieder bis zum Bersten voll sind. Ja, aus Künzelsau hört man, wenn überhaupt, nur gute Nachrichten. Meist in der Art, dass z. B. ein kleiner Igel vor dem hereinziehenden Winter gerettet wurde, oder dass drei junge Männer einer bereits voll integrierten Asylantenfamilie über die Straße geholfen haben. Der Künzelsauer selbst macht darüber kein Aufhebens. Im Gegenteil, er hält sich bedeckt, denn längst wurde über Künzelsau eine Zuzugssperre verhängt, weil die ganze Welt gerne in dieser perfekten Stadt wohnen möchte. Gibt es denn überhaupt Künzelsauer, die ihre Stadt verlassen haben? Auch wenn das merkwürdig klingt: Ja, es gibt sie. Nachweislich mindestens zwei. Einen traf ich vor Jahren mal in Berchtesgaden. Er war ein leibhaftiger Trottel, der steif und fest behauptete, alle Heilbronner seien arrogant und überheblich. Ich ließ ihn stehen. Was für eine tragische und verkommene Existenz! Dafür war aber meine andere Begegnung die erfreulichste, die sich denken lässt – ich traf nämlich den weitestgereisten und zweifellos auch schnellsten Künzelsauer aller Zeiten: den Astronauten Alexander Gerst. Er trug noch seinen Raumanzug, war aber nicht mehr mit 27.000 Stundenkilometern im Orbit unterwegs, sondern stand seelenruhig in der Kulisse eines Hamburger Talkshowstudios herum. Gerade hatten wir gemeinsam eine äußerst gefährliche Mission absolviert – wir hatten uns vor laufender Kamera mit Markus Lanz unterhalten. Obwohl der Mensch für eine solche Belastung eigentlich gar nicht geschaffen ist, feierten wir den erfolgreichen Abschluss unserer Mission. Er mit Leitungswasser, ich mit allem, was der Backstage-Kühlschrank hergab. Dabei berichtete mir der bescheidene Raumfahrtheld, dass er niemals einen Herrendutt tragen würde, weil sich das mit dem Raumanzughelm nicht vertrage, und dass er früher immer gerne »Titanic« gelesen habe. Somit ist ausgerechnet ein Künzelsauer der nachweislich erste »Titanic«-Leser im All. Wird wohl höchste Zeit, dass man ihm vor seiner nächsten Mission noch schnell ein paar aktuelle Hanix-Ausgaben zuschickt. Oliver Maria Schmitt, Jahrgang 1966, ist Romancier und Journalist. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis 2009. Was zählt sind Farbe, Form und Sie. Bodo Linkohr Bürokonzepte Fischeräcker 14, 74223 Flein, Tel. 07131/58 20 50 linkohr@linkohr-buerokonzepte.de, www.linkohr-buerokonzepte.de

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Ein Brief mit Fotos aus Südamerika von XENIA KEGEL UND MICHAEL SIEGELE Liebe Heimat, wo fangen wir nur an, bei so viel Erlebtem? Seit nun mehr sechs Monaten bereisen wir mit unserem VW-Bus Südamerika. Und wir wissen genau, wie sich das für die Leser im Ländle jetzt liest: »Erst sechs Monate? Hier gibts schon Halbjahreszeugnisse und somit mehr zu berichten als bei euch, oder wie?« Aber die Uhren ticken hier anders. Ein Tag fühlt sich schon mal an wie eine Woche und nach einer Woche haben wir schon Schwierigkeiten, uns an das Erlebte vor einer Woche zu erinnern, geschweige denn, wo wir übernachtet haben. Ein Abenteuer löst das vom Vortag ab. Die Zeit bleibt endlich wieder stehen. Das Gefühl, welches wir aus Kindertagen kennen, wo sich ein Schuljahr schier endlos anfühlte, ist zurück. Die Gehirne bekommen neue Reize, staunen wird das Verb, das von nun an alles beschreibt. Weit raus aus unserer Komfortzone und ohne jeden Luxus, den wir bald sowieso neu definieren, nehmen wir euch mit in das Abenteuer Viva Panamericana. Jobs gekündigt, Wohnung aufgelöst, Hausrat verscherbelt: »Auf Wiedersehen Südstadt, es kann los gehen!«. So sind wir am 1. Juli 2017 gestartet. Das Flugzeug brachte uns erst nach Bogota, in die Hauptstadt Kolumbiens, von der wir erst mal ohne unseren Bus bis an die Karibikküste reisen sollten. Die riesige Stadt liegt bereits auf 2.600 m Höhe, was sich im Laufe der Reise bald als »die angenehme Höhe« herausstellt. Nach 20 Stunden Reisezeit sacken wir trotzdem kurz nach der Landung erst mal zusammen, als hätten wir untrainiert am Trollinger Marathon teilgenommen. Und auch sonst verschlägt es uns hier den Atem, nachdem wir am nächsten Tag durch die vollbefahrenen und menschenüberlaufenen Straßen hetzen. Wir sind restlos überfordert, die Stadt scheint endlos und die Menschen bestaunen uns pausenlos, als wären wir BRIEF AN DIE HEIMAT Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 mit dem Raumschiff vor ihren Augen gelandet. Für die allererste große Reise und für uns blutige Anfänger einfach nur Stress. Wir müssen weg und fliehen schon nach zwei Nächten mit dem Fernbus nach Medellin. Und irgendwie machen es halt immer die richtigen Menschen aus. Wir landen in einem zauberhaften Airbnb im Herzen der Stadt, wo wir gleich eine Woche verbringen, bevor wir weiter über Guatapé nach Cartagena reisen, um unseren »dicken Balu« hoffentlich im Ganzen im Hafen zu holen. Mit einigen Tagen Verspätung dann auch endlich die erhoffte Mail von der Spedition. Er ist da! Ein Kampf beginnt. Wer dachte, das Arbeitsamt in Heilbronn ist mit seinen endlosen Warteschlangen ein Ort des Grauens, der würde wegen der kolumbianischen Bürokratie den Bus da lassen, wo er ist und freiwillig zu Fuß weiter reisen. Nach drei nicht enden wollenden heißen Tagen mit Kopieren, Bank besuchen und Taxifahrten quer durch die Hafenstadt können wir unser Fahrzeug endlich vom Puerto Bahia befreien. Die ersten Kilometer auf den Straßen Kolumbiens starten. Wieder beginnt ein neuer Abschnitt. Waren wir erst stolz wie Oskar, endlich wieder hinterm Steuer unseres neuen Heims zu sitzen, fühlt es sich plötzlich an wie in einem Computerspiel: Das Lenkrad wird zum Joystick und die Windschutzscheibe zum Bildschirm. Ab jetzt heißt es ausweichen und wer bremst, verliert. Die anderen parken die Hand scheinbar auf der Hupe. Ja was wollen die denn? Überholen, Grüßen, abbiegen, stehen bleiben? In Kolumbien ist die Hupe die Zweitsprache der Autofahrer und eigentlich kann sie alles oder nichts bedeuten. Jedenfalls gewöhnen wir uns das Hupen direkt an und seitdem klappt das Fahren im neuen Land. Wir lernen die Schweizer Simon und Gabriel mit seiner brasilianischen Freundin Táis kennen (und lieben) und reisen prompt in einer Karawane weiter. Raus aus der schwülen Karibikhitze und rein ins Landesinnere. Kolumbien zeigt sich uns von seiner schönsten Seite. Die Menschen sind mehr als freundlich sowie neugierig und heißen uns herzlich willkommen. Hier dreht sich halt doch nicht alles um Drogen und Kriminalität, da hat sich die Familie zu Hause umsonst Sorgen gemacht. Früchte, so weit das Auge reicht und manchmal haben wir Glück und können herrenlose Mangos, Bananen und Kokosnüsse ernten. Die Jahreszeiten werden nicht durch den Kalender, sondern durch Höhenmeter bestimmt. Wir reisen zickzack durch das Land immer Richtung Süden. Wenn auch sonst die heimische Küche eher eintönig und einfach wirkt, so sind es die Kolonialstädtchen wie Barichara, Villa da Leyva und Guatapé, die Farbe und Begeisterung in den Alltag zaubern. Wir werden kaffeesüchtig in Salento, zähmen wilde Hunde auf dem Nevada del Ruiz und lernen endlich besser spanisch sprechen. Das Land ist so vielseitig, dass wir den bisher größten Teil unserer Reise hier verbringen. Das Visum war schnell verlängert und so verlassen wir das Land erst nach vier statt drei Monaten. Auch wenn wir oft geflucht haben über kalte Duschen, manchmal unwissende Mechaniker, Platzregen und unwillkommene Krabbeltiere im Bus, Kolumbien: »Schee wars!« Es war sogar so schön, dass wir nach drei Stunden in der Schlange der »Migración« in Ecuador wieder weggeschickt werden: »Ihnen hat es wohl zu gut gefallen, aber sie müssen sich schon ausstempeln lassen, bevor sie hier einreisen«. Upsi! Dumm aber auch, wenn man blindlings reinfährt, ohne sich vorher zu erkundigen. Nach vielen weiteren Stunden und halb verhungert sind wir dann im zweiten Land unserer Reise. Wir können nicht anders. Seit in Kolumbien jeder über die Finca Sommerwind spricht, sind wir neugierig. Und da Wäschewaschen XENIA UND MICHAEL AUS SÜDAMERIKA 65 JAHRE FAHRRADHAUS BENDER Großer Jubiläumsverkauf im Februar 2018 BIKE ARENA BENDER Fahrradhaus Bender GmbH Koepffstr. 7-13 74076 Heilbronn T: +49 7131 96150 M: info@bikearena-bender.de www.bikearena-bender.de

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und Internet auch mal wieder nett wären, fahren wie diese als Erstes an und lernen Hans kennen. Aber nicht nur wir haben von dem »berühmten« Auswanderer und seiner Familie gehört. Der Campingplatz ist voll und so lernen wir in den nächsten drei Nächten viele neue Reisende kennen, aber treffen auch alte, liebgewonnene Freunde wieder. Hans berät uns bei der Route und so machen wir uns, gesagt, gefahren, auf in den Amazonas. Zumindest soweit es unser nicht geländefähiges Busle und unsere kolumbianische Hundedame zulassen. Wir schwitzen zum ersten Mal seit der Tatacoa-Wüste wieder so richtig um die Wette, und wenn da nicht die vielen Affen wären, die spielfreudig auf uns herumturnen, dann hätten wir diese Entscheidung ganz schnell wieder bereut. Nichts ist schlimmer als die Kombination aus 30 Grad im Schatten ohne Dusche gepaart mit Hunderten Moskitos. Ein immer wiederkehrender Teufelskreis: Schlafen wir an Flüssen, haben wir zwar kühles Nass, aber teilen uns den Platz mit unwillkommenen Plagegeistern. Auch abends können wir nicht endlos lüften, denn jede offene Lücke sehen die fast unsichtbaren Vielflieger als Einladung zur Cocktail-Happy-Hour. Nur, dass wir die Bloody Mary sind. Nichts wie hoch in die Berge. Wir haben die putzigen 2.600 m Höhe ja schon erwähnt und was wir uns da jetzt angetan haben, hätte mich fast zum Heimfliegen bewegt. Als Nächstes auf der geplanten Route ging es zum schneebedeckten Vulkan Chimborazo. Während sich im Normalfall der Mensch irgendwann an die Höhen gewöhnt, ist das bei Fahrzeugen nicht der Fall. Wir schaffen es irgendwie im ersten Gang auf 4.800 m Höhe. Rekord bis heute. Übrigens ist vom Erdkern aus betrachtet der Chimborazo der höchste Berg der Welt. Aber weil unser Planet nicht rund, sondern eine Ellipse ist, schafft er es »nur« in Ecuador auf Platz 1. So viel dazu. Die Temperaturen sinken für uns in nur einem Tag auf unter null Grad. Auf dieser Höhe will nicht mal mehr die Heizung richtig laufen, aber am Schlimmsten ist die Luft, die uns zum Atmen fehlt. Bloß runter hier. Leider ist der Vulkan gleichzeitig ein Nationalpark und die Tore bereits geschlossen. Wir können erst nach einer schlaflosen Nacht wieder runterfahren. Quasi »Atemlos durch die Nacht« und das hätte nicht mal mehr Helene Fischer singen können. Die Feuerprobe bestanden, retten wir uns ans Meer. Da die Walsaison vorbei ist, werden wir mit kilometerweiten menschenleeren Stränden belohnt. Wir bleiben wieder länger als geplant, auch weil wir mal wieder andere Reisende treffen. Diesmal ein sympathisches Pärchen - Achtung! - aus dem Ländle. Die Kornwestheimer fahren dazu auch noch das gleiche Modell: VW LT. Die Tage sind viel zu schnell vorbei. So schön es am Meer auch ist, Balu rostet in den letzten Wochen mehr als in drei Jahren Dauerregen in Deutschland. Mit dem Kehrblech bewaffnet wird die »daily dose« of Kehrwoche zu einer nicht enden wollenden Aufgabe und wir machen uns mal wieder auf ins Landesinnere. Endlich, alles trocknet wieder und der letzte Sand ist auch aus den Schuhen geschüttelt. Mit Muscheln im Gepäck und leerem Geldbeutel, den wir dem teuren Dollar verdanken, stehen die letzten Tage in Ecuador an. Leider machen sich die fast 36 Jahre und die mittlerweile 310.000 Kilometer Hanix Nr. 53 BRIEF AN DIE HEIMAT

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Hanix Nr. 53 auf dem Tacho von Balu bemerkbar. Die Werkstattbesuche werden zum Wochenendausflug und fast immer ist es danach schlimmer. Faszinierend: Für umgerechnet oft nicht mehr als zwanzig Euro bekommt Balu hier neue Bremsen, Ölwechsel, die Kardanwelle repariert und auch der Kühlwasserschlauch ist wieder dicht – in Deutschland würde man mit uns nicht mal einen Termin für das Geld vereinbaren. Die Mechaniker hier sind Meister, wenn es darum geht, das Unmögliche möglich zu machen. Es wird geschweißt, gesägt und geschraubt, bis er wieder rollt. Lieber TÜV-Süd, wenn du das hier liest, hab Erbarmen. Wir wollten doch einfach nur jedes Mal weiter fahren. Mit mulmigem Gefühl fahren wir an die Grenze zu Peru. Wie oft haben wir von bewaffneten Überfällen hier im Land gehört. Armut ist eben ein großes Thema und begleitet uns seit Beginn der Reise. Den Tag beenden wir oft in Demut und Dankbarkeit. Eine warme Dusche oder Wäsche waschen in der Maschine wird zum Synonym für wahren Luxus unter uns Reisenden. Auch wenn es mal drei Tage nur Reis gibt oder das Toilettenpapier ausgeht, dann sind das immer noch »Erste Welt«-Probleme. In nur wenigen Monaten kommen die wahren Bedürfnisse im Alltag zum Vorschein. Trotz Stromausfall am »Migración« in Peru öffnet sich der Schlagbaum schon nach einer Stunde und wir können passieren. Hier gilt zwar Versicherungspflicht für Fahrzeuge, aber ein Erwerb dieser ist an der Grenze Fehlanzeige. Prima! Die nächste Stadt erreichen wir erst am nächsten Tag und jetzt haben wir nicht nur Bauchschmerzen wegen der Frage, ob wir einen sicheren Schlafplatz finden, sondern auch wegen möglicher Polizeikontrollen. Aber alle Sorge umsonst, versichert und wohlbehalten klettern wir wieder auf Höhe. Wir arm ist unser Wortschatz, wenn es darum geht, die Schönheit der Anden zu beschreiben. Kein Adjektiv wird dem gerecht und auch die Kamera will nicht recht das Gleiche festhalten, was wir sehen. Wir tauchen ein in die Welt der Inka, die mit einfachsten Mitteln unfassbar schöne und durchdachte Bauwerke errichtet haben. Hat uns der neunmonatige Busausbau schon alle Kraft und Nerven gekostet, sind wir sprachlos, wie es die Völker damals ohne Maschinen zu solchen Baulichkeiten gebracht haben. Umso mehr steigt jetzt auch die Vorfreude auf das wohl berühmteste aller Meisterwerke hier in Peru: Machu Picchu. Bis wir das erreichen, dauert es aber noch ein Weilchen. Und auch davor werden bestimmt noch das ein oder andere Abenteuer und die nächste Panne lauern. Wir beenden unsere kleine Geschichte mit den Worten Wilhelm Buschs: Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise! ¡Hasta la próxima, Micha y Xenia! XENIA UND MICHAEL AUS SÜDAMERIKA

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Einkaufen in der Allee-Unterführung 1973 Foto: Lore Hagner, Stadtarchiv Heilbronn Hanix Nr. 53 Am 1. September 1971 wurde die Allee-Unterführung bei der Harmonie eingeweiht. Sie diente nicht nur dazu, dass die Fußgänger die Kreuzung zwischen Allee, Kaiser- und Moltkestraße gefahrlos unterqueren konnten, sondern hier ließ sich auch gut einkaufen. Das Schreibwaren- und Geschenke-Geschäft von Lina Homberger (ab 1979 als »Kartentruhe«), das Schmuckgeschäft von Anneliese Straßmann, das Fachgeschäft für Perücken und Haarteile Karin Marth (später von Georg Bärsch) sowie das Fachgeschäft für Trockenrasierer Elras waren hier beheimatet. Das Blumengeschäft Ansel, die Gerock-Reinigung, die Geschenke-Galerie von Gustav Fuchs und das Reisebüro Gross hatten hier in der Unterführung jeweils eine Filiale. Hinzu kam die Stadtschenke von Wilhelm Rössler und eine Filiale der Bäckerei Mitterer mit einem Kaffee-Ausschank. Auch in der Post-Unterführung, die 1980 fertiggestellt wurde, siedelten sich einige Einzelhandelsgeschäfte an. Viele werden sich an das Papier- und Schreibwarengeschäft Laumen erinnern, wo es auch Busfahrkarten zu kaufen gab, an Friseur Günter Barwig, das Modegeschäft Libre, an die Sigkid-Spielkiste und die Boutique Maha Rani. In der Postpassage sorgten ebenfalls eine Mitterer-Filiale sowie die Frankenstube und der Klosterkeller für das leibliche Wohl. Später kam noch der Döner-Imbiss von Ibrahim Aydin hinzu. Da die Allee-Unterführung nicht stadtbahntauglich war, wurde im Dezember 1998 ihre Zuschüttung beschlossen. Ein letztes Mal erwachte die mittlerweile nahezu leergeräumte Unterführung zum Leben, als die Heilbronner PTX-Productions in einer Sommernacht im Juli 1999 unter dem Motto »Klang der Stadt« eine Unter-Tage-Party veranstaltete. Ein Jahr später war die Unterführung zugeschüttet. Die Post-Passage wurde 2009 geschlossen und zurückgebaut. Näheres unter www.stadtarchiv-heilronn.de 74 DER HISTORISCHE SCHUSS

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Ziegler ZIEGLERKUNDE SEIT 1962 ….WEIL WIR ALS VERPACKUNGSHERSTELLER FLEXIBLE UND ZUVERLÄSSIGE PARTNER BRAUCHEN, DIE UNSERE ABLÄUFE OPTIMAL ERGÄNZEN UND NICHT NUR EXZELLENTE DRUCKERZEUGNISSE LIEFERN. [Michael Neudel Gesellschafter Geschäftsführer & Florian Herkle Leitung Einkauf und Fertigung, Neudel Verpackungen GmbH] HERSTELLER FÜR INDIVIDUELLE VERPACKUNGEN AUS KARTON UND SCHUTZVERPACKUNGEN AUS AIRPOP® (STYROPOR®) Die komplette Kundenstimme unter: www.cr ossmediaexperts.de

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.jpg SCHRITTMACHER Innovationcamp, insel-hotel, Heilbronn 08.12.2017, 18:43 Uhr bis 10.12.2017, 17:09 Uhr Fotos: Ulla Kühnle Beim SCHRITTMACHER – Innovationcamp Heilbronn erarbeiteten und besprachen Kreativ- und Kulturunternehmer gemeinsam mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen Lösungsansätze zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen mit denen sich Ärzte, Pfleger, Krankenversicherer, Kliniken, Pflegeheime, Arbeitgeber und alle Patienten auseinandersetzen müssen. Zu den Themenschwerpunkten »Changeprozesse für das Be- und Entlohnungssystem im Gesundheitswesen«, »Fach- und Nachwuchskräfterecruiting für die Alten- und Krankenpflege«, »Raumdesign in der Kinderklinik« und »Simulation in der Medizin« wurde ein vielfältiges Programm .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 geboten. Neben faszinierenden Impulsvorträgen und einer Erlebniswelt, die unter anderem die vergebliche Anstrengung im Alter fühlen ließ, wurden in diversen Workshop-Formaten konkrete Aufgabenstellungen mit Experten kreativ bearbeitet und Lösungsansätze entwickelt. .JPG – BILDERGALERIE f r e i r a u m - p h o t o s . d e

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Fotos: Meli Dikta [1] Winterimpression, Waldheide, Heilbronn, 30.11.2017, 10:22 Uhr [2] Plätzchen-Backkurs, Herr von Ribbeck, Heilbronn, 12.12.2017, 20:36 Uhr [3] Holymess Multimarkt, Zigarre, Heilbronn, 01.12.2017, 21:52 Uhr [4] Schwanensee, Ziegeleipark, Heilbronn, 26.12.2017, 16:31 Uhr [5] St.-Knuts-Style , Kernerstraße, Heilbronn, 02.01.2017, 17:45 Uhr [6] Holymess Multimarkt, Zigarre, Heilbronn, 03.12.2017, 13:08 Uhr Hanix Nr. 53 78 .JPG – BILDERGALERIE

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Hanix Nr. 53 Fotos: Meli Dikta [1] Mixed Doubles Party, Mobilat, Heilbronn, 31.12.2017, 01:30 Uhr [2] Holymess Multimarkt, Zigarre, Heilbronn, 01.12.2017, 21:49 Uhr [3] Holymess Multimarkt, Zigarre, Heilbronn, 03.12.2017, 16:08 Uhr .JPG – BILDERGALERIE ringringwedddings.com

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Theater Heilbronn Februar & März 2018 Großes Haus Pinocchio (Märchen) 01.02. & 09.02. BOXX Krieg – Stell dir vor, er wäre hier (Theater) 01.02., 02.02., 14.03., 15.03. & 16.03. Komödienhaus Auf Messers Schneide (Komödie) 01.02., 02.02., 03.02., 06.02., 07.02., 08.02., 09.02., 10.02., 15.02., 16.02., 17.02. & 18.02. Termine Februar 2018 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Großes Haus Unterwerfung (Schauspiel) 03.02., 07.02., 11.02., 20.03., 23.03. & 29.03. BOXX Patricks Trick (Schauspiel) 04.02., 05.02., 06.02., 07.02., 13.02., 08.02., 09.03. 26.03. & 31.03 Großes Haus Taxi Taxi (Komödie) 09.02., 21.02., 23.02., 11.03., 13.03., 24.03. & 27.03. Großes Haus Der gute Mensch von Sezuan (Schauspiel) 10.02., 25.02. & 22.03. Großes Haus Sweeney Todd – The Demon Barber Of Fleet Street (Musical-Thriller) 14.02., 15.02. & 16.02. Do 01. Bis 04.03. Altes Rathaus, Leingarten Tom Naumann: Köper- Raum-Bewegung (Ausstellung) Harmonie, Heilbronn ABBA Gold (Konzert) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Penny & the Rhythm Kings (Konzert) Badnerlandhalle, Karlsruhe Dr. Mark Benecke – Serienmord (Wissenschaft) Fr 02. Piano Wine Bar, Heilbronn Junodori Jazz Konzert (Konzert) Bukowski, Heilbronn Gecco Rave (Clubbing) Komödienhaus Agnes (Schauspiel) 19.02., 21.02. & 22.02. BOXX Homo Faber – Pocketversion (Theater) 20.02. & 22.02. BOXX Das kunstseidene Mädchen (Schauspiel) 17.02., 19.02., 02.03., 05.03. & 06.03. Großes Haus La Clemenza di Tito (Oper) 02.02., 22.02., 24.02 & 27.02 BOXX Mein Land, Dein Land (Theater) 25.02., 26.02., 27.02., 18.03., 19.03. & 20.03. Schule für Gestaltung, Heilbronn Bildung öffnet Türen (Tag der offenen Tür) ZEAG Energie AG, Heilbronn Ausstellungseröffnung: Gedankensturm (Ausstellung) Mobilat Club, Heilbronn Ou of the dark (Clubbing) Wartesaal, Besigheim Jazz mit Babak Nehmati (Konzert) Sa 03. Akademie für Kommunikation, Heilbronn Tag der offenen Tür (Bildung) Emma23, Heilbronn Wedge (Konzert) Bukowski, Heilbronn Signal der Nacht (Clubbing) BOXX Anders (Theater) 01.03., 02.03., 21.03., 22.03. & 23.03. Großes Haus Don Juan/Mozart à deux (Ballett) 02.03., 03.03. & 04.03. Komödienhaus Bandscheibenvorfall – Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden (Schauspiel) 09.03., 15.03., 16.03., 17.03., 21.03., 25.03. & 31.03. BOXX Klopf Klopf (Kindertheater) 11.03., 12.03. & 13.03. Großes Haus Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken (Musical) 17.03., 21.03., 25.03., 28.03. & 31.03. Zigarre, Heilbronn Flohmarktine Frauenflohmarkt (Flohmarkt) Museum im Deutschhof, Heilbronn KunstWerkLabor – »Das Geheimnis der Schneekönigin!« (Kinderwerkstatt) Mobilat Club, Heilbronn Laterne, Laterne (Clubbing) Capitol, Mannheim Özcan Cosar: Old School – Die Zukunft kann warten (Comedy) So 04. PlanB, Heilbronn Super Bowl LII Party (Feier) Dachgeschoss Wasserschloss, Bad Rappenau Weltklassik am Klavier: Duo Tsuyuki & Rosenboom – im Reich von Fantasie und Moldau (Konzert) 01. – 04.02.2018 Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 Alte Feuerwache, Mannheim Sundaykick – Bigband-Jazz mit Kicks’n Sticks (Konzert) Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe Open Space (Kunst für Kinder) Mo 05. Piano Wine Bar, Heilbronn Lindy Hop Tanzabend (Tanz) Im Wizemann, Stuttgart Digitalgipfel 2018 – Wirtschaft 4.0 BW (Vortrag/Gesprächsrunde) Di 06. Kreissparkasse, Heilbronn KSK Kammermusikreihe – Unter Mozarts Stern (Konzert) halle02, Heidelberg Dcvdns (Konzert) Mi 07. Scala-Kino, Neckarsulm Biutiful (Kinofilm) halle02, Heidelberg Kakkmaddafakka (Konzert) Do 08. Altes Theater Heilbronn Jazzclub Cave 61: Indira Quartet (Konzert) Schöner Hirte, Öhringen Öhringen Food & Music Filiae (Verkostung) Fr 09. Mobilat Club, Heilbronn Who the fuck is Konstantin Sibold (Clubbing) Zigarre, Heilbronn Vernissage: Foto Workshop 2 Fremd/Vertraut (Ausstellungseröffnung) Bukowski, Heilbronn Tanz mit: Kyle Geiger (Clubbing) Kulturkeller, Heilbronn Tina Häussermann und Fabian Schlöper: Fake News – Balken biegen für Fortgeschrittene (Kabarett) Mangold, Heilbronn Gin Tasting (Verkostung) Alte Feuerwache, Mannheim Bohren & der Club of Gore (Konzert) Internationale Messe, Frankfurt Ambiente – Internationale Konsumgütermesse bis 13. Februar (Messe) Sa 10. Liederhalle, Stuttgart Alexander Herrmann: Schnell mal was Gutes (Koch-Show) So 11. Olivers Kochschule, Sinsheim Kochkurs Wintergrillen (Kochseminar) Hanns-Martin-Schleyer Halle, Stuttgart Luke Mockridge (Comedy) Mo 12. Geschichtswerkstatt Altes Volksbad, Mannheim Jaye Bartell – Singer und Songwriter aus New York (Konzert) Di 13. Porsche-Arena, Stuttgart Afrika! Afrika! (Show) Mi 14. Scala-Kino, Neckarsulm Biutiful (Kinofilm) MHP Arena, Ludwigsburg MHP Riesen Ludwigsburg (Basketballspiel) Theaterhaus, Stuttgart RY X + Stuttgarter Kammerorchester (Konzert) Porsche-Arena, Stuttgart Afrika! Afrika! (Show) Harmonie, Heilbronn Das Phantom der Oper (Musical) Großes Haus, Theater Heilbronn Gesicht der Nacht (Tanzabend) BOXX, Theater Heilbronn Alles inklusive – Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter (Lesung) 04. – 14.02.2018 Mobilat Club, Heilbronn 7 Jahre Riders on the Storm (Clubbing) Bukowski, Heilbronn Du liebes Ding (Clubbing) Kulturforum, Brackenheim La Signora Carmela de Feo – Die Schablone, in der ich wohne (Comedy)

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Do 15. Altes Theater Heilbronn Jazzclub Cave 61: Biboul Darouiche (Konzert) Capitol, Mannheim Mirja Boes & die Honkey Donkeys (Comedy) ZKM, Karlsruhe BODY_BOTS (Roboterworkshop für Kinder) Substage, Karlsruhe Smile and Burn – Get Better Get Worse Tour (Konzert) Fr 16. Bukowski, Heilbronn START the Weekend (Clubbing) Brauhaus, Neckarsulm Matthias Brodowy (Comedy) Mobilat Club, Heilbronn Straight Up! (Clubbing) Klub Feuerwache, Mannheim Tereza X Suff Daddy (Clubbing) SAP Arena, Mannheim Metallica (Konzert) Weinmanufaktur, Untertürkheim Brot & Wein – Eine kulinarische Partnerschaft (Verkostung) Sa 17. Mangold, Heilbronn Braukurs IPAs und Pale Ales (Braukurs) PlanB, Heilbronn 6 Jahre PlanB (Jubiläumsfeier) Kulturkeller, Heilbronn Der Kaffee ist fertig – Alix Dudel & Thorsten Labig (Konzert) Altes Theater, Heilbronn Funk With Lotta Soul - Mr. Hot & The Funky Pepperonies + Soul Connection (Konzert) Bukowski, Heilbronn Ray Okpara (Clubbing) Mobilat Club, Heilbronn God save the Queen (Clubbing) Rathaus, Bad Rappenau Ausstellung: Das vielfältig Sichtbare, Orte und Landschaften, Bilder von Ferdinand Dörr – bis 31.03. (Ausstellung) Schell Schokoladenmanufaktur, Gundelsheim Schokolade und Wein (Seminar & Verkostung) KOHI Kulturraum, Karlsruhe Vernissage Laura Polke: Mach keinen Scheiß mit Menschen (Vernissage) Karlstorbahnhof, Heidelberg Tighten Up! SoulFunkDisco (Clubbing) So 18. halle02, Heidelberg Kontra K (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Das VPT interpretiert: Die drei ??? und das Gespensterschloss (Show) Karlstorbahnhof, Heidelberg Johannes Falk (Konzert) Mo 19. Harmonie, Heilbronn Patric Heizmann: Essen erlaubt! Verboten war gestern (Wissenschaftscomedy) Innenstadt, Öhringen 195. Öhringer Pferdemarkt und großer Krämermarkt (Markt) Liederhalle, Stuttgart Milky Chance (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Das VPT interpretiert: Die drei ??? und das Gespensterschloss (Show) Di 20. Museum im Deutschhof, Heilbronn Der virtuelle Blick zerstörungsfreier Prüfung – Röntgen und Computertomographie an archäologischen Funden und Kunstwerken aus verschiedenen Epochen (Vortrag) Mi 21. Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Mein Kaffee und ich: Liebe auf den ersten Blick (Kaffeeseminar) Scala-Kino, Neckarsulm Begabt (Kinofilm) Piano Wine Bar, Heilbronn Vernissage Olga Berndt (Gemäldeausstellung) Harmonie, Heilbronn WKO – 6. Heilbronner Konzert: »Tasten-Dirigent« (Konzert) Stadtbücherei, Bad Rappenau »Ohne Worte« wie ich den Froschkönig besiegte. Mein turbulentes Leben zwischen Wicklesgreuth und Schwäbisch Sibirien – Lesung mit Gunther Haug (Lesung) Scala Theater, Ludwigsburg Max Goldt liest (Lesung) Kinder- und Jugendbibliothek im Dalberghaus, Mannheim Andrea Liebers list: Finn macht es anders (Lesung für Kinder) 15. – 21.02.2018 Hanix Nr. 53

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Hanix Nr. 53 Do 22. Piano Wine Bar, Heilbronn Weinprobe mit Hirth Weingut (Verkostung) Pier 58, Heilbronn Diebeskind live (Konzert) Harmonie, Heilbronn Atze Schröder (Comedy) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Uli Gutscher Quintett (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart MHD (Konzert) Messegelände, Karlsruhe art Karlsruhe (Kunstmesse) ZKM, Karlsruhe Transcendent Man: Das Leben und Denken von Ray Kurzweil (Filmpräsentation) halle02, Heidelberg Faber (Konzert) Keller Klub, Stuttgart Bring your own Bottle (Clubbing) Capitol, Mannheim TEDxMannheim 2018 (Konferenz) Fr 23. Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Katharina Herb – Deutschlands erste Opernkabarettistin (Kabarett) Bukowski, Heilbronn Guido Schneider (Clubbing) Kulturkeller, Heilbronn Lacht kaputt, was euch kaputt macht (Kabarett) Mobilat Club, Heilbronn Ready for Techno (Clubbing) 22. – 28.02.2018 Badewelt, Sinsheim Internationales Saunafest – Holländische Aufgüsse (Wellness) Im Wizemann, Stuttgart Kunst- und Designmarkt (Kreativmarkt) Club Lehmann, Stuttgart Chris Liebing (Clubbing) Kulturhaus Arena, Stuttgart Green World Tour (Messe) SAP Arena, Mannheim Das große Abschiedsspiel: Team Hecht vs. Team Arendt (Eishockey) Messegelände, Karlsruhe art Karlsruhe (Kunstmesse) Karlstorbahnhof, Heidelberg Rone (Konzert) Sa 24. Kletterarena, Heilbronn Bouldernacht (Sport) Komödienhaus, Theater Heilbronn Rick Kavanian – Offroad (Comedy) Bukowski, Heilbronn Herz, Gefühl & Bass (Clubbing) Mobilat Club, Heilbronn Wortsport Lounge w/ Visa Vie (Clubbing) Innenstadt, Heilbronn 249. Pferdemarkt (Jahrmarkt) Kulturforum, Brackenheim Simon & Jan – Halleluja (Musik-Kabarett) Alte Kelter, Lauffen Jungweinprobe – Wein in der Kelter (Verkostung) Im Wizemann, Stuttgart Kunst- und Designmarkt (Kreativmarkt) Messegelände, Karlsruhe art Karlsruhe (Kunstmesse) halle02, Heidelberg HD Bass – Drum’n’Bass (Clubbing) Kulturhaus Arena, Stuttgart Green World Tour (Messe) So 25. Innenstadt, Heilbronn 249. Pferdemarkt (Jahrmarkt) Harmonie, Heilbronn Kinderflohmarkt (Markt) Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Finissage in der Ausstellung »Richard Deacon. About Time.« (Ausstellungsabschluss) Kömodienhaus, Theater Heilbronn Lizzy Aumeier – Ja ich will! (Kabarett) Scala Kino, Öhringen Schwabendreier: Die schwäbische Comedy – Mixedshow (Comedy) Kulturforum, Brackenheim Theater 3 hasen oben – Der Froschkönig (Kindertheater) Badewelt, Sinsheim Internationales Saunafest – Holländische Aufgüsse (Wellness) Messegelände, Karlsruhe art Karlsruhe (Kunstmesse) Mo 26. Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Marc Marshall präsentiert Mr. M’s Vocal Jazz Club (Konzert) Wartesaal, Besigheim Attac-Filmabend: »Europa – ein Kontinent als Beute« (Film) Studio Feuerwache, Mannheim Kai Pannen liest: Zombert und der mutige Angsthase (Lesung für Kinder) Di 27. Theaterhaus, Stuttgart 10. Stuttgarter Science Slam (Wissenschaftsslam) Mi 28. Scala-Kino, Neckarsulm Begabt (Kinofilm) Capitol, Mannheim Rainald Grebe – Das Elfenbeinkonzert (Konzert) Karlstorbahnhof, Heidelberg Zugezogen Maskulin (Konzert) ZUSATZ- ZUSATZ- TERMIN FAMILIENSHOW AM NACHMITTAG 03.02.18 LUDWIGSBURG MHPArena 10.02.18 STUTTGART Liederhalle 27.02.18 HEILBRONN Harmonie 06.03.18 STUTTGART Porsche-Arena TERMIN 19.04.18 STUTTGART Theaterhaus 19.04.18 HEILBRONN Harmonie 19.05.18 STUTTGART Liederhalle Männer sind faul, sagen die Frauen 07.12.18 LUDWIGSBURG MHPArena TICKETS UNTER WWW.S-PROMOTION.DE sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen TICKETHOTLINE 06073-722 740

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Termine März 2018 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Do 01. Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Keine Angst vor Indien – Vom Fotografen und Filmemacher Peter Witt & Diana Albrecht (Multivisionsvortrag) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Jazz Requests (Konzert) AudiForum, Neckarsulm After-Work meets Kopfhörer (Silent Disco) Thomas KIRCHNER WEINHANDEL Karlstrasse 109 74076 Heilbronn Tel.:07131-745998 Fax:07131-745999 Mail: tkirchner@gmx.net www.weinhandlungkirchner.de Öffnungszeiten: Di-Fr. 14-18.30, Sa 10-14:00 Kultura, Öhringen Bibi Blocksberg – Hexen Hexen überall (Musical) halle02, Heidelberg Bausa – Dreifarben Tour (Konzert) ZKM, Karlsruhe Raphael Gielgen: Die Kunst seine eigene Zukunft immer wieder neu zu erfinden (Vortrag) Fr 02. Piano Wine Bar, Heilbronn Theaterstück »Köstliche Weinpralinen« mit Sabine Mauz (Theater) Harmonie, Heilbronn Vince Ebert: Zukunft ist the Future (Wissenschaftskabarett) Wartesaal, Besigheim Jazz im Wartesaal mit Monoglott (Konzert) DAI, Heidelberg Journalismus 2.0 – Fake News, Aufklärung und Demokratie im digitalen Zeitalter (Konferenz) Sa 03. Intersport RedBlue, Heilbronn Bauen, Wohnen & Renovieren (Messe) Kulturkeller, Heilbronn Nur Mut! – Sarah Hakenberg (Kabarett) Innenstadt, Heilbronn Lichterzauber (Nightshopping mit Lichteffekten) Innenstadt, Heilbronn Deutsch-Holländischer Stoffmarkt im Frühjahr (Markt) Mobilat Club, Heilbronn Dubwars(Clubbing) Käsbergkeller, Mundelsheim Wein & Sound 2018 (Verkostung) Yoga13, Stuttgart Yin Yoga (Workshop) CULTeum, Karlsruhe I Hate Models (Clubbing) So 04. Museum im Deutschhof, Heilbronn Perspektivenkonzert – Trio Coriolis (Konzert) Intersport RedBlue, Heilbronn Bauen, Wohnen & Renovieren (Messe) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Olaf Bossi – Harmoniesüchtig (Kabarett) Dachgeschoss Wasserschloss, Bad Rappenau Das Hegel-Quartett spielt Werke von Janacek, Dvorak und Mendelssohn Bartholdy (Konzert) Marktplatz, Neckarsulm Verkaufsoffener Sonntag zum Hamburger Fischmarkt (Markt) Scala-Kino, Neckarsulm Die Häschenschule (Kinofilm für Kinder) Mo 05. Piano Wine Bar, Heilbronn Lindy Hop Tanzabend (Tanz) Capitol, Mannheim Glashaus (Konzert) Di 06. Wizemann.space, Stuttgart 14. Social Innovation Night Stuttgart (Vortrag & Gespräch) Porsche Arena, Stuttgart Martin Rütter: Freispruch (Comedy) halle02, Heidelberg Bruckner (Konzert) Mi 07. Scala-Kino, Neckarsulm Der Wein und der Wind (Kinofilm) Do 08. Rathaus, Heilbronn Internationaler Frauentag (Empfang) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Maria Mendes Trio feat. Gary Husband (Konzert) Bildungscampus, Heilbronn Langeweile im Lokschuppen im Bildungscampus Heilbronn (Erzählungen für Kinder) Badewelt, Sinsheim Weltfrauentag (Beauty & Wellness) Studio Feuerwache, Mannheim Daniel Napp liest: Dr. Brumm (Lesung für Kinder) halle02, Heidelberg Tocotronic (Konzert) Fr 09. Bildungscampus, Heilbronn Langeweile im Lokschuppen im Bildungscampus Heilbronn (Erzählungen für Kinder) Kulturforum, Brackenheim Tweed & Gervis Myles – Smokey Holman Memorial Tour 2018 (Konzert) Mobilat Club, Heilbronn Paisley Club (Clubbing) Hanix Nr. 53 01. – 09.03.2018

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Hanix Nr. 53 Wizemann Areal, Stuttgart Social Innovation Summit 2018 (Workshop) Freund & Kupferstecher, Stuttgart Junglepussy (Konzert) halle02, Heidelberg Amanda (Konzert) Sa 10. Emma23, Heilbronn Los Banditos (Konzert) Kulturkeller, Heilbronn Tango Bavaria – Ball & Jabara (Konzert) Mobilat Club, Heilbronn Buss di Dance (Clubbing) Wizemann Areal, Stuttgart Social Innovation Summit 2018 (Workshop) So 11. Alte Feuerwache, Mannheim Shahak Shapira – German Humor (Comedy) Mo 12. Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Mein Kaffee und ich: klein, schwarz und sexy (Kaffeeseminar) Wizemann.space, Stuttgart Workshop Visualisieren – Basics (Workshop) Di 13. Museum im Deutschhof, Heilbronn Entdeckungsreise für Museumszwerge – »Römischer Badespaß« (Kindernachmittag) 09. – 20.03.2018 AudiForum, Neckarsulm Frühlings-KreativWerkstatt: Wir bauen ein Hotel für Insekten (Kreativnachmittag für Kinder) Porsche-Arena, Stuttgart TOTO (Konzert) Mi 14. Scala-Kino, Neckarsulm Der Wein und der Wind (Kinofilm) AudiForum, Neckarsulm Frühlings-KreativWerkstatt: Wir bauen ein Hotel für Insekten (Kreativnachmittag für Kinder) Ballei, Neckarsulm Monsieur Claude und seine Töchter (Theater) Do 15. Theaterschiff, Heilbronn Sebastian Lehmann: Ich war jung und hatte das Geld (Comedy) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Blassportgruppe Südwest (Konzert) Kulturkeller, Heilbronn Walked the Line – The Story of Johnny Cash (Konzert) AudiForum, Neckarsulm Frühlings-KreativWerkstatt: Wir bauen ein Hotel für Insekten (Kreativnachmittag für Kinder) Fr 16. Ebene 3, Heilbronn Pulsar Trio (Konzert) Harmonie, Heilbronn 7. Heilbronner Konzert – Das Lied von der Erde (Konzert) Mobilat Club, Heilbronn God save the Queen (Clubbing) Brauhaus, Neckarsulm Hans Gerzlich – So kann ich nicht arbeiten (Comedy) Wartesaal, Besigheim Lesung und Kabarett mit Thorsten Majer und Tobias Lang (Lesung/Kabarett) CULTeum, Karlsruhe Tieftontherapie: M-Zine & Scepticz & Bredren (Clubbing) ZKM, Karlsruhe Eröffnung: DIA-LOGOS – Ramon Llull & die Kunst des Kombinierens (Ausstellungseröffnung) Sa 17. Theresienwiese, Heilbronn Erster 24-Stunden Benefizlauf in Heilbronn – Laufen für Nepal (Spendenlauf) Mobilat Club, Heilbronn In bester Gesellschaft (Clubbing) Möbel Endner, Leingarten Bis 20.04; Vernissage Fotografie Stefanie Köhler (Ausstellung) Kulturforum, Brackenheim Tanz! lokal – 5. Disco-Tanznacht mit DJ Dr. Jay & DJ Beng (Tanzabend) Stuttgart Social Media Marketing Boot Camp (Workshop) Alte Feuerwache, Mannheim GReeeN – Rappae Tour 2018 (Konzert) So 18. Komödienhaus, Theater Heilbronn Angelika Milster – Milster singt Musical (Konzert) Dachgeschoss Wasserschloss, Bad Rappenau »Gitarrenfarben – die Gitarre im Wandel der Jahrhunderte« – Friedemann Wuttke spielt Stücke aus Barock, Klassik und Impressionismus (Konzert) Mo 19. Großes Haus, Theater Heilbronn Half Broke Horses (Schauspiel) Wartesaal, Besigheim Attac Filmabend: Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen (Film) Di 20. halle02, Heidelberg B-Tight – Tour Royal (Konzert)

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April/Mai- Ausgabe Hanix erscheint Ende März 2018 Interesse an einem Hanix-Abo? Dann mailt uns! abo@hanix-magazin.de www.hanix-magazin.de facebook.com/hanix.magazin Mi 21. Piano Wine Bar, Heilbronn Vernissage Evi Böhringer »Tausendschön« (Ausstellungseröffnung) Scala-Kino, Neckarsulm Western (Kinofilm) Do 22. Abraham-Gumbel-Saal, Heilbronner Bankhaus Visionär, Exzentriker, Enfant terrible: Zum 90. Geburtstag von Karlheinz Stockhausen (Konzert) Piano Wine Bar, Heilbronn Weinprobe mit Schiefer Weingut (Verkostung) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Denis Gäbel Quartett (Konzert) Komödienhaus, Theater Heilbronn Ass-Dur (Theaterperformance) Cafe Galao, Stuttgart Jon & Roy (Konzert) Messe, Stuttgart Retro Classics (Oldtimermesse) Fr 23. Mobilat Club, Heilbronn Riddim Corner (Clubbing) Im Wizemann, Stuttgart Trettmann - #DIY Tour 2018 (Konzert) Sa 24. Weinhandlung Kirchner, Heilbronn Jubiläum – 25 Jahre Weinhandlung Kirchner (Jubiläumsfeier) Mobilat Club, Heilbronn Meridian House Menue (Clubbing) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Bluegrass & Folk – Donnerwetter/ Horse Mountain/ Songbird (Konzert) Kulturkeller, Heilbronn Lucy van Kuhl – Fliegen mit dir (Konzert) Kulturforum, Brackenheim Ulan & Bator – Irreparabeln (Kabarett) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Grillseminar (Verkostung) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Planet Erde II: Eine Erde – Viele Welten (Multimediashow) Messe, Stuttgart Retro Classics (Oldtimermesse) So 25. Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Museum mit Genuss – »Emil Nolde. Farbenzauber« (Führung und Verkostung) Harmonie, Heilbronn Ab in den Süden – Das Musical in Heilbronn (Musical) Kulturhaus Arena, Stuttgart Marktmoiselle Mädchenflohmarkt (Flohmarkt) Messe, Stuttgart Retro Classics (Oldtimermesse) Mo 26. Liederhalle, Stuttgart Die Prinzen mit Sinfonieorchester (Konzert) SAP Arena, Mannheim Planet Erde II: Eine Erde – Viele Welten (Multimediashow) Di 27. Harmonie, Heilbronn Naturally 7 (Konzert) halle02, Heidelberg Heidelberger Frühling: Francesco Tristano (Konzert) Mi 28. Scala-Kino, Neckarsulm Wild (Kinofilm) Im Wizemann, Stuttgart Curse – Die Farben von Wasser Tour (Konzert) Do 29. Intersport RedBlue, Heilbronn Özcan Cosar: »Old School – die Zukunft kann warten« (Comedy) Altes Theater, Heilbronn Jazzclub Cave 61: Jörg Linke-Jazzgroup (Konzert) Fr 30. Mobilat Club, Heilbronn Who the fuck (Clubbing) Sa 31. Mobilat Club, Heilbronn Wortsport Lounge (Clubbing) MS Connexion Complex, Mannheim DEXIT techno events (Clubbing) 21. – 31.03.2018 Hanix Nr. 53

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Tiere ab 18 Lisa Maria Klotz kam wahrscheinlich durch Geburt zur Welt. Seitdem zeichnet, malt und spielt sie am liebsten Quatsch. Zur Beruhigung backt Lisa Pfannkuchen und ihr animalisches Buch »Tiere ab 18« soll man sich und anderen gefälligst in großer Stückzahl bestellen! Check da Shit out: www.tiereab18.de Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 53 TIERE AB 18

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Alle 52 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf-Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online-Archiv unter www.hanix-magazin.de Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Nico Kurth

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