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Kostenloses Mitnahme-Exemplar Titelthema: Gründerstadt INTERVIEW DES MONATS: PRENZLSCHWÄBIN BÄRBEL STOLZ ÜBER BEKNACKTE KINDERVORNAMEN IM PRENZ- LAUER BERG UND BERLINER SCHWABENHASS Falken-Manager Atilla Eren über den Wunsch nach klareren Bekenntnissen pro Spitzensport aus dem Rathaus und die Leidensfähigkeit der Falken-Fans Außerdem: DIE TASCHE VON TANJA CALCE, EIN VOLVO 240, POKEMONS JAGEN IN HEILBRONN U. V. M. Nr. 45 Oktober/November 2016 boomt!

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 45 die eigene Firma gründen, eine Startup-Unternehmung starten sind nicht nur in Berlin en vogue. Auch Heilbronn möchte ein attraktiver Ort für Gründer sein. Der Zukunftsfonds Heilbronn und das Venture Forum Neckar wurden hier in der Stadt aufgebaut, um Gründer und Investoren zusammenzubringen. Aber auch Leute wie du und ich gründen hier in der Stadt und Region ihre kleine Unternehmung. Unser Themenschwerpunkt: »Gründerstadt«. everysize möchte in Zukunft die Suchmaschine für alles »mit einer Größe« sein. Angefangen haben die Jungs um Firmengründer DENIS FALKENSTEIN aber mit Sneakern. Wir haben das Startup in der Heilbronner Innenstadt besucht. Im Interview mit AXEL KRAUSS, Mitbegründer des VFN und Verwaltungsratvorsitzender des ZFHN, ergründen wir die Arbeitsweise und Intention des örtlichen Business-Angel-Netzwerks und besprechen die Hürde, die der ZFHN gelegt hat, nur zu investieren, wenn das Unternehmen nach Heilbronn übersiedelt. Außerdem sprachen wir mit DR. GEORG MATHEIS, dem Vorzeigeunternehmer im Zukunftspark Wohlgelegen, wir besuchten Wolkenlos, eine Heilbronner Wohlfühloase, die im letzten Jahr aufgemacht hat. Und zu guter Letzt waren wir in der Landeshauptstadt, um mit dem Organisator der Stuttgarter Fuckup Nights übers Scheitern zu sprechen. Ebenfalls in Stuttgart trafen wir für das Interview des Monats BÄRBEL STOLZ, die den meisten als Prenzlschwäbin aus ihrer Youtube-Webserie bekannt sein dürfte. Am 23. Oktober tritt die Wahlberlinerin in der Heilbronner Harmonie auf. Wir unterhielten uns mit ihr über beknackte Kindervornamen im Prenzlauer Berg, digitale Beschimpfungen und sie verriet uns einen Gag aus ihrem Tour-Programm. Nun noch etwas in eigener Sache. Vor Kurzem wurden wir fünf Jahre alt und deshalb wollen wir uns nicht lumpen lassen und uns dankbar zeigen. Mit einer Verlosung nach Homer Simpsons Geschmack. Wir verlosen eine exklusive Brauereiführung bei Dinkelacker. Welche Schritte ein Brauprozess umfasst, das können 50 Personen bei einer Führung durch die Familienbrauerei am 10. Oktober um 18.30 Uhr in Stuttgart erfahren. Ein kompetentes Team mit langjähriger Erfahrung im Brauwesen führt die Gruppe unter anderem in das Sudhaus, den historischen Eiskeller und den modernen Gär- und Lagerkeller. Hier wird auch das Kellerpils der aus Heilbronn stammenden Traditionsmarke Cluss gebraut. Abgerundet wird die Führung mit einer Bierprobe und einer deftigen Stärkung aus der Brauereigaststätte. Bustransfer ab Heilbronn inklusive. Einfach bis zum 5. Oktober eine Mail an info@hanix-magazin.de mit dem Betreff »Bierbus nach Stuttgart« schreiben. Gelost wird unter allen Einsendungen. Verlost werden 25×2 Plätze. Wo wir sonst noch für diese Ausgabe waren: im Eisstadion, in der Kaffeebucht, Pokémons jagen in der Innenstadt, im Velo oder in einem Volvo 240 und unserem Kolumnisten OLIVER MARIA SCHMITT geht ein Satz aus einem älteren Heilbronn-Werbevideo nicht aus dem Sinn: »Hier befindet sich der wohl größte schalltote Raum Europas.« Dreht auf! Die Hanix-Redaktion. EDITORIAL Die Familienbrauerei Dinkelacker in Stuttgart braut das beliebte Kellerpils der Heilbronner Biermarke Cluss ein. © Katja Zimmermann/Berlin Food Week

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Impressum VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Friedemann Orths, Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Dr. Bernhard Stumpfhaus, Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Maria Sanders AUTOREN UND MITARBEITER Nicolai Köppel, Mares Baudewijns, Sibel Taylan, Thomas Aurich, Ralph Munz, Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Maria Maroge, Leonie Sieben-Prinz ARTDIREKTION Raimar Schurmann LAYOUT Raimar Schurmann (Leitung), Florian Geiger FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATORINNEN Meli Dikta (www.blickboutique.de) Memo Filiz (www.memografie.com) Ulla Kühnle (www.freiraum-photos.de) Nico Kurth (www.nicokurth.com) Reiner Pfisterer (www.reinerpfisterer.de) Kathrin Leisterer Lisa Maria Klotz (www.lisamariaklotz.de) Michael Dikta, Aldo Liverani, Katja Zimmermann LEKTORAT Friedemann Orths VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.) VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 HEFT BAUM Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2015 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: Olympisches Gold vs. Barschließung 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für Oktober und November 14 Streifzug durch die Region Diesmal mit Kunsthandwerk in der Innovationsfabrik, einem Interview über die Bildungsangebote der aim & dem New Fall Festival in Stuttgart 16 Smalltalk Dinge, die Heilbronner nicht sagen, Thekenphilosophen & #ashtag #eilbronn 18 600 Sekunden KÖPPELS ZEHN MINUTEN HEILBRONN Halt den Mund und gib 20 Taschenkontrolle bei Tanja Calce, Inhaberin des veganen Restaurants Velo 22 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Fotograf und Gastronom Pierre Gattinger und sein Volvo 240 24 Abenteuer um die Ecke Auf der Jagd: Monster fangen in Heilbronn mit Pokémon GO! INHALT Hanix Nr. 45

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Hanix Nr. 45 26 Politik & Gesellschaft Der gefragte Bürger 32 Sport Ein Gespräch mit Falken- Manager Atilla Eren 36 Kultur achso! e. V. – frischer Wind in der Heilbronner Kulturlandschaft 38 Kunst Matt Mullican & Änner 40 Film Arthaus-Tipp »Meine Zeit mit Cézanne« und »Café Society«. Dazu weitere Filmstarts 44 Interview des Monats Prenzlschwäbin Bärbel Stolz Wir sprachen mit der Schauspielerin, Autorin und Komikerin u.a. über beknackte Kindervornamen im Prenzlauer Berg und digitale Beschimpfungen HANIX NR. 45 48 Titelthema everysize – das Heilbronner Startup will bald auf der Suche nach allem mit einer Größe sein, Interview mit Axel Krauss über das Venture Forum Neckar und den Zukunftsfonds Heilbronn, Wolkenlos – vor einem Jahr startete die Heilbronner Wohlfühloase, Gespräch mit Dr. Georg Matheis, dem Vorzeigeunternehmer aus dem Zukunftspark Wohlgelegen & ein Besuch bei der Stuttgarter Fuckup Nights, denn Scheitern gehört auch zum Gründen 66 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT- KOLUMNE Kann Heilbronn nur peinlich? 68 Brief an die Heimat Leonie Sieben-Prinz schreibt aus »dem besten Hotel Europas« 70 Historischer Schuss Celluloidwaren-Fabrik J. Bauer 72 .jpg BILDERGALERIE U. a. Kulinarisches Open (Fl)air im Amtshaus Ailringen, Hanix- Hollywood-Party, Wollhaus & Impressionen aus der Region 76 Veranstaltungskalender Gute Termine für Oktober und November 82 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: Der Cockadu GRÜNDER- STADT

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Hanix Nr. 45 FREITAG, 11. AUGUST 2016 16:11 UHR SIEGEREHRUNG NEBEN DEM LAGOA RODRIGO DE FREITAS, RIO DE JANEIRO Foto: picture alliance/augenklick/Aldo Liverani Großer Jubel und Belustigung bei Annekatrin Thiele, Carina Bär (3. v. l.), Julia Lier und Lisa Schmidla, als sie ihre Goldmedaille für ihren Sieg im Doppelvierer erhalten. Philipp Wende, der kurz zuvor mit dem Doppelvierer der Herren ebenfalls Gold für Deutschland holte, läuft den Damen ins Siegerfoto. Dank einer taktischen Meisterleistung hat der Frauen- Doppelvierer die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio geholt. Die Mannschaft mit der Heilbronner Ruderin Carina Bär siegte vor den Niederlanden und Polen. Erst auf den letzten Metern bewährte sich die Routine der deutschen Ruderinnen. Die Freude war riesig, nicht nur bei Carina Bär und »ihrer« Mannschaft, sondern auch bei der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben von 1879 – Bärs Heimat-Verein. Dort und in Bad Rappenau hatten sich Familie, Freunde und Bekannte zum Anfeuern vor dem Bildschirm getroffen. Carina Bär ist die erste Olympiasiegerin aus der Region. HINGUCKER

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MONTAG 15. AUGUST 2016 10:37 UHR PLANB – DIE BAR, GEMMINGERGASSE, HEILBRONN Foto: Meli Dikta Schon öfter war das PlanB in finanziellen Nöten, jetzt muss Pächter Michael Kopp die Szene- Kneipe verkaufen. Wer gerne Rock und Punk oder Drum and Bass hört und auf Live-Musik steht, war im PlanB genau richtig. Umso größer ist die Enttäuschung, sowohl für die Gäste, als auch für den Barbetreiber schließen zu müssen. Grund hierfür ist jedoch nicht die Bar, sondern private Hintergründe Kopps, wie in der Tagespresse nachzulesen war. 2012 hat er das PlanB übernommen, zwei Jahre später kaufte er ein Restaurant. Beides hat er für viel Geld renovieren lassen. Als er dann in finanzielle Not geriet, verkaufte er das Restaurant wieder. Doch das Geld hat er wohl nie bekommen. Hohe Schulden sind also das Problem, denn die Bar läuft gut. Dass es Gastronomen und Einzelhändler in Heilbronn nicht einfach haben, beweisen weitere Schließungen wie die des Sneakerstores Snygg. in der Heilbronner Innenstadt und der Kneipe Bierkrug am Hauptbahnhof. Beide mussten im August ihr Geschäft aufgeben. Hanix Nr. 45 WEGGUCKER

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TIPPS FÜR HEILBRONN Benefizparty 8. Oktober FUNKY FOREST: BENEFIZPARTY Gaffenberg, Heilbronn »Wir feiern wieder«, dachte sich der Kinderschutzbund Heilbronn und holte sich für seine mittlerweile dritte »Funky Forest«-Party tatkräftige Unterstützung durch den Serviceclub Round Table. Gefeiert wird im legendären Ambiente der Roten Halle auf dem Gaffenberg ab 20 Uhr. Es gibt wieder die allseits beliebte und schon zur Tradition gewordene Currywurst. Für die musikalische Stimmung sorgt diesmal DJ Çenk u. a. mit aktuellen Charthits und Electro. Der Eintritt kostet im Vorverkauf acht Euro, an der Abendkasse zehn Euro. Der Erlös der Party fließt komplett in die Arbeit des Kinderschutzbundes Heilbronn, der sich in Stadt- und Landkreis Heilbronn für Kinder, Jugendliche und Familien stark macht. Infos: www.kinderschutzbund-hn.de Konzert 15. Oktober MICHAEL LANE: THE MIDDLE Ebene 3, Heilbronn Seine Erfahrungen im Irakkrieg führen ihm seine eigentliche Bestimmung als Musiker vor Augen. Durch die Erkenntnis der Sinnlosigkeit des Krieges lernt er, dass es nichts Wichtigeres gibt als die Zeit, die einem bleibt. Heute hält Michael Lane den Augenblick in seinen sehr reduzierten und stark von akustischen Instrumenten geprägten Songs zwischen modernem Folk, Indie und Pop fest. Comedy 8. November CAROLIN KEBEKUS – ALPHAPUSSY redblue / Heilbronn Das »Kölsche Mädsche« Carolin Kebekus entwickelt sich immer mehr zum weiblichen Star unter den Comedians in Deutschland. Oft wird sie als lustigste Frau Deutschlands bezeichnet. Mit ihrem neuen Tourprogramm AlphaPussy legt sie sich auch 2016 wieder konsequent mit allen und jedem an. Noch vor wenigen Jahren galt Carolin Kebekus als weiblicher Brachialcomedian, die nur in der Rolle der Assitussi überzeugen kann. Doch inzwischen verstehen immer mehr Menschen den sehr hintersinnigen und fein gesponnenen Humor hinter der rauen Fassade. Kulturveranstaltung 15. bis 21. November AKTIONSWOCHE WILLKOMMENSKULTUR Harmonie, Heilbronn Im Rahmen der Aktionswoche Willkommenskultur wird das Thema »Willkommenskultur in Heilbronn- Franken« aus unterschiedlichen Blickrichtungen beleuchtet. Ziel der Aktion ist es, auf das Thema Internationalität und Interkulturalität der Region aufmerksam zu machen und die Vorteile einer multikulturellen Gesellschaft näherzubringen. Die Auftaktveranstaltung »Gelebte Willkommenskultur: Mythos, Realität und Perspektiven« am 15. November findet in der Harmonie statt. Am 21. November endet die Aktionswoche mit der Abschlussveranstaltung »Geflüchtete berichten von ihrem Weg in die deutsche Arbeitswelt« im Hohenloher Integrationszentrum Künzelsau. Im Zeitraum vom 16. bis zum 30. November werden zahlreiche andere Akteure aus der Region der Aktionswoche anschließen und eigene Veranstaltungen zum Thema durchführen. Gesprächsrunde 28. November AUTOR IM GESPRÄCH: GREGOR GYSI Komödienhaus, Theater Heilbronn 25 Jahre Geschichte der deutschen Einheit. Gregor Gysi hat sie miterlebt und mitgeprägt wie nur wenige Politiker. Er wurde vom DDR-Anwalt zum Talkshow- Star, war Ossi-Idol und Hassobjekt, selbst politische Gegner hat er mit seinen Reden fasziniert. Zuletzt erschien sein Buch »Ausstieg links? Eine Bilanz«. Rechtzeitig zu seinem Rückzug aus der ersten Reihe der Politik erzählt Gysi die Geschichte aus seiner Sicht. Die Veranstaltung findet unter Moderation von Wolfgang Niess vom SWR Stuttgart statt. Im Mittelpunkt steht nicht die Lesung, sondern das Gespräch – über das neue Buch, das Schreiben, über Person und Biografie des Autors. STADTLEBEN Hanix Nr. 45

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Für Existenzgründer, Kreative und IT-Freaks – die Innovationsfabrik Heilbronn Bald auch mit attraktivem Co-Working-Angebot! Kontakt: Bernd Billek, Tel. 07131 6257-46 bernd.billek@stadtsiedlung.de www.innovationsfabrik.de

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DIE TIPPS FÜR REGION Fahrzeugevent 1. & 2. Oktober DAS GROSSE MOTORRAD- WOCHENENDE Auto und Technik Museum, Sinsheim Immer am ersten Oktoberwochenende wird das Freigelände des Auto und Technik Museums Sinsheim zum Mekka aller Motorradliebhaber. Es versammeln sich im Rahmen des mittlerweile 37. Motorrad-Klassikertreffens weit über 250 historische Motorräder aller Epochen und Hersteller. Ob BMW, NSU, Victoria oder Indian – alle sind dabei. Am darauffolgenden Sonntag lockt der Tag der Harley Hunderte Harley-Davidson- Maschinen auf das Veranstaltungsgelände. Gesprächsrunde 12. Oktober HEILBRONNER ARCHITEKTURGESPRÄCHE: STEFAN MARTE Deutschordensmuseum, Bad Mergentheim 2016 sind die Köpfe von fünf Architekturbüros bei den Heilbronner Architekturgesprächen zu Gast und berichten, wie unsere gebaute Umwelt in den Köpfen entsteht und deren Architektur gemeinsam im Team realisiert wird. Diesmal mit Stefan Merte aus Weiler/ Vorarlberg. Er leitet gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard das Architekturbüro im Rheintalhaus seiner Kindheit. Mit einer Reihe an prämierten Bauten beweisen sie, wie moderne Architektur mit dem ländlichen Raum in Dialog tritt. Ihre erste Monografie »Marte.Marte Architekten« wurde u. a. mit der Silbermedaille »Schönste Bücher der Welt« in Leipzig bedacht. Benefizevent 15. Oktober EIN RÖNTGENGERÄT FÜR BURKINA FASO Stettenfelshalle Untergruppenbach Schweißtreibender Soul, kerniger Funk und erdiger Rhythm and Blues: die Heilbronner Band Soul Connection legt Wert darauf authentisch und stilecht großen Vorbildern gerecht zu werden, überzeugt aber auch mit eigenen Arrangements. Richtig heiß wird es mit Tropical Beat. Die Bandmitglieder kommen aus verschiedenen Ländern Afrikas. Traditionelle Rhythmen werden kreativ variiert und ganz modern kombiniert: stillsitzen unmöglich! Der Veranstalter Freundeskreis Bareka macht seit 27 Jahren Entwicklungshilfe in Burkina Faso, Westafrika. Neben vielen weiteren Projekten fördert und unterstützt Bareka ein Buschkrankenhaus, das dringend ein Röntgengerät benötigt. Infos: www.bareka.de. Musikalisches Kabarett 15. Oktober MICHAEL KREBS – JUBILIÄUMSKONZERT Neubausaal, Schwäbisch Hall Michael Krebs, der rockende Klavierkabarettist und Entertainer. Von Super- Speed bis Entschleunigung-To-Go – er hat alles zu bieten. Was er singt und textet ist rotzfrech und böse, aber auch schlau und witzig. Das Jubiläumskonzert zeichnet nach, wie sich der Musiker und Sprachkünstler Michael Krebs schlagfertig und politisch unkorrekt von unten nach oben gearbeitet hat. Eine Stimme, 10 Finger, 88 Tasten, 22 Kleinkunstpreise und 11 Jahre Rock’n’Roll-Kabarett – Michael Krebs hält die Zeit für gekommen, all diese Jubiläen mal so richtig abzufeiern. Kindermusical 13. November CONNI – DAS MUSICAL Alte Mälzerei, Mosbach Conni ist das unternehmungslustige Mädchen mit der roten Schleife im Haar und ist die beste Freundin aller Kinder. Die Geschichten der kleinen Conni reichen vom Kindergarten bis hin zur jugendlichen Conni. Das Musical feierte im Mai 2014 die ausverkaufte Uraufführung in der o2 World in Hamburg. Seitdem befindet sich Conni mit ihrer Familie, ihren Freunden, Kater Mau und Teddy auf großer Musical- Reise. Konzert 27. November SWR BIG BAND & BILLY COBHAM Scala, Ludwigsburg Seit seinem Durchbruch in den frühen 1970er Jahren als Gründungsmitglied des Mahavishnu Orchestra und als Drummer/ Leader, dessen Aufnahmen und kraftvolles, komplexes Spiel einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Jazz- und der Fusion- Jazz-Szene hatten, ist Billy Cobham stets der unermüdliche, musikalische Entdecker und Forscher geblieben. Zusammen mit den 17 Musikern der SWR Big Band, die vor Kurzem den JazzAward in Gold der deutschen Musikindustrie erhielten, wird für musikalisches Entertainment gesorgt. LANDLEBEN Hanix Nr. 45

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Musikfestival 2. Oktober bis 11. November ENJOY JAZZ Heidelberg, Mannheim & Ludwigshafen Sechs Wochen lang verwandelt Enjoy Jazz die Rhein-Neckar-Region in ein Eldorado der Musik-Aficionados. Von Jazz, Soul und Hip-Hop über Klassik, Pop und Electro – von allem ist nur das Feinste dabei: die ganz großen Weltstars, die spannendsten Newcomer und die abgefahrensten Avantgardisten – bei Enjoy Jazz treffen sie sich alle! Die Freude am Jazz ist das Motto des Festivals – zu genießen bedeutet ebenfalls, sich für die einzelnen Künstler Zeit zu nehmen, sodass Enjoy Jazz meist nur ein Konzert pro Abend und pro Stadt ausrichtet. Kulturveranstaltung 15. Oktober STUTTGARTNACHT Diverse Veranstaltungsorte in Stuttgart Die »Stuttgartnacht«, vormals Stuttgarter Kulturnacht, bietet jedes Jahr im Herbst ein einzigartiges Programm. Das kulturelle Leben Stuttgarts öffnet seine Pforten und lockt mit Highlights und Überraschungen aus den Bereichen Musik, Theater, Film und Literatur. Mit nur einem Ticket gibt es eine Nacht lang Kultur pur. Theater- und Kleinkunstbühnen zeigen Highlights ihrer aktuellen Programme. Live-Bands, Orchester, A-Capella-Sänger und Jazz-Combos bieten alles, was das Musikliebhaberherz begehrt. Fahrzeugevent 22. Oktober SOUND NACHT Porsche-Museum, Stuttgart Porsche lädt bereits zur sechsten »Sound Nacht« ein. Ehemalige und aktive Rennfahrer sowie Weissacher Ingenieure präsentieren elf einzigartige Rennfahrzeuge, deren Motoren live in der Ausstellung gestartet werden. Zeitzeugen berichten zudem von ihren Erlebnissen an der Rennstrecke. Dabei erwartet das Publikum an diesem Abend eine spannende Reise »From Past to Present« durch die Rennsport-Historie von Porsche. Kreativkonferenz 29. Oktober THEMA: OVERCOMING BOUNDARIES Print Media Academy, Heidelberg Das Event lädt unter dem Leitbild »Overcoming Boundaries« die Redner und Zuschauer gleichermaßen dazu ein, Ideen aufzugreifen, Grenzen zu überwinden und gemeinsame Projekte zu initiieren. Bei TED – Technology, Entertainment, Design werden unter dem Motto »ideas worth spreading« inspirierende und zukunftsweisende Ideen ausgetauscht und Schlüsselfiguren von Wandel und Innovation miteinander vernetzt. Bei einem TEDx-Event steht die Verbreitung und Weiterentwicklung von zukunftsweisenden Ideen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Filmfestival 4. & 6. November CLIPAWARD – INTERNATIO- NALES LOW & NO BUDGET KURZFILMFESTIVAL Schloss, Mannheim Getreu dem Motto »Alles ist erlaubt – solange es kurz und billig ist« umfasst das Programm des Festivals Kurzfilme, die mit einem Budget von maximal 500€ pro Spielminute realisiert wurden und eine Länge von 15 Minuten nicht überschreiten. Neben ausgefuchsten, gerissenen, gewitzten und raffinierten Kurzfilmperlen wird das Festivalwochenende durch Workshops, Live-Musik und den inzwischen traditionellen Trash-Brunch abgerundet. Die internationale Ausrichtung ermöglicht es jungen Talenten sich weltweit Gehör zu verschaffen. Konzert 10. November BEGINNER – »ADVANCED CHEMISTRY«-TOUR Maimarkthalle, Mannheim Die Gebete der Hip-Hop-Gemeinde wurden erhört: Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad – alias Die Beginner – gehen nach langer Bühnenabstinenz endlich wieder auf Tour! Und zwar auf eine richtig fette: 18 Shows stehen im November und Dezember 2016 auf dem Programm. Ein neues Album gibt’s auch – ist das nicht »Wunderschön«?! Rhetorische Frage, logisch. Denn: »Oh ja, alles ist wunder-wunderbar!« METROLEBEN Hanix Nr. 45

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»SO VIEL SPRACHFÖRDERUNG, WIE NÖTIG IST« Pünktlich zum Start des neuen Schuljahres werden in der aim, der Akademie für Innovative Bildung, vielfältige Qualifizierungsangebote geplant. Ganz aktuell zum gesellschaftlichen Geschehen stehen Konzepte zur Sprachbildung und -förderung auf dem Programm. Geschäftsführerin Tatjana Linke ist offen für alle Fragen rund um das Thema Bildung. Von Lea Pomocnik Hanix: Die aim bietet in den Bereichen Frühe Bildung, Unterrichtsund Schulentwicklung sowie Individuelle Förderung Weiterbildungsangebote an. Auf welche Zielgruppen sind die Kurse, welche die aim durchführt, abgestimmt? Tatjana Linke: Wir konzentrieren uns auf die Lebensphase von der Geburt an bis zum Eintritt in das Berufsleben oder das Studium. Bei den Kleinsten richten sich die Qualifizierungsmaßnahmen an die Multiplikatoren, also an Erzieherinnen, Tageseltern und Eltern. Werden die Seminarprogramme und Kurse ausschließlich von Fachkräften geleitet, oder gibt es auch Projekte, bei denen die Kursteilnehmer von- und miteinander lernen? Beides ist der Fall. Wir suchen zunächst geeignete Bildungskonzepte und gewinnen Erkenntnisse aus Expertenrunden mit Wissenschaftlern und Dozenten. Daraus werden neuartige, erfolgversprechende Angebote abgeleitet, die auf die Problemstellungen in unserer Region angepasst sind. Dort werden die erforderlichen Kompetenzen an die Kursteilnehmer vermittelt. In den Fortbildungsveranstaltungen findet aber selbstverständlich auch Gruppenarbeit statt. Kinder und Jugendliche aus einem schwachen sozialen Umfeld sind in der Bildung oft benachteiligt. Wie wichtig ist es für Sie, diese Differenzen und Wissensstandards anzugleichen? Genau diesem Personenkreis wollen wir uns besonders widmen. Unser Ziel ist es, bestmögliche Bildungschancen für alle zu schaffen. Wir wollen vor allem leistungsschwachen, aber anstrengungsbereiten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, sich zu verbessern. Grundlegend für eine gute Entwicklung und Bildung sind pädagogische Fachkräfte und Lehrpersonen. Wodurch werden diese geschult und unterstützt? Das ist einer unserer Schwerpunkte, das gesamte Fortbildungsangebot der aim ist darauf ausgerichtet. Es gibt viele Fortbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte in der Frühen Bildung. Beim Thema Unterrichts- und Schulentwicklung geht es sehr stark um die Weiterbildung der Lehrkräfte. Wir versuchen den Wünschen © Memo Filiz und Fragen gerecht zu werden und Themen zu behandeln, die den Pädagogen wichtig sind. Immer häufiger hört man von kriminellen Vorfällen junger Menschen mit Migrationshintergrund, wie auch beim Attentat von Würzburg. Lassen sich durch Prävention und Fördermaßnahmen Vorfälle wie diese vermeiden? Das Thema ist viel zu komplex, um sagen zu können, dass es sich ganz vermeiden lässt. Es gibt kein Patentrezept. Wichtig ist es aber, Teilhabe herzustellen und Bildungschancen zu sichern. Wir wollen Voraussetzungen schaffen, damit diese Menschen am Berufsleben teilnehmen können. Alles in allem ist das die beste Gewähr dafür, dass Integration stattfindet. Die aim ist in Heilbronn eine präsente Weiterbildungseinrichtung. Wie wichtig erscheint Ihnen die Zusammenarbeit mit ähnlichen Bildungseinrichtungen? Können Kooperationen sowohl zugunsten der Kursteilnehmer als auch für aim selbst genutzt werden? Es ist von großer Bedeutung, dass Institutionen, die sich mit demselben Thema beschäftigen, in Kontakt stehen und kooperieren. Man muss voneinander wissen und im Gespräch bleiben. Wir greifen innovative Bildungskonzepte von Hochschulen und Stiftungen auf und wollen zeigen, wie man diese in die Praxis umsetzen kann, um wirksam zu werden. Bietet die aim Deutschkurse für Menschen mit Migrationshintergrund an, speziell auch für die jungen Flüchtlinge? Sprachbildung und Sprachförderung zieht sich wie ein roter Faden durch die Qualifizierungsprogramme der aim. Wir wollen so viel Sprachförderung betreiben, wie nötig ist, damit die Kinder schon von klein auf dem Unterricht gut folgen können. Die Schülerinnen und Schüler in den Flüchtlingsklassen bekommen intensive Sprachkurse. Zusätzlich bieten wir Team-Teaching an. Dabei geht eine Sprachförderkraft mit in den regulären Unterricht, um so die eigentliche Lehrkraft zu entlasten. ◆ Hanix Nr. 45 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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BEAUTIFUL MUSIC BEAUTIFUL PLACES INDIVIDUELLER ERFINDUNGSGEIST Hanix Nr. 45 New Fall Festival erstmals in Stuttgart Ende Oktober, wenn die Festival-Saison schon längst zu Ende ist, gibt es mit dem New Fall Festival vom 27. bis zum 30. Oktober ein Highlight im Herbst. Unter dem Motto »besondere Künstler, besondere Orte« findet das New Fall Festival in Düsseldorf, der Ursprungs- und Heimatstadt des musikalischen Events, bereits zum 6. Mal statt. Aufgrund der großen Beliebtheit und des Wachstums wird es in diesem Jahr einen zweiten Standort, in Stuttgart, geben. In klassischen Konzertsälen wie dem neuen Schloss oder der Liederhalle in Stuttgart aber auch der Johanneskirche in Düsseldorf spielen bekannte Künstler wie die Grandbrothers oder Wanda. Die dänische Songwriterin und Pianistin Agnes Obel, die auch schon 2011 das Düsseldorfer Publikum begeisterte, wird dieses Jahr wieder dort, aber auch in Stuttgart sowohl instrumental als auch stimmlich überzeugen. Zum zweiten Mal dabei sein wird auch BOY. Die Züricher Sängerin und Hamburger Musikerin verkörpern mit ihrer emotionalen, tiefen Musik die durch einen Hauch von Folk gekennzeichnet ist die Musikrichtung des Indie-Pops. Sängerin Dillon zeigt sich zum ersten Mal auf dem New Fall Festival mit ihrer versunkenen Stimme und Songs die an eine Mischung aus elektronischen Drumbeats und Pop erinnern. Besucher des New Fall Festivals in Stuttgart können sich auf weitere Acts wie James Rhodes freuen. Als britischer Konzertpianist verarbeitet er in seiner klassischen Musik Wut und Schmerz prägender Ereignisse aus seiner Kindheit und bringt dadurch große Gefühle zum Ausdruck. (lep) ◆ Infos: www.new-fall-festival.de handgewandt’16: Zum 11. Mal lädt das WerkForum Heilbronn zur Verkaufsmesse für angewandte Kunst in die Innovationsfabrik ein. Ob aus Keramik, Textil, Holz, Glas, Metall, Korbgeflecht, Leder oder Papier – das Kunsthandwerk in Baden-Württemberg ist ideenreich und vielfältig. Das zeigt sowohl der Wettbewerb »Staatspreis Gestaltung Kunst Handwerk 2016« als auch die handgewandt, eine jurierte Verkaufsmesse für angewandte Kunst, die in der Innovationsfabrik stattfindet – in diesem Jahr am Wochenende Freitag 21. bis Sonntag 23. Oktober. Veranstaltet vom WerkForum Heilbronn präsentieren dreißig Kunsthandwerker und Designer aus Deutschland, Österreich und Tschechien ihre Kreationen. Im Zentrum stehen Schmuck und Textilien, aber auch andere Gewerke punkten neben Bewährtem immer wieder mit Überraschungen und Innovationen: Seien es Hüte von Beate Niemeyer (Bremen), Handtaschen von Olbrisch (Berlin) oder Glasobjekte von Michael Schwarzmueller (Karlsruhe), seien es Papierkreationen von Irene Loeffel (Utzsetten), Elblinnen der Weberin Anne Andersson (Friesland) oder die kurios beseelten Lichtobjekte des Tüftlers Przemek Zajfert (Stuttgart). Mit dabei sind die Gründungsmitglieder Anke Plate-Kühner (Schmuckdesignerin), Stephan Artus Pierro (Kunsttischler) und Thomas Gustav Kenngott (Metallgestalter/Kunstschmied). Kenngott wird in diesem Jahr anlässlich der Eröffnung der »Landesausstellung Kunsthandwerk« in Schwäbisch Hall am Sonntag, den 2. Oktober, mit dem Hanns-Model-Gedächtnispreis für hervorragende Arbeiten und langjähriges Mitwirken im Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg ausgezeichnet. (lew) ◆ LEICHT TRAGEN DIE WALKER SERIE WALKER 24 MIT LAPTOPFACH Das Taschenhaus-Stütz GmbH Weinsberger Straße 17/1 - 74072 Heilbronn Tel.: 0 71 31/94 20 27 Mo-Fr. 9.00 - 18.00 Uhr Sa 10.00-16.00 Uhr www.dasTaschenhaus.de www.deuter.com

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Dinge, die Heilbronner nicht sagen »NECKARMEILE ›NECKY‹« THEKENPHILOSOPHEN In jeder Ausgabe stellen wir unseren vier Thekenphilosophen eine knifflige Frage aus dem Leben. Das Szenario: Der Gast sitzt an der Theke, weiß nicht weiter und fragt den Wirt nach dem richtungsweisenden Ratschlag. Unser Thekenszenario diesmal: Ein befreundetes Paar des Gastes streitet sich ständig, die Beziehung steckt in der Krise. Sollte man sich einmischen? Protokoll: Friedmann Orths Fotos: Ulla Kühnle Sibel Taylan, Data 77112 Sechs Augen sehen mehr als vier, allerdings verschließt man diese oftmals – unbewusst und auch aus Angst. Ich würde das Paar ja mal sachte – oder auch knallhart, je nachdem – darauf hinweisen, denn als Freund sieht man beide Partner. Man liebt beide und will nur das Beste für jeden. Was zu Ende gehen mag, geht zu Ende. Mares Baudewijns, Eckstein Naja, manche brauchen Streitigkeiten und haben anschließend heißen Versöhnungssex. Als Außenstehender hat man keinen genauen Einblick in die Partnerschaft von anderen, deshalb sollte man sich auch nicht mit schlauen Sprüchen einmischen. Würde einer von beiden oder beide ein Gespräch mit mir suchen, hätte ich selbstverständlich ein offenes Ohr. Denn manchmal reicht es ja auch, wenn man jemanden nur zuhört! Ralph Munz, u. a. The Rooms Club Niemals einmischen. Ein altes Sprichwort sagt ... »Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.« Das heißt soviel wie, zu wem auch immer du dich positionierst, zum Schluss bist du der Depp. Dann fallen sie gemeinsam über dich her. In diesem Sinne immer schön ruhig bleiben. Thomas Aurich, u. a. Winterdorf Ja nicht einmischen, da gibt es nur Kugelhagel zu gewinnen. Meist tendiert man bei befreundeten Paaren zu der Person von beiden, über die die Freundschaft entstand. Kannte ich sie zuerst, würde ich ihr eine Reiki-Session schenken, das verleiht Tiefenentspannung. War er der Freund der ersten Stunde, bekäme er den Bestseller »Einen Scheiß muss ich«. Das regt die Lachmuskeln an! SMALLTALK Hanix Nr. 45

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#ASHTAG #EILBRONN Unsere Social-Media-Rückschau zu Heilbronn. Mal spannend und unterhaltsam, oft langweilig und öde. Wir schlagen uns für euch durchs Heilbronner Twitterund Facebook-Dickicht und scrollen auch da, wo es wehtut. Was ist HNX? Diese Frage stellte tatsächlich HMG-Chef Steffen Schoch auf Facebook, als sein Spitznamensvorschlag »Necky« für die Neckarmeile auf wenig Gegenliebe stieß und FB-User Christoph E. meinte »Zu verspielt. Passt nicht wirklich zu HNX.« Dabei hätte Schoch die Antwort kennen müssen, war er doch erst im Dezember auf dem Stimmt!-Podium zur Frage »Boomtown HNX? Stadtentwicklung aus Sicht der Jugend«. Wir aber wurden neugierig, wofür HNX außer dem stadtbekannten Kürzel für Heilbronx noch steht. HNX ist also auch die Abkürzung für …: ein Schutzgas (Wasserstoff-Stickstoff-Gemisch), die vietnamesische Börse Hanoi Stock Exchange, den Regionalflughafen Hanna Airport in Wyoming (USA) und die Transplantation körperfremden Gewebes (Xenograft). Unsere HNX-Lieblingsdefinition fanden wir allerdings im Urban Dictionary. Userin HotJennifer postete »HNX; abbreviation for Hot aNd seXy. »Oh Darling! You are so HNX!« #hot #and #sexy #hnx #nice User The Creation definierte weiter: »When you feel special, you call yourself HNX; I feel HNX today !; Oh honey your HNX to me. You're that HNX person made only for me.« #hnx #rockstar #high #asleep #bored Memo fand den Killerburger – in Heilbronn! In unserer letzten Ausgabe berichteten wir an selber Stelle, dass unser Fotograf Memo Filiz in Heilbronn vergeblich nach einem »Killerburger« sucht und deshalb auch schon mal nach Frankfurt fährt, um seine Burgergelüste zu befriedigen. Wir riefen Heilbronner Burgerbräter dazu auf, Memo vom Gegenteil zu überzeugen. Das Chillers Heilbronn hat das PR- und Marketingpotenzial unserer kleinen Meldung erkannt und fix einen 1,7 Kg »Killerburger« auf die Karte gesetzt, unseren Memo zur Burgerchallenge eingeladen und allen anderen das unwiderstehliche Angebot gemacht, den 30-Euro- Burger gratis an alle rauszugeben, die ihn alleine in 60 Minuten komplett verputzen. Der Aufruf ging viral und das Chillers freute sich über Reichweite und viele Challenger. Rekordzeit für den Cholesterinhaufen waren übrigens unglaubliche 14 Minuten. Unser Fotograf Memo musste nach 1 Kg Burger-Patties bei 35 Grad Außentemperatur pappsatt aufgeben. Wir schaffen Verbindungen und sind Ihr Wegbereiter. Bodenverbesserung Natur und Kultur – was hat ein Bagger damit zu tun? Kultur ist was der Mensch selbst gestaltet. Wie bei einem chirurgischen Eingriff bleiben Narben nach der Baustelle. Die Natur heilt diese Narben. Schneider Bau GmbH & Co. KG 74074 Heilbronn · Hans-Rießer-Straße 18 Telefon 0 71 31 / 94 43 - 0 www.IhrWegbereiter.de http://www.facebook.com/IhrWegbereiter

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Unser Kolumnist lässt sich was gefallen. Von Nicolai Köppel Foto: Ulla Kühnle HALT DEN MUND UND GIB Ein Bekannter verwickelt mich in ein Gespräch, obwohl ich es offensichtlich eilig habe. Mitten im Sommer, wenn man sich kaum bewegen mag, muss ich es eilig haben. Denn ich bin ein Jahreszeitentyp. Mir ist nie zu kalt oder zu heiß. Ich hab nur manchmal keine Zeit. Zum Beispiel jetzt, mitten auf dem Kiliansplatz. Aber das interessiert meinen Bekannten gar nicht, der redet einfach. Und nach ein paar Minuten denke ich: Recht so, brich meinen Widerstand, Bekannter – es nützt ja doch nichts, geredet muss sein. Mach ich es nicht jeden Sommer auch so? Mich dem widrigen Wetter aussetzen? Denn was anderes ist strahlender Sonnenschein und 35+ Grad fucking Celsius im Schatten? Ich nenne das übertrieben. Gut für ein paar Tage, meinetwegen auch am Stück, ich toleriere das spielend. Der Bauer braucht den Regen und irgendjemand braucht auch diese hysterische Helligkeit und Hitze. Soll sein, soll sein, soll sein. Wenn sich der Sommer mit den ersten heißen Tagen ankündigt, tue ich, was manche meiner Freunde (und nicht die schlechtesten!) »es sich so richtig geben« nennen würden: nicht in den Schatten, nicht ins kühle Ambiente eines Spielwarenladens, sondern richtig raus unter die Sonne, gnadenlos und stundenlang, bis ich vor den Temperaturen kapituliere – und ab diesem Tag bin ich bis zum Herbst wieder der wurschtigste Jahreszeitenbewohner, den man sich denken kann. Frühling und Herbst sind okay, im beginnenden Winter organisiere ich mir rechtzeitig eine Gelegenheit zur Kältekapitulation. Der Bekannte sagt: Wir sollten mal was ausmachen, für länger, zum Quatschen, mittagessenmäßig. Was ich ja nie mochte, ist dieses mittlerweile breit etablierte Suffix »mäßig«. Beispielsätze wie »Er hat den Grill richtig profimäßig angefeuert« usw. – meine bislang unbewegliche Ablehnung wankt aber inzwischen. Nicht, was den Gebrauch des Suffixes durch eventuell anwesende Zeitgenossen angeht, sondern nur, wenn z. B. ich es sage, weil ich weiß, wo es hingehört, nämlich ans Satzende. Das ist schon so ziemlich auf der dunklen Seite, eine semipermeable Membran, sprachtoleranzmäßig. Ich will es erklären. Ein Film, der mir vor Jahren gefallen hat, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit auch heute noch gut, und es lohnt sich, die DVD erneut in den Schlitz zu schieben oder auf der ausfahrbaren DVD-Player-Lade auf die in Plastik gegossene Aussparung zu legen bzw. das Mittelloch des »Silberlings« (ein angezähltes Wort, überlebensmäßig) in die Kralle des Laufwerks einzuklicken. Und warum lohnt es sich? Weil ich doch sicher bis zu 99 % all dessen vergessen habe, was zu sehen war. Über den einst gesehenen Film »Basic Instinct« kann ich gar nur berichten, dass die Verhörszene, in der Sharon Stone höschenlos provokativ ihre Beine übereinanderschlägt, ab und an in kleinen Männergrüppchen an den Rändern von Kneipen oder Partys kurz Thema ist. Ich habe den Film gesehen und weiß einzig dies: dass Geschlechtsgenossen zwar vereinzelt, aber fast 25 Jahre später über einen einzigen kurzen Augenblick darin sprechen. Das ist verdammt wenig. Wiedersehen möchte ich »Basic Instinct« trotz aller Liebe zum Schund also lieber nicht. Was mich einmal zu provozieren verfehlt hat, schafft das vermutlich auch heute nicht. Anders bei der zweiten Möglichkeit sogar: dass man zum zweiten Mal genötigt wird, einen Film zu sehen, den man, wie man dann gern einwendet »schon beim ersten Mal nicht mochte«. Wie oft habe ich mir erst beim zweiten Mal einen Zugang zu einem Film erguckt und mich gefragt: wo zur Hölle bin ich denn beim ersten Mal Gucken gewesen? Und manchmal fällt es einem ein: ach, da war ich betrunken oder ich war mit X im Kino oder vor dem Fernseher und der (oder die – X kann auch eine Frau sein) war betrunken oder wollte fummeln oder ich wollte fummeln oder irgendwer war eigentlich müde. Man versucht zu verschleiern, dass man an einem gewissen Punkt in der Vergangenheit einfach noch ein 600 SEKUNDEN – DIE STADTKOLUMNE Hanix Nr. 45

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bisschen zu blöd war für einen gewissen Film. Oder nicht blöd genug, aber das ist eine andere Kolumne bzw. wäre die Fortsetzung des vorvorigen Absatzes, und den haben wir ja alle gelesen, kapiermäßig. Zur Auflockerung die Titel von vier Filmen, die ich beim ersten Mal schon so gut verstanden habe, dass sich von ästhetischem Wohlgefallen bis zu schierer Verzückung so einiges eingestellt hat: A History Of Violence, The Fisher King, Snoopy Come Home, The Satisfiers Of Alpha Blue – sowie vier Filme, die ich gestehe, beim ersten Sehen nicht gemocht zu haben, die ich aber mittlerweile als großartige Unterhaltung bezeichnen würde: Bambi, Interstellar, Ishtar, Batman & Robin. Eine wachsende, doch wohl altersgerechte Abstumpfung zugunsten der Lust, cineastische Missgeschicke zugunsten gesteigerter Unterhaltung willentlich als eine Spielart des Absurden wahrzunehmen, möge man mir zugestehen. Konsumentenmäßig. Schadenfreudemäßig. Und nun zur conclusio. Dass ich jenes Anhängen von »irgendwas-mäßig« am Satz- oder Absatzende inzwischen okay finde (solange es nicht zu oft ist, und was zu oft ist, bestimme ich, man täusche sich nicht!), liegt an Billy Wilder und I. A. L. Diamond (in der Tageszeitung kenne ich zum Glück auch nicht alle Namen und freue mich noch darüber), jene beiden Männer, die gemeinsam dafür verantwortlich sind, dass Jack Lemmons Charakter C.C. Baxter in The Apartment so spricht, wie es ein unbekannter Filmdialogübersetzer um 1960 ins Deutsche übersetzt hat, sprachmanierismenmäßig. Kann man sich ruhig nochmal angucken. Muss ja nicht die deutsche Übersetzung sein, original-version-wise. So redet also mein Bekannter auf mich ein, penetranzmäßig, und ich denke noch: Warts ab, dich verkolumnisiere ich!, als mir auffällt, woran er (bzw. ein Teil von dem, wie er sagt, was er sagt) mich erinnert. Und also lasse ich ihn reden, weil’s mich ein bisschen freut. Kolumnentauglich ist das alles nicht (bzw. es taugt nicht, was er sagt, kolumnenmäßig), aber ich habe überraschend Zeit und Gelegenheit, mir mein gedankliches Abschweifen parallel als Kolumne zu denken. Spannend, denke ich – krieg ich den Bogen noch geschlagen von meiner Lage, in Heilbronn in einem Gespräch festzustecken, das ich nie gewollt habe hin zum Inhalt eines Films, in dem ein Büroangestellter in Manhattan sein Apartment wider Willen als Liebesnest für seine Vorgesetzten zur Verfügung stellen muss? Nein, schaffe ich nicht. Das muss die Hitze sein. Zeit also für Kolumnenende und Schlusspointe: Wenn es (temperaturmäßig) gar nicht mehr anders geht (hitzemäßig), ist für den einzelhandelskundigen Heilbronner der Spielwarenladen die erste Adresse (ich kenne nur den einen). Gefühlte 20 Grad auf drei Etagen, und ich entspanne wieder derart, dass ich eine zufällig auch dort befindliche Bekannte eine Viertelstunde lang zutexte, obwohl sie es offensichtlich eilig hat. Die Leute sind so lieb, höflichkeitsmäßig. ◆ Nicolai Köppel denkt sich diese Kolumne »600 Sekunden« nicht aus, sondern lässt sie jedesmal extra passieren. Mehr gibt’s hier: www.nicolaikoeppel.de GENIESSEN SIE DIESE HERB-FRISCHE, UNFILTRIERTE BIERSPEZIALITÄT JETZT AUCH ZUHAUSE. FAMILIENBRAUEREI-DINKELACKER.DE

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»Meine Familie, das Velo, mein Hund, Joggen und Musik«, so fasst die gebürtige Hamburgerin Tanja Calce das Wichtigste in ihrem Leben zusammen. Die Eishockeykarriere ihres Mannes Luigi führte das Paar vor zehn Jahren nach Heilbronn. Mit im Gepäck: Tochter Celina (14) und Sohn Luigi (12). Vor fünf Jahren eröffnete sie das vegane Restaurant Velo in der Innenstadt. Von Maria Maroge, Fotos: Meli Dikta Mit allen Sinnen genießen BERUF: Gastronomin JAHRGANG: 1970 BERUFUNG: Weltretterin Tommy hieß das Schwein des Nachbars, welches Tanja in ihrer Kindheit auf dem Land in Hamburg täglich streichelte – bis er eines Tages geschlachtet da hing. Diese grausame Erfahrung veranlasste sie, keine Tiere mehr zu essen. Einige Jahre später entschloss sie sich dann für eine vegane Ernährung. Um auch den Mann Luigi nicht nur moralisch, sondern auch geschmacklich davon zu überzeugen, experimentierte sie oft in der Küche herum. »Er musste viel mit mir und meinen ›Esskapaden‹ mitmachen«, lacht die 45-Jährige. Irgendwann aber konnte sie den Leistungssportler überzeugen und wollte weitere Menschen mit dem fleischlosen Genuss erreichen. »Ob man die Philosophie des Veganismus adaptieren will oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Aber es soll nicht an der Auswahl und am Geschmack veganer Gerichte scheitern«, erklärt Tanja. So wuchs die Idee, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort eröffnete Tanja das Velo, als 2011 eine vegane Welle über das Land kam und in Heilbronn solch ein gastronomisches Konzept fehlte. Das Lokal boomte und sie kochte und backte – bis zur Erschöpfung. 14 Stunden täglich, sechs Tage die Woche. Irgendwann musste sie wieder Kraft tanken. Darum wurde für ein Jahr der Mittagstisch gestrichen. »Ich kümmerte mich mehr um mich und den Hund und begann mit dem Laufen.« Das Joggen gehört nun zu ihrem Wochenplan wie die Menükarte. Sie absolvierte in diesem Jahr sogar ihren ersten Halbmarathon, berichtet sie stolz. »Ich bin wieder im Gleichgewicht und brauche die Arbeit, um meine Energie zu kanalisieren«, sagt sie schmunzelnd. Der Mittagstisch wird seit einigen Wochen wieder angeboten. Die Star-Trek-Kaffeetasse verrät, dass sie immer noch zu wenig schläft. »Nichts ist selbstverständlich!«, ergänzt sie. Sie habe hart gearbeitet für ihren Traum und ist dankbar für ihr Standing heute und über jeden zufriedenen Gast. Sogar einen Preis der Heilbronner Stimme heimste sie kürzlich für das Velo ein. Für die Gastronomie begeisterte sich Tanja bereits früh. Sie studierte zunächst in Oldenburg Soziologie und kellnerte nebenher. »Dann habe ich mein Studium geschmissen, weil ich mich in der Gastronomie sofort zu Hause fühlte. Ich bin dann zurück nach Hause und habe da meinen Mann kennengelernt.« Luigi und sie sind seit 20 Jahren nun ein Paar. Seine Karriere als Eishockeyspieler verlangte viele Umzüge. Mit ihrer Erfahrung in der Gastronomie bekam sie immer schnell einen Job. Ihre Selbständigkeit war dann aber trotz der jahrelangen Erfahrung eine Herausforderung. »Seitdem ich das Restaurant habe, hat sich mein Leben total verändert. Und auch wenn es mal nicht läuft, wie gewünscht, ist das Leben eine Win-Win-Situation: Man hat dann immerhin was dabei gelernt!« Das erklärt den Spruch auf ihrer Handy-Schale: »Some times you win, some times you learn.« Man müsse oft nicht das Leben ändern, sondern die Einstellung dazu, erklärt Tanja. Und manchmal helfe auch Musik. Sie dreht dann am liebsten die CD der Red Hot Chili Peppers laut auf. Ruhe findet sie auch in ihrer Wohnung auf der Insel Fehmarn. Dort träumt sie zum Beispiel von »einem kleinen, charmanten Café am Meer, in dem ich selbstgebackenen Kuchen und Soja-Latte ausschenke«. So könnte für Tanja die ferne Zukunft aussehen. Doch die Bedürfnisse der Familie gehen zunächst vor, etwa die Eishockeykarriere ihres zwölfjährigen Sohnes. ◆ TASCHENKONTROLLE Hanix Nr. 45

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Hanix Nr. 45 TANJA CALCE LEERT IHRE TASCHE

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Der Fotograf und Gastronom PIERRE GATTINGER kam nicht etwa durch Zufall zu seinem Lieblingsding. Der Inhaber des Kaffeehaus 3Modul in Weinsberg musste dafür viel Zeit und Geduld in Kauf nehmen, sich sogar gegen Konkurrenz durchsetzen, um zum Ziel zu gelangen. Regelmäßige Zahnarztbesuche und weibliche Unterstützung machten es am Ende möglich – das Warten hat sich wirklich gelohnt. Interview: Robert Mucha, Fotos: Meli Dikta Hanix Nr. 45 »Immer schön zur Zahnarztkontrolle!« MEIN LIEBLINGSDING

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WIR HABEN DIE HOT SPOTS FÜR IHR REISEFIEBER 7 Nächte ab 1.065,– € Exklusiv bei Lufthansa City Center inkl. Flug, HP & Meerblick Jetzt buchen und Angebot sichern! NAME: Pierre Gattinger ALTER: BERUF: Fotograf BERUFUNG: Fotograf sein können, ohne zu müssen WÜRDE SEIN LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: »Gar nichts!« Hanix Nr. 45 Hanix: Erzähl uns etwas über dein Lieblingsding! Was ist es? Pierre Gattinger: Mein Volvo 240 Kombi. Es ist mein Lieblingsauto, da sie auch in den ersten Filmen des Kultregisseurs Kaurismäki vorkommen. Zudem haben mir Autos der Marke Volvo schon als Kind gut gefallen. Wo hast du den Schweden her? Durch meinen Zahnarzt bin ich auf den Volvo aufmerksam geworden. Immer wenn wir uns sehen, unterhalten wir uns über Autos. Als wir dann mal wieder beim Thema waren, erzählte er mir, dass er in seiner Garage einen 240-er stehen hat. Das war vor ungefähr drei Jahren. Ich wollte das Auto sofort kaufen, nachdem er es mir gezeigt hat. Jedoch mochte er nicht. Zwei Jahre lang habe ich ihn bei den Zahnarztbesuchen auf das Auto angesprochen, gesagt das Auto wolle bewegt werden. Als seine Frau dann noch meinte, dass er doch sowieso viele Fahrzeuge hat, die rumstehen, kam er ins Wanken. Zwei Wochen später rief ich ihn dann an und nach drei schlaflosen Nächten seinerseits bekam ich das Auto. Jedoch unter dem Vorwand, dass er Vorkaufsrecht hat. Falls ich ihn jemals wieder verkaufen werde. Dein Volvo ist also dein Alltagsfahrzeug. Ist es für dich ein schöner Gebrauchsgegenstand? Die Substanz des Fahrzeuges ist noch sehr gut und es hat das Zeug dazu, ein Oldtimer zu werden. Zudem wurde das Auto wenig gefahren, das ist genau das, was ich daran mag. Was gefällt dir besonders beim Fahren des Autos? Die starre Hinterachse und das Schaukeln des Fahrzeuges. Einfach das gemütliche Cruisen. Top Speed? Pierre Gattinger: Maximal 160. Also eher ein Reiseauto, da man sogar im langen Kofferraum darin schlafen kann. ◆ PIERRE GATTINGER Unsere Empfehlung. Für Sie. Willkommen auf Daios Cove! Ein Sehnsuchtsort par excellence ... Das Daios Cove Resort & Villas ***** auf der wunderschönen Insel Kreta. Hier verbinden sich auf traumhafte Art und Weise die umliegende Landschaft mit der einmaligen Privatbucht und direktem Zugang zum kristallklaren Wasser. Ein Paradies unter der Sonne Kretas! Und nur bei uns, in Ihrem Lufthansa City Center Reisebüro erhalten Sie zusätzlich diese exklusiven Specials: • eine SPA-Anwendung für 2 Personen • ein Abendessen für 2 Personen • Zimmer-Upgrade in eine höhere Kategorie (nach Verfügbarkeit) • bei einem Aufenthalt ab dem 15.10.16 bezahlen Sie bei 7 Nächten nur 6 Nächte Lassen Sie sich von unseren Reise-Experten individuell beraten, die sich in Sachen „Wohlfühloasen“ bestens auskennen und Ihnen jederzeit einen perfekten Überblick über die besten Urlaubs - Hot Spots geben können. Wir freuen uns auf Sie. Friedrich Gross OHG Kaiserstraße 54 74072 Heilbronn Tel.: 07131 - 1509530 info@gross-reisen.de www.gross-reisebuero.de VB Reisen GmbH Kocherwaldstraße 16 74177 Bad Friedrichshall Tel.: 07136 - 9567 0 info@vbreisen.de www.vbreisen.de

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Friedemann Orths, Foto: Memo Filiz Das Hanix »Abenteuer um die Ecke« wird präsentiert von Pokémon Go – Auf Monsterjagd in Heilbronn Die 151 »Pocket Monsters«, die man damals noch per GameBoy in 8-Bit-Pixelgrafik fangen, tauschen und trainieren konnte, kamen 1999 von Japan über die USA nach Europa und starteten eine wahre Manie: Sammelkarten oder Plüschfiguren waren in beinahe jedem Kinderzimmer zu finden und selbst heute läuft die Fernsehserie noch im TV und neue Spiele werden veröffentlicht. Und natürlich lieferte sich auch mein zwölfjähriges Ich Schulhof-Duelle mit den Turtoks, Pikachus oder Gluraks meiner Kameraden. Als also Mitte Juli dieses Jahres endlich die Smartphone-App Pokémon Go veröffentlicht wurde, war ich, als alter Zocker und immer auf der Suche nach einem Stück Kindheit, sofort Feuer und Flamme. Das Besondere an der kostenlosen App des kalifornischen Entwicklers Niantic ist, dass sie auf dem Prinzip der »augmented reality«, also »erweiterten Realität« besteht und die GPS-Daten des Handys nutzt, um dem Spieler eine stilisierte Version des Google-Kartennetzes auf dem Screen anzuzeigen. Laufe ich also im »echten Leben« die Hauptstraße entlang, bewegt sich mein Spielcharakter auf der Straße im Spiel, ganz wie bei einem Navigationssystem. Früher oder später erscheinen dann verschiedene Monster wie Taubsi oder Traumato auf dem Bildschirm und lassen sich durch ein simples Minispiel (Pokéball mit dem Finger aufs Pokémon wischen) fangen. Dabei wird die Kamera des Handys genutzt, um das Pokémon virtuell in der echten Welt erscheinen zu lassen. Ebenso sind Sehenswürdigkeiten oder interessante Orte im Spiel vermerkt, die als sog. »Pokéstops« eine Art Hotspot darstellen. Das können Denkmäler, Kirchen oder Kunstwerke, aber auch Bahnhöfe, Graffiti, Wanderkarten, Infotafeln oder beispielsweise Spielplätze sein, an denen man begehrte Bälle, mit denen man die Monster fängt, oder Heiltränke, bekommen kann. Sobald man sich innerhalb eines gewissen Radius befindet, wird der Pokéstop »aktiviert«. Und hier offenbart sich das ganze Potenzial der App: Außer Datenschützer (zurecht) auf die Palme zu bringen, animiert die App ihre Nutzer nämlich dazu, die eigene Umgebung zu erkunden und das heimische Sofa zu verlassen. Faul im Bett spielen? Unmöglich, da man sich bewegen muss, um erfolgreich Pokémons zu fangen. Also mache ich mich bei bestem Wetter auf, um die Käthchenstadt aus der Sicht eines Pokémontrainers zu erkunden. Los gehts an der experimenta, denn dort soll so einiges los sein, wie mir unser Fotograf berichtet, der sich, im selben Alter wie ich, dem Hype natürlich auch nicht gänzlich entziehen konnte. Also Items von den Pokéstops eingesammelt und über die Brücke rüber in Richtung Innenstadt zum Marktplatz. Am Robert-Mayer-Denkmal, das mir drei Pokébälle und einen Supertrank liefert, laufe ich vorbei zur Sülmerstraße, der ich in Richtung K3 folge. Dabei lasse ich mich anhand der Stops leiten und habe so eine Art digitalen Fremdenführer bei mir. Ich fange das Geist-Pokémon Alpollo (Marktplatz), mehrere Traumatos, ein Tentacha und – wie könnte es anders sein – jede Menge Kleinvieh wie Taubsi oder Rattfratz. Der Turm bei der Hafenmarktpassage oder die metallene Halbkugel auf der Sülmerstraße sind dabei weitere »points of interest«, die mir die App anzeigt. Klar, das sind »Sehenswürdigkeiten«, die man auch ohne die App finden würde, was das standortbezogene Spiel jedoch interessant macht, sind die »kleinen«, versteckten Orte, die einem entweder noch nie oder nur flüchtig aufgefallen sind. Ein Beispiel: In der Nähe des Hanix-Büros befindet sich ein Pokéstop, den ich natürlich am ersten Tag direkt aufgesucht habe: Es ist ein geschmiedetes Fenstergitter, das Weinreben nachempfunden ist. Sicher, keine echte »Sehenswürdigkeit«, aber ohne Pokémon Go wäre mir diese Stelle nie aufgefallen. Genau so verhält es sich auch mit den vielen Bodentafeln in der Sichererstraße, auf die ich nach einem kurzen Abstecher über das Theater auf den alten Friedhof aufmerksam werde. Ohne die App wäre ich wohl nie in diese Richtung gegangen und ich hätte, als Nicht-Heilbronner, die vielen Sprichwörter und Zitate (darunter Rilke oder Ghandi), nicht beachtet. Der Bildungsfaktor ist also auch hier hoch und lässt sich prima als Ausrede verwenden, um ungestört und mit bestem Gewissen Nerd ABENTEUER UM DIE ECKE Hanix Nr. 45

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sein zu können. Wer kann schon von sich sagen, mit Hermann-Hesse-Zitaten im Kopf ein Rihorn gefangen zu haben? Über Paulinenstraße, K3, Soleo und Neckarstraße mache ich mich auf den Rückweg in die Heilbronner Südstadt. In etwa zwei Stunden bin ich fast fünf Kilometer durch Heilbronn gelaufen, habe ca. 150 Pokébälle und weitere Items eingesammelt und Dank eines von einem anderen Spieler installierten Lockmoduls an der Friedrich-Ebert-Brücke ein seltenes Dratini gefangen (Danke, Anni88805!). Außerdem ist mein Akku leer. Fazit: Mit Pokémon Go kann man bekannte, aber auch neue Umgebungen auf spielerische Art und Weise erkunden. Ein bisschen blöd kam ich mir auf der Jagd nach imaginären Monstern natürlich schon vor. Allerdings fiel mir dann wiederum ein, dass ich auch keine schlechtere Figur mache als die Menschen, die ihr Handy dauerhaft für Whatsapp, Snapchat oder Facebook und Co. nutzen und Bilder von »lustigen« Sprüchen (gespickt mit Orthografie- und Grammatikfehlern) mit Kommentaren der Sorte »was ist das für 1 [sic!] life« zu kommentieren. ◆ SCHWIERIGKEITSGRAD: einfach DAUER: so lange man möchte ORT: egal wo, allerdings ist an belebten Orten mehr los als im Wald AUSRÜSTUNG: Smartphone KOSTEN: kostenlos, bietet aber natürlich In-App-Käufe TIPP: Powerbar mitnehmen! Die App frisst Akku wie ein hungriges Relaxo! Duales Studium Dein Top-Einstieg in eine Top-Zukunft Wir sind ein sehr erfolgreiches internationales Handelsunternehmen. Denn wir verfolgen konsequente Ausbildungskonzepte und fördern individuelles Engagement. In mehr als 10 dualen Studiengängen – vom Vertrieb und der Logistik über die IT und Immobilien bis zur Produktion und unseren Zentralbereichen – bieten wir dir einen professionellen Einstieg: leistungsstark, dynamisch und fair. Informiere dich noch heute online unter: www.kaufland.de/arbeitgeber Unser Ziel ist, aus jeder Chance einen Erfolg zu machen. Wenn du das genauso siehst, stehen dir zahlreiche Möglichkeiten offen, um erfolgreich in deine berufliche Zukunft zu starten. Weitere Informationen findest du auf unserer Karriereseite. Werde auch du Teil unseres Teams.

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Der Bürger ist mehr denn je gefragt – und befragt. Ist das das Kontrastprogramm zu Wahlen? »Wahlverweigerer« sind nicht die besseren Menschen, Politikverweigerer auch nicht und per se sind das auch nicht die Initiatoren von Bürgerbefragungen bis hin zu Volksabstimmungs- Befürwortern. Es gibt keine »hehren Motive« dafür, sich Wahlen zu entziehen und den Grundgesetzauftrag für die politische Willensbildung an die Parteien zu umgehen. Wer nicht zur Wahl geht ist ein Idiot. Richtig gelesen! Das ist keine Provokation, sondern Geschichte – die Auflösung folgt! Zwischen Wählen und Meckern und Zuhausebleiben und Meckern liegt ein großes Spielfeld für den autonomen Bürger. Niemand zwingt ihn, es zu nutzen. Aber: nur der gefragte Bürger ist gefragt für die Zukunft und erwirkt Anspruch auf Antwort. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Meli Dikta Der gefragte Bürger Hanix Nr. 45 Ein Baum wie ein Denkmal! Dieser Baum ist ein Denkmal - und ein ständiger Denkanstoß. Er steht für erste Formen der Bürgerbeteiligung in Heilbronn. Ursprünglich geplant war, ihn für den Bau der Tiefgarage unter der Harmonie zu fällen - es ging auch »ohne«. Für einen Baum auf die Barrikaden zu gehen war damals ein absolutes Novum. POLITIK & GESELLSCHAFT

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Hanix Nr. 45 Soll man die Frösche fragen, ob man den Sumpf trockenlegen soll? Soll man die Briten fragen, ob sie die Fuchsjagd abschaffen wollen und dann auch gleich noch Europa? Soll man die Heilbronner fragen, ob man das Wollhauszentrum schleift? Hätte man sie immer schon gefragt, würde auf dem Südbahnhof-Areal vielleicht ein Park entstanden sein – statt der jetzt dringend benötigten Wohnbebauung und womöglich nicht einmal ein Theater. Die Antworten sind abhängig von der zeitlichen wie geistigen (!) Ebene, auf der die Fragen gestellt werden. Wenn eine so alte repräsentative Demokratie wie England so verführbar auf Populisten reagiert wie beim Brexit, deren Lügen mit einem Google-Klick zu entlarven gewesen wären, kann einem angst und bange werden. Gilt das zwangsläufig auch für die »Bürgerbeteiligung«, wie sie landauf, landab und ganz besonders auch in Heilbronn mehr und mehr stattfindet? Wer geht hin, wer macht mit? Wenn man ehrlich ist: Auch die meisten Heilbronner bleiben immer noch zu Hause, wenn es um Bürgerbeteiligung in der Stadt geht, das räumen selbst deren eifrigste Verfechter ein. Und davon gibt es viele. Ob britisches Empire oder Württembergs drittgrößte Großstadt: Bürgerbeteiligung verändert die Verantwortlichkeiten. Spätestens dann, wenn in einem konkreten Fall ein Mandatsträger den Pilatus macht und – gesetzt des Falls es geht etwas schief – sagt: »Ihr habt es so gewollt!« Dann wird man auf dem Boden der Tatsachen landen – und weiter – und sich nicht aus dem Staub machen. Das ist der Unterschied. Klar ist aber auch: Die Bürgerbeteiligung wird die Stadt verändern. Wie – das hat der gefragte Bürger in der Hand. Der bürgerbeteiligte Bürger ist auch der gefragte Bürger und damit das Gegenteil des »Wutbürgers«. Die rhetorische »Veredelung« der Motive von Wahlverweigerern scheint manchmal deckungsgleich mit denen der Bürgerbeteiligung und ihr in die Hände zu spielen, aber das täuscht. Wer nicht wählt, macht sich genauso wie derjenige, der sich nicht »bürgerbeteiligt«, zum schon zitierten »Idioten«. Als »Idiotes« wurden in der griechischen Antike jene Menschen bezeichnet, die weder ein öffentliches Amt noch sich am politischen Leben beteiligen wollten, die die »Agora« – den Marktplatz der Entscheidungen – den anderen überließen. Die Skulptur des Bildhauers Joannis Avramidis vor dem Heilbronner Rathaus – sie könnte nirgendwo besser stehen – heißt »Agora«. Mögen die Bürger der Heilbronner Nordstadt (Protest gegen verdichteten Wohnbau) auch mit teils untauglichen, teils aus momentaner Verängstigung stammenden Argumenten ihre Interessen vertreten haben, »Idioten« sind sie nicht und sollten auch nicht als solche behandelt werden. Konflikte wie den um die Nordstadt löst man nicht mit Bürgerbeteiligung alleine, aber mit Mitsprache, indem man die Argumente dafür und dagegen auf eine Ebene hebt, die so einen Konflikt (v)erträglich macht. Kein Scherbengericht! Der bürgerbeteiligte Bürger ist auch der gefragte Bürger und damit das Gegenteil des »Wutbürgers«. Es hat gedauert, bis die Politik das begriffen hat, es dauert immer noch. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (»Zurück zur Natur!«) war einer der ersten, der sich um 1750 dazu Gedanken machte und dabei ein Menschenbild entwarf, nach dem die guten Anlagen in jedem Individuum, nur in kleinen, naturnahen DER GEFRAGTE BÜRGER handgewandt ´16 Messe für Angewandte Kunst www.handgewandt.de Eröffnung Freitag 21. Oktober 2016 / 19 Uhr Samstag 22. Oktober Sonntag 23. Oktober / 11-18 Uhr Innovationsfabrik Heilbronn / Weipertstraße 8-10 Eintritt 2.- € Metall, Holz, Leder, Gold, Silber, Textil, Papier, Keramik, Glas... Mit dieser Materialvielfalt, Fachwissen,handwerklicher Kompetenz und Ideenreichtum arbeiten die Aussteller in ihren Werkstätten. Gestalterische und handwerkliche Qualität verschmelzen dabei zu einer überzeugenden Einheit. Es entstehen individuelle, zeitgemäße und ausdrucksstarke Werke, die den Alltag bereichern. Wir sind vielleicht etwas altmodisch ... ... ABER WIR MACHEN DEN GEILSTEN WEINBRAND DER STADT ! Bild: Original Werbung der Brennerei Hammer Heilbronn 1962 www.Jubelbrand.de

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Zwei Väter und Vertreter der Bürgerbeteiligung in Heibronn: Prof. Uwe Ahrens (links) steht für die »Agenda 21«, die erste Formen von Bürgerbeteiligung in Heilbronn durchsetzte und mit Dr. Thomas Bergunde, heute Sprecher der Agenda 21, entscheidend am Prozess der Leitlinien für Bürgerbeteiligung mitwirkte. Gemeinschaften eine Chance haben, sich zu entwickeln – also so eine, wie es z. B. die »Agenda 21« für Heilbronn ist – bei gleichzeitiger Thematisierung der Gefahren der Demokratie in Form der Tyrannei der Minderheit gegenüber einer Mehrheit. Das war und ist hochaktuell bis heute. Ist die Bürgerbeteiligung Teil des Systems dieser »Tyrannei« oder ihr Korrektiv? Wie entwickelt sich der autonome Bürger in dieser Freiheit? Das frage man mal all die Erfinder des Sankt-Florians-Prinzips, die Ökostrom aus ihrer Steckdose zapfen, aber gegen Windräder in der Landschaft protestieren, die dann, wenn sie ihre Interessen, deren »Eigen-Sinn« mit dem Gemeinsinn wenig harmonieren, nicht durchsetzen mit der Folge pauschaler Ablehnung der Politik und Hinwendung zu den Fliegenfängern à la Pegida und AfD! Die legen ihre Leimruten immer gerne da aus, wo nach landläufiger Meinung »die da oben« mal wieder versagt haben – oder es eben anders gemacht haben. Jeden mitdenkenden Mitbürger, nicht nur Politiker, Philosophen und Politikwissenschaftler, von heute muss die Politikverdrossenheit und damit einhergehende Beteiligungsunlust umtreiben, sie ist die Nährlösung der Pegida- und AfD-Erfolge. Richard David Precht (»Wer bin ich und wenn ja, wieviele?«) ist einer dieser Philosophen. Er trifft den Punkt, wenn er sagt, die Menschen verlangten von der Politik nur noch – und das ganz schnell – die Lösung von Problemen. Politik sei aber keine Problemlösungs-Veranstaltung, sie sei von Prozessen bestimmt, sich damit zu befassen erfordere Geduld, Zeit und den Mut zuzugeben, dass man nicht gleich eine Lösung parat habe. Fast die gesamte politische Erregung und Wut seien heute kein Richtungs- oder Grundsatzstreit mehr, sondern das Ergebnis enttäuschter Erwartungen über Problemlösungen. Das zu ändern erfordert Wissen und Beteiligung. Es sei daran erinnert: Information ist nicht nur eine Bringschuld, sie ist auch eine Hohlschuld des Bürgers. Dazu muss man mit Precht die Frage stellen: »Wo findet heute noch staatsbürgerliche Bildung statt?« Aus den Lehrplänen der Schulen ist das Fach mit der so schönen und trefflichen Bezeichnung »Gemeinschaftskunde« längst verschwunden. Und dann wundert man sich, dass Politiker erst mit Ansprüchen überfrachtet und dann verachtet werden, wenn sie nicht so »funktionieren«, wie man es gerade gerne für sich selbst hätte. Politik ist kein Heilsversprechen – wo ein solches endet, weiß man: bei »Heil«-Rufen – damals wie heute. Wo ist nur der Gemeinsinn geblieben. Ist sein Abhandenkommen vielleicht reparabel dank Bürgerbeteiligung? Was man einen »Gesellschaftsvertrag« nennt, Rousseau bezeichnet diese Herausbildung des Gemeinwillens (»volonté général«) und meint damit den Willen, der sich bei jedem Mitglied der Gesellschaft in derselben Interessenlage entwickelt. Dabei bilden sich Parteien, oft auch Minderheiten, die gegenüber dem Staat ihre Interessen im besonderen Maße vertreten. Wenn eine von diesen dann die anderen in Größe und Macht übertrifft und ihre Interessen ohne sie durchsetzen kann, dann verlassen wir das Terrain des Philosophen und sind mitten drin in der »Wohlfühlgemeinde« Hüffenhardt zwischen Odenwald und Kraichgau bei der schlagzeilenmachenden Thematik »Windkraft«. Hier fühlen sich die Gegner der Windkraftanlagen inzwischen geradezu vorgeführt. Die Gegner der Anlage haben sich schon sehr früh für einen Bürgerentscheid engagiert, nun zeigt sich immer mehr, dass Protestläufe wenig nutzen, wenn sie nicht kanalisiert – und das heißt: institutionalisiert – werden. Sie laufen sich im Gestrüpp der Gesetze und Verordnungen einfach tot. Dr. Thomas Bergunde, Sprecher der lokalen Agenda 21, plädiert dafür, den gesellschaftlichen Dialog anzustreben, in »kleinen Dosen«, abstrakt oder konkret zu erklären, wo Entscheidungen anstehen. Die mediale Begleitung (!) solcher Prozesse sei dabei besonders wichtig. Es müsse Vertrauen entstehen, auch durch persönliche Bindung: »Wenn man miteinander redet, dann wird das mit Vertrauen belohnt.« Prof. Uwe Ahrens, der verdienstvolle Vater und Mentor der »Agenda 21« und der Bürgerbeteiligung und langjähriger Grünen-Stadtrat sagt, »auch die Entscheidungsstrukturen müssten stimmen«, denn mit dem Wahlzettel gebe der Bürger nicht auch seine Mündigkeit ab. Er setzt den Fokus so: »Bürgerbeteiligung ist immer zukunftsorientiert.« Will sagen: Der Blick zurück, vielleicht auch im Zorn, ist immer nachrangig. Den haben Ahrens und Bergunde auch: Mit der Bürgerbeteiligung in Heilbronn sei es wie mit der »Ricola«-Werbung: »Wer hat’s erfunden?« Der Gemeinderat habe sich das Thema »unter den Nagel« gerissen, das aus der Initiative der Bürgerschaft entstanden sei, u. a. mit der Gründung des »Fahrgastbeirates« schon vor zehn Jahren. Man brauche Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz sagen sie, aber dann läuft es manchmal auch von alleine, am Ende bekomme man seine Chance. Wie wahr! Die »Leitlinien zur Bürgerbeteiligung« sind im Januar 2014 nach einem langen Prozess mit Bürgerbeteiligung vom Heilbronner Gemeinderat verabschiedet worden. Stadtkonzeption 2030: So richtig vom Stuhl fegt kein Vorschlag. Sie sind in der Hauptsache eher harmlos als hilfreich. Der Blick voraus setzt nicht immer da an, wo er anzusetzen wäre, beim Umgang des Menschen mit der ihm zugewiesenen Entscheidungsmacht. Die Stadt Heilbronn betreibt Bürgerbeteiligung als einen Prozess mit Zeit, mit Arbeit und mit viel Information in sehr vielen Gremien und Veranstaltungen. Zum Beispiel wenn es um die immerhin 250.000 Euro kostende »Stadtkonzeption 2030« geht. Wie Heilbronn dann ausschauen und funktionieren wird, soll der gefragte Bürger mitbestimmen. Die Auftaktveranstaltung vor gut einem Jahr war gut besucht, an die (auch digitale) Pinnwand hefteten die Heilbronner viele Vorschläge. Sie sind nachlesbar unter www.stadtkonzeption-heilbronn.de und den Hanix Nr. 45 28 POLITIK & GESELLSCHAFT

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dort veröffentlichten »Bürgeraussagen«. So richtig vom Stuhl fegt kein Vorschlag, will sagen: Sie sind in der Hauptsache eher harmlos als hilfreich. Vielleicht ein Indiz dafür, dass die Heilbronner mit ihrer Stadt gar nicht so unzufrieden sind und sich deshalb wenig Gedanken um ihr »Morgen« machen oder dass die Meckerer lieber anonym bleiben? In acht Handlungsfeldern aufgegliedert hat man das Thema »Stadtkonzeption 2030«, wer hier nach dem Stichwort »Kultur« fahndet, muss lange suchen, um am Ende nichts zu finden. Angekündigt war, dass sich die Fachleute in den städtischen Ämtern intensiv mit den Ergebnissen des Prozesses auseinandersetzen, mögliche, noch fehlende Themen, Zielentwürfe und Projektvorschläge ergänzen. Die Ergebnisse sind dokumentiert, online gestellt und für alle Interessierten nachvollziehbar. Wie geplant hat sich der Gemeinderat am 14. Juli in einer Klausur damit beschäftigt, Anfang nächsten Jahres soll die Konzeption dem Gemeinderat vorgelegt und in einer öffentlichen Veranstaltung in der Harmonie vorgestellt werden. Man darf gespannt sein. Die ersten Buga-Cafés seien noch sehr gut gewesen, dann aber immer mehr zu einer »Marketing-Veranstaltung« geworden. beteiligung« zugeordnet, sie wird geleitet von Roswitha Keicher. Im Austausch mit den Erfahrungen in anderen Städten weiß sie, dass Bürgerbeteiligung ein mühsamer Prozess ist, dass man viele Formate ausprobieren muss, dass es dabei aber auch »positive Überraschungen« geben kann. Frust dagegen ließe sich vermeiden, wenn man den Rahmen vorher definiere. Zum Beispiel dann, wenn es sich, wie bei den meisten Vorhaben der nun institutionalisierten Bürgerbeteiligung (die aktuelle Vorhabenliste ist auf der Homepage der Stadt einsehbar), um ein Bauvorhaben handelt: »Man muss viele Zielgruppen mitnehmen, alles transparent machen und von Anfang an wissen, wie man mit den Ergebnissen umgehen wird«. Als ein gelungenes Beispiel nennt sie die Aktion »Stadtgrün« bei dem zur Buga jeder Stadtteil mit einem von Bürgern vorgeschlagenen Projekt dabei sein soll. Das ist schön, aber auch ein Vorhaben, das niemandem wehtut und vermutlich allen gefällt. So wie die Buga als solche! Hätte OB Helmut Himmelsbach nicht in deren Vorfeld schon mit Meinungsumfragen das Feld sondiert, würde seither nicht mit ständiger öffentlicher Präsenz und Information das Gefühl erzeugt, dass die Bürger mitgenommen werden, hätte man »Mannheimer Verhältnisse« nicht ausschließen können: eine verzankte Stadt. Jetzt gilt es abzuwarten, was als Surrogat z. B. aus den Buga-Cafés umgesetzt wird. Im auch hier bisher ungefragten Kulturbereich ist dazu bereits ein deutliches Grummeln zu hören. Die ersten Buga-Cafés seien noch sehr gut gewesen, sagen Ahrens und Bergunde, dann aber immer mehr zu einer »Marketing-Veranstaltung« geworden. Da ist was dran, langsam müssen von Buga-Seite her auch mal Inhalte auf den Tisch gelegt werden – auch wenn da eine Bürgerbefragung kontraproduktiv sein könnte, ohne Bürgerbeteiligung geht es nicht. Keicher kommt es Adventure Company GmbH | Edisonstraße 3 | 74076 Heilbronn | Tel. 07131-87055 Schon vor längerer Zeit hat OB Harry Mergel der »Stabsstelle Partizipation und Integration« die »Koordinierungsstelle Bürgerwww.adco-hn.de

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auch auf die Außenwirkung der Stadtverwaltung an, eben »wie« man die Bürger mitnimmt. Konzepte dafür sollten nicht abstrakt sein. Dass sie sich z. B. beim Mobilitätskonzept für die Stadt eine bessere Beteiligung wünschte, daraus macht sie keinen Hehl. Ist Mobilität aber wirklich so abstrakt? Ein artikulierter Bürgerwille kann dem Gemeinderat in seinen Entscheidungen helfen, sagt sie. Was sie macht, ist Brotbacken, nicht Schaumschlagen und eigentlich das, was Precht für demokratische Prozesse einfordert. Dass Vorhaben länger dauern bis zur Umsetzung wissen alle, aber das sei Preis für Beteiligung und letztlich auch Erfolg, dass wissen auch Ahrens und Bergunde. Eine der nach wie vor besten Ansätze einer »Bürgerbeteiligung«, weil nah dran, sind die inzwischen abgeschafften Ortschaftsräte. Wer hierfür in direkter Wahl gewählt wurde, fand genau das Übungsgelände, das fit macht, z. B. auch für den Gemeinderat und lernte schnell, wie schwer auch auf unterster Ebene ein Interessenausgleich sein kann. Die inzwischen in Heilbronn stattdessen eingesetzten Bezirksbeiräte vermitteln nicht das Gefühl der Beteiligung und auch nicht der Gleichberechtigung: Der Kernstadt wird – anders als den Stadtteilen – diese Institution bislang vorenthalten und so ist ein schöner Zankapfel geliefert. So sieht das z. B. auch SPD-Stadtrat Gerd Kempf, gerade weil er zur Bürgerbeteiligung ein eher differenziertes Verhältnis hat. Er macht kein Geheimnis daraus, auch das erfordert Mut, Stadträte wollen in der Regel wiedergewählt werden. Kann man also dem beteiligten und gefragten Bürger etwas abschlagen? Kempf sagt: »Der Gemeinderat ist die höchste Form der Bürgerbeteiligung.« Auch er sieht den Widerspruch darin, dass die Bürger einerseits mehr gefordert sind, andererseits die Bereitschaft sich zu engagieren immer mehr nachlässt. Warum haben die Parteien – auch im Gegensatz zu Bürgerinitiativen - immer mehr Schwierigkeiten, Mitglieder zu gewinnen, ja überhaupt zu halten? Parteiarbeit ist kein Zuckerschlecken sagt Kempf: »Man wird für vieles verantwortlich gemacht, das muss man aushalten! Machen Sie Sportfans klar, warum das Theater mit acht Millionen subventioniert wird und den Theatergängern, warum Sportvereine Unterstützung brauchen!« Wer heute über die Neckartalstraße fährt, denkt nicht mehr darüber nach, wie sehr sie die Innenstadt entlastet. Hätte es bei ihrem Bau in den 80er Jahren schon eine Bürgerbeteiligung gegeben – statt dreier Abweichler in der SPD-Gemeinderatsfraktion, die für ihren Bau stimmten – diese Straße wäre nicht gebaut worden. So viel zum Thema »Gemeinderat«. Party statt Partei bei der jungen Generation? Der Heilbronner Jugendgemeinderat, eine besondere Form der »Bürgerbeteiligung« wird vom Gemeinderat geschätzt, gefördert und sehr ernst genommen. Und was macht er? Noch nicht lange her, da befassten sich dessen Anträge ausschließlich damit, nachts sicher nach Hause zu kommen (»Nachtbus«) oder überhaupt eine Location dafür zu haben (»Hip-Island«). Das hat sich inzwischen geändert, z. B. ersichtlich in seinem Engagement für Flüchtlinge. Aber das alles ist immer noch weit weg von den 70er Jahren, als die Jusos Das Engagement und Wirken des Jugendgemeinderates ist immer noch weit weg von den 70er Jahren, als die Jusos die Schlagzahl in der Heilbronner Kommunalpolitik vorgaben. die Schlagzahl in der Heilbronner Kommunalpolitik vorgaben. Warum ist das heute so anders? Warum sind die Älteren in der Bürgerbeteiligung so deutlich in der Überzahl? Ist »die Jugend ist gefragt« nur ein Schlagwort, weil sie auf diesem Ohr taub ist? Wer die Preisverleihungen des Historischen Vereins Heilbronn für den Moriz-von-Rauch-Preis für Geschichte an Absolventen von Gymnasien verfolgt, der trifft auf junge Leute, die weder politikfern noch geschichtslos sind. Das macht Hoffnung. Und beim großen Rest sollte es die Erwachsenenwelt mal mit einem Tritt an die richtige Stelle versuchen – »Arsch huh, Zäng ussenander« (für alle, die»Kölsch« nur als Getränk kennen: »Arsch hoch, Zähne auseinander!) singt Wolfgang Niedecken. Wie man das sonst ändern könnte? Da sind Gerd Kempf, Thomas Bergunde und Uwe Ahrens gemeinsam ratlos und ohne Antwort. Ihre Übereinstimmung endet, wenn Bürgerbeteiligung und Bürgerbefragung unter dem Aspekt der Durchsetzung von Partikularinteressen betrachtet werden. Die Definition von »Gemeinwohl« ist nicht Bürgerbeteiligung, sie ist nur ein Teil davon. Kempf sagt: »Wenn Eltern Kinder haben und es gibt ein Problem mit der Kita, dann gehen sie auf die Straße, sind die Kinder in der Schule, interessiert sie die Kita nur noch null, dafür aber die Schule. Wenn sie keinen Parkplatz vor der Haustüre finden, engagieren sich die wenigsten dafür, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, diese Forderung werden Sie nie erleben!« Er hat viele solcher Beispiele in seinem Erfahrungsschatz. Inwieweit hier – gerade bei den Jüngeren – noch eine ganz andere »Lebensform« mit hineinspielt, ist nachdenkenswert. Ein einziger Twitter-Beitrag kann ein Leben vernichten, tausend »Likes« können eine Karriere starten, das ist alles so mühelos. Man ist gewohnt, einfach auf den Knopf zu drücken – bis zum nächsten Klick ist meist schon der vorherige vergessen. Funktioniert so auch Politik? Der Politologe Herfried Münkler hat das schon vor einiger Zeit im »Spiegel« so beschrieben: »Zeit für Nachdenken, Beratschlagen und das Einholen weiterer Informationen bleibt nicht. Unausgesetzt muss entschieden und die »Gefällt mir«- oder »Gefällt mir nicht«-Taste gedrückt werden. Der Bürger kann dadurch so schnell werden wie der Börsenmakler. Aber er bewegt sich zwangsläufig auf niederem Kompetenzniveau. Obendrein spaltet sich die Bürgerschaft in die, die permanent abstimmen, und jene, die das nur gelegentlich tun. Wer die Beschleunigung des Politikprozesses will, muss die Idee einer politischen Gleichheit der Bürger aufgeben.« Auch die eines qualifizierten Abstimmungsverhaltens. Hanix Nr. 45 30 POLITIK & GESELLSCHAFT

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Hanix Nr. 45 Münkler schildert die veränderten Voraussetzungen für Demokratie auch in Anlehnung an das Kanzlerin-Wort »Alternativlos« und nennt als eine davon, »dass die Wahlbevölkerung diese Alternativen begreifen und beurteilen kann.« Das werde in jüngster Zeit unter dem Einfluss von PR-Agenturen als ein bloßes Vermittlungsproblem dargestellt. Solche beschäftigt auch die Stadt Heilbronn für viel Geld! Vor allem wird hier ein gewisses Niveau an Bildung und politischen Kenntnissen bei den Wählenden vorausgesetzt. Der Bürger muss wissen, worum es geht, welche Folgen mit den zur Debatte stehenden Alternativen verbunden sind und wie sich seine Interessen in der jeweils präferierten Politik wiederfinden. Schön gesagt – Demokratie ist nichts für Dumme? Der bayrische Umkehrschluss dazu ist da sehr interessant: Der Abgeordnete – der Biergott hab ihn selig – Franz Xaver Unertl sagte einst über seine CSU: »Wann mer au die Dümmern san, die Mehreren san mir doch!« Der altphilogisch gebildete Franz Josef Strauß drückte es nicht besser aus: »Vox populi – vox Rindvieh!« Wer heute eine Gemeinderatsdrucksache in die Hand nimmt, z. B. für ein Bauvorhaben, findet dazu ca. drei Seiten, die es darstellen, und mindestens dreißig Seiten Gutachten dazu – auch im Hinblick auf die Anforderungen der Bürgerbeteiligung. Wenn Münckler die Beschleunigungseffekte der modernen Kommunikations- und Informationstechnologie anprangert in deren Folge die Politik derart unter (Zeit)Druck geraten ist, dass die Gewählten nur abnicken, was die Exekutive verkündet – kann man die institutionalisierte Bürgerbeteiligung auch als Chance für einen notwendigen Entschleunigungsprozess sehen. Das lässt sich längst auch im Kommunalbereich mitverfolgen, z. B. bei der Buga. Viele Vorabentscheidungen, z. B. im Umwelt- und Naturschutz, wurden – je nach Interessenlage – als alternativlos dargestellt. Wäre man allen Bedenken gefolgt, hätte man die Buga streichen oder auf 2030 verschieben müssen, doch man konnte Kompromisse finden und sich einigen. Dem »kleinen Abendsegler« (Fledermausart) geht es nicht an den Kragen, etliche Bäume bleiben stehen. Allerdings: Wer heute eine Gemeinderatsdrucksache in die Hand nimmt, z. B. für ein Bauvorhaben, findet dazu ca. drei Seiten, die es darstellen, und garantiert mindestens dreißig Seiten Gutachten dazu – auch im Hinblick auf die Anforderungen der Bürgerbeteiligung. Um noch einmal auf die Frösche zurückzukommen: Im Jahr 405 vor Christus (!) schrieb der erste erfolgreiche Komödienschreiber der Weltliteratur, Aristophanes, seine Stücke, die den damaligen Zeitgeist widerspiegeln, wie sie uns auch bis heute »Mores lehren«. In seinem Werk »Die Frösche« schildert er die Auflösungserscheinungen im gesellschaftlichen Miteinander, wenn alle durcheinander quaken. Sind wir also wieder so weit wie 405 vor Christus? Die Gefahr besteht, aber mitreden und mitmachen ist ja wohl etwas anderes! ◆ DER GEFRAGTE BÜRGER Herzlich Willkommen - Bausteine einer Willkommenskultur in Heilbronn-Franken 15. bis 21. November 2016 Auftaktveranstaltung AKTIONSWOCHE WILLKOMMENSKULTUR „Gelebte Willkommenskultur: Mythos, Realität und Perspektiven“ Konzert- und Kongresszentrum Harmonie 15. November 2016 | 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr Mit Prof. Dr. Karl-Heinz Meier-Braun Autor, Journalist und Integrationsbeauftragter a.D. des SWR AUSSERDEM VIELE WEITERE: KONZERTE | VORTRÄGE | INTERNATIONALE FACHKRÄFTE | PODIUMSDISKUSSIONEN INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN WORKSHOPS | ANKOMMEN INTERKULTURELLE KOMPETENZEN MUSIK UND POESIE | ERZÄHLCAFÉ MIGRATION UND FLUCHT | MITTAGSTISCH Abschlussveranstaltung AKTIONSWOCHE WILLKOMMENSKULTUR „Geflüchtete berichten von ihrem Weg in die deutsche Arbeitswelt“ Hohenloher Integrationszentrum 21. November 2016 | 18:00 Uhr bis 20:30 Uhr Mit Pulitzer-Preisträger und Fotojournalist Daniel Etter Alle Veranstaltungen, die im Rahmen der Aktionswoche Willkommenskultur stattfinden, finden Sie im Veranstaltungskalender online unter www.welcomecenter-hnf.com. Weitere Informationen erhalten Sie beim Welcome Center Heilbronn-Franken unter Tel.: 07131-7669 868 oder E-Mail: welcomecenter@heilbronn-franken.com. Unterstützt aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg.

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ATILLA EREN ist seit Januar 2014 Geschäftsführer der Heilbronner Falken. Er trat damit das Erbe von Ernst Rupp, der die Position lange Jahre innehatte, an. Nach nun zwei Jahren im Amt sprachen wir kurz vor Trainingsauftakt mit dem gebürtigen Heilbronner über seine Bilanz, die sportliche Perspektive der Falken und die gebeutelten Fans. Von Robert Mucha, Fotos: Memo Filiz »Ich wünsche mir von der Stadt mehr ideelle Unterstützung und klare Bekenntnisse in der Öffentlichkeit« Hanix: Ist Ihr Sohn eigentlich »schuld«, dass Sie Manager eines Eishockeyprofiklubs wurden? Ihre »Eishockey-Vita« klingt nach engagiertem Spielervater, der am Ende den ganzen Karren aus dem Dreck ziehen muss … Atilla Eren: Mein Interesse am Eishockey habe ich auch meinem Sohn zu verdanken. Dadurch bin ich dem Profibereich näher gekommen. Aber schlussendlich macht man einen solchen Job nur, wenn man schon ein Leben lang von dieser Sportart begeistert war. Denken Sie nach den vergangenen zwei Jahren, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre, in einer anderen Branche zu landen? Zwei sportliche Abstiege machen eine Vita unschön. Eine unschöne Vita interessiert mich nicht, sondern die Aufgabe. Diese war es, den Verein – und vor allem die GmbH – innerhalb von drei Jahren zu restrukturieren: neue Wege aufzuzeigen, sportlichen Erfolg zu haben und Stabilität, vor allem finanziell, zu gewährleisten. Dass das nicht innerhalb von einem oder zwei Jahren zu bewerkstelligen ist, war uns, dem kompletten Organisationsteam und der Verwaltung, klar. Die Aufgabe besteht also weiterhin, weshalb ich meine Entscheidung natürlich nicht bereue. Die Perspektive ist da, und das ist es, was mich interessiert. Ist die Perspektive jetzt besser oder schlechter als vor zwei Jahren? Die Perspektive ist deutlich besser. Wir haben in den letzten zwei Jahren überhaupt erst eine Organisationsstruktur aufgebaut, die es uns nach den heutigen Maßstäben ermöglicht, Profieishockey in der DEL2 zu spielen. Ich habe einen Sanierungsauftrag angenommen, bei dem Strukturveränderungen durchgeführt werden müssen. War das nähere Umfeld der Falken offen für diese Veränderungen, oder mussten dicke Bretter gebohrt werden, um alle von ihrem eingeschlagenen Weg zu überzeugen? Der Mensch ist von Natur aus nicht für Veränderung geboren. Nicht jeder nimmt Veränderung an, vor allem nicht mit der gegebenen Professionalität, die man für schnelle Ergebnisse benötigt. Es ist ein langer Weg, bis sich Denkmodelle ändern lassen und viel Überzeugungsarbeit nötig, um Dinge auf einen neuen und anderen Weg zu bringen. Veränderung findet also statt; vielleicht nicht so schnell, wie man sich es wünschen würde, aber wir sind nach zwei Jahren schon auf einem guten Weg. Wir sind Freunde der klassischen Auf- und Abstiegsregel. Wieso haben die Falken zweimal hintereinander den Gang in die Oberliga vermieden, obwohl sportlich abgestiegen Hanix Nr. 45 32 SPORT

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Hanix Nr. 45 wurde? Waren es ausschließlich wirtschaftliche Gründe, die für den Ligaverbleib sprachen, oder gab es auch sportliche? In der Oberliga wären die Falken sicher nicht abgestiegen, vielleicht hätte man sich sogar sportlich für die jetzt anstehende DEL2- Saison qualifiziert und wäre mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein angetreten? Eine Saison in der Oberliga klingt nach dieser Argumentation sicher charmant, allerdings sind die Voraussetzungen andere. Die Liga ist nicht stabil, weshalb der Weg eines Wiederaufbaus über die dritte Liga nicht garantiert ist, trotz (eventueller) höherer Einnahmen durch mehr Zuschauer, bessere Spiele und Erfolg. Das ist auch in anderen Sportarten ein langer und steiniger Weg. Wenn man also wirtschaftlich solide gearbeitet hat und sich so den Verbleib in der Liga sichert, was andere nicht konnten, bin ich dafür, dass diese Chance dann auch genutzt wird. Der Abstieg macht das Sanierungsprojekt allerdings ein ganzes Stück schwieriger, da sich so auch das Finanzielle nicht einfach bewerkstelligen lässt. »Auf der einen Seite will man junge Spieler fördern und auf der anderen gleichzeitig erfolgreich Eishockey spielen. Das ist uns nicht gelungen.« Bei der Bekanntgabe, dass Sie Nachfolger von Ernst Rupp werden, sagten Sie: »Meine Ziele sind es sportlich erfolgreiches und attraktives Eishockey zu bieten, solide wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, ein klares Bekenntnis zur Förderung des Eishockeynachwuchses zu dokumentieren und ein gutes Fan- und Sponsorenmarketing zu betreiben.« Ziele erreicht? Keines der Ziele ist in vollem Umfang erreicht worden, manche werden auch nie erreicht werden. Sind alle Ziele erreicht, setzt Zufriedenheit ein, was in einem wirtschaftlichen Sportunternehmen sehr gefährlich ist. Wir haben schon sehr viel erreicht in den von ihnen genannten Bereichen; ich würde sagen, wir sind im oberen Bereich. Das, was uns nicht vergönnt war, war der Erfolg im Sportlichen. Wir sind mit unseren vielen jungen Spielern ein Risiko eingegangen, haben eine Konfliktsituation geschaffen: auf der einen Seite will man junge Spieler fördern und auf der anderen gleichzeitig erfolgreich Eishockey spielen. Das ist uns nicht gelungen. Verzeihen die Heilbronner Fans hier jungen Spielern eher einen Fehler und somit auch der Vereinsführung, wenn diese auf junge Spieler setzt? Am Anfang war das so, irgendwann hat es aber keine Rolle mehr gespielt. Da ist der Fan dann nicht geduldig genug, was ich auch verstehen kann. Der Fan kommt einerseits hier her, weil er von der Sportart begeistert ist, andererseits, weil er Erfolge mit seinem Team feiern möchte. Da ist eine enge Verbundenheit gegeben, die Fans leiden, es ist eine Herzensangelegenheit für sie. Irgendwann ist die Schmerzgrenze jedoch erreicht und dann hat man auch kein Einsehen mehr mit jungen Spielern. Überzeugen Sie uns: Warum sollte ein Falken- Skeptiker in der kommenden Saison öfter mal im Eisstadion vorbeischauen? Die Meldungen in der regionalen Presse machen immerhin Hoffnung auf eine bessere Saison. Die Falken sind die Heilbronner Mannschaft. Es lohnt sich, seine Heimmannschaft im Profisport zu unterstützen. Ohne diese Fürsprache könnten wir den Betrieb einstellen, denn im Endeffekt arbeiten wir nicht nur für uns, sondern für die Fans, die sportliche Begeisterung der Stadt, für Heilbronn. Und wie man in den Medien schon lesen konnte, haben wir für die neue Saison eine andere Mannschaft zusammengestellt. Wofür soll das Heilbronner Eishockey stehen, seit Sie am Ruder sind? Wofür steht es gegenwärtig? Und wofür soll es in fünf Jahren stehen? Unsere Vision ist sehr stark davon abhängig, wie das Umfeld in Heilbronn diese Sportart in Zukunft sieht. Momentan sehe ich uns, was den Profibereich betrifft, eindeutig in der 2. Liga. Für die 1. Liga fehlen hier die Strukturen und das Umfeld, z. B. das Stadion. Es mangelt hier einfach an Infrastruktur für erstklassiges Hockey. Die Ziele für die nächsten Jahre sind, im Profibereich eine stabile, erfolgreiche DEL2-Mannschaft zu formen, die in den Playoffs spielt. Ganz wichtig hierbei in unserer Gesamtphilosophie ist der Nachwuchs: Eishockey soll hier als Sportart für junge Menschen etabliert werden. Momentan haben wir über 180 Kinder und Jugendliche, verteilt auf acht Mannschaften, was wir aus gesellschaftspolitischen und sozialen Freude Essen Gymnasiumstr. 28 74072 Heilbronn T 07131 962932 Im 8. Jahrhundert nahm das mitreißende Schicksal seinen Lauf. Die orientalischen Märchen aus Tausend und einer Nacht wurden überliefert und zu magischen Geschichten in bunter Farbenpracht gewandelt. Sie inspirierten darauf die europäischen Kulturen und erschufen berauschende Momente, die sich im Moulin Rouge, den Cabarets & Variétés, wie eine brechende Welle auslebten. 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Gründen auch weiterhin anbieten und ausbauen wollen. Dabei geht es nicht nur um den Sport, sondern auch um beispielsweise Hausaufgabenbetreuung und Kontakt zu den Schulen. Allerdings sind uns auch in diesem Bereich aufgrund der Infrastruktur Grenzen gesetzt. Wir haben nur eine Eisfläche und könnten eigentlich deutlich mehr Kinder an den Eishockeysport heranführen. Es ist kein finanzielles oder organisatorisches, sondern ein Problem der begrenzten Kapazitäten. Gibt es einen Klub oder Manager aus dem deutschen Profisport, der eine Art Vorbild für Sie sein könnte oder ist? Ich glaube, man muss seinen eigenen Weg gehen, da die Vereine und Umfelder so verschieden sind. Zusätzlich ist jeder anders, es gibt Leute, die kommen aus dem Profisport, was bei mir ja nicht so ist. In einem Unternehmen muss jeder seine Rolle finden und ausfüllen; schlussendlich gibt einem nur der Erfolg recht. In der DEL und DEL2 gibt es klasse Typen, mir imponieren natürlich immer die Menschen, die Erfolg haben. Wenn man einem Schwergewicht wie Ernst Rupp folgt, ist es sicher kein leichtes Erbe. Was war am schwierigsten zu bewältigen oder zu akzeptieren, nachdem Sie das Ruder bei den Falken übernommen haben? Am schwierigsten war, mit der Situation, den Mechanismen, klarzukommen und die auf einen neuen Weg zu bringen. Es war eindeutig, dass man so nicht hätte weiterarbeiten können. Allerdings hängt auch alles von der Zeit ab, in der man lebt und wir befinden uns in einer anderen Zeit. Die Anforderungen im Profisport sind deutlich gewachsen, erst recht in der DEL2; die Liga hat sich von ihrer Gesamtorganisation immer mehr der Ersten Liga angepasst. Das erschwert die Voraussetzungen, um überhaupt in dieser Liga spielen zu können, deutlich. Es bedingt ganz andere Kenntnisse, eine andere Vorbereitung, eine andere Arbeitsweise. Diesen Herausforderungen muss man sich jetzt stellen. Ist die Ära Rupp hier im und ums Eisstadion und die Geschäftsstelle herum raus aus den Köpfen oder haben Sie immer noch mit Altlasten zu kämpfen? In der Geschäftsstelle auf jeden Fall. Haben Sie Kontakt zu Rupp? Immer wieder mal, er ist ja ein begeisterter Golfspieler. Ich komme leider nicht so häufig dazu, aber ab und an begegnet man sich. Wir kennen uns schon sehr lange, unsere Kinder haben gemeinsam Eishockey gespielt und ihre gesamte Karriere gemeinsam verbracht. Es gibt keinerlei Probleme mit Ernst Rupp. Der Chef der Horkheimer Handballer monierte in einem Stimme-Interview, dass die Stadtverwaltung, aber auch die Lokalpolitik, kein großes Interesse an Spitzensport in der Stadt hat. Wie sehen Sie das? Hat Michael Löbich recht? Ich habe das Interview sehr aufmerksam gelesen, habe aber den Eindruck, dass man hier durchaus Spitzensport sehen möchte. Jedoch fehlt es an Möglichkeiten, an entsprechender Unterstützung, wie sie dringend erforderlich wäre. Neben dem reinen Bekenntnis zu mehr Unterstützung sollte es auch mehr Förderung geben. Jedoch will ich mir nicht anmaßen, zu beurteilen, ob das finanziell darstellbar wäre. Ich würde mir mehr ideelle Unterstützung und klare Bekenntnisse, auch in der Öffentlichkeit, für den Spitzensport wünschen. Das würde dann vielleicht auch bei den Unternehmen ein Umdenken fördern, die sich dann mehr im Sport engagieren würden. Woran liegt es, dass ein solches Bekenntnis noch fehlt? Ich weiß nicht, warum man sich scheut. Vielleicht denkt man, das würde Begehrlichkeiten bei den Vereinen wecken, die dann am nächsten Tag mit offener Hand an die Tür klopfen. Es geht aber nicht nur um Geld, sondern um ein Bekenntnis. Ich möchte das Beispiel Bayreuth nennen: Als es um die Frage ging, ob man den Aufstieg in die DEL2 wagen möchte, wurde eine Pressekonferenz einberufen, bei der der Oberbürgermeister in der Mitte saß und sich klar zum Verein bekannt hat. Das ist ein Statement, das ist ein Bekenntnis, das ich bewundernswert finde. Zurück zu Ihrem Sohn, der die Jugendabteilungen des Vereins durchlaufen hat. Ist er dem Eishockey und dem Klub in ähnlicher Weise verbunden wie Sie? Oder hat er dem Sport und Klub den Rücken gekehrt? Mein Sohn hat seit seinem fünften Lebensjahr Eishockey gespielt, das prägt natürlich. Das ist es auch, was mich dazu bewegt, Engagement im Nachwuchsbereich zu zeigen. Das bringt die Kinder und Jugendlichen einfach weiter, sei es in ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder ihrer sozialen Kompetenz. Der Sport führt Kinder aus den verschiedenen Schichten der Gesellschaft zusammen und prägt sie, das war bei meinem Sohn nicht anders. Momentan konzentriert er sich auf andere Dinge, wie sein Studium, allerdings wird er dem Eishockeysport immer verbunden bleiben. Was muss am Ende unterm Strich stehen, damit die kommende Saison für Sie persönlich eine erfolgreiche ist? Welche Falken-Schlagzeile würden Sie am Ende der Saison gerne in der Heilbronner Stimme lesen? Ich wünsche mir sportlichen Erfolg. Für unsere Fans, unsere Sponsoren, für das Heilbronner Umfeld. Das haben wir uns alle verdient, weil wir in den letzten zwei Jahren hart in der Organisation gearbeitet haben und unsere Fans so viel Geduld aufbringen und viel ertragen mussten. Als Schlagzeile würde ich gerne lesen, dass Heilbronn entgegen aller Erwartungen überrascht hat. … und dass der Oberbürgermeister beim Saisonfinale im Stadion sitzt? Das auch, vielleicht schafft er es sogar noch zu ein paar mehr Spielen! ◆ SPORT Hanix Nr. 45

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Charakter? Stark. Der neue Audi Q2 ist ein urbaner Charaktertyp mit Ecken und Kanten. Neben seinem selbstbewussten Auftritt überzeugen auch die inneren Werte – mit Features wie z.B. den optionalen Assistenzsystemen, die man bis jetzt nur aus der Oberklasse kennt. Erleben Sie ihn selbst. Alle Angaben basieren auf den Merkmalen des deutschen Marktes. Jetzt gleich bestellen. Audi Zentrum Heilbronn ASW Automobile GmbH & Co. KG Stuttgarter Str. 107 74074 Heilbronn Tel.: 0 71 31 / 50 85-0 info.audizentrum@asw-gruppe.de www.audi-partner.de/audi-zentrum-heilbronn ASW Automobile GmbH & Co. KG Heilbronner Str. 69 74172 Neckarsulm Tel.: 0 71 32 / 3 89-5 infoaudi.neckarsulm@asw-gruppe.de www.audi-partner.de/de_partner/p_26921/de.html

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Mit »achso! e. V.« bläst ein frischer Wind in Sachen Kultur. Die junge Initiative hat sich vor knapp zwei Jahren gegründet. Seither findet sie Nischen, erprobt neue Konzepte und alternative Formate. Von Leonore Welzin, Fotos: Nico Kurth Nichts ist alternativlos Ach so? Ach so! Ach soooo! – fragendes Staunen, schlichte Kenntnisnahme oder erhellender Aha-Effekt, je nach Sprachmusik kann diese kurze Floskel in vielen Situationen angewendet werden. Anders gesagt, man hört sie oft, allerdings hören Muttersprachler eher dran vorbei, bei Migranten ohne Deutschkenntnisse bleibt dieses »Ach so« in verschiedenen Varianten jedoch schnell hängen. Es scheint ein Zauberwort zu sein, ein Alleskönner, ein Passepartout, das signalisiert: Ich habe dir zugehört, verstehe jetzt, was du meinst oder frage mich, ob es wirklich so ist. Warum geben acht Protagonisten ihrem Verein diesen Namen? Die Gründer aus Heilbronn und Umgebung – das sind Kathrin Nägele, Marco Göller, Moritz Häberle, Sebastian Heinricht, Nils Hellgardt, Lutz Matzke und Benjamin Weinstock, nebst Fabian Kohler, der wenig später dazu stieß – alle Mitte, Ende zwanzig, nennen sich »achso! e. V.«. Kulturell vom Gaffenberg geprägt, sind sie ausgeschwärmt und haben sich studienhalber in sozialen, kreativen und anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen schlaugemacht. Kulturell geht mehr, als uns Mainstream und Mega-Events weismachen wollen. Ihr Credo: Partizipation statt Konsum. »Kultur ist keine Einweg-Kommunikation sondern offener Austausch« so Marco, der mit den Freunden auf der Suche nach Nischen, neuen Konzepten und Formaten ist, wobei Spaß an guter Musik und Kunst ganz vorn auf der Agenda stehen. Was das Team seit seiner Gründung vor knapp zwei Jahren unter dieser Maxime alles veranstaltet hat, kann sich sehen lassen. Gleich die erste Veranstaltung mit dem programmatischen Titel »Jeder kann was« im Frühjahr letzen Jahres ist ein Volltreffer. Anders als bei Podiumsdiskussionen kann sich bei den Wohnzimmergesprächen jeder aus dem Publikum zu Wort melden. Der Mix aus Reden, Nachfragen, Diskutieren, Kulinarik und Musik war optimal. Das Veranstaltungsformat, das es so in Heilbronn noch nicht gab, sollte unbedingt als Reihe etabliert werden, finden Publikum und die Macher. Eingeladen waren bislang Tanja Keitel (Mediencoach Heilbronn), Heribert Friessendorf (stotternder Radiomoderator vom Online Radio Ludwigsburg), Roswitha Keicher (Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn) sowie Coco Hanix Nr. 45 Zwei von achso!: Marco Göller (links) mit Nils Hellgardt KULTUR

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Hackel und Ossian Hain (Mitglieder der Frankfurter Literatur Zeitschrift Otium), gerahmt von Touched by T.Lo, dem Popduo mit Heilbronner Wurzeln. Dass dabei in gemütlich entspannter Runde hart aber fair und kontrovers diskutiert wird, macht den Austausch umso spannender. »Klappe auf im Kopf« – zur zweiten Runde, einem Kurzfilmabend, kamen noch mehr Leute, »die wirklich nach guter Kunst und Kulturarbeit suchen – so wie wir es in unserer Jugend immer gesucht, aber nur selten bekommen haben«, meint Moritz, der diese Veranstaltung als i-Tüpfelchen bezeichnet. Zwar ist ein solcher Filmabend kein neues Format, aber er spricht laut Nils »wie die Wohnzimmergespräche gegenwartsund realitätsnah mehrere Generationen an«. Es wurden Produktionen der Heilbronner Sprayer-Szene, ein Jugenddrama, verfilmt von einem Studenten der Filmhochschule Ludwigsburg, Straßenmusiker in Europa und ein Animationsfilm von Würzburger Designstudenten gezeigt. Unbedingt fortgesetzt werden sollte »Tatort-Trailerpark«. Im Freien wurde eine Pop-Up Trucker-Kneipe installiert, um die herum seltsame Vorgänge vom Publikum aufgeklärt werden sollen. Ein interaktiver Krimi als Stationen- und Strategiespiel Live, mit mehreren Levels und verschiedenen Rätseln, die auf unterschiedlichste Art zu lösen waren. »Ich könnte mir gut vorstellen so etwas auch mal im öffentlichen Raum zu spielen, auch wenn die Spieldynamik und das Thema dann sicherlich anders sein müssten«, meint Fabian. Was sich in der warmen Jahreszeit anbietet, sind kleinformatige Open-Air- Festivals. Davon hat »achso!« bereits mehrere aufgezogen: Den »AchSommer 2015« auf dem Gaffenberg-Gelände mit jungen Heilbronner Musikern und DJs, dazu Kleinkunst, Spiel und Spaß. Den »AchSommer 2016« mit »Beats. Breaks. Arts.«, sowie das »Kleine Umsonst & Draußen Festival« mit DJs diverser Musikrichtungen (Jazz, Funk, Hiphop, House, Techno, Drum&Bass, Dub, Reggea, Breaks) ergänzt durch musikalische und kulinarische Beiträge des deutsch-afrikanischen Kulturvereins Heilbronn. Dazu wurden all day long Kurzfilme serviert. »Wir haben nicht den Anspruch perfekt durchgeplante, glatte, dampfgestrahlte Hochglanz-Veranstaltungen zu machen. Wir bewirten gerne selber oder lassen befreundete Vereine ran. Dabei versuchen wir auch, kulinarisch etwas Ausgefallenes aufzutischen. Auf dem Gaffenberg gibts das Essen dann logischerweise auf den Tellern der Kinderfreizeit« erklärt Fabian augenzwinkernd. Ebenso handgemacht ist die Deko, möglichst No-Budget, wird dann mal ein alter Perserteppich aus Omas Keller ausgerollt. Statt mit dem Auto organisiert »achso!« die Anfahrt ökobewusst per pedes in Form einer »Tanzdemo«. Nichts ist alternativlos! Man muss die Alternativen nur finden wollen. Ein Schelm, der dabei an Archimedes denkt. Der rannte nackt durch die Straßen von Syrakus und rief: »Heureka!« (»Ich hab’s gefunden!«). »Ach so!« ist das moderne »Heureka!« der freien Heilbronner Kulturszene – basisdemokratisch, integrativ und erfrischend anders. ◆

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Von Dr. Bernhard Stumpfhaus NICHT IN DEN KOPF NIESEN Die Künstlerin Annika Winkelmann Viele Heilbronner kennen ihre Fotografien. Ihr vielleicht bekanntes Bild, das übrigens im Ausschnitt auch das Cover von HANIX, Heft Nr. 40, zierte, zeigt einen Mann in grünem Parka mit deutscher Fahne am Ärmel und eine Frau mit hellblauer Wollmütze und ebensolchem Pulli, mit brauner Hose vor verwackelter Landschaft mit Meer, alles in sehr ähnlichem Kolorit, oliv bis erdfarben. Es wirkt so nostalgisch altbundesrepublikanisch, dass sich darin gleich drei Generationen wiedererkennen. Laut Winkelmann ist es aber in dieser Anmutung ungewollt entstanden. Das Bild ohne Titel wurde 2009 in Schweden auf Kodak Porta 400 VC 120 mm Rollfilm mit Clack-Kamera aufgenommen. Die Aufnahmetechnik ist also durchaus nostalgisch, d. h. eben nicht digital. Prominent gezeigt wurde die Fotografie 2013 in der Stuttgarter Galerie ›jenseits von jedem‹, im Rahmen der Gruppenausstellung ›im Glashaus‹. Die Künstlerin gehört trotz ihres jungen Alters zum Urgestein der aktuellen Heilbronner Künstlerszene. Sie war nicht nur Mitbegründerin, sondern auch tragender Teil des Basementizids, erstes wirklich international agierendes Off-Space in Heilbronn. Sie gehört zum Kernteam des multimono Kaufladens in der Salzstraße zusammen mit Sandra Miassar. Von Winkelmann war letzthin viel in der Heilbronner Stimme zu lesen im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Nutzung der Inselspitze; immerhin ist sie inspirierender und richtungsgebender Bestandteil des Trios um die Galerie Inselspitze. Viele Menschen in Heilbronn hat sie zusammengebracht, in Gesprächen und als Gastgeberin in ihrem Atelier im Kunst- und KulturWerkhaus Zigarre mit ihren Ideen inspiriert. Aufsehen hat sie errungen mit ihrer Beteiligung am Heilbronner Kunstwochenende 2012, initiiert von den Heilbronner Museen. Mit ihrem Projekt »to be supposed to do something«, in welchem sie die unlängst abgerissene Tankstelle an der Südstraße sowohl mit einer Kunstschau bespielt als auch die gesamte Architektur – ein Kleinod aus den 1950er Jahren – zu einer »fringe area« umgestaltet hat, hat sie über Heilbronn hinaus großes Interesse erregt. Mit solchen Aktionen wie ihren Ausstellungen beispielsweise in Dresden, Berlin, Stuttgart – ihre Arbeiten sind sogar im Züricher Zine-Archiv vertreten – gehört Annika zu denjenigen, die Heilbronn als »dynamischste Stadt Baden-Württembergs« ein konkretes Ansehen verschaffen und dem immer wieder von den einschlägigen Marketing-Medien beschworenen Image einer »kreativen Stadt« einen greifbaren Charakter. Dabei sind die Arbeiten von Annika Winkelmann in der ersten Begegnung zunächst eher unscheinbar. So gibt es einen kleinen, brombeerfarbenen Glasabguss eines gekauten Kaugummis mit Bissspuren. Der Titel, eine SMS, lautet: »eating your chewing gum from yesterday is the closest i can get to your mouth rigth now«. Diese zärtliche Anrede mit all ihrer sehnsuchtsvollen Intensität fasst die Künstlerin in jenem kleinen Objekt und verleiht der Entbehrung, der nichts anderes bleibt, als einen geschmacklosen, ausgelutschten Kaugummi noch einmal zu kauen, einfach, weil die duftig samtigen Lippen, nach denen man sich verzehrt, nicht da sind, ein zerbrechliches Denkmal. Das Glasobjekt ist der wörtliche Abguss des Kaugummis. Er ist so klein und zart, dass man versucht ist, ihn mit Daumen und Zeigefinger zu greifen und gleichsam im Nachvollzug jener Sehnsucht, selbst in links: Chewing Gum, Glas, 4,4 cm, 2013 rechts: Königsdisziplin (1 von 4), Blinker, Ohrhänger, 10 cm, 2012 Das © liegt bei Annika Winkelmann den Mund zu stecken. Soweit handelt es sich bei dieser Arbeit um eine romantische Poesie, die aus dem Wechselspiel von Objekt und Sprache entsteht. Die Qualität der Arbeit entfaltet sich aber im Material, dem Glas. Ein gläserner Kaugummi, gekaut im Mund zersplittert in tausend Teile und reißt blutig brennende Wunden in Zahnfleisch, Zunge und Wange. In diesem Gegensatz von stechendem Leiden an der Abwesenheit des Anderen und dem zerspringenden Glas im eigenen Mund eröffnet sich die emotionale Qualität der Arbeit. Sie macht nicht nur das Paradox der Sehnsucht als eine süße Liebesqual anschaulich, sie kehrt diesen Schmerz um in eine selbst zugefügte reale Verwundung. Nähe und Distanz, Leiden als Passivität und Aktivität kollabieren im Schmerz – so oder so. Zweifellos funktioniert diese Arbeit nur als Miniatur. Anders als der gigantische, himbeerfarbene Kaugummi, welcher die Wiese vor der Sammlung Klein in Nussdorf ziert, zeigt dieser von Winkelmann seine physischpsychische Sprengkraft nur aus seiner kleinen Dimension heraus. In ihren filigranen Arbeiten, so etwa »Königsdisziplin« oder »innere Sicherheit«, lotet die Künstlerin durch Zusammenfügen und Trennen die Bipolarität der menschlichen Beziehung zu sich und den Mitmenschen als eine Ambivalenz von Qual und Lust sinnfällig aus. Die Wahrnehmung ihrer Werke erschöpft sich weder in der Anschauung noch in phantasievollem, Geschichten erzählendem Kopfkino. Ihre Arbeiten bewirken auch berstende Gefühle im Brustkorb. ◆ Wer mehr von ihr erfahren möchte, kann ihr auf Instagram (aennerversum) folgen oder ihre Homepage: aenner.com besuchen. Hanix Nr. 45

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WIRKLICHKEIT UND IHRE DARSTELLUNG, WIE PASST DAS ZUSAMMEN? Matt Mullican in der Kunsthalle Vogelmann Hanix Nr. 45 Diese kleine Ankündigung hier ist mit kalter Feder geschrieben. So würde es eine Kollegin einer Heilbronner Tageszeitung wohl einschätzen. Der jetzige Text entsteht in den heißen Augusttagen, mitten in den Sommerferien. Es liegen keine Pressetexte oder Nachrichten über die aktuellen Planungen zur konkreten Gestaltung der Ausstellung vor. Ich schreibe ins Blaue hinein und doch sollen meine Worte eine Ankündigung sein auf ein begehbares Ereignis in der Zukunft. Welchen Realitätsbezug hat dieser Artikel? Kann eine solche Ankündigung etwas mit dem späteren Ereignis in der Kunsthalle Vogelmann zu tun haben? Soweit ich es sehe, sind diese Fragen durchaus solche, die vom Prinzip her den Konzeptkünstler, Bildner und Dozenten Matt Mullican beschäftigen. Immerhin handeln seine Arbeiten über das Verhältnis und den Bezug von dem, was wir Wirklichkeit nennen, zu dem, was wir als deren Zeichen, Symbole, Vorstellungen gewohnt sind zu verstehen. Was hat ein Strichmännchen mit einem Menschen zu tun? Was ein Verkehrszeichen mit realen Fußgängern oder Autofahrern? Was sagt ein Abguss über sein Original? Was verbindet eine Frottage mit dem durchgepausten Gegenstand? Der 1951 in Santa Monica, Kalifornien, geborene Matt Mullican gehört zu den Intellektuellen unter den Künstlern. Er wird der sogenannten Pictures Generation zugerechnet, also denjenigen Künstlern, die sich mit der Bedeutung und Wirkung unserer Bildsprache auseinandersetzen. Keimstätte dieser Bewegung sollen die Seminare von John Baldessari am California Institute of the Arts in Los Angeles gewesen sein. Matt Mullican ist seit 2009 Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und tritt als Gastdozent an namhaften Universitäten der großen Metropolen dieser Welt auf. Ausstellungstitel, wie »Matt KUNST Mullican. Vom Ordnen der Welt« (Haus der Kunst, München) oder »A Drawing Translates the Way of Thinking« (The Drawing Center, New York) sprechen deutlich von den philosophischen Interessen des Künstlers. Der Künstler widmet sich in enzyklopädischer Totalität forschend, fragend und darstellend dem, was wir als funktionierende Konventionen und Orientierungen ersonnen haben, um uns deutend und bedeutend in dem zurechtzufinden, was wir Welt nennen. In umfassenden Kosmologien, monumentalen Installationen und begehbaren städtebaulichen Entwürfen beschäftigt sich der Künstler analytisch detailliert mit den Auswirkungen in unserem Umgang mit Bildern. Prinzipiell kommt er dabei zu dem Ergebnis: »Es gibt keinen Unterschied mehr, ob ich nun Sie anschaue oder eine Leiter. Es ist alles dasselbe, weil alles abstrakt ist.« In dieser Abstraktheit, d. h. in dieser prinzipiellen Unterschiedenheit zwischen der ›Einsamkeit der Zeichen‹ und der völlig andersgearteten Wirklichkeit, ordnet er sein Universum nach fünf, auch farblich unterschiedenen Kosmen: Eine subjektive, rot gefärbte Welt, eine sprachliche in Schwarz-Weiß, eine mittlere Welt der Künste, ganz in Gelb, die ungerahmte Welt der Normalität, des menschlichen Alltags in Blau und eine Welt der materiellen Matt Mullican, Untitled (Organizational Legend), 1988 Qualitäten der Elemente. Er organisiert diese Welten in der Art einer mind-map als Viertel einer begehbaren Stadt ohne Menschen; ein gedankliches Modell, in dem man »fast wie in einem Gedächtnistheater« umherwandeln kann. Der Trick solcher Bildanalysen und -zuordnungen ist, dass dabei selbst eine Welt des Anschaulichen und sinnlich Erfahrbaren, eine eigene Realität geschaffen wird. Auf diese Weise entsteht eine Differenz zwischen dem, was wir zu diesen philosophischen Ansätzen erfahren und uns selbst denken können einerseits, und dem, was wir unmittelbar vor Augen haben und durchschreiten andererseits. Interessanterweise werden in den vielen Literaturen zum Künstler, seinen Interviews und Ausstellungskritiken nirgends die ästhetische Wirkungen seiner Arbeiten diskutiert. Wir können also gespannt sein, wie die Kuratoren der Heilbronner Museen dieses Schwergewicht im aktuellen Kunstgeschehen in Szene setzen und wie bei aller Denkarbeit seine vielgestaltigen Bilder in der konkreten Begegnung wirken. ◆ Die Ausstellung eröffnet am Samstagabend, den 05.11.2016, in der Kunsthalle Vogelmann.

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CAFÉ SOCIETY Wer hätte das gedacht: Das New Yorker Urgestein Woody Allen dreht mit 80 Jahren noch einen Film über das von ihm verachtete Hollywood. Sarkastisch-ironische Dialoge, ein eleganter Jazzscore, Herzschmerz und amouröse Verwicklungen in edlem Setdesign – bei der romantischen Tragikomödie »Café Society« ist Woody Allen wieder einmal ganz in seinem Element. Und noch nie hat der vierfache Oscargewinner schönere Bilder auf die Leinwand gebracht als in diesem Eröffnungsfilm der 69. Filmfestspiele von Cannes 2016. MEINE ZEIT MIT CÉZANNE Danièle Thompson erzählt in Cézanne, die Provence und ich, die Geschichte der zwei Freunde Paul Cézanne und Émile Zola, die sich nach ihrer gemeinsamen Schulzeit in Aix-en-Provence Liebesaffären, schicksalshafte Begegnungen und die sich langsam einstellende Bekanntheit in ihren jeweiligen Disziplinen teilen. Bald drohen sie auseinanderzudriften und sehen ihre Freundschaft vor eine harte Probe gestellt. In den Arthaus-Kinos ab 10. November 2016 USA 2016 Länge: 96 Minuten Genre: Tragikomödie Regie: Woody Allen Darsteller: Kristen Stewart, Blake Lively, Steve Carell, Jesse Eisenberg u. v. m. Die 1930er: Bobby (Jesse Eisenberg) wuchs zwar in der schroffen Bronx auf, fühlt sich jedoch zur Glitzerwelt in Hollywood hingezogen, zu der er familiäre Verbindungen hat. Sein Onkel Phil (Steve Carell) ist ein hochrangiger Filmagent in der Traumfabrik und geht mit Fred Astaire und Gary Cooper essen. So hat Bobby auch gleich einen guten Kontakt, als er seinen Plan in die Tat umsetzt, es im Filmgeschäft zu versuchen. Sein Onkel hat keine Zeit für ihn, doch mit seiner hübschen Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart) verbringt Bobby sowieso viel lieber seine Zeit. Er verliebt sich Hals über Kopf, doch zu seinem Bedauern hat Vonnie bereits einen Freund. Schon bald muss Bobby feststellen, dass das Showbusiness in jeder Hinsicht der pure Wahnsinn ist. Als ihn dann auch noch das Leben in New York wieder einholt, weil sein Bruder Ben (Corey Stoll) bei Mafia-Geschäften auch nicht vor Morden zurückschreckt, wächst ihm alles über den Kopf. In den Arthaus-Kinos ab 6. Oktober 2016 Frankreich 2016 Länge: 113 Minuten Genre: Drama Regie: Danièle Thompson Darsteller: Guillaume Gallienne, Guilllaume Canet, Alice Pol, u. v. m. Zwei der einflussreichsten französischen Künstler des Impressionismus sind damals wie heute weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt: Der Schriftsteller Émile Zola (Guillaume Canet) und der Maler Paul Cézanne (Guillaume Gallienne). Weitaus unbekannter als ihre Werke ist jedoch die besondere Freundschaft, die beide über Jahrzehnte im 19. Jahrhundert verband. Die Künstler lernten sich in der Schulzeit im Süden Frankreichs in Aix-en-Provence kennen und galten damals bereits als unzertrennlich. Ihre Freundschaft war über die Jahre geprägt von Inspiration und Muse, aber auch von Eifersucht und Streit. Während Zola durch die Leidenschaft für Literatur geprägt ist, gibt sich Cézanne der Malerei hin. Doch je mehr sie sich dem Bohème-Leben anschließen und dem Ruhm zum Greifen nah kommen, desto mehr entzweit sich ihr Weg. Der eine findet Anerkennung, Geld und Ruhm, der andere wird von den zeitgenössischen Kritikern mit Abneigung gestraft und gibt sich der Perfektion und einem unerfüllbaren Drang nach Anerkennung hin. Kann die Freundschaft selbst die schwerste Zeit überstehen? ARTHAUS-KINOTIPP Hanix Nr. 45

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AUSSERDEM IM KINO Die Insel der besonderen Kinder Start: 6. Oktober Der neue Film von Tim Burton. Seit frühester Kindheit hört Jacob von seinem Großvater Abraham immer wieder wundervolle und fantasiereiche Geschichten von einer Insel, auf der er sich vor Monstern versteckte und mit Kindern lebte, die alle außergewöhnliche Fähigkeiten hatten. Als der Junge 16 ist, stirbt sein Großvater, scheinbar zerfleischt von einem wilden Tier. Jacob findet Anhaltspunkte dafür, dass die einstigen Bewohner wirklich übernatürliche Fähigkeiten hatten. Und er findet heraus, dass die »besonderen Kinder« aus Abrahams Geschichten noch leben. Bridget Jones’ Baby Start: 20. Oktober Zum ersten Mal in ihrem Leben scheint die Chaotin alles komplett im Griff zu haben – bis sie eine Begegnung mit dem charmanten Amerikaner Jack Qwant aus dem Gleichgewicht bringt. Und nur eine Woche später lässt sich Bridget spontan auf ein weiteres Techtelmechtel ein – mit ihrem Ex Mark. Das wäre alles nicht so wild, wenn sie nicht ein paar Monate später feststellen würde, dass sie schwanger ist. Doctor Strange Start: 27. Oktober Adaption des Marvel-Comics von »Sinister«-Regisseur Scott Derrickson. Doctor Stephen Strange ist ein arroganter Neurochirurg, der seiner Tätigkeit nach einem Autounfall nicht mehr nachgehen kann. Bei der Einsiedlerin The Ancient One in Tibet lernt er schließlich, sein verletztes Ego hinten anzustellen. Nur so ist es ihm möglich die Geheimnisse einer verborgenen mystischen Welt voller alternativer Dimensionen kennenzulernen. Zurück im New York muss er als Vermittler auftreten, um die reale Welt vor einer nicht greifbaren Gefahr zu schützen. Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt Start: 3. November Als sie ohne Essen und Weihnachtsbaum auf ihrem Hof eingeschneit werden, verspricht der alte Pettersson dem besorgten Kater Findus noch, dass sich alles zum Guten wenden und es ein herrliches Weihnachtsfest werden wird. Doch das Vorhaben, einen Baum im Wald zu schlagen, wird zunichte gemacht, da Pettersson sich unglücklich am Fuß verletzt. Seine Nachbarn Beda und Gustavsson bieten daraufhin mehrfach ihre Hilfe an, doch Pettersson will den beiden nicht zur Last fallen. Für Findus ist es an der Zeit, seinem kauzigen Mitbewohner endlich mal offen die Meinung zu sagen, um das Weihnachtsfest doch noch zu retten ... Jeder stirbt für sich allein Start: 17. November Im Berlin des Jahres 1940 lebt ein ganzes Land in einem Haus: Die Bewohner in der Jablonskistraße 55 bilden einen Querschnitt der Bevölkerung: Ein Blockwart wohnt dort, eine versteckte Jüdin, ein Ex-Richter, ein Denunziant, ein Kleinkrimineller, ein Hitlerjunge, eine Briefträgerin – und das Arbeiterehepaar Anna und Otto Quangel. Otto fängt an, den Diktator auf seine Art zu bekämpfen, seine Frau macht bald mit: Das Paar schreibt klare Botschaften auf schlichte Postkarten, z. B. einen Aufruf zum Widerstand und eine Forderung nach Pressefreiheit. Kommissar Escherich nimmt die Verfolgung auf – mit der Gestapo im Nacken, die schnell Ergebnisse sehen will. 1. - 3. Oktober 2016 Heilbronner Hafenmarkt 9. Oktober 2016 Jazz & Einkauf mit verkaufsoffenem Sonntag 24. November - 22. Dezember 2016 Heilbronner Weihnachtsmarkt www.heilbronn-marketing.de heilbronn erleben Heilbronn Marketing GmbH Tourist-Information Heilbronn Kaiserstraße 17 • 74072 Heilbronn Tel. +49 7131 56 22 70

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Freibad Neudenau, 25. August 2016, 19:50 Uhr (Foto: Ulla Kühnle)

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Seit ihrem viralen Hit, der Youtube-Webserie »Shit Prenzlschwaben say« ist BÄRBEL STOLZ unter ihrem Alter Ego »Die Prenzlschwäbin« in aller Munde. Am 23. Oktober macht die gebürtige Esslingerin auf ihrer »Isch des bio?«-Live-Comedy-Tour Halt in Heilbronn. Wir trafen die Wahlberlinerin zum vormittäglichen Plausch in der Landeshauptstadt Stuttgart, um über beknackte Kindervornamen im Prenzlberg, Latte-Macchiato-Mütter und über den Fluch und Segen des Internets zu sprechen. Von Robert Mucha, Fotos: Reiner Pfisterer Hanix Nr. 45 »Erkannt wurde ich, beschimpft noch nicht« INTERVIEW DES MONATS

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Hanix Nr. 45 Hanix: Bärbel, wie geht es eigentlich Wikipedia, deiner imaginären Tochter aus den Prenzlschwäbin-Clips? Wir fragen uns, wie sie wohl aussieht, welchen Modestil sie von ihrer Mutter auferlegt bekommen hat und ob sie schwäbelt oder berlinert? Bärbel Stolz: Die Wiki ist natürlich hochbegabt, weshalb sie sich ihre Klamotten mit ihren einundeinhalb Jahren auch schon selbst aussucht. Sie spricht drei Sprachen – berlinerisch, schwäbisch und hochdeutsch und ist ein Quell der Freude. Weil wir gerade über die kleine Wikipedia sprechen: Der beknackteste Kindervorname, der dir bisher im Prenzlberg zu Ohren kam …? Robin-Legolas – einen Namen auf den ich, als ich mein Buch geschrieben habe, gestoßen bin und den es wohl tatsächlich auch gibt. Was Vornamen angeht, waren die Zeiten früher tatsächlich die besseren. Da wurden Berliner Jungs noch auf die Vornamen Jérôme oder Kevin-Prince getauft. War der Prenzlauer Berg früher auch besser als heute? Du lebst seit 20 Jahren in Berlin und müsstest es wissen. Ich würde nicht sagen, dass er besser oder schlechter war, er ist eben anders geworden. Früher konnte man dort günstiger wohnen, was für mich damals als Studentin gut und auch wichtig war. Dafür war der Spielplatz um die Ecke nicht schön. In der Gegend des Helmholtzplatzes, in der ich früher gewohnt habe, habe ich mich nicht gerne aufgehalten. Dort finde ich es jetzt viel schöner, da es einen neuen Spielplatz gibt. Und wenn man Kinder hat, dann ist man auch oft auf Spielplätzen unterwegs. Sehnst du dich nach einer bestimmten Zeit im Prenzlberg zurück? Nein, ich trauere keiner Zeit nach. Ich finde an Berlin toll, dass es eine sehr dynamische Stadt ist, die sich ständig verändert, was durch die unterschiedlichsten Menschen die hier herkommen geschieht. Ich finde es schade, dass das Stadtbild im Prenzlauer Berg sehr homogen und nicht mehr bunt durchmischt ist. Es gibt wenige Alteingesessene und ältere Leute. Berlin insgesamt ist natürlich immer noch bunt gemischt. Dass sich die Einwohnerstruktur des Prenzlauer Bergs verändert hat, kann man nicht den Zugezogenen zum Vorwurf machen. Jeder möchte gern da wohnen, wo er es schön findet. Dafür zu sorgen, dass es genug bezahlbaren Wohnraum gibt und nicht nur immer mehr Ferienwohnungen ist Aufgabe der Politik. Ich finde es auch gut, dass da jetzt endlich mehr unternommen wird. Was nervt dich als Bewohnerin des Habitats Prenzlberg am meisten an diesem Kiez? Und was schätzt du besonders? Also was mich am Prenzlauer Berg nervt? 1. Keine gscheite Brezle. Aber das liegt wohl an der Berliner Luft, hat mir der schwäbische Sternekoch Johannes King erklärt. Der wohnt jetzt übrigens auf Sylt. 2. Wenn Mülltonnen auf dem Spielplatz überquellen und die Leute ihre vollen Windeln und leeren Soja- Latte-to-go-Becher einfach daneben schmeißen. Find’ ich net so gut. 3. Wegen des Clubsterbens muss man jetzt immer zum Feiern in den Friedrichshain. Die sind noch nicht so weit mit der Gentrifizierung. (lacht) Schön finde ich wirklich, dass ich und meine Kinder viele Freunde dort haben und dass ich eine tolle und große Auswahl an allem habe. Der Prenzlberg bietet auch Glamour: Ich war Nachbar von Daniel Brühl, habe Jan Josef Liefers auf dem Fußballplatz hinter dem Mauerpark eingenordet und hätte mit dem Fahrrad einmal fast Max Herres Tochter überfahren. Hast du auch schon mal fast Kinder von Prominenten umgebracht? Hat dich das früher fasziniert, auf Prominente zu treffen? BÄRBEL STOLZ Als Berliner schaut man da einfach cool beiseite. Angelina Jolie und Brad Pitt teilen sich jetzt neben dir ’ne Gurkensuppe? Was soll’s, die müssen auch was essen. Das Tolle an Berlin ist, dass man immer superbes People-Watching geboten bekommt. Ich schaue mir generell gerne die Menschen hier an. Auch Stars können sich hier ganz normal und frei bewegen, ohne dass jemand in Aufruhr gerät. »Jeder hat nur ein Leben und das versuche ich zu genießen und meine kleinen unwichtigen Wichtigkeiten wichtig zu nehmen.« Kannst du Menschen verstehen, die freiwillig vom Prenzlberg nach Treptow ziehen und auf all die Yogaangebote, gesundes Essen und die Chance Promikinder zu überfahren verzichten? Ja, als unser zweites Kind kam, haben wir uns auch in ganz Berlin nach einer Wohnung umgeschaut. Wir haben aber nun im Prenzlauer Berg eine schöne und erschwingliche Wohnung gefunden. Ich verstehe es aber auch, wenn Leute von dort wegziehen, gerade junge Familien die schauen müssen, wo sie sich stapeln. Von Berlin zurück nach Esslingen oder Heilbronn, wäre das für dich vorstellbar? Theoretisch immer, alles. Ich komme sehr gerne hier her, besuche auch öfter zusammen mit den Kindern meine Eltern auf der Schwäbischen Alb und meine Schwester in Ravensburg. Ich habe es genossen, wieder hier her nach Stuttgart zu kommen und durch die Stadt zu laufen. Aber momentan lebe ich wahnsinnig gerne in Berlin und werde da auch bestimmt noch eine ganze Weile wohnen bleiben. Die Vorbereitungen auf das Gespräch mit dir wurden durch Amokund Terrornachrichten, sei es aus Nizza, Würzburg oder München begleitet. Der Amoklauf von München ist noch keine 24 Stunden alt. Du wirst heute Abend zurück nach Berlin fliegen. Trittst Du diese Reise mit einem mulmigen Gefühl an oder lässt du dich davon nicht beeindrucken? Das Ereignis in München war sogar parallel zu meiner Lesung in Stuttgart. Ich finde aber es hat keinen Zweck dadurch zu erstarren oder nicht weiterzumachen. Man könnte auch sagen: wie unwichtig ist, gegen solche schlimmen Vorfälle mein Buch oder meine Aufregung vor dem Bühnenprogramm? Jedoch besteht genau daraus das Leben. Jeder hat nur eines und das versuche ich zu genießen und meine kleinen unwichtigen Wichtigkeiten wichtig zu nehmen. Ich hoffe einfach, dass alles gut geht.

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»Von Berlin aus gesehen ist ganz Baden-Württemberg Schwaben. Damit müssen die Badener klarkommen.« ZUR PERSON: Bärbel Stolz wurde am 5.11.1977 in Esslingen am Neckar geboren. Wenig später zog die Familie auf die Schwäbische Alb. Ihr Großvater hatte dort eine Freilichtbühne gegründet, die ihr Vater übernahm. Sie studierte später an der renommierten »Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch« in Berlin. Es folgten Engagements an verschiedenen Bühnen, unter anderem am Deutschen Theater in Berlin und am Staatstheater Hannover. 2004 hatte Bärbel Stolz als Yvonne Kuballa in »Verliebt in Berlin« (SAT.1) ihre erste große Rolle im Fernsehen. Als nächstes wurde sie von Bora Dagtekin als karrieregeile Chefredakteurin Jette Zink für »Türkisch für Anfänger« (ARD) besetzt. Danach folgte »Doctor’s Diary« (RTL) und auch bei »Fack ju Göthe« war sie dabei. Seit 2011 heißt Bärbel Stolz, sie hat zwei Kinder. Mit ihrem Mann produzierte sie in der Elternzeit den Spielfilm »Marcel über den Dächern«, der im April 2015 Premiere hatte. Auch die Comedy-Webserie »die Prenzlschwäbin« entsteht im Familienkreis – mit ihrem Mann und ihrem Bruder Martin E. Schleker. Am 18. Juli 2016 erschien ihr Erzählband über die Erlebnisse einer Schwäbin in Berlin: »Isch des bio?« Verfolgst du solche Breaking News gebannt vor dem Fernseher und im Netz oder vermeidest du bewusst solche Nachrichten, um dich in deinem Alltag vom Gefühl der Angst und Unsicherheit nicht beeinträchtigen zu lassen? Ich verfolge sie, manchmal muss ich aber einen Nachrichten- Stopp einlegen, damit ich wieder runterkomme. Als ich letzten Winter in Berlin bei der Versorgung der Flüchtlinge geholfen und mich engagiert habe, wollte ich immer erreichbar sein, wodurch man selbst in Unruhe gerät und sich gleichzeitig hilflos und aufgefordert fühlt etwas zu tun. Ich habe bemerkt, dass ich ab und zu eine Pause einlegen und mich den Nachrichten entziehen muss. Beobachtet man, wie solche Ereignisse im Netz begleitet werden, stellt sich schnell die Frage: Internet. Fluch oder Segen? Zum einen bieten Münchener festsitzenden oder verängstigten Passanten unter dem Hashtag #offenetür sicheren Unterschlupf, auf der anderen Seite liest man (Hetz-)Kommentare, die noch vor offiziellen Ermittlungsergebnissen verurteilen und hetzen ... Die sozialen Medien sind noch sehr junge Medien. Ich glaube wir lernen alle noch, wie das wirklich funktioniert. Die entsprechende Kultur müssen wir erst schaffen. Wir müssen zu einer anderen Haltung finden, dass nicht jeder versucht etwas noch Krasseres und Sensationsträchtigeres zu berichten. Man sollte sich darum kümmern, was man konkret Nützliches und Konstruktives tun kann, um zu helfen. Es bringt nichts, sich zu sehr darauf zu konzentrieren, was alles Schlimmes passieren kann. Für dich persönlich ist das Internet sicherlich mehr Segen als Fluch. Raketenartig nach oben ging es mit deiner Karriere durch deine »Prenzlschwäbin«-Videos auf Youtube ... Ich finde das echt toll, dass heutzutage jeder die Möglichkeit hat mit relativ einfachen Mitteln Clips ins Netz zu stellen und ganz unmittelbar erfahren zu können, ob es den Menschen gefällt und ob es sie erreicht. Aber auch du dürftest die unschönen Seiten des Internets erlebt haben. Als bekennende Schwäbin in Berlin giltst du in der Hauptstadt nicht für alle als Sympathieträgerin. Es ist zwischendurch schon etwas schwierig und anstrengend, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Auch erfordert es sehr viel Mut, sich hinzustellen und sich mit der eigenen Person zu präsentieren. Bei einigen Kommentaren musste ich teilweise INTERVIEW DES MONATS MIT BÄRBEL STOLZ Hanix Nr. 45

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schon schlucken. Es half, einen Schritt zur Seite zu gehen und zu sehen, dass die Beschimpfungen auf die Kunstfigur gerichtet sind und nicht auf mich als Person. Mittlerweise kann ich das ganz gut trennen. Wir machen die Videos ja auch mit einer gewissen Schärfe und Satire, was die Leute gerne piksen darf. Davon abgesehen haben die Beschimpfungen abgenommen. Wie gehst du mit fiesen Kommentaren und Kritiken um? Und gab es auch offene, direkte (Verbal-)Attacken in deinem Alltag oder hauptsächlich Schulterklopfer? Erkannt wurde ich, ja, beschimpft jedoch tatsächlich noch nicht. Ich war superaufgeregt als wir den zweiten Teil des Videos »Shit Prenzlschwaben say« auf dem Kollwitzmarkt gedreht haben. Ich habe aber nur herzliche und freundliche Menschen getroffen. Reale Begegnungen waren bisher immer total nett. Im Berliner Alltag trifft man immer wieder auf kleine oder auch größere Hinweise, dass Schwaben gerne in Stuttgart bleiben sollen und die, die schon in Berlin sind doch bitte zurück in ihre Heimat sollen. Sei es durch Sticker, Graffitis oder umgestaltete Werbeplakate. Hältst du diese subtilen »Liebesbekundungen« fotografisch fest, bzw. nimmst du sie überhaupt wahr? Mittlerweile fällt es mir mehr auf, da ich eher darauf achte. Ich bekomme solche Bilder auch zugeschickt, zum Beispiel von meinem Onkel. Aber jetzt mal ehrlich: So schlimm ist der Berliner Schwabenhass doch gar nicht, oder? Nein, Straßenschlachten gibt es keine. Nach deinen erfolgreichen Videos hast du ein Buch herausgebracht und gehst nun mit dem gleichnamigen Programm »Isch des Bio?« auch erstmals auf Comedytour. Am 23. Oktober gastierst du in der Heilbronner Harmonie. Wir würden uns über einen Gag aus dem Programm freuen ... Also, die Berliner Coolness, die ist ja schon was Besonderes. Ich kann mittlerweile den coolen Berliner Gesichtsausdruck. Aber mir passiert es trotzdem noch manchmal, dass ich glotz wie ein Landei. Wenn jemand in der Unterhose mit einer Matratze, einem Papagei und einer Waschmaschine in die U-Bahn steigt, zum Beispiel. Aber da muss man sich zusammenreißen. Oder wenigstens schlagfertig sein: »Wat glotzte?« »I wollt bloß gucke, welche Energieeffizienzklasse die Maschine hat.« Jetzt bloß keine blöden Fragen stellen. Zum Beispiel warum die Maschine U-Bahn fährt. »Wird schon irgendwo hinwollen, wa!« Oder: »Wo ist denn ihre Hose geblieben?« Die Antwort willsch du nicht hören, egal ob auf nüchternen Magen oder nicht. Durch die Tour kehrst du in deine schwäbische Heimat zurück, um dich in Esslingen, Stuttgart oder Tübingen von Landsleuten als schwäbische Speerspitze in der Hauptstadt feiern zu lassen. Irritiert haben uns die Termine in Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen ... dort kannst du doch nur verlieren. Die Abneigung gegen Schwaben dürfte mitten im Badener- und Kurpfälzerland noch größer sein als in Berlin. Ja, das war mir gar nicht so bewusst. Wir werden sehen, ob sich alle nur versammeln, um mir Kartoffelsalat an den Kopf zu werfen. Von Berlin aus gesehen ist allerdings ganz Baden-Württemberg Schwaben. Damit müssen die Badener klarkommen, dass auch sie unter diesen Oberbegriff fallen. ◆ Natur- wissenschaft & Technik ... zum Anfassen! Auch für Hipster – nicht nur für Nerds. Die lern- und erlebniswelt für Jung & alt ÖFFNUNGSZEITEN: Montag bis Freitag 9:00 – 18:00 Uhr Samstag, Sonntag, Feiertage 10:00 – 19:00 Uhr experimenta gGmbH Kranenstr. 14 · 74072 Heilbronn Telefon 07131 / 887950 www.experimenta-heilbronn.de 47

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Titelthema: [S. 52-64] GRÜNDERSTADT »Steve Jobs und Bill Gates wären in Deutschland allein deshalb gescheitert, weil nach der gültigen Baunutzungsordnung in einer Garage keine Fenster drin sein dürfen.« Jürgen Rüttgers (Bundesminister a.D.) Artwork: Kathrin Leisterer Hanix Nr. 45 everysize.com → S. 50 IM INTERVIEW: AXEL KRAUSS → S. 54 Wolkenlos in Heilbronn → S. 58 GESPRÄCH MIT DR. GEORG MATHEIS → S. 60 Fuckup Nights in Stuttgart → S. 62

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Kapitel 49

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Mitten in Heilbronn, in einer Nebenstraße der Sülmerstraße, ist ein brandneues, bemerkenswertes Startup-Unternehmen beheimatet. In den Büroräumen einer Internetagentur hat DENIS FALKENSTEIN gemeinsam mit seinen Kollegen everysize.com aufgezogen. Die Website richtet sich an jeden, der auf der Suche nach den passenden Sneakern ist, und könnte für Turnschuhverrückte, Sammler und Otto-Normalverbraucher eine Revolution bei der Jagd nach dem passenden Schuhwerk bedeuten. Von Friedemann Orths Fotos: Memo Filiz & PR Jeder, der sich für die neuesten Modelle von Adidas, Nike, New Balance oder Asics interessiert, kennt vermutlich das Dilemma: kaum wird ein neues Modell angekündigt, ist es in den beliebtesten Farben und Mustern und vor allem in der passenden Größe meistens sofort ausverkauft. Nichts Neues in Zeiten, in denen Sneaker als das Modeaccessoire schlechthin gelten, Special-Editions veröffentlicht werden und reserviert werden können, Popstars wie Rihanna ihre eigenen Modelle kreieren dürfen und Release-Countdowns auf Webseiten die Tage, Bald Größen im Schuhgeschäft? – everysize Stunden und Sekunden bis zum Erscheinen eines neuen Modells herunterzählen. So endet für viele Kunden der Gang zum Schuhgeschäft in Frustration ob der meterlangen Warteschlangen, die sich bei besonders seltenen Modellen vor den Läden bilden. Da bleibt dann nur der nächste Laden oder eine erneute Suchanfrage im Online-Shop der Wahl. Doch auch im Internet gestaltet sich die Suche nach dem Modell in passender Größe nicht einfacher, schließlich müssen unzählige Webseiten durchsucht werden. Und genau hier Hanix Nr. 45 Das Team everysize. v.l.n.r.: Denis Falkenstein, Heiko 50 Brömmelstrote, Pascal Prehn, Eugen Falkenstein TITELTHEMA: GRÜNDERSTADT

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Hanix Nr. 45 setzen Falkenstein und seine Mitstreiter an: Schnell fiel ihnen auf, dass die Produktsuchmaschinen, die schon auf dem Markt waren, alle ein großes Manko haben. Es war nicht möglich, die Shops auch nach Schuhgrößen zu durchsuchen. Also kamen sie gemeinsam auf die Idee, eine Suchmaschine für Turnschuhe zu entwickeln, die – ähnlich wie Google – verschiedene Webshops durchsuchen kann, allerdings auch die Schuhgröße berücksichtigt. Diese Meta-Suchmaschine ermöglicht es dem User, ganz gezielt nach dem gewünschten Modell in der gewünschten Größe zu suchen. Ist die Suche erfolgreich, wird angezeigt, in welchen Online-Shops der Schuh noch in der passenden Größe vorhanden ist. Bequem kann man dann direkt zum Angebot auf der Webseite des Internet-Ladens wechseln und das heißersehnte Modell endlich erstehen, ganz ohne Blasen an den Füßen. »Im Grunde ist doch die Größe das, worauf es beim Kauf ankommt. Eigentlich sollte die Präsentation der Schuh- Auswahl im stationären Handel so aufgebaut sein, dass man direkt sieht, welches Modell in welcher Größe verfügbar ist«, erklärt Denis. Schließlich geht es im Internet auch um Zeitersparnis, die everysize dem Kunden bietet. »Wir wollen die Leute schnell ans Ziel bringen, denn das ist auch uns selbst als Kunden wichtig«, erläutert er. Fotos und Skateboards Der 29-Jährige Heilbronner begann seine Karriere eigentlich als Fotograf. »Fotografieren war schon immer mein Hobby«, sagt Denis, der durch das Skateboardfahren seine Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte und sich sein Wissen hauptsächlich selbst beibrachte. So lichtete er seine Freunde beim Ausführen der Tricks ab; dabei kam ihm zugute, dass außer ihm kaum jemand in der Skater-Szene fotografierte. Nach dem Schulabschluss kam deshalb auch nichts anderes als eine Ausbildung zum Fotografen infrage. »Ich wollte das Fotografieren von Grund auf professionell lernen, das technische Verständnis dafür entwickeln und Einblicke in das Geschäftliche bekommen, schließlich wurde damals zum größten Teil noch analog gearbeitet, was auch richtig ins Geld gehen konnte«, erinnert sich Denis. Nach abgeschlossener Ausbildung machte er sich auch gleich selbstständig, fotografierte auf Hochzeiten oder nahm Aufträge für die Gastronomie entgegen. »Dabei war ich allerdings schon immer sehr internetaffin und wirklich früh im Internet unterwegs, was damals nicht selbstverständlich war«, so Denis. Durch seinen Bruder, einen studierten Wirtschaftsinformatiker, bekam er Einblicke in diese »sauinteressante Welt« und stellte schon 2001, als 14-jähriger, gemeinsam mit einem Freund eine erste Webseite ins Netz, auf der sie ihre Skateboard-Fotos veröffentlichten. Als dann der heimische Skateboard-Laden einen Online-Shop eröffnen wollte, war Denis natürlich sofort Feuer und Flamme, übernahm eine Halbtagsstelle und bekam erste Einblicke ins Online-Marketing, die er während seiner Zeit bei einem anderen großen Online-Shop noch vertiefen konnte und am Ende sogar die Leitung übernahm. »Das war eine richtig schöne Zeit, da mir freie Hand gelassen wurde und ich mir fast alles Selbst beibringen und anlesen durfte.« Von der Idee zur Webseite Währenddessen wuchs die Idee, die später zu everysize werden sollte: eine Webseite, die verschiedene Shops durchsuchen kann und die Ergebnisse für den User bündelt. Außerdem lernte Denis seinen jetzigen Geschäftspartner Pascal, den damaligen Chefredakteur der deutschen Ausgabe des Sneaker Freaker-Magazins, kennen: »So entwickelten wir die Idee gemeinsam weiter und zufälligerweise haben wir auch noch gleichzeitig unsere Jobs gekündigt.« Das war Ende 2014 und schon im Frühjahr des nächsten Jahres setzten sich die beiden Sneaker-Verrückten zusammen, um konkrete Pläne zu schmieden. »Die Idee war schön und gut, allerdings hätten wir einen Haufen Geld für einen Entwickler in die Hand nehmen müssen, was wir beide nicht hatten«, sagt Denis. Glücklicherweise ist Denis’ Bruder Eugen Programmierer und war genauso von der Idee überzeugt wie die beiden Freunde; nach einem gemeinsamen Treffen stieg er mit ein. Und das zum großen Glück für everysize: »Hätte mein Bruder kein Potenzial in dem Projekt gesehen, gäbe es everysize nicht. Anders wäre das nicht zu bewerkstelligen gewesen.« Das redblue gratuliert zu 5 Jahren HANIX! 10 Jahre redblue meets klassik Sa. 29.04.17 Mi. 03.05.17 Sa. 06.05.17 TANGO, TANGO CHILL OUT Konzert „Vivaldi SCHWERELOS“ BIG NIGHTMARE MUSIC Alle Infos rund um das Festival und weitere Events im redblue finden Sie unter www.intersport-redblue.de

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wusst, schließlich hat jeder der Gründer eine ordentliche Summe eigenes Geld in everysize gesteckt. »Aber das ist es Wert. Wenn ich morgens aufstehe, freue ich mich richtig auf die Arbeit. Ich liebe meinen Job!« schwärmt Denis; dasselbe gilt auch für seine Kollegen. Viel Arbeit bedeutet natürlich auch viel Stress, so ist Denis oftmals mehr als 13 Stunden im Büro oder schiebt Nachtschichten, um weiter an seinem Traum der Selbstständigkeit zu arbeiten. »Gut möglich, dass man um halb 4 eine Mail von mir bekommt, ich sitze Tag und Nacht im Büro«, gesteht Denis. Zum Ausgleich wird dann am Wochenende etwas mit Freunden unternommen oder gemütlich mit seiner kleinen Tochter entspannt. Dass das Startup schon nach wenigen Monaten so gut funktioniert, hätten wohl auch die wenigsten erwartet. »Wir wachsen stetig und sind ständig dabei, zu optimieren. Nach wie vor melden sich Online-Shops bei uns und wollen eine Zusammenarbeit.« Doch nicht alles ist perfekt, gibt Denis zu: »Wäre mein Bruder nicht durch Familie und Haus an Heilbronn gebunden, hätten wir hier nie gegründet«. Harsche Kritik, die der Geschäftsführer aber auch begründen kann: »Heilbronn ist bei weitem keine Medienstadt, es gibt keine richtige Startup-Szene, obwohl schon etwas dafür getan wird. Der Austausch und die Mitstreiter fehlen.« Des Weiteren bemängelt der Unternehmer die Bürosituation; es ist kompliziert, bezahlbare Räume zu finden. Der Fachkräftemangel im IT-Bereich tut sein Übriges und treibt die Personalkosten in die Höhe. »Es war sehr schwer, den richtigen Grafiker für das Unternehmen zu finden, passenderweise wurden wir dann auch nur in Stuttgart fündig.« Am 10. November 2015 ging everysize schließlich online. Mit der Entwicklung begann das Team im März 2015, die Gesellschaft gründeten sie im Juni desselben Jahres. everysize durchsucht momentan 25 der wichtigsten Webshops für Sneaker und Schuhe, Kunden können aus etwa 10000 Modellen wählen. »So bieten wir als Einzige einen Überblick über den Markt und sind die Anlaufstelle, wenn es um Sneaker geht«, verkündet Denis stolz. »Wir haben die größte Sneaker-Auswahl im Web.« Denis selbst ist Geschäftsführer und übernimmt das Marketing. Neben seinem Bruder, dem Chefentwickler und Pascal (Vertriebsleiter) arbeitet noch Heiko, Screen-Designer, der sich um die User-Experience, also alles, was der Kunde auf dem Bildschirm beim Navigieren der Seite sieht und erlebt, bei dem jungen Unternehmen. »Damit haben wir uns extrem viel Mühe gegeben, schließlich ist die Nutzbar- und Übersichtlichkeit einer Webseite das Wichtigste überhaupt. Und gut aussehen muss es auch«, stellt Denis fest. »Mit Heiko hatten wir riesiges Glück! Er denkt genau wie wir und hat einfach Bock auf das Projekt, obwohl er schon für größere Kunden als uns gearbeitet hat«. Und genau das scheint es auch zu sein, was das Startup ausmacht: Leidenschaft für die Sache und Spaß bei der Arbeit in freundschaftlicher Atmosphäre. Tag und Nacht mit Leidenschaft Diese Atmosphäre ist dem jungen Gründer auch so wichtig: »Ich wollte schon immer mein eigenes Ding drehen und mein eigener Chef sein, eigene Entscheidungen treffen.« Das Risiko dabei ist Denis durchaus be- Von Heilbronn in die Welt? Wie sieht die Zukunft aus für everysize? »Irgendwann wird es unumgänglich sein, den Standort zu wechseln, sollten wir weiter wachsen«, sagt Denis. »Denn Wachstum ist natürlich das Wichtigste und steht auf unserer Agenda ganz oben, auch wenn wir glücklicherweise keinen Wachstumsdruck durch Investoren haben.« Angebote waren durchaus vorhanden, wurden vom Team bislang jedoch abgelehnt. »Entweder waren die Angebote uninteressant oder der Investor hätte nicht zu uns gepasst.« Dass everysize früher oder später Kapital benötigen wird, ist Denis jedoch klar: »Nur weil wir derzeit nicht aktiv auf der Suche sind, heißt das nicht, dass wir uns nicht jedes Angebot anhören und in den Dialog treten. Wichtig ist, dass everysize gesund und kontinuierlich wächst«. In Zukunft ist auch angedacht, das Sortiment im ersten Schritt um Laufschuhe zu erweitern: »Schließlich heißen wir everysize, was für uns bedeutet, dass irgendwann alles, was eine Größe hat, bei uns gefunden werden kann!« Auch die Internationalisierung des Startups steht auf der Liste. Bald soll die Webseite auf Englisch verfügbar sein und auch auf den Märkten der Nachbarländer sieht Denis Potenzial für everysize. Durchaus wahrscheinlich also, dass in Zukunft nicht nur die Deutschen Sneakerfans ein entspannteres Shoppingerlebnis bei der Jagd nach dem perfekten Schuh erleben. ◆ Hanix Nr. 45 EVERYSIZE

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vielviel später

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Hanix Nr. 45 »UNSER BUSINESS- ANGEL-NETZWERK RANGIERT IN DEUTSCHLAND GANZ OBEN« 54 TITELTHEMA: GRÜNDERSTADT

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AXEL KRAUSS machte bei Knorr und der Muttergesellschaft Bestfood in Brüssel und den USA Karriere. 2001 kehrte er aus den USA nach Heilbronn zurück und war verblüfft über ein aufkeimendes Bewusstsein, Gründer und Startups zu unterstützen. In der Folge war Krauss Mitbegründer des Venture Forum Neckar und er ist Verwaltungsratvorsitzender des Zukunftsfonds Heilbronn. Wir sprachen mit dem 72-jährigen Heilbronner über den Vorteil mittelständischer Mentalität im VFN, Schnittchen und Sekt bei großen Venture Foren in München oder Frankfurt und abgesagte Vorstellungstermine aus einer Telefonzelle am Heilbronner Hauptbahnhof. Von Robert Mucha & Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Memo Filiz Hanix Nr. 45 Hanix: Herr Krauss, aktuell ist das Thema Gründen hierzulande en vogue. Gerade wenn man nach Berlin schaut, wo die Startup- Szene groß am Wachsen ist. Sie selbst waren in ihrem Berufsleben immer in einem Angestelltenverhältnis. Wie haben Sie das Thema Gründen in den 70ern, 80ern im Vergleich zu heute wahrgenommen? Axel Krauss: Ich spreche jetzt mal bewusst die 70er Jahre an, weil das im Vergleich zur heutigen Situation tatsächlich Vorgeschichte war und da hat mich persönlich das Thema überhaupt nicht näher berührt. Damals gab es aufregende Neuerungen in der Art und Weise, Unternehmen zu führen. Das Stichwort Marketing wurde da mehr oder weniger gerade in die Unternehmen implementiert. Auch schon hier in der Stadt? Hier in Heilbronn war einer der Ersten, der Marketing systematisch auch in die Unternehmensorganisation eingeführt hat, Tiger Hesse, der damalige Chef von Knorr. Das war so neu und umwälzend und hat uns Junge fasziniert. Die Idee, dass man Märkte schaffen kann, dass man über Marktforschung rausfinden kann, was Verbraucher und Kunden motiviert, dass man mit Werbung steuern kann – zumindest in einem gewissen Umfang – das war alles sehr neu und aufregend. Dieses vorausgeschickt soll eigentlich nur sagen, Gründen war eigentlich kein Thema. Allerdings, ich habe in München studiert und in München war damals schon erkennbar, dass sich da eine Gründerszene im Aufbau befindet. Bayern liegt als Gründerland vor Baden-Württemberg. Strauß hat damals zusammen mit Industrie, Wissenschaft und Universitäten in Bayern die Grundzüge festgelegt, wie man gemeinsam forschen und gemeinsam fördern kann. Das hat in der Zwischenzeit unter anderem dazu geführt, dass in der Nähe von München ein großes Biotech-Zentrum entstanden ist mit 40 oder 50 Biotech-Firmen, die sich flott entwickeln. Deshalb ist Bayern heute das größte Gründerland in Deutschland. Interessanterweise hat Bayern nach der Wiedervereinigung großen Einfluss auf Sachsen genommen – und Sachsen ist ebenfalls ein profiliertes Gründerland geworden. INTERVIEW MIT AXEL KRAUSS Hat Sie damals diese aufkeimende Gründerszene nicht fasziniert? Das kam eigentlich erst, als ich 2001 aus Amerika zurückkam. Da stellte ich plötzlich fest, dass Herr Villinger Geschäftsführer von dem Inkubatoren-Zentrum in der Innovationsfabrik Heilbronn war. Er war überzeugt, dass es nicht reicht, den Gründern nur ein preiswertes Dach über dem Kopf zu bieten, sondern dass man den Gründern helfen muss, weiterzukommen und möglicherweise auch Kapital einsetzen muss, damit es funktioniert. Da hatte ich eigentlich erstmal wirklich hautnahe Startup-Berührung in Deutschland, vorher natürlich in den USA. In den USA war das Silicon Valley bereits etabliert. Das Silicon Valley war eine bekannte Größe, alles sehr stark auf IT und mediale Innovationen konzentriert. Ich wusste, dass in Amerika seit Jahren eine gewisse Gründerkultur besteht und dass diese in Amerika auch dazu geführt hat, dass das Silicon Valley entstanden ist. Aber ich habe nicht erwartet in Heilbronn eine Gründerszene zu finden – muss ich ganz ehrlich sagen. Ich war wirklich verblüfft, was Herr Villinger da als Keimzelle für das Venture Forum Neckar aufgebaut hat. ZUR PERSON: Axel Krauss ist Verwaltungsrat-Vorsitzender des Zukunftsfonds Heilbronn & Mitbegründer des Venture Forum Neckar. Er trat 1969 in die Bestfood Deutschland (Heilbronn) ein und war zuletzt Vorsitzender der Geschäftsführung. Ab 1995 wurde Axel Krauss in die Konzernzentrale von Bestfood in Englewood Cliffs/USA berufen und war im Rahmen der Konzernführung direkt verantwortlich für das nordamerikanische Geschäft des Stammhauses. Heute ist er in mehreren Aufsichtsgremien als Vorsitzender und als Mitglied tätig und beschäftigt sich insbesondere mit der Förderung und Finanzierung innovativer Startups in verschiedenen Organisationen.

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Infolge wurde das Venture Forum Neckar gegründet. Bei der Gründung des Venture Forum Neckar haben wir den analytischen Teil bei der Gründung mehr oder weniger außen vor gelassen und sind ins kalte Wasser gesprungen. Weil was sollte schon passieren? Wenn es danebengeht, geht es daneben. Wir haben ja keine riesigen Beträge eingesetzt. Und uns war wichtig, dass jedes Mitglied für sich selbst entscheidet, ob es in ein Startup investieren möchte. Was mich wirklich verblüfft hat, ist, dass unser Konzept sofort anfing zu fliegen. Wir sind heute mit dem Venture-Forum eines der attraktivsten Business-Angel- Netzwerke in Deutschland. Wir machen Erhebungen und fragen die Startups sowie die Investoren, was sie vom VFN halten, ob sie zufrieden sind mit dem, was sie an Service angeboten bekommen. Und da rangieren wir in Deutschland ganz oben. Weshalb ist das VFN so attraktiv? Wir haben relativ schnell rausgefunden, dass es sehr große Business-Angel-Netzwerke gibt, zum Beispiel in Frankfurt, München, Hamburg oder in Düsseldorf, die den Nachteil haben, dass sie ein Treffpunkt für Industrie, Consultants, Banken und sonst wen sind, aber kaum einer dran denkt, Geld zu investieren. Die Veranstaltungen sind um die 100 Teilnehmer groß – das Interesse zu investieren ist allerdings sehr gering. Gibt es eine besondere Heilbronner Business-Angel-Mentalität, die das Venture Forum Neckar so hat wachsen und erfolgreich werden lassen? Schlussendlich ist daraus auch der Zukunftsfonds Heilbronn hervorgegangen. Die Vereinsmitglieder sind von der Mentalität her Mittelständler und keine Großkonzerne, keine Banken und keine Investmentleute. Wir wollen mittelständische Unternehmen und entscheidungsfreudige Mitglieder, die beurteilen können, ob es für sie passende Startups gibt, um in diese sinnvoll zu investieren. Klingt nach einer sehr bewusst gewählten bodenständigen Entscheidung. Wir wollten sicher sein, dass die Startups, die bei uns präsentieren, maximale Aufmerksamkeit bekommen von Leuten, die auch in der Lage sind zu sagen, jawohl, wir arbeiten zusammen mit dir. Das hielten wir für den wichtigsten Erfolgsfaktor. Das hat sich auch bewährt. Also ist das Arbeiten im Venture-Forum sehr zielgerichtet? Es ist ein ungeheurer Aufwand für das VFN pro Jahr 600 Businesspläne zu bearbeiten. Die Startups wissen, dass sie bei uns fair behandelt werden und dass wir ihnen helfen, ihre Präsentationen oder ihre Businesspläne so hinzukriegen, dass man sie auch präsentieren kann. Und bei den Präsentationsveranstaltungen haben sie das Gefühl, da sitzen Leute, die tatsächlich auch investieren, wenn sie überzeugt sind. Wir haben ja kurz den ZFHN angesprochen, der aus dem Venture Forum hervorging. Irgendwann hat sich herauskristallisiert, auf welche Branchen man sich beim Fonds fokussiert. Wie kann man sich diesen Entscheidungsprozess vorstellen? Wir haben uns ganz stark von der Überlegung leiten lassen, in welchen Branchen wir Expertise haben. Denn es hat ja keinen Sinn zum Beispiel Agro Business auszuwählen, wenn wir niemanden haben, der Projekte überhaupt beurteilen kann. Deshalb sind wir zu dem Ergebnis gekommen, zum Beispiel Medizintechnik als Schwerpunkt zu wählen, weil wir fachliche Kompetenz durch Prof. Cyran, den ehemaligen Chefarzt der Kardiologie in Heilbronn, und mit dem Netzwerk des Heilbronner Krankenhauses vor Ort haben. Fachkompetenz ist unserer Auffassung nach einer der wichtigsten Schlüssel zur Beurteilung von Investitionen in unsere definierten Geschäftsfelder, wie Medizintechnik, Biotech, Clean Tec, IT. War denn die Branche Neue Medien im Zuge des digitalen Wandels kein Thema für den Zukunftsfonds? Kompetenz gäbe es Selbstverständlich hat sich so viel geändert, dass wir die Relevanz der Geschäftsfelder des ZFHN laufend überprüfen. Wir haben dafür die Born to Grow gegründet. Über diese Gesellschaft beteiligen wir uns in Feldern, in denen wir bislang nicht tätig sind – einfach um zu lernen. Born to Grow hat sich zum Beispiel unter anderem frühzeitig auf den Schwerpunkt der Berliner Startup-Szene konzentriert, nämlich Informationen nicht nur zu prozessieren, sondern als Produktionsfaktor zu nutzen – wie das zum Beispiel auch auf das Thema Industrie 4.0 zutrifft. Hat diese 2008er Krise tatsächlich für ein Wachwerden der Wirtschaft in Heilbronn gesorgt, die eben das Potenzial hat und entwickeln kann, die Stadt zukunftsträchtig auszurichten? Das hat schon aufgerüttelt und sichtbar gemacht, dass die Industriestruktur im Raum Heilbronn mehr und innovativen Zukunftsbranchen bedarf. Der ZFHN hatte bereits erfolgreich in eine Reihe interessanter Unternehmen investiert, die unserer Mission, innovative, wissenbasierte Industrien in den Raum Heilbronn zu bringen, entsprechen. Das zeugt ja von Heilbronner Weitsicht statt Krämerseele. Das sehe ich auch so. Gibt es ein Heilbronner Spezifikum, das man beim Gründen oder Firmensitz-hierher-verlegens beachten sollte? Ein ganz leichtes Pflaster ist Heilbronn ja auch nicht. Diese Maßgabe, dass wir nur unter der Voraussetzung, dass die Startups nach Heilbronn kommen, investieren, ist schon eine Hürde – das wussten wir von Anfang an. Aber wir haben die Höhe der Hürde meines Erachtens richtig eingeschätzt. Es gab auch schon früher durchaus Fälle, dass Kandidaten am Heilbronner Hauptbahnhof ankamen zu einem Vorstellungstermin bei Knorr und uns von der Telefonzelle im Bahnhof wissen ließen, dass sie nicht zu diesem Interview erscheinen werden. Wir haben dann ein Programm für die Gründer und deren Familien auf die Beine gestellt. Wir haben die Gründer über das Wochenende eingeladen, und sie mit ähnlichen Industrien, den Ärzten der Heilbronner Kliniken, den Schulen zusammengebracht, ihnen die Umgebung gezeigt und Zugang zu den Immobilieninformationen verschafft, und so weiter. Dieses intensive Heilbronn-Programm hat dann zu dem Ergebnis geführt, dass die Gründer mit Überzeugung nach Heilbronn kamen. Wir hatten allerdings auch Ausnahmen: Eine IT-Firma mit ganz jungen, ledigen Gründern aus Berlin, die dem Druck ihrer Freundinnen nicht widerstehen konnten, wieder nach Berlin zurückzukehren. ◆ Hanix Nr. 45 56 INTERVIEW MIT AXEL KRAUSS

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Ideen alleine verändern nichts. Sondern der Mut, sie umzusetzen. Der neue Panamera 4S Diesel. Ab sofort bestellbar bei uns im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel.: +49 7131 5034-200 Fax: +49 7131 5034-220 www.porsche-heilbronn.de Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): innerorts 7,9 · außerorts 5,9–5,8 · kombiniert 6,8–6,7; CO 2 -Emissionen kombiniert 178–176 g/km Kapitel 57

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In Heilbronn gibt es eine neue Massage-Lounge. Wolkenlos heißt sie und wird von zwei ausgebildeten Masseurinnen betrieben. Ein Besuch in ihrer duftenden Wellness-Oase hat uns gezeigt, dass Massagen wundervoll sind, es aber eigentlich auf viel mehr ankommt. Von Maria Sanders, Fotos: Meli Dikta Hoffnungsvoll angekommen selbstständig machen«, sagte ihr die ausgebildete Masseurin. Donat war hellauf begeistert und bewunderte den Mut ihrer Freundin. »Alleine würde ich mich das nie trauen«, glaubte die 32-Jährige, die selbst gelernte Masseurin und Reiki-Lehrerin ist. »Und wenn wir das zusammen machen?«, stand auf einmal die Frage im Raum. Schwups war es so weit. Am 15. Oktober 2015 eröffneten die jungen Frauen ihre erste Massage-Lounge in der Weinsbergerstraße. »Es sollte so sein«, sagt Hofmann, lächelt dankbar und zuckt auch ein bisschen ungläubig mit den Schultern. Immer war jemand da, der ihnen gerne geholfen hat. »Alles fügte sich, wie von allein.« Mensch als Ganzes Nach einer persönlichen Niederlage hat sich Rebekka Hofmann (37) irgendwann gefragt: »Es muss doch einen Ort in Heilbronn geben, wo man ankommen kann?« Den hat sie nicht gefunden und beschloss kurzerhand, eine Massage-Lounge zu eröffnen. Die Idee für einen Neuanfang war geboren. Aber wie und was genau, noch völlig unklar. Bis sie Freundin Anita Donat davon erzählte. »Ich werde mich Wir betreten das Wolkenlos und stehen vor einem großen weißen Empfangstisch. Alles ist liebevoll dekoriert. Rechts geht es in das Sonnenuntergangszimmer, in der eine weiße Massageliege die Mitte des Raumes bildet. Es riecht nach Lemongras und an der Wand ist eine große Pusteblume zu sehen, deren Blütensamen in der Luft verwehen. Es ist das Logo von Wolkenlos. Losgelöst vom Alltag, ruhen und ankommen, darauf liegt der Fokus. Hier steht der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt. Körper, Geist und Seele sollen zur Ruhe kommen. Es gibt kein Telefon, keine Türklingel. Die Kunden kommen nach Terminvereinbarung zur Masseurin ihrer Wahl und genießen hundertprozentige Aufmerksamkeit. Auch das Handy wird ausgeschaltet. Und bevor die eigentliche Massage beginnt, gibt es ein Begrüßungsritual: ein Entspannungsbad für die Füße mit anschließender Fußmassage. Dazu einen Tee zum Runterkommen. Währenddessen lockern sich bereits erste Verspannungen und die Masseurinnen können abklären, ob es Allergien, Verletzungen oder chronische Schmerzen gibt. Von der ersten Entspannungsphase geht es zur eigentlichen Massage in das Sonnenuntergangs- oder Strandzimmer über. »Es geht darum, bei sich anzukommen«, erklärt Anita Donat. »Deswegen reden wir nicht während der Behandlung.« Zum Abschluss folgt ein vitalisierender Smoothie zur Erfrischung danach. Eine gute Atmosphäre ist dem Massage-Duo wichtig. Jeder soll sich im Wolkenlos wohlfühlen. Deswegen haben die beiden Frauen ihre Familien und engsten Freunde um einen Gegen- Hanix Nr. 45 Wolkenlos-Inhaberinnen: Rebekka Hofmann (links) & Anita Donat TITELTHEMA: GRÜNDERSTADT

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stand gebeten, der ihnen am Herzen liegt und den sie ihnen zur Dekoration für ihre Räume überlassen möchten. Allerdings war Rebekka vom Geschenk ihres Freundes anfangs irritiert. »Er hat mir einen weinenden Buddha geschenkt«, erzählt sie und grinst wenig später. Die Antwort ihres Freundes damals: »Ihm geht’s gut. Er weint sich die Sorgen weg.« Gehirn aus Wolkenlos, als der Ort für Ruhe und Harmonie. Einem ganzheitlichen Sorglos- und Entspannungskonzept, das Gesichts-, Nacken- und Ganzkörperbehandlungen zwischen 30 und 90 Minuten anbietet. Die Gesichtsmassage Heller Sonnenschein gibt es ab 30 Minuten für 40 Euro oder die Ganzkörpermassage Beflügeltes Glück ab 60 Minuten für 75 Euro. Auch blockadelösende Reiki-Behandlungen bietet das junge Team an. »Wir massieren Paare, die sich etwas Gutes tun wollen oder Töchter mit ihren Müttern«, freut sich Rebekka Hofmann über die vielfältige Nachfrage. Wobei die Vier-Hand-Massage für maximale Entspannung sorgt. »Bei zwei Händen kann man noch nachvollziehen, wohin sie verlaufen«, so Hofmann. »Aber bei vier Händen schaltet das Gehirn aus.« Es sei schon oft vorgekommen, dass Kunden so entspannen konnten, dass sie nach wenigen Minuten eingeschlafen sind. Gerade von Menschen in hohen Führungspositionen wird die Massageform regelmäßig in Anspruch genommen Gutes tun »Vor drei Jahren ist mir richtig bewusst geworden, wie gestresst ich eigentlich bin und wie sehr es mir nicht guttat«, erzählt Rebekka Hofmann offen. Für sie war es an der Zeit, ihre Prioritäten im Leben neu zu setzen. »Wenn du nicht darauf hörst, was dir deine innere Stimme sagt«, ergänzt Freundin Donat, »dann bleibt deinem Körper nur noch die Möglichkeit, das letzte Alarmsignal zu sein.« Jeder trage viel Müll ins sich. Der eine mehr, der andere weniger. Worauf es ankommt, ist das eigene Bewusstsein zu schärfen. Weniger haben, mehr sein. Weniger Hektik, mehr Ruhe und Ankommen. Fokus auf das Wesentliche im Leben. Das wünschen sich beide und wollen mit Wolkenlos etwas bewirken. »Wir möchten den Menschen Gutes tun, ihnen Zeit für sich schenken und wir freuen uns, wenn sie sich darauf einlassen.« ◆ Weitere Informationen unter: www.wolkenlos-hn.de DIE ERFOLG MACHEN. Die größte privatfinanzierte Investmentgesellschaft in Baden-Württemberg 12 stark wachsende, innovative Unternehmen aus den Bereichen Medizin- und Umwelttechnik, Biotech, Automation und IT sind heute bereits im Portfolio des Zukunftsfonds Heilbronn integriert. Doch wir wollen weiter wachsen! Unser Ziel ist es, Erfolg versprechende Firmen in der Unternehmensentwicklung zu unterstützen und ihnen in der Region Heilbronn das optimale unternehmerische Umfeld zu bieten. Hierzu begleiten wir unsere Portfoliounternehmen von Anfang an mit Kapital, Know-how und einem internationalen Unternehmens-Netzwerk. Unsere Leistungen sind privat finanziert, so dass eine nachhaltige Finanzierung und Entwicklung der Unternehmen gesichert ist. Aus Ideen werden erfolgreiche Unternehmen. www.zf-hn.de

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Redet man über Heilbronner Gründer, kommt man zwangsläufig nicht an DR. GEORG MATHEIS, seines Zeichens Gründer und Vorstand der Xenios AG und ihres Vorgängerunternehmen Novalung, vorbei. Das erfolgreiche medizintechnische Unternehmen existiert seit 2003. Wir trafen uns im Zukunftspark Wohlgelegen mit dem Arzt und Unternehmer um über Erfolg und Scheitern, Mut und die fehlende Heilbronner Gründerszene zu plaudern. Von Robert Mucha, Foto: Ulla Kühnle »Wir können uns keinen anderen Standort als Heilbronn vorstellen« Hanix Nr. 45 Hanix: Herr Dr. Matheis, Sie sind so etwas wie der Vorzeigegründer und -unternehmer hier im Zukunftspark Wohlgelegen. Weshalb, glauben Sie, wird immer wieder Ihr Unternehmen, die Xenios AG, genannt, wenn man die Vorzüge des Startup-Parks im Zukunftspark Wohlgelegen und die Qualität des Investors Zukunftsfonds Heilbronn (ZFHN) präsentiert? Dr. Georg Matheis: Davon bin ich ehrlich gesagt immer noch etwas überrascht, da ich mich selbst nicht als Vorzeigeunternehmer sehe. Da gibt es sicherlich größere und wirtschaftlich erfolgreichere Unternehmer in Heilbronn. Aber zur Frage: Mittlerweile arbeiten wir seit acht Jahren sehr erfolgreich mit dem Zukunftsfonds, das passt einfach. So zum Beispiel der Standort, der gut für das Unternehmen und ebenso für die Mitarbeiter ist. Nur beim Sport sage ich »Wir sind zwar nicht die Schnellsten, dafür aber die Kreativsten«; so haben wir beim Stimme-Firmenlauf zum zweiten Mal den Spaß-Preis geholt. Unsere Mit- arbeiter leben das Unternehmen und tragen das auch nach außen. Mittlerweile sind Unternehmen und Mitarbeiter so mit Heilbronn verwurzelt, dass wir uns keinen anderen Standort vorstellen können. Das letzte Mal sprachen wir uns im Frühjahr 2013, damals über Ihre Firma Novalung. Was ist seither geschehen, dass wir nun hier in Räumen der Xenios AG sitzen? Der Name Xenios, ein Synonym für Zeus, ist während einer Wanderung auf Kreta entstanden, dort gibt es die Zeus-Höhle. Ein Freund, der auf Kreta lebt, erzählte mir, dass Xenios auch für Gastfreundschaft und Heimat steht. Den neuen Namen haben wir deshalb gewählt, weil Xenios aus der Novalung und der Medos AG, die neu erworben wurde, hervorgegangen ist. Novalung stellt künstliche Lungen her, während Medos im Wesentlichen Blutpumpen zur Herzunterstützung herstellt. Da wäre es unfair gegenüber den Teammitgliedern von Medos gewesen, wenn wir einfach den Namen Novalung übergestülpt hätten. Somit steht die Marke Xenios nun für die Erweiterung unseres Unternehmens von künstlichen Lungen auf Lungen- und Herzunterstützung. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Anfänger und Beginner. Wie viele Gründungen haben Sie in Ihrer Laufbahn bereits hinter sich gebracht? Vor der Novalung-Gründung habe ich ein Medizintechnik-Startup gegründet und auch danach war ich an weiteren Unternehmensgründungen beteiligt. Man lernt nie aus, weshalb ich als Investor heute eher in die Zweit-, Dritt- oder Viertgründer investieren würde. Heißt das, die erste Gründung wurde in den Sand gesetzt? Nein, damals habe ich meine Anteile nach zwei Jahren verkauft, weil meine Mitgründer sehr naiv an die Sache herangingen. Es herrschte der Glaube, dass man neue Technologien viel schneller, als es eigentlich möglich ist, auf den Markt bringen kann, oder dass 60 TITELTHEMA: GRÜNDERSTADT

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Hanix Nr. 45 »Viele Gründer konfrontieren sich nicht in dem Maße mit ihren Fehlern, wie sie es eigentlich tun müssten« man Branchenfremden eine Führungsaufgabe geben kann, was einfach nicht funktioniert. Novalung ist die Lehre, die ich daraus gezogen habe: Startups sind leider keine Ausbildungsbetriebe. Scheitern ist nicht schön, gehört aber zumindest in den USA, wo Sie lange gelebt und gearbeitet haben, zum guten Ton, um als erfolgreiche Gründer anerkannt zu sein. Was ist das Beste am Scheitern? Eine gute Freundin aus dem Silicon Valley hat mir immer gesagt: »Seek failure early«, also »Suche das Scheitern früh«. Man sollte immer wieder hinterfragen, warum es schief gehen könnte bzw. was falsch gemacht wird. Hat man Fehler bei einer Gründung gemacht, sollte man sie früh konfrontieren und adressieren, damit die Probleme nicht noch größer werden und das ganze Unternehmen scheitert. Viele Gründer konfrontieren sich nicht in dem Maße mit ihren Fehlern, wie sie es eigentlich tun müssten. Wenn man so etwas professionell verdaut, ist das etwas durchaus Positives. Sie müssten wissen, wann ein guter Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist. Man muss natürlich differenzieren: Was sind die üblichen Probleme, die man adressieren und lösen muss? Dafür ist Hartnäckigkeit als Zutat für den Erfolg unabdingbar. Wenn es beim Geschäftsmodell, Markt oder Produkt fundamentale Probleme gibt, ist das Scheitern natürlich vorprogrammiert. Stimmt das Fundamentale jedoch, sollte man sich nicht allzu schnell aus der Bahn werfen lassen. Und wann ist ein guter Zeitpunkt zum Anfangen? Wenn man einen soliden Geschäftsplan und das richtige Team aufgebaut hat, sollte man alles noch einmal hinterfragen. Man darf nicht direkt von der Idee starten, sondern muss sie zuerst überdenken und sich Rat, auch auf hohem internationalem Niveau, holen. Wichtig ist auch, auszuloten, ob man in dem Sektor in dem man ein Unternehmen platzieren möchte, überhaupt wettbewerbsfähig ist. Bekommt man denn überhaupt kostenlose Ratschläge? Mehr und besser als man denken würde. Man muss nur den Mut haben, die Top-Leute der Branche anzusprechen. Das ist für neue Gründer natürlich nicht einfach, aber Schwellenangst darf man nicht haben. Man staunt immer, was man für Antworten bekommt und wie offen diese Menschen sind. Hatten Sie auch mit Schwellenangst zu kämpfen? Die hatte ich glücklicherweise nie, und wenn am Anfang welche da war, wurde sie mir auch sehr schnell ausgetrieben. (lacht) Was ist schwieriger, anfangen oder aufhören? Ganz klar aufhören. Beim Anfangen wirkt ja immer eine Art Zauber mit, der beim Aufhören längst verflogen ist. Was man in unserem Sektor Medizintechnik auch nicht vergessen darf, ist, dass aus einem Startup mittlerweile keine Global-Player mehr entstehen. Es ist eine Nahrungskette, in der man irgendwann aufgekauft wird und Teil eines Global-Players wird, der dann den endgültigen wirtschaftlichen Erfolg reinholt. So eine Trennung ist dann sicherlich schwer. Fällt Ihnen als Beginner das Abschließen eines Projektes eigentlich schwer? Ja, aber mit dem Alter fällt das leichter. Mir macht es unglaublich Spaß, unsere jüngeren Ingenieure mit den älteren zusammenarbeiten zu sehen und zu spüren, dass die Mitarbeiter die Philosophie des Unternehmens verinnerlicht haben und das Team die Firma trägt. Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie sich Mitarbeiter und Unternehmen dann irgendwann von selbst weiterentwickeln und die Unternehmensphilosophie vielleicht besser als der Gründer vorantreiben. Wir haben daher auch die Demokratisierung und Verbreitung der Führungsebene vorangetrieben; es ist für mich ein Privileg mit diesem Team zusammen zu arbeiten. An diesem Punkt aufzuhören, täte schon weh. Sie leben nun seit bald acht Jahren in Heilbronn. Immer noch genauso gerne hier, wie bei unserem letzten Gespräch 2013? Mehr denn je! Ich werde hier auch leben bleiben. Wenn ich die acht Jahre, die ich hier lebe, reflektiere, bleibt unter dem Strich viel Positives stehen. Das Hanix-Titelthema bei unserem letzten Interview hieß »Boomtown«. Wie nehmen Sie die Entwicklungen und Anstrengungen in der Stadt wahr, den Wandel zur jungen, dynamischen Wissens- und Dienstleistungsstadt zu bewerkstelligen? Das kann ich nur für die Medizintechnikbranche beurteilen, Regionalpolitik ist nicht mein Metier. Aber die Stadt macht das sicherlich gut, gerade der Bau des Zukunftsparks war eine Leistung. Deshalb habe ich für Herrn Himmelsbach und dem damaligen Stadtrat große Hochachtung. Allerdings gibt es auch Grenzen, was die Kommunalpolitik erreichen kann, da die Regulierung von Landes-, Bundes- und EU-Seite kommt. Politische Rückendeckung ist per se nichts Schlechtes, allerdings kann nichts den Gründer-Spirit und die Personen dahinter – kurz und gut eine Gründerszene – ersetzen. Bis wir eine solche gesunde Szene hier haben werden, wird auch noch Zeit vergehen, in der einiges getan werden muss. Ich glaube, dass der stärkste Antrieb von privaten Investoren, allen voran dem Zukunftsfonds kommen wird, das kann die Politik mit noch so vielen Fördergeldern nicht leisten. Vor drei Jahren sprachen wir auch über die Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal für Ihr Unternehmen zu finden, aber auch über die qualitativ ausgezeichnete Ingenieursdichte hier in der Region. Wie leicht fällt es Ihnen heute, neue Mitarbeiter zu überzeugen, nach Heilbronn zu kommen? Definitiv leichter. Die Bewerber fahren durch die Buga-Baustelle und an der schönen historischen Rettenmaier-Fabrik vorbei, schauen sich im Zukunftspark um und haben gleich den »Hier bewegt sich etwas« Eindruck. Was haben Sie als Gründer aber auch als einer der Hauptköpfe der Xenios AG in den nächsten Jahren hier in Heilbronn noch vor, um Ihre Stellung als Vorzeigeunternehmer des Zukunftsparks zumindest zu festigen, wenn nicht gar auszubauen? Die Xenios AG muss ihren Weg weiter gehen und ihre Produkte global ausrollen, schließlich sind wir erst am Beginn der Internationalisierung. Wenn die großen laufenden Entwicklungsprojekte zum Abschluss gebracht werden, bin ich unbesorgt. Was Neugründungen angeht, wird die Zeit zeigen, Interesse ist sicherlich vorhanden. ◆ INTERVIEW MIT DR. GEORG MATHEIS

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Über Niederlagen und Misserfolge spricht man nicht. Warum eigentlich nicht? Bei den Fuckup Nights in Stuttgart geht es genau darum. Gründer und Unternehmer berichten von ihren kleinen und großen Katastrophen auf ihrem Weg nach oben. Warum es sich lohnt, die Geschichten anderer anzuhören, haben wir unter anderem von JOHANNES ELLENBERG, Mitveranstalter der Fuckup Nights, erfahren. Von Maria Sanders, Fotos: Ulla Kühnle Scheitern gehört auch dazu Hanix Nr. 45 Ein leichtes Surren ist zu hören. Der Fahrstuhl steigt nach oben, bis der zweite Stock erreicht ist. Wir öffnen die Glastür zu den Geschäftsräumen von Accelerate Stuttgart. Es riecht nach Kaffee und großen Ideen. Neugierig folgt unser Blick den bunten Moderationskarten, die im Flur an der langen Wand entlang angebracht sind. Die Überschrift darüber: meine Idee zur Weltherrschaft. Antworten gibt es viele. Auf einer Karte steht »Tinder für Hunde«. Auf einer Anderen »Ich will keine Weltherrschaft«. Und auf einer pinken Karte steht »Liebe«. Hier gibt es Raum zum Andersdenken, so der erste Eindruck. Als auf einmal ein großer Mann in Jeans, Sneakers und hellblauem Hemd auf uns zukommt, uns begrüßt und unvermittelt fragt: »Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten.« Johannes Ellenberg ist Mitveranstalter der Fuckup Nights und Geschäftsführer von Accelerate Stuttgart, einem Beratungsunternehmen für Existenzgründer, die sich noch in der Anfangsphase befinden. Für Startups also. Die erste Fuckup Night fand 2012 in Mexiko statt und hat sich seitdem auf der ganzen Welt als Event zum Austausch von Geschichten übers Scheitern entwickelt. Dabei berichten Unternehmer von ihren größten beruflichen Misserfolgen. Auch Johannes Ellenberg war als Redner dabei und berichtete von seinen Erfahrungen. Aber fällt es nicht schwer, darüber zu reden? Ellenberg presst die Lippen zusammen und überlegt kurz. »Irgendwie nicht«, sagt der 32-Jährige. »Die meisten von uns sind gescheitert und es hat was von Selbsttherapie, wenn man drüber spricht.« Bevor Ellenberg 2012 Accelerate Stuttgart mitgegründet hat, war er in verschiedenen Startups involviert. So kannte er zum Beispiel, als Kind einer Lehrerfamilie, den Bedarf für moderne IT-Technologie an Schulen innerhalb der Verwaltung. Daraufhin entwickelte er ein internetbasiertes Schulverwaltungssystem. Das Produkt war fertig, kam jedoch wegen mangelnder Akzeptanz nicht zum Einsatz. Das Startup war gescheitert. »Scheitere früh, scheitere häufig« »Wichtig ist, dass du draus lernst«, sagt Johannes Ellenberg. »Scheitere früh, scheitere häufig«, so die Startup-Philosophie. Als Unternehmer sollte man daher eigene Zielgruppen und Märkte unbedingt gut kennen. »Finde heraus, was der Kunde braucht und dann produziere erst.« Ellenberg hat das Pferd von hinten aufgezäumt. Macht aber nichts, denn von diesen Erfahrungen profitiert er heute. Der Jungunternehmer initiierte einen Gründerstammtisch, 62 TITELTHEMA: GRÜNDERSTADT

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um sich mit anderen Unternehmern auszutauschen und ein Netzwerk zu bilden. Das Interesse danach war so groß, dass die Initiative zum Verein Startup Stuttgart e. V. gewachsen ist. »Wir sind innovativ«, sagt Ellenberg mit kritischem Unterton und verweist auf die Anzahl der jährlichen Patentanmeldungen in Deutschland hin. Waren es 2009 noch 58.844 Anmeldungen ist die Zahl bis 2015 mit kontinuierlichem Zuwachs auf 66.889 angemeldeten Patenten gestiegen (Deutsches Patent- und Markenamt, München). Doch unter einem Gründergeist versteht Johannes Ellenberg mehr. Nämlich die Startup-Methode, die in der Anfangsphase ein zeitlich begrenztes Durcheinander erlaubt, um neue Ideen zu entwickeln. Ob diese Ideen innovativ und vor allem, für den Kunden brauchbar sind, finden Startups am besten durch eine hundertprozentige Kundenzentrierung heraus. Die hauptsächliche Ressource ist Zeit, um den Kunden zu fragen, ob ihm das Produkt gefällt. »Es braucht neue Methoden, um innovativ zu sein«, merkt der Geschäftsführer an. Umfragen durch Marktforschung als altbekannte Methode hält er dafür nicht mehr geeignet. Er schlägt neue Methoden vor und nennt Customer Development, bei der tiefenpsychologische Gespräche geführt werden und der Kunde das Produkt quasi mitentwickelt. Aber auch Business Models, Design Thinking und Minimum Viable Product zählt er zu den neuen Ansätzen. Ueltzhöfer ...mehr als einkaufen! Wir unterstützen 74081 HN-Sontheim Mauerstr. 78 - 90 Tel.: 07131 203980 74196 Neuenstadt a. K. Bahnweg 6 Tel.: 07139 9364930 74229 Oedheim Kochendorfer Str. 16 Tel.: 07136 9610080 74074 Heilbronn Charlottenstr. 9 Tel.: 07131 2057290 www.ueltzhoefer.edekadrive.de Hanix Nr. 45 »Ich hätte einen Geschäftspartner gebraucht und die Hilfe von anderen annehmen sollen« Es kostet viel Mut, sich was zu trauen. Martina Ürek war ebenfalls Rednerin bei den Fuckup Nights und hat ihre Geschichte erzählt: 2004 hat sie die Buchhandlung, in der sie Jahre zuvor zur Buchhändlerin ausgebildet wurde, übernommen. Das Geschäft war in keinem guten Zustand. Voller Hoffnung, den Laden wieder auf Erfolgskurs zu führen, arbeitete sie rund um die Uhr. Womit sie nicht gerechnet hat, war der Einfluss von außen. Die Kunden haben das Vertrauen verloren, viele Stammkunden kamen einfach nicht mehr. Die Einnahmen blieben aus, die Rechnungen offen. »Ich hätte einen Geschäftspartner gebraucht und die Hilfe von anderen annehmen sollen«, erkennt sie für sich im Nachhinein. In der schwersten Zeit hatte sie eine Tageseinnahme von 13,07 Euro und 700 Euro Miete im Nacken. Zwei Jahre später musste sie der Situation ins Auge schauen. Ürek meldete Insolvenz an und zahlte einen Ausstand von 12.000 Euro zurück. Danach brauchte sie erst einmal ein halbes Jahr für sich, um den Schock zu verarbeiten. Das Schlimmste für sie war es, ihren Kindheitstraum zu beerdigen. Heute arbeitet sie als Redaktionsassistentin für den Klett-Verlag in Stuttgart. Die Erfahrung selbst will sie nicht missen: »Scheitern gehört halt auch dazu und wer weiß, vielleicht mach ich mit 50 noch mal einen Laden auf.« Scheitern gehört dazu. Stimmt eigentlich. Doch wie angesehen ist das Scheitern in Deutschland wirklich? Christoph Mendl beschäftigte sich im Rahmen seiner Forschungstätigkeit mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von gescheiterten Unternehmern. Die 2015 veröffentlichte Studie ergab folgendes Ergebnis: Prinzipiell ist die gesellschaftliche Akzeptanz bei uns, Fehler zu machen, weitaus höher als gedacht. Nur FUCKUP NIGHTS Aus der Region – für die Region * Rundschau für den Lebensmittelhandel, Ausgabe Juni 2016, ** Rundschau für den Lebensmittelhandel, Ausgabe März 2015 facebook.com/edeka-ueltzhoefer

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Bank und der Mitarbeiter nicht kritisch genug.« So wurden Mitarbeiter eingestellt, ohne vorher den Bedarf durch ein Anforderungsprofil abzugleichen. »Wir hatten viele Mitarbeiter, die wir eigentlich nicht brauchten.« Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) wollte Poschen sich um Fördermittel für Existenzgründer bewerben. Den Antrag stellte er über seine Bank. Zwei Mal. Als diese ihn immer wieder vertröstete, rief er selber bei der KFW an, um sich nach dem Status seines Antrages zu erkundigen. Sie sagten ihm, dass keine Anträge eingegangen sind. »Hör auf dein Bauchgefühl« beim Unternehmertum ist der Deutsche weniger nachsichtig und unterscheidet zwischen guten und schlechten Fehlern. Gute Fehler, wenn das Unternehmen zwar in den Sand gesetzt wurde, der Geschäftsführer darauf aber keinen Einfluss hatte. Krankheit oder eine schlechte Wirtschaftslage wie die Finanzkrise 2008/09 zählen dazu. Schlechte Fehler seien es, wenn das Unternehmen wegen mangelnder Unternehmensvision Pleite ging. »Wenn man in Amerika als Unternehmer gescheitert ist, schreibt man das groß in den Lebenslauf« Es brauche mehr Akzeptanz und ein umfassenderes Verständnis gegenüber unternehmerischem Handeln, damit ein Umdenken stattfinden kann. Warum das nicht so einfach ist? »Deutsche haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis«, erklärt Christoph Mendl. »Anstatt Neues zu wagen, orientieren wir uns an Bestehendem.« Wirklich innovativ sind wir daher nicht. »Es muss die Angst vorm Scheitern genommen werden«, rät Mendl. »Wenn jemand den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat und doch hingefallen ist, sollte er dafür nicht noch bestraft werden.« Wesentlich risikofreudiger hingegen sind die Amerikaner. Sie trauen sich mehr und gehen mit Niederlagen ganz anders um: »Wenn man in Amerika als Unternehmer gescheitert ist, schreibt man das groß in den Lebenslauf. Da kann jemand zwei Firmen kaputtgeritten haben und gilt trotzdem noch als toller Typ«, beobachtet Michael Frese, Arbeitspsychologe und Fehlerforscher der Leuphana-Universität in Lüneburg (Vgl. PSYCHOLOGIE HEUTE 06/2015, Wie Scheitern gelingen kann). »In Deutschland wäre so einer ein gebrochener Mann.« Auch Thomas Poschen war Redner bei den Fuckup Nights in Stuttgart und erzählte von seinen Misserfolgen. Das Ziel hatte er damals klar vor Augen: Mit damaliger Geschäftsinhaberin wollte er 2007 eine Art Facebook für Pferdefreude auf den Markt bringen. Horser.net schien als Nischenprodukt vielversprechend zu sein. »Dem war nicht so«, erklärt der 44-jährige Unternehmer. Zu wenig kannten sich beide innerhalb der Pferdeszene aus. Aber auch an anderen Stellschrauben hätte Poschen, seiner Meinung nach, drehen sollen. »Ich war bei der Auswahl der Geschäftspartner, der Thomas Poschen erlebte viele solcher Rückschläge, für die er oft nichts konnte. Zwei Jahre später musste er Insolvenz anmelden und war im sechsstelligen Bereich verschuldet. Danach der freie Fall. Totale Leere. »Du stehst allein da und du weißt nicht mehr, wie es weitergehen soll.« Für viele Menschen ist das der Punkt, an dem sie nur noch einen Ausweg sehen. »Gegen den Baum fahren. Ja, der Gedanke war da«, gibt er zu. Was ihm und seiner Ehefrau durch diese schwere Zeit geholfen haben, waren echte Freunde und der Satz seiner Schwester: »Bruderherz, es ist nur Geld und das kann man verdienen.« Sie konnte ihm seine Angst nehmen und seine Scham, gescheitert zu sein. Es folgten schwere Jahre. Doch heute ist Porschen schuldenfrei und hat von seinen Fehlern gelernt. Und hat sich nochmal getraut: Nun ist er Mitgründer und Geschäftsführer von Mauz&Wauz und vertreibt Überraschungsboxen für Hund und Katz mit vielen Leckereien über seinen Online-Shop. Fans wie Nina Ruge sind begeistert. Das Geschäft läuft gut. Mauz&Wauz ist Marktführer und bereitet aktuell seinen Markteintritt in die USA vor. Welchen Rat er für Startups habe? »Recherchiere den Markt, kenne deine Zielgruppe, glaube an deinen Traum und tausche dich mit erfahrenen Unternehmern aus. Und: Hör auf dein Bauchgefühl!« ◆ Weitere Informationen unter: www.fuckupnights-stuttgart.de www.accelerate-stuttgart.de www.startup-stuttgart.de/ www.existenzgruender.de Hanix Nr. 45 Organisator der Stuttgarter Fuckup Nights: Johannes Ellenberg FUCKUP NIGHTS

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Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Warum kann Heilbronn nur peinlich? Wie die Käthchenstadt gern von sich reden macht. Was kann Heilbronn? Wahrscheinlich gar nix. Was soll eine Stadt schon groß können? Sie ist ja keine Künstlerin, keine Wissenschaftlerin oder Friseuse. Sondern die Summe der in ihr einsitzenden Menschen, die alle was tun und was draufhaben. Oder auch nicht. Doch eines kann Heilbronn ganz bestimmt: Mir Freude machen. Freude darauf, dass es wieder peinlich werden wird. Warum das so ist? Keine Ahnung. Aber praktisch jedes Mal, wenn ich irgendwo in der Fremde das Wort »Heilbronn« höre oder lese, in TV, Radio oder Zeitung, zucke ich zusammen. Kommt da wieder was Irres? Wird’s jetzt wieder peinlich? Für viele schlechte Nachrichten, die aus Heilbronn so kamen, konnte die Stadt ja nichts: Atomraketen hier, Polizistenmord da, und dann auch noch dieses geheimnisvolle »Phantom von Heilbronn«, das 2009 zur bundesweiten Ermittlungs-Lachnummer wurde – da hatte das Gemeinwesen ganz einfach Pech. Doch wenn man gerade mal glaubt, nun wird alles gut, jetzt ist Schluss mit den schlechten Nachrichten – dann kommen ausgerechnet die Lammingers. Da Dieter Schwarz dankenswerterweise nicht mit seinen Milliarden prahlt, schon gar nicht im Fernsehen, und die sog. »Geissens« für RTL 2 keine rechte Quote mehr bringen, holt sich der Unterschichtensender einfach neue Horrormillionäre. Natürlich aus Heilbronn. »Luxus. Liebe. Lamminger«, heißt die Dokusoap rund um einen schmierigen Gebrauchtwagenhändler mit Immobilienportfolio und Damenbegleitung. »Schlimmer als die Geissens«, urteilten die Zuschauer im Netz, und wir haben die traurige Gewissheit: Im Sich-zum- Deppen-machen ist Heilbronn ganz vorn. Noch schlimmer wird’s, wenn Heilbronn als Stadt Signale aussendet. Zum Beispiel mit Imagefilmchen. Vor einigen Jahren gab die Kommune einen veritablen Zehnminüter mit dem sinnlosen Titel »Heilbronn 15 Jahre Zukunft« in Auftrag und Umlauf. Ist die Zukunft denn in 15 Jahren vorbei? Im Film darf ein bemüht gutaussehensollendes Pärchen in einer erratisch verschachtelten Spielhandlung nicht minder rätselhafte Sätze absondern. Sie: »Heilbronn. Wir sind in Heilbronn.« Er: »Tolle Stadt, super Stadt.« Später wird er sagen: »Da wäre noch die Kultur mit dem ausgelasteten und gefeierten Stadttheater.« So spricht man in Heilbronner Medienmacherkreisen. An anderer Stelle steht ein Kappenträger vor Gebäuden des »Bildungscampus der Dieter-Schwarz-Stiftung« und darf seinen gelangweilten Zuhörern mitteilen: »Hier kommen Business-school, duales Studium und eine Akademie für innovative Bildung zusammen.« Einen Schnitt später steht er vor der Experimenta und schwärmt: »Über 200 OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE – FOLGE 7 Hanix Nr. 45

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interaktive Exponate! Talentschmieden, moderner Science-Dome und eine Biosphäre! Das wird was, Freunde.« Ob der Science-Dome sogar höher werden soll als der Praying-Dome Kilianskirche, das blieb leider offen. Als unlängst die wohl aus triftigem Grund so heißende SWR-Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein in ihrer Sendung »Landesschau mobil« der Neckarstadt einen Besuch abstattete, ließ sie Rathaus-Azubis aufmarschieren, die der Kamera erzählen sollten, was ihnen an Heilbronn so gut gefiel. Weil man den Lehrlingen offenbar nicht über den Weg traute, legte ihnen ein Unbedarfter sagenhaft dröge Aufsagetexte in den Mund. Sogar Pierre M. Krause lachte sich über den Unfug kaputt und stellte die peinlichen Testimonials in seiner SWR-Late-Night-Show vor. Da sah man junge, stotternde Menschen, die schlecht gescriptete Texte aufsagen mussten: »Die Stadt Heilbronn verbinde ich mit einem breit verzweigten und innovativen Bildungsangebot. Von der frühkindlichen Bildung über die Ganztagesschulen bis zur berufsbegleitenden und praxisorientierten Hochschulbildung ist für jeden etwas dabei«, haspelte sich eine Blondine durch hölzerne Beamtenprosa, und ein fröhlicher Fant schob handfeste Tautologien nach: »Heilbronn ist eine grüne Stadt. Das erkennt man an den zahlreichen Grünflächen und Parks, die zum Spazieren und Verweilen einladen.« Welche mürben Hirne denken sich so was aus? Holpriges Bürokratendeutsch, das zum Resignieren und Vergraulen einlädt. Was da zuverlässig und immer fehlt, sobald Heilbronn von sich reden machen will: Witz, Verstand und Originalität. Der auffällige Mangel daran scheint die wahre Heilbronner Kernkompetenz zu sein. Eine Zeit lang luden wir im Frankfurter Freundes- und Kollegenkreis zum »Heimatabend«. Wir alle waren Wirtschaftsflüchtlinge, heimatlose Satire-Migranten, keiner stammte aus Frankfurt. Also musste jeder einen Abend lang seine Heimatstadt vorstellen, und zwar anhand des offiziellen Stadtwerbungsvideos, das es ja praktisch von jeder Stadt gibt. Gegen zehn Mark Pfand holte ich damals eine abgegriffene Videocassette im Verkehrsverein neben dem Rathaus ab. So sahen wir und delektierten uns an beeindruckend peinlichen Werbefilmchen für Städte wie Bielefeld, Meppen, Freiburg und Osnabrück. Bei welchem aber wurde mit Abstand am meisten gelacht? Richtig: bei dem aus Heilbronn. Alles gipfelte in einem mir unvergesslichen Satz, beyerdynamic sei Dank, der irgendwie sinnbildlich für die lustige kleine Neckarmetropole zu stehen schien: »Hier befindet sich der wohl größte schalltote Raum Europas.« Tolle Stadt, super Stadt, da ist für jeden etwas dabei. ◆ Oliver Maria Schmitt, Jahrgang 1966, ist Romancier und Journalist. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis 2009. cosy – ceasar by Minotti Bist du käuflich? Was ist dein Preis? Was ist ein Leben wert? Schuldig? Unschuldig? Wie entscheidest du? Zu spät für dich? Woher weht der Wind? Was tun Spielzeitstart am Theater Heilbronn: Der Besuch der alten Dame 23.09.2016 Kriegerin 24.09.2016 Höchste Zeit! 29.09.2016 Terror 07.10.2016 Der fliegende Holländer 13.10.2016 Mehr unter www.theater-heilbronn.de

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Ein Brief mit Fotografien von LEONIE SIEBEN-PRINZ aus Griechenland Liebe Heimat, ich schreibe dir aus Griechenland mit manchmal 40 Grad im Schatten und reifen Feigen an den Bäumen auf dem Weg zum Strand. Wir klettern über Felsen bis zur schönsten Stelle zum Runterspringen. Klares Wasser und eine geheimnisvolle Höhle erwarten uns. Wir baden, bis jemand in einen Seeigel tritt, dann hauen wir uns den Bauch mit Pommes voll. Die Freunde, mit denen ich unterwegs bin, kommen aus Syrien und müssen jetzt in Griechenland sein, denn sie dürfen nicht einfach so weiter reisen. Und ich, ich fühl mich wie im Urlaub und habe zum ersten Mal in meinem Leben dieses Postkarten-Meer berührt. Gleichzeitig, oft direkt neben mir, sind da Menschen auf der Flucht. Die meisten aus Syrien oder aus Afghanistan, andere aus dem Iran, Pakistan oder Irak. In Syrien herrscht seit über sechs Jahren Krieg, Afghanistan ist seit Jahrzehnten in Kriege und Auseinandersetzungen verwickelt. Im Iran herrscht eine Diktatur, die Andersdenkende häufig zum Tode verurteilt. Wer aus diesen Ländern flieht, flieht aus Lebensangst. Hast du das vergessen, liebe Heimat? Dass dort täglich Bomben fallen und dass Anschläge und Erschießungen normal sind, dass diese Menschen Brüder, Mütter, Töchter und Freunde verloren haben bevor sie sich entschieden haben ihr Leben ein hoffentlich letztes Mal ganz bewusst zu riskieren um danach in Sicherheit leben zu können. In Sicherheit und Unabhängigkeit. Deshalb wollen meine Freunde auch aus Griechenland weg. Weiter. Ankommen. Denn sie haben dort wie all die anderen Geflüchteten keine Perspektiven. Sie erwartet dort ein Leben, das sich jahrelang in Camps abspielen wird. Mit dem Allernötigsten versorgt, ohne Arbeit, ohne Ausbildungsmöglichkeiten und ohne Selbstbestimmung. Meine Freunde wissen, dass sie es noch ganz gut erwischt haben mit dem Camp, wo sie jetzt wohnen, wo es fließend trinkbares Wasser gibt und dass das Meer direkt um die Ecke ist. Besser als die üblichen Camps in Griechenland ohne Schatten und weniger als zwei Liter Wasser am Tag pro Person, wo eine Duschkabine dann für 200 Menschen reichen muss. Oder noch schlimmer, die Parks in Athen, wo Männer und Kinder schlafen und sich prostituieren müssen, weil sie keine Heimat mehr haben, kein Geld und keinen Schlafplatz. In Europa. Liebe Heimat, schämst du dich nicht? Ich bin nicht nur nach Griechenland gefahren, um meine Freunde zu besuchen. Seit mehreren Monaten bin ich immer wieder weg, um anderswo Menschen zu unterstützen, die ihre Heimat verlassen mussten. Diesmal bin ich für drei Wochen hier in Athen in einem Hotel aktiv, das jahrelang leer stand und dann von politischen Athenern besetzt wurde. Sie schufen auf sieben Stockwerken Wohnraum für 400 Geflüchtete, darunter sind fast 180 Kinder. Die Kinder rennen durchs Hotel und gönnen niemandem Ruhe. Ich denke daran, dass die sechsjährigen Kinder aus Syrien seit ihrer Geburt von Kämpfen umgeben sind, dem Krieg in ihrer Heimat und dem täglichen Kampf ums Weiter- und Überleben, der auch in Europa so bald nicht enden wird. Aber jetzt sitzen sie über einem Puzzle oder flechten Armbänder. Das ist einfach schön. Manchmal gibt es Cinema, wir zeigen Kinderfilme und nicht nur die Kinder, sondern auch viele Erwachsene schauen zu. Ich sitze auf dem Boden und schlichte Streitigkeiten zwischen Kindern – wer jetzt wem zuerst den Fuß in den Rücken und so ... normale Kinder eben. Und dann kommt meine Lieblingszeit im Hotel. Nach dem Abendessen, wenn nach und nach alle Kinder in ihren Zimmern verschwinden und nur noch die fleißigen Küchenmenschen aktiv sind, die Mittag- und Abendessen kochen. Eine voll ausgestattete Hotelküche um 400 Menschen zu versorgen ist riesiger Luxus. Es gibt Teller und Gabeln und Messer und Löffel. Man kann mehr als nur Eintopf kochen und Hanix Nr. 45 BRIEF AN DIE HEIMAT

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Hanix Nr. 45 manchmal sogar mit warmem Wasser abspülen. Jetzt wuchten wir gemeinsam die schweren Kochtöpfe in die Spülbecken. Wir kratzen angebrannten Reis aus den Pfannen und ekeln uns vor dem Schwarz der riesigen Fritteuse. Dazu lerne ich Schimpfwörter auf Farsi und dass man im Iran gerne frittierte Pasta im Reis hat. Das schmeckt vorzüglich und fehlt dir definitiv. Manchmal gibt es auf dem Dach des Hotels am späten Abend Filme für Erwachsene oder Yoga im Sonnenuntergang. Diese Momente helfen uns allen, uns normal zu fühlen. Kurz zu vergessen, was wir Schreckliches erlebt oder erzählt bekommen haben. Zum Beispiel das mit dem Mann, der nicht gegangen ist: An einem Abend saß ich im Eingangsbereich des Hotels, dort kommen täglich viele Geflüchtete vorbei, die nach einem Zimmer fragen. Das Hotel ist voll, aber es gibt eine Warteliste. Und da kam dieser Mann. Er sprach gut Englisch und fragte nach einem Schlafplatz. Für sich und seine Familie, die bald von einer der griechischen Inseln nach Athen kommt. Wir mussten auch diesem Mann sagen, dass das Hotel voll ist. Dass wir ihn anrufen können, sobald ein Platz frei wird, vielleicht sogar schon in ein paar Tagen. Doch anders als die anderen ist dieser Mann einfach nicht gegangen. Drei Stunden saß er noch da. Hat geweint. Er war total übermüdet, vollkommen am Ende. Mit immer leiser werdender Stimme erzählte er uns, dass er seit Tagen im Park schläft, dass er jede Nacht Angst haben muss von der Polizei verfolgt und festgenommen zu werden, dass er vielleicht ausgeraubt wird, misshandelt. Seine Hände zittern, als er den Teller Nudeln isst, den ihm jemand aus der Küche gebracht hat. Er saß ansonsten einfach da und hat uns drei Stunden lang gezeigt, dass es keinen Platz gibt für ihn. Nirgends. Ich glaube das waren die schlimmsten drei Stunden in Griechenland für mich. Ich werde das Gefühl, das ich hatte, als ich neben diesem Mann saß, jedenfalls nie vergessen. Trotz oder vielleicht gerade wegen Erlebnissen wie diesen bin ich froh hier zu sein und dass ich mit den Kindern puzzeln kann, mit den Erwachsenen kochen und mit den Aktivisten und Freiwilligen aus ganz Europa zeigen kann, dass ich nicht einverstanden bin mit dieser Politik und den geschlossenen Grenzen, die die Menschen monate- und jahrelang in prekäre und bedrohliche Lebensumstände zwingen und sie krank machen. Es ist schrecklich und doch bin ich umgeben von netten Menschen. Was uns unterscheidet, ist, dass ich wieder weg kann von hier. Ich merke: Ich habe Angst. Ich habe Angst zurückzukommen und die harten und unfairen Aussagen zu hören, die Menschen treffen, die selber Angst haben. Was soll ich dann nur sagen? Ich kenne nun so viele Menschen, die in meiner Heimat leben wollen, um mit Sicherheit in Sicherheit leben zu können. Wer Heimat hat, kann auch Heimat geben, will ich dann sagen. Auch mit 17 Grad und Regen. Wir müssen doch handeln, weil wir diejenigen sind, die das noch können. Das ist doch unsere Verantwortung. Das ist deine Verantwortung. Liebe Heimat, denk nochmal drüber nach, bitte! Leonie Weitere Infos und Spendenmöglichkeit: www.facebook.com/dasbesteHotelEuropas www.europas-bestes-hotel.eu www.redivad.es/grecia Bildungskultur Bildung ist der wichtigste Rohstoff unserer Zukunft. Das Ziel der aim ist es, eine Lern- und Lehrkultur in der Region zu fördern, die individuelle Stärken in den Mittelpunkt stellt und mit Schwächen konstruktiv umgeht. In den Schwerpunktbereichen „Frühe Bildung“, „Unterricht und Schule“ sowie „Individuelle Qualifizierung“ sind wir ein offener und kompetenter Ansprechpartner, für Pädagogen und Eltern genauso wie für alle Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gemeinnützige GmbH Bildungscampus 7 · 74076 Heilbronn Telefon 07131 39097-0 · Fax 07131 39097-399 www.aim-akademie.org · info@aim-akademie.org

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Celluloidwaren-Fabrik Julius Bauer, um 1912 Hanix Nr. 45 (Foto: Stadtarchiv Heilbronn) Julius Bauer gehörte zu jenen, die frühzeitig die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Celluloid (Zelluloid) erkannten. 1905 – damals war der Heilbronner Kaufmann 31 Jahre alt – gründete er an der Ecke Wollhaus- und Alexanderstraße eine kleine Firma, die Haushaltsgegenstände aus dem neuartigen, edel wirkenden und wegen seiner glatten Oberfläche auch als besonders hygienisch geltenden Kunststoff herstellte. Schon fünf Jahre später konnte Julius Bauer seine Fabrik erweitern. Wenig später ist wohl dieses Foto entstanden; neben der rund 20-köpfigen Belegschaft ist auch links der Firmenchef zu sehen, wie er die Post in Empfang nimmt. Der innovative Julius Bauer produzierte einerseits Massenware für Küche, Bad und Tierbedarf (z. B. Türschoner und Wellensittichspielzeug), andererseits spezialisierte er sich auf kleinere Anfertigungen, die in der Werbung ihren Einsatz fanden. So wurden z. B. formschöne Zelluloid-Klosettpapierhalter oder Sanduhren mit Zelluloid-Hintergrund, die man als Zeitkontrolle beim Telefonieren benötigte, mit Werbe-Eindruck versehen. Für diese Aufträge war eine eigene kleine Druckerei eingerichtet worden. Als zweites Standbein stellte seit 1914 die kleine firmeneigene Schreinerei Waren aus Schleiflack her. Mehr als die Hälfte der Erzeugnisse von »Celluloid-Bauer Heilbronn« wurde ins Ausland exportiert. 1944 wurde das Werksgelände im Heilbronner Osten teilweise zerstört; nach dem Wiederaufbau konzentrierte sich Julius Bauer auf die Herstellung von einem breiten Sortiment an Kunststoffartikeln nicht nur für den Privathaushalt, sondern auch für die Industrie. Ein Verkaufsschlager waren die selbstklebenden Haken und Doppelhaken aus Kunststoff, mit denen die Heilbronner Firma 1966 als eine der Ersten auf den Markt kam. 1971 zog das Unternehmen, das 1954 – kurz vor dem Tod des Firmengründers – in eine GmbH umgewandelt worden war, in das Gewerbegebiet Rauher Stich in Talheim um. Näheres unter 70 www.stadtarchiv.heilbronn.de DER HISTORISCHE SCHUSS

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Hochzeitsreportagen / Paarshootings / Photobooth Hanix Nr. 45 www.blickboutique.de nicokurth-hochzeitsfotografie.de f r e i r a u m - p h o t o s . d e

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.jpg »Sommerfest Open (Fl)air 2016«, Altes Amtshaus, Mulfingen-Ailringen 17.07.2016 zwischen 17:52 Uhr und 22:02 Uhr Fotos: Meli Dikta An diesem sommerlichen Sonntagabend durften wir beim »Open (Fl)air 2016« des Hotels & Restaurants Altes Amtshaus in Ailringen Sterne- und Spitzenköchen, u. a. vom Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe, dem Gourmet-Restaurant OLIVO Steigenberger oder dem Landgasthof & Hotel Jagstmühle über die Schulter schauen. Das Wetter war wie gemalt, die Tischnachbarn überaus sympathisch und das Essen, die Cocktails und Weine herausragend. Mehr zum Haus: www.amtshaus-ailringen.de .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 45

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Hanix Nr. 45 »Hanix-Hollywood-Party«, Kunsthalle Vogelmann + Vorplatz, Heilbronn 05.08.2016, 17:07 Uhr bis 23:21 Uhr Fotos: Meli Dikta & Memo Filiz Man kann es nicht anders ausdrücken: die Hanix-Hollywood-Party hat den Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Was nicht allzu schwer war, bei den swingenden Tunes von DJ Chris-whap-a-dang aus Mannheim, dem Gästemix, den süffigen Drinks und den Kurzführungen des Museumsteams durch die Fotoausstellung von Sam Shaw in der Kunsthalle Vogelmann. Fast 400 interessierte Partygäste besuchten parallel die Ausstellung. Da wollen wir nicht meckern. .JPG – BILDERGALERIE

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Wollhaus-Zentrum, Heilbronn 29.07.2016, 14:03 Uhr bis 14:56 Uhr Fotos: Michael Dikta Tristesse in Beton: Das Wollhauszentrum, Spekulationsobjekt und Zankapfel. Strabag und ECE wollen abreißen und neu bauen, das will auch die Stadt. Die Wollhaus Lisker Lisker Weiss GbR, Sitz in Frankfurt, will sanieren und modernisieren, mit der Acrest Property Group, Berlin, führendes Unternehmen für Investment Management und Asset Management von Einzelhandelsimmobilien. Die Stadt hat alle juristischen Volten geschlagen, um das zugunsten von Strabag zu verhindern. Die Frankfurter, ihnen und nicht der Stadt gehört der weitaus größte Anteil am Objekt der Begierde, klagen dagegen. Noch 2016 will das Verwaltungsgericht Mannheim entscheiden. Der Instanzenweg beginnt dann erst. (bfk) Hanix Nr. 45 74 .JPG – BILDERGALERIE

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[1] Eistruhe, Rotes Schloss, Jagsthausen, 20.08.2016, 14:31 Uhr [2] Rote Rutsche, Grill- und Spielplatz, Maad, 07.08.2016, 12:01 Uhr [3] Jubiläumsspiel der ehemaligen A-Jugend des VfR Heilbronn zum 20. Jahrestag des DFB-Pokalsieges, Stadion am See, Heilbronn, 16.07.2016, 18:11 Uhr [4] Jubiläumsspiel der ehemaligen A-Jugend des VfR Heilbronn zum 20. Jahrestag des DFB-Pokalsieges, Stadion am See, Heilbronn, 16.07.2016, 17:22 Uhr [5] Zelt auf Feld, Kultparty, Michelbach am Heuchelberg, 29.07.2016, 19:46 Uhr [6] Ausdruckstanz, Kultparty, Michelbach am Heuchelberg, 30.07.2016, 20:58 Uhr Fotos: Meli Dikta Hanix Nr. 45 .JPG – BILDERGALERIE

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Theater Heilbronn Oktober & November 2016 Großes Haus Der Besuch der alten Dame (Tragische Komödie) 01.10., 08.10., 09.10., 18.10., 23.10., 07.11., 17.11., 25.11. & 30.11. Komödienhaus Höchste Zeit! (Musical) 01.10., 02.10., 06.10., 07.10., 08.10., 11.10., 12.10., 13.10., 14.10. & 15.10. Termine Oktober 2016 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Complex23 / Bar Daneben, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8 Sa 01. KunstEtage, Heilbronn Die Leiber der Weiber in sieben Akten (Ausstellung) Marktplatz/Fußgängerzone, Heilbronn Hafenmarkt (Töpfermarkt) BOXX Bis später (Kindertheater) 02.10., 03.10., 04.10., 05.10., 20.10., 21.10., 23.10., 20.11., 22.11. & 23.11. BOXX Kriegerin (Jugendtheater) 06.10., 07.10., 24.10., 25.10., 26.10., 27.10., 28.10., 13.11., 15.11., 16.11. & 17.11. Großes Haus Der fliegende Holländer (Oper) 13.10., 16.10., 22.10., 29.10., 03.11. & 15.11. BOXX Homo Faber – Pocketversion (Schauspiel) 13.10., 14.10. & 17.10. Botanischer Obstgarten, Heilbronn Herbstmarkt (Markt) Technikmuseum, Sinsheim Motorrad-Klassikertreffen (Fahrzeugtreffen) Tollhaus, Karlsruhe Django Asül - Letzte Patrone (Kabarett) So 02. Marktplatz/Fußgängerzone, Heilbronn Hafenmarkt (Töpfermarkt) Botanischer Obstgarten, Heilbronn Herbstmarkt (Markt) Rathaus, Gundelsheim Herbstfest (Markt) Nestor Hotel, Neckarsulm Alles Gute, liebe Leiche (Dinner -Krimi) Technikmuseum, Sinsheim Tag der Harley (Fahrzeugtreffen) Lindenmuseum Stuttgart Tanuki und seine Tricks – Märchen und Geschichten aus Japan (Familienführung) Großes Haus Terror (Schauspiel) 07.10., 14.10., 19.10., 28.10., 08.11., 16.11. & 27.11. BOXX Krieg – Stell dir vor, er wäre hier (Jugendtheater) 10.10. & 11.10. Komödienhaus Rick Kavanian – Offroad (Comedy) 20.10. Komödienhaus GUIDO CANTZ - 25 Jahre Best of Guido Cantz (Comedy) 02.11. Mo 03. Innenstadt, Heilbronn Hafenmarkt (Töpfermarkt) BOXX, Heilbronn Maus-Türöffner-Tag (Infonachmittag für Kinder) Zigarre, Heilbronn Fotoworkshop mit Geflüchteten (Workshop) Di 04. Kultura, Öhringen Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel (Kindertheater) Ebene 3, Kommunales Kino Heilbronn Die Zeit der Kannibalen (Spielfilm) Mi 05. Arthaus-Kino, Heilbronn Antonias Welt (Spielfilm) Palladium Theater, Stuttgart Backstageführung ROCKY - Das Musical (Führung) BOXX Wir alle für immer zusammen (Kindertheater) 06.11., 08.11., 09.11., 10.11., 27.11. & 29.11. Großes Haus Meister der Moderne – Kylian Celis Ekman (Ballett) 11.11., 12.11., 19.11. & 20.11. Komödienhaus Das Geheimnis der Irma Vep (Eingroschengrusel) 12.11., 18.11., 19.11. & 24.11 Großes Haus Don Quijote (Schauspiel) 21.10., 26.10. & 26.11. Do 06. Intersport redblue, Heilbronn Luke Mockridge (Comedy) Zigarre Heilbronn Total Royal (Jam-Session) Capitol, Mannheim Torsten Sträter (Comedy) Fr 07. Harmonie, Heilbronn Hagen Rether: Liebe (Kabarett) Altes Theater, Heilbronn WANG & WU – ein Arienabend (Konzert) Weinstube Amalienhof, Beilstein »Ernte gut, alles gut« (Weinprobe & Verkostung) Capitol, Mannheim Schöne Mannheims (Kabarett) Sa 08. Intersport redblue, Heilbronn Kaja Yanar: Planet Deutschland (Comedy) Hanix Nr. 45 76 01. – 08.10.2016

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Hanix Nr. 45 Complex23, Heilbronn Aids Hilfe Benefit Konzert (Konzert) Innenstadt, Heilbronn Jazz & Einkauf (Shopping & Musik) KulturFenster, Bönnigheim Duo Graceland – Simon & Garfunkel Tribute (Konzert) MS Connexion Complex, Mannheim Alice im Wummerland 9 (Clubbing) So 09. Complex23, Heilbronn Paul gibt Gas (1-Clown-Show) Innenstadt, Heilbronn Jazz & Einkauf (Shopping & Musik) Großes Haus, Heilbronn »Der fliegende Holländer« (Theaterfrühstück) halle02, Heidelberg Max Giesinger (Konzert) Kletterarena, Heilbronn 2. Sponsorenklettern (Spendenveranstaltung) Harmonie, Heilbronn Frauenflohmarkt (Flohmarkt) Freie Schule Anne-Sophie, Künzelsau SWR1 Pop & Poesie in Concert (Lesung/Konzert) ZEPHYR Raum für Fotografie, Mannheim Peter Glowland’s Girls (Ausstellung) Mo 10. Halle02, Heidelberg Teesy (Konzert) 08. – 17.10.2016 Di 11. Ebene 3, Kommunales Kino Heilbronn Robert Altman’s Last Radio Show (Spielfilm) Museum hegel-haus, Stuttgart Peter Grohmann – Wetterleuchten (Kabarett) Mi 12. Ebene 3, Heilbronn David Blair (Konzert) Theaterschiff, Heilbronn ZYMNY Kinder der Weirdness (Comedy) Stadtbibliothek im K3, Heilbronn Wolfgang Alber: Württemberger Weingeschichten (Buchvorstellung) Do 13. Tollhaus, Karlsruhe Ladies Night – Ganz oder gar nicht (Comedy) Fr 14. vhs Deutschhof, Heilbronn Landtagspräsidentin Muhterem Aras im Gespräch (Gesprächsrunde) Complex23, Heilbronn Bikini Beach & Travel in Space (Konzert) Ebene 3, Heilbronn Improtheater »ohne Gewähr« (Improtheater) Festplatz, Bad Rappenau Oktoberfest und Kerwe (Oktoberfest) Sa 15. Ebene 3, Heilbronn Michael Lane (Konzert) Complex23, Heilbronn 80 : Machinery (Party) Festplatz, Bad Rappenau Oktoberfest und Kerwe (Oktoberfest) Vinothek, Ilsfeld Der Schwabe und sein Wein (Thematische Weinprobe) Christopherus, Welzheim Eins & Alles (KunstSinnFestival) Congress Centrum Würzburg Handmade-Messe (Messe) Tollhaus, Karlsruhe Die Giraffenaffenband (Kindertheater) Laufenmühle, Welzheim Eins & Alles (Kunstsinnfestival) Lindenmuseum, Stuttgart Oishii! Essen in Japan (Sonderausstellung) So 16. Festplatz, Bad Rappenau Oktoberfest und Kerwe (Oktoberfest) Christopherus, Welzheim Eins & Alles (KunstSinnFestival) Wagenhallen, Stuttgart Good Food (Foodfestival) Capitol, Mannheim Dr. Markus Weber (Kabarett) Mo 17. Großes Haus, Heilbronn Dracula the eco warrior (Schauspiel) Öffnungszeiten: Di. bis Fr.: 10 - 22 Uhr Mittagstisch: 12 - 14 Uhr Abendkarte: 18 - 21 Uhr Sa.: 15 - 22 Uhr Abendkarte: 17 - 21 Uhr So.: 10 - 14 Uhr Frühstück Montag Ruhetag Veganes Restaurant Eichgasse 14 74072 Heilbronn T 07131 7905907 veloheilbronn@aol.de www.velo-heilbronn.de

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Festplatz, Bad Rappenau Oktoberfest und Kerwe (Oktoberfest) Di 18. Ebene 3, Kommunales Kino Heilbronn Nomaden des Himmels (Spielfilm) Mi 19. Tollhaus, Karlsruhe Katrin Bauerfeind - Hinten sind Rezepte drin (Lesung) Do 20. Harmonie, Heilbronn Lord of the Dance (Tanzshow) Komödienhaus, Heilbronn Rick Kavanian (Comedy) Harmonie, Heilbronn Torsten Sträter (Comedy) Fr 21. Zigarre, Heilbronn Complete Clapton (Konzert) Marktplatz, Brackenheim Flammendes Brackenheim (Fest) Neckarelz Messplatz, Mosbach 1. Mosbacher Streetfood Festival mit Weindorf (Foodfestival) Sa 22. Messezentrum redblue, Heilbronn Heilbronn-Franken Schau (Messe) Complex23, Heilbronn Papaya Fuzz (Konzert) Bukowski, Heilbronn Sebastian Groth (Clubbing) Zigarre, Heilbronn »Offene Ateliers« (Infonachmittag) Altes Theater, Heilbronn TANZ IST ... (Tanzschau) Herzogskelter, Güglingen Heinrich del Core - Alles halb so wild (Kabarett) Neckarelz Messplatz, Mosbach 1. Mosbacher Streetfood Festival mit Weindorf (Foodfestival) Alte Kelter, Besigheim Mike Janipka & Thomas Roth (Konzert) Alte Mälzerei, Mosbach Frauenflohmarkt (Markt) So 23. Harmonie, Heilbronn Die Prenzlschwäbin: Bärbel Stolz (Comedy) Messezentrum redblue, Heilbronn Heilbronn-Franken Schau (Messe) Theaterschiff, Heilbronn Vincent Klink & Patrick Bebelaar »Ein Bauch spaziert durch Paris« (Musikalische Lesung) Grantschen Weine, Weinsberg Grantschener Weinherbst (Weinfest) Lindenmuseum, Stuttgart Kleine chinesische Teeschule (Vorführung) Mo 24. Alte Feuerwache, Mannheim Mannheim Jazz Orchestra (Konzert) Di 25. Ebene 3, Kommunales Kino Heilbronn Wer ist Oda Jaune? (Dokumentation) Porsche-Arena, Stuttgart 3 Doors Down (Konzert) Mi 26. Haus der Stadtgeschichte, Heilbronn Heilbronner Frauenleben 18. und 19. Jahrhundert (Führung) Stadtbibliothek, Schwäbisch Hall Literatur live: Notzeit (Lesung) Do 27. Kultura, Öhringen Planet Wüste (Fotovortrag) Tollhaus, Karlsruhe Die Prenzlschwäbin: Bärbel Stolz (Comedy) Fr 28. BOXX, Heilbronn Future (Jugend Barcamp) Kultura, Öhringen Dominik Kuhn – Dodokay (Comedy) Schloss Rosenstein, Stuttgart Congohounds - Naturdetektive auf vier Beinen (Vortrag) Sa 29. BOXX, Heilbronn Future (Politikbrunch) KulturFenster, Bönnigheim Mia Hesse (Musikalische Lesung) Porsche Arena, Stuttgart Kaja Yanar: Planet Deutschland BIX Jazz Club, Stuttgart Jazzkantine (Konzert) MS Connexion Complex, Mannheim 4 Years Mission Techno (Clubbing) So 30. Neubausaal, Schwäbisch Hall Der kleine Prinz (Theater) Mo 31. Complex23, Heilbronn Día de Muertos (Event & Ausstellung) Zentrum, Großbottwar Berg in Flammen (Weinfest) Audi-Forum, Neckarsulm Die drei ??? – Spezial mit Oliver Rohrbeck (Gruselspaß für Kids) halle02, Heidelberg Halloween Fever meets Technique Takeover (Clubbing) Hanix Nr. 45 78 17. – 31.10.2016

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Hanix Nr. 45 Termine November 2016 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Complex23 / Bar Daneben, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8 Di 01. Ebene 3, Kommunales Kino Heilbronn Trash Detective (Spielfilm) Mi 02. Haus der Stadtgeschichte, Heilbronn Heilbronner Frauenleben 19. und 20. Jahrhundert (Führung) Arthaus-Kino, Heilbronn Voices of Violence (Film und Gesprächsrunde) Komödienhaus, Heilbronn Blondiläum - 25 Jahre Best of Guido Cantz (Comedy) 01. – 09.11.2016 Wagenhallen, Stuttgart King Rocko Schamoni – Songs and Stories (Lesung & Kabarett) Lindenmuseum, Stuttgart Herbst, Winder, Frühling, Sommer (Ferienprogramm ab 8) Do 03. Harmonie, Heilbronn Bonnie Tyler (Konzert) Altes Spital, Bad Wimpfen Klassik im alten Spital (Konzert) Liederhalle, Stuttgart Stefen Henssler: Henssler tischt auf (Show) Fr 04. Harmonie, Heilbronn Stefen Henssler: Henssler tischt auf (Show) Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe Eröffnung: Frei Otto. Denken in Modellen (Kunstausstellung) halle02, Heidelberg Kollektiv Turmstraße (Clubbing) Sa 05. Complex23, Heilbronn Flamenco Thief (Konzert) Stadthalle, Lauffen Topolino Figurentheater »Der Räuber Hotzenplotz« (Kindertheater) Der Partyzug, Stuttgart Rave around Stuttgart (Clubbing) Freund & Kupferstecher, Stuttgart DJ-Set Mike Skinner (The Streets) (Clubbing) So 06. Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Matt Mullican (Ausstellung) Innenstadt, Marbach Schillersonntag (Kultur) Theaterhaus, Stuttgart The Irish Folk Festival (Festival) Karlstorbahnhof, Heidelberg Sunset Sons (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Kunst gegen Bares (Künstlervorstellung) Mercedes-Benz Arena, Stuttgart VfB Stuttgart vs. Arminia Bielefeld (Zweitligafußball) Mo 07. Osiander, Heilbronn Sabine Bode »Die vergessene Generation« (Lesung) Di 08. Intersport redblue, Heilbronn Carolin Kebekus - AlphaPussy (Comedy) Goldmark’s Universum, Stuttgart Jesper Munk (Konzert) Mi 09. Stadtbibliothek, Heilbronn LiteraTour 2016 (Buchvorstellung) Lindenmuseum, Stuttgart Markt der Völker (Markt) Kulturhaus Arena, Stuttgart Michael Nast – Generation Beziehungsunfähig (Lesung) DUAL STUDIEREN STUDIENINFOTAG

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Do 10. Audi-Forum, Neckarsulm After-Work meets Charts (Konzert) Kultura, Öhringen Kleiner Rabe Socke (Kindermusical) Maimarkthalle, Mannheim Beginner (Konzert) Wagenhallen, Stuttgart Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex (Comedy) Theaterhaus, Stuttgart Reinald Grebe – Solo (Konzert & Kabarett) Fr 11. Complex23, Heilbronn The Higgins (Konzert) Ebene 3, Heilbronn Improtheater »ohne Gewähr« (Improvisationsshow) Kultura, Öhringen Jazzclub Öhringen (Konzert) Schleyer-Halle, Stuttgart ADAC Supercross (Wettbewerb/Show) Universum, Stuttgart Holly Golightly and Band (Konzert) Sa 12. Harmonie, Heilbronn Gipfeltreffen des Württemberger Weins (Weinfest) Innenstadt, Böblingen Lange Nacht der Museen (Kulturnacht) Weinstube Amalienhof, Beilstein Schwabensause – Kulinarisches Kabarett uff schwäbisch (Comedy-Dinner) Museum im Klosterhof, Lauffen Mathias Tretter – Selfie (Kabarett) Schleyer-Halle, Stuttgart ADAC Supercross (Wettbewerb/Show) Lindenmuseum, Stuttgart Als der Löwe noch fliegen konnte (Lesung ab 6 Jahre) So 13. Harmonie, Heilbronn Gipfeltreffen des Württemberger Weins (Weinfest) Kultura, Öhringen Gospel Diamonds Black & White-Tour (Konzert) LKA Longhorn, Stuttgart Jeremy Loops (Konzert) Intersport redblue, Heilbronn Hochzeitsmesse Traumhochzeit (Messe) Neue Universität, Heidelberg Harald Lesch – Physik: Triumph und Tragödie (Vortrag) Mo 14. Strotmanns Magic Lounge, Stuttgart Strotmanns Monday – Magie hautnah (Zaubershow) Di 15. Theaterhaus, Stuttgart Alligatoah (Konzert) Harmonie Heilbronn Auftakt Willkommenskultur in Heilbronn-Franken (Aktionswoche) Mi 16. Theaterschiff, Heilbronn Moritz Netenjakob – Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus (Comedy) Do 17. Gartencenter Mauk, Lauffen Grillen wie die Profis (Grillseminar) Theaterhaus, Stuttgart Sebastian Fitzek: Das Paket (Jubiläumsshow) Wagenhallen, Stuttgart Die höchste Eisenbahn (Konzert) Fr 18. Stadtteilbibliothek, Böckingen Mann liest vor (Lesung) Messegelände, Stuttgart Veggie & frei von (Genussund Gesundheitssmesse) Messegelände, Stuttgart Eat & Style (Food-Messe) Residenzschloss, Ludwigsburg Über die Kultur der Heißgetränke (Führung & Verkostung) Sa 19. Mobilat, Heilbronn 10 Jahre Mr. Hot And The Funky Pepperonies (Konzert) Stadthalle, Lauffen Sixpack - Tschingderassabum (Kabarett) Stadthalle, Künzelsau Flohmarktine (Frauenflohmarkt) Hanix Nr. 45 80 10. – 19.11.2016

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Hanix Nr. 45 Wasserschloss, Bad Rappenau Advent im Schloss (Weihnachtsmarkt) Messegelände, Stuttgart Veggie & frei von (Genuss- und Gesundheitsmesse) Messegelände, Stuttgart Eat & Style (Food-Messe) So 20. Wasserschloss, Bad Rappenau Advent im Schloss (Weihnachtsmarkt) Schlosskeller, Marbach Kinomobil (Filmevent) Tollhaus, Karlsruhe Rolf Miller – Alles andere ist primär (Comedy) Lindenmuseum, Stuttgart Island (Foto & Filmshow) Messegelände, Stuttgart Veggie & frei von (Genuss- und Gesundheitsmesse) Messegelände, Stuttgart Eat & Style (Food-Messe) Mo 21. Hohenloher Integrationszentrum, Künzelsau Abschluss Willkommenskultur in Heilbronn-Franken (Aktionswoche) Di 22. Harmonie, Heilbronn Patric Heizmann – Essen erlaubt! (Comedy) Sparkasse, Öhringen Nina George – Das Traumbuch (Lesung) 19. – 30.11.2016 Mi 23. Deutschordensmuseum, Bad Mergentheim Literatur im Schloss – Wilhelm Genazino (Lesung & Gespräch) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Beginner (Konzert) Substage, Karlsruhe Eskimo Callboy (Konzert) Do 24. Osiandersche Buchhandlung, Heilbronn Wolf Küper: Eine Million Minuten – Eine Reise in die beste Zeit meines Lebens« (Lesung) Innenstadt, Heilbronn Heilbronner Weihnachtsmarkt (Markteröffnung) Karlstorbahnhof, Heidelberg Girl Band (Konzert) Fr 25. Altstadt, Bad Wimpfen Altdeutscher Weihnachtsmarkt (Weihnachtsmarkt) Kurhaus, Bad Rappenau CoCo Sekt and the City - The Cat Pack (Comedy) Kultura, Öhringen Rolf Miller – Alles andere ist primär (Kabarett) ZKM – Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe Beat Generation (Ausstellung) Im Wizemann, Stuttgart Maeckes – TILT-Tour (Konzert) Sa 26. Alte Kelter, Lauffen Wein in der Kelter (Weinfest) Altstadt, Bad Wimpfen Altdeutscher Weihnachtsmarkt (Weihnachtsmarkt) clubCANN, Stuttgart Lions Head (Konzert) So 27. Ebene 3, Heilbronn Cool Cats Orchestra (Konzert) Altstadt, Bad Wimpfen Altdeutscher Weihnachtsmarkt (Weihnachtsmarkt) Theaterhaus, Stuttgart Conni – das Musical (Kindermusical) Mo 28. Theaterhaus, Stuttgart Fear Industry (Theatershow) Di 29. Marktplatz, Tübingen Eröffnung des 11. Internationalen Schokoladenfestival chocolArt (Foodfestival) Capitol, Mannheim Frida Gold (Konzert) Mi 30. Miomento Vinothek, Ludwigsburg Wein und Schokolade (Weinseminar für Schokoholics) Dezember/ Januar Ausgabe Hanix erscheint Ende November 2016 Interesse an einem Hanix-Abo? Dann mailt uns! abo@hanix-magazin.de www.hanix-magazin.de facebook.com/hanix.magazin

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Tiere ab 18 Lisa Maria Klotz kam wahrscheinlich durch Geburt zur Welt. Seitdem zeichnet, malt und spielt sie am liebsten Quatsch. Zur Beruhigung backt Lisa Pfannkuchen und ihr animalisches Buch »Tiere ab 18« soll man sich und anderen gefälligst in großer Stückzahl bestellen! Check da Shit out: www.tiereab18.de Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 45 TIERE AB 18

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Alle 44 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf-Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online- Archiv unter www.hanix-magazin.de. Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Nico Kurth

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