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Nº 35 FEB 2015 Mit wollen hat das nichts zu tun! IM GESPRÄCH: BULLY HERBIG IM FEBRUAR PRÄSENTIERT BULLY HERBIG ZUSAMMEN MIT DEN MÜNCHNER SYMPHONIKERN IN NECKARSULM SEIN NEUES PRO- GRAMM »KARNEVAL DER TIERE«. WIR SPRACHEN MIT BULLY ÜBER HUMOR, SHITSTORMS, DEN TOD & EIN GANZ BESONDERES RITUAL. AUSSERDEM: LOOPTROOP ROCKERS, MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR, BASTIAN PASTEWKA, BUKO IMBISS & CAFE ROTH, ERIK PENNY, OLIVER MARIA SCHMITT, HOTEL TRAUMRAUM, KANT, HELP PORTRAIT, GALERIE RIEKER, VATERKOLUMNE, BRIEF AN DIE HEIMAT, FOTOGRAFISCHE LIEBES- GRÜSSE, U. V. M.

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2011 M R Z 2012 2012 2013 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE 2011 2012 2012 2013 2011 2012 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN 9. MAI HANIX PRÄSENTIIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES aktuelle Informationen zum Kometen Ison 2013 2011 2012 JULI 2012 2012 2013 JUNI JULI 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. 2013 2012 2012 2013 2013 „FOREVER YOUNG“ ALPHAVILLE Nº1 E N E R G I E DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR B I L D U N G BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST Nº1 Nº2 Nº2 teilt, eilt, Nº3 IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN weilt, heilt. Z E I T VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANT- WORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN Nº4 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBER- BÜRGERMEISTER EXKLUSIV IM INTERVIEW: HELMUT HIMMELSBACH 1899 HOFFENHEIM-COACH IM GROSSEN INTERVIEW HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND URBAN-ART: KÜHE MELKEN. DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR GEFÄHRLICHER EINSATZ: SORGT MIT SEINER DER HEILBRONNER URBANEN KUNST FÜR MATTHIAS MARQUART HAT AUFMERKSAMKEIT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES DER KÜHLSCHRANK VON...: LAND VORGEFUNDEN. PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. A R M U T R E B E L L I O N Nº3 Nº4 Nº5 Nº5 Nº6 Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WOR- AUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPER- TEN AUS UNTERGRUPPENBACH INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK Nº6 Nº7 Nº7 HIER SIND DIE Nº4 Ausländerä Nº8 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIK- MUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº8 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VER- ANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHS- VOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. Nº9 JUNI FUSSBALL HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATE- BOARD-DOWNHILL- MEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜD- AFRIKA IN DIE LÖWEN- STEINER BERGE ZURÜCK Nº9 Nº10 Nº10 KINDER Nº11 Nº12 Nº13 2012 Nº14 Nº15 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUS- STELLUNG. ESSEN & TRINKEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNG- SOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK SCHAFFE, SCHAFFE HÄUSLE BAUE! IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAM- KEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN WIRTSCHAFT PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT JUGEND BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 Nº12 Nº13 Nº14 Nº15 Nº16 MÄRZ Nº17 APRIL Nº18 Nº19 Nº20 IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT HANDARBEIT AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZ- WEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER WOHLFÜHLEN HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK AUTO NECKAR: MIT TEXTEN VON MARK TWAIN UND HANS CHRISTIAN ANDERSEN IM GESPRÄCH: STEFAN KUNTZ ÜBER DAS DFB-POKALSPIEL DES 1. FC KAISERSLAUTERN GEGEN NECKARSULM KUNSTREGION: STREET ART AUS BERLIN UND SHAOLIN MÖNCHE Nº16 Nº17 Nº18 Nº19 Nº20 Nº24 Nº23 IM GESPRÄCH: TOMISLAV MARIC ÜBER SEIN CO-TRAINER DASEIN BEIM VFB STUTTGART, DEN UNSINN IM FUSSBALL ZU PLANEN UND BERUFSVERKEHR AUF DER A81 IM GESPRÄCH: EX-GREENPEACE-CHEF GERD LEIPOLD UND SCHAUSPIELR WALTER SITTLER ÜBER IHR BUCH "ZEIT, SICH EINZUMISCHEN" KUNSTREGION: HEILBRONNER MUSEEN IM ZEICHEN DES TURMES MEINE PLATTENKISTE: SARAH HORNSBY MAG ES ROCKIG, FOLKIG UND MELAN- CHOLISCH BRIEF AN DIE HEIMAT: DIESMAL AUS KOPENHAGEN HIMMEL FOTOSTRECKE: CANCUN MEXICO - AM RANDE DES TOURISMUS Nº21 Nº22 Nº23 Nº24 Nº25

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MÄRZ 2014 2014 IM GESPRÄCH: EX-PROFI ANKE HUBER IST SPORTLI- CHE LEITERIN DES PORSCHE TENNIS GRAND PRIX IN STUTTGART. WIR TRAFEN DIE EHEMALIGE NUMMER 4 DER WELT, UND SPRACHEN ÜBER EXTRAVAGANTES INTERIEUR IHRES ERSTEN PORSCHE, DIE LUSTLOSIG- KEIT INTERVIEWS ZU GEBEN UND WIE SIE DIE AKTUELLEN SPIELERINNEN DOCH DAZU ÜBERREDET. APRIL 2014 2014 AUSSERDEM: WHO THE FUCK SIND "WHO THE FUCK"?, STREETPHOTOGRAPHY AUS NEW YORK, EINE STEILGEHENDE HEILBRONNER FACEBOOK- GRUPPE, GLOCKEN-GIESSEN, EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS AUSTRALIEN, EINE HEILBRONNER ABITURKLASSE VON 1922 UND VIELEM MEHR … 2014 2014 DEZ 2014 JAN 2015 Nº26 Nº27 Nº28 Nº29 JUN/JUL IM GESPRÄCH: TV-MODERATORIN UND AUTORIN KATRIN BAUERFEIND ÜBER ZEUGEN JEHOVAS, SCHWÄBISCHE LIEBLINGS- WÖRTER UND RAUCHERCAFÉS IN HEILBRONN t HEMEn SCHWERPunkt: Marketing STADTOBERHAUPT KULTURBEUTEL: MUSIKKOFFER: RALPH UND ALEXANDRA MUNZ ROCKSTAR UND FUSSBALLFAN ÜBER DIE BEVORSTEHENDE THEES UHLMANN ÜBER SEINE SCHLIESSUNG DES HIP ISLAND, LIEBE ZU ST. PAULI, EINEN STECKER ZIEHENDE BÜRGER- GUTEN RUF IN SCHLECHTEN MEISTER UND IHRE STRANDBAR KREISEN UND OMAS AN DER ALS WAHLKAMPFTHEMA SUPERMARKTKASSE Studieren IM GESPRÄCH: DIE WaHlHaMbuRGERIn CÄtHE touRt ab FEbRuaR DuRCH DEutSCHlanD. WIR SPRaCHEn voRab MIt DER SÄnGERIn übER SCHIzo- PHREnIE, anStREnGEnDEn PERFEktIonISMuS unD DaS anGEkoMMEnSEIn auSSERDEM: lECkERE buRGER, EInblICk In EInE MoSCHEE, FotoauS- StEllunG von lauREnz bERGES, MEtIn FRoGt naCH, HEIlbRonnER FIFFIS, EIn bRIEF auS MExICo, knoRR- FuHRPaRk von 1905 unD vIElEM MEHR Nº26 Nº27 Nº28 Nº29 Nº30 Nº 31 Nº 32 Nº 34 IM GESPRÄCH: UNSER HEILBRONNER LIEBLINGSKÜNSTLER STEFAN DITTRICH IST NACH BERLIN GEZOGEN, UM SEIN GLÜCK ZU FINDEN – SEINE FREUNDIN SPRACH MIT IHM FÜR UNS ÜBER SEINE BRANDNEUE SOLO-CD AUSSERDEM: FORMULA STUDENT AM HOCKENHEIMRING, KRIMI- AUTORIN HENRIKE SPOHR, BURGER 53, BRIEF AN DIE HEIMAT AUS GEORGIEN, NICOLAI KÖPPELS VATER- KOLUMNE, JUNGWINZERN, DEM BIERKRUG, U. V. M. HEILBRONN AUF DEN 2. BLICK IM GESPRÄCH: IM GESPRÄCH: DIE WAHLHAMBURGERIN DIE WAHLHAMBURGERIN CÄTHE TOURT AB FEBRUAR CÄTHE TOURT AB FEBRUAR DURCH DEUTSCHLAND. WIR DURCH DEUTSCHLAND. WIR SPRACHEN VORAB MIT DER SPRACHEN VORAB MIT DER SÄNGERIN ÜBER SCHIZO- SÄNGERIN ÜBER SCHIZO- PHRENIE, ANSTRENGENDEN PHRENIE, ANSTRENGENDEN PERFEKTIONISMUS UND DAS PERFEKTIONISMUS UND DAS ANGEKOMMENSEIN ANGEKOMMENSEIN IM GESPRÄCH: TON STEINE SCHERBEN »SCHERBEN«-MASTERMIND R.P.S. LANRUE HAT DIE ORIGINAL »SCHERBEN« WIEDER ZUM LEBEN ERWECKT. DER MUSIKER SPRACH MIT UNS ÜBER DIE REUNION DER KULTBAND. AUSSERDEM: HANDMADE SOUL, FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE, BULLING ENTERTAINMENT, MARC C. WOEHR, WOHNUNGS- BESICHTIGUNGEN, ROBERT AN DER BRÜGGE, APOLLO 19, VATERKOLUMNE, HEILBRONNER STUDI, BACHMAIER, U. V. M. Nº31 Nº32 Nº33 Nº34

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Ab jetzt erhältlich BEST OFFF INTERVIEWS Die zweite Best Offf-Ausgabe. Wieder offfline!

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EDITORIAL »Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht des Wirtes Zuspruch und Geschäftigkeit den Gästen zeigt, daß sie willkommen sind.« (William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker) Liebe Leserinnen, liebe Leser, ein herzliches Hallo im neuen HANIX-Jahr. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt »Willkommen«. Immer mehr Studenten treibt es in die Stadt und diese wollen willkommen geheißen werden. Denn schließlich will die Stadt ein positives Bild abgeben, um die heranwachsenden Fachkräfte nach dem Studium auch in der Stadt, zumindest aber in der Region zu halten. Wie sollte das besser funktionieren als mit einer Kneipentour. Wir waren im übervollen Stadtbus mit dabei. Um Fachkräften den Start in der Region zu erleichtern, hat das Welcome Center Heilbronn-Franken im vergangenen Sommer seine Arbeit aufgenommen. Drei Mitarbeiterinnen bieten eine Anlaufstelle für die Bewältigung der ersten Alltagsprobleme. Wir haben das WCC in der Innovationsfabrik Heilbronn besucht und Geschäftsführer Dr. Schumm und seiner Projektleiterin Tabea Saur Fragen zu den ersten Monaten ihrer Gastgebertätigkeit gestellt. Von Berufs wegen haben Daniela und Marco Dikta mit Willkommenskultur zu tun. Das junge Ehepaar führt erfolgreich das Hotel TraumRaum am Heilbronner Hauptbahnhof. Das Haus ist laut Tripadvisor das beste Hotel der Stadt. Wir haben beide in ihrem Hotel besucht und nach dem Geheimnis ihres Erfolges gefragt. Roswitha Keicher erarbeitet als Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn aktuell ein Papier zur städtischen Willkommenskultur. Welche Ziele sich die Stadt und Frau Keicher dabei gesteckt haben erzählt die Heilbronnerin im ausführlichen Gespräch. Wie wird man als Flüchtling in Deutschland aufgenommen? Journalistin Carolin Emcke und Fotograf Sebastian Bolesch sind dieser Frage ein halbes Jahr lang in einer Erstaufnahme-Einrichtung in Eisenhüttenstadt auf die Spur gegangen. Im Februar präsentiert Michael »Bully« Herbig zusammen mit den Münchner Symphonikern im Audi Forum Neckarsulm sein neues Programm »Karneval der Tiere«. Wir sprachen mit »Bully« über Humor, Shitstorms, den Tod und ein ganz besonderes Ritual. Seit mittlerweile fast 25 Jahren sorgen vier Schweden für Furore im internationalen Rap- Business: In dieser Zeit haben die »Looptroop Rockers« sieben Alben und unzählige EPs und Mixtapes veröffentlicht. Partytaugliche Beats aber vor allem scharfsinnige Gesellschaftskritik in ihren englischen Texten sind die Markenzeichen der vier Ausnahmetalente des conscious rap. Wir ließen es uns nicht nehmen, mit Cosmic, Embee und Promoe über Inspiration, Erfolg, Flüchtlingspolitik, Pegida und Nacktheit zu sprechen. Diese und viele weitere Themen sind in dieser Ausgabe zu finden. Wir wünschen viel Spaß und Erkenntnis bei der Lektüre und heißen euch alle herzlich Willkommen in dieser ersten HANIX-Ausgabe 2015. Die HANIX-Redaktion Looptroop Rockers: Ein besserer Import als IKEA. Die vier schwedischen Rapper von den Looptroop Rockers gehen im Februar auf Tour und gastieren unter anderem in Mannheim. Vorab haben wir mit den Jungs geplauscht. »Bully« Herbig: »Bully« Herbig ist nicht nur das neue Werbegesicht der Goldbären von Haribo sondern wagt sich mit seinem »Karneval der Tiere« auch in neue Gefilde vor. Wir sprachen den Münchener vor seinem Auftritt in Neckarsulm.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS Nº 35 FEB 2015 Mit wollen hat das nichts zu tun! IM GESPRÄCH: BULLY HERBIG IM FEBRUAR PRÄSENTIERT BULLY HERBIG ZUSAMMEN MIT DEN MÜNCHNER SYMPHONIKERN IN NECKARSULM SEIN NEUES PRO- GRAMM »KARNEVAL DER TIERE«. WIR SPRACHEN MIT BULLY ÜBER HU- MOR, SHITSTORMS, DEN TOD UND EIN GANZ BESONDERES RITUAL. AUSSERDEM: LOOPTROOP ROCKERS, MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR, BASTIAN PASTEWKA, BUKO IMBISS & CAFE ROTH, ERIK PENNY, OLIVER MARIA SCHMITT, HOTEL TRAUMRAUM, KANT, HELP PORTRAIT, GALERIE RIEKER, VATERKOLUMNE, BRIEF AN DIE HEIMAT, FOTOGRAFISCHE LIEBES- GRÜSSE, U. V. M.

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon, ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrückten rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser Download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen "keosk"-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: SHOP -> MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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INHALT HANIX Nº35 CHRISTIAN HÄRINGER MEINE PLATTENKISTE FRISCHE EINGETÜTET HEIMATLIEBE KEIN SATIRIKER MEHR KULTURBEUTEL Der Sozialpädagoge ist für das Booking der Römersee Festivals verantwortlich und für das »Los Banditos«- Konzert im Februar im Complex23. Sound den er mag muss hart und roh sein. Wir zeigen fotografische Liebesgrüße an und aus unserer Heimatregion. Diesmal mit Graffiti, Waldwegen, Einkaufstüten und Werkbänken. Satiriker und Heilbronner Oliver Maria Schmitt in einer Abdankserklärung auf seinen Beruf nach den Pariser Anschlägen auf die Redaktion von »Charlie Hebdo«. LOOPTROOP ROCKERS MUSIKKOFFER 1 MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR MUSIKKOFFER 2 IM GESPRÄCH: »BULLY« HERBIG INTERVIEW DES MONATS Vor dem Tourstart der vier schwedischen Conscious-Rapper aus Schweden mit Auftritt in Mannheim hielten wir einen Plausch. Seit Jahren bereichert Superior als DJ, Rapper und Produzent die Unterländer Szene und begibt sich mit uns auf eine Zeitreise in Sachen Hip-Hop-Kultur. Für das Interview des Monats sprachen wir diesmal mit »Bully« Herbig über seinen Auftritt in Neckarsulm, besondere Rituale und entgangene Shitstorms weil es zu Zeiten der Bullyparade noch gar keine gab.

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10 - 14<br/> BASTIAN PASTEWKA, ERIK PENNY<br/> &amp; ORGASMEN MIT KANT<br/> STADTLEBEN / LANDLEBEN<br/> 86 – 123<br/> WILLKOMMEN<br/> TITELTHEMA<br/> »Selbst Feinden, die als Gäste zu uns kommen,<br/> muß die schuldige Gastfreundschaft erwiesen<br/> werden; der Baum beschattet mit seinen Blättern<br/> auch denjenigen, der ihn fällt. «<br/> (Mahābhārata, indisches Nationalepos aus dem<br/> Hindu-Sanskrit, entstand um 400 v. Chr. bis<br/> um 400 n. Chr., als Verfasser gilt Vjāsa)<br/> JULIAN BAIER<br/> HEILBRONNER STUDIS<br/> NELE MUNZ<br/> BESICHTIGUNGSTERMIN BEI ...<br/> TIMING, TIPPS &amp; TEMPO<br/> VATERKOLUMNE<br/> BUKO IMBISS &amp; CAFE ROTH<br/> MITTAGSTISCHTEST<br/> »HELP PORTRAIT« HEILBRONN<br/> SPIEGELREFLEX<br/> SÜDAFRIKA<br/> BRIEF AN DIE HEIMAT<br/> 70 – 81<br/> BILDER,<br/> LICHTOBJEKTE &amp;<br/> SKULPTUREN<br/> KUNSTREGION<br/> Die GALERIE MANFRED RIEKER präsentiert<br/> in vier bis fünf Ausstellungen jährlich<br/> Werke von professionellen Künstlern. Los geht<br/> es dieses Jahr mit »Bilder, Lichtobjekte &amp; Skulpturen«<br/> am 1. Februar.<br/> LESERBRIEFE &amp; IMPRESSUM<br/> ÜBER UNS<br/> HAUPTBAHNHOF, 1956<br/> HISTORISCHER SCHUSS<br/> VERANSTALTUNGEN<br/> FEBRUAR<br/> VERANSTALTUNGSKALENDER<br/>

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STADTLEBEN: FEBRUAR 2015 BASTIAN PASTEWKA UND KOMPLIZEN: PAUL TEMPLE UND DER FALL GREGORY – EIN LIVE-HÖRSPIEL In Großbritannien und Deutschland sind der coole Detektiv Paul Temple und seine liebreizende Frau Steve Kultfiguren der frühen Hörspielgeschichte. Bastian Pastewka und Komplizen führen im Komödiensaal des Theaters Heilbronn eine Neuauflage des ersten 40er-Jahre Radiokrimis auf. London im Jahre 1949: Ein Serienkiller treibt sein Unwesen in der britischen Metropole! Eine schreckliche Mordserie an jungen Mädchen hält die Bewohner in Atem und sorgt für Unbehagen und Ratlosigkeit bei Scotland Yard. Jetzt kann nur noch einer helfen: Meisterdetektiv Paul Temple. Schauspieler und Comedian Bastian Pastewka und seine Komplizen nehmen sich dem legendären ersten Fall des Privatermittlers Paul Temple, der der Feder des britischen Autors Francis Durbridge entsprang, an. »Paul Temple und der Fall Gregory« verschwand nach seiner Erstausstrahlung 1949 aus den Archiven der Rundfunkanstalten; erst vor kurzem tauchten Teile des deutschsprachigen Skripts wieder auf. Grund genug für den Temple-Fan Pastewka und seine Komplizen Kai Magnus Sting, Alexis Kara, Janina Sachau sowie Cathlen Garwich dem Stück neues Leben einzuhauchen. Geboten wird ein Live-Hörspiel nach Tradition der alten Radiohörspiele der 40er- und 50er-Jahre. Hierbei leihen die Akteure nicht nur den Charakteren ihre Stimmen, sie kümmern sich zusätzlich noch um die Vertonung des Stücks mit den damals üblichen Geräusch-Requisiten. In bester 40er-Jahre-Manier lauscht der Zuhörer also Klingelkästen, Lederknarzen, Zeitungsrascheln und plätscherndem Wasser – live erzeugt von den Schauspielern. Wer den neben Sherlock Holmes bekanntesten Detektiv Großbritanniens kennenlernen und live bei einem einzigartigen Hörspielklassiker dabei sein möchte, hat am 19. Februar 2015 um 20 Uhr im Komödienhaus des Theaters Heilbronn die Gelegenheit dazu.

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Für Familienväter, die Ihren Söhnen einen Sportwagen versprochen haben. Willkommen: der neue Cayenne GTS. Ab sofort bestellbar im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Sie. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel.: +49 7131 5034-200 Fax: +49 7131 5034-220 www.porsche-heilbronn.de Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): innerorts 13,2–12,9 · außerorts 8,3–8,1 · kombiniert 10–9,8; CO 2 -Emissionen: 234–228 g/km

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STADTLEBEN: FEBRUAR 2015 ERIK PENNY – HEART BLEED »I write stories about the space we share here, while we are here.« Der US-Songwriter Erik Penny und seine Band spielen am 25. Februar im Goldmarks in Stuttgart. Der amerikanische Singer/Songwriter Erik Penny ist ein Philosoph der kleinen Dinge, ein charismatischer Storyteller. Seine Songs entstehen ganz erdverbunden und schwingen sich letztlich doch empor. Charaktere und Momente werden zu Geschichten, die er mit markantem Bariton und eingängigen Melodien zum Leben erweckt. Mit seiner entwaffnend charmanten Ausstrahlung und der großherzigen Wärme seiner Musik entzündet er schließlich eine ansteckende positive Kraft. Die Songs von »Heart Bleed Out« gehören zu den persönlichsten, die Erik Penny je geschrieben hat. Über zwei Jahre liegen zwischen seinen letzten Veröffentlichungen und seinem aktuellen Album. Nach zwei EPs, drei Studioalben, einer Live-CD, erfolgreichen Deutschlandtourneen und großen Support-Shows (u.a. für Joe Cocker, Ronan Keating, Philipp Poisel) bleibt er der Bühne fern, kümmert sich um seine schwer erkrankte Tochter und versucht gleichzeitig mit dem Verlust eines geliebten Menschen zurechtzukommen. Die Arbeit an »Heart Bleed Out« hilft ihm dabei, nicht aufzugeben. Sie gibt ihm einen Ort, wo er all die übermächtigen Bilder und Emotionen sortieren und in Songs fassen kann, sei es um sich von ihnen zu trennen oder sie für immer zu bewahren. Erik Penny hat keine Wahl: »Heart Bleed Out« schreibt er, weil er es muss. So entstehen vierzehn Momentaufnahmen dieser schmerzhaften und herausfordernden Zeit, die, von einer leichten Melancholie durchzogen, doch nie verbittert sind. Gedanken über das erwachende Leben sind ebenso präsent wie jene über die Vergänglichkeit und den Verlust, Gedanken darüber, wie glücklich und wie betrübt man sein kann; und beides gleichzeitig. Erik Penny wuchs mit der »British Invasion«, dem Classic Rock und den Folk-Singer/Songwritern der 1970er- Jahre auf. Später beeinflussten ihn New Wave und Alternative, dann Indie-Rock. Heute schließt sich der Kreis:

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STADTLEBEN: FEBRUAR 2015 Zurück zur akustischen Gitarre und klassischen Songstruktur. Im Fokus das Songwriting, diese amerikanische Tradition, die Penny verinnerlicht hat. Vom Delta Blues bis Dylan, von den Beach Boys zu den Eagles, von Johnny Cash bis Wilco – ein guter Song überwindet Zeit und Raum, überschreitet internationale Grenzen. Es war 2008, als sich Erik Penny entschied, die endlosen Sonnentage von Los Angeles gegen das launenhafte Klima Berlins einzutauschen – eine Entscheidung, die er seitdem nicht ein einziges Mal bereut hat. Seine Musik ist schon immer »Americana« gewesen, im elementarsten, buchstäblichen Sinne: Er ist in Potsdam, New York, geboren, in El Paso, Texas, aufgewachsen und in L.A. zum bühnenerprobten Musiker geworden. Interessanterweise sind seine Stücke nach dem Umzug nach Berlin deutlicher »Americana« als zuvor. Pennys eigene Ausprägung dieses Genres öffnet sich dabei auch dem Amerika jenseits der US-Grenzen. So scheinen die Schattierungen des Wüsten-Folk-Rocks Calexicos aus den Südstaaten genauso durch wie die berühmten Kanadier Leonard Cohen und Neil Young. Ehrlichkeit ist für Penny Grundvoraussetzung, um einen guten Song zu schreiben. Eine Idee wird zur einprägsamen Melodie und mündet schließlich in einer authentischen Darbietung. In seinem Songwriting ist kein Platz für Kunstgriffe, Künstlichkeit an sich. Erik Penny entwickelt seine Themen aus dem Kleinen, aus den besonderen Augenblicken und hebt sie auf eine universelle Ebene. Im Falle von »Heart Bleed Out« war dies schmerzend und heilend zugleich. »I could feel pain and love growing into something new and permanent inside me, and I knew I had changed forever.« Mehr Infos: www.erikpenny.com | www.facebook.com/erikpenny Christiane Möbus rette sich wer kann KUNSTHALLE VOGELMANN >> 14.02.– 07.06.2015 www.museen-heilbronn.de Christiane Möbus, rette sich wer kann, 2001 © (Christiane Möbus) VG BiLd-KUNST Bonn 2015, Foto: Achim Kukulies

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LANDLEBEN: FEBRUAR 2015 »MIT KANT-ZITATEN ZUM ORGASMUS« – MORITZ NETENJAKOB LIEST IN OBERSULM in den letzten Jahrzehnten, doch immer noch mit ihren Gefühlen schwer tun. Einer der gefragtesten Comedy-Autoren besucht Obersulm, um aus seinem neuesten Buch mit dem wohl besten Titel der Romangeschichte »Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus« zu lesen. Moritz Netenjakob präsentiert in seinem Buch Geschichten über die Deutschen und deren Gemütslage. Netenjakob, der unter anderem Autor für die Fernsehserien Anke, Dr. Psycho und Stromberg, sowie der Chefautor von Wochenshow und Switch ist, kann mit Fug und Recht als Experte auf dem Gebiet der deutschen Comedy bezeichnet werden. Nach den beiden Spiegel-Bestseller-Romanen »Macho Man« und »Der Boss« beschreibt er in »Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus« humorvoll den Alltag der Deutschen, die sich, trotz einiger Veränderung Laut Netenjakob geben sich Deutsche immer viel Mühe, um ja alles richtig zu machen. Doch genau hierin liegt das Problem: Der neurotische deutsche Drang zum Perfektionismus lässt uns eben genau deshalb immer wieder scheitern und sorgt für lustige Alltagsprobleme. So stellt der Autor ein Kabinett aus liebenswerten Neurotikern zusammen, die an ihrem eigenen Charakter verzweifeln. Ein Beispiel: In »Die Deutschen und Erotik« versucht ein Lehrerehepaar sein langweiliges Sexleben durch ein Rollenspiel an einer Hotelbar wieder aufzupeppen. Sie spielt eine russische Prostituierte, er den heißblütigen Italiener: Anstatt jedoch wild über einander herzufallen, verheddern sich beide immer wieder in ihrer Political Correctness. In den Alltagsgeschichten des Grimme-Preis-Trägers, garniert mit beißendem Spott und Selbstironie, kann man sich herrlich selbst wiederfinden und schmunzeln. Denn auch wenn die Deutschen oftmals als humorlos bezeichnet werden, eins kann man uns dennoch zu Gute halten: Dass wir zumindest ungewollt komisch sind. DIE LESUNG FINDET AM SAMSTAG, DEN 28. FEBRUAR IM KULTURHAUS OBERSULM- AFFALTRACH UM 20 UHR STATT. »MIT KANT-ZITATEN ZUM ORGASMUS« ERSCHEINT BEI KIEPENHEUER & WITSCH UND KOSTET CA. 15€. ISBN: 978-3-462-04706-6.

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PROTOKOLL: ROBERT MUCHA FOTO: ULLA KÜHNLE CHRISTIAN HÄRINGER: DER RÖMERSEE-BOOKER MAG ES ROH UND UNGESCHMINKT Der 30-jährige Heilbronner arbeitet hauptberuflich als Sozialpädagoge im Böckinger Bürgerhaus und ist darüber hinaus seit neun Jahren für das feine Booking des Römersee-Festivals verantwortlich. Nun veranstaltet er zusammen mit seinem Kumpel Jens Hüller am 13. Februar ein Konzert mit den »Los Banditos« im Complex23 in Heilbronn. Im März folgt ein größeres Dub-Konzert im Mobilat Club, das von der Römersee-Crew organisiert wird. Grund genug für uns, einen Blick in die Plattenkiste des Musikfachmanns zu werfen. DIE ÄRZTE, DIE BESTIE IN MENSCHENGESTALT, 1993 Diese Platte war meine erste prägende Platte. Die Ärzte sind für meine musikalische Sozialisation verantwortlich. Der »Schrei nach Liebe« war damals der Song, weshalb ich mir das Album als kleiner Steppke zugelegt habe. Für mich ist diese Platte so prägend gewesen, weil sie mir zu anderen Szenen, wie beispielsweise Punk oder Ska, die Türe geöffnet hat. Die Ärzte haben ihr eigenes Ding gemacht und auch politische Aussagen getroffen, die ich unterschreiben konnte. Es ist also durchaus Musik mit Bildungsauftrag. Inzwischen höre ich Die Ärzte nicht mehr so oft, aber wenn ich die Musik heute höre, dann immer noch sehr gerne.

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MEINE PLATTENKISTE: CHRISTIAN HÄRINGER MARKSCHEIDER KUNST, KRASIWO SLEWA, 2001 »Markscheider Kunst« ist eine russische Weltmusik-Band mit deutschem Namen. Der ungewöhnliche Name stammt aus der deutschen Bergmannssprache: »Markscheider« bezeichnet einen Vermessungsingenieur im Bergbau. Nahezu alle Bandmitglieder sind ehemalige Bergbaustudenten. Deren Sound habe ich über den »Russendisko«-Sampler zum Buch von Vladimir Kaminer kennengelernt und die Jungs auch live spielen sehen. Dieses Album definiert Weltmusik, wie ich sie gerne höre, perfekt. Hier wird russische Musik mit afrikanischen und lateinamerikanischen Rhythmen verbunden. Zu hören ist dann eine Symbiose des klassischen russischen Arbeiterliedes mit beispielsweise Salsarhythmen. Die Songs sind auf Russisch, ich verstehe also kein Wort. Aber ich denke, dass es letztendlich um eine gute Sache geht. Ich habe die Jungs ja live gesehen und die Stimmung auf den Konzerten aber auch der Look der Band, und das was musikalisch auf dem Album rüberkommt, geben mir dieses gute, weltoffene Gefühl. PINK FLOYD, MEDDLE, 1971 Einen Klassiker habe ich auch dabei. Mein Vater hat versucht, mir in ganz jungen Jahren Pink Floyds Musik näherzubringen. Als Kind konnte ich damit aber herzlich wenig anfangen. Mir fehlte einfach der Zugang, die Musik war mir auch zu abstrakt und zu weit weg von meiner musikalischen Welt. In meiner Jugend habe ich dann Gefallen an Pink Floyd gefunden. Gerade die Sachen aus deren Anfangszeit haben es mir angetan. »Meddle« habe ich ausgesucht, weil auf der Platte für mich die größte Hitdichte vorhanden ist. »One of These Days«, der erste Song auf der Platte beispielsweise, der hart und treibend ist. Oder »Echoes«, ein Stück, das über 23 Minuten geht und in sämtliche Sphären abgleitet. Schlussendlich kann ich sagen, dass die Bemühungen meines Vaters doch gefruchtet haben. Das hat er gut gemacht. THE GROWLERS, HUNG AT HEART, 2013 The Growlers sind eine aktuelle kalifornische Band. Sie spielen Retrosound mit poppigen, eingängigen Melodien, was mir ziemlich gut gefällt. Vielen geht inzwischen auf alt gemachter Sound auf den Zeiger. Bei mir ist das anders, ich stehe einfach drauf. Auf dem Album hört man die Verbindung von Suf- und Beatmusik. Ich würde die Stücke auch als recht einfach bezeichnen und die Bandmitglieder als sehr authentisch. Auch The Growlers habe ich live gesehen. Man hat den Eindruck, dass Frontmann Brooks Nielsen fast gelangweilt ist beim Singen. Aber das kommt total lässig rüber. Der Sound vermittelt eine gewisse Melancholie, gleichzeitig aber auch große Lust aufs Reisen und dazu am Meer zu sitzen. Man sehnt sich beim Zuhören nach Sommer. KADAVAR, KADAVAR, 2012 Eine Berliner Rock-Band, die auch schon auf dem Römersee Festival aufgetreten ist. Sie wird den Stilrichtungen Proto-, Stoner,- und Psychedelic-Rock zugerechnet. Ich hatte lange Zeit überhaupt keinen Rock mehr gehört. Nach dem Kadavar-Auftritt 2012 bei uns auf dem Römersee Festival hatte ich aber wieder Blut geleckt. Die Jungs haben mit altem Equipment aufgenommen und deshalb hört es sich an, als wäre der Sound aus den 60ern oder 70ern. Ich fand die Musik richtig spannend und authentisch. Das Album, das ich mir rausgesucht habe, klingt sehr verspielt und improvisiert. Für mich war deren Entdeckung ein totaler Glücksgriff. Aktuell höre ich tatsächlich sehr viel Rock – dank Kadavar.

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HEILBRONNER STUDIS Julian Baier aus Bad Mergentheim studiert im fünften Semester Food Management an der DHBW. Für seine letzten beiden Semester muss er nun seine Heimatstadt verlassen, da sein Studiengang nach Heilbronn verortet wurde. Der Taubertaler freut sich auf die Horizonterweiterung, die ein Umzug in eine neue Stadt mit sich bringt. Auch wenn es bequemer für ihn gewesen wäre, wenn er sein Studium in Bad Mergentheim abschließen könnte. Heilbronn hat er chaotischer erwartet, schließlich ist die Neckarstadt eine Großstadt. Seine Eindrücke in seinen ersten acht Wochen in Heilbronn sind durchweg positiv. Die Einheimischen hat er als offen, herzlich und freundlich wahrgenommen, was ihn überrascht hat. Und durch die Students Tour durch Heilbronner Kneipen hat er das PlanB kennen- und schätzengelernt. FOTOS: MEMO FILIZ »ICH FREUE MICH AUF DEN SOMMER IN HEILBRONN« Name: Julian Baier aus Bad Mergentheim Alter: 26 Jahre Hochschule: DHBW Heilbronn Studiengang: Food Management im fünften Semester

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»MEIN HEILBRONN« PRÄSENTIERT HEILBRONNER STUDIS: JULIAN BAIER »Mein Heilbronn« spendiert jedem teilnehmenden Studenten einen Einkaufsgutschein der Stadtinitiative im Wert von 50 Euro. Du willst mehr über Heilbronn wissen? www.mein-heilbronn.de

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BESICHTIGUNGSTERMIN BEI ... NELE MUNZ TEXT & INTERVIEWS: SARAH BAUDENBACHER FOTOS: MELI DIKTA NELE MUNZ HEILBRONN BÖCKINGEN STILVOLLER ALTBAUCHARME Viel Geschmack und den gewissen Sinn fürs Detail beweist Nele nicht nur in ihrer Arbeit als Fotografin, sondern auch in ihren vier Wänden.

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BESICHTIGUNGSTERMIN BEI: NELE MUNZ STECKBRIEF Wer wohnt hier? Hinter der alten Fassade eines 1958 erbauten Böckinger Hauses verbirgt sich die wunderschöne Vierzimmer-Altbauwohnung von Nele Munz, der sie zusammen mit ihren drei entzückenden Kindern Ole(9), Smilla(7) und Teo(3) Leben einhaucht. 110 QM TOTAL DAS APPARTEMENT:

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BESICHTIGUNGSTERMIN BEI: NELE MUNZ SARAHS KLEINES WOHNINTERVIEW Was ist deine Lieblingsbeschäftigung wenn du in eurem Zuhause bist? Wir halten uns sehr gerne in unserer Küche auf. Sie und das Wohnzimmer sind der Mittelpunkt der Wohnung. Im Sommer der Garten. Eure Altbauwohnung in drei Worten? Individuell, bunt und einfach gemütlich. Wo findest du all deine schönen Einrichtungsgegenstände? Flohmarkt, Second-Hand, Internet, oder im Einrichtungshaus. Das blaue mit der gelben Schrift, Butlers, Depot... Und individuelle Sachen auch aus anderen Städten in so schönen Krimskrams-Läden (Hamburg/ Berlin/Dresden/Amsterdam). Holzofen oder lieber Zentralheizung? Lieber Holzofen. Nur leider haben wir hier Gas. Gibt es einen Fleck in eurer Wohnung der dir gar nicht gefällt und den du am liebsten sofort ändern würdest? Manchmal das kleine Bad, ohne Badewanne. Aber Abstriche gibt es in jeder Wohnung. Dein Nummer eins Einrichtungstipp? Trau dich Farben zu wählen, die du magst! Und allbekannt aber wahr: Weniger ist mehr. Ich mag es sehr gerne übersichtlich und schlicht.

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Mehr vom Leben haben. Voll im Plan! Wir machen den Weg frei. Gönnen Sie sich ruhig die schönen Seiten des Lebens. Unsere ganzheitliche, individuelle Beratung und der VR Lebensplaner ® sichern Ihnen mehr finanziellen Spielraum für Ihre Wünsche und Ziele. www.volksbank-heilbronn.de

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON MELI DIKTA, ROBERT MUCHA, MEMO FILIZ & SANDRA CHMIELOWSKI

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION BITTE OHNE LOCH NESS Breitenauer See im Winter - halb zugefroren und halb offen. Es spiegelt sich wider die Freude mit welcher die Flugzeuge am Himmel tanzten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION TREIBGUT-TEPPICH Was aussieht, wie das Holzlager einer kanadischen Lumberjack-Familie ist schlicht ein häßlicher Treibgut-Teppich auf dem Hagenbuchersee in der Heilbronner Innenstadt.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION LADY UND WUSCHEL In den Schwaigerner Römerhöfen sind Hund Yara und Ponydame Lady seit Jahren eng befreundet. Yara begleitet die braune Stute bei Ausritten, beim Grasen auf der privaten Koppel und in den Stall. Ein echter Freund eben.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION WALDWEG INS KÖPFERTAL Im Heilbronner Osten verbirgt sich im Stadtwald ein verwunschener Ort, das Köpfertal. Durch den urig anmutenden Wald gelangt man über eine schmale Brücke ins Tal.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION NOSTALGISCH-URIGE WERKBANK MIT DEKO Ein in die Jahre gekommener Arbeitsplatz - aber der Pinup- Kalender darf nicht fehlen. Der Arbeitsplatz eines Arbeiters ganz nach seinem Geschmack.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION WINTERLAUB Spät fielen die Blätter in diesem Jahr im Alten Friedhof. Als es dann so weit war, häuften fleißige Arbeiter der Stadt das gefallene Laub zu kleinen, braunen Blätterhügeln auf.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ACHTUNG! STAPLERVERKEHR Auf einem stillgelegten Fabrikgelände entdeckte unsere Fotografin dieses Schild, welches aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Wer hier wohl schon alles gelebt und geschuftet hat? Wenn Gebäude und Schilder nur sprechen könnten. So aber regen die stummen Zeitzeugen die Phantasie des Betrachters an.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION GIFTIGES GRAFFITI IN HEILBRONX Dieses Graffiti auf einer Wand in einem alten halb abgerissenen Gebäude wird flankiert von Schrott. Für Writer ein wahrer Traumspot, für Fotografen ebenfalls ein Abenteuerspielplatz mit jeder Menge versteckter Motive zum Entdecken.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION DAHENFELDER HOCHSITZ Gegenüber des Dahenfelder Bahnhofes steht ein Türchen offen - welch einladende Geste - unaufdringlich doch verlockend. Aber wie morsch und zerbrechlich das Ziel sein kann - wer ahnt das schon im Voraus.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION FÜR VIELFALT UND TOLERANZ Heilbronn blieb bisher zum Glück vor den unsäglichen Demonstrationen der patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes verschont. In der Heilbronner Gabelsbergerstraße hängt ein stiller Protest in einem Fenster gegen die irren Pegida-Anhänger, die religiöse Werte verteidigen, an die sie selbst nicht glauben, die gegen Menschen sind, die es in ihrem Umfeld nicht gibt, von denen aber in den Medien berichtet wird, die sie für Lügner halten. Irre, diese Pegida!

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION PANORAMA FÜR SCHNEEERLENBACHER Seltene Anblicke in der Region. Weiß gepudertes Panorama zwischen den Weinbergen in Erlenbach. Man bekommt nicht genug von der Sonne und dem glitzernden Schnee.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION KEIN EINKAUFSZETTEL Wir sind uns nicht schlüssig, was genau auf diesem verlorenen Zettel festgehalten wurde. Es scheint eine Gebrauchsanweisung für das Fernbedienungsinventar eines Haushaltes zu sein. Oder etwas ganz anderes.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION WINDOW COLOUR Ein Grund warum man so gerne durch Glasfenster schaut ist, dass man klare Sicht auf das Innere eines Geschehens erhält. Diese Frau hat eines Sonntags im Dezember drei Kuchen für den Kletterverein gebacken. Nach getaner Arbeit gönnt sie sich eine kleine Auszeit bei Eistee und Marmorkuchen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION KLARE ANSAGE Neben den Räumlichkeiten des Heilbronner Fitnessstudios Easy Fit in der Dieselstraße befindet sich ein altes Gebäude, welches schon als Probe-, Party-, und Plattenbau-Location genutzt wurde. Doch eins steht fest. »Rauchen ist hier verboten!«

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VORSICHT! LOCH IM ERDREICH Scheinbar sinnlos und ohne echte Funktion ist dieser Bauzaun an einen Balkon gelehnt. Doch so ist es nicht. Denn bei genauem Hinsehen kann man das Loch im Erdreich unter Balkonien erahnen. So schützt der Zaun diejenigen vor Lochsturz, die auf die Idee kämen, unter dem Balkon durchzurobben.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION LATERNEN-SCHORNSTEIN Nahe der Sülmerstraße in der Heilbronner Innenstadt gibt dieser Schornstein an, etwas anderes zu sein als er tatsächlich ist. Er wäre gerne mehrere Laternen, die Kindern abends beim Spaziergang Licht spenden. Dabei ist er aber eine alte, braune Rußschleuder.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION EINGANG Die Eingangstüre der Arbeiterbaracken des Alten E- Werks in Heilbronn. Ach, wenn Gebäude doch nur vom Erlebten erzählen könnten. Wie viele rußgeschwärzte Gesichter sind hier schon ein- und ausgegangen?

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ZURECHTGESTUTZT Dieser Strauch auf der Heilbronner Waldheide wurde von jemandem winterfest zurechtgestutzt, damit er im Frühjahr wieder ordentlich treiben kann.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION WEIHNACHTSKARUSSELL Viele Eltern von Kleinkindern versuchten während des Weihnachtsmarktes einen großen Bogen um den Marktplatz zu machen. Denn sobald die Kleinen das Karussell entdeckten, langte eine Fahrt selten aus. Eine zweite, dritte, gar vierte Fahrt wurde eingefordert ehe sich die Eltern wieder in aller Hektik dem vorweihnachtlichen Einkaufsstress zu widmen.

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TIMING, TIPPS UND TEMPO (UND DIE BUCKLIGE VERWANDTSCHAFT) In unserer Vaterkolumne dreht sich heute alles. Und zwar um den richtigen Zeitpunkt. TEXT: NICOLAI KÖPPEL Die Verwandtschaft ist immer voller guter Ratschläge. Man nehme einen beliebigen Verwandten und schüttele ihn lange genug – da sind die Eltern und Geschwister und deren Eltern und angeheiratete Typen so schlimm wie die in etwa gleichaltrigen Cousins und Cousinen. Freunde wissen auch, was gut für einen ist, die behalten das aber für sich und helfen einem nachher wieder auf die Beine, wenn was schiefgegangen ist. Verwandte sagen, was sie denken, damit sie nachher sagen können: »Sollen ihm doch seine Freunde aufhelfen, ich hab ihn gewarnt!« Steuererklärung rechtzeitig machen, Preise vergleichen, Augen auf bei der Berufswahl – und vor allem eins. Gilt jetzt eher für Männer. Ist ja aber auch ne Vaterkolumne hier und wird von Vätern gelesen oder denen, die es noch werden könnten. Sicher auch von Frauen, sogar Mütter sollen dabei sein. Ist ja keine Zielgruppenabfertigung hier, sondern was für alle. Trotzdem ganz familiär. Man trifft sich hier und liest staunend, was man schon weiß, aber nicht zugeben würde – oder man lernt etwas und behält das schön für sich. Das macht man nämlich so mit Gelerntem. Man behält es. Ich habe vor allem diese eine Warnung aus dem Familienkreis behalten, geäußert von wohlmeinenden Männern und noch wohlmeinenderen Frauen, und es ging los, als ich aus meinem Konfirmandenanzug rausgewachsen war und meine jahrelang kieksgeplagte Stimme endlich ihren hormonell bedingten vorläufigen Tiefstand erreicht hatte. Sie sinkt seitdem trotzdem weiter ab, die Stimme, nur langsamer, alle paar Jahre um einen Halbton, völlig normal bei Männern, und irgendwann vibriere ich nur noch und man hört mich nicht mehr. Das wird schön. Die Leserschaft möge mit mir vibrieren, wenn ich die einstige Zentralwarnung der Verwandtschaft bekanntgebe: »Pass auf: Vater wird man ganz schnell!« Das ist gut, was? So verdirbt man einem in Hoffnung auf unverbindlichen Geschlechtsverkehr Heranwachsenden die Freude. Das ist so ähnlich wie mein Vierspurgerät, mit dem ich in den 90ern meine ersten Songs aufnahm, in dessen Bedienungsanleitung stand: »Dieses Gerät bietet bessere Technik, als die Beatles bei ihren ersten beiden Alben zur Verfügung hatten.« – da winkt man dann gerne mal ab. Nicht dass später einer sagt: »Hab ich dir doch gesagt gehabt!« Als ich mit 38 Jahren zum ersten Mal Vater wurde, waren einige der familiären Warner schon verstorben, vielleicht ein bisschen zufrieden, weil ich bis zum Ende auf sie gehört zu haben schien. Andere zogen die Augenbrauen hoch, als wollten sie wortlos mitteilen, dass es sich bei so später Vaterschaft ja sicher um einen Unfall gehandelt haben muss (mitnichten übrigens!). Man kann es den Verwandten schwer rechtmachen, auch ein Punkt, in dem sich die Bluts-

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DIE VATERKOLUMNE: TIMING, TIPPS UND TEMPO verwandten von den Freunden unterscheiden, denn den Freunden ist alles recht, mit denen streitet man dann rum und kommt dann wieder klar, weil’s doch Freunde sind, die man nicht loswerden will. Mit Verwandten streitet man nicht, weil man sie ja nicht loswird. Das ist unspannend. Dann bleibt alles ungesagt und dauert bekanntermaßen ewig. Weil es darum ja geht bei Familie: dass es bleibt und dauert. Vater werden dauert übrigens auch, und ich meine nicht die drei Minuten oder die neun Monate oder die Wehen, die nicht kommen wollen. Aber das ist alles nicht der Punkt. Es gibt einen Punkt? Ja, gibt es. Hätte ich auch nicht gedacht, aber der Punkt ist der: So unrecht haben die Verwandten gar nicht gehabt, mit der Warnung von wegen Schnelligkeit. Nur wie Familie eben so ist: Die Themen stimmen immer, nur absolut alles andere ist Quatsch. Was will uns der Autor damit sagen? Er will sagen: Das mit der Schnelligkeit hört nicht mehr auf. Gar nicht. Wenn man dann mal Vater ist. Vorher ist eine Weile lang Geduld und Einfühlungsvermögen, dann plötzlich Abruptizität und Überschlag angesagt, danach aber zählt nur noch Tempo. Aber eben erst danach, und damit meine ich währenddessen. Seid ihr noch da? Dann hört mich an, und zwar jetzt. Oder wartet besser noch einen … nein, jetzt! Einsatz orchestraler Musik, ein dickes altes Buch wird aufgeschlagen und eine knorzige Erzählerstimme hebt an: Timing ist die wesentlichste Komponente guter Unterhaltung. Was da fehlt, kann nicht kompensiert werden. Und wenn es nicht Amüsiersucht ist, die das Publikum unerbittlich macht, ist es in den ersten Monaten der Vaterschaft zuerst mal Hunger. Der muss vermieden werden. Dann fütter doch dein Kind, du Trottel, höre ich mich selbst sagen. Das ist aber nicht alles. Das Kind kann ja nicht nur essen, das kann auch gucken und greifen und Mama vermissen (Ohropax immer im Haus haben, ein Paar reicht, man kann das bis zur Einschulung drinlassen!) – wer mit den Fähigkeiten seines Kindes zu jonglieren versteht, ohne es zu täuschen oder zu manipulieren, hat total viel Stress, aber gleichzeitig viel weniger Stress, weil das Gefühl, das Richtige zu tun. Also mit flauschiger Rasselschnecke ablenken, bevor der Blick in die Ecke geht, wo Mama gerade noch stand und jetzt nicht mehr steht, Zweitlöffel in die Hand drücken und das mundoffene Staunen über die eigene Greiffähigkeit (»Boah, was geht hier ab? Ich habe einen Löffel in der Hand! Selber! Sobald ich meine Fassung wiedergewonnen habe, raste ich aus.«) ausnutzen, um den Kürbis- Hühnchen-Brei in den dafür vorgesehen Stauneschlitz zu applizieren. Und auch mal aus dem Raum gehen, damit das Objekt all meiner Liebe auch mal merkt, wie das alleine ist – aber je nach Bewegungsradius des Nachwuchses alle 5 bis 30 Sekunden nach dem Eintreten völliger Stille doch lieber mal nachgucken, ob noch alle da sind. In solchen Freizeitintervallen muss dann auch mal was erledigt werden. Da wird man schnell. Und cool. Ich erinnere mich, dass ich, bevor ich säuglingsbedingt funktionalparanoid wurde, früher mal schreckhaft war. Da zuckte ich vor einem herabfallenden Glas zusammen, noch bevor es den Boden erreichte (normal) und musste mich nach dem lautstarken Zersplittern erstmal wieder ein paar Sekunden lang sinnesmäßig berappeln, während mir das Blut in den Schläfen pochte wie ein Technotrack auf Acid (normal auch das). Heute ist das anders: Glas fällt, ich erschrecke (normal), hechte über den Tisch, kriege das Glas drei Zentimeter vor Kontaktaufnahme mit dem Steinboden zu fassen, stelle es wieder hin … und setze die für 1,2 Sekunden unterbrochene Konversation nahtlos fort (während mir das Blut in den Schläfen pocht wie der computergenerierte Synthiebass eines Rolf- Zuckowski-Songs). Und was sagt der Nachwuchs? Er lacht, applaudiert und sagt »Nochmaal«, und weil sich das wie »Normal« anhört, mache ich es natürlich nicht, sondern warte, bis er das nächste Mal wieder irgendwas (fast) herunterwirft. Wenn das mal nicht klappt, bin ich übermüdet (kein Ohropax im Haus gewesen in der vorangegangenen Nacht). Heute ist mir also klar, dass die Verwandtschaft mich damals nicht mit dem Satz »Pass auf – Vater wird man ganz schnell!« vor unverhoffter lebenslanger Verantwortung in möglicherweise unerwünschter Konstellation gewarnt, sondern mir, dem pathologisch trantütigen Pubertätsopfer, den wohlmeinenden Vorschlag gemacht hat: »Pass auf: Als Vater wird man ganz schnell!« Hätte ich damals auf diese Nasen gehört, wären meine Kinder heute schon aus dem Haus. Und wenn ich so um mich gucke und mein Ohropaxstöpselchen ganz nebenbei nachjustiere wie andere Superhelden auch, bin ich heute überglücklich, dass sie nicht schon aus dem Haus, sondern noch da sind. Weil das mit dem Großwerden ja so schnell geht.

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MITTAGS- TISCHTEST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: MEMO FILIZ & ROBERT MUCHA Wer kennt das Problem nicht: Mittagspause – aber wohin zum Essen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, einen regionalen Mittagstisch-Test zu starten. Diesmal waren wir im Bukowski Imbiss in der Hafenstraße und im Café Roth in der Unteren Neckarstraße. Getestet wurde neben dem Geschmack auch die Geschwindigkeit, die Freundlichkeit des Service-Personals, natürlich der Preis und auch die individuellen Eigenheiten der Lokalität. Im Test haben wir uns für das umgekehrte Schulnoten-System entschieden. Somit ist die 6,0 die Bestnote.

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MITTAGSTISCHTEST: BUKOWSKI IMBISS & CAFÉ ROTH BUKOWSKI IMBISS Hafenstraße 36 | 74076 HN T 07131 / 177936 Service 4,0 Preise 2,50 – 7,50 EUR Geschmack 4,0 Geschwindigkeit 3 Minuten Apfelschorlen-Index (0,3 l) 2,50 EUR Individualität Die Rose am Grill

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MITTAGSTISCHTEST: BUKOWSKI IMBISS & CAFÉ ROTH CAFÉ ROTH Lothorstraße 41 | 74072 HN T 07131 / 85904 Service 5,0 Preise 6,50 - 8,10 EUR Geschmack 4,5 Geschwindigkeit 8 Minuten Apfelschorlen-Index (0,4 l) 3,50 EUR Individualität Seit 95 Jahren am Start

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»WARUM ICH KEIN SATIRIKER MEHR BIN« Eine Abdankungserklärung von Oliver Maria Schmitt Fotos: Marcus Kaufhold & Charlie Hebdo Die Anschläge in Paris haben mein Leben verändert. Unschuldige Satiriker haben ihr Leben verloren – klar, das ist schlimm. Wo aber Gefahr ist, da wächst das Witzelnde auch, und das kam ganz unterwartet in Form vieler neuer Spott- und Hohnfreunde. Von »Bild« über »B. Z.« bis »Jungle World« und »Spiegel« riefen alle »Je suis Charlie!« und waren nun ebenfalls Satiriker. So viele neue Kollegen hatte ich noch nie, das hat mich stark berührt. Ich war sehr stolz darauf, ebenfalls Satiriker zu sein und zu diesem plötzlich hochangesehenen Berufsstand zu gehören. Weil ich als Berufszyniker mit meinem Leben für nihilistische Überzeugungen einstand, weil ich tagaus, tagein meine Finger in anderer Leute Wunden legte, ihnen ein Spiegelbild vorhielt (den Leuten, nicht den Wunden), alles Schöne und Gute verächtlich machte, verhohnepiepelte und verzerrte, weil ich

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KULTURBEUTEL: WARUM ICH KEIN SATIRIKER MEHR BIN verletzte, verlachte und in den Dreck zog – für diese Heldenhaftigkeit würde man mir nun Lorbeerkränze winden und rote Teppiche ausrollen. Dachte ich. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis man uns tapferen Witzemachern in der Straßenbahn einen freien Sitzplatz anbot, uns am Obstregal im Supermarkt aufbauend auf die Schulterblätter klopfte und uns in dunklen Parkhäusern hell erleuchtete Satirikerparkplätze zuwies. Langes Warten beim Arzt oder beim Helene-Fischer-Kartenvorverkauf war endlich passé, ein kurzer, schneidiger Ruf würde genügen: »Lassen Sie mich durch, ich bin Satiriker!« Mein neuer Kollege, »Bild«-Chef Kai Diekmann sprang mir bei. Nach gelungener Rasur war er kaum wiederzuerkennen, mitreißend formulierte er unseren Kampfauftrag. Das fiel ihm natürlich leicht, gerade als Schriftleiter einer Zeitung, die schon immer das schrieb, was sie wollte, wonach ihr der Sinn stand: »Ihre Gewalt, ihr erbarmungsloser Hass richtet sich gegen die Freiheiten, die unsere Gesellschaften ausmachen: die Freiheit der Presse, die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Künste.« Und nicht zuletzt darum, »furchtlos so zu leben, wie wir leben. Schreiben, was wir schreiben wollen. Zeichnen, malen, dichten, aussprechen, wonach uns der Sinn steht.« Singen, tanzen, fröhlich sein und manchmal sogar einen lustigen Talibanbart tragen, das ist die Welt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Da fehlte jetzt nur noch die große »Wir sind Charlie«- Solidaritätsgala im ZDF, mit Johannes »B.« Kerner und allen deutschen Mediengrößen von Giovanni di Lorenzo bis Mathias Döpfner. Ein Blick ins Programmheft ließ mich erschaudern: Diese Gala gab es ja tatsächlich schon! »Das große Fest der Besten« auf der ARD! »Präsentiert von Florian Silbereisen. Mit Michelle, Helene Fischer und vielen Stars der Volksmusik.« Na, egal, die machen eh auch bald mit, es läuft ja eigentlich alles rund und perfekt. Zum Glück berichtete kaum einer, was der Spielverderber und »Charlie Hebdo«-Zeichner Renald Luzier, der das Attentat knapp überlebte, gerade gesagt hatte: »Man hat’s nicht leicht, wenn man von solchen Idioten unterstützt wird wie Angela Merkel«. Ja, es läuft so perfekt, dass die Satire mich gar nicht mehr braucht. Sind doch genug neue Kollegen da! Und hatte nicht auch schon Robert Gernhardt zu Lebzeiten der Satire abgeschworen? Im Nachwort seiner 1984 erschienenen Satirensammlung »Letzte Ölung« zog er ein bedrückendes Fazit seiner jahrzehntelangen Spaßmachertätigkeit. »Warum ich nicht gern Satiriker bin und mich nur ungern als solchen bezeichnet sehe«, hieß sein Schlusswort, das die Unterzeile trug: »Keine Satire«. Darin legte Gernhardt gleich sieben gute Gründe gegen sein eigenes Handwerk vor, nämlich »die toten Satiriker« (spätestens seit Tucholsky sind nur tote Satiriker gut), »die lebenden Satiriker« (»die erträglicheren sind verhinderte Künstler, die noch erträglicheren verhinderte Lehrer, die unerträglichen verhinderte Heilige«), »die Leser der Satire« (»Schon mal was von uneigentlichem Sprechen, von Ironie oder gar Parodie gehört?«), »die Anlässe der Satire« (immer wieder die gleichen), »die Mittel der Satire« (dito), »die Folgen der Satire« (keine) und zu schlechter Letzt »die Satire als solche«. Was Gernhardt zu dem selbst ihn überraschenden Schluss bringt: »Wahrscheinlich ließe sich noch viel gegen die Satire sagen. All das verblasst jedoch vor der Tatsache, dass zumindest unsere Kultur längst verrottet oder zerplatzt wäre, hätte sie nicht früh schon die Möglichkeit satirischen Sprechens entwickelt und – mit Unterbrechungen – immer wieder gestattet.« Da hatte er recht, der gute Tote. Vor allem mit den Lesern der Satire. Denen kann man ja praktisch nie was recht machen. Nimmt man mal den Dalai Lama auf’s Korn, lautet postwendend die Beschwerde: Ihr Feiglinge, beim armen Dalai Lama traut ihr euch, aber mit dem Papst würdet ihr so was nie machen! Wendet man sich dann dem Stellvertreter Gottes auf Erden zu und zeigt anhand einer befleckten Soutane die undichten Stellen im Vatikan, heißt es sofort: Ihr Flaschen, gegen die katholische Kirche spielt ihr euch auf, aber gegen den Islam, da zieht ihr den Schwanz ein! Zuletzt punktete mit einer solchen Haltung die CDU-Satire- und Vertriebenenexpertin Erika Steinbach, als sie kurz nach den Pariser Anschlägen gute Ratschläge an Satiriker twitterte: »Nur kath. Kirche kritisieren, sonst lebensgefährlich ;-)« Es war vor allem der finale Zwinker-Smiley, der ihr nach dem Gezwitscher einen veritablen Shitstorm und eine Anzeige eines aufgebrach-

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KULTURBEUTEL: WARUM ICH KEIN SATIRIKER MEHR BIN ten Bürgers einbrachte. Und die Islamwitze, von denen der Scheinkabarettist Dieter Nuhr vermutet, dass man sie in Deutschland nicht machen könne, die habe ich auch längst gemacht. Dafür gab es übrigens keinen Beifall, nur einen namentlichen Eintrag auf einer islamistischen Seite. Doch nun, da endlich alle Satiriker sind – da ist meine Mitarbeit wirklich nicht mehr nötig. Die allfällige Kritik mit komischen Mitteln – die besorgen die Betroffenen doch sogar schon selbst! Und wie! Da ist der neue Bettelpapst in Rom, der in einer Ansprache vor seiner eigenen Kurie gegen deren »mentale Erstarrung«, gegen die »Krankheit der Rivalität und Eitelkeit« und »spirituelles Alzheimer« stichelt. Da sind die lustigen Verschwörungstheoretiker, die schon Stunden nach den Pariser Anschlägen beweisen konnten, dass der Mossad hinter allem steckte. Da ist der AfD-Politiker Jörn Kruse, der öffentlich über den Attentatszeitpunkt scherzte: »Leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe.« Da demonstrieren in Paris die Führer der Welt, säuberlich vom Volk separiert, in einer abgeschotteten Seitenstraße für Friede, Freude, Eierkuchen und die Freiheit der Presse, während einige dieser Spaßvögel in ihren Heimatländern Journalisten auspeitschen, foltern und wegsperren lassen. Da steht Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor und demonstriert für die Pressefreiheit, während ihr schon der leibhaftige Schalk Seehofer im Nacken sitzt und höhere Strafen für Blasphemie fordert. Wenn das keine Schenkelklopfer sind! Und dass der Pegida-Erfinder Lutz Bachmann, der sich sofort mit »Charlie Hebdo« solidarisierte und in Strafsachen bestens bewandert ist (Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl), dass dieser Demokrat nun mitteilte, er wolle die »Titanic« wegen eines ihm in den Mund gelegten Kommentars verklagen (»Mit Satire hat dies nix mehr zu tun!«) – das alles ist doch absolut wunderbar! So was könnte sich ein Satiriker niemals ausdenken. »WARUM ICH KEIN SATIRIKER MEHR BIN« AUS DER F.A.Z. VOM 19.01.2015 VON OLIVER MARIA SCHMITT © ALLE RECHTE VORBEHALTEN. FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, FRANKFURT. ZUR VERFÜGUNG GESTELLT VOM FRANKFURTER ALLGEMEINE ARCHIV

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INTERVIEW: FRIEDEMANN ORTHS FOTOS: LOOPTROOP ROCKERS »WIR SOLLTEN BESSER WICHTIGE DINGE ZU SAGEN HABEN.« LOOPTROOP ROCKERS IM INTERVIEW

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MUSIKKOFFER 1: LOOPTROOP ROCKERS Seit mittlerweile fast 25 Jahren sorgen vier Schweden für Furore im internationalen Rap-Business: In dieser Zeit haben die Looptroop Rockers sieben Alben und unzählige EPs und Mixtapes veröffentlicht. Partytaugliche Beats aber vor allem scharfsinnige Gesellschaftskritik in ihren englischen Texten sind die Markenzeichen der vier Ausnahmetalente des conscious rap. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuesten Meisterwerks »Naked Swedes« im letzten Jahr sind die Jungs nun auch in Deutschland auf Tour. Wir ließen es uns nicht nehmen, mit Cosmic, Embee und Promoe über Inspiration, Erfolg, Flüchtlingspolitik, Pegida und Nacktheit zu sprechen. HANIX - Euer aktuelles Album hat den Titel »Naked Swedes«. Der Name geht auf euer altes »Ritual« zurück, euch nach Auftritten backstage auszuziehen. Macht ihr euch immer noch öfter an komischen Orten zur falschen Zeit nackig? COSMIC — Haha, yeah schon. Gerade auf Tour scheint es so zu sein, dass jegliches Normalverhalten flöten geht. HANIX - Im Februar tourt ihr durch die deutschsprachigen Teile Europas; am 15. spielt ihr in Mannheim in der Alten Feuerwache. Ihr macht seit 1991 Musik: Habt ihr eigentlich noch Lampenfieber, bevor ihr auf die Bühne geht? COSMIC — Ja, tatsächlich. Nun, vielleicht nicht wirklich nervös im Sinne von Angst, aber wir sind jedes Mal von Neuem aufgeregt und freuen uns, auf die Bühne zu kommen und mit unseren Fans Party zu machen. Wir sind auch ständig dabei, unsere Show zu verbessern und halten immer nach neuen Wegen Ausschau, um unser Material zu präsentieren, sodass uns nicht langweilig wird. HANIX - Obwohl ihr keine Amerikaner seid, seid ihr einer der wenigen Hip Hop-Acts, die weltweit bekannt geworden sind und Anerkennung finden. Könnt ihr euch erklären, warum dies der Fall ist? Hat es was mit der Qualität eurer Musik und Texte zu tun? COSMIC — Ja, unsere Themen waren schon immer universell und international. Selbst wenn wir von unserer Heimatstadt oder persönlichen Problemen sprechen, glaube ich, dass sich Leute von überall auf der Welt mit uns identifizieren können und sich wiedererkennen. Dass wir auf Englisch rappen, spielt natürlich auch eine große Rolle, was bei den meisten europäischen Rappern nicht der Fall ist. HANIX - Habt ihr zu Beginn eurer Karrieren mit dem Erfolg gerechnet, den ihr jetzt habt? War der Plan

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MUSIKKOFFER 1: LOOPTROOP ROCKERS – wenn man es denn so nennen kann – von Anfang an, weltberühmte Stars zu werden? COSMIC — Unsere erste Kassette hatte ja sogar den Titel »Superstars«. Der Refrain lautete: »Superstars, we’re Superstars – in a year or two you’ll see that we are.« Aber im Ernst: Wir hatten nie einen Karriereplan. Wir haben einfach Musik gemacht, Spaß dabei gehabt und dann führte eine Sache zur anderen. HANIX - Was hat sich über die Jahre bei euch verändert? Hat sich die Musik weiterentwickelt? Was macht »Naked Swedes« besonders und was unterscheidet es von euren vorherigen Alben? COSMIC — Es hat sich eine Menge verändert; auf der musikalischen als auch der privaten Ebene. Meine persönliche Meinung zu »Naked Swedes« ist allerdings, dass es ein klassisches Looptroop Rockers-Album ist, das eine neue Herangehensweise bei den Beats und Texten bietet. Viele Sachen, über die wir vor fünfzehn Jahren geredet haben, sind jetzt immer noch relevant. Also müssen wir immer wieder neue Wege finden, uns auszudrücken. HANIX - Glaubt ihr, dass eure politischen Texte die Leute inspirieren? Wollt ihr die Welt mit euren Texten verbessern oder zumindest ändern? EMBEE — Wir hoffen wirklich, dass unsere Reime, Lifestyles, unsere gesamte Einstellung dabei helfen, die Leute um uns herum zu inspirieren. Da wir die Möglichkeit haben, durch unsere Musik gehört zu werden, sollten wir also besser auch wichtige Dinge zu sagen haben. Gleichzeitig wollen wir aber auch Einblicke in unsere Leben gewinnen und – ganz traditionell – einfach nur angeben. Das alles immer mit einer Prise Humor. HANIX - Wer oder was waren eure größten Einflüsse, als ihr mit der Musik angefangen habt? EMBEE — Wir wurden alle von unterschiedlichen Dingen beeinflusst, musikalisch aber hat uns Hip Hop aus den frühen 90ern verbunden. Dazu war Supreme Mitglied einer Punkband, Promoe und Cosmic hörten eine Menge Reggae und Dancehall während ich von Jazz und Soul beeinflusst wurde. HANIX - Und wie sieht es bei der Inspiration aus? Kommen die Texte von alleine oder gibt es bestimmte Aktivitäten, die ihr macht, oder Orte, die ihr aufsucht, um euch zu inspirieren? EMBEE— Wenn wir unsere Musik schreiben, sind wir für gewöhnlich in unserem Studio in Göteborg zu finden, wo wir für mehrere Tage am Stück zusammenwohnen. Sch-

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MUSIKKOFFER 1: LOOPTROOP ROCKERS »Da wir die Möglichkeit haben, durch unsere Musik gehört zu werden, sollten wir also besser auch wichtige Dinge zu sagen haben.« reiben, Aufnehmen, Abendessen, Aufnehmen, Joggen, Schreiben, Lachen, Schlafen, Aufnehmen usw. Wir inspirieren uns einfach gegenseitig beim Austausch und sofortigem Aufnehmen unserer Ideen. Das gemeinsame Reisen sowie all die großartigen Leute, die wir auf den Tourneen treffen, gehören natürlich auch dazu. HANIX - Wann und wie habt ihr euch dazu entschieden, die Musik professionell zu verfolgen und den nächsten Schritt zu wagen? War die Entscheidung schwer und gab es Probleme mit euren Familien oder Freunden? Sicherlich würden die meisten Eltern ihren Kindern eine »ordentliche« Karriere ans Herz legen... EMBEE— Die Entscheidung, von der Musik zu leben, habe ich 1998 getroffen. Meine Eltern und Freunde haben mich dabei immer unterstützt. Ich glaube, das trifft auf alle in unserer Band zu. Neben dem eigentlichen Musikmachen umfasst unsere Arbeit noch unzählige andere Dinge, weshalb man sagen kann, dass das für sich schon eine eigene Ausbildung war. Die DVSG-Universität [DVSG: David vs. Goliath, das eigene Label der Looptroop Rockers, Anm. der Redaktion]. HANIX - Was ist das Beste am Leben eines Rapstars? EMBEE— Dass ich Musik mit meinen Freunden machen kann und Gleichgesinnte aus der ganzen Welt treffen darf. HANIX - Warum habt ihr euer Album »Mitt hjärta är en bomb« auf Schwedisch produziert? Gibt es Unterschiede beim Rappen auf Schwedisch im Vergleich zu Englisch? PROMOE — Ich hatte schon 2009 ein Soloalbum auf Schwedisch veröffentlicht, woraufhin wir eins mit der ganzen Gruppe machen wollten. Das Schreiben ist ganz anders als auf Englisch. Es ist direkter und somit einfacher, persönlicher zu sein. Wenn wir auf Englisch schreiben, müssen wir viel mehr über unsere Sätze nachdenken, auf Schwedisch kommt der Flow von alleine. HANIX - Euer drittes Album von 2005 heißt »Fort Europa«. Der Name kritisiert die Einwanderungspolitik der europäischen Länder. Momentan hört man ständig von Flüchtlingen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen und nach Europa kommen. In den Medien und unter der Bevölkerung wird eine heiße Debatte über Flüchtlinge geführt. Was haltet ihr von der ganzen Problematik? PROMOE — Die zwei größten Probleme in dieser Situation sind die Tatsache, dass diese Menschen überhaupt ihre

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MUSIKKOFFER 1: LOOPTROOP ROCKERS »Es ist traurig zu sehen, wie die Menschen nicht bemerken, dass sich gerade Geschichte wiederholt.« PROMOE — Ja, das geht jetzt auch in Schweden los. Meine Meinung ist, dass es wirklich tragisch ist, dass die Leute die Lügen der Massenmedien und Politiker, die über Moslems verbreitet werden, glauben. Es ist traurig zu sehen, wie die Menschen nicht bemerken, dass sich gerade Geschichte wiederholt. Das was hier mit Moslems geschieht, erinnert doch daran, wie Juden in den 30er-Jahren verfolgt wurden. Wir müssen einen weiteren Holocaust unter allen Umständen verhindern – und das geht eben nicht, indem man die Menschen teilt und spaltet, was Pegida ja propagiert. HANIX - Was können wir von den Looptroop Rockers in Zukunft erwarten? Gibt es Pläne für neues Zeug von euch? LOOPTROOP ROCKERS — Wir bringen eine neue, bisher unveröffentlichte 7"-Single und eine Snap-Back-Mütze mit zu unserer Februartour! Wir werden in Deutschland, Polen, der Schweiz, Österreich und in Tschechien auftreten. Checkt auf jeden Fall die Termine auf looptrooprockers. com! HANIX - Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde der lauten? LOOPTROOP ROCKERS — Dass unsere Familien gesund und glücklich bleiben und ein langes Leben führen. Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen müssen und dass die europäische Bevölkerung von ihren Politikern und ihrer eigenen Gier ausgetrickst wurde. Uns wurde erzählt, dass wir es uns nicht mehr leisten könnten, Menschen hier eine neue Heimat zu geben. Als ob wir entscheiden dürften, wer auf diesem Teil des Planeten leben darf und wer nicht. Er gehört allen Bewohnern. Außerdem sind doch die Europäer der größte Grund, warum so viele Menschen auf der Flucht sind. Ein Beispiel: Wenn Schweden nicht all diese Waffen exportieren müsste, gäbe es weniger Menschen, die um ihr Leben fürchten und vor dem Terror des Krieges fliehen müssten. Und wenn die USA, Schweden oder Deutschland nicht pro Jahr das vier- oder fünffache unseres Planeten verbrauchen würden, gäbe es diesen dramatischen Anstieg an Flüchtlingen überhaupt nicht. HANIX - Passend dazu: Habt ihr von den »Pegida«- Protesten in Deutschland gehört und was haltet ihr davon?

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Spenden Sie für kranke Kinder in der Region! Familienhilfe zuhause Erfüllung von Träumen Besuchsdienst und Vorlesepaten www.grosse-hilfe.de Patienten- und Familienbegleitung Verbindung zur Schule Finanzielle Hilfe Kunst-, Musik- und Reittherapie Einfühlsame Freude Betreuung von Geschwistern LeuchtturmKinderonkologie Kindgerechte Krebsbehandlung Gestaltung: www.hettenbach.de Spendenkonten: Kreissparkasse Heilbronn IBAN: DE 84 6205 0000 0000 0074 43 BIC: HEISDE66XXX Volksbank Heilbronn IBAN: DE13 6209 0100 0390 3900 03 BIC: GENODES1VHN

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INTERVIEW: ASHLEY AAMES FOTOS: CATAGRAPHY & ULLA KÜHNLE »ZUVIEL GIBT ES NICHT, ABER ZU WENIG« Seine Beats kommen daher wie eine Hommage an die Goldene Ära des Hip Hop. Seit vielen Jahren bereichert Marcos Oviedo aka Superior als DJ, Rapper und Produzent die Unterländer Szene und begibt sich mit uns auf eine Zeitreise in Sachen Hip-Hop-Kultur. Wir trafen uns mit ihm anlässlich seines im März erscheinenden Albums »Scenes« und sprachen über einen aufgeregten Jungen in einem leeren Kinosaal, seine Musik bei Kentucky Fried Chicken TV und der Erklärung wie man es schafft, an einem Zug vorbeizuspringen.

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MUSIKKOFFER 2: MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR HANIX - Marcos, am 2. März erscheint dein Album »Scenes« auf Dezi-Belle Records Berlin. Bis auf den Track »Entire Empire« mit dem US-Rapper Declaime ist es ein reines Instrumental-Album geworden. Erzähl uns bitte etwas darüber. MARCOS — Mir kam irgendwann der Gedanke, ein reines Instrumental-Album zu machen um mich als Produzent zu positionieren. Meine Musik sollte dabei im Vordergrund stehen, denn ich habe kein Interesse daran ein Album künstlich durch dazugenommene Rapper und deren Glanz zu pushen. Wenn ein für sich selbst stehender Produzent eine LP released sollten doch seine Beats im Vordergrund stehen. Es entstanden Kontakte zum in Berlin beheimateten Dezi-Belle Label und nun ergab sich die Möglichkeit, dieses Projekt an den Start zu bringen. Das Album wird 14 Tracks beinhalten. Bis auf das Stück »Entire Empire« mit Declaime von dem bekannten US-Label Stones Throw Records ist alles instrumental gehalten. Es wird natürlich digital in allen bekannten Onlinestores wie auch auf Vinyl erhältlich sein. Von jenem Track mit Declaime wird im Übrigen auch ein Video gedreht. HANIX - Es wird nicht das erste veröffentlichte Video des Albums sein. MARCOS — Exakt. Das Stück »My whole world« wurde bereits als Video veröffentlicht. Es ist natürlich ein Instrumental-Track und entstand unter der Mithilfe meiner Freunde Hagen, Marcel und Philipp Kionka von Formatfilm. Es erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen der versucht, sich ein Imperium aufzubauen. HANIX - Mit dem in London lebendem Exilheilbronner Werner Niedermaier, seines Zeichens DJ und Producer, hat ein alter Bekannter den finalen Schliff am Sound vollzogen. MARCOS — Ja, dabei möchte ich dem Werner ein dickes Dankeschön auf die Insel schicken. Wir kennen uns schon seit der gemeinsamen Schulzeit und waren damals schon für unser ausgeprägtes Musikinteresse bekannt. Er hat dem Sound den letzten Kick verschafft. HANIX - Nachdem du jetzt vornehmlich als Solokünstler aktiv bist, hattest du ja zusammen mit dem Neckarsulmer Rapper Heikouality vor nicht allzu langer Zeit einen echten YouTube-Hit. Eurer, unter dem Namen Hip Hop Ataris veröffentlichtes Video »Zeig mir wer du bist« sammelte beeindruckende 300.000 Views. MARCOS — Das war heftig. Das Video von »Zeig mir wer du bist« lief fünf Wochen lang auf VIVA und MTV. Bei der Sendung »Get the Clip« wurde es die komplette Zeit täglich zum meist gewählen Video. Fünf Wochen lang, jeden Tag. Total abgefahren. Bei dem Sender I-Music waren wir ebenso in der Rotation und sind dort häufig gelaufen. Dann kam noch solche Sachen wie McDonald’s TV und KFC TV, welches in den Filialen ausgestrahlt wird, hinzu. Auf ausländischen Sendern wie auch bei der Soap »Berlin Tag und Nacht« konnte man unseren Track hören. So kamen diese 300.000 Views zustande. HANIX - Unsereins als Konsument gibt sich verwundert gemäß der Tatsache, dass ihr bei solch einem Erfolg am Zug zum Musik-Business vorbeigesprungen seid. Wie konnte so etwas passieren? MARCOS — Ich glaube, dass Hip Hop Ataris wirklich das Potential hatte, steilzugehen. Die Chefin des Komitees der Videoprüfstelle von MTV hat uns auch wirklich gefeiert und uns gefragt, wann denn das nächste Video kommt. Eines der Probleme war sicherlich, dass wir als Tausendsassas auf vielen musikalischen Projekten und Ebenen wandeln und uns die volle Konzentration auf diese eine Sache etwas abging. Wir haben einige Stücke fertiggestellt aber für ein Album hat es nicht gereicht. Wenn du mal so einen kleinen Erfolg feierst, dann solltest du sofort nachlegen. Das haben wir nicht getan. HANIX - Gibt es weitere Projekte an denen du aktuell arbeitest? MARCOS — Es sind ganz gute Kontakte nach Amerika entstanden und so arbeite ich im Moment an einer neuen Single mit dem US-Rapper Reks, dazu möchte ich ein MC-Album mit namhaften US-Rappern umsetzen. Dafür wurden schon ein paar Sachen aufgenommen. Grundsätzlich finde ich, dass der US-Rapstyle am besten zu meiner Musik passt. Das mag daran liegen, dass mir der eine deutsche Rapper, der das Gegenteil beweist, noch nicht über den Weg gelaufen ist. Meine Musik beinhaltet schon

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MUSIKKOFFER 2: MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR in gewissem Maße die Seele des US-Hip-Hop-Sounds. Die Roots liegen auf jeden Fall dort. HANIX - Marcos, welches Ereignis führte zu deiner Affinität in Sachen Hip-Hop-Kultur? MARCOS — Nun, wie bei vielen anderen auch liegt deren Ursprung in meiner Jugend und der damals, Anfang der 80er, aufkommenden Breakdance-Welle. Ich sah seinerzeit im Fernsehen einen Bericht über einen sehr jungen Tänzer, der sich wie ein Roboter bewegte und war hin und weg. Zu dieser Zeit wuchs dann auch die Popularität der berühmt-berüchtigten Rock Steady Crew, die diese Bewegung auf das nächste Level brachte und mir wurde bewusst, dass ich so etwas auch können wollte. Deren Single »Hey You« und dazu Filme wie »Wildstyle« fungierten für viele Jugendliche als Türöffner in punkto Hip-Hop- Kultur, ebenso für mich. HANIX - Das heißt hier in Heilbronn sah man zu jener Zeit in den Unterrichtspausen den kleinen Oviedo mit dutzenden anderen Schülern den Schulhof tänzerisch belagern? MARCOS — Nein, überhaupt nicht. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich dem Start des Films »Wildstyle« entgegen fieberte und diesen unbedingt im Kino sehen wollte. Als es dann so weit war, saß ich als Einziger im Kinosaal. Hip Hop war zu dieser Zeit alles andere als trendy. Erst mit der kommerziellen Vermarktung des Filmes »Breakdance Sensation ´84«, zum Beispiel durch die Bravo, kam nach und nach das Interesse meiner Mitschüler auf. Es bildeten sich spärlich nach und nach ein paar Breakdance-Cliquen. Doch zu Beginn war ich ein echter Einzelkämpfer. HANIX - Wie kam es zu der Entwicklung vom jungen Breaker hin zum äußerst ambitionierten Produzenten? MARCOS — Ich durchlief in meiner Entwicklung nahezu jede Facette der Hip-Hop-Kultur. Angefangen vom Breakdance führte mein Weg zielgerichtet zu einer anderen und ganz speziellen Form der urbanen Kreativität. Zum Graffiti sprühen. Wenn dir dabei allerdings die grünen Freunde auf die Finger schauen und du durch dein Hobby mit dem Gesetz in Kontakt kommst, stellt sich irgendwann jedoch die Frage, ob du bei der Ausübung damit mittel- bis langfristig mehr Ärger als Erfüllung daraus ziehst. Ich entschied mich dazu, mir ein neues kreatives Feld zu bestellen, indem ich mich der Musik, immerhin der Soundtrack dieser Bewegung, widmete. HANIX - Im Laufe von nunmehr 30 Jahren hat Hip Hop und Rapmusik diverse Wandlungen vollzogen. Für viele Beobachter stellt der aktuelle Gangster-Rap die letzte genommene Stufe zum durchgängigen Kommerz dar. Die damals einheitliche Szene hat sich mittlerweile in verschiedene Kammern gesplittet. Welches ist für dich die qualitativ hochwertigste Epoche der Hip-Hop-Kultur? MARCOS — Für mich hat nahezu jede Ära ihre Daseinsberechtigung. Für mich haben die 80er und mein damit verbundener Einstieg natürlich einen besonderen Stellenwert. Aber auch die 90er und ihre sogenannte »Golden Era« waren und sind natürlich unheimlich wichtig für die Entwicklung und die Geschichte der Rapmusik. Damals aufkommende Interpreten wie zum Beispiel der Wu-Tang Clan, Notorious Big und auch Nas hoben mit ihren begnadeten Talenten die Qualität der Musik und vor allem der Reime auf eine andere Ebene. Zeitgleich veränderten sich auch die Beats dazu. Die ersten MPC- oder SP 1200-Sachen die den Boom-Bap-Style, an dem ich mich bis heute ein wenig orientiere, begründeten und dadurch ein neues Subgenre Einzug hielt. Und auch heutzutage findet man super Sachen, jedoch muss man diese eben suchen. HANIX - In Heilbronn und weit über unsere Stadtgrenzen hinaus hast du dir als DJ Superior einen Namen gemacht. MARCOS — Angetrieben von DJs wie Jazzy Jeff, Joe Cooley und DJ Scratch begann ich enorm an meinen eigenen

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MUSIKKOFFER 2: MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR Skillz zu arbeiten und wurde zum sogenannten Turntablist. Deren DJ-Showcases zogen mich förmlich in ihren Bann. So eignete ich mir auch verschiedene Tricks und Techniken an begann neben meiner Tätigkeit als Crew-DJ an Wettbewerben teilzunehmen wie zum Beispiel der Baden-Württembegrischen DMC-Meisterschaft, die damals DJ Friction von Freundeskreis gewann. Bei der Hessischen DMC-Meisterschaft verlor ich im Finale gegen den späteren Deutschen Meister. Auf der STANTON Deutschen Meisterschaft wurde ich Vizemeister. Grundsätzlich war ich nie der große Club-DJ, da mir dort der Sound immer etwas zu kommerziell erschien. Ich fühlte mich auf Jams deutlich besser aufgehoben. HANIX - Wie steht jemand wie du, ein Künstler für den Vinyl als fester Bestandteil seines künstlerischen Schaffens dient, zur Digitalisierung der Musikstücke? MARCOS — Ich habe dazu eine ganz klare Meinung. Die Möglichkeit mit CD-Playern aufzulegen, kann man schon einmal zur Seite schieben, da ich noch nie der große CD- Fan war. Daher kommt für mich als leidenschaftlicher Plattensammler und Nutzer der Technics 1210er-Reihe nur das Timecode-Vinyl-Dystem in Frage, bei dem man mittels Software, sei es Serato oder Traktor, die digitalen Tracks mit Hilfe der regulären Plattenspieler und der dazugehörigen Software wiedergibt. Für mich definiert sich ein gutes Hip-Hop-Set auch über die älteren Stücke, die Klassiker die ich für unerlässlich halte. Diese und aktuelle Lieblingsstücke kaufe ich mir weiterhin auf Vinyl. Ich will die Platte im Schrank stehen haben, denn ich brauche dieses Feeling. Der wirklich einzige, und nicht unerhebliche Vorteil der Digitalisierung liegt im Gewicht. Es ist doch deutlich angenehmer mit einem Laptop statt der altehrwürdigen Plattenkisten zu einem Club zu ziehen. Je mehr Programm du mitnehmen mochtest, desto schwerer hattest du zu schleppen. Jeder der mit Vinyl auflegt, kann ein Lied davon singen. HANIX - Aber mittlerweile bist du ein Vollblut- Produzent. MARCOS — Ja genau. Im Laufe der Jahre arbeitete ich mit verschiedenen technischen Möglichkeiten, angefangen bei absolutem Low-Budget-Producing mit dem Amiga 500 über den AKAI S950 Sampler, den PC und Cubase unter Zuspielung verschiedenster Hardware durch Midi-Standard bis heute, dem Gebrauch einer Maschine und der dazugehörigen Software. Vom Juice-Magazin wurde vor Mittlerweile will ich gar nichts anderes mehr machen außer Beats produzieren, scheiß auf alles andere. einigen Jahren die EP »Wir burnen«, die ich zusammen mit dem Heilbronner Rapper N.E.N.A.D bei DJ Friction in Stuttgart produzierte, gefeatured und zur Platte des Monats gekührt. So konnte ich im Laufe der Jahre auch den ein oder anderen Erfolg verbuchen. Mittlerweile will ich gar nichts anderes mehr machen außer Beats produzieren, scheiß auf alles andere. HANIX - Damals wie Heute treffen sich die Besten der Besten ihrer Kunst bei den dafür initiierten und bundesweit ausgetragenen Hip-Hop-Events oder Battles. MARCOS — Genau. Als Hip-Hop-DJ unterscheidet sich deine Tätigkeit von den artverwandten Kollegen anderer, wie zum Beispiel den elektronischen Genres, ungemein. Das Einzige was bei einem Jam immer benötigt wird, ist die Musik. Die Rapper brauchen sie, die Breaker und auch die Graffiti-Jungs haben sie gerne zur Unterstützung

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MUSIKKOFFER 2: MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR während des Malens. Somit trittst du als DJ während eines Auftritts deiner Crew, mit deinem eigenen Showcase oder als Party-DJ in Erscheinung. Der Weg zum eigenen Equipment war steinig. Nachdem es nicht ganz billig war sich die passenden Plattenspieler zuzulegen und ich mich die erste Zeit mit günstigeren Nachbauten der bekannten Technics 1210er beschäftigen musste, lag es dann doch an meinen Eltern, mir die Originale zu finanzieren. Und dann ging es richtig ab. HANIX - Die Stationierung US-amerikanischer Soldaten in und um den Landkreis Heilbronn erwies sich zum Ende der 80er Jahre für dich und deine Hip- Hop-Attitüde zum Glücksfall. MARCOS — Das kann man so sagen. Durch diverse Breakdance-Battles, auch auf dem Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Heilbronn, lernte ich die beiden Brüder Nathan und Jesse kennen und wir machten zusammen Musik. Anfänglich und zu dieser Zeit als Anfänger nicht unüblich auf einem Amiga 500. Jesse zog es dann weg aus Heilbronn und Nathan, alias Nate the Great und ich gründeten die Crew HARD BASS. Mit »Can´t Stop the Bum Rush« hatten wir damals einen bundesweiten Erfolg indem wir einen Wettbewerb, organisiert von Hype Records aus Frankfurt und der Bravo, gewannen. Wir wurden fortan für die großen Jams gebucht und hatten auch einen TV-Auftritt bei RTL. Letztendlich haben wir dann neun Jahre Musik zusammen gemacht bevor jeder seiner eigenen Wege ging. HANIX - Wessen Sound hat dich als Produzent maßgeblich inspiriert? MARCOS — Mich haben zwei verschiedene Stilrichtungen völlig in ihren Bann gezogen. Zum einen englische Gruppen wie Gunshot, Silverbullet und Hijack, deren Sound unaufhaltsam nach vorne ging. Dazu inspirierte mich zeitgleich auch New Yorker Hip Hop von Public Enemy mit ihrem für sie typischen Sirenen-Sound und EPMD, der Gruppe um den legendären DJ Scratch. Hinzu kamen Größen wie DJ Premier oder auch Pete Rock, die mit ihrer Arbeit das ganze Producing perfektionierten. Vor deren Wirken baute man Tracks, indem man zum Beispiel Breaks von James Brown samplete und loopte. Die darauf folgende Generation begann dann damit, einzelne Beats zu samplen und damit zu arbeiten. Das bedeutet die einzelnen Elemente wie Snares oder Kicks hatten plötzlich eine ganz eigene, raue Dynamik. HANIX - Du bist trotz deiner musikalischen Ambiti-

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MUSIKKOFFER 2: MARCOS OVIEDO AKA SUPERIOR onen Heilbronn stets treu geblieben. Wie würdest du deine Beziehung zur Stadt beschreiben? MARCOS — Ich fühle mich in der Stadt super wohl. Ich bin hier geboren und habe hier meine Familie sowie meine Freunde. Für mich gibt es nichts Besseres. Nach so vielen Jahren hat man sich natürlich auch etwas aufgebaut, das man nicht mehr hergeben möchte. Die Stadt legt sich seit einigen Jahren mächtig ins Zeug. Allein die Promenade am Neckar entlang. Da sah es vor einiger Zeit noch ganz anders aus. Die Bundesgartenschau steht an und die Stadt wird immer attraktiver. Leider wurde vor kurzem der Hagenbucher Biergarten zugunsten eines neuen Experimenta-Gebäudes abgerissen. Da bin ich schon sehr gerne hingegangen, lag halt super zentral. Mal schauen, was die Zukunft bringt. HANIX - Deine Message an die HANIX Leser lautet... MARCOS — Supportet dieses Magazin, denn das Magazin supportet euch, Menschen von und aus dem Landkreis Heilbronn die etwas bewegen wollen. Und ohne diese Leute wird nichts passieren. MEHR INFOS ZU SUPERIOR: HTTPS://WWW.FACEBOOK.COM/PAGES/SUPERIOR-PRODUCTIO NS/561328547334485?REF=HL HTTPS://SOUNDCLOUD.COM/SUPERIOR-PRODUCTIONS-1 HTTP://DEZI-BELLE.BANDCAMP.COM/ALBUM/SCENES

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BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN AUSGESTELLTE KÜNSTLER: ENRIQUE ASENSI, FRANZ BERNHARD, HEINRICH BRUMMACK, OLIVER CHRISTMANN, HANS MICHAEL FRANKE, WOLFGANG GANTER, YVONNE GOULBIER, ANDREAS GRUNERT, SEBASTIAN HEMPEL, ERWIN HERBST, ALBERT HIEN, RENATE HOFFLEIT, VOLLRAD KUTSCHER, THOMAS LENK, GEORG MÜHLECK, JAUME RIBAS, PETER RIEK, STEFAN ROHRER, ROBERT SCHAD, HELMUT SCHOBER, HANS SCHÜLE, FRITZ SCHWEGLER, JAN VAN MUNSTER UND BEN WILLIKENS. Die im Jahre 1981 von Manfred Rieker gegründete Galerie in Heilbronn steht für Vielfalt und Qualität. Als einzige Programmgalerie dieser Stadt bemüht sich der Galerist, ein weites Spektrum zeitgenössischer Kunst zu präsentieren. Vertreten sind Maler und Zeichner, Künstler Neuer Medien und Bildhauer, letztere besonders zahlreich. Nicht zu vergessen die Lichtkünstler! In der Galerie Manfred Rieker finden sich strenge, konstruktive neben expressiven Kunstäußerungen. Vielfältig ist auch die Zusammensetzung der Künstler: Neben arrivierten Künstlern, wie documenta-Teilnehmern und Künstlern, die in bedeutenden Museen und Kunstvereinen ausstellten, finden sich im Galerieprogramm solche, die auf dem Wege sind, aber auch junge vielversprechende Künstler. Berücksichtigung finden hauptsächlich Künstler aus dem süddeutschen Raum, welche die Kunstakademien Karlsruhe, München und Stuttgart absolvierten oder dort lehren. Darüber hinaus werden auch Künstler aus dem Rheinland, Berlin und dem Ausland vertreten. Neben dem Verkauf von Exponaten aus den wechselnden Ausstellungen an Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen umfasst die Galeriearbeit die Vermittlung von Kunst für den öffentlichen Raum. Diese beratende Tätigkeit hat sich mit den Jahren zu einem bedeutenden Arbeitsfeld entwickelt. Gerade die Zusammenarbeit mit privaten und öffentlichen Auftraggebern sowie Architekten führte zu bemerkenswerten, teilweise außergewöhnlichen, künstlerischen Ergebnissen. Nicht zuletzt ist die Organisation von Ausstellungen für andere Häuser wie Banken, Firmen, Kanzleien und die Kirchen ein weiteres Betätigungsfeld. Die GALERIE MANFRED RIEKER präsentiert in vier bis fünf Ausstellungen jährlich Werke von professionellen Künstlern. Mit den Namen von über 20 Künstlern verbindet sich die Bandbreite zeitgenössischer Kunst. Zum Stamm der Galerie gehören die Maler THOMAS GATZE- MEIER, ANDREAS GRUNERT, LOTHAR QUINTE, PETER KUCKEI und BEN WILLIKENS; Bildhauer sind besonders stark vertreten: HIROMI AKIYAMA, HEIN- RICH BRUMMACK, ERWIN HERBST, HANS MI- CHAEL FRANKE, ALBERT HIEN, ROBERT SCHAD, FRITZ SCHWEGLER und HANS SCHÜLE. Zu den Lichtkünstlern zählen WERNER BAUER, YVONNE GOULBIER, KAZUO KATASE, VOLLRAD KUT- SCHER und JAN VAN MUNSTER. Für Neue Medien stehen WOLFGANG GANTER und GEORG MÜHL- ECK. Die Zeichner FELIX DROESE, PETER RIEK uns HANS SCHNELL sind auch zu erwähnen. VERANSTALTUNGSHINWEIS: DAUER: 1.2. - 29.3.2015 GALERIE MANFRED RIEKER UNTER DER FRIEDRICH-EBERT-BRÜCKE, 74072 HEILBRONN WWW.GALERIE-RIEKER.DE

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN Seite 71 JAUME RIBAS: horitzóvertical II, 2013, 140x80cm. Mischtechnik linke Seite ENRIQUE ASENSI: Ohne Titel, 2014, Stahl, Alabaster diese Seite HEINRICH BRUMMACK: Erfolgreicher Hase JAN VAN MUNSTER: Ratio, 2009 80 x 15 cm, Auflage 5

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN linke Seite FELIX DROESE: Eichensegel, 2009, Eiche diese Seite CHRISTOPH FREIMANN: Felice, 1996, Messing/Lack, 25 x 37 x 28 cm 12 Winkeleisen, Wandarbeit, 1996, Messing/Lack, (Foto mit Leipzigerin)

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN YVONNE GOULBIER: Projektion Rathaus Heilbronn, 2014

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN YVONNE GOULBIER: Stille in Rot, 2007, Bronze fluoreszierend gefasst

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN HELMUT SCHOBER: Zarathustra 2, 1996, Acryl-Mischtechnik auf Leinwand

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN ROBERT SCHAD: Tet, 2014, Maquette, Vierkantstahl 10 mm

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KUNSTREGION: BILDER, LICHTOBJEKTE UND SKULPTUREN linke Seite STEPHAN ROHRER: Parabolika, 2008 diese Seite GEORG MÜHLECK: 3 Imploded watchmaker, 2011, Archival-Pigment auf Canson hinter 10 mm Plexiglas, 84,6 cm Durchmesser 1/3

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»ICH GESTEHE: ES WAR NICHT MEINE IDEE« INTERVIEW: FRIEDEMANN ORTHS FOTOS: PR

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INTERVIEW DES MONATS: MICHAEL »BULLY« HERBIG Im Februar präsentiert Michael »Bully« Herbig zusammen mit den Münchner Symphonikern im Audi Forum Neckarsulm sein neues Programm »Karneval der Tiere«. Wir sprachen mit Bully über Humor, Shitstorms, den Tod und ein ganz besonderes Ritual. HANIX - Herr Herbig, was verstehen Sie unter Humor? BULLY HERBIG — Humor ist subjektiv und vor allem Glückssache. Im besten Falle trifft man den Humor der Menschen… vorausgesetzt sie haben einen! Sollten Sie also keinen haben, würde ich mir schleunigst einen zulegen! HANIX - In Ihrem Programm »Karneval der Tiere«, das am 7. Februar im Audi Forum Neckarsulm zu sehen sein wird, arbeiten Sie mit den Münchner Symphonikern zusammen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit bzw. wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, sich dem Werk von Camille Saint-Saens zuzuwenden? BULLY HERBIG — Ich muss gestehen, es war nicht meine Idee. Ich habe mich fast drei Jahre erfolgreich dagegen gewehrt, aber Christian Reinisch von Carpe Artem ließ einfach nicht locker. Wenn es ein Erfolg wird, freue ich mich natürlich wahnsinnig. Sollte es den Leuten nicht gefallen, wissen Sie ja jetzt, wer das alles angezettelt hat (lacht). HANIX - Während die Symphoniker spielen, begleiten Sie das Stück verbal. Wie bereitet man sich auf die literarische Interpretation eines Konzertes überhaupt vor? BULLY HERBIG — Natürlich kenne ich die großartigen Texte von Sir Peter Ustinov und Loriot. So sehr ich es auch mag, aber es macht natürlich keinen Sinn, ihre Geschichte zu kopieren oder einfach nur vorzulesen. Ich habe mich vor allem von der Musik inspirieren lassen und hoffe, dass den Leuten die neue Interpretation gefällt. HANIX - Neben Ihren schauspielerischen Fähigkeiten brillieren Sie auch als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. So haben Sie beispielsweise die Drehbücher ihrer erfolgreichsten Filme »Der Schuh des Manitu« und »(T)Raumschiff Surprise – Periode 1« selber geschrieben. Was machen Sie denn lieber: Hinter den Kulissen arbeiten oder auf der Bühne stehen? BULLY HERBIG — Ich liebe es, die Filme selbst zu machen. Auf der Bühne stehe ich ja eher selten. Für mich ist es in dieser Form ja auch das erste Mal. Fühlt sich fast wie ’ne kleine Tournee an. Andere haben ihre Band, ich hab’ die Symphoniker. Hammer, oder? HANIX - Vermissen Sie manchmal die Zeit mit der Bullyparade?

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INTERVIEW DES MONATS: MICHAEL »BULLY« HERBIG BULLY HERBIG — Naja, das ist jetzt 13 Jahre her. Wäre ja schlimm, wenn ich immer noch daran hängen würde. War ’ne schöne Zeit, aber auch extrem anstrengend. Es gab sechs Staffeln, davon liefen die ersten vier ziemlich miserabel. Wir hatten vier Jahre echt miese Einschaltquoten. Hätte es damals schon Shitstorms gegeben, hätten wir vermutlich die Zeit nicht überlebt. HANIX - Woher bekommen Sie Ihre Ideen und woraus ziehen Sie Ihre Inspiration? Gibt es bestimmte Rituale, die Sie vor einem Auftritt haben? BULLY HERBIG — Mich inspiriert einfach alles. Auch dieses Gespräch. Kann sein, dass ich Sie eines Tages imitiere. Und was das Ritual betrifft … naja, ich gehe vor jedem Auftritt nochmal kurz auf die Toilette. Kann man das als Ritual durchgehen lassen? HANIX - Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor? BULLY HERBIG — Ich lerne meine Texte. HANIX - Können Sie aus all Ihren Rollen eine Lieblingsrolle nennen? Welche Charaktere machen Ihnen am meisten Spaß? BULLY HERBIG — Im »Brandner Kasper« von Joseph Vilsmaier durfte ich den Tod spielen, den Boanlkramer. An dieser Figur hatte ich unglaublichen Spaß! HANIX - Bezwecken Sie mit Ihren Werken und Auftritten auch noch etwas anderes als den offensichtlichen Grund, die Menschen zum Lachen zu bringen? Hätte es damals schon Shitstorms gegeben, hätten wir vermutlich die Zeit nicht überlebt. BULLY HERBIG — Ich möchte die Leute einfach nur unterhalten. Ob sie dabei lachen oder weinen, ist mir egal. HANIX - Was können wir in Zukunft von Ihnen erwarten? BULLY HERBIG — Wenn ich das nur wüsste! Auf jeden Fall irgendwas, was mir Spaß macht. HANIX - Zu guter Letzt: Am 7. Februar treten Sie im Audi Forum Neckarsulm auf. Wie fühlt es sich an, als Bayer im Schwabenländle aufzutreten? Ist das Publikum hier anders als in anderen Teilen Deutschlands? BULLY HERBIG — Kann ich nicht sagen, bin noch nie im Schwabenländle aufgetreten. Ich würde sagen, ich bin angekommen!

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WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND Wie geht es denen, die bei uns Zuflucht suchen? Ein halbes Jahr lang haben Carolin Emcke un tenstadt begleitet. HOTEL TRAUMRAUM Daniela und Marco Dikta haben mit ihrem Designhotel eine Nische in Heilbronn besetzt, die Stadt. WELCOME CENTER HEILBRONN Seit vergangenem Sommer ist das Welcome Center für zugezogene die Anlaufstelle in der Regi INTEGRATIONSBEAUFTRAGTE ROSWITHA KEICHER Roswitha Keicher entwickelt ein Arbeitspapier zur Willkommenskultur der Stadt Heilbronn JOSHIS MEINUNG Unser junger Kinderkolumnist fühlt sich an mehreren Orten willkommen.

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d Sebastian Bolesch die Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Eisenhütman eher in Metropolen erwartet. Laut Tripadvisor ist das Hotel TraumRaum das beste Hotel der on, um bei Alltagsproblemen und der Integration zu helfen.

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WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Wie geht es denen, die bei uns Zuflucht suchen? Ein halbes Jahr lang haben wir die Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt begleitet. ZEIT MAGAZIN 6. MÄRZ 2014 VON CAROLIN EMCKE Dies ist eine Geschichte über Nähe und Distanz. Über eine Reise an die Peripherie, an den Rand, wo diejenigen untergebracht werden, deren Not möglichst nicht nahbar sein darf. Peripherie, von altgriechisch periphérein, »herumtragen, sich herumdrehen«, bezeichnet eine Umfangslinie (besonders eines Kreises) oder einen Rand (besonders einer Stadt). Dies ist eine Geschichte über das, was geschieht, wenn man diese Umfangslinie abschreitet. Wenn man die Distanz verliert. Auch wenn es die vorgeblich braucht. Wenn die Perspektive sich verschiebt. Auch wenn das nicht beabsichtigt war. Wenn nach und nach weniger der Rand, die äußere Grenze in den Blick gerät, sondern das Zentrum, der innere Kern – wir. 1 — Reise an die Peripherie – September Die Reise beginnt an einem feuchten Herbsttag, dem 24. September 2013. Vom Reichstagsgebäude in Berlin bis zur Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt sind es 125 Kilometer. Eisenhüttenstadt, die ehemalige »Stalinstadt«, liegt am Rand von Deutschland, direkt an der Grenze zu Polen. Und die Zentrale Ausländerbehörde in der Poststraße liegt am Rand von Eisenhüttenstadt. Peripherer geht es kaum. Hier landen Flüchtlinge, die gerade erst angekommen sind oder aufgegriffen wurden, hier werden sie registriert, fotografiert, mit Nummern und Dokumenten versehen, hier werden sie untergebracht für eine Zeit von maximal drei Monaten, bevor sie ausgewiesen oder weiterverteilt werden. Dies ist, wenn man den Polizeigewahrsam oder die vorübergehende Notunterbringung nicht mitzählt, ihre erste Adresse. Das bundesweite Verteilungssystem für die Erstverteilung von Asylbegehrenden (EASY) ermittelt die Erstaufnahme- Einrichtungen in den Bundesländern und weist »quotengerecht« zu. Für die Erstaufnahme-Einrichtung in Eisenhüttenstadt bedeutet das konkret im ersten halben Jahr 2013 allein an zugewiesenen Neuzugängen: im Januar 188, im Februar 179, im März 202, im April 276, im Mai 258, im Juni 340. Als der neue, engagierte Leiter der Ausländerbehörde, Frank Nürnberger, am 15. Juli seinen Dienst antrat, zwei Monate nachdem sich ein Flüchtling aus dem Tschad dort erhängt hatte, war die Belegung des Heims schon grenzwertig: 685 Personen in einer Einrichtung, die Kapazitäten für die Unterbringung von maximal

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN 700 Flüchtlingen bereithält. Im August waren es dann 730. Die Anlage einer ehemaligen Kaserne in Eisenhüttenstadt besteht aus schmucklosen dreistöckigen Gebäuden in Gelb und Grau, alle durchnummeriert, vom Sitz der Wache, der Verwaltung und des Wohnheimbetreibers (Haus 1) über die Küche und den Speisesaal (Haus 3), die Wohnheime für die Flüchtlinge (Haus 5, »das Männerhaus«, und 7, »das Familienhaus«) bis zum Möbellager (Haus 16). Unnummeriert sind lediglich die vier neuen Wohncontainer mit bis zu 50 Plätzen, die angemietet wurden, um dem Raummangel zu begegnen. Auf demselben Gelände, in Sichtweite der Zimmer der Flüchtlinge, die noch auf Anhörung ihres Asylbegehrens hoffen, befindet sich zudem der Abschiebegewahrsam (Haus 6), in dem all diejenigen einsitzen, deren Hoffnung bereits erloschen ist. »Warum wir aus Grosny geflohen sind?« Kheda Dovletmurzaeva, 27, schaut die Russisch-Dolmetscherin ungläubig an. Sie sitzt aufrecht an dem winzigen Holztisch im ungeheizten Besucherraum im Erdgeschoss des Abschiebegewahrsams und stockt. Seit gestern verweigern sie und ihr Mann Beslan, 26, die Nahrungsaufnahme, aber das hat hier noch niemand bemerkt, weil kaum jemand Russisch spricht. Oder nicht mit ihnen. Oder nicht seit gestern Morgen. Ursprünglich sollte das Paar am Vortag nach Polen abgeschoben werden. An der Wand ihrer Zelle hatte Kheda schon im selbst gemalten Kalender den letzten Tag durchgestrichen. Aber dann plötzlich gab es einen Aufschub. Irgendeine rechtliche Formalie, die weder Kheda noch Beslan verstanden haben. Nur dass sie wieder zurück in ihre Zellen im ersten Stock des Gefängnisses müssten. Dass sie noch einen Monat länger eingeschlossen würden. Kheda hat sich gewehrt. Gegen die Beamten, die sie abführen wollten. Gegen die Wände in ihrer Zelle. »Warum wir aus Grosny geflohen sind?«, wiederholt Kheda noch einmal und reibt sich ihr wundes Handgelenk, an dem eine feine rote Linie zeigt, wo die Handschellen angebracht waren. »Die Frage hat uns, seit wir hier sind, noch nie jemand gestellt.« Die Geschichte der Misshandlungen in tschetschenischen Gefängnissen, wie maskierte Männer in Militäruniform Beslan wieder und wieder mit gefüllten Wasserflaschen auf die Nieren geschlagen haben, seine eigene Geschichte, kann er nicht erzählen. Vielleicht ist das ein Indiz dafür, dass sie wahr ist. Er sitzt still und bleich neben Kheda am Tisch und hört zu, wie sie beschreibt, wie er das erste Mal abgeholt wurde, das zweite, das dritte Mal, und wie sie wussten, es würde nie mehr aufhören. Woher sie das wussten? Die Frage, suggeriert Khedas Blick, kann nur stellen, wer nie in einem Land gelebt hat, in dem Willkür herrscht, in dem ein Gerücht einen Verdacht schüren

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN kann und in dem ein Verdacht sich nie ausräumen lässt, weil er nie in einem ordentlichen Gerichtsverfahren gegen einen erhoben wird. Sie weiß, dass es ohnehin keine Rolle spielt, warum sie geflohen sind, sonst hätte ja vor uns jemand danach gefragt. Alles, worauf es ankommt, das hat sie inzwischen verstanden, ist, wie sie geflohen sind, welchen Weg nach Europa sie genommen, welche Grenzen sie dabei überquert haben, in welchem Land sie zum ersten Mal registriert wurden. »Woher sollten wir wissen, dass es illegal ist, von Polen nach Deutschland zu reisen?«, sagt Kheda. »Wir wussten gar nicht, dass es innerhalb Europas Grenzen gibt.« Dass die EU-Verordnung Nr. 604/2013, nach der Kheda und Beslan nach Polen abgeschoben werden, »Dublin III« heißt, wissen die beiden nicht, dass es reicht, dass ihre Fingerabdrücke in Polen genommen und in die europäische Datenbank Eurodac eingespeist wurden, auch nicht. Demnach muss ein Asylantrag in dem EU-Mitgliedstaat bearbeitet werden, in dem ein Drittstaaten-Angehöriger zuerst erfasst wird. Ein Flüchtlingsheim ist ein Mikrokosmos, wo das, was Europa ist, auf das trifft, was andere denken, das es sei. Wo die Gesetze der EU-Asylpolitik und des deutschen Aufenthaltsrechts auf die Vorstellungen von Recht und Gesetz in Europa treffen, wie Menschen sie in sich tragen, die aus Eritrea oder Afghanistan, aus Syrien oder dem Kosovo geflohen sind, aus Not oder Hoffnung – Menschen, die manchmal bei der Erstregistrierung ihr Geburtsdatum nicht nennen können, weil das keine Rolle spielte in der Gegend, aus der sie stammen, oder weil dort ein anderer Kalender gilt, und die nun den 1. Januar als Geburtstag erhalten, weil Dokumente einen Geburtstag verlangen. Menschen, die manches offizielle Papier nicht verstehen, nicht nur, weil sie kein Deutsch lesen können, sondern manchmal, weil sie gar nicht lesen können. Dass vor zwei Tagen Bundestagswahl in Deutschland war, weiß Osadebamwen Edosa, 32, nicht. Der Nigerianer sitzt in seinem winzigen Zimmer mit der Nummer 232 im zweiten Stock des Wohnheims. »Wir bekommen hier gar keine Informationen«, sagt er und zeigt auf den alten Fernsehapparat, der am Fußende seines Bettes thront und keinen Empfang hat. Das Bett ist eigentlich nicht wirklich »sein« Bett. Er muss es sich vorübergehend teilen. Mit einem anderen Flüchtling. Osadebamwen ist heiter und offen. Ohne Scheu erzählt er, dass er nach Deutschland gekommen ist, um zu arbeiten. Jahrelang hat er als anerkannter Flüchtling in Spanien gearbeitet. Erst in einer Schlachterei. Dann auf dem Bau. Bis zur Finanzkrise ging das gut. Dann nicht mehr. Osadebamwen schönt nicht, was danach kam: die Reise nach Deutschland, die Jobs, mit denen er sich seinen Lebensunterhalt verdient hat, bis er aufgegriffen wurde. Etwas anderes als dieses Flüchtlingsheim hat Osadebamwen in Eisenhüttenstadt noch nicht gesehen. Ins Zentrum der Stadt traut er sich nicht. Aus Angst, von der Polizei verhaftet zu werden. Was denn sein Aufenthaltstitel sei? »Dungdung«, sagt Osadebamwen und lacht, weil er ahnt, dass er das ungefähr so akkurat ausspricht, wie der Fotograf und ich seinen Vornamen aussprechen. Er kramt das Dokument aus seiner Gesäßtasche. »Aussetzung der Abschiebung« steht darauf, »Duldung«. Dass er sich in Eisenhüttenstadt frei bewegen darf, weiß Osadebamwen nicht, weil es auf dem Papier auf Deutsch steht. Er schaut schulterzuckend auf die Graffiti an den Wänden seines Zimmers. »Ignorance is not an excuse in law« hat einer von Osadebamwens Vorgängern dort hinterlassen. 2 — Nacht der Rache – Oktober Was zwischen diesem Besuch und dem eine Woche später, am 1. Oktober, geschehen ist, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Was die Massenschlägerei ausgelöst hat, ob es um eine Mütze ging, die jemandem geklaut wurde, oder um eine Frau, die von einem der Männer als Eigentum betrachtet wurde, wer überhaupt angefangen hat, ein Somalier oder ein Tschetschene – all das lässt sich nicht mit Gewissheit klären. Osadebamwen Edosa spricht von der »Nacht der Rache«, als Tschetschenen durch die Gänge des Männerhauses gezogen seien: »Erst ging es um Somalier, dann um Schwarze, und am Ende haben sie die Türen aufgerissen und gefragt, ob wir Muslime oder Christen seien. Die Christen wurden geschlagen.« Osadebamwen schaut auf den Bücherstapel auf seinem Tisch und schweigt. The Holy Bible liegt da. Als die Beamten der Polizei eintrafen, war Osadebamwen erstmals richtig erleichtert, sie zu sehen. Kheda und Beslan im Abschiebegewahrsam geht es besser. Beslan trägt immer noch seine tjubetejka, seine Mütze, und ein knallrotes Sweatshirt aus dem Kleiderbestand des Flüchtlingsheims, »Power Play« steht darauf, und er lächelt sogar zur Begrüßung. Dass sie wieder Nahrung zu sich nehmen, ist auch ein Verdienst von Frank Nürnberger. Er hat ihnen gut zugeredet, und vor allem hat er ihnen die

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TITELTHEMA: WOHNEN Ungewissheit genommen, wann sie nach Polen abgeschoben werden. Den Kalender an der Wand ihrer Zelle hat Kheda um ein paar Kästchen erweitert. »Am Ende werde ich von Deutschland nichts gesehen haben«, sagt Kheda zum Abschied, »wir sind ja eingereist und gleich verhaftet worden.« Am 3. Oktober 2013 sterben schätzungsweise 390 Menschen vor Lampedusa bei etwas, das »Bootsunglück« genannt wird, als handele es sich um Pech. In einer seiner letzten Amtshandlungen erklärt Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), ihm seien Forderungen nach größerer Solidarität Deutschlands oder gar einer Änderung der europäischen Asylpolitik »unbegreiflich«. Völlig unbegreiflich Der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) im Oktober 2013 als Reaktion auf die Forderung, Deutschland müsse mehr Solidarität mit Flüchtlingen zeigen. Am 15. Oktober ist Frank Nürnberger drei Monate lang auf seinem Posten als Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt. Die Zustände in dem sanierungsbedürftigen Heim bezeichnet Nürnberger selbst als »prekär«. Die Um- und Neubaupläne für die verrottete Anlage sind schon genehmigt und budgetiert, aber das nützt Nürnberger in diesen Wochen nichts. Seit Ende September hat er in seiner Not 28 Flüchtlinge in den Abschiebegewahrsam auf der Baustelle des Flughafens BER ausgelagert, Anfang Oktober hat er Feldbetten in der Turnhalle auf dem Gelände des Flüchtlingsheims aufstellen lassen. Da schlafen nun an der Seitenlinie des Spielfeldes, zwischen den Basketballkörben, 50 weitere Flüchtlinge. Es ist allemal ruhiger als in den Wohnhäusern. Am 23. Oktober bricht in der Erstaufnahme multiresistente Tuberkulose aus: Eine Frau und zwei Kinder werden in Quarantäne gebracht – und es gilt ein Verteilungsstopp für 136 Kontaktpersonen, die potenziell hätten von Eisenhüttenstadt in umliegende Unterkünfte transferiert werden können. »Seit ich hier angefangen habe, war immer was«, sagt Nürnberger in höflicher Untertreibung dessen, was auch ihm hier zugemutet wird. Der Leiter der Ausländerbehörde hat längst die psychosozialen Schwachstellen des Systems erkannt: Als die Firma B.O.S.S., ein Dienstleister, der sonst für Sicherheits- und Bewachungsaufgaben ausgewiesen ist, die Ausschreibung für die Wohnheimbetreuung gewann, ging die Behörde von einer Belegung mit 250 Flüchtlingen aus. Damals galt eine Quote von einem Sozialbetreuer für 100 Flüchtlinge als ausreichend. In Absprache mit der Niederlassungsleiterin von B.O.S.S., Anja Schoop, hat Nürnberger die Zahl der Sozialbetreuer für die Flüchtlinge erhöhen lassen. Nun kommt ein Sozialbetreuer auf 60 Flüchtlinge. Die Freundlichkeit, mit der uns alle, die hier arbeiten, ob in der Erstaufnahme, in der Verwaltung, im Abschiebegewahrsam oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Auskunft geben und sich bei ihrer Arbeit beobachten lassen, ist angesichts all der Belastungen erstaunlich. Anfang November erreicht uns via Dolmetscherin eine E- Mail von Kheda aus Polen. Es gehe ihnen nicht gut. Sie sind nicht, wie erwartet, in einem der Flüchtlingslager bei Warschau gelandet, sondern in Łomża im Nordosten Polens. Osadebamwen Edosa ist nicht anzutreffen. In Zimmer 232 des Männerhauses in Eisenhüttenstadt wohnt nun ein anderer Flüchtling, der seinen Vorgänger so wenig kennt, wie Osadebamwen seinen kannte. Am Ende einer Flucht ist kein Ankommen. Am Ende einer Flucht wiederholt sich die Flucht gleichsam als Fluch. In den ereignislosen Tagen im Flüchtlingsheim werden die vergangenen Schrecken gegenwärtig, wie taub gefrorene Füße, die erst im warmen Wasser, wenn die Kälte vorbei ist, zu schmerzen beginnen. In den schlaflosen Nächten wird die Flucht zum Fluch. Sie haben unterschiedliche Strategien, der Zeitschleife aus Ohnmacht, Angst und Trauer zu entkommen, die drei kurdischen Flüchtlinge aus Syrien. Ghayeb Youssouf, 31, hat den Tag eingeteilt in kleine Stücke aus Struktur und Illusion: Er steht jeden Morgen um 7 Uhr auf, als habe er geschlafen, er wäscht sich in den schäbigen Duschräumen, als mache er sich frisch, er frühstückt um 7.30 Uhr in Haus 3, als habe er Hunger, und danach versucht er, sich zu beschäftigen, als könne er die Gedanken auf etwas fokussieren, das nicht aus Tod und Vertreibung besteht. Hussein Mohammed, 28, rührt den Tag nicht an, als könne er ihn im Ganzen schneller überwinden: Er steht so spät auf, wie es die Schmerzen im Stumpf seines amputierten Beins erlauben, das Frühstück lässt er ganz aus, er dehnt die Leere, als würde sie so irgendwann platzen. Abdulkadar Mustafa, 34, hält sich an Hussein, er weicht, wenn er darf, nicht von seiner Seite, er räumt auf, kocht Tee und ist dankbar, wenn er geduldet wird, denn das ist er nicht gewohnt. Abdul stottert. Bis zu seinem 13. Lebensjahr war er kaum außerhalb seines Elternhauses. Aus Angst vor Spott und Misshandlungen.

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TITELTHEMA: WOHNEN Es ist der 18. November, in Berlin werden immer noch Koalitionsverhandlungen geführt, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) meldet, dass heftige Kämpfe im Umland von Aleppo und Damaskus einen neuen Flüchtlingsstrom ausgelöst haben, und im Zimmer 126 von Haus 5 in Eisenhüttenstadt erzählen drei Kurden von ihrer Flucht vor dem Krieg in Syrien nach Europa. Der Erste, der weint, ist Abdul, und er weint, noch bevor der Kurdisch-Dolmetscher, der uns begleitet, das Wort übersetzt hat, das den Schmerz aus der Ummantelung holt: daik, »Mutter«. »Nie wollte ich meine Mutter sprechen«, hatte Ghayeb gesagt, mit dieser leisen Stimme, die immer am Grat des Schweigens entlangzuhangeln scheint, »meine Mutter würde ich am Telefon nicht belügen können wie die anderen. Sie würde hören, wie es mir wirklich geht.« Abdul stellt sich ans Fenster, damit niemand sieht, wie ihm die Tränen über das Gesicht rinnen, und so kann er nicht sehen, dass alle anderen auch weinen. Wir wollen weitersprechen, als Hussein sich auf einmal erhebt. Er sei um 18 Uhr zum Gespräch mit seinem Bruder in Syrien via Skype verabredet. Das ist in anderthalb Stunden. Hussein zuckt die Schultern, stemmt sich in seine Krücken und setzt das intakte Bein mit einem Schwung nach vorn, auf die Tür zu: »Ja, aber das Internetcafé liegt im Zentrum von Eisenhüttenstadt. Wenn ich pünktlich sein will, muss ich langsam los.« Osadebamwen Edosa lässt sich weder über Handy noch per E-Mail erreichen. 3 — Gelähmt vor Angst – November Am 27. November brechen wir mit dem Auto von Berlin nach Łomża auf. Die Übersetzerin Andrea Schmidt, die schon mit im Abschiebegewahrsam war, begleitet uns. Nach acht Stunden Fahrt erreichen wir die Adresse, die uns Kheda gegeben hat. In dem Flüchtlingsheim in Warschau müssten sich zwei Familien ein Zimmer teilen, habe ein Bekannter ihnen erzählt, die Zustände seien fürchterlich. Das wollten Kheda und Beslan sich nicht antun. Stattdessen entschieden sie sich, von den 1200 Złoty (circa 270 Euro), die sie als Paar vom polnischen Staat erhalten, 650 für eine private Unterkunft auszugeben. Der Weg zu ihrer Wohnung führt an einer Außentreppe um das Haus herum und dann über eine stählerne Stiege zu einer Hintertür im ersten Stock. Es riecht faulig, sobald man den düsteren Vorraum betritt, von dem ihre winzige Wohnung und das schmutzige Bad abgehen, das sie sich teilen mit anderen. Ihre Wohnung besteht aus einem Zimmer mit einer kleinen Spüle, einem Gaskocher und einem Tisch mit zwei Stühlen, und hinter einem lilafarbenen Vorhang liegt der Raum, in dem ihr Bett untergebracht ist. Hier harren sie aus, tagein, tagaus, gelähmt vor Angst, etwas falsch zu machen, und warten. Wie lange ihr Asylverfahren dauern wird, wissen sie nicht. Einen Anwalt haben sie nicht. Das Geld reicht kaum zum Überleben. Trotzdem wollen sie sich nicht zum Essen in der Altstadt von Łomża einladen lassen. Kheda stellt bunte kleine Plastikschälchen für uns auf den Tisch und füllt sie mit dampfendem Gemüsepüree auf. Als wäre das nicht schon beschämend genug, holt sie aus einem der leeren Schränke den Kuchen. Weil es keinen Ofen gibt, in dem sie einen Kuchen hätte backen können, hat Kheda eine Schichttorte bereitet. Lage um Lage hat sie in einer Pfanne auf ihrem Gaskocher gebacken und aufeinandergeschichtet. Da sitzen wir nun, am Rand von Europa, mit diesem jungen Paar, das niemand haben will, und erhalten eine Lek-

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN tion in Gastfreundschaft und Würde. Am nächsten Morgen holen wir sie ab für einen Spaziergang. Es ist ein neblig-kalter Novembertag. Kheda trägt eine dünne Sommerjacke und Schlappen an den Füßen. Etwas anderes hat sie nicht. Es gibt in Łomża nicht viel, was sich unternehmen lässt und nichts kostet. Deswegen spazieren Kheda und Beslan manchmal zu den modernen Einkaufszentren der Stadt. Da schauen sie Schaufenster an mit Produkten, die sie sich nicht leisten können. Das Einzige, was sie haben, ist ein Tablet, um mit zu Hause zu kommunizieren. Dafür haben sie bei der Pfandleihe in der Altstadt ihre Pässe als Kaution hinterlegt, und jeden Monat sparen sie sich nun etwas Geld ab, um die Leihgebühr abzutragen. Die Autofahrt zurück nach Berlin verbringen wir weitestgehend stumm. Die übrig gebliebene Hälfte von Khedas Schichttorte liegt, ordentlich eingewickelt in einer Plastiktüte, auf der Rückbank. Als wir schließlich die Grenze überqueren, die nicht mehr Grenze heißt, sondern »Schengen-Binnengrenze«, als sei das kein Paradox, dass im Innern noch mal zwischen innen und außen unterschieden wird, hat sich die Perspektive verkehrt, und die Unaufrichtigkeit Europas wird sichtbar: Das europäische Asylrecht beruht auf der Behauptung rechtlicher oder sozialer Gleichheit in den einzelnen EU-Staaten. Es sei gleich, so suggeriert »Dublin III«, ob ein Flüchtling den Antrag auf Asyl in Schweden oder Polen stellt, die Versorgung sei gleich, ob in Deutschland oder Bulgarien, die juristische und die psychologische Betreuung seien gleich, ob in Ungarn oder Frankreich, die normativen Standards seien einheitlich, überall. Wirklich? »Es tut gut, mit dir zu sprechen«, sagt Ghayeb Youssouf, »immer wenn du kommst, werden die Steine in mir weniger, und ich weiß, du kannst sie tragen.« Es sind Sätze wie diese, die das Ende der Distanz erklären. Es ist nicht entschuldbar, dass wir einem von drei gleich bedürftigen syrischen Flüchtlingen mehr Aufmerksamkeit schenken. Es ist so professionell-unprofessionell wie willkürlich, aber es geschieht. Vielleicht, weil Ghayeb die Trauer in sich zu verbergen sucht, als könne er so verhindern, dass sie auch andere befällt. Es ist der 10. Dezember, und es ist das dritte Gespräch, in dem der junge Tischler aus Damaskus versucht, seine Geschichte zu erzählen. Immer wieder bricht er ab, auch wenn die Flucht noch nicht zu Ende ist, weil es gar nicht nur eine Flucht war, sondern acht Fluchten waren, und weil jeder einzelne Versuch so schrecklich scheiterte, dass Ghayeb nicht alle auf einmal erzählen kann. »Acht Mal bin ich fast gestorben, aber ich wollte nicht aufgeben, bis ich in Deutschland war«, sagt Ghayeb. »Jetzt bin ich hier, jetzt kann ich auch sterben.« Am 17. Dezember findet in Eisenhüttenstadt eine Weihnachtsfeier für die Kinder im Heim statt. Alle haben sie sich dafür eingesetzt: die Mitarbeiter der Ausländerbehörde in der Erstaufnahme, die Kolleginnen und Kollegen von der Firma B.O.S.S., die Heimbetreiber und die Bürger der Stadt Eisenhüttenstadt, die einem Aufruf gefolgt sind und Geschenke gespendet haben. Auf der Bühne im ehemaligen Kinosaal über dem Speisesaal stehen mit weißer Watte dekorierte Weihnachtsbäume und stellen den Rahmen für die aufgetürmten Päckchen in der Mitte. Vor der Bühne stimmt Martina Bülow, die in der Erstaufnahme arbeitet, ihre Gitarre. Da stehen Kinder aus Tschetschenien und Kamerun, Kinder von Sinti und Roma, die neuerdings »Armutszuwanderer« genannt werden, weil niemand zugeben möchte, dass es Antiziganismus ist, der sie aus Serbien oder dem Kosovo vertreibt. Sie mögen nicht wissen, was Weihnachten ist, aber sie sehen, wie die herzliche Frau mit der Zipfelmütze ihnen mit der Gitarre ihren Einsatz anzeigt, und dann singen sie lauthals O Tannenbaum. Am 1. Januar rufen Ghayeb, Hussein und Abdul unseren Dolmetscher Delchar Rammo in Berlin an und bitten ihn, uns ein frohes neues Jahr zu wünschen. Kheda und Beslan schicken eine E-Mail und wünschen uns »die Erfüllung Eurer sehnlichsten Wünsche, und auch Glück«. Am 2. Januar fordert der UNHCR einen Überstellungsstopp nach Bulgarien. Weder Nahrung noch sauberes Trinkwasser, noch Unterkünfte würden für die Tausenden – vor allem syrischen – Flüchtlinge bereitgestellt.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN 4 — Anhören ohne Hinhören – Januar Am 6. Januar morgens um 8 Uhr ist es so weit. Nach zwei Monaten der Ungewissheit, ohne Auskunft, wie der deutsche Staat mit ihnen umzugehen gedenkt, findet die erste Anhörung von Ghayeb und Hussein durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge statt. Die Außenstelle des Amtes liegt zwar genau gegenüber, in Haus 2 der Anlage in Eisenhüttenstadt, aber das spielte bislang keine Rolle. Abdul ist erst in vier Tagen dran. Aber er sitzt still und aufmerksam im Warteraum im zweiten Stock neben Hussein. Ghayeb hat die Nacht nicht geschlafen vor Aufregung. Er weiß nicht, worauf es ankommt, niemand hat ihm erklärt, was so eine Anhörung eigentlich ist, ob dies das entscheidende Gespräch ist, ob danach entschieden wird, ob er bleiben darf oder ob er nach Bulgarien zurück muss. »Ich sage einfach die Wahrheit, ja?« – »Ja, Ghayeb.« »Ach, Sie sprechen gar nicht dieselbe Sprache?«, der Beamte des Bundesamtes schaut von seinem Computer auf. Vor ihm sitzt die extra für diese Anhörung bestellte Übersetzerin, aber sie stammt aus dem Irak und spricht einen anderen kurdischen Dialekt als die Kurden in Syrien. Ghayeb schüttelt verzweifelt den Kopf. Es dauert ein bisschen, doch dann darf unser Dolmetscher, der draußen bei Hussein und Abdul wartet und der Kurmandschi spricht wie Ghayeb, kurzerhand einspringen und den Fragenkatalog übersetzen. Wären wir nicht per Zufall anwesend gewesen, wäre die Anhörung ausgefallen. »Welche Sprache sprechen Sie?«, »Staatsangehörigkeit?« ... Es geht zügig voran bis zu Frage 8: »Fluchtroute«. »Syrien–Türkei–Bulgarien«, antwortet Ghayeb und hofft auf eine Nachfrage. Aber es kommt keine. Nicht, wie lange er dafür gebraucht hat oder wie viele Versuche. Nicht, ob ihn dabei Grenzbeamte geschlagen und bedroht haben. Nicht, ob die Küstenwache dabei zugesehen hat, wie ihr überladenes Boot im Mittelmeer havarierte. Nicht, wie viele Mitfliehende gestorben sind. »Gibt es Gründe, die dagegensprechen, dass er wieder zurückgeschickt wird?« Ghayeb schaut kurz auf, »Was dagegenspricht?« Es ist ein bisschen unklar, ob sich die Frage auf Syrien oder Bulgarien bezieht. »Ich möchte wie ein Mensch leben.« – »Wie ein Mensch leben«, wiederholt der Beamte beim Tippen. Als es vorbei ist, versteht Ghayeb nicht, dass es vorbei ist. Es ist das einzige Mal, dass er etwas sagt, ohne gefragt zu sein, das einzige Mal, dass er selber eine Frage stellt, und sie bricht aus ihm hervor: »Aber warum ich geflohen bin ... Sie haben gar nicht gefragt, warum ich aus Syrien geflohen bin. Wollen Sie mich das nicht fragen?« – »Nein. Nicht bei dieser Anhörung.« Wer sind wir eigentlich? Wer wir sind, entscheidet sich auch daran, wie wir die behandeln, die uns vertrauen. Wer wir sind, entscheidet sich auch daran, ob wir das, was wir als unsere Werte behaupten, nicht nur gegen, sondern für andere verteidigen. Das europäische Asylrecht, das wir dulden, ist es wirklich mehr als die Simulation von Asylrecht? All die präzis definierten und kodifizierten Verfahren, die wir akzeptieren, weil wir nicht hinschauen, sind sie wirklich mehr als Inszenierungen eines längst nicht mehr ernst gemeinten Versprechens auf Schutz vor politischer Verfolgung? Eine Woche später, am 14. Januar, sitzt Ghayeb morgens um 7 Uhr in seinem aufgeräumten Zimmer. Er darf oder muss umziehen. In das nächste Heim. Nach Brandenburg an der Havel. Auf einem Zettel steht, was er vor seiner Abreise abgeben muss: 1 Kopfkissen, 1 Bezug, 1 Laken, 1 Decke, 1 Handtuch, 1 x Besteck, 1 Tasse – Ghayeb ist Analphabet, aber die Dinge, die ihm nur geliehen waren, hat er akkurat vor sich aufgereiht. Draußen vor dem Heim verabschieden sich Abdul und Hussein von ihm. Sie haben einen anderen Bescheid erhalten, einen anderen Ort, an dem ihre Hoffnungen weiterverwaltet werden: Bad Belzig. Immerhin, das ungleiche Paar darf zusammenbleiben. Wir begleiten Ghayeb in das nächste Provisorium, zur Verlängerung der Verlängerung des Wartens. Das Zimmer 514 in Brandenburg ist ruhig und freundlich. Es gibt ein kleines Sofa und einen Tisch mit einem richtigen Tischtuch. Drei Betten stehen darin, für Ghayeb und die zwei anderen Kurden, die aus Eisenhüttenstadt hierher überwiesen wurden: Ebde Radwan und Marwan al-Khaled.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Die Flüchtlinge erhalten nun 329 Euro im Monat, aber davon müssen sie sich versorgen. Es gibt eine Küche am Ende des Flurs. Zur Abwechslung hat Ghayeb mal Glück: Sein Zimmergenosse Ebde war Koch in Syrien. Am 22. Januar sitzen Ghayeb, Marwan und Ebde in ihrem Zimmer in Brandenburg und verfolgen im Fernsehen auf Al-Dschasira die syrischen Friedensverhandlungen in Genf. Den Fernseher hat ihnen ein Kurde aus Brandenburg geschenkt. Ghayeb geht es nicht gut. Das Heim ist sauber und die Atmosphäre viel besser als in Eisenhüttenstadt. Aber noch immer hat sich nichts geändert an seinem Status. Noch immer darf er sich nicht außerhalb von Brandenburg bewegen. Noch immer darf er nicht arbeiten. Ghayeb ist krank geworden. Den Arzttermin hat er verpasst, weil kein Dolmetscher zu finden war. Den Tag über hat er vor sich hin geweint. Das erzählt er uns nicht selbst. Das erzählt Ebde. Auf Anfrage stellt sich schließlich heraus, dass Osadebamwen Edosa bereits am 30. Oktober von Eisenhüttenstadt in die JVA Cottbus verbracht wurde. Die Pressestelle der Bundespolizeidirektion Berlin erklärt, dass ein Ersuchen aus Spanien zur Fahndung und zur Festnahme zum Zwecke der Auslieferung wegen Rauschgiftkriminalität vorliege. Ob und wann er nach Spanien abgeschoben werde, müsse die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg entscheiden. Am 6. Februar schreibt Kheda aus Polen. Beslan sei an einer starken Lungenentzündung erkrankt gewesen. Eine Anhörung hätten sie bislang noch nicht gehabt. Das Schweigen der Behörden sei nervlich kaum auszuhalten. Wenn sie auch von dort abgeschoben würden, schreibt Kheda, würden sie es noch einmal woanders versuchen. »Einen anderen Ausweg gibt es nicht.« Am 7. Februar darf Ghayeb das erste Mal nach Berlin reisen. Die einfühlsame Sozialarbeiterin im Heim in Brandenburg, Celina Sieg’l, hat die Anträge bei der Ausländerbehörde gestellt. Sie bringt Ghayeb persönlich in Brandenburg zur Bahn, und damit auch nichts schiefgeht, schickt sie uns eine E-Mail, in welchem Abteil er sitzt, damit wir ihn am Hauptbahnhof in Berlin abfangen können. Delchar Rammo, unser hilfsbereiter Dolmetscher, kann an diesem Tag nicht, und so spazieren wir wortkarg durch die Hauptstadt und erläutern Ghayeb das Kanzleramt, »Merkel« stammeln wir, und Ghayeb lacht darüber, dass wir so hilflos klingen wie er sonst. Wir haben zwei Stunden Zeit, dann bringen wir ihn zum »Behandlungszentrum für Folteropfer«, wo er vermutlich schon vor drei Monaten einen Termin hätte haben sollen, damit ihm endlich jemand die Frage stellt, wie es ihm geht. Nicht um ihn als Flüchtling zu prüfen, sondern um ihn als Mensch anzuerkennen. Am 10. Februar erreicht uns die Nachricht, dass Ghayeb in Brandenburg einen Suizidversuch unternommen hat. Er hat überlebt. Alles Schreiben wird umgehend sinnlos. Was Ghayeb und all die anderen brauchen, ist keine weitere Geschichte über ihre Verzweiflung wie diese, sondern ein Asylrecht, das mindestens die Möglichkeit impliziert, dass ein Flüchtling wirklich jemand sein könnte, der vor etwas geflohen ist. Was Ghayeb und all die anderen brauchen, ist eine Antwort, ob wir es ernst meinen, unser Versprechen auf Schutz vor Verfolgung, oder ob wir Mitleid nur mit den Bildern von leidenden Menschen im Krieg in der Ferne haben, aber nicht mit den realen Menschen hier in den Heimen an unserer Peripherie. Es gibt verschiedene Arten von Unsichtbarkeit. Manche Menschen werden nicht gesehen, weil sie sich verstecken, manche werden nicht bemerkt, weil sie in Gegenden leben, die man nie besucht, an der Peripherie, und manche Menschen werden nicht gesehen, weil man wegsieht oder durch sie hindurch. Was sichtbar wird, wenn man sich an den Rand begibt und die Umfangslinie abschreitet, sind nicht sie, sondern wir.

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»DER DIREKTE DRAHT ZU GÄSTEN IST WICHTIG« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: MELI DIKTA Daniela und Marco Dikta haben mit ihrem Design-Hotel TraumRaum eine Nische in der Heilbronner Hotellandschaft besetzt und fahren sehr gut damit. Auf dem Bewertungsportal Tripadvisor ist ihr Haus auf Platz eins gelistet. Wir sprachen mit den Hoteliers über deren Willkommenskultur, fragten ob neu gebaute Hotels in Heilbronn mit großen Namen sie nervös machen und wie sie die Hotelerie-Planungen der Stadt empfinden. Und auch einen Ausblick auf deren zukünftige Planungen hat uns das Ehepaar gegeben.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN HANIX – Seit wann betreibt ihr dieses Hotel? Erläutert doch bitte den Prozess von der ersten Idee bis hin zu dem Zeitpunkt, als der erste Gast empfangen werden konnte. DANIELA DIKTA – Von der ersten konkreten Idee über Planungs- und Umsetzungsphase bis hin zur Eröffnung hat es gute drei Jahre gedauert. Die komplexen Umbaumaßnahmen, Auflagen der Stadt sowie die alte Bausubstanz führten zur Verzögerung der Fertigstellung. HANIX – Ihr beide seid branchenfremd. Wie kamt ihr darauf, gerade ein Hotel zu eröffnen? Seid ihr einfach von Haus aus gastfreundlich? DANIELA DIKTA – (lacht) Ich glaube, das kann man so sagen. Unser Traum war es, uns gemeinsam in der Gastronomie mit einer Bar und Lounge selbstständig zu machen. MARCO DIKTA – Während der Planungsphase kam die Frage auf, welche Nutzung wir den oberen Stockwerken zusprechen könnten. Aufgrund von Gesprächen mit Branchenexperten und anderen Hoteliers entschieden wir uns, einen Hotelbetrieb einzurichten. Alternativ wären dort Büroräume entstanden. HANIX – Wer hat euch, die Hotellerie betreffend, beraten? DANIELA DIKTA – Es gab Gespräche mit Branchenkennern des DEHOGA, dem Hotel- und Gaststättenverband. Auch ein Existenzgründer sowie ein Unternehmensberater, der auf die Gastronomie- und Hotelbranche spezialisiert ist, berieten uns. HANIX – Was war der ausschlaggebende Rat, der euch vollends überzeugt hat, das Projekt zu wagen? Sicher wäre es unkomplizierter gewesen, »nur« Büros zu schaffen. DANIELA DIKTA – Ja, das ist richtig. Am Ende war es unser Bauchgefühl sowie die Vorstellung, wie das alles einmal aussehen könnte. Die einzelnen Beratungsgespräche haben uns sehr weitergeholfen. Wir hatten das Gefühl, das Richtige zu tun. HANIX – Habt ihr ausgebildete Fachkräfte im Team oder sind alle Gastro- und Hotellerie-Quereinsteiger? DANIELA DIKTA – Sowohl als auch. HANIX – Wie ist da das Feedback von den Fachkräften an ihre Chefs, die ja Quereinsteiger sind? DANIELA DIKTA – Sehr gut. Das passt wunderbar! Fachliche Kompetenz spielt definitiv eine große Rolle, aber ich denke, dass das Führungsverhalten, sowie ein gesunder betriebswirtschaftlicher Verstand mindestens genauso wichtig sind. MARCO DIKTA – Natürlich ist Fachkompetenz wichtig. Wir selbst versetzen uns stets in die Rolle des Gastes und fragen uns, was uns gefallen würde. Und das setzen wir dann um. HANIX – Was ist eure Leitlinie und Philosophie zu Gästebetreuung und Willkommenskultur in der Gastronomie und dem Hotelwesen? DANIELA DIKTA – Am wichtigsten ist, dass sich der Gast willkommen fühlt. Das steht über allem. Freundlichkeit, Qualität und Kompetenz gehören selbstverständlich genauso dazu. HANIX – Wie müssen eure Gäste willkommen geheißen werden, damit das eurem Anspruch gerecht wird? Wie schafft man es, dass sich der Gast nicht nur als Geldquelle fühlt? Gibt es Vorgaben für eure Mitarbeiter? DANIELA DIKTA – Nein, die gibt es überhaupt nicht. Aus unserer Sicht soll der Gast herzlich und ehrlich begrüßt werden. Stupides Aufsagen von Floskeln wollen wir nicht. Die Begrüßung ist sehr individuell und natürlich. HANIX – Wie werdet ihr als Hotelgäste gerne willkommen geheißen? DANIELA DIKTA – Ehrlich und herzlich. Dann fühle ich mich am wohlsten. HANIX – Habt ihr ein Hotel als Vorbild, wo ihr selbst vielleicht eine Willkommenskultur genossen

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN habt, die ihr mit nach Heilbronn bringen wolltet? MARCO DIKTA – Ich grenze das mal auf Hotels in Europa ein, denn in anderen Teilen der Welt sind die Leute natürlich nochmal anders als hier. Letztes Jahr im Winter waren wir in einem Urlaubshotel in Österreich. Es liegt in einem Ballungsgebiet in dem es viel Tourismus gibt, d.h. für die ansässigen Hoteliers ist der Anreiz, besonders freundlich zu sein, nicht immer hoch. Gäste kommen ja sowieso immer. Aber das Hotel, in dem wir waren, war in dieser Hinsicht einfach super. Das Personal hat sich jederzeit sehr zuvorkommend um seine Gäste gekümmert und kam ehrlich rüber. Die Gäste wurden extrem freundlich und herzlich behandelt. HANIX – Besteht manchmal nicht auch die Gefahr, zu viel zu machen und den Gast damit zu nerven? DANIELA DIKTA – Wenn man es ehrlich meint, nicht. HANIX – Wie seid ihr darauf gekommen, gerade in Heilbronn ein Designhotel mit internationalen Themenzimmern zu eröffnen? Eigentlich sind solche Konzepte doch eher in urbanen Ballungsgebieten und Großstädten zu finden. DANIELA DIKTA – Zum einen sind wir sehr Heimatverbunden, weshalb der Standort Heilbronn in Frage kam. Zum anderen gab es in Heilbronn noch kein Hotel wie das unsere in dieser Form. Deshalb haben wir uns explizit für die Themenzimmer entschieden. Die Gäste freuen sich immer wieder über die willkommene Abwechslung! HANIX – Auf Tripadvisor seid ihr klar die Nummer eins was Gästebewertungen angeht. Habt ihr damit gerechnet oder war es sogar Ziel in der kurzen Zeit das beliebteste und beste Hotel am Platz zu werden? DANIELA DIKTA – Natürlich war das eine freudige Überraschung. Den Anspruch und die Vision hatten wir auf jeden Fall. Man weiß vor Beginn nicht, wie es sich entwickeln wird und ob es bei den Gästen auf so viel Zuspruch stößt. Das war eine riesige Unbekannte, die uns schlaflose Nächte bereitet hat. HANIX – Wie bekommt ihr euer Feedback? Liegen in den Zimmern Fragebögen aus? DANIELA DIKTA – Wir fragen die Gäste persönlich und haben bewusst keine Fragebögen. MARCO DIKTA – Wir haben viele Stammgäste und der direkte Draht zu allen Gästen ist viel mehr wert, als ein unpersönlicher Bogen, der im schlimmsten Fall auch noch an unserer Zielsetzung vorbeigeht. Uns ist wichtig, im ständigen Austausch mit unseren Gästen zu stehen. HANIX – Aber ist das Ergebnis auf einem Fragebogen nicht ehrlicher? Eine negative Meinung sagt man jemandem schließlich ungern direkt ins Gesicht… DANIELA DIKTA – Sicher, die Gefahr besteht, allerdings merkt man in den allermeisten Fällen, ob der Gast einen Kritikpunkt hat, wenn man persönlich nachfragt. Dann hat man den Vorteil, dass man gezielt darauf reagieren kann.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN MARCO DIKTA – Genau. Dadurch, dass wir einen sehr engen Kontakt zu unseren Gäste pflegen, tun diese sich leichter, ehrliche Kritik zu üben. Das hat bisher immer gut funktioniert. HANIX – Wie ist das Verhältnis zwischen Buchungen über solche Portale und dem direkten Weg über euch? Haltet ihr Gäste dazu an, euch auf den Portalen zu bewerten? DANIELA DIKTA – Über Portale haben wir sehr wenig Buchungen. MARCO DIKTA – Die meisten Gäste – vorrangig unsere Stammgäste – reservieren Ihre Aufenthalte direkt bei uns vor Ort oder via Mail. HANIX – Ihr seid ein Familienbetrieb. Liegt hierin vielleicht das Geheimnis eures Erfolges? DANIELA DIKTA – Ja, ich denke, dass der Familienbetrieb zu unserem Erfolg beiträgt. HANIX – Hattet ihr nicht Angst, dass das Geschäft für Streit sorgen könnte, gerade wenn es nicht gut laufen würde? Schließlich könnte sich das negativ aufs Wohlbefinden der Gäste auswirken… MARCO DIKTA – Dass es zu Spannungen kommen kann – darüber macht man sich natürlich Gedanken. Aber bisher hat alles gepasst! (lacht) Dass wir ein Familienbetrieb sind, finden die Gäste sehr charmant. Also wirkt sich das positiv aufs Wohlbefinden unserer Gäste aus! DANIELA DIKTA – Das wird uns von den Gästen auch des Öfteren mitgeteilt: Die Gäste nehmen wahr, dass sich das Personal wohlfühlt, Freude bei der Arbeit ausstrahlt und sich das bei uns wie ein roter Faden durch den Betrieb zieht. HANIX – Wie groß ist euer Team momentan? Wie lange hat es gedauert, bis ihr und euer Team eingespielt wart? MARCO DIKTA – Mit Aushilfen beschäftigen wir 15 Kräfte. Unserer Meinung nach dauerte es etwa ein Jahr. HANIX – In Heilbronn entstehen, bzw. entstanden in letzter Zeit neue große Häuser. Schaut ihr mit Sorge auf die neue, namhafte Konkurrenz oder lässt euch das kalt? MARCO DIKTA – Natürlich beobachten wir den Markt immer genau. Unser Vorteil ist, dass wir ein relativ kleines Hotel sind und so einen sehr engen Kontakt zu unseren Gästen pflegen können. Durch unsere Themenzimmer decken wir eine Nische ab und erhalten dadurch eine Sonderstellung auf dem Markt. HANIX – Denkt ihr, dass es Sinn macht, hier in Heilbronn, wie geschehen, zwei so große Hotels zu bauen? Ist die Bettennachfrage überhaupt so hoch? DANIELA DIKTA – Das ist eine schwierige Frage. Betrachtet man die stark nachgefragten Zeiträume, macht es auf jeden Fall Sinn. Man sollte jedoch eine ganzjährige und langfristige Betrachtung vornehmen. Es wird vermutlich zu einem Verdrängungswettbewerb kommen. HANIX – Wie schätzt ihr da die Stadt Heilbronn ein? Werden solche Überlegungen wie ihr sie habt auch getätigt oder haben die großen Hotels einfach zu viel Sexappeal? MARCO DIKTA – Die Stadt braucht eine Lösung im Hinblick auf die BuGa. Sicher, hier werden Zimmer benötigt. Aber es gibt eine lange Zeit nach der BuGa. Es sollte meiner Meinung nach darauf geachtet werden, dass man nicht alles auf dieses eine Jahr auslegt. HANIX – Wie soll es mit euch und der Hotellerie weitergehen? Gibt es Pläne für die Zukunft? DANIELA DIKTA – Ja, wir sind mitten in der Planungs- und Umsetzungsphase für ein attraktives Angebot für Langzeitgäste. Wir freuen uns darauf, unser kleines Haus weiterhin in der Heilbronner Hotellandschaft festigen zu können.

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»FÜR JEMANDEN AUS MADRID IST AUCH STUTTGART PROVINZ« Um Fachkräften den Start in der Region zu erleichtern, hat das Welcome Center Heilbronn-Franken im vergangenen Sommer seine Arbeit aufgenommen. Drei Mitarbeiterinnen bieten eine Anlaufstelle für die Bewältigung der ersten Alltagsprobleme. Wir haben das WCC in der Innovationsfabrik Heilbronn besucht und Geschäftsführer Dr. Schumm und seiner Projektleiterin Tabea Saur Fragen zu den ersten Monaten ihrer Gastgebertätigkeit gestellt.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: NELE MUNZ HANIX: Herr Dr. Schumm, Frau Saur, im vergangenen Herbst haben Sie für das Welcome Center Heilbronn-Franken die Arbeit in der IFH aufgenommen, um internationale Fachkräfte bei deren Integration willkommen zu heißen. Aber wie wurden sie selbst, bzw. das Welcome Center hier in der Stadt begrüßt? Herzlich oder eher mit Höflichkeitsfloskeln? TABEA SAUR: Es war herzlich. Die Meisten, die wir kennengelernt haben, freuen sich über unser neues Angebot, das Lücken zu dem schon vorhandenen schließen soll. Um Fachkräfte in der Region willkommen zu heißen und die Unternehmen zu unterstützen, gab es nämlich bis jetzt noch keine Lotsenstelle. Und dafür sind wir jetzt da. DR. ANDREAS SCHUMM: Wir arbeiten sehr stark netzwerkorientiert. Aus diesem Grund wurden wir von den schon vorhandenen Institutionen nicht als Konkurrenz, sondern als Teamplayer auch auf persönlicher Ebene sofort akzeptiert. HANIX: Vor gut einem Jahr kam vom Land die Zusage, dass die Wirtschaftsregion Fördergelder für die Initiierung dieses Willkommenszentrums bekommt. Um die Gelder hat sich die WHF bewerben müssen. Erläutern sie uns doch den Bewerbungsprozess. DR. ANDREAS SCHUMM: Die Ausschreibung wurde im August 2013 veröffentlicht. Dann wurde in der Region diskutiert und abgestimmt, wer es machen soll und im Oktober fiel die Wahl relativ kurzfristig auf die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF). Daraufhin haben wir in Eigenregie – natürlich noch ohne die Mitarbeiter des Welcome Centers, die es ja noch nicht gab – ein Konzept ausgearbeitet und im Januar 2014 schließlich den Zuschlag erhalten. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir die zweithöchste Förderungssumme nach der Region Stuttgart erhalten haben, was uns zeigt, dass wir offenbar einen guten Antrag gestellt haben. So können wir das Welcome Center mit drei Mitarbeiterinnen betreiben. Allerdings haben wir mit Heilbronn-Franken auch die flächenmäßig größte Region abzudecken. TABEA SAUR: So gibt es in Baden-Württemberg mittlerweile zehn regionale Welcome Center mit denen wir eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus gibt es ein zentrales Welcome Center für die Sozialwirtschaft. HANIX: Weshalb kam man hier in der Region zu dem Schluss, dass es dieses Zentrum benötigt? DR. ANDREAS SCHUMM: Eine der Kernaufgaben der WHF ist es ja, internationale Fachkräfte zur Wirtschaftsförderung anzuwerben und hier in die Region zu holen. Zusätzlich unterstützen wir Unternehmen, indem wir ihren Bekanntheitsgrad als potenzielle Arbeitgeber über die regionalen Grenzen erweitern. Schon in der Vergangenheit haben wir Erfahrungen gesammelt; so haben wir zwei Projekte mit ausländischen Fachkräften aus Spanien erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Welcome Center tun wir uns jetzt allerdings sehr viel leichter bei solchen Unterfangen. Durch das Projekt sind wir jetzt schon gut vernetzt, was sicherlich auch ausschlaggebend für den Zuschlag war. Auf jeden Fall brauchen wir Leute von außen, da wir eine gute wirtschaftliche Entwicklung in der Region haben. Unsere Unternehmen sind auch international unterwegs und schrecken deshalb nicht davor zurück, Arbeitskräfte aus dem Ausland einzustellen. Darüber hinaus glaube ich, dass wir das Ganze als eine europäische Aufgabe sehen und mit Ländern, die wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, Solidarität zeigen und sie wirtschaftlich unterstützen wollen. HANIX: Als eher ländlich geprägte Wirtschaftsregion ist es sicher schwer, sich gegen urbane Ballungsgebiete und Großstädte im Wettbewerb um Fachkräfte durchzusetzen. Kann und soll das Welcome

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Center hier das Zünglein an der Waage sein, um Top- Fachpersonal in die Region zu locken? DR. ANDREAS SCHUMM: Völlig klar ist, dass der Trend gerade bei jungen Leuten in die Ballungszentren geht. Das ist im Ausland nicht anders als hier. Deshalb wollen wir mit dem Welcome Center ein Zusatzangebot bieten und sind in der gesamten Region präsent. Ob Fachkräfte angelockt werden, hängt natürlich immer davon ab, woher diese Leute kommen. Wenn Sie jetzt jemand aus Madrid ansprechen, wird für den schon Stuttgart Provinz sein. Aus diesem Grund haben wir bei unserem Spanienprojekt mit einer eher ländlichen Region zusammengearbeitet: In Navarra ist es ähnlich wie hier, eine ländliche Region mit einer größeren Stadt, Pamplona. Unsere Erfahrung war, dass dort eine ähnliche Mentalität wie hier herrscht. Auf so etwas muss man achten geben, wenn man gemeinsame Projekte durchführt. So kann dann ein Ansatzpunkt sein, nicht in Athen, Lissabon oder Madrid, sondern in strukturell vergleichbaren Gegenden nach Fachkräften für unsere Region zu suchen. Durch die Zugkraft unserer Wirtschaftsleistung kommen aber auch Leute aus urbanen Ballungszentren auf uns zu, die es nicht stört, in unseren eher ländlichen Gegenden zu wohnen und zu arbeiten. HANIX: Das Welcome Center wird vollständig aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert. Dafür fließen insgesamt 239.000 Euro in die Region Heilbronn-Franken. Mit diesen Mitteln lässt sich das Welcome Center nicht ewig finanzieren. Wie soll es nach dem Aufbrauchen dieser Mittel weitergehen? Ist danach Schluss oder gibt es schon ein Konzept, evtl. sogar einen Beschluss zur Folgefinanzierung? TABEA SAUR: Die Summe, von der Sie sprechen, war eine sogenannte ›Anschubfinanzierung‹ für das Jahr 2014 und kam vom Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MFW) Baden-Württemberg, das die Mittel vom Europäischen Sozialfonds erhielt. Im Mai startete eine zweimonatige Vorlauf- und Konzeptionsphase, in der wir beispielsweise unser Logo und die Homepage erstellten. Die offizielle Eröffnung war dann schon am 30. Juni 2014. Seit dem 1. Januar 2015 finanziert das MFW noch 50%, die andere Hälfte müssen die jeweiligen Regionen der zehn Welcome Center dann selbst bereitstellen. Bei uns sind das die Gesellschafter der WHF. DR. ANDREAS SCHUMM: Im Herbst hatten wir also die Aufgabe, diese zweijährige Kofinanzierung auf die Beine zu stellen, was uns gut gelungen ist. HANIX: Wenn es also ganz blöd gelaufen wäre, hätten Sie schon am 31. Dezember 2014 Ihre Türen wieder schließen müssen? DR. ANDREAS SCHUMM: Genau, das sehen Sie schon alleine daran, dass unsere drei Mitarbeiterinnen nur einen Arbeitsvertrag bis Ende des letzten Jahres hatten, da zu diesem Zeitpunkt noch nichts absehbar war. Wegen der Finanzierung durch Land und Gesellschafter konnten die

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Verträge für die nächsten zwei Jahre jedoch verlängert werden. Das Projekt wird, wie die anderen Welcome Center auch, auf Landesebene evaluiert werden, was die Vorgabe bei Landesmitteln bzw. öffentlichen Geldern ist. Ich gehe davon aus, dass das Mitte 2016 erfolgen wird und wir dann wieder über die Zukunft des Welcome Centers diskutieren werden müssen. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, denn in den letzten Monaten wurde von unseren drei Kolleginnen im Welcome Center wirklich gute Arbeit geleistet, die anerkannt und geschätzt wird. Ich bin überzeugt davon, dass wir auch über 2016 hinaus weiter Fördermittel bekommen, wenn so weitergearbeitet wird wie in den letzten Monaten. HANIX: Ihre Aufgabe ist die Beratung der kleinen und mittleren Unternehmen und internationaler Fachkräfte und deren Familien, die aus dem Ausland neu in die Region Heilbronn-Franken ziehen um hier zu arbeiten. In welchen Punkten genau sollen Sie die Unternehmen und deren Mitarbeiter beraten und begleiten? Mit welchen Anliegen kommen diese Menschen zu Ihnen? TABEA SAUR: So unterschiedlich die Unternehmen sind, so unterschiedlich sind die Fragestellungen die an uns herangetragen werden. Klar ist, dass die großen ›global players‹ der Region schon lange mit dem Themengebiet Rekrutierung, Akquise und Integration von internationalen Fachkräften vertraut sind und jeweils eigene Abteilungen dafür haben. Deshalb haben wir uns mehr auf solche Unternehmen, die noch keine jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen können, spezialisiert. Das sind die kleinen und mittleren Unternehmen wie beispielsweise Handwerksbetriebe, die jetzt den Fachkräftemangel immer mehr spüren, beispielsweise bei den Rückläufen auf Stellenanzeigen. So haben wir manchmal telefonische Anfragen, ob wir nicht schon am nächsten Tag zwei Elektriker vermitteln könnten. Aber auch zu allgemeinen Fragen werden Antworten gewünscht, etwa wie man bei der Anwerbung von ausländischen Fachkräften vorzugehen hat, was die Kosten sind und wie man überhaupt Kontakt aufnehmen kann. Was muss ein Unternehmen für diese Fachkräfte leisten? Wie sieht es aus mit Wohnungsraum und der Integration in das soziale Leben in kleineren Dörfern? Bei diesen Entscheidungsprozessen begleiten und beraten wir die Unternehmen. HANIX: Melden sich Fachkräfte aus dem Ausland, die hier arbeiten wollen, bei Ihnen? TABEA SAUR: Die Anfragen nehmen gerade stark zu, weil wir als Welcome Center auch die Aufgabe haben, die Region international bekannt zu machen und ihre Attraktivität nach außen darzustellen. Das bedeutet, dass wir in internationalen Communities Anzeigen schalten und uns Initiativbewerbungen aus der ganzen Welt, vom Iran bis hin zu China, erreichen. Gestern wurden wir von einem Brasilianer gefragt, wie hier die Chancen auf ein geregeltes Einkommen sind, da er sich in Deutschland eine Zukunft für seine Familie aufbauen möchte. Aus manchen Ländern kommt die Rückmeldung, dass die Fachkräfte ihre Kinder in einem Land aufwachsen sehen wollen, das demokratische und freiheitliche Grundsätze hat. Wir haben also mit den unterschiedlichsten Anfragen zu tun. Unser Job ist es dann, mit den regionalen Experten wie den Arbeitsagenturen auf den Gebieten zusammenzuarbeiten, damit wir die jeweiligen Voraussetzungen schaffen können. DR. ANDREAS SCHUMM: Darüber hinaus merken wir das auch an unserer Homepage, die aus allen Teilen der Welt aufgerufen wird. Aus diesem Grund ist diese jetzt in acht Sprachen verfügbar und enthält viele Informationen. Auch Skype-Gespräche bieten wir an. So können die Interessier-

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN ten unser Angebot schon in ihrem Heimatland in Anspruch nehmen und wir sie von Anfang an begleiten. Schließlich ist es eine harte Entscheidung, das Heimatland zu verlassen. Der richtige Ansatz ist, die Menschen schon willkommen zu heißen, bevor sie überhaupt hier sind. TABEA SAUR: Entscheidend ist, das richtige Bild von der neuen Heimat zu vermitteln. In Deutschland herrschen andere Verhältnisse als in anderen Ländern, beispielsweise der riesige Unterschied zwischen Brutto und Netto. Wenn man darüber aber schon vorher informiert wurde, gibt es dann keine Enttäuschung beim Erhalt der ersten Gehaltsabrechnung. Viele fragen sich nämlich: »Was geschieht da mit meinem Geld?« HANIX: Sie haben es vorhin kurz angesprochen: Geht es bei den Anfragen der Menschen eher um die wirtschaftliche Situation oder eher um Fragen zu Demokratie und Freiheit? Was ist die größere Motivation für die Fachkräfte? TABEA SAUR: Klar – bei allen ist eine wirtschaftliche Motivation vorhanden, jeder möchte seinen Lebensunterhalt sichern. Aber ich glaube, man kann das sehr schlecht voneinander trennen. Alle Motivationsgründe für eine Bewerbung bei uns kennen wir ja auch nicht. DR. ANDREAS SCHUMM: Ergänzend kommt noch die momentane Flüchtlingssituation hinzu. Hier wird der wirtschaftliche Aspekt sicher nicht im Vordergrund stehen. Mit dieser Thematik durfte sich das Welcome Center aber aufgrund der Förderrichtlinien noch nicht beschäftigen. Im Laufe diesen Jahres wollen wir uns allerdings dem Thema annehmen, weil es – so wird geschätzt – unter den Flüchtlingen auch eine gewisse Anzahl an Fachkräften gibt. Aufgrund verschiedener gesetzlicher Regelungen haben diese jedoch Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Dort gibt es noch Probleme, aber die Sache kommt jetzt ins Rollen. Und dann wird das Welcome Center auch einen Teil dazu beitragen. HANIX: Ist die Beratung auf ausländische Fachkräfte, die sich entschieden haben in unsere Region zu kommen, beschränkt oder helfen Sie auch Menschen, die beispielsweise aus Schleswig-Holstein den Weg ins Ländle gefunden haben? Der Kulturschock für einen Ostfriesen dürfte ähnlich so groß sein, wie beispielsweise einen Inder. Beide können unsere Sprache nicht und kommen erstmals mit der Kehrwoche in Kontakt. TABEA SAUR: (lacht) Da unser Ziel ist, Fachkräfte für die Region zu gewinnen, wäre es falsch, wenn wir sagen, wir wollen nur Leute, die nicht die Deutsche Staatsangehörigkeit haben. Doch die Zielgruppe des Welcome Centers sind die internationalen Fachkräfte und nicht die nationalen.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN die internationalen neuzugezogenen Fachkräfte und nicht die nationalen. HANIX: Melden sich denn Leute aus anderen (strukturell schwächeren) Teilen Deutschlands? TABEA SAUR: Bisher eher weniger, da wir wenig Werbung in solchen Regionen machen. Unsere Zielsetzung sind eher andere Länder und nicht andere Bundesländer. Aber natürlich freuen wir uns über jede Anfrage! DR. ANDREAS SCHUMM: Für uns als Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken ist es schon seit Jahren ein Thema, Fachkräfte aus anderen Regionen Deutschlands hierher zu holen. Seit wir das Welcome Center haben, haben wir nur noch bessere Möglichkeiten und den Vorteil, diesen Menschen bei ihren Fragen zur Region Rede und Antwort zu stehen. TABEA SAUR: Zum Beispiel: »Wie versteht man schnell Schwäbisch und was ist die Kehrwoche?« HANIX: Der Hauptsitz des Welcome Centers ist die Innovationsfabrik in Heilbronn. Weitere Zweigstellen in der Region waren, bzw. sind geplant. TABEA SAUR: Wir sind seit Herbst an zwei Tagen im Monat in Crailsheim, Schwäbisch-Hall, Künzelsau und Tauberbischofsheim und bieten dort eine offene Beratung ohne Terminabsprache in öffentlichen Gebäuden an. Wir wollen den Fachkräften und Unternehmen in diesen Teilregionen zeigen, dass das Welcome Center Heilbronn-Franken für die ganze Region zuständig ist. HANIX: Wird und wurde Ihr Serviceangebot aus Ihrer Sicht von den Unternehmen und deren zugezogenen Mitarbeitern angenommen und genutzt oder tun Sie sich noch schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden? Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Ihre Tätigkeiten und Angebote können sich ja logischerweise nur entfalten und wirken, wenn man weiß, dass es Sie gibt. Gibt es noch Luft nach oben? TABEA SAUR: Es gibt immer Luft nach oben. Aber man

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN muss sagen, dass unser Angebot wirklich gut ankommt. Es wird vor Ort Werbung gemacht, beispielsweise von der lokalen Wirtschaftsförderung und wir selber werben über Facebook, unsere Homepage und verschiedene Print-Anzeigen. Darüber hinaus stellen wir das Angebot selbstverständlich Unternehmen, Gewerkschaftern, Bildungsträgern und weiteren Kooperationspartnern vor. Unsere Flyer liegen in den unterschiedlichsten öffentlichen Einrichtungen aus und mittlerweile hat sich unser Projekt herumgesprochen. Es gibt sicherlich noch viel von unserer Seite zu tun um weitere Multiplikatoren zu gewinnen. DR. ANDREAS SCHUMM: Unser Angebot an den anderen Standorten gibt es allerdings noch nicht lang genug, um ein Fazit abgeben zu können. Wir merken, dass es Unterschiede an den verschiedenen Standorten gibt und dort müssen wir jetzt nachjustieren. Es wird sich bewähren, dass wir auch außerhalb Heilbronns präsent sind. Da bin ich zuversichtlich. HANIX: Gehen Sie auch zu den Unternehmen und dürfen Sie das überhaupt? Wer kommt auf wen zu? TABEA SAUR: Wir waren im letzten Jahr mehr mit dem Aufbau des Welcome Centers beschäftigt und wollen in diesem Jahr nun verstärkt das Angebot den Unternehmen vorstellen. DR. ANDREAS SCHUMM: Im letzten Jahr haben wir Unternehmen zu Veranstaltungen eingeladen, was teilweise sehr gut angenommen wurde. Jedoch werden wir uns dieses Jahr noch mehr um den gegenseitigen Austausch kümmern, um unsere Dienstleistungen vorzustellen. So wissen die Unternehmen, an wen sie sich bei Bedarf wenden können. HANIX: Wie viele Menschen und Unternehmen haben Ihr Angebot bereits wahrgenommen und in welchen Punkten können und müssen Sie am meisten unterstützen? TABEA SAUR: Wenn wir als Startzeit Juli nehmen, haben wir fast 40 Unternehmen und über 100 Fachkräfte beraten. Hinter diesen 100 Fachkräften stecken allerdings meistens noch deren Familien mit den unterschiedlichsten Fragestellungen. Die Ehepartner etwa brauchen einen Sprachkurs und eine Anerkennung für ihre bisherigen Berufsausbildungen und das sechzehnjährige Kind eine gänzlich andere Schul- und Sprachbetreuung als das dreijährige. Wir möchten, dass alle, die das Welcome Center besuchen, etwas davon haben. Wir heißen die Menschen durch unsere Beratung und den Verweis auf die richtigen Anlaufstellen willkommen. DR. ANDREAS SCHUMM: Hier ist es mit einem Termin aber meistens nicht getan, das sind fast immer Mehrfachberatungen. Viele kommen drei- oder viermal und haben neue Fragen, was mir zeigt, dass sie mit der Qualität unserer Beratung zufrieden waren. Und wir sind mit den Zahlen sehr zufrieden, vor allem, da wir bei null angefangen haben und nach einem halben Jahr schon so weit sind. HANIX: Zum Abschluss die Frage, wie Sie, Frau Saur, die Willkommenskultur der Menschen und Unternehmen hier in der Region wahrgenommen haben. War sie herzlich oder eher distanziert? In welchen Bereichen heißen die Menschen hier aus der Region neue Bewohner und Mitarbeiter tadellos willkommen und in welchen Bereichen herrscht aus Ihrer Sicht noch etwas Nachholbedarf? TABEA SAUR: Ich finde, Willkommenskultur kann immer mit dem Sprichwort »Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus« gleichgesetzt werden. Wenn sich beide Seiten – sowohl Einheimische als auch Neubürger – engagieren und sich offen zeigen, dann gibt es immer Möglichkeiten. Aus meiner Sicht findet Willkommenskultur auf persönlicher individueller Ebene, oft im Kleinen statt. Ich finde beeindruckend, wie viele unterschiedliche Initiativen, Organisationen und Projekte es in unserer Region gibt. Wir werden immer wieder aufs Neue überrascht, wie viele Menschen einen Beitrag zum Thema Willkommenskultur leisten. Wichtig ist nur, dass man als Neubürger auch von diesen Initiativen weiß. Ich glaube, dass die Öffentlichkeitsarbeit oftmals nicht so funktioniert, dass dann die angesprochenen Gruppen davon Bescheid wissen. Da können wir als Welcome Center ansetzen um genau die zu vernetzen, die Hilfe suchen. HANIX: Welche Ziele und Meilensteine haben Sie sich für 2015 gesetzt? Was wollen Sie erreichen, damit es ein erfolgreiches Jahr für das Welcome Center wird? TABEA SAUR: Ein erfolgreiches Jahr ist es, wenn Unternehmen und internationale Fachkräfte im Themengebiet Anwerbung und Integration schnell auf uns stoßen oder von jemandem oder dem Internet an uns weitergeleitet werden. Ich nenne bewusst keine Zahlen, aber wir wollen bei denjenigen in der Region bekannt sein, die Interesse an der Thematik haben. Wenn das am Ende dieses Jahres so ist, dann haben wir wirklich etwas erreicht.

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STUDENTS-KNEIPEN-TOUR BESSER ALS ERWARTET!

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Inzwischen ist es zur gepflegten Tradition geworden, dass Heilbronner Erstsemester von Gastro-Urgestein und Gemeinderat Thomas Aurich und einigen Dozenten einen Einblick in die Heilbronner Kneipen- und Gastroszene erhalten. Diesmal sind wir im überfüllten Bus mitgefahren. TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA & DHBW HEILBRONN Die neuen Erstsemester der DHBW Heilbronn brachten Sixpacks und Chipstüten mit auf den Campus, um sich auf die anstehende Students-Tour vorzubereiten. Dem von der Dieter-Schwarz-Stiftung verordneten Alkoholverbot auf dem Campusgelände widersetzten sie sich für 30 Minuten, bis der von Gemeinderat Thomas Aurich georderte Stadtbus losfahren sollte. Wer nichts zum Vorglühen mitgebracht hatte, kam dennoch schnell auf Betriebstemperatur. Mit über 130 Studenten und Dozenten, dazu Tour-Organisator Aurich, der an der Bustüre Teilnehmerbändchen verteilte, war der Bus zum Bersten gefüllt und nach wenigen Fahrmetern tropfte bereits der Schweiß der neuen Heilbronner Studenten von der Busdecke. Freudig erregt erwarteten die Jungheilbronner und -heilbronnerinnen das Kennenlernen der städtischen Kneipenszene und redeten sich im Bus schon mal warm, um sich gegenseitig zu beschnuppern. Schließlich kannten die Studenten sich auch noch nicht. Vor der ersten Station in der Shotz Bar im Shoppinghaus weisen DHBW-Rektorin Nicole Graf und Gastro-Urgestein Thomas Aurich die trinkwilligen Studenten noch kurz ein, (»Wer etwas mitgehen lässt, wird von der Tour ausgeschlossen!«) ehe es mit den ersten Kurzen losgehen kann. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es solch eine Willkommenstour, die von den Heilbronner Gastronomen gesponsert wird, weiß Nicole Graf, die sich auf einer Colakiste Übersicht und durch ein Megafon Gehör verschafft, zu berichten. Heilbronn bemüht sich um seine Studenten, lautet die Message der Rektorin. Graf lässt es sich nicht nehmen, an den studentischen Willkommenstouren teilzunehmen. Erst einmal musste sie aufgrund eines Auslandsaufenthaltes absagen. Drei weitere Dozenten und zwei Mitarbeiter der Pressestelle ziehen ebenfalls mit den Erstsemestern durch die Heilbronner Kneipen. Das Interesse der Hochschulmitarbeiter an den Studenten ist echt und

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN bei einem beziehungsweise mehreren Drinks lässt es sich ungezwungen und entspannt miteinander plauschen, ehe der eng getaktete Stundenplan einen Großteil der Zeit der DHBW-Studenten in Anspruch nehmen wird und die hohen Anforderungen ihrer Ausbildung nur wenig Zeit zum Gespräch jenseits akademischer Themen zulassen, werden. Schon nach der zweiten Location, dem Winterdorf, herrschte Partystimmung im Gelenkbus. Als der offensichtlich etwas überladene Stadtbus einmal mit dem Unterboden aufsaß, brandete Applaus der Studentenschaft auf. Fast schwappte auch die erste La Ola durchs Gefährt. In der Südstadt wurde dann beim Italiener eingekehrt, um sich mit Schnitzel Mailänder Art zu stärken. Die 28-jährige Julia Baumann aus Würzburg ist von ihrer ersten Studienwoche sehr angetan, da sie von Heilbronn nicht viel erwartet hat. »Ich habe im Vorfeld viel Schlechtes gehört. Vor allem der Polizistenmord von 2007 hat bei mir ein negatives Heilbronnbild geprägt. Jetzt bin ich seit etwas über einer Woche hier und muss mein vorgefasstes Bild der Stadt revidieren. Die Heilbronner sind offene, hilfsbereite Leute und an der Uni kümmern sich auch alle rührig um uns.« Von der Kneipentour angetan war auch Julian Baier, der für seine letzten beiden Semester von Bad Mergentheim nach Heilbronn umsiedeln musste, da sein Studiengang »Food Management« vom Taubertal an den Neckar gezogen ist. »Ich kannte die Stadt bisher überhaupt nicht. Durch die Tour habe ich nun zumindest schon ein, zwei Anlaufstellen für ein Feierabendbier entdecken können. Ins »PlanB« werde ich sicher öfter einkehren.« Auch die Großstadt Heilbronn hat einen positiven ersten Eindruck bei ihm hinterlassen. »Ich habe es hier hektischer und unübersichtlicher erwartet«, ist Baier überrascht von der großstädtischen Gemütlichkeit. Und wie sehen Gastronomen die wachsende Schar an Studierenden in der Stadt? Dirk Stein vom Hartman’s erzählt, dass das Hartman’s bisher jedes Jahr Station auf der studentischen Kneipentour war. »Dennoch haben wir kaum Studenten unter unseren Gästen. Viele Neuankömmlinge wissen gar nicht, dass es uns gibt oder wo unser Laden ist«, erklärt Stein, der eben noch Sekt an die akademische Meute ausgeschenkt hat. »Vielleicht fehlt mir als Ü50er aber auch schlicht die Denke, um mit unseren Angeboten an das junge Volk heranzukommen«, merkt er selbstkritisch an. Währenddessen zieht die studentische Hundertschaft angeheitert dem Tourguide Thomas Aurich hinterher weiter ins nächste Lokal, ehe am nächsten Tag der universitäre Ernst des Lebens über sie hereinbricht.

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»ICH HABE VERUNSICHERUNG BEI LEHRERN GESPÜRT«

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN Roswitha Keicher erarbeitet als Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn aktuell ein Papier zur städtischen Willkommenskultur. Welche Ziele sich die Stadt und Frau Keicher dabei gesteckt haben, erzählt die Heilbronnerin im ausführlichen Gespräch. Unter anderem spricht Roswitha Keicher darüber, wie sie versucht Vorurteile abzubauen, welche Zielsetzung der interkulturelle Garten hat und weshalb ein Augsburger Projekt für sie sehr spannend klingt. INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: MEMO FILIZ HANIX: Frau Keicher, wie beurteilen Sie die Integrationsarbeit in Heilbronn? Sind Sie zufrieden mit den Maßnahmen, oder sehen Sie Verbesserungsbedarf? Gibt es hier eventuelle Modelle, die Sie sich als Vorbild nehmen? ROSWITHA KEICHER: Wir haben in den vergangenen Jahren schon viel erreicht, aber ich sehe trotzdem weiteren Handlungsbedarf in Heilbronn. Uns fehlt noch ein roter Faden für Zuwanderer oder eine Begleitung, wie es sie für Migranten schon in Skandinavien gibt. Wir haben Impulse aus anderen Städten und dem Ausland aufgenommen, um zu schauen, was wir hier konkret verbessern können. Resultat ist ein Eckpunkte-Papier mit dem Thema »Willkommenskultur«, welches wir in den kommenden Monaten umsetzen werden. Es ist in drei Rubriken unterteilt: Print, Internet und persönliche Betreuung. Bei den Printmedien planen wir, eine Neubürgerbroschüre zu erstellen, die mehrere Themen abdecken wird. Darunter solche für alle Neubürger und solche für Zuwanderer aus dem Ausland. Letzteres umfasst einen Überblick über Sprachfördermaßnahmen oder die Anerkennung des Berufs. Alles soll natürlich mehrsprachig sein, da die bisherigen Infomaterialien schwer verständlich für Menschen sind, die gerade erst angefangen haben Deutsch zu lernen. Auch bei unserer Homepage soll die Darstellung verbessert werden, da wir auf ihr weiterführende Informationen bereitstellen wollen, die aus Platz- und Übersichtlichkeitsgründen nicht in die Broschüre passen. Für den Bereich persönliche Betreuung haben wir Ende letzten Jahres einen kleinen Aufruf in der Zeitung gestartet, dass wir sogenannte ›Welcome Guides‹ ausbilden möchten. Das sind Muttersprachler, die neue Zuwanderer bei behördlichen Angelegenheiten unterstützen. Neben vielen Muttersprachlern haben sich auch jede Menge hilfsbereite Deutsche gemeldet, was mich positiv überrascht hat. Eine Förderung von der Baden-Württemberg-Stiftung für die Ausbildung dieser Guides haben wir auch erhalten. So werden wir im Zeitraum von drei Jahren zwischen 50 und 60 Menschen ausbilden können, die Migranten beim Gang zu den Behörden unterstützen. Zudem sind ein Mentorenprogramm für interessierte Einheimische, sowie Informationsveranstaltungen für neu Zugewanderte geplant. Unsere schon etablierten Netzwerke helfen uns hier sehr; in den letzten Jahren konnten wir bei mehreren tausend Einsätzen Erfahrungen auf dem Gebiet sammeln. HANIX: Man kann also sagen, dass beim Thema Integration und Willkommenskultur auf alle beteilig-

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN ten Seiten – sprich auf Zuwanderer, alteingesessene Heilbronner sowie die Stadtverwaltung – ein ähnlich hoher Berg Arbeit zukommt, bis das Thema zufriedenstellend entwickelt sein wird. Was ist Ihr Ziel und wann wollen Sie es erreicht haben? ROSWITHA KEICHER: Das Programm »Willkommenskultur« soll innerhalb von zwei bis drei Jahren umgesetzt sein. Die Fertigstellung der Neubürgerbroschüre planen wir für Ende diesen Jahres zeitgleich mit dem Internetauftritt, da sich beide ergänzen. Die ersten Kurse für die Welcome Guides starten am 13. Februar, sodass wir Mitte des Jahres die ersten einsetzen können. Erste Infoveranstaltungen sind für Herbst geplant. Wir arbeiten also schon kräftig an der Umsetzung, allerdings ist alles viel Detailarbeit. HANIX: Ist das Thema »Willkommenskultur« im Gemeinderat und der Stadtverwaltung ein Thema, das hohe Priorität hat oder stehen andere Projekte, wie z.B. die BuGa, im Vordergrund? ROSWITHA KEICHER: Es ist nicht so, dass das Thema unter »ferner liefen« gelistet wird oder gar untergeht. Überhaupt nicht. Die jeweiligen Ämter kommen von sich auf uns zu und möchten Verbesserungen. Man spürt, dass die Dynamik stärker wird, da man von der Theorie endlich zur Praxis möchte. Beispielsweise ist die Bereitschaft, sich interkulturell schulen zu lassen in den letzten Jahren erheblich gestiegen. HANIX: Der schwäbische Mythos lautet, dass es »Neig’schmeckte« hier im Ländle nicht einfach haben, Anschluss zu finden. Sie als Integrationsbeauftragte müssen es wissen: Sind die Heilbronner unbekannten Menschen gegenüber aufge- oder eher verschlossen? ROSWITHA KEICHER: 49% unserer Einwohner haben eine Zuwanderungsgeschichte, bei den Kindern und Jugendlichen sind es 67%, Tendenz bei beiden steigend. Das verändert eine Gesellschaft natürlich und so herrscht hier eine gewisse Offenheit. Eine strukturiert agierende Verwaltung, die die Integrationsarbeit vorantreibt, hat sich erst in den vergangenen sechs Jahren mit der Einrichtung der Stabsstelle Integration richtig ausgebildet. Bis dahin lief das »nur« über die Migrationsberatungsstellen. Heilbronn würde anders aussehen, wenn es nicht diese ehrenamtliche Unterstützung gegeben hätte. Darauf bauen wir auf und daher kommt auch die Bereitschaft, Flüchtlinge zu unterstützen. Das heißt aber nicht, dass es keine Berührungsängste gibt. Man hat es mit einer großen Vielfalt zu tun, die auch überfordern kann. Da hilft nur sehr viel Information: Hintergründe erklären oder Situationen filtern. Wenn man aber ständig am Arbeitsplatz oder im täglichen Leben mit Leuten aus anderen Kulturen zu tun hat, dann bauen sich diese Vorurteile durch das Miteinander meist von selbst ab. Man fragt eben seinen Kollegen zum Islam oder besorgt sich kroatische Rezepte von Eltern, die ihr Kind im selben Kindergarten haben, um nur ein paar Beispiele zu nennen. HANIX: Haben es Mitbürger moslemischen Glaubens nach der medialen Islamhetze die hier im Westen seit den Anschlägen von New York betrieben wird – und gerade vor den ganz frischen Eindrücken der jüngsten Anschläge auf Satiriker in Paris – schwerer herzlich willkommen geheißen zu werden und von den Einheimischen integriert zu werden? Bemerken sie hier eine größere Skepsis und Abwehrhaltung oder ist Heilbronn hiervon nicht betroffen? ROSWITHA KEICHER: Ich habe Verunsicherung bei Lehrern gespürt, die sich beispielsweise schwertun, das Verhalten einzelner Schüler einzuschätzen. Auch bei Angelegenheiten zu Moscheen gibt es viele Fragezeichen. Hier werden wir oft aufgefordert, Dinge genauer zu erläutern und ich beteilige dann Leute vom islamischen Dachverband, die uns helfen, Berührungsängste abzubauen. Leider wird die Thematik sehr stark von den Medien geprägt. HANIX: Wie haben Sie persönlich die Berichterstattung in den letzten Jahren wahrgenommen? ROSWITHA KEICHER: Mit den regionalen Medien haben wir sehr gut zusammengearbeitet, da dort differenzierter berichtet wurde. Beispiele für gut funktionierende Integration wurden präsentiert, um dafür zu sorgen, dass dieses verzerrte Bild von Migranten, wie es beispielsweise Sarrazin darstellt, so nicht stehen bleibt. Sobald sehr stark polarisierende Thesen aufgestellt werden, ist dies für Medien ein interessantes Thema, wie es jetzt bei Pegida wieder der Fall ist. Wir merken, dass bei Leuten, die wenig Kontakt zu Zuwanderern haben, sehr starke Vorurteile herrschen. Gerade in den ländlichen Gegenden gibt es Unsicherheiten. HANIX: Bemerken Sie deshalb bei der muslimischen Gemeinde Verunsicherung oder Frustration? Werden diese Menschen im Alltag vielleicht sogar angegangen? ROSWITHA KEICHER: Angegangen werden sie nicht. Aber sie spüren, dass sie selbst mehr informieren müssen und sich nicht zurückziehen dürfen. Man realisiert, dass man offen auf die Menschen zugehen und den Dialog suchen muss.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN HANIX: Willkommenskultur ist ein schönes Wort, das Migranten signalisieren soll, dass sie erwünscht sind. Doch an wen soll sie sich richten? An Fachkräfte, die wir dringend benötigen oder auch an die Flüchtlinge und Asylbewerber? Müssen Sie da auf die Wirtschaft zugehen und »Lobbyarbeit« für Asylbewerber betreiben? ROSWITHA KEICHER: Gott sei Dank haben wir starke Partner, die das Bewusstsein der Menschen schärfen und zeigen, dass über Flüchtlinge Facharbeiter ins Land kommen. Man setzt sich in Expertenkreisen zusammen und diskutiert, wie man Bewerber, die schon sehr gut Deutsch oder Englisch können, in den Arbeitsmarkt integrieren kann. Hier ist die Agentur für Arbeit zu nennen, die ein starker und toller Partner für uns ist. Es gibt aber auch noch Unsicherheiten bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. HANIX: Interessiert man sich hier nur für Menschen, die man glaubt, innerbetrieblich »verwerten« zu können? ROSWITHA KEICHER: Nein. Gut ausgebildete, Deutsch lernende ausländische Fachkräfte stellen die Unternehmen schon ein. Wenn die Personen aber noch eine Anpassungsfortbildung benötigen oder noch nicht gut genug Deutsch sprechen, dann ist die Hemmschwelle gerade bei den kleineren Unternehmen unheimlich groß. Auf der einen Seite wollen sie Fachkräfte, auf der anderen haben sie starke Bedenken wegen möglicher Kosten und dem Aufwand. Das passt nicht ganz zusammen. Deshalb ist hier ein Umdenken nötig. Die großen Unternehmen haben aber durch ihre internationale Arbeit weniger Probleme mit der Thematik. HANIX: Wie kann man diese Unternehmen denn zum Umdenken bringen? Muss man da immer wieder nachfragen oder lernen es manche nur auf die »harte Tour«? Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen hat plötzlich keine einzige Fachkraft mehr… ROSWITHA KEICHER: Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt, dass Unternehmen erst durch einen großen Leidensdruck aktiv werden. Dann würde es nur noch schwieriger werden, da eine Firma in der Krise noch mehr Aufwand hat, sich umzustellen und auch eher selten neue Mitarbeiter einstellen kann. Deshalb versuchen wir es jetzt über Wirtschaftsverbände und bieten Seminare an. Auch politische Parteien widmen sich dem Thema, da sie oft mit den Verbänden kooperieren. Aber selbst die Resonanz auf solche Veranstaltungen ist derzeit noch gering. HANIX: Woran liegt das? ROSWITHA KEICHER: Die kleinen Unternehmen schrecken vor der zusätzlichen Arbeit zurück, da ihnen oft einfach die Ressourcen und Manpower fehlen. Oftmals wissen sie gar nicht, dass es hier Experten gibt, die ihnen dabei helfen könnten. Es muss einfach stärker den Impuls geben, sich Informationen zu holen. Dann kann ja immer noch entschieden werden, ob man aktiv wird oder nicht. HANIX: Natürlich will niemand gerne Flüchtling sein. Hierzulande kann man sich auch kaum vorstellen, was für ein Gefühl das sein muss, auf der Flucht aus der Heimat zu sein. Aber angenommen, Sie wären verzweifelt nach Deutschland geflohen: Wäre Heilbronn ein guter erster Ort, um in Deutschland anzukommen? ROSWITHA KEICHER: Für Flüchtlinge ist es entscheidend, wo sie in Deutschland ankommen, da es regional riesige Unterschiede gibt. Ich glaube, in kleineren Strukturen, wo

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN es ehrenamtliche Netzwerke gibt, fühlen sich die Leute eher willkommen. Dort arbeiten die Akteure untereinander stärker zusammen. Heilbronn ist mittlerweile ein guter Ort um anzukommen, obwohl wir von den Strukturen her noch nicht perfekt aufgestellt sind. Daran arbeiten wir ja momentan. Bei einem Treffen mit Ehrenamtlichen sagte mir vor Kurzem ein Zuwanderer, dass man sich glücklich schätzen kann, wenn man hier in Heilbronn und nicht anderswo in Deutschland landet. Im Vergleich schneiden wir also gut ab, was aber noch lange nicht heißt, dass hier alles perfekt ist. Wir haben noch Arbeitsbedarf. HANIX: Wie viele Flüchtlinge bzw. Plätze für Flüchtlinge gibt es im Stadtkreis Heilbronn? ROSWITHA KEICHER: Momentan gibt es 300 mit steigender Tendenz. Diese Zahlen ändern sich jedoch von Tag zu Tag. Der letzte Stand ist, dass wir 54 Flüchtlinge pro Monat aufzunehmen haben. Die können wir momentan aber gar nicht alle zentral unterbringen, weshalb jetzt dezentrale Wohnungsmöglichkeiten für die Erst- und Anschlussunterbringung gesucht werden. HANIX: Wie ist der Ablauf des Ankommens in Heilbronn für Flüchtlinge? Können Sie uns hier einen Einblick geben? ROSWITHA KEICHER: Flüchtlinge kommen mit dem Bus in der Austraße an, dort werden die Erstanträge gecheckt und man kümmert sich um eine erste Unterbringung und Versorgung. Je nachdem wo dann noch Plätze frei sind werden die Menschen weitervermittelt. Dann gibt es den Austausch mit der Ausländerbehörde, um den Leuten ohne Pass oder Anträge zu helfen. Wenn die Flüchtlinge dann im »System« erfasst wurden, kann man sich um weitere Maßnahmen kümmern: Schulplätze für die Kinder, lebensnotwendige Sachen für die Wohnung. Dann folgen zumindest rudimentäre Sprachkurse, damit die Menschen hier zurechtkommen. Das zuständige Amt für Familien, Jugend und Soziales verbessert gerade sukzessive die Strukturen, um das Ankommen zu erleichtern. So gibt es jetzt zum Beispiel eine Busverbindung in die Austraße. HANIX: Gab es in Heilbronn in der Vergangenheit auch unschöne Szenen? Wurden Flüchtlinge angepöbelt oder angefeindet? ROSWITHA KEICHER: Vom Flüchtlingsheim hieß es vor einiger Zeit, dass es keine solchen Vorfälle gab. Allerdings war das Flüchtlingsheim auch mit einem Tor und Sicherheitsdienst »ausgestattet«, um solche Übergriffe zu verhindern. Das war die Reaktion auf die Übergriffe vor einigen Jahren in anderen Städten. Man muss aber auch deutlich sagen, dass sich die gesellschaftliche und politische Lage in den letzten Jahren verändert hat. Jetzt engagieren sich die Einheimischen stark und bieten Wohnungen, Stadtführungen, Elterncafés und Sprachkurse an. Sammelaktionen für Kleider werden organisiert. Dieses breite Spektrum an Hilfe war in den vergangenen Jahren nicht zu spüren. Jetzt sind wir natürlich positiv überrascht und sehr froh darüber. Allerdings muss man auch aufpassen, dass die vielen Hilfsangebote nicht ins Chaos ausarten, da das Amt das alles erst strukturieren muss. HANIX: Die Stadtsiedlung errichtet für die Stadt ein neues Flüchtlingsheim. Unser üblicher Reflex auf die Unterbringungsfrage für Asylbewerber heißt ja meist: Wo können wir die Container hinstellen oder wo ist ein leerstehender Gasthof, den man sonst zu nichts mehr brauchen kann. Sieht es hier in Heilbronn ähnlich aus? Wo wird das Heim Verortet sein und welchen Unterbringungscharakter wird es haben? ROSWITHA KEICHER: Hier kann das betreffende Amt mehr Auskunft geben. Aufgrund der Prognosen des Landes wissen wir, dass wir neue Unterbringungen brauchen. Familien mit Kindern sollen zum Beispiel eher in der Nähe von Schulen untergebracht werden, damit sie gut dorthin kommen. HANIX: In Augsburg gibt es das Grandhotel Cosmopolis. Dort wurde ein schmuckloser 60er-Jahre-Bau wieder aufgemöbelt, mitten in der Stadt im Domviertel. Und da gibt es eben ein Hotel und Cafe, die Zimmer für die Flüchtlinge und das Kulturzentrum mit den verschiedensten Angeboten – alles unter einem Dach. Es ist eine Begegnungsstätte geworden, in der Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen zusammenkommen. Natürlich gelten auch hier die strengen deutschen Asylgesetze, kommt es auch immer wieder einmal zu Abschiebungen. Aber, so sagen die Initiatoren dieses »Grandhotels«, wir haben diesen Menschen zumindest ein menschlicheres Leben bereiten können, als es in vielen anderen Unterkünften der Fall ist. Und wer ein Bleiberecht in Deutschland erhält, der konnte bereits hier gute Integrationserfahrungen machen. Auch ein Projektansatz für Heilbronn oder hier undenkbar? ROSWITHA KEICHER: Das hört sich wirklich spannend an. Hier in Heilbronn ist das Bewusstsein, für solche Begegnungen zu sorgen und ein gutes Verhältnis zu sichern, in

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN den letzten Jahren sehr, sehr stark gewachsen. Die persönliche Beziehung ist nun einmal ein wichtiges Element zur erfolgreichen Integration. Von der Stadt können die Strukturen geschaffen werden, wenn es aber diese Begegnungen nicht gibt, dann haben wir ein Problem. Momentan versuchen wir, an Flüchtlingsheimen sogenannte »Gärten der Vielfalt« zu initiieren, wo die einheimische Bevölkerung mit den neuen Kulturkreisen zusammenkommen kann. Hier wird nicht nur gemeinsam gegärtnert, die Projekte dienen auch als Treffpunkt und zur Informationsvermittlung. Zusätzlich wird ein schönes Ambiente geschaffen, oftmals gibt es ja Ängste bei Einheimischen vor Müll und einem kargen Charakter der Gegend rund um die Heime. Die Idee wurde in Erstbesprechungen sehr gut aufgenommen, allerdings muss natürlich auch die Bereitschaft der Bevölkerung für so etwas da sein. Deshalb wollen wir Netzwerke mit anderen Initiativen in Heilbronn aufbauen. Wir wollen etwas initiieren, was das Miteinander und die Beteiligung der Bevölkerung forciert. Es geht also nicht nur um das Thema »Willkommen«, sondern vor allem um das Thema »Begegnung«. Willkommenskultur wird oftmals nur mit den ersten Schritten assoziiert, dabei ist das, was danach unternommen wird, mindestens genau so wichtig. Viele Flüchtlinge sind unheimlich froh, dass sie es ins sichere Deutschland geschafft haben und dann trifft sie plötzlich eine große Ernüchterung, wenn sie hier nicht gut zurecht kommen und das System nicht verstehen. Auch, weil es ihnen vielleicht niemand erklärt. Hier wollen wir eingreifen und eben durch Begegnungen dafür sorgen, dass Zuwanderer auch langfristig glücklich sein können. HANIX: Welche Willkommenskultur würden Sie sich für Heilbronn wünschen? Und welche Einstellung der Heilbronner zum Thema Willkommenskultur streben Sie persönlich an? ROSWITHA KEICHER: Unser Ziel ist, dass der Integationsprozess möglichst reibungslos verläuft. Wir brauchen gute Strukturen und Rückmeldung von Zuwanderern, damit wir die Begebenheiten immer wieder anpassen können. Ein funktionierendes Team an Begleitern ist ebenso essentiell. Für die Heilbronner Bevölkerung wünsche ich mir, dass die Unsicherheit im Umgang mit verschiedenen Kulturkreisen abgebaut wird. Wir wollen noch stärker informieren. Wir erhoffen uns von den Leuten in unserem Netzwerk, dass sie unsere Anliegen auch in ihre »privaten« Netzwerke weitertragen und so für ein höheres Bewusstsein für die Thematik sorgen. Die haben nämlich richtig Spaß an ihrer Arbeit und erzählen das natürlich auch herum. Über diese Art der Werbung bekommen wir dann weitere Anfragen. In den Medien müssen wir gar nicht mehr so massiv präsent sein, das Bewusstsein kommt durch einfaches Vorleben zustande. Wo wir auf jeden Fall Nachholbedarf haben, ist bei den Kindern und Jugendlichen, da wir oftmals nicht wissen, was diese für Bedürfnisse und Wünsche haben. Hier leben viele Jugendliche in der zweiten oder dritten Generation: Bei denen geht es nicht mehr ums Thema Integration oder Begegnung, die fühlen sich bei solchen Fragen eher ausgegrenzt. Die Frage »Woher kommst du?« ist ganz schlimm für viele dieser Jugendlichen, da sie nicht (wieder) in den Zwiespalt hineinkommen wollen, welcher Kultur sie denn angehören. Diese Jugendlichen sind schon weiter als wir, weshalb wir aufpassen müssen, sie nicht wieder in den Prozess einer Identitätsfindung zurückzuwerfen. Denn viele sehen sich zum Beispiel als Musikerin, Rapper oder einfach nur als Heilbronner und Heilbronnerinnen.

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TITELTHEMA: WILLKOMMEN JOSHIS MEINUNG ZUM THEMA WILLKOMMEN Willkommen zu sein heißt, eingeladen zu sein. Also nicht willkommen zu sein bedeutet, nicht gebeten dazu. Ob man willkommen ist oder nicht, sieht man bei manchen schon auf der Fußmatte vor der Haustür. Steht drauf »Willkommen!«, bist du anscheinend willkommen. Steht drauf »Hau ab!« solltest du das lieber auch. Willkommen sein hat auch viel mit sich wohl fühlen zu tun. Man fühlt sich dann »willkommen« bei jemandem. Wenn man sich irgendwo nicht wohl fühlt, weil der andere unfreundlich ist, dann denkt man, man sollte besser nicht da sein. Schön und gut, aber wie ist es denn nun eigentlich, wenn man sich richtig willkommen fühlt? Naja, das sag ich euch: Man fühlt sich so richtig eingeladen, mit dabei zu sein. Und nicht ausgeschlossen. Es freut dich dann einfach, mit dazuzugehören und dass jemand sich so Mühe um dich macht. Das ist halt natürlich nicht immer so, aber ein richtiges Willkommen fühlt sich so an. Ein kleines Beispiel aus meinem Leben, dann könnt ihr euch das besser vorstellen: Bei einem Kumpel von mir habe ich mich letztens voll gut gefühlt, da war ich anscheinend willkommen. Es war eine Übernachtung, also mein Kumpel lud mich ein, bei denen zu übernachten. Zuerst mal haben wir mein Bettzeug, also Schlafanzug und Bettwäsche, gerichtet, damit alles soweit fertig ist. Danach gabs einen lustigen Film, den haben wir zusammen angeschaut. Seine Mutter machte sogar Popcorn für uns, selbstgemachtes Popcorn. Wir beide mögen Popcorn nur süß, aber das, was seine Mutter gemacht hat, hatte gar keinen Geschmack. Mein Kumpel machte daraufhin also eine Tüte Puderzucker auf und schüttete sie in die Schüssel. Die ganze Packung Puderzucker. Leider hatte das Popcorn dann immer noch keinen Geschmack, was doof war, aber wir aßen es dann trotzdem und guckten den Film. Als die Schüssel leer war sahen wir dann, ziemlich verdutzt, am Boden der Schüssel eine

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Packung Puderzucker. Natürlich nur den Inhalt. Also das war ein toller Abend und alle waren gut gelaunt und nett zu mir. Ich nehme also an, ich war da willkommen. Es gibt auch andere Orte, an denen ich mich wohlfühle. In Dänemark bei Oma und Opa, zum Beispiel. Die hängen dann immer die dänische Flagge raus, wenn sie auf uns warten. Sowas ist auch ein Zeichen, dass man irgendwo willkommen ist. Wenn jemand sowas vorbereitet für einen. Zuhause bin ich natürlich auch immer willkommen, ich hab ja auch schon mal geschrieben, wie mein Hund Elmar sich immer freut, wenn ich nach Hause komme. Da heißt also Elmar mich willkommen! Ein anderer Ort voller Willkommen ist das Falafel Beirut. Es ist von innen voll schön und gemütlich eingerichtet und draußen kann man auch schön sitzen im Sommer. Es gibt aber sogar auch Decken für draußen, damit man nicht friert, wenn grad kein Sommer ist. Man wird da einfach supergut bedient, die sind da richtig nett und begrüßen uns immer wie Familie oder echte Freunde, wenn wir da hinkommen. Die freuen sich dann. Dann ist es halt auch noch lecker dort und das Essen kommt immer zur rechten Zeit. Dann sitzen wir da alle und reden und lassen es uns gut schmecken. Ich glaube, wir sind da immer willkommen und das ist voll toll! Ich vergebe deshalb dem Falafel Beirut fünf Sterne! Da bin ich wirklich Fan. Nun mache ich noch ein paar Bilder für euch und dann wars das für diese Ausgabe. Bis zum nächsten Mal im HANIX, euer Joshi

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»HELP PORTRAIT« HEILBRONN Seit 2008 findet nun weltweit, immer im Dezember, das »Help Portrait«-Event statt. Seit 2013 auch in Heilbronn. In einem Fotostudio in der Salzstraße trafen sich am Nikolaustag vergangenen Jahres Fotografen, Friseure und Stylisten aus Heilbronn, um das 2. Heilbronner »Help Portrait« zu realisieren. Es gab Snacks, warme und kalte Getränke, eine herzliche Begrüßung für jeden, der den Weg ins Studio gefunden hat – und am Ende natürlich ein professionell gemachtes, gerahmtes Portraitfoto zum Mitnehmen. Das »Help Portrait« wurde von den beiden Starfotografen Jeremy Cowart und Kyle Chowning vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Beiden kam die Idee, als sie mit befreundeten Fotografen in einer Obdachlosenunterkuft professionelle Portraits machten und die Obdachlosen es sichtlich genossen, im Mittelpunkt zu stehen. Dadurch keimte in ihnen die Idee auf, Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, abzulichten um ihnen zu zeigen, dass sie etwas Besonderes sind. Das »Help Portrait« war geboren. Fotografen, Friseure und Stylisten arbeiten an diesem Tag zusammen, um Fotos entstehen zu lassen, die zeigen wie einzigartig die abgebildeten Menschen sind und ihnen gleichzeitig einen Moment zu schenken, bei dem sie im Mittelpunkt stehen. Wer Interesse hat sich als Sponsor, Fotograf, Friseur, Stylist oder Helfer am Heilbronner »Help Portrait« 2015 zu beteiligen, darf sich unter folgender Telefonnummer melden: 0157 / 74592705 Ein Dank der Heilbronner Initiatoren für die Verwirklichung des Heilbronner »Help Portraits« 2014 geht an alle Helfer und Sponsoren, die das Projekt möglich gemacht haben.

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT Samantha Howard

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT Elena Boutaiba mit Tochter Djamila

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT Simon Fakner

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT

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Sandra Taphorn mit Tochter Dawn und Sohn Luke

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT

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SPIEGELREFLEX: HELP PORTRAIT Sascha Kühnle

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Filmformate im HANIX Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatfilm.tv

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LIEBE HEIMAT, EIN BRIEF VON LENA BAUMANN GELESEN VON: MARIA SANDERS TON: PHILIPP SEITZ Südafrika ist einfach toll! Es gibt dort alles. Berge, Meer, Felder und viele Kinder, die sich über den Besuch freuen. Ich wollte eine Zeit lang als freiwillige Helferin zusammen mit Kindern arbeiten, weil mir das viel Spaß macht, ich mein Englisch verbessern und obendrein gleich noch Afrika besser kennenlernen konnte. Vier Wochen war ich in einer Grundschule in der Nähe von Kapstadt. Dort habe ich mit Erstklässlern hauptsächlich außerschulische Aktivitäten unternommen, wie zum Beispiel Fahrradfahren, Puzzeln und Spiele spielen. Einmal habe ich auch einen Parcours aufgebaut, in dem sie Balancieren üben konnten, und wir waren Trampolinspringen. Das Wichtigste dabei war, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, jedem gleich viel. Mein Arbeitstag begann um acht Uhr. Als ich ankam haben die Kinder gerade etwas gegessen und ich half den Lehrern beim Nachschöpfen. Danach wurde gebetet und gesungen. In dieser Schule wurde immer viel gesungen und gebetet, weil es eine christliche Einrichtung war. Sobald die Kinder dann in ihrem Klassenzimmer waren, hat auch schon meine eigentliche Arbeit begonnen, nämlich die Beschäftigung mit ein bis zwei Kindern einer drei- ßigköpfigen Klasse. Mit jedem Kind habe ich das Gleiche unternommen und ganz wichtig, gleich lange. Ja, man könnte meinen, dass das mit der Zeit ganz schön langweilig wurde. Aber so war es gar nicht. Denn jedes Kind ist anders und so hat mir das Spielen sehr viel Freude bereitet. Eigene Ideen, wie wir die Kinder weiter fördern und fordern konnten, waren immer gut. Meine Gastschwester und ich haben zum Beispiel eine große Leinwand gefertigt, die aus den Handabdrücken aller Kinder der Schule bestand. Die Hände der Kinder waren die Blumen, je Klasse eine Blume, und die Lehrer bildeten die Sonne. Und den Rest haben wir dann noch dazu gemalt. Um zwei Uhr mittags hat mich mein Gastvater wieder abgeholt. Natürlich haben wir nicht die ganze Zeit durchweg gearbeitet. Die Kinder haben zwischendrin noch Mittag gegessen und durften danach Spielen gehen. Beim Mittagessen mussten wir darauf achten, dass jeder ordentlich isst und auch genügend zu Essen bekommt. In den Pausen saßen wir alle zusammen - haben geredet, gelacht und Tee getrunken. Nachmittags hatte ich immer frei. Was ich dann gerne gemacht habe, war zum Beispiel mit meiner Gastschwester zu shoppen, ins Kino zu gehen oder wir sind ins Pick ’n Pay gegangen. Manchmal fuhren wir aber auch

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BRIEF AN DIE HEIMAT: LENA BAUMANN, SÜDAFRIKA einfach nach Kapstadt und haben die Stadt erkundet. Abends haben wir gemeinsam mit der Gastfamilie gegessen. Am Wochenende hatten wir auch immer frei. Meistens haben wir dann Ausflüge unternommen, wie zum Beispiel in die Winelands. Oder wir sind nach Kapstadt gefahren und haben dort in einem Backpacker-Hostel geschlafen. In Kapstadt kann man wirklich sehr viel machen. Wir haben uns den Sonnenuntergang vom Lions Head aus angesehen und sind auf den Tafelberg gestiegen. Und sonntags habe ich mich dann schon wieder auf meine Kinder in der Schule gefreut. Die Kinder sind einfach toll dort. Man merkt, wie sehr sie sich darüber freuen, dass man sich um sie kümmert und mit ihnen spielt. Leider haben die Lehrer dafür keine Zeit. Schockierend fand ich die Zustände in der Schule. Meine Schule war sehr arm und das hat man gesehen. Es war dort sehr kalt, weil der Wind ständig durch Tür- und Fensterspalten zog. Und alt und kaputt war auch alles. Auch der Erziehungsstil hat mich schockiert. Die Lehrer haben die Kinder auch mal geschlagen und beschimpft, wenn sie was falsch gemacht haben. Darauf muss man sich einstellen, wenn man dort hinkommt. Meinen schönsten Ausflug habe ich mit den Kindern bei der Feuerwehr erlebt. Zuerst haben sie gelernt, was man macht, wenn es brennt und danach haben wir noch die Feuerwehr besichtigt. Am Ende durften die Kinder, wie auch wir Lehrer, eine Runde in dem Feuerwehrauto mitfahren. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell das Ding fahren kann. Danach haben die Kinder in einem riesigen Haufen Löschschaum gespielt. Sie hatten so viel Spaß dabei. Das war echt schön, das mit anzusehen. Ich werde wohl nie vergessen, wie eines der Kinder einmal zu mir kam, mich umarmte und sagte: »I love you, teacher!« Meine Gastfamilie war übrigens auch total nett und sehr lieb! Das Haus und die Zimmer, in denen wir wohnten, waren richtig schön und modern eingerichtet. Und das Essen war sooo lecker und eigentlich viel zu gut. Zu Hause musste ich erst mal eine Diät machen. Das afrikanische Zeitgefühl ist allerdings komplett anders als in Deutschland. Man muss immer mit Verspätungen rechnen. Das ist hier normal. Alles läuft ein bisschen langsamer und ruhiger ab. Noch nebenbei: Auf seine Wertsachen sollte man immer aufpassen. Und wer so eine Reise auch unternehmen möchte, wird tolle Erfahrungen machen. Sei einfach offen, hilfsbereit und flexibel. Genieß’ diese Zeit! Denn eine Weile im Ausland zu sein, das muss man einfach mal gemacht haben. Do it! Liebe Grüße Lena

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LESERBRIEFE Hey HANIX! Großes Lob dafür, dass ihr Marc C. Woehrs Ausstellung vorgestellt habt! Ich hatte ja schon länger überlegt, ob ich hin soll, doch die tollen Bilder haben mich vollends überzeugt. Als alter Graffiti-Fan war ich überrascht, was denn so alles möglich ist bei der Urban-Art. Florian Herdorf, Lauffen Servus Redaktion. Erstmal: Gutes Titelthema! Man ertappt sich doch selber immer wieder dabei, wie man abends beim Nachhausegehen einen Blick auf erleuchtete Küchenfenster wirft. Wie andere wohnen interessiert mich einfach. Deshalb ist gerade eure neue Rubrik »Besichtigungstermin« schon jetzt fast mein neuer Lieblingsteil im HANIX. In freudiger Erwartung auf mehr: Simone Reusen, Heilbronn Liebe Redaktionsmitglieder, die aktuellen Bilder in der »Heimatliebe« nehme ich jetzt zum Anlass, um euch endlich mal mitzuteilen, was für tolle Fotografen ihr beschäftigt. Herrliche Bilder, die ich mir sogar schon öfter angeschaut habe! Dagmar Berg, Heilbronn Sehr geehrtes HANIX-Team, Ton Steine Scherben? Die gibt es noch? Da fühlte ich mich ja gleich wieder jung, als ich auf das interessante Interview stieß! Da muss ich meine alten Knochen wohl noch zu einem Konzert bewegen… Reiner Kemp, Neckarsulm Hi HANIX! Wieder eine durchaus gelungene Ausgabe! Allerdings hat mich das Cover doch etwas abgeschreckt, was jedoch mit der verblüffenden Ähnlichkeit zu einem Katalog eines schwedischen Möbelherstellers zu tun haben könnte (mir lagen sofort Kraftausdrücke auf den Lippen). Aber im Ernst: Bis auf die Länge mancher Interviews hatte ich nichts auszusetzen. Macht weiter so! Thomas Hebenstein, Heilbronn

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IMPRESSUM Verlag und Redaktion HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Annette Geisler (Stadtarchiv Heilbronn), Ashley Aames, Valerie Grübele, Joshua Endresz, Nicolai Köppel, Friedemann Orths, Sarah Baudenbacher, Carolin Emcke, Oliver Maria Schmitt, Lena Baumann, Maria Sanders, E-Mail: redaktion @ HANIX-magazin.de Bildredaktion Memo Filiz, Meli Dikta, Erich Benz, Sebastian Bolesch, Saskia Otto, Carsten Sander, Sandra Chmielowski, Nele Munz, Ulla Kühnle, Marcus Kaufhold, Catagraphy Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Florian Geiger, Kathrin Leisterer Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales Maike Endresz (verantw.) maike.endresz @ HANIX-magazin.de Marcel Kantimm marcel.kantimm @ HANIX-magazin.de Robert Mucha robert.mucha @ HANIX-magazin.de Verlagskoordination / Administration / Social Media Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.HANIX-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Unbemerkt und damit ohne Willkommensgruß kam am 24. November 1954 Kaiser Haile Selassie mit einem Sonderzug der Bundesbahn durch Heilbronn. Das »Neckar-Echo« spekulierte im Nachhinein darüber, ob die Bahn die Durchfahrt des hohen Besuchers bewusst in die späten Abendstunden verlegt habe, um sich das »Erröten« über den »unwürdigen Anblick« zu ersparen, den der Heilbronner Hauptbahnhof immer noch bot. So ganz unrecht hatte die Heilbronner Tageszeitung nicht: Auch fast zehn Jahre nach seiner Zerstörung war der Hauptbahnhof nicht wieder aufgebaut. Sondern die »Visitenkarte« Heilbronns bestand aus stehengebliebenen Ruinen und aus Behelfsbauten. In den Ruinen war seit 1946 notdürftig die Bahnhofsgaststätte untergebracht und die Behelfsbauten beherbergten die Fahrkartenausgabe und die Gepäckaufbewahrung. Immerhin gab es seit 1950 den neuen Kiosk, der »ganz manierlich« aussah und den man hier rechts im Bild sieht. Es sollte dauern bis ins Jahr 1956, dann kam Schwung in die Sache. Die Stadt Heilbronn unter OB Paul Meyle sagte der chronisch klammen Bundesbahn ein günstiges Darlehen zu. Ab September 1956 – wenige Monate, nachdem dieses Foto aufgenommen wurde – trug man die Ruinen des Bahnhofsgebäudes ab und der Neubau konnte beginnen. Der Entwurf des neuen Empfangsgebäudes stammte von Hellmut Kasel, der die Forderung Meyles berücksichtigte, Heilbronner Sandstein zu verwenden und bei der »Kunst am Bau« die einheimischen Künstler zu beteiligen. Am 12. Juni 1958 war die feierliche Einweihung des Heilbronner Hauptbahnhofs, der nun mit seinem funktionalen Empfangsgebäude und dem großzügigen Restaurant- und Café-Bereich die Gäste willkommen hieß. Das Foto des Heilbronner Fotografen Gerhard Scheer (Foto-Scheer) sowie der Text wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt.

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Hauptbahnhof Heilbronn, 1956

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VERANSTALTUNGEN FEBRUAR 1. FEBRUAR – 15. FEBRUAR ZIGARRE, HEILBRONN E. FENDRICH - K. SCHAEFFER: »NEUE ARBEITEN« Fortsetzung in der Ausstellungsreihe »2019 - Ideen zur Buga« 1. FEBRUAR ZIGARRE - KUNST- UND KULTURWERKHAUS, HEILBRONN FIGURENTHEATER »THEATRO ANETT«: DER GESTIEFELTE KATER - NACH DEN GEBRÜDERN GRIMM Ein famoser Kerl, der schlau und vorwitzig seinem Herrn die Bresche schlägt, den bösen Zauberer Barabas in die Schranken weist und na klar - der arme Müllersohn kriegt seine Prinzessin. Heißgeliebt von den Kindern ist dieser faszinierende Kater, und am Rande bemerkt, eine wunderbar positive männliche Energie: ein famoser Kater eben! 1. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN TANGO ARGENTINO TANZABEND Tango ist Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft und Erotik. Wer vom Tango einmal berührt ist, der wird infiziert sein und der Sucht dieses Tanzes nachgeben müssen. Wer selbst nicht tanzen mag, kann bei einem gemütlichen Glas Wein auch einfach nur zuhören und zuschauen, wie andere Tango tanzen. Zuschauer und Mittänzer sind herzlich eingeladen! 1. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, GROSSES HAUS INFERNO - BALLETT VON JÖRG MANNES Der Vatikan als Schauplatz von Sex and Crime – das war im 15. Jahrhundert Realität. Jörg Mannes begibt sich mit »Inferno« an den Ort des Unheils und nimmt Zustände ins Visier, die auch heute zu den Gepflogenheiten der Mächtigen gehören. Sein Ballettabend erzählt über die Verflechtungen von Macht, Politik und Religion als große Show. Er wirft einen Blick zurück auf das Italien des 15. Jahrhunderts, als im Vatikan Rodrigo Borgia gleichermaßen Bewunderung und Schrecken hervorrief. 1492 wird er zum Papst gewählt. Als Alexander VI. gelangt er mit 61 Jahren auf den Heiligen Stuhl. Er betrachtet sich und seine Familie als auserwählt und setzt von nun an alles daran, ihre unangefochtene Herrschaft in Italien zu sichern. Seine Maßlosigkeit und Unersättlichkeit schrecken selbst vor Mord nicht zurück. Doch er bleibt kein historischer Einzelfall, sondern scheint sich den Machtgierigen in aller Welt zur Nachahmung zu empfehlen. Am Beispiel der Familie Borgia des 15. Jahrhunderts mit ihrem ungeheuren Machtwillen zieht Choreograf Jörg Mannes Parallelen zum heutigen Italien. 1. FEBRUAR – 29. MÄRZ GALERIE RIEKER, HEILBRONN AUSSTELLUNG: BILDER UND SKULPTUREN Von Enrique Asensi, Heinrich Brummack, Oliver Christmann, Wolfgang Ganter, Peter Gilles, Andreas Grunert, Bernd Hennig, Erwin Herbst, Albert Hien, Renate Hoffleit, Thomas Lenk, Georg Mühleck, Lothar Quinte, Jaume Ribas, Stefan Rohrer, Robert Schad, Helmut Schober, Hans Schüle, Fritz Schwegler, Jan van Munster und Ben Willikens. 3. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN LIVEPERFORMANCE: MOMBU Mombu ist ein Musiker-Duo aus Italien, die eine unfassbar spannende Mischung aus afrikanischen Rhythmen, Jazz, Hardcore und Metal auf die Bühne bringen. Sperrig und alles andere als melodiös, aber energiegeladen, mitreißend und auf verrückte Art und Weise tanzbar. 3. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, KOMÖDIENHAUS LESUNG »AGNES« MIT PETER STAMM Mit einer Lesung seines Romans »Agnes« war der vielfach preisgekrönte Schweizer Autor Peter Stamm schon einmal zu Gast in Heilbronn, in unserer Reihe »Autor im Gespräch«. Zur »Themen-Abi-Tour 2015« ist es uns gelungen, den ständig lesereisenden Schriftsteller erneut ins Komödienhaus zu locken. Er erzählt aus »Agnes«, seiner berührenden Beziehungsgeschichte um Liebe und Tod, Freiheit und Bindung, die seit 2013 Pflichtlektüre an den badenwürttembergischen Gymnasien ist, und stellt sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 3. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, GROSSES HAUS HOMO FABER - SCHAUSPIEL NACH MAX FRISCH Walter Faber, Schweizer Ingenieur bei der UNESCO in New York, ist Rationalist durch und durch. Er glaubt an die Mathematik. Begriffe wie Mystik und Schicksal haben in seinem Denken nichts zu suchen. Auf einem Flug nach Venezuela muss die Maschine notlanden. Hencke, ein junger Deutscher fällt ihm auf, der, wie sich herausstellt, der Bruder seines früheren Studienfreundes Joachim ist. Von Joachim hat Faber zuletzt 1936 gehört als er selbst nach Bagdad gegangen ist, um seinen ersten Job als Ingenieur anzutreten. Er ließ damals seine Freundin Hanna bei Joachim, dem angehenden Arzt zurück. Der wollte Hanna, die von Faber schwanger war, bei der Abtreibung des Kindes beistehen. So war es verabredet. Fast 20 Jahre später lernt er bei seiner Überfahrt nach Europa an Bord eines Schiffes ein junges Mädchen kennen, Elisabeth, das ihn mehr und mehr bezaubert... 4. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART ALEX CLARE ALEX CLARE feierte 2011 mit seinem Hit »Too Close« einen fulminanten Durchbruch. Das Lied brachte ihm neben Platz 1 der deutschen Charts und mehreren Auszeichnungen auch eine ausverkaufte und nicht nur deshalb sagenhafte Deutschlandtour ein. Da die einzigartige Stimme des orthodoxen Juden erst live richtig zur Geltung zu kommen scheint sind seine Konzerte absolute Erlebnisse. Die Mischung aus Soul und Dubstep-Elementen, der Charme des Sängers und unglaubliche Nähe zum Publikum lassen den Funken übergreifen und garantieren einen Abend, der einem noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 4. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN KONZERT + SESSION: DAS LETZTE KÄNGURU Das Trio löst sich aus traditionellen Vorgaben. So übernimmt das Saxophon die Funktion des Basses, der Bassist arbeitet mit Loops und Samples und erschafft so Klangwelten die dieser Art von Besetzung bisher verschlossen wurden. 5. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, BOXX DANTONS TOD - POCKETVERSION Er war erst 21 Jahre alt, als Georg Büchner 1835 das faszinierende Revolutionsdrama »Dantons Tod« schrieb. Gelungen ist ihm ein geschichtliches Gemälde über eines der bahnbrechendsten Ereignisse der europäischen Moderne. Die Klarheit seiner Analyse besticht noch heute durch ihre Gültigkeit. März 1794, Phase II der französischen Revolution, die als »terreur« in die Geschichte eingehen sollte. König Ludwig XVI. wurde ein Jahr zuvor hingerichtet. Das Volk, das 1789 gegen Armut und Unterdrückung auf die Straße gegangen ist, hungert noch immer. Die Guillotine arbeitet pausenlos. Alle Feinde der Revolution, ob mutmaßlich oder nachweisbar, werden hingerichtet. Auf dem Höhepunkt dieser Schreckensherrschaft werden zwei Führer der Revolution zu erbitterten Gegnern: Georges Danton, seit 1792 Justizminister der Revolutionsregierung, und Maximilien de Robespierre, Kopf der Jakobiner, Tugendwächter und unversöhnlich in seinem Hass gegen alle Feinde der Revolution. 5. FEBRUAR SUBSTAGE, KARLSRUHE GÖTZ WIDMANN Der »Godfather of Liedermaching« ist back: Krieg und Frieden, so heißt das neue Album und entsprechend auch das neue Programm. Wieder einmal erwartet euch garantiert undressierte Abendunterhaltung vom Feinsten, frischer und lebensfroher als je zuvor. Der beste Götz Widmann, den es je gab, einer der produktivsten deutschsprachigen Songwriter aller Zeiten jetzt wieder auf Tour mit seinem mittlerweile 16. Album »Krieg und Frieden«. Sein Liveprogramm ist komplett erneuert. Eine Mischung aus grandiosen, extrem zeitgemäßen aktuellen Songs und einer erfrischenden Auswahl aus seinen unzähligen Klassikern. Teilweise solo, teilweise liebevoll musikalisch untermalt von seiner auf der letzten Tour so gefeierten Begleitband Billy Rückwärts. Götz Widmann ist einer der begnadetsten deutschsprachigen Songschreiber und live am allerbesten. Seine Konzerte sind emotionale Achterbahnfahrten, eben lacht man sich noch kaputt und beim nächsten Lied hat man schon wieder Tränen in den Augen. Ein großer Meister der Rock ’n’ Roll-Poesie, ein unvergleichlicher musikalischer Geschichtenerzähler, ein Mann der etwas zu sagen hat, zeitlos, tiefgründig, bewegend aber vor allem sehr, sehr lustig.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 5. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN OUT OF THE DARK Musikrichtung: Gothic, Dark Wave, EBM, Industrial, Dark Electro, Mittelalter, 80ies, Batcave, Electronics, Neofolk und Minimal-DJs: Abby DJ Andi, DJ Van Undercut & DJ Zombie Hunter 6. FEBRUAR GASTHAUS KRONE, BONFELD HENRIKE SPOHR LIEST AUS »HEILBRONN 37°« Der Heilbronner Autorin Henrike Spohr ist mit ihrem Erstlingswerk ein unglaubliches Debüt gelungen: »Heilbronn 37° lässt den Leser in menschliche Abgründe blicken. Abgründe, bei denen man sprachlos ist, die Augen gerne verschließen möchte, aber immer wieder hinschauen muss«, schreibt eine Rezensentin. Mit ihrem Psychothriller stand sie 2014 mehrere Monate lang bei Lovely Books auf Platz 1 der besten Debütautoren. Im Gasthaus Krone liest sie spannende Passagen vor und stellt sich im zweiten Teil einem Interview mit der Stimme-Redakteurin Ulrike Plapp-Schirmer. Die Bad Rappenauer Buchhandlung Eckert ist mit einem Büchertisch vertreten, Karl-Josef Jochim, Geschäftsführer von TeeGschwendner in Heilbronn, schenkt Teeproben aus, das Krone-Team bewirtet vor, zwischen und nach der Lesung. In »Heilbronn 37°« liefert Henrike Spohr einen atmosphärisch dichten Thriller, in dem sich verschiedene Erzählperspektiven Stück für Stück zu einem dunklen Ganzen zusammenfügen. Der schonungslose Umgang der Autorin mit ihren Figuren lässt den Leser die Ängste der Charaktere miterleben. Spannend und sehr mitreißend geschrieben, verlegt Henrike Spohr ihre Geschichte in einen Jahrhundertsommer, der sich mit drückend-schwüler Hitze über Heilbronn legt und sich in heftigen Gewittern zu entladen droht. Der Autorin ist ein fesselnder Psychothriller gelungen, der die Leser bei größter Hitze frösteln lässt. 6. FEBRUAR WAGENHALLEN, STUTTGART KRIEG UND FRIEDEN GÖTZ WIDMANN Undressierte Abendunterhaltung vom Feinsten, frischer und lebensfroher als je zuvor. Der beste Götz Widmann, den es je gab, einer der produktivsten deutschsprachigen Songwriter aller Zeiten jetzt wieder auf Tour mit seinem mittlerweile 16. Album »Krieg und Frieden«. Sein Live- programm 2014/15 ist komplett runderneuert. Eine gelungene Mischung aus grandiosen, extrem zeitgemäßen aktuellen Songs und einer erfrischenden Auswahl aus seinen unzähligen Klassikern. Teilweise solo, teilweise liebevoll musikalisch untermalt von seiner auf der letzten Tour so gefeierten Begleitband Billy Rückwärts. 6. FEBRUAR SUBSTAGE, KARLSRUHE ECHOES PERFORMING THE MUSIC OF PINK FLOYD Pink Floyd – Giganten des Progressive und Art Rock, Architekten gewaltiger magischer Klanggebäude mit einzigartiger musikalischer Ästhetik, Zeremonienmeister bombastischer Live-Shows, ein Monolith im Strom der Rockgeschichte. Pink Floyd sind eine der größten Bands aller Zeiten und haben längst ihren Platz im Rock-Olymp. Seit dem viel zu frühen Tod des Pink Floyd-Keyboarders Richard Wright im Jahr 2008 steht allerdings auch endgültig fest, dass Pink Floyd leider nie mehr in der Originalbesetzung zu sehen sein werden. Mit der Pink Floyd-Tributeband ECHOES wird das Erbe dieser legendären Band jedoch weitergetragen. ECHOES haben das in den letzten Jahren bei über 250 Konzerten (darunter Festivals mit Jethro Tull, Joe Cocker, Manfred Mann, Asia, Hooters, Ten Years After, The Sweet u.v.a.) europaweit eindrucksvoll bewiesen. Sie nehmen ihr begeistertes Publikum mit auf eine höchst emotionale Reise zur dunklen Seite des Mondes, von »Ummagumma« über »Meddle«, »Dark Side Of The Moon«, »Wish You Were Here«, »Animals« und »The Wall«, bis hin zur Post-Roger Waters-Ära. Neben einem umfassenden »Best Of Pink Floyd« kommen dabei auch so manche fast schon in Vergessenheit geratene Werke wieder zu Gehör. Und dennoch ist ein ECHOES-Konzert kein Nostalgie-Trip. Vielmehr zeigt die Band mit immenser Spielfreude, Liebe zum Detail, druckvollem Sound und viel Respekt vor dem Original, dass die komplexen Pink Floyd-Epen heute noch genauso faszinierend und aktuell sind wie zur Zeit ihrer Entstehung – zeitlos eben. Dazu kommt, dem Vorbild des Originals entsprechend, eine aufwendige Bühnenshow, die neben zahlreichen Lichteffekten auch Videoprojektionen und andere Elemente der Original-Pink Floyd-Shows enthält. Das Publikum darf sich also auf ein im wahrsten Sinne des Wortes stimmungsvolles und spektakuläres Konzertereignis in floydianischer Atmosphäre freuen! Wish You Were Here!

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 6. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN 2 JAHRE BASEMENT SOUL Kaum zu glauben aber die BASEMENT SOUL feiert dieser Tage bereits das zweijährige Bestehen! Was damals als kleine Party für Freunde der gepflegten urbanen Tanzmusik an den Start ging, ist heute eine feste Institution im Heilbronner Nachtleben. Neben DJ RoccZ steht nach seinem Ausflug zu »The Voice of Germany« natürlich auch Cal Caprice wieder hinter den Decks, um die Geburtstagssause gebührend zu zelebrieren. Als Dank für euren Support finden sich den ganzen Abend über tolle Specials auf dem Programm, die das funkigste Wiegenfest diesseits des Atlantiks zu einer unvergesslichen Partynacht machen. 6. FEBRUAR KULTURKELLER, HEILBRONN »SCHULD DARAN SIND WIR, JUNGS!« Die Geschichte von einer Nacht und zwei Frauen, zehn erstaunlichen Begegnungen, etlichen Aufenthaltsorten mit Schankgenehmigung, unzählbaren Drinks und einem gnadenlosen Missgeschick. Keine Klischees über verzweifelte Frauen, dümmliche Männer und keine Comedy - einfach nur ein wunderbarer, emotionaler und ungemein unterhaltsamer Abend, der von Siegfried Gerlich kongenial am Klavier begleitet wird. 6. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN HI5 - FUSION JAZZ Schlagzeug, Gitarre, Vibraphon und Bass genügen HI5, um Genregrenzen beiläufig, spielerisch und kreativ niederzureißen. Trotz ausgefeilter Arrangements musiziert das Ensemble mit spielerischer Leichtigkeit. 6. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN MIT TONI DURCH DIE NACHT Was Toni Rios und das Bukowski gemeinsam haben, sind mehr als i, o und s im Namen – beide dürfen sich getrost Urgesteine ihres Bereiches nennen und haben auch schon dann und wann mal ne Nacht zusammen verbracht! Als Sohn spanischer Eltern in Wetzlar geboren, steht Toni Rios gemeinsam mit einer handvoll anderer für die Frankfurter Techno-Szene der 90er – und hat es geschafft, seine Karriere bis heute am Laufen zu halten. Mit Auftritten im legendären Omen fing alles an, als Resident war er bis zum Closing 2012 im Cocoon Club am Start. Hat bei Eye Q gearbeitet und seit mittlerweile fast 15 Jahren sein eigenes Label, Danza Electronica. Eigentlich aber alles egal, denn wir sagten es ja eingangs schon: Toni und das Buko haben schon die ein oder andere Nacht zusammen verbracht! Genau das steht heute wieder auf der Agenda, und Josh:tek gesellt sich auch noch dazu. 7. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN ABFAHRT IN DER HAFENSTRASSE Zusammen mit Mark Spoon hatte er mit »Right In The Night« und »Stella« in den 90ern sowohl in den Clubs als auch den Charts alles abgeräumt, was ging, und pa-rallel mit DJ Dag das Gleiche durchgezogen: Die TranceHymne P.ower of A.merican N.atives. war in Deutschland und in Österreich in den Top Ten, und das hat 1993 noch etwas Anderes bedeutet als heute: Nämlich, dass sie 250.000 Einheiten, in Worten: Platten und CDs, verkauft haben. Kurz gesagt: Jam El Mar war eine Hälfte von Jam & Spoon, und eine Hälfte Dance To Trance. Und hatte in der Folge als Remixer die Hände bei Snaps »Rhythm is a Dancer« und unzähligen anderen bis hin zu Rea Garex und Reamon im Spiel. Heute Nacht bildet Jam El Mar, bürgerlich Rolf Ellmer und nebenbei klassisch ausgebildeter Konzertgitarrist, ein neues Duo: gemeinsam mit Bijan Blum, einst Resident im Dorian Gray und mittlerweile eine Art Kultfigur im Buko wird er eine technoide Abfahrt in der Hafenstraße zelebrieren, bei der auch die staunen werden, die in den 90ern erst geboren wurden! 7. FEBRUAR KREATIEF, NECKARSULM FASCHING MIT »3, 2, 1, LOS« (FUN-COVER-BAND) Das wird die Party vom Kreatief-Team für alle Faschingswütigen. Egal ob Gaukler, Clowns oder sonstige Gestalten: Bei uns ist jeder noch so Verrückte willkommen! Überraschung: Die Fun-Cover-Band »3, 2, 1, los«, bestens bekannt und bewährt von ihren Auftritten beim Ganzhornfest und bei »Drei.für.Fünf« wird dafür sorgen, dass bei dieser Fete der Punk abgeht. Verkleidung ist sehr erwünscht.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 7. FEBRUAR WAGENHALLEN, STUTTGART ZIGEUNER-PARTY BALKAN SPEZIALITÄTEN Der Klassiker in den Wagenhallen: Balkansound der niemanden kalt lässt, Getränke die keine Zeit haben warm zu werden und ein brodelnder Saal voll tanzender Leiber. Kosturica lässt grüssen. Mit DJ BENG 7. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN WHO THE F*CK IS MARQUIS HAWKES Zur ersten whothef*ck in 2015 besucht uns der in Berlin lebende Brite Marquis Hawkes. Getreu dem auf seinem Resident Advisor-Profil zu lesenden Motto »Listen tot he music – that’s all you need do know« sei an dieser Stelle auf seine Releases auf Labels wie Dixon Avenue Basement Jams, Creme Organization, Clone Records und dem Fabric-Ableger Houndstooth sowie die zahlreichen im www umherschwirrenden Podcasts verwiesen. Für gewohnt solides Aufwärmprogramm sorgen dieses Mal David & Philipp aka The Raw Phenomena Cheerio! 7. FEBRUAR GROSSES HAUS, THEATER HEILBRONN ALADINS KINDER AUF WELTREISE TANZ UND YOGALOFT SZOPA 7. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN PIQUE 4 Die Stuttgarter Band bietet ein abwechslungsreiches Programm aus Dixie, Swing, Latin, Mariachi, Pop, Jazz, Folk, Country und Blues. Mit viel Witz und Spaß sorgt dieses mitreißende Quartett für gute Laune. 8. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART LORDI Mr. Lordi, the captain of Scare Force One, and his crew are once again ready for takeoff. The plane has been fuelled, the seat belts are malfunctioning and you can look forward to a solid hour of pure turbulence when the new album sees the light of day on October 31st. Nailed by the Hammer of Frankenstein is the first single and will jet off to stores and onto the airwaves on September 19th. To celebrate the release of the new album, Lordi will play one of its infrequent domestic shows. The record release gig is set for November 1st 2014 at The Circusin Helsinki. According to Mr. Lordi the material on the new record is more experimental than before. It’s not a theme or concept record, per se, but there is a red thread that runs through the songs. 8. FEBRUAR HARMONIE HEILBRONN, THEODOR-HEUSS-SAAL HEILBRONNER SINFONIE ORCHESTER: »JUNGE TALENTE« Beim 4. Saisonkonzert ist die erst 15jährige Ausnahmegeigerin Lara Boschkor zu Gast, die mit Johannes Brahms’ Violinkonzert eines der schönsten, aber auch schwierigsten Konzerte der Violinliteratur spielen wird. Das Orchester eröffnet den Abend unter der Leitung von Peter Braschkat mit der großartigen ersten Sinfonie des finnischen Romantikers Jean Sibelius. Ebenfalls auf dem Programm steht der ungarische Tanz in fis-Moll von Johannes Brahms. 9. FEBRUAR DHBW HEILBRONN VERNISSAGE »HOMECOMING« VON MARC C. WOEHR In Heilbronn hat sein künstlerisches Schaffen seinen Anfang genommen. Damals sprühte er Graffiti – heute erschafft er Collagen oder arbeitet mit Holz. Dieses wird bemalt und in klaren Formen und Schichten übereinander gesetzt. Inspiration findet Woehr in der Architektur urbaner Räume. Jedes Unikat erhält eine versteckte Botschaft, die in der persönlichen Geschichte und dem Erleben des Künstlers ihre Wurzeln hat. In seinen Werken verschmelzen Linien, Formen und Dimensionen der Architektur zu unterschiedlichen Mustern und Ebenen. Die Werke der Verkaufsausstellung werden von Dr. Kerstin Skrobanek von den Städtischen Museen Heilbronn vorgestellt. Der Eintritt ist kostenfrei, um Anmeldung bis zum 6. Februar unter michael.koch@heilbronn.dhbw.de wird jedoch gebeten. 9. FEBRUAR KULTURKELLER, HEILBRONN LITERATUR AM MONTAG: KURT SCHWITTERS (1887-1948) Ein/e Schauspieler/in liest aus den Werken des deutschen Schriftstellers. Anne-Gabriele Michaelis erzählt aus dem Leben und Werk von Kurt Schwitters.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 10. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART THE SUBWAYS THE SUBWAYS sind eine der aufregendsten Live-Bands im derzeitigen Rock’n’Roll-Zirkus. Das haben sie zuletzt auf den Sommer-Festivals unter Beweis gestellt, als das Trio die Massen beispielsweise beim Hurricane und beim Southside völlig im Griff hatte. Das wird auch dieser Tage wieder klar bei ihren, in kürzester Zeit ausverkauften Showcases in Köln und Berlin, die gestern in einem Auftritt beim Reeperbahn-Festival gipfelten. Und eigentlich wissen wir das schon, seit Sänger und Gitarrist Billy Lunn, Schlagzeuger Josh Morgan und Bassistin und Sängerin Charlotte Cooper uns 2005 mit ihrem Debütalbum »Young For Eternity« begeistert haben und in der Folge erstmals durch unsere Hallen gerauscht sind. Egal ob vor 100 Menschen oder 100.000, THE SUBWAYS bringen jede Crowd zum Rasen mit ihrem explosiven Rock und ihrer wilden, hochdynamischen Bühnenshow. Bereits im Juni erschien mit dem Smasher »My Heart Is Pumping to a Brand New Beat« ein neues musikalisches Lebenszeichen (so das überhaupt nötig war), exakt zehn Jahre, nachdem die Band in Glastonbury die Emerging Talent Competition für sich entscheiden konnten. Im Februar soll die neue Scheibe mit dem schönen Titel »The Subways« erscheinen. Erstmals haben sich die drei Briten nicht die Hilfe eines bekannten Produzenten ins Studio geholt, sondern Lunn persönlich hat die Herrschaft über die Regler übernommen. Das hat dem Werk keinesfalls geschadet, im Gegenteil. Man kann in jeder Note die bodenständige Arbeit hören, klassischen, leicht poppigen Rock mit Punk- Appeal. Diese Band bleibt sich treu, will die Platte sagen, und sie macht keine Kompromisse. Doch die wahren Subways hört und sieht man eh nur auf der Bühne, vor einer tobenden Menge, schweißnass und glücklich. Im Februar kommen THE SUBWAYS wieder zurück zu uns und präsentieren ihre neue Platte live auf einer ausgedehnten Tour. 11. FEBRUAR GROSSES HAUS, THEATER HEILBRONN ANTIGONE Tragödie nach Sophokles, Euripides und Aischylos in einer Fassung von John von Düffel. 11. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN KONZERT BUFFO’S WAKE Verdrehte und höchst makabre ‚Gypsy Dance Music‘ mit Anleihen bei Ska, Punk, Polka und Folkmusik. Gypsy punk lunatics with a taste for the macabre. Festival veterans, regularly appearing at some of the UK's biggest festivals, including Glastonbury (2013), Bestival (2013), Secret Garden Party (2011-2013) and Boomtown (2011-2013), as well as live performances on BBC Introducing, Buffos Wake will grab you, and leave you dancing like possessed. Guaranteed to raise hell! 12. FEBRUAR KAFFEEHAUS HAGEN, HEILBRONN THEATERFREISPIEL: VAGINA-MONOLOGE Die »Vagina-Monologe« sind eine kunstfertige kleine Anregung zur weiblichen Selbsterkenntnis, eine liebevolle Aufforderung an alle Frauen, den eigenen Weg zur Lust zu finden. Peinlich, obszön, anstößig?? Nichts von allem trifft zu. Das Stück besticht durch befreienden Humor und entwaffnende Offenheit, durch Mut, Einfühlungsvermögen und überzeugungskraft. 12. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART MARLON ROUDETTE Zwei höchst erfolgreichen Singles und einem Album hat sich MARLON ROUDETTE als neuer Star zwischen R’n’B, Reggae und Pop fest in Europa verankert. Der Brite mit karibischen Wurzeln, der erstmals als eine Hälfte des Rap-Soul-Duos Mattafix internationale Chartluft schnupperte, konnte sich 2011 mit seinem Solodebüt »Matter Fixed« sowie den Hitsingles »New Age« und »Anti Hero« europaweit in den Charts platzieren. Insbesondere im deutschsprachigen Raum blickt er auf eine bemerkenswerte Karriere. »New Age« zählte hierzulande zu den drei erfolgreichsten Singles des Jahres 2011. Unlängst veröffentlichte der Sänger, der in seiner Musik modernen R’n’B mit Reggae und karibischen Einflüssen verbindet, sein zweites Album »Electric Soul«, die vorab ausgekoppelte Single »When The Beat Drops Out« stieg zielsicher erneut an die Spitze der deutschen Charts. Im Februar 2015 kommt MARLON ROUDETTE auf große Deutschland-Tournee, die ihn am 12. Februar auch nach Stuttgart führt. Es ist zu vermuten, dass die Karriere von MARLON ROUDETTE auf seinen

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR Vater zurückzuführen ist, den international erfolgreichen Produzenten Cameron McVey, der bereits Künstlern wie Massive Attack, All Saints oder den Sugababes zu Weltruhm verhalf. Seine Stiefmutter ist die schwedisch-britische Sängerin Neneh Cherry. 13 FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART HALIL SEZAI Sanatolia Entertainment präsentiert Halil Sezai live in Stuttgart. Der türkische Musiker und Schauspieler Halil Sezai ist wieder auf Tournee nach Deutschlandund kommt am 13. Februar 2015 in Stuttgart ins LKA-Longhorn. Seine unnachahmliche und neue Art der Melancholie stößt bei seinen Fans auf große Begeisterung und sorgt für ausverkaufte Konzerthallen. Bekannt wurde Halil Sezai durch seine Hauptrolle in dem Film »Incir Receli«, zu dem er auch große Teile des Soundtracks beigetragen hat. Mit dem Song »Isyan« war er Wochenlang in den Charts. Der Autor der Songs wie »Duman«, »Olsun« oder »Sonbahar«, sowie ein Duett mit der Sängerin Sibel Can zu dem Song »Galata«, begeisterte zuletzt seine Fans mit dem Song » Beyaz Giyme« im Kinofilm »Incir Receli 2«. 13. FEBRUAR SUBSTAGE, KARLSRUHE, KARLSRUHE CALLEJON Nach dem sensationellen Einstieg ihres Coveralbums »Man spricht deutsch« auf Platz 7 der deutschen Charts, haben sich die Düsseldorfer Durchstarter zurückgezogen und arbeiteten an ihrem neuem Album »Wir Sind Angst«, welches Anfang 2015 auf Four Music erscheinen wird. Derzeit kämpfen sich die fünf Düsseldorfer von CALLEJON in der deutschen Szene beständig nach oben, aber mit der neuen Scheibe werden sie definitiv eine feste Größe hierzulande sein und wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, wird ihr Sound auch richtig bösartig im europäischen Ausland einschlagen. Die Devise der neuen Songs lautet »Ballern statt grooven«. Die neue Platte verspricht eine gute Weiterentwicklung des bisher steil nach oben führenden Weges zu sein. Egal ob »Zombieactionhauptquartier«, »Videodrom« oder »Blitzkreuz«, jede Platte hat die bisherige in den Schatten gestellt. Der rote Faden auf dem neuen Machwerk besteht aus genau zwei Emotionen: Angst und Wut. Wut auf eine von Krisen zerfressene Welt, Angst vor dem was noch kommt, Wut auf das System, Angst vor dem System. Moderne Gesellschaftskritik auf Deutsch, verpackt in über jeden Zweifel erhabenen Metal(core). Karlsruhe wird einer der ersten Tourstopps sein, also lasst euch nicht die Chance entgehen, als eine der Ersten dieses neue Meisterwerk live zu erleben. 13. FEBRUAR GROSSES HAUS, THEATER HEILBRONN DON PASQUALE Der reiche und geizige Junggeselle Don Pasquale will sich auf seine alten Tage eine Frau nehmen. Jung und knackig soll sie sein. Seinen Neffen Ernesto hingegen, der die arme aber hübsche Norina liebt, will er mit einer vermögenden Dame verheiraten. Vor allem, damit Ernesto und seine Zukünftige ihm nicht auf der Tasche liegen und später von seinem Erbe leben. So weit kommt das noch! Und obwohl Don Pasquale die schöne Norina nicht einmal kennt, stellt er Ernesto vor die Wahl: Hochzeit mit der Reichen oder Enterbung. Das kann allerdings Don Pasquales Arzt Dr. Malatesta, der gleichzeitig der beste Freund von Ernesto ist, nicht mit ansehen. Er spinnt eine kleine Intrige, um Ernesto zum Glück zu verhelfen und dem alten Geizhals eine Lehre zu erteilen. Dr. Malatesta schlägt Don Pasquale seine Schwester Sofronia als Braut vor, bescheiden, sittsam, in einem Kloster erzogen und auch noch jung und schön. Hinter der angeblichen Schwester verbirgt sich jedoch keine andere als Norina, die ganz nach dem Geschmack des Alten ist. Schnell wird geheiratet. Doch kaum ist der – fingierte – Kontrakt geschlossen, verwandelt sie sich in eine Furie, die den Alten durch maßlose Geldausgaben für Kleidung und Dienerschaft ebenso ärgert wie durch ihren Eigensinn. Sie treibt das Spiel so weit, dass Don Pasquale schließlich nur noch eines will: Sofronia soll endlich wieder gehen. 13. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN IMPROTHEATER »OHNE GEWÄHR« Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um; daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten, Märchen oder sogar ganze Romane erwachsen.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 13. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN IN BESTER GESELLSCHAFT Bukalemun (Südklang/Kowalski), Django (Südklang), Jordi Mata (Südklang), La Maka (Südklang), Herr Bauer (Recommended/Romy S), Moritz Esyot (Recommended/ Romy S); Style: Tech House/Deep House/Electronica 13. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN LIVETANZMUSIKMUGGE MIT LOS BANDITOS” LOS BANDITOS sind keine Kleinkriminellen aus Mexico, verarbeiten aber in ihrem Trash/Surf/Twang/Beat Krimi-Musik der 60er Jahre. Instrumental, respektlos und mit unendlich viel Energie entführt (... also doch kriminell) die Kapelle aus Saalfeld/Jena den Hörer in Sphären, die Assoziationen zu Filmen wie Pulp Fiction zulassen. 13. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN LIVE-MUSIK-PARTY MIT »LOS BANDITOS« Geheimnisvolle Mythen ranken sich seit 16 Jahren um die Entstehungsgeschichte und diese unwirkliche Formation. Woher sind sie gekommen? Waren sie schon früher da? Was wollen sie hier? Werden sie wiederkehren? Es gilt allgemein als erwiesen, dass unkontrolliertes Hören dieser Musik zu bleibenden neuronalen Schäden führt. Dieses Jahr scheinen sie sich abermals der Erde zu nähern. Unergründlich und verdeckter als je zuvor mischen sie sich unter uns. 2015 ist keine Zahl die mal eben im Kalender steht. Nein, sie ist vielmehr ein Symbol für Wandel und Magie. Aus diesem Grund scheint man beschlossen zu haben, die Zeitenwende zu unterstützen und mit geballter Kraft Richtung Erdorbit zu stürmen. Man konnte einige wenige Botschaften aus dem Hyperraum in schlechter Qualität auffangen und durch komplizierte elektronische Verfahren und umfangreiches Expertenwissen für den Menschen sichtbar und lesbar machen. Was wir sehen und lesen ist erstaunlich menschenähnlich. Sehen sie selbst! 13. FEBRUAR KAFFEE HAGEN, HEILBRONN »SHIRLEY VALENTINE« Ausgemustert - so fühlt sich Shirley Bradshaw, geborene Valentine. Die Kinder sind aus dem Haus, den Mann kannst du in der Pfeife rauchen. Als Gesprächspartner bleibt Shirley nur ihre Küchenwand. Doch das soll sich ändern. Eine Freundin schenkt ihr eine Urlaubsreise nach Griechenland. Dort findet sie die Frau wieder, die sie so lange vergessen hatte: Shirley Valentine. Mit Cornelia Bielefeldt, Regie: Nicolas Kemmer 13. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN GIPFELSTÜRMER | HART AM BEAT Ohne Bewegung keine Balance. Ohne Schweiß kein Preis. Ohne Nacht kein Morgen, ohne Nachtleben kein Leben. Und ohne Freud kein Leid? Naja, dafür gibt es Kopfschmerztabletten. Also tanzt. Am besten aus der Reihe! Hart am Beat, bis Eure Knie weich werden. Mit Timo Mandl und mit Raum & Zeit. Mit Freunden, und Freunden, die ihr heute kennenlernt. Ihr werdet schon sehen. 14. FEBRUAR ALTE FEUERWACHE, MANNHEIM DEINE LAKAIEN »SUCHE EXPERIMENTIERFREUDIGEN SÄNGER« Hätte es 1984 diese Anzeige nicht gegeben, hätten sich Ernst Horn und Alexander Veljanov vermutlich nicht getroffen. Und hätte das entscheidende Adjektiv für ihre Musik keinen Bestand gehabt, hätten sie sich längst getrennt. DEINE LAKAIEN haben in zweieinhalb Dekaden Bandgeschichte neun Studioalben veröffentlicht und dabei das Kunststück vollbracht, Musik allein um der Musik willen zu machen. DEINE LAKAIEN mögen von der einen oder anderen Szene vereinnahmt worden sein, aber im Kern waren sie immer eins: eigen und furchtlos experimentierfreudig. Am 8. August 2014 erschien ihr zehntes Album CRYS- TAL PALACE. »Wir haben den Namen bewusst gewählt. Die Neue Deutsche Welle hatte Vieles zu Tode geritten und wir wollten ausdrücken, dass wir auch aus Deutschland kamen und von Wave, Punk und Avantgarde beeinflusst waren, aber mit dem Mainstream nichts zu tun haben wollten.« Wenn man sich mit den Musikern über die folgenden Jahre der Bandkarriere unterhält, in denen von Klinkenputzen, Beinahe-Trennung, dem quasi versehentlichen Start als erste Unplugged-Elektroband, über Charterfolge bis hin zu ausverkauften Tourneen alles dabei ist, fällt auf, dass sich am Ende doch alles um die Kunst dreht. Das Band, welches den bereits berufserfahrenen, studierten Musiker Horn und den Studienanfänger und Ausnahmebariton Veljanov von Anfang an verbunden hat. »Scharlatanerie ist nicht unser

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR Ding – wenn etwas nichts taugt, macht es uns keinen Spaß. Die Zäsuren zwischen den Alben und die vielen Releases mit anderen Projekten haben unsere ehrliche Einschätzung noch verstärkt. In dem Moment, in dem wir uns selbst nicht mehr überraschen können, ist Schluss.« 14. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN PRAXXIZ CLUBNIGHT: DR. MOTTE Zum Valentinstag gibt’s bei uns keine überteuerten Blumensträuße, sondern wirklich was für’s Herz: Die Praxxiz Clubnight von und mit: the one and only Dr. Motte! Der Gründer der Love Parade hat die House- und Technoszene so entscheidend gestaltet wie wenige andere und uns letztes Jahr in einer absoluten Ausnahme-Nacht gezeigt, dass das alles, bloß kein Zufall war. Keine andere elektronische Fete im elektronischen Bereich hat die weltweite Aufmerksamkeit in dem Ausmaß erreicht wie die Love Parade, die der heutige Labelhead von Praxxiz Records erstmals am 01.07.1989 mit 150 Teilnehmern ins Leben rief und die zehn Jahre später auf 1,2 Millionen Raver angewachsen war. Wir wissen nicht, ob es andere Großevents wie Nature One oder Tomorrowland ohne die Parade heute gäbe. 2015 feiert Dr. Motte sein 30-jähriges DJ-Jubiläum mit einer Tour um die ganze Welt, und wir sind stolz auf seinen zweiten Stopp in unserer kleinen Hütte! 14. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART MC FITTI Mit seinem Album »PEACE« im Rücken, welches nach dem Debut Geilon das zweite Top Ten Album des Rappers mit dem Rauschebart darstellt, geht der Wahlberliner im Februar auf große Deutschland, Österreich und Schweiz Tour. Auf insgesamt 21 Terminen rollt Fittis Partybus mit seiner Gang und seinen Freunden durch die Lande, um wie auf den vergangenen unzähligen Shows seine Gäste zum unermüdlichen Partymarathon zu bitten. 14. FEBRUAR WAGENHALLEN, STUTTGART SCHÖN ODER GRUSELIG Unter dem Motto »Schön ODER gruselig« wird der diesjährige Faschings-Samstag wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wir feiern in einer neuen Location! Den WAGENHALLEN! Es wird gelacht, getanzt und gefeiert bis zum Morgengrauen. Überall sieht man verrückte, mysteriöse, bunte oder auch gruselige Faschingsverkleidungen, während die Band »Partyblues« die heißesten Partylieder zum Besten gibt! Mit einem bunten Musik-Mix aus House, HipHop, den neuesten Charts und typischen Faschingshits ist für Jeden etwas dabei. In den Bandpausen spielt DJ Bopser für euch. Diese Nacht wird legendär. 14. FEBRUAR KULTURFORUM, BRACKENHEIM KERNÖLAMAZONEN Noch immer auf der Suche nach Liebe und Leckerlis. Die Kernölamazonen packt das Reisefieber. Und so schnappen sich Caro und Gudrun wieder ihr rotes Köfferchen, denn sie haben ihr Programm runderneuert und beglücken damit seit Ende 2010 Österreich und Teile der 6,8 Milliarden Menschen, die rund um Österreich leben. Auf ihrer Weltumrundung wollen sie Liebe und Kernöl verbreiten und nebenbei männliche Leckerlis erobern. Ganz zum Unmut ihres musikalischen Begleiters Béla. Denn der würde alles dafür geben nach Asien zu reisen, doch das kommt für die Amazonen nicht in Frage. Stattdessen verlieben sie sich in Paris, tanzen am Broadway, frieren in Alaska, jodeln in der Schweiz, finden Tarzan in Afrika und schunkeln in St. Kathrein. Schnallen sie sich an - die Reise beginnt. Die Kernölamazonen vereinen Wort und Musik zu einer charmanten Mischung aus Kabarett und Revue. Chansons, Musicalhits, Wiener Lieder und bekannte Melodien aus der Popwelt bilden die musikalischen Stationen einer Reise, auf der die beiden ihr Publikum immer wieder ganz aus der Nähe beobachten. 14. FEBRUAR GROSSES HAUS, THEATER HEILBRONN TSCHICK Wenn man keinen Spitznamen hat, ist man entweder wahnsinnig langweilig oder man hat keinen Freund, glaubt der 14-jährige Maik Klingenberg und schlussfolgert, dass auf ihn wohl beides zutrifft. Er lebt mit seinen Eltern in einer teuren Villa, aber sie streiten sich nur und interessieren sich nicht für ihn. Fast als einziger ist er nicht zum »Ereignis des Jahres« eingeladen, der Party bei der schönen Tatjana, in die Maik heimlich verknallt ist. »Da war die Scheißschule, und da war das Scheißmädchenthema, da gab es keinen Ausweg. Dachte ich jedenfalls immer, bis ich Tschick kennenlernte.« Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichat-

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR schow, ist Russlanddeutscher und kam vor vier Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Deutschland. Zunächst auf die Förderschule, dann die Hauptschule, dann auf die Realschule, und jetzt hat er es sogar aufs Gymnasium geschafft. Tschick ist auch Außenseiter, aber es scheint ihm nichts auszumachen. Als die Sommerferien beginnen, fährt Maiks Mutter wieder in die als Beautyfarm getarnte Alkoholentzugsklinik und sein Vater mit der jungen Assistentin auf Geschäftsreise. Der Junge soll es sich zu Hause gemütlich machen, 200 Euro liegen für ihn bereit ... Da steht Tschick mit einem geborgten Lada vor Maiks Tür und will mit ihm in den Urlaub fahren. Es beginnt die aufregendste und tollste Woche ihres Lebens, in der Maik nicht nur die faszinierende Isa kennenlernt, sondern in der er immer weniger versteht, warum sein Vater ständig sagt: »Die Welt ist schlecht und der Mensch ist schlecht. Vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.« 14. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN AUSSTELLUNG: »THANK YOU FOR SHOPPING HERE« »Thank You For Shopping Here« ist die erste Einzelausstellung der Arbeiten von Mark Bohle und Hans-Jörg Seidler, die im Jahr 2011 das Atelier mit Meerblick an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gegründet haben. Der Titel der Ausstellung ist einer Arbeit entnommen, welche in der Ausstellung zu sehen sein wird — einer Plastik-Einkaufstüte, die sie auf einer New York Reise im Jahr 2012 gefunden haben und ihr anhaltendes Interesse an der grafischen Sprache der Populärkultur widerspiegelt. Diese Serie großformatiger, handgedruckter Siebdrucke findet ihre Inspiration im städtischen Detritus, welchem sie durch Dekontextualisierung, eine neue Bedeutung geben. Zum ersten Mal wird diese Serie limitierter Siebdruck-Editionen öffentlich ausgestellt. Alle Arbeiten werden käuflich zu erwerben sein. (Patrick Thomas) 14. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN RIDERS ON THE STORM: MY CREEPY VALENTINE 4 Jahre RIDERS ON THE STORM. Season 5 Episode 3. 69 Tage sind seit unserer letzten Zusammenkunft vergangen. Genauer 1674 Stunden bewegten sich die Zeiger der Uhren im Kreis. Heute ist es wieder soweit, heute wird gefeiert. Aus gegebenem Anlass. RIDERS ON THE STORM feiert in diesem Februar 2015 seinen 4ten Geburtstag. An einem Tag der Liebe, der Zuneigung und des Gemeinschaftsgefühls. Um am heutigen Valentinstag feiern wir unsere Heilbronner Szene. Mit einem sehr interessanten Lineup, einer Menge Drum and Bass und jeder Menge Spaß. Zeit ist wie immer etwas knapp, deshalb verzichten wir auf ein gediegenes Warm Up und feuern direkt drauf los. 14. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN SPANIOL4 - SPACY GROOVE JAZZ Spaniol4 bietet eine groovende musikalische Bildungs- und Zeitreise vom Space-Funk der 70er Jahre, der Hardbop- Coolness der 60er bis zur Loop-Ästhetik der Gegenwart. Anschnallen, staunen und genießen! 15. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN TANGO ARGENTINO TANZABEND Tango ist Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft und Erotik. Wer vom Tango einmal berührt ist, der wird infiziert sein und der Sucht dieses Tanzes nachgeben müssen. Wer selbst nicht tanzen mag, kann bei einem gemütlichen Glas Wein auch einfach nur zuhören und zuschauen, wie andere Tango tanzen. Zuschauer und Mittänzer sind herzlich eingeladen! 15. FEBRUAR ALTE FEUERWACHE, MANNHEIM LOOPTROOP ROCKERS Bei den Looptroop Rockers – bestehend aus den MCs CosMIC, Promoe und Supreme sowie dem Produzent Embee – bedarf es eigentlich nicht vieler Worte. Aktuell feiern die Lootroops ihr 20-jähriges Bestehen und haben seitdem ihren ganz eigenen Stil geprägt: Ein genreübergreifender Sound, gesellschaftskritische Texte gepaart mit einer großen Portion Optimismus und unglaublich energetische Liveshows. Das erklärt, warum sie auch abseits des HipHop eine weltweite Fanbase haben. Am 29.10.2014 wird nun endlich das neue englischsprachige Album #7 »Naked Swedes« veröffentlicht. ImWinter 2014 sowie Frühjahr 2015 geht es dann auf große Club-Releasetour und die Festivalbühnen. The Troop is back!

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 15. FEBRUAR ALTE FEUERWACHE, MANNHEIM KUNST GEGEN BARES Wieder ist »Kunst gegen Bares« in der café|bar Alte Feuerwache, Mannheim zu erleben. Moderiert von Jens Wienand werden sich Künstler verschiedener Genres vorstellen, musikalische Geschichtenerzähler, weltkritische Tagebuch-Vorleser, geübte Poetry Slammer oder enthusiastische Komödianten. Das Publikum entscheidet, wie viel Geld ihm die Kunst Wert ist. Die Künstler haben jeweils ihr Sparschwein und zehn Minuten Zeit, um zu beweisen, dass sie »Perlen für die Säue«, genauer »Geld für die Sparschweine« wert sind. Wie der Künstler das in zehn Minuten anstellt, ist ihm überlassen. 15. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, GROSSES HAUS DER KLEINE HORRORLADEN - MUSICAL Mister Mushnik betreibt einen Blumenladen in einem heruntergekommenen Viertel in New York. Hier sind die Blumen dem Verwelken nahe, der etwas tölpelhafte Angestellte Seymour zerdeppert viele Töpfe und Audrey, seine heimlich Angebetete, erscheint mit einem Veilchen am Auge zum Dienst. Ihr Verlobter, der Zahnarzt Orin Scrivello, ist von sadistischer Natur. Der Blumenladen jedenfalls steht kurz vor der Pleite. Da schlägt Seymour vor, das Geschäft mit exotischen Pflanzen zu beleben. Er experimentiert seit längerem mit solchen Gewächsen und hat einen fliegenfangenden Fleischfresser herangezüchtet. Er nennt das exotische Gewächs Audrey II. Als sich Seymoureines Tages an einem Rosendorn sticht, findet er heraus, was die Pflanze wirklich gedeihen lässt: menschliches Blut. Durch die ungewöhnliche Nahrung, die Seymour sich nun täglich aus seinen Fingern presst, wächst Audrey II in einem irrsinnigen Tempo. Parallel steigt der Umsatz des Ladens. Doch Seymours Blut reicht bald nicht mehr aus, um die Pflanze satt zu bekommen. 17. FEBRUAR KREISSPARKASSE HEILBRONN KAMMERMUSIKREIHE: »KONTRASTE« Eine nicht ganz klassische Kammermusikbesetzung ist beim Februar-Konzert der Kammermusikreihe zu erleben: Klarinette, Violine und Klavier bieten ein facettenreiches Programm voller Kontraste dar. 18. FEBRUAR GROSSES HAUS, THEATER HEILBRONN DON KARLOS – INFANT VON SPANIEN Karlos, der Infant von Spanien, liebt seine Stiefmutter Elisabeth. Früher war sie mit ihm verlobt, wurde aber aus machtpolitischen Interessen von Philipp, dem König von Spanien und Vater von Karlos, geheiratet. Der Schmerz quält Karlos sehr. So sehr, dass er kaum dem Drängen seines Freundes Marquis Posa folgen kann, der ihn für den Freiheitskampf der Niederlande gewinnen will. Dort wütet blutig der von König Philipp eingesetzte Herzog Alba … Karlos gibt sich ganz seinem Liebeskummer hin und sucht jede Gelegenheit, um sich Elisabeth zu nähern. Fälschlicherweise fühlt sich von seinen sehnsüchtigen Blicken Prinzessin Eboli, die Hofdame der Königin, angesprochen, deren Herz für den Infanten schlägt. König Philipp wiederum möchte die anmutige Eboli zu seiner heimlichen Geliebten machen. Diese Liebesverwirrungen sind für Herzog Alba und seine Verbündeten eine willkommene Gelegenheit, um durch gezielte Indiskretionen ein Netz aus Intrigen um Karlos zu spinnen. Als sich die Schlinge zuzuziehen droht, opfert sich Marquis Posa für seinen Freund und verliert sein Leben. Durch diesen Tod erwacht Karlos endlich aus seinem Liebesleid und will in den niederländischen Freiheitskampf ziehen. Doch das wird König Philipp, dessen Macht auf dem Spiel steht, nicht dulden. 18. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN BLUES SESSION Unter der Leitung von Bernd Schwarz treffen sich regionale Musiker um gemeinsam traditionellen und modernen Blues zu spielen. 19. FEBRUAR KUNSTHALLE VOGELMANN, HEILBRONN KURATORENFÜHRUNG I. D. AUSSTELL. »CHRISTIANE MÖBUS« Mit Dr. Rita Täuber. 19. FEBRUAR KAFFEEHAUS HAGEN, HEILBRONN Theaterfreispiel: Verliebt, verlobt, verschwunden! Dagmar ist verletzt und wütend! Im Brautkleid flüchtet sie in ihr altes Baumhaus, das sie an glückliche Kindertage erinnert. Sie will in Ruhe über die Männer, die Liebe und das Leben nachdenken. »Wie konnte sie so blöd sein

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR und schon wieder aus Liebe heiraten.« Im Zwiegespräch mit dem Publikum und mit teils spritzigen und teils melancholischen Liedern versucht sie herauszufinden, wer an dem ewigen Männerdesaster Schuld hat. Witzig, hintergründig, böse, selbstironisch erfährt das Publikum alles über das wahre Beziehungsleben der Geschlechter. 19. FEBRUAR HARMONIE HEILBRONN, THEODOR-HEUSS-SAAL SISSI Das Musical über Liebe, Macht und Leidenschaft würdigt eine große Persönlichkeit, die bereits zu Lebzeiten zu einer Legende wurde. In der Bühnenfassung wird die Lebensgeschichte der jungen »Elisabeth in Bayern« dargestellt, die durch ihre romantische Liebesheirat mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph als »Kaiserin der Herzen« in die Geschichte einging. 19. FEBRUAR THEATERSCHIFF, HEILBRONN PATRICK SALMEN Der deutschsprachige Meister im Poetry Slam präsentiert seine besten Geschichten der letzten Jahre. Legendäre Poetry-Slam-Texte sind genauso dabei wie sein Hit »Rostrotkupferbraunbronze«, der Text über seinen Bart und Bärte im Allgemeinen. Mit staubtrockenem Humor, viel Wortwitz und herzlichem Ruhrpottcharme erzählt er absurde und abwegige Geschichten über seine Mitmenschen und sich selbst. 19. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN MARÍA ELÍA & DANIEL MESSINA DUOL An diesem Abend werden sie eine intensive emotionale Reise nachArgentinien erleben. Von Tango bis Folklore gefärbt mit jazzigen Klängen. Daniel Messina, der uns immer wieder mit den unterschiedlichsten und sehr interessanten Projekten besucht und überrascht, kommt diesmal mit der außergewöhnlichen Sängerin María Elía. Beide in Argentinien geborene Musiker laden zu einem exotischmusikalischen Flug ins Heimatland ein. María Elía, zweifellos einer der besten neuen Stimmen Argentiniens, zieht mit ihrem ausdrucksvollem und leidenschaftlichem Gesang das Publikum in ihren Bann. 19. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, KOMÖDIENHAUS BASTIAN PASTEWKA UND KOMPLIZEN: PAUL TEMPLE UND DER FALL GREGORY - LIVE HÖRSPIEL London im Nebel des Jahres 1949: Scotland Yard ist verzweifelt. Wer ist der Drahtzieher der schrecklichen Mädchenmord-Serie, die die Stadt im Würgegriff hält? Nur ein Mann kann jetzt übernehmen: der Meisterdetektiv Paul Temple. Er begibt sich mit seiner unkonventionellen Art auf die Spur rätselhafter Botschaften in den schmierigen Nachtclub »Brazil«, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen … 20. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN FLORIAN HOEFNER GROUP - MODERN JAZZ Mit eingängigen Themen, gepaart mit faszinierendem Ensemblespiel und magischer Improvisationskunst lassen die Vier auf der Bühne die Hörer entdecken, dass Jazz eigentlich schon immer ihre Musik war. 20. FEBRUAR PORSCHE ARENA, STUTTGART KOOL SAVAS Zwanzig Jahre im Game, Zwei Nummer-1-Alben in Folge, Gold- und Platinauszeichnungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, sowie seit Jahren ausverkaufte Tourneen. Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und erst mal kürzer zu treten, kommt für einen Kool Savas jedoch nicht in Frage. Der King of Rap kehrt für seine »Märtyrer«- Tour 2015 auf die Bühne zurück - und wird all jene Lügen strafen, die glaubten, Savas würde es ruhiger angehen lassen. Dass er den Titel des King of Rap völlig zurecht trägt, hat Kool Savas in der letzten Dekade mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wer schon mal ein Kool Savas Konzert besucht hat, der weiß: Dieser Rapper mit dieser ganz besonderen Aura ist der Mittelpunkt des Geschehens, die mächtigste Stimme im Raum, die pure Energie - und vor allem der mit Abstand beste Live-MC des Landes. Die Vehemenz, mit der Kool Savas Bühnen abreißt und Hallen zum Kochen bringt, sucht weltweit ihresgleichen. Kaum ein MC schafft es, über abendfüllende zwei Stunden so ein Energielevel zu halten wie Savas, und das Ganze noch auf einem flowtechnischen Niveau durchzuziehen, dass einem regelrecht schwindelig wird – nicht umsonst sind seine Fans nach einem Savas-Auftritt mindestens so durchgeschwitzt

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR und heiser wie der Protagonist selbst. Mit seinem Hit-Katalog aus über 20 Releases verfügt Kool Savas über ein Live- Repertoire, das hierzulande kein anderer Rapper auffahren kann und wenn Kool Savas sich nun anschickt, auf seiner »Märtyrer«-Tour die Hallen in Schutt und Asche zu legen, sollte man sich rechtzeitig um Tickets bemühen. Denn wenn der King of Rap in der Stadt ist, dann kommen die Rap-Fans – und zwar alle – und zollen dem König Tribut. 20. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN GOD SAVE THE QUEEN INDIE//BRITPOP mit Andrew & Thilo 20. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN HNX-ALLSTARS | TECH TO HOUSE Zur Februar-Edition der HNX-Allstars haben wir mit Creme21- und Diginights-Regular Josha ein länger nicht gesehenes Gesicht geladen und freuen uns auf ihn genauso wie auf alle, die bei uns für garantierte Abfahrt stehen. In geballter Dosierung, versteht sich! Als da wären: Daniel Calisee, Buko-Instanz seit der ersten Stunde, Strippenzieher T- WATCH, Strompunkt, Klangagent, Easy L und Klang der Bewegung-Mastermind Pravi Lopov. Klingt viel? IST viel! Und bestimmt für jeden etwas, solange er’s nur elektronisch mag. Alle anderen sind jederzeit eingeladen, sich überzeugen zu lassen, ansonsten gilt: bitte gehen Sie weiter, hier gibt es kein R’n’B zu sehen...! 20. FEBRUAR KAFFEE HAGEN, HEILBRONN »CAFÉ DIVA« Chansons von Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Edith Piaf, Juliette Gréco mit Cornelia Bielefeldt, Isabelle Arnold und Nicolas Kemmer (Klavier). In deutscher und französischer Sprache. 21. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN TECHNO SESSION: SEBASTIAN GROTH Willkommen beim Härtegrad 1.000 der elektronischen Musik, willkommen in der Welt des Meisters mit der großen Keule: Sebastian Groth. Der DJ und Produzent ist unter anderem Labelbetreiber des 2009 gegründeten Labels ReWashed LDT, einer der Hauptadressen für derben Techno, Darktechno und freakigen Ghetto-Style. Gekonnt gleitet er in seinen Sets zwischen humorvollen Intros mit verrückten Vocals aus alten Filmen und brachialer Musik am Rand des Wahnsinns hin und her. Es ist dieser Hang zum DJ als wahrem Entertainer mit Kontakt zur Menge, einem Lächeln im Gesicht und einer leicht ironischen Haltung zu seinem eigenen Wirken, der Sebastian auszeichnet. Heute zeigt er im Buko, dass seine Art von Darktechno durchaus viele Facetten hat. Brachial wird’s aber in jedem Fall, und da haben wir uns gedacht, passt Carmen Bernabe verdammt gut dazu! 21. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART TRAILERPARK Trailerpark fängt da an, wo die Backstreet Boys einst aufgehört haben: Am Ende. In einem heruntergekommen Backstageraum sitzen die vier Jungs und feilen fleißig an ihrem Nachlass. Trailerpark ist die neue Generation von Hip Hop. Keine Konventionen. Keine falsche, selbstauferlegte Zensur. Keine Stylepolizei. Kein Eisen ist zu heiß, einer muss sich trauen die unangenehmen Themen anzufassen. Ganz in der Tradition von Punk Rock. Trailerpark ist Rock´n Roll wie er echter nicht sein kann. Die Musik kann sich für keinen Style so richtig entscheiden – wie viele Jugendliche heutzutage auch. Muss sie auch nicht. Über dröhnende Rummeldubstepbässe, verzerrte Gitarren und klassische Rap Beats erstreckt sich die instrumentale Trümmerlandschaft, in der die Bande gezielt ihren Wohnwagen abstellt. Nach einer EP, einem Album und einigen Soloprojekten veröffentlichen Basti, Timi Hendrix, Alligatoah und Sudden jetzt ihr neues Machwerk. Die Fans warten sehnsüchtig darauf, die Kritiker auch. Endlich mal wieder eine Band mit der man sich ernsthaft auseinander setzen kann, mit der man sich auseinander setzen muss. 21. FEBRUAR KOMÖDIENHAUS, THEATER HEILBRONN ÄLLES SO ERLEBT Sollte es irgendwann einen Orden für die Pflege der schwäbischen Mundart geben – Monika Hirschle hätte ihn verdient. Seit vielen Jahren verbindet die Stuttgarter Schauspielerin ihr komödiantischesTalent mit der Liebe zu ihrem Heimatdialekt und macht daraus beste Unterhaltung, ob in Rundfunk und Fernsehen oder auf Theaterbühnen. Auch das Heilbronner Publikum kennt und liebt die Erzkomödi-

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR antin mit der herrlichen Gosche und kennt sie als Protagonistin aus den Inszenierungen: »Koi Leich' ohne d‘ Lilly«, »Altweiberfrühling« oder »Endlich alloi!«, die im Komödienhaus zu Gast waren. Jetzt kommt Monika Hirschle mit einem Soloabend auf die Bühne des Komödienhauses: »Älles so erlebt«. Darin erzählt sie, selbstverständlich im besten Schwäbisch, Geschichten, die das Leben schrieb. Es geht um Erlebnisse mit Theaterkollegen, mit Stuttgarter Taxifahrern, mit der Deutschen Bahn AG, mit abstürzenden Computern oder diversen Kochsendungen und um die befriedigende Tatsache, dass Schwäbisch seit der Wiedervereinigung nicht mehr der unbeliebteste Dialekt ist. 21. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN »HELLO MY NAME IS HIP HOP« – IT’S ALL ABOUT HIP HOP FUNKY DJS SPEZIAL IT’S ALL ABOUT HIP HOP… Der Name ist Programm. Die klassische Jam hat sich etabliert und lockt immer mehr gleichgesinnte Hip-Hop-Fans nach Heilbronn. Hier wird die Subkultur noch pur zelebriert. Selbiges besteht aus DJs, Freestyle-Sessions und Open Mic, jeweils begleitet von unglaublich dopen Live-Musikern an Drums, Bass und Gitarre. Weiterhin gibt es Performances vielfältiger, regionaler Künstler für die die Jam eine Plattform darstellt, um sich der Welt zu zeigen. Dieses Konzept geht voll auf und mündet in einer typischen Win Win Situation. Hier geht es nicht um Battle, sondern um Gemeinschaft und den geteilten Vibe. Hier werden keine Emcees geburnt, sie burnen miteinander, und das heftig. 21. FEBRUAR KULTURKELLER, HEILBRONN »KLASSENKAMPF: LEHRER LÄMPEL SCHLÄGT ZURÜCK!« - KABARETT MIT KABBARATZ Kabbaratz fordert in seinem 25. Programm ein Artenschutzabkommen für Pädagoginnen und Pädagogen. Bei der Klassenfahrt in die Hölle findet die Unterrichtsvorbereitung im Fegefeuer statt. Falls Sie schulpflichtige Kinder haben, Max und Moritz mögen, Lehramt studieren, noch zur Schule gehen müssen oder dafür bezahlt werden, seien Sie gewarnt: Lehrer Lämpel schlägt zurück! 21. FEBRUAR EBENE 3 IM KULTURFORUM K3, HEILBRONN MEYERS NACHTCAFÉ II - PLANS AND PLAYS Dies ist bereits die dritte Produktion des Berliner Trompeters Christian Meyer. Seine elektrische Formation mit EGitarre, EBass, Fender Rhodesund Schlagwerk sind ein Garant für Funk und Groovesound auf höchstem Niveau. 22. FEBRUAR WAGENHALLEN, STUTTGART KAYEF Inspiriert von seinem Bruder, der ihn 2005 erstmals mit deutschsprachiger Rapmusik konfrontiert, beginnt der damals 12jährige Kai Fichtner damit, eigene Texte zu schreiben und diese – untermalt mit den Beats seiner Lieblingsrapper - mit Hilfe eines alten Mikrofons aufzunehmen. In der Folge verbreitet er seine Songs zunächst über das zu dieser Zeit populäre Portal mySpace, ehe er 2009 mit 15 Jahren auf YouTube landet. Hier beginnt die Geschichte von Kayef. Rund fünf Jahre, rund 25 Millionen Videoaufrufe & 300.000 Facebook-Fans später gehört der heute 19jährige Düsseldorfer zu den derzeit populärsten deutschsprachigen Musikern im Netz. Mit seinem Debüt-Album »Hipteen«, das er im Sommer 2013 digital veröffentlicht, gelingt es Kayef auf Anhieb, seine Social-Media-Anhängerschaft zu verdoppeln und das enorme Potential seiner Musik anzudeuten: Ohne ein Label und eine Major-Maschinerie im Rücken stürmt er im Sommer 2014 erstmals die offiziellen deutschen Single-Charts und weckt somit das Interesse großer Plattenfirmen. Stilistisch lässt sich Kayefs Musik als genreübergreifende Mischung aus Rap, Pop & RnB beschreiben, was den barrierefreien Zeitgeist seiner eigenen Generation abermals unterstreicht. Kayef – dessen Künstlername sich aus den Initialien seines Vor- und Nachnames zusammensetzt – bricht dabei klassische Cluster der jeweiligen Genres auf und bedient etablierte Charakteristika mit frischen, modernen Stil-Elementen, was ihm ein gleichermaßen authentisches und einzigartiges Alleinstellungsmerkmal innerhalb der deutschsprachigen Musiklandschaft verleiht. 22. FEBRUAR – 22. MÄRZ GALERIE KUNSTETAGE K55, HEILBRONN KÜNSTLERBUNDAUSSTELLUNG: KUNST HILFT – KUNSTMARKT Marc Abele zeigt Arbeiten aus verschiedenen Phasen seines Schaffens. Diese dokumentieren unter anderem den Weg in die Abstraktion.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 23. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, BOXX AUTOR IM GESPRÄCH: LUTZ SEILER Gleich sein erster Roman »Kruso« hat ihm 2014 den Deutschen Buchpreis beschert und ist zum Bestseller geworden. In den Neunzigerjahren war er Herausgeber der Literaturzeitschrift »Moosbrand« und hat »Berührt - geführt« veröffentlicht, seinen ersten Band mit Gedichten. Mit seiner Erzählung »Turksib« hat er 2007 den Ingeborg-Bachmann- Wettbewerb gewonnen und gezeigt, dass er auch ein hervorragender Erzähler ist. Nun war man gespannt auf seinen ersten Roman - und er hat die hohen Erwartungen noch übertroffen. Seine Geschichte über die DDR-Aussteiger auf Hiddensee, beleuchtet die Wendezeit aus einer sehr außergewöhnlichen Perspektive und hebt sich deutlich ab vom Gedenk-Einerlei unserer Tage. Wolfgang Niess (SWR) führt das Gespräch. 24. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART ARCHITECTS Mit großer Vehemenz, spielerischem Können und einem ausgeprägten Arbeitsethos haben sich ARCHITECTS aus dem britischen Seebad Brighton innerhalb weniger Jahre eine treue internationale Fangemeinde erspielt. Sechs stilistisch stets neu ausgerichtete Alben untermauern ihre Ausnahmequalitäten als brillante Musiker zwischen Metalcore, Mathcore, Post-Hardcore und Progressive Metal. Seit September vergangenen Jahres arbeitete die Band an ihrem neuen Album »Lost Forever // Lost Together«, das im März erschien und sich als ihr bislang erfolgreichstes Werk entpuppte: In vielen Ländern, unter anderem auch in Deutschland, stieg es in die Top 40 der Charts, in England sogar bis auf Platz 16. Erstmals hielten sie auch Einzug in die US-Billboard Charts. Nach ihrer vielbeachteten Deutschland-Tour im vergangenen Frühjahr kehren AR- CHITECTS zwischen dem 17. Februar und dem 1. März 2015 für sieben Konzerte in Frankfurt, München, Stuttgart, Köln, Leipzig, Berlin und Hamburg noch einmal nach Deutschland zurück. Auf dieser Tournee werden sie begleitet von gleich drei aufregenden Special Guests: Every Time I Die, Blessthefall und Counterparts. 25. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN PETER FESSLER, DON GRUSIN & FRIENDS - Jazz-ECHO Preisträger Peter Fesperanto Fessler und Grammy Winner Don Grusin stellen gemeinsam mit Christian von Kaphengst (bg), Bruno Müller (g) und Robert Mehmet Ikiz (dr) ihr preisgekröntes Album ‚Quality Time‘ vor. 25. FEBRUAR GOLDMARKS, STUTTGART ERIK PENNY & BAND Der amerikanische Singer/Songwriter Erik Penny ist ein Philosoph der kleinen Dinge, ein charismatischer Storyteller. Seine Songs entstehen ganz erdverbunden und schwingen sich letztlich doch empor. Charaktere und Momente werden zu Geschichten, die er mit markantem Bariton und eingängigen Melodien zum Leben erweckt. Mit seiner entwaffnend charmanten Ausstrahlung und der großherzigen Wärme seiner Musik entzündet er schließlich eine ansteckende positive Kraft. 26. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN FILMEVENT: »GANZ KURZ NOCH - LIVE PODCAST« Auf der Liste stehen Themen die Männer von Welt bewegen. Männer sind in diesem Fall zwei Jungs die Comics lesen, Action Toys sammeln und Filme lieben. Viel Papier, noch mehr Plastik und Zelluloid. Darüber sprechen Männer eh die meiste Zeit. Wir, Dominik und Steven, laden euch zu unserer Aufnahme ein. Zusammen bestaunen wir unglaubliche Momente der Filmgeschichte. Unglaublich schräg und unglaublich witzig. Unglaublich das sich das jemand ansieht. Genau das machen wir. Solche Werke muss man unbedingt gemeinsam erleben. Kommentiert wird live: plan 9 from outer space (1959). Der schlechteste Film überhaupt. Einer der unterhaltsamsten Filme überhaupt. Ed Wood erzählt die Geschichte der Grabräuber aus dem Weltall. Mehr soll hier nicht gesagt werden. Der Kenner genießt und schweigt. Das machen wir nicht. 26. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART FINK FINK, aka Fin Greenall, war ein bekannter DJ in der Brightoner Rave- und Trip-Hop-Szene, bevor er sich mehr und mehr dem Singing/Songwriting verschrieb. Der zunächst

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR unterschätzte Musiker belehrte jedoch alle Zweifler schnell eines Besseren. FINK steht für musikalische Kompromisslosigkeit und eine unglaubliche Bühnenpräsenz. In den vergangenen Jahren hat er gemeinsam mit Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Drums) unzählige Konzerte gespielt, unter anderem als Support für Zero 7 und Massive Attack. Darüber hinaus machte sich FINK einen Namen als Songschreiber für Künstler wie John Legend oder Amy Winehouse, und Remixer für Elbow, Nina Simone oder Ryuichi Sakamoto, um nur einige zu nennen. 27. FEBRUAR KAFFEE HAGEN, HEILBRONN »ICH BIN SO WILD NACH DEINEM ERDBEERMUND« Die lasterhaften Balladen & Lieder des Francois Villon Vertonungen von Daniel Viglietti (der große Barde aus Uruguay) von Georges Brassens, Serge Reggiani und Kurt Weill. mit Nicolas Kemmer, Cornelia Bielefeldt 27. FEBRUAR HANNS-MARTIN-SCHLEYER-HALLE, STUTTGART KRAFTKLUB Es war eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre: Als das Kraftklub-Debüt »Mit K« im Januar 2012 von null auf eins in die deutschen Charts einstieg, war der vorläufige Höhepunkt einer sehr jungen und besonderen Karriere erreicht. Im Anschluss füllte die Band immer größere Hallen. Schließlich wurde »Mit K« mit Platin ausgezeichnet. Kein Wunder: Mit ihrem einmaligen Stilmix aus zackigen Indie-Beats, Up-Tempo-Riffs und witzig-nachdenklichen Texten, in denen sich eine ganze Generation wiederfindet, sprechen Kraftklub genre- und generationsübergreifend Hörer an. Das nun für den 12. September angekündigte zweite Album »In Schwarz« hievt den typischen Kraftklub-Sound noch einmal auf ein ganz anderes Level. Die durch die vielen Konzerte gewonnene Erfahrung spürt man in jeder Note. Kraftklub klingen noch versierter und kompakter, ohne auch nur ein Jota an Energie verloren zu haben. Mit Sicherheit eines der spannendsten Alben der Saison. Eines jedenfalls steht jetzt schon fest: Nach diesem Album werden auch die letzten gelernt haben, dass man Kraftklub tatsächlich mit Doppel-K schreibt! 27. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN DIE NÜSSCHEN IM DANEBEN Nuts for Everybody sind zurück im neuen Jahr mit frischem Sound für alle Freunde des besonderen Musikgeschmacks. Gespielt wird feinster Soul, Funk und Hip Hop. An den Plattentellern für euch diesmal Nicolas Sarcuez und DJ Schere (Schwobeland) 27. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART FIDDLERS GREEN Seit 25 Jahren sind FIDDLER’S GREEN auf Deutschlands und Europas Bühnen zu Hause und auch jetzt, viele Saitenwechsel, durchgeschwitzte Bühnenoutfits und einige kreative Veränderungen später, ist für die Band aus Erlangen noch lange kein Ende in Sicht. Energiegeladen, leidenschaftlich und unterhaltsam bringen sie mit ihrer explosiven musikalischen Mischung nach wie vor die Wände zum Wackeln und ihre treuen Fans zum Tanzen. 27. FEBRUAR KULTURKELLER, HEILBRONN »NIMM DEINEN MUT IN BEIDE HÄNDE« - EINE MUSIKALI- SCHE LESUNG ZU GEORGE SAND Kaum eine andere Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts verfolgte mit ihren Schriften und in ihrem Leben so vehement zugleich feministische und sozialkritische Ziele. Ihre Liebesbeziehungen zu berühmten Künstlern, insbesondere zu Frédéric Chopin, sind legendär. Mit Auszügen aus ihrem Leben und Werk folgt Ruth Weipert den Spuren dieser faszinierenden Frau, der Pianist Murat Rena begleitet diesen Weg kongenial mit der wundervollen Musik von Chopin. 27. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN LEUCHTMITTEL BAR ABEND Musikalische Unterhaltung mit Jens Leuchtenberger 27. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN SCHÖNE ELEKTRONISCHE WELT Tom Schön spielt schon ganz schön lange bei uns, und das natürlich, weil es immer schön ist! Machen wir uns also auch heute wieder einen schönen Abend und ne schöne Nacht mit dem Mann aus Wetzlar, und schauen, was er Schönes

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR für uns im Case hat. Fred Moody ist dabei und der heißt übrigens nicht Moody, weil er mürrisch oder schlecht gelaunt wäre, sondern weil er für absolut stimmungsvolle Sets mit einwandfreien Spannungsbögen steht. Kommt früh, bleibt lang, denn »nur mal kurz« passt nicht zu »schön«... 28. FEBRUAR KULTURFORUM, BRACKENHEIM ULI BÖTTCHER Ü40 – DIE PARTY IST ZU ENDE Im Leben eines Mannes gibt es verschiedene Abschnitte – fast alle sind bekannt. Der Mann in den 40ern jedoch steckt in Schwierigkeiten – denn... wer ist er? Oder wo? Die testosterongeschwängerten Zeiten sind vorüber, die Weisheit des Alters hat sich noch nicht eingestellt. Und so pendelt er zwischen dem Altbekannten – Frauen, Anerkennung, Karriere und Frauen – und dem noch Unbekannten – Gelassenheit und Weitsicht. Was er kennt, will (oder kann) er nicht mehr, was er will (oder kann), weiß er noch nicht. Er will mit dem Rauchen aufhören und mit dem Sport anfangen. Und doch ahnt er, dass es andersherum wesentlich leichter ist. So liegt die Lösung in der genauen Betrachtung: Warum beginnt der Mann ab 40 zu schnarchen? Oder Marathon zu laufen? Wie geht er um mit dem Niedergang der Libido? Welche positiven Aspekte haben ausfallende Haare? Wie steckt man die ersten Urologen-Besuche weg und geht das überhaupt? Es ist nicht das Altern, was dem Mann über 40 Schwierigkeiten macht. Nur der Umgang damit... 28. FEBRUAR BUKOWSKI, HEILBRONN TAKE ME BABY | BUKO CALLING Für Sandra Gold den Beinamen »Goldstück« zu bemühen, ist cheesy, aber trifft schon zu: Wir holen ja niemanden, den wir nicht mögen. 20 Jahre pure Musikleidenschaft, Freude und die Fähigkeit andere zu begeistern, das trifft wohl den Nagel auf den Kopf, wenn man von Sandra Gold spricht. Ihr Sound lässt sich nicht auf einen Style reduzieren. Wandlungsfähig überschreitet sie Grenzen und hat dazu heute Nacht mit Roberto Q.Ingram jemand sehr Passendes an ihrer Seite. Geboren und aufgewachsen in Los Angeles, mit 15 nach München gezogen, Clubs in aller Welt bespielt und es am letzten Öffnungstag im Februar endlich nach Heilbronn geschafft. Prepare yourself, folks! 28. FEBRUAR LKA LONGHORN, STUTTGART MINDEAD CD-RELEASE PARTY Die Stuttgarter Metaller von MINDEAD veröffentlichen am 27.02.2015 ihr lang erwartetes zweites Album »CON- TROLLING THE TIDES«. Am darauffolgenden Tag, Samstag den 28.02.2015, wird das gebührend auf Ihrer von BLEEDING NOSE und METAL.DE präsentierten Release-Party gefeiert und zwar auf der Bühne der #1 Metal Konzert Location in Stuttgart - dem LKA Longhorn, Stuttgart. Das bietet der Band die Chance, die Größe der Bühne zu nutzen, um eine ganz besondere Show auf die Beine zu stellen. Mit dabei sind die Neo-Thrasher von DAY- ROT und der Gewinner des Bleeding Nose Band Contests. Nach der Show gibt es eine große Aftershow-Party mit den DJs der LKA Rocknacht. Also da bleiben und die Nacht durchfeiern lohnt sich..... 28. FEBRUAR KREATIEF, NECKARSULM MOS-KITOS: HURRABEKLEMMUNG Wenn Roswitha Scherer-Gehrig und Birgit Dietrich sich in das »lange Schwarze« mit roter Stola werfen, ziehen nicht nur die Männer ihre Köpfe ein. Hier bekommt jeder sein Fett weg. Die beiden gestandenen Frauen wissen wovon sie singen und sprechen. Ihre selbsterarbeiteten Texte oder geliehenen Chansons handeln von Paar-Problemen und Alltags-T(L)ücken. Was ist zum Beispiel, wenn das erfolgreiche Unternehmen namens Familie plötzlich an einer »Doppelspitze mit Kompetenzgerangel« krankt? Wie geht man damit um, wenn Frau Hunger leidet, weil »Mann« neue Aufgaben sucht? Und wieso ist Kommunikation zur Dreiecksbeziehung mit Handy geworden? Was tun, wenn das zum Alltag gewordene Doppelleben plötzlich zu anstrengend wird? 28. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN MULTIMONO LADENLIEDER: NICOLAI KÖPPEL Den Anfang mit den Ladenliedern 2015 macht Nicolai Köppel – Autor, Filme- und Liedermacher – aus Heilbronn. Nicolais Lieder über Liebe, Gnome und Tattoos sind eine lustige Mischung moderner Singer/Songwriter- Eleganz und dem angenehm unvirtuosen Herumgeklampfe deutscher Blödelbarden und Liedermacher der Mittsiebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts.

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VERANSTALTUNGEN: FEBRUAR 28. FEBRUAR COMPLEX23, HEILBRONN TURBOJUGEND HEILBRONN (DJ DUDI) old school punkrock > the clash, sex pistol, dead kennedys..slime und co. 28. FEBRUAR MOBILAT, HEILBRONN WORTSPORT LOUNGE Wien, die Stadt der Musik. So lässt sich Österreichs Donaumetropole seit Jahrhunderten gerne betiteln und versetzt vor allem mit Walzermelodien und Mozart-Souvenirs Touristen Massen in Verzückung. Abseits von Klängen im Dreivierteltakt hatte die Stadt seit jeher auch eine ganz andere, weniger glamouröse aber dafür umso charismatischere Seite der Wiener Musik zu bieten. Als gegenwärtige Repräsentanten dieser unangepassten Gattung von Musikern gelten die Hip-Hop-Produzenten Brenk Sinatra und Fid Mella. Für ihr neues Album »Chop Shop 2 Singende Klingende Unterwelt« haben sie in Wiens musikalischer Vergangenheit gegraben um den wahren Sound der Wiener Seele einzufangen und wurden in der Unterwelt der 70er und 80er Jahre fündig. Der erste Teil ihres gemeinsamen Albums »Chop Shop« erschien 2010 und war in kürzester Zeit vergriffen. Mit dem neuen Album »Chop Shop 2 Singende Klingende Unterwelt« nehmen Brenk und Mella den Hörer mit auf einen akustischen Spaziergang durch das angeheitert-euphorische aber dennoch stets morbide Wien der 70er und 80er Jahre. Der Wiener Produzent Brenk Sinatra gehört zu den bekanntesten europäischen Hip-Hop Produzenten und wird von Producer-Legenden wie DJ Premier als Visionär gefeiert. Auch über internationales Airplay kann sich das Wiener Beat-Heavyweight freuen: sowohl Gilles Peterson mit seiner Worldwideshow auf BBC Radio 1 als auch Eminems Radiosender Shade 45 schicken seine Tracks regelmäßig über den Äther. Fid Mella, der aus Meran stammende Wahl-Wiener, avancierte in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Beat- Helden in Italien und steuert regelmäßig Produktionen für österreichische, deutsche und italienische Rap-Größen wie Gerard, Mecna oder Ghemon bei. 28. FEBRUAR THEATER HEILBRONN, GROSSES HAUS THEATER SPEZIAL - GROSS. KLEIN. KUNST.: MARTINA SCHWARZMANN - GSCHEID GFREID Die mit zahlreichen Kabarettpreisen ausgezeichnete Oberbayerin nimmt einen mit an Orte, an denen die Gedanken noch nie vorher gewesen sind, und wenn einem doch etwas bekannt vorkommt, kann es gut sein, dass man vielleicht gerade in sich geht und sich selbst wiedererkennt. Die Ausnahmekabarettistin mit der Gitarre malt durch ihre Geschichten und Lieder Bilder in die Köpfe, mit denen man die Wände tapezieren möchten, selbst wenn man in einem Haus aus Zirbenholz wohnt. Martina Schwarzmann liebt das Normale, die Poesie des Alltags. Findet man Chamäleonwurst im Kühlschrank wieder? Oder leben dünne Menschen länger, weil sie bei einer Schießerei nicht so leicht getroffen werden? Ein Abend voller kluger Gedanken, schräger Geschichten und bisher ungesungener Lieder erwartet die Besucher und beim Heimgehen wird man sagen: »Heid hama uns gscheid gfreid!« 28. FEBRUAR REDBLUE, HEILBRONN BERND KOHLHEPP »HÄMMERLE - DER KING KEHRT ZURÜCK!« Wie Herr Hämmerle mit dem Hund aus der Wohnungsauflösung einer Nachbarin zurechtkommt, sich über die neuen Nachbarn auf die Globalisierung einstellt, in eine Casting- Show gerät und was Frau Schwerdtfeger mit der neuen künstlichen Hüfte in der Disco erwartet - das alles kann man im neuen Kabarett- und Comedy Spektakel erleben. Zwölf neue Lieder erwecken zudem die Rock’n‘Roll Klassiker zu neuem Leben! Sie werden sich wundern - oder wussten sie, dass der Bossa Nova auch mit dem Staubsauger getanzt werden kann? Oder dass das Lied »Jailhouse Rock« eigentlich eine Hymne für alle Allergie geplagten Mitmenschen ist? Lassen Sie sich überraschen! 28. FEBRUAR JAZZCLUB CAVE 61, HEILBRONN ANDI KISSENBECK'S CLUB BOOGALOO Wer Jazz mit reichlich Orgel und noch mehr Groove mag, ist im »Club Boogaloo« genau richtig. Dieses »verschwenderisch gut ausgestattete Quintett« (Jazzthetik) swingt und funkt sich ohne Umwege in die Herzen der Zuhörer.

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DIE NÄCHSTE AUSGABE HANIX ERSCHEINT AM 27. FEBRUAR 2015