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Nº1 5 FEB 2013 IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S » F O R E V E R YO U N G « A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT J U GEN D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS

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Nº4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 OKT 201 1 DEZ 2011 / JAN 2 01 2 Nº 1 SEP 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG D ER DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR t e i lt , e i l t , Nº3 NOV 20 11 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, BILDUNG E N ERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E IT ARM UT Nº1 Nº 5 FEB 2012 Nº2 Nº 6 MRZ 2012 Nº3 Nº7 APR 2012 Nº4 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. Nº8 MAI 2012 EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD REBELLION Ausl än ä KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº5 Nº 9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº6 Nº10 AUG 2012 Nº7 Nº11 SEP 2012 Nº8 N º1 2 OKT 2012 HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER ESSEN & T RIN KEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SCHA F F E , SCHA F F E HÄ US L E BAUE ! Nº9 Nº13 NOV 2012 Nº10 N º 14 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº11 Nº12 IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT W IRTSC HAF T PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB Nº13 Nº14

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E D I TO R I A L »Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.« (Mark Twain) Liebe Leserinnen, liebe Leser, früher, so sagt der Volksmund, war alles besser. Das sagen zumindest viele Erwachsene. Ob es tatsächlich so ist, wissen wir nicht. Was wir wissen: Früher waren wir jünger. Und unbeschwerter. Vielleicht hat die Redewendung ihre Wurzeln auch im Frust der Erwachsenen, die nachts eben nicht mehr kurzentschlossen zum Nacktbaden über Freibadmauern klettern. Wir widmen uns in der ersten HANIX-Ausgabe 2013 schwerpunktmäßig dem Thema »Jugend«. Deshalb haben wir im Heilbronner Rathaus auch Mitglieder des Jugendgemeinderates getroffen und waren überrascht, dass die jungen politisch engagierten Heilbronner kein reiner Debattierklub sind, die nichts zu Wege bringen. 200 000 Euro stehen in diesem Jahr mehr zur Verfügung, um Spiel- und Bolzplätze zu sanieren. Ein Verdienst der jungen »Politiker«. Beim Fotoshooting im Kleinen Ratssaal durften Abdullah, Wendy und Co. jedoch nicht auf den Tischen sitzen, wie wir es vorgeschlagen haben. »Das sieht der Oberbürgermeister Himmelsbach nicht so gerne«, verriet uns Carola Batora, die Betreuerin des Jugendgemeinderates. Das »Olga« ist das bekannteste Jugendhaus der Stadt. Seit 1987 wird dort Jugendarbeit geleistet. Wir sprachen mit dem stellvertretenden Hausleiter Jürgen Gehrig über den Auftrag der Jugendeinrichtung und erfuhren, dass es im »Olga« täglich einen leckeren Mittagstisch für schlappe 2,50 Euro gibt, den wir in Kürze auch einmal testen werden. Unser neuer Kolumnist Joshua ist neun Jahre alt. Er schreibt über Jugendliche aus Kindersicht und hat beschlossen später einmal, wenn er selbst ein Jugendlicher sein wird, nicht so doof zu werden, wie so viele. Der Heilbronner Fotograf Björn Ewers lebt seit elf Jahren in Berlin. Dort hat er die Fotostrecke »Crowd Surfing« produziert und dafür Jugendliche beim Open-Air-Feiern abgelichtet. Daniel Schütt leitet das »Popbüro Heilbronn-Franken«. Die Einrichtung des Stadt- und Kreisjugendrings unterstützt junge, aus der Region stammende, Bands und Solokünstler. Das Popbüro bietet Workshops an, bietet kostengünstige Möglichkeiten Tonstudios zu nutzen und hilft den jungen Musikern dabei Auftrittsmöglichkeiten zu erhalten. Als Daniel Schütt hörte, dass wir auf unseren HANIX-Release-Feiern auch Livemusik spielen lassen, hat er uns die »Blue Veiins« empfohlen und Kontakt zur Heilbronner Band hergestellt. Am 1. Februar werden die »Blue Veiins« auf unserer Release-Feier im »Pearls and Diamond« gegenüber des Hauptbahnhofes ein Akkustik-Set spielen, bevor sie am 22. Februar im Neckarsulmer »Gleis 3« ihr Album-Release-Konzert spielen werden, ehe es auf Deutschland-Österreich-Italien-Tour geht. Diese Geschichten und viele mehr gibt es in dieser Ausgabe zum Nachlesen, Hören und Sehen. Viel Spaß dabei wünscht euch das ewig junge HANIX-Team! Reiter im Sturm: Drum´n´Bass-DJ Ashley Aames veranstaltet mit seiner Agentur »Sleepwalker« Trommel & Bass-Feiern im Mobilat, bei denen der Schweiß von der Decke tropft. (ab Seite 34) Pop-Art-Schatz in Böckingen: Seit letztem Jahr vertritt der Heilbronner Ted Bauer den Amerikaner James Gill, einen der außergewöhnlichsten und bedeutendsten Pop-Art-Künstler unserer Zeit. (ab Seite 58)

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BEDIENUNG DES MAGAZINS N º1 5 FEB 2013 IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S » F O R E V E R YO U N G « A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT J UGE ND BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº15 16 C H RIS BAY MEINE PLATTENKISTE 34 A SH L EY A AM E S MUSIKKOFFER 42 A L L E S KL A R KÖPPELS KURZGESCHICHTEN »Folienheld« Chris Bay hört viele Musikrichtungen gerne. Das spiegelt sich auch merklich in seiner Top-Fünf wieder. DJ Aschley Aames bringt mit seiner Drum´n´Bass -Veranstaltungsreihe »Riders on the Storm« das Mobilat regelmäßig zum beben. Nicolai Köppel schreibt launige Kurzgeschichten. Diesmal über Nachbarschaftshilfe bei Trennungen und den damit verbundenen Schmerzen. 32 H EIKO KREI TER MACHER IM UNTERLAND 48 BA B E L WOR L D KUNSTREGION 58 I M G E S P RÄCH: T E D B AUE R INTERVIEW DES MONATS Heiko Kreiter hat mit Diginights mehr als ein Eventportal geschaffen. Diginights ist inzwischen FullService-Agentur für Clubs und Veranstalter und auf einem guten Weg, weit über Heilbronns Grenzen hinaus bekannt zu werden. Die großformatigen Fotografien von Du Zehnjun bilden eine Serie von Stadtlandschaften, die die Welt zu neuen babylonischen Türmen assemblieren und Geschehnisse in Bildern entgegen unserer gewohnten Wahrnehmung verdichten. . Der Heilbronner Ted Bauer erzählt im Interview, wie es dazu kam, dass er seit 2012 einen der außergewöhnlichsten Pop-Art-Künstler der Welt exklusiv in der EU, Russland und der Schweiz vertritt.

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62 JUGEND TITELTHEMA 12 & 14 » T H E AT E R B O O M « & B LU E V E I I N S STADTLEBEN / LANDLEBEN »Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Sie widersprechen ihren Eltern, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen und tyrannisieren ihre Lehrer.« (Sokrates) OHNE TITEL DER »DITTRICH, KLOTZ & KÖNI«-SKETCH SCHLITTEN ZIEHEN HEIMATLIEBE P F E F F E R I M F L E I S C H H AU S MITTAGSTISCHTEST G U TS C H E I N E , T I C K E TS U N D C D s Quiz 1 08 WE RN ER NIE DE R M EI ER BRIEF AN DIE HEIMAT AUS LONDON DANZIG, 2009 VIA ARCHIV DJ und Produzent Werner Niedermeier lebt seit 2003 in London. Aus der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches erreichte uns der Brief an die Heimat. H A N I X I C H M AG D I C H LESERBRIEFE & IMPRESSUM 1 10 KAPVER D EN AROUND THE WORLD: KAPVERDEN B R AU E R E I C LU S S 1 9 4 0 HISTORISCHER SCHUSS 122 Patrick Ortwein ist seit über einem Jahr auf Weltreise. Inzwischen ist er in der Karibik. Uns erreichte zuvor sein letzter Bericht von den Kapverden. V E R A N S TA LT U N G S K A L E N D E R F E B RUA R VERANSTALTUNGSKALENDER

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DAS HANIX TEAM W ER UND W I ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 34 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION & SOCIAL MEDIA 38 JAHRE Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

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JESSICA ZIPPAN VERMARKTUNG/ANZEIGENVERKAUF 23 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 28 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Der Vogel kämpft sich aus dem Ei und wir sind mit dabei! Die Werbeagentur Hettenbach freut sich auf die Zusammenarbeit. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE 26 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION 35 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 24 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 38 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 35 JAHRE LISA HOFMANN GRAFIK 21 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 21 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 62 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 38 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION 36 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 29 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 42 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 29 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 46 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 56 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: FEBRUAR 2013 T H E AT E R B O O M I N H E I L B R O N N H Ä LT A N 2 0 1 2 er s t m a l s Ma rke vo n 170 000 Zus ch aue rn übe rs ch ritt en Der Theaterboom in Heilbronn hält an. 2012 kletterten die Besucherzahlen erstmals über die 170 000 –Marke: Insgesamt kamen 171 413 Zuschauerrinnen und Zuschauer in die drei Spielstätten Großes Haus (705 Plätze), Komödienhaus (314 Plätze) und Kammerspiele (120 Plätze), das sind 8971 mehr als im Jahr 2011, das auch schon sehr gut lief. Auch die durchschnittliche Auslastung der 550 Vorstellungen war so hoch wie schon seit 10 Jahren nicht mehr: Sie lag bei 80,86 Prozent. Den größten Zuwachs gab es vor allem im Großen Haus, wo Vorstellungen wie »Der Process«, »Ein Sommernachtstraum« und in der aktuellen Spielzeit »Wie im Himmel« und »Dantons Tod« sehr gut laufen. Aber auch Stücke wie »Verbrennungen« und » Der goldene Drache« von Schimmelpfennig waren gut besucht. Intendant Axel Vornam dämpft Erwartungen, dass der Aufwärtstrend ungebrochen weitergehen kann. Er hatte das Theater Heilbronn 2008 mit 148 000 Zuschauern und 68 Prozent Auslastung übernommen. »Wir sind ein Schauspielhaus, in einer Stadt mit 125 00 Einwohnern und insgesamt 1139 Plätzen – da sind solche Zahlen wirklich sehr, sehr gut.« Sein Ziel ist es, die Zuschauerzahlen auf diesem hohen Niveau zu halten. Die Entwicklung in der aktuellen Spielzeit ist wieder sehr vielversprechend. Von September bis Dezember 2012 kamen 67163 Zuschauerrinnen und Zuschauer ins Heilbronner Stadttheater – 2750 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum der vorangegangen Spielzeit und die durchschnittliche Auslastung lag bei 82,16 Prozent. Und allein von den 55 Vorstellungen im Januar 2013 sind 31 ausverkauft.

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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L ANDLEBEN: FEBRUAR 2013 »BLUE VEIINS«: O H RW U R M G A R A N T I E BEI ALBUMRELEASE S H OW Blue Veiins - das sind fünf Jungs aus dem Heilbronner Raum, die sich mit Haut und Haaren dem Indierock verschrieben haben. 2009 machen sie Mercedes Benz auf sich aufmerksam und werden für zwei Tage gebucht. Ihre musikalische Symbiose aus Melancholie, Nachdenklichkeit und Freude bewegt den Autogiganten dazu mit den »Blue Veiins« eine erste EP aufzunehmen. Nach einer restlos ausverkauften Releaseparty im folgenden Jahr sind die Schwaben folgerichtig auf ihrer ersten kleinen Deutschlandtour bis hin zu zwei Konzerten in Frankreich im Neunsitzer unterwegs. Das Jahr 2012 beginnt für die fünf Unterländer dann mit einem Paukenschlag. Nachdem »Blue Veiins« noch melodischer wurden, folgte durch den Song »Genius« ihr erster Plattenvertrag beim Kieler Label »Coast Rock Records«. Die Single erreichte einige Airplays in Deutschland (u.a. »Das Ding«) und sogar international lief »Genius« im Radio. So spielte der mexikanische Radiosender »Rai UNO« den Song. Die Folge waren noch mehr ihrer energiegeladenen Liveauftritte. Unter anderem teilten sich die Schwaben auf einigen Festivals die Bühne mit »Pohlmann«. Inzwischen haben »Blue Veiins« mehr als 1000 CDs verkauft und mehr als 100 Live-Shows im In- und Ausland gespielt. Am 22. Februar erscheint endlich das erste Album, »Twotwentytwo«, der Jungs. Die dazugehörige AlbumRelease-Show findet am selben Tag im »Gleis 3« in Neckarsulm statt! Das »Popbüro Heilbronn-Franken« hat für Fans auch extra einen Shuttle-Doppeldecker-Bus organisiert. »Im Bus selbst, der unsere Fans sicher zum Konzert bringen wird und danach auch wieder zurück, wird es einige Überraschungen geben«, verrät uns Christian Wohlfeil von den »Blue Veiins«. Ohrwurmgarantie verspricht das Label der »Blue Veiins«: »Musik muss man hören - die Musik von »Blue Veiins« kann man fühlen. Man kann sich auf eine intensive und gefühlsbetonte Reise durch ein großartiges junges Rockalbum gefasst machen - »Twotwentytwo« ist ab 22.02.2013 im Handel erhältlich.« Infos zum Ticketverkauf inklusive Haltestationen des Shuttle-Busses sind beim »Popbüro Heilbronn-Franken« zu erfragen. Wer am 22. Februar nicht im Neckarsulmer »Gleis 3« sein kann, hat die Chance die »Blue Veiins« auf ihrer Deutschland-Österreich-ItalienTour zu sehen und zu hören. Unter anderem spielen die Jungs in Mannheim, Berlin, Leipzig, Köln, Wien und Mailand.

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130

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MEINE PL ATTENKISTE: CHRIS BAY PROTOKOLL:ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA C H R I S B AY: J A N I S J O P L I N , P O RT I S H E A D & J A M E S B ROW N S »GOLD COLLECTION« Chri s Bay i st in Hei l b ro n n s ei t 2009 d e r » Fo lie nh e ld « und be h aupte t si ch a ls One - Man -Sh ow i m Ha if i s c h b ec k en d e r We rbe te ch nik -Branch e . De r s e lbstä ndi ge Autod i dakt fol ier t n ic h t n u r S c ha u fe ns te r, Auto s , Sch ild e r und äh nlich e s sondern e r g e st al te t a u c h s c h ic k e Wa n d a ufk le be r, d ie e r unte r and e re m auf » Dawa nda « ver t reib t , u m t r i s t e Zim m e r wänd e zu ve rs ch ö ne rn.

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MEINE PL ATTENKISTE: CHRIS BAY Ich fang mal mit Platz fünf und Janis Joplin mit ihrer Doppel LP »Janis« an: Diese Zusammenfassung Janis' bester Auftritte höre ich immer wieder gerne - am liebsten auf Vinyl. Ich halte Janis für die beste weiße Soulsängerin aller Zeiten. Ich finde sie übertrifft mit Ihrem »Big Mama Thornton« Cover »Ball & Chain« selbst das Original um einiges. Ausserdem halte ich Janis Joplin, nach allem was ich über sie gelesen und gesehen habe, für eine der ganz großen zu jener Zeit. Ohne sie wäre meine »Top Five« unvollständig! Auf Platz 4 setze ich »Canale Grande« von »Bio Bonsai«. Auf diesem Sahnestück werden Sprachfetzen aus »Winnetou«, »Aktenzeichen XY ... ungelöst« und »Raumschiff Enterprise« versamplet und auf absurdeste Weise aneinander montiert. Das Ganze wird mittels verdaulichem Breakbeat zum Grooven gebracht, so daß man beim Lachen trotzdem nicht mit dem tanzen aufhören kann. Ich liebe dieses Album und bin über ebenso absurde Umstände dazu gekommen. In einer WG, in der ich eine Weile gelebt habe, wurde mir dieses Album an den Kopf gepfeffert - und seit dem lege ich die Platte immer wieder gerne ein. Das aktuelle Album »Third« von Portishead flasht mich immer wieder und gehört auf jeden Fall auch zu meiner persönlichen Bestenliste und landet sogar auf dem »Treppchen«. Platz drei! Mir gefällt diese Mischung aus flimmernden und brummenden Synthesizer-Klängen verstörenden Gitarrenriffs, dazu Beth Gibbons eulenhafte Stimme als geschminkte Wasserleiche, die sich im Unglück suhlt um am Ende Captain-Future-mäßig auf Lasergewitter in ein schwarzes Loch hinaus zu surfen.... herrlich! Die Silbermedaille erhalten von mir »Freundeskreis« mit ihrem Album »Esperanto«. Diese Platte ist eines meiner absoluten Lieblingsalben! Hier vermischen sich verschiedene Musikstile wie HipHop, Reggae, Jazz, Soul & Funk.. Es hört sich für mich auch nach einigen Jahren immer noch taufrisch an. Höre ich sehr gerne bei der Arbeit. Meine kleine Tochter ist mit sieben Monaten natürlich noch viel zu klein um sich aus dem CD-Regal irgendwas aussuchen zu können. Aber in den letzten Monaten musste ich feststellen, dass James Brown genau ihr Ding ist. Wenn die Zähne drücken, die Windel stinkt, die Laune im Eimer ist, das Geschrei unerträglich scheint und nix mehr hilft, dann ist die »Gold Collection« von James Brown unser Allheilmittel Ich pack mir die Kleine, dreh den Volume auf und wirbel dann mit ihr irgendwie durch die Bude. Sie liebt das – allerdings nur in Verbindung mit genau dieser CD. Also keine Frage: Die »Gold Collection« ist ganz klar meine persönliche Nr. 1!

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D I T T R I C H , K L O T Z & K Ö N I ! Di t t r i c h, K l o t z & Kö ni d re h e n lus tig e Film e . Sk e tch e zum Be is pie l. Di esm al: O H N E T IT EL! Han si we i ß : i n ei n er Wel t s i c h s tänd ig ablö s e nd e r Te le fo napparillo technologi e n muss ma n m it ha l t en k ö n n en! Mit e ine m s ch nö d e n Sm ar tph o ne is t da s ni cht getan ! Um s ein em eb en f a l l s t ec h nik be ge is te r te n Fre und Gunnar zu imp oni eren ha t er t ief i n s e in Po r te m o nnaie ge g riffe n... DITTRICH, KLOTZ & KÖNI SIND BUCHBAR! KONTAKT: 0176/99053371 WWW.DERDRANGZUMKLANG@WEB.DE WW W . L I S A M A R I A K L O T Z . D E

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON MELI DIKTA; ROBERT MUCHA & PHILIPP KIONKA Im Januar kam er endlich, der weiße Winter. Zur Freude von vielen Kindern, die, warm eingepackt, mit ihren Schlitten die Abhänge hinunter düsten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Jesus lebt und er kommt wieder. So jedenfalls die Überzeugung dieses Herren in der Heilbronner Innenstadt, der den Passanten mittels Ganzkörper-Plakatierung die frohe Kunde mitteilen wollte.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Der Charme Südfrankreichs mitten in Heilbronn. Auf der Paulinenstraße neben dem Eingang der ehemaligen OMDancehall verbreitet die Beschilderung eines Gastronomiebetriebes französische Gefühle. Die stilechte Klimaanlage darf natürlich nicht fehlen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION In der Nähe des Heilbronner Finanzamtes versuchte sich ein Kritzelheld mit dieser verstörenden Aussage. Unsere Antwort: Kritzelheld, schmeckt schreibt man mit »ck«.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Wie mit dem Lineal gezogen sind blauer Himmel und wolkenbehangener Himmel hier voneinander getrennt. Als wär der Himmel von Menschenhand in blau und weiß geteilt worden.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Hellmut Kasel hatte die Bauleitung des 1958 entstandenen Hauptgebäudes des Heilbronner Hauptbahnhofes inne, dem ein Vorentwurf von Emil Schuh zu Grunde lag. Sein Vordach ist beispielhaft für die Flugdach-Architektur dieser Zeit. Das Empfangsgebäude ist eine 120 m lange BetonGlas-Konstruktion; an seiner Dachhaut ist ein Kupferband angebracht. Sein mittlerer Teil ist eine 40 m lange, 11,5 m breite und 7,5 m hohe gestreckte Halle mit Glasfront. (Aus Wikipedia)

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Der Fußboden der Empfangshalle ist mit Jura-Platten belegt, die Wände sind mit Jura- und Travertin-Platten verkleidet. Die Decke ist eine Rabitzkonstruktion mit Feldern aus blauem Spritzputz. Vertikale und horizontale Linien gliedern die gesamte Empfangshalle. Die südöstliche, zur Stadt hin schauende Längsseite besteht fast ganz aus Glas. Leisten aus eloxiertem Leichtmetall gliedern die weiträumigen Verglasungen und halten sie zugleich zusammen. In der Nacht erleuchtet ein Lichtband das Flugdach vor dem Eingang. (Aus Wikipedia)

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Über Nacht fielen im Januar mehrere Zentimeter Schnee. Im Lichtkegel am Heilbronner Marktplatz ist das Schneetreiben gut zu sehen.

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Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Auch in Heilbronn gibt es Kapitalismuskritiker und Kriegsgegner. Auf radikale Weise wurde das am Gebäude der HypoVereinsbank an der Friedrich-Ebert-Brücke in der Innenstadt sichtbar, wo Farbbeutel gegen das Gebäude geworfen wurden und ein großes rotes Kreuz deutlich machen soll, dass Banken mitverantwortlich für die Krisen der Welt sind.

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GNADENLOS KÜNSTLERINNEN UND DAS KOMISCHE >> 17.11.2012–24.02.2013 > IN HEILBRONN AN DER HARMONIE www.museen-heilbronn.de Öffnungszeiten: Di–So, Feiertag 11-17 Uhr Anna und Bernhard J. Blume, Küchenkoller, 1985 © VG-Bild-Kunst Bonn 2012

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INTERVIEW: PETER GUSDEK FOTOS: LISA BÜRG » D A S H E I L B RO N N E R P U B L I K U M B R AU C H T K E I N E H E A D L I N E R « An g e fan g e n ha t As hl ey Aa m es als Ho us e -DJ . Inzwis ch e n k ann e r d ami t ni cht meh r vi e l anf a n g en . Sei t 2 0 0 8 le g t d e r He ilbro nne r Dr um ´n´Bas s auf und ha t be i se i n e r Ver a n s t a l t u n g s rei he » R id e rs o n th e Sto rm « e ine tre ue Fangemei nde a m St a r t , d i e aus ge las s e n trink t und fe ie r t. Ko n t a k t z u A s h l e y k a nn man unte r folge nde n Adre sse n aufne h me n: w w w. f ace book .com/ash le y.aame s w w w. f a c e b o o k .com/p age s/Ride rs-on-th e -Stor m

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MUSIKKOFFER: ASHLEY AAMES HANIX —Erzähl uns doch erstmal von deiner musikalischen Prägung, ganz allgemein und auch was den elektronischen Bereich angeht. kürzlich habe ich festgestellt, das Musik bei mir schon immer unglaublich präsent war. So habe ich beispielsweise schon als kleines Kind Unmengen an Tapes besessen. Ich würde sagen, dass ich mich so richtig bewusst mit Musik beschäftige seit dem ich zehn Jahre alt bin. Damals war das Ganze noch ziemlich poplastig, so war meine erste Platte die »True Blue« von Madonna. Irgendwann als Jugendlicher legt man sich ja dann meistens auf eine bestimmte Richtung fest und meine Richtung war dann zunächst die Heavy-Metal-Schiene mit meiner Lieblingsband Slayer. Anschließend kam ich dann zum Hip Hop, wobei ich sagen muss, dass die dazugehörige Kultur nicht meine war und ich somit nur die Musik konsumiert habe. Irgendwann habe ich dann den Ralph Hagner, bekannt als DJ Huggy, kennengelernt, der elektronische Musik auflegte und auch ich mich dann komplett dieser Richtung gewidmet habe. HANIX —Und wann hattest du dann deine ersten Plattenspieler? Bist Du direkt nachdem Du mit DJ Huggy gekuppelt hast in den nächstbesten Laden gerannt um dir Plattenspieler zum Mixen zuzulegen? ASHLEY AAMES—Erst HANIX —Welche DJ´s haben dich damals Mitte der Neunziger Vorbilder? beeinflusst? Gab es vielleicht sogar mich kurz überlegen, damals war ich 20, da hatte ich dann das erste mal zwei richtige Turntables um damit aufzulegen. HANIX —Und dann hat auch ganz langsam deine DJKarriere angefangen? ASHLEY AAMES—Lass es irgendwann in andere Städte ging und ich auch Nicht-Heilbronner-DJ´s hörte, war man zur damaligen Zeit sehr geprägt vom Om-Keller. Da waren dann schon Roman Freihoff und Sebastian Krieg eine Art Vorbild. HANIX —Bist du Roman und Sebi dann auch ins Stuttgarter M1 nachgereist, als die beiden dort Residents wurden? ASHLEY AAMES—Bevor war für mich von Anfang an erklärtes Ziel in Clubs aufzulegen, was nach dem Kauf meines zweites Plattenspielers relativ schnell geklappt hat. Das Green Door in Heilbronn war der erste Club in dem ich auflegen durfte. ASHLEY AAMES—Es man kann an einer Hand abzählen wie oft ich im M1 war. Meine musikalische Heimat war damals das Loft in Ludwigshafen. Da waren wir so ziemlich jeden Samstag. ASHLEY AAMES—Nein,

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MUSIKKOFFER : ASHLEY AAMES HANIX —Und wo warst Du in Heilbronn zum Feiern? HANIX —Wie würdest du den Stil jetzt umschreiben? Heilbronn war ich des öfteren im OmKeller, im Intershop und mit Abstrichen in der Alten Giesserei. Dann hört es aber auch schon auf, da Heilbronn schon damals eher die breite Masse bedient hat. HANIX —Also hat es dich raus in die große deutsche Clubwelt gezogen? ASHLEY AAMES—In reichen mir zwei Worte: Deep und Dark. Das bedeutet, dass es eher ein minimaler Sound ist der düster und melancholisch angehaucht ist. HANIX —Aber die Leute tanzen auf deinen Veranstaltungen und scheinen fröhlich zu sein? ASHLEY AAMES—Hierzu gab mal eine Phase in der wir oft das Splash in Winnenden besucht haben, im Red Dog und im unbekannten Tier in Stuttgart waren wir auch nicht selten. Das Normal in Heidelberg war ebenfalls ein Laden, den ich oft besucht habe, bis wir dann eben das Loft für uns entdeckten, weil hier einfach das sogenannte Gesamtpaket gepasst hat. Irgendwann ging es dann aber mit eigenen Auftritten so voran, dass ich dann gar nicht mehr so oft zum selber Feiern weggegangen bin. HANIX —Und im Ludwigshafener Loft lief welche Musik? ASHLEY AAMES—Zur damaligen Zeit lief dort Garage House, Deep House und Vocal House. Die MinimalRichtung gab es noch gar nicht richtig, diese Richtung hieß zu der Zeit noch Techno. HANIX — Wie lange hast du dann selbst House aufgelegt und wann das letzte Mal? ASHLEY AAMES—Es bin da relativ flexibel im Club und nehme meine Aufgabe als DJ in einem Club auch wahr. Diese Aufgabe ist nun mal die Leute zum Tanzen zu bringen. Ich spiele den etwas härteren Sound auch durchaus gern im Club. HANIX —Was ist eigentlich Sleepwalker? Wer verbirgt sich hinter »Riders on the Storm« und wie kamst Du auf den Namen Ashley Aames? ASHLEY AAMES—Ich Aames ist einfach ein neues DJPseudonym, das ich benötigt habe um mich von diesem ganzen Houseding abzukapseln. Sleepwalker war eine neu gegründete Agentur, die als Veranstalter meiner Events fungiert und »Riders on the Storm« ist die Zugmaschine der Veranstaltungen. HANIX —Bei »Riders on the Storm« legen aber mehrere Leute und nicht nur Du auf? ASHLEY AAMES—Ashley glaube im Jahr 2008 habe ich das letzte Mal ein House-Set aufgelegt. HANIX —Und seit 2008 spielst du Drum´n´Bass in Clubs.... ASHLEY AAMES—Durch eine damals eingetretene Lebenskrise hat sich meine komplette Einstellung geändert und ich bin sehr stark in den alternativen Bereich reingerutscht. Mit der House-Szene und dem Output konnte ich dann ehrlich gesagt nicht mehr viel anfangen, weil sich dann irgendwann doch alles gleich angehört hat. Seit meinem 18. Lebensjahr ist Drum´n´Bass bei mir immer so nebenbei mitgeschwommen, allerdings eher die ruhigere Schiene. Hier ist beispielsweise LTJ Bukem zu nennen. Als ich dann meine Krise überwunden hatte, kam eben auch Drum´n´Bass wieder hoch, weil gerade diese Richtung viel mit Leidenschaft zu tun hat. Ich war damals im Drum´n´Bass-Bereich total orientierungslos und kannte mich auch nicht wirklich aus. Ich kannte eben nur Good Looking und LTJ Bukem. Mit dieser gechillten Richtung habe ich dann auch angefangen und es hat ein gutes Jahr gedauert bis ich meinen eigenen Stil entwickelt habe. ASHLEY AAMES—Ich Konzept von »Riders on the Storm« ist auf große Headliner zu verzichten und dafür lokalen Aktivisten mit Herzblut, die seit Jahren Drum´n´Bass featuren, eine Bühne zu geben und dem mittlerweile sehr geilen Publikum zur Verfügung zu stellen. HANIX —Die meisten Veranstaltungen finden momentan noch im Mobilat statt. ASHLEY AAMES—Das fängt im Jahr 2013 langsam an, dass »Riders on the Storm« auch außerhalb von Heilbronn sein wird, was aber nicht das Ziel ist. Es ergibt sich eben gerade so und ich nehme das natürlich gern mit. So haben wir im April in Karlsruhe einen eigenen Floor und es gibt einige lose Anfragen aus anderen Städten in Baden-Württemberg. Ich möchte aber die Auftritte außerhalb Heilbronns doch eher als DJ verstanden wissen und nicht als Veranstalter. HANIX —Gibt es einen harten Kern der bei den »Riders on the Storm« immer mitdabei ist? ASHLEY AAMES—Es habe ich Kontakt zu DJ Julez bekommen. Dann haben wir gemeinsam alt eingesessene Heilbronner Drum´n´Bass-DJ´s kennengelernt. Dies sind Rollin G, Jano P und MC Maso. Die Leute zusammen ergeben dann das Kollektiv Me2U Crew, die als Resident auf meinen Veranstaltungen spielt. ASHLEY AAMES—2011

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MUSIKKOFFER: ASHLEY AAMES HANIX —Eure Parties im Mobilat sind mittlerweile ein großer Erfolg, habt ihr damit gerechnet? ich die komplette Organisation der Veranstaltung mache, kann ich natürlich jetzt nur für mich sprechen. Es war von Anfang an klar, da vor meinen Veranstaltungen schon einige Drum´n´Bass-Events gefloppt sind, dass, wenn man so was aufzieht, das Ganze nur geht wenn man das Mobilat im Rücken hat. Das hatte ich und da möchte ich auch an dieser Stelle nochmal ein ganz großes Dankeschön an die Mobilat-Jungs richten. Dass es dann aber immer mehr Besucher gibt konnte man nicht ahnen und schon gar nicht planen. HANIX — Warum hat es dann deiner Meinung nach doch so gut funktioniert? ASHLEY AAMES—Da ist. Ein ganz gutes Beispiel ist hier das Bukowski an Heilig Abend im letzten Jahr, wo man gegen 1:30 Uhr in den Laden kommt und schon, bevor wir anfangen, geschrien und gefeiert wird, nur weil jetzt klar ist, dass wir unseren Drum´n´Bass Stil zum Besten geben. Das Besondere an unseren Veranstaltungen ist tatsächlich der positive Vibe. Bei uns gibt es keine Schlägereien, es wird zwar extrem viel getrunken aber die Leute kompensieren das einfach nur toll auf der Tanzfläche in dem sie richtig abgehen. Es ist ganz klar, dass, wenn das Ganze mal zu einer ChaosVeranstaltung mit Stress und Schlägereien ausartet, das gesamte Projekt sofort eingestellt wird. HANIX —Was ist letztendlich der Grund dafür, dass ihr es schafft, die Feierstimmung bei den Leuten rauszukitzeln? ich sehr zu schätzen weiß ist, dass das Heilbronner Publikum nicht zwingend die sogenannten Headliner benötigt um dreckig und ausgelassen zu feiern, sondern hier auch mit den Locals absolut zu befriedigen ASHLEY AAMES—Was sind natürlich viele Faktoren. Man kann es aber folgendermaßen zusammenfassen: Zum Einen muss man das Dubwars ganz hoch anrechnen, da die ASHLEY AAMES—Das

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MUSIKKOFFER: ASHLEY AAMES Jungs diese Musik über Jahre hinweg durchgeschleift haben obwohl die eigentliche Musikrichtung der DubwarsCrew Dubstep ist. HANIX —Und was rechnest du Dubwars im speziellen so hoch an? für Dich, Sleepwalker und »Riders on the Storm« oder eiferst Du niemandem nach? und deren Veranstaltungen sind irgendwann so groß geworden, dass sie im Mobilat alleine schon aus Sicherheitsgründen einen zweiten Floor eröffnen mussten. Und meistens wurde dann ein Drum´n´BassFloor daraus, da diese Musik verwandt mit Dubstep ist. Auf dem Drum´n´Bass-Floor spielte aber keine Laufkundschaft - die Dubwars-Jungs haben auch da richtig rangeklotzt und dicke Namen, die für Qualität stehen, gebucht. So haben sie dafür gesorgt, dass Drum´n´Bass-Musik hier in Heilbronn weiter gelebt hat. Wir haben hier Crews, die seit 15 Jahren Musik machen aber nichts auf die Reihe bekommen. Bei Dubwars hat man erfahren können, dass das auch ganz anders aussehen kann, wenn die Organisation Hand und Fuß hat. HANIX —Hat das Dubwars-Kollektiv mit allem Drum und Dran in gewisser Weise auch Vorbildcharakter ASHLEY AAMES—Dubwars hat dafür gesorgt, dass Heilbronn national gesehen auf der Dubstep-Landkarte ganz weit vorne steht. Wenn es sich bei mir weiter positiv entwickelt, wird »Riders on the Storm« sicherlich auch noch wachsen. Was nicht passieren wird ist, dass andere Musikstile dazu kommen werden. Es wird eine reine Drum´n´Bass-Veranstaltung bleiben. Was den Drive und die Professionalität angeht, ist Dubwars sicherlich vorbildhaft, da die Veranstaltungen nicht kommerziell angelegt sind und Seele haben. Das beeindruckt mich. HANIX —Wie sieht dein Fazit des vergangenen Sleepwalker-Jahres aus? Bist Du zufrieden? ASHLEY AAMES—Dubwars on the Storm« ist inzwischen für die alternative Szene in Heilbronn ein Begriff und hat im letzten Jahr immer mehr an Zuspruch gewonnen. 2012 war insofern ein tolles Jahr, da sich die »»Riders on the Storm«-Veranstaltungen so gut entwickelt haben, dass ich sie nun auf das nächst höhere Level anheben kann, um den treuen Gästen zu zeigen, dass eine Weiterentwicklung ASHLEY AAMES—»Riders

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MUSIKKOFFER: ASHLEY AAMES stattfinden wird. Ein großes Thema in diesem Jahr wird Deko sein. Das ist zwar auch Neuland für Sleepwalker aber Neuland in dem ich mich total austoben möchte. Wenn man regelmäßiger Besucher von »Riders on the Storm« sein wird, wird man hoffentlich erkennen, dass es sich immer mehr zu einer Märchenwelt entwickeln wird. Ein kleiner Abenteuerspielplatz sozusagen. HANIX —Wird »Riders on the Storm« in diesem Jahr häufiger stattfinden als noch im letzten Jahr? ten in der Szene unterstützen sich gegenseitig. Es ist ganz einfach ein Geben und Nehmen das mittlerweile prima funktioniert. HANIX —Wie wird man auf Drum´n´Bass-Aktivisten aus anderen Städten aufmerksam? Du bist ja nicht jedes Wochenende in Baden-Württemberg unterwegs um dir unbekannte DJs anzuhören. Im letzten Jahr gab es die »Riders on the Storm« fünfmal. In 2013 wird alle acht Wochen durch den Sturm geritten. Dazu wird es auch noch die ein oder andere Veranstaltung mit Livemusik geben. Für Lausbub-Tattoo organisiere ich im November die Feier zum dreijährigen Jubiläum mit Punk- und HardcoreBands. Ein Feld, das mich sehr interessiert. HANIX — Mittlerweile wird man auf dich als DJ auch über die Heilbronner Grenzen hinaus aufmerksam… ASHLEY AAMES—Definitiv! liegt das, glaube ich, nicht nur daran, das ich ganz ordentlich auflegen kann sondern an dem Netzwerk das wir aufgebaut haben. Die Aktivis39 ASHLEY AAMES—Grundsätzlich haben den Vorteil, dass wir jeden Samstag fünf Stunden lang auf zwei Drum´n´BassOnline-Radiosendern zu hören sind. Unter anderem auch auf DEM Onlinesender für Drum´n´Bass, www.dnbradio.com. Unsere Show wird weltweit von über 500 Leuten gehört und unsere Mixe sind eigentlich immer unter den Top 25 was die Downloadzahlen in Deutschland angeht. Wir haben dann im letzten Jahr damit angefangen DJs und MCs aus anderen Städten in unsere Show einzuladen. Die Leute kommen gerne zu uns und wenn man sich gut versteht und die Qualität stimmt, ziehe ich mir natürlich gute Acts für meine Veranstaltungen ab. Es ist sozusagen eine Win-Win-Situation. Umgekehrt werden wir dann auch in andere Städte gebucht. Der Austausch und ASHLEY AAMES—Wir

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MUSIKKOFFER: ASHLEY AAMES Support funktioniert sehr zufriedenstellend. So spiele ich demnächst auch in Karlsruhe und Mannheim. Reutlingen und Ulm stehen auch auf dem Plan. Es muss nur noch ein passender Termin gefunden werden, was nicht immer ganz einfach ist. Man ist ja als Veranstalter auch davon abhängig welche Termine man von den Clubbetreibern zur Verfügung gestellt bekommt. HANIX —Nochmal kurz zu euren Radioshows. Ihr seid jeden Samstag für fünf Stunden live zu hören? ASHLEY AAMES—Genau. Von 14 Uhr bis 17 Uhr ist die E-scalation-Show von DJ Julez und seiner Me2You-Crew auf www.dnbradio.com zu hören. Sleepwalker und die Me2You-Crew machen momentan fast alles zusammen. Wir haben seit April 2012 auch ein gemeinsames Studio in Heilbronn aus dem wir senden. Die E-scalation-Show gibt es mittlerweile seit sechs Jahren. Direkt im Anschluss geht es von 17 Uhr bis 19 Uhr nahtlos auf bassjunkees. com weiter. Das ist ein kanadischer Online-Radiosender. Bereits 15 Minuten nach den Shows steht das Ganze auch zum Download als Podcast bereit. Wer also die Live-Show verpasst muss trotzdem nicht auf das gespielte Set verzichten. HANIX —Das Programm im Radio klingt nicht ohne. Fünf Stunden jeden Samstag erfordert Konstanz und Selbstdisziplin... stanz. Denn bevor wir uns das besagte Studio angemietet haben, wurde aus einem Gewölbekeller eines Freundes gesendet. Dort entstand das sogenannte Kellersyndrom. Wir sind um 14 Uhr eingekehrt, hatten dann bis 19 Uhr kein Tageslicht und eigentlich gefeiert als wären wir nachts im Club unterwegs. Es ist uns nicht selten passiert, dass wir dann um 19 Uhr schon total durchgeratzt aus dem Keller raus gekommen sind, obwohl es draußen noch hell war. Inzwischen haben wir Fenster und es ist nicht mehr ganz so exzessiv wie im Gewölbekeller worüber wir nicht unglücklich sind (lacht). HANIX —Zum Abschluss gehört sich eine Danksagung, oder? haben großen Spaß daran, so schwer ist es also gar nicht. Allerdings ging es schon an die Sub40 ASHLEY AAMES—Wir jeden Fall. Klar danke ich der Me2You-Crew bestehend aus Jano P, DJ Julez, Rollin G und MC Maso, die mit ihrem Einsatz einen erheblichen Anteil am Erfolg der »Riders on the Storm«-Veranstaltungen beitragen. Ich möchte ebenfalls danke sagen an: HANIX, Lausbub-Tattoo, die Data Bar, Subtil Bikes und nochmals an das Team des Mobilat. Und dann möchte ich noch einen Hinweis in eigener Sache loswerden: Die nächste »Riders on the Storm« mit dem Tarantinoesken Untertitel »Unchained« findet am 15. März im Mobilat statt. Mit dabei sind die berüchtigten Feiersäue von der SHG-Crew. Ich kann versprechen, dass am 15. März im Mobilat der Schweiß von der Decke tropfen wird. ASHLEY AAMES—Auf

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MUSIKKOFFER: PIERRE GATTINGER

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN ALLES KLAR TEXT: NICOLAI KÖPPEL FOTOS: FOTOLIA Ich erwache von dem Geräusch, das mein Kopf macht, als er auf der Tischplatte aufschlägt. Das Geräusch verhallt in der Küche. Ich lausche ihm hinterher, während der Schmerz nachlässt. Im ganzen Haus kein Laut. Was sagt die Uhr am Backofen? Kurz vor sieben Uhr morgens. Da schlafen entweder alle noch oder sind längst auf dem Weg zur Arbeit oder schon dort. Wahrscheinlich auch Esther. Man hört nämlich nix mehr. Die ganze Nacht lang hat Esther in der Wohnung über mir kein Ende gefunden, getrippelt, geraschelt, Stühle wurden gerückt, irgendwelche anderen Dinge auf dem Boden herumgeschoben, sie hat mit Geschirr geklappert und mysteriös vor sich hin geraschelt, nachts um zwei, drei, vier. Die Wohnung ist hellhörig. Um fünf hatte ich keine Lust mehr gehabt, mir vorzustellen, was sie denn wohl da oben trieb und mir einen Kaffee gemacht. Während der brühte, muss ich eingeschlafen sein. Und jetzt ist Ruhe. Dass Andi das mitmacht, Esthers Freund und ich glaube auch inzwischen Verlobter? Ich hatte ihn letzte Woche in der Kneipe gegenüber unseres Sechsfamilien-Mietshauses getroffen und er hatte sowas angedeutet. Diese jungen Paare von heute, echt: mitten im Referendariat (Esther studiert Grundschule) würde ich mir den Streß echt nicht geben mit Hochzeitsvorbereitungen und so. Weiß man doch. Andererseits: für manche Menschen ist Streß kein Streß, und Esther gehört vielleicht dazu, arbeitet die ganze Nacht durch und geht frühmorgens aus dem Haus. Na gut, denke ich, mach ich das eben auch, und gehe Brötchen holen. Eine Viertelstunde später stehe ich wieder vor dem Haus, da steht jetzt ein gar nicht mal so kleiner Kleintransporter mit laufendem Motor. Ich bleibe auf der anderen Straßenseite stehen und rauche meine Gutenmorgenzigarette an der frischen Luft fertig, als Esther aus dem Haus kommt und eine Kiste in den Kleintransporter lädt. Ich winke ihr freundlich zu, und sie bleibt starr stehen,als hätte ich sie bei was ertappt. Sie guckt sich um, wie obs es auch ja keiner sieht und winkt mich dann zu sich. »Morgen«, sage ich, »alles klar?« Sie schüttelt den Kopf. »Ich zieh aus«, sagt sie, »ich halt es nicht mehr aus!« Jetzt merke ich, dass wir uns kaum kennen, denn ich traue mich nicht, zu fragen, was mir als erstes einfällt, nämlich »Hältst was nicht mehr aus?«. Sie unterbricht meine Gedanken und sagt: »Die Dinge sind, wie sie sind. Aber weißt du was, komm doch bitte mal mit. Ich hab keine Zeit.« Ich komme mit, denn ich

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN habe welche. Wer die ganze Nacht lang seinen Nachbarn beim Wohnung einmal komplett von links nach rechts räumen zuhören kann, hat Zeit. Die Wohnung, die Esther und Andi über mir zusammen bewohnen, habe ich nie betreten, auch jetzt nicht. Denn das hier ist keine Wohnung mehr, in der irgendjemand mit jemand anderem zusammenlebt. Esther muss heute nacht eilig einen Karton nach dem anderen mit ihrem Zeug gefüllt haben. Ich sehe mich um und korrigiere: mit allem Zeug, das da mal war. Die Wände sind kahl, nur ein paar Nägel ragen noch raus. Überall trete ich auf zerknülltes Zeitungspapier zum Ausstopfen. Ich versucjhe, was diplomatisches zu sagen, aber mehr als »Krass« fällt mir nicht ein. »Du«, sie legt mir ihre Hand auf die Schulter, und mich durchschauert eine kleine Erotik ihrerseits, »Dich schickt echt der Himmel«, sagt sie, »hast du ein zwei Stunden Zeit? Andi ist bei ner Fortbildung, ganz kurzfristig über Nacht, aber er ist so etwa mittags wieder da, also heute mittag ist das, okay?« »Was ist der Plan?«, frage ich. »Super!« sagt sie und nimmt ihre Hand natürlich wieder weg. War ja klar. »Wenn er wieder hier ist, bin ich weg. Und das kommt alles mit. Keine Sorge, das ist alles meins. Bevor wir zusammengezogen sind, hat er bei seiner Mutter gewohnt. Echt eh … anderes Thema. Das Zeug gehört mir.« Esther führt mich ins ehemalige Wohnzimmer. Eine bis zur Unkenntlichkeit auseinandergeschraubte Zweiercouch, Kartons mit CDs und Büchern und die abgekabelte Anlage. Außerdem ein paar Pflanzen. »Hier«, sagt Esther, »vielleicht alles bis auf das Sofa zum Schluss. Am besten wäre … echt Scheiße, was ich hier von dir verlange, aber … der Kühlschrank zuerst?« Nach dem Kühlschrank (mit dem habe ich Glück, er geht mir nur bis zur Hüfte und ich kann ihn gut alleine umfassen) kommt die Couch. Mit der habe ich kein Glück, aber hey, es ist eben ne Couch, was will man machen. Die Dinge sind, wie sie sind. Daneben, dazwischen und obendrauf Kartons, Kartons, Kartons. Dass man Kartons zur Hälfte mit Klamotten, zur anderen mit schwerem Zeug füllt, davon hat Esther noch nie gehört. Immerhin bringt sie mir zwischendurch eins meiner Brötchen, mit Butter und Schinken geschmiert. »Das ist zwar strenggenommen dem Andi sein Schinken«, sagt sie, »aber ich glaube, darauf kommt’s jetzt echt nicht mehr an.« Um kurz nach elf bin ich total am Arsch. Jetzt kommen kleine Kommoden, Pflanzen und zwei Fahrräder. »Beide meine«, sagt sie, und ich nicke nur noch, ohne mich darum zu kümmer, ob sie sieht, dass ich nicke. Ich schaue auf die Uhr. Ich will fertig werden. Mein Körper ist es schon. Als ich auf dem Rückweg nach oben schon im ersten Stock eine Verschnaufpause einlege, kommt sie mir entgegen. »Ich glaube, wir haben’s fast«, sagt sie, »nur noch die Waschmaschine.« Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen altrömischen Gladiator, der zwei Tiger und drei Leoparden niedergerungen hat und aus allen Löchern blutet, und von oben aus dem Publikum ruft die Prinzessin kichernd nach den Löwen, weil die doch schließlich dazugehören, und der Gladiator denkt kraftlos: Stimmt. Das sehe ich ein. Was ist denn ein Gladiatorenkampf ohne … ne Waschmaschine? Ich trage den schlafenden AEG-Löwen aus dem Keller nach oben und höre mich gedankenverloren in Esthers Richtung sagen »Und womit wäscht der Andi jetzt?« Da funkelt sie mich an und ist ganz entrüstetr, dass sie jetzt so entrüstet tun muss. »Jetzt mach aber mal halblang. Auf wessen Seite stehst du eigentlich?«, und mir fällt glücklichwerweise ein, »bloß so, ich dachte, ich biet’s ihm an, kann er bei mir mitwaschen, bis er was Neues hat.« Sie funkelt weiter. »Da kennst du den Andi schlecht. Der lässt seine Mutter wieder die Wäsche machen, glaub mir. Gehst du schonmal wieder hoch, dann machen wir noch nen Kontrollgang, ich komm gleich«, sagt sie, und ich schleppe meinen Körper, der nur noch zu einem fähig ist, nämlich zur Empfindung von Muskelschmerz, die Treppe hoch. Aber die Tür im 4. Stock ist abgeschlossen. Von unten von der Straße höre ich den Motor des Transporters aufheulen. Ich hab sie noch nicht mal gefragt, wo sie hin will. Ich schätze, meine Brötchentüte hat sie auch mitgenommen. Mir tut jede Faser meines Körpers weh, und ich fürchte, mir sind heute vormittag sogar ein paar neue Fasern gewachsen, die jetzt auch erst mal fürs erste wehtun, sozusagen von Anfang an. So geschuftet habe ich noch nie in meinem Leben. Ich stolpere in meinem Wohnzimmer und lande auf dem Sofa. Auch gut, denke ich, und im nächsten Moment bin ich weggetreten.

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN Ich erwache von der Türklingel. Ich lausche ihr hinterher, während der allumfassende Schmerz in sämtlichen Muskeln wiederkommt. Was sagt die Uhr am Badezimmerspiegel? Halb ein Uhr mittags. Es ist mir scheißegal, wer da draußen ist, ich stehe nur auf, weil mich interessiert, ob es noch geht. Im Treppenhaus steht Andi. Er heult. Ich bin viel zu kaputt, um mich zu verstellen. Ich bin zu kaputt für eigentlich alles. Also sage ich »Hey. Alles klar?« Andi schnieft und sieht mich an. »Esther ist weg.« Und ich sehe ihn vor mir, allein in der leeren Wohnung, wie er fassungslos und vorsichtig, weil es so hallt, durch die kahlen Räume geht und einen Zettel sucht, den sie ihm ziemlich sicher gar nicht geschrieben hat, weil sie ja nicht mal mir erklärt hat, warum das alles. Und ich frage mich, ob er so ein Arsch ist, dass er das verdient hat. Und ich denke, wenn es einem passiert, hat man’s auch verdient. Ich bitte ihn rein und schenke ihm einen Schnaps ein. In den folgenden Minuten erzählt er mir quasi, was ich schon weiß, aber das ist ja auch schon was. Er ist total fertig. »Alles weg«, sagt er, »sie hat alles mitgenommen! Sie muss das geplant haben, schon ganz lange, das ist das Schlimmste, finde ich, ganz so momentan, weißt du, dieses Hinterrückse, ich meine, wie muss es ihr gehen, wenn sie sowas … sie ist doch so ne Zarte, Zerbrechliche irgendwie, du kennst sie ja.« Falsch, denke ich. Und er so weiter: »Ich mach mir ganz irre Sorgen, wo sie jetzt ist, ehrlich. Ich könnt mir vorstellen, sie weiß selber nicht, was sie … oh Gott, ich hoffe, es geht ihr gut. Wie die sich jetzt wohl fühlen muss!« Er putzt sich die Nase. Und wie ich da so ihm gegenüber sitze, in meiner unaufgeräumten, sozusagen im Chaos lebendig pulsierenden Wohnung, spüre ich wieder Kraft in mir. Kraft, einem Menschen zu helfen, der meine Hilfe braucht. Meine. Und zwar sofort. »Weißt du was?«, frage ich ihn, »ich mach mir keine Sorgen. Ich meine, die Esther, die weiß doch ziemlich genau, was sie will und was sie braucht. Und selbst wenn man mal davon ausgeht, dass sie’s gerade mal nicht weiß, kann man sich doch sicher sein, dass sie es sich instinktiv einfach nimmt. Oder?« Er hat noch das Taschentuch im Gesicht, als er mich ansieht. Nimmt es langsam runter und zieht die Nase hoch. »Wie jetzt?« »Komm schon, weiß du doch. Ich meine, man traut’s ihr nicht zu, aber sie hälts doch nicht alleine aus. Ich bin mir sicher, der geht’s gut. Wenn nicht jetzt, dann bald wieder. Sehr bald.« »Sorry«, sagt er, »ich kann dir nicht ganz folgen.« »Hör mal«, sage ich, »wir brauchen doch nicht um den heißen Brei herumreden. Als ich sie das erste Mal in so nem Club gesehen hab, dachte ich auch, verdammt, was macht die denn hier? Grundschullehrerin! Und dann hab ich ein bisschen zugesehen …. und da sieht man dann ganz gut, was die in so nem Club macht.« Andis Augen sind wieder trocken. Er sieht mich an. »Was für ein Club?« »Das war im … Lass mich nachdenken … Casa della luna«, sage ich, »oder Ricochet. An der B27 direkt ist das Fandango, find ich das beste, aber da geht sie nicht ja mehr hin, sagt sie. Sagt sie.« Andi ist fokussiert. Seine Augen funkeln. »Was sind das für Clubs?« Ich ziehe den Kopf ein wenig zurück, das wirkt erstaunt. »Swingerclubs«, sage ich, »jetzt komm! Ich meine, wenn du da nicht mitgehst, deine Sache, du weißt nicht, was dir entgeht, aber ….« Jetzt kommt das Meisterstück. Das sprachlose Verstehen. Meinerseits, versteht sich. Er ist noch nicht soweit. Er hat keine Ahnung. Er hatte keine Ahnung. Das verstehe ich jetzt. Oder jedenfalls tue ich so. »Scheiße, Mann«, sage ich, »du willst mir doch nicht erzählen, du weißt nicht, dass sie …« Andi hebt die Hände. Schweig, sagen die. Kein Wort mehr. »Sie ist ne Schlampe«, flüstert er. »Ne verdammte ekelhafte Schlampe!« »Alter«, sage ich, und ich weiß, dass ich ab jetzt entschieden zu weit gehe, aber das ist Teil des Plans. »du kannst mir echt nicht erzählen, dass sie bei dir nicht … ich meine, das gibt’s doch gar nicht.« Andi sieht aus dem Fenster. Die Mittagssonne brezelt herein. Er dreht mir den Kopf zu, aber er wagt es nicht, mich anzusehen. Doch, denke ich, komm schon. Wag es. Sieh mich an und was dann passiert. Deswegen sind wir hier.

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN »Und du«, sagt er, »du hast auch …« Er stockt. Ich muss auf sanft schalten. »Whouh«, sage ich leise, »jetzt komm mal runter, okay. Ich hab nichts gemacht, was sie nicht wollte und nichts, was sie nicht mit, tut mir leid, das ist jetzt einfach so, mit dutzenden anderen auch gemacht hat.« Andi steht auf und sieht mich finster an. »Wahrscheinlich sogar mit hunderten.« »Hey, ich meine, denk was du willst. Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Heutzutage gilt nicht mehr eine Moral für alle, solange man niemandem wehtut, weißt du? Die Dinge sind so, wie sie sind. Und von wegen hunderte: Ich würd mich ehrlich gesagt wundern, wenn sie da selber mitgezählt - « In diesem Moment trifft mich seine Faust, hart und überraschend spät, finde ich. Weil ich überhaupt keine Power mehr habe, um mich zu wehren, lasse ich ihn ein paarmal zuhauen, wie ich da so am Boden liege. Er versucht auch, mich zu treten, weil er das im Fernsehen gesehen hat, denke ich, aber er stolpert dabei. Ich merke, wie ich müde werde, als er sich über mich beugt. »Weißt du was, du … du verdammtes Schwein?« Süß, denke ich noch, er hört sich an wie die schlechte deutsche Synchro von nem Gangsterfilm. Aber dann geht’s weiter: »Ich dachte, ich geh kaputt, weil sie weg ist. Ich dachte kurz, ich bring mich um. Aber dann fiel mir ein, dass du auch hier wohnst, und dass du ein guter Typ bist, dachte ich. Weißt du, was ich geglaubt habe, ich Vollidiot? Dass du mich trösten würdest! Du mich trösten! Und weißt du, was du gemacht hast? Weißt du das?« Ich bewege den Kopf hin und her. Andi schreit mich an. »Du HAST mich getröstet! Dann ist sie eben weg! Soll sie doch! Mir doch egal! Ich hau auch ab hier! Ich geh zurück zu meiner Mutter! Sag ihr das ruhig, wenn du sie wieder mal … wenn du sie wieder mal siehst! Ich bin fertig mit ihr! Ganz fertig! Für immer!« Mit einer Eleganz, die ich ihm gar nicht mehr zugetraut hätte, dreht er sich auf dem Absatz um und geht, aus dem Wohnzimmer, durch den Flur, aus der Tür, ins Treppenhaus, treppab, und weg. Ich liege auf meinem heimelig verstaubten Teppich, mir tut immer noch alles weh. Ich greife mir ein Kissen vom Sofa und kuschle mich auf dem Boden zu einem schnurrenden Muskelkater zusammen. So ist es gut, denke ich, während ich einschlafe. Wäre doch echt nicht in Ordnung gewesen, nur einem von beiden zu helfen. Nicolai Köppel verbringt die Spätausläufer seiner Jugend in Heilbronn. Ein Band mit Kurzgeschichten (»Dänische Western«) und zwei Hörbücher sind bereits erschienen, sein Roman »Minne« folgt im Frühjahr. www.nicolaikoeppel.de

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M IT TAGST I SC H T E ST TEXT: ROBERT MUCHA & PHILIPP KIONKA FOTOS: MELI DIKTA & ROBERT MUCHA We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die smal w are n w ir b ei d en Geb r ü d e rn P fe ffe r im Fle is ch h aus in d e r He i lbronner Inne nst adt . Get es t et w u rd e n eb en d e m Ge s ch m ack auch d ie Ge s ch wind igkei t, di e Fre undl i c h ke i t d es Ser v ic e- Per s o n als , natürlich d e r Pre is und auch d ie indi vi duell en Eig e n h e i te n d er L o k a l i t ä t . Im Te s t h abe n wir uns für d as um g e k e h r te Schulnot e n -Syste m en t s c h ied en . Da s be d e ute t, d as s d ie 6,0 d ie Hö ch s tno te i st.

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DU ZHENJUN. BABEL WORLD 0 9.0 2 .–04.08.201 3 TEXT: ZKM KARLSRUHE / FOTOS: DU ZHENJUN Eine Ausstellung im ZKM | Medienmuseum Die Ausstellung am ZKM | Karlsruhe zeigt das neue Werk des Künstlers Du Zhenjun »Babel World«. Die großformatigen Fotografien bilden eine Serie von Stadtlandschaften, die die Welt zu neuen babylonischen Türmen assemblieren und Geschehnisse in Bildern entgegen unserer gewohnten Wahrnehmung verdichten. Der Turmbau von Babel gehört zu den ältesten und elementarsten Mythen der Menschheitsgeschichte. Der Natur des Mythos entsprechend bleibt offen, ob es sich dabei um ein Faktum oder um eine Fiktion handelt, um Vergangenheit oder Zukunft, um Bericht oder Prophezeiung. »Ich tendiere wie Du Zhenjun dazu, den Turmbau von Babel als Narrativ aufzufassen, das jedes Mal neu erfunden, jedes Mal neu erzählt und aktualisiert wird, um die Menschen vor gefährlichen Tendenzen der Gegenwart zu warnen. Der Turmbau von Babel ist also das Produkt eines Alarmsystems. Seinerzeit war es vielleicht der Kampf um den Monotheismus, im Zuge dessen die Vielfalt der Sprachen und Völker verdammt wurde. Es ist ein Verdienst von Du Zhenjun, den politischen Gehalt des religiösen Mythos aufgeklärt zu haben, indem er ihn profanisierte. Seine Türme von Babel sind nicht die Effekte plumper religiöser Propaganda wie in den Zeichnungen von William Blake oder in der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi, sondern im Gegenteil; sie zeigen die Türme von Babel als Panorama der sozialen Apokalypsen von heute. Du Zhenjun erhebt die Türme von Babylon aus dem Plunder der religiösen Propaganda und gibt ihnen die Dignität großer Kunstwerke indem er sie als das zeigt, was sie sind: Zivilisationskrisen. Alle Krisen und Katastrophen, die in der gegenwärtigen Welt eine Bedrohung für die Zukunft der Menschen darstellen, werden in seinen großformatigen und großartigen computer-assistierten Fotomontagen, die an die Bilder von Hieronymus Bosch erinnern, auf stupende Weise vor Augen geführt. Als ein Kompendium aller Horror-, Fantasy- und Science Fiction-Filme bilden sie einen Gegenpol zu deren infantilen Regressionen und bieten im

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KUNSTREGION: DU ZHENJUN. BABEL WORLD Gegensatz dazu Bilder des realen Inferno. Willkommen in der Wüste der Globalisation, könnte der zynische Titel dieser Fotografien sein.« (Peter Weibel) »Die erhabenen Türme von Babel, die Du Zhenjuns Imagination entstammen, erheben sich gleichsam wie eine Ankündigung kommender Ereignisse: der Horror in vollkommenster Schönheit. Diese Visionen kollidieren mit der Realität einer neuen Welt, die uns umgibt. Die Türme setzen einen scharfen Kontrapunkt zu unserer Wirklichkeit, verleihen ihr eine andere Wahrheit.« (Sacha Goldman) Der 1961 in Shanghai geborene Künstler Du Zhenjun studierte zunächst an dem Fine Arts College der Universität von Shanghai, China bevor er 1998 an der Regional School of Fine Arts in Rennes, Frankreich das Studium abschloss. Die Hinwendung zu Multimedia erfolgte bereits mit seinem Weggang aus China. Seitdem macht der heute in Paris lebende Künstler mit interaktiven Werken auf die individuellen wie gesellschaftlichen Bedingungen der von Turbokapitalismus und Globalisierung geprägten Welt aufmerksam. Frühe Arbeiten wie »Effacement«, »Dog Man« und »Injury« aber auch »Human Cage« und »Shark Man« stellen Versuche dar, das heutige Verständnis der Körpers und der Identität, die die moderne Gesellschaft geprägt haben, zu zeichnen. Auch wenn Du Zhenjuns Werke nicht selten von grausamen und gewalttätigen Aspekten bestimmt sind, so weisen Werke wie BABEL zugleich eine tiefe Sensibilität gegenüber der menschlichen Natur und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft und Zivilisation auf. Dabei folgt Du Zhenjun keiner Intention sondern wie er selbst sagt: »Only Feeling. That`s afraid, excited, fantasy, arrogant, crazy«. (Du Zhenjun)

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IM GESPRÄCH MIT TED BAUER »BEI JAMES GILL KAM VON DEN 6 000 000 DOLLAR AN KUNSTERLÖSEN FAST NICHTS AN« INTERVIEW: PHILIPP KIONKA FOTOS: ULLA KUEHNLE & PR Se i t l e tzt e m Ja h r ver t r i t t d er Heilbro nne r Te d Baue r d e n A m e rik ane r Ja mes Gil l , e i n e n d er a u ß er g e wö h n l ic h s te n und be d e ute nd s te n Po p-A r t-Kün stler unse re r Ze i t . Ein Ges p r ä c h ü b er Kuns tage nte n d ie vo m F B I ge s uch t werden, Na c h t-un d-Neb el - Ak t io n en u n d d e n Kuns tm ark t. Vo m 7 . Mä r z b i s 1 0 . Mä r z i s t Te d Baue r mit Jame s Gills Kunst übrige ns au f d e r Ar t K A RLS RUHE ve r tre te n.

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INTERVIEW DES MONATS: TED BAUER HANIX — Ted, erzähl uns bitte, wie kam es dazu, dass seit letztem Jahr in Böckingen ein internationaler Pop-Art-Kunstschatz verwaltet wird? Kunstagenten ermittelt. Wo er sich momentan aufhält, weiß niemand. Wir sind jedenfalls heilfroh, damals die Verhandlungen abgebrochen zu haben. HANIX — Wie kam es überhaupt dazu, dass Du dich entschieden hast, im Kunstmarkt tätig werden zu wollen? Und im Speziellen: Wieso vertrittst Du ausgerechnet James Gill, der als Künstler mehrere Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden war? dem Künstler James Gill sind wir seit 2007 in Kontakt. Wir haben ihn öfters in den USA besucht und waren dann auch mit seinem Management handelseinig, dass wir die Vertriebsrechte an seiner Kunst für ganz Europa bekommen. Kurz vor Vertragsabschluss mit dem Manager kam uns dann aber Etwas spanisch vor und wir haben die Finger davon gelassen. Mit James selbst sind wir aber weiter in Kontakt geblieben. Er hat es uns im Nachhinein auch hoch angerechnet, dass wir damals die Verhandlungen abgebrochen hatten, da er später von seinem Agenten über den Tisch gezogen wurde. HANIX — Kannst Du genauer erklären, was »über den Tisch gezogen« bedeutet? TED BAUER—Mit habe mich schon immer für Kunst interessiert. Das geht zurück bis in meine Schulzeit. Dieses Interesse ist über die Jahre nicht abgeklungen. Und wenn ich mir die Bilder von James anschaue, muss ich zugeben, dass sie mich berühren. HANIX — Nun sind seine Bilder hier in Heilbronn. Wurde die komplette Gill-Kunstsammlung über den großen Teich eingeflogen? TED BAUER—Ich Kunstagent hat damals inerhalb kurzer Zeit Kunst von James Gill für über sechs Millionen Dollar verkauft. Nur bei James kam davon fast nichts an. HANIX — War James Gill das einzige Opfer dieses Kunstagenten? TED BAUER—Dieser das hat mehrere Künstler, auch viele junge Talente, getroffen, deren Kunst ab 15 000 $ aufwärts verkauft wurde. Nun haben wir über Anwaltskontakte in den USA erfahren, dass das FBI gegen diesen TED BAUER—Nein, meisten Werke waren schon in Deutschland. Doch auch der Mensch, der James Gill vor uns in Deutschland vertreten hat, kam mit dem Gesetz in Konflikt und wurde eingesperrt. James scheint da ein unglückliches Händchen gehabt zu haben. Er ist of an die falschen Leute geraten und wurde falsch, sprich zu seinen Ungunsten, beraten. Die Bilder flossen schließlich in die Insolvenzmasse einer Firma. Wir haben dann mit dem Insolvenzverwalter verhandelt, die Kunst von James ausgelöst TED BAUER—Die

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INTERVIEW DES MONATS: TED BAUER VIDEOS: AUF YOUTUBE IST EINE INTERESSANTE DOKUMENTATION ÜBER DEN AUSSERGEWÖHNLICHEN POP-ART-KÜNSTLER JAMES GILL ZU FINDEN. und die Bilder in einer »Nacht-und-Nebel-Aktion« beim Insolvenzverwalter mit zwei Lastwagen abgeholt. Das war im Februar 2012. HANIX — War dem Insolvenzverwalter denn nicht bewusst, was er da hergibt? Wobei die Bilder, wenn ich das so sagen darf, »der Hammer« sind. Aber Insolvenzverwalter haben nicht immer Ahnung von Kunst. Hätten wir die Bilder nicht ausgelöst, wären die Bilder für ein »Appel und ein Ei« vom Insolvenzverwalter veräußert worden. Zuvor waren ich und mein Schwiegervater, ein US-Amerikaner, James in den USA besuchen, wo wir auch seine große Familie kennengelernt haben. James ist inzwischen mit seiner sechsten Frau verheiratet und hat viele Kinder (lacht). Um das Vertragswerk hat sich dann seine Frau gekümmert, weil ihn das nicht wirklich interessiert. Und nun vertreten wir ihn exklusiv in der EU, Russland und der Schweiz. HANIX — Für einen Normalsterblichen sind die Bilder von James Gill sicher nicht finanzierbar? TED BAUER—Nein! dit aufnehmen zu müssen. Wobei wir auch schon Kunden hier hatten, die sich ein Originalbild geleistet haben, da sie es als Kapitalanlage betrachten, deren Wertsteigerung vorprogrammiert ist. Die originalen Kunstwerke haben natürlich einen Preis, den sich nicht jeder leisten kann. Immerhin hängen Gill‘s Arbeiten unter anderem im Museum of Modern Art, dem MoMA in New York. James Gill zeigte seine Kunst in den 60ern zusammen mit anderen wichtigen Pop-Art-Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Edward Hopper. Er ist einer der anerkanntesten Pop-Art-Künstler unserer Zeit. Deshalb haben wir uns auch dazu entschieden, die Kunstdrucke herstellen zu lassen, um seine Werke nicht nur einem sehr betuchten Kreis anbieten zu können. HANIX — Von wievielen Motiven hast Du die Kunstdrucke anfertigen lassen? haben wir Kunstdrucke von sechs Motiven. Vier weitere wurden von uns in Auftrag gegeben. Das heißt also, dass wir 2013 insgesamt zehn Kunstdruck-Motive anbieten können. HANIX — Wo hängt Kunst von James Gill aktuell und wo soll seine Kunst in Zukunft ausgestellt werden? TED BAUER—Aktuell haben wir hochwertige, auf 80 Stück limitierte und handsignierte Serigrafien, also Kunstdrucke, von den Originalen beim renommierten Siebdrucker Hans-Peter Haas in Leinfelden-Echterdingen herstellen lassen. Diese Siebdrucke bewegen sich preislich zwischen 2000 € und 4000€. Deshalb ist es jetzt durchaus möglich sich einen Gill an die Wand zu hängen ohne einen Kre60 TED BAUER—Dafür schon erwähnt, hängt unter anderem sein Bild »Marilyn Triptych« seit 50 Jahren im New Yorker MoMA. In den großen Museen der USA ist er natürlich auch vertreten, wie beispielsweise im »Smithsonian American Art Museum« in Washington D.C. oder im Chica- TED BAUER—Wie

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INTERVIEW DES MONATS: TED BAUER goer »The Art Institute of Chicago«. In den letzten fünf Jahren hatte er in den USA zwischen fünf und 15 größere Ausstellungen pro Jahr. HANIX — Bist Du mit James Gills Kunst auch auf Kunstmessen vertreten? natürlich. Wir waren zum Beispiel schon auf der »Art International« in Zürich. Es war für uns auch eine schöne Bestätigung, dass wir so schnell auf renomierten Kunstmessen angenommen wurden, obwohl wir ja ganz frisch auf dem Kunstmarkt tätig sind. Aber dem Kurator hat die Kunst und auch der Künstler dermaßen gut gefallen, dass er uns unbedingt dabei haben wollte. Wir mussten uns nicht einmal bewerben und bekamen einen tollen Standplatz zugeteilt. HANIX — Wir gratulieren auch zum »Art-Net«-Eintrag. Was bewirkt solch eine Eintragung? TED BAUER—Ja internationale Kunstkataloge aufgenommen zu werden. Natürlich bekommt man auch einige Absagen. Alles in allem sind wir mit der Entwicklung aber sehr zufrieden, da es doch schneller ging, zum Beispiel auf renommierten Messen vertreten zu sein, als wir es vermuteten. Aber das ist dem Künstler und seinen Motiven geschuldet, das ist uns sehr bewusst. HANIX — Gibt es Intentionen James Gills Kunst auch in Heilbronn auszustellen? TED BAUER—Wir haben bei der Kunsthalle Vogelmann angefragt. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Mitarbeiter dort damals extrem überlastet waren. James war ja hier in Heilbronn und wir haben den Vorschlag gemacht, in dieser Zeit etwas hier in Heilbronn in der Kunsthalle Vogelmann zu machen. Es wäre ja auch kein Problem gewesen, Originale als Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Die EMail von uns wurde leider nie beantwortet. Wir sind aber nicht auf den regionalen Kunstmarkt hier in der Region fixiert, deshalb war das für uns kein Beinbruch. Wir sind diesbezüglich erwartungsfrei aber glücklich über jeden Austausch innerhalb der Stadt. Ich bin gebürtiger Heilbronner und es wäre aus meiner Sicht eine tolle Geschichte solch einen Pop-Art-Künstler mit diesem Renomme hier zu präsentieren. erhält dadurch internationale Beachtung. Wir bekamen dadurch Anfragen aus Großbritannien und dem asiatischen Raum. HANIX — Wie muss man sich das vorstellen, wenn man, wie Du, auf einmal einen Künstler wie James Gill vertritt und, banal gesprochen, dessen Kunst im Keller stehen hat. Wo und wie tut man kund, dass man einen solchen Kunstschatz zu vermarkten hat und wie schnell werden Menschen darauf aufmerksam? TED BAUER—Man gehört sehr viel Arbeit dazu. Wir sind mit Galerien in Kontakt getreten, haben uns bemüht in TED BAUER—Es

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JUGENDGEMEINDERAT Ein Besuch bei Heilbronns »Jungpolitikern« POPBÜRO Junge Bands bekommen Unterstützung bei ihren ersten Gehversuchen STADT- UND KREISJUGENDRING Ein Überblick über die Geschichte des regionalen Jugendverbandes

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JOSHUAS MEINUNG Joshua ist neun Jahre alt und findet Jugendliche so »geht so« DAS »OLGA« Ein Besuch im bekanntesten Jugendhaus der Stadt CROWD SURFING Björn Ewers begab sich mit seinem Fotoapparat mitten in eine feiernde Berliner Meute

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TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE »W ER N I C H T W Ä HLT, DARF S I C H N I C HT BE SCH W E R E N « Der Heilbronner Jugendgemeinderat ist kein machtloser Debattierklub. Die politisch engagierten Jugendlichen setzen ihre Ziele durch. So stehen 200 000 Euro mehr für die Sanierung von Spiel- und Bolzplätzen zur Verfügung.

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TITELTHEMA: JUGEND H A N I X — Wieso will man Jugendgemeinderat werden? Welche Motivation steckt dahinter, dass man sich als junger Mensch neben seiner knapp bemessenen Freizeit und den schulischen Verpflichtungen politisch engagieren will? Ich wollte Jugendgemeinderätin werden, weil ich Dinge, die im Interesse von Jugendlichen sind, umsetzen wollte. Ich war vor meinem Engagement hier im Jugendgemeinderat schon an meiner Schule als Schulsprecherin tätig. Doch wirklich viel bewirken konnte ich nicht. Ich habe mich schon immer gerne für andere eingesetzt. So kam auch mein Interesse am Jugendgemeinderat zustande. WENDY LEIFHEIT — H A N I X — Tritt man vor der Wahl zum Jugendgemeinderat mit einem richtigen Wahlprogramm an und hält, wie die erwachsenen Politiker, auch Wahlreden? kleinen Ratssaal statt. Wenn es gut läuft und wir uns im Großen und Ganzen einig sind dauern die Sitzungen zwei bis zweieinhalb Stunden. Einzelne Zusammentreffen hier im Rathaus können aber auch schon einmal länger dauern. Meistens ist es übrigens so, dass wir uns gegenseitig ausreden lassen (lacht). H A N I X — Und welche Themen besprecht ihr in den Jugendgemeinderatssitzungen? Wir hatten in der Experimenta eine Wahlveranstaltung. Jeder Jugendliche, der sich in den Gemeinderat wählen lassen wollte, kam dort hin. Die Kandidaten konnten dann dort entweder eine Wahlrede halten, was ich getan habe, oder an einer Podiumsdiskussion teilnehmen bei der man Rede und Antwort stehen musste. Viele Kandidaten haben an ihren Schulen auch für sich geworben und beispielsweise Plakate aufgehängt. Das musste dann natürlich mit der Schulleitung abgesprochen sein. In der Regel freut solch ein Engagement der Schüler die Schulleitung, so dass es für das Aufhängen meiner Wahlplakate auch sofort die Erlaubnis gab. J A KO B D O N G U S — H A N I X — Wie oft trefft ihr im Jugendgemeinderat zusammen und wie laufen eure Sitzungen dann in der Regel ab? Wird heftig debattiert? ABDULLAH CAM — Es ist ganz unterschiedlich. Oft haben wir auch Gäste aus dem Rathaus da, die uns bestimte Themengebiete näherbringen. Vor kurzem wurde uns zum Beispiel von Mitarbeitern hier aus dem Rathaus der Bildungsplan vorgestellt. Oder es kommen Schülergruppen, die uns über die Problematik des Straßen- und Verkehrsnetzes aus Schülersicht erklären und uns bitten, dass wir uns diesen Themen annehmen sollen. LEA MARINO — H A N I X — Wenn Mitarbeiter aus dem Rathaus euch in der Jugendgemeinderatssitzung besuchen wollen, um über Themen zu referieren, müssen sie doch hoffentlich fragen, ob sie kommen dürfen? Oder kommen Gäste ungefragt bei euch rein? Unsere Sitzungen finden meist im Die Jugendgemeinderatssitzungen sind in der Regel öffentlich. Zuhörerinnen und Zuhörer sind hierzu jederzeit willkommen. Themen, über die in der Sitzung referiert werden soll, werden in einer Vorbesprechung mit dem Vorstand des Jugendgemeinderats und der Geschäftsstelle festgelegt. Die Tagesordnung wird aufgestellt und danach genehmigt sie der Oberbürgermeister. In unserer Geschäftsordnung ist geregelt, dass spätestens drei Tage vor der Sitzung den Mitgliedern des Jugendgemeinderats die Tagesordnung schriftlich oder elektronisch ABDULLAH CAM —

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TITELTHEMA: JUGEND erreicht, dass die Radrouten im Bereich der Südstraße und der Oststraße im Rahmen der Schulwegsicherheit mit ins städtische Radwegekonzept aufgenommen werden. H A N I X — Wie oft sitzt ihr vom Jugendgemeinderat mit dem richtigen Gemeinderat zusammen? zugestellt werden soll. Die Tagesordnungen für die öffentlichen Sitzungen werden an den Bekanntmachungstafeln des Rathauses angeschlagen, den hiesigen Tageszeitungen mitgeteilt und sind im Internet auf unserer Homepage www. jugendgemeinderat-heilbronn.de abrufbar. H A N I X — Habt ihr das Gefühl, dass ihr und der gesamte Jugendgemeinderat vom Gemeinderat der Erwachsenen ernst genommen werdet? Ich denke schon, dass wir von den »Großen« ernst genommen werden. Es gab auch schon gemeinsame Ratssitzungen. Wir saßen in der Mitte und die Erwachsenen um uns herum. Bei dieser Sitzung wurde über den Ausbau und die Verbesserung der Fahrradwege diskutiert. Wir hatten auch das Recht etwas dazu zu sagen. S A M A N T H A F R E I TA G — H A N I X — Habt ihr denn auch etwas dazu gesagt oder saß der Jugendgemeinderat schweigend und staunend nur dabei ohne sich zu Wort zu melden? Diese Treffen sind standardmäßig und stehen sozusagen auf der Agenda. Jetzt muss ich trotzdem mal bei der Leiterin unserer Geschäftsstelle nachfragen. Frau Batora… C A RO L A B ATO R A — Den Jugendgemeinderat gibt es in Heilbronn seit 1989. Die Tradition, dass gemeinsame Sitzungen des Jugendgemeinderats mit dem Gemeinderat stattfinden ist allerdings noch nicht so alt. bisher fanden vier gemeinsame Sitzungen statt. In diesem Jahr findet die gemeinsame Sitzung voraussichtlich am 17. Oktober statt. Die Beteiligung der Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäte beschränkt sich nicht nur auf die gemeinsame Sitzung. Themenspezifisch kann der Jugendgemeinderat auch bei den üblichen Gemeinderatssitzungen und seinen Ausschüssen seine Anliegen vorbringen und Stellung nehmen, wovon er auch Gebrauch macht. Die Beteiligung von Jugendlichen bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, ist freiwillig, auch die Einrichtung eines Jugendgemeinderats. Der Jugendgemeinderat hat Anhörungs- und Vorschlagsrecht, darüber hinaus Beschlussrecht über das Budget des Jugendgemeinderats. Inzwischen ist das Verhältnis zwischen den beiden Gemeinderäten ganz gut gewachsen würde ich behaupten. J A KO B D O N G U S — H A N I X — Wieso hat es so lange gedauert, bis diese gemeinsamen Sitzungen des Jugendgemeinderates und des Gemeinderates Turnusmäßig stattfinden? C A RO L A B ATO R A — Wie es eben in der Politik so ist, wachsen und gedeihen die Dinge nicht im Eiltempo. H A N I X — Welche großen Themen stehen für das Jahr 2013 auf der Agenda des Jugendgemeinderates? Oder anders gefragt: Was sind eure großen Themen, die den Heilbronner Jugendlichen auf den Herzen liegen? Wir hatten einen Vortrag über die Fahrradrouten vorbereitet dafür auch über 1000 Schüler befragt. Es ging um die Verkehrssicherheit für Schüler, vor allem auf der Oststraße. Das Feedback des Gemeinderates auf unseren Vortrag war durchaus positiv und wir hatten S A M A N T H A F R E I TA G — Immer noch ist der Ausbau der Fahrradwege und die Verbesserung der Verkehrssicherheit ein J A KO B D O N G U S —

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TITELTHEMA: JUGEND großes Thema für uns. Wir haben auch vorgeschlagen, dass in den Bereichen der Oststraße und der Südstraße ein Fahrradweg integriert werden muss, da sich dort ziemlich viele Schulen befinden und dementsprechend viele Schülerinnen und Schüler mit dem Rad auf diesen stark befahrenen Straßen unterwegs sind. W E N D Y L E I F H E I T — Ein weiteres großes Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit den Schulen, beziehungsweise mit den SMV´s (die Red.: Schülermitverantwortung) zu verbessern, um den Dialog von Schülern und Politikern zu befördern. Auch sollen mehr Podiumsdiskussionen stattfinden und ein paar freizeitliche Veranstaltungen für Jugendliche wollen wir auch organisieren. S A M A N T H A F R E I TA G — Unser Ziel ist es einfach, den Jugendgemeinderat präsenter werden zu lassen. Viele Jugendliche wissen immer noch nicht, dass es uns gibt und das wir uns für die Belange von Jugendlichen in Heilbronn einsetzen. H A N I X — Wollt ihr alle bei der nächsten Wahl zum Jugendgemeinderat nochmals antreten und euch zur Wahl stellen lassen? zogen abgestimmt. H A N I X — Gehen denn Parteien auf euch zu und versuchen in irgendeiner Art und Weise Einfluss auf euch zu nehmen? Vielleicht auch um für die Partei und deren Standpunkt selbst zu werben? W E N D Y L E I F H E I T — Die verschiedenen Parteien wollen sich uns natürlich schon vorstellen. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass versucht wird uns vom Parteiprogramm zu überzeugen und uns ein Parteibuch zuzustecken. Wir hatten vor kurzem ein Treffen mit der FDP und ich hatte nicht das Gefühl, dass wir von der Partei überzeugt werden sollten oder das es die Intention der FDP-Mitglieder war, uns anzuwerben. H A N I X — Wobei die FDP als Spaßpartei ja ganz attraktiv für junge Menschen sein könnte… A B D U L L A H C A M — Subtil versuchen es die Parteien vielleicht doch, für sich zu werben. Das ist jedenfalls mein Eindruck. H A N I X — Was macht am meisten Spaß am Jugendgemeinderat-Dasein? Die anderen aus der Runde hier sind alle schon zu alt aber ich werde es nochmals versuchen. Zum einen macht es mir einfach Spaß, viel wichtiger ist aber, dass ich gemerkt habe, dass der Jugendgemeinderat doch etwas für die Jugendlichen bewirken kann. Unser Tun hat Auswirkungen, das ist schön zu sehen. LEA MARINO — H A N I X — Gibt es Mitglieder im Jugendgemeinderat, die auch schon Mitglied in einer Partei sind, beziehungsweise die in der Jugendorganisation von Parteien tätig sind? ABDULLAH CAM — Ich bin Mitglied der Jungen Union. Wenn man sieht, dass das eigene Wirken und sich für Dinge einsetzen Früchte trägt, macht mich das schon ein bisschen stolz und somit macht es auch Spaß. Ich habe wirklich den Eindruck, dass wir etwas bewirken können. A B D U L L A H C A M — Ein wichtiges Projekt war auch die Einführung von Heilbronner Nachtbussen durch einen der ersten Jugendgemeinderäte. C A RO L A B ATO R A — Der letzte Jugendgemeinderat hat z. B. auch durchbekommen, dass für die Sanierung von Bolz, Sport- und Spielplätzen für das Jahr 2012 insgesamt 200 000 Euro mehr zur Verfügung gestellt werden. S A M A N T H A F R E I TA G — H A N I X — Frau Batora, was genau ist eigentlich ihre Aufgabe den Jugendgemeinderat betreffend? H A N I X — Hast Du auch ein Angela-Merkel-Poster in deinem Zimmer hängen? Wieso engagierst Du dich ausgerechnet bei der Jungen Union, der Jugendabteilung der CDU? Mich hat es einfach interessiert, wie es in einer Partei so abläuft und bin deshalb eingetreten und Mitglied geworden. C A RO L A B ATO R A — Wir unterscheiden uns in diesem Punkt aber schon deutlich vom Gemeinderat, da wir hier im Jugendgemeinderat parteienunabhängig sind. Hier werden die Themen sachlich angegangen und auch themenbeABDULLAH CAM — Ich leite hier im Rathaus die Geschäftsstelle des Jugendgemeinderates und ich betreue den Jugendgemeinderat. Ich führe die jugendlichen Mitglieder an die Komunalpolitik heran und bin das Scharnier zwischen der Stadtverwaltung und dem jugendgemeinderat. C A RO L A B ATO R A — H A N I X — Haben Sie ein Parteibuch in der Tasche? Nein. Mein Anliegen liegt in der Nachhaltigkeit der Arbeit des Jugendgemeinderates und dafür brauche ich nicht Mitglied einer Partei zu sein. C A RO L A B ATO R A —

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TITELTHEMA: JUGEND H A N I X — Wer von euch kann sich vorstellen auch als Erwachsener politisch tätig zu sein. Abdullah, Du als Mitglied der Jungen Union ja mit Sicherheit. Oder liegen wir da falsch? Ich kann mir schon vorstellen mich als Erwachsener nebenher politisch zu engagieren. Momentan habe ich aber so viel mit der Schule zu tun, dass ich mir diesbezüglich noch keine konkreten weiterführenden Gedanken gemacht habe. J A KO B D O N G U S — Ich würde es mir für meine Zukunft schon wünschen, dass ich weiter politisch aktiv bleibe. Hauptberuflich politisch tätig zu sein kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber selbst wenn das nicht klappen sollte, möchte ich in Zukunft zumindest im kleinen Kreis politisch wirken. Das ich noch nicht Mitglied in einer Partei bin liegt am Zeitmangel. Aber einer Partei beizutreten das ist ein Ziel, das ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe. ABDULLAH CAM — H A N I X — Wieviel Zeit müsst ihr für den Jugendgemeinderat investieren? promissen suchen, um Dinge, wie beispielsweise Gesetze, in die Wege leiten zu können. Das ist Demokratie. Auch Parteien, die nicht in der Regierung sind können etwas bewirken. S A M A N T H A F R E I TA G — Wer nicht wählen geht, darf sich auch nicht beschweren, denke ich. Gar nichts tun oder nicht wählen, kann nicht die Lösung sein. H A N I X — Habt ihr auch schon Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach getroffen? Wenn etwas größeres bevorsteht muss man sicherliche mehrere Stunden investieren um gut vorbereitet zu sein. Wir haben verschiedene Arbeitskreise, die sich mindestens einmal im Monat treffen. WENDY LEIFHEIT — H A N I X — Wie ist die Resonanz eurer Freunde auf eure Tätigkeit im Jugendgemeinderat? Ist das eine coole Sache oder werdet ihr dafür gedisst? Bei der konstituierenden Sitzung im März 2012 führte er uns ins Ehrenamt ein. Bei der gemeinsamen Sitzung Gemeinderat/Jugendgemeinderat im Oktober hatten Herr OBM Himmelsbach und JGR Darius Bakhshi den Vorsitz. W E N D Y L E I F H E I T — Wir wurden im Juni 2012 in sein Amtszimmer eingeladen und haben uns unterhalten. Zur BUGA-Klausurtagung, woran auch der Oberbürgermeister teilgenommen hat, waren wir auch eingeladen. Im Anschluss an die Baustellenrundfahrt durfte ich mit ihm auf dem Volksfest auch schon ein Brathähnchen essen. HANIX — Stadt? Ist Heilbronn eine jugendfreundliche A B D U L L A H C A M — Ja. Ich würde sagen, dass sich Heilbronn gemacht hat. Auch wegen der Arbeit, die im Jugendgemeinderat geleistet wird. Es werden viele Projekte für Kinder und Jugend angeboten. LEA MARINO — H A N I X — Wie wendet man sich als Jugendlicher an euch, wenn einem ein Thema wichtig ist? J A KO B D O N G U S — Wir haben eine Facebook-Seite und eine Homepage unter www.jugendgemeinderat-heilbronn. de. Dort kann man uns auf digitalem Wege kontaktieren und uns sein Anliegen mitteilen. Wir wünschen uns hier deutlich mehr Input von der Heilbronner Jugend. W E N D Y L E I F H E I T — Der Bekanntheitsgrad des Jugendgemeinderats ist noch ausbaufähig. Manche trauen sich vielleicht auch nicht auf uns zuzukommen. Deshalb haben wir aber auch vor enger mit den SMV´s zusammen zu arbeiten. Einfach um uns als Anlaufstelle für Themen, die Jugendlichen wichtig sind, mehr ins Gedächtnis der Heilbronner Jugend zu rufen. Meine Freunde finden das sogar extrem cool. Viele würden das auch gerne machen, sind aber schon über 18 Jahre alt und somit zu alt für den Jugendgemeinderat. Die Vorstellung, dass wir ab und zu mit dem Bürgermeister zusammen sitzen, findet keiner doof. ABDULLAH CAM — H A N I X — Bekommt ihr etwas von einer Politikverdrossenheit bei der Jugend mit? Wobei diese Politikverdrossenheit etwas ist, das alle Altersstrukturen betrifft. Aber wie sieht es da bei der Jugend Heilbronns aus? Das hat viel mit dem Bildungsniveau zu tun und mit den Menschen, mit denen man sich umgibt. Je höher die Bildung, so mein Eindruck, desto eher ist man politisch interessiert und desto eher wählt man auch. J A KO B D O N G U S — Viele Erwachsene sind ja auch von der Politik gefrustet und spielen mit dem Gedanken, nicht mehr zu wählen. Mein Gegenargument ist, dass ja keine Partei in einem Parlament oder Gemeinderat alleine schalten und walten kann, wie sie möchte. Die Parteien müssen sich miteienander auseinandersetzen und dann nach KomABDULLAH CAM —

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TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE & CHRISTIAN SOMMER »WIR ÜBERNEHMEN EINE LOTSEN-FUNKTION« Di e Ein r ic h t u n g d es Stad t- und K re is j uge nd ring s unte rs tützt ju n g e a u s d er Reg i o n s tam m e nd e Band s und So lo k üns tle r. Da s Po p b ü ro b i et et Wo rk s h o ps an, bie te t k o s te ng üns tige Mö g l ic h k eit en To n s t ud io s zu nutze n und h ilft d e n j ung e n Mu s i k er n d a b ei , Au f tritts m ö g lich k e ite n zu e rh alte n.

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TITELTHEMA: JUGEND H A N I X — Daniel, das Popbüro ist ein Teil des Stadtund Kreisjugendrings Heilbronn. Seit wann gibt es das Pop-Büro in der Form, wie es jetzt existiert? In der jetzigen Form, mit einer hauptamtlichen Kraft gibt es uns seit 2010. Ursprünglich begann das Ganze als studentisches Projekt, das ich während meiner Praxisphasen eines dualen Studiums durchgeführt habe: 2007 haben wir ganz simpel ein Konzert mit vier Newcomer-Bands veranstaltet. Es kamen tatsächlich 160 Besucher in die »Zigarre«, was uns ziemlich geflasht hat. Das Witzige war dann, dass innerhalb einer Woche nach dem Konzert zig Anfragen von Bands bei uns aufliefen, die ebenfalls Auftrittsmöglichkeiten in Heilbronn suchten. Ich habe mich dann an meine Jugendzeit erinnert und einfach in einigen Heilbronner Jugendhäusern nachgefragt, ob die Möglichkeit für junge Bands besteht auch dort Konzerte zu spielen. Dabei kam dann heraus, dass es in den Häusern fast keine derartigen Veranstaltungen mehr gibt. DANIEL SCHÜTT — HANIX — Und wie kam es dann, dass aus dem erfolgreichen Testballon das Popbüro geworden ist? densten Themen für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Das fängt beim Gesangscoaching, Songwriting oder Poetry Slam Workshop an und geht über tontechnische Themen bis hin zu rechtlichen Fragen und Abläufen. H A N I X — Hast du dich, diese Themen betreffend, auch erst mal reinfinden und schlaumachen müssen oder kanntest du dich in diesen Bereichen schon vor dem ersten Konzert recht gut aus? D A N I E L S C H Ü T T — Im Prinzip ist das Feld so riesig und verändert sich stetig, dass man gar nicht alles wissen kann. Sicherlich eignet man sich mit der Zeit ein persönliches Fachwissen an, aber letztendlich ist es unmöglich als die viel zitierte Eier legende Wollmilchsau aufzutreten. Wir übernehmen eine wichtige Lotsenfunktion und können durch unsere Kontakte bei nahezu jedem Anliegen weiterhelfen. H A N I X — Kannst Du das etwas konkreter erklären? Als Jugendring haben wir die Verantwortung auf unerfüllte Bedürfnisse von Jugendlichen im Stadt- und Landkreis zu reagieren. Und zudem ist eine blühende Jugendkultur für ein Gemeinwesen auch enorm wertvoll. Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen diese Lücke zu füllen und das Popbüro in Heilbronn stepby-step zu professionalisieren. So kamen dann nach und nach immer mehr Angebote hinzu: von Seminaren und Workshops für Künstler und Kulturschaffende über immer vielfältigere Events bis hin zum gemeinnützigen Tonstudio oder der Beratung von jugendlichen Künstlern. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Sprich die jungen Musiker kamen mit konkreten Fragen oder Wünschen auf euch zu und ihr habt versucht, weiterzuhelfen? Das kann auf die Frage nach Auftrittsmöglichkeiten eine simple E-Mail mit Kontaktdaten zu regionalen Veranstaltern sein oder auf die Frage nach den wichtigsten Bandverträgen ein Seminar mit einem promovierten Medienrechtler, der auch Szenegrößen betreut. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Ist es schwer die Experten zu bekommen? Dank unserer Partner in BadenWürttemberg und persönlicher Kontakte verfügen wir über einen großen Expertenpool, was die Sache natürlich sehr vereinfacht. Das Tolle an diesen Experten ist zudem, dass sie meist auf irgendeine Weise persönlich und nicht nur beruflich mit Musik, Kunst und Kultur verbunden sind. Da geht es für die meisten nicht ums Geldverdienen, sondern um Herzblut und Starthilfe für junge Künstler, die sie meist selbst einmal waren. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Ein paar Angebote des Popbüros hast du ja schon erwähnt, kannst du uns aber trotzdem noch mal das gesamte Spektrum vorstellen? Genau. Nach einigen Konzerten kamen Bands, deren Mitglieder 15 bis 18 Jahre alt waren, völlig überrascht auf uns zu, da sich das Finanzamt bei ihnen erkundigt hat, was sie denn als Band in den letzten Jahren so verdient haben. Wir haben dann ein fünfstündiges Seminar in Heilbronn durchgeführt, bei dem wir mithilfe einer Steuerberaterin und nebenamtlichen Dozentin der Popakademie all diese Fragen klären konnten. Ähnlich wie nach dem ersten Konzert meldeten sich daraufhin immer mehr Jugendliche, die Fragen zu weiteren Themen hatten. Daraus entstanden weitere Seminare und Workshops. Mittlerweile gibt es ein breites Weiterbildungsangebot mit verschieDANIEL SCHÜTT — Neben dem Weiterbildungsangebot und der Lotsenfunktion im Rahmen der täglich besetzten Anlaufstelle unterstützen wir junge Künstler auch ganz praktisch mit Veranstaltungs-Equipment, Transportmitteln oder Proberäumen. Natürlich sind wir auch im Eventbereich aktiv und veranstalten regelmäßig Konzerte, Poetry Slams und andere jugendkulturelle Events. Zudem führen wir in Kooperation mit Jugendhäusern, Schulen und anderen Bildungsträgern Motivations- und Präventionsprojekte mit jugendkulturellem Schwerpunkt durch. Last, but not least ermöglichen wir Audio- und Videoproduktionen für junge Leute die eine Demo-CD aufnehmen oder ein MuDANIEL SCHÜTT —

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TITELTHEMA: JUGEND sikvideo produzieren wollen. Weniger Angebot als vielmehr Notwendigkeit ist es immer wieder die Qualitäten und Bedürfnisse der Jugendkultur in den Vordergrund zu stellen. Das geschieht durch öffentlichkeitswirksame Aktionen sowie die weniger sichtbare – wenn man will - Lobbyarbeit. H A N I X — Aber die Akzeptanz ist von Anfang eures Wirkens an da gewesen... So was muss sich entwickeln. Es ist schon so, dass vor allem das Spektrum der Anfragen im Laufe der Jahre immer größer wurde: Am Anfang standen in erster Linie die jugendlichen Künstler auf der Matte. Mittlerweile werden wir auch von unterschiedlichsten Institutionen als Ansprechpartner in jugendkulturellen Dingen wahrgenommen. Daraus entstehen dann die verschiedensten Kooperationen. Und das nimmt momentan enorm zu. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Euch ist es wichtig, dass ihr den jungen Künstlern zeigt, wie es geht, damit sie es danach selber umsetzen können und nicht jedes Mal mit denselben Fragen zum Popbüro rennen müssen. Ganz nach dem Motto: »Zeig einem hungrigen, wie man angelt und er wird sich danach selbst versorgen«. Richtig und das macht auch Sinn im Hinblick auf die Entwicklung der Szene. Unser Ansatz ist, dass wir den nötigen Rahmen und das Know-how bieten, die Jugendlichen aber nicht aus der Verantwortung nehDANIEL SCHÜTT — men. Das kann man am besten anhand der Problematik mit mangelnden Auftrittsmöglichkeiten in Heilbronn und Umgebung erklären: Da kommen junge Leute auf uns zu und suchen Auftritte. Dann sagen wir nicht: Na klar, kommt vorbei, wir kümmern uns um alles und ihr setzt euch ins gemachte Nest. Vielmehr bieten wir an mit uns zusammen ein zu Konzert organisieren und dabei Verantwortung zu übernehmen. In der Folge werden die Bands und interessierte junge Leute in die Organisation eingebunden und lernen die nötigen Schritte. So werden sie ein Stück weit selbst zum Veranstalter. Nicht selten organisieren diese Bands oder einzelne Bandmitglieder danach eigene Konzerte. Das schafft natürlich wieder Auftrittsgelegenheiten und so weiter. Und es zeigt, dass man für sein Engagement etwas bekommt. Gleiches spiegelt sich auch in anderen Angeboten wieder: Vom Workshop »An Auftritte kommen« lernt man die grundlegenden Strategien, im Workshop »Bandpromotion« wie man eine Bewerbungsmappe erstellt und dass dazu eine ansprechende Demo-CD gehört. Dann kann man sich im Workshop »Vom Proberaum ins Studio« auf die Aufnahmen vorbereiten, die technischen Grundlagen des »Recordings« oder »Mixdowns« in weiteren Workshops lernen und danach zu uns ins Studio kommen, um eine Demo zu jugendgerechten Preisen zu produzieren. H A N I X — Um ein Event zu veranstalten, braucht man

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TITELTHEMA: JUGEND Equipment, das meist teuer ist und von Jugendlichen kaum finanziert werden kann ... Das ist in der Tat problematisch und daher gibt es bei uns auch Equipment, das von Jugendlichen oder Organisationen ausgeliehen werden kann. Das kann ein einzelnes Mikrofon sein oder auch eine komplette PA-Anlage. Und wer das Ganze dann nicht transportieren kann oder einen Gig spielt und nicht mit 3 Pkw anfahren möchte, kann man auch noch einen 9-Sitzer Bus ausleihen. Wir treten mit unseren Angeboten übrigens nicht in Konkurrenz zu kommerziellen Anbietern, sondern ermöglichen nur was sonst am jugendlichen Geldbeutel scheitern würde. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Es gibt bei euch auch noch den von dir angesprochenen Bereich, in dem Projekte in Kooperation mit Jugendhäusern, Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt werden. Was kann man sich darunter konkret vorstellen? Das fing eigentlich alles im Jahr 2011 mit einem Pilot-Projekt an. Wir haben uns damals gefragt, was Popkultur noch leisten kann. Beim bisher Beschriebenen ging es ja immer um die Förderung DER Jugendkultur, die immens wichtig und nach wie vor Kernpunkt unserer Arbeit ist. Wenn man das Ganze aber umkehrt, dann ergibt sich zudem die Chance DURCH Jugendkultur zu fördern. Es gibt eine nicht zu unterschätzende Qualität über jugendkulturelle Mittler an Jugendliche heranzukommen, die augenscheinlich demotiviert sind und keine Perspektiven für sich sehen und daher gewisse Auffälligkeiten an den Tag legen. Hier haben wir dann 2011, in Kooperation mit dem staatlichen Schulamt Heilbronn, der Kompetenzagentur Heilbronn und dem Internationalen Bund ein Gewaltpräventionsprojekt für S-BVJ Klassen ins Leben gerufen, welches von der Heilbronner Bürgerstiftung finanziert wurde. Die Klasse war eine Woche bei uns und hatte die Aufgabe ein jugendkulturelles Statement zum Thema Gewalt zu gestalten. Am Ende Stand dieses Statement in Form eins Musikvideos mit selbst getexteten Raps, einer StreetdanceChoreographie und Graffiti-Wänden. Unter der Anleitung von Rappern, Graffiti-Künstlern und Streetdancern aus der Heilbronner Szene wurde eine Woche intensiv in Workshops an diesem Statement gefeilt, im Studio aufgenommen und an einem Tag das Video gedreht. Wir wollten den Jugendlichen die Möglichkeit geben sich kreativ zu äußern, anstatt sich destruktiv und demotiviert zu verhalten. Es war einfach Wahnsinn was die Schüler alles hinbekommen haben und auch was sich innerhalb der kurzen Zeit veränDANIEL SCHÜTT — dert hat: Bei einem Großteil hat man fast zuhören können, wie es Klick gemacht hat. Sie haben sich derart geöffnet, dass wir in Gesprächsrunden ernsthaft über Themen wie Respekt sprechen konnten und auch persönliche Probleme thematisieren konnten. Plötzlich waren Motivation und Selbstwertgefühl erkennbar und das hat sich dann auch auf den Schulalltag übertragen. Genau diese Erfahrung hat uns dazu bewegt, an dieser Art von Projekten dranzubleiben und den Piloten weiterzuentwickeln. Bis heute haben nun sechs weitere Projekte dieser Art mit unterschiedlichen Schwerpunkten stattgefunden und weitere sind für 2013 in Planung. H A N I X — Heilbronn ist wahrlich keine Konzertstadt. Woran liegt das deiner Meinung nach? Schaut man mal in andere Großstädte in Baden-Württemberg findet man etliche Klubs in denen ein regelmäßiges Live-Programm geboten wird. Da findet sich dann pro Stadt mindestens eine etwas größere und reine Konzert-Location, die meist mit öffentlichen DANIEL SCHÜTT —

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TITELTHEMA: JUGEND Geldern subventioniert ist und zudem viele kleinere Läden, in denen die Popkultur spürbar lebt. Zudem steuern dort die Jugendhäuser eine beträchtliche Anzahl an Konzerten bei. Und all das hat Heilbronn eben nicht bzw. nicht in dem Maße. Für die kommerziellen Betreiber dürfte Livemusik vor allem Aufwand und Kosten bedeuten und zudem ist sie ja auch längst kein Garant für ein volles Haus. Dann ist Musik aus der Dose halt die naheliegende oder manchmal auch die einzige Lösung. Und wenn du dann einen Laden hast, der einmal im Monat Livemusik macht, dann ist das halt auch keine Konzert-Location und dann etablierst du eben auch keine Live-Szene. So ist das bis auf wenige rühmliche Ausnahmen in Heilbronn. Was sich aber zum Positiven verändert hat, sind die temporären Konzertveranstaltungen, bei denen Junge Leute, Bands und Kulturvereine kleinere Locations in Beschlag nehmen oder Open Air Festivals im Sommer organisieren. Wir machen das ja auch seit Jahren, dass wir uns häufig irgendwo einmieten oder einmieten müssen, weil wir im Café Wilhelm kaum Platz haben. Und die Anzahl dieser Art von Konzerten ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ich glaube auch, dass wir an dieser Entwicklung einen gewissen Anteil haben. Nicht unbedingt wegen der vielleicht 20 Konzerte im Jahr, die wir selbst organisieren. Vielmehr weil wir auch die Veranstalter unterstützen, Klubbetreibern Live-Termine vorschlagen, Equipment zur Verfügung stellen, Bands und junge Leute zu eigenen Veranstaltungen anregen und damit einfach ein bisschen Bewegung in die Szene kommt. Was natürlich fehlt, ist ein etwas größeres Aushängeschild, das ein wöchentliches Live-Programm bietet und auch regelmäßig bekanntere Künstler nach Heilbronn bringt. H A N I X — Ihr veranstaltet auch alle zwei Monate Poetry Slams im Café Wilhelm... Mir kommt es manchmal so vor als ob Heilbronn auf den Poetry Slam gewartet hat. Das Ganze hat damals 2009 mit 30 Gästen angefangen, dann gab es einige Berichte, so auch in eurem Magazin und mittlerweile sind wir so weit dass wir teilweise Leute wieder nach Hause schicken müssen, weil der Raum total überfüllt ist. Im Mai letzten Jahres hatten wir beim Open Air Slam 500 Gäste. Wir versuchen jetzt gerade die Kapazität des Café Wilhelm durch einen Umbau zu erhöhen und die Slams irgendwann monatlich stattfinden zu lassen. DANIEL SCHÜTT — HANIX — Im Theater findet jetzt auch ein Slam statt. Habt ihr da auch was mit zu tun? Ein wenig schon. Bei dieser Veranstaltung handelte es sich ja aber auch um eine ganz spezielle Form des Slams, einen »Dead or Alive«-Slam. Was soviel bedeutet, dass lebende Poeten in einem Wettstreit gegen tote Dichter (vertreten von Schauspielern) antreten. So war die Veranstaltung im Theater schon ganz gut aufgehoben. Die »Dead or Alive«-Slams werden zudem generalstabsmäßig vom SWR organisiert und laufen dann in wechselnden Städten. Wir waren insofern beteiligt, dass wir dem SWR den Kontakt zu einem regionalen Poeten hergestellt haben und für ein Interview über den Heilbronner Slam zur Verfügung standen, das dann im SWR ausgestrahlt wurde. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Meinst du, dass Heilbronn jetzt aufgrund

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TITELTHEMA: JUGEND eurer Slams an der Reihe ist? Daniel Schütt — Um das zu beantworten, hätte ich bei den Absprachen zwischen SWR und Theater Mäuschen spielen müssen. Lass es mich mit einem jein beantworten. Wir hatten bei einem extrem stark besuchten Slam im Café vor einiger Zeit tatsächlich mal den SWR als Gast, die damals einen kurzen Beitrag gemacht haben. Vielleicht hatte das einen kleinen Einfluss auf die Entscheidung, dass dieses Mal Heilbronn an der Reihe war. Auch wenn das reine Spekulation ist, freut es mich tatsächlich sehr, dass der Poetry Slam in Heilbronn langsam salonfähig wird, was diese Kunstform zweifelsohne verdient hat. Da muss sich nur mal die Struktur unseres Publikums anschauen. Auf der Bühne stehen 17-18-jährige Leute und im Publikum sitzen 500 Menschen aller Schichten und aller Altersgruppen und lauschen andächtig. Ich glaube nicht, dass es ein besseres Forum gibt, um Gehör zu bekommen. Von daher werden wir auch weiter dran bleiben und 2013 versuchen die Anzahl der lokalen Poeten zu erhöhen. In Städten in denen ein Poetry Slam schon länger etabliert ist, gibt es sehr viele Locals und bei uns kannst du die an einer Hand abzählen. H A N I X — Und wie wollt ihr euch die lokalen Größen nun »heranzüchten«? Das hat ja scheinbar bisher nicht so richtig geklappt. berg innerhalb des Landesverbandes »Popbüros BadenWürttemberg e.V.« mit anderen Popbüros bzw. Pop-Förderorganisationen zusammen. Das bekannteste Beispiel im Projektbereich ist der Bandförderwettbewerb »Play Live« an dem alle Mitglieder der Popbüros aus Baden-Württemberg beteiligt sind. In politischer Hinsicht arbeiten wir im Landesverband auch an einer angemessenen Finanzierung von Popkulturförderung vor Ort. Leider fehlen dafür noch immer ernst zu nehmende Landes- und Bundesmittel. Aber auch im Alltag nutzt man natürlich das Netzwerk um landesweite Austauschgigs zu organisieren. So gab es letztes Jahr sogar einen kleinen Subventionstopf für Bands die in Heilbronn gespielt haben aber in anderen Regionen BadenWürttembergs beheimatet sind und andersherum. H A N I X — Wo bekommt ihr als Popbüro eure Kohle her? Hierzu unternehmen wir jetzt zwei Dinge: Zum einen haben wir eine Spende bekommen, um Workshops an zwei Schulen zum Thema Poetry Slam durchführen zu können, wobei wir zunächst in den gymnasialen Klassen anfangen. Das übrigens nicht weil Poetry Slam elitär wäre, sondern weil wir in Hauptschulen ja bereits viele Projekte mit dem artverwandten Rap. Mit diesem Projekt können wir im Frühjahr viele Schüler erreichen, und wenn dann auch nur ein Prozent dabei bleibt, haben wir hier auf einen Schlag mehr Locals als in den letzten vier Jahren zusammen. Dazu werden wir im September an einer Tour teilnehmen, bei der vier bekannte Poeten mit einem Wohnmobil durch Deutschland fahren und zeitgleich in mehreren Schulklassen Workshops anbieten. Zusätzlich gibt es da auch eine Abendveranstaltung, bei der die vier Poeten den Rahmen bilden und die mutigsten Teilnehmer aus den Workshops ihre Texte vortragen. Wenn ich beide erwähnten Projekte zusammenzähle, erreichen wir nur mit den Workshops in diesem Jahr 360 Schüler und da ist dann definitiv ein gewisses Potenzial vorhanden. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Steht ihr mit anderen Popbüros in Kontakt? DANIEL SCHÜTT — Dies ist nach wie vor ein schwieriges Thema, aber ich versuche es mal zu erklären wo wir gerade stehen: Angefangen hat ja alles als studentisches Projekt mit sehr vielen ehrenamtlichen Stunden. Nachdem der Bedarf an einer hauptamtlichen Verstetigung dieser Arbeit immer offensichtlicher wurde, haben wir für das Jahr 2010 Anträgen auf eine institutionelle Förderung des Popbüros durch die Stadt und den Landkreis Heilbronn gestellt. An dem Wochenende, auf dem wir in einer Klausurtagung beschlossen haben den Antrag zu stellen, sind zwei schreckliche Dinge passiert, Armin Veh war nicht mehr Trainer des VfB Stuttgart und die Wirtschaftskrise hatte so richtig Fahrt aufgenommen. Ersteres traf uns weniger hart, zweites führte dazu, dass unsere Anträge abgelehnt wurden. Seitdem versuchen wir durch Angebote und Projekte, unseren Ticketverkauf und die Bewirtung bei den Veranstaltungen, durch Teilnehmerbeiträge, Stiftungen, Sponsoren, Landesund Eigenmittel diesen Anschub zu finanzieren. Um das allerdings nachhaltig gestalten zu können, setzen wir auf eine kleinteilige Lösung zur Finanzierung: Mit dem einstimmigen Votum der Fraktionen des Heilbronner Gemeinderats erhalten wir seit 2013 einen weiteren kleinen Zuschuss für unsere Arbeit. Der Landkreis Heilbronn sah sich leider nach wie vor nicht in der Lage uns zu unterstützen. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Und wie viele Mitarbeiter hat das Popbüro? Als Anschub wird aktuell für das Popbüro eine 50%-Personalstelle finanziert. Da das Popbüro als jugendkulturelles Angebot des Jugendring im gleichen Büro verortet ist, ergeben sich natürlich Synergien. DANIEL SCHÜTT — H A N I X — Das heißt, dass ihr über jeden Cent, über jede ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunde froh Ja, wir arbeiten in Baden-Württem75

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TITELTHEMA: JUGEND seid. Wie kann man euch konkret unterstützen? Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, kann man uns natürlich durch Spenden finanziell unterstützen. So konnten wir uns im Jahr 2012 über einige private Spenden zur Förderung der Jugendkultur freuen. Man kann uns aber auch ganz praktisch zur Seite helfen: So hat beispielsweise die Firma E-Team aus Massenbachhausen in einer ehrenamtlichen Aktion die marode IT-Verkabelung erneuert. Die Firma BERA aus Schwäbisch Hall hat DANIEL SCHÜTT — in einer Azubi-Aktion geholfen, den Bandproberaum, den Tanzraum und die Küche des Café Wilhelm zu renovieren. Und die Firma Pflanzen Kölle hat uns ihre Verladehalle als Location für einen Streetdance-Videodreh zur Verfügung gestellt. Generell sind aber auch die ehrenamtlichen Helfer besonders bei Veranstaltungen wie dem Viel & Draußen Open Air, wie wohl in fast jedem Verein, die das Ganze am Laufen halten und wir freuen uns über jeden, der sich für die Jugendkultur Heilbronns engagiert. »Wir verlosen zusammen mit dem Popbüro Heilbronn-Franken fünf Sampler »Allez Heilbronn«. Einfach eine kurze Mail mit dem Betreff »Allez Heilbronn« SEITE 8 (Rückseite) SEITE 1 (Cover) an quiz@hanix-magazin.de schicken.

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www.facebook.com/memografie

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TEXT: STADT- UND KREISJUGENDRING FOTOS: ARCHIV DIE GESC H I C H T E DES STADT- U N D KREISJUGENDRINGS HEI LB RO N N

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TITELTHEMA: JUGEND Die Gesellschaft verändert sich fortwährend. Jugendverbände und andere Träger der Jugendarbeit müssen gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen und thematisieren. Der Stadt- und Kreisjugendring vernetzt die Beiträge seiner Mitglieder. In seinen Kontakten mit Politik und Verwaltung bringt er ein, wo in der Jugendarbeit der Schuh drückt. Bereits 1945 entwickeln sich direkt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs erste Initiativen für eine neue Jugendarbeit: in den Kommunen werden Jugendausschüsse gegründet, den gesellschaftlichen Organisationen wie Kirche, Vereine und Gewerkschaften kommt eine neue Bedeutung zu. Im amerikanisch besetzten Heilbronn sorgt das GYA Programm (German Youth Activities) der Amerikaner für zahlreiche Angebote. Hintergrund dieses Engagement ist das Ziel, Kinder und Jugendlichen zu einer freiheitlich demokratischen Grundhaltung zu erziehen - als Gegenentwurf zur NS-Erziehung und der im Krieg verbrachten Kindheit vieler Jugendlicher. Das GYA verfügt in Heilbronn über Räumlichkeiten, die von den Amerikanern 1955 mit dem Wunsch an die Heilbronner Stadtverwaltung übergeben werden, dass die Räume der deutschen Jugend zu Gute kommen. Aus dem Stadtjugendausschuss Heilbronn entsteht so 1952 der Stadt- und Kreisjugendring, ein freiwilliger Zusammenschluss unterschiedlicher Jugendorganisationen. Dank der Nutzungsmöglichkeit der ehemaligen Räumlichkeiten der Amerikaner hat der Stadt- und Kreisjugendring zum ersten Mal auch einen festen Stammsitz. Die Eintragung des Stadt- und Kreisjugendrings ins Vereinsregister erfolgt am 08. Februar 1962. Die Geschicke des Vereins werden seither von einem siebenköpfigen Vorstand geleitet. Die Aufgaben und Angebote des Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn sind zu dieser Zeit so vielseitig wie seine Mitgliedsverbände und -organisationen. Zusammenarbeit und Vernetzung über weltanschauliche Grenzen hinweg bestimmen unter dem Eindruck der Nachkriegszeit die inhaltliche Arbeit. 1979 bezieht der SKJR das Wilhelm-Waiblinger-Haus in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt. Die ehemalige Jugendherberge und spätere Zulassungsstelle dient von nun an als Treffpunkt für die Mitgliedsverbände und bietet Räume für Sitzungen und Veranstaltungen. In den wenigen vorhandenen Aufzeichnungen aus dieser Zeit finden sich Angebote und Aktionen wie Studienfahrten, Lehr-

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TITELTHEMA: JUGEND

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TITELTHEMA: JUGEND gänge und Bildungsangebote für die Mitgliedsverbände. Nachdem in den Jugendwohlfahrtsausschüssen von Stadt- und Landkreis Heilbronn 1983 positiv über Personalkostenzuschüsse für den SKJR entschieden wird, kann 1984 die erste hauptamtliche Kraft in Form eines Geschäftsführers eingesetzt werden. Das nun ständig besetzte Büro wird sowohl von Mitgliedsverbänden als auch von nicht-organisierten Jugendlichen und öffentlichen Einrichtungen als kompetente Anlaufstelle wahrgenommen und genutzt. In der Zeit zwischen 1985 und 1990 beschäftigt sich der SKJR mit Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Aids, Rechtsextremismus, gründet u. a. den AK Mädchen, den AK Jungen und den AK MuKuBi (für musisch-kulturelle Bildung). Delegierte des SKJR arbeiten in anderen Vereinen wie z.B. im Heilbronner Jugendhaus e.V. mit. Zusammen mit seinen Verbänden gestaltet der Stadt- und Kreisjugendring auch das Kulturprogramm des Neckarfestes (später Traubenblütenfest). Dieses Highlight des Jahresprogramms spiegelt nicht nur die enge Kooperation mit der Stadt Heilbronn wieder und bringt dem SKJR und seinen Verbänden Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit ein, sondern ermöglicht überhaupt erst mit den Erlösen aus dem Getränkeverkauf weitere kulturelle Angebote und Veranstaltungen. 1990 versiegt diese wichtige Einnahmequelle für jugendkulturelle Arbeit, da die Stadt Heilbronn den Getränkeverkauf selbst übernimmt. Infolgedessen muss der SKJR sein Kulturprogramm nicht nur während des Festes sondern auch im restlichen Jahr deutlich zurückfahren. Mit der Wende und dem politischen Umbruch liegt das Hauptaugenmerk des SKJR dann mehr und mehr auf der politischen Bildungsarbeit. So finden sich in den jährlichen Geschäftsberichten Studienfahrten nach Berlin und in die DDR, internationale Begegnungen, Politshows u.ä.. 1991 übernimmt der SKJR die Trägerschaft für die Kernzeitenbetreuung an vier Heilbronner Grundschulen. Der Grundstein für einen neuen Arbeitsbereich des SKJR ist gelegt. Dieser Bereich wird stetig ausgebaut, so dass der SKJR bis zum Jahr 2006 an allen Heilbronner Grundschulen im Stadtkreis Träger der Kernzeitbetreuungen ist. Im Zuge der Umstrukturierung der Schulkindbetreuung zur Ganztagsbetreuung nach dem »Heilbronner Weg« wird der SKJR an neun Heilbronner Grundschulen Träger dieser Betreuungsform. 2009 knüpft der SKJR an seine jugendkulturelle Vergangenheit an und gründet das Popbüro.

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TEXT: JOSHUA ILLUSTRATIONEN: JOSHUA JOSHUAS MEINUNG Unser neuer Kolumnist Joshua ist neun Jahre alt. Er schreibt diesmal über Jugendliche aus Kindersicht und hat beschlossen später einmal, wenn er selbst ein Jugendlicher sein wird, nicht so doof zu werden, wie so viele.

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TITELTHEMA: JUGEND Da hab ich mir mal Gedanken gemacht, zum neuen HANIX- Thema Jugend: Das hat ja was mit den Jugendlichen zu tun. Die sind ja sowas von bescheuert seltsam! Wenn ich nämlich mit meinem Freund Daniel auf dem Pausenhof rumlaufe, sagen die Großen zu uns meistens Ausdrücke. Deshalb find ich Jugendliche scheiße nicht gut. Die vertreiben sich mit Kinderärgern ihre Zeit oder meinen, sie können die Mädchen damit beeindrucken, weil sie die auf einmal toll finden. Vorher wollten sie nicht mal was mit Mädchen zu tun haben, als Fünft- oder Sechstklässler findet man die Mädchen ja noch voll doof und macht nur sein Zeug, später mögen die Jungs ja die Mädchen und wollen die dann mit Kinderquälerei beeindrucken. Dummerweise machen die Mädchen das dann sogar auch nach, ich schätz mal, das ist, damit die Jungs auf sie stehen. Das ist sowas von blöd! Wir sind jedenfalls nicht beeindruckt, wir finden das echt doooooof (mit sechs O´s!). Ok, zur Verteidigung der Jugend: Manche sind aber auch echt nett! Zum Beispiel bei der Weihnachtsfeier von meiner Klasse bei uns in der Elly-Heuss-KnappGrundschule, da waren nette Geschwister von Klassenkameraden dabei. Die waren o.k., weil sie uns nichts getan haben. Sie haben keine Scheiße keinen Mist gebaut sondern Tischtennis mit uns gespielt, das hat voll Spaß gemacht. Vielleicht sind die so, weil sie mit jüngeren Geschwistern aufgewachsen sind und eine Ahnung davon haben, wie man mit Kleineren umgeht. Oder aber, sie haben sich einfach nicht getraut uns zu quälen, weil sie Schiss vor den Lehrern hatten. Ich persönlich glaub noch an das Gute im Menschen und denk, es ist wegen den jüngeren Geschwistern. Mit den anderen Kleinen hat´s aber noch mehr Spaß gemacht auf der Feier, wir ha- ben so richtig coole Sachen zusammen gemacht. Wir sind eben alle noch gleich klein. (naja, »klein« sind wir nicht gerade, immerhin schon dritte Klasse, aber eben auch noch nicht fertig-groß.) In der Schule ist das echt oft, das man geärgert wird von denen aus der Jugend, auf dem Nachhause-Weg oder wenn die da so rumhängen auf dem Schulhof. Warum hängen die eigentlich immer so blöd rum und machen nichts Vernünftiges? Kein Wunder, wenn denen dann langweilig ist, und vor lauter Langeweile verfolgen sie uns und die Mädchen kriegen davon dann Herzchen in den Augen… Da frag ich mich auch, was die Mädchen daran so bezaubernd finden… Die werden ja wohl irgendwann vielleicht mal Mamas und ob die das dann noch so super finden, wenn IHRE Kinder so verfolgt werden von irgendwelchen Idioten. Ok, das ist ja in der Zukunft, daran denken die wahrscheinlich nicht oder können sich das gar nicht vorstellen. Dann frag ich mich nämlich auch: Wissen die Jugendlichen das nicht mehr, dass sie auch mal Kinder waren? So wie die Erwachsenen, die vergessen das ja auch dauernd, so wie viele andere Sachen, an die sie sich noch erinnern müssten, sowas wie was einzupacken für den Ausflug ans Meer. Das fehlt dann und dann stehen die da, zucken mit den Schultern und sagen: »Oh, naja, hab ich vergessen…« Aber wehe, ich vergess mal meine Hausis, das ist dann voll das Drama. Naja. Sind Jugendliche also auch schon so vergesslich wie Erwachsene oder einfach nur blöd? Echt gruselig, ich glaube nicht, dass ich besonders große Lust habe, größer zu werden… Wenn ich dann aber doch mal groß bin tue ich keiner Fliege was zuleide. Ich find die Großen haben kein Herz für uns Kleine. Aber ich hab ein reines Herz, darum werd ich später mit den Kleinen spielen und die Jugend in ein besseres Licht rücken. Dann spielen wir Tennis, Wolleball, Wii, PingPong…und…und… Bei Regen drinnen und bei Sonne draußen, vielleicht im Pfühlpark oder am Neckar, aber ohne reinfallen. Zurück zum Thema: Es ist ja eigentlich egal, wie alt man ist, woher man kommt und wie man aussieht. Es kommt auf das Verhalten an. Da müsste mal einer losgehen und den Jugendlichen das mal RICHTIG sagen, dass sie mal an ihrem Verhalten arbeiten müssen. Vielleicht wissen die das gar nicht. Vielleicht liest das hier einer und denkt: Super Idee, ich hab ja so viel Zeit, da lauf ich mal rum, schau wo Jugendliche rumhängen und sag denen, dass sie einfach mal ein bisschen an sich arbeiten sollen. Sonst nehm ich irgendwann den Werkzeugkasten vom Nachbarn und mach die Schrauben fest, die da locker sind. Dann hätt ich quasi die Welt gerettet. Cool!

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TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: LISA BÜRG » E T H N I S C H E P RO B L E M E E X I S T I E R E N H I E R Ü B E R H AU P T N I C H T «

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TITELTHEMA: JUGEND Das » Ol g a« i s t d a s b ek a n n t es t e Jug e nd h aus d e r Stad t. Se it 198 7 w i rd d o r t Ju g en d a r b ei t ge le is te t. Wir s prach e n d e n s te ll ve r tre t e n d en Ha u s l eit er Jü r ge n Ge h rig übe r d e n Auftrag d e r Ju g e n de i n r ic h t u n g u n d er f u hre n, d as s e s im » Olg a« täglich e i n e n l e c k eren Mit t a g s t i s c h für s ch lappe 2,50 Euro g ibt d e n w i r i n Kü r ze a u c h ein m a l t es te n we rd e n. H A N I X — Hallo Jürgen, zunächst einmal eine Frage zu deiner Person. Welche Funktion hast Du hier im Olga Jugend- und Familienzentrum? gendwie auch dem bayerischen Urvieh Strauß zu verdanken. Mit wie vielen Mitarbeitern wurde damals gestartet, wie viele gibt es heute und in welchen Bereichen sind diese tätig? Ich bin 45 Jahre alt, Diplomsozialpädagoge und seit 2005 im Olga-Jugend-und-Familienzentrum tätig. Ich bin hier stellvertretender Hausleiter. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Das »Olga« ist die bekannteste Jugendeinrichtung der Stadt. Seit wann gibt es das Olgazentrum in Heilbronn überhaupt? Das Zentrum wurde 1987 eröffnet. Ursprünglich war das hier ein Industriegebäude in dem die Heilbronner Maschinenfabrik, die Dampflokomotiven gebaut hat, saß. Die Lokomotiven wurden damals direkt von der Olgastraße zum Bahnhof gefahren. Die Fabrik zog dann ins Industriegebiet und es gab noch weitere und wechselnde Nutzungen des Gebäudes, so beispielsweise auch als Möbelhaus. In den 80er Jahren gab es dann, anlässlich eines Besuches von Franz Josef Strauß in Heilbronn, eine JugendDemonstration mit dem Anliegen, der Jugend ein Gebäude zur Verfügung zu stellen. Die Jugend hat das Medienaufkommen, das der Strauß-Besuch mit sich brachte für sich genutzt. Der damalige Oberbürgermeister hat dann damals entschieden etwas für die Jugend Heilbronns zu machen und so wurde das Olgazentrum ins Leben gerufen. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Dann hat es die Heilbronner Jugend ir- Das ist eine schwierige Frage, sicherlich waren es damals mehr Mitarbeiter als heute. Momentan arbeiten hier vier hauptamtliche Mitarbeiter, von denen einer Gesamtteamleiter ist, der aber noch für andere Jugendhäuser zuständig ist. Des weiteren beschäftigen wir einen Hausmeister, eine Verwaltungskraft und eine Köchin. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Wenn man hier am »Olga« vorbei läuft,wuselt und wimmelt es hier ständig. Wieviele Jugendliche werden hier betreut und bespaßt? Man kann sagen, dass sich in unseren Räumen zwischen 70 und 100 Jugendliche pro Tag aufhalten. Es gibt aber auch noch andere Nutzer des Zentrums, wie zum Beispiel den Internationalen Bund oder auch die Jugendwerkstätten, die die Halle für ihre Sportangebote nutzen. Wir nutzen die Räumlichkeiten ab 12 Uhr, beginnend mit einem Mittagstischangebot von 12 bis 14 Uhr für Schüler aus den verschiedenen Schulen der Umgebung, aber auch Anwohner sind herzlichst willkommen. Zu einem Preis von 2,50 Euro für Erwachsene und 1,25 Euro für Kinder gibt es dann die Mahlzeit. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Achtet ihr beim Essen auch auf ausgewogene

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TITELTHEMA: JUGEND Ernährung oder liegt die Priorität ganz klar bei der Bezahlbarkeit? Natürlich achten wir auch darauf, dass wir gesundes Essen anbieten. So ist zum Beispiel immer Salat dabei, aber es gibt auch die traditionellen schwäbischen Gerichte wie Linsen mit Spätzle. Ich möchte allerdings eines dazu sagen: unsere Köchin kocht sehr gut und immer frisch. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Was ist der vordergründige Auftrag des Olga Jugendund Familienzentrums? Gibt es den überhaupt? Da das Kinder- und Jugendhilfegesetz in Paragraf 11 die Aufgabe der Jugendlichen-Erziehung hin zur Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmtheit beschreibt, kann man dies durchaus als das ansehen, was in unserer täglichen Arbeit über allem steht. Hierzu gibt es spezielle Angebote, so dass die Jugendlichen ihre Persönlichkeit und Identität entwickeln können. Weitere wichtige Aufgaben sind die Themen Gewaltprävention und Suchtprävention wofür wir sportliche Angebote, wie Turniere in verschiedenen Sportarten, entwickelt haben und in unserer Halle ausüben. Hierzu arbeiten wir mit der Suchtkoordinatorin der Stadt Heilbronn, Frau Herrmann, mit der wir regelmäßig Veranstaltungen zu Alkohol-, Drogen- und Spielsucht organisieren, sehr gut und eng zusammen. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Gibt es weitere Angebote, neben dem sportlichen Bereich? Wir haben beispielsweise auch eine Töpferwerkstatt und bieten verschiedene Tanzkurse an. Tanzen ist im übrigen momentan sehr beliebt. So hat sich eine unserer Tanzgruppen zum Beispiel auf der letzten Heilbronner Kunstnacht präsentiert und viel Applaus geerntet. Seit Eröffnung des Hauses existiert auch eine Break-DanceGruppe, deren Mitglieder jetzt alle schon Mitte bis Ende 20 sind und die den Jüngeren ihr Wissen auch weitergeben. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Finden hier auch noch, wie früher, Konzerte oder Hip-Hop-Jams statt? Das Thema Hip Hop ist nach wie vor ein großes Thema, im gleichen Atemzug möchte ich hier noch unsere Grafitti-Gruppe nennen, denen wir hinterm Haus eine eigene Wand zum Sprühen zur Verfügung gestellt haben, was in Kooperation mit der Stadt sehr gut funktioniert hat. Konzerte können hier momentan leider nicht mehr stattfinden, da die Halle für Konzerte nicht mehr zugelassen ist. Es gibt aber immer mal wieder in unserem Disko-Raum Workshops zum Thema Musik und Hip J Ü RG E N G E H R I G —

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TITELTHEMA: JUGEND Hop, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit WortSport. H A N I X — Ab welchem Alter ist man alt genug, um eure Angebote sinnvoll nutzen zu können. Ihr seid ja ein Jugend- und Familienzentrum. Für Kinder ist das Programm hier also nicht ausgerichtet, oder? Ab einem Alter von 12 Jahren macht es Sinn an unserem Programm teilzunehmen. Nach oben ist uns prinzipiell keine Grenze gesetzt. Das heißt also, dass auch Über-20-Jährige gern ins Olgazentrum kommen. Es gibt aber zum Beispiel immer freitags auch schon SportSchnupperangebote für Acht-Jährige. Im Zuge unserer Entwicklung vom Jugend- hin zum Jugend-und-Familienzentrum haben wir unsere Angebote natürlich auch erweitert, so gibt es beispielsweise eine Förderung für Kinder im Kindergartenalter. Hier arbeiten wir sehr eng mit den Kindergärten der Umgebung zusammen. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Gibt es viele deutsche Jugendliche hier? das Jugendzentrum in Böckingen ist vielen Bürgern ein Begriff. H A N I X — Wie wird die Arbeit hier finanziert? Es sind circa 85% ausländische und 15% deutsche Jugendliche im Olgazentrum. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Und wie ist dann das Nationalitäten-Verhältnis bei den ausländischen Jugendlichen? Die Mehrzahl der Jugendlichen sind Türken und Kurden. Früher war auch der Anteil an russischen Jugendlichen sehr hoch, der hat allerdings stark abgenommen. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Sind denn auch die deutschen Jugendlichen gut integriert? Das kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Irgendwelche ethnischen Probleme existieren hier überhaupt nicht. Natürlich gibt es, wie überall, auch Konflikte, da wir aber einen sehr guten Kontakt mit unseren Jugendlichen haben, werden die meisten Konflikte schon im Vorfeld gelöst. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Ist Heilbronn aus deiner Sicht eine jugendfreundliche Stadt? Das Olgazentrum wird komplett von der Stadt finanziert, etwaige andere Möglichkeiten wie Spenden oder Stiftungsgelder dürfen wir nicht annehmen. Wir versuchen aber auch immer die Jugendlichen in unsere und somit auch ihre Arbeit einzubeziehen, was natürlich uns aber auch den Jugendlichen zu Gute kommt. Des weiteren gibt es ein paar ehrenamtliche Helfer, die uns sehr gut unterstützen. Es könnten allerdings mehr sein und somit ist auch bei uns immer Luft nach oben. Wir bekommen aber auch Unterstützung, meistens in Form von Workshops, von den im Haus ansässigen Vereinen, wie zum Beispiel der Aikido-Gruppe, dem Deutsch-Ukrainischen Schachverein und dem Deutsch-Afrikanischen Verein. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Hier tummeln sich, wie schon angesprochen, sehr viele Kids. Kennst du von allen Jugendlichen die hier einkehren auch die Vornamen? Ich denke schon das Heilbronn jugendfreundlich ist, was man schon allein an der Zahl der Jugendeinrichtungen sehen kann. Aber auch andere Dinge, wie zum Beispiel der Jugendgemeinderat, der sehr ernst genommen wird und dessen Ideen größtenteils auch gehört und umgesetzt werden, sind tolle Einrichtungen. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Das Olgazentrum ist aber schon das bekannteste Jugendhaus in Heilbronn... Ich kann nicht sagen dass ich die Vornamen von allen kenne, aber von den meisten schon. Wenn ich allerdings mal im Sommerurlaub war und wieder zurückkommen, habe ich zugegebenermaßen die Hälfte der Namen vergessen. Es ist aber schon ein Teil meines Jobs, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, denn nur so kommt man auch an die Menschen ran und kann intensive Gespräche mit ihnen führen. Deshalb muss ich die meisten Namen auch parat haben. J Ü RG E N G E H R I G — H A N I X — Gibt es für dieses Jahr größere geplante Projekte auf die ihr schon alle hinblickt? Das kann man wohl sagen, es gibt aber zum Beispiel im sogenannten »Hawai-Viertel« auch noch das relativ bekannte Zentrum »Augärtle« aber auch J Ü RG E N G E H R I G — Die Basketballgruppe unseres Hauses möchte in diesem Jahr ein Mitternachtsturnier veranstalten. Dann wollen wir, zusammen mit unseren Besuchern J Ü RG E N G E H R I G —

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TITELTHEMA: JUGEND und ansässigen Vereinen, den Spielplatz des Kaiser-Friedrich-Platzes renovieren beziehungsweise etwas schöner gestalten. Ein Projekt dieser Art, an dem so ziemlich der gesamte Stadtteil beteiligt sein soll, ist natürlich etwas außergewöhnliches und letztendlich soll es dann soweit gehen, dass zum Beispiel Beet-Patenschaften übernommen werden. H A N I X — Zählt zu euren Angeboten auch das Thema Medienkompetenz oder ist so etwas zumindest geplant? gelegt sind und was ich als Jugendlicher von mir preisgebe. H A N I X — Hier ist, wie vorhin erwähnt, ein großer Teil der Jugendlichen nicht deutsch, was leider manchmal medial als eher negativ eingestuft wird. Wie ist denn hier deiner Meinung nach die anerzogene Grundausstattung der Jugendlichen was Benehmen, Höflichkeit oder Respekt angeht? Wir haben hier unser sogenanntes Jugend-Medienzentrum, welches aus vier PC´s mit Internetanschluss besteht. Hier wird alles gemacht, was eben Jugendliche heutzutage so am PC machen. So sind beispielsweise die Plattformen YouTube und Facebook sehr wichtige Themen. Wir setzen uns gemeinsam mit den Jugendlichen hin und sprechen selbstverständlich auch über die Gefahren der heutigen Möglichkeiten im Bereich der neuen Medien. Einer unserer Aufträge ist ja auch, die Jugendlichen aufs Berufsleben vorzubereiten und dazu gehört nun mal auch, genau zu überlegen, wie irgendwelche Internetprofile anJ Ü RG E N G E H R I G — Grundsätzlich muss man mal sagen, dass auch die ausländischen Jugendlichen von zu Hause aus Respekt und Anstand mitbekommen und es hier keinerlei Unterschiede zu den deutschen Jugendlichen gibt. Was den Bildungsstand angeht ist mir aufgefallen, dass viele ausländische Jugendliche auf dem zweiten Bildungsweg beispielsweise ihren Realschulabschluss oder ihre Fachhochschulreife nachholen. So wird unser Jugendmedienzentrum nicht nur zum Chatten oder Ähnlichem genutzt, sondern auch dazu Referate vorzubereiten, Präsentationen zu erstellen, Bewerbungen zu schreiben und so weiter. Ich kann mit einem gewissen Stolz sagen, dass auch unsere Arbeit einen gewissen Anteil am hohen Grad der Bildungswünsche unserer Jugendlichen hat. J Ü RG E N G E H R I G —

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C ROW D S U R F I N G

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SPIEGELREFLEX: BJÖRN EWERS - CROWD SURFING » Di e Id ee z u d e n Bild e rn k am m ir, als ich d urch d i e Stra ßen vo n Ne w Yo rk lie f« , be rich te t d e r He ilbro nne r Bj örn Ewers, d er s ei t el f Jah re n in Be rlin le bt, d e m Fo to -Blo g » kwer f eldei n. d e« w ie er z ur Se rie k am . Das Lich te rs pie l zwis ch en den Ne w Yo rk er Wo l k e nk ratze rn fas zinie r te Ewe rs : » We nn ma n si ch da s L i c ht d o r t a ns ch aut, s e h e n Straße ne ck e n o ft k üns tli ch beleucht et a u s . Da s k o m m t d ah e r, d as s d as So nne nlich t s elbst a uch ü b er d i e ver spie g e lte n Häus e r fas s ad e n d ie Fus s gänger beleucht et . Dies e Be le uch tung wo llte ich ge rn k üns tlich herstellen u n d ein e A r t Stud io lich t übe r e ine Me ns ch e ng r uppe stülp en.« Um d i es e Id ee d ann s ch lus s e nd lich in d ie Tat um zusetzen, en g a g i er t e d e r inzwis ch e n s e lbs tänd ig e Fo to graf fü r sei n Vorha b en d rei A s s is te nte n, d ie s ich m it j e we ils e ine m Bli tzkop f u n d Bl i t z g ene rato r im Ge päck d urch d ie fe ie rnd e Meute be wegt en . Au s g el ös t wurd e n d ie e inze lne n Blitzk ö pfe über Funk. B j ö r n Ewer s h at ne be n d e r k las s is ch e n Fo to grafe nausbi ldung a u c h Zei c hen trick anim atio n s tud ie r t. Nach s e ine m Studi um ha t Ewer s d re i Jah re als A r t Dire cto r be i Sch o lz & Fri ends g ea r b ei t et u nd We rbe k am pagne n e ntwick e lt. Se ine f ormi da blen Bi l d er f in d et m an h ie r: h ttp ://studio314.de . Den g a n zen Be rich t übe r s e in Sh o o ting k ann m an hi er na chl es en : h t t p : / / k we r f e lde in.de /2012/10/05/bj or n-e we rs-crowd-su r fing /

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TEXT: RAFAELA JECKLE FOTO: PRIVAT LASST DER JUGEND MEHR RAUM! Die ersten Jahre der Jugend spiegeln ein Paradoxon wieder. So ist es in Brasilien und sicherlich geht es den Jugendlichen aus Deutschland und Heilbronn ähnlich. Man ist einfach zu alt, um ein Kind zu sein und das Leben weiter als Spiel zu genießen und zu Jung um erwachsen zu sein und das alleinige Recht zu haben über sein Leben zu entscheiden. In dieser Phase bilden die zukünftigen Erwaschenen ihre Persönlichkeit und zur gleichen Zeit die Gesellschaft in der wir morgen leben werden. Überall auf der ganzen Welt weiß man, dass die Jugend die Zukunft einer Nation ist. In Brasilien wurde eine junge Generation noch nie so gelobt wie momentan und noch nie wurde soviel Hoffnung in die Jugend gesetzt. Ob in der Musik, in Filmen und der Werbung: Jugend wird übersetzt als Energie, Kraft, Schönheit und Ästhetik. Die Gesellschaft scheint irgendwie »verjungt«, man sieht in den Medien fast immer nur junge Leute und die meisten neuen Produkte sind für die Jugend gemacht. Aber gleichzeitig wird die brasilianische Jugend leider noch nicht als Subjekt mit eigenen Rechten gesehen. Sie ist nicht im Fokus der öffentlichen Politik, die der Jugend den Zugang zu materiellen und kulturellen Gütern gewährleisten müsste. Früher, in den siebziger Jahren, war die Jugend nicht ein so gefeiertes Thema wie heute, aber dafür hatte sie eine Stimme und ihre Stimme war wirklich deutlich zu hören in Brasilien. Es ist nicht das Wichtigste, dass die Jugend auf den Magazin-Covern zu sehen ist, sondern dass Sie in den Magazinen schreiben darf? Wo ist sie geblieben, die Woodstock-Jugend? Die Jugend die kämpf-

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TITELTHEMA: JUGEND te gegen die Militärdiktatur in Brasilien, die auf die Straße ging, um für ihre Rechte zu kämpfen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die heutigen Erwachsenen von ihren Kindern erwarten, dass sie funktionieren und friedliche, normale und integrierte jungen Menschen werden. Aber um das alles zu schaffen und die Welt zu einem besseren Platz zu machen, alles korrekt zu machen, sollte man zunächst das Recht haben Fehler zu machen, man sollte ein bisschen mehr Träumen dürfen und die Erwachsenen auf deren Fehler aufmerksam machen. Und die Jugend sollte im Umkehrschluss von den Erwachsenen gehört und ernst genommen werden. Mein erster Rat an alle Jugendlichen lautet: Macht was euch Spaß macht, was euch Freude gibt und was andere Menschen fröhlich macht. Denn nur so kann man Erfolg haben. Man sollte der Jugend Freiraum geben um eigenständig zu denken und zu entscheiden. Mein zweiter Rat würde lauten: Egal was ihr macht, ihr müsst dafür die Verantwortung tragen. Tut nichts, dass ihr nicht guten Gewissens leisten könnt. Ich denke, in einer Gesellschaft in der Eltern ihren Kindern gegenüber freundschaftlich und voller Respekt ein warmes Zuhause anbieten, wo die Fähigkeit zu denken und zu träumen gepflegt wird, gäbe es weniger Risiken von Amokläufen dafür weit größere Chancen, dass die Jugendlichen die Welt durch friedliche, kulturelle Umwälzungen zum Besseren verändern könnten. Leider wird alle Energie, die für konstruktive Zwecke verwendet werden könnte und die Gesellschaft zum Vorteil für alle revolutionieren wür105 de, vom Establishment umgelenkt, so dass die Menschen weltweit mit sozialen Verwerfungen beschäftigt sind und Neid und Missgunst wachsen. Jugendliche drehen durch und bringen sogar Mitschüler um, denn dies scheint der einzige Weg für sie zu sein, Beachtung zu erlangen. Eine Gesellschaft, in der man sich schämen muss von Liebe, Glaube, Träumen und Revolution zu sprechen, kann nur eine apathische Jugend mit einigen unruhigen Amokläufern ernten. Diese Entwicklung liegt meiner Ansicht nach im Mangel an Grenzen, der Illusion, dass alles zu kaufen ist in diesem ausufernden Konsumismus, in Handlungen von Gewalt oder übermäßigem Konsum von Drogen. Ich glaube, dass jede Art von Erfahrung ein Teil der Jugend und der menschlichen Entwicklung ist, aber man sollte nicht in eine parallele Welt tauchen, um der Realität zu entfliehen. In diesem Prozess, voll von Entdeckungen, Emotionen, Konflikten und Ambivalenzen stellt der junge Mensch sich die Frage nach der eigenen Identität: »Wer bin ich?« Deswegen noch einmal, die Jugend ist irgendwie ein Spiegel von allem was es in der jeweiligen Gegenwart gibt. Und manchmal handelt die Jugend genau gegenteilig zu den Handlungen der Eltern - nur um die eigene Identität zu beweisen. Deswegen denke ich, dass Eltern ihre Kindern früh ermutigen sollten, selbst zu entscheiden. Wir Erwachsenen dürfen nicht zulassen, dass die Jugend ihre Ideale verliert. Wir Erwachsenen müssen jungen Menschen die Freiheit lassen, ihren eigenen Weg zu gehen und eigene Erfahrungen zu machen.

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QUIZ DICH GL Ü C KLICH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº15 FRAGE: WO FINDET DAS ALBUM-RELEASE-KONZERT DER HEILBRONNER BAND »BLUE VEIINS« AM 22. FEBRUAR STATT? DIE »BLUE VEIINS« WOLLEN IN DIESEM JAHR MIT IHREM INDIE-POPROCK-SOUND RICHTIG DURCHSTARTEN. NICHT NUR, DASS IHR ERSTES ALBUM »222« IM FEBRUAR ERSCHEINEN WIRD. ES FOLGT AUCH EINE GRÖSSERE DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH-ITALIEN-TOUR IM NEUNSITZERBUS FÜR DIE HEILBRONNER BAND. FOLIENHELD KARLSRUHE BLUE VEIINS ESSZIMMER HORKHEIM 50€-Gutschein 5 x VIP-Ticket 3 x CD 50€-Gutschein Der Folienheld beklebt und foliert nicht nur Schaufenster und Autoscheiben sondern produziert auch schicke Wandsticker zum verschönern der eigenen vier Wände. Wir verlosen einen 50€-Gutschein. Die Art KARLSRUHE feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Dieser ganz besondere Kunstmarkt hat sich in der Zeit erfolgreich seinen Platz in den internationalen Messekalendern erarbeitet. Wir verlosen fünf VIP-Tickets. Bevor die »Blue Veiins« richtig erfolgreich und berühmt werden, haben wir für euch noch drei signierte CDs ihres Debütalbums »222« gesichert. Zu hören gibt es auf dem Album Indie-PopRock vom Feinsten. Monika Hinderer kocht leidenschaftlich gerne. Das schmeckt man auch, wenn man ihre Menüs im Esszimmer genießt. Wir verlosen einen Menü-Gutschein im Wert von 50 € für die Feinschmecker unter euch. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: SUPERBAND EINSENDESCHLUSS IST DER 23. FEBRUAR 2013. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: AXEL VORNAM

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L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF VON WERNER NIEDERMEIER TON: PHILIPP SEITZ; GELESEN VON PHILIPP KIONKA STECKBRIEF N a m e : We r n e r N i ed er m ei er Al ter : 42 J a h re Be r u f : To n t e ch n i ke r & Mu si kp ro d u zen t i n L o n d o n sei t: 2003 L i e b l i n g s o r t i n L o n do n : Ri ch m o n d Fr ü h e re r Wo h n o r t : H e i l bro n n & B er l i n H e i m a t b e s uch e p ro J a h r : 1 Ve r b l i e b e n e Fre u n d e i n H e i l b ro n n : Ei n i g e erst Anfang diesen Jahres ist mir klar geworden, dass ich jetzt schon seit zehn Jahren in London lebe. Das ist schon sehr viel länger als ich in Berlin gelebt habe. Mir war das nie wirklich bewusst und ich habe auch nie wirklich darüber nachgedacht. Wo ist die Zeit nur hin? Es sieht so aus, dass England im Allgemeinen und London im Speziellen jetzt meine Heimat geworden ist, wobei ich sagen muss, dass das zu keiner Zeit mein wirklicher Plan war. Sicherlich wollte ich hier einige Jahre verbringen aber dann auch wieder weiterziehen. Nun habe ich mich hier in der Hauptstadt Großbritaniens aber einigermaßen eingelebt und ich komme inzwischen auch gut zurecht mit den Engländern, wenn man das so sagen kann. Die britische Metropole ist im Gegensatz zu der Zeit vor zwanzig Jahren, als ich das erste mal hier war, noch viel multikultureller geworden. Das gefällt mir sehr gut. Ich mag diese Vielfalt! In London lebt inzwischen die ganze Welt miteinander, möchte ich behaupten. Eigentlich, wie in jeder Weltmetropole. Vertreter aller Nationen sind in London ansässig und zum größten Teil funktioniert das Zusammenleben nach meinem Empfinden auch gut. Natürlich gibt es immer wieder Konflikte wenn Menschen auf engem Raum zusammen leben aber im Großen und Ganzen komme ich in meinem Viertel mit allen gut zurecht. Darüber bin ich natürlich froh. Was ich besonders schätze, sind die vielen unterschiedlichen kulinarischen Angebote. All die verschiedenen Kulturen bieten selbstverständlich auch ihre eigenen Kochkünste an. Ob asiatische, afrikanische oder diverse europäische Küchen: auf

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BRIEF AN DIE HEIMAT: WERNER NIEDERMEIER die leckere Abwechslung möchte ich nicht mehr verzichten. Übrigens: das vielseitige Essensangebot braucht man hier in London auch dringend, da die englische Küche ihrem zweifelhaften Ruf gerecht wird und wirklich zu wünschen übrig lässt. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass ich hier in London neben meiner Familie und meinen guten Freunden am meisten die deutsche Küche vermisse. Einfach mal ein Laugenbrötchen oder eine Butterbrezel zum Frühstück auf dem Tisch zu haben, ohne das ich ans andere Ende der Stadt den ganzen Weg nach Richmond fahren muss um Backwaren in einer deutschen Bäckerei zu bekommen, wäre ein unvergleichbarer Luxus. Dafür bietet die Stadt mir eine anderen Luxus, denn sie pulsiert und ist in konstanter Bewegung. Musikalisch tut sich hier immer etwas. Es entstehen immer wieder neue musikalische Trends in London und viele Styles kamen ja auch schon in der Vergangenheit von hier, die später die Welt geprägt haben. Das hilft mir in meinem Beruf als Tontechniker sehr und macht es auch äußerst interessant, musikalisch neue Wege zu gehen. Mittlerweile bevorzuge ich es aber im Hintergrund zu arbeiten und das alles etwas ruhiger abläuft. Das sagt mir zwischenzeitlich viel eher zu als mitten im Geschehen die Frontsau zu sein. Wenn noch etwas Zeit bleibt, kümmere ich mich nebenbei um meine eigenen Produktionen. London ist als Standort für Beziehungen im Arbeitsleben eine sehr gute Stadt und, wie schon anfangs erwähnt, kulturell natürlich auch. Trotzdem bin ich aber glücklich, dass ich durch mein musikalisches Schaffen viel Reisen kann, was immer wieder Abwechslung in meinen Alltag bringt. Dennoch: ich vermisse dich, liebe Heimat und denke oft an dich. Noch immer freue ich mich jedes mal, wenn ich dich besuchen kann. Das nächste mal übrigens am 8. März, wenn ich im Mobilat auflegen werde. Bis dahin allerbeste Grüße aus London! Werner

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B A I , B Ô V E N ! AROUND THE WORLD MIT PATRICK ORTWEIN

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AROUND THE WORLD: K APVERDEN Pat r i c k Or t wei n is t s ei t ü b er eine m Jah r auf We ltre is e . Inzwis che n i st e r i n d er K a r i b ik g es t rand e t und be g ibt s ich bald we ite r au f de n Weg n a c h Ven e z u ela. Mit d e m Rud e rbo o t, s o s e in ve r we g e n e r Pl a n . Un s er rei c ht e zuvo r s e in le tzte r Be rich t vo n d en K a p ve rd e n. TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: FOTOLIA Man sollte meinen, dass der morgendliche Anblick von Palmen vor der Haustüre, mit einem azurblauen Meer im Hintergrund das in gleichmässigen Schlägen an den Kliffen einer Berglandschaft anstösst, die mit wundervollen endemischen Pflanzen geschmückt ist, nicht gerade der Anblick eines Straflagers darstellt. Man sollte meinen, dass Insulanern eine Ruhe zu Eigen ist, die sie zumindest nach aussen oftmals auch ausstrahlen, und die einer der Gründe ist weshalb wir das Gefühl haben auf eine Insel flüchten zu müssen wenn uns alles mal wieder zu viel wird. Man sollte meinen der Ort an dem man glücklich wird, ist in uns selbst. Das sollte man meinen, zumindest unter der Prämisse dass man diesen auch selbst wählt. Was dem Urlauber der perfekte Ort zum Abschalten ist, die Isolation eine Verbannung jeglicher Störfaktoren, ist die Heimat eines anderen. Möglicherweise eines Jemand, der in seinem Leben noch nie einen anderen Ort gesehen hat und einen Durst nach der Welt verspürt, den das Meer das ihn umringt nicht löschen kann und die Ruhe die er verspürt, ein wohliges Vakuum, das dennoch nach Lethargie stinkt. Die Migrationsbewegung auf den Kap Verden ist so alt wie die Geschichte des Landes selbst. Sie ist ein Bestandteil des Landes gleich seiner Dürreperioden die die Bevölkerung immer wieder dezimierten und seit jeher drängen das Land zu verlassen, in die Ferne aufzubrechen um das Glück zu suchen. Stets darauf ausgelegt in die Heimat zurückzukehren um das gefundene Glück – was auch immer das bedeuten mag, mit der Familie zu teilen. »Bai, bo ven« (wörtlich »geh, du kommst«, in etwa: »Komm gleich wieder«) ist nicht nur eine kreol-Floskel, sie suggeriert die Erwartung dass der ge-

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AROUND THE WORLD: K APVERDEN genüber in absehbarer Zeit zurückkehrt. Die Sehnsucht der Familienangehörigen derer, die das Land verlassen haben findet darin seinen Ausdruck. Doch die Zeiten ändern sich. Nicht nur dass mittlerweile viele, allen voran Europäer, auf die Kap Verden auswandern, es gibt auch jene Kap Verdianer die aus Interesse an der Welt, angeregt durch den kulturellen Austausch der vermehrt Einklang auf der Insel findet, in die Welt gehen. Und es gibt jene die nicht mehr in ihre Heimat zurückwollen. Es vielleicht gar nicht ihre Heimat ist, da sie seit langem in einem fremden Land leben, eine Familie gegründet haben, sich zuhause fühlen, oder Ihnen gar der Bezug fehlt, da sie die 3. oder 4. Generation von Migranten sind. Die Zurückgebliebenen jedoch schwelgen in Träumereien die sie aus Hypothesen aufbauen wie das Leben auf der anderen Seite des Meeres wohl sein mag. Sie hören von Erfolgsgeschichten, sehen hin und wieder ein Abbild dessen, wenn ein BMW X5 an ihnen vorüberfährt in welchem Kap Verdianer sitzen, die fröhlich ihren Urlaub in der alten Heimat verbringen. Was dahinter steckt, ob diese Familien in einem der westlichen Industrieländer vielleicht nur eine kleine 2-Zimmer Wohnung zur Miete ha112 ben, einen Knochenjob in einer Fabrik und nur im Urlaub den »Proll« raushängen lassen, das wissen die Zurückgebliebenen nicht. Sie sehen nur das Geld das über den Tisch geht wenn eine Runde Bier bestellt wird anstelle des Grogue, dem Rum aus Zuckerrohr, den man sich auch von einem Fischerlohn leisten kann. Wie sollten sie es auch verstehen, man kann sich kaum in die Rolle eines Insulaners versetzen wenn man selbst mit einem europaischen Pass aufwächst und die Möglichkeit hat die Welt zu sehen, objektive Vergleiche anzustellen die erlauben einen hohen Lebensstandard auf rein finanzieller Ebene in Frage zu stellen. Wenn man in finanziellem Notstand aufwächst, bleibt nicht viel Raum für andere Sorgen. Also verweilt man, hofft auf das grosse Los, vielleicht ein Familienangehöriger, oder Partner in einem der wirtschaftlich starken Länder, der kommt und den Wartenden aufweckt aus seinem »sonhar acordado na America«, dem Tagtraum von den Vereinigten Staaten. Dass das Leben, insbesondere in den Vereinigten Staaten, alles andere als eine Traumwelt ist, bekommen viele der Auswanderer schnell zu spüren. Das Land der grössten Kap Verdianischen Diaspora differenziert nicht zwischen Kap

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AROUND THE WORLD: K APVERDEN » L ore m ips u m d olo r sit a met, con s e ct e t u e r ad ip isc ing elit . Ae n e an com m odo Verdianer und Afrikaner und ist vielleicht gerade deshalb, wegen diesem Mangel an Interesse, ein Katalysator für fehlgeschlagene Integration. Man sagt aller Anfang sei schwer, und doch muss man ehrlich sagen, dass es für manche eben schwerer ist als für andere. So hart die Einreisebedingungen sind, so leicht machen es die Staaten den Immigranten auch mit der Ausreise wenn der Mangel an Arbeitsplätzen, der zweifellos auch in den Industrieländern vorherrscht, sie auf die falsche Schiene gebracht hat. Wenn die joblosen unter ihnen »kriminell« werden, um an dieser Stelle kurz auf die Weise einer Industrienation zu kategorisieren, die keine Zeit für individuelle Betrachtungen hat, gibt es kein Pardon. Zurück auf den Kap Verden sind sie die Verlierer, jene die das Glück hatten in den Westen zu kommen und nichts daraus gemacht haben. Die Vorstellung ist noch weit verbreitet dass man in den Vereinigten Staaten ankommt und automatisch reich wird. Es steckt die Hoffnung einer ganzen Familie in den Erwartungen an einen Einzelnen. Und da die Familie auf den Kap Verden einen besonderen Stellenwert geniesst, möchte man diese keinesfalls enttäuschen. Es herrscht ein gemeinsamer Konsens: »Lieber verhungere ich hier als dass ich mit leeren Händen nach Hause komme«. Der innewohnende Drang nicht zu versagen, eine mögliche Erklärung für Gesetzesverstösse? Die Liste der »deportados«, der deportierten Kap Verdianer ist lang und die Gründe für die Ausweisung nicht immer als Bagatellen abzutun. Die Gesetzesverstösse sind meist die selben: Drogenhandel, ... noch mehr Drogenhandel, unerlaubter Waffenbesitz oder die Anwendung solcher, Autodiebstahl, häusliche Gewalt, illegale Einreise, usw. Vor allem auf den Inseln Fogo, Brava und Praia der Kap Verden bilden sich Enklaven deportierter Migranten die das Prinzip des »Brain drain« und »Brain gain« in eine weniger gesellschaftlich nützliche Richtung auslegen. Sie bringen erlernte Fähigkeiten aus ihren jeweiligen Ländern mit, die infolgedessen verursachten Probleme führen allen voran in der Hauptstadt Praia zu einer erhöhten Kriminalitätsrate. Ein Toter im Zuge von Bandenkriegen hin und wieder ist keine Seltenheit. Auf den Inseln Brava und Fogo muss man das Geschehen jedoch etwas differenzierter betrachten, während die Hauptstadt Fogo’s, Sao Filipe, ohne die umliegenden Orte etwa 8000 Einwohner vorweist und die Insel Brava im

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AROUND THE WORLD: K APVERDEN

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AROUND THE WORLD: K APVERDEN Ganzen nur ca. 6000 Einwohner, herrscht ein familiäres Verhältnis und obschon jeder weiss wer Drogen, Waffen und andere Souvenirs an den Mann bringt, leben die Menschen weitestgehend in Harmonie und ohne grosse Zwischenfälle wie es scheint. Noch. Carla ist Italienerin, lebt seit 4 Jahren in Sao Filipe und arbeitet für eine NGO die gegen die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen vorgeht. »Die Tendenz ist steigend, die Drogen härter und die Waffen keine Küchenmesser mehr«. Und das Angebot trifft auf Nachfrage. Carla kennt auch ihre Problemkinder, wobei die meisten aus dem Kindesalter raus sind. Mario ist 38, deportiert wurde er wegen Autodiebstahl, »mit den Drogen haben sie mich in den Staaten nie erwischt, dafür aber hier«, wofür er 7 Jahre einsass. Crack und Kokain hat die Polizei damals bei ihm gefunden, obwohl er selbst in seinem Leben nie auch nur einen Joint geraucht hat. Sein Bildungsmangel war ihm in den Staaten eine Jobbarriere, der Handel mit Drogen ein Ausweg aus der Armut.Nun begibt man sich in eine prekäre Situation wenn man sich gezwungen sieht ein objektives Urteil zu aussern. Klar ist, dass ein Autodiebstahl ein Diebstahl an einem Phantom ist für jemand der den wirtschaftlichen Schaden entweder nicht nachvollziehen kann, oder ihm schlichtweg egal ist. Der Schaden wird einer Privatperson zugefügt, von einer Versicherung erstattet. Ganz einfach. Der dabei entstehende wirtschaftliche Schaden steht in keinem Verhältnis zu einer Moral, die die eigene Familie und deren Überleben angeht. Ich möchte behaupten, dass ein jeder von uns in einer Notsituation sein Wohl und das seiner Familie über das einer Gesellschaft stellt dessen ungerechte Verteilung jedem zugänglich ist, ein ganzheitliches Verständnis dieser Kausalitat jedoch in solchem Mass abstrakt, dass der Geldfluss und die dafür haftenden Steuerzahler der Realität enthoben scheinen. Wie kann man also erwarten dass jemand der nichts zu essen hat, sich Gedanken über den Verlust einer millionenschweren Versicherungsgesellschaft macht. Aus einem anderen Gesichtspunkt muss man den Handel mit harten Drogen betrachten, der zweifellos Einzelindividuen schadet. Hier wird Geld verdient indem ethische Aspekte einfach ausgeblendet werden. Und doch ist auch hier zu sagen dass unsere Konsumgesellschaft diesen Markt und seine willenlosen »Opfer« kreiert, auch wenn sich kein Mensch darauf berufen kann, denn die Entscheidung wie man sein Leben lebt, bleibt jedem selbst überlassen. Wir können scheinbar alles und zu jeder Zeit bekommen, gegen einen bestimmten Preis versteht sich, und doch fehlt es oftmals an der Willenstärke zu differenzieren was wir tatsächlich brauchen. Die Entscheidung inwieweit man sich seiner Natur entfremdet, bleibt bei einem selbst, wenn sie auch durch externe Einflüsse nicht unmerklich auf die Probe gestellt wird. Es wäre also falsch den Schaden den man sich selbst zufügt, eines anderen Rechnung zuzuschreiben. Der Mensch ist im Grunde frei, auch frei sich selbst zu schaden. Die Rolle eines Moralapostel kommt Mario sicherlich nicht zu, eine klare Vorstellung von seinem Leben und seinen Prinzipien hat er dennoch. Zurück auf den Kap Verden eröffnete er einen Friseursalon, doch das Einkommen war zu gering um den Lebensunterhalt zu bestreiten, also begann er auch hier wieder ein kleines Nebengewerbe. »Ich versuch hier einfach mein Leben zu machen, die Arbeitslage ist scheisse. Ich liebe die Kap Verden, aber ich hab meine Familie mit zwei Kindern in den Staaten, dort bin ich zuhause«. Das Einreiseverbot dürfte es ihm jedoch schwer machen seine Familie zu besuchen, die Insel ist ihm, wie vielen andern das wahre Gefängnis. Der Lethargie verfallen und in den Tag hineinleben will er dennoch nicht. Heute ist Montag. Für die Jungs hier ein ziemlich beschissener Tag, da so ziemlich der einzige an dem es nichts zu feiern gibt. Es ist der Pausetag von einem Wochenende, das weder Monatswechsel, noch den Wechsel von Jahreszeiten kennt. Ein Kreislauf, so rund wie die Insel Fogo. Sie sitzen alle müde am Platz, spielen »Oril«, ein Brettspiel mit Murmeln, rauchen pausenlos, und bei dem ein oder anderen steigt der Gedanke auf was er wohl aus seinem Leben machen kann. JanJan hat den Gedanken gerade ausgesprochen, verbannt ihn aber gleich wieder in die Tiefen seines Unterbewusstseins. »Eigentlich ist es doch gediegen hier, was könnte ich mehr wollen«... so ganz überzeugt von seiner Aussage scheint er allerdings nicht. Nur einer fehlt in der Runde. Mario. Er ist seit 6 Uhr früh am Strand, joggen, Krafttraining und danach wieder damit beschäftigt seinen BarbierSalon ins Laufen zu bringen, denn zumindest er weiss dass Träume allein noch niemand seinen Zielen näher gebracht haben.

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AUS DEM VIA ARCHIV PINNBOARD VIA GRAFIK The Boys, the Crew... Via Grafik since 1998!! LEO VOLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Graffest, Danzig, 2009

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LESER B R IEFE Liebes HANIX-Team, hier Fanpost für Euch! Liebste Grüße, ANNIKA WINKELMANN, HEILBRONN

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I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74ELF Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Kastanienweg 12 74080 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Rafaela Jeckle, Leo Volland (Via Grafik), Peter Wanner (Stadtarchiv Heilbronn), Patrick Ortwein, Nicolai Köppel, Peter Gusdek, Philipp Kionka, Peter Gusdek, Joshua, Werner Niedermeier, Maria Sanders E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka (Leitung), Sarah Fischer, Stefan Dittrich, Kris Rampmaier, Ben Sommerfeld, Lisa Marie Klotz, Nicolai Köppel Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle, Lisa Bürg, Meli Dikta, Björn Ewers (Studio 314), Du Zehnjun, Christian Sommer Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Lisa Hofmann, Florian Geiger, Kathrin Leisterer Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales HETTENBACH GMBH & CO KG WERBEAGENTUR GWA Werderstraße 134 74074 Heilbronn: Jessica Zippan Telefon: 07131 - 79 30 121 Fax: 07131 - 79 30 229 Mail: zippan@hettenbach.de www.hettenbach.de www.hanix-mediadaten.de Verlagskoordination / Administration / Social Media Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Die Bierbrauerei Cluss am Rosenberg war 1865 von August Cluss, Louis Brüggemann und Andreas Faisst gegründet worden. Seit 1898 firmierte sie als Aktiengesellschaft, geführt von den Brüdern Alfred und Eugen Cluss. Letzterer hatte sich um 1900 von dem Heilbronner Architekten Theodor Moosbrugger seine Direktorenvilla erbauen lassen, die man im Bild-Vordergrund sieht – sie steht heute noch (Cäcilienstraße 3). Die kleineren Fachwerkhäuser in der Bildmitte stammen aus der Zeit um 1800 und gehörten ursprünglich zur Essigfabrik der Familie Orth. Bereits 1889/90 hatte Cluss eine eigene Malzfabrik errichtet, die auch andere Brauereien belieferte. Außerdem stellte die Firma ab 1922 alkoholfreie Getränke her. Die Fabrikgebäude erlitten am 4. Dezember 1944 schwere Schäden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut werden. Die Brauerei konnte an ihre früheren Erfolge anknüpfen und Cluss war insbesondere in den 1970er Jahren eine über die Region hinaus beliebte Biermarke. 1973 übrigens hatte man mit der Rosenau-Brauerei fusioniert. 1982 erwarb die Stuttgarter Dinkelacker Brauerei AG die Aktienmehrheit bei Cluss, 13 Jahre später wurde das Heilbronner Werk stillgelegt. Die Fabrikanlage wurde abgebrochen und ab dem Jahr 2000 die Wohnanlage Neckarterrassen gebaut. Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Geschichte der Stadt gibt es auf www. stadtarchiv-heilbronn.de und im neuen Haus der Stadtgeschichte (Otto Rettenmaier Haus, Eichgasse 1). 

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Cluss von oben; um 1940

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V E R A N S TA LT U N G E N I M F E B RUA R bis Sonntag, 30. Juni 2013 Hochschule Heilbronn Campus Künzelsau Reinhold-Würth-Hochschule, Foyer D-Gebäude »mediARThek – Kunst, die (sich) bewegt!« Inkorrektheit mehr Spaß gemacht, nie waren die Sprüche flotter. Alfred Tetzlaff kann man nicht beschrieben - man muss ihn erlebt haben. Unter dem Titel »mediARThek – Kunst, die (sich) bewegt!« zeigt die Ausstellung im Foyer der Reinhold-Würth-Hochschule eine Auseinandersetzung mit Medienkunst. Studierende des Studiengangs »Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement« nähern sich in ihrem Abschlussprojekt dem Thema Ausstellungsmanagement und übernehmen dabei alle Aufgaben, von der Konzeption bis zur Umsetzung. »Media art makes people stupid« - dieses Zitat stammt von einem der bedeutendsten gegenwärtigen Medienkünstler. Entscheiden Sie selbst über diese Aussage und erleben sie Medienkunst – vom 24. Januar bis 30. Juni kann die Ausstellung besucht werden. Durch eine von den Studierenden selbst gestaltete App wird die mediARThek außerdem über die Grenzen des Kochertals hinaus erlebbar. 1. Februar Bukowski Thorsten Schuth hatte schon im Alter von 10 Jahren nichts als Platten im Kopf. Mittlerweile bringt er es auf eine stattliche Sammlung von über 15.000 Exemplaren. Mit dem Start der Kult-Radiosendung HR3-Clubnight kam der Mainzer zum Techno, entdeckte seine Liebe zur geraden Bassdrum, 10» Picture-Discs und einer Szene, die in den kommenden Jahren ein ganz neues, außergewöhnliches Lebensgefühl mit sich bringen sollte. Mittlerweile ist Thorsten Produzent, seit Ende 2008 Mitbetreiber des Schallplattenlabels Vinyl Villa Recordings und als DJ im Rhein-Main-Gebiet eine feste Größe. Auch im Buko hat er sich mehrfach bewährt, was natürlich ebenso für Daniel Calisse und die Drum Poets gilt. Der Februar ist kurz, läuten wir ihn gebührend ein! ab bis Februar 28. 2013 2013 2. Februar Sonntag, April Galerie Rieker Ausstellung »Flora Flora« Mobilat & Bukowski DUBWARS pres. TANITH ( Tresor | Berlin ) Die Galerie präsentiert in dieser Ausstellung Bilder und Skulpturen von Barbara Armbruster, Heinrich Brummack, Hermann Försterling, Albert Hien, Georg Mühleck, Peter Riek, Stefan Soravia und Jo Winter. Februar Theaterschiff Ekel Alfred - Ein Herz und eine Seele Der Begriff »Kult« war noch nicht erfunden, aber die 1973 vom WDR gestartete Serie »Ein Herz und eine Seele« war es bereits! Ekel Alfred, seine Frau Else, die »dusselige Kuh«, der »langhaarige Kommunisten-Schwiegersohn« Michael und Tochter Rita, die »alberne Gans«. Sie sind DIE deutsche Familie der Bundesrepublik in den 70er Jahren. Wolfgang Menges Fernsehserie hat bereits Generationen von Zuschauern Bauchschmerzen vor Lachen beschert, denn nie hat politische Bei manchen Geschichten weiß man einfach im Voraus, wie sie ausgehen werden - was heute bei der DUBWARS-Party im Mobilat startet, wird ganz sicher im Bukowski enden! Doch fangen wir erst einmal im Mobilat, bei der monatlichen DUBWARS-Feier an. Dieses Mal gibt sich mit TANITH eine echte Legende die Ehre, denn er war maßgeblich an der Gründung der deutschen Technoszene zu Beginn der 1990er Jahre beteiligt. Als der Club TRESOR im März 1991 seine Pforten öffnete, spielte er dort als Resident und wurde in den folgenden Jahren einer der populärsten deutschen Techno-DJs und war Headliner auf fast allen großen Raves von Mayday bis Nature One. Seit 1992 widmete er sich als einer der Ersten verstärkt den Breakbeats und gründete 1997 das Breakbeat Label TIME RECORDINGS. Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, oh, kommet ihr Techno-Jünger und huldigt TANITH!

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR 2. Februar Jazzclub Cave 61 Jacob Karlzon 3 - More Tour 2013 Jacob Karlzons musikalischer Horizont ist weit. Der 2010 in seinem Heimatland Schweden als Jazz-Musiker des Jahres ausgezeichnete Pianist und seit neuestem Steinway-Artist, liebt es, mit den Extremen zu arbeiten. Und so macht Jacob Karlzon vor nichts halt, um kraft seiner Töne und Klänge großformatige musikalische Bilder entstehen zu lassen. Sowohl brillante Technik im Spiel als auch brillantes Spiel mit der Technik neben seinen instrumentalen Fähigkeiten ist es auch eine große Vorstellungskraft für moderne Sounds. Und Karlzon will nicht bloß ein technisch brillantes Feuerwerk abfackeln - das er freilich trotzdem bietet. Mit Jacob Karlzon (piano, keys, synths & programming), Hans Andersson (bass) und Zoltan Csörsz (drums).  Nach welchen Maßstäben soll man im 21. Jahrhundert noch handeln – abgesehen von Börsenkursen? Wenn Gott tot ist, warum spukt er in so vielen Köpfen noch herum? Ist unsere Gesellschaft auf dem Weg zur Geseilschaft? Und wie hoch ist unser Brutto-Moral-Produkt? Philipp Scharri durchleuchtet die Heilsbringer der modernen Welt: Götter und Gebote, Esoteriker und Kleriker, Astrologie und Aberglauben. In gewohnt sprachakrobatischer Manier vollführt er einen wilden TranzenDance zwischen Gut und Böse. Er macht Gurus den Garaus, leistet Erste Lebenshilfe und durchleuchtet dabei die Millimetaphysik des menschlichen Gegeneinanders auf den Schlachtfeldern des Alltags. Feinste Reimkultur, respektlose Spottlieder und ein Spritzer Stand-Up – immer auf der Suche nach dem Hintersinn des Lebens.  5. Februar Altes Theater Heilbronn 2. Februar Rolf Miller »Tatsachen« Red River Rolling Bones - Hard 'n' HeavyCovers Die besondere Hard´n´Heavyband Süddeutschlands donnert seit vielen Jahren durch die Clubs und Festivals und hinterlässt stets zufriedene und erschöpfte Fans, die sich sicher auch die nächste Show nicht entgehen lassen werden ! Aktuell ist ihre neue CD mit eigenen Songs erschienen und reiht sich lückenlos in die mit unglaublicher Intensität zelebrierten Klassiker von AC/DC, Krokus, Judas Priest, Accept, Motörhead und Konsorten ein. Die Band sorgte bereits in den frühen 80ern für Furore, als sie unter dem Namen »THUNDER« die hiesigen Bühnen unsicher machten. Noch heute gehört ihr Dauerbrenner »All I Want (is Rock´n Roll)« zu den Highlights jeder Show, die zum unvergesslichen Ereignis wird. Denn auch das Auge »hört« mit, so entstand ihr Motto: »nur echt mit der Flexx!« Heavy Metal liebevoll mit Funkenflug und Schmiedehammer dargeboten! Über 100 Jahre gefühlte Bühnenerfahrung, der hemmungslose Bock auf Rock und das mit vielen Überraschungen gespickte Bühnenspektakel lassen jeden Song zu einem unvergesslichen , intensiven Erlebnis werden. 2. Februar Er weicht aus. Er verschweigt. Er sagt nichts. Und das einzigartig. Wer wissen will, wie der Wortkünstler Rolf Miller zu wichtigen Themen wie Atombombe, Urknall, Kunst, Sport, Frauen, Kinder, Achim und Jürgen, zielsicher den Faden verliert, ist hier genau richtig. Komischer geht’s nicht! Kabarett der Meisterklasse!  5. Februar Stadtbibliothek Arnd Beise über »Dantons Tod« von Georg Büchner Kulturkeller Philipp Scharri »Reimvorteil« - Poetry-Kabarett Mit »Dantons Tod« beginnt die Geschichte des deutschsprachigen Revolutionsdramas. Erstmals wird keine Propaganda betrieben, sondern die Dialektik der Revolution selbst in den Blick genommen. Nicht für oder gegen die Demokratie laufen die Argumente, sondern es wird zum Beispiel gefragt, was passiert, wenn die Demokratie in die falschen Hände gerät. Insofern geht das Stück uns heute noch an, obwohl es über hundert Jahre vor der Durchsetzung der Demokratie in Deutschland geschrieben wurde. Auch ästhetisch ist das Stück eine Herausforderung, weil Büchners Experimental-Dichtung sich nicht mit seiner Epoche verrechnen lässt, sondern in seiner Widersprüchlichkeit aktuell bleibt. Arnd Beise ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte an der Universität Freiburg/Schweiz. 

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR Februar 8. Februar Jazzclub Cave 61 Konzert & Jam-Session: Trio »The Jazzshack« Mobilat The Jazzshack nennt sich das Trio des Schlagzeugers Thomas Zimmermann mit Martin Wiedmann, Gitarre und Felix Wiegand, Bass. Diese drei Jungs sind Jazzpreisträger in verschiedensten Sparten und sorgten bereits bei Jazz oder RockLegenden wie Dick Brave & The Backbeats, Bobby Burgess Big Band Explosion, der Jochen Brauer Band und vielen mehr für den rhythmisch und harmonischen »Teppich«. Bei The Jazzshack geht es jedoch in erster Linie um Improvisation - groovig, frei, mit eigenen Kompositionen, All-Time-Favorites oder selten gehörtem Standard-Repertoire. Nach dem Konzert lädt die Gruppe zu einer heißen Jam-Session.  Die Dub It! geht in die 4. Runde. Auch diesmal gibt es 70ies Roots Reggae mit Dub Versions, und aktuelle UK-Dubs auf die Ohren. Zum Warm up spielen wir ein King Tubby-Set mit Dub Music der ersten Stunde. Früh kommen lohnt sich also. Als besonderes Special präsentieren wir Euch Live Drummings, und wie immer Space Echoes und Sound Effects, sodass kein Tanzbein still stehen wird. So wake the town and tell the people ! 8. Februar Kaffeehaus Hagen Le Café-Théatre: »Liebe, verhasste Mama« Februar Klubsofa Heilbronn Gelernt wird morgen! GELERNT WIRD MORGEN! - Ab dem 07.02.2013 jeden Donnerstag im Klubsofa Heilbronn! Studenten aufgepasst! - Auch die, die es vielleicht mal werden wollen oder es mal waren! Elektronisch House, Techno Mixed Music Pop, Rock, Dance, Black Februar Kaffeehaus Hagen Theaterfreispiel »Vaginamonologe« Einen Abend lang dreht sich alles nur um Sie. Die »Vaginamonologe« sind sexy, komisch, mutig, tiefsinnig und höchst origenell. Basierend auf einer Sammlung von 200 Interviews schrieb Eve Ensler dieses Theaterstück. Sheldon Levine hat sich von seiner Mutter losgesagt, weil er ihr die Schuld am Scheitern seiner Ehe gibt, und ist nach Kalifornien verschwunden. Doch vor der Mutterliebe gibt es kein Entrinnen: Hartnäckig verfolgt die Witwe ihren Sohn mit Briefen, bis ihre Korrespondenz zu einem Dialog der Abrechnung wird. Doch als Sheldon wochenlang nichts mehr von seiner Mutter hört, beginnt er sich Sorgen zu machen. Dass sie ihn endlich loslassen und ihren Guru heiraten will, ist wiederum ihm nicht geheuer. Sheldon droht heimzukommen, das Spiel beginnt neu mit getauschten Rollen ... Mrs. Sheldon wandelt sich von der braven Hausfrau zur Köchin im tibetanischen Kloster, bis sie schließlich ihre eigene TV-Show hat und ihr Tanzlehrer bei ihr einzieht - nur Sheldon, kommt nicht voran, bis er nach einem Nervenzusammenbruch endlich seine wahre Berufung findet und Psychotherapeut wird. Zuletzt liegt Mrs. Levine bei ihrem Sohn auf der Couch ...  »Liebe verhasste Mama« ist eine herrlich überdrehte Mutter-Sohn-Groteske: sehr amerikanisch, sehr bissig und vor allem sehr komisch! Februar 8. Februar Bukowski Ebene 3 im Kulturforum K3 Improtheater »Ohne Gewähr« Unser Außenkorrespondent aus dem Würzburger Airport ist im Anmarsch, und kommt wie immer nicht allein! Agent! samt einer wilden Horde Feierwütiger reisen im eigens gecharterten Feierbus bei uns an, und da wollen wir die Herren und Damen Touristen natürlich keinesfalls enttäuschen! Also Heibronn, zeigt, was Ihr draufhabt, den Soundtrack dazu stellen Euch Agent!, Peaco, Curd & Mia sowie T-WATCH zur Verfügung. Next stop: Bukowski! Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um. 

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR 9. Februar Mobilat whothefuck pres. Live at Robert Johnson Los geht's im Mobilat bei uns dieses Jahr mit einer Live at Robert Johnson acht: zu Gast sind Oliver Hafenbauer und Benedikt Frey. Beide waren schon in HN zu Gast. Oliver, welcher mittlerweile für so gut wie alles (Booking, Label...) im Offenbacher Club zuständig ist, hat uns zuletzt vor zirka eineinhalb Jahren schon einmal im Mobilat besucht. Neben seinen ganzen Managementarbeiten betreibt er zusammen mit Manuel Raven auch noch das »itsoktohateyourjob« Projekt. Etwa alle zwei Monate laden diese hochkarätige Gäste wie zuletzt Scuba, Prosumer oder Joy Orbison jetzt im Januar, ein. Darüber hinaus findet Oliver scheinbar noch etwas Platz in seinem Kalender, um grade in der letzten Zeit einige DJTermine in Brasilien, Russland oder sonst wo, wahr zu nehmen. Faschingssamstag ohne Helau und Alaaf, aber mit sonnigen Beats und dem deutschsprachigen Latino-Reggae von Cris Cosmo. »Musik für die Bewegung« heißt es folgerichtig am Samstag, 9. Februar in der Brackenheimer Schlosskapelle. »Man sollte tanzen, wann immer es geht«, sagt Cris, der bürgerlich Christian Gingerich heißt, und seinen Künstlernamen während einer seiner zahlreichen Reisen als Straßenmusiker erhält. Weil dem dunklen Typen in Chile niemand den 'Cris de Alemania' abnimmt, meint jemand, er sei eben ein kosmopolitischer Deutscher, ein »Cris Cosmo«. In jener Nacht wird die Taufe mit gutem Bier und jeder Menge Salsa gebührend gefeiert. Seitdem begeistert er sein Publikum auf der Straße und den Bühnen der Welt. 10. Februar Kunsthalle Vogelmann Februar 2013, 19.30 Uhr, Sonntagsführung »Joseph Beuys im Dialog mit den Vogelmann-Preisträgern Franz Erhard Walther und Roman Signer« Mit Dr. Bernhard Stumpfhaus.  Theater Heilbronn - Großes Haus Saul - Oratorium von Georg Friedrich Händel, Gastspiel des Oldenburgischen Staatstheaters. Das Oldenburgische Staatstheater ist mit seinen Musiktheaterinszenierungen ein gern gesehener Gast im Theater Heilbronn. Erinnert sei nur an »Orphee et Eurydice«  von Christoph Willibald Gluck oder an »Faust« von Charles Gounod, die in den vergangenen Spielzeiten das Heilbronner Opernpublikum erfreuten.  Jetzt kommt das Oldenburgische Staatstheater mit »Saul«, dem szenischen Oratorium von Georg Friedrich Händel. Premiere in Heilbronn ist am 9. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus. Die Inszenierung von Lydia Steier wurde von der Presse als »Geniestreich« gefeiert und  für den Faust 2012 in der Kategorie »Beste Musiktheaterinszenierung des Jahres« nominiert. Üppig und bilderreich inszenierte die Regisseurin das barocke Oratorium, mit denen Händels Ruhm als Oratorienkomponist begann 10. Februar Galerie KunstEtage K55 Karl-Heinrich Lumpp Der Bildhauer Karl-Heinrich Lumpp hat in den Jahren von 1980 bis heute ein umfangreiches Oeuvre an Bildern und Druckgrafik geschaffen. Neben einer Übersicht über das bildhauerische Werk ergänzen die Bilder in dieser Ausstellung sein Hauptthema: das Bild des Menschen.  11. Februar Kulturkeller Literatur am Montag: Nikolai Gogol (1809-1852) Der freie Schauspieler Andreas Posthoff liest aus den Werken von Nikolai Gogol. Anne-Gabriele Michaelis erzählt aus dem Leben und Werk des russischen Schriftstellers mit ukrainischen Wurzeln.  9.Februar Kulturbühne Kapelle im Schloss Brackenheim CRIS COSMO & Band 14. Februar Die Verbindung von lässigem Charme eines Straßenmusikers mit dem Herzblut eines erfahrenen Songwriters und eine 8-köpfige Band, die das ganz besondere Fiesta-Feeling beherrscht: Das sind die besten Voraussetzungen für einen Esszimmer in Horkheim »Valentinsmenü« am Donnerstag in Monika Hinderers kleinem aber feinen Restaurant. Es gibt Love Food mit literarischen Zwischengängen: kurzweilige und hintersinnige

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR Geschichten über Lust und Last der Liebe von Eugen Roth, Alfred Polgar und anderen. Geöffnet ab 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr. homogenes Ganzes, irgendwo zwischen gebremstem House, beschleunigtem Jazz, reduziertem Pop, harmoniegetränktem Minimal. Call it Music. Loop meint Soul. Beat meint Herzschlag. Februar 15. Februar Kreatief Neckarsulm Märchen von Verliebten Bukowski KLANG DER BEWEGUNG Vom Herzklopfen, Liebesfreud- und Liebesleid liest und erzählt die Märchenerzählerin Barbara Scheel alias »Babuschka« und von den Gedanken vor dem ersten Kuss, der dann doch nicht stattfindet. Und vom Roboter Willi, den sich »Frau« im Jahre 2030 aus dem Katalog Robby-Power ausgesucht hat (1,80 m groß, gut gebaut, Haare auf der Brust) und der dann auch nicht immer das macht, was sich »sie« sich wünscht. Die Geschichte vom Balduin Brummsel ist zwar im Tierreich angesiedelt, aber Manfred Kyber ist meisterhaft in seinen Satiren auf das Allzumenschliche einer Ehe. Barbara Scheel erzählt seit vielen Jahren internationale Volksmärchen. Sie erhielt im Jahr 1999 den Kilianpreis für die beste schauspielerische Darstellung in der Region Heilbronn und hat mit ihren »Märchen von starken Frauen« letztes Jahr die Zuhörer im »Kreatief« begeistert. Pravi Lopov huldigt am 15.02. endlich wieder dem Klang der Bewegung, bei dieser Ausgabe mit Kneer & Cryztal sowie Plasmiq im Gepäck. Und Pravi weiß, wie Bewegung klingen muss! Da rummst der Bass, man hört Füße rhythmisch stampfen und ab und zu auch Freudenschreie auf der Tanzfläche. Das wisst Ihr aber selbst am besten, und streicht Euch deshalb das Datum im Kalender an... 15. Februar Kulturkeller David Leukert »Eltern-Deutsch/Deutsch-Eltern« - Kabarett Februar Theaterschiff Ralf König - Comics & Lesung Ralf König liest und bespricht »Bilder aus seinen berühmten Comics«, die mittels Projektion auf eine Leinwand übertragen werden. Das besondere Gastspiel!! Nicht verpassen. Februar Mobilat Klinke auf Chinch Live + Der Plattentäter (Complex23) KLINKE AUF CINCH sind der Gegenentwurf zu Brachialität. Ein Kollektiv, geformt um die Masterminds Clemens Kynast und Lutz Hartmann, macht Liveelectronica zum hochwertigen und berührenden Konzerterlebnis. Ergänzend zu den deepen Harmoniearrangements und klackernden Rhythmusfundamenten des Jenaer Duos werden für jedes Konzert Gäste geladen. Wechselnde Vocalists, begnadete Solisten, befreundete Musiker, werden sanft in den »KLINKE AUF CINCH«-Kosmos eingebettet. Heraus kommt ein David Leukert hat die Spezies Eltern auf freier Wildbahn beobachtet - teilweise in spannenden Selbstversuchen und im Nahkampf mit nahen Verwandten. Einige fundierte Forschungsergebnisse liegen nun vor: Eltern sind seltsame, bizarre Wesen, Launen der Natur! Doch viele Eltern gelten als phänomenal entwicklungsfähig: Sie werden umso jünger, je älter ihre Kinder werden. So manche Mutter lebt heute viel freier und spritziger als ihre pubertierende Tochter! Minderjährigkeit ist kein Privileg von Kindern. Als Staatsbürger werden wir ohnehin immer unmündiger. Erwachsenen-Pädagogen gängeln uns! Mutti Merkel, die »Väter Europas«, das Ordnungsamt, Fernsehköche, Talkshowphilosophen - alle wollen vorschreiben, was wir »zu tun und zu lassen haben«. Wie gut, dass wir bei dem ganzen Stress wenigstens Kinder und Ehegatten als »außergewöhnliche Belastung« bei der Steuer absetzen können.  15. Februar 2013, 20 Harmonie, Wilhelm-Maybach-Saal Johann König - Das neue Soloprogramm Das Warten hat ein Ende: Feuer im Haus ist teuer, geh raus! Mit diesem Programm will Johann König die humorige Glut seiner Zuhörerschaft deutschlandweit aufs Neue entfachen.

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR Ob ihm sein glühendes Temperament dabei helfen oder im Weg stehen wird? Krasse Reime aus dem Flammenwerfer, coole Comedy aus dem Bunsenbrenner, granatenmäßiges Geknalle aus der Gag-Kanone, das ist seine Welt – nicht. Der extrovertierte Autist aus Köln sieht sich eher als poetischer Pyromane, der Buchstaben, Worte und Gedanken so lange aneinander reibt, bis sie Funken schlagen wie ein Strauß Wunderkerzen unter der Polyester-Decke. Dabei geht es bei ihm um Themen, die uns alle angehen: Wo kommen sie her? Bananen aus der Region. Wie lange sind sie tragbar? Schlafanzüge von LIDL. Warum gibt es nicht mehr davon? Rassismus bei TKKG. Wie geht das genau? Mit Hilfe von Youtube tibetische Teebauern ruinieren. ckenkorn! Würziges und Gepfeffertes liebevoll kess und sexy angerichtet vom lästermäuligen Doppelgespann aus Stuttgart. Den Alltag auf den Punkt gebracht, einfach i-dipfele!  21. Februar Kaffeehaus Hagen Theaterfreispiel: Friends? Leidenschaften auf dem Prüfstand. Songs von Pop bis Musical, zwischen Schiffbruch und siebtem Himmel. Hand gemacht und Sturm erprobt!  22. Februar Bukowski 16. Februar THOMAS SCHUMACHER @ HEILBRONN Jazzclub Cave 61 Nice Brazil & Franco Petrocca Wenn eine brasilianische Sängerin und ein süditalienischer Gitarrist sich treffen, haben sie eine Gemeinsamkeit: die Musik. Seit einigen Jahren stehen Nice Brazil und Franco Petrocca, die beide in der Nähe von Stuttgart leben, immer wieder in unterschiedlichen Formationen auf der Bühne. Diese musikalische Begegnung der ausdrucksstarken Vokalistin und des souveränen Gitarristen und Bassisten stellen sich auf der Cave-Bühne mit ihrer neuen CD »Arcobaleno« vor - eine sensible Melange aus Bossa-Bova, Latin-Jazz, Samba und eigenen Musikstücken. Gastmusiker, wie der Pianist Martin Schrack, der Saxofonist Jochen Feucht und der Drummer Bodek Jahnke erweitern das Klangspektrum des Duos um reizvolle Akzente.  Mit Thomas Schumacher präsentieren wir Euch schon die zweite Riesen-Hausnummer diesen Monat. Wer es als DJ zum Wikipedia-Eintrag schafft, der nicht gelöscht wird, hat schon einiges richtig gemacht. Wer aber einen Track 150.000 mal Februar Altes Theater Heilbronn i-dipfele mit »gstocha scharf« Was geschieht wenn man vom Hafer gestochen wird? Kann eine Frau eine Wespentaille haben, auch wenn sie dem Bienenstich ergeben ist? Wie kann es passieren, dass die Mannswelt den Waffen einer Frau ausgeliefert ist, obwohl ihre Männeraugen gestochen scharfe Bilder ans Grosshirn senden? Sabine Schief und Gesa Schulze-Kahleyß schoren und graben, pflanzen und säen, häckeln und schneiden, hegen und pflegen die Flora und Fauna im Garten der schwäbischen Leidenschaft! So manches Pflänzchen trägt pikante Früchte. Mitunter wird auch scharf geschossen … und sei es mit Schne128

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KLEINANZEIGEN

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR verkauft hat und Videos dazu produzieren lassen kann, die es in die Rotation bei Viva schaffen, hat in der Schule sehr gut aufgepasst – und hatte wohl Elektrochemie LK! Dazu gibt’s Strompunkt und Da Bomb Da Beat, und Ihr sorgt für den Kurzschluss auf der Tanzfläche...! 22. Februar Gleis 3, Neckarsulm Februar Ebene 3 im Kulturforum K3 Kabarett GAUwahnen: EUROPiraten Die Piraten kapern nicht nur Schiffe, sondern entern sogar Parlamente. Deshalb verfolgen die GAUwahnen ihren Kurs und stellen sich die Frage: Wird Euro Bond als Geheimagent eingesetzt, um den finanziellen Kollaps der Euro-Staaten abzuwenden? Mit seinem aktuellen Programm geht das Heilbronner Ensemble (Alexandra Müller-Kilgus, Eva SchwindtLäpple, Niklas Albrecht und Erhard Jöst) auf Kaperfahrt, bis auf die Zähne bewaffnet mit rasanten Sketchen und scharfen Pointen.  Das brandneue Album der Blue Veiins wird "222" heißen. Und weil wir so unendlich clever sind, haben wir die Release Show zum Album auf den 22.2. gelegt. Damit das auch janiemand vergisst: Damit die Release-Show dem Album würdig wird, haben wir zudem einige Supports im Gepäck. Freut Euch auf: die unglaublichen MY HUMBLE SELF, die phantastischen KAÉLA und als Super-Ultra-Special-Guest aus Dresden: LEO HÖRT RAUSCHEN Und damit noch lange nicht genug: In einem Voting bekommt eine junge Band aus der Umgebung die Chance, den Abend zu eröffnen. 23. Februar & 24. Februar Kunsthalle Vogelmann Finissage-Wochenende in der Ausstellung »Gnadenlos« Februar 23. Februar Mobilat Mobilat Wortsport Lounge WSP - MPM - DJ-Set Live Konzert mit : Die Nerven , Dead Ramones & Karies Die Nerven zeigen Mut zur kompromisslosen Selbstzerstörung und einer süchtig machenden Gleichgültigkeit. Bemerkenswert, was sich eines der momentan innovativsten Labels Deutschlands traut. Die Spannbreite der This-CharmingMan-Bands zieht sich von Modern Hardcore bis hin zu klassischem Rock. Was nun aber mit dem Projekt Die Nerven kommt, dürfte viele überfordern. Überfordern, weil der Hang zur kompromisslosen Selbstzerstörung und der Wille, alles um einen herum in die tiefe Depression zu stürzen, unüberh. rbar sind. Zeilen wie »Du suchst ein neues Hobby? Drück Heroin« oder »Andere Frauen ändern auch nichts an deinen Problemen, andere Städte ändern auch nichts an deinen Komplexen« schlagen sich tief in die Magengrube und rütteln unweigerlich auf. Was das Trio aus Stuttgart damit auf lange Sicht bezweckt, ist nicht abzusehen, allerdings sind die Melodien des herrlich unprofessionellen Noise-Punk so entzückend, dass man immer wieder versucht, über die textliche Schwere hinwegzusehen. Etwa die geniale Gitarrenwand in »Morgen breche ich aus« oder der Quasi-Hit «Der letzte Tanzende« – der Drahtseilakt zwischen purer Gleichgültigkeit und Hass ist brillant vertont. In drei Worten: Gleichgültigkeit / Selbstzerstörung / Noise präsentiert von teenpunxinheat. Zu Ehren des Wortsport-DJs Steve Unique, der an diesem Abend sein 15-jähriges DJ-Jubiläum feiert, kommen ganz besondere Gäste ins Mobilat: Brenk Sinatra, Fid Mella und Dexter. Die Wiener Brenk und Mella sind Schwergewichte der europäischen Produzentenszene und haben unter anderem mit MC Eiht, Kamp, Miles Bonny, Guilty Simpson, Kev Brown, Ed O.G. oder Gerard zusammengearbeitet. Dexter kennt man neben seinen Gold- und Platinproduktionen für Casper und Cro, vor allem durch seine unzähligen Veröffentlichungen mit Künstlern wie Morlockk Dilemma, Audio88 & Yassin und natürlich dem eigenen WSPLager. Gemeinsam haben alle drei, dass sie über das Kölner Label MPM veröffentlichen und ... dope sind. Word. 23. Februar Kulturbühne Kapelle im Schloss Brackenheim SEBASTIAN FUCHS - »Radio im Kopf« - Vokal Artistik »Radio im Kopf« ist ein faszinierendes Solo-Projekt von Sebastian Fuchs. Der Sprecher, Beatboxer und Vokalartist er-

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR zählt poetische und spannende Geschichten auch ohne Worte, mischt Soundeffekte bei, lässt Klinken und Mäuse klicken, Kühlschränke und Bienen summen, Lastwagen, Beats und Donner rollen. Allein mit seinem Mundwerk erforscht er mit dem Publikum den Urknall der Laute am Samstag, 23.Februar in der Brackenheimer Kulturbühne. Sebastian Fuchs nimmt es mutig mit der Geräuschüberflutung auf, setzt seine dagegen, versucht Wellen auszulöschen, startet bei 1 und kommt schließlich bei O raus, nicht ohne prägende Erfahrungen gemacht zu haben. Ein feinziselierter, 90-minütiger Mix aus PerformancePoesie, Storytelling, Beatbox und vokalen Soundeffekten. Mundwerkliche Erzählungen, die durch ihre Schlichtheit und Dichte, durch ihre Klarheit und plötzliche Virtuosität packen treffen auf seltene Geräusche und treibende Beats und fluten das Ohr des Betrachters. einer, der es wissen muss. In seinem neuen Bühnenprogramm »Stehaufmännchen« verrät er seine Überlebensstrategie. Egal, ob es um Hotline-Terror geht, um sinnlose Apps, um Werbeangriffe oder Gehirn-Outsourcing dank Wikipedia. MMP leistet praktische Orientierungshilfe. Ein Tom Tom fürs Leben: schräg, manchmal nachdenklich, manchmal absurd aber immer komisch!  27. Februar WaldHaus Gents of Swing Februar Das Quintett hat sich der Musik der Swing-Ära verschrieben. Songs des Mainstreams der 40er bis 60er Jahre runden das breitgefächerte Repertoire der Gents ab. Die Band begeistert die Zuhörer mit ausgefeilten Arrangements, fetzigen Soli und kernigem Sound. Mit Johnny Mühleck (Saxophon, Gesang), Bernd Titus (Trompete), Ralf Mauthe (Gitarre), Gerald Engel (Bass) und Gustav Zwingert (Schlagzeug).  Theater Heilbronn, Komödienhaus Georg Schramm »Meister Yodas Ende. Über die Zweckentfremdung der Demenz« Nach langjährigen Bemühungen ist es gelungen, Georg Schramm, den einsamen Gipfel des deutschen Kabaretts, nach Heilbronn zu holen. Im Kulturkeller gastierte er erstmals 1989 mit seinem ersten Soloprogramm. In Zusammenarbeit mit dem Theater Heilbronn ist nun im Komödienhaus zu sehen. Lothar Dombrowski – Schramms Rentner mit der Gummihand - ist aus der Anstalt ausgebrochen. Es gilt eine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Er geht auf Werbetour und sucht Mitstreiter unter Gleichgesinnten und Altersgenossen, die nicht mehr viel zu erwarten haben und die wie er, lieber im Blitzlicht der Öffentlichkeit scheitern, als gehorsam bis zum kläglichen Ende dahin dämmern.  28. Februar Universum Arthaus-Kino »it´s all about … – an ultracycling movie« Februar Intersport Veranstaltungscenter redblue Markus Maria Profitlich »Stehaufmännchen« Der Radsport Kraichgau e. V. präsentiert diesen Streifzug durch das Leben von sechs Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und durch eine ungewöhnliche Leidenschaft mit einander verbunden werden: dem Radsport. Dem Ultraradsport – um genau zu sein. Tausende Kilometer nonstop auf einem Rad zu treten, dabei Höhen als auch Tiefen zu durchleben und gegen sich selbst zu kämpfen sind die Begierden – Schlaflosigkeit, Halluzinationen, physische und psychische Gebrechen der Preis, den die Sportler gerne bezahlen. Es geht um Liebe. Es geht um Rennräder, Ziele, Niederlagen und Rückschläge. Es geht um Erfolg, Grenzen, Leidenschaft und um Ausdauer. Um Visionen und Pedaltritte. Um Gefühle, Reisen, Schmerz und Schlaflosigkeit. Es geht um Ängste, Träume, Perspektiven, Stärken und Entscheidungen. Es geht darum, was passiert, während man etwas anderes plant.  Die Welt ist kompliziert geworden. Jeden Tag stehen wir ratlos vor einer Unmenge von Fragen und Problemen. Ist es schlimm, heutzutage kein Chinesisch zu können? Warum duzt mich mein Möbelhaus auf einmal? Wie rette ich meine arme Bank vor dem Bankrott? Und vor allem: Wie schaffe ich es, den Irrsinn des modernen Alltags zu überstehen, ohne mich unterkriegen zu lassen? Markus Maria Profitlich ist

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