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FEB 20 1 2 EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. REBELLION

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chic chic chic Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130

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E D I TO R I A L REVOLUTION IST NICHT BARRIKADE; REVOLUTION IST EIN GEISTESZUSTAND.... Liebe Leserinnen, liebe Leser, auch wir konnten uns dem Thema »Rebellion«, manche nennen es »Revolution«, nicht verschließen. Schließlich kürte das TIME-Magazine den Protestler zur »Person of the year«. Weltweit gehen immer mehr Leute auf die Straßen, um gegen Korruption, Banken, Gier, Missgunst, Unrecht, das System oder den Verlauf der neuen Route der Stadtbahn Nord aufzubegehren. Das macht zum Beispiel der 85-jährige Heilbronner Franz Eckert mit unbeugsamen Enthusiasmus. Wir begleiteten den rüstigen Rentner auf eine Runde Demonstrieren. Wir trafen außerdem den Vorsitzenden des Heilbronner Kreisverbandes der Piratenpartei, Sebastian Sproesser. Denn: in den nächsten Gemeinderat sollen auch Piraten einziehen. Im Heilbronner Stadtarchiv fanden wir Interessantes zum aus Heilbronn stammenden Revolutionär, Kommunisten und Architekten Adolf Cluss. Bevor er 1858 dem Kommunismus und der Revolution entsagte, schrieb er sich regelmäßig Briefe mit Karl Marx, die vor roter Farbe nur so trieften. Auf seiner Reise um die Welt hat der Heilbronner Patrick Ortwein inzwischen Spanien verlassen. Die Perspektive, die sich Jugendlichen dort bietet ist so aussichtslos, dass die spanische Jugend sogar etwas müde geworden ist zu Protestieren. Müde ist auch Robert Nauman gewesen. Und zwar vom Nichtstun. Sein Vorschlag: eine Protestwelle der Faulen, mit aufgestickten Riesenkissen auf roten Fahnen. Und zu guter letzt haben zwei Fotografen für uns im New Yorker Zuccotti Park die engagierten Menschen und die Szenerie rund um die »Occupy Wall Street«-Bewegung festgehalten. Kurz vor dem Bundesligarückrundenstart haben wir Holger Stanislawski zum Interview getroffen. Der Trainer von 1899 Hoffenheim hat sich, nachdem unser Team sich artig mit Vor- und Nachnamen präsentierte, schlicht als »Stani« vorgestellt. Während des Gesprächs haben wir uns völlig überrumpelt von dieser norddeutschen Charmoffensive nicht getraut, wie wir es sonst immer tun, darauf zu bestehen, gesiezt zu werden. In der geschriebenen Form siezen wir »Stani« aber trotzdem. »Sie, Stani, sag doch mal....« Der Heilbronner Journalist Matthias Marquart reist für seine Geschichten an gefährliche Orte. Diesmal war Marquart in Kabul, der afghanischen Hauptstadt. Was der Journalist dort vorfand, war ein tiefer Korruptionssumpf, durch den vor allem die Schergen von Präsident Hamid Karzai und das Staatsoberhaupt selbst profitieren. In Europa und Deutschland interessiert sich niemand dafür, was mit den Steuergeldern geschieht. Obwohl es fast jeder weiß. Alerta! Alerta! Mit erhobener Faust! Die Revoluzzer von HANIX. Time: Keine Person war im letzten Jahr wichtiger. Meint zumindest das TIMEMagazine. Holger Stanislawski: Der Hoffenheim-Coach zählt zu den sympathischsten Figuren der FußballBundesliga. Der Hamburger empfing uns im Zuzenhausener Trainingszentrum des Bundesligisten und gab bereitwillig Auskunft über badischen Dialekt, Werbung auf dem Arsch und seinen Ruhepuls nach Niederlagen.

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beDienung Des mAgAZins FEB 2012 EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. rebeLLiOn

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIVESTYLE -> ALTERNATIV Fragt nicht warum im MusikmagazinOrdner. Wir wissen es selbst nicht.

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i n h A Lt HANIX Nº5 18 MA RCUS C A R L E MEINE PLATTENKISTE 34 D U B WA R S MUSIKKOFFER 42 TA N J A K LING KULTURBEUTEL Der Macher der DATA Bar mag FolkRock, Hip-Hop und The Cure. Dabei steht der Blumentopf beim 28-jährigen vor dem Wu-Tang-Clan. Seit nunmehr fünf Jahren sind die Jungs von DUBWARS unterwegs um die Tanzflächen der Republik zum Kochen zu bringen. Das Jubiläumsinterview samt Film. Vor einem Jahr starb die Heilbronner Künstlerin Tanja Kling nach einem tragischen Krebsleiden. Sie hinterließ eine große Lücke in der Heilbronner Kunstszene. Eine Erinnerung an einen besonderen Menschen. 48 TOBIAS K RÖT Z DER KÜHLSCHRANK VON... 50 KRITZELHELDEN KUNSTREGION 58 I M G E S P RÄCH: H O LG ER S TA N I S L AWSKI INTERVIEW DES MONATS Tobias Krötz vertreibt beruflich schottische Kekse in ganz Deutschland. Beim Kochen schwört er aber auf regionale Produkte. Heilbronn ist kein Streetart-Mekka. Dennoch gibt es bei einem Gang durch die Heilbronner Innenstadt einiges zu entdecken Sie nannten ihn Stani: HoffenheimCoach Holger Stanislawski im Exklusivinterview

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68 REBELLION TITELTHEMA DIETER HILDEBRANDT & FA S C H I N G S N A R R E N STADTLEBEN / LANDLEBEN 12 & 14 Wir sind hier, weil wir eine neue Gesellschaft wollen, die Menschlichkeit über wirtschaftliche Interessen stellt. Wir machen uns stark für eine Veränderung der Gesellschaft und des sozialen Bewusstseins. Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, dass die Gesellschaft nicht schläft und wir weiterhin friedlich kämpfen werden. (Revolutionäres Manifest, Spanien) K I N D E R S I C H E RU N G SMS MICH MAL ALLES GERDA HARALD LIEST R EVO LU T I O N ! DER »DITTRICH, KLOTZ & KÖNI«-SKETCH LOV E & PE AC E HEIMATLIEBE K A F F E E H AU S H AG E N & DIE SÜSSE FEE AUSBILDUNG & MACHER IM UNTERLAND 28&32 RÖ M I S C H E U N K U LT U R & B R A S I L I A N I S C H E R K A R N EVA L 12 4 AFGHA N I S TA N AUSLANDSEINSATZ BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS ROM / NEI`GSCHMECKT 122 & 144 C A RO L I N N I E TS C H E LEIPZIG CALLING In Afghanistan ist Korruption ein florierender Wirtschaftszweig geworden. H E I L B RO N N , 2 0 0 9 VIA ARCHIV O H N E F LU G Z E U G U M D I E W E LT AROUND THE WORLD TEIL 3 O CC U P Y WA L L S T R E E T FROM NEW YORK CITY TO HEILBRONX QUIZ (120), BRIEFE/IMPR. (150), DER HISTORISCHE SCHUSS (152), VERANSTALTUNGSKALENDER (154)

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DAS HANIX TEAM WER UND WI ESO? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 33 JAHRE WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r d i e Region Heilbronn - f ü r L e s e r, d i e i n t e re s s i e r t , kulturell aufgeschlo s s e n u n d n e u g i e r i g a u f e i n en alternativen Blick a u f St a d t -. L a n d k re i s - u n d S zenekultur sind. WER MACHT HANIX? Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. Heilbro n n e r Me d i e n - u n d Ku l t u r s chaffende, die ihre Er f a h r u n g e n u . a . i n Be r l i n , München, Stuttgar t od e r Ha m b u r g g e s a m m e l t h a b en und nun etwas in i h re r He i m a t b e we g e n w o l l en. MARCEL KANTIMM WA S W I L L H A N I X ? HERAUSGEBER & KOORDINATION 37 JAHRE Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r L e u te und Gesells c h a f t d e r Re g i o n He i l b ro n n will mit spannenden , u n t e r h a l t s a m e n u n d i n f o r mativen Beiträgen die re g i o n a l e Me d i e n l a n d s c h a f t bereichern. Bier zapfen alleine macht nicht glücklich. Außerdem erstelle ich für´s Leben gerne Terminpläne, die dann hoffentlich jeder einhält.

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SEVTAP CELIK GRAFIK 25 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 27 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Heilbronn wird in den nächsten Jahren wachsen. Und dieses Magazin wird die Stadt dabei begleiten. Klar will ich dabei mitwirken! »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA PR, NETZWERK & FILM 25 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION & FILM 34 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 23 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 37 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 34 JAHRE ROBERT BEUTELSPACHER FILM & ANIMATION 24 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar - die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Mein Chef hat gesagt, wir machen jetzt ein Magazin. Jetzt mache ich das und habe auch noch Spaß dabei. Danke, Chef. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 20 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 61 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 37 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit - und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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FR AGE DES MONATS: WARUM BIST DU DABEI? SASCHA WARTHA REDAKTION 36 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 28 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 41 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 28 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 45 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 55 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: FEBRUAR 2012 DIETER HILDEBRANDT KANN DOCH AU C H NICHTS DAFÜR Er gilt als einer der einflussreichsten Kabarettisten der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, ist Schauspieler, Buchautor und mehrfacher Träger des Grimme-Preises. Mit seinem neuen Programm »Ich kann doch auch nichts dafür« kommt Dieter Hildebrandt am 3. Februar nun auch nach Heilbronn. »Die Geschichte der Weltwirtschaft hat bewiesen, dass auf nichts so Verlass ist, wie auf den Sieg« ,sagt Hildebrandt, Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, in den 1980ern zu dieser Erkenntnis kam, konnte er nicht wissen, dass dieses Zitat Programm werden würde. Nun klärt er das Publikum auf seine ganz besondere Art über die zulänglich bekannten Unzulänglichkeiten des Politikbetriebs auf. Dass aber die Entklugung auch den ganz normalen Alltag immer stärker einholt, zeigen seine Erlebnisse auf Flughäfen und Bahnhöfen. »Man kann Zeit schinden, vertreiben, totschlagen, aber auch foltern«, so urteilte er einmal über die heutigen Massenmedien. Auf diesen Abend wird das mit Sicherheit nicht zutreffen! Beginn ist um 20.00 Uhr im Alten Theater in Heilbronn. STAT I ST IK AMT 1970 kostete ein Quadratmeter Bauland im Stadtkreis Heilbronn Euro 2010 wuchs der Preis um das rund Fünffache auf 214,56 Euro an. 40,62 Heilbronn. Allee. Baustelle. Ein Bauarbeiter versucht einen LKW aus der Baustelle zu manövrieren. Ein VW Scirocco mit einer blonden Dame á la Paris Hilton fährt vor und herrscht den Bauarbeiter an: »Ey, halt dich da mal raus, du Arschloch!« Gibt Gas und lässt den verdatterten Mann stehen.

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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L ANDLEBEN: FEBRUAR 2012 DIE NARREN SIND WIEDER LoS Obwohl bereits am 11.11. vergangenen Jahres der Startschuss in die Karnevalssaison fiel, gilt der Monat Februar als DER Faschingsmonat. Narren verkleiden sich als Piraten, Hexen und Prinzessinnen und ziehen los zu den zahlreichen Faschingsumzügen und Partys. Dabei zählt vor allem auch der Bad Wimpfener Faschingsumzug bei den Faschingsfreunden zu einem der Höhepunkte im Unterland. Am Faschingssonntag, dem 19. Februar startet der Bad Wimpfener Faschingsumzug pünktlich um 14.11 Uhr und zieht mit zahlreichen Karnevalsvereinen und Partywägen durch die geschmückte Innenstadt. Dutzende Musiker und Gruppen befreundeter Karnevalsgesellschaften und Vereine sorgen auch dieses Jahr wieder für reichlich närrische Stimmung und ganz viel Spaß für Groß und Klein. Wer den Tag so beenden möchte, wie er ihn begonnen hat, kann dies auf einer der zahlreichen Faschingspartys, wie zum Beispiel in der Alten Kelter, tun. Mit der Verbrennung des Fassebutzen am Aschermittwoch vor dem Bad Wimpfener Rathaus kehrt erst einmal wieder Faschingsruhe ein, aber nicht lange, denn am 11.11.2012 startet schon die nächste Faschingssaison. Neulich in der Eppinger Innenstadt. Ein älteres Ehepaar betrachtet skeptisch einen parkenden BMW. Der Mann kopfschüttelnd: « Der hat ja gar keinen Glanz mehr...» (Anmerkung: Das Auto war matt-lackiert.) STATISTIK A M T Im Landkreis Heilbronn betrug der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Bauland 13,29 Euro 40 Jahre später stieg der Preis auf 161,10 EUR an

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sm s m i c h m A L ! UNGEWOLLT LITERARISCHES IN CA. 160 ZEICHEN MIT UNTERSTÜTZUNG VON WWW.SMSVONGESTERNNACHT.DE St e h t m e i n Au t o n o c h b e i d i r vo r d e r Ha u s t ü r ? Ja , u n d e s b l o c k i e r t d i e Au f f a h r t . Der Gefangene hackte die SMS in sein HTC Sensation. Ma c h m a l d i e Tü r h i n t e n a u f . Kindersicherung ist drin und ich komme nicht mehr raus. ZEICHEN FACTS 01.01.2012 DATUM 12:38 Seine Freundin antwortete amüsiert von ihrem Samsung Galaxy S2. UHRZEIT ZEICHEN Wir hoffen, Ihr hattet einen besseren Start in das neue Jahr als unser Kumpel. Nach einer feucht-fröhlichen Silvesterparty gingen bei ihm wohl die Lichter aus. Was er im Auto wollte, bleibt die Frage.

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H A R A L D L I E S T H A R A L D L I E S T TEXT: HARALD RIEGG; VIDEO & SCHNITT; STEVEN ZULEGER; TON: PHILIPP SEITZ Ha r a l d R i e g g s c h re i b t Ku r zgeschichten, ließt diese vor und veröffentlicht a u c h i n Bü c h e r n . Fü r u ns hat er diesmal »Alles Gerda« eingelesen. Ei n n i c h t g ä n z l i c h a p p e t i tlicher Text in dem die Dritten Zähne und ein a m p u t i e r t e r A r m s t u mpf nicht unwichtige Nebenrolle spielen.

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TEXT:ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE MARCUS CARLE: H I P - H O P, F O L K - R O C K UND THE CURE Marcus Carles Bar, das Data, ist das alternative Kleinod in der Heilbronner Gastroszene. Hier geben sich Styler, Nachtschwärmer und Lebenskünstler ein Stelldichein. Außerdem gibt es hier das engste Herrenklo der Stadt und keine argwöhnischen Blicke unter den Gästen. Großstadtfeeling mitten in Heilbronn!

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MEINE PL ATTENKISTE: MARCUS CARLE Marcus Carles fünf Lieblingsalben: 3 . K i n g s of Leon, » Y o u t h & Young Manhood« » E i n t e m p oreiches, rockig e s A l b u m , das mir sehr g u t g e f ä l lt. Ich lege W e r t d a r a uf, dass ich e i n A l b u m vom ersten bis z u m l e t z t en Lied durchh ö r e n k a n n. Das kann ich b e s t e n s b ei den Kings of Leon.« 4 . W u - T a n g-Clan, » K i l l a B e ez« » A l s V e r f echter des alt e n H i p - H op gehört dieses A l b u m m i t in meine Top f ü n f . A l s jugendlicher S k a t e r h a t mich das Alb u m d a m a l s begleitet und geprägt.« 5 . M u m f o r d and Sons, » S i g h n o more« » D a s i s t ein sehr viels e i t i g e s Folk-Rock-Album, d a s s i c h sehr gut von v o r n e b i s hin ten durchhören kann. Als das Album 2009 heraus kam, hat die Band es auf Vinyl pressen lassen. Das finde ich natürlich gut!« 1. Blumentopf, »Eins A« »Eines der schönsten, für mich das schönste deutsche Hip-Hop-Album. Es geht bei den Jungs nicht um Gangster-Kram, vielmehr haben die Texte vom Blumentopf viele humoristische Elemente, die mich immer wieder und immer noch zum Schmunzeln bringen. Außerdem hat mich das Album auch durch eine prägende Periode meiner Jugendzeit begleitet.« 2. The Cure, »Greatest Hits« » T h e C u r e« w a r s o e i n e einflussreiche und vielseitige Band, die es auch auf ihrem Best-of-Album sehr gut geschafft hat, ihr komplettes Repertoire an High-End-Qualität zusammenzuführen.« Marcus Carle bietet in seinem Data sicherlich eines der vielseitigsten Musikprogramme in der Heilbronner Bar- und Kneipenlandschaft an. Von Livebands, unter die sich das Publikum bei Liveauftritten mischt, über Klassik, Minimal, Hip-Hop oder rockigen Klängen bis hin zu experimenteller Musik gab es im Data schon alles zu hören. Mit dem Festival auf dem Otilienberg in der Nähe von Eppingen hat der Kneipier im letzten Jahr erstmals auch eine größere Musikveranstaltung auf die Beine gestellt. Die soll sich in diesem Jahr wiederholen. »Ich war mit der Resonanz und der Atmosphäre auf dem Otilienberg sehr zufrieden«, erklärt Marcus Carle. Auf dem Hügel bei Eppingen waren hauptsächlich Bands und DJ´s aus der Region zu sehen. Die Burgruine und ein großes Nachtlagerfeuer sorgten für feinste Festivalatmosphäre bei bestem Wetter. Der 28- jährige Gastronom bekommt beruflich also genug Musik auf die Ohren. Er selbst wurde in seiner Jugendzeit hauptsächlich mit HipHop groß. »Das rührt von meinen Skater-Zeiten her«, weiß der langhaarige Heilbronner. Der Wu-TangClan aus New York und die Münchner Combo Blumentopf waren einige seiner damaligen Favoriten. »Schuh war mein Lieblings-MC vom Topf. Sein Flow kam so lässig daher. Das die Jungs auch humorvolle Texte geschrieben haben, hat mir damals zugesagt«, beschreibt der Data-Inhaber seine Verbundenheit zum Blumentopf. Schon seit langer Zeit hört der Schwabe aber nicht nur Hip-Hop, wie während seiner Jugendtage. Sein Musikgeschmack ist vielfältig geworden. The Cure hört Marcus Carle sehr gerne. »The Cure läuft auch öfter hier im Data«, erzählt Carle. Die nächste Liveband, die im Data aufspielen soll, ist eine türkische Ska-Band aus Istanbul. »Die touren gerade durch Deutschland. Ich hoffe, wir bekommen die Jungs auch für einen Gig ins Data«, erzählt der passionierte Fahrradfahrer. Und wenn es mit der türkischen SkaTruppe doch nicht klappt, können Data-Gäste versichert sein, dass die nächste Liveband trotzdem das »gemütlichste Wohnzimmer der Stadt«, wie Marcus Carle seine Bar beschreibt, »rocken wird.«

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D I T T R I C H , K L O T Z & K Ö N I ! Di t t r i c h , K l o tz & Köni drehen lustige Filme. Sk e t c h e z u m Beispiel. So auch an dieser Stelle. Ei n l u s t i ges Video über RevoLotion. D I T T R I C H , KLOTZ & KÖNI SIND BUCHBAR! K ONTAKT: 0176/99053371 W W W . DERDRANGZUMKLANG@WEB.DE W WW.LISAMARIAKLOTZ.DE

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON ROBERT MUCHA Oma-Cafè: Für genau sechs Wochen im Dezember und Januar war das Käthchen Gold in der Heilbronner Innenstadt geöffnet. Dabei entpuppte sich das provisorisch aber liebevoll eingerichtete kleine Cafè als Kleinod in der Heilbronner Cafè-Szene. Hier fanden Gäste Ruhe und Gemütlichkeit aber auch leckeren Punsch, eine kleine Gebäckauswahl und vieles mehr. Sogar die Einrichtungsgegenstände des Käthchen Gold konnte man kaufen. Schade, dass das charmante Cafè-Projekt nur für eine so kurze Zeit konzipiert war.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Heilbronns Brücke der Herzen Am 23. Dezember 2011 gegen 21 Uhr, als wir mit dem Fahrrad vorbeifuhren, machte sich ein sehr herzlicher Mensch daran, die Unterführung der Rosenbergbrücke in der Badstraße mit zig roten Herzen zu verzieren. »Love & Peace« hat er noch hingeschrieben und fertig war sein Werk. Herzergreifend!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Schwäne und Enten füttern Der Heilbronner Januar hatte auch einige Sonnentage zu bieten. Eine gute Gelegenheit, um im Pfühlpark Wasservögel zu füttern. Die Enten und Schwäne waren so gierig auf die alten Brotkrumen, dass sie fast aus der Hand gefressen haben.

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A U S B I L D U N G U N T E R L A N D : K A F F E E H A U S H A G E N FOTOS: MEHMET FILIZ We n n e s i n Heilbronn um guten Kaffee geht, k o m m t m a n a m Kaffeehaus Hagen einfach nicht vo r b e i . Da n k eigener Rösterei und jahrelanger Er f a h r u n g r u n d um die Kaffeebohne wird Gäst e n h i e r b e s t er Kaffeegenuss geboten. In den h a u s e i g e n e n Barista-Seminaren kann man seine Fä h i g k e i t e n a n der Kaffeemaschine ausbauen.

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"Geredet wurde schon viel, jetzt was für die rechte Gehirnhälfte"

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M A C H E R U N T E R L A N D : S Ü S S E F E E FOTOS: MEHMET FILIZ Di e Sü ß e Fe e b i e t e t handgearbeitete Konditorkunst an. Ob f e i n e Ku c h e n u n d Tor ten, tagesfrische Desser ts, zar tknusprige Fe i n g e b ä c k e , s ü ß e Ge s c h e nkideen, Pralinen oder Schokoladenspe zialit ä t e n . Wi r h a b e n Ma c h e r i n Elke Doll-Gottstein in ihrer Manufaktur u n d d e m Ve rk a u f s l a d en in der Kirchbr unnenstraße besucht.

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INTERVIEW: SASCHA WARTHA FOTOS: MEHMET FILIZ, PRIVAT REVoLuTIoN DER BÄSSE - FüNF JAHRE DuBWARS

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MUSIKKOFFER: REVOLUTION DER BÄSSE - FÜNF JAHRE DUBWARS Wir schreiben das Jahr 2012. Die akustische Föderation der Galaxie befindet sich in Aufruhr. Das Imperium Kommerz legt langsam seinen Schatten über alles Existierende. Unerträgliches Leid, getragen von Schall, besiedelt große Teile des Universums. Scheinbar unaufhaltsam zieht Kommerz die Bewohner der verschiedenen Sonnensysteme in das geistige Tal des Stumpfsinns. Doch einem kleinen Rebellenstützpunkt auf einem blauen Planeten Namens Erde probt den intergalaktischen Aufstand und rekrutiert unverdrossen Gleichgesinnte, die sich mit Leidenschaft gegen das drohende Unheil stemmen. Den Rebellen ist es gelungen unabhängig vom System des Kommerz den Widerstand aufrecht zu erhalten. Durch regelmäßige Zusammenkünfte der immer größer werdenden  Anhängerschaft wird Kraft getankt und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Es geht in eine  große Schlacht mit ungewissem Ausgang. Doch die Rebellion besitzt eine starke Waffe. Die Macht des Basses. Wir trafen uns mit einem Kommandanten des Stützpunktes Mannheim, genannt Sickhead und dem Anführer der Gemeinschaft Ridick stellvertretend für eine große Gruppe von Aktivisten. HANIX -- Wann erblickte euer Sprössling DUBWARS das Licht der Welt? DUBWARS -- Das lässt sich sehr genau datieren und zwar war das am 7. Januar 2007. Es war damals eine sehr kleine Geschichte, an mehrere Floors war nicht zu denken. Jedoch war es tatsächlich die erste Veranstaltung unter dem Namen DUBWARS. Sozusagen der erste Versuch, den damals noch sehr frischen Sound »Dubstep« der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es waren so ungefähr zehn Leute an diesem Abend zu Gast, man kann somit definitiv nicht von einem Erfolg sprechen. Nichtsdestotrotz war diese Party ein entscheidender Schritt, denn zweifelsohne regten sich Ambitionen. HANIX -- Wie entwickelte es sich dann weiter? das uns auf unseren Dubwars-Reisen begleitet. Sehr open minded. HANIX -- Thema Dubstep. Wie kann man diesen Hype erklären? Nun ja, im April 2007 folgte Ridicks Rückkehr aus Frankfurt, wo er fünf Jahre lebte. Durch den Plattenladen von Heiko Schweitzer knüpfte er dann erste Kontakte zu einem anderen Künstler aus Heilbronn, wohl außer ihm der Einzige der sich in dieser Stadt zu diesem Zeitpunkt für Dubstep interessierte: Zombeatz. Sie beschlossen kurzum gemeinsame Sache zu machen und im Juni 2007 war es dann soweit. Dieses mal kamen ungefähr einhundert Leute, die sich jedoch, mit Dubstep konfrontiert, etwas schwer taten. Jedoch bekamen wir aber auch die Möglichkeit, häufiger im Mobilat den Support Part, zum Beispiel im Hof zu übernehmen und konnten somit unsere Musik weiter pushen. DUBWARS -- HANIX -- Welchen Stellenwert messt Ihr bei eurem, zweifelsohne erfolgreichem, Weg dem Mobilat bei? uns ist das selbst über die Landesgrenzen hinaus ein Club der seinesgleichen sucht. Wir finden diese Location wunderschön, super Flair und Atmosphäre. Für uns gibt es überhaupt keinen Grund uns nach etwas anderem umzuschauen, denn das Mobi ist auf seine spezielle Art einzigartig. Wir freuen uns auch sehr über das neugierige Publikum, DUBWARS -- Für wollen wir einem massiven Vorurteil entgegenwirken. Wir werden geläufig als reine Dubstep Crew gebrandmarkt. Das ist mitnichten der Fall. Wir stehen für Bassmusik. Dieses Feld erstreckt sich von Hip Hop über Reggae, Dub und Dancehall bis hin zu House, Techno, Dubstep und Drum'n'Bass. Jedoch hat schon alles mit der Leidenschaft für Dubstep begonnen. Mit dieser Musik ist das so ein Ding, der Sound den junge Leute heutzutage entdecken hat nicht mehr viel mit dem Sound gemeinsam, der uns vor einigen Jahren in den Bann gezogen hat. Grenzen verwischen. Der Sound wird ja nur noch durch das Tempo definiert. Einflüsse aus fast allen Genres sind vertreten und dieser Umstand macht Dubstep auch so erfolgreich. Diese Vielfalt gepaart mit dem etwas langsameren Tempo spricht im Kern halt doch eine viel breitere Masse von Menschen an. Welcher Veranstalter hat es hinbekommen das sich die Headliner bei ihm melden um auf einer seiner Veranstaltungen spielen zu dürfen? Wer hat es geschafft, Heilbronn auf die Nationale Karte des Genres Dubstep ganz weit oben zu platzieren? Wer hat überhaupt diesen Sound nach Heilbronn gebracht und uns Künstler wie AMIT, INSTRA:MENTAL oder die DMZ CREW mit Mala, Coki, Loafah und Sgt Pokes alle sammt aus London, oder DJ HIDDEN aus Holland, DUB FX aus Australien und ADDISON GROOVE aus Bristol beschert? Das ist geniales Booking und die Antwort ist einfach. Dubwars. DUBWARS -- Ersteinmal

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HANIX -- Welches Prinzip verfolgt Ihr beim buchen eurer Artists? DUBWARS -- Wir buchen einzig und allein nach dem Qualitätsprinzip. Wir holen uns unsere Helden. Leute die man jahrelang anhimmelte, deren Musik man mit jeder Pore des Körpers aufsaugte. Mit diesen Künstlern dann auf der selben Bühne zu stehen, das ist schon grundsätzlich etwas Besonderes. Dub FX mal stellvertretend für viele HANIX -- Eure Events erhalten ja tolle Künstler, hat mittlerweile ja auch durch umfangreiche RahmenWeltstar-Qualität erreicht. Solche programme das Prädikat » BesonMenschen dann ders » Woher kennenzulernen ist Wir buchen einzig und allein stammt diese schon beeindruMotivation? nach dem Qualitätsprinzip. ckend. DUBWARS -- Mit dem Einzug ins HANIX -- Habt Ihr Wir holen uns unsere Helden. Mobilat war von uns eine GeAnfang an klar schichte über eidas wir keine nen eurer Helden? Leute die man jahrelang anreine DUBWARS -- Nun himmelte, deren Musik man Musikveranja, besagter Dub staltung haben FX, seines Zeimit jeder Pore des Körpers wollten. Dubwars chens Australier versteht sich hat uns auch schon aufsaugte. als ein KünstKopfzerbrechen lerkollektiv das bereitet. Man muss Menschen die etwas Besonderes wissen das er zu dieser Zeit in den machen eine Plattform bietet. Wir wettertechnisch erträglichen Monahatten zum Beispiel schon Schweiten mit seiner Frau im Wohnmobil ßer und Graffitti Künstler, einen quer durch Europa von Gig zu Gig Tätowierer der vor Ort arbeitete, pilgerte. Den Winter verbrachte verschiedene Percussionisten oder er dann häufig in Australien. Eine Woche vor der Veranstaltung, bei der einen Holzschnitzer der im Laufe wir ihn das erste Mal gebucht hatten, der Nacht Skulpturen fertigte. Oder einen Feuerspucker. Wir arbeiten klingelte das Telefon. Dub FX war mit sehr hochwertigen Video- und an der anderen Leitung und teilte Dekorationskünstlern zusammen. uns kurzum mit das sein Bus sich in Unser Anspruch ist es ein einzigarItalien dazu entschied nicht mehr tiges Nachterlebnis zu schaffen. Wir weiter zu wollen und nun zusätzlich möchten akustisch wie auch visuell zur Gage noch für etwas zwei Flüge, einen für sich und einen Besonderes stehen und laden unsere für seine Frau anstehen, sonst fällt Gäste ein in diesen Rausch mit einder anstehende Auftritt ins Wasser. Die Kostenaufstellung die im Vorfeld gemacht wurde machte natürlich unendlich viel Sinn, wenn sich herausstellt das unser Headliner auf dem beschissen kleinsten Flughafen von ganz Italien herumhängt. Die Entscheidung zusätzliche zig Tausend Euro an Flugkosten in Kauf zu nehmen viel uns nicht leicht, doch wir haben es getan und es nicht eine Sekunde bereut.

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MUSIKKOFFER: REVOLUTION DER BÄSSE - FÜNF JAHRE DUBWARS zutauchen. Es ist das Besondere. Es ist eben Dubwars. HANIX -- Mittlerweile beehrt Ihr große Teile der Republik, jedoch findet sich in der Käthchenstadt der Ursprung. Wie ist euer Verhältnis zu Heilbronn? zu  äußern. Man darf sich nichts vormachen. Heilbronn ist sicher keine Weltstadt, doch gerade unter diesem Gesichtspunkt gab es in den letzten 5 bis 10 Jahren eine tolle Entwicklung zu beobachten, gerade subkulturell. H A N I X -- Der Dubwars-Virus hat sich mittlerweile ja auch in anderen Städten breit gemacht. Wie entsteht so etwas? ist super. Es ist Heimat. Wir sind sehr beeindruckt und überrascht das die Geschichte die wir hier auf die Beine gestellt haben in dieser Stadt überhaupt so möglich war. Wir haben ja das Glück viel herumzukommen, lernen andere Städte und andere Szenen kennen, im Vergleich dazu finden wir Heilbronn doch sehr abwechslungsreich. Einzig an der konservativen Mentalität der Süddeutschen, auch oftmals in Entscheidungsämtern, gibt es Kritik DUBWARS -- Heilbronn natürlich Mannheim konnten wir so schon erschließen. Wobei wir feste Bezugspunkte ausschließlich in Stuttgart und Mannheim verankert haben. Auf diese Art und Weise kommen natürlich immense Kontakte zum tragen. Es entsteht eine Idee, die wird durchgesprochen und dann einfach versucht mit den Leuten vor Ort umzusetzen. HANIX -- Wir schreiben das Jahr 2012. Was ist in diesem von euch zu erwarten? DUBWARS -- Auch wenn wir uns vorgenommen hatten dieses Jahr etwas langsamer zu machen, können wir vorwegnehmen: Es wird ganz Groß dieses Jahr! Da ist zum einen unser 5-jähriges Jubiläum bei dem es stark danach aussieht das SKREAM persönlich zum gratulieren vor- lernt als DJ ja auch viele Kollegen kennen und unter denen finden sich eben auch Leute die die selbe Leidenschaft teilen, für dasselbe einstehen und dann auch dasselbe Ziel verfolgen. Es wird sich kennengelernt und beschlossen in eine Richtung zu gehen und gemeinsam Spaß zu haben. Neunkirchen, Erlangen, Karlsruhe, Stuttgart und DUBWARS -- Man

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MUSIKKOFFER: REVOLUTION DER BÄSSE - FÜNF JAHRE DUBWARS beischaut. Desweiteren werden wir im Drum `n Bass Bereich etwas machen, für die Freunde der etwas härteren Gangart denen Current Value sicher ein Begriff ist. Wir werden RSD ( Rob Smith von Smith & Mighty ) in Stuttgart zu Gast haben, The Kidz Make Noize werden Ihr Debut geben, die Jungs von NSF. Viele großartige Künstler werden sich ein Stelldichein geben. Nur ein paar Geheimnisse behalten auch wir uns vor. HANIX -- Man hört Gerüchte über ein eigenes Plattenlabel. Ist da was dran? genes Label namens RAW DUBS  ins Leben gerufen auf dem wir nationale sowie internationale Artists featuren. Die Planungen sind in vollem Gange, nur auf ein Datum möchten wir uns noch nicht festlegen. HANIX - Gibt es einen Masterplan wo euch der Weg hinführen soll? Thema das uns schon lange beschäftigt und es wird tatsächlich im Laufe des Jahres ein hausei38 DUBWARS -- Ein Ganz klar ist die Weltherrschaft unser Ziel! Nein, einen Masterplan gibt es nicht. Wir sind sehr dankbar das wir uns mit diesem Projekt nun schon 5 Jahre auseinandersetzen dürfen, das es solch großen Zuspruch erfährt. Wir wollen jetzt erst einmal versuchen das weitere 5 Jahre dazukommen und dann vielleicht DUBWARS --

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nochmal fünf. Wir möchten weiterhin für qualitative Abwechslung im Nachtleben stehen und bleiben weiterhin am Puls der Zeit. Nichts ist festgeschrieben außer unserer Liebe zu Bassmusik. HANIX -- Eure Message an die Hanix-Leser lautet? Dank an alle die uns seither unterstützt haben und mit uns waren. Und ein herzliches Hallo an alle die uns noch nicht kennen aber uns bald besuchen werden. Habt Spaß, seid ehrlich zu euch selbst und bleibt kritisch. Wir sind unter euch. DUBWARS -- Vielen MEHR IN F O S G I B T ' S U N T E R WWW.DUB W A R S . N E T NEXT DATES: 27.01. DUBWARS w/ Rob Sparx & Maveric @ Universum, Stuttgart 10.02. Ridick & Friends @ Neckarlust, Heilbronn 18.02. Cruise & Ride @ Club Chip, Innsbruck 24.02. DUBWARS w/ COP DICKI @ Universum, Stuttgart 02.03. DUBWARS w/ RSD @ Universum, Stuttgart 03.03. DUBWARS w/ Navigator MC @ Mobilat, Heilbronn 31.03. DUBWARS @ Gotec, Karlsruhe 07.04. 10 Years Catch a Fire @ Glaspalast, Sindelfingen 08.04. IRIE SUNDAY w/ Lucky Punch Soundsystem @ Universum, Stuttgart 13.04. Ridick & Friends @ Neckarlust, Heilbronn

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KULTURBEUTEL: TANJA KLING

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TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE, PRIVAT » D A S D U RC H S C H E I N E N D E M , WA S L I E G T « VO N D A RU N T E R A m 1 1 . Fe b r u a r 2011 starb Tanja Kling nach einem K re b s leiden mit nur 41 Jahren. Di e w u n d e r b a re , l e i der unterschätzte, Künstlerin hinterließ i n d e r He i l b ro nner Kunstszene eine große Lücke. Eine Erinner ung. Ein Künstleratelier in der Heilbronner Zigarre in der Nähe des Hauptbahnhofes. Wenn Tanja Kling hier an ihren hauchzarten Zeichnungen saß, die sie für das Betrachterauge fast unsichtbar in ihren Landschaftsbildern tarnte, arbeitete die aus Lauffen stammende Künstlerin hoch konzentriert. Länger als zwei bis drei Stunden am Stück waren diese feinen Zeichenarbeiten nicht durchzuführen. Zu kraftraubend war dieser Prozess, bei dem die Künstlerin, die zwischen Heilbronn und Berlin pendelte, den Pinsel kaum über das Papier oder die Leinwand führte. Der Mensch Tanja Kling war ebenso wie die Künstlerin: sensibel, fragil und zurückhaltend, wie Leonore Welzin in ihrem Nachruf in der Heilbronner Stimme die Diplom-Malerin beschrieben hatte. Dabei besaß Tanja Kling eine vielschichtige Per43 sönlichkeit, wie ihr Freund Thomas Keck sie in Erinnerung hat. »Tanja war zurückhaltend und beobachtend, konnte aber auch rebellisch sein«, vergegenwärtigt sich Keck seine Freundin. Thomas Keck verarbeitet den Verlust seiner Partnerin auch noch ein Jahr nach ihrem tragischen Tod. Kaum zwei Jahre waren Thomas Keck und Tanja Kling ein Paar ehe das Schicksal so bitterlich zuschlug. »Ich lerne sie jetzt immer noch kennen und immer besser«, erzählt Thomas Keck, der das künstlerische Vermächtnis von Tanja Kling übertragen bekam. Immer wieder entdeckt er neue Datenträger und Bilder seiner Freundin. Auch das Tanja Kling lyrisches Talent besaß, hat ihr Freund im Nachhinein bemerken dürfen. Das unerschöpflich erscheinende Vermächtnis von Tanja Kling gilt es nun zu Sichten und zu Sortieren.

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KULTURBEUTEL: TANJA KLING Atelier In ihrem Heilbronner Atelier in der Zigarre arbeitete Tanja Kling bis kurz vor ihrem Tod. Noch heute ist ihr Atelier nahezu unverändert.

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KULTURBEUTEL: TANJA KLING Eine Mammutaufgabe für Thomas Keck: »Tanja war so vielschichtig, so spannend, so aufmerksam. Und so überaus talentiert. Ich will ihr gerecht werden in der Aufbereitung ihres künstlerischen Vermächtnisses.« Menschen, die Tanja Kling als Künstlerin und Graphikerin kannten, trauerten um das Talent, das der Welt verloren ging. Tanja Kling war einfallsreich, beharrlich, bescheiden, einfühlsam, kreativ und sie freute sich mit anderen und für diese. Sie blieb den Menschen, mit denen sie zu tun hatte im Gedächtnis. Obwohl sie eine so ruhige, sich zurücknehmende Person war. Peter Schmidt, Kurator im DemoZ in Ludwigsburg, in dem Tanja Kling ausgestellt hatte, beschrieb sie sehr treffend: »Sie kommt von der Verletzlichkeit des Menschen her. Das ist ihr grundlegendes, sehr persönliches Anliegen. In ihren Bildern taucht immer die Verletzlichkeit auf. Das drückt sich zunächst, ganz vordergründig, in dieser Zartheit der Bilder aus. Was an ihren Bildern unheimlich beeindruckt, ist, dass in diesen zu spüren ist, wie feinfühlig sie sich mit dem Material auseinandersetzt. Ihre Farbigkeit kommt immer von der Haut her, von der menschlichen Oberfläche. Wenn man menschliche Haut genau anschaut, sieht

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KULTURBEUTEL: TANJA KLING man, dass die Haut nicht eine kompakte Farbe hat. Was wir eigentlich beim Betrachten der Haut sehen, ist das Durchscheinen von dem, was darunter liegt, mehrfach gefiltert durch verschiedene Schichten. Tanja simulierte mit den Oberflächen, die sie erarbeitete, menschliche Oberfläche. Also sind die Bilder sehr privat. Die Arbeiten drücken etwas aus. Man kann das nur schwer rein intellektuell begreifen, man muss sie auch fühlen, diese Zartheit und diese Empfindsamkeit.« Tan- ja Kling war ein Mensch und eine Künstlerin der stillen, zurückhaltenden Tonart. Sie war, wie Welzin in ihrem Nachruf schrieb »konzeptuell einen Schritt voraus«. Tragischerweise konnte Tanja Kling, die so bewundernswert leise und so atemberaubend talentiert war, nicht mehr zur zweiten Halbzeit ihres Lebens und ihres künstlerischen Schaffens antreten.

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DER KÜHLSCHRANK VON...: TOBIAS KRÖTZ FOTOS: MEHMET FILIZ / VIDEO: MATTHIAS BITSCH Der Kühlschrank: MARKE: AEG MODELL: V54Z3X7 TYP: Standkühlschrank NUTZINHALT: 228 Liter ENERGIEEFFIZIENSKLASSE: A++ ENERGIEVERBRAUCH: 315 kWh in 365 Tagen ABMESSUNGEN: 157 x 54 x 54 cm (HxBxT) Der Besitzer: VORNAME: Tobias NACHNAME: Krötz TIERE: KEINE MAHLZEITEN, DIE DIESER KÜHLSCHRANK HERGIBT: Frühstück - JA Mittagessen - Ja Abendessen - Ja

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DER KÜHLSCHR ANK VON...: TOBIAS KRÖTZ

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Kr i tZ e L h e L D e n FOTOS: ROBERT MUCHA He i l b ro n n i s t n i c h t u n bedingt das Mekka der Street Ar t Szene. Do c h we n n m a n a u f m e rksam durch die Stadt läuft, gibt es fast a n j e d e r Ec k e k l e i n e und größere Kritzeleien zu entdecken. Ei n f o t o g r a f i s c her Streifzug durch Heilbronn.

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KUNSTREGION: KRITZELHELDEN

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IM GESPRÄCH MIT HOLGER STANISLAWSKI H O LG E R S TA N I S L AW S K I INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ, ROBERT MUCHA

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Hol g e r St a n i s l a w s k i i s t Ku l t f i g ur in der Fußball-Bundesliga. Aus d e m we l t o f f e n e n Ha m b u r g ist der Fußballlehrer in die bad i s c h e Prov i n z g e zo g e n . Ei n Gespräch über den badischen Dia l e k t , We rb u n g a m A r s c h u n d den DFB-Pokal. H A N I X -- Holger Stanislawski, was macht für Sie den Reiz an Hoffenheim aus?  haben, längerfristig an den Verein binden. H A N I X -- Wie kommt das Hoffenheimer Umfeld aus ihrer Sicht damit zurecht, dass die Zeiten, in denen das Geld mit beiden Händen großzügig ausgegeben wurde, nun vorüber sind? Ich denke die guten Möglichkeiten und Perspektiven hier etwas geduldig und nachhaltig aufzubauen, sind das Reizvollste in Hoffenheim. Hier gibt es nicht nur im sportlichen Bereich Entwicklungsmöglichkeiten. Ob es das Umfeld des Vereins betrifft, die Fankultur oder eben mit der jüngsten Mannschaft der Bundesliga arbeiten zu können. Das erfordert zwar sehr viel Akribie, macht aber gleichzeitig für mich den Reiz aus, hier zu arbeiten.  H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- H A N I X -- In Hoffenheim wurde in den letzten Jahren doch schon sehr viel aufgebaut und entwickelt. Welcher Entwicklungsschritt muss aus ihrer Sicht als nächstes kommen? glaube das sich das direkte Umfeld damit nicht sehr schwer tut. Die Leute sehen und verstehen das man auch mit etwas weniger Budget, dafür mit mehr Identifikation, erfolgreich und attraktiv Fußball spielen kann. Aber Außenstehende werden das nicht sofort verstehen. Früher wurden in Hoffenheim mal acht Millionen hier, dann wieder zehn Millionen dort ausgegeben. Diese Transferpolitik wurde als selbstverständlich für Hoffenheim angesehen. Unsere Verpflichtung ist es nun, diese Attitüde etwas herunterzudrehen. H A N I X -- Macht das für Sie auch den Reiz aus, hier zu arbeiten?  Über weniger Budget als der Vorgänger zu verfügen macht normalerweise keinen Trainer glücklich. H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Ich ist in den letzten Jahren unheimlich viel von außen verpflichtet worden. Es kamen sehr viele Aufstiege hintereinander. Plötzlich spielte man in der Bundesliga. Der Verein mit all seinen Bereichen ist dieser Entwicklung etwas hinterhergehinkt. Inzwischen hat man gerade im Nachwuchsbereich Bedingungen geschaffen, die meiner Meinung nach in Deutschland einzigartig sind. Daraus muss der Verein nun Kapital schlagen. Die Zeiten, in denen für wahnsinnig viel Geld Spieler verpflichtet worden sind, sind abgeschlossen. Jetzt gilt es, dass man den ein oder anderen aus dem eigenen Stall an die Profimannschaft heranführt und dass man qualitativ gute junge Leute ausbildet. Aber wir wissen auch, dass jedes Haus ein ordentliches Fundament benötigt. Sprich die Mischung muss stimmen. Wir wollen deshalb auch Spieler, die hier in Hoffenheim schon viel mitgemacht H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Es muss einen Trainer nicht immer unglücklich machen. Ich kenne richtig eng begrenzte Transferbudgets aus St. Pauli. Dort waren wir nur einmal in der Lage für eine Neuverpflichtung Ablöse zu bezahlen. Sonst mussten wir nach ablösefreien Spielern Ausschau halten. Inzwischen ist man am Millerntor aber glücklicherweise deutlich gesünder als vor vier, fünf Jahren. Ich weiß auch, dass es nicht unbedingt sein muss, dass der Spieler, der 7,5 Millionen Ablöse gekostet hat, erfolgreicher und besser Fußball spielt, als ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Aber es gibt natürlich Spieler, die eine gewisse Qualität haben, für die wir dann auch H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Das

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI bezahlen müssen, da es unser Ziel ist uns im oberen Tabellendrittel festzusetzen.  H A N I X -- Als Sie noch Trainer des FC St. Pauli waren, haben Sie sich über den Zulauf von sogenannten Modefans beschwert, die nach dem Bundesligaaufstieg vermehrt den Weg ans Millerntor gefunden haben. Als Außenstehender hat man den » B i s e s hier eine gewach sene Fa n ku l t u r gibt, benötigt es mehr Ze i t a l s i ch wahrscheinlich hier sein werde.« Eindruck, dass der Großteil der Hoffenheimer Anhänger diesem Modefan-Bild entspricht. Das muss furchtbar für den Fußballtraditionalisten und -malocher Holger Stanislawski sein? es hier eine gewachsene Fankultur gibt, benötigt es mehr Zeit als ich wahrscheinlich hier sein werde. Die Zuschauer, die zu uns ins Stadion kommen, waren lange Zeit hauptsächlich beim Amateurfußball unterwegs. Da ist es ganz logisch, dass diese Menschen sich nicht über Nacht zum Auswärtsfahrer nach Wolfsburg entwickeln. Das muss wachsen. Uns muss es gelingen, die nachfolgenden Generationen zu binden. Ich kenne das aus Hamburg vom Handball und Eishockey. Dort wurden Mannschaften gekauft, die dann auf einmal da waren. Hier in Hoffenheim haben wir momentan sehr viele Fußball-Zuschauer und weniger die klassischen Fans, H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Bis

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Einen Kulturschock habe ich nicht erleiden m üssen. Ich bin ja auch nicht der typische Klis chee-Hamburger. die Bundesligafußball schauen. Dementsprechend ist die Stimmung im Stadion. Das gab es bei St. Pauli auch als die neuen Süd- und Haupttribünen gebaut wurden. Auf einmal bestand die Haupttribüne zu dreiviertel aus VIP- und Logen-Bereich. Dort sitzen eben größtenteils Zuschauer, die die Karten über eine Firma bekommen haben und ab und zu zum Fußball gehen. Klar, dass die nur zugucken und nicht aufspringen, um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. Aber das gibt es im Profifußball überall. Grundsätzlich fehlt hier in Hoffenheim naturgemäß noch eine gewachsene Fanstruktur und -kultur. So etwas braucht seine Zeit. Aber auch da kann man Dinge anschieben. Es gibt hier beispielsweise keinen Fanladen oder eine Fankneipe als Treffpunkt. Dort könnte man montags zusammen Zweitligafußball schauen. Allemal besser als alleine zu Hause zu sitzen. Solche Dinge müssen hier noch entstehen. H A N I X -- Hoffenheim ist - anders als St. Pauli nicht zwingend auf eine gewachsene, beziehungsweise wachsende Fanstruktur angewiesen. Fehlt ihnen das nicht? Sie waren bei St. Pauli ja mittendrin im Geschehen des Stadtteilvereins und hatten engen Kontakt zu den Anhängern. fehlt das ein oder andere für meine Jungs. Mir persönlich fehlt das nicht zu meinem Glück. Ich habe das bei St. Pauli natürlich jahrelang genossen. Letztendlich geht es aber darum, dass sich die Spieler wohlfühlen.  H A N I X -- Nun verlassen wir Hamburg. Wie gefällt es ihnen in der Provinz? Ist es ihnen hier nicht zu ruhig? H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Mir Nein. Ich habe Ruhe immer schon gerne genossen. Ich muss nicht jeden Tag durch die Innenstadt rennen. Die wenige Freizeit, die ich habe, verbringe ich gerne für mich oder mit meiner Familie und Freunden. Und wenn ich doch mal in die Stadt möchte, fahre ich in 20 Minuten nach Heidelberg. In Hamburg komme ich in dieser Zeit von meinem Haus gerade nach Wandsbek und bin dann auch noch nicht in der Innenstadt. Ich habe hier optimale Möglichkeiten. Ich finde die Lebensqualität ist hier sehr hoch. Ich habe das ländlich Beschauliche und bekomme trotzdem alles was ich brauche, muss auf nichts verzichten. Wir müssen uns hier unsere Milch auch nicht selbst melken.  H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- H A N I X -- Hier werden Sie sicherlich öfter auf der Straße angesprochen als im weltoffenen Hamburg.

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Ist das nicht anstrengend? ist durch die Größe natürlich anonymer, dort beschäftigen sich viele Leute nicht mit dem FC. St Pauli und seinem Trainer. Das ist hier in der Gegend sicher anders. Aber es hat grundsätzlich einen wahnsinnigen Zuwachs genommen mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Die Anonymität war damit vorbei. H A N I X -- Inzwischen sind Sie ein halbes Jahr in Hoffenheim. Haben Sie die Umstellung sich nun hier mit einer völlig anderen Mentalität auseinandersetzen zu müssen schon vollzogen oder erleben Sie immer noch kleine und größere Kulturschocks?  H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Einen H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Hamburg tes ist jetzt auch nicht so, dass ich `Hurra`schreie. Aber ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. H A N I X -- Können Sie schon ein wenig badisch? Wir hätten gerne eine Hörprobe... badisch habe ich noch nicht gelernt. Aber ich habe mir eine Zeile aus dem Badener Lied gemerkt. Die geht: »Der Schwob muss raus, der Schwob muss raus.« Das fand ich witzig.  H A N I X -- Wo und wie entspannen Sie in ihrer neuen Heimat? H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Ich H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Nein, Wenn die Leute hier Dialekt Kulturschock habe ich nicht erleisprechen, dann habe ich Proden müssen. Ich bin ja auch nicht der typische Klischee-Hamburger. bleme. Ich verstehe dann weSprich: kühl, nordisch, reserviert. Ich bin eher offen, gehe auf Leute H A N I X -- Was könnte Hamburg vom nig. Das ist wie Plattdeutsch zu und nehme sie mit. ManchKraichgau lernen und umgekehrt? mal nehme ich sie auch hoch. Ich H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Oh, das oder die Kesselflickersprache lache gerne, auch über mich. Hier ist eine schwierige Frage. Dazu habe wurde zunächst einmal abwartend ich mir noch gar keine Gedanken für Süddeutsche. geschaut, was das denn für ein Typ gemacht. Ich glaube, dass man hier ist, der da aus dem Norden kommt. öfters optimistisch und positiver denMan muss den Ein oder Anderen ken sollte. Man achtet hier beim eigemanchmal aus einer Art Tunnelblick herausholen. Aber nen Handeln sehr darauf, wie das bei anderen ankommen ich glaube, dass die Menschen hier grundsätzlich im tiefskönnte. Da sind die Hamburger anders, das schert dort ten Inneren ganz herzlich sind.  nicht so sehr. Dort herrscht eine Einstellung nach dem Motto »Man ist so, wie man ist und los gehts. Egal was H A N I X -- Ihre beiden Assistenztrainer, André Trulandere davon halten mögen.« Das liegt aber auch an der sen und Klaus-Peter Nemet, kamen auch aus Hamburg fehlenden Anonymität hier. Hier kennt man sich, da wird mit. Haben Sie sich schon bei ihnen beschwert, man anders beäugt. Was könnte Hamburg vom Kraichgau dass sie jetzt in der badischen Provinz gelandet lernen? Vielleicht das Entspannte. Hier sind die Menschen sind? bei aller Hektik gelassen und entspannt. Das tut auch ganz H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Die fühlen sich ebenso wohl hier, wie ich. Das Problem ist ja meist nicht darin begrün- gut, finde ich.   det, dass die Heimatstadt, in unserem Fall eben Hamburg, H A N I X -- Nun zum sportlichen. Mit Platz neun nach an sich fehlt sondern das private Umfeld. Sich darauszulö- der Hinrunde sind Sie sicherlich nicht zufrieden. sen und sich einen anderen Rhythmus anzugewöhnen fällt Dafür läuft es im DFB-Pokal so gut wie noch nie nicht auf Anhieb leicht. in ihrer Laufbahn. Noch drei Siege und Hoffenheim H A N I X -- Mögen Sie den badischen Dialekt? Und viel wichtiger: verstehen Sie die Menschen hier? spielt kommende Saison international. Da Sie sich momentan im Bundesliganiemandsland befinden, können Sie den Fokus doch getrost auf die Pokalspiele legen. wohne direkt am Trainingsgelände, bin eigentlich den ganzen Tag hier. Ich schätze die kurzen Wege. Das war in Hamburg anders. Um zu entspannen gönne ich mir einfach Ruhe oder gehe Essen. Ich brauche nicht viel, um zu entspannen und bin da sehr genügsam. die Leute hier Dialekt sprechen, dann habe ich Probleme. Ich verstehe dann wenig. Das ist genauso, wie Plattdeutsch oder die Kesselflickersprache für Süddeutsche. Und der Sound des Dialek62 H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Wenn der Bundesliga haben wir eine ganz gefährliche Situation. Es sind sechs Punkte nach H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- In

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Ich hatte auch in der Phase als wir aus neuen Spielen nur einen Sieg geholt haben einen fünfziger Ruhepuls vor dem Schlafen gehen. unten und vier nach oben. Das darf man nicht unterschätzen. Deshalb hat die Bundesliga Priorität, ganz klar. Aber im Pokal lief es bisher sehr gut. Wir stehen im Viertelfinale und wollen mehr. Den Schritt ins Halbfinale wollen wir zunächst gehen, auch wenn wir mit Greuther Fürth einen schweren Brocken vor der Brust haben. Und der Traum jedes Fußballers ist es natürlich, im Pokalfinale in Berlin aufzulaufen. Da wollen wir hin.  H A N I X -- Achten Sie als Chefcoach Hoffenheims bei Neuverpflichtungen auf andere Dinge als zu ihrer Zeit beim FC St. Pauli? schauen wir weltweit nach Spielern. Bei St. Pauli war es schon grenzwertig Norddeutschland zu verlassen. Dort gab es auch kein Scouting. Das ist hier anders, hier gibt es ganz andere Möglichkeiten. Und das Budget für Transfers ist hier natürlich größer als es bei St. Pauli war. Ob das immer auch besser sein muss, wage ich einmal zu bezweifeln.  H A N I X -- Viele Spieler benötigen bei einem neuen Verein eine Eingewöhnungszeit von bis zu einem Jahr. Ist das bei Trainern ähnlich? Sie machen die Erfahrung ja gerade am eigenen Leib. H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Hier Man muss sofort in allen Bereichen funktionieren. Das geht mal besser, mal schlechter. Meiner Meinung nach ist der Trainer in dieser Kette das schwächste Glied, was nicht sein dürfte. Der Trainer hat die größte Verantwortung, verdient aber nicht am meisten. Bei Misserfolg ist der Trainer der Erste der gehen muss. Es ist nicht immer der Trainer, der verantwortlich dafür gemacht wird, wenn etwas gut funktioniert. Als Trainer kommt man irgendwo hin, alle schauen einen an und erwarten, dass gesagt wird, wie es gemacht wird. Entweder es funktioniert dann oder nicht. Auch wenn ein Trainer immer wieder darauf hinweist, dass man geduldig sein müsse, um etwas aufzubauen. Wenn ich hier zehnmal hintereinander verliere, interessiert mein Gequatsche von Umbruch niemanden mehr. Dann heisst es: Schickt die Vollpfeife wieder nach Hamburg zurück. H A N I X -- Wie kommen Sie mit diesem Druck zurecht? Zeit hat man als Trainer in der Bundesliga nicht, weil man sie nicht bekommt. H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Diese Man muss die Mechanismen kennen und darauf vorbereitet sein, dass man bei Misserfolg den Job verlieren kann. Wenn man damit klar kommt, schreckt das auch nicht ab. Ich hatte auch in der Phase als wir aus neun Spielen nur einen Sieg geholt haben einen fünfziger Ruhepuls vor dem schlafengehen. H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- H A N I X -- Haben Sie sich die Eingewöhnungszeit in

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Hoffenheim leichter oder schwerer vorgestellt? tarier- und Anarchoattitüde oder die Philosophie des Konzeptvereins, der durch Mäzenatentum und strategische Planung erfolgreich sein möchte, um einer Region, die traditionell ohne Spitzenfußball auskommen musste, Bundesligafußball anbieten zu können. H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Man kann das nicht miteinnander vergleichen. St. Pauli ist der letzte Stadtteilverein, der so eng verwoben ist mit seinem Kiez. Das ist ein besonderer Verein, der mit keinem anderen Bundesligisten verglichen werden kann. Ich glaube aber, dass man, um erfolgreich zu sein, beides ein bisschen zusammenführen muss. Bei St. Pauli muss man in manchen Bereichen sicher strukturierter arbeiten. Hier würde man an einigen Stellen durch mehr Offenheit Prozesse beschleunigen. Ein Mix aus beidem tut sicher jedem Verein gut. Aber jeder Verein muss auch seine eigene Philosophie und eigene Abläufe haben. Es ist aber in allen Klubs so, ganz unabhängig von der Vereinsphilosophie, dass es Leute gibt, die wahnsinnig viel tun, damit der Verein am Laufen bleibt und auf der anderen Seite Menschen, die sich im Erfolg der anderen sonnen und nur mitschwimmen. Die große Kunst ist es, hierbei die Spreu vom Weizen zu trennen. H A N I X -- Welche kommerziellen Kompromisse kann Ich hatte mir das grundsätzlich schwerer vorgestellt. Es war sehr spannend für mich, ein ganz neues Umfeld und komplett neue Leute anzutreffen. Ich wurde hier sehr gut und herzlich aufgenommen. Es war für mich der richtige Schritt, den ich nicht bereue.  H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- HANIX - Die Strukturen in Hoffenheim sind sicher weiter entwickelt als sie es bei St. Pauli waren. Hier werden den Spielern wahrscheinlich die meisten Wünsche von den Augen abgelesen. Waren die Spieler des FC St. Pauli eigenverantwortlicher als ihr aktueller Kader es ist? glaube ich nicht. Hier ist die infrastrukturelle Situation besser, die Spieler verdienen auch etwas mehr als bei St. Pauli. Aber Eigenverantwortung der Spieler gab es dort und die gibt es selbstverständlich auch hier. H A N I X -- Sie haben als St. Pauli-Coach immer betont, dass Sie neugierig darauf sind, andere Vereine und Strukturen kennenzulernen. Nach einem halben Jahr in der Fremde können Sie ein erstes Resümee ziehen. Welche Vereinsstruktur und welche Fußballphilosophie schmeckt ihnen besser? Die des fannahen, gewachsenen Stadtteilvereins mit Prole- H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Das

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INTERVIEW DES MONATS: HOLGER STANISL AWSKI Holger Stanislawski  aufgrund seiner Sozialisation am Millerntor in Hoffenheim nur sehr schwer ertragen? Starke«. Im Sommer konnten Sie ihn nicht loswerden. Gab es erneute Bemühungen, ihn im Winter endlich zu entsorgen? Und wie erfolgreich waren Sie damit, ihn wie angekündigt aus dem Team zu isolieren, da er aufgrund seiner Frisur, die laut ihnen aussieht, wie ein aufgeplatztes Kopfkissen, jedes Mannschaftsbild kaputt macht. die im Profifußball tätig sind, müssen aufpassen, dass Fußball nicht zu einem einzigen Event verkommt und wir nicht versuchen alles auf Teufel komm raus zu vermarkten und uns noch ein Firmenlogo auf den Arsch flocken lassen und alle drei Jahre den Stadionnamen ändern. Das finde ich grenzwertig und gewöhnungsbedürftig. Fußball ist ein Arbeitersport, dort hat der Sport seine Wurzeln. Fußball wurde früher mit Coladosen in Hinterhöfen oder auf dem Grandplatz (Anm. d. Red.: Hartplatz) gebolzt. Wir müssen aufpassen, dass wir den Fußball auch so lassen, wie wir ihn alle kennen. Da muss man nicht alles mit Musik hinterlegen. Das finde ich immer sehr schwierig. Aber das gibt es überall. Auch bei St. Pauli. Dort wird nur auf ein Maskottchen verzichtet. H A N I X -- Zum Schluss noch zur Problematik »Tom H O L G E R S TA N I S L AW S K I -- Wir, haben ihn jetzt so weit, dass er sich verletzt hat und somit ruhiggestellt ist. Nein, im ernst: Tom ist ein guter Typ mit gutem Charakter. Der gut einstecken und austeilen kann. Das war auch neu für die Jungs, das man sich gegenseitig auch mal hochnehmen kann. Es soll ja auch alles Spaß machen und man soll miteinander lachen können. H A N I X -- Wie hat die Mannschaft auf ihre Späße reagiert? H O L G E R S TA N I S L AW S K I --  Wir Jungs haben sich zunächst sehr gewundert aber mittlerweile ist das hier in Zuzenhausen der erste Kult geworden, den ich eingeführt habe. HOLGER STANISLAWSKI -- Die

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R E B E L L I O N P ROT E S T O HNE WORTE: HEILBRONN STADTBAHN NORD A D O L F C LU S S : KOMMUNIST, REVOLUTIONÄR & ARCHITEKT D I E PI R AT E NPARTEI: SIE WOLLEN IN DEN GEMEINDERAT FAC E S O F OCCUPATION: PORTRAITS VON BESATZERN W I D E R S TA N D DER FAULEN: REBELLION FÜR´S NICHTSTUN S I G N S O F O C C U PATION: DEMOSCHILDER IM ZUCCOT TI PARK R EVO LU T I O N AD ACTA: DIE SPANIER SIND PROTESTMÜDE

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TEXT: MARIA SANDERS / FOTOS: ULLA KUEHNLE P ROT E S T O H N E WO RT E Fr a n z Ec k e r t i s t a n z u m e rk e n , dass er die Verkehrssituation in Heilbronn g e n a u b e o b a c h t e t u n d s i c h i ntensiv mit dem Thema der Verkehrsführ ung be s c h ä f t i g t . L e b h a f t u n d s e h r ausführlich berichtet er seine Überlegungen. Um s o m e h r b e d r ü ckt es ihn, kein Gehör zu finden.

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TITELTHEMA: REBELLION » I c h l i e b e H e i l bronn«, bekennt der selbsternannte unabhängige Bürger, » d e swe g e n m a che ich auch so einen Aufstand«. Zwei bis drei Mal die Woche f ä h r t d e r a g i l e Rentner mit seinem Fahrrad vom Heilbronner Stadtteil Böc k i n g e n i n d i e Innenstadt und protestier t stillschweigend. Franz Eckert steigt von seinem Fahrrad ab und schiebt es noch die letzten Meter, bis er am Rathausplatz in Heilbronn angekommen ist. Den Fahrradständer drückt er mit seiner Fußkante nach vorn und stellt seinen silbernen Drahtesel ganz nahe an der Hauswand ab. Dann hebt er zwei Schilder vom Boden auf und geht zur Bushaltestelle hinüber. Sein Gang ist zügig und entschlossen. Die anderen Fußgänger an der Bushaltestelle haben den Mann in der knallgelben Weste bemerkt. Fragwürdig schauen sie ihm nach. Ein Passant wechselt sogar an die gegenüberliegende Bushaltestelle, um ihn besser beobachten zu können. Und eine andere Frau schielt neugierig in Eckerts Richtung. Auch sie hat einen fragenden Gesichtsausdruck, was wohl nun passieren würde. Franz Eckert hebt seine Schilder in die Luft und steht beinahe regungslos an der Bushaltestelle, ohne etwas zu sagen. Die Menschen um ihn herum sind irritiert. Ein Protest ohne Worte. »Damit möchte ich meinen Unmut ausdrücken«, erklärt der 85-Jährige. Seinen Unmut bezieht er auf den Bau der neuen Stadtbahn-Nord und die damit verbundenen Veränderungen in Heilbronn. Er findet die neue Straßenbahn gut, allerdings bemängelt er: »Die Trassenführung ist nicht optimal gewählt.« Seiner Meinung nach mache die geplante Strecke, wo die neue Stadtbahn entlang fahren soll, wenig Sinn. Vom K3 bis zum Lebensmittelmarkt Kaufland, ist die Strecke mit insgesamt 21 Bushaltestellen ausgestattet, und würde Beschäftigte und Anwohner gut versorgen. Daher kann er nicht nachvollziehen, welchen zusätzlichen Nutzen die Straßenbahnführung durch das Neckarsulmer In71 dustriegebiet bringen soll. Stattdessen schlägt er vor, die vorhandene Trassenführung in Richtung Neckarsulm um drei bis vier Haltestellen auszubauen. Das spare Kosten und würde das Industriegebiet abdecken. Bedenken äußert er auch gegenüber der Mannheimer Straße am K3. Etwa 55000 Fahrzeuge fahren täglich auf der vierspurigen Hauptstraße. Während der Hauptverkehrszeiten sind es nahezu 4500 Fahrzeuge in der Stunde. Das bedeutet, dass bei sechs Stadtbahnfahrten pro Stunde und entsprechender Ampelschaltung, sich die Staubelastung auf der jeweiligen Fahrbahn zusätzlich erhöht. »Dadurch verschlechtern sich die Abgas- und Feinstaubwerte «, kritisiert Eckert. Nach Angaben der Stadt Heilbronn wurden die EU-Grenzwerte bei Feinstaub im vergangenen Jahr an 53

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TITELTHEMA: REBELLION Tagen überschritten, obwohl nur 35 Tagesüberschreitungen zulässig sind. Dann legt Franz Eckert die Schilder zur Seite und erklärt: »Die gesundheitlichen Risiken sind beträchtlich.« Ein Staubteilchen in der Luft hat einen Durchmesser von bis zu 10 Mikrometern, das etwa einem Zehntel des Durchmessers eines Haares entspricht. Größere Staubteilchen werden in der Nase und in den oberen Atemwegen ausgesondert. Je feiner die Staubteilchen aber sind, desto besser gelangen sie in die sensiblen Lungenpartien. Im schlechtesten Fall dringen sie bis in den Blutkreislauf vor und können das Herz-Kreislaufsystem belasten. »Ich liebe Heilbronn«, bekennt der selbsternannte unabhängige Bürger, »deswegen mache ich auch so einen Aufstand.« Zwei bis drei Mal die Woche fährt der agile Rentner mit seinem Fahrrad vom Heilbronner Stadtteil Böckingen in die Innenstadt und protestiert stillschweigend. Bis zu sieben Stunden am Tag steht er mal in der Fußgängerzone, mal am Marktplatz. Die Reaktionen seiner Mitmenschen fallen sehr unterschiedlich aus. Einmal habe ihm ein Fußgänger beim Vorbeilaufen einen Vogel gezeigt, erinnert er sich und schmunzelt. An einem anderen Tag habe ihm ein Mann auf die Schulter geklopft und seinen Einsatz gelobt. Franz Eckert ist anzumerken, dass er die Verkehrssituation in Heilbronn genau beobachtet und sich intensiv mit dem Thema der Verkehrsführung beschäftigt. Lebhaft und sehr ausführlich berichtet er seine Überlegungen. Umso mehr bedrückt es ihn, kein Gehör zu finden. »Heute wird man nur noch beachtet, wenn man etwas Extremes macht«, sagt Eckert. Also hat sich der gebürtige Sontheimer überlegt, wie er seinem Protest Ausdruck verleihen kann. Bis er schließlich auf die Idee kam, Schilder zu bauen. Insgesamt acht Stück sind es. »Mir ist klar, dass ich von anderen belächelt werde«, sagt er später im Café, »aber ich finde es wichtig, kritisch zu sein und sich für seine Sache einzusetzen.« Diese Haltung hat er sich scheinbar in seiner Jugend angeeignet. Mit 16 Jahren wurde Eckert als Luftwaffenhelfer in den Krieg eingezogen. Der damals junge Soldat kämpfte in Mannheim und an der französischen

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TITELTHEMA: REBELLION Grenze gegen die amerikanischen Alliierten. »Wir haben sogar das Flak-Kampfabzeichen bekommen«, erzählt er unbeeindruckt und trinkt einen Schluck Pfefferminztee, den die Kellnerin gerade gebracht hat. Die Auszeichnung der Luftwaffe erhielten sie für das Abschießen von 24 Kampfflugzeugen. »Krieg finde ich nicht gut, ich diskutiere eine Sache lieber aus.« Franz Eckerts wacher Geist erinnert sich genau an diese Zeit und sein schlimmstes Erlebnis: »Um mich herum waren nur Tote und halb verbrannte Körper«, schildert er die Situation auf dem Kriegsfeld. Drei Wochen lang konnte er nichts mehr essen, weil ihn der Anblick derart verfolgte. Danach war er zwei Jahre in Saint-Lo und Le Havre in Gefangenschaft. Im Januar 1946 war er wieder ein freier Mann, machte eine Ausbildung bei der Polizei und arbeitete als Kriminalwachtmeister. Eine neue Herausforderung stellte für ihn die Pflege seiner Mutter dar. Denn zeitgleich erkrankte seine ältere Schwester an Krebs. Er pflegte beide drei Jahre lang, bis beide ihren Krankheiten erlagen. »Danach war ich selber tot«, beschreibt er seine Leere nach der aufopfernden Zeit. Es dauerte fast ein Jahr bis Franz Eckert wieder in der Lage war, nach draußen zu gehen. Die damaligen Kollegen von der Polizei nahmen ihn mit in den Skiurlaub. Stießen ihn wieder ins Leben. Ab da ging es bergauf. Was ihn bis heute antreibt, ist seine Liebe zum Leben: »Ich wollte immer etwas verbessern und Schaden abwenden.« Trotz seiner Erfahrungen ist Franz Eckert ein humorvoller Optimist. Denn bei seinen stillschweigenden Protesten geht es ihm nicht ausschließlich um Widerwille, sondern auch um seine Gesundheit. »Damit halte ich mich fit«, sagt er salopp und fängt an zu lachen. Genauso strahlen seine Augen, wenn er von seiner Frau Irmgard und seinen täglichen Leibesübungen spricht. Jeden Morgen absolviert er sein Standartprogramm:

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TITELTHEMA: REBELLION Erst Kniebeugen, dann berührt er mehrmals mit den Fingern die Zehen, und dann macht er ein paar Mal Grätsche. Auch Fahrradfahren und Treppensteigen halten den 85-Jährigen aktiv. An ganz verrückten Tagen dreht er die Musik etwas lauter auf und tanzt: »Ich hopse dann mit meiner Frau im Wohnzimmer herum.« Im Grunde will er als aktiver Bürger zur positiven Entwicklung der Stadt beitragen. Eckerts Motto heißt daher auch: »Nicht nur meckern, sondern auch Gegenvorschläge liefern.« Dass die Vorbereitungsarbeiten für den Bau der Trassenführung der neuen Stadtbahn schon längst begonnen haben, ist für ihn noch nicht endgültig genug. Franz Eckert will weiterhin mit seinen Schildern auf die Straße gehen und stillschweigend protestieren.

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A D O L F C LU S S : R E VO LU T I O N Ä R , KO M M U N I S T U N D A RC H I T E K T ( 1 8 2 5 - 1 9 0 5 ) Quelle: Stadtarchiv Heilbron www.stadtarchiv-heilbronn.de/ http://www.adolf-cluss.de/

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TITELTHEMA: REBELLION Adolf Cluss entstammte einer Heilbronner Baumeister familie; er verließ die Stadt als Zimmermannsgeselle und ging 1844 auf Wanderschaft . In Brüssel lernte er Karl Marx kennen und schloss sich der beginnenden kommunistischen Bewegung an. Weitere Stationen waren Paris und Mainz, wo er seit 1846 als Architekt an der Planung der Eisenbahn nach Ludwigshafen beteiligt war. Im Frühjahr 1848 war Cluss in Mainz eine zentrale Figur der Revolutio nsbewegung, gehör te zu den Mitbegründern des Arbeiter vereins und war dessen Sekretär. Doch schon im Sommer 1848 verließ er Deutschland und landete am 15. September 1848 mit dem Auswanderschiff "Zürich" in New York. Adolf Cluss arbeitete in den USA zunäch st als Ingenieur - unter anderem bei der Marine -, später dann in Washington als Architekt . Eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft in USA nahm Adolf Cluss wieder Kontakt mit seinen Genossen aus der Zeit des Kommunistischen Bundes auf. In den folgenden Jahren entspann sich ein intensiver Brief wech sel mit politischen Debatten, blumigen Berichten über das Alltagsleben und Klatsch und Tratsch über die Emigrantenszene in Washington und London. Seit 1850 war Cluss der wichtigste Ver treter der Kommunistischen Par tei in Nordamerika. Seine Verbindung zur kommunistischen Bewegung brach er 1858 ab. Jahre später gründete er in Washington D.C. ein Architekturbüro und wurde zum damals bedeutendsten Architekten der Stadt . Seit Anfang der 1860er Jahre übernahm Cluss er folgreich Aufträge für öffentliche Bauten - Schulen und Museen, Regierungsgebäude und Markthallen. Als er 1890 im Alter von 65 Jahren seine aktive Tätigkeit beendete, stammte die Mehrzahl der öffentlichen Gebäude der amerikanischen Hauptstadt von ihm. Etliche davon stehen heute noch. 79

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IM GESPRÄCH MIT SEBASTIAN SPROESSER D I E PI R AT E N PA RT E I KL A R M AC H E N Z U M Ä N D E R N! INTERVIEW ROBERT MUCHA FOTOS ULLA KÜHNLE Di e Pi r a t e n p a r t e i s o r g t m i t i hren Themen und ihrem frischen Auftreten s p ä t e s t e n s s e i t d e r Wa h l z u m Berliner Landtag für frischen Wind in der e i n g e s t a u b t e n deutschen Par teienlandschaft. De r He i l b ro n n e r K re i s ve r band der Piraten hat sich zum festen Ziel g e m a c h t , i n d e n n ä c h s t e n Heilbronner Gemeinderat einzuziehen. Wi r s p r a c h e n m i t Se b a stian Sproesser, dem Vorsitzenden des He i l b ro n n e r K re i s ve r b a n d es der Piraten über »Zensursulla« von der L e ye n , Tr a n s p a re n z i n He i l b ronn und dar über, unterschätzt zu werden. H A N I X -- Seit wann gibt es die Piraten in Heilbronn? Den ersten Piraten-Stammtisch veranstalteten wir im Sommer 2009. Damals war die Debatte zur Netzsperre, die von Ursula »Zensursula« von der Leyen, initiiert wurde, in vollem Gange. Der Aufhänger der damaligen Debatte waren Kinderpornos im Netz. Aber es war damals schon klar, dass das nur ein vorgeschobener Grund war. Es ging um ganz andere Dinge, wie mehr Überwachungs- und Zensurmöglichkeiten für den Staat. Ich hatte zeitgleich von den Piraten gehört und habe mich daraufhin im Piraten-Wiki umgesehen und bemerkt, dass es aus dem Raum Heilbronn noch andere Interessierte SEBASTIA N S P RO E S S E R -- gibt. Irgendwann wurde ein Stammtisch-Termin angekündigt zu dem ich hingegangen bin. Neben mir gab es noch 15 weitere Teilnehmer. HANIX -- Sind die Heilbronner Piraten alle Computernerds oder repräsentieren die Mitglieder einen gesunden Querschnitt der Heilbronner Gesellschaft? Zu Beginn waren viele klassische IT-Leute dabei, die sich schon längere Zeit mit der Thematik beschäftigt hatten. Die Netzsperren-Debatten kannten diese Leute natürlich schon vor »Zensursula«. Aber es waren auch Interessierte dabei, die Computer einfach nur benutzt haben, wie es die meisten Menschen tun. SEBASTIAN SPROESSER --

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TITELTHEMA: REBELLION HAN I X -- A u s w e l c h e n G r ü n d e n k o m m e n Menschen zu e u c h u n d i n t e r e s s i e r e n s i c h f ü r die Pirate n p a r t e i ? SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- sein, wie wir es in der Schule gelernt haben. HANIX -- Ihr seid also strikt gegen einen Überwachungsstaat. Aber in Zeiten des globalen Terrors ist der Reflex der Regierungen, immer mehr zu überwachen. SEBASTIAN SPROESSER -- Es ging und geht heutzutage extrem an die Bürgerrechte, die immer mehr beschnitten werden. In der Schule hat man gelernt, wie das mit der Gewaltenteilung funktionieren sollte. Auch dass es in Deutschland keine Zensur gibt, wird einem als Pänneler vermittelt. Aber wenn man genau hinschaut, merkt man, dass dem nicht so ist. Es liest sich auf einem Blatt Papier ganz gut, doch in der Wirklichkeit gibt es zig Einschränkungen bezüglich der Bürgerrechte und der Meinungsfreiheit. Meiner Ansicht nach sollte es aber so Für uns ist die Freiheit ein höheres Gut als Sicherheit. Außerdem kann es keine Sicherheit ohne Freiheit geben. Was beispielsweise die CDU gerade an vorderster Front versucht voranzutreiben, ist unserer Ansicht nach ein Unding und das genaue Gegenteil von freiheitlichen Bestrebungen. Es wird nach immer mehr Überwachung verlangt, überall soll der Staat seine Augen und Ohren haben dürfen.

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TITELTHEMA: REBELLION HANIX -- Wie viele Mitglieder haben die Heilbronner Piraten inzwischen? Es engagieren sich hier ungefähr 20 aktive Mitglieder. Mit den passiven Mitgliedern zählen wir nun bald 100 Piraten. Als wir im Juli 2011 den Kreisverband hier in Heilbronn gegründet haben,waren wir 50 Leute. Und nach der Berlinwahl haben wir einen gesteigerten Mitgliederzulauf erkennen können. Das Ergebnis der Berlin-Wahl wirkt auch immer noch und bringt uns Zulauf. SEBASTIAN SPROESSER -- HANIX -- Wie reagieren die Leute in Heilbronn auf euch, wenn ihr beispielsweise einen Infostand in der Innenstadt habt. Berlin ist im Vergleich zu Heilbronn sicherlich ein besseres Pflaster für Piraten. Die Reaktionen waren am Anfang deutlich kühler als heute. Vor dem Volksentscheid zu Stuttgart 21 waren wir an drei Samstagen hintereinander in der Stadt mit einem Stand vertreten und haben unsere Parteizeitung, den Kaperbrief, verteilt. Die Menschen waren dabei, so unser Eindruck, sehr offen gegenüber unseren Ideen. Die Leute haben auch gemerkt, dass wir nicht weggehen werden. Wir sind gekommen um zu bleiben. Viele unserer Mitglieder sind fähige Leute aus der Praxis. Wir haben viele Ingenieure in unseren Reihen. Die gehen Lösungsorientiert an Probleme ran. Wir mögen keinen Aktionismus. Das kommt gut an, da man diese Vorgehensweise von der etablierten Politik nicht kennt. Die alt eingesessenen Parteien hinterfragen oftmals nicht, ob die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich eine Verbesserung bringen. SEBASTIAN SPROESSER -- HANIX -- Handelt die etablierte Politik zusehend offener undemokratisch? Das kann man so sehen. Nehmen wir den Ausstieg aus dem Atomausstieg vom Herbst 2010, um dann nach Fukushima eine 180 Grad-Wende zu vollziehen und doch wieder aus dem Einstieg auszusteigen. Zunächst wurde an den parlamentarischen Grundregeln vorbei entschieden, um den Energieriesen entgegenzukommen. Nach Fukushima wurde wieder kein Mitglied des Parlamentes gefragt, ob der Rückzug aus dem Ausstieg gewollt ist. Frau Merkel hat das einfach alleine entschieden. SEBASTIAN SPROESSER -- HANIX -- Ist die Erfahrung der Piraten, dass sich die Menschen auch wegen einem großen

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TITELTHEMA: REBELLION Z u B e g i n n wa ren viele klassische IT-Leute dabei, die sich schon l ä n g e re Ze i t m it der Thematik beschäftigt hatten. Vert r a u e n s v e r l u s t i n d i e e t a b l i e r te Politik den P i r a t e n z u w e n d e n ? Freiheit, einen Ferrari fahren zu dürfen. HANIX -- Haben die Piraten die politische Kultur schon verändert? Das kann ich schwer beurteilen. Zu Helmut Kohls Zeiten gab es auch Dreistigkeit in der Politik. Ich erinnere nur an die Spendenaffäre, zu der Helmut Kohl stoisch geschwiegen hat. Durch das Internet hat man heute aber die Möglichkeit, sich unabhängiger zu Informieren. Das Internet vergisst auch nichts. Wenn ein Politiker irgendwann etwas gesagt hat, ist es inzwischen für immer im Netz auffindbar. SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- HAN I X -- W e l c h e s P o t e n t i a l h a t d i e Piratenpart e i i n D e u t s c h l a n d a b e r a u c h i n Heilbron n . Das haben wir auf jeden Fall. Die CSU hat erstmals einen Netzkongress veranstaltet. Es gibt immer mehr twitternde CDU-Politiker, die auch auf Antworten reagieren. Die etablierten Parteien werden aber noch eine ganze Zeit lang brauchen, bis sie hier auf der Höhe der Zeit sind und das Netz und dessen Potential vollkommen kapieren. Meistens regieren in den etablierten Parteien noch alte Männer, die sich nach der Erfindung des Kugelschreibers aus der technischen Entwicklung ausgeklinkt haben. SEBASTIAN SPROESSER -- HANIX -- Für welche Wählerklientel seid ihr die richtige Partei? Ich bin überzeugt davon, dass wir bei der nächsten Kommunalwahl in den Gemeinderat einziehen werden. Hier greift die Fünf-Prozent-Hürde nicht. Anders als beispielsweise bei Landtagswahlen. Dort einzuziehen ist natürlich ungleich schwerer, da es den Baden-Württembergern besser geht als vielen anderen Deutschen und der Schmerz noch nicht so stark ist, wie beispielsweise in Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern. Bundespolitisch bin ich sogar noch zuversichtlicher. Ich bin mir sicher, dass die Piraten in den kommenden Bundestag einziehen werden. Darauf deuten bundesweite Umfragen hin, bei denen die Piraten auf acht bis neun Prozentpunkte kommen. SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- HAN I X -- D e n n o c h i s t e s e i n e s e h r o ptimistisc h e P r o g n o s e i m n ä c h s t e n B u n d e stag zu sitz e n , o d e r ? Das ist schwer zu definieren. Bei der Berliner Wahl haben wir viele Nichtwähler für uns gewinnen können. Ich selbst habe auch jahrelang ungültige Wahlzettel abgegeben, da ich keine Partei gefunden hatte, die ansatzweise eine wählbare Alternative für mich dargestellt hat. Viele Menschen sind von der etablierten Politik angepisst, um es mal ganz krass zu formulieren. Darüber hinaus kümmern wir uns um Themen, die von Interesse für die Bürger sind, da wir ihre Rechte verteidigen. SEBASTIAN SPROESSER -- HANIX -- Wie gelingt es euch, die Menschen für eure Themen, wie zum Beispiel bedingungsloses Grundeinkommen, zu sensibilisieren? Nein, da die anderen Parteien immer noch nicht begriffen haben, wieso es die Piraten überhaupt gibt. Wir haben eine Nische besetzt, die von den anderen Parteien nicht gesehen wird. Uns sind Bürgerrechte sehr wichtig. Das behauptet die FDP zwar auch von sich, doch Freiheit bedeutet für uns mehr als die SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- Zum Teil gelingt das ganz klassisch, zum Beispiel durch Infostände in den Fußgängerzonen. Durch die bundesweite mediale Präsenz, die wir inzwischen genießen, werden die Menschen auch auf uns aufmerksam und setzen sich intensiver mit unseren Programmen auseinander. SEBASTIAN SPROESSER --

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TITELTHEMA: REBELLION

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TITELTHEMA: REBELLION H A N I X -- Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Landes- und Bundesverband der Piraten. Seid ihr als Heilbronner Kreisverband zufrieden mit der Unterstützung des Landes- und Bundesverbandes? Der Bundesvorsitzende kommt beispielsweise aus Tübingen. Ihn kennen wir schon länger. Die Zusammenarbeit wird auch besser, je häufiger man sich trifft und je enger man beieinander wohnt. Der Austausch untereinander intensiviert sich ebenfalls, je länger es uns gibt. Also wir sind zufrieden mit der Zusammenarbeit. SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- H A N I X -- Es gab sicherlich schon Kontakt zwischen euch und anderen Parteivertretern hier vor Ort in Heilbronn. Wie waren, bzw. sind die Reaktionen der etablierten Lokalpolitiker auf euch? Man hat uns sicher schon einmal gesehen, wobei wir nach wie vor feststellen müssen, dass wir immer noch etwas schräg angeschaut werden. Aber ich denke, wir wurden hier vor Ort durchaus registriert. Aber es ist nicht so, dass gestandene Lokalpolitiker schon in Gänze erfasst haben, dass wir wirklich gewillt sind, in den nächsten Gemeinderat einzuziehen. SEBA S T I A N S P RO E S S E R -- H A N I X -- Tragt ihr als Heilbronner Kreisverband rein bundespolitische Themen an die Menschen heran oder habt ihr speziell auf Heilbronn abgestimmte Themen, die euch wichtig sind? gedrückt wird, ohne die Karten offen auf den Tisch zu legen, kann aus unserer Sicht nicht die Gangart sein. Zum Verkehrskonzept und dessen Finanzierung rund um die Bundesgartenschau wurde eine nicht öffentliche Gemeinderatssitzung anberaumt. Das kann so natürlich nicht funktionieren. Als dann ein kleiner Aufschrei der Entrüstung losbrach, hat man kurzerhand aus der Gemeinderatssitzung eine nicht öffentliche Klausur mit allen Gemeinderäten gemacht und die Problematik so umgangen. Auch bei den städtischen Stromkonzessionen lief nicht alles so transparent ab, wie es eigentlich in einer freien, demokratischen Gesellschaft sein sollte. Welche Unternehmen sich darum beworben hatten, konnte man nur deshalb aus der Zeitung erfahren, weil sich jemand versehentlich verplappert hat. Solche Dinge gehen aus unserer Sicht einfach nicht. Wir Piraten wollen in Zukunft der Stachel sein, der solche Zustände offensiv anprangert. H A N I X -- Hat man in Heilbronn überhaupt eine Bevölkerungsstruktur, die sich für solche Themen interessiert und ein Bewusstsein dafür entwickelt hat? Immerhin ist Heilbronn deutschlandweit die Nummer eins bei den durchschnittlichen Pro-KopfEinkommen. Die Leute hier in der Stadt spüren den Schmerz, den die aktuelle Finanzkrise mit sich bringt, noch nicht so stark, wie in strukturell schwächeren Regionen und Städten. Den Leuten hier geht es vielleicht zu gut, um sich für diese Themen zu interessieren? SEBASTIAN SPROESSER -- Es gibt ein paar Kernpunkte, wie Transparenz und Mitbestimmung, die alle Piraten vertreten. Auf der Bundesebene gibt es sicher andere Implementationen dieses Prinzips als auf Kreisebene. Aber: hier in Heilbronn kann man sich nicht über zu viel Transparenz beschweren, um es einmal freundlich auszudrücken. Mir fällt beispielsweise die Diskussion um die Bundesgartenschau ein. Was da vom Oberbürgermeister durchSEBA S T I A N S P RO E S S E R -- Das Grundinteresse für diese Themen ist hier in Heilbronn da. Aber wie weit es reicht, kann ich nicht einschätzen. Das wird man bei den kommenden Kommunalwahlen sehen. Die Resonanz, die wir von den Menschen erfahren, ist durchaus so, dass sich hier auch über derartige Missstände empört wird. Es gab nur bisher keine Partei, die sich dieser Sorgen angenommen hat.

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FAc e s O F O cc u PAt i O n EIN FOTOSTRECKE MIT BILDERN VON ERIC LAWTON Beth Ethier »We l l , I am 19 years old, and am originally from St . Louis, MO, United State s . I n t he past I have worked f or a local magazine entitled Alive Magazine. B u t m o re recently, I've moved to New York City to attend New York University Ti s c h S c h o ol of the Ar ts, and am currently majoring in photography and imaging . T h e se photos of Occupy Wall Street were my first real cohesive project . Hope you like them!« -Eric Law ton

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Frank Grove Fa ce s o f O c c u pation Af t e r v i ew i n g hundreds of media images documenting people protesting in Occupy m ove m e n t s t h roughout the world, I felt lost and disconnected. Who were these peo p l e? I n s t e a d o f being por trayed as individuals apar t from the movement, they were b e i n g d e f i n e d solely within the context of the demonstrations. I wanted to know the s e p e o p l e o n a m ore intimate basis--thei r involvement at a group level was far less me a n i n g f u l t o m e than their personal dreams and desires. For these por traits, I wante d t o f o c u s o n t h e protestors themselves, stripped of their signs, pins, and placards. T h i s re s u l t s i n a m u ch more meaningful co mposition. Young toddlers with proud mothers , t e a c h e rs , s e n i or citizens, neighbours, Whites, Blacks, grandmothers and graffiti art i s t s e m e rg e o ccupying their own frames. These are not cliché photograph s of youn g p ro t e s t o rs d e monstrating in the streets without cause or reason. They represent a h o d g e - p o d g e collective who envision a better and brighter America, and are willin g t o p u t f o r t h t h e effor t to see their pla ns come to fruition. - E r i c L aw t o n

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Brian Gohesman

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Anonym

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Jordan

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Anonym

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Steven Morrison

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Poncho

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION Nicole and Jaeger Tucker

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Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn

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ROBERT NAUMANN I C H H A RT Z DANN MAL AB BEKENNTNISSE EINES KLEINEN SCHMAROTZERS

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TITELTHEMA: REBELLION Nau m a n n i s t k e i n e a r m e Sa u . Niemand, den man wegen seiner ausweglose n s o z i a l e n Si t u a t i o n b e d a u e rn müsste, gerade in der gefühlsduseligen We i h n a c h t s ze i t . Er i s t e i n Querkopf, ein Kämpfer (»Nieder mit dem Zwa n g z u r L o h n a r b e i t « ) , e i n Über zeugungstäter, ein bedingungsloser Anh ä n g e r d e s Re c h t s a u f Fa u l h eit. Er will niemandem die Arbeit wegneh m e n , w i e k ä m e e r d a z u . » Ic h war zu dem Schluss gekommen, dass das w i r t s c h a f t l i c h e Üb e r l e b e n Deutschlands nicht von meiner Arbeitskraf t a b h i n g . « Eb e n s o w i e d i e Meise den Flug in den Süden ver weigerte ( St i c h w o r t : Me i s e n k n ö d e l , d . R.), so sträubte er sich dagegen, einer sinn l o s e n Tä t i g k e i t n a c h z u g e h e n.« Liege auf dem Sofa und lese in der Zeitung, dass die sinkenden Arbeitslosenzahlen Hoffnung auf eine kommende Vollbeschäftigung machen. Diesen Schock muss ich erst einmal verdauen. Die Welt da draußen schafft es doch immer wieder, einen aus seinen Träumen zu reißen. Die Rechnung haben sie aber ohne mich gemacht, denn ich werde eine Anti-Bewegung gründen. Darum liege ich auf dem Sofa, angeschmiegt an mein Sofakissen. Ein Sofakissen übrigens, das durchaus herzeigbar ist. Nicht so ein schlaffer Waschlappen wie in manchen deutschen Haushalten. Es ist ein Monster von einem Sofakissen, ein ganzer Kubikmeter pralles Trägheitssymbol. Wo man den Kopf drauflegen kann, oder die Füße. Wie man gerade lustig ist und nicht, wie der Chef sagt. Ich überlege, wer eventuell mitmachen würde. Die Unterstützung meiner Frau habe ich jedenfalls, sie liegt auf dem anderen Sofa. Das ist schon mal ein Anfang. Kein Ruck muss durch das Land gehen, sondern eine Welle des Phlegmas. Nicht mehr Arbeitsplätze müssen geschaffen werden, sondern weniger. «Mach mal Pause» wäre das Motto unserer Bewegung, und auf unseren Fahnen wäre ein Sofakissen aufgestickt, als Symbol für die Entschleunigung des Turbokapitalismus. Unsere Anti-Bewegung wird Heerscharen von Anhängern um sich sammeln, welche die Arbeit in den Fabriken niederlegen und kostenlos Sofakissen an die Bevölkerung verteilen. Eine gewaltlose, unblutige, sanfte Revolution, mit der wir letztendlich die Regierung und ihre Strippenzieher einlullen und ihrer Handlungsfähigkeit berauben. Neue Kandidaten für die Regierung müssen nachweislich Langzeitarbeitslose oder Sozialhilfeempfänger gewesen sein, die mindestens einmal ein Angebot vom JobCenter abgelehnt haben. Ist die neue Regierung gebildet, wird als erste Amtshandlung die Pflicht zur Muße ausgerufen. Für eine Übergangszeit werden die Freizeitungeübten, die an Entzugserscheinungen leiden, in Entzugsanstalten verfrachtet, wo ihnen erfahrene Langzeitarbeitslose zur Seite stehen und sie im Schlaumeln trainieren. Von Psychotherapeuten werden sie behutsam auf ein Leben ohne Arbeit vorbereitet. Die Fabriken werden

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SPIEGELRE FLEX: FACES OF OCCUPATION eine große Attraktion und werden täglich von ausländischen Touristen besucht, die durch das Center hetzen müssen, weil sie von ihrem Chef nur drei Tage Urlaub im Jahr bewilligt bekommen haben. Staunend fotografieren sie die glücklichen Nichtstuer, um dann mit dem nächsten Flugzeug in die Heimat zurückzufliegen und in der Fabrik weiterzumalochen. Auch bei uns, den Schlaumlern, gibt es Urlaub. Allerdings maximal zwei Wochen im Jahr, in denen man im Ausland als unterbezahlte Hilfskraft jobben darf, als Ausgleich für die restlichen fünfzig Wochen Freizeit. Wer dreimal hintereinander keinen Urlaub genommen hat, wird mit der «Freizeitkampfnadel in Gold» geehrt, die alljährlich am 2. Mai, dem internationalen Kampfund Feiertag der Arbeitslosen, bei einer großen Gala verliehen wird. An diesem besonderen Tag werden in den Städten riesige Festumzüge veranstaltet, die in einer Kundgebung vor den verwitterten JobCentern enden. Sie sind als Mahnmale für die Bevölkerung von der Abrissbirne verschont geblieben. So oder so ähnlich könnte die Zukunft aussehen. Ich muss nur noch ein paar Leute überzeugen, bei diesem aussichtsreichen Vorhaben mitzumachen. Meine Frau zum Beispiel. «Sag mal», frage ich sie, «kannst du nicht schon mal Sofakissen auf Fahnen sticken?» «Och», antwortet sie, «lass uns vorher noch kurz schlaumeln.» ROBERT NAUMANN, »ICH HARTZ DANN MAL AB. BEKENNTNISSE EINES KLEINEN SCHMAROTZERS« COPYRIGHT © 2011 ROWOHLT VERLAG GMBH, REINBEK BEI HAMBURG RORORO-TASCHENBUCH, ISBN 978-3-499-62791-0, 224 S., EUR 9,99 ROBERT NAUMANN WURDE 1973 IN JENA GEBOREN. von Freiwilligen in riesige Schlaumelcenter umgebaut, in denen es von Sofas und Monstersofakissen nur so wimmelt. Diese Schlaumelcenter dienen der geregelten Freizeit. Per Stechuhr wird überprüft, ob die gesetzlich vorgeschriebene Mindestaufenthaltsdauer von sechs Stunden pro Tag von allen eingehalten wird, aber die Schlaumelzeiten sind flexibel, da die Schlaumelcenter vierundzwanzig Stunden am Tag geöffnet sind. Sie sind SEIT 1987 LEBT ER IN BERLIN. DORT GEHÖRT ER ZU DEN FESTEN MITGLIEDERN DER BEKANNTEN »CHAUSSEE DER ENTHUSIASTEN«. NACH DEM STUDIUM DER SONDERSCHULPÄDAGOGIK UND DREI WOCHEN EINER DRUCKERLEHRE KLETTERTE ER DIE KARRIERELEITER STEIL NACH OBEN: TIEFBAU, HOCHBAU, TROCKENBAU, SCHRIFTSETZER, SCHRIFTSTELLER. ANGESTREBTE HÖCHSTE STUFE: RENTNER.

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK O C C U P Y WA L L S T R E E T Z U C C O T T I PA R K EIN FOTOSTRECKE MIT BILDERN VON TERRY E. BODDIE Table

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK EDUCATION Master of Fine Arts, Hunter College, 1997 Bachelor of Fine Arts, Tisch School of the Arts, New York University, 1989 SELECTED EXHIBITIONS 2011 Wrestling With the Image, The Museum of the Americans, Washington, DC Art for Change, World Bank Gallery, Washington, DC 2010 Cane/Cairn, Gallery 138, New York, NY (solo exhibition) International Triennial del Caribe, Museo Arte de Moderno, Santo Domingo 2009 KREYOL Factory, Parc La Villette, Paris, France art, text, new media, Center for Book Arts, New York, NY Perpetual Motion, John Jay College, New York, NY 2008 Return: Home, Paul Roberson Center for the Arts, Princeton, NJ A People's Geography: The Spaces of African American Life, Reginald F. Lewis Museum, Baltimore, MD Zoom, Hudson Valley Community College, Troy, NY Taboo to Icon, Ice Box Gallery, Philadelphia, PA AWARDS AND HONORS New Jersey State Council on the Arts Fellowship, Trenton, NJ 2009 BCIE, New Jersey Print and Paper Fellowship, New Brunswick, NJ 2009 Artist in Residence, The Center for Book Arts, New York, NY 2009 Finalist, Frederick Douglas Traffic Circle Design Competition, Harlem, NY 2003 Artist in Residence, The Center for Photography at Woodstock, Woodstock, NY, 2002 Marie Sharpe Walsh Art Foundation Space Program, New York, NY 2001 HONORS cont'd Artist in Residence, Five Myles, Brooklyn, NY, 2001 Knight Foundation Fellowship, Brandywine Workshop. Philadelphia, PA, 2001 New York Foundation for the Arts Fellowship, New York, NY, 2000 Artist in Residence, Studio Museum in Harlem, New York, NY, 1999-2000 Longwood Cyber Residency, Longwood Arts Project, Bronx, NY, 1999-2000 Emerge 2000, Aljira Center for Contemporary Art, Newark, NJ, 1999 New Works Award, En Foco, Bronx, NY, 1999 Artist in the Marketplace, Bronx Museum of the Arts, Bronx, NY, 1997-98

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Woman with Sign

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Un-Occupy

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Unity

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK The People's Library

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Placards Pigeons

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Shrine

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Want my Future Back

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Last Week

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SPIEGELREFLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Fight to Win

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SPIEGELRE FLEX: SIGNS OF ZUCCOTTI PARK Coaching

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99% WE WILL NO LONGER REMAIN SILENT ARE THE #OccupyWallSt #OccupyTogether occupytogether.org occupywallst.org

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TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: OCCUPY SPAIN REVOLUTION A D A C TA ¡ ¿ L a re vo l u c i ó n e m p i e za ya!? ... ¡nada de eso! ( Di e Re vo l u t i o n b e g innt jetzt?! ... nichts dergleichen!) Eine Welle des Protests, ausgehend von Spaniens jungen Erwachsenen, erhob sich im letzten Jahr gegen seinen Staat und somit gegen Korruption, eine vorherrschende Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt, das Bankenwesen und letztlich für soziale Gerechtigkeit und echte Demokratie. Eine Bewegung die den kontemporären Status Quo im Land verändern und sich über ganz Europa erstrecken könnte - wenn sie nicht bereits zu Beginn stillstünde. Ein Streifzug durch das Land. Man kennt das Bild eines vorüber rollenden Strohballens inmitten einer leblosen Wüstengegend, dessen Bewegung den Kontrast zur stillstehenden, vor Langeweile und trockener Hitze, erdrückendenden Landschaft akzentuiert. Angetrieben vom warmen Wüstenwind, wird der Stroh117 ballen selbst der Inbegriff der Immobilität. Erst durch ihn wirkt der Landstrich still, attraktionslos und per se ausladend. Dem Menschen, als Individuum, welchem das trockene Klima gleichsam Grenzen in der Mobilität setzt, bleibt nichts weiter übrig als sich mit einem kalten Bier in den Schatten zurückzuziehen. Der Aussichtslosigkeit der eigenen Lage bewusst, bleibt nur, der Hitze standzuhalten, auszuharren und auf milderes Klima zu hoffen. Ein völlig legitimer Müßiggang also. Man ersetze nun das Bild der leblosen Wüstenlandschaft mit dem Marktplatz einer beliebigen Stadt in Spanien. Den Strohballen mit einem Flyer der «Indignados", der zur Empörung aufruft, und den trockenen Wüstenwind mit dem Staat, samt seiner korrupten Polizei, die über

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TITELTHEMA: REBELLION den Marktplatz fegt. Der Mann, der sich der Hitze ergeben in den Schatten zurückzieht, wäre ein spanischer Student, das Bier belassen wir in seiner Hand. Man füge nun einige Blutspritzer am Rande hinzu, um dem Ganzen einen gewissen Pathos zu verleihen und die Stellung der hiesigen Polizei zu präzisieren und fertig ist das Bild der spanischen Jugendrevolution, die es so eigentlich nicht mehr gibt. Die Parolen der «Indignados", (die Entrüsteten, Empörten), wie sich die Angehörigen der Bewegung nennen, bröckeln zusehends von den Hauswänden. Versammlungen für Demonstrationen scheint es nicht mehr oder nur noch vereinzelt zu geben und das Campieren auf den Marktplätzen wurde eingestellt. Die allgemeine Stimmung im Hinblick auf das Nachtleben, wirkt jedoch alles andere als «unzufrieden" oder beunruhigt, ausgelassen trifft es wohl eher! Der Alkohol fließt, an berauschenden Substanzen scheint es nicht zu fehlen und wenn man überhaupt ein Wort zu finden vermag, das die vorherrschende Stimmung in Bezug zur ausbleibenden Revolution setzt ,wäre es wohl die «Nonchalance". Was ist hier also los? Wo sind die Hoffnungsträger der spanischen Jugend, von denen man dachte, dass sie für neue Verhältnisse zu sorgen vermögen und wo die Empörung im Land? Handelte es sich hier etwa um «Gutwetterrevolutionäre" die eine Winterpause einlegen weil es im Sommer mehr Spaß macht zu protestieren? Hatte etwa Ernesto «Ché" Guevara bei Regen im kubanischen Jungle eine Revolutionspause ausgerufen?! Nein, es wäre zu einfach, und schlichtweg ungerecht, das Engagement der spanischen Jugend derart zu degradieren, obschon es wohl im Interesse der politischen Klasse, insbesondere der rechts-konservativen Führungspartei (PP), wäre. Ungerecht deshalb, weil das Engagement seinen Ausdruck in wochenlangem Campieren auf den Marktplätzen fand, das erst durch die Polizei unterbunden wurde. Mit Knüppeln! Das ist nicht zu ignorieren. Zumal eine unweigerliche Evidenz aus der statistischen Arbeitslosigkeit hervorgeht (20% im ganzen Land, ca 40 % im Alter zwischen 20 und 35 Jahre) welche den Ernst der Lage konstatiert. Doch sind dies nicht nur junge Akademiker, die einer Zukunft ohne Perspektive entgegensehen. Vorallem Jugendliche ohne Schulabschluss trifft es hart. Im Zuge der Immobilienkrise und des darauf folgenden Baurückgangs verloren viele von ihnen die Arbeitsstelle, welche in den 90er Jahren mit schnellem Geld lockte. Soweit die bekannten Gründe. Es gibt jedoch noch andere Aspekte, die so in unseren Medien wenig bis keine Beachtung fanden. José, Barkeeper in Rodellar, einem kleinen Pueblo im Norden Spaniens, ist sich sicher, dass el dinero negro, das Schwarzgeld, eine massgebliche Rolle für die fiskale Krise im Land spielt. Spanien, als allgemeiner europäischer Anlaufpunkt für Haschisch aus Marokko und Kokain aus Bolivien, Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern, hat einen latent existenten Teilbereich seiner Ökonomie von der das Land nicht profitiert, dafür jedoch el narco, der Drogenhandel. Auch das sind Nebenwirkungen der Globalisierung. Folglich schmälert der Joint in der Hand die Ernsthaftigkeit des pausierenden Revolutionärs. Ob die Zusammenhänge wohl bekannt sind? Befragt man nun die jungen Erwachsenen selbst, weshalb die Proteste aussetzen ohne dass sich bislang eine sichtbare Veränderung getan hat, bekommt man neben einer Vielzahl subjektiver Eindrücke eine einheitliche Antwort: «estamos cansado!" («Wir sind müde!"). Müde, weil der Staat seiner Jugend kein Gehör schenkt, müde nicht nur vom Widerstand gegen den kalten Dezemberwind, sondern vor allem gegen die Guardia Civil, die bei den Platzräumungen, insbesonders in Katalonien, mit zunehmender Härte gegen die Demonstranten vorgeht. Die Argumente, wie etwa eine hygiene-bedingte Räumung, wirken jedoch eher absurd. Die «Indignados" müssen konstruktive Kritik üben, wie Stéphane Hessel, französischer Philosoph, Autor und Fürsprecher der Bewegung. «Sie dürfen nicht nur gegen

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TITELTHEMA: REBELLION etwas, sie müssen auch für etwas sein". Da kann man einen, unter den Protestlern oftmals propagierten, Niedergang des Bankenwesens schon als eine naive Utopie abtun. Profunde Probleme bedürfen einer differenzierten Betrachtung. Intelligente Lösungen sind anstelle destruktiver Halbwahrheiten gefragt. Dennoch ist die Ehe von Kapitalismus und Demokratie geschieden. Eine Synthese aus bestehenden und neuen Gesellschaftsmodellen muss geschaffen werden, alte Werte einer neuen Generation mit neuen Ideen weichen. Laura, Carlos, José und Juan sind vier junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren die diese Generation vertreten. Zusammen sitzen wir bei einem Café in der Nähe der Universität. Von den Vieren hat nur Carlos einen temporären Job. Wie viele junge Spanier mussten sie aufgrund der finanziellen Notlage zu ihren Eltern zurückziehen. Sie sehen das Problem unter anderem darin, dass die Vefassung schwer zu ändern ist. Folglich sei es schwer den Forderungen nachzukommen. "¡No pasa nada!" (nichts tut sich!). Die Proteste werden jedoch weitergehen, davon sind sie überzeugt. Schliesslich gilt der Protest nicht nur der gegenwärtigen Arbeitslage, sondern ist gleichsam ein Ausdruck der Politikverdrossenheit. "Die Menschen dürfen nicht denken, dass wir aufgeben. Ohne das Gehör und die Zustimmung vom Ausland fehlt uns jeglicher politischer Druck". Auch an Lösungsansätzen fehlt es ihnen nicht. So verweist Juan etwa auf das Land Bhutan, südlich von China im Himalayagebirge, das auf das Glück seiner Einwohner, anstelle anhaltendem Wirtschaftswachstum baut. Ist das Glück nicht das subjektivste Empfinden von allen? Bhutan richtet sich nach höchst traditionellen Werten. Plastiktüten und Zigaretten sind verboten und bei der Arbeit kleidet man sich in einer landestypischen Tracht. Das klingt stark nach einem Diktat des Glücks und scheint eigentlich wenig vergleichbar mit der spanischen Mentalität und dem pura vida. Dennoch ein schöner Ansatz, auch wenn die Umsetzung wohl nur ein träumerisches Gedankenspiel bleibt. Konkret ist jedoch die Hoffnung, dass mehr Solidarität von jungen Erwachsenen in anderen Ländern gezeigt wird. Hierfür fehlt wohl oftmals das Problembewusstsein. Das jedoch, wird mit wachsenden Problemen, auch in vermeintlich krisensicheren Ländern ,mit geringerer Arbeitslosigkeit, von ganz alleine kommen.

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QuiZ Dich g L Ü c KLich !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº5 FRAgE: WIE LANgE MuSS HoLgER STANISLAWSKI FAHREN, uM IN HEIDELBERg Zu SEIN? HoLgER STANISLAWSKI WAR EINER DER »WELTpoKALSIEgERBESIEgER« BEIM LEgENDÄREN 2:1-HEIMSIEg DES Fc ST. pAuLI gEgEN DEN Fc BAYERN. IM NoVEMBER 2006 üBERNAHM STANISLAWSKI KoMMISSARIScH DIE TRAININgSLEITuNg BEIM Fc ST. pAuLI. IHM gELANg NocH IN DER gLEIcHEN SAISoN DER AuFSTIEg IN DIE 2. BuNDESLIgA! 2010 gELANg IHM ALS TRAINER DES Fc ST. pAuLI DER AuFSTIEg IN DIE 1. BuNDESLIgA. BUCH THEATER GUTSCHEINE BUNDESLIGA-TICKETS SÜSSES 3 x ICH HARTZ DANN... 1 x ZWEI GUTSCHEINE 1 x ZWEI TICKETS 3 x 10EUR-GUTSCHEIN Das Buch »Ich hartz dann mal ab - Bekenntnisse eines kleinen Schmarotzers« von Robert Naumann sorgt für viele Lacher und kurzweilige Unterhaltung. Und man lernt: auch Meisen sind nur Schmarotzer. Das Heilbronner Theater kann sich über Besuchermangel nicht wirklich beklagen. Wir verlosen zwei Theater-Gutscheine der etwas besseren Preisklasse. Freie Stückwahl versteht sich von selbst. Holger Stanislawski und sein Team wollen in der Bundesliga weiter nach oben klettern. Dazu muss auch am 4. März gegen den 1. FC Köln gewonnen werden. Zwei HANIX-Leser werden dabei sein. Die Süße Fee ist der individuelle Süßigkeiten- und Schokoladen in Heilbronn. Natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen. Neben den Gutscheinen gibt es jeweils noch eine Leckerei aus Schokolade obendrauf. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: DREI ECKEN, EIN ELFER! EINSENDESCHLUSS IST DER 18. FEBRUAR 2012. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: »PRES«

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TON: PHILIPP SEITZ GELESEN VON: PHILIPP KIONKA L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF VON HEINRICH-FRIEDRICH FÜGER AUS ROM VOM 16. AUGUST 1777 MEINE THEUERSTE FREUNDIN! Tausendfachen Dank für Ihren lieben Brief. [...] denn, Sie mögen mirs glauben oder nicht, ich denke recht oft an Sie, wünsche mir oft, wenn ich des Abends müde von der Arbeit bin, dass ich könnte zu Ihnen gehen, ein paar Stündchen mit Ihnen plaudern, eine frische Buttermilch trinken und so an Leib und Seele erquickt wieder nach Hause kehren. Da wäre dann auch unsere liebe Lisette und das kleine Lengen und wie ich zu meiner grossen Erbauung vernommen, unser lieber neubekehrter und weiland gestrenger Herr Archivarius; warlich [so!] ein Häufchen gutherziger Leutchen, eins fürs andere geschaffen, wir wollten unsere herzliche Freude an einander haben. Nicht eine Minute sollte uns unnütz vorbei gehen. Aber! trau122 rig genug, dass der ganze Wunsch unnütz ist. So ein großes Vergnügen es macht unter lieben Freunden zu seyn und so angenehm es ist, eine frische Buttermilch zu trinken, wenn man bei warmem Wetter Durst hat, so ist's doch besser, sich beides eine Zeitlang zu versagen und in Rom studieren, damit aus dem jungen Herrn etwas vernünftiges wird, als jenes zur Unzeit genießen und darüber vergessen werden. Ich weiß nicht, ists Glück oder Unglück, ich habe bis jetzt noch nicht mehr als ein Haus in Rom finden können, wo ich hingehen mag, und auch da gefällt mirs nicht, denn die Leute sind bei aller ihrer Gutheit entsetzlich bigott und was das lustigste ist, sie lassen sichs, weil ich ein Kayserlicher pensionair [so!] bin, nicht träumen, dass ich ein protestant [so!] seyn sollte. Überhaupt findet man hier nicht den freien ungezwun-

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS ROM genen Umgang, wie bei uns. Man ist gegen die Fremden sehr höflich, aber nie vertraut. Und ich weiß nicht, wie es kömmt, aber ich mag mit niemanden umgehen, von dem ich nicht weiß, dass er mir gut ist, und dass er Vertrauen zu mir hat. Geschähe es nicht der Sprache wegen, ich sähe das ganze Jahr keinen Italiaener an, aber so bin ich genötigt manche Bekanntschaften zu unterhalten, um schwazen [so!] zu lernen. Was das weibliche Geschlecht betrifft, so finde ich zwar, dass es unter dem Mittelstand viel schöne und geistreiche Gesichter gibt, dass sie eine reizende und einnehmende Sprache haben. Aber - bei mir ein richtiges Aber - sie haben keine gute Erziehung, nicht jene liebenswürdige Gutheit des Herzens, und das, was man empfindsam nennt, kennt man in Rom nicht einmal dem Nahem nach, und ich bin so verwöhnt, das ich diese drei Eigenschaften dem schönsten Gesicht von der Welt vorziehe, so lange, versteht sich, ich nicht als Maler spreche, denn als solcher habe ich allen respect [...] für die Gaben der Mutter Natur und freue mich kindisch, wenn ich sie recht betrachten kann. Kömmt Ihnen dies etwa wiedersprechend [so!] vor, so belieben Sie zu erwägen, dass ich von der Classe Menschen bin, die alles gerne von der rechten Seite ansehen, mit einem Wort: ein philosoph [so!], Nahmens Heinrich Fridrich [so!] Füger, der lieben Madam Aff in Heilbronn ergebenster Fr. und Diener. [...] Aktuell ist in der Kunsthalle Vogelmann die sehenswerte Ausstellung zu sehen: 3.12.2011-11.3.2012 HEINRICH FRIEDRICH FÜGER (1751-1818) ZWISCHEN GENIE UND AKADEMIE

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TEXT UND FOTOS: MATTHIAS MARQUART, KABUL

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN D I E D E U T S C H E LÜ G E - V E R LO R E N E J A H R E , GESCHUNDENES LAND A n g s t , Unsicherheit, Resignation. Wa f f e n u n d St a c h e ldraht wohin das Auge blickt - Kabul, A f g h a n i s t a n i s t ein Pulver fass, die Lunte brennt. Un d d i e » Ge b e r l änder« über treffen sich an Heuchelei und Dilettantismus. Warum er noch hier ist? Vielleicht, weil er das Wort »Scheitern« nicht zu seinem Vokabular zählt und nie zählen möchte. Mohammed S. ist nicht irgendwer. Mohammed S. ist ein hochrangiger Vertreter des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten Afghanistans und agiert im unmittelbaren Umfeld von Staatspräsident Hamid Karzai. Und was S. zu erzählen hat, birgt Brisanz: Korruption, hochbezahlte deutsche Besserwisser und Versager, vertane Chancen und ein Land, sein Land, das Mohamed S. liebt und das immer noch am Abgrund steht. Die Nato-Beraterin, der korrupte »ehrliche« Polizeikommandant, der Staatssekretär und Mitglied der afghanischen Wahlkommission, die seit 20 Jahren ehrenamtlich tätige Vorsitzende einer Hilfsorganisation, der hohe Finanzbeamte aus der afghanischen Regierung, der Inhaber eines Ingenieurbüros, der für die EU arbeitete - sie alle reden - sie alle haben Angst, riskieren ihr Leben und doch wollen sie, dass man sie hört - allein im »Westen« hört niemand zu. STILLE UND ANGST Kabul, eine 6-Millionen-Stadt. Hier strengstens bewachte, abgesicherte Villen und hochherrschaftliche Häuser aus der Kolonialzeit. Dort Armut und Elend. Menschen, die in nicht mehr hausen als dem, was man hier als Schuhkarton bezeichnen würde. Es ist diesig, Smog, Schmutz und Staub. In der Luft der Geruch von Fäkalien, Benzin, Diesel, Schweiß und Angst. Kabul pulsiert, eine Stadt, ein Land am Tropf der Welt. Kabul sagt dort mehr aus, wo niemand hinsieht, hinsehen will - dort, wo die sechs Millionen Menschen leben, die sich plötzlich, sobald es dunkel wird, verkriechen. Diese Stadt ist nachts ruhiger als manche

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN »Rabbani hat diesem Land gro ß e s Leid zugefügt, war korrupt, h a t sich unendlich bereicher t un d i s t für unsere heutige Lage maß g e b lich mitverantwor tlich.« Kreisstadt in Deutschland, und nur das Geräusch von Raketeneinschlägen, Sirenen und Hubschraubern durchbricht die Stille. Nichts ist sicher in Kabul, einer der gefährlichsten Städte der Welt. AB UND AN MENSCH BLEIBEN Bild diese Seite: Ein Tagelöhner liegt erschöpft im Staub und Dreck der Großstadt. In der Bank im Hintergrund werden "gute" Geschäfte gemacht. Dort verschwanden auch schon 400 Millionen Euro über Nacht. Geld, das auch für ihn, für Hilfsprojekte, bestimmt war. Bild rechte Seite: Kabul war einst eine blühende Stadt. Im Bild: die ehemalige "Blumenstraße" - eine Flaniermeile - und das, was von ihr übrig blieb. Ahmad N. ist Polizei-Kommandeur in Kabul. Ein kleiner, bärtiger Mann mit hellwachen, funkelnden Augen. Er wirkt unscheinbar, trägt an seinem freien Tag die landesübliche, einfache Tracht und sieht so aus, wie man sich im Westen einen Taliban vorstellt. N spricht leise, doch bestimmt. Und er ist mit unglaublicher Macht ausgestattet. Denn die Polizei - finanziert und ausgebildet mit deutschen Steuermitteln - ist außer Milizen und Terroristen das Korrupteste und Gefährlichste, das sich auf den Straßen Kabuls tummelt. N. lächelt immerfort, lacht über den naiven Westen und versucht, in seinem Alltag noch ab und an Mensch zu bleiben. Deshalb beschützt Ahmad N. die einen, die anderen nicht - je nach persönlicher Stimmung, Gesinnung und vor allem je nach Bezahlung. Von seinem Lächeln kann in dieser Zeit in Kabul das Leben abhängen.

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN Als er geht, hat der Polizeikommandant dann 2.500 Dollar mehr in der Tasche - Er wird davon nichts nehmen versichert er - »nur für einen Freund einen Freundschaftsdienst verrichten«. Ahmed N. wird die Tage wieder vorbeischauen - und er wird wieder helfen - gerne - sofern der Preis stimmt. INKOMPETENT UND IGNORANT NUR EINE FRAGE DER ZEIT Als Burhanuddin Rabbani, ehemaliger afghanischer Staatspräsident und Chef des Hohen Friedensrates, der mit den Taliban eine politische Lösung des Konflikts am Hindukusch aushandeln sollte, bei einem Selbstmordattentat getötet wird, ist N. einer der ersten vor Ort und berichtet, dass das alles doch nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis Rabbani »endlich verschwindet«. Ahmed N.: »Rabbani hat diesem Land großes Leid zugefügt, war korrupt, hat sich unendlich bereichert und ist für unsere heutige Lage maßgeblich mitverantwortlich.« Was jetzt von ihm in den westlichen Medien berichtet würde sei doch nur »Lüge«. Eine Lüge, von der aber auch er profitiert - spült sie doch jährlich Milliarden in die Kassen des korrupten afghanischen Systems und damit auch in seine Taschen. Ahmed N.: »Der Westen will raus aus Afghanistan, bezahlt und bildet Soldaten und Polizisten aus, die dann die ,Sicherheit des Landes' gewährleisten sollen.« Dann grinst er wieder schelmisch: »Bei uns werden so tausende von Polizisten und Soldaten bezahlt, die es gar nicht gibt. Eine schöne Einnahmequelle.« Wieder im Ministerium sagt Mohammed S: »Die Deutschen schicken uns ,Berater', die teilweise über 20.000 Dollar monatlich verdienen, ein Haus samt Personal und einen Dienstwagen mit Chauffeur erhalten. Normalerweise würde ich mich mit diesen Menschen aufgrund ihrer Inkompetenz und Ignoranz nie unterhalten, doch hier muss ich es. Zudem werden die ,Ergebnisse' ihrer Arbeit nie hinterfragt und kontrolliert - da muss man sich doch nicht mehr wundern - hier halten alle die Hand auf.« Mohammed S. spricht Klartext - und man spürt es ist irgendwie der letzte, der berühmte seidene Faden an dem er zieht, um seinem Land zu helfen. Doch Mohammed S. klagt nicht nur - er hat auch mögliche Lösungen im Gepäck. Lösungen, von denen »im Westen« allerdings nur die Wenigsten etwas hören wollen. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass im Dezember wiederum die »Petersberger Konferenz« anstand, die über das weitere Schicksal Afghanistans maßgeblich entscheiden sollte. Wie schon einmal - »damals 2001 als alle versagt haben« sagt S. und sieht eine Wiederholung. KORRUPTION IN HÖCHSTEN KREISEN Zur gleichen Zeit, in der Mohammed S. in seinem Ledersessel von den Missständen der westlichen Hilfe und Aufbauarbeit berichtet, liefern afghanische Arbeiter ein Paradebeispiel für Misswirtschaft und die Auswirkungen der korrupten »Regierungsarbeit«, der westlichen und auch deutschen Politik schlechthin ab. Etwa sechs Millionen wird die EU für das Straßenbauprojekt bezahlen an dem sie gerade arbeiten. »Verbaut werden maximal 300.000 Euro. Bei den Arbeitern, die alten Asphalt mit Spitzhacken aus der Straße klopfen, wird nicht viel ankommen. Der alte Asphalt wird geschreddert, erhitzt und in die entstandenen Löcher gekippt. Einmal mit der uralten Straßenwalze drüber - fertig. Lebensdauer der Maßnahme: einige Monate. Das Geld, das für diese »Infrastrukturmaßnahme« gezahlt wird fließt in die Taschen von korrupten Beamten in den höchsten Kreisen

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN - allesamt mit Karzai verbandelt. »Subunternehmer«, die noch nie etwas von Straßenbau gehört haben, bekommen die Zuschläge zu millionenschweren Infrastrukturprojekten. Von Deutschland und der EU finanziert, vergeben sie sie weiter an Billigst-Anbieter und kassieren über 70 Prozent der Gelder in die eigene Tasche. Der Gipfel: Ihre Kontrollorganismen sind diejenigen, die ihnen die Verträge und Gelder zuschanzen - sie selbst, die afghanischen Ministerien. DESASTRÖSE HILFSPOLITIK andere »weltpolitische, geostrategische« Aspekte hier eine tragendere Rolle und schließlich zahlt's ja auch »nur« der Steuerzahler. Doch damit nicht genug - gerade in Deutschland wird z.B. die GIZ (Deutsche Gesellschaft für So wurde der afghanische Vizepräsident Bevölkerung ver fügen Internationale Zusammenarbeit Ahmed Zia Massud im Oktober 2009 - ein Bundesunternehmen) angelaut einem vom Guardian zitierten über gesicher ten Zugang halten, möglichst mit eben jenen Kabelbericht mit 52 Millionen Dollar Ministerien zusammenzuarbeiten. Bargeld in Koffern am Flughafen in zu Trinkwasser. 2001, als Und was sich die GIZ alles so als Dubai aufgehalten - doch: er durfte »Erfolge« auf die Fahnen schreibt ist gehen, ohne nähere Auskunft über die westliche Inter vention wirklich bizarr. Beispiel Trinkwasser: die Herkunft des Geldes machen zu wenn man der GIZ glaubt, herrschen müssen. begann, waren es etwa dabei mittlerweile aufgrund ihrer so zahlreich gebauten Brunnen 10 Prozent . nahezu paradiesische Zustände in ZUKUNFT SCHAFFEN ANDERE Afghanistan. Fakt ist, dass nur etwa Und während an maroden Straßen 20 Prozent der Bevölkerung über gebaut wird und sich Mohammed gesicherten Zugang zu Trinkwasser verfügen. 2001, als S. in Rage redet, sitzen ein paar Frauen mit den die westliche Intervention begann, waren es etwa zehn Dorfältesten aus 22 Dörfern in der Provinz Shakar Dara Prozent. Ein Trauerspiel wird als Erfolg gefeiert. Noch (süßes Tal) zusammen. Es geht um eine Schule - eine trauriger wird dies im Hinblick auf die Kosten: Mit den Mädchenschule. Die Dorfältesten baten den afghanischen Geldern für das »Brunnenspiel« der GIZ hätten andere Frauenverein um Hilfe. Und am Ende der Besprechungen Organisationen hunderte von Brunnen mehr gebaut und wird der Bau beschlossen. Die Gemeinden opfern Teile zusätzlich noch ein paar Schulen oder Kliniken errichtet, ihrer Weinberge und ein Exil-Afghane schenkt dem Verein da die GIZ für jeden ihrer Brunnen etwa das zehnfache sein Gelände, anstatt es für viel Geld zu verkaufen. Zu dessen bezahlt, was an tatsächlichen Kosten anfällt. befürchten haben die Bauherren nichts, haben sie doch Der Rest wandert in die Taschen derer, die ihre Milizen alle Entscheidungsträger eingebunden, alte Rituale und finanzieren und sich bereichern. Sie alle lachen den althergebrachten Traditionen Respekt gezollt. Die Schule »Westen« aus, freuen sich auf noch mehr Geld, während wird gebaut und es wird ihre Schule sein. Eine Schule, sich die Afghanen fragen, wo die Hilfe bleibt. Hilfe, die beste Chancen hat, viele Mädchen über lange Zeit die ihnen versprochen wurde und auf die sie sehnlichst auszubilden und ihnen eine Zukunft zu geben - Geld von warten. Doch von staatlicher Seite kommt so gut wie der EU, vom deutschen Staat? - Fehlanzeige - finanziert nichts an, und so leiden sie weiter. wird alles privat, über Spenden, Mitgliedsbeiträge und dem Erlös aus Benefizveranstaltungen. Alles geduldet von der EU und auch von Deutschland Nadia Nashir-Karim, Vorsitzende des Afghanischen - nur - da will keiner so genau hinsehen, spielen doch Frauenvereins: »Wir arbeiten hier seit 20 Jahren So wird eine desaströse Hilfspolitik, das vollkommene politische Versagen des Westens, einfach unter den Teppich gekehrt. Ein paar Milliarden hin oder her - Wo sie versanden - ob in Griechenland oder in den Taschen afghanischer Ministerien, d.h. in den Taschen Karzais und seiner Schergen, der Warlords, der Taliban oder auch in die ausländischer Firmen - niemand will es wirklich wissen, und wer fragt oder redet, lebt gefährlich. Nur e twa 20 Prozent der

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN Afghanisches Infrastrukturprojekt: Mit uraltem Gerät und einfachsten Mitteln wird hier "Straßenbau" betrieben. Der "Westen", die EU und Deutschland zahlen dafür horrende Summen. Hier schält ein Afghane Zuckerrohr, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen - seine "Maschine" ist sein ganzer Stolz.

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN erfolgreich, nach unseren Erfahrungen hat uns nie jemand gefragt - im Gegenteil - Geld für Projekte zu bekommen ist nicht nur schwer, es ist oft wie ein Kampf gegen Windmühlen. Wir haben gelernt, nichts zu erwarten und alles selbst zu schultern.« Und dies, obwohl der Verein vielfach zertifiziert ist, jeder Cent abgerechnet wird. Die ehrenamtlichen Mitglieder, die auf dem Land Afghanistans arbeiten, dort, wo sich keine Regierungsmitarbeiter und schon lange keine EU-Helfer mehr hin trauen, tragen nahezu sämtliche Unkosten selbst. Und sie sind erfolgreich: Allein 2010 wurden 162.000 Menschen mit Lebensmitteln, Wolldecken und Medikamenten versorgt, rund 20.000 Patienten medizinisch versorgt, über 60.000 Impfungen durchgeführt, etwa 35.000 Menschen täglich mit Trinkwasser versorgt und über 2.000 Kindern der Schulbesuch, Frauen eine Ausbildung ermöglicht - Erfolge einer »kleinen Organisation, die milliardenschweren Bundesbehörden als Vorbild dienen sollten.« Nashir-Karim: »Bei allen Unterstützungsversuchen ist es dasselbe wie in der Politik. Man vergisst, dass es auch bei uns ein Demokratieverständnis gibt, das jedoch nicht mit dem westlichen vergleichbar ist. In Afghanistan haben die Menschen in den Dörfern jahrelang ihre Probleme selbst gelöst, zum Beispiel durch Jiirgas (Versammlungen der Dorfältesten und regionalen Größen), da der Zentralstaat zu schwach war und ist. Dies wird zu wenig beachtet nicht die Demokratie ist zu früh, sondern der Ansatz muss der Richtige sein.« WER ETWAS ZU SAGEN HAT, WIRD NICHT GEHÖRT »Man vergisst, dass es auch be i u n s ein Demokratieverständnis g i b t , das jedoch nicht mit dem westl i c h e n vergleichbar ist . In Afghanis t a n haben die Menschen in den D ö rfern jahrelang ihre Probleme s e l b s t gelöst, zum Beispiel durch Jii rg a s (Versammlungen der Dor fälte s t e n und regionalen Größen).« Mohammed S. ist jetzt in Fahrt. Er berichtet von den großen Fehlern des Westens, vom Fehler, Karzai ins Amt zu heben, anstatt den damaligen König Mohammed Sahir Schah, der von allen Bevölkerungsschichten anerkannt war, wieder einzusetzen. S: »Der Westen agiert überall auf der Welt mit derselben Arroganz, obwohl er schon mehrfach mit eben dieser Strategie an die Wand gefahren ist. Warum versucht man einem Land wie Afghanistan eine Demokratie westlichen Vorbildes überzustülpen, wo dieses Land doch noch gar nicht bereit dazu ist. Demokratie muss sich selbst entwickeln. So wie das in den westlichen Ländern ja auch über Jahrzehnte und Jahrhunderte geschehen ist. Auch wir brauchen Zeit, uns zu entwickeln, wieder zu entwickeln. Zwischenzeitlich halte ich eine straffe Militärregierung mit oder ohne Einbindung der Taliban für den mittlerweile einzig gangbaren Weg. So wie es ist, kann es jedenfalls nicht weitergehen, und es wird uns wiederum in Krieg und Chaos stürzen wenn der Westen abzieht.« Doch S. weiß: »Auch bei der neuerlichen Konferenz in Petersberg kam nichts Brauchbares heraus. »Karzai wurde ,im Amt bestätigt' sein korruptes System gestärkt und wiederum milliardenschwere ,Hilfe' zugesagt. Gelder, die weiterhin dort versanden und verschwinden, wo es bisher auch geschah. Karzai gibt offen zu ein ,Korruptionsproblem' zu haben und kassiert munter weiter. Das Problem ist doch aber er selbst, ,sein System', jeder weiß das und alle zahlen dennoch weiter. Diejenigen, die wirklich wissen was nötig und effektiv für unser Land wäre, die wurden doch erst gar nicht eingeladen, geschweige denn gehört.«

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN So entsteht Zukunft: Nadia Nashir Karim (2.v.l.), Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins, verhandelt mit Dorfältesten und regionalen Entscheidungsträgern über den Bau einer Mädchenschule. Foto: Nadia Nashir Karim DAS SYSTEM KARZAI - VOM WESTEN GEDULDET UND UNTERSTÜTZT Auch wie jener Karzai ins Amt kam und sich dort behaupten konnte ist ein Skandal. So berichtet Zai B., ein Mitglied des afghanischen Wahlausschusses und Staatssekretär, mit einem vielsagenden Augenzwinkern, dass es doch sehr seltsam sei, dass bei einer AnalphabetenQuote von 85 Prozent nahezu jeder gewählt habe. Noch seltsamer werde es allerdings dann, wenn aus einer 2.000-Seelen-Gemeinde plötzlich 5.000 »gültige« Wahlzettel auf dem Tisch liegen. »Wir haben alle gewusst, wie betrogen wurde, und selbst wer wollte, konnte nichts tun - reden, bemängeln - das hätte den Tod zur Folge gehabt und so ist es auch heute noch.« Erstaunlich findet er, dass die »Wahlen«, die nicht wirklich welche waren, aus dem Ausland so widerspruchslos hingenommen und akzeptiert wurden. »Die wollten es doch gar nicht anders«, so sein Fazit. Das also sind die Hände, die die Schröders, Fischers, Westerwelles und Merkels schütteln. Hände, die auch die von Gaddafi, Mubarak, Assad und Co schüttelten und schütteln - bis es eben einfach nicht mehr geht. REALITÄTSVERLUST Nadine S., eine französische Nato-Beraterin aus dem nächsten Umfeld des getöteten Rabbani, berichtet: »Wo weltweit überall das ,scheinbare' Entsetzen über den Tod Rabbanis einsetzte und betont wurde, welch ,Streiter' er für den Frieden gewesen sei, kann ich nur sagen, dass er überall verhasst war. Während man im Westen »trauerte«,

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN Es geht auch anders: hier entsteht eine Mädchenschule, die von 22 Dorfältesten aus der Provinz Shakar Dara (süßes Tal) unterstützt und gemeinsam errichtet wird. Foto: Nadia Nashir Karim Armut und Elend pur? Nein, dieser ältere Mann ist froh einen Wagen zu haben, um seine Melonen verkaufen zu können. Er fühlt sich "reich". wurden hier hinter verschlossenen Türen Freudenfeiern abgehalten. Wie korrupt er war und wie viele Milliarden - ja Milliarden - er sich mit seinen Gefolgsleuten unter den Nagel gerissen hat? Keiner weiß es. Doch er war bei der Bevölkerung verhasst - sogar bei den Tadschiken, denen er angehörte und die gewöhnlich zusammenhalten. Ich weiß nicht, wie unsere Politiker ticken - sie haben entweder jedes Realitätsbewusstsein und den Boden unter den Füßen verloren, und sie wissen wirklich nicht mehr, was gespielt wird oder sind einfach nur selbst gefangen in diesem System, in dem die Wahrheit nichts mehr zählt.« WER FRAGT SPIELT MIT DEM LEBEN aus dem afghanischen Finanzministerium. »Unsere Ministerien kontrollieren sich selbst, was ihre Budgets anbelangt. 70 Prozent aller Gelder von den Geberländern landen in den Taschen einiger Weniger. Bei der Bevölkerung kommt so gut wie nichts an. Und alle schauen weg. Allein Karzai hat pro Jahr zwei ,Haushalte' für seine Sicherheit und die seiner Regierungsmitarbeiter. Insgesamt sind das über zwei Milliarden Afghani pro Jahr und niemand darf fragen, wofür dieses Geld ausgegeben wird - es wird angefordert, angewiesen und gut - wer fragt spielt mit seinem Leben.« Faruk T. kommt mit seinem Sohn und er ist bewaffnet - zum Selbstschutz wie er betont. Auch T, sieht aus Dass sie Recht hat, bestätigt ein hochrangiger Mitarbeiter

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AUSL ANDSEINSATZ: AFGHANISTAN westlicher Sicht aus wie der »klassische Taliban«. Doch Faruk T. ist alles andere als das. Er ist Ingenieur, hat in Deutschland studiert, ist zurückgekehrt, will in seiner Heimat etwas bewegen, Wiederaufbau leisen. Doch was er zu berichten hat, ist ernüchternd. »Ich sollte 35 Prozent der für ein Straßenbauprojekt in Rechnung gestellten Leistungen gleich ans Ministerium abführen, da sie sonst die Rechnung erst gar nicht an die EU weitergeben würden und ich gar nichts bekäme«, berichtet er. Faruk T. hat sich geweigert und direkt mit einem EU-Mitarbeiter (Name ist der Redaktion bekannt) Kontakt aufgenommen. Er bekam sein Geld. Und dann lief alles einige Monate korrekt, wie er berichtet. Ohne Ministerien - direkt über die EU. Doch sein EU-Ansprechpartner wurde abberufen. »Jetzt läuft alles wie vorher, nur dass ich natürlich keine ,Staatsaufträge' mehr bekomme.« Mehr als das: Faruk T bangt jetzt um sein Leben und das seiner Familie. (Anm. d. Red.: Alle Namen der Personen sind der Redaktion bekannt, wurden aber aus Sicherheitsgründen geändert) WWW.M-MARQUART.DE NACH SCHÄTZUNGEN DER VEREINTEN NATIONEN KOSTET DIE KORRUPTION DAS LAND JÄHRLICH ÜBER 2,5 MILLIARDEN DOLLAR (1,92 MRD. EURO). DAS DURCHSCHNITTSEINKOMMEN LIEGT BEI NUR EINEM USDOLLAR PRO TAG. IN AFGHANISTAN WIRD MITTLERWEILE SO VIEL MIT KORRUPTION VERDIENT WIE MIT DROGENHANDEL (WOBEI ÜBER 95 PROZENT DES WELTWEIT GEHANDELTEN ROHOPIUMS AUS AFGHANISTAN STAMMT). IM JANUAR 2010 HAT DIE BUNDESREGIERUNG IM KONTEXT DER INTERNATIONALEN AFGHANISTAN-KONFERENZ IN LONDON ANGEKÜNDIGT, DIE MITTEL FÜR DEN ZIVILEN WIEDERAUFBAU AFGHANISTANS BIS 2013 PRO JAHR AUF BIS ZU 430 MILLIONEN EURO ZU ERHÖHEN (250 MILLIONEN EURO BMZ, 180 MILLIONEN EURO AUSWÄRTIGES AMT). DAS ZIVILE GESAMTENGAGEMENT DEUTSCHLANDS IN AFGHANISTAN WIRD BIS ENDE 2010 RUND 1,4 MILLIARDEN EURO BETRAGEN. FÜR DAS HAUSHALTSJAHR 2011 STANDEN DEM BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT UND ENTWICKLUNG (BMZ) 6,219 MILLIARDEN EURO ZUR VERFÜGUNG. DAVON GERADE EINMAL 668.520.000 EURO (10,8 PROZENT) FÜR ZIVILGESELLSCHAFTLICHE UND WIRTSCHAFTLICHE GRUPPEN UND INSTITUTIONEN WELTWEIT. DEUTSCHLAND WAR AUSRICHTER DER PETERSBERGKONFERENZ 2001 SOWIE DER BERLINER AFGHANISTAN- KONFERENZ 2004. AUCH DURCH DIE ORGANISATORISCHE UNTERSTÜTZUNG VON ZWEI GROSSEN RATSVERSAMMLUNGEN (EMERGENCY LOYA JIRGA 2002 UND VERFASSUNGSGEBENDE LOYA JIRGA 2003/2004 - JIRGAS SIND TRADITIONELLE RATSVERSAMMLUNGEN) UND DURCH BEITRÄGE ZUR DURCHFÜHRUNG DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 2004 UND 2009 SOWIE ZUR PARLAMENTSWAHL 2005 HAT DEUTSCHLAND DIE POLITISCHE ENTWICKLUNG AFGHANISTANS BEGLEITET. AUF DEN KONFERENZEN IN TOKIO (2002), BERLIN (2004) UND LONDON (2006) HAT DEUTSCHLAND FÜR DEN ZEITRAUM BIS 2010 EINEN GRUNDBEITRAG VON 80 MILLIONEN EURO PRO JAHR FÜR DEN ZIVILEN WIEDERAUFBAU UND DIE ENTWICKLUNG AFGHANISTANS ZUGESAGT. SEITDEM IST DER DEUTSCHE BEITRAG KONTINUIERLICH GESTIEGEN: IM JAHR 2007 WAREN ES SCHON RUND 115 MILLIONEN EURO (DAVON BMZ: 85 MILLIONEN EURO), IM JAHR 2008 RUND 195 MILLIONEN EURO (DAVON BMZ: 125 MILLIONEN EURO) UND IM JAHR 2009 RUND 252 MILLIONEN EURO (DAVON BMZ: 144 MILLIONEN EURO). DIE HÜTER DER GESETZE IN AFGHANISTAN VERLETZEN DIESE TEILWEISE AM MEISTEN: IN EINER STUDIE HATTE EIN VIERTEL DER BEFRAGTEN SCHMIERGELD AN POLIZISTEN GEZAHLT, BIS ZU 20 PROZENT AN RICHTER ODER REGIERUNGSMITGLIEDER. ABER AUCH DIE VERMEINTLICHEN HELFER VON AUSSEN HABEN KEIN BESSERES IMAGE: MEHR ALS DIE HÄLFTE DER AFGHANEN HALTEN INTERNATIONALE HILFSORGANISATIONEN FÜR EBENSO KORRUPT.

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c A rO L i n n i tsc h e Weit i m L e i p z i g e r We s t e n b e f i n d e t sich das zehn Hektar große Gelände der in der inter n a t i o n a l e n Ku n s t s ze n e w o h l bekannten Baumwollspinnerei. Zehn Galerien, versc h i e d e n e L ä d e n u n d r u n d 1 0 0 Künstler, unter ihnen Neo Rauch, haben hier Platz g e f u n d e n . We r m i t d i e s e m Wissen das erste Mal herkommt, wird sich zwei Frag e n s t e l l e n . Er s t e n s : Bi n i c h hier richtig? Zweitens: War das tatsächlich mal e ine Ba u m w o l l s p i n n e re i ? Di e A n t wor t auf beide Fragen lautet: Ja. Man betritt das Werk s g e l ä n d e , l ä u f t ü b e r Ko p f s t einpflaster und tote Schienenstränge an einem Café vo r b e i , i n d e m f r ü h e r d e r Di rektor residier t haben mag, direkt auf ein großes Fabrik g e b ä u d e a u s ro t e m Ba c k s t e i n zu. Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich d i e Ga l e r i e A S P N . Hier arbeitet Carolin Nitsche.

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LEIPZIG CALLING: CAROLIN NITSCHE STEcKBRIEF Alter: 30 B e r u f ( u n g ) : S tu d e n t i n d e r G e r m a n i s t i k u n d Ku n s t g e s c h i c h t e K i n d e r : ke i n e H a u s t i e re : 0 M i t b ewo h n e r I n n e n : 1 I n L e i pz i g s e i t : 2 0 03 H ei l b ro n n b e s u c h e p. A . : e t wa v i e r L e i pz i g e r L i e b l i n g s o r t : Wa m s l e r- B i e rg a r t e n i n d e r Ka r l - H e i n e -S t ra ß e HAN I X -- W a r u m u m a l l e s i n d e r W e l t denn ausg e r e c h n e t L e i p z i g ? CN -- festgefahren ist, und die Entwicklung so abgeschlossen scheint. HANIX -- Was vermisst Du an Leipzig? CN -- Diese Frage wurde mir damals genau so gestellt, nachdem ich mich hier an der Uni eingeschrieben hatte. Bis dahin war mir gar nicht bewusst gewesen, dass immer noch ein so krasser Ost-WestUnterschied gemacht wird. In dem Zusammenhang habe ich zum ersten Mal das Wort Dunkeldeutschland gehört. 'Gibt's da überhaupt was?' wurde ich gefragt oder 'wie ist das mit dem Dialekt?' Ziemlich lustig, wenn man die Frage im breitesten Schwäbisch hört. 'Hier will ich niemals wohnen' - den Satz habe ich zu einer Freundin gesagt, als wir lange vor meinem Studium auf dem Weg zum "With Full Force"-Festival durch die Lützner Straße in Leipzig umge-leitet wurden. Und genau da bin ich später hingezogen. Berge. Es soll hier ja den Fockeberg geben, aber den habe ich noch nie gesehen. Also kann es kein Berg sein. (Der Fockeberg ist ein etwa 40 Meter hoher, begrünter Trümmerberg, d.Red.) HANIX -- Nervt dich der Sachse? HAN I X -- Was war dein erster Eindruck der Stadt? CN -- Nein, im Gegenteil. Die Sachsen wirken ein wenig eigenbrötlerisch und zurückgezogen. In den Geschäften vermitteln einem die Leute nicht gerade das Gefühl, dass sie dir etwas verkaufen wollen, sondern eher, dass man Fehl am Platze ist. Mir persönlich kommt das gerade morgens sehr entgegen. Wenn ich in Heilbronn Brötchen hole, ist mir das mittlerweile viel zu laut, zu schrill und zu nah. Jeder interessiert sich für alles und produziert eine ständige Geschäftigkeit. CN -- HANIX -- Würdest du anderen Heilbronnern Leipzig empfehlen? CN -- HAN I X -- Wie konnte das denn passieren? Ich muss sagen, dass ich gerade dieses Runtergerockte sehr zu schätzen gelernt habe. In der Armut der Stadt liegt gleichzeitig ihr Mehrgewinn, denn dadurch gibt es hier unheimlich viele Freiräume. Die Leute eröffnen ein kleines Café, einen Ausstellungsraum, einfach, weil es geht. Die Dinge wandeln sich hier ständig. CN -- HAN I X -- Was könnte Heilbronn von Leipzig lernen? CN -- Immer. Was mir an Leipzig von Anfang an sehr gut gefallen hat, waren die vielen Parks und Grünflächen. Und die Größe: Leipzig bietet alles, ist aber dennoch überschaubar. Mein Besuch aus Heilbronn war jedes Mal überrascht, wie schön es hier ist - dabei hat jeder andere Dinge gefunden, die er an der Stadt besonders mag. Die Arbeit in der Galerie hat mich verändert. Ich fühle mich aufgehoben und gleichzeitig herausgefordert. Das hat mich wagemutiger gemacht. www.aspngalerie.de HANIX -- Hat Leipzig dich verändert? CN -- Die Stadt könnte versuchen, den Leuten ähnliche Freiräume zu bieten, in denen etwas Neues entstehen kann. Es gibt ein paar Leute, denen das gelungen ist - mit dem PlemPlem oder dem Data. Aber die meisten sind daran gescheitert, dass alles so

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AUS DEM VIA ARCHIV pINNBoARD VIA GRAFIK Das Kollektiv Via Grafik gründete sich 1998 um freie künstlerische Projekte zu realisieren. Nach der Gründung des Via Grafik Gestaltungsbüros 2002 wodurch der Beschluss gefasst wurde, sich professionell zu organisieren, erlangte die Arbeit des Kollektivs in den darauffolgenden Jahren sowohl in der »Urban Art« als auch in der Designszene europaweit große Beachtung. 2005 erschien bei Pyramide Edition, Frankreich, eine erste Monografie über Via Grafik, die unterstreicht, dass die Arbeit des Kollektivs zum Beginn der 2000erJahre als Pionierleistung betrachtet wird. Galt das künstlerische Interesse von Via Grafik in den ersten Jahren vornehmlich der Zusammenführung von Gestaltungsgattungen und der Pflege des irritierenden chaotischen Moments, der dem Geist von Graffiti und Streetart innewohnt, so hat sich ihre Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen freier Kunst und kalkulierter Verwendung künstlerischer Mittel zu einem bestimmten Zweck generieren, stark vertieft und in den letzten Jahren dahingehend weiterentwickelt, Orts- und Kontextspezifische Konzepte zu entwickeln, deren Form sich aus der jeweiligen Idee ableitet. Als wichtige Arbeit in der jüngeren Entwicklung des Kollektivs kann die Umsetzung von Wandgrafiken im Neubau des UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel (2010) in Darmstadt betrachtet werden. LEo VoLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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»whatever burns the best«, stadtbücherei heilbronn, 2009 Da s C a s u s M a gazin hatte uns Ende 2009 zur Jahresausstellung in der Stadtbüchere i H e i l b ro n n e i n g e l a d e n u n d uns diese große Wand im Foyer zur Gestaltung angeboten. Im Kont ext e i n e r B ü c h e re i z u a r b e iten, hat natürlich beso nderen Reiz, da sie in ihrer Funktion tradition e l l S t ä t t e d e s ö f f e n t l i c h e n Z ugangs zur Bildung und auch historisches Archiv ist . Angeregt durch e i n e n Au f s a t z vo n D i e t m a r Dath, in dem er thematisier t, inwieweit Geschichte und ihre Interpret a t i o n a u c h d a z u i n s t r u m e n t a l i s i er t wird, neues Denken, speziell das Denken alternativer Gesellscha f t s m o d e l l e , g e ra d e z u i m Keim zu ersticken, fanden wir es - kurz und knapp - spannend, hier im Foye r d e r B ü c h e re i a u f u n s ere Ar t und Weise ein kleines Feuer zu legen.

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E L C H O R RO ! ? HOM B R E , E S D E P U TA M A D R E! TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: PRIVAT El C h o r ro , e i n ve rschlafenes pueblo Nähe Málaga, b e m e rk t m a n k a u m i nmitten der steil emporragenden Felsw ä n d e . Au c h w i rkt es auf den ersten Blick nicht g e r a d e w i e e i n Pa r adies auf den Besucher, es ist eher u n s c h e i n b a r. Ab e r d i e Einheimischen und dor t gestrandet e K l e t t e re r s i n d s i c h einig: ein Fleck an dem man leicht h ä n g e n b l e i b e n k a n n . El Chorro ist eine riesige Spielwiese f ü r Ab e n t e u e r l u s t i ge, bietet unzählige Möglichkeiten d e n Ad re n a l i n s p i e g el konstant hochzuhalten und wirkt d a z u a l s o b e s i n v ielerlei Hinsicht einen autonomen Status geniesst. Juan, Jon oder auch Jean genannt, sein Name ist den meisten Gästen ebenso unbekannt wie sein Alter (irgendwo zwischen 40 und 50), fährt mit seinem Geländewagen quer durch den Wald, über riesige Steinblöcke, Bäume und was uns eben im Weg steht. Paul und ich sind mit dabei und werden rhythmisch durch den Wagen geschleudert. Heute ist Holzmachen angesagt. In EL Chorro, Südspanien, arbeiten wir in einer Finca um uns die Unterkunft zu finanzieren. Streichen, Holzmachen, den Poolboy spielen und alles was eben anfällt. Es sind bereits mehr als zwei Monate verstrichen seit ich Deutschland und somit mein Zuhause mit allen Freunden, Familie und Gewohn138 heiten verlassen habe. Mein Rucksack fühlt sich derweil wie eine Wohnung, Küche und Kleiderschrank in einem an. Es ist erstaunlich wieviel man besitzt und was man letztendlich tatsächlich zum Leben benötigt. Dennoch sind alltägliche Dinge wie eine Dusche und eine Küche unverzichtbarer Luxus nach einer gewissen Zeit und el Chorro unser Ruhepol, in welchem wir nach einer anstrengenden und schönen Reise in den Süden Kraft tanken konnten bevor es weitergeht. Zumindest für mich. Denn Paul blieb zurück, er wird weiter durch Spanien ziehen und Klettergebiete erkunden. Mit dem Reisen ist es eben wie im »echten Leben«.

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ARO UND THE WORLD: EL CHORRO, SPANIEN Menschen kommen und gehen, nur spürt man es beim Reisen unmittelbarer. In el Chorro haben wir nun zusammen einen Monat verbracht. Chorro, ein verschlafenes pueblo Nähe Málaga, bemerkt man kaum inmitten der steil emporragenden Felswände. Auch wirkt es auf den ersten Blick nicht gerade wie ein Paradies auf den Besucher, es ist eher unscheinbar. Aber die Einheimischen und dort gestrandete Kletterer sind sich einig: «El Chorro!? Hombre, es de puta madre!" Auch spielt sich das Leben eher in der Umgebung ab, Menschen bewohnen die umliegenden Höhlen, Parkplätze mit un139 zähligen Bussen, andere leben im Wald oder eben in einem Refugio wie die «Finca la Campana", Juan's Grundstück inmitten von Olivenbäumen, am Fuss der Felswände. Hier werden Kite-Surfing Kurse angeboten, Mountainbike Touren und Klettertrips. Die Finca selbst suggeriert jedoch eher ein familiäres Gefühl. Ein offener Kamin, Gitarrenmusik am Abend. Da passiert es schon einmal dass die Pläne bezüglich Klettern aufgrund eines unerwarteten Salsa-Abend verworfen werden. Kurz gesagt ein Fleck an dem man leicht hängen bleiben kann. El Chorro ist eine riesige Spielwiese für Abenteuerlustige, bietet unzählige Möglichkeiten den Adrenalinspiegel konstant hoch zu

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AROUND THE WORLD: EL CHORRO, SPANIEN Ein Weg der wenig Ver trauen er weckt . D och wer sich dem Adrenalinrausch hingeben will, muss ihn gehen.

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AROUND THE WORLD: EL CHORRO, SPANIEN halten und wirkt dazu als ob es in vielerlei Hinsicht einen autonomen Status geniesst. Und eben so trieb es uns in den Camino del Rey. Ein Betonpfad in ca. 80 Meter Höhe über dem Fluss der durch eine atemberaubende Schlucht führt. Jedoch mit fragwürdiger Absicherung und riesigen Löchern in dem 1-Meter breiten Pfad welcher ebensowenig vertrauenswürdig wirkt wie die 100 Jahre alte Brücke die wir anvisieren. Ein Denkmal ein Stück weiter, gewidmet 3 jungen Männern die bei einer Seilbahnaktion in der Schlucht in den Tod stürzten, lässt kurz innehalten, die Aktion in Frage stellen und man kommt nicht darum einen prüfenden Blick nach unten zu werfen. Nein, das will man sich nicht vorstellen. Der Gedanke wird verworfen und wir beginnen das Material auszupacken, unzählige Schlingen, Seile, Sicherungsgeräte, usw. kosten uns einen Tag Vorbereitung bis die Konstruktion steht. Unser Plan: ein Brückensprung, ausgehend von 15 Metern über der Brücke, ein Sturz von 50 Meter mit anschliessendem Pendler durch die Schlucht. Reyer, unser holländischer Freund der die ganze Saison in der Finca arbeitet, hat uns die Idee gleich bei Ankunft unterbreitet. Das hat sich nach der Art Spass schick & springer Weine einen Weinabend mit guten Freunden geniessen ... sprechen sie uns an ! Öffnungszeiten Donnerstag 15 - 19.30 Uhr Freitag 15 - 19.30 Uhr Samstag 10 - 14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung schick & springer Weine Kübelstraße 58, 74076 Heilbronn T 07131 64 99 80 - 0 F 07131 64 99 80 - 1 weine@schickundspringer.de www.schickundspringer.de

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AROUND THE WORLD: EL CHORRO, SPANIEN angehört, den man nicht verpassen will, als ich mich jedoch an unserer Seilbahn über die Schlucht ziehe fällt mir kein vernünftiger Grund ein, warum ich mich freiwillig nach unten stürzen sollte. Ratio gegen Emotio. An das leicht exponierte Gefühl inmitten der Schlucht zu hängen kann man sich gewöhnen, doch als ich den Rucksack der uns als Dummi diente, aus der Sicherung nahm, die Schlucht hinunterwarf und dessen Flug einfach kein Ende nahm, wurde mir schlecht. Ein weiterer Testdurchlauf, die Strasse ca. 1 km von der Schlucht entfernt steht bereits still. Unsere Aktion hat längst Aufmerksamkeit erregt und Schaulustige mit Kameras aus ihren Autos gezogen. Das macht die Nervösität nicht geringer und die Situation nicht minder angespannt. Es ist erstaunlich wie scharf der Verstand in den Sekunden vor dem Sprung wird, wie klar die Wahrnehmung. Ich war jedoch auch selten so neben mir gestanden wie nach dem Sprung. Es macht an diesem Punkt keinen Sinn das Gefühl beim Sprung selbst zu umschreiben, man könnte ihm nur anhand von Worten ohnehin nicht gerecht werden. Reyer und ich sind uns jedoch in einem Punkt einig: Gegen den Flug durch die Schlucht wirkt Sky-Diving wie ein Kindergeburtstag. Wir haben das Gefühl und die Erfahrung mitgenommen (ohne dass ich sie nochmals machen müsste) und ich meine Reise am kommenden Tag alleine nach Marokko fortgesetzt, mit dem schönen Gefühl nicht zu wissen wo es als nächstes hingeht und was mich erwartet. So steht mir alles offen und ich habe das Gefühl dass mit dem Schritt nach Marokko, dem Tor Afrika's, meine Reise richtig beginnt.

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KLEINANZEIGEN Telefon / Fax (0 7131) 798 181 E-Mail: schuhmacherei@jvaheilbronn.justiz.bwl.de

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TEXT: RAFAELA JECKLE FOTOS: PRIVAT MADE IN BRASIL: D E R B E S T E K A R N E VA L D E R W E LT !

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NEIG´S SCHMECKT: K ARNEVAL hier in Heilbronn Karneval nicht ein sehr großes Rolle Ich muss gestehen, dass ich noch nie in Heilbronn Karspielt. Für jeden Brasilianer Karneval ist vor allem der neval erlebte. Alles was ich bisher gesehen habe während Höhepunkt, um den Sommer zu feiern. Wir tragen wenider Faschingszeit war eine Straßenbahn voll mit bunten ger Klamotten und genießen das Wetter und den blauen Menschen mit tollen Masken. Ich wusste nicht wohin sie Himmel. Eigentlich für mich Karneval und kalter Winter gingen aber ich wusste: es war Fastnacht. Es gab Piraten, passen nicht zusammen, obwohl dieses Fest in Europa entEngel, Mäuse, Hexen, Pharaonen, sogar einen Superman. stand, denke ich das es in Brasilien war, Die kostümierte Gruppe ging sicherdass Karneval seine Freude gewonnen lich noch in eine Halle zum Feiern. Es ist ein Feiermarathon auf hat. Ich bin der Meinung, dass man den An diesem Tag habe ich einen kleiKarneval auf die Straße bringen muss, nen Einblick in die schwäbische Karden Straßen, mit sech s Milnicht in eine Halle. Das Interessante nevalskultur bekommen. Die Szene daran, mitten in der Stadt zu feiern ist, erinnerte mich an den Karneval und lionen Menschen aus allen dass die ganze Gemeinde zusehen und die Karnevalsmusik von Salvador da sich beteiligen darf. Karneval ist für Bahia, meiner Heimatstadt. Dort Kulturen. mich das Fest der Vielfalt und Demogibt es den größten Straßenkarneval kratie. Im diesem Moment zählt nur die der Welt. Unser Fest im Norden BraFreude, unabhängig von der Herkunft siliens ist keine Kostümveranstaltung sollten alle zusammen feiern. So ist es in sondern eine besondere musikalische Party. Millionen von Menschen sind hinter Lkw´s mit gro- Brasilien und so würde ich Karneval gerne in Heilbronn erleben. Vielleicht wäre eine Art Sommerkarneval, wie es ßen Musikanlagen darauf, genannt "Trio- Elétrico", her. in Berlin den einzigartigen Karneval der Kulturen gibt, Sie tanzen, flirten, feiern das Leben und singen die vielen eine gute Idee für Heilbronn. Das zieht Menschen an, brasilianischen Karnevalslieder. Eine Textzeile geht so: "Es vielleicht würden sogar Karnevalsgruppen aus Brasilien ist Karneval, Stadt wach auf um zu sehen. Die Regenzeit mitmachen. ist endlich vorbei in der Stadt und die Sonne scheint." Als mir die Textzeile durch den Sinn geht, bemerke ich wieso

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NEIG´S SCHMECKT: K ARNEVAL Mein Wunsch wäre es, hier eine große Outdoor-Karnevals-Party zu feiern und dabei zu zeigen, dass in Heilbronn mehr als 100 Nationalitäten diese kleine und schöne Stadt bewohnen und auch zusammen feiern. Ich weiß sogar, dass es eine Karneval-Gesellschaft in Heilbronn gibt und dass sie sich darum kümmern, ein tolles Faschingsfest vorzubereiten. Obwohl Fasching eine europäische Gewohnheit ist, in Brasilien haben wir den besten Karneval der Welt. Menschen aus allen Kontinenten treffen sich in Brasilien, um diese magische Gelegenheit nicht zu verpassen. Und was genau macht unseren Karneval unvergleichlich anders als allen anderen? Es ist genau die Mischung, die den Reiz und Charme des brasilianischen Karnevals ausmacht! Alle Rassen, alle Klassen, alle Altersgruppen oder Geschlechter kommen zusammen, um zu feiern. Vorurteilsfrei. Während sieben Tagen, in denen es nur darum geht, zu tanzen und Spaß zu haben. Sieben Tage lang lautet das einzige Gesetz: Tanzt und habt Spaß! Egal ob in Rio im "Sambodromo Stadion", dem Platz wo die berühmten SambaSchulen zusammen kommen um eine große Parade zu machen. Oder in anderen Städten in Brasilien wo unzählige Straßenumzüge verwandeln die Straßen der Stadt in ein Paradies. Als Journalistin habe ich immer beim Karneval gearbeitet, um dieses große Ereignis ins Fernsehen zu bringen. Insgesamt 180.000.000 Zuschauer sehen den Karneval im TV oder sie nehmen Teil auf der Straße. Aber nie habe ich einen foliäo (Teilnehmer beim brasilianischen Karneval) so beeindruckt und begeistert gesehen, wie meinem Sülzbacher Ehemann. Für ihn war es einfach Wahnsinn, das erste mal in den Bahia Karneval einzutauchen. Großen Spaß haben wir da gehabt aber man muss wirklich vorbereitet sein. Es ist ein Feiermarathon auf den Straßen, mit sechs Millionen Menschen aus allen Kulturen. Um so zu feiern, braucht man viel Energie.

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NEIG´S SCHMECKT: K ARNEVAL

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Na m e s o l l d e r Legende nach von Ne w Yorker GIs, die hier stat i o n i e r t w a re n , g e p r ä g t w o rd en sein. Unsere Mitarbeiterin Mavinga Petrasch s c h i c k t u n s j e d e n Monat Videogr üße aus Ne w York. Diesmal: Ge r ä u m t e Pa rk s u n d Po l i ze i ge walt bedeuten nicht das Ende der OccupyWa l l - St re e t- Be we g u n g . Di e Fo tografen Terr y Boddie und Eric Lawton, zwei Fo t o - Kü n s t l e r a u s ve r s c h i e d e n en Generationen, setzen ihr ganz persönliches Oc c u p y - St a t e m e n t - u nd zwar mit der Kunst der Fotografie. Ma v i n g a h a t s i c h a m Zuccotti Park mit ihnen getroffen.

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L E SERBRIEFE Hallo HANIX-Team, Die Magazin-Idee ist cool und designtechnisch ziemlich perfekt, scheint mir. Ich war platt, die Stimme von Harald Riegg auf einer der Seiten erkannt zu haben. Verflixtes Internet, dass über audio-visuelle Medien suggeriert, die de facto nicht existiert. Das haptische gefällt mir auch sehr gut, das heißt, dass ich darin blättern kann und dass die Texte vergrößerbar sind. Frau hat den Eindruck, dass es in Heilbronn, entsprechend dem Magazin, auch fetzt. Und auch wenn mir der Untertitel (Gesellschaftsmagazin) eigentlich nicht passt, ist es eben genau das. Und somit gehört es in die Liste der Termini, die unlängst in dem Buch »Deutsche Seele« von Thea Dorn und einem Herrn Wagner veröffentlicht wurde. Eine Enzyklopädie des Deutschtums. Es ist eben kein Bürgerforum, das den politischen Anspruch der Mitbestimmung im jeweiligen Kiez hat, aber das ist ok. Es könnte ja eine zweite Version geben, die genau das tut. ANDREA STELZNER, THAILAND Guten Tag! Ich bin über das IHK-Magazin, die w-news, auf ihr Magazin aufmerksam geworden. Ihnen ist mit ihrer Publikation wirklich etwas gelungen, dass es verdient hat zu bleiben. Das Magazin sieht toll aus, es überrascht und es ist inhaltlich äußerst vielfältig. Machen Sie weiter so. Ich bleibe ihnen als Leser gewogen. JAN KLocK, ÖHRINgEN Liebe Redaktion, beim Durchstöbern eures Archivs bin ich beim Cover-Sound der ersten Ausgabe fast dahingeschmolzen. Doch alle Suche war vergeblich. Ich habe den Track einfach nicht finden können. Diese Musik hat mich glücklich gemacht. Könnt ihr mir weiterhelfen? Ach und ganz nebenbei: weiter so! K AT R I N M ü L L E R , FLEIN Ihr Lieben, Hut ab vor dem Mut, dass ihr in der letzten Ausgabe das Titelthema Armut gewählt habt. Viele Redaktionen schreckt das ab, da sich mit einem Titelthema Armut sicher schwerlich Anzeigen verkaufen lassen. Euch war es egal, ihr habt es trotzdem gemacht. Danke dafür. KL AuS gEMMINgER, pER MAIL

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IMP R E S S U M Verlag und Redaktion 74ELF Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Salzstraße 27 74076 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Rafaela Jeckle, Wolfgang Fischer, Johannes Lindenlaub (Leipzig), Patrick Ortwein, Matthias Marquart, Maria Sanders, Christina Eiber, Sascha Wartha, Katharina Voos, Harald Riegg Videoredaktion Philipp Kionka (Leitung), Robert Beutelsbacher, Sarah Fischer, Matthias Bitsch, Mavinga Petrasch (New York), Lisa Herdon, Stefan Dittrich, Lisa Maria Klotz, Köni, Nicolai Köppel, Steven Zuleger Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle, Eric Lawton, Terry Boddie Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Sevtap Celik, Florian Geiger, Kathrin Leisterer, Via Grafik Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) PR & Netzwerk Philipp Kionka (KK Media / www.kk-media.de), Florian Hettenbach Technischer Ansprechpartner: info@kk-media.de Marketing & Sales Robert Mucha E-Mail: anzeigen@hanix-magazin.de Verlagskoordination & Administration Marcel Kantimm E-Mail: anzeigen@hanix-magazin.de Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/Juli. 2011 Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen. E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de 74ELF GbR UST.-ID: DE271248199 Geschäftsführende Gesellschafter: Marcel Kantimm, Robert Mucha FüR uNTERWEgS HANIX gibts auch für iPhone oder iPad über die kostenlose »keosk«-App im Appstore.

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DER HISTORISCHE SCHUSS: D A S K ÄT H C H E N H AU S Quelle Wikipedia / Foto: Privat Wolfi Der Das historische am Schuss: in Heilbronn Käthchenhaus Marktplatz Eines der ältesten Häuser, das aus dem mittelalterlichen Heilbronn in die heutige Zeit gerettet wurde, steht an der Ecke Kaiserstraße, Markplatz, Rathaus. Früher schlicht als "Steinhaus" bezeichnet, weil bei seiner Erbauung im 14. Jahrhundert (Heilbronner) Sandstein genutzt wurde. Davon gab es nur sehr Wenige. Es soll ein " s t e i n r e i c h e r H e i l b r o n n e r " errichtet haben. Den Namen " K ä t h c h e n h a u s " bekam es im 19. Jahrhundert, nach dem der Romantiker Heinrich von Kleist das Schauspiel " D a s K ä t h c h e n v o n H e i l b r o n n " schrieb und 1808 veröffentlichte. Seiner Popularität entsprechend wurde das Steinhaus zum Wohnort des Käthchens erklärt. Der Bau wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert mehrfach restauriert und umgebaut. Nach dem Bombenangriff im Dezember 1944 stand nur noch die äußere Fassade. 1949 war es wieder hergestellt, wobei man aus kostengründen auf die aufwändig alte Dachkonstruktion, einschließlich eines wertvollen Barockgiebels, verzichtete. Geblieben war lediglich der markante Erker. Im Untergeschoss des Hauses war im letzten Jahrhundert zuerst das Haushaltswarengeschäft des Hausbesitzers und ein Einkaufsmarkt. S e i t 2 0 0 5 i s t h i e r e i n b e l i e b t e s T a g e s r e s t a u r a n t . Im ersten Stockwerk sind seit etlichen Jahren die Büros der Heilbronn Marketing GmbH, der Stadtinitiative und die Geschäftsstelle des Trollinger Marathon.

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V E R A N S TA LT U N G E N I M F E B RUA R 4. Februar 11. Februar Jazzclub Cave 61 MOBILAT HN - TURBOJUGEND HEILBRONN präsentiert 2. BENEFIZKONZERT Dennis Sekretarev präsentiert gemeinsam mit Artur Akhmetov das neue Project "Project Timelife", in Zusammenarbeit mit dem russischen Saxophonisten Oleg Kireyev. Die Musik ist ausschließlich selbst komponiert und basiert auf modernen, stark groovenden und swingenden Ideen der jungen Musiker. Einlass 21Uhr - Eintritt 15 EUR Fast alle Bands die bei unserer LOKALE HELDEN Konzertreihe bisher spielten, freuen sich für die AIDS-Hilfe rocken zu dürfen! Die Bands verzichten auf ihre Gage, sämtliche Überschüsse gehen als Spende an die AIDS-Hilfe Unterland. ab 19.30Uhr - Eintritt 7 EUR, Februar Februar Bukowski HN - Partners in Crime Jazzclub Cave 61 Heilbronn mag nicht der Nabel der Welt sein. Aber genau wie im und um das Buko herum hat sich dort eine kleine, aber feine Szene gebildet. Die Priorität dort war von Anfang an - welche Überraschung - die Musik! Woche für Woche geben sich renommierte, teilweise internationale DJs und Live Acts die Klinke in die Hand und lassen die Boxen dröhnen. Ida Sand kehrt mit ihrer neuen, dritten ACT-CD »The Gospel Truth« zu ihren Wurzeln zurück: Zur einzigartigen Verbindung aus europäischem und amerikanischem Soul. Kritiker bezeichnen sie als »die beste weiße Soulstimme seit Lisa Stansfield. 21 Uhr Februar Improtheater "Ohne Gewähr" Vorgeben, Spannung, Erstaunen, Lachen - das sind die wesentlichen Elemente einer Improshow aus Sicht der Zuschauer. Was auch immer jemanden einfällt, die Akteure des Improvisationstheaters "Ohne Gewähr" werden daraus unverzüglich Szenen formen; mal erzählerisch-anspruchsvoll, mal charmant-witzig, mal in musikalischem Gewand. 20Uhr - Eintritt 10 EUR, ermäßigt 8 EUR Februar Theater HN - Die Winterreise von Franz Schubert Februar Teddy's Show - Die Vorpremiere Er ist ein Phänomen. Denn scheinbar aus dem Nichts katapultierte sich Tedros »Teddy« Teclebrhan von einem kleinen Schauspieler zu einem echten Internet-Comedy-Star. Sein YouTube-Video »Umfrage zum Integrationstest« wurde inzwischen fast 13 Mio. Mal angeklickt. Franz Schuberts Liederzyklus führt uns ins restaurative Österreich der 1820er Jahre. Durch Freunde musste Schubert 1823 auf einen Gedichtzyklus in derZeitschrift »Urania« aufmerksam gemacht worden sein. Dort erschienen 12 Wanderlieder von Wilhelm Müller, der sich in seiner Begeisterung für den griechischen Befreiungskampf gegen das Osmanische Reich einen Namen als liberaler Denker gemacht hatte. Schubert war von diesen Gedichten begeistert und für seinen Liederzyklus Die Winterreise inspieriert. 19.30Uhr

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VER ANSTALTUNGEN: FEBRUAR 2012 Februar Faschingsumzug Bad Wimpfen Der bekannte und beliebte Wimpfener Faschingsumzug zieht auch dieses Jahr wieder durch die geschmückte Altstadt. Im Schlepptau zahlreiche Musiker und Faschingsvereine, die für die richtige Stimmung sorgen. Februar Februar Neckarlust - CRO live feat. Psaiko Dino Mobilat HN - Who the fuck is Christopher Rau? Cro ist ein Phantom. Im Netz findet man wenige Infos über den erst 19 Jahre alten Rapper und Produzenten. Klar ist, Cro ist ein kreatives Multitalent und hat sich schnell einen Namen gemacht Das Beste an der Sache? Er kommt nicht alleine. Homeboy und erste Klasse Dj Psaiko Dino kommt mit um die Ecke und rüttelt für uns hochkarätig an den Plattentellern. 22Uhr - Eintritt 10 EUR im Vvk Am 24. Februar stellen wir euch mit Christopher Rau ein weiteres Mitglied der Smallville-Familie vor. Neben seinen zahlreichen Gigs findet er trotzdem noch Zeit für diverse Gemeinschaftsprojekte z.b. mit Jacques Bon, Tilman Tausendfreund oder den Smallpeople. Unterstützt wird er an diesem Abend von unseren Residents Michael Mutterkorn und Candy Pollard. Eintritt 8 EUR Februar 25. Februar Jazzclub Cave 61 - Karl Frierson Acoustic Soul Bukowski HN - Into Tech-House Steffen Baumann Birthday Bash Der charismatische Sänger fesselt mit seinen EntertainerQualitäten und wer Frierson bereits bei Auftritten mit der Soulprintband oder zusammen mit DePhazz erlebt hat, weiß, was damit gemeint ist: die Nähe, Offenheit, Herzlichkeit und Wärme mit der er seinem Publikum begegnet, begeistert jeden Zuhörer. Eintritt 18 EUR im Vvk Eins vorweg: Dies wird keine Ü40-Party, denn am Ende bleibt man ja so alt, wie man sich fühlt. Steffen Baumann reist aus Mannheim an. Die Strecke Mannheim - Heilbronn lässt sich Gott sei Dank ohne Flieger bewältigen, denn Nacktscanner und Gepäckkontrollen wären bei den vielen Killer-Nummern ein riesiges Problem. Bomben-Support gibt's von Josh-tek und Da Bomb Da Beat. Februar Februar Kaffeehaus Hagen - Feeling Blue - Sonderkonzert mit Rudy Rotta Rolf Miller - Tatsachen Forum redblue HN In der Fachpresse wird Rudy Rotta derweil als einer der besten Bluesmusiker weltweit gefeiert, spielte er doch mit Größen wie John Mayall, B.B. King und Brian Auger. Zum 10-jährigen Jubiläum von Le Café - Théâtre ist er als Special Guest geladen. Einlass 18 Uhr - Eintritt 18 EUR Er weicht aus. Er verschweigt. Er sagt nichts. Und das einzigartig. Wer wissen will, wie der Wortkünstler Rolf Miller zu wichtigen Themen wie Atombombe, Urknall, Kunst, Sport, Frauen, Kinder, Achim und Jürgen, zielsicher den Faden verliert, ist hier genau richtig. Ab 19 Uhr - Eintritt 22,50 EUR

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D i e n ä c h st e Au sgA b e h A n i x e r sc h e i n t Am 29. Fe b ruAr

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