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vergibt Noten! Nr. 52 Dezember/Januar 2018

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Hanix macht Heilbronn zur Schwarmstadt Bottom-Up- Stadtentwicklung Design – Think – Publish

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 52 gespannt haben wir im Oktober die Ergebnisse der Online-Befragung des »Kooperativen Forschungsprojekts ›Schwarmstadt‹«, das wir zusammen mit der DHBW Heilbronn durchgeführt haben, erwartet. Welches Zeugnis würden die 1089 Teilnehmer Heilbronn ausstellen? Womit sind die Heilbronner zufrieden und in welchen Bereichen sehen sie noch Nachholbedarf? Die mausgraue Durchschnittsnote für Heilbronn: 3,2. Unser Covermotiv! Für unseren Themenschwerpunkt »Schwarmstadt Heilbronn!?« haben wir uns dann auch mächtig ins Zeug gelegt. Satte 50 Seiten widmen wir dem Thema. Die Frage, die uns dabei beschäftigt: Lässt sich Heilbronn durch kulturelle und kreative Stadtentwicklung zur nachhaltigen Schwarmstadt entwickeln? Wir behaupten: Ja! Wir gehen sogar so weit und behaupten: Wenn die kreative Klasse der Stadt und die kulturell aktiven Akteure nicht einbezogen werden in die Entwicklung der Stadt, wird Heilbronn früher oder später die Quittung dafür erhalten. Es geht darum, die 25- bis 35-Jährigen nach Heilbronn zu locken und – wenn sie da sind – auch zum Bleiben zu bewegen. Aktuell gelingt dies noch nicht. Die Generation, die die Zukunft bauen wird, kommt gerne zum Studieren in die Neckarstadt – um danach das Weite zu suchen. In der neuesten Schwarmstadtstudie der empirica ag wird Heilbronn als neue Schwarmstadt gelistet. Die Vermutung liegt nahe, dass dies mit der noch steigenden Zahl der Studienplätze in Heilbronn zusammenhängt. Wenn diese erreicht ist, wird auch der Zuzug der Jungen in die Stadt ins Stocken geraten. Aktuell bietet Heilbronn zu wenig EDITORIAL urbanes Flair, mit all den dazu notwendigen individuellen, charmanten, kreativen, atmosphärischen und kulturellen Angeboten und Formaten, um für Berufseinsteiger die Stadt der Wahl zu sein. Das zeigen die Ergebnisse unseres »Kooperativen Forschungsprojekts« deutlich. Oder um es mit einer Zahl zu verdeutlichen: 3,2! Rund um das Titelthema haben wir in diesem letzten Heft eines ereignisreichen 2017 einen hoffentlich informativen, unterhaltsamen, launigen und abwechslungsreichen Themenstrauß zusammengestellt, der euch gut durch die Feiertage und ins neue Jahr bringt. Und als kleines Geschenk von uns an euch gibt es wieder einen feinen Wandkalender, der dieser Ausgabe beiliegt. Diesmal mit Fotografien von Memo Filiz, der sich 2014 auf einen Rundflug über Heilbronn begab und unsere Heimatstadt aus der Vogelperspektive porträtierte. Geruhsame Feiertage und ein gesundes 2018 wünscht euch: die Hanix-Notenkonferenz! Auch diesmal zum Jahreswechsel für euch: der Hanix-Wandkalender 2018

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IMPRESSUM VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Friedemann Orths, Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Dr. Bernhard Stumpfhaus, Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Maria Sanders AUTOREN UND MITARBEITER Nicolai Köppel, Mares Baudewijns, Sibel Taylan, Thomas Aurich, Ralph Munz, Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Florian Damaschke, Sally Below, Andreas Stanita, Sarah Baudenbacher, Nicola Meier, Tanja Stelzer, Björn Stephan; Thomas Rauh ARTDIREKTION Raimar Schurmann LAYOUT Raimar Schurmann (Leitung), Florian Geiger FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATORINNEN Meli Dikta, Memo Filiz, Ulla Kühnle, Nico Kurth, Reiner Pfisterer, Hardy Müller, William Veder, Ricardo Wiesinger, Milena Schlösser, Kristina Hader, Prof. Andreas Ken Lanig, Zdenek Tunka, Prof. Dr. Yvonne Zajontz, Kathrin Leisterer, Lisa Maria Klotz, Michael Kappeler LEKTORAT Friedemann Orths, Udo Völker VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.) VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2017 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: Der Wolf ist zurück vs. Schienenersatzverkehr 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für Dezember und Januar 14 Streifzug durch die Region Diesmal: Interview mit everysize, Holymess Multimarkt & Theater in Schulen 16 Smalltalk Dinge, die Heilbronner nicht sagen, Thekenphilosophen & #ashtag #eilbronn 18 600 Sekunden KÖPPELS ZEHN MINUTEN HEILBRONN Smell in the City 20 Taschenkontrolle bei Madeleine Landlinger, Intendantin des WKO 22 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Vanessa Seeberg von der HHN zeigt ihre Kleider 24 Abenteuer um die Ecke Yoga im Tuch 26 Gesellschaft Heilbronn: Städtle in Angst 34 Kultur Kunstpreis Worpswede 2017 geht an Heilbronner Künstlergruppe INHALT Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 36 Wirtschaft Dr. Carl Naughton über Neugier 38 Kunst Karlheinz Kirchler & Kunstverein Brackenheim 40 Film Arthaus-Tipp »Battle of the Sexes – Gegen jede Regel« & »Laible und Frisch – Do Goht Dr Doig«. Dazu weitere Filmstarts 44 Interview des Monats Von Besiktas Istanbul zurück zum VfB Stuttgart: Rechtsverteidiger Andreas Beck (30) tauschte die Champions League gegen Bundesliga-Abstiegskampf, Weltstadt am Bosporus gegen Schwabenmetropole am Neckar. Warum der neunmalige Nationalspieler das tat, erzählte uns der »Heimkehrer« in Bad Cannstatt. HANIX NR. 52 48 Titelthema Schwarmstadt Heilbronn!? – Wie kann Heilbronn für junge Erwachsene und Berufseinsteiger zum nachhaltigen Lebensmittelpunkt werden? Wir sagen: angetrieben durch kulturelle und kreative Stadtentwicklung. 98 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT- KOLUMNE Der Hexit wird kommen! 100 Brief an die Heimat Wunderbares Peru 104 Historischer Schuss Kaiserstraße, 1969 106 .jpg BILDERGALERIE U. a. »Superhelden-Party« – Hanix feiert seine Mitarbeiter und Unterstützer, Lange Nacht der Kultur & Buntes aus der Region. 110 Veranstaltungskalender Gute Termine für Dezember und Januar 118 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: Der Eichelhäher

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SEPTEMBER 2004, UHRZEIT UNBEKANNT WOLFSRUDEL, BAD MERGENTHEIM Die freie Sicht auf das wohl größte Wolfsrudel in Europa ist wahrscheinlich das Beeindruckendste am Wildpark Bad Mergentheim, wo diese Wölfe fotografiert wurden. Noch beeindruckender sind natürlich Wölfe in freier Natur. Und die gibt es jetzt wieder im Heilbronner Landkreis. Die Lämmer- Weide in Widdern-Unterkessach war plötzlich ein trauriger Ort für Michael Straußberger, als er Anfang Oktober dort ankam. Zwei seiner Lämmer waren tot. Ein drittes Tier war so schwer verletzt, dass es notgeschlachtet werden musste. Wer macht so was? Wilde Hunde? Erst die genetische Untersuchung von Proben der getöteten Lämmer gibt Gewissheit: Zum ersten Mal seit über 100 Jahren hat ein Wolf Schafe in Baden-Württemberg gerissen, teilte das Umweltministerium mit. Landesumweltminister Franz Untersteller bat Nutztierverbände und -halter, jetzt besonnen zu reagieren. Der Minister wies darauf hin, dass der geschädigte Schafhalter über den Ausgleichsfonds »Wolf« entschädigt werden könne. Außerdem würden Notfall-Zaunsets zur Verfügung gestellt. Hanix Nr. 52 Foto: picture alliance / blickwinkel / S. Meyers HINGUCKER

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DONNERSTAG, 3. AUGUST 2017, 12:36 UHR MINIATURWUNDERLAND, HAMBURG Figuren, die Reisende darstellen, stehen im Miniaturwunderland in Hamburg, dahinter ist ein Transparent mit der Aufschrift »Schienenersatzverkehr = Doof!« zu sehen. Dieses Motto werden Pendler und Reisende zwischen den Strecken Würzburg-Heilbronn und Mannheim-Heilbronn 2019 vermutlich auch durch ihre Kehlen krakeelen. Vor allem für die Stadt am Fluss und ihr Jahrhundertprojekt Buga 2019 nicht so schön. Denn: Just zur großen, floralen Schau werden wichtige Bahnstrecken gesperrt. Die Stadt wird in Richtung Osten und Norden vom Bahnfernverkehr abgeschnitten. Auch ein Spitzengespräch Anfang Oktober im Landesverkehrsministerium in Stuttgart hat nichts geändert. »Wir sind zwar nicht begeistert, aber doch grundsätzlich zufrieden«, erklärte OB Harry Mergel nach dem Treffen. Einzige Zusage an Heilbronn: Von Mannheim sowie von Würzburg werden während der Bauphasen Direktbusse zur Bundesgartenschau eingesetzt. OB Mergel forderte zunächst massiv eine Verschiebung der Baustellen und hat damit auch andere Streckenanrainer empört. Hanix Nr. 52 Foto: picture alliance / dpa WEGGUCKER

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TIPPS FÜR HEILBRONN Comedy 2. Dezember DIE TEDDY SHOW – DS PASSIERT ALLES IN DEIN BIRNE Intersport redblue, Heilbronn In seinem neuen Live-Programm vereint Teddy sein Können als Schauspieler und Entertainer erneut zu einer einmaligen Show aus Comedy, Musik und Tanzeinlagen. Mit seinem neuen Programm »Ds passiert alles in dein Birne!« geht Teddy einen Schritt weiter und erzählt, wie seine Figuren ihre Wahrnehmung kreieren und Einfluss auf ihre Realität nehmen. Clubbing 9. Dezember MARKUS KAVKA Bukowski, Heilbronn Markus Kavka ist TV- und Radio- Moderator, Autor, Journalist, DJ, mit Grimme-Preis, Grimme Online Award und Bayerischem Fernsehpreis ausgezeichnet und seit den Hochzeiten von VIVA und MTV landesweit bekannt. Musikalisch bewegt er sich im Spannungsfeld zwischen Tech House, Deep House und Techno. Damit will er die Crowd auf der Mini- Tanzfläche des Bukowski überzeugen. Gesprächsrunde 14. Dezember AUTOR IM GESPRÄCH: FRIEDHELM HENGSBACH BOXX, Theater Heilbronn Er ist einer der profiliertesten Sozialethiker Deutschlands und hat sich stets dafür starkgemacht, die Menschen in den Mittelpunkt unserer Wirtschaft zu stellen. In seinem neuen Buch fragt Friedhelm Hengsbach deshalb: »Was ist los mit dir Europa?« Nur mit radikalem Umdenken ist nach Hengsbachs Überzeugung der freie Fall der Europäischen Union aufzuhalten. Ausstellung 16. Dezember HANS-JÖRG SEIDLER: ORDERS & DECISIONS Mojäk Galerie, Heilbronn »Orders & Decisions« ist die erste Einzelausstellung des freischaffenden Kommunikationsdesigners Hans-Jörg Seidler, welcher 2016 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart graduierte. In der Ausstellung werden Siebdruck-Editionen in limitierter Auflage gezeigt, welche der Künstler in seiner eigenen Druckwerkstatt produziert hat. Bis 3. März 2018. Clubbing 23. Dezember WORTSPORT LOUNGE W/WSP X-MESS Mobilat Club, Heilbronn Die Frisur sitzt, die Socken auch: Dexter ist zurück – am Mic. Auf seinem neuen Album »Haare nice, Socken fly« zeigt der renommierteste Vinyl-Digger und Beat- Künstler des Landes, wie entspannt man Rap angehen kann, wenn man sich von Rapper-Ego und Erwartungshaltungen freimacht. Wie das letztendlich klingt? Um es mit Dexters Worten zu beschreiben: wavy. Multimediashow 23. Januar ANDREAS KIELING LIVETOUR Harmonie, Heilbronn Alaska – Wildnis, Abenteuer, Herausforderung, grenzenlose Freiheit, Selbsterfahrung. Hier spielt der Mensch nur eine Nebenrolle. Hier hat die Natur das Sagen. Seit Langem lebt Andreas mit wilden Grizzlys und Wölfen zusammen. Einige der braunen Riesen haben zu ihm sogar ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Fast surreal muten die Filmaufnahmen an, wenn sich Andreas zwischen den schwersten Beutegreifern der Erde hindurchbewegt oder eine Bärin mit Jungen filmt und fotografiert. Auch Afrika lässt den Tierfilmer immer wieder ins Staunen geraten. Die Wüstenelefanten Namibias, Berggorillas in Ruanda, die Suche nach den letzten Wölfen Afrikas im Hochland von Äthiopien sind weitere Highlights der neuen Live-Show. STADTLEBEN Hanix Nr. 52

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DIE TIPPS FÜR REGION Live-Podcast 2. Dezember GÄSTELISTE GEISTERBAHN LIVE Neubausaal, Schwäbisch Hall Im Podcast-Land hat direkt am Ende des Regenbogens der Blitz eingeschlagen. Wie durch Geisterhand entstand dabei »Gästeliste Geisterbahn«, formiert aus drei Schweizer Taschenmessern der Wasmitmedienwelt. In diesem Audio- Dreipersonenhaushalt gibt es Geschichten und Meinungen irgendwo zwischen Hickhack und Halbwissen. Wie eine Flasche kalte Zitronenbrause nach zehn Stunden Autobahn. Oder eher wie ein Wechselshirt im Kofferaum. Man braucht es nicht unbedingt, aber wenn man es dabei hat, fühlt man sich gleich viel besser. Backen für Kinder 4. Dezember WEIHNACHTS-KREATIV- WERKSTATT: WEIHNACHTS- BÄCKEREI AudiForum, Neckarsulm Kinder backen in der Weihnachts-Kreativ- Werkstatt nach Herzenslust. Nachdem sie die Plätzchen ausgestochen und gebacken haben, wird es bunt. Mit Zuckerguss, Schokolade und vielen essbaren Dekorationen gestalten die jungen Bäcker die Plätzchen. Als Highlight backen sie einen Audi, den die Kids mit reichlich »Zubehör« ausstatten können. Die leckeren Kunstwerke nehmen die Kids natürlich mit nach Hause. Die Backstube im AudiForum Neckarsulm öffnet für Kinder von 6 bis 10 Jahren. Konzert 14. Dezember LONDON BRADD Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Sie verfügen über ebenso viel Feingefühl wie Power. Und ein samtiger Ton im Piano klingt aus ihren Instrumenten genauso lupenrein wie ein beherzt geschmettertes Forte. Weltweit ein Publikumsmagnet, erfreut das traditionsreiche klassische Blechbläserensemble London Brass seit mehr als dreißig Jahren seine Zuhörer mit Arrangements, die von Gabrieli und Purcell über Liszt bis zu den Beatles und Freddie Mercury reichen. In guter Brass- Manier und passend zur Vorweihnachtszeit hat die aus Bläsern der besten Londoner Orchester sich formierende zehnköpfige Band für Ludwigsburg einen Cocktail aus festlicher Klassik und christmas carols zusammengestellt. Bad & Sauna 30. Dezember LANGE AUQATOLLNACHT – WINTERZAUBER AQUAtoll, Neckarsulm In der Saunawelt stehen ab 20 Uhr die passenden Spezialaufgüsse mit Honig, Früchten, Salz und Eis, besondere Gesichtsund Körperpeelings und entspannende Momente auf dem Programm. Außerdem bieten wir für die Saunagäste unser großes All-you-can-eat-Buffet in der Saunabar an. Wer lieber Action pur möchte, fühlt sich im Erlebnisbad gut aufgehoben. Die besondere LED-Unterwasserbeleuchtung im zentralen Multibecken und im Solebecken sorgt dafür, dass die Nacht auch ein farbiges Highlight wird. Oder haben Sie doch eher Lust auf den rasanten Wildwasserfluss und die Black- Hole-Rutsche bis tief in die Nacht? Comedy 27. Januar JAN WEILER: UND EWIG SCHLÄFT DAS PUBERTIER Scala, Ludwigsburg Es ist wieder da und wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Inzwischen unterhält es seine Umwelt gleich in zweifacher Ausfertigung: Während Carla den Führerschein macht und mit ihrem Vater über die Preise von WG-Zimmern debattiert, hat sich Nick zum Parade-Exemplar entwickelt. Das männliche Pubertier besticht durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Es geht zudem um Urlaub, Schule, schlechte Vorbilder und gute Einflüsse. Und um die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Handmademarkt 27. und 28. Januar HANDMADELOVE DESIGN & HANDMADEMARKT Burg Stettenfels, Untergruppenbach Majestätisch thront Burg Stettenfels über Untergruppenbach und bietet eine ideale Location für den Design & Handmade Markt Heilbronn. Die komplette Burg mit Innenhof und Gewölbekeller wird in ein kunterbuntes Erlebnis für die ganze Familie verwandelt. Das Innenleben der Burg bietet Raum für die Vielzahl an Ständen mit verschiedensten handgemachten Produkten. Auf drei Stockwerken kann die Burg erkundet werden. Die Stände sind so verteilt, dass es immer etwas zu sehen gibt. Im historischen Innenhof wird mit verschiedenen Food-Ständen für das leibliche Wohl gesorgt. Außerdem gibt es im Handmade Love Café leckeren Kuchen und Kaffee. LANDLEBEN Hanix Nr. 52

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Weihnachtsmarkt 9. & 10. Dezember SCHÖNE BESCHERUNG Phoenixhalle im Römerkastell, Stuttgart Die Alternative zum üblichen Einerlei in der Weihnachtszeit. Der Weihnachtsmarkt »Schöne Bescherung« zelebriert all die besonderen Momente rund um die Weihnachtszeit und bietet jenseits der bekannten Einkaufsstraßen einen gemeinsamen, weihnachtlichen Kaufrausch. Über 110 Manufakturen aus den Bereichen Wohn- und Modeaccessoires, kulinarische Feinheiten, Spirituosen, Papeterie und Schmuck bieten hochwertige Produkte, die man nicht an jeder Ecke bekommt. Kabarett 9. Dezember THOMAS GSELLA – ACHTUNG HIER SPRICHT DER WEIHNACHTSMANN Orgelfabrik, Karlsruhe Himmlische Heiligenbildchen auf Leinwand zu göttlichen Geschichten und Gedichten präsentiert der Robert-Gernhardt-Preisträger und ehemalige »Titanic«-Chefredakteur Thomas Gsella in seinem neuen Bühnenprogramm zum Thema Gott, Zaubern, Weihnachten, Hunde, wieder Gott, Fußball natürlich, Engel, Schweinshaxen, Thailand, Silvester, Kopfweh und so weiter – ein besinnlicher, ja befeuernder Abend für alle, die Weihnachten lieben und hassen. Wissenschaft 15. Dezember HARALD LESCH: DIE MENSCHHEIT SCHAFFT SICH AB Deutsch-Amerikanisches Institut, Heidelberg Wissenschaft und Technik nahmen seit der Industrialisierung die Erde in den Griff: Ausbeutung der Bodenschätze, Verpestung der Lufthülle, Veränderung des Klimas, Wasserverschmutzung bis zur Kernspaltung und Wohlstands-Verschwendungssucht. Energiehunger und virtuelles Kapital treiben einen zerstörerischen Kreislauf an. Außerdem werden wir immer mehr. Wie kommen wir aus diesem Teufelskreis raus? Harald Lesch, Astrophysiker und Philosoph, ist aus den Weiten des Weltalls zurück. Es geht ihm jetzt um die Heimat des Menschen, der in einer bisher nie gekannten Hybris den Ast, auf dem er sitzt, absägt. Konzert 25. Januar KETTCAR Theaterhaus, Stuttgart KETTCAR ist wieder da. Das fünfte, von Philipp Steinke produzierte Kettcar-Album hört auf den Namen »Ich vs. Wir«. Nach den drei Konzerten im August 2017 – Karlsruhe und Düsseldorf und vor mehr als 10.000 Leuten bei 15 Jahren Grand Hotel van Cleef in Hamburg – geht die Band im Januar und Februar 2018 mit einem neuen Album im Gepäck wieder auf Tour, um am 25. Januar im Stuttgarter Theaterhaus Station zu machen. Konzert 30. Januar HELGE SCHNEIDER Kultur- & Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Dass internationale Verhaltensforscher herausgefunden haben, dass Popel essen das Immunsystem stärkt und außerdem noch chic ist, wurde dem Extremcomposer und Special-Dance-, Music- & Entertainment-Guru Helge Schneider erst nach dem Herausfinden zugetragen, in dem jemand ihn mit einer Geheimnummer anrief! Da stand jedoch der Titel seiner Personality-Tour 2-18 schon mehrere Monate fest! »Ich habe es immer gewusst, aber nie darüber diskutiert!« Konzert 31. Januar RAKEDE Alte Feurwache, Mannheim Die Rakede hebt wieder ab. Schon das Debüt-Album »Rakede« zeigte, dass die Bereitschaft, sich aus allen erdenklichen Musikquellen inspirieren zu lassen, sich auszahlt. Klug gesetzte Brüche und vor allem keine Angst, sich vorwärts zu bewegen, bedingen den vielseitigen, Genre-übergreifenden, sich ständig entwickelnden Sound. Die Triebwerke der Rakede zeigen, dass Musik am Ende alles zugleich sein kann: tanzbar, melancholisch, brutal, vertraut und facettenreich – ein eigener Kosmos, der zum gemeinsamen Abheben mitreißt. METROLEBEN Hanix Nr. 52

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Absolute Frische zum besten Preis. 50 Jahre Kaufland. 50 Jahre, in denen sich viel verändert hat. Heute betreiben wir mehr als 650 Märkte allein in Deutschland. Aber das Wichtigste: Nach 50 Jahren sind wir frisch wie nie. Unsere Fleisch- und Wurstspezialitäten tragen dieses Jahr über 200 DLG-Goldmedaillen*, unser Obst und Gemüse kommt nicht nur frisch vom Feld, wir kontrollieren es auch strenger als es das Gesetz verlangt und bei unserem Frischebäcker backen wir täglich mehrmals frisch für Sie. In all den Jahren hat sich viel verändert, aber eines bleibt: absolute Frische zum besten Preis. Hanix Nr. 52 *Alle Infos zur DLG unter dlg.org

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FÜR JEDEN FUSS DEN PASSENDEN SNEAKER Die Gründer des Heilbronner Startup-Unternehmen everysize stellten im Oktober ihre Sneaker-Suchmaschine bei »Die Höhle der Löwen« vor. Wir haben mit DENIS FALKENSTEIN über den TV-Auftritt in der Gründershow gesprochen und erfahren, welche Pläne das Team um everysize zielstrebig und motiviert verfolgt. Von Lea Pomocnik, Foto: Memo Filiz Hanix: Was hat euch dazu angetrieben, zur Gründershow »Die Höhle der Löwen« zu gehen und eure Sneaker-Suchmaschine vor den Unternehmern vorzustellen? Denis Falkenstein: Wir schauen die Show selbst schon seit Längerem und finden sie sehr interessant. Zuerst war es ein wilder Gedanke everysize dort vorzustellen, den wir nie konkret verfolgt haben. Bevor die neue Staffel gedreht wurde, hat uns eine Freundin, die beim Fernsehen arbeitet, darauf aufmerksam gemacht. Durch diesen Kontakt wurden wir kurz vor Weihnachten von Sony kontaktiert und man hat uns einen Teilnahmebogen zugeschickt. Alles wurde immer konkreter und ging wahnsinnig schnell. Ende Januar waren wir dann schon beim Dreh. Was wolltet ihr bei den Löwen erreichen? Wir haben einen Investor gesucht. Da wir in der Show keinen gefunden haben, suchen wir nach wie vor einen. Wir benötigen zum einen das Finanzielle und zum anderen ein erfahrenes Team, das uns hilft, everysize weiter auszubauen. Unser Ziel war es unter anderem mit Frank Thelen ins Gespräch zu kommen, da er jemand ist, der sich mit digitalen Produkten auskennt. Ich denke aber, mit einem veganen gluten- und zuckerfreien Bio-Schokoriegel hätten wir bessere Chancen gehabt. Carsten Maschmeyer hätte für 50% Firmenanteil investiert. Ihr habt den Deal abgelehnt … Wir haben uns als Team eine Grenze gesetzt. Trotzdem haben wir uns gesagt, wir ziehen uns bei jedem Angebot zurück und beraten uns. Wir haben Maschmeyer keinen Gegenvorschlag gemacht, weil die 50 Prozent zu weit weg von unseren Vorstellungen waren. Wie geht’s nun für euch weiter, welche konkreten Pläne habt ihr? Unsere Prioritäten liegen weiterhin bei der Investorensuche und Wachstum. Wir brauchen finanzielle Unterstützung, auch um unser kleines Team von sechs Leuten aufstocken zu können. Die große Idee ist, noch dieses Jahr einen Investor zu finden. Durch die geplante Internationalisierung wollen wir zuerst England und Frankreich angehen, da wir viel Feedback aus diesen Ländern bekommen. Durch euren TV-Auftritt habt ihr enorme Aufmerksamkeit erlangt. Nutzen seitdem mehr Menschen eure Sneaker-Suchmaschine? Wie groß war der Push nach dem Auftritt? Schon vorab haben wir uns Gedanken gemacht, viel Zeit und Geld in den Server investiert, da wir erwartet haben, dass nach der Ausstrahlung viel Traffic auf der Seite entstehen wird. Das Thema »Sneaker« spricht einfach jeden an. Am Abend der Ausstrahlung hatten wir tatsächlich einen krassen Trafficpeak, auch die Tage danach und aktuell haben wir deutlich mehr Besucher als davor. Teilweise musstet ihr harte Kritik von Frank Thelen einstecken. Wir haben uns lange auf die Show vorbereitet, es kam aber komplett anders, als wir dachten, das war verrückt. Wir waren uns recht sicher, mit everysize zumindest ein wenig das Interesse von Frank Thelen zu wecken. Nach den ersten paar Minuten war uns aber direkt klar, dass er überhaupt kein Interesse an unserer Produktsuchmaschine hat. Während des Drehs war das kurz schwierig für mich. Es war eine krasse Konfrontation, dann dachte ich mir aber »mach dein Ding«. Ich entschied mich für die Option, die Situation so hinzunehmen, da ich den Kameras nicht unnötig Material liefern wollte. Habt ihr etwas für euch mitgenommen aus dieser TV-Erfahrung? Von dem ganzen Thema »Die Höhle der Löwen« haben wir unheimlich viel mitgenommen. Wir haben Einblicke ins TV-Business bekommen. Es liegt nicht in deiner Hand wie dein Pitch, der eineinhalb Stunden geht, am Ende in 10 Minuten dargestellt wird. Die Motivation für unsere Zukunft ziehen wir aus dem Traffic, den wir am Abend der Show hatten. Wir haben viel dafür getan und die vielen Besucher motivieren uns weiterhin. »Es war hart nein zu sagen, doch das ist die einzige Möglichkeit, sich selbst treu zu bleiben.« Ist es euch wichtig, euer Konzept eines jungen, frischen Start-Up-Unternehmens aufrechtzuerhalten? Wir wissen, was everysize ist, wo es hinkommt und wie unsere Marke dasteht, wie sie wirken soll und wie wir sie positionieren. Das ist jung und frisch, so wie wir auch sind. Wir lernen jeden Tag dazu und wollen einen Partner, der uns noch mehr beibringt und zeigt. Bei Marketing-Kooperationen achten wir z. B. sehr darauf, ob der Partner zu uns passt. Wir wollen uns nicht verstellen. So wird das später auch mit einem Investor als Partner sein, denn wir wollen jemand, der zu uns passt. Ein Unternehmen aufzubauen ist wie eine Ehe. Man hat jeden Tag mit den Menschen zu tun, deshalb ist uns das total wichtig. ◆ Hanix Nr. 52 Das Team everysize. v.l.n.r.: Denis Falkenstein, Heiko Brömmelstrote, 14 Pascal Prehn, Eugen Falkenstein STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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HOLYMESS MULTIMARKT BY MULTIMONO Der Kunst- und Designmarkt vom 1. bis 3. Dezember im Sheddachsaal der Zigarre Heilbronn. Hanix Nr. 52 Nach drei Jahren holymess artfair des multimono-Kaufladens geht es 2017 in die nächste Runde. Alljährlich wurde die Kunst von Gestaltern, Kreativschaffenden und Künstlern kurz vor Weihnachten im multimono-Kaufladen ausgestellt und verkauft. Das Ganze findet nun in einem anderen Format im Rahmen des ersten Holymess Multimarkt statt – einem Markt voller schöner Dinge, mit weniger Plastik, dafür umso mehr Kunst und Kreativität, Handgemachtem und sorgfältig ausgewählte Materialien. Über 20 Aussteller aus ganz Deutschland bieten ihre Arbeiten und Produkte rund um Design, Kunst, Illustration, Fotografie, Grafik, Textil, Schmuck und Limited Editions an. Die Aussteller sind selbst vor Ort, sodass man mit den Künstlern ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und mehr über die Produkte erfahren kann. Der Holymess Multimarkt möchte Kreativschaffenden ohne eigene Galerie oder eigenen Laden die Möglichkeit bieten, für moderate Preise ihre kleinen Geschichten der Kunst zu erzählen. Der Markt wird an drei Tagen geöffnet sein. Musik auf die Ohren sowie eine kleine aber feine Auswahl an Speisen und Getränken wird es natürlich auch geben. ◆ (lep) Infos: Öffnungszeiten: Freitag: 19-23 Uhr / Samstag: 10-20 Uhr / Sonntag: 10-18 Uhr. Der Eintritt ist frei. www.multimono.de Nach Weihnachten nur noch Gemüse? EINE STUNDE ZÜGIGES SCHWIMMEN VERBRENNT CA. 400 KALORIEN. »TACHELES UND TARANTISMUS« – THEATERLABEL MIT NEUER GESCHÄFTSIDEE Philipp Wolpert (Regie) und sein Cousin Tobias Frühauf (Dramaturgie) haben im Lehrplan der Schulen eine Lücke entdeckt: die frühe Moderne. Diese zu füllen sei eine Herzensangelegenheit. Das hochmotivierte Duo formiert sich Anfang 2017 zum Theaterlabel »Tacheles und Tarantismus«, holt sich einen Musiker (Michael Wist) und einen Schauspieler (Andreas Posthoff) ins Boot. Sie verfassen das Stück »Vergessen – literarische Lethe«. Das Stück schildert das Schaffen des fiktiven Verlegers Kasimir Kranz in den Jahren 1910 bis 1933. Kranz berichtet von seinem Werdegang, vom anfänglichen Eifer, dem Aufopfern für die literarische Passion bis hin zum Verglühen im gleichgeschalteten Nazi-Deutschland. Tacheles proklamiert die »tarantistische Revolte der Theaterszene, eine Symbiose zwischen zeitgenössischer Ästhetik und traditionellem Theater«. Interaktion mit dem Publikum, musikalische Untermalung durch Schlager der 20er Jahre und eine offene Diskussion zur Nachbereitung sind Teil dieser Deutschstunde der etwas anderen Art. Die Produktion, reichlich mit Vorschusslorbeeren bedacht, ist für die Oberstufe der Gymnasien gedacht. Sie passt in einen Koffer, braucht außer einem Stromanschluss keine weiteren Betriebsmittel und dauert 70 Minuten. ◆ (lew) Infos unter: www.tachelesundtarantismus.com www.heilbronner-baeder.de STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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Dinge, die Heilbronner nicht sagen »Ein Städtetrip nach Heilbronn? Absolute Weiterempfehlung!« THEKENPHILOSOPHEN In jeder Ausgabe stellen wir unseren drei Thekenphilosophen eine knifflige Frage aus dem Leben. Das Szenario: Der Gast sitzt an der Theke, weiß nicht weiter und fragt den Wirt nach dem richtungsweisenden Ratschlag. Unser Thekenszenario diesmal: Wieder nähert sich ein Jahr seinem Ende, was bedeutet, dass auch die Zeit der guten Vorsätze beginnt: Welche Jahres-Herausforderung könnte sich ein Gast vornehmen? Dabei soll es weniger um die typischen »Mehr-Sportweniger-Rauchen-Vorsätze« gehen, sondern um eine Challenge oder ein Projekt, die sich über das ganze Jahr hinwegziehen und im besten Falle auch noch einen Mehrwert für möglichst viele Menschen haben sollen. Protokoll: Friedemann Orths Fotos: Ulla Kühnle Sibel Taylan, Data 77112 Es heißt, dass alles, was man sucht, uns seinerseits schon ewig sucht. Wenn man ein Weilchen ruht, kommt es zu einem. Dann darf man nicht weglaufen! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Herzenswünsche – so absurd sie auch sein mögen – immer vom lieben Universum unterstützt werden. Die Bereitschaft, Wünsche auszuleben, erfordert Mut – wie oft wurde die Bereitschaft gegen mich verwendet oder genutzt, um mir etwas zu verkaufen, das andere loswerden wollten. Folgte ich meinem Verlangen nach tiefer Verbundenheit mit allem, so wurde mir blinder Gehorsam aufgedrängt. Öffnete ich der Sehnsucht nach Liebe die Türe, wurde mir Selbstaufgabe abverlangt. Change yourself! Versuche, in deine Mitte zu kommen. Lassen wir uns nun auf unsere Sehnsucht ein, laufen wir Gefahr, unseren Herzenswünschen zu begegnen. Wir riskieren, dass uns die Erfüllung dieser Wünsche verwehrt bleibt, und wir riskieren auch, unsere Wünsche voll und ganz auszuleben. Tricky! Man riskiert, mit der Umsetzung seiner Wünsche zu scheitern oder sich durch die Offenbarung seiner tiefsten Sehnsucht verwundbar zu machen. Vertrauen, Absicht, Fokus und Disziplin sind so Eckpfeiler, die sich an dich und dein Selbstvertrauen anbinden wollen. Ich glaube, dass ich mit meinem Herzenswunsch (zwei Plattenspieler, Bier und Freunde) auch andere glücklich mache! Das ist dann ein Automatismus: Liebe. Aber dein Herzilein weiß des alles schon <3 Thomas Aurich, u. a. Winterdorf Unsere Welt lebt von der Artenvielfalt. Derzeit macht sich in unserem Land ein Bienensterben breit. Unsere Nahrungskette ist in vielen Bereichen auf die Hilfe der Bienen angewiesen und somit bedroht. 1. Lasst uns bienenfreundliche Pflanzen säen, 2. Honig aus der Region essen und verschenken, 3. auf Herbizide, Pestizide und Biozide in unserem Einflussbereich verzichten 4. und mit unseren Freunden und Nachbarn darüber reden! Infos: www.bienenretter.de Mares Baudewijns, Eckstein Alle Jahre wieder – das Ende naht. Wir verabschieden uns von 2017 und begrüßen das Jahr 2018 mit Puffbrause und chinesischen Böllern. Und was ist mit den guten Vorsätzen? Das übliche Blabla und spätestens an Fasching wird alles über Bord geworfen. Dabei gibt es unendlich viele Möglichkeiten, anderen und sich selbst Gutes zu tun. Von Spenden fürs Tierheim bis zu einem Patenkind, irgendwo auf dieser Welt. Oder für unseren wunderschönen Planeten, auf dem wir alle so selbstverständlich herumspazieren. Jede kleine Aktion kann etwas bewirken. Es gibt z. B. so verrückte Menschen, die ihre Bananen im Supermarkt in einen Plastikbeutel packen – vielleicht, weil die Bio-Bananen in Folie verpackt sind – total bekloppt! Wasserverbrauch bewusst reduzieren, mehr Fahrrad fahren für Umwelt und Gesundheit und, und, und … Zum Abschuss, wie meine Mutter immer zu sagen pflegt: Liebe deinen Nächsten und die Welt wäre ein besserer Ort! Prost Amen! SMALLTALK Hanix Nr. 52

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#ASHTAG #EILBRONN Unsere Social-Media-Rückschau zu Heilbronn. Mal spannend und unterhaltsam, oft langweilig und öde. Wir schlagen uns für euch durchs Heilbronner Twitterund Facebook-Dickicht und scrollen auch da, wo es wehtut. Geburtsort: Flurstück 2320 Ein Kind kommt vor anderthalb Jahren mitten in der Nacht um 3:30 Uhr auf der Löwensteiner Platte zur Welt. Zum Dank an die Helfer stellten die Eltern dort nun eine Erinnerungstafel auf und ließen einen Ahornbaum pflanzen. Bei der kleinen Laura, die sich bestens entwickelt, steht seither im Geburtsregister der Stadt Löwenstein unter Geburtsort »Flurstück 2320«. »Den Begriff Platte oder Aussichtsplatte gibt es in unserem Straßenverzeichnis nicht«, erklärt Standesbeamtin Doris Löffelhardt den Eintrag. Armes Motorrad Etwas für die Rubrik »Hohlspiegel« des SPIEGEL hat ein »Schlagzeiler« der Heilbronner Stimme fabriziert, als er über einen Verkehrsunfall berichten musste. Seine Überschrift, die Lust macht, mehr zu erfahren: »Motorrad wird geschnitten und verletzt sich.« Armes Motorrad! Es hat jedenfalls unser Mitgefühl und wir hoffen, dass es sich von seinen Verletzungen (Lackschaden, Speichenbruch, Achter im Vorderrad) schnell erholt und bald wieder auf den Rädern ist. Gute Besserung. Zivilstreife macht Kaffeepause in der Waschanlage Wertvolle Tipps und Hinweise für den Straßenverkehr liefert verlässlich der Twitteraccount »Blitzer Heilbronn«. Inzwischen sind die Betreiber so gut geworden, dass sie »Follower« sogar über die Kaffeepausen von Zivilstreifen informieren. Toller Service, bitte weiter Wir schaffen Verbindungen und sind Ihr Wegbereiter. Asphaltsanierung in Ortsdurchfahrt Zaungäste sind uns immer willkommen. Sie sind die Basis für gelingenden Dialog. Mobilität bedeutet auch Veränderung von Wegen und Räumen. Darüber wollen wir mit Ihnen reden. Schneider Bau GmbH & Co. KG 74076 Heilbronn · Hans-Rießer-Straße 18 Telefon 0 71 31 / 94 43 - 0 www.IhrWegbereiter.de http://www.facebook.com/IhrWegbereiter

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Von Nicolai Köppel Wenn dieser Text gedruckt vor Dir liegt, wird es vorbei sein. Ich habe gerade geduscht und rieche gut. Möglich, dass ich auch gerade gut rieche, wenn dieser Text gelesen wird, einige Male vielleicht, aber sicher nicht immer und vor allem nicht für immer. Möglicherweise stinke ich wie ein Iltis, wenn gerade Du ihn liest. Das ist dann eben so und natürlich keine Absicht – da müssen wir nur jetzt beide klarkommen damit. Es bringt übrigens nichts, die Lektüre dieser Kolumne an diesem Punkt abzubrechen und das Magazin beiseitezulegen (das ist völlig richtig! – Anmerkung der Herausgeber), weil nun ist der Gedanke schon in Deinem Kopf: Wie riecht eigentlich der Typ, dessen Text ich hier lese? Nach Duschgel? Riecht er nach Tütensuppe, weil er auf Nachdenkspaziergängen durch Vorsicht: Dieser Text duzt Sie! Smell in the city Heilbronn seine Inspiration sucht, die Hosenbeine im Herbstwind flatternd, die Gedanken klar fokussiert: Wonach riecht eigentlich Heilbronn? Napoleon I. ließ sich zitieren, er würde seine Heimatstadt am Geruch erkennen. Wird dem Waiblinger in der Fremde warm ums Herz, wenn er den Duft heißer Bonbonpampe riecht, dem Mannheimer, wenn ihm irgendwo auf der Welt der Kakao anbrennt? Fraglos ist der spezifische Geruch einer Stadt etwas, das der Metropole nicht nachgesagt wird, weil sie zu groß ist und ihre Geruchswelten zu weit sind. Es sind eher die kleineren Großstädte, gerade ausufernd genug für Industrie, die im großen Stil irgendwas verarbeitet, aber klein genug, als dass man die ganze Stadt damit assoziiert. Napoleons Geburtsort ist heute halb so groß wie Heilbronn, aber wonach roch der, so vorindustriell im 17. Jahrhundert? Könnten sich Veganer wirksam gegen die Ausdünstungen der Firma Knorr wehren, die sie ja gezwungen sind, einzuatmen, was ja im Fall von fleischhaltigen Zutaten eine gewisse Form von aufgezwungenem Verzehr wäre? Klar sind das nur homöopathische Dosen, aber an Homöopathie glauben ja auch manche! Denk mal daran, wenn das nächste Mal jemand im Aufzug pupst. Wenn dieser Text gedruckt vor Dir liegt, riecht Ludwigsburg immer noch ab und an nach Kaffee-Ersatz. Ist das auf mysteriöse Weise identitätsstiftend? Macht es Heilbronn lebenswert, wenn es nach irgendwas riecht? Bin ich ein netter Typ, wenn ich vor dem Kolumnenschreiben dusche? Oder gar jedes Mal, wenn jemand diese Kolumne liest? Vielleicht 600 SEKUNDEN – DIE STADTKOLUMNE Hanix Nr. 52

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können wir uns darauf einigen, dass zukünftig vor dem Betreten der Straßen dieser Stadt ausgiebig geduscht wird! Auf dass man einst sagen können wird: Heilbronn – das ist die Stadt mit den wohlriechendsten Einwohnern der Welt! Ja, Baden zählt auch, ist nur ökologisch fragwürdig und zeitaufwändig. Aber immerhin kann man beim Baden diese Kolumne lesen! Hand hoch, wer diese Kolumne während eines Vollbades liest! Ja, da muss jetzt die andere oder der eine umgreifen, um das Magazin nicht versehentlich ins Wasser fallen zu lassen. Wie interaktiv kann ein Text sein? Wie lebenswert eine Stadt? Interagieren ist oft mühsam, aber es muss sein. Man gewöhnt sich daran, auch mit Leuten z. B. zu sprechen, die man sich nicht ausgesucht hat oder mit Leuten rumzuknutschen, deren Musikgeschmack grottig ist. Auch in einem Supermarkt gibt es einiges, was man aktuell stets nicht in letzter Konsequenz braucht. Aber ich stehe gern vor gerade den Regalen, wo jene Sachen präsentiert werden, die ich nicht kaufen möchte: kleine Messerchen und Sägen zum Kürbisschnitzen (Saisonware, 'türlich, wer schnitzt schon kurz vor Weihnachten noch Fratzen in Kürbisse), unzuverlässig schließende Brotboxen oder billige Uhren, die aussehen wollen wie ... nein, wenn sie wirklich von Herzen anders aussehen wollen als billige Uhren, die protzig teuer wirken und trotzdem so aussehen, wie sie aussehen: Das ist zu traurig. Das mag ich mir nicht vorstellen. Aber so ist auch die Stadt, die lebenswert ist: voller Leute, ohne die man glaubt, gut auskommen zu können. Und voller Leute, die trotzdem stehenbleiben und voller Routine das mühsame Interagierspiel abziehen mit jedem, der ihnen begegnet. Vorurteilsarm bis zum Gehtsnoch, entspannt bis kurz vorm Nein meine Message ist nicht die Gute alte love, sondern der – Achtung, neuer Begriff – Egoismus 2.0. Der Bug, der Egoismus 1.0 so langfristig unbrauchbar gemacht hat, ist in 2.0 gefixed: Nicht mehr nur alles, was mir nützt, ist OK, sondern auch alles, was den Leuten nützt, die mir nützen, jetzt oder in Zukunft, hell, sogar in der Vergangenheit, wenn man so vierdimensional sein möchte. Und weil ich, wenn ich ehrlich bin, (und das bin ich, denn »Honesty ist the most important thing – if you can fake that, you've got it made« – Groucho Marx) keine Ahnung habe, wer mir morgen oder irgendwann nützen könnte (oder schon hat, z. B. gestern), und was der oder die als nützlich betrachtet, spare ich viel Zeit mit Egoismus 2.0, und das ist wichtig, weil ich in der gesparten Zeit meinem Freund Stefan U. zufolge prima Stressinfarkte kriegen kann. Vielleicht finden ja meine Mitheilbronner Leute toll, die nach Duschgel riechen. Oder nach Tütensuppen. Oder sie haben ein Faible für Typen, die unter den Armen müffeln oder seltsame Texte schreiben. Mehr als hoffen und handeln kannste nicht. Und das ist okay, denn wer will das schon? (Wir wüssten da schon so ein paar! – Anmerkung der Herausgeber) ◆ Nicolai Köppel denkt sich diese Kolumne »600 Sekunden« nicht aus, sondern lässt sie jedesmal extra passieren. Mehr gibt’s hier: www.nicolaikoeppel.de Spenden Sie für kranke Kinder in der Region! Kunst-, Musik- und Reittherapie Erfüllung von Träumen Besuchsdienst und Vorlesepaten Finanzielle Hilfe Kindgerechte Krebsbehandlung Patienten- und Familienbegleitung Einfühlsame Freude Familienhilfe zuhause Betreuung von Geschwistern Verbindung zur Schule www.grosse-hilfe.de Gestaltung: www.hettenbach.de Spendenkonten: Kreissparkasse Heilbronn IBAN: DE 84 6205 0000 0000 0074 43 BIC: HEISDE66XXX Volksbank Heilbronn IBAN: DE13 6209 0100 0390 3900 03 BIC: GENODES1VHN

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MADELEINE LANDLINGER liebt Musik. Das war schon immer so. Vom selber Musizieren entwickelte sich daraus der Wunsch, andere Künstler in ihrem Tun zu unterstützen und zu leiten. Es war die Musik, die sie schließlich von Österreich quer durch Deutschland, nach Heilbronn führte. Heute ist die 41-Jährige Intendantin des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO) und hat eines gewiss: Jede Menge Geschichten im Gepäck. Von Maria Sanders, Fotos: Meli Dikta Kulturförderin mit pinker Feder BERUF: Intendantin JAHRGANG: 1976 BERUFUNG: Kulturförderin Das halbe Leben einer Frau steckt in ihrer Handtasche. »Man weiß ja nie, was kommt«, so Madeleine Landlinger – und muss selber lachen, als sie uns von ihrer Tasche in der Tasche erzählt. Also, die kleinere Handtasche, die sie immer in ihrer großen Tasche aufbewahrt, für den Fall, dass sie abends noch auf ein Konzert geht. Peu à peu zieht sie neben iPhone, Portemonnaie und Pastillen-Dose noch andere lebenswichtige Utensilien heraus und erzählt uns ihre Geschichten. »Manchmal sind es einfach die kleinen Dinge, die uns guttun«, sagt Landlinger und erinnert sich, wie sie einmal während einer wichtigen Sitzung eine kleine Pastillen-Dose geschenkt bekommen hat. Auf der steht »keep calm and carry on«. Wird schon alles gut, sagte der Kollege damals. »Die Dose fülle ich immer wieder auf.« Seit September 2015 ist sie Intendantin des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn. Als sie damals ihr Studium des Kulturmanagements mit einem Magister der Wirtschaftswissenschaften und anschließendem Master of Advanced Studies erfolgreich abgeschlossen hatte, hätte sie auch nicht gedacht, welche Abenteuer nach dem Studium auf sie warten würden. Landlinger arbeitete unter anderem beim Beethovenfest Bonn und beim Festival Wien Modern. Sie war vier Jahre lang als Produktionsleiterin beim Mozarteumorchester in Salzburg tätig und fünf Jahre beim Format »Musik der Jahrhunderte«. »Ich reise meinem Job hinterher«, so die gebürtige Österreicherin, deren Weg sie als Geschäftsführerin des Kölner Kammerorchesters und der Jungen Deutschen Philharmonie schließlich nach Heilbronn führte. Die Weinberge mag sie besonders. »Und es gibt immer noch Ecken, die ich nicht kenne«, sagt sie neugierig. Auf die Frage, welches Instrument ihr liebstes sei, lächelt sie bewegt und antwortet: »Die Stimme«. Mit ihr sind wir am meisten verbunden. »Sie ist in uns und damit am nächsten«, beschreibt Madeleine Landlinger, die selber ausgebildete Sopranistin und Flötistin ist. Musik bedeutet für die Kulturmanagerin Ausdruck von Menschsein. »Sie macht unser Leben reicher«, ist Landlinger überzeugt. Besonders die Wiener Klassik hat es ihr angetan. Sie sagt aber auch: »Du brauchst Stille, um dich der Musik wieder ganz neu widmen zu können.« Daher hat sie auch stets ihre Noise-Cancelling-In Ears dabei. Also spezielle Kopfhörer als Minivariante, mit denen sie Musik hören kann oder sich Umgebungsgeräusche einfach unterdrücken lassen. In ruhigen Momenten liest sie auf ihrem eBook-Reader. Am liebsten zeitgenössische Romane. Aktuell »Seide« von Alessandro Baricco. »Ich liebe seine feine Sprache.« Wir schmunzeln, als sie neben ihrer pinken Powerbank,auch noch einen schmalen, rosafarbenen Füller aus ihrer Tasche zieht, beides auf den Tisch legt und auf der weißen Unterlage unterschreibt. Mit pinker Schrift. »Ach wissen Sie«, erklärt Landlinger, als wir nachfragen, dass wir Pink als ihre Lieblingsfarbe verstehen können. »Kräftige Farben geben mir Energie«, so die Intendantin. »Und das ist meine Art, authentisch zu sein.« ◆ Weitere Infos unter: www.wko-heilbronn.de TASCHENKONTROLLE Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 MADELEINE LANDLINGER LEERT IHRE TASCHE

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Wenn VANESSA SEEBERG an der Hochschule Heilbronn nicht gerade dem Rektor assistiert, dann reizt es sie seit ihrem Studium dahinter, zu kommen, wie es dazu kam, dass Frauen sich zu den unterschiedlichsten Epochen anders eingekleidet haben. Der Blick in ihren eigenen Kleiderschrank ist für sie mehr als nur der Blick auf ein schönes Cocktailkleid, eine Lederweste oder einen Bleistiftrock: Vielmehr ist es ein Einblick in verschiedene Ären und den Wandel der Zeit. Es ist schön zu sehen, wie ihre Augen funkeln, wenn sie die Worte »Perlenstickereien«, »Samt« und »Stil der Flapper« in den Mund nimmt. Interview: Sarah Baudenbacher, Fotos: Meli Dikta Hanix: Was ist dein Lieblingsding, Vanessa? Vanessa Seeberg: Ich habe mir überlegt, womit ich mich ziemlich gerne beschäftige oder was mich interessiert – und das war schon immer Mode. Deshalb ist mein Lieblingsding der Inhalt meines Kleiderschranks. Wie hat es angefangen mit deinem Klamottenfaible? Das hat schon ziemlich früh angefangen, zu Schulzeiten, dass ich mich gar nicht so unbedingt für Mode und Klamotten, aber sehr für unterschiedliche Materialien interessiert habe. Ich habe nach der Schule direkt zwei Schneiderkurse belegt und wollte ursprünglich Modedesign studieren. Das schien mir damals aber zu unsicher und Modeschulen an sich sind auch sehr teuer. Daraufhin habe ich Germanistik und Kunstgeschichte in Düsseldorf studiert. Dort habe ich dann Kurse in Mode- und Kostümgeschichte besucht. Mich hat immer besonders interessiert, wenn sich die Kunstgeschichte eher auf die Kostümgeschichte bezogen hat. Und besonders, wie die gesellschaftliche Anschauung der Frau auf das Mode- und Kleine Zeitreise in das Bild der Frau Kostümbild der Zeit eingewirkt hat. Im Anschluss habe ich dann im Master Literatur- und Kunstwissenschaft an der Uni Potsdam studiert. Da hatte ich das Glück, dass eine meiner Professorinnen auf dem Gebiet ziemlich aktiv war. Sie hat in Berlin ein ganzes Netzwerk etabliert, das »Netzwerk Modetextil«. Sie organisieren Modeausstellungen, Workshops, Konferenzen. Das Thema kommt jetzt total auf, Genderstudies und Modetheorie. Ich habe darüber dann auch meine Masterarbeit geschrieben und Modegrafiken aus Zeitschriften, wie »Die Dame« oder »Harpers Bazar« untersucht. Ich wollte darstellen, wie sich das Bild der Frau und somit auch das Modebild der Zeit geändert haben. In den 1920ern kam beispielsweise eine große Emanzipation der Frau auf: Die Frauen fingen daraufhin an, Hosen zu tragen, sie trugen Kurzhaarfrisuren und flache Schuhe. In den 50ern hat sich das dann wieder total geändert. Es waren die Jahre des Wirtschaftswunders. Die Frau stand wieder (nur) an der Seite des Mannes. Es war eine Rückkehr zur Weiblichkeit mit schmaler Taille, weiten Röcken, Petticoat, MEIN LIEBLINGSDING Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 NAME: Vanessa Seeberg ALTER: BERUF: Referentin des Rektors der Hochschule Heilbronn BERUFUNG: Modeanalyse WÜRDE IHR LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: Nichts hohen Schuhen ... ich finde es total interessant, wie die Frau gesellschaftlich gesehen wurde und wie sich das wiederum auf die Mode übertragen hat. Wie ist die heutige gesellschaftliche Sicht auf die Frau im Hinblick auf die Mode? Heute oder seit den 2000er Jahren bestehen sehr viele Stile, die kombiniert werden. Vieles passiert gleichzeitig und kann gleichzeitig getragen werden. Im Business kommt es auf die Branche an. In vielen Branchen ist man mittlerweile sehr frei in dem, was man tragen kann. So streng wie früher ist es nicht mehr. Wo findest du deine Kleider? Ich mag Vintage-Sachen. Ich kaufe eigentlich gar nicht in Geschäften ein, nur in Vintage- und Secondhand-Shops, natürlich auch online. Außerdem gehe ich viel auf Flohmärkte oder bekomme Familienstücke vererbt. Welche Emotion verbindest du mit dem Blick auf deine Kleider? Nostalgie? Total. Alles hat eine Geschichte und das ist mir sehr wichtig. Ich mag die verschiedenen Materialien, z. B. Samt und Besticktes. Am meisten mag ich den Stil der 1920er Jahre, als alles weit geschnitten war, die Kleider mindestens bis zu den Knien gingen, mit flachen Schuhen – das kommt jetzt auch alles wieder auf. Würdest du deine gesammelten Stücke denn gegen etwas eintauschen wollen? Nein, also mir fällt jetzt gerade wirklich nichts ein, wogegen ich meine Sachen tauschen würde. ◆ VANESSA SEEBERG Der perfekte Weihnachtsabend Zutaten fürs Dinner > 1,25 € Cashback Weine zum Menü > 3,50 € Cashback Weihnachtliche Deko > 1,75 € Cashback Festliches Outfit > 10 € Cashback Neue Frisur > 3,75 € Cashback 20,25 € Cashback direkt aufs Girokonto (unverbindliches Rechenbeispiel) Jetzt bei über 160 Partnern shoppen! Mehr unter www.einfachkaufen.hn

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Maike Endresz, Foto: Meli Dikta Aerial Yoga Yoga ist ja so eine Sache. Die einen stellen sich das sehr akrobatisch vor und denken: »Will ich auch. Kann aber nicht lang genug auf dem Kopf stehen und sehe sicher blöd aus dabei.« Andere finden, das ist nur was für Menschen, die in engem Kontakt mit ihrem dritten Auge stehen und ausschließlich Tee trinken. Und dann sind da noch die, die es tun. Gehöre ich dazu, aber ohne mit all meinen Chakren auf Du und Du zu sein, übermäßig beweglich bin ich auch nicht und Tee trinke ich nur, wenn es für Kaffee zu spät und für Alkohol noch zu früh ist. Trotzdem machen wir heute: Aerial Yoga. Im Yogakraftwerk angekommen, werden wir von Nici Tannert begrüßt. Eine tolle Frau, denk ich und freu mich auch ein bisschen, dass sie so »auf dem Boden« ist. Nach einem kurzen Gespräch in der Kuschelecke hab ich das Gefühl, dass Nici sehr genau weiß, was sie tut und so folge ich ihr freudig aufgeregt in einen der zwei großen Bewegungsräume. An der Wand ein großes Om in Sanskrit, an den Decken viele Haken, von einem hängt ein wallendes lila Tuch. Darunter eine Matte. Zack. Fertig. Ich erkläre Aerial Yoga mal mit meinen Worten: Yoga im Tuch. Hier kannst du, was du dank der Schwerkraft sonst nicht kannst. Handstand zum Beispiel. Du fühlst dich leicht, dein Traum vom Fliegen erreicht Phase 1. Wir beginnen also. Ein türkis-petrolfarbenes Tuch such ich aus und Nici erklärt, was jetzt passieren wird. Und dass es sein kann, dass mir schwindelig wird. Also schön. Und schon steige ich rein in mein Tuch. Wie genau ich das gemacht habe, ist irgendwie verblasst, aber ich sitze jetzt in einer Art Tuch-Tropfen. Alles ist türkis und ich sitze so bequem wie wahrscheinlich nur damals im Bauch meiner Mama. Und ja, so schräg das klingt, dahin fühle ich mich zurückversetzt. Ich sehe nur das Tuch, das grünliche Licht und Nicis Worte bringen mich in einen angenehmen Entspannungszustand. Einatmen. Ausatmen. Anspannung loslassen. Voll gut. Und ich halt so in dem Tuch, keiner sieht, wie ich leicht verzückt in mich reinlächele. Natürlich kann ich da drin nicht bleiben, wie wollen ja noch mehr machen. Aerial Yoga hat viel mit Loslassen zu tun, das wird mir gleich zu Beginn klar. Sich einfach fallen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass das Tuch einen hält. Dank der wunderbaren Nici gelingt das aber schneller Das Hanix »Abenteuer um die Ecke« wird präsentiert von als gedacht. Sie ist immer da, beobachtet, korrigiert, prüft, wie es mir geht. Mit ihrer freundlichen Art und tollen Ausstrahlung ist die ehemalige TV-Producerin aus München ein Fels in der Brandung. Ich sage euch, Zirkusakrobatin könnte ich werden. Gefühlt. Dank Nicis toller Anleitung hänge ich da in meinem Tuch, mach den Skorpion, die Fledermaus, falle rückwärts und dreh mich wieder zurück, stehe auf einem Bein in der Luft, sitze schwebend im Yogi-Sitz und werde zum Schmetterling. Dann stehe ich über Kopf und fühle, wie mein Rücken immer länger wird. Eine einzigartige Möglichkeit, den Bandscheiben wieder mehr Raum zu geben, erklärt Nici und ich bilde mir ein, dass ich das auch fühlen kann. Dann bin ich wieder aufrecht, wir schauen, dass der Kreislauf auch bei mir bleibt und dann geht es in die nächste Übung. Als ich hinterher die Fotos sehe, kann ich gar nicht glauben, was ich da alles gemacht habe. Das soll ich sein? Verrückt. Dann: die End-Entspannung. Besser als in jeder Hängematte liege ich in meinem petrolfarbenen Kokon, während um mich herum scheinbar aus allen Richtungen wunderschöne Klänge hereinplätschern. ABENTEUER UM DIE ECKE Hanix Nr. 52

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Wie ich hinterher erfahre, ist Nici mit einer sogenannten Koshi-Box, einem Klangspiel in einem Bambusrohr, um mich herum gelaufen. Die sanften Klänge und das leichte Schwingen des Tuchs haben mich wie in einer Unterwasserblase fühlen lassen, schwerelos, weit weg vom Alltag und ja ... ziemlich glücklich. Und so gehe ich dann auch nach Hause. Glücklich. Und ein bisschen größer als zuvor. Fazit: Unbedingt ausprobieren! Allein die Erfahrung, sich in dem Tuch wie eine Artistin unter der Zirkuskuppel bewegen zu können, ist es wert! Für Yoga-Interessierte, für alle, die Spaß an Neuem haben, die sich und ihrem Körper etwas Gutes tun mögen, die eine Auszeit vom Alltag suchen, die Spaß an der Bewegung haben, die ihr Körperbewusstsein verbessern wollen, die das Kind in sich noch nicht verloren haben, die mal den Boden unter den Füßen verlieren wollen, die lernen müssen, loszulassen ... Hier kann sich jeder mal ausprobieren. Das Ganze wird übrigens auch für bestehende Gruppen angeboten. Also Mädels- oder Jungsabend, Teamausflug, Großfamilienevent – alle ab in die Tücher! ◆ SCHWIERIGKEITSGRAD: einfach bis mittel bis schwer – alles möglich. DAUER: 90 Minuten (offene Klassen) ORT: YogaKraftwerk, Nici Tannert, Siemensstraße 10, 74177 Bad Friedrichshall KOSTEN: 10 €, alle weiteren 90 Minuten im Gruppenkurs 15 €, Zehnerkarte 140 TIPP: Auspobieren! Mehr unter www.yogakraftwerk.de WAS ZÄHLT SIND GENUSS, LEBENSLUST UND SIE. Kapitel Bodo Linkohr Bürokonzepte Fischeräcker 14, 74223 Flein, Tel. 07131/58 20 50 linkohr@linkohr-buerokonzepte.de, www.linkohr-buerokonzepte.de

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Eigentlich dürften Rechtspopulisten hier keine Chance haben. Heilbronn ist eine moderne, wohlhabende Idylle. Warum wählten trotzdem 16,4 Prozent der Bürger AfD? Von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan, Fotos: Hardy Müller & picture alliance / Michael Kappeler/dpa Aus der ZEIT Nr. 41/2017 Heilbronn: Städtle in Angst Hanix Nr. 52 * Eine Person, die im ursprünglichen Text vorkam, wollte nicht in einem Heilbronner Medium erscheinen. Diesen Wunsch haben wir respektiert und die entsprechenden Textzeilen geschwärzt. Frau Gminder ist 72 Jahre alt und siebenfache Großmutter. An einem Tag im Herbst 2017 beginnt in Berlin ein neues Kapitel in ihrem Leben. Für den Start in ihre späte Karriere hat sie ein pinkfarbenes Kostüm angezogen und sich eine pinkfarbene Schleife ins grau gesträhnte Haar geflochten. Franziska Gminder, die sie daheim »Sissi« nennen, legt die Hände flach auf den Tisch und blickt konzentriert nach vorn. Durch die Glastür des Saales kann man sie in den folgenden zweieinhalb Stunden beobachten. Franziska Gminder schaut aufmerksam zu den Fraktionsvorsitzenden, sie klatscht, wenn die anderen klatschen, hebt die Hand, wenn die anderen die Hand heben, blättert in Akten, schweigt meist. Ein pinkfarbener Punkt zwischen vielen grauen Anzügen. In der Mittagspause huscht sie zum Buffet, wo die anderen zusammenstehen, sich neugierig austauschen und Interviews geben. Sie selbst zieht sich mit einer Gulaschsuppe in den Sitzungsraum zurück. Nein, sie möchte nicht über ihren Erfolg reden. Fast verschüchtert wirkt sie, erstaunt, dass sie hier ist: in der Hauptstadt, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, erster Stock. Die erste Sitzung der AfD-Fraktion. Franziska Gminder ist jetzt tatsächlich Bundestagsabgeordnete. Ihre Partei hatte sie weit hinten auf die Landesliste gesetzt, aber dann haben sehr viele Menschen in Baden-Württemberg für die AfD gestimmt, vor allem in Gminders Heimatstadt Heilbronn. Ausgerechnet Heilbronn. Hier erhielt die Partei 16,4 Prozent der Stimmen. Weit mehr als im Bundesdurchschnitt. In den Tagen nach der Wahl wurden viele Geschichten über die AfD erzählt; fast immer waren es Geschichten vom Rand. Sie spielten weit im Osten, in Sachsen und Vorpommern, wo viele Menschen vom Gefühl erzählen, vergessen worden zu sein in all den Jahren seit der Wiedervereinigung. Sie spielten tief im Westen, im Ruhrgebiet, wo Städte mit den Kohlegruben und GESELLSCHAFT

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Hanix Nr. 52 Stahlwerken auch ihren Stolz verloren. Sie spielten auch im Süden, in Niederbayern, wo sich Gemeinden alleingelassen fühlten, als jeden Tag Tausende Flüchtlinge über die Grenze kamen. Sie spielten nicht in Heilbronn. Denn hier, im ruhigen, reichen Winkel der Bundesrepublik, sprach auf den ersten Blick wenig für einen Erfolg der AfD. Aber das täuscht. Vier Tage nach der Bundestagswahl hat Oberbürgermeister Harry Mergel eine angenehme Aufgabe. Mergel, 61, seit 43 Jahren in der SPD, steht in der Aula des Bildungscampus von Heilbronn an einem Mikrofon und begrüßt 420 Stadtplaner, angereist aus halb Europa, um darüber zu diskutieren, was eine gute Stadt ausmacht. Einen Ort, der das Leben besonders lebenswert sein lässt. Ein renommierter Stadtplaner aus Potsdam wird eine Rede halten und Mergels Stadt überschwänglich loben: »Ich bin mir sicher, wenn Sie nach Hause gehen, werden Sie sagen: Macht es wie Heilbronn!« Nach dem Krieg bekam das zerbombte Heilbronn das gleiche unscheinbare Wiederaufbau-Gesicht wie so viele Orte in Westdeutschland. Dann aber geschah etwas, das sich anhört wie ein Märchen: Es kam ein reicher Mann und verschönerte die Stadt. Der Mann ist der Lidl-Gründer Dieter Schwarz, ein Milliardär, der Millionen spendete. Mehrere Hochschulen wurden gegründet, Forschungsinstitute eröffnet, ein Wissenschaftsmuseum wurde gestiftet, eine Akademie für Erzieher eingerichtet. Nicht nur, aber auch dank dieses Geldes blühte die Stadt auf. Eine hochmoderne Kunsthalle wurde gebaut, 2019 kommt die Bundesgartenschau. Spaziert man heute durch Heilbronn, fühlt man sich mancherorts, als wandle man durch wahr gewordene Architektenträume. Klare Linien, weite Plätze mit Rasenflächen, Stadtmenschen mit Aktentaschen, wie Modellbaufiguren auf saubere Treppenstufen drapiert. Und diese Leute haben die AfD gewählt? Am Mittag sitzt der Oberbürgermeister im Ratskeller über einer Schüssel Böckinger Feldgeschrei. So nennt sich die lokale Spezialität, ein Eintopf. Mergel schiebt den Teller zur Seite, um Platz zu schaffen für die Papiere, die er mitgebracht hat. Tortendiagramme, Tabellen, Stichpunkte. Es sind Zahlen, die zeigen sollen, wie gut es seiner Stadt geht. Und wie viel sie hier richtig gemacht haben in den vergangenen Jahren. STÄDTLE IN ANGST Statistisch gesehen ist Heilbronn mit seinen 121.000 Einwohnern ein kleines Paradies. Das Pro-Kopf-Einkommen: 41.000 Euro netto, so hoch wie in keiner anderen deutschen Stadt. Die Arbeitslosenquote: 5,3 Prozent, nahe der Vollbeschäftigung. Die Kriminalitätsrate: 4.191 Straftaten pro 100.000 Einwohner – im Durchschnitt sind es 5.599 in Baden-Württemberg, dem sichersten deutschen Bundesland. Begeistert erzählt der Bürgermeister, was sie sich in Heilbronn alles haben einfallen lassen: die Kindergartengebühren abgeschafft, Ganztagsgrundschulen eingeführt, die Flüchtlinge, es waren im vergangenen Jahr 1200, dezentral untergebracht. Müsste man sich eine Stadt ausmalen, in der die AfD keine Chance hätte, man würde auf Heilbronn kommen. Weshalb sind die Bürger so unzufrieden? Nach dem Essen steigt Mergel die Stufen zum Ratssaal hinauf, denn an diesem Tag wartet auch noch eine eher unangenehme Aufgabe: die Tagung des Kreis-Wahlausschusses. Nachbetrachtung der Bundestagswahl. Mergel setzt sich auf den Stuhl mit der höchsten Lehne, begrüßt die Anwesenden und schlägt eine Mappe auf. Dann trägt er die Stimmenanteile der Parteien im Wahlkreis Heilbronn vor. Auch die 16,4 Prozent für die AfD. Wie soll er dieses Ergebnis erklären? Weshalb sind die Bürger so unzufrieden? »Da stoße ich an meine Grenzen«, sagt der Bürgermeister. Der Lidl-Gründer Dieter Schwarz ist nicht nur der reichste Einwohner der Stadt, er ist der reichste Deutsche überhaupt. Würde sein Einkommen nicht dazuzählen, wäre das Pro-Kopf-Einkommen Heilbronns deutlich niedriger. Wohlhabend aber wäre die Stadt noch immer. 38 weitere Einkommensmillionäre wohnen hier. Und auch die Gminders gehören zur Oberschicht. Sie wohnen im Osten Heilbronns, dort, wo große Villen und breite Einfahrten die Straßen säumen. Die neue AfD-Bundestagsabgeordnete Franziska Gminder ist keine Abgehängte, keine Chancenlose. In der Woche nach der Wahl sagt sie zunächst, dass sie mit der ZEIT nicht reden wolle, aber es finden sich Informationen auf den Internetseiten der AfD und in einigen älteren Interviews. Ihr Ehemann ist ein ehemaliger Manager des Waffenkonzerns Heckler & Koch und Mitglied bei den Rotariern. Sie selbst nennt sich »Eigentumsunternehmerin« und verwaltet in Speyer eine gewerbliche Immobilie mit 170 Mietparteien. Sie gehörte zu den ersten Mitgliedern der AfD. Im Interview mit der Heilbronner Stimme nannte sie Ludwig Erhard als ihr Vorbild. Sie sagte, sie möge Thilo Sarrazins Buch »Der neue Tugendterror«. Franziska Gminder ist auch »sehr gerne« Leserin der Wochenzeitung Junge Freiheit, die sich mit ihren Inhalten im schwer zu vermessenden Raum zwischen rechts, rechtsnational und rechtsextrem bewegt. Es ist nicht ganz klar, wie weit rechts genau Franziska Gminder steht. Klar ist nur, dass sie ein Phänomen verkörpert, das in der Diskussion um die Entstehung der AfD mitunter vernachlässigt wird: Die AfD ist neu, rechtes Denken aber ist alt. Wie jede Weltanschauung wird auch diese in manchen Familien von Generation zu Generation weitergegeben, so wie ein kulturelles Brauchtum, das in bestimmten Regionen stärker gepflegt wird als anderswo. In den neunziger Jahren war Heilbronn eine Hochburg der Republikaner. Vertreter der rechtsextremen Partei saßen im Gemeinderat und im Kreistag. Die NPD erzielte im Landkreis Heilbronn regelmäßig ihre besten Wahlergebnisse in Baden-Württemberg. 2004 schlossen sich Vertreter der NPD, der Republikaner und andere zum »Nationalen Bündnis Heilbronn« zusammen. Sie sahen sich als »Avantgarde eines neuen deutschen Selbstbewusstseins«. Das Bündnis zerstritt sich und löste sich wieder auf. Fünf Jahre später gründete sich eine Bürgerbewegung namens »Pro Heilbronn«, die noch heute im Gemeinderat der Stadt vertreten ist und von einem ehemaligen Republikaner angeführt wird. Der Verein fordert, Deutschland solle »nicht weiter ein Einwanderungsland« sein. Seit dem Herbst 2015 treffen sich in der Kleinstadt Öhringen bei Heilbronn jeden zweiten Samstag Rechtsextreme und Reichsbürger auf der Straße, um gegen die angebliche »Invasion« Deutschlands durch Muslime zu protestieren. Angenommen, das reiche Heilbronn wäre noch reicher. Angenommen, auch der letzte Arbeitslose hätte einen Job gefunden und die Flüchtlinge wären inzwischen vorbildlich integriert – oder überhaupt nicht da. Man kann davon ausgehen, dass manche Menschen in der Stadt dennoch vom drohenden Niedergang Deutschlands sprächen. Und dass sie irgendeiner anderen Minderheit die Schuld daran gäben.

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Sozialwissenschaftliche Untersuchungen offenbaren, dass Hunderttausende Menschen in der Bundesrepublik so denken. Ob Zufall oder nicht, in Heilbronn leben besonders viele von ihnen. Damit lässt sich ein Teil des Erfolges der AfD in dieser Stadt erklären. Aber eben nur ein Teil. Die Frage ist, wie es der AfD gelang, über die rechten Stammwähler hinaus bis in die gesellschaftliche Mitte hinein vorzustoßen. Das ökonomische Herz der Region Heilbronn ist die Autoindustrie. Einer der größten Arbeitgeber ist Audi. In Heilbronn wird der Audi R8 hergestellt, ein Sportwagen, das stärkste Auto der Marke. Im benachbarten Neckarsulm laufen der Audi A6 allroad quattro und der Audi RS 7 Sportback vom Band, Wagen der Audi-Modellreihen A4, A6 und A8 sowie der S8 plus, der R8 Spyder und so weiter. Teure Autos. Autos mit Verbrennungsmotoren und vielen PS. 16.700 Mitarbeiter hat Audi in Heilbronn und Neckarsulm, sie nennen sich stolz: Audianer. Am Ende einer Schicht in der Nachwahlwoche betritt einer von ihnen ein schwäbisches Restaurant unweit des Werks und setzt sich an einen Holztisch. Der Mann wird erzählen, was sich verändert hat bei Audi und in Heilbronn, was für viele hier dasselbe ist. Wie Verunsicherung in eine Industrie einzog, von der jeder dachte, sie sei nicht zu erschüttern. Der Arbeiter aus der Produktion, ein Gewerkschaftsmitglied, soll hier Werner Schmidt heißen, seinen echten Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Es ist nicht lange her, da erschien die deutsche Autoindustrie als so ziemlich die kraftvollste Industriesparte der Welt. Facharbeiter verdienen nach wie vor gut bei Audi. Sie kommen auf dreieinhalb bis viertausend Euro brutto im Monat. Dazu gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Und Jahr für Jahr wird eine Erfolgsprämie ausgezahlt. 2014 waren das 6.540 Euro. 2015 waren es nur noch 5.420 Euro. 2016 blieben 3.510 Euro. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Sonderleistung also fast halbiert. Nicht angenehm, aber auch keine Katastrophe. Niemand redet von Entlassungen. Aber Schmidt fragt sich: Wird das so bleiben? Jetzt, da alle von Fahrverboten für Diesel-Autos sprechen, gar vom Ende des Dieselmotors. Die Produktion in Neckarsulm sei zurzeit nicht ausgelastet, sagt Schmidt. Schichten werden aufgelöst, Leute früher nach Hause geschickt. Vor dem Neckarsulmer Werk kündigt ein Plakat den neuen A8 an, eine Limousine der Luxusklasse. »Aufbruch in die Zukunft«, steht darauf. Nächstes Jahr kommt der Q8 auf den Markt, ein Auto mit einem 300-PS-Motor, das Unmengen von Feinstaub und CO₂ produziert. Ist das wirklich die Zukunft? Am selben Tag, an dem der Arbeiter Werner Schmidt von den Sorgen der Audianer erzählt, kommt aus Peking die Nachricht, dass China von 2019 an eine Quote für Elektroautos einführt. In den USA sind 500.000 Vorbestellungen für den neuen, vollelektrischen Tesla 3 eingegangen. Und in den Zeitungen und im Fernsehen ist ständig die Rede davon, dass die ganze Welt bald Strom tanken wird. Diejenigen, die diese Diskussionen führen, die diese Forderungen stellen, sind Klimaforscher, Politiker, Journalisten. Es sind nicht diejenigen, die ihren Job verlieren, wenn plötzlich Elektroautos aus Shanghai statt Sportwagen aus Heilbronn auf deutschen Straßen fahren. »Natürlich haben wir Angst um unsere Existenz«, sagt Werner Schmidt. »Niemand weiß, wie es weitergehen wird.« Die Arbeitslosenzahlen sind immer noch niedrig in Heilbronn. Die Löhne noch immer hoch. Noch ist kaum etwas passiert. Aber in Heilbronn fühlt es sich für einige so an, als ob. Wie ein Vorgriff auf die Zukunft. Und plötzlich ist da eine Partei, die sagt, die ganze Diskussion um den Klimawandel sei Unsinn. Eine Partei, für die ein Verbrennungsmotor nicht wie ein Symbol der Vergangenheit wirkt. Werner Schmidt sagt, dass in den vergangenen Monaten im Werk viel über Flüchtlinge geredet worden sei, über Politik. Und über die AfD. Dann kam der 24. September. »Da haben einige gegrinst am Montag nach der Wahl«, sagt Schmidt. Das Gefühl, gesehen zu werden Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer untersucht seit 35 Jahren ein Phänomen, das er »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« nennt. Seit Langem stellt er fest, dass sie sich in Deutschland immer weiter ausbreitet. Es seien »emotional ausbeutbare Signalereignisse« wie die Flüchtlingskrise und die Kölner Silvesternacht, die diese Entwicklung befeuern und die von Parteien wie der AfD genutzt werden. Menschenfeindlichkeit, die Abwertung und Diskriminierung schwacher Gruppen, Hanix Nr. 52 Die Bürger sind so unzufrieden, dass sie der AfD 16,4% der Heilbronner Stimmen einbrachten STÄDTLE IN ANGST

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erklärt Heitmeyer, hängt mit einer gefühlten Unsicherheit zusammen – mit der Angst vor einem Status- und Prestigeverlust und vor Konkurrenz durch Minderheiten. Die objektiven Fakten – ob jemand Arbeit hat, eine Wohnung, Geld – sind dabei gar nicht so wichtig. Das hohe Pro-Kopf-Einkommen von Heilbronn, die niedrige Arbeitslosenquote, die gute Kriminalstatistik: alles egal. All die schönen Statistiken seien wenig aussagekräftig, sagt Heitmeyer, »das hat mit dem Alltag der Leute wenig zu tun«. Wichtig sei etwas anderes, das erst einmal viel weniger griffig klingt als die Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt: ein wahrgenommener Kontrollverlust. Die Ankunft von einer Million Migranten kann als Kontrollverlust empfunden werden. Das Gefühl, dass gesellschaftliche Gruppen, denen man sich selbst nicht zugehörig fühlt, den Wertekanon prägen. Und sogar die Krise der Autoindustrie. Gut möglich, dass die deutsche Ingenieursseele in Heilbronn verunsichert und verletzt ist. Dass sich der westdeutsche Mann gar nicht so sehr unterscheidet vom ostdeutschen, dem derzeitigen Nachrichtenobjekt. Fast alle bisherigen Erklärungen für den Erfolg der AfD gehen vom Spezialfall aus. Den gebrochenen Ost-Biografien, den gescheiterten Stadtvierteln im Ruhrgebiet. Das Markante am Aufstieg der AfD sind aber nicht die 35,5 Prozent der Stimmen, die sie in der Sächsischen Schweiz bekam, oder die 17 Prozent in Gelsenkirchen. Das Markante ist, dass sie fast nirgendwo in Deutschland wirklich schlecht abschnitt. Dass sie auch dort gewählt wurde, wo das Land, zumindest äußerlich, gesund ist. Auch in Heilbronn wird Unsicherheit in Wut verwandelt, die sich selten nach innen richtet. Niemand sagt: Warum hat unsere Industrie beim Diesel betrogen? Und wieso haben die Chefs so wenige Ideen für die Zukunft? Der Groll richtet sich nach außen, ganz gleich, wie gut es den Menschen geht, wie viel sie besitzen – und wie viel sie verlieren. Im Leben eines Menschen geht es nicht um Zahlen, es geht um Gefühle. Auch Menschen, denen es heute in Zahlen gemessen gut geht, können dem Morgen mit Bangen entgegensehen. So wird die AfD besonders stark von Männern mittleren Alters gewählt: Menschen, die mitten im Berufsleben stehen. Menschen, die Verantwortung für ihre Familien tragen. Sie blicken auf die Zukunft ihrer Kinder – und auf die eigene Rente. Beides erscheint ihnen gefährdet. Es ist nicht klar, was genau die AfD für Menschen wie die Audi-Arbeiter in Heilbronn tun könnte. Die Globalisierung stoppen? Den Klimawandel aufhalten? Den Tüftlern im Silicon Valley das Tüfteln verbieten? Wenn die AfD an die Regierung käme, könnte sie nicht mal die Elektro-Entscheidung der Chinesen rückgängig machen. Dafür hat die AfD etwas anderes anzubieten. Ein Gefühl. Das Gefühl, gesehen zu werden. An einem Nachmittag schreitet Gero Meier durch die Heilbronner Innenstadt, breitbeinig wie ein Sheriff. Er ist Kickboxtrainer bei den »Thaibulls Heilbronn«, ein gut trainierter Mann mit grauem Vollbart, 50 Jahre alt, 1,91 Meter groß, 105 Kilo schwer, der Oberkörper unter dem schwarzweiß karierten Hemd tätowiert mit chinesischen Zeichen, Schlangen und Drachen; die Motive sind auf seiner Facebook-Seite zu besichtigen. Als Meier den zentral gelegenen Kiliansplatz überquert, wirkt er gelassen wie ein Mann, der weiß, dass er mit einem Faustschlag fast jedes Problem lösen könnte. Sein Blick heftet sich auf die Treppenstufen der Kirche am Platz. Sie sind ein Treffpunkt für junge Flüchtlinge, hier gibt es freies WLAN. Manchmal sitzen dort 60 Flüchtlinge, heute sind es etwa Komfort genießen und Energie sparen Die smarte Heizung gibt’s dazu bei prosermo Bernd Rembold Die Heizung ist nicht mehr nur ein dunkler Raum irgendwo im Keller, intelligent gesteuert ist sie heute ein wesentlicher Bauteil des täglichen Lebens. Moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen denken mit, erhöhen so den Wohnkomfort und sparen auch noch Heizkosten. Mit dem Internet verbunden lassen sie sich ohne großen Aufwand viel genauer steuern als herkömmliche Systeme und nutzen auch das WLAN im Haus. So lassen sich die Ventile an den Heizkörpern mit Hilfe von Situationsprofilen wie „Schlafen gehen” oder „Abwesend” individuell programmieren oder auf Wunsch per Smartphone und Tablet sogar von unterwegs steuern. In der Summe kann diese Technik einen um 15 Prozent geringeren Energieverbrauch bringen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie BDH. „Wir planen und installieren für unsere Kunden die individuell optimale Lösung“, so prosermo-Geschäftsführer Markus Härle. „Und bei Bedarf können wir über das Internet sogar Fehler analysieren und oft auch beheben.“ Markus Härle plant und installiert für Sie Ihre smarte Heizung. www.prosermo.de Klima- | Kälte- | Elektrotechnik | Wärmepumpen Im Deboldsacker 13 | 74232 Abstatt | Tel: 07062 269 754 0

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15. Schmale junge Männer mit dunkler Haut und dunklen Haaren, sie daddeln auf ihren Handys. Diese Männer sind es, vor denen Meier seine Heimat beschützen will, sein »ehemals ruhiges Städtle«, wie er sagt. Denn die Bürger der Stadt sind in Gefahr, findet Meier. Und der Staat tut nichts. Jedenfalls nicht genug. In Heilbronn, sagt Meier, wurden ein Mann und seine fünf Freunde krankenhausreif geschlagen. Von einer Gruppe von 20 Flüchtlingen. In Heilbronn, sagt Meier, wurde eine Frau verfolgt und belästigt. Von einem Flüchtling. In Heilbronn, sagt Meier, wurde mitten in der Stadt am helllichten Tag eine Frau vergewaltigt. Von einem Flüchtling. Geht man mit Meier durch die Stadt, hat er viele solcher Geschichten zu erzählen. Manche haben sich tatsächlich zugetragen. Bei anderen ist der Wahrheitsgehalt nicht nachprüfbar. Der Mann, der in der Gruppe verprügelt wurde? Sei ein Freund von ihm, sagt Meier. Die Frau, die verfolgt und belästigt wurde? Trainiere in seinem Studio, sagt Meier. Die Frau, die mitten in der Stadt vergewaltigt wurde? Eine wahre Geschichte. Ein Iraker wurde für die Tat verurteilt. »Ich möchte niemanden unter Generalverdacht stellen«, sagt er, »aber seit die Asylanten vor zwei Jahren kamen, ist hier alles anders.« Tatsächlich ist die Zahl der Straftaten, die in Heilbronn von Flüchtlingen begangen wurden, 2016 gegenüber dem Vorjahr um 52,4 Prozent gestiegen. Eine Zahl, die Meiers Sicht auf die Stadt bestätigt, einerseits. Andererseits sagt ein Mitarbeiter der Heilbronner Polizei, Flüchtlinge seien meist junge Männer – und die seien in der Kriminalstatistik eben immer stark vertreten. Bessere und schlechtere Migranten Vor der Bar Moderno, einem Eiscafé, bleibt Meier stehen und deutet auf einen Aufkleber, der an der Scheibe neben dem Eingang klebt: ein weißer Kreis, darauf in Schwarz eine abwehrende Hand. »›Halt! Bis hierhin und nicht weiter!‹ bedeutet das Symbol«, sagt Meier. Es ist das Logo seiner Initiative, sie heißt »Helfende Hand«. Meiers Idee ist es, safe points einzurichten, Schutzräume. Wenn sich jemand bedroht fühlt, kann er dort Zuflucht suchen. Auf den Gedanken kam er im Sommer 2016. Eines Abends stand Gero Meier verschwitzt am Tresen des Boxstudios, in dem er unterrichtet. Das Training war beendet. Zeit zum Nachdenken: In letzter Zeit hatte er unten am Neckar immer seltener Frauen gesehen, die alleine joggten. In letzter Zeit waren immer mehr Frauen und Kinder in sein Studio gekommen, weil sie lernen wollten, sich selbst zu verteidigen. In letzter Zeit traute sich seine Frau abends nicht mehr alleine in die Stadt. Wo kann man sich überhaupt noch sicher fühlen, fragte sich Meier. Er legte seine linke Hand auf einem Kopierer, die erste »helfende Hand«. Er ließ Aufkleber und Flyer bedrucken, schrieb einen Post auf Facebook. »Wir stellen unser Boxstudio für alle Menschen, die auf den Straßen Heilbronns belästigt – bedrängt – unsittlich belästigt werden als Fluchtpunkt zur Verfügung. (...) Wir halten solange unsere schützende Hand über die Schutzsuchenden, bis die Gefahr gebannt ist.« Als sich im vergangenen Jahr 100 Bürger in Heilbronn versammelten, um für mehr Sicherheit zu protestieren, trugen viele Demonstranten ein weißes T-Shirt mit einer helfenden Hand drauf. Meier, obwohl der Meinung, Merkel müsse weg, sagt, er wähle gar nicht die AfD, die sei genauso unglaubwürdig wie alle anderen Parteien. Aber wen Meier wählt, ist nicht mehr so wichtig, die Sache ist längst größer als er. Lokale Zeitungen und Online-Medien berichteten über Meiers Initiative und nannten sie eine Bürgerwehr. Es gab Kritik von Politikern. Thomas Strobl, der Innenminister von Baden-Württemberg, sagte: »Die Sicherheit ist bei der Heilbronner Polizei in besten Händen.« Gero Meier findet das nicht. Er findet, die Polizei könne Heilbronn nicht mehr schützen. Und viele Bürger scheinen das ähnlich zu sehen. Fast 200 Geschäfte hätten inzwischen die Hand im Fenster, sagt Meier. Die Mode-Boutique Marangò ist dabei, das Speiselokal Çiğköftem, das Haarstudio Hair Style by Carmen, die hairlounge Thomas Muth, das Breakfast 3.0, die Fahrschule Marino, das Restaurant Bella Vista, Damerau’s Imbiss, die Charlotten Apotheke, die Elegance Shisha Cocktail Lounge. Dabei fällt auf: Einen deutschen Namen haben die wenigsten dieser Geschäfte. Auch Meiers Thai-Box-Studio ist »multikulti«, wie er sagt. Dort trainieren Boxer aus der Türkei, Vietnam und Italien. Also kein Ausländerhass? Syrer und Iraker will Meier nicht in seinem Club haben. »Ich bringe doch meinen Gegnern nicht auch noch meine Kampftechniken bei.« Es scheint eine ausgefeilte Rangordnung zu geben in Heilbronn. Bessere und schlechtere Migranten. Der Status richtet sich offenbar danach, wie lange jemand schon im Land ist. Auch das ist eine Statistik aus der Stadt: Die Migrantenquote beträgt 51 Prozent – mehr als die Hälfte der Einwohner haben ausländische Wurzeln. Anna Kerbel erinnert sich noch an Kemerowo, Sibirien. Das Kribbeln auf den Hanix Nr. 52 Kickboxtrainer Gero Meier (rechts) von den »Thaibulls Heilbronn« ist Initiator der »Helfenden Hand« STÄDTLE IN ANGST

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Wangen bei minus 40 Grad. Der Schulunterricht, der abgesagt wurde wegen der Kälte, was sie nicht mitbekam, weil sie kein Radio hatten. Die Fahrten zum Sprachkurs, wo die Mutter Deutsch lernte, damit die Familie die Erlaubnis bekam, in die Bundesrepublik überzusiedeln. Auch an die Ankunft in Frankfurt (Oder) erinnert sich Anna Kerbel. 1998 war das, sie war neun, etwa so alt wie ihre Tochter jetzt – und damals das einzige Kind der Klasse, das kein Deutsch sprach, »die einzige Ausländerin«, sagt sie und korrigiert sich sofort, als müsse sie sich selbst noch einmal einprägen, was sie sein möchte. »Obwohl ich ja keine Ausländerin war«, ergänzt sie also, »ich war ja Deutsche.« Die Schüler, die sie mobbten, nannten sie aber anders: »du Russin«. So, sagt Anna Kerbel, sei es allen Deutschrussen gegangen. »Wir mussten erst mal beweisen, dass wir Deutsche sind.« Und heute? Als ihre eigene Tochter eingeschult wurde, war die das einzige Kind mit deutschem Namen, »fast hätte ich geheult«. Es war genau umgekehrt wie damals. »Es ist nicht mehr das Deutschland, in das ich einmal gekommen bin.« Daran musste Anna Kerbel denken, als sie am Sonntag vor einer Woche um kurz vor sechs durch Heilbronn lief, nach einem Fußballturnier in letzter Minute unterwegs zum Wahllokal, das Kind an der Hand, das Handy am Ohr. »Ich muss Deutschland retten!«, rief sie ihrer besten Freundin durchs Telefon zu. Dann setzte sie ihre zwei Kreuze bei der AfD. »Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gewählt«, sagt sie. Noch fünf Tage später wirkt sie bewegt von diesem Moment, in dem sie wichtig wurde für ihr Land, zuvor war ja immer nur das Land wichtig gewesen für sie. Anna Kerbel ist jetzt 28. Eine Frau, die gern und oft lacht. Ihre Zweizimmerwohnung in der Innenstadt von Heilbronn ist frisch renoviert. An den Wänden kleben Tapeten mit großem floralem Muster, auf dem Küchenschrank steht ein Thermomix, im Schlafzimmer ein XXL-Fernseher und ein Hometrainer, auf dem sie frühmorgens ihre Übungen macht. Anna Kerbel war in diesem Jahr dreimal im Urlaub, zweimal in der Türkei, einmal auf Mallorca. Sie sagt: »Ich kann gut mit Geld umgehen.« Dass sie alleinerziehend ist, empfindet sie nicht als Drama, der Vater ihrer Tochter kümmert sich. Der neue Freund baut gerade ein Haus in einem Vorort, vielleicht wird sie dort einmal wohnen, aber eigentlich gefällt es ihr in der Stadt besser. Zur Grundschule der Tochter sind es fünf Minuten zu Fuß, zum Einkaufszentrum sieben, zur Arbeit fünfzehn. Überhaupt, die Arbeit. Die sei das Beste an ihrem Leben, sagt Anna Kerbel. Sie ist bei Obi an der Kasse. Wenn sie freihat, fehlen ihr die Kunden und die Kollegen. In der Heilbronner Gemeinschaft der Russlanddeutschen ist die Zustimmung zur AfD besonders hoch – in manchen Wahlbezirken um die 30 Prozent. Die Wahllokale liegen in jenen Stadtteilen, in denen es anders aussieht als in Ostheilbronn, wo Franziska Gminder wohnt. In den Wohnblocks von Heilbronn-Böckingen, im Viertel »Auf der Schanz«, ist eine deutschrussische Parallelgesellschaft entstanden, mit einem russischen Reisebüro und einem russischen Supermarkt, der 85 Wodkasorten führt. Es gehört zur Tragik des Integrationsprozesses, dass es schwer ist, die Entstehung solcher Parallelgesellschaften zu verhindern. Menschen, die an einem Ort neu ankommen, suchen die Geborgenheit der Gruppe. Häufig verwandelt sich die Geborgenheit in Gefangenschaft, lebensweltlich gesehen, nämlich dann, wenn eine Ablehnung aus der Mehrheitsgesellschaft dazukommt. Homogene Grup- SELBSTBESTIMMUNG MITEINANDER FREIHEIT SPASS NACHBARSCHAFT TEILHABE * Werde MitbewohnerIn unserer inklusiven Wohngemeinschaften in Heilbronn! Lebe Inklusion – unterstütze deine MitbewohnerInnen mit Handicap. Dafür gibt es nicht nur viel Spaß miteinander, sondern auch einen finanziellen Ausgleich. Weitere Informationen: www.oh-heilbronn.de Kapitel Buntes Wohnen in Heilbronn Zimmer frei! Job dabei!* itbewohnerIn in einer Fragen? Jana Kochub Offene Hilfen gGmbH Keplerstraße 5 74072 Heilbronn M: j.kochub@oh-heilbronn.de T: 0157 71582257

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pen, sagt der Soziologe Heitmeyer, seien deshalb besonders problematisch, weil es in ihnen keine Gegenargumente gebe. Ihre Mitglieder schaukeln sich in ihrem Denken oft gegenseitig hoch. Ein Prozess, der schwer zu stoppen ist. In ihrer kleinen Küche erzählt Anna Kerbel bei starkem Tee und mit starkem russischem Akzent von ihren vielen russischen Freunden, vom Strand von Mallorca und von den Kollegen im Baumarkt. Zwischen harmlosen Anekdoten sagt sie lächelnd Monströses: »Ich sage meiner Tochter, dass sie mit Flüchtlingskindern nicht spielen soll.« Anna Kerbel nimmt ihr Smartphone vom Küchentisch und tippt auf ein Play-Symbol. Eine Audiodatei wird abgespielt: ein Witz. Sitzt ein Flüchtling vor einer Fee. Er hat drei Wünsche frei. Der erste – der Flüchtling will Geld – wird ihm erfüllt. Der zweite – ein Haus – auch. Dann wünscht sich der Flüchtling, er wolle Deutscher sein. Zack, ist das Geld weg, das Haus auch. Der Flüchtling beschwert sich: »Ey, was ist denn jetzt los?« Die Fee sagt: »Du bist jetzt Deutscher, wenn du was willst, geh arbeiten.« »So ist das«, sagt Anna Kerbel. So fühlt es sich an für sie, Bürgerin von Deutschland seit 19, von Heilbronn seit 14 Jahren. Sie alle haben Angst Am vergangenen Sonntag, dem siebten Tag nach der Bundestagswahl, ist Franziska Gminder, die AfD-Abgeordnete aus Heilbronn, doch noch zu einem Gespräch mit der ZEIT bereit, 20 Minuten am Telefon. Sie erzählt, dass sie 1945 in Gablonz an der Neiße, im heutigen Tschechien, als Franziska Wiegel geboren wurde, als Tochter einer Sudetendeutschen und eines österreichischen Offiziers. Sie erzählt, dass sie Vertriebene sei. Franziska Gminder studierte Wirtschaftswissenschaften in Wien, sie heiratete, zog nach Deutschland, später machte sie noch eine Ausbildung zur Gemmologin, zur Edelsteinprüferin. Gearbeitet aber habe sie vor allem für ihre Familie. »Ich habe mich um meine drei Töchter gekümmert und um die Steuererklärung meines Mannes.« Ihre Töchter waren längst aus dem Haus, als Gminder, die immer gern Leserbriefe schrieb, vor allem an die Heilbronner Stimme, sich vor vier Jahren, mit 68, entschied, in die Politik zu gehen. »Aus Sorge um Deutschland«, wie sie sagt. Im April 2013 war sie dabei, als sich in Berlin die AfD gründete. Drei Monate später entstand der Kreisverband Heilbronn, Gminder leitete ehrenamtlich die Geschäftsstelle. Jetzt, im Wahlkampf, sprach sie auf Podiumsdiskussionen davon, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre und die Grenzen geschlossen werden sollten. Ihre Töchter waren stolz, sagt Gminder. Wann immer es im Telefongespräch um Deutschland geht, klingt Franziska Gminder aufgebracht. »Also, ich bitte Sie, wenn es heute schon verpönt ist, das Deutschlandlied zu singen, das ist doch eine Schande! Gesunder Patriotismus in Deutschland ist wohl strafbar.« Franziska Gminder sagt oft: »Also, ich bitte Sie.« Im März 2015 unterschrieb sie die Erfurter Resolution, initiiert von den AfD-Politikern Björn Höcke und André Poggenburg. Die Resolution ist so etwas wie die Gründungsurkunde des sogenannten »Flügels«, des rechtsextremen Teiles der AfD. Im Text heißt es, die AfD sei eine »Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit usf.)« und eine »Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands«. Im Bundestag will Franziska Gminder sich dafür einsetzen, dass »Recht und Gesetz wieder zurückkehren«. Es gibt etwas, das die meisten Personen in diesem Artikel verbindet, Werner Schmidt, Gero Meier – sie alle haben Angst, sie fürchten sich vor Jobverlust, Kriminalität oder Überfremdung. Es ist die AfD, die verspricht, die Bürger von solchen Ängsten zu befreien. Interessant ist, dass auch die Frau, die von der Angst profitiert, ein wenig furchtsam wirkt. Nach der Wahl hat Franziska Gminder ihren engen Freunden und den Mitgliedern ihres Kreisverbandes eine E-Mail geschickt, 339 Wörter lang, sie nennt sie ihr persönliches Manifest. Der Text ist gerichtet an die »lieben Parteifreunde, lieben Wähler und lieben Nichtwähler«. Gminder schreibt: »Natürlich stehe ich der Aufgabe, die sich mir stellen wird, auch mit einer gewissen Beklemmung gegenüber, ob ich sie voll meistern werde. Aber mit Gottvertrauen und hoffentlich weiterhin guter Gesundheit bin ich bereit.« Das liest sich, als könne Franziska Gminder, 72, selbst kaum fassen, wie weit man mit Angst mittlerweile kommen kann. ◆ Hanix Nr. 52 Die Heilbronnerin Franziska Gminder, Mitglied der AfD Bundestagsfraktion in der 19. Legislaturperiode STÄDTLE IN ANGST

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Kunstpreis Worpswede 2017: DETLEF BRÄUER, KARL MAY und ULI PETER haben den ersten Preis gewonnen. Das Thema lautete »Auto – Macht – Mobilität«. Text und Fotos von Leonore Welzin Gratulation zum ausgezeichneten »Reisemobil« Künftig werden die Menschen ihre Fortbewegungsmittel flexibel kombinieren: Micromodal (es werden mehr Zweiräder, E-Bikes und Elektroroller genutzt), intermodal (Menschen wechseln täglich mehrmals das Verkehrsmittel, nutzen Bus, Bahn, Leihauto und Mietfahrrad) sowie multimodal (man wählt sein Verkehrsmittel situationsbedingt). Warum sollten nur Automobilhersteller, Verkehrsexperten und Politiker über das wichtige Thema Mobilität nachdenken? Der Kunstpreis Worpswede 2017 gibt internationalen Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit, sich in ihrer Art zum Thema zu äußern. Bahnbrechende Ideen werden nicht selten von der Kunst geboren. »Auto – Macht – Mobilität«, das ist unser Thema, denken Detlef Bräuer, Karl May und Uli Peter und schicken kurz entschlossen ihr »Reisemobil – universelle Mobilität« ins Rennen nach Worpswede. Erfreut, dass ihr Unikat unter den 50 Nominierten ist, die in einer Wanderausstellung öffentlich präsentiert werden, kommt im September die Überraschung: »Der 1. Preis geht an die Künstlergruppe BMP, Detlef Bräuer, Karl May und Uli Peter«. Kaum war die Meldung über den Ticker, schossen die Reaktionen in die Höhe. Die Rede ist vom Kunstpreis Worpswede 2017, mit dem das Heilbronner Künstlertrio Ende September ausgezeichnet wurde. Zu den ersten Gratulanten gehören Matthia Löbke (Leiterin des Kunstvereins Heilbronn), Dieter Brunner (Museumschef i.R.), Natalie Scheerle-Walz (Leiterin Deutsches Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm), Gunther Stilling (Bildhauer, Güglingen) und Claudia Ihlefeld (Kulturredakteurin Heilbronner Stimme). Beheimatet im Kunst- und Kulturwerkhaus Hanix Nr. 52 Karl May, Uli Peter und Detlef Bräuer (von links) gewannen mit ihrem »Reisemobil« den Kunstpreis Worpswede 2017 KULTUR

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KULTUR Zigarre, hat sich das dreiköpfige Team im Laufe seiner Zusammenarbeit bei unzähligen Ausschreibungen beworben, Konzepte entwickelt, Entwürfe und Modelle eingereicht – zuletzt für die BUGA 2019 in Heilbronn. Trotz bester Kritiken sind die Resultate nur selten, zu selten vom Erfolg der Realisation gekrönt. Aber es geht auch anders. Offenbar muss man sich nur weit genug vom kulturellen Epizentrum Heilbronn entfernen und nicht aufgeben. Der Kunstpreis Worpswede will offensichtlich keine »l’art pour l’art«-Veranstaltung sein: »Globalisierung, Urbanisierung, Digitalisierung, Ressourcenknappheit: Die Herausforderungen für die Mobilität der Zukunft sind hoch«, heißt es im Ausschreibungstext. Die Zukunft des Automobils werde von Effizienzsteigerung und fortschreitender Elektrifizierung des Antriebsstrangs sowie von sich verändernden Mobilitätsmustern und der fortwährenden Digitalisierung bestimmt sein. Alles ziele auf einen Paradigmenwechsel im Automobilbau, der nicht nur die Komplexität, sondern auch die Anforderungen an eine ganzheitliche sowie systemische Denkweise erhöhe. Das »Reisemobil«, eine fahrbare Stahlkonstruktion mit drei fest installierten Schulstühlen, frontseitigem Bildschirm mit angeschlossenem DVD-Player sowie heckseitig angebrachtem Postkarten-Ständer und Kasse, ist ein gewitzter Kommentar zum Thema universelle Mobilität. Das erkennt auch die Jury: »Das Reisemobil – universelle Mobilität zeichnet sich durch seine Vielschichtigkeit zum Thema auf der realen und medialen Ebene aus. Das Reisen in einem Mobil, die Gleichzeitigkeit von realer Erfahrung des Reisens und der Windschutzscheiben-Perspektive des Bildschirms mit Videosequenzen wirken sehr assoziativ«, begründet sie ihre Wahl. Seit 30 Jahren beschäftigt sich BMP mit Wahrnehmungen des Raumes. Naheliegend für alle, die sich mit Räumen, Raumgrenzen und Grenzerfahrungen befassen, ist Reisen. Wie alle Reisenden kehrt BMP mit Bild- und Textmaterial zurück, das sich von üblichen Reiseberichten, -fotos und -filmen unterscheidet. Abseits ausgetretener Pfade vergrößert das Künstlertrio den Blickwinkel, dreht die Blickachse um ein paar Grad und greift Dinge im Schatten milliardenfach abgebildeter Monumente auf: »Räume, scheinbar unwürdig gesehen zu werden, sind allesamt Spiegelbilder innerer Wahrheiten und gerade deshalb sehenswürdig«, so BMP. Die Strahlkraft der ehemaligen Künstler-Kolonie Worpswede sowie das Preisgeld von 18.500 Euro (1. Platz 10.000 Euro, 2. Platz 5.000 Euro, 3. Platz 2.500 Euro, Publikumspreis 1.000 Euro) sind verlockend: 350 Künstlerinnen und Künstler aus 29 Nationen haben sich beworben. 800 Exponate wurden von der Jury, zu der auch der Pionier der Konzeptkunst und emeritierte Kunstprofessor Timm Ulrichs gehört, begutachtet. Die Preise wurden am 30. September im Mobilitätsmuseum PS-Speicher Einbeck verliehen. Bis Ende Dezember werden dort Tausende von Besuchern die Ausstellung sehen. Ab Mitte Januar 2018 macht sie für zwei Monate in der Zentrale der Deutschen Bank in Hannover Station. ◆

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Neugier und Innovation waren zentrale Themen beim 5. deutschen Arbeitsmarktforum am 10. November in Neckarsulm. Im Vorfeld sprachen wir mit dem Autor und Pädagogen DR. CARL NAUGHTON über seine Keynote »Neugier – sich und anderen Lust auf Neues und Veränderungen machen«. Interview: Thomas Rauh , Foto: Promo Neugierige machen vieles besser Hanix: Herr Doktor, Neugier ist eher negativ belegt. Warum eigentlich? Dr. Carl Naughton: Wenn man schaut, wer oder was diese Neugier auf dem Gewissen hat, kommt man auch zum Begriff der »nosiness«, der Schnüffelei. Diese dunkle Seite trat bereits in der Antike auf: Adam und Eva warf sie aus dem Paradies. In der Antike erstarrten wegen ihr Menschen zu Salzsäulen, wurden zu Hirschen oder mit »Doppeltsehen« gestraft. Das miese Image wurde durch Aristoteles begründet, der zwischen »thauma« (=Wundern) und »perierga« (= Schnüffeln) unterschied. Augustinus nahm die Fackel auf und beschrieb sie als »beschämend«. Erst John Locke drehte sie in ein besseres Licht. Was verstehen Sie unter Neugier? Wenn Sie die gängige Definition wollen, lautet die: Es gibt mehrere Arten von Neugier. Die Diversive (Interesse an vielen unterschiedlichen Dingen), die Soziale (Interesse an Menschen) und die Epistemische (der Wunsch nach Wissen). Wichtig ist nicht, was man darunter versteht, sondern welche man stärken möchte. In den beruflichen Kontexten, die unser Team untersucht, geht es um diesen Wissenshunger. Dem widmen wir gemeinsam mit Merck aus Darmstadt seit zwei Jahren unser weltweites Forschungsinteresse. Ganz wichtig: Der Wissensdurst korreliert nicht mit der Schnüffelei. Wer mehr wissen will, ist nicht automatisch »zu neugierig«. Ohne Neugier kein Ketchup, kein Auto, kein Internet. Welche Rolle spielt Neugier in der Menschheitsgeschichte? Die entscheidende Neugier ist in unserem Hirn fest verdrahtet. Das gehört zur Grundausstattung und ist kein optionales Extra. Archäologen der Uni Mainz, mit denen ich eine Ausstellung zur Entwicklung des menschlichen Verhaltens entwickeln durfte, konnten zeigen, dass zwei Kernverhalten dem Menschen erlaubten, schon vor vielen 10.000 von Jahren das Feuer zu bändigen, Speere zu entwickeln, deren Gewichtsverteilung denen heutiger Sportgeräte nahezu entspricht. Das waren das »Wissen wollen« und das »Dranbleiben«. Genau das sind auch im heutigen Berufsleben die Erfolgsfaktoren der Menschen mit hoher beruflicher Neugier. Was macht Menschen neugierig? Gerade entwickeln wir für ein weltweites Technologieunternehmen mit Zentrale in Deutschland eine Kampagne, die die beiden Richtungen von Neugier nutzt, um Menschen Lust auf eine neue Software für ihren Arbeitsalltag zu machen. Dazu nutzen wir die beiden Wirkrichtungen von Neugier: von außen nach innen und von innen nach außen. Beides wird von »Informationslücken« gesteuert. Wenn Menschen merken, dass ihnen eine Information WIRTSCHAFT Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 fehlt, um etwas zu verstehen, springt nahezu automatisch ein Suchmechanismus an, der diese Lücke füllen will. Das entsteht zum Beispiel durch konfligierende Informationen oder irritierende Erlebnisse. Wie lässt sich menschliche Neugier in Innovation und Veränderung transformieren? Die Verknüpfung ist bei Weitem nicht so einfach, wie es manche Berater suggerieren. Wir sind der Frage mit dem Unternehmen Merck ernsthaft nachgegangen und sind Teil des Curiosity Councils, der weltweit Tausende von Menschen in puncto beruflicher Neugier misst. Zwei wichtige Meilensteine haben wir bereits erreicht. Erstens konnten wir zeigen, dass berufliche Neugier aus vier Dimensionen besteht: Dem Drang nach Wissen, der Fähigkeit, viele Wege zur Lösung eines Problems zu suchen, der Offenheit, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und der Kraft, die Anspannung auszuhalten, die mit der Unsicherheit und Komplexität des Neuen einhergeht. Das zweite Ergebnis ist die Lab Partnership, in der Unternehmen in den vier Dimensionen der Neugier trainiert werden. Klares Ziel ist es, die Innovationskraft zu stärken. Wir stehen kurz vor den Abschlussergebnissen des Trainings mit Porsche Consulting, dem Weizmann Institute und Merck Performance Materials. Die Halbzeitergebnisse haben bereits klar gezeigt: Die vier Dimensionen zu trainieren wirkt sich auf die Innovationskraft aus. Die Abschlussergebnisse stehen Mitte November zur Verfügung. Warum sind neugierige Mitarbeiter so wichtig? Bereits 2012 untersuchten Kollegen von der Universität Würzburg die berufliche Neugier. Ergebnis: Neugierige Menschen lernen leichter, sind gewissenhafter und tun sich leichter damit, mit sich permanent verändernden Anforderungen umzugehen. Und 2015 zeigte unsere Studie der Braincheck GmbH: Neugierige Menschen sind auch die kreativeren Kollegen. Menschen mit einem überdurchschnittlichen Neugierscore hatten bis zu 40% mehr und dazu die ungewöhnlicheren Ideen. Fazit: Der Neugierquotient einer Firma, also das Neugierverhalten aller Mitarbeiter, entscheidet über ökonomischen Erfolg oder Misserfolg – nur neugierige Unternehmen sind zukunftsfähig. Sie sprechen davon, dass Neugier nachhaltige Nebenwirkungen hat. Welche sind das? Neugierige schneiden bei beruflichen Herausforderungen besser ab, sie leben nachweislich länger, haben mehr Selbstvertrauen, höhere Merkfähigkeit, kommen auf bessere Ideen und erleben auch mehr Sinn im eigenen Leben. Aus Unternehmenssicht lässt sich diese Liste komplettieren: Neugierige Talente müssten Unternehmen besonders willkommen sein, denn die Vorteile von Menschen, die sich durch hohe »berufliche Neugierscores« auszeichnen, also im Job großen Wissensdurst an den Tag legen, sind schon länger bekannt: Studien in Unternehmen von 2013 zeigen, dass Neugierige leichter mit Veränderungen zurechtkommen, gewissenhafter arbeiten und insgesamt bessere Leistungen erzielen. Erfolgreiche Unternehmen investieren in die Neugier – und sparen so Geld. Liest man Stellenanzeigen, taucht dort Neugier nicht als Eigenschaft auf, die gesucht wird. Was muss sich ändern, damit Neugier als zentraler Baustein für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens anerkannt wird? Neugier als Teil der Job Description war genau der Grund, warum die job-bezogene Neugier überhaupt untersucht wurde. Die Forschungsfrage kam nicht aus der Uni, sondern wurde von einem Automobilzulieferer losgetreten, der gezielt Mitarbeiter finden wollte, die Lust am Lernen mitbringen. Außerdem: Neugier taucht permanent in Stellenanzeigen auf. Beispielsweise bei Rossmann SEI NEUGIERIG! oder beim TÜV Süd. Internationale Unternehmen haben es bereits erkannt. Die Frage sollte vielmehr sein: Warum erkennen das nicht viel mehr Unternehmen? Sie sagen, Neugier ist erlernbar. Mit welchen Mitteln kann man berufliche Neugier gezielt erzeugen? In unserer Arbeit im Curiosity Council konnten wir zeigen: Diese Neugier ist kein wachsweicher Mix aus Schnüffelei und Flatterhaftigkeit. Sie ist ein solider mentaler Skillset. Der besteht aus vier klaren Dimensionen: Erstens, wie gerne wir unbekannte Dinge, Situationen und Menschen kennenlernen und Fragen stellen. Zweitens, wie wir mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit umgehen. Drittens, wie sehr wir es genießen, Meinungen zu erkunden und zu verstehen, die gegensätzlich zu unseren eigenen sind. Und wie tief wir gerne in Neues, Komplexes vordringen wollen, um es zu verstehen. Diese Dimensionen unserer Persönlichkeit haben wir alle. Manche mehr, manche weniger. Und: Sie sind veränderbar. Wir haben ein Trainingsprogramm dazu entwickelt. Der Kick-off fand mit Porsche Consulting, dem Weizmann Institute aus Israel und der Performance Materials Abteilung von Merck statt. Das Training besteht aus maßgeschneiderten, evidenzbasierten Taktiken, die helfen, das Verhalten der vier Dimensionen zu stärken. Warum ist Kreativität so wichtig für den Entwicklungsprozess? Neugier ist die helle Seite der Entwicklung, sie ist der Treibstoff für Innovation, wie wir unsere Studie für das Zukunftsinstitut untertitelten. Aber eines muss man dabei immer beachten: Neugier kann Angst machen. Wir Menschen wollen generell vorhersagen, verstehen und kontrollieren, was uns widerfährt. Das fällt naturgemäß leichter, wenn wir uns in bekanntem Terrain bewegen. Jack Gonzalo von der Cornell University hat in solchem Verhalten den Treiber für eine regelrechte Ideenangst in Unternehmen ausgemacht – eine richtige »Ideophobie«. Denn obwohl Menschen und Unternehmen dauernd sagen, sie wollen kreative und innovative Lösungen, lehnen sie genau die in Wirklichkeit oft ab. Welchen Einfluss hat eine florierende Kunst- und Kreativszene auf die Innovationsfähigkeit einer Region? Wenn Sie von den Rezipienten als ein Zeichen der Experimentierfreude und als ein Angebot des Eintauchens in vielfältige Erlebnisse verstanden und erlebt werden kann, wirkt sie wie ein Neugierturbo. Entscheidend dafür sind zwei Dinge: das Sichtbar-Machen der Kontaktpunkte zwischen beiden Dimensionen und zweitens: Wie stark Unternehmen diese Kreativ- und Kunstszene in die eigene Welt eintauchen lassen. Der Austausch bringt die Innovationskraft, nicht allein das bloße Vorhandensein einer Kreativszene. ◆ ZUR PERSON: Dr. Carl Naughton ist Keynote Speaker zu den Themen Veränderung, Kreativität, Kommunikation und Neugier. Er gehört zu einem Team von erfahrenen Linguisten und Bildungswissenschaftlern: der Braincheck GmbH. Sie forschen in den Bereichen »Sprache«, »Denken« und »Neugier«. Dr. Naughton ist der Redner im Team. Mehr als 10 Jahre arbeitet der Deutsch-Engländer in Forschung und Lehre. Gute 20 Jahre steht der ausgebildete Schauspieler auf der Bühne.

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Von Dr. Bernhard Stumpfhaus KARLHEINZ KIRCHLER Sachorientierung als Paradigma der Kunst Das Theatervolk, so werden wir von Klassikern wie Shakespeares Sommernachtstraum oder Goethes Wilhelm Meister unterrichtet, entspricht nicht der stoischen Affektordnung bürgerlichen Zuschnitts. Es gilt in seiner emotionalen Impulsivität und Spontanität als unberechenbar, gleichsam als das affektive Gegenstück zur Disziplin dienstleistender Handler und Wandler. Doch niemand sollte sich von Romanwerkstätten, diesen Institutionen der Fake-News, in seinem Urteil trüben lassen. Karlheinz Kirchler ist seit 1998 Theatermaler und -plastiker am Theater Heilbronn. Von der Pike auf wurde er von Herbert Kübler, dem ehemaligen Abteilungsleiter des Malsaales des Theaters, ausgebildet. Kirchler selbst ist Lehrmeister bundesweit agierender Künstlerprominenz, etwa von Lisa Maria Klotz (LMK) oder Stefan Dietrich (Stefan D.). Wenn jemand weiß, wie Theater funktioniert, dann Kirchler. Schauspiel ist Struktur und realisiert sich in präzisen und distinkten Prozessen. Die große Illusion der Bühne ist weniger, dass hier dem Betrachter eines für etwas Anderes vorgestellt wird. Vielmehr ist es eine Illusion sich einzubilden, das Theater als Institution der freien Kunst käme aus ohne Ordnung und Disziplin. Kirchler beschreibt das Prozedere bei der malerischen wie plastischen Ausführung eines Bühnenraumes als Illusionsraum in genau gesetzten Abläufen: Zuerst entscheiden Dramaturgie und Intendanz die Auswahl der in einer Saison aufzuführenden Stücke. Danach werden die Regisseure mit ihren Ausstattern ausgesucht und engagiert. Letztere machen sich Gedanken über die visuelle Gestaltung der szenischen Räume ihrer Stücke und deren Materialien. Diese Konzeptionen schlagen sich nieder in einem exakt maßstäblichen Modell der Bühne, welches dann an den Malsaal weitergereicht wird. Das Modell wird nun von dieser Abteilung kalkuliert und an die einzelnen Werkstätten weitergereicht. Zu den Modellen kommen vom Malsaal Muster etwa für Bodenbeläge oder Wandflächen der zu gestaltenden Szenerie. Diese schaut sich der Bühnenbildner an und nimmt sie ab. Im Weiteren ist die besondere Kreativität gefragt bei der Kalkulation für die Umsetzung des Modells zum Bühnenbild. Das muss einerseits kostengünstig und schnell ausgeführt, andererseits wunschgemäß, in echt für die Bühne realisiert werden. Für den Theatermaler und -plastiker Kirchler heißt das, die Modelle so sachlich wie möglich auszuführen. Die Materialien müssen stimmen, die Farben, die räumliche Perspektive, die Objekte müssen so plastisch und realistisch wiedergegeben werden wie nur möglich. Dazu werden Studien durchgeführt, Vorlagen aus dem Alltag der Welt draußen angefertigt. Kreativität besteht hier darin, die Vorgaben, so exakt wie es geht, umzusetzen. Neben dem Malsaal erhalten auch die Schreinerei und Schlosserei ihre genauen Pläne. Die Teile für die Bühne werden separat hergestellt. Etwa zwei Wochen vor der offiziellen Premiere erfolgt die TE (Technische Einrichtung). TE bedeutet die erstmalige Installation aller verfertigten Teile auf der Bühne. Nach der TE bleibt mit vierzehn Tagen genügend Zeit für Änderungen und Fertigstellung. Wie ein modernes Unternehmen so hat auch das Theater seine terminlichen Herausforderungen. Während das eine Bühnenbild der Premiere zugeführt wird, wird schon ein nächstes vorbereitet. Aktuell – im Moment des Schreibens dieses Artikels – heißt das: Während sich die Szenerie des Märchens Pinocchio nach der TE, in der unmittelbaren Vorbereitung für die Premiere am 05.11. im Großen Haus befindet, wird bereits die Bühne für ein weiteres Stück, Venedig im Schnee, mit Premiere am 24.11. im Komödienhaus in den einzelnen Werkstätten fertiggestellt. Gerade diese knappe Folge unterschiedlicher Aufführungen stellt für Kirchler ein weiteres Kriterium für das, was ihm Kreativität ist: der schnelle Wechsel der Herausforderungen, die raschen Veränderungen der visuellen Vorgaben und der damit verbundenen neuen Materialien, die es zu beherrschen gilt. Kreativität in diesem Zusammenhang ist strenge Sachlichkeit. Der Theatermaler und -plastiker Karlheinz Kirchler bezieht seinen Stolz als bildender Künstler daraus, ein versierter Techniker im Malen und Zeichnen zu sein, über ein gutes Auge zu verfügen, Räumlichkeiten und Texturen auf der Bühne so vorzustellen, wie sie gesehen werden, und eben, sich auf neue Aufgaben und Materialien einlassen zu können. Dass Freiheit der Kunst für Kirchler nicht willkürliches Phantasieren bedeutet, zeigt er auch in seinen Beschäftigungen als Aquarellmaler. Diese Art nutzt er als Feld, sein Auge zu schulen, seine Technik zu verfeinern. Er will einfangen, was er sieht: ein richtiges Motiv, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Und so gilt denn auch für den Maler und Plastiker Kirchler das Wort des Dichters: »Auch die Freiheit muss ihren Herren haben.« Und dieser Herr heißt Sachlichkeit. Karlheinz Kirchler stellt seine Arbeiten unter dem Titel: Heilbronn – Aquarelle, bis zum 28. Februar 2018 in der Galerie Seiler, Hafenmarktpassage, aus. Es ist dort auch der Kalender Heilbronn 2018 zu erwerben. © Karlheinz Kirchler, 15°° Schatten! Stadtbahn, Münster, Kraftwerk, Bleistift auf Papier, 21,3 x 27,7 cm KUNST Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 KUNSTVEREIN BRACKENHEIM Zeitgenössische Ästhetik in historischem Ambiente Fährt man von Heilbronn nach Brackenheim, am Hörnle vorbei, die L1106, dann ist das eine sehr idyllische Fahrt, eine ›Tour de Ländle‹ durch freundliche Weinberge und muntere Streuobstwiesen. In der Stadt selbst dominieren Fachwerk- und steinerne Gebäude zwischen Mittelalter und Rokoko. Man sitzt behaglich auf dem Marktplatz und lauscht zur Mittagszeit dem nahen, ehrwürdigen Kirchengeläut der Jakobuskirche in as, des und f; wohl das älteste in Württemberg. Schaut man sich im ehemaligen württembergischen Oberamtsstädtchen um, könnte man auf die Idee kommen, hier sei Heimat möglich. Andererseits ist Brackenheim als die größte Weinbaugemeinde Württembergs und die zweitgrößte im gesamten Bundesland eine Industriestadt, konnte die Gemeinde in den Personen ihrer berühmten Söhne Theodor Mögling, dem demokratischen Revolutionär von 1848, und Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten nach dem Krieg, maßgeblich die Geschichte dieses Landes mitprägen. Eine Stadt, die, wie Brackenheim, um Ausgleich ringt in der Spannung zwischen arkadischer Seligkeit und rühriger Gegenwärtigkeit, braucht ein kulturelles Labor, welches sich dem Disparaten stellt, nach der Balance sucht zwischen dem Brauchtum der Heimat und den Kontroversen eines globalisierten Alltags. Der Kunstverein in Brackenheim ist ein solcher Ort. Zuständig für die Präsentation zeitgenössischer Kunst ist schon die Unterbringung des Vereins symbolisch zu begreifen für jene experimentelle Ausgleichsbewegung. Der Ausstellungsraum befindet sich in einem Gebäude der Altstadt, einem stattlichen Fachwerkhaus aus dem Jahre 1700, welches der damaligen geistlichen Verwaltung als Bindhaus und Fruchtkasten diente. Noch heute, nach seiner Renovierung 1999, zeigt der Raum mit einem zentralen hölzernen Stützpfeiler, seiner zwei, durch eine Stufe getrennten Ebenen und einem runden, gut sichtbaren Kellerhals seinen historischen Charakter. Andererseits ist der Raum völlig weiß gehalten, modern beleuchtet und zeigt damit seine Ambition, KUNST die abstrakte Örtlichkeit einer white-cube- Galerie zu realisieren. Die Künstler müssen sich in der Präsentation ihrer Arbeiten auf diese speziellen Gegebenheiten einlassen und entscheiden, wie sie mit ihren Arbeiten den Spagat zwischen Geschichte und ihrer eigenen Zeitgenossenschaft bewerkstelligen. Der Kunstverein ist in Baden-Württemberg kulturell fest eingebunden. Seit 2011 besteht eine Kooperation mit der Kunststiftung Baden-Württemberg. Hieraus ergibt sich die besondere Chance, aktuelle und ehemalige Stipendiaten der Stiftung auszustellen. Seit November 2012 ist der Kunstverein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine. Ein wichtiger Programmpunkt ist es, auch mit begrenzten finanziellen Mitteln junge Künstler zu präsentieren, deren Gestaltungen einen gehaltvollen Beitrag zur aktuellen Kultur leisten. Da, wie in anderen derartigen Institutionen durchaus üblich, die Künstler auch selbst für ihre Veranstaltung werben und ihre Freunde und Förderer ansprechen, wächst der Bekanntheitsgrad des Vereins stetig. Es kann sogar vorkommen, dass die Wahrnehmung beispielsweise über das Internet wesentlich höher liegt als im Ort Brackenheim selbst. So entstehen weitverzweigte Netzwerke. Das Vorstands- und Kuratorenteam des Kunstvereins steht ebenfalls für den engagierten Cross-Over von Zeitgenossenschaft und Historie. Seit 2010 zeichnet Dr. Isolde Döbele-Carlesso als Vorsitzende verantwortlich für das Ausstellungsprogramm. Sie selbst ist studierte Kunsthistorikerin, leitet das Stadtarchiv Brackenheim. Ihr besonderes Interesse und ihre berufliche Verbindung mit der Geschichte der Stadt inspirieren sie immer wieder zu auch kunstgeschichtlich angeleiteten Projekten in der Region, oft in Zusammenarbeit mit namhaften Sammlern, Vertretern von Museen und alteingesessenen Würdenträgern. Unterstützt wird sie bei der künstlerischen Leitung durch ihren Ehemann Mirco Andrea Carlesso. Er studierte Malerei an der Kunstakademie in Venedig, arbeitet selbst als freischaffender Künstler und führt heute den Carlesso-Verlag mit vielfach preisgekrönten Publikationen. Georg Winter, Professor für Plastik und Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, komplettiert als 2. Vorsitzender und Ko-Kurator das Team des Kunstvereins. Als Kennzeichen seiner Kunst werden das temporäre Laboratorium, urbane Situationen und self-organizing-performances genannt. All diese Qualitäten machen sicherlich auch das künstlerische und kulturelle Engagement des Kunstvereins Brackenheim selbst aus, als Experimentierstätte zwischen heimatlicher Tradition und einer urbanen Kultur der Gegenwart. Im nächsten Jahr stellen folgende Künstler aus: Frauke Schlitz, Erik Sturm, Arvid Boecker und Michelin Kober. ◆ Kontakt: www.kunstverein-brackenheim.de Isolde Döbele-Carlesso in Aktion mit Georg Winter. Foto: Mirco Andrea Carlesso

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BATTLE OF THE SEXES – GEGEN JEDE REGEL Der Kampf der Geschlechter, auf den Sie alle gewartet haben! Im Tennisfilm »Battle of the Sexes – Gegen jede Regel« treten Emma Stone und Steve Carell zum Duell der Geschlechter an. Im Zuge der sexuellen Revolution und dem Aufschwung der Frauenbewegung wird 1973 in den USA der Schaukampf zwischen der weltweiten Nr. 1 des Frauentennis, Billie Jean King und dem Ex-Tennis-Champion und notorischen Zocker Bobby Riggs als »Battle Of The Sexes« angekündigt und mit 90 Millionen Zuschauern weltweit zum meist gesehenen Sportevent der Fernsehgeschichte. LAIBLE UND FRISCH – DO GOHT DR DOIG Im Kinofilm zur gleichnamigen Serie »Laible und Frisch« müssen zwei verfeindete Bäcker versuchen, ihre Streitigkeiten beizulegen. »Laible und Frisch - Do goht dr Doig« von Sebastian Feld gehört als Kinofilm zu der in schwäbischer Mundart produzierten SWR-Serie »Laible und Frisch«, die in den Jahren 2009 und 2010 erstmals in zwei Staffeln ausgestrahlt wurde und der später auch noch ein Theaterstück folgte. Nun also eine neue Geschichte für die Kinos. Hanix Nr. 52 In den Arthaus-Kinos im Dezember 2017 USA, Großbritannien 2017 FSK: ab 12 Jahren Länge: 120 Minuten Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris Darsteller: Emma Stone, Steve Carell, Andrea Riseborough, Sarah Silverman Während sich die beiden Rivalen inmitten der medialen Hysterie auf das Match vorbereiten, müssen sie privat weit komplexere Kämpfe mit sich selbst ausfechten. King, eine äußerst zurückhaltende Person, ist nicht nur eine Verfechterin der Gleichberechtigung, sondern kämpft auch mit ihrer eigenen Sexualität, als sie für ihre Vertraute Marilyn Barnett mehr als nur Freundschaft empfindet. Und Briggs, einer der ersten Selfmade-Promis des Medienzeitalters, kämpft mit dem Dämon der Spielsucht, der sein Familienleben und die Beziehung zu seiner Ehefrau Priscilla gefährdet. Billie Jean King und Bobby Riggs lieferten zusammen ein kulturelles Spektakel, das weit über den Tennisplatz hinaus wirkte, und Diskussionen in Schlafzimmern und Vorstandsetagen entfachte, die noch bis heute nachhallen. Dieser Geschichte wohnt eine Mischung aus subversiv schrägem Humor, liebevoller Milieuzeichnung, musikalischem Drive und einem feinen Gespür für die Absurdität zwischenmenschlicher Beziehungen inne, die sie vibrieren lässt. »Perfekt besetzter Crowd-Pleaser, der genau ins aktuelle Klima passt.« (VARIETY) ◆ In den Arthaus-Kinos im Dezember 2017 Deutschland 2017 FSK: ab 12 Jahren Länge: 90 Minuten Regie: Michael Rösel Darsteller: Simon Licht, Winfried Wagner, Ulrike Barthruff, u.v.a. Kleinbäcker Walter Laible (Winfried Wagner) kehrt verfrüht von einem Kuraufenthalt in seinen Heimatort Schafferdingen zurück. Seine Frau Marga (Ulrike Barthruff) und sein Sohn Florian (Matthias Dietrich) teilen dem Vater mit, dass sie aufgrund drückender Schulden Bäckerei und Heim verkaufen mussten – und zwar ausgerechnet an Walters größten Konkurrenten, den Industriebäcker Manfred Frisch (Simon Licht). Manfred scheint als endgültiger Sieger aus dem lang andauernden Bäckerstreit hervorzugehen. Doch auf Manfreds Höhenflug folgt jäh der unvermeidliche Absturz und er verliert sein Unternehmen. In seiner dunkelsten Stunde erhält Frisch jedoch eine interessante Information, die ihn wieder zurück ins Spiel bringen könnte. Er ersinnt einen gewieften Plan, um das Familienunternehmen wieder zurückzugewinnen. Dafür benötigt er allerdings die Hilfe seines Rivalen Laible … ◆ ARTHAUS-KINOTIPP

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AUSSERDEM IM KINO Star Wars: Die letzten Jedi Start: 14. Dezember Nachdem im letzten Jahr Rogue One die Vorgeschichte zu Episode IV erzählte und dabei erfolgreich von der Standard-Star-Wars- Formel abwich, führt Die letzten Jedi nun die Hauptgeschichte der Science-Fiction-Saga weiter. Der direkte Nachfolger zu Das Erwachen der Macht, der bereits 2015 in die Kinos kam, wartet wieder mit den bekannten Helden auf. Millionen Fans weltweit erwarten mit Spannung, wie das Treffen zwischen Rey und Luke Skywalker (Mark Hamill) ablaufen wird. Jumanji: Willkommen im Dschungel Start: 21. Dezember Nachdem vier Teenager ein altes Videospiel entdecken, finden sie sich plötzlich in der fantastischen Dschungelwelt des Spiels wieder: Jumanji. Dort lauern jede Menge Gefahren und Abenteuer auf die Gruppe, aber glücklicherweise schlüpfen die Schüler in die Rollen der Helden des Spieles, die sich jedoch grundlegend von ihren »echten« Leben unterscheiden. Nur gemeinsam kann die ungleiche Truppe einen Weg finden, um aus dem Videospiel zu entkommen. Wonder Wheel Start: 11. Januar Drama von Altmeister Woody Allen: Mickey Rubin (Justin Timberlake) verdient sein Geld im New York der 50er-Jahre als Bademeister am Strand, von Coney Island. Dabei erlebt er die irre Geschichte um das Ehepaar Ginny (Kate Winslet) und Humpty (Jim Belushi), die er nun erzählt: Beide arbeiten auf der Vergnügungsmeile am Strand als plötzlich Carolina (Juno Temple) wie aus dem Nichts auftaucht und für jede Menge Ärger sorgt. Downsizing Start: 18. Januar Die nahe Zukunft: Der Raubbau an der Erde sowie der exzessive Verbrauch von Ressourcen steigen immer weiter an, es droht der vollständige Kollaps unseres Planeten durch Überbevölkerung. Als norwegische Wissenschaftler jedoch eine Methode entwickeln, Menschen zu schrumpfen, scheint eine Lösung für alle Probleme gefunden zu sein. Zwölf Zentimeter kleine Menschen verbrauchen schließlich auch nur einen Bruchteil an Wasser, Sauerstoff und Platz; außerdem können sich in der neuen Miniaturgesellschaft auch Durschnittsverdiener ein luxuriöses Leben leisten. Wunder Start: 25. Januar August Pullman (Jacob Tremblay) ist ein zehnjähriger Junge, der wegen eines Gendefekts seit seiner Geburt mit einem entstellten Gesicht leben muss. Aus Angst vor Hänseleien haben »Auggies« Eltern Isabel (Julia Roberts) und Nate (Owen Wilson) ihn bis jetzt immer zu Hause unterrichtet, anstatt ihn auf eine Schule zu schicken. Das soll sich aber nun, mit Eintritt in die fünfte Klasse, ändern: Auggie möchte endlich eine Regelschule besuchen und Freunde finden. machen glücklich

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Hanix Nr. 40 42 Kapitel

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»Zeltmusikfestival« vom Popbüro Heilbronn-Franken & Hanix im Rahmen der Langen Nacht der Kultur, 7. Oktober, 23:53 Uhr (Foto: Meli Dikta) Hanix Nr. 40 Kapitel 43

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Von Besiktas Istanbul zurück zum VfB Stuttgart: Rechtsverteidiger ANDREAS BECK (30) tauschte die Champions League gegen Bundesliga-Abstiegskampf, Weltstadt am Bosporus gegen Schwabenmetropole am Neckar. Warum der neunmalige Nationalspieler das tat, weshalb er Stuttgarts Verkehr paradiesisch findet, wie er den Putschversuch in der Türkei erlebte und ob er Fußballromantiker ist, erzählt der »Heimkehrer« im Interview des Monats. Hanix Nr. 52 DER HEIMKEHRER INTERVIEW DES MONATS

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Hanix Nr. 52 Von Robert Mucha Fotos: Reiner Pfisterer Hanix: Du bist zurück bei deiner ersten Profistation und deinem Jugendverein. Kamen schon Heimatgefühle auf? Andreas Beck: Es ist ein neues aber doch auch altes Gefühl. Neu für mich ist die Mannschaft. Da braucht es eine Findungsphase für jeden, der neu dazu kommt. Aber hier in der Stadt treffe ich auf Heimat. Das Heusteigviertel, wo ich damals gewohnt habe, Cannstatt mit dem Stadion und Trainingsgelände oder meine alte Schule: Das alles sind Orte, an denen ich meine Jugend verbracht habe. Riecht Stuttgart noch wie früher oder ist frei Atmen in der Stadt schwieriger geworden? Mittlerweile sehe ich das mit anderen Augen. Stuttgart ist ein grünes Paradies im Gegensatz zu Istanbul, wo ich die letzten zwei Jahre gewohnt habe. Und hier beim VfB: Hast du noch bekannte Gesichter aus deiner Zeit entdecken können oder sind alle weg? Auch über den Verein hinaus gibt es viele bekannte Gesichter, vor allem aus der Jugend. Nach zehn Jahren wiederzukommen und die Leute zu treffen, die hiergeblieben oder wieder zurückgekommen sind, ist etwas Schönes. Es gibt viele gemeinsame Erlebnisse und dadurch eine gewisse Verbindung zu den Leuten. Aus der Weltstadt Istanbul zurück in die Schwabenmetropole Stuttgart: Fühlt es sich im Vergleich hier noch etwas provinziell Würde ich Stuttgart nicht kennen und wäre ich mein Leben lang in Istanbul gewesen, würde ich das hier als klein und überschaubar bezeichnen. Nach den zwei Jahren in einer Millionenmetropole war es sehr angenehm nach Stuttgart zurückzukommen, keinen Stau mehr zu haben. Für mich ist es hier das Paradies auf den Straßen. Stuttgart ist doch Staugegend Nummer eins in Deutschland … In Istanbul musste ich eine Stunde früher los, wenn ich pünktlich sein wollte. Mindestens. Das ist immer in Relation zu sehen. Würde man die Gegebenheiten hier mit der Verkehrssituation ums Trainingszentrum in Hoffenheim vergleichen, ist Stuttgart wieder eine ganz andere Nummer. Ich hatte mit Istanbul und Hoffenheim beide Verkehrsextreme. Hier in Stuttgart brauche ich für eine ANDREAS BECK Strecke, die normalerweise zehn Minuten in Anspruch nimmt, nur 20. Das sind im Vergleich zu Istanbul paradiesische Verhältnisse. Bist du eher der ländliche oder der urbane Typ? Die Mitte machts. Ich liebe das Stadtleben, dieses urbane Flair, die Vielfalt und das wertvolle, gute Essen. Auf der anderen Seite mag ich es auch ländlich und heimisch. Stuttgart bietet da beide Seiten. Gestern hättest du mit deinem alten Verein Besiktas Istanbul in Monaco Champions League spielen können. Du hast aber am vergangenen Freitag gegen den 1. FC Köln Bundesligaabstiegskampf erfahren. Tausche Champions League gegen Heimat? Könnte man es so formulieren? Klar, die Champions League ist der beste Wettbewerb, den man spielen kann, den ich auch spielen durfte. Aber auf der anderen Seite bietet die Bundesliga jedes Wochenende ein Niveau, das in Fußballeuropa ganz hoch anzusiedeln ist. Wir haben nicht die Qualität ins Spiel zu gehen und zu wissen: Wenn wir abliefern, gewinnen wir das Spiel. Um ein Bundesligaspiel zu gewinnen, gehört für uns sehr viel dazu. Ein guter Matchplan, eine gute Leistung und auch Spielglück. Du könntest aus eigener Erfahrung erzählen, wie es ist, mit dem VfB in der Champions League zu spielen. Ob dir jemand glauben würde, dass es diese Spiele je gab? Der VfB-Fan ist jemand, der sehr treu ist und nicht vergisst. Die ganz junge Fan-Generation weiß davon wahrscheinlich nicht mehr viel. Viele Alteingesessene und die Fans im besten Alter erinnern sich aber an diese Spiele. Danach sehnen sich auch viele. Aber der Weg ist weit und hart, das ist jedem im Verein bewusst. Wo sind die Unterschiede zwischen dem Champions-League- VfB, den du vor fast zehn Jahren verlassen hast und dem Bundesligaaufsteiger, zu dem du zurückgekehrt bist? Es ist nicht so einfach zu vergleichen, weil für mich auch die Ausgangslage eine ganz andere ist. Am Anfang meiner Karriere kam ich gerade aus der Jugend raus und jetzt mit 30 Jahren bin ich einem gewissen Alter. Wir haben eine Mannschaft mit sehr viel Potential und Phantasie, eine sehr dynamische Mannschaft, aber auch eine, die gerade erst aufgestiegen ist. Damals war es eine

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»Flüchtlinge haben ihre Gründe, wieso sie die Gefahren und Strapazen auf sich nehmen. Das ist meist ein Resultat dessen, dass irgendwo politische Unruhe herrscht. Man ist dann zwar in seiner Heimat und doch irgendwie fremd, so war es damals bei uns.« Mannschaft, die auch immer die Ambition hatte, ins obere Drittel hineinzukommen, dafür auch die Qualität und die internationale Erfahrung der Spieler aus dem Ausland hatte. Das muss man sich jetzt wieder erarbeiten. Hast du das Gefühl, die Fans und Mitglieder sind immer noch Champions-League-Teilnehmer, zumindest ambitionierter Qualifikant oder sind sie in der Realität angekommen? Ich glaube schon, dass dieses Zweitligajahr sehr gut verarbeitet und von den Fans angenommen wurde. Es gab letztes Jahr in der zweiten Liga auch schwierige Momente. Trotzdem ist der Verein zusammengewachsen statt auseinanderzudriften. Auf allen Ebenen: Fans, Mannschaft, Verein. Das war einfach ein positives Zeichen, sonst hätten wir vermutlich auch den Aufstieg nicht geschafft. Jeder hat dadurch eine realitätsnahe Einschätzung bekommen, für den Verein und für die harte Arbeit, die dahintersteckt, um wieder auf dieses Niveau zu kommen. Neben den großen Veränderungen beim VfB während deiner Abwesenheit: Die größte Veränderung Stuttgarts, die dir nach so vielen Jahren Abwesenheit als Erstes ins Auge gesprungen ist? Es hat sich schon einiges getan, auch wenn ich nicht aus der Welt war. Viele Baustellen, viele neue Gebäude, Einkaufszentren. Die Stadt wächst und es passiert viel, alles entwickelt sich. Man hat nicht das Gefühl, dass die Stadt stillsteht. Die Lebensqualität ist hier sehr hoch. Hat sich das gesellschaftliche Klima hier in Deutschland in den zwei Jahren deines Engagements in Istanbul in deiner Empfindung verändert? Ist es kälter und rauher geworden, wie viele schreiben und fühlen? Aus meiner Sicht ist es eher ein warmes und gutes Miteinander. Ich empfinde hier keine emotionale Kälte, sondern genieße es gerade, in Deutschland zu sein. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich hier viele Menschen kenne und meine Familie um mich habe. Du kamst mit deiner Familie 1990 aus dem heutigen Russland als Spätaussiedler nach Deutschland. Auch die Russlanddeutschen wurden damals nicht mit Applaus empfangen, mussten viele Schmähungen ertragen. Ähnlich ergeht es in den heutigen Zeiten den Flüchtlingen. Ein Thema in deiner Familie? Das ist ein sehr komplexes Thema, das natürlich auch bei uns Thema ist. Flüchtlinge haben ihre Gründe, wieso sie die Gefahren und Strapazen auf sich nehmen. Das ist meist ein Resultat dessen, dass irgendwo politische Unruhe herrscht. Man ist dann zwar in seiner Heimat und doch irgendwie fremd, so war es damals bei uns. Die AfD hat viele Stimmen von Spätaussiedlern erhalten. In meiner Heimatstadt Heilbronn ist sie sogar auf der »Schanz«, einem Wohngebiet, das von vielen Spätaussiedlern bewohnt wird, stärkste Partei geworden – noch vor der CDU. Die Zeit widmete diesem Phänomen im wirtschaftsstarken Baden- Württemberg sogar ein umfangreiches Dossier. Hast du eine Erklärung für dieses Wahlverhalten der Spätaussiedler? Die politische Entwicklung in den letzten zwei Jahren kann ich schwer einschätzen. Ich habe das nur aus der Ferne beobachtet, das kann ich in der kurzen Zeit, in der ich hier bin, nicht reflektieren. Für mich selbst weiß ich, wie es ist, sich integrieren zu müssen. Als wir damals gekommen sind, musste man sich Vieles hart erarbeiten. Man muss offen sein. Man sollte seinen Wurzeln treu bleiben, aber bereit sein sich zu integrieren, in dem Maße, in dem es möglich ist. Da gehört die Sprache, der Respekt gegenüber der Religion und den Menschen, die dort ansässig sind, dazu. So haben wir in der Türkei gelebt und sind damit sehr gut gefahren. So haben es uns auch unsere Eltern in Deutschland vorgelebt. Hier aus der Ferne bekam man den Eindruck, dass sich in der Türkei das gesellschaftliche Klima in den letzten beiden Jahren deutlich unfreundlich und unwirtlich entwickelt hat. Du hast in dieser Zeit dort gelebt: Wie war deine Wahrnehmung? Wurden die Menschen misstrauischer untereinander? Und welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn in dem Land, in das man gerade gezogen ist, überraschend ein Staatsstreich läuft? Einfach nur schnell wieder weg hier? Auf sowas kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Wenn man so einen Wechsel eingeht, stellt man sich natürlich auf ein Abenteuer ein, das habe ich dort absolut bekommen. Als Mensch aber auch im Sportlichen war das sehr bereichernd. Auch wenn ich auf das eine oder andere gern verzichtet hätte. Es geht dann darum, wie man mit einer Situation umgeht und wie man in dem Moment für sich agiert. Wir lieben Istanbul weiterhin, auch die Menschen dort sind für uns in sehr guter Erinnerung geblieben. Es sind auch Freundschaften entstanden, die über den Tag hinaus Bestand haben. Auch der Verein, Besiktas, wird für mich immer etwas Besonderes bleiben. Hanix Nr. 52 INTERVIEW DES MONATS

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Hanix Nr. 52 Kurz nach einem Besiktas-Heimspiel explodierte vor dem Stadion eine Bombe und riss viele in den Tod. Du warst glücklicherweise schon zuhause, hast die Detonation aber gespürt. Begleitet dich nach diesem Erlebnis die Terrorgefahr im Alltag mehr als zuvor? Eine gewisse Anspannung war damals da, auf jeden Fall. Wir haben uns in den Tagen danach dort aufgehalten, wo wir uns sicher gefühlt haben. Öffentliche Veranstaltungen und überfüllte Plätze haben wir gemieden. Hast du dich in der heißen Phase des Putsches aber auch in den Wochen und Monaten danach intensiver mit Lukas Podolski oder Mario Gomez ausgetauscht? Podolski hat ebenfalls in Istanbul gelebt und für den Stadtrivalen Galatasaray gespielt, Mario Gomez war dein Mitspieler bei Besiktas ... Man spricht natürlich miteinander. Mit Poldi als Spieler von Galatasaray weniger, mit Mario und mit den anderen Mitspielern schon mehr. Wie sieht deine Derbybilanz gegen Lukas aus? Eigentlich ganz gut. Wir haben in meinen zwei Jahren nur einmal verloren, und das im Elfmeterschießen. Waren die Istanbuler Derbys die wahnsinnigsten Duelle, die du auf einem Fußballplatz erlebt hast? VfB gegen den KSC kann im Vergleich wohl einpacken? Wenn wir ein Derby hatten, waren da nur Fans von der Heimmannschaft. Die Stimmung ist anders, das kann man schwer in Worte fassen. Das muss man erlebt haben. Die Momente und die Atmosphäre, auch in den internationalen Spielen, ist schon etwas Besonderes, ein Erlebnis auf dem Platz zu stehen. Diese Erfahrungen bereichern mich. Du hast schon einige Titel gewonnen in deiner Karriere: Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart, Europameister mit der U21 des DFB, Türkischer Meister mit Besiktas, Herbstmeister mit Hoffenheim. Bleiben erfolgreiche Teams in Kontakt? Am Ende steht und fällt alles mit den Menschen. Wenn man eine sportlich erfolgreiche Zeit hatte oder sehr schwierige Zeiten gemeistert hat, verbinden einen die Erlebnisse. Wenn man diesen Personen dann nach Jahren wieder über den Weg läuft, weiß man das einfach noch. Man spricht darüber, freut sich und verfolgt auch die Wege der anderen aus der Ferne. Ein großes Turnier fehlt noch in deiner Vita. Viele der U21- Europameister von 2009 wurden fünf Jahre später Weltmeister in Brasilien. Du bist 2010 als letzter Spieler vor der endgültigen Nominierung aus dem deutschen WM-Kader geflogen und das war es dann im Prinzip mit deiner DFB-Laufbahn. Ein großer unerfüllter Traum für dich? Natürlich wäre es schön gewesen, bei der WM dabei zu sein, aber man muss es auch akzeptieren, wenn es nicht klappt. Das habe ich getan. Die Chancen werden natürlich immer geringer, je älter man wird. Es ist aber kein unerfüllter Traum. Die kommende WM findet in Russland, deinem Geburtsland statt. Das Thema Nationalmannschaft sei für dich noch nicht abgehakt, ließet du dir kürzlich entlocken. Bist du ein Fußballromantiker? ANDREAS BECK Ich habe im Fußball schon sehr viel erlebt und weiß, wie schnell es gehen kann, in jegliche Richtung. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, du wechselst vom VfB, einem Champions- League-Teilnehmer, zum Aufsteiger Hoffenheim und bist sechs Monate später Nationalspieler und fährst fast zur WM mit, hätte ich das nicht geglaubt. Es ist aber genau so passiert. Es geht über die sportlichen Leistungen, man braucht überraschend sehr hohen sportlichen Erfolg, dann kann sowas geschehen. Aber romantisch wäre die Vorstellung: Nächsten Sommer, du mit dem Adler auf der Brust gegen Russland in deinem Geburtsland? Klar, aber wir haben unsere Aufgaben hier und jetzt – mit dem VfB in der Bundesliga. Auch der Gedanke an sich, jetzt an den Sommer 2018 zu denken, ist viel zu weit entfernt. In ein paar Tagen müssen wir wieder in der Liga performen und Punkte mitnehmen. Highlights gibt es gerade von Woche zu Woche. ◆

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Titelthema: [S. 50–97] SCHWARMSTADT HEILBRONN!? »Sie kommen jeden Tag und verunstalten unsere Städte. Sie hinterlassen überall ihre idiotischen Schriftzüge. Sie machen aus der Welt einen hässlichen Ort. Wir nennen sie Werbeagenturen und Stadtplaner.« Banksy, britischer Streetart-Künstler. (* vermutlich 1974 in Bristol) »SETZEN! DREI MINUS!« → S. 50 Umfrage Hanix und DHBW → S. 54 MOVING TO HEILBRONN → S. 58 »Komm ins Offene, Freund!« → S. 60 KULTUR ALS KATALYSATOR → S. 66 Hanix-Fragebögen → S. 70 PROF. DR. HARALD SIMONS → S. 82 Sally Below → S. 88 KOOPERATIVE STADTENTWICK- LUNG → S. 90 Gegen den Strom → S. 92 MATTHIAS RAUCH → S. 94 Artwork: Kathrin Leisterer Hanix Nr. 52

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Das Forschungsprojekt: Welche Noten Heilbronner und Bewohner des Landkreises der Stadt geben und was sie sich von ihr wünschen. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Dieter Schwarz Stiftung & Meli Dikta »Setzen! Drei Minus!« Hanix Nr. 52 Eine Gruppe von Studierenden hat auf Initiative des Hanix-Magazins unter der Leitung von Prof. Dr. Yvonne Zajontz, Studiengangsleiterin Medien und Kommunikation an der DHBW Heilbronn, in einem Semesterprojekt Fragen und Systematik zum Forschungsprojekt »Schwarmstadt Heilbronn« ausgearbeitet, 1089 Bewohner des Stadt- und Landkreises haben sich dann an der Befragung beteiligt, wobei nicht immer alle Fragen beantwortet wurden bzw. werden konnten. Der Zeitaufwand zum Ausfüllen des umfangreichen Fragebogens betrug im Mittelwert etwa 28 Minuten. Die Zahl der Befragten ist hoch, bekannte Meinungsforschungsinstitute geben – natürlich mit hochverfeinerter Auswahl der Befragten – auch schon bei tausend von ihnen zutreffende Wahlprognosen ab. Diese qualitative »Auslese« der Befragten war beim Forschungsprojekt Schwarmstadt Heilbronn schon von vorneherein gegeben. Anzahl, Spezifizierung und Abgleichung der Fragen erfüllen dabei die qualitativen Anforderungen einer sowohl in die Breite wie auch in die Tiefe gehenden Methodik mit einem ebenso realistischen wie zutreffenden Ergebnis, das weder eine Momentaufnahme noch ein »Wunschzettel« ist, weit darüber hinausgeht, als »Anregung« verstanden zu werden, besser noch als Handlungsanweisung. Prof. Dr. Zajontz, aber auch den Mitwirkenden hat es sichtlich Spaß gemacht, Heilbronn und seine Gegebenheiten analog zu Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) zu bewerten. Weniger spaßig ist, dass dabei ein Durchschnittswert von 3,2 herauskam bei der Frage: »Wie zufrieden sind Sie – alles in allem betrachtet – mit der Stadt Heilbronn?« Mit dieser Note im Abizeugnis ist der Zugang zu einer universitären Ausbildung stark eingeschränkt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse werden noch einmal einer verfeinerten Analyse unterzogen und sollen dann, geplant ist Anfang nächsten Jahres, entsprechend aufbereitet auch der Öffentlichkeit und den Entscheidern publik gemacht werden. Was Heilbronn mit der von Hanix angeregten DHBW-Umfrage sozusagen auf dem Silbertablett serviert bekommt, ist nicht mehr und nicht weniger als eine Riesenchance, daraus die notwendigen Konsequenzen und Handlungsoptionen herauszulesen als erste Voraussetzung einer Umsetzung um die Weichen einer »jungen« Stadtentwicklung auf »volle Fahrt« stellen können, bzw. dass sich die hier Ausgebildeten nicht in »voller Fahrt« wieder aus Heilbronn verabschieden, sondern hier bleiben. Die 1089 Umfrage-Teilnehmer sehen Baden-Württemberg als das Bundesland mit den beliebtesten Städten ganz vorne, denken TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 dabei allerdings an Stuttgart und nicht an Heilbronn. Von allen Befragten sind 609 hier aufgewachsen. Die Priorisierung, sich für »H-N« als Wohnsitz zu entscheiden (1 = sehr hohe Priorität / 6 = gar keine Priorität) ergab schon zum »Einstieg« interessante Ergebnisse: Note 1,2 bei »Studium«, Note 1,85 bei beruflichen Gründen, Note 2,27 »weil ich schon immer hier gelebt habe«, Note 2,37, »weil der jeweilige Ehe-/Partner in Heilbronn wohnt«, Note 2,92 bei »wirtschaftsstarker Standort«, Note 2,48 wegen der »Nähe zur Familie« und Note 2,68 wegen der »Nähe zu Freunden und Bekannten«, Note 2,92 schließlich für »Heimatverbundenheit« und für die guten Verkehrsanbindungen zum Arbeitsplatz Note 3,48. Weniger wichtig die Entscheidung, Heilbronn als Wohnort auszuwählen ist die »schwäbische Mentalität«, ihre Bedeutung wird mit 3,55 Punkten bei der Priorisierung der Gründe für Heilbronn als Wohnort weit hinten eingeordnet (1 = sehr wichtig; 6 = absolut unwichtig). Weiter und ebenfalls nichtig bei der Wahl für Heilbronn folgen dann diese Priorisierungen: Schönes Stadtbild 3,77, schöne Umgebung und Landschaft 3,81, günstige Lebenshaltungskosten 3,92, gute Einkaufsmöglichkeiten 3,97, gutes Schulangebot 3,94, vielfältige Freizeitmöglichkeiten 4,03 und Liebe (!) zu Großstädten 4,14. Die Gretchenfrage war: »Könnten Sie sich vorstellen, in Heilbronn langfristig zu leben«. Sie wurde von 40 Prozent mit »Ja, auf jeden Fall beantwortet«, aber von 30 Prozent auch mit »eher nein«, bzw. »auf keinen Fall«. Diese Frage modifiziert in »Könnten Sie sich vorstellen, in der Zukunft auch nach Heilbronn zu ziehen?« beantworteten nur 10,7 Prozent der Befragten mit einem uneingeschränkten »ja«, »eher ja« sagten 19 Prozent, »eher nein« bereits 42 Prozent und »auf gar keinen Fall« 27,9 Prozent. Es wäre also schon etwas gewonnen, wenn man nur die »Eher-ja-Antworter« für Heilbronn gewinnen könnte. Man kann das als Aufforderung lesen: »Strengt euch an in Heilbronn!« oder auch als Ausdruck einer überzogenen Erwartungshaltung, aber von den 386 Teilnehmern, die angaben, auch schon einmal außerhalb der Region gewohnt zu haben, ist anzunehmen, dass sie Vergleichsmöglichkeiten haben. Anstrengen muss sich auch der Landkreis, um attraktiver zu werden. Bei 558 Antworten enthielten nur 81 die eindeutige Option hier zu leben, während 237 »eher nein« sagten. Weitere Einzelergebnisse von Stadt- und Landkreis zu vergleichen führe an dieser Stelle zu weit, klar schält sich noch heraus, dass bei den priorisierten Gründen für einen Wohnort im Landkreis weit oben die Tatsache steht, dort günstiger wohnen zu können (2,61). Weit weniger wichtig bei der Entscheidung für Ilsfeld, Schwaigern und Co. sind das gute Schulangebot (4,56) oder die gegebenen Freizeitmöglichkeiten (5,17). Das Forschungsprojekt befasste sich auch mit den Verkehrsmöglichkeiten. Hier schneidet Heilbronn auf den ersten Blick beim ÖPNV (tagsüber) und der Verkehrsinfrastruktur gar nicht so schlecht ab, bei den Verkehrsmitteln schon: Die schlechteste Bewertung – nämlich 4,08 – bekommt dann aber doch der ÖPNV mit seinem Nachtangebot. Es ist eine alte Forderung, NOTENVERGABE Die Gretchenfrage, ob man sich vorstellen könne, in Heilbronn langfristig zu leben, wurde von 40 Prozent mit »Ja, auf jeden Fall beantwortet«, aber von 30 Prozent auch mit »eher nein«, bzw. »auf keinen Fall« beantwortet. u. a. auch des Jugendgemeinderates, hier z. B. mehr Nachtbusse einzusetzen. Junge Menschen wollen und sollen feiern, aber auch sicher nach Hause kommen. Die Forderung ist ebenso legitim wie auch beruhigend für deren Eltern. Was die neue Mobilität angeht, fällt die Bewertung fast durchgängig schlecht aus. Das Radwegenetz bekommt die Note 3,35, das Angebot von zukunftsfähigen Fortbewegungsmitteln wie E-Bikes oder Carsharing wird mit 3,86 benotet, noch schlechter schneidet der ÖPNV bei den Kosten ab: Für »zu teuer« gibt es die Note 3,75. Auch wenn neu nach Heilbronn gekommene Studierende mit etwas Glück von der Stadt ein Fahrrad bekommen (diese Aktion mit 100 Rädern sollte schon mal dem Sparstift geopfert werden), für den Rest gibt es nicht einmal einfache City-Bikes an den Straßenecken, in anderen (Studenten-) Städten sind sie längst Standard. Und eine Ladestation für ein E-Mobil im Carsharing auf dem Bildungscampus, das ist noch nicht einmal ein Feigenblatt. Das Leben besteht nicht nur aus Shopping, auch wenn dieser Eindruck gerne – und ganz besonders gern in Heilbronn – vermittelt wird, aber einer Innenstadt ohne belebte Geschäfte fehlt einfach der erste Anlass hinzugehen! Die Wunschvorstellung (1 = sehr wichtig; 6 = total unwichtig) für ein entsprechendes Angebot liegt bei Note 1,58 Punkten, die Realität »Breite im Angebot des Einzelhandels« wird mit 3,48 bewertet (1 = sehr zufrieden, 6 = total unzufrieden), der Wunsch nach mehr und individuelleren Boutiquen bekommt 2,07 zugemessen, der Erfüllungsstandard dann nur 3,94. Man kann aus diesen Wunsch- und Zufriedenheitszahlen immer einen Mittelwert ableiten, da stünde Heilbronn gar nicht so schlecht da, wirklich aussagekräftig wären diese Noten auch erst dann, wenn die Verbraucherwünsche genauer definiert wären. So wie bei der »Stammkneipe« als unverzichtbare Institution gerade für Studenten-Städte. Auf die Frage danach gab es übrigens die meisten Antworten! Wichtig und wünschenswert: Note 1,36 – angetroffene Wirklichkeit: 3,35! Das könnte sich aber ändern, die Bahnhofsvorstadt zeigt es, hier könnte man das installieren, was sonst erhaltene »Altstädte« bieten, eben Atmophäre, so wie man sie in der Düsseldorfer Altstadt, in Sachsenhausen in Frankfurt oder in Stuttgart im Bohnenviertel vorfindet.

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Was die Stadt- und Aufenthaltsqualität von Heilbronn betrifft, haben die Umfrage-Teilnehmer genau hingeschaut, aus den »Wunschvorstellungen« und »Tatsachenbeurteilung« dazu ergeben sich erhebliche Wertungsdifferenzen: 1,37 zu 3,32 beim Allgemeinplatz »tolerante, weltoffene Stadt«, 1,81 zu 3,55 und bei »digitale Stadt«, 1,37 zu 3,94, bei »einladende Atmosphäre in der Fußgängerzone«, 1,33 zu 3,17 bei »einladenden Lokalen und Geschäften. Auch das »vielfältige Stadtbild« lässt zu wünschen übrig: 1,50 zu 3,52, wobei man beim »Großstadtflair« und »gewachsene Studentenviertel« schon die Erwartungen niedriger gehängt hat: 2,39 zu 3,69, bzw. 2,28 zu 3,62. Eklatant wird es dann beim Wohnraum, aber das ist ja kein Heilbronner Spezifikum, möglicherweise entlasten entstehende Studentenwohnheime hier auch den Zustand in Zukunft: 1,23 zu 4,17 ist das Verhältnis bei »bezahlbarem Wohnraum«, kaum anders, wenn es um ausreichend vorhandenen Mietraum geht oder Wohnen in zentraler Lage, bzw. attraktives Wohnen. Und dann ist ja noch die »Mentalität der Einheimischen« zu nennen: 1,62 zu 3,22! Auf die Frage »Würden Sie einem Freund einen touristischen Besuch Heilbronns empfehlen, sagten 64,8 Prozent »nein« und nur 35,2 Prozent »ja«! Wer nach der Ausbildung in Heilbronn bleibt – und das ist ja auch der Zweck der Übung des Forschungsprojektes – für den zählt der kostenfreie Kindergartenplatz sehr viel weniger, als man z. B. im Gemeinderat immer wieder hört. Dieses Angebot wird erst dann relevant, wenn man sozusagen ansässig ist, vom Alter und Familienstand her an Kinder und Nestbau denkt. Vorher zählen Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt. Auch da gibt es differierende Werte bei »Kreative Unternehmenskonzepte« (1,49 zu 3,10) oder »Förderung von Start-ups/Gründerszene« (1,58 zu 3,09). Weniger Abstand herrscht in der Bewertung von »guter Reputation der Hochschulen der Stadt« (1,58 zu 2,43) und »Standort von renommierten Unternehmen« (1,68 zu 2,06), ähnliche Voraussetzungen schreibt man auch dem Arbeitsmarkt selbst und dem Lohnniveau in der Region zu. Der Bereich Freizeit und Kultur zeigt fast durchgängig Differenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit, mit Ausnahme des Sportangebots, um so mehr aber, wenn es um Nachtleben, Kulturangebote wie Konzerte, Theater, Kunstausstellungen geht. Eingetrübtes Sehvermögen muss man konstatieren, wenn es um die Betrachtung der Ausstellungsszene geht, wo man den Erwartungshorizont mit 2,12 benotet, den Erfüllungsgrad dann 3,05 Prozent, hier sollte man gelegentlich mal den Veranstaltungskalender der HMG zur Kenntnis nehmen! Das gilt auch für Klassische Musik, Theater, aber auch Clubkultur. Spielt für die Befragten das Kulturangebot der Stadt nur eine nachrangige Rolle oder haben sie einen eingeschränkten, um nicht zu sagen »beschränkten« Kulturbegriff? Teilweise ja, aber eben nur teilweise, das zeigen die Antworten zur Freien Kunstszene: 1,92 zu 3,71 oder wenn es um »Urbane Kultur« (z. B., Street-Art, Vintagemärkte etc.) geht (1,92 zu 3,98) wie auch Rock- und Pop-Konzerte (1,92 zu 3,71). Nun setzt aber gerade der Begriff »Schwarmstadt« auf diese Faktoren, sind gerade sie es, die einer Stadt nicht nur Profil, sondern auch Anziehungskraft geben, und sollten längst nicht mehr als »Weiche Standortfaktoren« schon in der Wortwahl den Diminutiv provozieren. Hier steckt eine Denkaufgabe drin – auch für die Kulturkonzeption, an der die Stadt gerade arbeitet! Deshalb: Statt »Setzen, drei minus!« muss es heißen: Aufstehen und den numerus clausus zur nachhaltigen Schwarmstadt schaffen! Wer übrigens meint, dass man sich Kultur auch leisten können muss, sollte wissen, dass nur 8,3 Prozent der Befragten ein Jahreseinkommen von unter 15.000 Euro haben, aber 19,7 Prozent über 45.000 Euro liegen und 7.6 Prozent bei mehr als 60.000 Euro. Die Brachfelder, die es zu beackern gilt, wären damit im wesentlichen genannt, am dringendsten notwendig ist das der »klassischen Kulturangebote«, bei dem man vor allem mit neuen Formaten arbeiten sollte. Es würde sich lohnen, nicht nur, weil gerade dieser Bereich hoch subventioniert ist, sondern weil hier, das muss einfach so gesagt sein, das größte Potential für eine individuelle Persönlichkeitsentwicklung steckt, vor allem- wenn man bedenkt, dass von den Befragten 24,9 Prozent einen Hochschulabschluss haben! ◆ Hanix Nr. 52 Eröffnung des multimono Pop-Up-Store in der Heilbronner Hafenmarktpassage 2016. 52 NOTENVERGABE

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Hanix Nr. 52 Klarer Wettbewerbsvorteil: Der Einzige sein. Der neue Panamera Turbo S E-Hybrid Sport Turismo. Bei uns im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel. 07131 5034-200 www.porsche-heilbronn.de Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): kombiniert 3,0; CO 2 -Emissionen kombiniert 69 g/km; Stromverbrauch kombiniert 17,6 kWh/100km TITELTHEMA: SCHWARMSTADT

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Das kooperative Forschungsprojekt des Hanix-Magazins und der DHBW Heilbronn Onlinebefragung mittels standardisiertem Fragebogen --------------------------------------------------------------------- Befragungszeitraum: 19.6.2017 bis 9.7.2017 --------------------------------------------------------------------- Es handelt sich um eine Teilerhebung (Stichprobenziehung verlief nach dem bewussten Auswahlverfahren) --------------------------------------------------------------------- Hauptzielgruppe (Bevölkerung von Heilbronn und dem LK Heilbronn – vor allem zwischen 24 und 46 Jahren) --------------------------------------------------------------------- Fragebogen umfasste 81 geschlossene Fragen und 15 offene Fragen (Bearbeitungszeit: Median liegt bei 28 Minuten) --------------------------------------------------------------------- 4842 haben den Link geöffnet (deutet auf ein erstes Interesse hin). Die Nettobeteiligung lag bei 1089 Teilnehmern (Es handel sich um eine repräsentative Erhebung) --------------------------------------------------------------------- Stichprobenbeschreibung: 40,4 % männlich und 59 % weiblich, 0,5 % transgender; Altersklasse: jünger als 24: 14,3 %; 24 bis 46 Jahre: 64 %; älter als 46 Jahre: 21,6 % --------------------------------------------------------------------- Auswertung mittels des Statistikprogramms SPSS nach Verfahren der deskriptiven und induktiven Statistik. Ebenfalls wurden lineare Regressionen durchgeführt. --------------------------------------------------------------------- Durchschnittsalter: 36,8 Jahre --------------------------------------------------------------------- Hanix Nr. 52 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Wer hat teilgenommen Familienstand ledig, in einer Beziehung 35,9 ledig, Single 22,0 geschieden 4,0 verheiratet 36,6 verwitwet 1,1 in eingetragener Lebenspartnerschaft 0,5 Höchster erreichter Bildungsabschluss? noch keinen Abschluss 0,5 Hauptschulabschluss 2,1 Mittlere Reife 9,4 (Fach-)Abitur 25,3 Hochschulabschluss 47,3 Promotion 3,0 Ausbildungsabschluss 9,4 Sonstiger Abschluss 3,0 Bruttojahreseinkommen unter 15.000 Euro 15,8 bis 30.000 Euro 17,9 bis 45.000 Euro 20,4 bis 60.000 Euro 13,7 mehr als 60.000 Euro 14,6 keine Angabe 17,7 UMFRAGEWERTE Kinder ja 38,6 nein 61,4 Beruf Schüler(in) 1,4 Auszubildende(r) 1,6 Angestellte(r) / Beamter/in 59,5 Renter/in / Pensionär/in / im Ruhestand 2,1 Selbstständige Tätigkeit / Freiberufler(in) 17,2 Studierender 15,8 Hausfrau / Hausmann 1,4 derzeit arbeitssuchend 1,1 Wo in der Region Heilbronn haben Sie Ihren Haupt- bzw. Nebenwohnsitz? Stadt Heilbronn 59,6 Landkreis Heilbronn 40,4

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Was wurde gefragt und geantwortet: Was fällt Ihnen spontan zu Heilbronn ein? Die drei häufigsten Nennungen: 1. Entwickelt sich / macht sich / Aufschwung / Potenzial 2. Unattraktives Stadtbild / Hässliche Stadt 3. Heimat Wie zufrieden sind Sie – alles im allem betrachtet – mit der Stadt Heilbronn? Mittelwert 1 = sehr wichtig / sehr zufrieden 2 = wichtig / zufrieden 3 = eher wichtig /eher zufrieden 4 = eher unwichtig / eher unzufrieden 5 = unwichtig / unzufrieden 6 = absolut unwichtig / absolut unzufrieden W = Wichtigkeit Z = Zufriedenheit Wie schätzen Sie die persönliche Lebensqualität in Heilbronn ein? eher hoch 51,5 eher gering 25,5 Versorgungsinfrastruktur Breites Angebot des Einzelhandels (W) 1,58 Breites Angebot des Einzelhandels (Z) 3,48 Vielzahl an kleinen/individuellen Boutiquen (W) 2,07 Vielzahl an kleinen/individuellen Boutiquen (Z) 3,94 Individuelle Kneipen & Cafés (W) 1,36 Individuelle Kneipen & Cafés (Z) 3,35 Hanix Nr. 52 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Stadtbild Einladende Atmosphäre in der Fußgängerzone (W) 1,37 Einladende Atmosphäre in der Fußgängerzone (Z) 3,94 Einladende Lokale und Geschäfte (W) 1,33 Einladende Lokale und Geschäfte (Z) 3,17 Würden Sie einem Freund empfehlen, einen touristischen Besuch in Heilbronn zu machen? 35,2 64,8 Nein Freizeit/Kultur Attraktives Nachtleben (W) 1,78 Attraktives Nachtleben (Z) 3,56 Attraktive Veranstaltungen und Festivals (W) 1,57 Attraktive Veranstaltungen und Festivals (Z) 3,51 Pulsierendes Stadtleben (W) 1,65 Pulsierendes Stadtleben (Z) 3,75 Rock-/Pop-Konzerte (W) 1,96 Rock-/Pop-Konzerte (Z) 3,50 Streetstyle/alternative Mode (W) 2,25 Streetstyle/alternative Mode (Z) 3,67 Informationen zu kulturellen Angeboten in der Stadt (W) 1,60 Informationen zu kulturellen Angeboten in der Stadt (Z) 3,08 Freie Künstlerszene (W) 1,92 Freie Künstlerszene (Z) 3,71 Urbane Kultur (z.B. Streetart, Skateboarding, Vintagemärkte) (W) 1,92 Urbane Kultur (z.B. Streetart, Skateboarding, Vintagemärkte) (Z) 3,98 UMFRAGEWERTE

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Schwarmstadt MOVING TO HEILBRONN Zuzüge von Studierenden aus dem Bundesgebiet und dem Ausland 2017 Schaubild: Prof. Andreas Ken Lanig Hanix Nr. 52 58 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Wir fördern individuelle Neigungen. Hanix Nr. 52 29.11.2017, Info-Abend, 18:30 Uhr 19.01.2018, Konzert 19 Uhr, MAKs Musikschule, Großbottwar Infos:03.02.2018, Tag der offenen Tür, 10 – 15 Uhr Realschulabschluss Berufsfachschule: Mode und Design, Wirtschaft, Farbe und Gestaltung Abitur Technisches Gymnasium* Profil: Gestaltungs- und Medientechnik Wirtschaftsgymnasium* Profil: Wirtschaft Fachhochschulreife mit Berufsausbildung > Grafik-Designer* | > Mode Designer Fachhochschulreife Technische Dokumentation* und Kfm. Berufskolleg mit Übungsfirma Akademie für Kommunikation Frankfurter Str. 81 – 85 74072 Heilbronn Fon 0 71 31 / 59 493-0 | www.akademie-bw.de 5 Minuten vom Hbf HN *Jeder Schüler bekommt einen eigenen Laptop • Einkommensabhängiges Schulgeld ab 100 € / pro Monat Wir sind eine bekenntnisfreie Schule Schule & Ausbildung TITELTHEMA: SCHWARMSTADT

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Es sind ganz einfache Fragen: »Wie kann eine schrumpfende Bevölkerung Wohnungsknappheiten produzieren? Wieso werden (wieder einmal) Wohnungsmangel, Neubauförderung, Gentrifizierung, explodierende Mieten und der Kampf um Fachkräfte diskutiert? Die Antwort ist ebenso naheliegend wie die Lösungen fern: Die Bevölkerung sortiert sich innerhalb Deutschlands neu, in Wohnort und in ihrer Altersstruktur. In dieser »Sortierung« steckt die Möglichkeit, Gewinner zu sein oder Verlierer. »Schwarmstadt« nennt man die Gewinner, »Schwarmstadt« ist man, wenn eine Stadt anziehend ist wie ein Honigbrot für Bienen, vor allem für junge Bienen. Halt in Heilbronn – konkret: Es macht einen Unterschied, ob man ihr Halt macht. Halt findet oder ob man halt in Heilbronn ist. Wer noch keine ist – sie sei im Folgenden immer ohne »Anführungsstriche« geschrieben – sollte sich beeilen, eine solche zu werden. Die Konkurrenz schläft nicht und sie gibt es längst auch unter Städten und Regionen. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Zdenek Tunka & Disney »Komm ins Offene, Freund!« Hanix Nr. 52 Die gute Nachricht vorab: Heilbronn hat es immerhin so weit gebracht, dass sie jetzt eine von dreißig Schwarmstädten ist (siehe Interview mit Prof. Harald Simons). Schwarmstädte sind Städte, die als Wohnund Arbeitsort eine hohe Versorgungs- und Lebensqualität bieten, sie ziehen besonders junge Leute an und sie verhindern vor allem, dass vor Ort Aufgewachsene und oder auch hier »nur« Ausgebildete wieder ausschwärmen, eben dahin, wo es ihnen besser gefällt, wo die Lebensbedingungen angenehmer, vielfältiger, interessanter sind. Geld allein macht nicht glücklich, immer mehr junge Menschen wollen weder ein eigenes Auto besitzen noch einen Job, der ihnen keine Zeit lässt für Hobbys und Freizeit (nein, das ist und muss nicht der Lebenszweck allein sein) – sondern einen Lebens- und Arbeitsort, der auch Raum bietet – in jeder Interpretation des Wortes. Vor einem Dutzend Jahren schrieb der Kölner Autor Frank Schätzing den internationalen Bestseller »Der Schwarm«, ein »Öko-Thriller«, die Geschichte mysteriöser Geschehnisse auf dem tiefsten Grund des Meeres, die dann die Menschheit erfassen. Der Rezensent der Süddeutschen schrieb dem Roman damals auch die Eigenschaft zu »als spezifisch deutsches Element« einen »religiösen Grundton« zu haben, der auf Rettung und Erlösung zielt und selbstverständlich von den »letzten Dingen handelt«. Seither ist der Begriff »Schwarm« im politischen Diskurs gegenwärtig – bis eben hin zur Schwarmstadt und Schwarmintelligenz. Wer hat schon einmal erlebt, dass sich Fische im Schwarm gegenseitig anrempeln oder dass Zugvögel, wenn sie in 60 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 den schönsten Fließbewegungen Bilder in den Himmel zaubern, sich dabei ihre Flügel um die Ohren hauen? Wir zweibeinigen oder vierrädrigen Drängler tun das. Hätten wird die Schwarmintelligenz der Tiere, gäbe es keine Staus auf Straßen und Autobahnen, die Gesellschaft würde im inneren Gleichklang agieren, als Einzelnes wie auch als soziales Wesen, vermutlich in gepflegter Langeweile. Michael Layer ist 36 Jahre alt, Industriekaufmann und geschäftsführender Gesellschafter der BWK Dachzubehör GmbH in Wolpertshausen, er lebt in Crailsheim (LK Schwäbisch Hall), engagiert sich seit 2015 bei den Wirtschaftsjunioren Heilbronn, wo er seit diesem Jahr Vorsitzender ist und damit ein Vertreter genau jener Gruppe, die zur Zukunft Heilbronns gehören. Er sagt: »Als Crailsheimer habe ich das Image von Heilbronn in der Vergangenheit eher negativ wahrgenommen. In den vergangenen Jahren verspüre ich jedoch einen Wandel und empfinde Heilbronn als moderne, dynamische Bildungsstadt.« Und weiter: »Damit junge Menschen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in Heilbronn bleiben und hier ihre Unternehmens- und Familiengründung planen, unterstützen wir Wirtschaftsjunioren sie bei Existenzgründung bzw. Unternehmensnachfolge, bieten eine Plattform Gleichgesinnter zum Austausch, zur persönlichen Weiterentwicklung sowie zur Erweiterung des persönlichen und beruflichen Netzwerks. Doch eine attraktive Wirtschaft alleine ist heutzutage nicht mehr ausreichend. Junge Menschen erwarten darüber hinaus eine gute Infrastruktur, Freizeitangebote und Familienfreundlichkeit. Hier sind natürlich alle Institutionen aufgerufen, sich einzubringen.« Wie recht er hat, zeigt der gerade veröffentlichte Glücksatlas für Deutschland. Hier erreicht Württemberg unter 19 Ländern bzw. Regionen den elften Platz – Baden übrigens den Dritten! Begründet wird das damit, dass sich Württemberg »trotz teilweise (sehr) guter objektiver wirtschaftlicher Zufriedenheitsindikatoren lediglich im unteren Mittelfeld des Regionenvergleichs befindet« mit der »regionalen Mentalität«, denn diese ist für rund die Hälfte aller Zufriedenheitsunterschiede zwischen Menschen verantwortlich.« Ist es zunächst einmal ein Mangel an Freundlichkeit und Offenheit, der Heilbronn fehlt? Die IHK Heilbronn-Franken, die am lautesten und auch zu Recht den Fachkräftemangel beklagt, hat auf entsprechende Hanix- Nachfrage mit drei platten, gestanzten Sätzen reagiert. Das evoziert die Frage: Ist das alles, warum geht man nicht dezidierter auf junge Leser ein, unter denen man auch seine Klientel ausmachen könnte? Über den Einflussbereich der IHK hinaus gewinnt man manchmal den Eindruck, als sei die Entwicklung Heil-bronns ein aus sich selbst fortsetzender Prozess. Doch zwischen Sagen und Tun liegen oft Welten. Wenn am Anfang vernünftigen und notwendigen Handelns ein Erkenntnisprozess stehen sollte, dann hat Heilbronn den ganz besonders nötig. Klagen allein darüber, wie viele junge Leute sich hier ausbilden lassen, dann aber »Ade, schöne Gegend!« sagen, sich hier also gar nicht erst bewerben oder nach einem Erstkontakt gleich wieder die Fliege machen, sei der Job auch noch so attraktiv, sie genügen nicht. Diesem Phänomen und den Ursachen dafür auf den Grund gehen, eine nachhaltige Schwarmstadt statt eine »Hau-ab-Stadt« zu werden, das hat sich Hanix vorgenommen. Auf offene Ohren stieß man und auf Anhieb Unterstützung erfuhr Hanix mit dem Vorschlag an die DHBW Heilbronn bzw. die Dieter Schwarz Stiftung nach einer wissenschaftlich fundierten und dann mit belastbaren Zahlen aufwartenen Untersuchung. Zweck der Übung: Herausfinden, welches Potential Heilbronn nicht als Behauptung, sondern als erlebte Wirklichkeit bei den hier Studierenden und Lebenden hat, wie sie die Stadt se-hen und einschätzen, in der man sie braucht und gerne halten würde. Natürlich kann man einwenden, dass Viele der hier Studierenden im Dualen Hochschulsystem schon über ihre Jobs eine gewisse Bindung an den Standort haben, aber eben diese damit verbundene Kenntnis macht die Studie und deren Ergebnisse besonders interessant, ja man könnte sagen: wegweisend im Sinne von Wege weisend. Dies auch, wenn sie ein Anspruchsdenken und Anspruchsverhalten dokumentiert, ohne gleichzeitig vom Nehmen auch ans Geben zu denken. Das könnte man ja in einer zweiten Studie hinterfragen? Wie sich das alles äußert ist auch eine Generationenfrage. Da gab es nach dem Krieg erst die Keller-, dann die Wirtschaftswunderkinder, danach verpassten die 68er Deutschland die unvergessliche Lehre, dass man Zukunft nur hat, wenn man seine Vergangenheit kennt, die darauf folgenden 70er-Hippies verlangten alles vom Staat und möglichst wenig von sich, eine Weicheiergeneration, aber auch die darauf folgende »Generation Golf« war nicht viel besser oder engagierter. Da musste erst die Generation Praktikum hart landen. Hat sie inzwischen gelernt, sich nicht billig zu verkaufen und hat die Wirtschaft gelernt, flexibel zu sein, z. B. da Zeitverträge anzubieten, wo junge Menschen noch auf der Suche sind und dort unbefristete Arbeitsverträge, wo sie das Stadium erreicht haben, in dem sie wissen, wo und wie und bei wem und mit wem sie Karriere machen und ihr Nest bauen möchten. Und haben die Städte gelernt, drauf einzugehen? Das sind nur einige der vielen Fragen dazu. Schon der alte Platon wusste, dass man eine »›Idee des Guten‹ haben müsse« und dass das Erscheinungsbild einer Stadt und das der darin lebenden Menschen einander bedingen. Heilbronn ist nicht arm an »Ideen des Guten«, aber irgendwie drängt sich der Vergleich mit den jungen Männern, die, weil sie nicht wissen, was sie mit ihrem Gesicht anfangen sollen, sich einen Bart stehen lassen und glauben »hip« zu sein, wenn man die Hirnmasse unter einem Hut vorm Verflüchtigen schützt, den man ohne blasse Ahnung von Benimm auch im Zimmer auflässt. Letztes Unterscheidungsmerkmal, weil »mann« ja sowieso jede Individualität dank Undercut beim Friseur gelassen hat. Das ist ein uncharmanter Vergleich, aber ein »Augenöffner« und wegen seiner sich freiwillig hingegebenen Uniformität fast eins zu eins übersetzbar auf die Straßen, die Fußgängerzonen und Läden mit dem immer gleichen Besatz, auf das Angebot einer »Systemgastronomie«, die in Großstädten kein Land mehr sieht und jetzt in Städten wie Heilbronn ankert – und das alles in einer jahrzehntelang geduldeten und ungestört wuchernden Wiederaufbauarchitektur. Das alles zusammen wirkt so abschreckend wie die fusseligen Talibanbärte. Das Leben besteht nicht nur aus Shopping, auch wenn dieser Eindruck gerne – und ganz besonders gern in Heilbronn – vermittelt wird, aber einer Innenstadt ohne belebte Geschäfte fehlt einfach der Anlass! Was aber, wenn diese »belebten« Geschäfte vor allem Fressbuden sind, wenn die Pizzafladen, hier an einem Tag verzehrt und aneinandergereiht, gefühlt bis zum Mond reichen? Thomas Aurich hat jüngst den Vorschlag gemacht, die Kirchbrunnenstraße zur »Fressgasse« zu machen. Orientiert man sich daran, was z. B. die Frankfurter »Freßgass« bietet, dann muss man sich hier noch gewaltig anstrengen, ein »Pfeffer« allein würzt nicht den Einheitsbrei. Denn die Frage ist doch die: »Wo bleibt da die Persönlichkeit?« Städte sollten sie wie Menschen haben. Städte haben eine DNA, Städte kann man verstehen, wenn man ihr Psychogramm kennt und sie brauchen über alles Politische, Kulturelle, Historische und Wirtschaftliche hinaus eine Meta-Ebene, auf der sich ihr Geist entwickeln kann, auf »KOMM INS OFFENE, FREUND!«

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»Wir haben ein großes kreatives Potenzial in dieser Stadt, dem man Raum geben muss« der man in einer übergeordneten Sichtweise im Denken und im Diskurs zu einer gemeinsamen Sprache und gemeinsamen Zielvorstellungen findet. Das hat in Heilbronn schon einmal funktioniert, die Liste »großer Geister«, die hier lebten, wirkten und auch in Stein das große Denken zurückließen, muss man nicht aufzählen. Was am 4. Dezember 1944 über Häuser, Straßen und Kirchen hinaus zerstört wurde, ist bis heute fortwirkend und nicht geheilt. Was sich dagegen in Heilbronn in den Jahren von ca. 1850 bis 1914 entwickelte und getan hat, welche Menschen mit welchen Vorstellungen, Kräften, Engagement, kultureller und politischer Außenwirkung der Stadt goldene Jahrzehnte bescherten, ist immer noch nachvollziehbar, zeigt auch, dass es am Geld allein nicht liegt. Denn das ist auch heute vorhanden! Und nun? Ist Heilbronn nur noch eine Stadt der Krämerseelen, in der man die »großen Geister« und Stadtgestalter nicht einmal vermisst? Und wenn es sie gibt: Wo verstecken sie sich? Vielleicht machen gerade deshalb die Scouts, die z. B. große Handelsunternehmen nach Heilbronn schicken, gleich wieder kehrt, raten von Investitionen ab, weil sie hier eine Witterung aufnehmen, die sich nicht in Fakten ausdrückt (die Kaufkraft hier ist ja top), sondern in einem Bild des lähmenden Durchschnitts, das es eben auch so schwer macht, qualifizierten Nachwuchs herzuholen und ihn, wenn man ihn hat, auch zu halten: »Halt in Heilbronn!« Man muss nur mal sehen, wie intensiv sich Audi »als eines der attraktivsten Unternehmen Deutschlands« selbst anpreist: »... als Magnet für Young Professionals mit ein bis zehn Jahren Berufserfahrung. Erfahrene Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler geben dem Automobilhersteller Top-Positionen in den aktuellen Arbeitgeberrankings von trendence und Universum. Insbesondere die begehrten IT-Spezialisten fühlen sich von der fortschreitenden Transformation des Unternehmens zur Digital Car Company angezogen.« Wie schauen die so Angesprochenen auf Heilbronn, was erwarten sie, wollen sie bleiben und wenn ja, wie hoch ist z. B. auch ihr Empörungspotential als Voraussetzung sich einzubringen, wenn sie es denn überhaupt wollen. Wurschtigkeit ist bequem, auch ein Standortwechsel gerade im Alter von 25 bis 30 Jahren ein leichtes. Welche Unternehmen gibt es, die nicht nur die Fortbildung, sondern z. B. auch ein öffentlich-politisches Engagement ihrer Mitarbeiter fördern – wo sind sie geblieben, wenn es sie denn gibt? Mit dem Begriff »Ehrenamt« lässt sich das nicht abdecken. Ins Portfolio einer Schwarmstadt würden sie gut passen, Stadtleben und Stadtkultur braucht sie. Wer vor zwei Generationen nicht die Mao-Bibel bei sich trug, war nicht nur politisch eine Lusche – sie war die Option auf einen Irrweg und den Ausweg – aber wie viele junge Menschen in der Stadt haben heute das genauso schmale kleine Buch »Empört Euch!« von Stephane Hessel (»Neues schaffen heißt Widerstand leisten, Widerstand leisten heißt Neues schaffen.«) im Rucksack? Gerade sie würden dem Stadtleben Persönlichkeit geben. Es muss etwas sein, das wie eine Wolke über der Stadt schwebt, nicht sichtbar, aber fassbar. Das Zauberwort, diese Wolke zu vertreiben, mit dem Angebot der Schwarmstadt und darüber hinaus, ist Stadtkultur bis Subkultur, sie bietet die breiteste Ebene, die meisten Möglichkeiten, die vielfältigsten Unterscheidbarkeiten, sie ist der Sauerteig, mit dem Heilbronn aufgehen kann. Schon im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 hat der Philosoph Peter Sloterdijk die Demoskopie, ihre Stellung und den Umfang ihrer Präsenz in den Medien als »außerparlamentarische Herrschaftsinstanz« beschrieben. Dem mag ja so sein, zumal nach der letzten Bundestagswahl. Dass und wie Meinungsumfragen einer notwendigen Selbsterkenntniss und Selbstvergewisserung dienen, das zeigt das »Forschungsprojekt Schwarmstadt« der DHBW Heilbronn deutlich auf. Auch wenn damit hauptsächlich das Feld von jungen, erfolgsorientierten Menschen erfasst ist – auf sie kommt es eben ganz besonders an. Erlaubt ist dennoch der Einwand dazu: Heilbronn als immer noch weiter aufstrebende Bildungsstadt hat nur solche Institutionen, die dem Machbaren verpflichtet sind, vielleicht auch dem Denkbaren, nicht aber dem Geistigen. Dieses Vakuum ist die Riesenchance, die die Kultur in der Stadt hat und haben muss. Vielleicht ziehen doch noch auf dem Bildungscampus auch die Geisteswissenschaften ein, eben um – das wäre übrigens ganz im Sinne Robert Mayers! – der Physik auch die Metaphysik folgen zu lassen. Vortragsveranstaltungen, wie sie z. B. die GGS bietet oder auch die experimenta, zeigen, dass man die Schnittmengen zwischen Wirtschaft, Technik, angewandten Wissenschaften und Geisteswissenschaften beackern will, sicher des-halb, weil man erkannt hat, dass man sie beackern muss. Wie schön wäre es, wenn es ein, vielleicht speziell für Heilbronn definiertes Mentoren-Programm für besonders begabte Studierende gäbe, das genau diese Lücke füllt und für das sich sicher eine Finanzierung finden ließe! Und wenn man dazu im Auge behielte, dass die Zukunft auch sehr weiblich sein kann. In diesem Zusammenhang: Der überwiegende Teil der Leitungsrunde an der DHBW Heilbronn ist weiblich. Aber es gibt immer noch keine Chefärztin am SLK-Klinikum. Und man kann sich auch außerhalb akademischer Höhenflüge einen Reim darauf machen, warum es auf Teufel komm raus in Heilbronn nicht möglich ist, dem Fußball auf die Beine zu helfen! Die Schwarmstadt Darmstadt bekommt übrigens ein neues Fußball-Stadion. Es gibt eine beeindruckende Tabelle der Stabsstelle Stadtentwicklung über die Zu- und Wegzüge in Heilbronn, aufgegliedert nach Bundesländern und Nationen. Im Zeitraum 2007 bis 2016 fanden danach nahezu 52.000 innerhalb Baden-Württembergs statt, nahezu 4.000 entfielen auf Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz und Heilbronn müsste mit je über 1.000 – eiverbibbsch! – auch sächsisch sprechen oder berlinern. Der Hanix Nr. 52 62 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 größten Teil der Wanderungsbewegung aus dem und ins Ausland fällt auf Rumänien, Polen, Indien, Italien, Bulgarien und Kroatien – in dieser Reihenfolge von knapp 4000 bis 1000. Fällt einem da etwas auf? Zum Beispiel, dass der Bevölkerungsanteil der Türken stabil geblieben ist. Betrachtet man die Tabelle auch nach Altersangaben, so entfällt der weitaus überwiegende Teil auf junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren aus den deutschen Bundesländern. Man sollte sie zur Pflichtlektüre für die AfD und gewisse Kreise der Zuwanderer aus Russland machen – sie haben Heilbronn keine guten Schlagzeilen beschert! Auch Heilbronn zeigt, dass die »große« Völkerwanderung von Ost nach West eher Vergangenheit ist, dass sie eher in Nahräumen stattfindet oder in Bezug auf Großstädte mit besonderer Anziehungskraft wie Berlin, München, Frankfurt. Wirklich konkurriert Heilbronn mit Heidelberg, Würzburg, Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe. Und hoppla, auch Heidelberg (Platz 4) ist Schwarmstadt, genauso wie Koblenz. Dahin schaut man gerne, es gibt ja genügend Parallelen: die Lage an einem großen Fluss, die Einwohnerzahl 111.434 (2015) und vor allem die Buga. Die, wie Heilbronn, »kleine Großstadt« (so der verniedlichend-zuckersüße und von falscher Bescheidenheit triefende Sprachgebrauch bis heute) hat es im bundesweiten Vergleich der Schwarmstädte auf Platz 24 gebracht, teilt sich den Rang mit Trier und Bonn. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der neuesten Studie zur Schwarmstadt durch Prof. Dr. Harald Simons nannte er als einen der wesentlichen Gründe für die seit 2011 erkennbare große Zuwanderung nach Koblenz die enge Verknüpfung mit der Region (Vergleich Einzugsgebiet: rd. 300.000 für Koblenz – rd. 500.000 für Heilbronn), den Ausbau bzw. die Weiterentwicklung als Hochschulstandort und die Buga als »Beschleuniger«. Für die Stadtentwicklung sollte dieser, noch in der Stadt vorhandene, hohe Aktivitätslevel fortgeführt und für die Strategie einer ›zweiten Buga‹ genutzt werden. Da sollte man in Heilbronn aufhorchen! Susanne Bay (MdL/Grüne) ist jung, aber keine Nachwuchspolitikerin mehr, und wie sie es zusammenfasst, das trifft den Kern: »In Heilbronn kann man ausgezeichnet arbeiten, abschalten, ausgehen, ankommen. Das muss das Ziel sein. Ganz vieles davon ist schon möglich. Bei den Aspekten Arbeiten und Ankommen (z. B. Familien) sind wir schon sehr gut vorangekommen. Was die Freizeit-Bedürfnisse der Menschen betrifft, muss sich die Stadt mehr trauen – und vor allem sich trauen, auch jungen Menschen oder Menschen mit Ideen abseits des Mainstream mehr zuzutrauen. Wir haben ein großes kreatives Potenzial in dieser Stadt, dem man Raum geben muss. Viele Institutionen arbeiten schon in vielen Bereichen gut zusammen. Mit noch etwas mehr Mut zur Kooperation könnten sie noch besser dazu beitragen, ein neues Wir-Gefühl, das ich derzeit wachsen sehe, mit zu befördern. Das funktioniert nicht im Sinne einer Ausgrenzung von Neuem, sondern vielmehr mit der Botschaft ›wir laden ein‹.« Ein schönes Beispiel, was an Zusammenarbeit von Institutionen untereinander und mit vielen gesellschaftlichen Gruppen möglich sei, ist die Vorbereitung der Buga. Hier hat Heilbronn ein Feld gefunden, in dem sich eine neue Dynamik wohltuend auswirkt, Ideen befördert und Menschen miteinander in Verbindung bringt: »Dieses Wir-Gefühl sollten wir mitnehmen ins nächste Jahrzehnt. Wir wissen, dass auch hochqualifizierte Fachkräfte solchen Mehrwert an ihrem Wohnort schätzen. Auch deshalb lohnt es sich, an einem Lebensgefühl der Offenheit und des Miteinanders zu arbeiten. Dann müssen wir Heilbronn nicht ›verkaufen‹, sondern können diese neuen Qualitäten für sich sprechen lassen.« In dem unsäglichen Theaterstreit, der Heilbronn von den 50ern bis zum Ende der 70er spaltete, war eines der unschlagbaren Argumente der Theater-Befürworter, dass man nur dann – man hatte gerade begonnen, das Klinikwesen in Heilbronn wesentlich auszubauen – gute Chefärzte nach Heilbronn holen könne, wenn diese mit ihren Gattinnen hier auch ins Theater gehen können. An dieser Grundeinsicht ist bis heute nichts falsch. In der »Pforzheimer Zeitung« war im Oktober unter dem Titel »In Pforzheim lässt es sich passabel und sicher leben« zu lesen: »Wenn Pforzheimer über Pforzheim reden, ist die Chance groß, dass man an Bruddler gerät, die genüsslich nur das Schlechte an der Goldstadt sehen. Ähnliches gilt für Mitbürger, die Pforzheim als Kriminalitätshochburg werten und deren persönliches Sicherheitsgefühl scheinbar gegen null tendiert. Und dann gibt es da noch die nackten Zahlen aus offiziellen Statistiken, die zum Teil ein ganz anderes Bild von der Goldstadt ermitteln: Laut einem aktuellen City-Ranking von Peak Ace AG und Bausparkasse Mainz lässt es sich in Pforzheim gar nicht so schlecht und vor allem auch sicher leben.« In dieser aktuellen Studie wurden 71 deutsche Studentenstädte mit jeweils über 100.000 Einwohnern in über 500 handtaschen, geldbeutel und rucksäcke di-fr 10-18 uhr, sa 10-16 uhr The Place to be HAUSE Endner Wohnideen GmbH Maybachstraße 7, 74211 Leingarten Telefon 07131 90414-0, Mo-Fr 9-20 Uhr und Sa 9-18 Uhr, www.endner-wohnideen.de »KOMM INS OFFENE, FREUND!«

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Auch die junge Szene braucht Planungssicherheit, Verlässlichkeit und einen Vertrauensvorschuss. jeweils 22 Kategorien bewertet. In Heilbronn nahm man die Studie ganz und gar nicht zur Kenntnis. Das Beste, was man da über die Stadt liest, sind die 1615 Sonnenstunden im Jahr, mit das schlechteste, dass Heilbronn im ADFC-Fahrradklimatest die Note 3,84 erhielt und damit schlechter als Stuttgart abschneidet. Das Durchschnittseinkommen wird mit 3.800 Euro beziffert, nicht schlecht, auch nicht, dass auf 100.000 Einwohner 69,35 Sportvereine, Fitnessstudios und Schwimmbäder und drei Hochschulen kommen, mit einem Anteil von 6,2 Prozent von Studenten an der Gesamtbevölkerung. Neben einem »Spitzenwert« bei der Kriminalität (Rang 7) gibt es gute und durchschnittliche Werte bei der Arbeitslosenquote, beim Nachtleben mit Bars, Kneipen und Clubs, bei den Grün- und Wasserflächen, auch noch bei Restaurants und Cafés. Doch dann kommt der Hammer: Auf 100.000 Einwohner kommen hier 4,1 Theater, Kinos und Museen und das ergibt Platz 70 von 71 –, also die rote Laterne. Die Stadt Würzburg positioniert sich dagegen, unter Berufung auf diese Studie, so: »Würzburg ist nicht nur Studentenstadt, sondern auch Stadt der Kirchen. Allerdings finden sich neben den zahlreichen Kirchen, die deutlich unser Stadtbild prägen, auch viele Museen, Theater und Kinos. Wer also kulturelle Abwechslung braucht, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Im Pro-Kopf-Vergleich liegt Würzburg auch hier wieder vor den Millionenstädten Berlin, Hamburg und Co.« Pforzheim übrigens rangiert bei Kultur auf Platz 19 mit 4,7 Theater, Kinos und Museen – kein Wunder, dass man dann auch die meisten Sonnenstunden von allen hat. Wer grundsätzlich Rankings mißtraut – es gibt da auch die »Gegenprobe«: Laut einer aktuellen Auswertung des Internetportals »Die Deutsche Wirtschaft« vom April 2017 belegt Heilbronn in der Auflistung »Anzahl der Top-Mittelständler« Rang neun (!) in der Deutschlandliste. Das wäre doch ein wunderbarer Ansatz für eine noch bessere Verzahnung von Wirtschaft und Kultur als Win-Win-Situation für beide. Wer nach der Ausbildung in Heilbronn bleibt – und das ist ja auch der Zweck der Übung des Forschungsprojektes – für den zählt z. B. der kostenfreie Kindergartenplatz sehr viel weniger, als man z. B. im Gemeinderat immer wieder hört, dieses Angebot wird erst dann relevant, wenn man sozusagen ansässig ist, vom Alter und Familienstand her an Kinder und Nestbau denkt. Welche Aussagekraft man dem DH- BW-Forschungs-Projekt, den diversen Rankings und Statistiken also auch zubilligt, deren Fakten sind nicht aus der Luft gegriffen, und man kann auch zwischen den Zeilen lesen. So ist eine gewisse amusische Einstellung der von der DHBW Befragten erkennbar. Und auch das kennzeichnet das Dilemma. Die Kriterien bzw. die Möglichkeiten einer Schwarmstadt liegen, wie zur Genüge ausgeführt und von Prof. Harald Simons definiert, vor allem im Bereich (Stadt-)Kultur. Und genau da hat Heilbronn noch einen langen Weg vor sich. Nicht, dass hier keine Kultur stattfände – es scheint, als gehe es dabei auch sehr oft um eine Vermittlungsfrage. Der letzte Kulturbericht stammt aus dem Jahr 2005. Jetzt ist man im Rathaus dabei, eine neue, längst überfällige Kulturkonzeption zu erarbeiten. Es wird dabei, abgesehen von den Inhalten, also darauf ankommen, wie man die jungen Menschen zur Teilhabe und zum Mitmachen bewegt. Die Stadt hat für 2018 wie immer in den letzten Jahren 30.000 Euro für die freie, alternative, junge Kulturszene »lockergemacht« – projektbezogen. Zum Vergleich: In Mannheim sind es mindestens 3 Millionen. Wenn eine Stadt aber nur projektbezogen fördert, bestimmt sie auch, was geht und was nicht geht – und genau so sollte es nicht gehen! Auch die junge Szene braucht Planungssicherheit, Verlässlichkeit und einen Vertrauensvorschuss – so wie die etablierten und subventionierten Kultureinrichtungen gelegentlich die Kontrolle. Was geschieht mit den freien (unverkauften) Plätzen in Konzerten und Theateraufführungen – werden sie z. B. (Musik-)Schülern kurzfristig angeboten? Die kommen zwar nicht gleich in Scharen, aber es lassen sich dafür Strukturen finden. Und was sollen die albernen Baby-Konzerte des WKO, die junge Eltern als »Baby-Sitting« verstehen und den dortigen »Gedankenaustausch« lieber mit Smartphones begleiten, statt zuzuhören. Mit dem gleichen Aufwand, aber garantiert besserem Ergebnis kann man in die Hochschulen gehen und dort mal zeigen, wie spannend das Verhältnis von Musik und Mathematik ist – so wie beispielsweise in Konstanz. In Freiburg ist, dank der Zusammenarbeit mit der Universität, gerade ein erweitertes Literaturhaus entstanden. »Ich bin sehr gespannt auf die Impulse, die von diesem Ort im Herzen der Stadt ausgehen werden«, sagt der dortige OB Dieter Salomon, und der Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer, verspricht sich viele Synergien mit den Kultur- und Literaturwissenschaften, den studentischen Theatergruppen und »unseren Bemühungen, Wissenschaft in Literatur zu übersetzen«. Das neue Literaturhaus hat einen Theatersaal von 260 Quadratmetern mit 130 Sitzplätzen, es gab eine Anzahl von Sponsoren, und Freiburger Bürger unterstützten das Literaturhaus durch die Übernahme von Stuhlpartnerschaften. In Heilbronn darf es auch eine Nummer kleiner sein, wenn man dafür in absehbarer Zeit von OB Mergel eine ähnliche Stellungnahme hören könnte. Vielleicht hilft der Sache auch ein abschreckendes Beispiel auf die Sprünge: die Stadt Duisburg. Bei dem Namen denkt man an Schimanski und Krupp, rauchende TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!? Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 Schlote und vergammelte Industrieanlagen, marode Schulgebäude und Mafiamorde. Das trifft es aber nicht, Duisburg ist grün und ziemlich munter, hat, wie den Hafen und eine beeindruckende Geschichte, auch Parallelen zu Heilbronn: seit 1290 reichsfreie Stadt, dann auch Hansestadt, seit 1655 Universitätsstadt. Aber: Die Stadt hat ein Riesenproblem, weil sie keine Identität, keinen Bürgerstolz und keine funktionierende Bürgerschaft hatte, und daraus resultierend einen Image-Gau, nachdem man sich hier in tragischer Selbstüberschätzung an der Loveparade verhoben hat. Es hilft keiner Stadt und keinem Menschen, Minderwertigkeitskomplexe mit Überwertigkeitsgehabe zu kaschieren. Das Psychogramm von Duisburg kann nur Warnung sein und Anlass nachzusehen, wie es um das von Heilbronn bestellt ist, der »Stadt im Aufbruch«. Benennen wir zunächst mal zwei typische »Phänomene«: einmal die »Küsschen-Kultur«, die seit ein paar Jahren epidemisch um sich greift. Da wird geknutscht und umarmt, als wäre »Baby Schimmerlos« ein Heilbronner gewesen. Diese provinzielle Art der Mir-an-mir-Selbstvergewisserung sagt schon fast alles über den hier herrschenden Gesellschaftsbegriff aus, genauso wie das unausweichliche Rhythmus-Geklatschte nach Theaterpremieren, als sei man Beiwohner eines Reichsparteitages. Was muss doch in diesem Unisono für eine »Wir-sind-wer-Gewissheit« liegen, als sei Meinungsgleichheit ein hoher gesellschaftlicher Wert. Kann man so das Trauma des 4. Dezember 1944 schuldfrei machen? Aber vor allem: Muss sich Identität nur an positiven Elementen aufbauen, von denen es ja auch genug in Heilbronn gibt, oder gehören auch die Wunden dazu? Und Achtung: Wollte man es nicht ganz Deutschland mal so richtig zeigen, wie man einen neuen Stadtteil der Zukunft schafft, von dem, man erinnere an die Diskussionen und Pläne zum Neckarbogen, nur noch, und das aus Furcht vor der eigenen Courage und Mangel an Couragierten, ein den Tagesinteressen angepasster Wohn-Ort geworden ist. Heilbronn als die Stadt der kleinen Lösungen hat eine Tradition, die erst der Bildungscampus durchbrochen hat. Weder die Stadtkonzeption 2030 noch der neue Marketing-Auftritt der Stadt zeigen auf, wo diese Balance von Maß und Ziel und Möglichkeit herzustellen wäre, auf deren Basis man ein paar Mal öfter auch »groß« handeln und denken könnte. Da bietet die Kulturkonzeption eine Chance wie auch die Schwarmstadt. Und ironiefrei: das Käthchen als Ampelfigur statt des DDR-Hampelmannes! Die Idee lag auf dem Schreibtisch von HMG-Chef Steffen Schoch, kein Fremder, auch kein Studienanfänger, sollte mehr über eine Ampel gehen, ohne die Identifikationsfigur von Heilbronn zu sehen. Geht nicht, sagt die Bürokratie! Die »Hauptschwärmer« sind jedoch Berufsanfänger mit Hochschulabschluss im Alter von 25 bis 34 Jahren. Entscheidend für den Verbleib oder Zuzug junger Menschen sind laut Prof. Simons vielfältige Kulturangebote oder Szenekneipen, aber auch das Erscheinungsbild der Stadt. Schwarmstädte zeichneten durch besondere Lebendigkeit und Vielfalt aus, aber auch durch ihre Außenwirkung. Heilbronn hat da durchaus was zu bieten, z. B. das Weindorf oder »Jazz und Einkauf«, zu bundesweit positiven Schlagzeilen (statt über die Staus am Weinsberger Kreuz, die NSU-Morde und die AfD-Hochburg zu reden) bieten sich die Kunsthalle Vogelmann, der Ernst-Franz-Vogelmann-Preis und seit Kurzem auch der Otto-Kirchheimer-Preis für politische Wissenschaften an, aber auch die Gründung von »Molit« als Möglichkeit, zusammen mit der vom Zukunftsfonds Heilbronn geförderten Medizintechnik den Medizinernachwuchs hierher zu holen, der sonst an Universitätskliniken ginge. Schon 2001 befasste sich ein Spiegel-Artikel mit der Psychologie der Schwaben – Heilbronn wird darin im Gegensatz zu sehr vielen anderen vergleichbaren Städten nicht erwähnt – und beschrieb den Schwaben, als den man den Heilbronner, allen historischen Gebietsverschiebungen zum Trotz doch sehen muss, so: »Er ist geizig, kehrwütig, bruddelig, ernährt sich alleweil von selbst geschabten Spätzle, und ohne sein Viertele Trollinger kommt er nicht über den Tag. Ja, so ist er, der Fernseh- und Operettenschwabe im Land der Häuslebauer, maultäschelig und brezelhaft. Irgendwie einfältig. Aber gibt es ihn wirklich, den Schwaben, oder ist er eine Erfindung des Schwäbischen Albvereins?« Fazit des Artikels: Der Schwabe ist ein nicht zu unterschätzender Kosmopolit. Wird es der augenblicklichen Schwarmstadt Heilbronn gelingen, dass aus einem »ich bin halt in Heilbronn« ein »Halt in Heilbronn« wird? Der Lauffener Friedrich Hölderlin hat alles, was dazu gesagt werden kann, in eine Aufforderung mit vier Worten gefasst: »Komm ins Offene, Freund!« ◆ »KOMM INS OFFENE, FREUND!«

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Ein Kongress in Hamburg und ein Unesco-Treffen in Ecuador – weltweit beschäftigen sich Experten eingehend mit Fragen zum Stellenwert der Kultur im urbanen Kontext. Was ist davon auf Heilbronn übertragbar – auf dem steinigen Weg zur Schwarmstadt? Kultur als Katalysator für Lebensqualität – oder wieder nur Mainstream und Blasmusik? 66 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Von Leonore Welzin, Fotos: Meli Dikta »Wir brauchen Kultur nicht, um Stadtplanung zu ermöglichen, wir brauchen Stadtplanung, die der Kultur den Weg ebnet.« Mit dem Bau des Theaterprobenhauses, nach sechs Jahren Überzeugungsarbeit des Intendanten Axel Vornam und jüngst eröffnet in der Christophstraße, folgt Heilbronn mit diesem Projekt der zukunftsweisenden Logik. Denn, auch das wurde beim Kongress der Stiftung »Lebendige Stadt« in Hamburg (Ende September 2017) thematisiert: Künstler sind nicht dafür da, ein unmittelbares Problem zu lösen, wie beispielsweise den Leerstand einer Immobilie. Auch dafür gab es in Heilbronn Anschauungsunterricht: Fotograf und Skater Sergej Vutuc ermunterte in Heilbronn zum künstlerischen Füllen von Immobilien-Leerständen; Wilhelmstraße, Sülmerstraße, Wollhausstraße und Salzstraße waren Stationen des kreativen City-Hoppings. Nach einem Jahrzehnt angeregter subkultureller Agitation mit temporären, aber ohne nachhaltige Folgen, hüpft der sympathische Animateur vom Neckar nun weiter, um den Globus zu subkultivieren. Wovon hängt das kulturelle Klima einer Stadt ab? Wie wichtig sind Kultur und Subkultur für eine Schwarmstadt? Dachte man bis vor kurzem, die historischen Institutionen und die Wirtschaftskraft der Region seien Motor und Treibstoff, so scheint sich das Verhältnis mit dem Ende des Industriezeitalters umzukehren: Kultur ist nicht mehr der angenehme Nebeneffekt von Wohlstand, sie ist dessen Voraussetzung. Mal abgesehen vom kulturell engagierten Trendsetter Reinhold Würth ist das eine Einsicht, die spätestens mit dem ärmlichen Bilbao, das dank eines Guggenheim-Museums wohlhabende Kulturtouristen anlockt, begriffen wurde. Auch die Unesco hat sich bei einem Treffen in Ecuador (17. – 20. Oktober 2016) erstmals mit der Kultur als Faktor für die Entwicklung von Städten auseinandergesetzt. Es ging nicht darum, Alleinstellungsmerkmale auf Hochglanz zu polieren oder um Städte-Konkurrenzen anzuheizen, sondern um Kultur als Katalysator für Lebensqualität. Der über 300 Seiten starke Unesco-Bericht »Kultur: Urbane Zukunft«, der Feldstudien aus allen Teilen der Welt zusammenfasst, gibt sich zuversichtlich bis euphorisch: Kultur stifte Identität und Zugehörigkeit, sie eine die Menschen, stelle aber auch sicher, dass Diversität sich ausdrücken könne. Sie fördere Toleranz, Verständigung und Partizipation und sie helfe, Geschlechter-Ungerechtigkeit zu überwinden. Sogar die Resilienz (Widerstandsfähigkeit, Robustheit) von Städten gegen Naturkatastrophen und Klimawandel könne Kultur steigern. Erkenntnisse, die Erwartungen wecken und wachsen lassen. All das im Dienste einer nachhaltigen Entwicklung von Städten und ihrer Re-Humanisierung. Der Mensch müsse im Mittelpunkt aller planerischen Überlegungen stehen und Kultur sei das Instrument, dies zu garantieren. Auf der Homepage der deutschen Unesco-Kommission liest sich das so: »Kultur ist die DNA einer Stadt. Kulturelles Erbe trifft hier auf zeitgenössische Kunst und Kultur. Zusammen sind sie der Herzschlag urbaner Weiterentwicklung und Innovation. In Städten kommen Menschen zusammen, um sich auszutauschen, Neues zu kreieren und produktiv zu sein. Städte sind Treiber menschlicher Entwicklung. Kultur muss deshalb integraler Bestandteil von Stadtentwicklungsstrategien sein, um urbane Räume nachhaltig zu entwickeln und ihren Einwohnern eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen.« KULTUR ALS KATALYSATOR Kulturelles Erbe in Heilbronn – Kilianskirche und Käthchen? Die Wunde, die das Kriegsbombardement am 4. Dezember 1944 geschlagen hat? Inmitten eines zerstörten und wieder aufgebauten Stadtbildes – das die historischen Epochen von Romanik, Gotik, Renaissance und Barock mit typischen Bauwerken bis ins 21. Jahrhundert vertritt – ist Heilbronn auf der Suche nach Identität. Wohl der Stadt, die flankiert von der Unesco punkten kann: »53 Städte in Deutschland zeigen im Rahmen ihres Unesco-Engagements beispielhaft, wie revitalisierend der Herzschlag urbaner Weiterentwicklung und Innovation sein kann. Hamburg mit der Speicherstadt und der angrenzenden Hafencity, Mannheim und Hannover als Unesco-Städte der Musik, Heidelberg als Unesco-Stadt der Literatur oder Nürnberg als aktives Mitglied in der Unesco-Koalition für inklusive und nachhaltige Städte – sie und viele weitere Städte nutzen Kunst und Kultur in hervorragender Weise, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Ich wünsche mir, dass ihnen viele weitere folgen werden«, erklärt Karin von Welck, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission. Da kann Heilbronn nicht mithalten. Goethe hätte sich darüber gewundert. Wenn auch seine in Verse gegossene Italien-Sehnsucht zum geflügelten Wort wurde – »Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn« – seine Sympathie für Heilbronn ist nicht zu verachten: Auf seiner dritten Schweizer Reise kam der Geheimrat am 27. August 1797 nach Heilbronn. Es ist der Vorabend seines 48. Geburtstags. Abends lässt er sich in einer Kutsche auf den Wartberg fahren. Im Tagebuch hält er fest: »Alles, was man übersieht, ist fruchtbar. Das nächste sind Weinberge und die Stadt selbst liegt in einer großen grünen Masse von Gärten. Es gibt den Anblick von einem ruhigen, breiten, hinreichenden Genuss.« Fragt man Heilbronner, junge wie alte, Zugezogene, Weggezogene oder die, die schon immer hier gelebt haben, was sie ins Schwärmen bringt, dann ist es genau das: »Der Fluss, die Landschaft und der Wein, aber auch die Kunstpräsentationen im Kunstverein.« Fast jeder der zwanzig Befragten bezieht sich auf die paradiesische Umgebung, die ins Schwärmen bringe, mal enthusiastisch, mal mit berechtigter Skepsis: »Momentan noch die landschaftlich reizvolle Umgebung und das Württembergische Kammerorchester«. Massen großer grüner Gärten sind nicht mehr, aber »die schönen kleinen Kultur-Locations, Schlösser und Saline« lassen manch Herz höher schlagen. Zu »Maultaschen, Spätzle und Muskat-Trollinger« hätte der Genussmensch Goethe vermutlich ebenso wenig »Nein« gesagt wie zu einer Einladung »in eine Besenwirtschaft, aufs Wengertfeschdle oder in eine der italienischen Eisdielen (z. B. Dellarte in Heilbronn, Vanilla in Brackenheim)«, alles Lokalitäten, die, wie das Kaffeehaus Hagen, die Distel LitLounge, das Liberté, das Caipirinha, das Bukowski oder das Mobilat für die entsprechende Altersgruppe Lebensqualität vermitteln. Je weiter man fragend ins Zentrum rückt, desto mehr gewinnt der Fluss an Bedeutung. Wo möchte man sich in Heilbronn gern verabreden? Die »Neckarmeile«, das »Pier 58« oder die Kaffeebucht, also die Nähe zum Fluss stehen hoch im Kurs. Zumal bei passionierten Radfahrern, die sich zwar mehr Radwege wünschen, aber den Flow spüren: »Mit dem Fahrrad am Neckar entlang von Popkultur an einem besonderen Ort: Hanix-Abrissparty 2015 im ehemaligen Zollamt

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Je weiter man fragend ins Zentrum rückt, desto mehr gewinnt der Fluss an Bedeutung. Neckarsulm nach Heilbronn fahren, bis zur Kaffeebucht und sich dort am Neckarufer in einen Liegestuhl legen, lesen, dösen und das schöne Plätzchen genießen, bei einem Eiskaffee oder einer Rhabarbersaftschorle«, das ist ein Grund dafür, die Stadt am Neckar zu lieben. Ganz im Gegensatz dazu ist laut Blitzumfrage das Image von Heilbronn. Grau, trist, bieder und spießig, ein konservatives Oberzentrum mit wenig markanten Sehenswürdigkeiten und ohne städtebaulichen Charme. Der Wiederaufbau nach dem Krieg sei nicht sehr gelungen. Heilbronn möchte Studentenstadt sein, ist es aber nicht wirklich, auch kein Magnet für Außenstehende. Schlimmer noch, vor 25 Jahren befanden italienische Freunde einer Probandin: »Heilbronn ist eine Stadt ohne Seele«. Sie war schockiert. Heute könnte man zu einem Mittagstisch im Café Hagen, einem Bier in der Jäkbar, einer Nacht im Liberté, einer Veranstaltung im Alten Theater, einem Besuch der einzigen Flamencoschule Heilbronns oder zu einem Spaziergang auf den Wartberg einladen. Auch für Landkreis-Bewohner wie einer Familie aus der größten Rotwein-Gemeinde, deren drei Kinder mit dem Studium abwanderten, »war Heilbronn eh nie Thema«. Vielleicht könnten mehr Radwege, mehr Parkplätze in der Innenstadt sowie eine Bahn nach Brackenheim Abhilfe schaffen? Differenzierter sieht das die ehemalige Brackenheimerin, die zum Studium ins Ausland ging und sich familiär und beruflich in Belgien niedergelassen hat: »Wenn ich an Heilbronn denke, habe ich eine graue Stadt vor Augen. Als Jugendliche bin ich nur ab und zu zum Einkaufen (Innenstadt) nach Heilbronn gekommen oder zum Sprachkurs (AIM). Für mich ist Heilbronn keine Stadt, der man einen Besuch abstattet, weil sie ›schön‹ oder angenehm wäre, sondern aus ›praktischen‹ Gründen: Einkaufen, Kinobesuch, zentraler Treffpunkt für ein Wiedersehen mit Schulfreunden«. Apropos Schule: »Wenn ich das Schulwesen und die Ausstattung der Schulen in der Region mit der Situation im Ausland (Frankreich, Belgien) vergleiche, so ist das auf jeden Fall ein Pluspunkt für die Region. Was die Arbeitsmöglichkeiten betrifft, so kommt das sehr auf den Bildungshintergrund an. Mit meinem Uni-Abschluss in Europastudien würde ich mich bei der Arbeitssuche sicher nicht auf Heilbronn und seine Region konzentrieren. Für andere Berufsbilder sieht das anders aus.« Das korrespondiert mit der Frage nach kulturellen Highlights in HN, zu denen nicht nur international Renommiertes wie das WKO gezählt wird, sondern beispielsweise auch Konzerte und Aufführungen des Mönchsee-Gymnasiums. Was sollte verschwinden, damit Heilbronn lebens- und liebenswerter wird? Klare Ansage: Das Plastik-Käthchen, das in dieser Form alles andere als Kultur verkörpere, sagen Kulturschaffende übereinstimmend. Und »Rammschläden von der Meile, wie der 1Euro-Shop, der den Platz eines schönen, alten Kinos eingenommen hat«, meint ein Sportstudent, der wegen günstiger Mieten im Hohenlohischen wohnt, aber gerne nach Heilbronn zu Musikund Tanzveranstaltungen kommt, ein Faible für Nischen-Kultur wie den Sprayer-Contest im Mobilat-Innenhof hat und Freunde trifft, denn für ihn sind es die Menschen, die die Stadt lebens- und liebenswert machen. Was verspricht er sich von der Buga 2019? »Nichts, es ist ein Prestige-Projekt mit Außenwirkung, aber ohne viel Nachhaltigkeit und nur wenigen Angeboten für die Jugend vor Ort, es sei denn, es gäbe auch für Jugendliche urbane Projekte auf dem Gelände und nicht nur schicke Wohnungen. Und was erwarten die Kreativen von der Buga? Sie pendeln zwischen Hoffen auf »mehr qualitativ hochwertige Veranstaltungen, internationale Menschen und die Entwicklung zu einer offeneren Denkweise« und Bangen: »Nicht viel … Kunst- und Kulturschaffende der Region bleiben vermutlich unberücksichtigt, was bleibt, ist wieder nur Mainstream und Blasmusik.« ◆ Hanix Nr. 52 Bringen die Heilbronner zum schwärmen: der alte 68 Neckar und die Kaffeebucht KULTUR ALS KATALYSATOR

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Hanix Nr. 52 Die 22 großen »W«-Fragen zu Heilbronn Was denken die Heilbronner über Heilbronn oder die Menschen, die Heilbronn kennen? Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen und ein Bild von Heilbronn ergeben werden. Immer schon haben Fragebögen fasziniert und etwas Magisches an sich. Vorbild für den Hanix-Fragebogen ist der, den Prominente aus aller Welt jahrelang für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ausfüllten und der sich seinerseits auf den wohl berühmtesten Fragebogen bezog, den der französiche Schriftsteller Marcel Proust (1871-1922) einst ausfüllte und bekannt gemacht hat. Bis heute wird das Fragebogen-Spiel in Zeitungen und Zeitschriften immer wieder neu aufgelegt. Die Antworten sollten am besten in einem oder ganz wenigen Worten erfolgen. Zehn Minuten Ausfüllzeit und jede Menge Erkenntnisgewinn sind garantiert! TITELTHEMA: SCHWARMSTADT

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Hanix Nr. 52 Susanne Bay 52 Jahre; Landtagsabgeordnete für B90/Die Grünen Foto: Nico Kurth 70 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Berthold Stückle 53 Jahre; Leitung Projektmanagement und Betrieb & Prokurist Buga 2019 Foto: Nico Kurth 72 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Prof. Dr. Yvonne Zajontz 39 Jahre; Studiengangsleiterin BWL-Dienstleistungsmanagement/Medien und Kommunikation & Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Heilbronn Foto: Nico Kurth 74 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Francisco Gondar Alfonso 41 Jahre; Mitinhaber der Jäkbar / Mojäk Galerie Foto: Nico Kurth 76 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Isabell Steidel 20 Jahre; Studentin und ehemalige Jugendgemeinderätin Foto: Nico Kurth 78 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Hanix-Leser/-in Der Hanix-Fragebogen zum Selbstausfüllen Foto: Nico Kurth 80 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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PROF. DR. HARALD SIMONS erforscht und beobachtet unter anderem Wanderungsmuster innerhalb Deutschlands. Er hat die »Schwärmer« identifiziert und mit ihnen auch die Schwarmstädte. Wir haben den »Immobilienweisen« deshalb in seinem Büro am Kudamm in Berlin besucht. Denn: Heilbronn gehört nun dazu, zu den Städten, die auf junge Menschen anziehend wirken. Weshalb das so ist, kann sich der Professor nicht richtig erklären. Er vermutet aktuell in Heilbronn einen rein statistischen Effekt. Aber kann die Stadt am Fluss zur nachhaltigen Schwarmstadt werden? Ein Gespräch über Wandpinkler, angestrengtes Wegsehen der Stadtverwaltung und das Gespür, das ein Oberbürgermeister für die Macher seiner Stadt haben sollte. Interview: Robert Mucha, Fotos: William Veder »Es sind die 25- bis 30-Jährigen, die sich ihren Lebensmittelpunkt neu suchen« Hanix Nr. 52 Herr Prof. Dr. Simons, wir haben vor, Heilbronn zur nachhaltigen Schwarmstadt zu entwickeln – mit Hilfe und unter Einbeziehung der Kultur- und Kreativwirtschaft. Geht das überhaupt, dass Kreative eine Stadt zur Schwarmstadt machen, ihr zumindest entscheidend dabei helfen können? Prof. Harald Simons: Das ist die große Frage! Schaut man sich Schwarmstädte an, so merkt man, dass diese im kreativen Bereich alle stark sind. Und damit meine ich jetzt nicht nur Kunstausstellungen oder etwas Ähnliches, sondern z. B. kreative Kneipenszenen. Auf der Straße muss etwas los sein, es braucht Flaneure mit ihrem Latte macchiato zum Sehen und Gesehen Werden. Das bekommt man hin, wenn man Macher aus der Szene hat, die irgendetwas Skurriles oder Interessantes auf die Beine stellen, die mehr »Frequenz« in die Stadt bringen. Eine solche lebendige Szene ist dafür unglaublich wertvoll. Sie haben das Phänomen »Schwarmstadt« entdeckt und erklären es in Ihrer Studie »Schwarmstädte in Deutschland – Ursachen und Nachhaltigkeit der neuen Wanderungsmuster«. Für alle, die Ihren Bericht dazu nicht gelesen haben: Was macht eine Schwarmstadt aus? Wodurch definiert sie sich? Wir haben eine mathematische Definition: Die Verdoppelung der nachwachsenden Generation bis zu einem Alter von 35 durch TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Zuwanderung. Das heißt aus 100 lokal Aufgewachsenen im Alter von 15 werden im Saldo bis zum 35. Lebensjahr 200 werden. In Top-Schwarmstädten wie Leipzig ist dieses Verhältnis sogar 1:4, was bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf einer Party noch einen Leipziger treffe, bei 1:4 ist. Ist es denn gut für eine Stadt, wenn sie eine Schwarmstadt ist? Diese Entwicklung bringt doch Gentrifizierung mit sich und die Alteingesessenen müssen ihre Stadt früher oder später Richtung Stadtrand oder darüber hinaus verlassen … Alles richtig. Das ist nicht alles nur gut. Es gibt Städte, die seit langer Zeit eine Strategie verfolgen, die nicht auf junge Menschen setzt. Beispiel Wiesbaden: Altes Geld, dort kann ich bestimmt wunderbar Golf spielen. Aber für einen 25-Jährigen ist Wiesbaden weit weniger interessant als Mainz auf der anderen Seite. Es ist die einzige Landeshauptstadt ohne Uni, die haben aber auch nie wirklich eine gewollt. Denn wenn eine Stadt wächst, hat man Wachstumsschmerzen – steigende Mieten, Gentrifizierungsprozesse usw. Wenn man also im Wesentlichen ruhig und gediegen irgendwo wohnen möchte und man damit leben kann, dass die Kinder wegziehen, dann ist die Entwicklung zur Schwarmstadt keine gute Strategie. Dann sind Menschen wie Sie nervig, die irgendwelche komischen Leute in die Stadt bringen. Gepflegte Langeweile kann auch ein Lebensziel sein! Aber können sich die Städte eine »gepflegte Langeweile« überhaupt noch leisten? Eben. Schrumpfen will nämlich auch niemand. Aber für viele ist eine Stagnation das Idealbild, da sie gegen das Wachstumsmantra sind. Allerdings schrumpft die Stadt – wie die Nation – ohne Einwanderung. Und sie schrumpft nicht gleichmäßig, sondern sie verändert ihre Altersstruktur. Die Jungen bleiben weg und ich habe somit immer mehr Ältere. So ändern sich die gesamte Stadt, das Stadtbild und auch die Wertvorstellungen. Gibt es erst mal einen größeren Teil älterer Menschen und es fehlen die jungen, dann nimmt beispielsweise das Verständnis für eine stillende Mutter im Café, Straßenkonzerte oder sich unterhaltende Gäste vor einer Kneipe nach 22 Uhr ab. Insofern ist eine Balance auch kaum möglich; entweder schrumpft oder wächst eine Stadt. Keine Stadt kann ihre Bevölkerung aus der eigenen Fertilität konstant halten. Gibt es auch Vorteile für eine Stadt, wenn sie schrumpft? Naja, es gibt Platz und Wohnraum. Aber dafür schließen auch die Läden. Ich beobachte Schrumpfungsprozesse jetzt seit 25 Jahren und kann sagen, dass Schrumpfung schon sehr viel härter und ekliger als Wachstum ist. In schrumpfenden Städten herrscht so eine lethargisch-depressive Stimmung – da will ich nicht wohnen. Welche Zutaten braucht eine Stadt, um Schwarmstadt zu sein oder zu werden? Das Wichtigste sind viele junge Menschen. Da, wo es sie gibt, wird es attraktiv, es passiert etwas, neue Menschen kommen dazu, eine Infrastruktur entsteht. Das ist selbstverstärkend. Altes Beispiel: Mit jedem jungen Menschen, der Gera verlässt und nach Leipzig zieht, wird Gera unattraktiver und Leipzig attraktiver. Dennoch ist der Faktor Jugend keine richtige Antwort, es gibt schließlich auch Universitätsstädte, die das Gegenteil einer Schwarmstadt sind, schauen Sie sich nur Siegen oder Frankfurt/Oder an. Trotz Uni bleibt dort keiner hängen, es gibt keine lebendige Studentenkultur oder Sonstiges. Vor allen Dingen geht es gar nicht so sehr um Studenten, was man in Göttingen sehen kann: Klare Unistadt, studentisch geprägt. Aber nach dem Studium gehen alle, da es nämlich nichts gibt, was die 25- bis 30-Jährigen hält. Der Fokus sollte also nicht nur auf den 20-jährigen Studenten liegen. Die Gepflegte Langeweile kann auch ein Lebensziel sein! kommen zum Studieren, wenn ich eine Uni habe. Es sind die 25- bis 30-Jährigen, die sich ihren Lebensmittelpunkt neu suchen. Wenn Sie Oberbürgermeister einer großen Mittelstadt oder kleinen Großstadt wären, an welchen stadtentwicklerischen Stellschrauben würden Sie zuerst drehen, um die 25- bis 30-Jährigen zu halten? Und welche sind zu vernachlässigen? Man kann ja niemanden verpflichten, in eine Stadt zu kommen. Deshalb muss man versuchen, eine »Kommt alle her hier geht was«-Stimmung zu schaffen. Ich würde also als Bürgermeister auf alle möglichen Veranstaltungen gehen, wo eben diese Szene ist und überall klarmachen, dass ich das super finde, was hier passiert. Im Konfliktfall schlage ich mich auf die Seite derer, die etwas organisieren. Denn es ist immer das gleiche Problem: Kaum habe ich eine kleine Szene, etwas Kunst und ein paar Kneipen, habe ich die Konflikte mit der Nachbarschaft. Ja, es werden Leute in die Ecken pinkeln, aber eine Kulturszene ist wichtiger als Ruhe. Spreche ich ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen aus, sodass man sich dort abends nicht mehr aufhalten kann, dann sind die jungen Menschen weg. Dann ist Ruhe. Dann bekomme ich auch jederzeit einen Parkplatz. Aber es ist tot. Ich will Klaus Wowereit jetzt gar nicht übermäßig loben, aber dadurch, dass er ein wenig als »Partybürgermeister« galt, hat er es geschafft, einen gewissen Glamour nach Berlin zu bringen. Glamour ist nichts, was Sie fassen können, aber irgendwie tauchte er überall auf. »Arm aber sexy« war zum Beispiel grandios! Hat dieser Regierungsstil von Wowereit dazu beigetragen, dass Berlin heute »sexy« ist? Davon bin ich fest überzeugt. Berlin ist einfach sexy. Jeder weiß, in Berlin geht was. Vor 20 Jahren war Berlins Ruf katastrophal. Niemand, der irgendetwas reißen wollte, egal ob in der Kunst, als Start-Up oder sonst wo, wäre nach Berlin gegangen. Und dann passierte eine Reihe Dinge wie z. B. die Loveparade, von der ich überzeugt bin, dass sie auch geholfen hat. Die Loveparade hat Berlin wieder auf die Landkarte gesetzt. Plötzlich lief hier ein Haufen 20-Jähriger rum, die es hier super fanden und das weitererzählten. Zehn Jahre später waren die 30 und sind dann nach Berlin gezogen. Man hätte die Loveparade natürlich auch gleich am Anfang kaputtmachen können, das wäre ohne Probleme möglich gewesen, da sie als Demonstration angemeldet wurde, aber natürlich keine war, sondern eine riesige Party. Hat man aber Gott sei Dank nicht. Damit stand Berlin wieder auf der Landkarte der nachwachsenden Generation, die anfing, hier etwas zu machen. Plötzlich war Berlin ein heißer Spot. Ich kam 1996 in die Stadt, obwohl ich die freie Auswahl hatte. Aber ich wollte nach Berlin wegen der illegalen Clubs – darum ging es für mich. Man konnte sich sagen, »Ich zieh’ nach Mitte, kralle mir da ’nen Raum und mache einfach was«. Wäre man da mit Hygienevorschriften und Toilettenregeln gekommen, wäre das alles sofort zu gewesen. Aber man hat das laufen lassen, angestrengt weggeschaut und so eine »Hier geht INTERVIEW MIT PROF. DR. HARALD SIMONS

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Wenn sich etwas entwickelt, darf man nicht nach dem fehlenden dritten Pissoir suchen und den Laden dann dichtmachen. Laufen lassen, bis sich das Ding professionalisiert! etwas«-Stimmung zugelassen, weshalb immer mehr kamen. Die Arbeitsplätze, die heute in Berlin entstehen, sind nicht der Grund, warum viele Leute kommen. Sie sind die Folge, dass vor ein paar Jahren Leute gekommen sind, die etwas machen wollten. Kommen wir auf Heilbronn zu sprechen. Ende 2013 war Heilbronn noch nicht unter den 30 Schwarmstädten vertreten, galt jedoch als Anwärter. Im Vorgespräch erwähnten Sie, dass seit Ende 2015 Heilbronn als Schwarmstadt bezeichnet wird. Wie bewerten Sie Ihre Daten zu Heilbronn und die Veränderungen zwischen 2013 und Ende 2015? Was ist in diesen Jahren geschehen, dass Heilbronn im Ranking geklettert ist? Die Wachstumsrate war vorher schon ordentlich und lag bei etwa 70 Prozent. Jetzt ist sie in Heilbronn in den zwei Jahren eben deutlich über 100 gestiegen; und so kann die Stadt als Schwarmstadt bezeichnet werden. Sie selbst waren auch schon in Heilbronn. Als Tourist? (lacht) Ich hatte einen Vortrag in der Nähe und habe mir die Gegend mal angeschaut, allerdings nur für eineinhalb Stunden. Schließlich wusste ich durch die Studie, dass Heilbronn auf dem Weg zur Schwarmstadt war. Also habe ich das getan, was jeder, der sich überlegt, ob er in eine Stadt ziehen soll, macht: Ich bin ins Stadtzentrum gefahren und habe geschaut, was dort so geht. Anschließend läuft man durch ein paar Nebenstraßen und so hat man ein erstes Bild. Und dieses Bild prägt die Stadt. Ob es irgendwo schöne Einfamilienhäuser gibt, interessiert mich erst in zehn Jahren. In dem Augenblick, in dem ich mich zwischen Heilbronn oder Nürnberg entscheiden muss, schaue ich mir an, was es für Leute in der Stadt gibt, bzw. ob es überhaupt welche gibt. Bin ich mit Anfang 30 der Jüngste dort oder gibt es Gleichaltrige? Wie haben Sie die Stadt wahrgenommen? Das ist jetzt nur mein subjektiver Eindruck: Klassische Stadt, 125.000 Einwohner, im ländlichen Raum gelegen und nicht direkt an einen großen Metropolraum angeschlossen, mit klarem Hinterland drumherum. Heilbronn hat, was eine Stadt zur Versorgung der Bevölkerung braucht und nimmt eine Zentralitätsfunktion für das Umland ein – das ist schon mal sehr gut. Architektonisch sieht man der Stadt leider an, dass sie im Krieg fast vollständig zerbombt wurde. Glücklicherweise wurde nicht der Fehler begangen, dass man in den 60ern und 70ern dachte, man müsse alles modern aufbauen, sondern dass man versucht hat, sich an alte Strukturen zu halten – so kam es mir zumindest vor. Dass ich mir aber gesagt habe: »Boah, ist das schön hier«, kam nicht vor. Ich sage es mal so: Heilbronn ist kein Regensburg oder Bamberg, allerdings war auch nichts wirklich Abschreckendes dabei. Die Kilianskirche hat mir gut gefallen, die steht da, wo sie hingehört und hat einen schönen Platz, auf dem man wunderbar einen Kaffee trinken konnte. Heilbronn ist gerade eine sehr dynamische Stadt, die sich im Wandel befindet. Aus Ihrer Forschersicht eine der aktuell spannendsten Großstädte in Deutschland? Heilbronn ist eine Stadt im Aufschwung. Das ist natürlich immer spannend, weil man sich fragt, warum das so ist und was eine Stadt hat, was andere nicht haben. Gibt es denn Städte in Deutschland, die man, was den Aufschwung angeht, mit Heilbronn vergleichen könnte? Am beeindruckendsten finde ich Koblenz. Knapp über 100.000 Einwohner, war vor 20 bis 25 Jahren halb Garnisons-, halb Residenzstadt und spielte überhaupt keine Rolle. Es war nicht mal schmuddelig, sondern einfach nur total grau und langweilig und man wollte da einfach nicht hin. Aber in der Zwischenzeit tat sich so einiges, und als ich mich dann umgesehen habe, habe ich es kapiert: Koblenz hat eine zentrale Innenstadt mit vielen Plätzen, wie ein Netz. Und die Stadt hat es geschafft, diese Plätze mit ihren Hanix Nr. 52 84 INTERVIEW MIT PROF. DR. HARALD SIMONS

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dazugehörigen Gassen zu beleben. Man läuft durch die Gegend und ist begeistert. Auslöser war in Koblenz übrigens die Bundesgartenschau! Die Stadt wurde wieder ans Wasser gebracht, aber der wichtigste Punkt war, dass man es geschafft hat, eine Stimmung zu erzeugen. Gefühlt jeder schien mitzumachen und war begeistert. Der Verein »Freunde der Buga« hat dort sage und schreibe 1.000 Mitglieder, in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern! Das ist schon ein Hammer. Da hat jeder am gleichen Strang gezogen und alle haben sich gegenseitig unterstützt. Was Bebauung in den Städten angeht, muss man sich immer die Frage stellen: Stützt es meine Innenstadt oder macht es sie kaputt? Ein Fehler, den Koblenz begangen hat, der sich aber zum Glück nicht ausgewirkt hat, war der Bau der Uni, die man an den Stadtrand gesetzt hat. Dadurch ist sie eine reine Autofahrer-Uni und es gibt kein studentisches Leben auf der Straße. So etwas ist grob falsch! Wenn Studenten für die nächste Vorlesung einmal über den Marktplatz laufen müssen, ist das genau richtig. Kann aus Ihrer Sicht die Kultur- und Kreativwirtschaft, Individualität in der Gastro- und Clubszene als auch ein abwechslungsreiches und individuelles Einzelhandelsangebot bei der Stadtentwicklung eine entscheidende Rolle spielen, beim Wettbewerb um die »Schwärmer« und Talente? Unbedingt! Die Frage ist nicht ob, sondern wie man das hinbekommt. Das Einzige, das man da machen kann, ist diese Kultur- und Kreativwirtschaft zumindest nicht zu verjagen. Im Vorgespräch erwähnten Sie, dass der Einfluss auf städtische Anziehungskraft dieser Branchen schwer messbar sei – das Problem der Kultur- und Kreativakteure. Wir müssen Sie als Wissenschaftler also nach Ihrem Bauchgefühl dazu fragen … wie groß ist der Einfluss? Was sagt Ihr Bauchgefühl? Bei mir waren es, wie schon erwähnt, die illegalen Clubs. Dazu kam günstiger Wohnraum in idealer Lage, schön geschnitten. Damals haben wir uns gesagt, dass man alle sechs Monate umziehen müsse, da man sonst einroste! (lacht) So sprangen wir von einer Wohnung zur nächsten, einfach weil es Spaß machte und man mal einen anderen Kiez kennenlernen wollte. Das geht natürlich nur, wenn es Leerstand und somit niedrige Mieten gibt. Im Grunde hatten wir Raum: physisch, finanziell und rechtlich. Würden Sie also auch konservativen Stadtverwaltungen oder Amtsleitern raten, sich in diesen Belangen liberaler zu verhalten? Ja, lasst die Leute einfach machen, schaut angestrengt weg! Wenn ich ein ordentlicher Stadtplaner oder in der Verwaltungsspitze der Stadt bin, dann habe ich meine Stadt zu lieben und ich habe auch dort herumzulaufen. Man muss eine Nase dafür entwickeln, wo etwas passiert und sich dort umschauen. Und wenn sich etwas entwickelt, darf man nicht nach dem fehlenden dritten Pissoir suchen und den Laden dann dichtmachen. Laufen lassen, bis sich das Ding professionalisiert – dann muss man sich natürlich an die Vorschriften halten, keine Frage! Aber erst mal draufhauen und kaputtmachen ist falsch. Wir haben zusammen mit der DHBW Heilbronn im Sommer eine Umfrage durchgeführt. Hier haben wir unter anderem die Wichtigkeit und die entsprechende Zufriedenheit zu vielen Aspekten aus dem kulturellen Bereich abgefragt, aber auch zur Angebots- und Versorgungsvielfalt als auch die Attraktivität der Innenstadt. Hier ist nur im Bereich »Klassische Musik« und »Wochenmarkt« die Zufriedenheit über das entsprechende Angebot vor Ort größer als die Wichtigkeit. Bei den Punkten »Einladende Atmosphäre in der Fußgängerzone«, »Vielfältiges Stadtbild«, »Einladende Lokale und Geschäfte«, »Breites Angebot des Einzelhandels«, »Vielzahl Lieber praxisnahes Lernen statt trockener Theorie? Wir suchen Mitdenker. Werde Teil eines internationalen Handelsunternehmens, das auf Leistung, Dynamik und Fairness setzt. Starte gemeinsam mit uns in eine erfolgreiche Zukunft. Wir bieten dir mehr als zehn verschiedene duale Studiengänge. Entdecke mehr auf kaufland.de/karriere TITELTHEMA: SCHWARMSTADT

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Ich kapiere Heilbronn noch immer nicht. an kleinen/individuellen Läden/Boutiquen«, »Individuelle Kneipen & Cafés«, »Tolerante und weltoffene Stadt«, »Digitale Stadt«, »Attraktiver Wohnraum«, »Attraktives Nachtleben«, »Attraktive Veranstaltungen und Festivals«, »Pulsierendes Stadtleben«, »Freie Künstlerszene« und »Urbane Kultur« liegt der Unterschied im Mittelwert bei ca. zwei ganzen Punkten (Schulnotenprinzip). Bei den Punkten »Bezahlbarer Wohnraum« und »Ausreichend vorhandener Mietraum« liegt die Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit gar bei ca. drei Punkten Unterschied. Bei den »Kreativen Unternehmenskonzepten« und »Förderung der Start-up und Gründerszene« gibt es immerhin noch ca. 1,5 Punkte, die zwischen der Wichtigkeit Zur Person: Prof. Dr. Harald Simons, Professor für Volkswirtschaftslehre an der HTWK Leipzig und Vorstandsmitglied des Forschungsund Beratungsinstitutes empirica AG, ist der für die Wohnungsmärkte zuständige »Immobilienweise« – einer von vier Sachverständigen, die regelmäßig im Frühjahr eine Bestandsaufnahme und Prognose zum Zustand der deutschen Immobilienmärkte des Themas und der realen Wahrnehmung der Befragten liegen. Normale Werte oder alarmierend? Die Werte erstaunen mich nicht. Mich würde erstaunen, wenn es umgekehrt wäre; es gibt immer eine Diskrepanz bei solchen Umfragen. Das würde ich auch nicht überinterpretieren, denn gemeckert wird sowieso immer gerne. Ich schätze sogar, dass bei einer Umfrage in Berlin ähnliche Werte herauskommen würden. Insofern sind die Zahlen auch nicht alarmierend. Extremwerte aber können schon abschreckend wirken. Auch würden nur 35 Prozent der Befragten einem Freund einen touristischen Besuch in Heilbronn empfehlen, von den befragten Städtern können sich 30 Prozent nicht vorstellen, langfristig in Heilbronn wohnen zu bleiben, 40 Prozent der Stadtbewohner können sich einen Umzug in den Landkreis vorstellen, umgekehrt können sich nur 18 Prozent der Landkreisbewohner nicht vorstellen, langfristig im Landkreis zu wohnen, 70 Prozent können sich einen Umzug nach Heilbronn nicht vorstellen. 20 Prozent aller Befragten können sich ein dauerhaftes Verlassen der Region Heilbronn vorstellen … Was sagen diese Werte aus? Das Problem bei solchen Umfragen ist immer das Fehlen von Vergleichszahlen. Der erste Satz in meiner Vorlesung ist fast immer: »Keine Zahl ohne Vergleichszahl!« Ich würde empfehlen, dieselbe Umfrage auch in Städten, die in der gleichen »Liga« wie Heilbronn spielen – z. B. Darmstadt oder Koblenz – durchzuführen. Bei den 24- bis 46-jährigen liegt bei 60 Prozent der Befragten die Wahrscheinlichkeit bei über 60 Prozent, dass sie Heilbronn verlassen werden … Bei dieser Zahl gibt es zwei Probleme: Erstens ist die Altersklasse zu breit gewählt und zweitens können Sie immer nur die »Bruttogröße« befragen. Hin- und hergewandert wird natürlich immer, die Frage ist nur, ob die Zuzüge größer als die Fortzüge sind. Befrage ich Studenten einer Uni in einer super Schwarmstadt wie Leipzig oder München, würden dort vermutlich auch 60 Prozent sagen, dass sie die Stadt nach dem Studium wieder verlassen. Das bedeutet, man kann immer nur die befragen, die kommen, oder die, die gehen. Geht es um Zufriedenheitswerte, muss man auch vorsichtig sein. Vor ein paar Jahren bekam ich eine Umfrage vorgelegt, bei der 70 Prozent der Bewohner eines Plattenbaus, der abgerissen werden sollte, sagten, sie seien sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Das hört sich im ersten Moment nach einem guten Wert an, aber in Wirklichkeit ist das katastrophal, da die Unzufriedenen schon längst weggezogen sind und somit auch nicht mehr befragt werden können. Hätte Mercedes-Benz eine Zustimmungsquote seiner Kunden von nur 70 Prozent, hätten die ein Riesenproblem. Man sollte mindestens bei 90 Prozent landen. Wie interpretieren Sie den Aufstieg Heilbronns zur Schwarmstadt? Das ist die Frage, die mich auch interessiert. Das möchte ich gleich von Ihnen hören! (lacht) Zunächst haben wir dieses Schwarmverhalten: Die Masse der Neuheilbronner kommt aus der Umgebung, also dem, was wir Hinterland nennen. Das ist überall so. Insofern könnte Heilbronn also auch der »Einäugige unter den Blinden« sein, da es drumherum nichts gibt und man sich also – aus Mangel an Alternativen – dort zusammenrottet. Das ist bei Heilbronn aber nur im östlichen Hinterland der Fall, da müsste ich sonst bis nach Würzburg oder gar Nürnberg. Heilbronn hat also nur Konkurrenz im Westen bzw. Süden. Hinzu kommt, 86 vorlegen. INTERVIEW MIT PROF. DR. HARALD SIMONS Hanix Nr. 52

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dass München und mit Abschnitten auch Stuttgart einfach zu teuer geworden sind. Klar, München war schon immer teurer als Heilbronn, aber es kommt auf die Differenz an. Lag der Unterschied bei den Mieten vor fünf Jahren noch bei vier Euro, sind es mittlerweile sieben! Wenn man sich die Mieten in Süddeutschland anschaut, sieht man, dass dort – mit Ausnahme von München – eigentlich kaum Unterschiede herrschen, bzw. alles gleich teuer ist. Das gesamte Mietpreisgefüge ist gestiegen, zumindest bei den Städten. Dementsprechend profitieren dann Städte wie Heilbronn von der Preisentwicklung in München. Also muss Heilbronn doch irgendetwas zu bieten haben, sodass die jungen Leute es z. B. Crailsheim vorziehen. Es muss also irgendetwas Lokales in Heilbronn geben, was dafür sorgt. Und das möchte ich jetzt von Ihnen wissen: Ich kenne nicht viel von Heilbronn, aber habe immer gedacht, dass man es mit Wiesbaden vergleichen kann. Altes Geld, gediegen, gegen das Schmuddelige. Liege ich richtig? Durchaus. Die Unternehmer in Heilbronn waren schon immer umtriebig und im Gegensatz zum Ruhrgebiet gab es hier neben den großen Unternehmen eben auch viele kleinere, also eine richtige bürgerliche Schicht. Eigentlich hätte ich Heilbronn nicht auf der Liste gehabt. Warum ist die Stadt nun also doch zur Schwarmstadt geworden? Irgendetwas muss es doch geben! Wofür steht Heilbronn? Das weiß der Heilbronner vermutlich selbst auch nicht so richtig. Die Stadt liegt im Dreiregioneneck Baden, Württemberg und Franken, allerdings würde niemand aus diesen drei Regionen einen Heilbronner ebenfalls als Badener, Schwaben oder Franken bezeichnen. Also sind wir »nur« Heilbronner, weshalb wir wohl etwas »alleine« in Baden-Württemberg dastehen. Und da Sie vorhin sagten, dass kostengünstige Kita-Plätze für jungen Menschen keine Rolle bei der Wahl der Stadt spielen, liegt Heilbronns Aufstieg vermutlich an der experimenta, dem Bildungscampus und dem Zukunftsfonds Heilbronn, die Dieter Schwarz mit seiner Stiftung geschaffen hat. Könnte der Aufstieg zur Schwarmstadt nicht auch ein rein statistischer Effekt sein? Sagen wir, es kommen 1000 Studenten, weil es eine neue Uni gibt. Dann steigt natürlich auch die Einwohnerzahl, aber nur einmalig: denn diese 1000 ziehen ja nach ihrem Studium wieder weg und 1000 neue kommen hinzu. Somit hat man immer »Wachstum«, wenn die Studienkapazitäten aufgebaut werden, gerade in der Übergangsphase, wenn neue hinzuziehen, alte aber noch nicht weg sind. Den Bildungscampus gibt es seit 2011, was bedeutet, dass die ersten Absolventen noch nicht so lange weg sind. Allerdings wurde in der Zwischenzeit beständig die Kapazität der Hochschulen nach oben getrieben. Also sind viele neuen Studenten hinzugekommen. Von denen werden nicht alle in Heilbronn wohnen. Hat die Stadt etwas zu bieten, werden es 5000 sein, ist Heilbronn wie Siegen, sind es vermutlich 1000, der Rest pendelt in die Stadt. Also kann man schon davon ausgehen, dass das Wachstum am Ausbau der Bildungsmöglichkeiten liegt. Allerdings nur bei den 20- bis 25-Jährigen. Da müsste man sich noch bei den 25- bis 30-Jährigen umhören, um zu schauen, ob es dort auch einen Anstieg gibt. Aber ich kapiere Heilbronn noch immer nicht. Wenn ich Sie höre, komme ich zu dem Schluss: Cool ist die Stadt nicht. Gibt es coole Ecken? Eine Handvoll. ◆ Ueltzhöfer ...mehr als einkaufen! Wir unterstützen 74081 HN-Sontheim Mauerstr. 78 - 90 Tel.: 07131 203980 74196 Neuenstadt a. K. Bahnweg 6 Tel.: 07139 9364930 74229 Oedheim Kochendorfer Str. 16 Tel.: 07136 9610080 74074 Heilbronn Charlottenstr. 9 Tel.: 07131 2057290 www.ueltzhoefer.edekadrive.de Der Abenteurspaß für Klein und Groß in der Nummer EINS Schwarzlichtminigolfanlage Süddeutschlands in Asperg bei Stuttgart. Besuchen Sie uns auch in Ettlingen und ab Sommer 2017 neu in Schwäbisch Gmünd! Bahnhofstr.95 71679 Asperg Tel: 07141/5078702 www.simigolf.de Aus der Region – für die Region * Rundschau für den Lebensmittelhandel, Ausgabe Juni 2016, ** Rundschau für den Lebensmittelhandel, Ausgabe März 2015 facebook.com/edeka-ueltzhoefer

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Urbanistin SALLY BELOW kam auf Hanix-Einladung in Heilbronn vorbei. Nach ihrem 19-Stunden-Kurztrip sprachen wir mit der Berlinerin über ihre Eindrücke. Interview: Robert Mucha, Foto: Milena Schlösser »Wer kommt vorbei und will mit uns über Stadt sprechen?« Hanix: Frau Below, Sie bezeichnen sich selbst als Urbanistin. Kann man diesen Beruf lernen? Sally Below: Ich glaube, man muss sich für »Stadt« sehr interessieren. Viele Leute bezeichnen sich als Urbanisten und kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Manchmal sind es Stadt- und Regionalplaner, manchmal sind es Kommunikationsleute, oder es sind Architekten. Man kann Urbanistik studieren, aber aus meiner Sicht ist es ist kein Beruf, den man »nach Plan« erlernt. Was haben Sie von Haus aus gelernt? Ich komme aus der Kultur und Kommunikation. Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Architektur und Stadt und bin vor allem dort unterwegs, wo besondere Konzepte und Ideen umgesetzt werden sollen. Aktuell arbeiten Sie für die Stadt und die BUGA Mannheim mit an der Entwicklung einer Konversionsfläche, einem ehemaligen Kasernenareal. Welche Themen stellen dort die Herausforderungen dar, die es mit Ihrer Expertise zu lösen gilt? Ein wesentlicher Punkt meiner Arbeit ist es, Leute zusammenzubringen und zu vernetzen, die interdisziplinär und transdisziplinär zusammenarbeiten. Das heißt beispielsweise, Experten aus anderen Städten nach Mannheim zu bringen und wirklich in guten Gesprächen herauszufinden, was Mannheim noch braucht. Aber eben auch, eigene Ideen für Entwicklungen einzubringen und mit dem Blick von Außen zu reflektieren, was schon da ist, was besonders ist und was man stärken sollte. Vor Kurzem waren Sie in Mannheim auch beim Urban Thinkers Campus zu Gast. Was ist das für ein Format oder Forum? Und was wurde dort besprochen? Mannheim hat zum zweiten Mal den Urban Thinkers Campus ausgerichtet. Das ist eine Konferenz im Rahmen von Habitat III der UN, wo die 17 Nachhaltigkeitsziele diskutiert werden und versucht wird, diese auf kommunale Gegebenheiten herunterzubrechen. Da geht es um die inklusive und nachhaltige und resiliente Stadt. Fünfhundert Gäste aus aller Welt haben an zwei Tagen sehr intensiv in sehr vielen Panels diskutiert – zu ganz unterschiedlichen Themen – von Inklusion bis zu Naturschutz. Und da geht es auch um die inklusive, nachhaltige und resiliente Stadt. Sie haben Mitte Oktober 19 Stunden in Heilbronn verbracht und sich die Stadt angesehen. Wie war Ihr Eindruck? Die Anfahrt war beschwerlich. Aber als ich da war – ich hatte wunderbares Wetter, das ist natürlich immer von Vorteil – hatte ich den Eindruck einer in gewisser Weise sehr harmonischen Stadt. Es gibt keine allzu wilden Architekturen. Es gibt auch bis auf den Neubau der experimenta nicht unbedingt Leuchttürme an jeder Ecke. Heilbronn hat so eine gediegene Wohlfühlatmosphäre ausgestrahlt. Ich habe aber das Gefühl, dass da überall noch so Orte schlummern, wo noch mehr passieren könnte. Das ist meinem Blick geschuldet. Ich gehe natürlich immer in Städte rein und denke: Ach, hier könnte man dies machen, oder hier wäre doch jenes toll. Haben Sie in der kurzen Zeit eine besondere Eigenart Heilbronns feststellen können? Wofür steht die Stadt? Durch unsere Gespräche vor Ort habe ich den Eindruck: Heilbronn steht in gewisser Weise für eine typische westdeutsche Stadt im positiven Sinne, für ein – so meine Vermutung – relativ harmonisches Miteinander. Was ich wahnsinnig schön fand, war dieses Eingebettetsein in die Weinberge. Ich glaube, es hat eine sehr hohe Aufenthalts- und Lebensqualität in Heilbronn. Die Naturnähe, die hat mich sehr beeindruckt. Bei der Stadtbesichtigung sprachen Sie davon, dass an den Schnittstellen zwischen klar definierten urbanen Territorien angesetzt werden müsse, um kreative Projekte zu realisieren. Haben Sie solche Orte in Heilbronn entdecken können, die dieses Potenzial bieten? Wenn es verschiedene Areale gibt wie das Buga-Gelände, den Wertwiesenpark oder den Bildungscampus, dann interessieren mich die Wege und Räume dazwischen. Also das, was städtisch drum herum ist. Diese Räume sind oft weniger codiert und bieten deswegen mehr Möglichkeiten. Ich habe in Heilbronn einiges gesehen, das ich spannend fand. Ich fand besagten Wertwiesenpark sehr schön und ein bisschen versteckt. Der taucht so unvermittelt auf. Ich habe in der Innenstadt einiges an Leerstand gesehen – auch große Flächen an markanten Ecken – wo man sofort denkt: Mensch, das zieht sich fast wie eine Kette durch die City. Auch die Bahnhofsvorstadt Hanix Nr. 52 88 TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Zur Person: Sally Below, geboren in Hamburg, ist Beraterin für Strategien im urbanen Kontext, freie Kuratorin und Kommunikationsexpertin in Berlin. sbca gründete sie im Jahr 1999. Neben der Leitung des Büros sbca beschäftigt sich Sally Below auch initiativ mit Konzepten für neue Formen der Stadtentwicklung. Weitere Infos: www.sbca.de hatte Charme. An solchen Orten besondere Dinge auszuprobieren – gerade anlässlich der Buga – bietet sich an. Wie könnte denn eine Aktivierung solcher urbanen Schnittstellen und Orte aussehen? Es muss eine Gruppe aus der Stadtgesellschaft geben, die sich zusammenfindet. Diese muss einen Impuls geben und erst mal irgendwo vor Ort präsent sein. Also jetzt all zu lange und flächendeckend zu überlegen »Ach, wo könnte denn etwas Neues geschehen?«, stellt sich oft als nicht zielführend heraus. Viel besser ist es, mal für ein Wochenende, für eine Aktionswoche einen Ort in Beschlag zu nehmen, mit ein paar guten Leuten, die Lust haben, etwas zu machen, ein paar Themen aufzurufen. Vielleicht eine Pop-Up-Aus-stellung zu machen. Offene Diskursabende. Einfach mal zu schauen: Wer interessiert sich denn? Wer kommt vorbei und will mit uns über Stadt sprechen? Da entstehen oft sehr schnell neue Koalitionen. Und wenn man so eine Gruppe hat, dann kann man weiterdenken. Man muss offen sein und diese Offenheit natürlich auch von anderen einfordern. Sie raten den kreativen Szenen, nicht sofort die große Lösung anzustreben, sondern mit kleinen Projekten im Stadtzentrum zu beginnen. Wieso ist diese Vorgehensweise zu bevorzugen? In Dessau waren Sie damit erfolgreich. Zum einen kostet es am Anfang nicht so viel Geld, mal ganz pragmatisch. Zum anderen sind die Erwartungen nicht gleich so hoch. Das heißt, man kann viel mehr experimentieren. Das ist auf jeden Fall immer gut aus meiner Erfahrung. Die kleine Gruppe aus Design-Studierenden, die einen temporären Laden inszeniert haben, dachten auch am Anfang nicht, irgendwann ein großes Haus mit mehreren hundert Quadratmetern zu haben. Das war auch nicht das Ziel. Es kam einfach durch diese ständige Beschäftigung mit der Stadt, dass irgendwann jemand sagte: Schau mal, da steht dieses leere Haus. Und dieser Moment, der kommt erst, wenn man sich kleine Chancen erarbeitet und kleine Erfolge gefeiert hat. Zurück zu Heilbronn: Besonders negativ aufgefallen ist Ihnen der wachsende und großflächige Leerstand in der Innenstadt an prägnanten Ecken. Welche Gefahr besteht dadurch für ein innerstädtisches Leben? Da fehlt einfach etwas, da fehlt nicht nur die Dekoration und da fehlt auch nicht nur der Verkäufer oder die Verkäuferin darin. Sondern da fehlt ein Stück Stadtleben. Und dieses Stück Stadtleben kann schlecht kompensiert werden durch einen Billigladen oder durch etwas, was einfach keine Qualität hat. Hier muss man sich wirklich als Vermieter von dem Gedanken verabschieden, dass irgendwann schon der Interessent kommt. Der wird nicht kommen. Das ist eine Erfahrung aus vielen Städten. Deswegen muss man sich überlegen: Wie kann man es umnutzen? Wie kann man vielleicht auch mit den Eigentümern sprechen, dass sie die Mieten auf ein Niveau senken, das es vielleicht auch attraktiv für ganz neue Formen von Raumnutzung macht. Nach Ihrem Heilbronn-Kurztrip: Haben Sie die größten Gefahren, aber auch die größten Chancen für eine kreative Stadtentwicklung identifizieren können? Ich glaube, das ist tatsächlich der Moment jetzt zur Buga. Es muss darum gehen, nicht nur das Buga-Ereignis zu feiern, sondern die Stadt Heilbronn zu feiern. Man darf den Bestand nicht vergessen und sich nur auf den Neckarbogen konzentrieren. Wenn die Leute jetzt nach Heilbronn kommen, sollten sie auch Lust haben, vielleicht an verborgenen Ecken etwas Überraschendes zu finden. Dann gehen die Leute quer durch die Stadt, dann lernen sie Heilbronn kennen. Das ist eine Riesenchance. Dafür fehlt leider oft die Kraft, wenn man große Projekte plant. Das kenne ich aus anderen Projekten. Das war immer schade. In unserer Umfrage haben wir die Frage gestellt: Würden Sie einem Freund oder einer Freundin einen touristischen Besuch in Heilbronn empfehlen? Und? Wenn die Buga da ist, auf jeden Fall. Ich finde, man muss schon einen Anlass haben, um Heilbronn zu besuchen. Wenn die neue experimenta fertig ist, werden bestimmt auch Architekturtouristen in die Stadt kommen. ◆ in europa nur bei uns! di-fr 10-18 uhr, sa 10-16 uhr Wir wünschen unseren KundeN und dem HANIX Magazin Schöne Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2017 INTERVIEW MIT SALLY BELOW

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In der Folge des Wiederaufbaus der deutschen Städte nach Kriegsende gab es erhebliche Defizite in der Stadtentwicklung. So titelte der bundesdeutsche »Spiegel« im Jahr 1971: »Sind die Städte noch zu retten?« Anlass waren Verkehrsprobleme, mangelhafter öffentlicher Nahverkehr, verfallende Altstädte, Wohnungsnot, Umweltverschmutzung und Baufilz, und auch die Suburbanisierung ab den 1950er-Jahren sowie die autogerechte Planung trugen zum Niedergang bei. Dazu standen die seit den 1960er Jahren gebauten Großwohnsiedlungen in der Kritik – sie waren oft schlecht angebunden, die Infrastruktur hinkte hinterher, und bis sie zu den grünen Kleinstädten von heute wurden, dauerte es naturgemäß ein paar Jahrzehnte. Von Sally Below Fotos: Ulla Kühnle Kooperative Stadtentwicklung schafft neue Gestaltungsräume »Rettet unsere Städte jetzt!«, rief die Hauptversammlung des Deutschen Städtetages der Bundesrepublik Deutschland 1971 in München. Im Anschluss wurden zahlreiche kommunale Förderprogramme auf den Weg gebracht, und so hat die Städtebauförderung, die bis heute existiert und mit dem Stadtumbau Ost auch die nach dem Mauerfall »neuen« Bundesländer mitgestaltete, einen wesentlichen Beitrag für die Sanierung der Städte und für die Quartiersentwicklung geleistet. Einen neuen Zeitgeist prägte auch die Internationale Bauausstellung in Berlin in den 1980er Jahren mit ihrer »behutsamen Stadterneuerung«. Solche Entwicklungen legten mit ihren planerischen Ansätzen eine Grundlage für die heutige Lust auf Stadt. Doch reicht die schön sanierte Fassade nicht aus. Der ländliche Raum mit seinen oft historischen und neu geputzten kleinen und mittelgroßen Städten verliert in den letzten Jahren dramatisch an Bewohner(innen). Ihnen gegenüber stehen Städte, die einen enormen Zuzug erleben. Der Hype um die Stadt Um die Städte, die derzeit boomen, dreht sich ein Hype, den wir allgegenwärtig in den Medien erleben. Berlin als »the place to be«, Hamburg als »wachsende Stadt«, München mit seiner Anziehungskraft für Unternehmen und Neubewohner oder die »Schwarmstädte« Münster und Heidelberg mit ihren zahlreichen Studierenden prägen das Bild der Stadt als Ort der Erfüllung, der Lebendigkeit und der Möglichkeiten. Auch die – oft damit einhergehende – »Landflucht« auf Zeit der Besserverdienenden, beispielsweise in die Bauernhöfe der Uckermark rund um Berlin, sind häufig Thema in den Medien oder in der Forschung. Dem gegenüber stehen die negativen Schlagzeilen zu »schrumpfenden« Städten, verlassenen Landstrichen und mangelnden qualifizierten Arbeitskräften in dünn besiedelten Gegenden. Heute leben mehr als 60 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern. Gerade diese Städte spüren die Auswirkungen von stagnierender Wirtschaft, fehlenden Infrastrukturinvestitionen, zunehmender Abwanderung junger Leute, dem Niedergang führender Großindustrien, steigender Arbeitslosigkeit und sozialer Polarisierung. Bereits heute gibt es einzelne Kommunen in Deutschland, die nicht einmal ihren Bestand erhalten können. Manche Städte sind Magneten, das ist unumstritten. Ein Phänomen, das in der Forschung inzwischen unter dem Begriff »Schwarmstädte« bekannt ist. Die Hauptursache des Schwarmverhaltens ist eine Folge des »Weniger«: Junge Menschen sind zu einer Minderheit geworden – und Minderheiten schließen sich zusammen. Außerdem ist das Schwarmverhalten selbstverstärkend. Die Dichte nimmt mit jedem Zuzug in eine Schwarmstadt zu, woanders aber ab. Neustädter und Meinungsmacher Allein in Berlin ist die Anzahl der eingeschriebenen Studierenden in den letzten zwei Jahren um mehr als 10.000 gestiegen. In Universitätsstädten wie Leipzig, Freiburg, Würzburg und Bayreuth liegt der Anteil der 25- bis 30-Jährigen 30 % über dem Bundesdurchschnitt – Tendenz steigend. Auch die neuen Lebensformen wie Patchworkfamilie, Singlehaushalt oder Wohngruppe suchen eine bestimmte Atmosphäre, neben ganz handfesten Angeboten wie Kitaplätzen, vernetztem Arbeiten und Wohnen, Coworking-Spaces, kurzen Wegen, Kulturangeboten und vielfältigen Konsum- und Gastronomieangeboten. All dies finden die modernen Stadtwanderer an den angesagten Orten, und je mehr Hanix Nr. 52 Die Wagenhallen auf dem ZEAG-Gelände böten industriellen 90 Charme und ausreichend Raum für Kreative. TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Das Experiment im Stadtalltag Hanix Nr. 52 von ihnen kommen, umso größer wird auch das Angebot, denn dieses bringen viele der Zugezogenen gleich selbst mit. Und die (Neu)Städter sind Meinungsmacher. Zum Phänomen der Lust auf Stadt trägt bei, dass die wissenschaftliche und kommunikative Begleitung von städtischen Entwicklungen und Lebensmodellen meist von denjenigen durchgeführt wird, die selbst Teil der Image bildenden Szene sind. Die Forschenden sind immer näher an ihren Objekten dran und durchleuchten die Stadt in all ihren Facetten – als Ort und Anlass für Festivals, Theater und Aktionen. Diese Entwicklungen, Trends und Ereignisse werden durch die mediale Welt und Social Media überall hin getragen. Damit geben sie ein Versprechen ab – Teil einer urbanen Szene zu sein, die immer etwas erlebt. So kann man die Zelebrierung der Stadt auch als eine Art groß angelegte Inszenierung sehen, an deren Aufführung alle beteiligt sein wollen. Neue Chancen jenseits des Hypes Ein wichtiger Faktor für den Zuzug junger Menschen sind Hochschulen und Universitäten. Aber nicht die Reputation der jeweiligen Universität ist hier entscheidend für einen Zuzug und vor allem das Bleiben nach dem Studium, sondern vielmehr die Lebensqualität, die der neue Wohnraum verspricht. Und hier genau versteckt sich das große Potenzial, unabhängig von den Stadtgrößen. Denn der Kampf um Aufmerksamkeit und Teilhabe in diesen angesagten Städten ist hart, auch wenn das Leben leicht inszeniert ist. Und nicht alle wollen hier mitmachen. Der Berliner Künstler, der in das thüringische Apolda zieht, ist sicher noch die Ausnahme, ebenso wie die Absolventen, die in Dessau ihr Designbüro aufmachen. Aber es entstehen neue Chancen für all die anderen Städte jenseits des Hypes. Diese bieten noch Möglichkeiten, die viele andere schon verloren haben: Leerstand, Lücken im städtischen Angebot und ein Mangel an Kultur können Kräfte freisetzen. In immer mehr Städten außerhalb des medialen Wahrnehmungsspektrums entstehen Initiativen, werden Gebäude instandgesetzt, Innenstädte mit Aktionen belebt und zarte Pflänzchen wirtschaftlicher Grundlagen gesät. Um in Zukunft bestehen zu können und um die Ursache-Wirkungs-Ketten zu durchbrechen, müssen sich Städte öffnen, sich ökonomisch re-organisieren und eine neue Partizipationskultur leben. Ansätze hierfür gibt es immer mehr, sie zu verbreiten, die Methoden zu kommunizieren und Mut zu machen, neue Wege zu gehen, ist neben der Arbeit so mancher engagierter Bürgermeister und Stadtverwaltungen auch das Ziel von ganz unterschiedlichen Initiativen. KOOPERATIVE STADTENTWICKLUNG Um die Zukunft gestaltbar zu erhalten, kommt es darauf an, dort anzusetzen, wo bereits Kräfte vorhanden sind – im eigenen Ort, im alltäglichen Arbeiten an den genannten Themen. Gerade in überschaubaren Städten können es sich die Protagonisten nicht erlauben, unter sich zu bleiben, oder sich in Szenen zurückzuziehen, dazu sind sie zu wenige. Sie müssen mit anderen aus unterschiedlichen Disziplinen, Herkünften oder auch Weltanschauungen ebenso wie mit Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Ein Beispiel hierfür ist die Initiative »VorOrt« in Dessau-Roßlau, das regelmäßig auf dem letzten Platz im Städteranking in Bezug auf Stimmung in der Bevölkerung und Altersdurchschnitt landet und darunter leidet, dass die Studierenden der Hochschule Anhalt und die Mitarbeiter des Umweltbundesamtes pendeln. Das VorOrt-Projekt ist eine studentische Initiative der gestaltenden Fachbereiche der Hochschule. Nach einer Initialzündung als temporäre Intervention hatte sich dort mit dem VorOrt-Laden ein Forum und eine offene Plattform für den Dialog zwischen studentischen Szenen und engagierten Dessauer Stadtmachern etabliert, direkt gegenüber dem Rathaus. Hier gestalteten die Studierenden die Stadt mit, organisieren Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Gesprächsrunden. Seit 2012 gibt es nun sogar das VorOrt-Haus. Aus der Frage heraus, was den Studierenden fehlt, wurden die Räume eines lange leer stehenden ehemaligen Lazaretts, das später als Schule genutzt wurde, erobert und qualifiziert. Es entstand unter anderem eine Küche, eine Bibliothek, ein Speiseraum mit Bar, ein Designshop, ein Gemeinschaftsgarten, ein Coworking-Space und ein Designbüro. Jüngere Semester können hier von höheren Semestern lernen, und inzwischen kommen auch die Nachbarn zur Nutzung der Räume. Aus Gedankenspielen wurde Wirklichkeit, ein Nebenjob, eine sinnvolle Aufgabe, eine berufliche Perspektive – vor Ort. Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt und Hochschule regelt inzwischen, dass die Vertragspartner auf dem Gebiet der Kreativwirtschaftsförderung, der Stadtentwicklung, des Stadtmarketings und der Tourismusförderung zusammenarbeiten. VorOrt hat den Campus in die Stadt hinein erweitert und so die Stadt und den Hochschulalltag facettenreicher gemacht – und zeigt, was alles möglich ist, wenn die richtigen Kräfte zusammenkommen. Das klingt zunächst einfach, bedeutet aber Arbeit, Engagement und Wollen. Die Erfolgsgeschichten entstehen nicht von alleine, sondern nur durch die gemeinsame Investition in die Stadt von Machern, Aktiven, Politik und Verwaltung. Das bedeutet vor allem eine gezielte Nutzung und Aktivierung lokaler Potenziale, die es in manchmal mühevoller, konzeptioneller Arbeit zu entdecken gilt. Nicht selten wird allerdings genau dieser aufwändige, dennoch wichtige Schritt gescheut. Hier bedarf es einer gemeinsamen und kooperativen strategischen Planung, einem spezifischen Ansatz, der die vorhandenen Potenziale im Bestand und Talente vor Ort nutzt. Die Konzepte hierzu finden sich kaum in standardisierten Maßnahmenkatalogen, sondern können nur im Raum selbst ermittelt werden. Die Ersten haben diesen Trend schon erkannt: Die Lust auf »Stadt machen« entsteht dort, wo jetzt nur wenige genauer hingucken: In den Städten und an Orten abseits des Hypes, dort, wo man etwas bewirken kann. Hier ist noch Platz für Experimente. ◆ Die Bahnhofsvorstadt mit den vielen Ladeneinheiten und neuen inhabergeführten Gastronomien könnte zum »Kiez« mit Atmosphäre werden.

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FLORIAN DAMASCHKE lebt seit 2013 in Heilbronn und arbeitet als Redakteur in führenden Content-Marketing- Agenturen zunächst in Stuttgart, jetzt in Darmstadt. Jetzt macht er Schluss mit Heilbronn und findet das ziemlich schade. Fotos: Privat, Centralstation & Flickr In der Bildzeitung habe ich folgenden Satz gelesen: »Die Menschen ziehen nicht zu den Arbeitsplätzen!« Aufgestellt hat diese These Harald Simons, Professor für Volkswirtschaftslehre in Leipzig, der in einer Studie für die deutsche Wohnungswirtschaft im Jahr 2015 herausgefunden hat, dass sich junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 35 Jahren nicht mehr gleichmäßig übers Land verteilen, sondern sich bei der Wahl des Studienortes oder für den Berufseinstieg auf einige wenige Städte konzentrieren. Seine These besagt damit wohl zwei Dinge: Erstens, dass Berufstätige lieber einen langen Arbeitsweg in Kauf nehmen, als ihre vertraute Umgebung zu verlassen. Zweitens, dass der eigentliche Grund für den Wechsel des Wohnortes nicht der Arbeitsplatz ist, sondern der Wunsch in einer attraktiven und als cool geltenden Stadt zu leben. Simons beschreibt in seiner Studie weiter, dass es insgesamt 29 Orten in Deutschland gelinge, so viele Jüngere anzulocken, dass sich deren Geburtsjahrgänge mindestens verdoppelten. Dies sei im Übrigen auch der wichtigste Grund für die Anziehungskraft der sogenannten Schwarmstädte. Die jungen Leute, die alle in die gleichen Orte ausschwärmten, fänden sich dort auf der Suche nach Gleichge- Gegen den Strom sinnten und Gleichaltrigen zusammen. Angefangen hätte alles mit dem Pillenknick und den geburtenschwachen Jahrgängen von 1974 bis 1978. Die seien in der Minderheit und hätten daher ein natürliches Bedürfnis, sich zusammenzurotten – eben am liebsten an einem Ort, an dem das Leben tagtäglich brodelt und der Weg zur nächsten Party genauso kurz ist wie der Gang zum Bioladen. Obwohl ich im Jahr 1976 geboren bin und im Dezember 2017 von Heilbronn, das nach diesen Kriterien erwiesenermaßen nicht zu den umschwärmten Orten zählt, nach Darmstadt, das auf Platz 5 der Schwarmstädte Deutschlands steht, ziehe, gehöre ich nicht zu dieser Gruppe. Und falls doch, dann spielt es für meine Entscheidung zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Denn ich mache genau das Gegenteil davon, was Professor Simons mit seiner Studie besagt: Ich ziehe dorthin, wo mein Arbeitsplatz steht. Ganz bewusst und mit voller Absicht. Aus einem einfachen Grund: Ich glaube, nein, ich bin der festen Überzeugung, dass die Entbehrungen eines langen Arbeitsweges es unmöglich machen, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Seit April dieses Jahres fahre ich drei Mal die Woche auf der Autobahn über die A6 bis zum Walldorfer Kreuz, von da über die A5 bis nach Darmstadt - 120 Kilometer einfache Fahrstrecke, inklusive Dauerbaustellen und Staus. Von Oktober 2014 bis Anfang des Jahres verbrachte ich für den Weg zur Arbeit täglich zwei Stunden im Zug nach Stuttgart. Das war zwar deutlich komfortabler, aber auch Zugfahren ist verbunden mit Anstrengungen und sei es nur die, morgens und abends pünklich am Bahnhof zu sein. Klar, eine Menge Leute machen das so. Laut einer aktuellen Studie des Bundesamtes für Bau-, Stadt- und Raumerfassung gibt es in Deutschland 18,4 Millionen Berufspendler. Umgerechnet fahren fast 60 Prozent der Berufstätigen von ihrem Wohnort zur Arbeit in eine andere Gemeinde, wie die offizielle Pendler-Definition lautet. So viele wie nie zuvor. Nicht nur die Anzahl der Pendler steigt, sondern auch die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Knapp die Hälfte der täglich hin und her Fahrenden hat einen Arbeitsweg unter zehn Kilometern. Der Rest fährt bis zu 50 Kilometer und mehr. Auch in Heilbronn leben ungefähr 25.000 Berufspendler. Ich bin einer von ihnen und stelle fest, mir und meiner Familie tut das nicht gut. Wir verlassen unsere vertraute Umgebung in Heilbronn vor allem deshalb, um im Alltag wieder mehr Zeit füreinander zu haben. Ich will nicht mehr um sechs Uhr aufstehen müssen, obwohl mein Arbeitstag im Büro erst um 9 Uhr beginnt. Stattdessen möchte ich lieber mit meiner Familie frühstücken oder unsere Tochter in die Kita bringen (wenn die Omas nichts dagegen haben, die machen das nämlich zurzeit). Vielleicht möchte ich auch nichts davon tun und einfach mal länger liegen bleiben. Deshalb mache ich Schluss mit dem Pendlerdasein. Schluss mit Heilbronn. Abschied tut weh! Auch aus Heilbronn. Unsere Tochter ist hier geboren, wir haben im botanischen Obstgarten und im Gebäude der alten Zigarrenfabrik in der Achtungstraße vergangenen Sommer eine rauschende Hochzeit gefeiert. Wir haben hier Freunde gewonnen und in den Läden in unserem Viertel werden wir mit Handschlag und einem Schwätzchen begrüßt. Auf dem Fußweg vom Götzenturm entlang des Neckars hat unsere Tochter erst Laufen und dann Laufradfahren gelernt. Wir kennen jede Rutsche und jede Schaukel in der Stadt. Wir lieben den Anblick der Weinberge und auch das Kraftwerk jagt uns keinen Schauer mehr über den Rücken. Meine Eltern und die Eltern meiner Frau leben im Jagsttal und sind eine willkommene Unterstützung in unserem Familienalltag, TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!? Hanix Nr. 52

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links: Radeln und Tanzen – Die »Swing and Ride«- Tour der Centralstation Darmstadt rechts: Beeindruckende Architektur – Die Waldspirale ist eine von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Wohnanlage in Darmstadt da wir beide berufstätig sind. Wir sind hier angekommen, aber wir können nicht bleiben. Es fehlt nicht am privaten Umfeld. Es ist komplizierter. Was uns in Heilbronn fehlt, ist die richtige Mischung aus Beruf und Familienleben. Vor allem fehlt uns ein vielfältiger Arbeitsmarkt, in dem wir uns so entfalten können, dass eine langfristige Lebensplanung überhaupt erst möglich wird. Ich frage mich, ob die Möglichkeiten, die eine Stadt bietet, am Ende nicht doch etwas mit ihrer Anziehungskraft zu tun haben? In Darmstadt leben etwa 160.000 Menschen. An den drei Hochschulen studieren 41.000 junge Leute, seit 2008 hat sich ihre Zahl verdreifacht. Das sind in etwa sechs Mal mehr Studierende als in Heilbronn. Für die Entwicklung der Stadt und der Region ist das ein Segen. Der anhaltende Zuzug junger Menschen befeuert den notwendigen wirtschaftlichen und kulturellen Wandel in der Stadt. Im Sog der Hochschulen entstehen außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die für die Unternehmen und mittelständischen Betriebe qualifizierte Fachleute abwerfen und neue Geschäftsfelder entstehen lassen. Neben drei Fraunhofer Instituten forscht hier das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESA) und das GSI Helmholtzzentrum. Auch der Georg-Büchner-Preis, Deutschlands wichtigster und mit 50.000 Euro höchstdotierter Literaturpreis, wird in Darmstadt verliehen. Man will und kann die Anziehungskraft von Heilbronn nicht mit einer traditionsreichen Wissenschaftsstadt vergleichen, deren Technische Universität seit 1877 besteht. Man kann sich aber wünschen, dass den Interessen junger Leute in Heilbronn mehr Beachtung geschenkt wird. Etwa indem weniger in Großprojekte investiert wird und mehr in das Mikroklima der Stadt. Darmstadt hat die Chance genutzt, die der Zustrom der Studenten eröffnet hat und mit Ganztagsangeboten, zweisprachigen Schulen sowie einer Willkommenskultur dafür gesorgt, dass eine einfache Formel funktioniert: Junge Leute kommen zum Studieren oder Arbeiten hierher, finden sich, kriegen Kinder und bleiben. Für diese offene und familienfreundliche Politik nehmen Neu-Darmstädter auch saftig gestiegene Mietpreise in Kauf. Aber die Suche nach einer bezahlbaren 3 bis 4-Zimmer-Wohnung in einer Schwarmstadt ist eine andere Geschichte. ◆ SCHWARMSTADT DARMSTADT Adventure Company GmbH | Edisonstraße 3 | 74076 Heilbronn | Tel. 07131-87055 www.adco-hn.de

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Zuerst spielte er Geige im Orchester, dann Bass in einer Punkband. Im Studium verband er Geisteswissenschaften mit Betriebswirtschaft. Kein Wunder, dass Schnittstellen heute sein Fachgebiet sind – und kulturelle Stadtentwicklung sein Auftrag. Wir haben DR. MATTHIAS RAUCH im Mannheimer Jungbusch zum Interview getroffen. Interview: Andreas Stanita / LA.MAG, Fotos: Ricardo Wiesinger Hanix Nr. 52 »Es birgt viel Potential, wenn man Kreative von Beginn an in Change-Prozesse integriert« Viele Mannheimer kennen dich vom Clustermanagement Musikwirtschaft. Was waren dort deine Aufgaben? Dr. Matthias Rauch: Etwa zwei Jahre lang war ich Leiter des Clustermanagements und Ansprechpartner für Akteure aus der Mannheimer Musikwirtschaft. Mein Aufgabenspektrum umfasste Workshops, Netzwerkveranstaltungen und Repräsentanzen – national wie international – sowie Beratungen. Ziel war es, neue Marktzugänge für Mannheimer Unternehmen zu schaffen und neue Firmen in Mannheim anzusiedeln. Das Clustermanagement gibt es auch heute noch: Seit Anfang des Jahres ist es Teil der Music Commission – und dort in besten Händen. Heute leitest du die Kulturelle Stadtentwicklung. Wie hat sich dein Job verändert? Mittlerweile bin ich Ansprechpartner für alle Kultur- und Kreativakteure – über alle Sparten hinweg. Als Stakeholder realisiere ich über Kontakte und Netzwerke Projekte und leiste Unterstützung in verschiedenen Konzeptionsphasen. Unser Ziel ist es, Projekte an den Schnittstellen von Kunst und Kultur sowie Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft zu initiieren. Eines unserer Anliegen ist, dass sich alle Bereiche auf Augenhöhe begegnen. Interdisziplinäre Kooperationen sind der Nährboden echter Innovation. Vorgeordnetes Ziel ist auch, dass Wirtschaft, TITELTHEMA: SCHWARMSTADT HN!?

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Hanix Nr. 52 Technik, Wissenschaft und Kunst lernen, sich als gleichwertige Partner anzusehen. Künstler bringen eine eigene Denkstruktur mit – assoziativ statt linear. Es birgt viel Potential, wenn man Kreative von Beginn an in Change-Prozesse integriert. So entstehen neue Ideen und Lösungsansätze. Gibt es ein konkretes Beispiel für eine solche Kooperation? Klar, da gibt es einige. Besonders spannend ist aktuell ein Gemeinschaftsprojekt der Uniklinik, des Fraunhofer Instituts und der Kultur- und Kreativwirtschaft. Es geht um die Schnittstelle zwischen Musik, Medizin und Technologie. Gemeinsam eruieren wir, welche Rolle Musik bei der Behandlung von Krebspatienten spielen kann. Wie kann durch Einfluss von Musik die Patientenerfahrung während einer Chemotherapie positiv aufgewertet werden? Ein anderes Projekt an der gleichen Schnittstelle widmet sich dem Thema Musik im OP-Saal. Bei vielen Operationen läuft Musik, aber es gibt bisher kaum Untersuchungen dazu, wie sie die Performance der Operateure beeinflusst. Dein aktueller Themenschwerpunkt ist also das Schnittstellenmanagement? Ja, aber nicht nur. Wir treiben auch verschiedene Placemaking-Projekte. Der Fokus liegt dabei auf den Stadtteilen Jungbusch und Neckarstadt-West. Es geht um Orte, die teilweise als problematisch oder prekär empfunden werden. Wir wollen diese Quartiere durch künstlerische Bespielung umcodieren und für Anwohner und Besucher neu erfahrbar machen. Wo ist das bereits gelungen? Aktuell durften wir ein schönes Projekt der Agenturen Yalla Yalla! und Brückner & Brückner unterstützen, das sich »Haltestelle Fortschritt« nennt. Über den Zeitraum von zwei Wochen wurde die Haltestelle Rheinstraße an der Schnittstelle zwischen Innenstadt und Jungbusch gemeinsam bespielt. Ein Ort, der immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt hat und im Bewusstsein vieler als No-Go-Area gilt. Dort wurde eine temporäre Architektur erschaffen und ein Programm aus Literatur, Musik und Film auf die Beine gestellt. Es gab Essen und Trinken, eine Konferenz zum Thema Stadtentwicklung und in Zusammenarbeit mit der Hochschule einen Urban Hackathon. So hat man es geschafft, einen negativ konnotierten Ort, der mit seiner Grünfläche und der Sportanlage eigentlich viel Potential hat, neu erfahrbar zu machen. Die Aktion war ein schöner Erfolg. Passanten sind stehen geblieben, haben Fragen gestellt, sich dazugesetzt und ich glaube, die Wahrnehmung des Ortes hat sich bereits jetzt schon TITELTHEMA: SCHWARMSTADT Zur Person: Im November 2014 wurde Dr. Matthias Rauch Leiter des Clustermanagement Musikwirtschaft in Mannheim. Inzwischen leitet Rauch die Abteilung Kulturelle Stadtentwicklung in der Quadratenstadt. Rauch hat Lehraufträge an der Universität Mannheim und der SRH Hochschule Heidelberg. Seit über 15 Jahren ist er freier Autor für Printund Online-Medien. verändert. Es gibt nun auch viele schöne und positive kollektive Erinnerungen, die mit diesem Ort verbunden sind. Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Leben von Dr. Matthias Rauch aus? Mein Büro ist im Musikpark im Jungbusch – und kein Tag ist wie der andere. Täglich treffe ich auf sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven – da sind Übersetzungsarbeit und Moderation gefragt. Ich bin Vermittler zwischen einzelnen Bereichen, versuche gemeinschaftliche Perspektiven zu entwickeln, Diskurse zu gestalten und Denkweisen zu entschlüsseln. Beim Übersetzen zwischen den Welten hilft mir mein Studium. Ich bin Geisteswissenschaftler und Betriebswirt. Das sind konträre Denkweisen, die in Kombination äußerst produktiv sein können. Ich versuche offene und inklusive Netzwerke zu gestalten, die Raum für Impulse von außen lassen. Was ist die Sprache der Kreativen, was die der Wirtschaft? In der Wirtschaft will man zielgerichtet von A nach B. Von der Ausgangssituation zum Ziel, das ist ein klarer linearer Prozess.

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Künstler funktionieren oft überhaupt nicht so. Sie denken offen und wissen meistens nicht genau, was am Ende rauskommt. Offenes Denken in offenen Modulen – das ist künstlerisch kreativ. Wir sehen uns heute mit vielen komplexen Systemen konfrontiert: Künstler bringen da per se ein gutes Rüstzeug mit, weil sie in ihren Prozessen immer mit variablen und unsicheren Faktoren umgehen müssen. Das macht sie so wertvoll für andere Bereiche. Folgst du als Netzwerker einem inneren Impuls oder wirst du beauftragt? Beides ist möglich. Oft initiieren wir Prozesse selbst und versuchen, Bereiche und Akteure sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Aber ja, es gibt auch gezielte Anfragen aus Wirtschaftsunternehmen, die sich Workshops zu Problemlösungen wünschen. Mein Ansatz ist es, das Silodenken aufzubrechen: Denken in nur einer Disziplin und in starren Mustern ist für die Innovationsfähigkeit einer Stadt immer nachteilig; Neues kann nur entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven, Menschen und Denkweisen aufeinandertreffen. Im besten Fall läuft es so, dass wir eine Dynamik anstoßen und die Akteure den Prozess dann selbständig aufgreifen und weiterführen. Wir wollen Impulsgeber sein. Welchen Anteil habt ihr am Comeback des Nachtwandels? Der Nachtwandel ist eine Institution im Jungbusch. Als letztes Jahr mit der Tradition gebrochen werden musste, gab es einen Aufschrei. Mich freut es, dass wir dieses Jahr auf einem sehr guten Weg sind. Zum ersten Mal sind wir Projektpartner der Veranstaltung und unterstützen das Gemeinschaftszentrum Jungbusch und den Quartiermanager Michael Scheuermann aktiv. Wir helfen bei Finanzierungs- und Programmfragen, bei Sicherheit und Ordnung und der Abstimmung mit den beteiligten Gastronomen. Mit unserem Crowdfunding-Konzept haben wir eine ganz neue Finanzierungsquelle für den Nachtwandel aufgetan. Das Projekt ist gut angelaufen und wir bewegen uns steil auf unser Funding-Ziel von 10.000 Euro zu. Außerdem planen wir, Jungbusch-Becher mit einem eigenen Design zu verkaufen, mit denen man auch bei allen Gastronomen pfandfrei eingeschenkt bekommt. Der Erlös kommt direkt der Veranstaltung zugute. Gleiches gilt für die eigens gestalteten Nachtwandel-Buttons, die es dieses Jahr zum ersten Mal geben wird und die wir gegen Spenden ausgeben werden. Sie sind der nachhaltige Nachfolger der blinkenden Nachtwandelsterne von früher. Das sind gleich drei neue Fundraising-Aktivitäten, mit denen wir dazu beitragen, das Fortbestehen des Nachtwandels zu sichern. An welchen langfristigen Projekten arbeitest du zurzeit? Da gibt es eine ganze Menge. Besonders am Herzen liegt mir ein Residency-Programm, das sich bislang noch in der ersten Konzeptionsphase befindet. Hier wollen wir versuchen, Künstler und Kreative direkt in Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und auch in der Verwaltung zu integrieren. Hilfreich dabei sind auch erste Projekte an den Schnittstellen zu Medizin und Technologie. Damit das gelingt, bedarf es einer Menge Offenheit auf beiden Seiten. Künstler arbeiten sich in diesem Umfeld oft zum ersten Mal in ein für sie komplett neues Thema ein. Für mich heißt das erstmal Vertrauensarbeit leisten – in alle Richtungen. So ein Programm birgt riesiges Potential für alle zukünftigen Partner. Wendet ihr euch auch gezielt an Partner von außerhalb? Auf jeden Fall! Netzwerke, die noch in meiner Zeit beim Clustermanagement entstanden sind, sind zunehmend national und international angelegt. Sowohl für die Stadt Mannheim als auch für Startup Mannheim ist die Internationalisierung ganz wichtig. Ein schönes Projekt in diesem Zusammenhang, das ich im letzten Jahr betreuen durfte, ist Mix The City Mannheim, bei dem sich die Menschen online ihren eigenen Soundtrack Mannheims mixen können. Der künstlerische Kurator war Ziggy Has Ardeur und das Projekt eine Kooperation mit dem British Council Israel. Ein weiteres Beispiel für die Internationalisierung der Netzwerke ist der Titel UNESCO CITY OF MUSIC. Seit Dezember 2014 sind wir Teil des Creative Cities Netzwerk und damit auch im Kulturbereich auf höchstem internationalen Level angelangt. Wir wollen Erfahrungen austauschen und von der Expertise der anderen lernen. Was können wir in Zukunft besser machen? Welche Ideen können wir für Mannheim übernehmen? Welche Projekte können wir mit Akteuren aus Mannheim fördern oder initiieren? Das sind die Fragen, die wir uns stellen müssen. Mannheim und Tel Aviv verbindet eine enge Partnerschaft. Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit im Bereich Kreativwirtschaft? Der Austausch mit Israel ist sehr fruchtbar für Mannheim, sowohl im Bereich Kultur als auch in Bereich Startup-Ökonomie. Man muss das ganzheitlich betrachten: Kultur und Kreativität sind essentieller Bestandteil eines jeden Startup-Ökosystems. Kultur funktioniert als Dynamik- und Innovationsmotor. Nur wer in seiner Stadt über ein spannendes kulturelles Umfeld und eine kulturelle Dynamik verfügt, kann im Städteranking mithalten und überregional Fachpersonal an den Standort holen und vor allem auch dort halten. Deswegen ist die kulturelle Stadtentwicklung bei Startup-Mannheim angesiedelt, die ja primär dafür zuständig sind, den Gründer- und Innovationsstandort Mannheim zu stärken und auszubauen. Tel Aviv ist wahnsinnig dynamisch und hochinteressant. Wir können von den Israelis viel lernen, besonders in Mentalitätsfragen. In Sachen Learning-by-Doing und Trial-and-Error ist Tel Aviv uns weit voraus. Das typisch deutsche Credo »Alles von A–Z durchplanen und dann erst loslegen« ist für eine Gründerkultur eher hinderlich. Konversion ist ein großes Thema in Mannheim. Was kann Kultur als Innovationsmotor hier leisten? Hanix Nr. 52 Die Multihalle in Mannheim – entworfen von Frei Otto – wird wieder zum gesellschaftlichen Raum: als Dach für Versammlungen, als Ort des Diskurses, als kultureller Treffpunkt. INTERVIEW MIT MATTHIAS RAUCH

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Umnutzung von leer stehendem Kirchenraum nach Mannheimer Art: In einem Ideen-Wettbewerb für die Umnutzung setzte sich das »EinTanzHaus« durch, ein Haus für zeitgenössischen Tanz. Hanix Nr. 52 Die Konversionsflächen sind eine große Chance für Mannheim. Die Stadt hat schon sehr früh erkannt, wie wichtig Kulturund Kreativwirtschaft für Stadtentwicklungsprozesse sind. Es gibt weit gediehene Pläne, zusammen mit privaten Investoren einen Komplex zu errichten, der sich an der Schnittstelle von Bewegtbild und Musik ansiedeln wird. Als Treiber wird die Kreativwirtschaft bei der Entwicklung der Konversionsflächen sicherlich eine wichtige Rolle spielen, ganz klar. Jungbusch, Neckarstadt-West und Konversionsflächen sind die Hauptschauplätze kultureller Stadtentwicklung. Wie siehst du die Situation in der Innenstadt? Die Quadrate sind geprägt von den großen traditionsreichen Kulturinstitutionen. Abgesehen davon gibt es aber durchaus Nachholbedarf. Die Situation ist ausbaufähig, zum Teil ist das der engen Bebauung geschuldet. Diese Form von Architektur macht Musikveranstaltungen fast unmöglich und lässt sich nicht einfach aushebeln. Die Frage ist daher, wie man trotz dieser Rahmenbedingungen Kultur im öffentlichen Raum wieder stärker fördern kann. Kultur muss auch in der Stadtmitte stattfinden und darf sich nicht nur auf Kieze beschränken. Anwohnerbeschwerden wirken einer entsprechenden Entwicklung oft entgegen. Unser Ziel muss TITELTHEMA: SCHWARMSTADT daher sein, neue Wege der Kommunikation mit allen Beteiligten zu finden. Wenn Mannheim eine Kunstform wäre, welche wäre sie deiner Meinung nach? Gute Frage – aber auch schwierig. Auf jeden Fall eine Schnittstellenkunst, Musik und Klang treffen auf bewegte Bilder. Man kann das nicht auf ein Genre runterbrechen, aber ich denke eine Mischung aus Media Art und Performance Art mit ganz viel Musik und auf jeden Fall sehr multikulturell. Die Offenheit und Toleranz der Stadt spiegelt sich in vielen künstlerischen Szenen wieder. Wir haben eine schöne, junge Weltmusikszene, die sich gerade über die Orientalische Musikakademie und über das Programm der Popakademie entfaltet. Mannheim hat aber auch eine sehr lebendige Jazzszene und natürlich schon immer eine grandiose Indie- und Elektroszene. Welche sind für dich die kulturellen Highlights für das Winterhalbjahr? Der Herbst steht klar im Zeichen des Enjoy-Jazz-Festivals. Traditionell wird es dann zum Jahreswechsel hin kulturell etwas ruhiger, aber für das Frühjahr steht schon das nächste Jetztmusik Festival in den Startlöchern. Im April wird es eine spannende Veranstaltung namens The Look of Sound – Fernsehforum für Musik geben. Dabei geht es um Musik im Fernsehfilm, also die Schnittstelle zwischen Bewegtbild und Musik. Das Ganze steigt in der Popakademie. The Look of Sound hat zuvor bereits viele Jahre in Bremen stattgefunden und ist nun auf meine Initiative hin vor zwei Jahren nach Mannheim gezogen. Außerdem freue ich mich schon auf das nächste B-Seite Festival für visuelle Kultur und Jetztkultur, das Maifeld Derby und die Time Warp. Ich bin gespannt auf das Programm am Kiosk in der Neckarstadt-West, in der Alten Feuerwache und im Zeitraumexit sowie im Theaterhaus G7, um jetzt nur einige zu nennen. Mannheim hat kulturell einfach wahnsinnig viel zu bieten. ◆

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Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Der Hexit wird kommen! Hat sich denn alle Welt verschworen? Die Hiobsbotschaften aus Heilbronn wollen gar nicht mehr abreißen: »Heilbronn steht zur Buga auf dem Abstellgleis«, titelte die Rhein-Neckar-Zeitung und berichtete von den ernsthaften Bemühungen der Deutschen Bahn, die Käthchenstadt komplett vom Schienennetz abzukoppeln. Als eine der raren Großstädte ohne Intercityoder gar ICE-Anbindung ist Heilbronn zwar Kummer längst gewohnt, aber nun kam’s knüppeldick: »Schienenersatzverkehre über Wochen aus Richtung Heidelberg und Mannheim sowie über Monate aus Richtung Würzburg machen die Anreise mit der Bahn für Besucher aus Norden und Westen unattraktiv«, klagte das Blatt weiter. Während die Stuttgarter Zeitung gar von einem »Schildbürgerstreich« sprach Foto: Ulla Kühnle Deutschlands schwersterreichbare Stadt geht neue Wege und feststellte, dass die Anreise per Zug zumindest aus Norden »völlig unattraktiv« werde. Die Beschwerden seitens Heilbronner Stadt- und Tourismusplaner ließ die Bahn mit schlecht gespielter Anteilnahme über sich ergehen und bot als Zeichen der Versöhnung »Direktbusse zwischen Heidelberg und Heilbronn sowie zwischen Würzburg und Heilbronn« an, wie die Heilbronner Stimme indigniert mitteilte. Nicht Expressbusse, sondern »Direktbusse« heißen diese Fahrzeuge, weil man mit ihnen direkt in einen der zahllosen, um Heilbronn herum tobenden Staus fahren kann – um dort direkt zum Stehen zu kommen. Denn um die kleine Neckarstadt nicht nur für Bahn-, sondern auch für Autofahrer unerreichbar zu machen, unternehmen Bund und Land ungeheure Anstrengungen: Auf der A 6 wurde eine gigantische Großbaustelle errichtet, die den Verkehr rund ums Weinsberger Staukreuz praktisch völlig zum Erliegen bringt. Der ADAC hat errechnet, dass es dort zwischen Januar und September schon 16.803 Staukilometer gegeben habe. Wegen des großen Erfolges soll diese Baustelle noch mindestens bis 2022 als Anfahrtshindernis dienen, damit man rechnerisch auch mindestens auf den doppelten Erdumfang von 80.000 Staukilometern kommt. So wird das Wort »Verkehrsknotenpunkt« völlig neu interpretiert – als Punkt, an dem sich alles unauflösbar verknotet. Staunend verfolgen nun Mobilitätsplaner und Verkehrsexperten dieses einzigartige Experiment, wie sich eine Großstadt vollständig von der Außenwelt abnabelt. Erste Krisenpläne liegen bereits vor: Sollte der Verkehr rund um und in die Stadt weiter zusammenbrechen, wird Heilbronn zunächst aus der Luft versorgt. Sogenannte »Zibebebomber« werfen Nahrung, Kleidung und die noch dringender benötigten Touristen aus der Luft ab. Doch das wird nicht lange andauern, denn die Stadt holt bereits aus zum großen Gegenschlag. In einer Art Trotzreaktion, so hört man aus dem Rathaus, wolle man die »Initiative wieder zurückgewinnen«, das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen, oder, wie ein Rathaussprecher sagt: »Wenn schon Abnabeln, dann machen wir das selber und dann richtig.« Schon macht das böse Wort vom »Hexit« die Runde, vom Heilbonner Exit aus absolut Allem: aus Deutschland, aus der EU und aus dem HNV natürlich auch. »Wir brauchen das alles nicht«, so ein Sprecher, der nicht mehr in dieser Zeitschrift genannt werden will, »wir sind uns selbst genug.« Heilbronn wird zur Festung, autonom und autark, die erste echte Selbstversorgerstadt Deutschlands. Versorgungstechnisch sei das kein Problem, erklärt Noch-OB Harry Mergel die vagen Zukunftspläne: »Wein haben wir in der Umgebung genug und zu Essen auch, die Lager von Lidl, Kaufland und Feinkost-Müller sind voll.« Brücken werden gesprengt, Gräben gezogen, der Neckar wird abgelassen, sodass selbst Expeditionsboote die Stadt, die einst den fünftgrößten Binnenhafen Deutschlands beherbergte, nicht mehr anlaufen können. Außerdem werden sämtliche Kabel gekappt. Heilbronn braucht das Internet nicht, aus dem quellen sowieso nur Porno und Fake News. Stattdessen OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE – FOLGE 14 Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 sollen Ausrufer und Marktschreier als mobile Nachrichtendistributoren und soziale Netzwerker durch die Stadt laufen, gegen individuelle Zuzahlung brüllen sie auch Facebook-Posts, Emojis und Hate-Kommentare. Als weitere Vorsichtsmaßnahme sollen die unterirdischen Salzstollen mit angekauftem Sondermüll verfüllt werden, um vor Eindringlingen aus dem Untergrund (Stuttgart 21!) sicher zu sein. Dennoch ist Mobilität in der Autostadt Heilbronn weiterhin ein wichtiges Thema, ja oberstes Gebot. So soll der Verkehrsübungsplatz auf dem Wolfszipfel ausgebaut und in ein »Erlebnislabyrinth« verwandelt werden, aus dem Urlaubsreisende erst nach Wochen wieder herausfinden. Dass die Buga 2019 trotz der totalen Abschottung und trotz ständig sinkender Besucherzahlen bei vorangegangenen Bundesgartenschauen ein spektakulärer Erfolg werden wird, daran haben die Stadtoberen keinen Zweifel. Um auf die anvisierte Zahl von zwei Millionen Besuchern zu kommen (die letzte Buga 2015 hatte nur 700.000), wolle man die dringend benötigten Rentnerhorden, die Gartenschauen naturgemäß besiedeln, in Form von »Körperspenden« aus den umliegenden Seniorenheimen gewinnen. »Wichtig ist nur, dass alles belebt aussieht«, so Mergel weiter, »und dass die Leute regelmäßig gewendet werden, damit es keine Druckstellen gibt auf den Beeten.« Um die Abspaltungs- und Austrittspläne zu konkretisieren und erfolgreich umzusetzen, will Mergel den zurzeit heimatlosen katalanischen Separatistenführer Puigdemont nach Heilbronn einladen und ihn dann umgehend zum außerordentlichen Oberbürgermeister ernennen. Als erste Amtshandlung wird der sympathische Rebell in der Käthchenstadt fragwürdige Abstimmungen durchführen lassen, um zu klären, wie viele Wirtschaftsunternehmen die Stadt am Neckar nach der Autonomieerklärung verlassen werden. Für den allseits befürchteten Fall, dass auch die Kaufland- und Lidl-Gruppe abwandern wird, sieht ganz Heilbronn, so viel ist jetzt schon sicher – Schwarz. Und zwar von hinten. ◆ Oliver Maria Schmitt, Jahrgang 1966, ist Romancier und Journalist. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis 2009. Berufsbegleitend studieren an der Hochschule Heilbronn Einzigartiges Studienkonzept bundesweit! Berufsbegleitend studieren beim Marktführer Bachelor Maschinenbau (B.Eng.) Master Maschinenbau (M.Eng.) Master Elektromobilität (M.Eng.) Master Systemisches Personalmanagement (M.A.) MBA International Automotive Management MBA Unternehmensführung MBA Global Business Jetzt anmelden! Infoabende Dienstag, 28. November 2017 Dienstag, 09. Januar 2018 um 18.30 Uhr am Campus Heilbronn-Sontheim www.BERUFSBEGLEITEND-STUDIEREN.HN

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Ein Brief aus Peru von KATRIN LEHR Fotos: Kathrin Lehr & Kristina Hade Liebe Heimat, heute schreibe ich aus Peru. Das Land, das vor allem für seine Inka-Kultur und das Weltkulturerbe Machu Picchu bekannt ist. Wusstest du, dass Peru 2015 zur besten Küche der Welt gewählt wurde? Ich wusste dies bis vor Kurzem nicht. Zum Glück unternehme ich hier viele anstrengende Wanderungen – da kann ich das Essen noch mehr genießen. Egal ob Ceviche, Lomo Saltado oder Aji de Gallina – Peru ist ein Land für Feinschmecker, die »Nueva Cocina« ist ein Genuss vom ersten bis zum letzten Tag. Außer Cuy – Meerschwein – habe ich alles getestet. Doch zu Letzterem konnte ich mich nicht durchringen, hatte ich doch selbst als Kind Meerschweinchen als Haustiere. Peru ist so vielfältig und so ganz anders als sein Nachbarland Kolumbien, aus dem ich dir vor ein paar Monaten geschrieben habe. Die nächsten vier Wochen werde ich mich in viele Abenteuer stürzen, die ich davor so noch nicht erlebt habe. In Lima haben uns eine dichte Wolkendecke und schlechte Bedingungen einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass wir nicht Paragliden konnten. Beim nächsten Besuch dann. Danach ging es in die aktuell außergewöhnlichste Unterkunft der Welt: Skylodge Adventure Suites im Heiligen Tal der Inkas bei Cusco. Das sind durchsichtige Kapseln auf 400 Meter Höhe über dem Tal. Sie sind nur über einen 90-minütigen langen Aufstieg über einen Klettersteig zu erreichen. Die Nacht verbringen wir in einer durchsichtigen Kapsel unter dem Sternenhimmel. Für uns pures Vergnügen, für so manchen zu Hause ein Alptraum, sich das Bett in der Höhe mit Blick Blick auf Machu Picchu Katrins Reiseblog findet ihr unter: www.viel-unterwegs.de BRIEF AN DIE HEIMAT Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 ins tiefe Tal vorstellen zu müssen. Auch die sechs rasanten Ziplines nach unten, die uns einen langen Abstieg ersparen, bedeuten weitere anderthalb Stunden Spaß. Richtig anstrengend wird die Mehrtageswanderung auf dem Weg nach Choquequirao. Diese Inka-Stätte liegt verborgen im Nebelwald und ist sogar größer als Machu Picchu. Zu erreichen nur zu Fuß über einen echt steilen Inka-Trail. Der Weg bringt mich an meine Grenzen und mehrmals frage ich mich, welcher Teufel mich geritten hat … Doch die Natur und Ausblicke auf einen der tiefsten Canyons der Welt und die Anden mit ihren Gletschern entschädigen für die Anstrengung. Vor allem Choquequirao selbst, das wir uns nur mit zehn anderen Touristen teilen, zieht uns in den Bann. Nur ca. 30 Prozent der Inkaruinen wurden bisher freigelegt. Wir fühlen uns wie Indiana Jones, denn überall im dichten Wald erblicken wir verborgene Mauerreste. Nach einem Ruhetag und dem Genuss einer heißen Dusche geht es zurück ins Heilige Tal zum fünftägigen Lares-Trek mit Ziel Machu Picchu. Hier begegnen wir Menschen, die in einfachsten Bedingungen auf über 5.000 m Höhe leben. Kindern, deren vom Wetter gegerbte Haut sie schon wie Erwachsene aussehen lässt, schenken wir etwas Brot, welches wir davor auf dem Markt im letzten Dorf gekauft hatten. Die Alten bekommen Coca-Blätter. Das (Über-)Lebenselixier, um mit offenen Sandalen bei Temperaturen von maximal 10 Grad nicht zu erfrieren. Glücklich mache ich eine Großfamilie mit fünf Kindern, als ich meine Sofortbildkamera auspacke. Natürlich strecken sich gierige Kinderhände nach den Abzügen aus. Es ist schön, ein KATRIN AUS PERU Inkaruinen, Salzterrassen Maras, Rainbow Mountain

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Lachen in den sonst so traurig aussehenden Kindergesichtern zu sehen. Ein letztes Familienportrait schenke ich der Mutter, die schüchtern im Abseits sitzen bleibt. Sie hat sich noch nie in einem Spiegel gesehen. Daher ist sie zu Tränen gerührt – wir auch – als sie die Bilder vor sich ausbreitet. Spätestens jetzt ist die Reise an einem Punkt angekommen, an dem ich wieder dankbar bin, in Deutschland ein warmes Bett, warme Kleidung, Strom und fließendes (sauberes) Wasser zu haben. Vergessen wir das nicht allzu oft, liebe Heimat? Ich bin am Abend froh, in einer warmen Lodge zu nächtigen. Nicht im Zelt wie ein paar Tage zuvor. Es ist kalt geworden. An die Höhe habe ich mich schnell gewöhnt. Daher fällt es mir leicht, die vielen echt hohen Inka-Stufen zum Machu Picchu zu erklimmen. Habe ich mir davor noch überlegt, ob dieser Ort nicht wie viele anderen Sehenswürdigkeiten völlig überschätzt wird, bin ich sprachlos, als ich oben ankomme. Nein, Machu Picchu wird sicher nicht überschätzt und sollte definitiv auf jeder Liste stehen, wenn man nach Peru kommt. Die Lage in einem Tal, das umgeben von hohen Bergen, die oft von Wolken umschlossen sind, und die Baukunst der Inka sind faszinierend. Der Ausblick ist gigantisch. Ist man clever und hat Glück, sind nicht mehr so viele Touristen in der Anlage und man findet Platz, um innezuhalten und die Aussicht auf die Ruinen zu genießen. Dank unseres Guides haben wir die Anlage kurz vor Schließung fast für uns alleine. Nach einer Nacht im sehr touristischen Aguas Calientes, dem »Tor zum Machu Picchu« geht es wieder einmal zurück nach Cusco, denn noch ein Highlight wartet hier auf uns: Rainbow Mountains. Diese waren bis kürzlich überhaupt nicht auf der touristischen Landkarte verzeichnet. Dank Instagram wurden die Regenbogen-Berge schnell berühmt. Ein unregulierter Strom Touristen (hauptsächlich Einheimische) quält sich Tag für Tag am frühen Morgen auf die knapp über 5.000 Meter gelegenen Berge. Es hat geschneit und es ist bitterkalt. Das erste Mal spüre ich einen Anflug Höhenkrankheit. Jeder Schritt schmerzt, mein Kopf hämmert und bei schnellen Bewegungen sehe ich Sternchen. Auch Coca-Tee hilft heute nicht. Würde ich hier nächtigen, wäre ich am nächsten Tag wohl im Krankenhaus. So bin ich froh, nach dem Erklimmen des höchsten Punkts und der wiederum grandiosen Aussicht auf die Rainbow Hanix Nr. 52 Lares Trek BRIEF AN DIE HEIMAT

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weihnachtsmarkt ab dem 25.11.2017 finden sie kleine und große geschenke von zahlreichen lokalen und internationalen kunsthandwerkerinnen jeden adventssamstag mit glühwein und gebäck di-fr 10-18 uhr, sa 10-16 uhr Hanix Nr. 52 Mountains und die Anden wieder ins viel tiefer gelegene Cusco fahren zu können. Ob ich mir diese Tour nochmals an einem Tag antun würde? Ich zweifle daran. Danach geht es für mich in weniger bekannte und ursprünglichere Ecken: Nordperu mit Kuelap, Chachapoyas und Gocta, dem dritthöchsten Wasserfall der Welt, ruft. Auch in Kuelap gibt es Ruinen. Diese stammen jedoch nicht von Inkas, sondern den Chachapoyas (Wolkenmenschen). Jüngst wurde eine Seilbahn – die Erste Perus – eröffnet, um Besuchern den anstrengenden Trek nach oben zu ersparen. Auch den Amazonas und Regenwald werde ich besuchen. Wanderungen am Tag und in der Nacht unternehmen und hoffentlich ein Faultier zu Gesicht bekommen. An Taranteln, Boas und Anakondas komme ich dann sicher auch nicht vorbei. Ich bin gespannt, freue mich aber schon jetzt auf die Zeit in Heilbronn. Je öfter ich reise (2017 war ich mehr weg als zu Hause, liebe Heimat), umso größer die Vorfreude auf dich. Trotz vieler unvergesslicher Momente und neuen Freundschaften, die mir keiner mehr nimmt. Also bis bald, Heilbronn! KATRIN AUS PERU Skylodges Cusco

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Kaiserstraße Um 1969 Foto: Hermann Eisenmenger, Heilbronner Stimme und Stadtarchiv Heilbronn Hanix Nr. 52 Unser Historischer Schuss zeigt die winterliche Kaiserstraße, mit dem Blick in Richtung Osten bis in die Moltkestraße hinein. Auf der linken Seite dominiert das Fachgeschäft für Hausrat Kachel, das sich seit 1950 hier in der Kaiserstraße 27 befand, dahinter schließt sich das Sporthaus Saemann an. Die rechte Seite erinnert an drei Traditionsgeschäfte: das Musik- und Pianohaus Häber, das Kaufhaus Beilharz und dahinter zu erahnen auch Foto Mangold. Die beiden gegen den Winter protestierenden Männer sind wohl eine Anspielung auf die protestreiche Zeit jener ausgehenden 60er Jahre. So veranstaltete der Allgemeine Studentenausschuss der Staatlichen Ingenieurschule (heute Hochschule) Heilbronn im Juni 1967 anlässlich des Todes von Benno Ohnesorg einen Schweigemarsch durch die Heilbronner Innenstadt. Rund 200 Schüler protestierten im Januar 1968 mit einem satirischen »Kaiser-Wilhelm-Marsch« gegen den »Untertanengeist« der Zeit. Ärgerliche Farbschmierereien an den Schulgebäuden und die höchst provokante erste Ausgabe der Schülerzeitung »Spartakus novus« vom Januar 1969 führten zu hitzigen Diskussionen und bis zum Schulausschluss der beteiligten Schüler. Aber auch gegen den geplanten Bau einer Tiefgarage unter dem Stadtgarten wurde im Sommer 1969 protestiert. Mehr über die Jahre 1964 bis 1969 in Heilbronn enthält die jüngste Neuerscheinung des Heilbronner Stadtarchivs. Werner Föll beschreibt darin in Chronikform, was die Heilbronner und Heilbronnerinnen damals bewegte – und das war nicht wenig. Der 520 Seiten umfassende Band »Heilbronner Chronik IX« ist ab dem 7. Dezember im Buchhandel und im Haus der Stadtgeschichte erhältlich. Näheres unter www.stadtarchiv-heilronn.de 104 DER HISTORISCHE SCHUSS

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.jpg Hanix-Superhelden-Party, Reederei Schwaben, Heilbronn 21.10.2017, 17:43 Uhr bis 22.10.2017, 0:09 Uhr Fotos: Meli Dikta Viel ist passiert seit unserem Aufruf Anfang August, als nicht klar war, ob es Nummer 51 unseres feinen Magazins geben wird. Viele Menschen, ob Mitarbeiter oder Unterstützer – haben sich unendlich für uns eingesetzt. Nun haben wir endlich DANKE sagen können. Ausgedacht hatten wir uns dafür eine kleine aber feine Feier in der Reederei Schwaben auf dem Gelände der Bundesgartenschau samt Führung übers Buga-Gelände. Danke an alle, die da waren! .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 Lange Nacht der Kultur, Innenstadt, Heilbronn 07.10.2017, 21:04 Uhr bis 08.10.2017, 0:53 Uhr Fotos: Meli Dikta Nach fünf Jahren Pause gab es endlich wieder eine Lange Nacht der Kultur in Heilbronn. Eine volle Innenstadt mit gut besuchten Veranstaltungen sowie über 700 Besucher des »Zeltmusikfestivals« vom Popbüro Heilbronn- Franken und Hanix auf der Abschlussparty verlangen nach einer Wiederholung! .JPG – BILDERGALERIE f r e i r a u m - p h o t o s . d e www.blickboutique.de P o R t RAit kiN deRFotoGRAFie tieR e R e P o R t AGe N NAtuR

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Fotos: Meli Dikta [1] Halloween-Party, Ebene 3, Heilbronn, 01.11.2017, 1:37 Uhr [2] Halloween-Party, Ebene 3, Heilbronn, 01.11.2017, 0:56 Uhr [3] Knusperhäuschen, Märchengarten, Ludwigsburg, 26.10.2017, 11:59 Uhr [4] Kürbisausstellung, Blühendes Barock, Ludwigsburg, 26.10.2017, 11:40 Uhr [5] Schaufensterpuppenkopf , Flohmarkt Theresienwiese, Heilbronn, 04.11.2017, 13:45 Uhr [6] Wühlkartons, Flohmarkt Theresienwiese, Heilbronn, 04.11.2017, 12:09 Uhr Hanix Nr. 52 108 .JPG – BILDERGALERIE

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Hanix Nr. 52 Fotos: Meli Dikta [1] Halloween-Party, Ebene 3, Heilbronn, 31.10.2017, 22:27 Uhr [2] Kürbisausstellung, Blühendes Barock, Ludwigsburg, 26.10.2017, 11:25 Uhr [3] Gerahmtes Bon-Jovi-Portrait, Flohmarkt Theresienwiese, Heilbronn, 04.11.2017, 12:43 Uhr .JPG – BILDERGALERIE ringringwedddings.com

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Theater Heilbronn Dez. 2017 & Jan. 2018 Großes Haus Pinocchio (Märchen) 03.12., 16.12., 17.12., 26.12. & 21.01. Großes Haus Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl – Eine Weihnachtsgeschichte (Märchen) 04.12. BOXX Die Windmühlen (Schauspiel) 06.12., 08.12. & 09.12. Großes Haus Fundament (Schauspiel) 06.12., 09.12., 13.12., 29.12., 02.01. & 04.01. Termine Dezember 2017 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Großes Haus Taxi Taxi (Komödie) 02.12., 08.12., 12.12., 14.12., 20.12., 30.12. & 03.01. Komödienhaus Venedig im Schnee (Komödie) 01.12., 08.12., 14.12., 15.12., 16.12., 17.12., 20.12., 22.12., 26.12., 30.12., 09.01. & 13.01. BOXX Running (Tanztheater) 03.12., 04.12. & 05.12. BOXX König & König (Schauspiel für Kinder) 10.12., 11.12. & 23.12. Großes Haus Was ihr wollt (Komödie) 05.12., 10.12., 21.12., 28.12. & 06.01. Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Fr 01. Innenstadt, Heilronn Weihnachstmarkt 2017 (bis 21. Dezember) Weinhandlung Kirchner, Heilbronn Sekt & Champagnerprobe mit Häppchen (Verkostung) Zigarre, Heilbronn Holymess Multimarkt (Kunstmarkt) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »Just the Ticket« – Komödie (Theater) Hanns-Martin-Schleyer Halle, Stuttgart Xavier Naidoo (Konzert) BOXX Kriegerin (Schauspiel) 14.12., 15.12., 20.12., 21.12., 22.12. & 09.01. BOXX Klopf Klopf (Schauspiel für Kinder) 17.12., 18.12., 12.01. & 14.01. Großes Haus A Christmas Carol (Schauspiel) 22.12. Großes Haus Weihnachtsmatinee 03.12., 10.12. & 17.12. Großes Haus Der gute Mensch von Sezuan (Schauspiel) 07.12., 27.12., 05.01., 07.01. & 12.01. BOXX Patricks Trick (Schauspiel) 07.01., 09.01., 16.01. & 17.01. Hochschule der Medien, Stuttgart Startup Weekend (Infotag) Marienplatz, Stuttgart WHOUAHOU 2017 – Das alternative Winterdorf (Weihnachtsmarkt) Im Wizemann, Stuttgart Gin a’fair Stuttgart – Gin Tonic Festival (Tasting) LKA Longhorn, Stuttgart Gloria (Konzert) Villa Nachttanz e.V., Heidelberg Allex.scheisze/Tathandlung/ maevix (Konzert) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) Sa 02. Zigarre, Heilbronn Holymess Multimarkt (Kunstmarkt) Großes Haus The Lights Of Broadway (Musical-Revue) 14.01., 26.01., 27.01. & 28.01. Komödienhaus Reinhold Beckmann & Band (Theater-Spezial) 14.01. Großes Haus Unterwerfung (Schauspiel) 20.01., 25.01 & 31.01. Großes Haus Romeo und Juliet (Theater) 30.01. BOXX Krieg – Stell dir vor, er wäre hier (Theater) 31.01. Redblue Intersport, Heilbronn Die Teddy Show – Ds passiert alles in Dein Birne (Comedy) Süddeutsches Eisenbahnmuseum, Heilbronn Julbockmarkt (Markt) Mobilat Club, Heilbronn Riders on the Storm (Clubbing) Kulturkeller, Heilbronn Volker Weiniger – Bildung. Macht. Schule (Kabarett) Ev. Kirche Wollenberg, Bad Rappenau Spanische Tränen – Lesung mit Hermann Siegmann (Lesung) Neubausaal, Schwäbisch Hall Gästeliste Geisterbahn Live (Live Podcast) Kulturforum, Brackenheim Das Lumpenpack (Konzert) Wartesaal, Besigheim Kammerkonzert mit dem »Duo Aperto« (Konzert) 01. – 02.12.2017 Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 Im Wizemann, Stuttgart Gin a’fair Stuttgart – Gin Tonic Festival (Tasting) Kongresshaus Stadthalle, Heidelberg Urban Priol – Tilt! Der Jahresrückblick 2017 (Kabarett) ZKM Vortragssaal, Karlsruhe Kunst und Macht in der Geschichte Chinas (Symposium) So 03. Zigarre, Heilbronn Holymess Multimarkt (Kunstmarkt) Wasserschloss, Bad Rappenau »Es ist an der Zeit« – Ausstellung mit Rudi Böhret, Heiko Sakurai, Karlheinz Hofmann und Ralph Nieling – bis 28.01.2018 (Ausstellung) ZKM Kubus, Karlsruhe Moving Sounds (Musik-Design- Performance) Mo 04. Audi Forum, Neckarsulm Weihnachts-KreativWerkstatt: Weihnachtsbäckerei (Weihnachtsbacken) Wartesaal, Besigheim attac Filmabend: »Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens« (Film) halle02, Heidelberg Gurr – Garagepop Live halle02, Heidelberg Das Lumpenpack – Vorpremiere (Konzert) Porsche-Arena, Stuttgart Matthias Schweighöfer (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Käptn Peng with Die Tentakel von Delphi (Konzert) 02. – 08.12.2017 Di 05. Kurhaus, Bad Rappenau Die Badische Landesbühne zeigt: Mondlicht und Magnolien (Theater) Deutsch-Amerikanisches-Institut, Heidelberg Konrad Paul Liessmann – Bildung als Provokation (Vortrag) halle02, Heidelberg Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox (Konzert) Mi 06. Olgastraße, Heilbronn Reparier Café (Handwerk) Stadtmitte, Bad Rappenau Nikolausmarkt (Markt) Volkshochschule, Crailsheim Bildervortag: Abenteuer Karpaten (Fotoshow) Porsche-Arena, Stuttgart Marteria (Konzert) Capitol, Mannheim SWR3 Live Lyrix (Konzert) Do 07. Jazzclub Cave 61, Heilbronn Werner Acker präsentiert Franziska Schuster – Jazz & more (Konzert) Zigarre, Heilbronn Guitar Sensation (offene Jam Session) Harmonie, Heilbronn European Outdoor Filmtour (Multimediashow) Wasserschloss, Bad Rappenau Lauter schöne Bescherungen mit Litera & Musica (Konzert) Stadtmitte, Bad Rappenau Nikolausmarkt (Markt) Karlstorbahnhof, Heidelberg Tim Neuhaus (Konzert) Goldmark’s, Stuttgart The Loranes (Konzert) ZKM, Karlsruhe inSonic 2017. Immersive Future (Symposium, Konzerte & Ausstellung) Fr 08. Weinhandlung Kirchner, Heilbronn Weinmenü in der Weinhandlung (Verkostung) Stadtmitte, Bad Rappenau Nikolausmarkt (Markt) Wald & Schlosshotel, Friedrichsruhe Weihnachtsmarkt (Markt) Liederhalle Hegelsaal, Stuttgart London Grammar (Konzert) Lehmann Club, Stuttgart Performance & Visual Artist Club Festival /w Pleasurekraft (Clubbing) Kultur- & Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Mighty Oaks (Konzert) Kowalski, Stuttgart Marek Hemmann @ Kowalski (Clubbing) Capitol, Mannheim Badesalz (Comedy) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) ZKM, Karlsruhe inSonic 2017. Immersive Future (Symposium, Konzerte & Ausstellung) NEUJAHRSKONZERT LIEBESGRÜSSE AUS RUSSLAND 05. Januar 2018 19.30 Uhr Harmonie Heilbronn TSCHAIKOWSKY DORNRÖSCHEN ROMEO & JULIA EUGEN ONEGIN www.wko-heilbronn.de TICKET

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Sa 09. Bukowski, Heilbronn Markus Kavka @Bukowski (Clubbing) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »So long Leonard« (Lyrik und Konzert) Kulturkeller, Heilbronn Kabbaratz; Ich find’s schön, wenn der Baum brennt (Kabarett) Kulturforum, Brackenheim Luke Jackson »Tall Tales & Rumours« (Konzert) Stadtmitte, Bad Rappenau Nikolausmarkt (Markt) Wald & Schlosshotel, Friedrichsruhe Weihnachtsmarkt (Markt) Porsche-Arena, Stuttgart Kontra K (Konzert) Phoenixhalle im Römerkastell, Stuttgart Schöne Bescherung (Weihnachtsmarkt) Freund & Kupferstecher, Stuttgart Johnny Rakete (Konzert) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart Die Toten Hosen (Konzert) Orgelfabrik, Karlsruhe Thomas Gsella – Achtung hier spricht der Weihnachtsmann (Kabarett) Alte Feuerwache, Mannheim Erobique - Aftershow mit First Touch (Clubbing) ZKM, Karlsruhe inSonic 2017. Immersive Future (Symposium, Konzerte & Ausstellung) So 10. Kaffeehaus Hagen, Heilbronn »Café Diva« (Konzert) Altes Theater, Heilbronn 1. Weihnachtsmatinee mit Andrea Schilling, Lothar Lemkcke & Bea Béoletto (Konzert) Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn Finale Regionale – Gold und Silber (Vernissage) Wald & Schlosshotel, Friedrichsruhe Weihnachtsmarkt (Markt) Porsche-Arena, Stuttgart Gentleman (Konzert) Phoenixhalle im Römerkastell, Stuttgart Schöne Bescherung (Weihnachtsmarkt) ZKM, Karlsruhe inSonic 2017. Immersive Future (Symposium, Konzerte & Ausstellung) Mo 11. halle02, Heidelberg Tom Grennan (Konzert) L-Bank, Stuttgart Finaltag FinTech Days Stuttgart 2017 (Start-Up Konferenz) Di 12. Harmonie, Heilbronn Enissa Amani – Mainblick (Comedy) Universum, Stuttgart Jan Philipp Zymny – Soloshow (Poetry Slam) Kunstmuseum, Stuttgart Betrachtungen. Prominente erklären Kunst (Kunst) Mi 13. Forum am Schlosspark, Ludwigsburg European Outdoof Film Tour (Muitmediashow) Freund & Kupferstecher, Stuttgart AJ Tracey (London) – Live (Clubbing) Do 14. Jazzclub Cave 61, Heilbronn Vertigo – Posaunenquartett (Konzert) BOXX, Theater Heilbronn Autor im Gespräch: Friedhelm Hengsbach (Gesprächsrunde) Forum am Schlosspark, Ludwigsburg London Brass (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Miwata – Nicht ohne Grund Tour (Konzert) Fr 15. Mobilat Club, Heilbronn Soul Connection @ Mobilat Club DJ sup. Sven Francisco (Clubbing) Hangar, Crailsheim Dschungelbuch – das Musical (Musical) Im Wizemann, Stuttgart Lena (Konzert) Mercedes-Benz Arena, Stuttgart VfB Stuttgart – FC Bayern München (Fußballspiel) 09. – 15.12.2017 Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 Kultur – und Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Status Quo – Aquostic – It Rocks! (Konzert) DAI, Heidelberg Harald Lesch: Die Menschheit schafft sich ab (Wissenschaftsvortrag) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) Sa 16. La Petite Provence, Heilbronn Weinmenü (Verkostung) Kulturkeller, Heilbronn Felix Oliver Schepp - ZeitLoope (Kabarettkonzert) Messe, Stuttgart SEMF – Stuttgart Electronic Music Festival (Clubbing) Porsche-Arena, Stuttgart Manowar (Konzert) Hanns-Martin-Schleyer Halle, Stuttgart TrailerPark (Konzert) So 17. Altes Theater, Heilbronn 2. Weihnachtsmatinee mit Anna-Maria Lungu (Konzert) Wasserschloss, Bad Rappenau Weltklassik am Klavier – Lyrische Gegensätze – die Meister der Melodie mit Timur Gasratov (Konzert) Stadthalle, Heidelberg European Outdoor Film Tour 2017/18 (Multimediashow) Im Wizemann, Stuttgart Mine & Fatoni (Konzert) 15. – 31.12.2017 Mo 18. Flint, Ludwigsburg Johanna Roth & Freunde (Konzert) Club-CANN, Stuttgart Baba Tour (Konzert) Di 19. Thermen und Badewelt, Sinsheim Happy Birthday Badewelt (Wellness) Mi 20. Olgastraße, Heilbronn Reparier Café (Handwerk) Hospitalkirche, Schwäbisch Hall JazzTime: Rebekka Bakken »December Nights« (Konzert) Kongresshaus Stadthalle, Heidelberg Konstatin Wecker: Poesie und Widerstand (Kabarett) Do 21. Jazzclub Cave 61, Stuttgart Stuttgarter Saloniker – Weihnachtsspezial (Konzert) Fr 22. Restaurant Friedrich, Bad Wimpfen Weinmenü (Verkostung) Wartesaal, Besigheim Jazz im Wartesaal: Regina Büchner Quartett (Konzert) ZKM Lichthof 8 + 9, Karlsruhe Digitalisierung. Ein Weihnachtsmärchen (Vortrag) Sa 23. Mobilat Club, Heilbronn Wortsport Lounge w/ WSP X-Mess (Clubbing) Bukowski, Heilbronn Jam El Mar @Bukowski Live (Clubbing) So 24. Thermen und Badewelt, Sinsheim Thermen-Weihnacht mit Familientag (Wellness) Mo 25. Bukowski, Heilbronn Jason Philips @Bukowski (Clubbing) Di 26. Harmonie, Heilbronn Der kleine Prinz (Musical) Maimarkthalle, Mannheim Irie Revoltes (Konzert) Mi 27. Harmonie, Heilbronn Lauras Stern (Musical) Im Wizemann, Stuttgart Die Happy (Konzert) Do 28. Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Breakin’ Mozart (Tanz) Fr 29. Zigarre, Heilbronn Music Day mit Cheri Lyn (Workshop und Konzert) Sa 30. Mobilat Club, Heilbronn Data 77112 w/ Jäkbar (Clubbing) So 31. Wald & Schlosshotel, Friedrichsruhe Silvester im Bademantel (Wellness) Finale Regionale 10. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018 Gold und Silber Kunstverein Heilbronn Allee 28/Kunsthalle Vogelmann kunstverein-heilbronn.de

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Termine Januar 2018 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Mo 01. Nationaltheater, Mannheim Kammerakademie (Konzert) Di 02. Capitol, Mannheim Christian Chako Habekost »de Weeschwie’sch-MÄN« (Kabarett) Mi 03. Kronenzentrum, Bietigheim- Bissingen Dschungelbuch – das Musical (Musical) Do 04. Jazzclub Cave 61, Heilbronn Werner Acker präsentiert Robert Giegling – Jazz and beyond (Konzert) Fr 05. Harmonie, Heilbronn WKO HN: Liebesgrüße aus Russland (Neujahrskonzert) Substage, Karlsruhe The Busters (Konzert) Sa 06. Theater ACTelier/ACT Center, Nürnberg Theaterflohmarkt (Flohmarkt) Porsche-Arena, Stuttgart Savas & Sido »Royal Bunker Tour« (Konzert) halle02, Heidelberg HD Bass – Welcome 2k18 (Clubbing) ZKM, Karlsruhe Tag der offenen Tür am ZKM (Offenes Museum) So 07. Scala, Ludwigsburg Expedition Erde: Abenteuer Dolomiten & Südtirol (Multimediashow) Theaterhaus, Stuttgart Miras Sternenreise (Theater für Kinder) Capitol, Mannheim Tabaluga - »oder die Reise zur Vernunft« (Musical) Tollhaus, Karlsruhe DOTA »mit Pauken und Trompeten« (Konzert) Mo 08. Theaterhaus, Stuttgart Wladimir Kaminer (Lesung) Alte Feuerwache, Mannheim Mannheim Jazz Orchestra (Konzert) Di 09. Harmonie, Heilbronn Dr. Eckart von Hirschhauen: Endlich! (Kabarett) Mi 10. Olgastraße, Heilbronn Reparier Café (Handwerk) Hospitalkirche, Schwäbisch Hall JazzTime: Anna-Lena Schnabel Quartett (Konzert) Liederhalle Beethovensaal, Stuttgart La La Land – In Concert (Filmmusical) Do 11. Jazzclub Cave 61, Heilbronn The World of Trumpet – Mainstream Swing (Konzert) Rosenau Lokalität und Bühne, Stuttgart ArtNight: Frida Kahlo (Kunstworkshop) Alte Feurwache, Mannheim Henry Wu presents Kamaal Williams (Konzert) Fr 12. Kultura, Öhringen Helge und das Duo (Comedy) Theaterhaus, Stuttgart Gauthier Dance/Dance Company Theaterhaus Stuttgart: Mega Israel (Tanz) Alte Feuerwache, Mannheim Deine Freunde (Kinderkonzert) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) Sa 13. Harmonie, Heilbronn TurnGala (Sport) Kulturhaus Forum Fränkischer Hof, Bad Rappenau 250. Ausstellung im Kulturhaus: »Black & White und ein Hauch von Farbe« von Dr. Inna Fuchs (Ausstellung) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Whiskeyseminar (Verkostung) Porsche-Arena, Stuttgart Kollegah with Farid Bang (Konzert) halle02, Heidelberg Weekend – Keiner ist gestorben Karlstorbahnhof, Heidelberg Willy Nachdenklich (Comedy) halle02, Heidelberg Weekend – Keiner ist gestorben Tour 2018 (Konzert) 01. – 13.01.2018 Hanix Nr. 52

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Hanix Nr. 52 Karlstorbahnhof, Heidelberg Nachdenkliche Sprüche mit Bilder (Comedy) Maimarktclub, Mannheim Weiberkram Mädelsflohmarkt (Flohmarkt) So 14. Theater, Heilbronn Reinhold Beckmann & Band (Konzert) MHPArena, Ludwigsburg The Voice of Germany – Live (Konzert) Kronenzentrum, Bietigheim- Bissingen Südafrika – das Abenteuer (Multimediashow) halle02, Heidelberg Kollegah & Farid Bang (Konzert) Puppentheater, Heidelberg Kännchen voll (Kindertheater) Capitol, Mannheim Dodokay - »Schwaben Menschen Abenteuer« (Comedy) Mo 15. Wartesaal, Besigheim attac Filmabend: Die dunkle Seite der Wikipedia (Film) Di 16. Neubausaal, Schwäbisch Hall Michael Mittermeier: Wild (Comedy) Mi 17. Volksbank, Heilbronn Food Dinner Pitch (Verkostung) 13. – 25.01.2018 halle02, Heidelberg Gisbert zu Knyphausen (Konzert) Capitol, Mannheim Felix Klemme - »Natürlich sein« (Wissenschaft) Do 18. Jazzclub Cave 61, Heilbronn Bebelaar/Joos/Enders – Europäischer Jazz (Konzert) Theater, Heilbronn M – Eine Stadt sucht ihren Mörder (Puppentheater) Im Wizemann, Stuttgart Kakkmaddafakka (Konzert) Capitol, Mannheim Chris Tall »Und jetzt ist Papa dran« (Comedy) Substage, Karlsruhe Alex Mofa Gang (Konzert) Fr 19. Theater, Heilbronn F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig (Theater) Theaterhaus, Stuttgart Dodokay Live – Schwaben Menschen Abenteuer (Comedy) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) Sa 20. Theater, Heilbronn Géologie d’une fable – vom Ursprung einer Geschichte (Tanztheater für Kinder) Theater, Heilbronn Kafka in Wonderland – Eine Bühnencomic für Erwachsene (Theater) Kulturkeller, Heilbronn Myrtil Haefs: Der Lack ist ab – der Glanz bleibt! (Musik) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Whiskey & Schokolade (Verkostung) Kulturbühne Kapelle am Schloss, Brackenheim Lucie M. & das Tribunal des Escargots (Liederzirkuspop) So 21. Alte Mälzerei, Mosbach TRIO 21m60 (Konzert) Scala, Ludwigsburg Kurt Knabenschuh (Kabarett) Karlstorbahnhof, Heidelberg Katie Freudenschuss – Bis Hollywood is eh zu weit (Kabarett) Mo 22. Kongresshaus Stadthalle, Heidelberg Andreas Kieling – Livetour (Multimediashow) Di 23. Harmonie, Heilbronn Andreas Kieling – Livetour (Multimediashow) Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart A-ha (Konzert) Theaterhaus, Stuttgart Faisal Kawusi – Glaub nicht alles was du denkst! (Comedy) Mi 24. Harmonie, Heilbronn Württembergisches Kammerorchester (Konzert) Café Galao, Stuttgart Gregor McEwan (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Das Lumpenpack – Stuttgart – Die Zukunft wird groß (Konzert) Theaterhaus, Stuttgart Das VPT interpretiert: Die drei ??? und das Gespensterschloss (Live-Hörspiel) Jubez, Karlsruhe Götz Widmann Live – Rambazamba (Konzert) Do 25. Osiander, Heilbronn Maria Kehlenbeck – Beim Küssen sind mir Sterne schnuppe (Musikalische Lesung) Jazzclub Cave 61, Heilbronn Thomas Siffling Quintett, Flow – Electr. Groove Jazz (Konzert) Altes Theater, Heilbronn Thomas Siffling Quintett, Flow (Konzert) Theaterhaus, Stuttgart Kettcar (Konzert) Goldmark’s, Stuttgart Alex Mofa Gang (Konzert) ... P G § Patrick Gsell, LL. M. Rechtsanwalt & Legal Interim Manager Beratung: Arbeitsrecht, Datenschutz, Strafrecht, Markenrecht Die Nummer für den rechtlichen Kummer ! datenschutz-heilbronn.de fussballanwalt.com anwalt-gsell.de Tel: 07133 / 14 95 001 mail@anwalt-gsell.de

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DANKE Diesen zweiten Hanix-Kalender konnten wir nur realisieren, weil sich wieder viele Unterstützer in der Stadt fanden, die von der Fortführung des Wandkalenders ebenso begeistert waren, wie wir selbst. Unser Dank geht also an: Theaterhaus, Stuttgart Kettcar (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Prinz Pi (Konzert) Wein-Moment, Stuttgart Kessellliebe Meets Wein- Moment (Verkostung) halle02, Heidelberg Che Sudaka live plus Aftershow Party v. Villa Zapata (Konzert) Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Worldbrass (Konzert) Fr 26. Harmonie, Heilbronn Ralf Schmitz – Schmitzenklasse (Comedy) Wartesaal, Besigheim Biedermann und die Brandstifter: Eine Lesung mit Musik in der Bearbeitung des Theatertangere (Musikalische Lesung) Universum, Stuttgart FJØRT//Couleur Tour 2018 (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Prinz Pi (Konzert) wizemann.space, Stuttgart Agile Buildingsbricks (Workshop) Messe, Stuttgart Medizin 2018 (Messe) Tollhaus, Karlsruhe Özcan Cosar – Old School (Comedy) ZKM Lichthof 1 + 2, Karlsruhe Resonanzen live (Künstlerische Interventionen) Neubausaal, Schwäbisch Hall Kalle Kompaß in Ägypten (Kinder-Musik-Mitmachshow) Sa 27. Theater, Heilbronn Les Miserables (Theater) Kulturkeller, Heilbronn Peggy O. und Michael Sorg – Kunst Stück (Musik) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Handmadelove Design & Handmademarkt (Kreativmarkt) Scala, Ludwigsburg Jan Weiler (Comedy) Keller Klub, Stuttgart Götz Widmann @Keller Klub (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart Fest versprochen – Die Messe für besondere Feste und Hochzeiten (Messe) Messe, Stuttgart Medizin 2018 (Messe) halle02, Heidelberg Hospitality No. 4 (Clubbing) So 28. Kletterarena, Heilbronn REEL ROCK Film Tour 12 (Film) Scala, Ludwigsburg Expedition Erde: Cuba (Multimediashow) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Handmadelove Design & Handmademarkt (Kreativmarkt) Messe, Stuttgart Medizin 2018 (Messe) Mo 29. Im Wizemann, Stuttgart $uicideboy$ (Konzert) Capitol, Mannheim Bülent Ceylan »Lassmalache« (Comedy) Di 30. Stadtbibliothek, Böckingen Juwelen der Popmusik (Lesecafé) Kultura, Öhringen Uli Boettcher: Ü50 – Silberrücken im Nebel (Comedy) Kultur- & Kongresszentrum Liederhalle, Stuttgart Helge Schneider (Konzert) Im Wizemann, Stuttgart DCVDNS (Konzert) Messe, Karlsruhe Learntec – Leitmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf (Messe) Mi 31. Harmonie, Heilbronn Dr. Mark Benecke – Insekten auf Leichen (Wissenschaft) Im Wizemann, Stuttgart Shahak Shapira (Comedy) Theater und Orchester, Heidelberg Premiere: Die Antigone des Sophokels (Theater) Karlstorbahnhof, Heidelberg NightWash Live in Heidelberg (Comedy) Alte Feuerwache, Mannheim Rakede (Konzert) Substage, Karlsruhe Emmi King (Konzert) Hanix Nr. 52 25. – 31.01.2018

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ZIEGLERKUNDE SEIT 2017 … WEIL ICH DIE UNTERSTÜTZUNG DURCH EINEN STARKEN PARTNER SCHÄTZE. DIE ZUSAMMENARBEIT WAR VON DER BERATUNG BIS HIN ZUR LOGISTIK HERVORRAGEND. [Metin Aktay, Buchautor der Autobiografie „Heimatlos und zerrissen“] Die komplette Kundenstimme unter: www.cr ossmediaexperts.de

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Tiere ab 18 Lisa Maria Klotz kam wahrscheinlich durch Geburt zur Welt. Seitdem zeichnet, malt und spielt sie am liebsten Quatsch. Zur Beruhigung backt Lisa Pfannkuchen und ihr animalisches Buch »Tiere ab 18« soll man sich und anderen gefälligst in großer Stückzahl bestellen! Check da Shit out: www.tiereab18.de Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 52 TIERE AB 18

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Alle 51 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf- Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online-Archiv unter www.hanix-magazin.de. Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Nico Kurth

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