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Kostenloses Mitnahme-Exemplar Nr. 56 August/September 2018 Titelthema: Bahnhofsvorstadt hat Visionen!

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Deutschland stellt sich breit auf! Vermögen aufbauen! Seien Sie dabei! Mit einer stabilen Anlagestrategie für Ihr Geld. Damit Anlegen wieder Freude macht! Gleich online Termin vereinbaren. Bildquelle: Union Investment www.volksbank-heilbronn.de

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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, Hanix Nr. 56 »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen«, sagte 1980 Altkanzler Helmut Schmidt im Spiegel über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf. Wir haben uns noch keinen Termin geben lassen, trotz unserer Vision für die Heilbronner Bahnhofsvorstadt. Denn wir sind nicht die einzigen Visionäre in der Stadt, wie wir beim Gedankenaustausch zum Thema »Innovative Stadtentwicklung« im Juni glücklich feststellen durften. Es war eine breite Interessensgemeinschaft mit Akteuren aus Bürger- und Studentenschaft, Verwaltung, Kultur, Bildung, Politik und Wirtschaft, die der Einladung der DHBW Heilbronn und Hanix gefolgt waren. Und alle haben gemeinsam das Ziel, Heilbronn zur nachhaltigen Schwarmstadt zu entwickeln. Also dreht sich in dieser Ausgabe konsequenterweise fast alles um die Bahnhofsvorstadt. Was sie war, was sie gegenwärtig ist und was sie sein könnte. Unsere »Recherche-Maschine« Brigitte Fritz-Kador hat sich ausgiebig mit dem Stadtquartier rund um den Hauptbahnhof befasst. Hanix-Autor Matthias Marquart beschäftigte sich mit der (wirtschaftlichen) Vielfalt im Heilbronner Westen. Kulturfachfrau Leonore Welzin traf DANIEL SCHÜTT vom Stadt und Kreisjugendring, um über die Vision eines Kulturdreiecks in der Bahnhofsvorstadt zu sprechen. Illustrator und Künstler Natalis Lorenz hat unser Zukunftsbild der Bahnhofsvorstadt visionär umgesetzt. Er hat auch für das Cover-Motiv gesorgt. Hanix-Mann Robert Mucha erklärt, weshalb er verliebt in die Bahnhofsvorstadt ist und appelliert daran, sich wie er in den Kiez zu verlieben. Und schließlich nehmen uns Hanix-Fotografen mit auf einen Spaziergang durch unser Lieblingsviertel. Ein Highlight dieser Produktion war der Besuch bei Physiker DR. KAI NOESKE in den EDITORIAL Büroräumen der experimenta. Fotograf Reiner Pfisterer war zunächst etwas ratlos. Sitzt Noeske doch im selben Büro wie Katrin Riedlinger, die wir für den ersten Teil unserer Reihe »Die Experimentierer« besuchten. Zum Foto-Konzept gehört, den Protagonisten jeweils am Arbeitsplatz mit einem persönlichen Gegenstand zu fotografieren. Bei Riedlinger war es ein Poster. Die ohnehin schon schmucklosen Räume geben kaum etwas Spannendes her. Da entdeckte Pfisterer eine Pappkiste mit durch Kabelbinder daran montierten Raketen-Papprollen. »Da habe ich für meinen Sohn ein Raumschiff gebastelt«, erklärt Noeske auf Nachfrage. »Ich könnte sie auf meinen Schreibtisch stellen und mich reinsetzen«, schlug der experimenta-Mann vor. Gesagt, getan. Um der Erdanziehungskraft Herr zu werden – Noeske drohte in seiner Pappkiste vom Schreibtisch zu kippen – sprang Hanix-Mädchen-für-Alles Robert Mucha kurzerhand als kauerndes aber tragendes Element ein, um das Spaceshuttle-Motiv zu ermöglichen. Alles Weitere ist selbst zu entdecken. Im Heft und in der Bahnhofsvorstadt. Stellt die Weichen: Hanix, der Lokomotivführer. Dr. Kai Noeske in seinem selbst entwickelten Raumgleiter. Ein Hanix-Mitarbeiter gibt Starthilfe.

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IMPRESSUM VERLAG / HERAUSGEBER HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn USt.-ID: DE 271248199 Vertreten durch: Marcel Kantimm Robert Mucha CHEFREDAKTEUR Robert Mucha (V.i.S.d.P.) REDAKTION Lea Pomocnik REDAKTIONELLE MITARBEITER Dr. Bernhard Stumpfhaus, Leonore Welzin, Brigitte Fritz-Kador, Matthias Marquart AUTOREN UND MITARBEITER Nicolai Köppel, Mares Baudewijns, Sibel Taylan, Thomas Aurich, Oliver Maria Schmitt, Annette Geisler, Sarah Baudenbacher, Sebastian Borger, Peter Lau, Michael Dikta, Maike Endresz ARTDIREKTION Raimar Schurmann LAYOUT Raimar Schurmann (Leitung), Florian Geiger FOTOGRAFEN UND ILLUSTRATORINNEN Meli Dikta, Ulla Kühnle, Nico Kurth, Peter Guenzel, Sascha Baumann, Reiner Pfisterer, Jana Elsner, Tycho Pfäfflin, Alexander Münch, Thomas Bergbold, Kathrin Leisterer, Lisa Maria Klotz, Natalis Lorenz LEKTORAT Maike Endresz, Marcel Kantimm, Udo Völker VERMARKTUNG & SALES Maike Endresz (verantw.) VERLAGSKOORDINATION / ADMINISTRATION / SOCIAL MEDIA Marcel Kantimm DRUCK Druckerei Ziegler GmbH & Co. KG Auwiesen 1 74924 Neckarbischofsheim VERTRIEB Auslage an ca. 1.000 Stellen im Großraum Heilbronn KONTAKTE info@hanix-magazin.de Maike Endresz: maike.endresz@hanix-magazin.de Marcel Kantimm: marcel.kantimm@hanix-magazin.de Robert Mucha: robert.mucha@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Die Meinungsäußerungen in diesem Magazin liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Autoren und geben nicht zwingend die Meinung des Verlages und der Redaktion wieder. COPYRIGHT 2018 Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Magazins darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form, gleich welcher Art, reproduziert werden. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. 6 Hin- & Weggucker Der Bildvergleich Diesmal: Mick Jagger mag Hohenlohe vs. Spielplatz hinter Gittern 8 Stadt-, Land- und Metroleben Unsere Veranstaltungstipps für August und September 14 Streifzug durch die Region Diesmal: Interview mit Stefan Glück & Elena Mayr vom Old Fashioned, Kirchenmusik & das Knorr-Buch 16 Smalltalk Dinge, die Heilbronner nicht sagen, Thekenphilosophen & #ashtag #eilbronn 18 600 Sekunden KÖPPELS ZEHN MINUTEN HEILBRONN Der Kulturblitzer 20 Taschenkontrolle bei Mares Baudewijns, Gastronomin 22 Mein Lieblingsding HEILBRONNER ZEIGEN IHR LIEBSTES STÜCK Diesmal: Gastronom Dirk Stein 24 Die Experimentierer Diesmal: Dr. Kai Noeske, Abteilungsleiter Science Dome & Sternwarte 26 Abenteuer um die Ecke Stand-Up-Paddling in Horkheim INHALT Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 28 Politik & Gesellschaft Die Bahnhofsvorstadt als urbanes Real Labor!? 30 Kultur Ein Kulturdreieck in der Bahnhofsvorstadt 32 Wirtschaft Der kleine (Wirtschafts-)Kiez hinterm Bahnhof 36 Kunst Markus Rack ist: rackartig 38 Film Arthaus-Tipp »Sauerkrautkoma« & »Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm«. Dazu weitere Filmstarts 42 Interview des Monats Stadtentwickler Charles Landry. Bereits in den Achtzigern formulierte er das Konzept der »Creative City«, das heute als eine der Grundlagen der modernen Stadtentwicklung gilt. HANIX NR. 56 48 Titelthema Wir meinen: Die Bahnhofsvorstadt taugt zum Kiez und für kreative Stadtentwicklung. 78 Heilbronn – A Nice Place To Come From DIE OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE Fett for fun 80 Brief an die Heimat Goude Dag aus Brüssel 84 Historischer Schuss Kaiser-Friedrich-Platz, 1963 86 .jpg BILDERGALERIE U. a. diverse Workshops & Bun tes aus der Region. 90 Veranstaltungskalender Gute Termine für August und September 98 Tiere ab 18 Von Lisa Maria Klotz Diesmal: die Verkehrkel

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MONTAG, 2. JULI 2018 – 12:57 UHR WALD UND SCHLOSSHOTEL FRIEDRICHSRUHE, ZWEIFLINGEN-FRIEDRICHSRUHE Ein laufender Strich in der Landschaft – Mick Jagger, nimmermüder Alt-Rocker und Chef-Rolling-Stoner, mitten zwischen Hohenloher Wäldern, Feldern und Wiesen vor dem Konzert seiner Alt-Herren- Combo in Stuttgart. Während Keith Richards und die anderen Band-Kollegen im Hotel Le Méridien unweit der Großbaustelle für Stuttgart 21 nächtigten, zog es Jagger ins Grüne. Bei sommerlichen Temperaturen mischte sich der Weltstar zum Abendessen sogar auf der Hotelterrasse unter die »normalen« Gäste. Mick Jagger, der gerne gesund isst, orderte Safranrisotto, Pasta und Steinbutt. Zwei Caddys waren für den Fall der Fälle reserviert. Doch der 74-Jährige wollte nur spazieren gehen. Vor dem Abflug zum Konzert von einem nahegelegenen Bolzplatz gab Mick Jagger Autogramme. »Do you like Hohenlohe?«, wurde er gefragt. Seine Antwort: »Yes, very nice.« Hanix Nr. 56 Foto: Sascha Baumann / BILD HINGUCKER

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DONNERSTAG, 21. JUNI 2018 – 13:11 UHR KAISER-FRIEDRICH-PLATZ, HEILBRONN Seit Wochen könnten einem die Tränen kommen, wenn man über den Heilbronner Kaiser-Friedrich-Platz läuft oder daran vorbei fährt. Immer noch ist der neue Spielplatz nicht eröffnet, weshalb sogar – für viele unverständlich – das »Fest der Vielfalt« in der Bahnhofsvorstadt abgesagt wurde. Einen Spielplatz hinter Gittern, eingesperrt und seiner Daseinsberechtigung beraubt, wollte man der breiten geselligen Öffentlichkeit dann doch nicht präsentieren. Dabei gibt es diverse Verschwörungstheorien unter Einwohnern und Gästen der umliegenden Gastronomie: Fehlplanung sagen die Einen. Geldmangel die Anderen. Ständig wieder ansteigendes Grundwasser, das nicht in den Griff bekommen wird, meinen die Nächsten, sei der Grund für die Inhaftierung des Spielplatzes. Inzwischen wird wieder gearbeitet. #FreeSpielplatzHN Hanix Nr. 56 Foto: Meli Dikta WEGGUCKER

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TIPPS FÜR HEILBRONN Hanix-Party 3. August »LA VIE EN ROSE« Kunsthalle Vogelmann Ab 17 Uhr wollen wir wieder an der Kunsthalle Vogelmann mit euch feiern. Mit dem Motto »La vie en rose« feiern und genießen wir das Leben. Kommen könnt ihr gern im Pariser Chic, in rosa oder einfach wie ihr wollt. Die DJs Chris Whap a dang und Costa Le Gitan hauen euch Elektroswing und französische Chansons um die Ohren. Der Eintritt ist sowohl für die Party als auch in der Kunsthalle frei. Moderierte Führungen durch die Kunsthalle gibt es für schlappe 3 Euro. Um 18 Uhr gibt es die szenische Lesung »Dancing in Paris« mit Helga Fleig. Also kommt und feiert mit uns das Leben durch die rosarote Brille. Clubbing 31. August ANDERE WELT W/ VANESSA SUKOWSKI Bukowski Klein, aber oho und dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. Mit musikalischem Feingefühl und einer großen Liebe für Techno kredenzt die sympathische Thüringerin seit 2013 treibende hypnotische Basslines. In Clubs, mittlerweile deutschlandweit, ist sie längst kein unbekanntes Gesicht mehr, und auch auf Festivalbühnen wie dem Sputnik Springbreak, dem Liquid Sunday, dem Love Sea Festival oder dem Sonne Mond Sterne- Festival konnte sich Vanessa Sukowski souverän eine beachtliche Fangemeinde erspielen. Clubbing 07. September 9 YRS WTF X ITALOJOHNSON X TELEKOM ELECRONIC BEATS Mobilat Club Man könnte sagen, das Weindorf ist die fünfte Jahreszeit in Heilbronn – unter dem Radar gehört dazu seit einigen Jahren auch eine Veranstaltung des WTF- Kollektivs im Mobilat. Dieses Jahr wird das umgangssprachliche »Weindorf Date« besonders zelebriert – zum einen wird der 9. Geburtstag von WHOTHEF*CK gefeiert und zum anderen debütieren die Jungs mit ihrer bereits seit Januar 2017 bestehenden Kooperation mit Telekom Electronic Beats im Städtle. Neben zwei Floors mit einem extra dafür angerichteten Licht-Setup wurde das Berliner Trio Italojohnson als Headliner eingeladen. Begleitet wird das Geschehen von den üblichen Verdächtigen wie Candy Pollard & Co. Konzert 20. September JAM SESSION ROYAL: HI5 LIVE TOUR 2018 K2acht/Zigarre Eine besondere Jam Session verlangt ein gesondertes Konzert. Jazz gehört zum Ursprung der freien Entfaltung von Musik und zählt damit als Mitbegründer von Jam Sessions. Mit ihrem Album »FÜNF« tourt die preisgekrönte Band HI5 durch Deutschland. Die modern Jazz-Band kreiert mit Schlagzeug, Gitarre, Vibraphon & Bass nie dagewesene Musikkompositionen, welche klassische Genregrenzen durchbrechen. Mal klingt es nach klassischem Jazz, mal nach Tech-House und manchmal ist das Klangspektrum auch garnicht definierbar, sondern nur erlebbar. Sie selbst nennen es »Minimal Jazz Chamber Music« – obwohl die Musik von HI5 weitaus mehr als minimal ist. Fest 29. September BORDERSCHWABEN E.V. – GRILLFEST IM GENERATIONENGARTEN Generationengarten Heilbronner Snowboarder aufgepasst! Wie könnte man sich besser kennenlernen als mit einem erfrischenden Getränk in der Hand und dabei die letzten Sonnenstrahlen im Heilbronner Generationengarten einzufangen. Das haben sich auch die Mitglieder des 2017 gegründeten Snowboardvereins Boarderschwaben e.V. gedacht und laden dazu alle Wintersportbegeisterten zu einer gemütlichen Grill-Session ein. Wer noch schnell Mitglied werden möchte, kann bereits ab 14 Uhr zur Mitgliederversammlung kommen. Ab 16 Uhr werden mit Getränken, Steaks und Salaten im Angebot die Tore für jedermann geöffnet! Messe 29. und 30. September 1. HEILBRONNKREATIV Intersport Veranstaltungscenter redblue Die Messe HeilbronnKreativ ist eine Messe für alles rund ums Handarbeiten, Basteln und kreative Gestalten. Mehr als 100 Aussteller präsentieren auf der Kreativmesse ihre Produkte, Ideen und Materialien rund ums kreative Gestalten, Nähen und Handarbeiten. Egal ob engagierter Bastler oder ambitionierter Hobbykünstler, gleich ob Häkeln, Stricken oder Malen, Formen, Färben, Quilten oder Filzen, ob Glas-, Papier- oder Perlenkünstler: Auf der Kreativmesse findet jeder das richtige Angebot. Ein interessantes Rahmenprogramm mit verschiedenen Workshops bietet außerdem auf der HeilbronnKreativ die Möglichkeit zum Mitmachen und zeigt kreative Ideen und viele Neuheiten. STADTLEBEN Hanix Nr. 56

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DIE TIPPS FÜR REGION Musik-Festival 02. bis 05. August SOUND OF THE FOREST - 10 JAHRE IM WALD Marbach Stausee, Beerfelden (Odenwald) Wer das Auenland aus Herr der Ringe kennt, wird sich in etwa vorstellen können, wie es hier aussieht. Festivalgelände, Bühnen, Campingplatz und Natur verschmelzen zu einem Spielplatz für open minded people! Im zehnten Jahr stellt eine rührige Initiative hier die Musik zum Idyll zusammen. Und die Ankündigung der Macher ist im Ton auch schon ganz dem Reiz des Ambientes verfallen, schwärmt von »Liebe, Freundschaft und Begegnung« in der »Aue des Glücks«. Für die Jubiläumsausgabe Sound of the Forest - 10 Jahre im Wald sind neben Bilderbuch, Von Wegen Lisbeth und JORIS natürlich auch wieder kleinere Acts am Start, die mindestens genau so große Musik machen wie die »Platzhirsche«! Fest 04. August 7. SCHWÄBISCH HALLER UMWELTFEST Hospitalhof, Schwäbisch Hall An den Informationsständen verschiedener Tierrechts-, Menschenrechts- und Umweltgruppen wie z. B. Sea Shepard erhalten Interessierte auch in diesem Jahr von 10 bis 17 Uhr umfassend Auskunft über deren Arbeit. Gegen die Zerstörung der Erde. Für eine Welt in Frieden und Freiheit. Gegen Ausbeutung und Unterdrückung von Tier und Mensch. Für Gerechtigkeit im Umgang mit allen Lebewesen dieser Erde und für den Erhalt der Umwelt. Für den Erfolg der positiven Auswirkungen gesunder Ernährung auf Klima- und Umweltschutz, Tier- und Menschenrechte. Für veganes Essen, Eis und Getränke ist gesorgt. Kinder erwartet eine Bastelecke. Weinfest 01. Bis 03. September WEIN AUF DER INSEL Rathausinsel, Lauffen am Neckar Das romantische Lauffener Weinfest auf der Rathausinsel inmitten des Neckars findet schon seit 2004 immer am ersten Septemberwochenende statt. Begleitet wird die Weinvielfalt von Gastronomiebetrieben mit der unterschiedlichsten Küche sowie von launiger Live-Musik aus Swing, Jazz, Blues, Rock und Pop. Die Kulisse des Burghofs lädt die Besucher bei stimmungsvoller Beleuchtung zu einer Open-Air Weinverkostung ein. Dabei können die Besucher nahezu das komplette Sortiment der Lauffener Weine zehntelesweise kennenlernen. Mit von der Partie sind natürlich stets die preisgekrönten Weine der Lauffener Weingärtner eG, aber auch die privaten Lauffener Weingüter bringen ihre exklusiven Weinkreationen mit auf die Insel. Musikalische Lesung 16. September MENSCH MOZART – HOMMAGE AN EIN PHÄNOMEN Kultura, Öhringen Über Wolfgang Amadeus Mozart ist viel geschrieben und diskutiert worden und auch viele der 2.500 vom Wunderkind verfassten Briefe sind rezitiert worden. Doch Schauspieler Günther Maria Halmer versucht, den Menschen dahinter und seinen Lebenswandel näher zu beleuchten – seine Stellung innerhalb der Familie, die Emotionen, Enttäuschungen und Sorgen sowie seine Charakterzüge wie Ausgelassenheit, sein kindlicher Überschwang, aber auch sein Verantwortungsgefühl. Dazu fügt das Klenze Quartett nahtlos Stücke und Werke aus dem Gesamtwerk des Genies ein. Poetry-Slam 20. September AFTER-WORK MEETS POETRY SLAM – REIMKUNST AUF SCHWÄBISCH MIT WOLFGANG HEYER AudiForum, Neckarsulm Maultaschen, Spätzle mit Saitenwürstle und Kehrwoche – das ist das, was man landläufig als typisch schwäbisch bezeichnet. Aber es geht auch anders. Schwäbisch oder Hochdeutsch, das ist hier die Frage. Was klingt schöner? Wolfgang Heyer reimt Sie in die wohlverdiente Extase - mal mit kreativem Wortwitz und mal mit heiteren Alltagserlebnissen. Als Moderator, Show-Maker und Finalist der Baden- Württembergischen Meisterschaft 2016 ist Wolfgang Heyer schon seit 2010 auf den süddeutschen Bühnen beliebt. Die Rarität: Er kombiniert schwäbischen Dialekt mit launigem Schriftdeutsch. Familienmesse 22. bis 23. September KIDS & CO – DIE KINDERMESSE FÜR GROSS UND KLEIN Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Die Messe Kids & Co sucht in der Region ihresgleichen – sie ist die einzige Messe im Großraum Stuttgart – Ludwigsburg – Heilbronn, bei der die Kleinsten ganz groß rauskommen. Ein buntes Programm rund um die Messe sorgt für Unterhaltung, während über 40 Aussteller dem Besucher ein breites Spektrum an Leistungen offerieren. Dieses reicht von Beratung und Unterstützung durch verschiedene Institutionen über Tanzkurse für Kinder bis hin zur Schnullerkette. Die Veranstaltung findet an beiden Tagen jeweils von 11 bis 18 Uhr statt. LANDLEBEN Hanix Nr. 56

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Mit maximalem Boost durchs neue Szeneviertel. Der neue Cayenne E-Hybrid. Das Team des Porsche Zentrum Heilbronn freut sich auf unsere neue Bahnhofsvorstadt – und auf Ihren nächsten Besuch. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel. 07131 5034-200 www.porsche-heilbronn.de Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): kombiniert 3,4–3,2; CO₂-Emissionen kombiniert 78–72 g/km; Stromverbrauch kombiniert 20,9–20,6 kWh/100km

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DIE TIPPS FÜR S, MA, HD & KA Verkostung 04. August URBAN WINETASTING – RIESLING BY THE GLASS & DEXTER AN DEN DECKS Schräglage, Stuttgart Weingut Karl Haidle präsentiert: Urban Winetasting. Zusammen mit dem Weingut Haidle aus Stetten im Remstal lädt die Schräglage zu einem besonderen Abend ein. Bei der ersten Ausgabe des Urban Winetasting werden sechs verschiedene Arten des Rieslings vom traditionellen, regionalen Familienbetrieb probiert. Moritz Haidle, seines Zeichens Jungwinzer, HipHop-Head und Enkel von Karl Haidle, der das Weingut mittlerweile in der dritten Generation führt, wird durch den Abend leiten und alle Weine in entspannter Atmosphäre vorstellen. An den Plattenspielern ist kein Geringerer als der aus Heilbronn stammende Dexter. Kultur 04. August KAMUNA – KARLSRUHER KULTURNACHT Karlsruhe Eine der ältesten Museumsnächte in Deutschland. Jährlich am ersten Samstag im August lockt die Kamuna große und kleine Besucher in die zur nächtlichen Stunde geöffneten Museen und Institutionen. Für alle Kulturbegeisterten, welche die Nacht zum Tage machen wollen, wird ein umfangreiches und spannendes Programm mit bedeutenden Dauer- und Sonderausstellungen, speziellen Führungen und zahlreichen attraktiven Veranstaltungshighlights wie Konzerten, Lesungen, Performances und Mitmachaktionen angeboten. Hörspiel 11. August DIE DREI ??? UND DER DREIÄUGIGE TOTENKOPF Planetarium, Mannheim »Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf«: Horror-Regisseur James Kushing erwacht eines Morgens mit einer mysteriösen Tätowierung auf dem Arm: ein dreiäugiger Totenkopf! Was hat das Tattoo mit dem Film zu tun, den Kushing niemals fertiggestellt hat? Justus, Peter und Bob stürzen sich in den Fall und entdecken nach und nach die Wahrheit hinter dem Rätsel … Besucher erwartet ein Hörspiel im Rundum-3D-Sound, das ein regelrechtes Eintauchen in die Handlung ermöglicht – ganz ohne visuelle Ablenkung. Die Geschichten wurden im Rahmen der Hörspielbearbeitung um außergewöhnlich viele Geräusche und Atmosphäre angereichert. Möglich wird dies durch die SpatialSound Wave-Technologie des Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT, mit der die neuen ‚Die drei ???‘-Hörspiele produziert wurden. Clubbing 08. September HOSPITALITY HEIDELBERG BBQ halle02, Heidelberg HOSPITALITY - No° 5. Zum fünften Mal kommt das bekannteste »Drum & Bass«-Label des Universums nach Heidelberg! Dieses Mal mit einem exklusiven »Day & Night«- Event, dem Hospitality Heidelberg BBQ 2018. Ab 15 Uhr gibt es im Outdoorbereich der Halle02 bei sommerlichen Temperaturen Bass, Beats, Bier & Burgers – kurzum alles, was das BBQ- und Musikherz begehrt. Neben dem regulären Getränkeangebot der Halle02 wird es zudem eine Cocktailbar geben, an der sommerliche Drinks gemixt werden. Fest 08. September MANNHEIMER SCHLOSSFEST Schloss, Mannheim Es gibt einen Tag im Jahr, da verwandelt sich das Schlossgelände in eine riesige Bühne. Dann gibt es Musik, Comedy, Kunst und Wissenschaft auf zahlreichen Bühnen im Schloss und in den Höfen. Auch dieses Jahr lockt das Schlossfest wieder mit einem abwechslungsreichen Programm. Erwartet werden rund 15.000 Gäste. Der Eintritt ist frei! 15 - 18 Uhr Wissenschaftsprogramm; 18 - 1 Uhr Kulturprogramm; 22 - 3 Uhr Parties im Schneckenhof und im Kleinen Innenhof. Konzert 13. September DE-PHAZZ – BLACK WHITE MONO Tollhaus, Karlsruhe Ausgeprägtes Stilbewusstsein, knochentrockene Grooves, tonnenweise Soul und eine tänzelnde Ironie – es sind diese offen gestanden ziemlich undeutschen Elemente, die DE-PHAZZ zum bekanntesten unbekannten Musikexport »Made in Germany« haben werden lassen. 2018 feiert die Band ihr zwanzigjähriges Bestehen mit ihrem neuen Album »Black White Mono«, das im Mai erscheint, und kehrt in diesem Zuge auch mit einem Paukenschlag und jeder Menge Humor und guter Laune auf die Club- und Festival-Bühnen in Deutschland, Österreich und ganz Europa zurück! METROLEBEN Hanix Nr. 56

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ZUKUNFTSSTARKE IT Und Sie! DIE IT. DIE LEIDENSCHAFT. DIE ZUKUNFT. UND SIE? Hanix Nr. 56 Wir suchen die, die unsere digitale Welt mitgestalten wollen. Die gern hier bleiben und etwas werden möchten. Bei Bechtle, einem der führenden IT-Unternehmen Europas. Wo die Berufsbilder und Aufgaben so vielfältig sind wie die Freiräume groß. Könnte Sie das ausfüllen? Mehr unter bechtle.com/leidenschaft

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»WIR WOLLTEN ETWAS PERSÖNLICHES SCHAFFEN« Dunkelgrau gestrichene Wände, weich gepolsterte Sofas aus blauem und dunkelrotem Samt. Rum, Whiskey und Gin im gläsernen Schrank. Die goldenen und grünen Details in der Bar passen farblich zu den Etiketten der Flaschen. Auf der Terrasse: Hinterhof-Romantik zwischen den Gebäuden der Heilbronner Innenstadt. ELENA MAYR und STEFAN GLÜCK haben zusammen einen Raum für Cocktail-Kenner und Genießer entstehen lassen. Von Lea Pomocnik, Foto: Meli Dikta Anfang Mai habt ihr die Old Fashioned Cocktailbar eröffnet. Old Fashioned ist der Name eines klassischen Whiskey-Cocktails. Wieso habt ihr nicht den Namen eines anderen Cocktails gewählt? Stefan Glück: Wir wollten einen klassischen Cocktail als Namensgeber und der hat uns am besten getaugt. Die anderen Namen von klassischen Cocktails hören sich alle nicht so super an. Manhattan verbindet man nicht unbedingt mit einem Cocktail, Negroni ist zu italienisch angehaucht. Old Fashioned hat einfach gepasst. Und er ist mein Lieblingscocktail. Elena Mayr: Wir wollten, dass die Leute, die sich auskennen, auch gleich etwas damit verbinden können. Es gibt hier nicht nur nen Mojito, sondern etwas Klassisches, Hochwertiges. Im Pearls and Diamond gegenüber des Heilbronner Hauptbahnhofs versorgt ihr die Gäste auch mit Cocktails. Habt ihr Lust auf mehr bekommen? Was hat euch angetrieben, eine eigene Bar zu eröffnen? Stefan: Das Pearls and Diamond ist ja in erster Linie ein Restaurant, da sind die Cocktails eher eine Zusatzgeschichte zum Essen. Wir wollten spezifischer werden, dass die Leute wegen der Cocktails zu uns kommen. So können wir qualitativ hochwertiger arbeiten. Ihr habt euch auf Whiskey, Gin und andere ähnliche Spirituosen spezialisiert. Habt ihr selbst eine hohe Affinität zu Gin und Co.? Elena: Wir haben privat mit Freunden schon Gintastings bei uns zu Hause gemacht. Stefan kennt sich gut mit Whiskey aus, liest sich ein, schaut sich Videos an. Es ist ein Hobby und eine Leidenschaft, die zum Beruf wird. Ich trinke gerne Gin, Whisky-Cocktails mag ich mittlerweile auch sehr. Verschiedenste Whiskeys, hochwertige Cocktails oder Gin. Der gute Geschmack kommt bei euch nicht zu kurz. Wählt ihr die Spirituosen selbst aus, verkostet ihr diese? Vertraut ihr dabei auf eure Erfahrung? Stefan: Wir sind regelmäßig in anderen Bars unterwegs und probieren aus. Das ein oder andere bestellen wir blind, was auch ein Reinfall sein kann. Wenn es uns nicht schmeckt, bieten wir es unseren Gästen auch nicht an. Durch die Erfahrung schmeckt man, wie hochwertig ein Alkohol ist. In dem Preissegment, in dem wir uns bewegen, gibt es selten etwas, was nicht gut ist. Unseren Sirup, der in die Cocktails gegeben wird, kochen wir selbst ein. Der ist nicht gekauft. Restaurant- und Barketten in Heilbronn zu finden ist nicht wirklich schwierig. Individualität ist weitgehend Fehlanzeige. Eure Bar ist fernab von all dem. Wollt ihr damit ein Statement setzen? Elena: Wir wollten etwas Persönliches schaffen. Man soll nicht einfach nur reinkommen und etwas trinken. Wir möchten, dass sich die Gäste wohlfühlen. Uns ist wichtig, dass wir einen Bezug zum Gast haben. Wenn wir irgendwo waren und eine Beratung bekommen haben, fand ich das immer toll. Oft kann man sich unter den Cocktailnamen gar nichts vorstellen, dann fragen die Gäste nach. So kommen wir mit ihnen ins Gespräch. Stefan: Wenn wir in anderen Städten sind, gehen wir nie in die Restaurantketten, sondern schauen, wo es etwas Individuelles gibt. Da wir das Persönliche auch gerne mögen, wollten wir uns in diese Richtung verwirklichen. Stefan, du hast vor einigen Jahren den Quiksilver-Laden beim Wollhaus geführt. Würdest du sagen, du hast ein Gründergen? Elena: Ja, hat er! Stefan: Das hier ist jetzt schon meine vierte Selbstständigkeit. Ich finde, man kann sich immer wieder neu verwirklichen, es waren bis jetzt immer komplett verschiedene Bereiche. Dabei gehe ich immer in die Richtung, auf die ich gerade Bock habe. Habt ihr vor, Tastings anzubieten? Elena: Am 1. September findet hier ein Gintasting statt. Start ist um 19 Uhr und es werden deutsche Gins verkostet. Stefan: In den Wintermonaten wollen wir dann eher Whiskey- und Rumtastings anbieten. Da wird sicherlich noch einiges kommen. Ein Geheimtipp für eure Gäste. Was könnt ihr immer empfehlen? Elena: Das ist echt schwierig, weil es so viele individuelle Cocktails gibt. Stefan: Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es der Gin Basil Smash und Only The Good Die Young. Die kann man jedem hinstellen. Da hat noch niemand gesagt »schmeckt mir nicht«. Beim Gin Basil Smash schmeckt man den Gin nicht großartig raus und er ist sehr frisch. Im Sommer taugt der fast jedem. ◆ Hanix Nr. 56 14 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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Hanix Nr. 56 TAUSEND STUNDEN HALLELUJA Die Reihe »Stunde der Kirchenmusik« ist eine Erfolgsgeschichte. Auch, weil dabei schon mal die Kilianskirche zum Swingen gebracht wird. Wenn Heilbronn Erfolgsgeschichten liebt, dann ist die der »Stunde der Kirchenmusik« eine, die viel mit der Stadt zu tun hat. »Tausend Stunden Halleluja« wurden am 1. Juli in der Kilianskirche gefeiert. Die 1.000. Stunde der Kirchenmusik war Anlass für einen ganzen langen Abend mit vier Konzerten, an denen sich Gäste und alle beteiligten, die heute für diese Reihe stehen: die Kinderchöre der Kilians-, Friedens- und Südgemeinde, der Bachchor, das Vokalensemble, das VokalensemblePlus, das Collegium musicum. Es war ein so fröhliches Fest, das kaum enden wollte, die »1.000 Stunden« wurden von mindestens ebenso vielen Besuchern genossen: Mit Musik, Chorgesang, Wein, Köstlichkeiten und am Ende war die Kirchbrunnenstraße plötzlich auch eine Feiermeile. Weil Organist Andreas Benz, der sonst mit seinen Orgelimprovisationen zu Stummfilmen selbst die Säulen der Kilianskirche zum Swingen bringt, dasselbe jetzt mit der Kirchbrunnenstraße schaffte. Übrigens: Der nachvollziehbare Altersdurchschnitt der Besucher lag deutlich erkennbar unter dem vergleichbarer Veranstaltungen wie etwa im Theater oder bei Klassikkonzerten. Die Organisation und Leitung dieser »Kilians Nachtmusik« lag bei KMD (Kirchenmusikdirektor ist ein Ehrentitel) Stefan Skobowsky. Er ist erst der vierte Kilianskantor seit Kriegsende. Alles in allem waren rund 270 Sängerinnen, Sänger und Musiker aktiv. Skobowsky hat vor allem die Kinderchöre initiiert oder gefördert, es gibt das »Weihnachtsoratorium«, extra auch für Kinder im Rahmen der »K-Stunden«. Kindern kann man in diesem Rahmen auch so schwierige Werke wie Bachs h-moll-Messe verständlich nahebringen, genauso wie traditionelle, garantiert kitschfreie Weihnachtslieder. Rappelvoll ist die Kilianskirche dann und das Mitsingen klappt immer. Skobowsky sagt, die Beliebtheit der »Stunde der Kirchenmusik«, zu der der Eintritt frei ist, mache sich auch bei der Kollekte bemerkbar, die zum Teil die Konzerte mitfinanziert. Er hat ein Geschenk für das Jubiläumsjahr vorbereitet, er wird von 2018 bis 2020 alle Orgelwerke von Johann Sebastian Bach spielen. Für das Auftaktkonzert, es ist dann die 1.002. Stunde der Kirchenmusik, dürfen Programmwünsche geäußert werden.◆ (bfk) DIE GESCHICHTE EINER FAMILIE Bestsellerautor Gunter Haug ist für sein Buch über die Heilbronner Familie Knorr tief in die Geschichte der Päcklessuppen-Dynastie eingetaucht. »Ich bin am Staunen, wenn ich betrachte, was in Heilbronn gerade abgeht«. Die aktuellen Veränderungen in der Stadt, die Schriftsteller Gunter Haug bei der Recherche seines neuen Buches erlebt hat, erinnern ihn an das Ende des 19. Jahrhunderts, als Heilbronn eine hoch innovative Stadt war. »Die Kaiserstraße wurde aufgemacht, Heilbronn hatte in dieser Zeit einen echten Push.« Der Kaufmann Carl Heinrich Theodor Knorr ahnte zu dieser Zeit noch nicht, was einmal aus seiner damaligen Zichorien-Kaffeefabrik werden würde, die er 1838 gegründet hat. Die Fabrik war damals die Einzige im gesamten Unterland. Knorr hatte den Anbau von Zichorie hierzulande in einer wahren Pionierleistung eingeführt. Doch die Produktionsstätte war weit entfernt von dem, was Knorr heute ist – einer der international bekanntesten Lebensmittelhersteller, der weltweit für seine Fertigsuppen steht. Bestsellerautor Gunter Haug (»Niemands Tochter« – die meistverkaufte Biografie aus der Region Franken) beschäftigt sich in seinen Büchern immer mit bekannten und unbekannten Persönlichkeiten aus Süddeutschland, und dieses Mal war es die Knorr-Familie: »Ich fand es spannend herauszufinden, welche Geschichte eigentlich hinter Knorr steckt.« Er schrieb bereits Bücher über Robert Bosch und Ferdinand Porsche und ihn interessieren vor allem jene Zusammenhänge, die bislang noch nie dargestellt worden sind. Warum sind ausgerechnet die einen so erfolgreich geworden und die anderen nicht? Für die intensiven Recherchen seiner Bücher besucht er Firmen- und Stadtarchive, sucht Zeitzeugnisse und Aufzeichnungen. Gunter Haug lässt in seinen Büchern die Vergangenheit Gegenwart werden. »Das ist eine Art, den Leuten Geschichte nahezubringen, denn Weltgeschichte spiegelt sich immer in der Nahwelt«. Auch für sein Buch: »Knorr – die Päcklessuppen-Dynastie«, das Mitte September erscheint, ist er deshalb tief in die Historie des Unternehmens und seiner Gründerfamilie eingestiegen. Bei der Buchpremiere am 28. September um 19:30 Uhr stellt Gunter Haug das Knorrbuch im Kaffeehaus Hagen vor. Stilgerecht serviert natürlich mit einer Portion Erbswurstsuppe. ◆ (lep) Info: Kartenvorverkauf: 15 € inklusive Erbswurstsuppe (keine Kartenzahlung möglich) Kartenreservierungen: 07131-15554-20 STREIFZUG DURCH STADT, LAND UND REGION

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Dinge, die Heilbronner nicht sagen »Bahnhofsvorstadt? Kenne ich wie meine Westentasche!« THEKENPHILOSOPHEN In jeder Ausgabe stellen wir unseren vier Thekenphilosophen eine knifflige Frage aus dem Leben. Das Szenario: Der Gast sitzt an der Theke, weiß nicht weiter und fragt den Wirt nach dem richtungsweisenden Ratschlag. UNSER THEKENSZENARIO DIESMAL: Die Bahnhofsvorstadt, so eine Idee, soll als innovatives urbanes Real-Labor genutzt werden und einhergehend zum vielfältigen Kiez entwickelt werden, in dem die identifizierten Defizite Heilbronns (Durchschnittsnote: 3,2) aus der Schwarmstadtstudie von der DHBW Heilbronn und Hanix abgebaut werden können. Unser Stammgast will wissen, ob die Bahnhofsvorstadt wirklich Kiez-Potenzial hat. Und ob das überhaupt eine gute Idee ist, sie zum Kiez zu entwickeln? Sibel Taylan, Data 77112 Der beste Pflug der Welt bringt nichts, wenn der Mais noch nicht reif ist. Vermutungen sind immernoch ungenau. Wenn man irgendwo ein Teelicht hinstellt, gibt das Licht, nicht? Irgendwas wird (dann mal) beleuchtet, obwohl es im Dunkeln liegt. Manches macht aus manchen Menschen etwas, was sie gar nicht sind. Wer würde sich denn nicht freuen, wenn man in Heilbronn dringendst das Bedürfnis auf ein Wassereis um 3:23 Uhr hat? Oder übern Kaugummi, damit man doch jetzt knutschen kann? Oder ein Sandwich mit Bioeiern aus Horkheim oder ein »kühles Blondes« – wenns endlich mal einen »Spätie« gäbe? Ich persönlich finde, dass es meist einen Versuch wert ist – weisst Du, das Leben in anderen Ländern findet draußen, gemeinsam auf den Straßen statt. Man muss man gar nicht so weit fahren, um das zu erleben. Und, ja ... manche könnten sich so oder so mit ihrem Geld ausstopfen lassen irgendwann. Thomas Aurich, u. a. Winterdorf Wenn Kiez, dann Bahnhofsvorstadt. Die Werderstraße ist auch in der Entwicklung, aber eine solch gemischte Szene gibt es nur in der Bahnhofsvorstadt. Da habe ich schon als Student gewohnt, da ist eine meiner Stammkneipen, das Hartmans. Und gerade hat sich eine begnadete Grafikerin dort mit ihrem Mann ein Haus gekauft. Wegen des Charmes. Die Frage der Mietsteigerung definiert sich nicht über Kiez. Die höchste Steigerung verzeichnet Heilbronn in Neckargartach, ist das etwa ein Kiez? Ich wünsche mir in der Bahnhofsvorstadt auf dem ehemaligen Autohof Mayer-Areal ein Hostel für junge Leute und auf dem Neckar Hausboote. Die sind cool und kosten halb so viel wie eine Eigentumswohnung. Protokoll: Robert Mucha Fotos: Ulla Kühnle Mares Baudewijns, Eckstein Der Kiez Bahnhofsvorstadt ist schon längst ein angesagtes Viertel und Wohnquartier. Und ja, es tut gut! Für den einen Anwohner ein Segen, für den anderen ein Fluch. Jede Stadt hatte »no go Areas«, welche im Laufe der Zeit hip wurden und die Preise steigen ließen. Amsterdam zum Beispiel, das Viertel »de Pijp«, einst nur von Schwarzafrikanern bewohnt, kein Amsterdamer traute sich dorthin oder wollte geschweige denn dort leben. Mittlerweile ist es der Kiez schlechthin. Ich lebe und arbeite selbst in der Bahnhofsvorstadt und kann mich noch gut daran erinnern, dass uns viele Leute für bekloppt hielten, gerade hier ein Lokal zu eröffnen. Ich persönlich genieße die Lebendigkeit, die kulturelle Vielfalt, die Zentrumsnähe, den Neckar – und all das hat eben seinen Preis. Wer das nicht mag – im Odenwaldkreis, da sagen sich Fuchs und Hase noch ›Gute Nacht‹! SMALLTALK Hanix Nr. 56

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#ASHTAG #EILBRONN Unsere Social-Media-Rückschau zu Heilbronn. Mal spannend und unterhaltsam, oft langweilig und öde. Wir schlagen uns für euch durchs Heilbronner Twitterund Facebook-Dickicht und scrollen auch da, wo es wehtut. Angriff, Anschlag, Störung, Zwischenfall, ziviler Ungehorsam, Terror? Konfettikanone bringt Heilbronn nationale Schlagzeilen Wer hätte gedacht, dass im Sommer 2018 unter der Google-News-Suchanfrage »Heilbronn + Konfettikanone« innerhalb von 0,18 Sekunden 6.890 Treffer erzielt würden. Und die beiden Schlagworte unserem Städtchen bundesweite Schlagzeilen verschaffen. Alle großen deutschen Medienhäuser haben über die Aktion von »linken Aktivisten« auf dem Heilbronner Wartberg berichtet. Ob Zeit Online, Die Welt, die Süddeutsche Zeitung, der Stern, Spiegel Online, der Bayerische Rundfunk – you name it. Einzig uneins war man sich laut Schlagzeilen, was es denn genau war, als ca. 20 Personen vor dem Höhenrestaurant Wartberg auftauchten und einer von ihnen mit einer handelsüblichen Konfettikanone in den Raum »schoss«, in dem gerade die Ortsgruppe der AfD ihren Stammtisch abhielt. So schlagzeilten die Redaktionen um die Wette und sprachen von »Angriff«, »Anschlag«, »Störung«, »Zwischenfall«, »ziviler Ungehorsam« und (!) »Terror« (AfD). Wie »Die Mannschaft« – Mann aus dem Landkreis Heilbronn geht ohne Trophäe nach Hause Wie SWR Aktuell berichtete, erging es einem Mann aus dem Kreis Heilbronn ähnlich wie der deutschen Fußballnationalmannschaft. Auch er ist ohne FIFA-WM-Pokal nach Hause gegangen und sozusagen ebenfalls in der Vorrunde gescheitert. »Der 48-jährige Mann aus dem Kreis Heilbronn hatte sich in China eine 28 Zentimeter große Nachbildung des WM-Pokals aus Kunststoff bestellt. Heilbronner Zöllner beschlagnahmten die nachgeahmte Trophäe mit einem Wert von knapp 25 Euro. Der Rechteinhaber der Marke, die FIFA, hat für unerlaubte Nachbildungen einen sogenannten Grenzbeschlagnahmeantrag gestellt. Beim Zollamt Heilbronn wurde im laufenden Jahr bisher mit mehr als 190 Aufgriffen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes der Vorjahreswert von 123 Vorgängen bereits übertroffen«, so der SWR. Der Heilbronner Zoll hat die Plastik-Nachbildung ganz im Sinne der FIFA behalten. Wir schaffen Verbindungen und sind Ihr Wegbereiter. Flächenbearbeitung und Befestigung. Wir hinterlassen Spuren. Wir prägen unsere Umwelt, formen und verändern die Welt. Unseren „Fingerprint“ findet man überall. Bau heißt Veränderung. Bau bedeutet Chance und Mut, etwas für die Nachwelt zu schaffen. Mit Verantwortung und Weitsicht. Schneider Bau GmbH & Co. KG 74076 Heilbronn · Hans-Rießer-Straße 18 Telefon 0 71 31 / 94 43 - 0 www.IhrWegbereiter.de http://www.facebook.com/IhrWegbereiter

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Von Nicolai Köppel Foto: PR »Wer Kultur fördert, ist selbst schuld!« Ein konstruktiver Vorschlag Bin neulich mit dem Taxi durch Heilbronn gefahren (worden), und zwar viel zu schnell. Ich verstehe das nicht ganz, ist aber überall so: Das Taxameter läuft doch auf Zeit, oder? Warum beeilen die sich dann so? Vielleicht ein in der heutigen Zeit ungewohnter Rest Arbeitsethos - nee, wahrscheinlich nur ein weiterer raubtierkapitalistisch krakenarmverschlungener Gedankengang, den ich hirnmäßig nicht überreiße. Also alles Quatsch. Aber ist doch ein Gedanke. Da fällt mir Stephen Fry ein, der in den 80ern eine relativ epochale Sketchshow hatte und dort in der Reihe »vox populi« auch als Taxifahrer auftrat, der in breitem Straßenenglisch rüpelhaften Quatsch redete und den immer abschloss mit »It's a thought, eh?« Hierzu gleich zwei Gedanken: Wo kriegt man in Heilbronn schönes Englisch her – dazu später, aber mir kam in der kurzen Zeit, die verstrich, ehe das Taxi vor meiner Tür hielt, doch glatt ein Gedanke, den ich als konstruktiven Vorschlag in die Kulturdebatte in und um HN und die Kultur beisteuern möchte. Es ist ein Gedanke (eh?), der niemandem wehtut und der allen nützt. Gleichzeitig, fragt ihr? Gibt's nicht? Könnte es aber geben. Ich nenne es (und melde Markenschutz an auf) den Kulturblitzer. Ihr fragt euch: Was soll das sein, der Kulturblitzer? Fragt nicht euch! Fragt mich, denn es war meine Idee. Ich mag sie erklären anhand eines Beispiels: Der Heilbronner Musiker Pete Jones stammt aus Wales und wohnt seit Jahren freiwillig hier. Okay, es ist Liebe im Spiel, aber er könnte ja auch die liebenswerte Person nach Wales holen. Es wird alles seine Gründe haben. Pete Jones jedenfalls macht schöne Musik, und sein neues Album ist sehr demnächst käuflich zu haben und er auf diversen Konzerten zu bestaunen. Das klingt gut, sagt ihr – aber weil ihr Heilbronner seid, fragt ihr gleich hinterher: Und davon kann man leben? Erstens, ja, wenn alle mittun, die sich trauen, das Internet nach ihm und seiner folkig-tanzbaren Musik durchzukämmen und dann dafür bezahlen, weil das bei Kultur normal ist. Zweitens könnte man an einer befahrenen Straße einen Blitzer aufstellen und die anfallenden Knöllchenbeträge Pete Jones überweisen. Weil das sein Blitzer ist, sein Kulturblitzer. In der Nähe des Berliner Platzes steht auch einer, Erlöse kommen dem Off-Theater eines Heilbronner Dramaturgen zugute. Richtung Sportplatz steht der Kulturblitzer zugunsten des Hanix-Magazins – wer mal durchrasen will, ist ratzfatz Magazinsponsor. Die Stadt treibt die Kohle ein und überweist (mein Vorschlag) zweiwöchentlich. Kulturblitzer soll es für den Anfang 20 Stück im Stadtgebiet geben, sie werden quartalsweise von der Kulturverwaltung freien Künstlern und anderen Institutionen ohne sonstige Aussicht auf städtische Kulturförderung gewidmet. Beliebt sind bei der Kreativszene z. B. Kulturblitzer in Nebenstraßen so um die Weindorf-Zeit. Wenn man mit 20+ Sachen mehr durchrauscht als erlaubt, wird es eben teuer, aber dafür wird das Kulturleben in Heilbronn auf Dauer reicher. Es darf sich auch keiner im Ernst darüber beschweren! Fahrt halt anständig, wird es heißen! Man kann aber nicht immer alles anständig machen, so ist das Leben einfach nicht – und ohne Kultur ist auch kein Leben, sagt die Stadtverwaltung per Kulturamt. Es ist nicht geplant, mehr Blitzer aufzustellen? Passt, denn in die Quere kommen wollen die Kulturblitzer niemandem. Es heißt immer, es sei kein Geld da für Kultur – ja, aber ungeahndetes Fehlverhalten im Straßenverkehr ist auch eine Währung, die man so endlich mal abschöpft. Die ganzen kostenpflichtigen Sünden, die da täglich verpuffen – das kann doch einer Krämerseelenstadt nicht recht sein! Und ganz ehrlich: Kulturblitzer gerade vor Kindergärten und Schulen helfen unschuldige Leben retten und werfen nebenher noch was ab für die Bildung ebenjener Kinder – alles sauber geblecht von denen, die nicht wissen, wo die Bremse am Muttipanzer ist. Transparent, trifft alle gleichermaßen, ist ein richtiger Schritt in Richtung Deppensteuer (die längst weltweit fällig sein sollte), generiert Cashflow aus dem Nichts und schafft in Kultur und Knöllchenmahngewerbe ziemlich sichere Arbeitsplätze, denn wer hat schon je davon gehört, dass in Krisenzeiten regelkonformer gefahren wird? Gerade wenn im Auto gute Musik läuft, in sauber breitem Englisch bzw. walisisch gesungen. Das wäre die Idee. Wie geht das jetzt? Reicht es, wenn der OB das liest? Oder muss da jemand eine Bürgerinitiative gründen (bitte nicht!) – wahrscheinlich ist es am besten, wenn ich zugebe, dass mir vor ein paar Tagen in vertraulicher Runde mit den Heilbronner Bestimmern die Info zugesteckt wurde, dass die Kulturblitzer bereits beschlossene Sache sind und kurz vor der Buga schon das erste Dutzend stehen soll. Das war gar nicht meine Idee. Das wäre ja peinlich, sich so eine gute Idee aus dem Eins-A-heilbronnverherrlichenden Hanix-Magazin klauen zu müssen, das man ja ansonsten gar nicht nach Kräften unterstützt. Nee, dann lieber von Herrn Köppel (der sich ja für nix zu schade ist) eine Kolumne lancieren lassen, die so tut, als wolle sie eigentlich nur das neue Album des sehr guten Pete Jones ordentlich bewerben (mit dem der Herr Köppel wahrscheinlich befreundet ist, was ja nix macht, solange die Musik so gut ist, wie er sagt. Ist sie.) – diese Kolumne (also die hier) tut dann so, als baute sie der Stadt eine goldene Brücke, damit sie sich das KULTURBLITZER-Konzept aneignen und so tun kann, als hätte sie sich das selbst ausgedacht. Hat sie ja auch. Wirklich! Ich bin hier nur die influencende Strohmann-Pappnase. Damit es hinterher so aussieht, als wäre die Idee einfach plötzlich überall und die Zeit reif gewesen, reif für die Kulturblitzer. Ist sie nämlich. Ich hab von städtischer Seite noch keine bessere Idee in Sachen Kultur gehört. ◆ Infos zum Kolumnisten und seinem Musiker-Kumpel aus Wales: www.nicolaikoeppel.de www.petejonesguitar.com 600 SEKUNDEN – DIE STADTKOLUMNE Hanix Nr. 56

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Sie ist in Eindhoven, Niederlande geboren und mit vier Jahren zusammen mit ihrer Familie nach Heilbronn gekommen. MARES BAUDEWIJNS ist viel gereist, machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Die Arbeit auf einer Yacht brachte sie nach Südfrankreich, Spanien und Griechenland, bevor es sie 1993 zurück nach Heilbronn zog. Schon früh hat sie sich für die Gastronomie entschieden, bis sie 2006 mit Paolo Gambino das Eckstein eröffnet hat. Von Lea Pomocnik, Fotos: Meli Dikta Tellertaxi aus Leidenschaft Mares trägt ein schwarz-weiß gestreiftes Shirt, die Haare hat sie zu einem lockeren Dutt gebunden. Ihre Flip-Flops machen ein lautes Geräusch, wenn sie hinter dem Tresen hin und her läuft. Das Eckstein ist ihr Arbeitsplatz, hier verbringt sie viel Zeit damit, sich um die Gäste zu kümmern. Für viele Stammgäste ist es ein zweites Wohnzimmer. Auf einem Tisch steht eine große, rote und rechteckige Tasche mit weißen Punkten. »Ich habe keine klassische Handtasche, sondern den Plastikbeutel hier.« Diesen Plastikbeutel hat sie von Gästen aus den USA geschenkt bekommen. »Die nehme ich auch immer als Strandtasche mit in den Urlaub, für die Arbeit stopfe ich einen Sweater rein. Multifunktional also«. Bei Mares muss es praktisch sein. Viel Schnickschnack gibt es bei ihr nicht – doch ihre Tasche ist so auffällig, dass sie überall von ihren Bekannten schon von Weitem erkannt wird. Sie ist schon fast wie ein Markenzeichen. Mares kramt in der Tasche und holt nach und nach alle Gegenstände raus, die sie finden kann. Besonders auffällig ist der weiße Meterstab. Leidenschaftlich gerne geht Mares in die Aufbaugilde, wo sie regelmäßig nach Schätzen sucht. »Oft habe ich schon gekauft, was nicht gepasst hat«. Mit dem Meterstab misst sie die Gegenstände aus, die sie dann mit dem Fahrrad nach Hause bringt – egal wie groß, Hauptsache, es passt in die Wohnung. Es kam auch schon einmal vor, dass Mares von der Aufbaugilde nach Hause gefahren und den Eindruck erweckt hat, sie habe ihr ganzes Hab und Gut dabei. »Bevor ich schiebe, fahre ich. Ist mir egal, wie ich dabei aussehe«. Mit dem Fahrrad fährt sie nämlich sowieso überall hin. Das Klischee der Niederländerin muss aufrechterhalten werden. Mit dem Fahrrad ist sie der Natur ein Stückchen näher. An Heilbronn schätzt sie den Fluss, der durch die Stadt fließt. Oft fährt sie über die Friedrich-Ebert-Brücke, den Blick Richtung Kaffeebucht - »Ein Traum«, erzählt sie. Von ihren Gästen hat Mares passend zur rot-weiß gepunkteten Tasche einen Fahrradsattelschutz mit dem gleichen Muster geschenkt bekommen. In ihrer Handtasche dann noch eine rot-weiß gepunktete Taschentuchhülle – ebenfalls ein Geschenk. Mares bekommt jedes Jahr von ihrer Mutter eine Glückskastanie, die sie bis zum nächsten Jahr in ihrer Tasche mit sich trägt. »Wenn ich mit meiner Mutter spazieren bin und die Kastanien anfangen von den Bäumen zu fallen, sucht sie mir immer eine aus. Das macht sie schon jahrelang.« Den Eishockeyausweis hat Mares auch immer in der Tasche, denn den braucht sie oft. Seit vier Jahren betreut sie die Eishockeyspieler der Falken und deren Spielerfrauen, die in Heilbronn in der Mozartstraße untergebracht sind. Als Ansprechpartnerin ist sie für alle da. Als die Spieler sie im Eckstein entdeckt haben, war Mares sofort begeistert und ist auf den Geschmack des Eishockeys gekommen. Sie liebt den Sport, schaut sich die Spiele mit Begeisterung an und ist stolz darauf, dass wir hier in Heilbronn in der 2. Bundesliga spielen. »Die Jungs sind nicht so eitel wie beim Fußball, das ist Adrenalin pur und es gewinnt immer jemand«. Was sie am liebsten macht, wenn sie es mal ein bisschen ruhiger angehen lässt? Mit Freunden bei guten Drinks ein bisschen Blödsinn reden, gutes Essen und die Zeit genießen, wenn einmal für sie gekocht wird und die Rollen getauscht werden. ◆ BERUF: Gastronomin JAHRGANG: 1967 BERUFUNG: Die Arbeit in der 20 Gastronomie leben TASCHENKONTROLLE Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 MARES BAUDEWIJNS LEERT IHRE TASCHE

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Am Kaiser-Friedrich-Platz führt DIRK STEIN mit seiner Frau Jasmin gemeinsam das langjährige Herzstück des Bahnhofsviertels: das Hartmans. Es gibt wohl kaum einen Heilbronner, der es dort noch nicht hingeschafft hat. Unter der Woche mit Freunden auf einen Kaffee oder zum Mittagstisch und am Wochenende, natürlich durchaus auch unter der Woche, auf einen guten Drink. Wer das nicht schafft, schafft es sicher, wie jedes Jahr, zur traditionellen Vorweihnachtsfeier- und -quetscherei am Tag vor Heilig Abend. Wenn es im Hartmans von der Decke tropft und sich dort jeder versammelt, der mal hier gelebt hat – und über die Weihnachtstage zurück in der Heimat ist – oder noch heute hier lebt. Dann beschlägt die komplette Fensterfront und man trifft seine lang nicht gesehenen Freunde wieder. Dirk ist Gastronom mit Haut und Haar und schon seit den frühen Stunden mit an Bord, als das Hartmans noch Fitzcarraldo hieß (Film von Werner Herzog mit dem großartigen Klaus Kinski in der Hauptrolle) und die Uhren noch etwas anders liefen. Neben den Menschen liebt er den Wind. Warum er das tut, darfst du gern gleich erfahren. Interview: Sarah Baudenbacher, Fotos: Meli Dikta Ich liebe Wind Hanix: Dirk, hast du dich für ein Lieblingsding entscheiden können? Dirk Stein: Mein Lieblingsding ist mein Surfbrett. Es erinnert einfach an eine entspanntere Zeit. An eine gewisse Freiheit, die ich damals noch gehabt habe. Zu welcher Zeit war das? Das war, bevor ich volle Verantwortung für den Laden gehabt habe. (lacht) Vor ca. 20 Jahren. Das ist damals eine andere Zeit gewesen. Mit Freunden, acht, neun Jungs, waren wir öfter an der Nordsee und hatten einfach eine gute Zeit zusammen. Das heißt jetzt aber nicht, dass du seit 20 Jahren nicht mehr auf dem Surfbrett gestanden bist? Ich kann es noch, aber mittlerweile ist es wirklich schon 15 Jahre her. Das war im Eiselmeer. Wie kommt es, dass du jetzt schon solange nicht mehr draufgestanden hast? Die Aufgaben hier im Hartmans, die binden einfach wahnsinnig. Ich habe und nehme mir einfach keine Zeit. Ich war in den letzten 20 Jahren vielleicht drei-, viermal im Urlaub. Das waren aber auch nur Kurztrips, zuletzt nach Holland. Das ist aber eine Sache, die sich ändern muss – auch für die Familie. Wann hast du dir dann dein erstes eigenes Brett gekauft? Das war damals, als das Hartmans noch Fitzcarraldo hieß, gegenüber im Surfladen, Windsurfing am Neckarpark, wo sich Heilbronn mit Chiemsee-Pullis eingedeckt hat. (lacht) Wo ist dein Surfbrett jetzt? Es hängt in der Garage. Das ist mein drittes Brett. Mein Erstes war ein Gebrauchtes von einem Freund. Das Zweite, das ich mir gekauft hab, wo ich ganz stolz drauf war, hatte ich immer auf dem Autodach, damit ich immer gleich los konnte. Das haben sie mir aber geklaut, hinten aus dem Hof raus, einfach vom Dach geschnitten. Ich hab auch schon daran gedacht, mein Surfbrett zu verkaufen. Das letzte Mal, als der Flohmarkt schräg gegenüber von der Jäkbar war. Aber ich hänge einfach zu stark dran und denke, Hanix Nr. 56 MEIN LIEBLINGSDING

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Hanix Nr. 56 NAME: Dirk Stein ALTER: 55 – aber das Herz ist jung geblieben BERUF: Werkzeugmacher BERUFUNG: Gastronomie WÜRDE SEIN LIEBLINGSDING TAUSCHEN GEGEN: nichts dass ich es vielleicht doch noch mal aufs Brett schaffe. Das geht jetzt schon über Jahre so. (lacht) Es geht hier wohl auch weniger um das Brett speziell an sich, sondern um das Feeling? Genau. Das Feeling und die Erinnerung. Ich bin ein Mensch, der Sachen wegwerfen kann. Aber das Brett ist nicht einfach nur ein Ding für mich. Die drei wichtigen »Dinge« für mich sind das Brett, meine Musik und mein Fahrrad. Drei Dinge, die an sich auch sehr gut zusammen passen. Das sind Sachen, die mir gut tun. Musik, das Surfbrett und wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Gibt es eine spezielle Musik, die du mit Surfen verbindest? Nein, da gibt es nichts Spezielles. Bei mir ist in Sachen Musik immer Neugierde auf neuen Input da. Aber es gibt noch Songs und Bands, die ich noch immer gerne höre. Zum Beispiel von Philipp Boa oder den Pixies. Das wird nie aufhören. Kannst du dich noch an das erste Gefühl erinnern, welches du mit Surfen verbindest? Ich bin durch Freunde darauf gekommen. Die hatten alle ein Brett, aber mir hat damals immer das nötige Kleingeld gefehlt. Es ging dann meist raus an den Breitenauer See. Die Jungs haben denn eine halbe Stunde oder Stunde gemacht und dann durfte ich. Drei, vier, fünf Stunden. Ich war da ziemlich verbissen. Ich wollte es einfach lernen. Windsurfen ist nicht so easy. Mast und Segel halten, der Wind kommt noch dazu. Es kostet viel Kraft. Dann magst du Wind? Ich liebe Wind. Ich hab immer das Fenster unten beim Autofahren. Wind gibt einem das Gefühl von Freiheit. Allein das Gefühl auf der Haut ist schön. Oder die Erinnerung daran: Du sitzt zusammen mit Freunden am Strand, das Surfbrett liegt nebendran, der Wind bläst dir ins Gesicht, der salzige Geruch des Wassers. Im Alter denkt man, es wird entspannter. Aber es wird nicht entspannter, es sind immer mehr Verpflichtungen da. Zu der Zeit waren wir noch frei. Ich konnte spontan noch Dinge machen, die ich mir heute nicht mehr leiste. Man sollte es eigentlich trotzdem ab und zu machen … durch das Hamsterrad vergisst du viel. ◆ TIPP 9., 10., 11. sowie 16., 17. + 18. August 2018 bleibts Tor zu! Do 20 23 Uhr Fr + Sa 20 - 01 Uhr Schulgasse 15 74072 Heilbronn Hartmans | Café . Bar Holzstraße 14, 74072 Heilbronn DIRK STEIN

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An dieser Stelle porträtieren wir im Hinblick auf die Eröffnung sechs herausragende Talente der experimenta II. Nr. 2: Kai Noeske DER GROSSE HÄWELMANN Hanix Nr. 56 Eine der schönsten Gute-Nacht-Geschichten ist »Der kleine Häwelmann« von Theodor Storm, Literatur zum Träumen. »Mehr, mehr«, schreit der Hosenmatz, seine Mutter aber, die ihn in seinem Rollenbett fahren soll, ist eingeschlafen. Der »gute Mond«, der zum Fenster hereinschaut, sieht, wie er sein kleines Hemd ausgezogen, als Segel an seiner kleinen Zehe aufgehängt hat und nun mit vollen Backen hineinbläst. Er schickt ihm einen Strahl, auf dem er bis zu den Sternen fahren kann. Welch Glück: Der kleine Häwelmann ist ein norddeutscher Bub und kein Ikarus, so kann ihm auch die Sonne nichts anhaben, er plumpst nur ins Meer und wird aufgefangen. Was schildert dieses Märchen anderes als die ewige Sehnsucht der Menschen, den Sternen nahe zu kommen? Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Reiner Pfisterer DIE EXPERIMENTIERER

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Hanix Nr. 56 Diese Sehnsucht, aber nicht nur sie, werden die Sternwarte und die Teleskope auf dem Dach der neuen experimenta erfüllen. Danach gefragt, ob man auch ihm als Kind diese Geschichte vorgelesen hat, leuchten die Augen von Dr. Kai Noeske, er ist der »Abteilungsleiter Science Dome & Sternwarte« der experimenta, kurz auf: »Natürlich!« Die große Faszination für das Universum, für den Mond und die Milchstraße mit ihrem Durchmesser 100.000 Lichtjahren, die war schon in der Schulzeit da. Er ist im Vogelsbergkreis aufgewachsen. Da gibt es noch Landschaften, wo sich bis heute Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, was aber kein Hindernis war, Astrophysiker zu werden. Und warum kommt man dann im besten Mannesalter von 43 Jahren nach Heilbronn zur experimenta, wenn man nach dem Abitur 1992 in Hessen, Zivildienst als Rettungssanitäter, Studium in Göttingen mit Promotion in Physik und danach als wissenschaftlicher Assistent der dortigen Universitäts-Sternwarte zwar nicht ins Universum – dazu später mehr! – sondern in die weite Welt aufgebrochen ist? Dies, als Mitarbeiter der Europäischen Raumfahrtagentur, als Wissenschaftler am Hubble-Weltraumteleskop im Space Telescope Science Institute, Baltimore, danach am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (USA), ein Forschungsstipendium an der University of California, Santa Cruz, USA erhielt und dort in Großprojekten der Forschung zu Kosmologie und Entstehung der Galaxien arbeitete? Zuletzt, bevor Dr. Kai Noeske 2017 nach Heilbronn kam, war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Er sagt da ganz einfach: »Es hat mir immer schon Freude gemacht, etwas über das All zu erzählen!« Schon seit einem Jahr ist er bei der experimenta beschäftigt. Das, was er hier aufbauen will, braucht Zeit. Im Kopf hat er seine Konzepte schon längst fertig, deren Umsetzung aber ist ein integrativer Prozess, also auch Teamarbeit. Und das Ziel ist auch klar definiert: Nicht nur Kindern, sondern Besuchern aller Altersklassen über die Faszination des Alls hinausgehend diese auch für Wissenschaft zu wecken oder zu stärken. Doch wie geht das, wenn man sich als Laie, in Raum und Zeit verlierend, auf dem Boden der Realität wiederfindet und eingestehen muss, Einsteins Relativitätstheorie immer noch nicht verstanden zu haben, es auch nie tun wird, weil man in Mathe und Physik nicht gerade eine Leuchte war? Noeskes Antwort darauf ist umwerfend: Er traut es sich zu, diese auch einem Mathe-Analphabeten ganz ohne Mathematik zu erklären! Gibt es eine bessere Voraussetzung dafür, was er künftig an der experimenta zu tun hat? Dass er, über den wissenschaftlichen Hintergrund hinaus, nicht nur Interesse, sondern auch Begeisterung für seine Welt der Galaxien erwecken kann, dass er all die Menschen anziehen soll, die über ihren Alltag hinausblicken wollen, diese Erwartung ist schon da. Schwellenängste abbauen, in »coolen Wissens-Shows« mit praktischen Anleitungen die Menschen »einfangen«, ihnen vermitteln, dass keiner von ihnen »ein hoffnungsloser Fall« für Astrophysik ist, sie in eine »horizontfreie Umgebung aller Welten erzählerisch eintauchen zu lassen«, so umschreibt er sein künftiges Wirken. Vielleicht wird unter den künftigen Besuchern eine kleine Häwelfrau oder ein kleiner Häwelmann, eine künftige Astronautin oder ein künftiger Astronaut sein und angesprochen werden? Diesen Kindheitstraum hätte er sich 2008 selber gerne erfüllt. Fragt man ihn danach, lässt er eher zögerlich-bescheiden heraus, dass er damals unter 9.000 Bewerbern (in einem bekannt gnadenlosen Ausleseprozess) »unter die letzten zwei Prozent« gekommen ist. Seine ESA-Kontakte bestehen weiter, der Hype um Astro-Alex freut ihn, weil er der Wissenschaft auch eine menschliche Dimension gibt und er Raumfahrt als Chance sieht, Denkhorizonte offen zu halten, einen Schritt über das Mögliche hinaus zu gehen. Da muss KAI NOESKE ja die Frage danach kommen, ob er sich ein Leben außerhalb der Erde vorstellen kann. »Ja«, sagt er. Das sei ein Forschungsfeld für unkonventionelle Denker, in den Dimensionen des Universums gebe es ja nicht nur ein Sonnensystem. Vielleicht würde man das in ein bis zwei Jahrzehnten wissen. Den Kontakt zu anderen Intelligenzen möchte er als einen der bedeutendsten Momente in der Geschichte der Erde gerne erleben. »Eine kleine Entdeckung« hat er selber in seinen Forscher-Jahren gemacht. Nämlich dass Galaxien eine »innere Uhr« haben, nach der Sterne entstehen, abhängig von ihrer Masse gehe das schneller bei großen und langsamer bei kleinen, eine Erkenntnis, die frühere Theorien zur Geburt von Sternen ablöste. Aber nur den Kopf im Weltall zu haben, das macht kein Leben aus. Der Rausch der Geschwindigkeit, die Fliehkräfte des Alltags, das kann man auch als Hobby ausleben. Kai Noeske tut das bei Autorennen mit einem 3er-BMW auf dem Nürburgring. Ein Hobby, das im Augenblick zu kurz kommt, denn es gibt auch eine Familie Noeske. Die lebt in Flein, hat einen zweieinhalbjährigen Sohn und empfindet Heilbronn als Stadt mit überraschend viel Lebensqualität. Noeskes Lieblingssport ist Karate, »weil es körperlich und geistig stabil und gelassen macht«. Mit diesen Voraussetzungen will er an seinem Arbeitsplatz bestehen, von dem er sagt, dass er hier in der »Championsleague« mitspielt. Die Möglichkeiten, die er dafür in der experimenta hat, ab dem nächsten Frühjahr Menschen neugierig und aktiv für Wissenschaft zu erreichen, findet er außergewöhnlich. Die Teleskope und astronomischen Geräte, die auf dem Dach der experimenta installiert werden, übrigens mit und nicht etwa »gegen« die Robert-Mayer-Sternwarte, von der Noeske mit Hochachtung spricht, haben sicher nicht die Reichweite des Hubble-Teleskopes, aber sie werden imponierende Einblicke in die Tiefen des Alls ermöglichen und den Lichtstrahl schicken, mit dem der »Große Häwelmann« kleine und große Häwelmänner nicht träumen lässt, sondern wirklich mitnimmt ins All. ◆

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Maike Endresz, Fotos: Ulla Kühnle Stand-Up-Paddling auf dem Neckar Hanix Nr. 56 »Himmel. Maike, du wärst die Allererste, die bei einem Schiffsunglück elendig absäuft, obwohl sie mehrere Schwimmrekorde hält!« Das waren fassungslosen Worte meiner Mama, für die es unbegreiflich war, dass ein Mensch, der wirklich schwimmen kann, sich in offenen Gewässern von seiner Angst bis zur kompletten Bewegungs- und Atemunfähigkeit lähmen lassen konnte. Um in der Ohnmacht dann wehrlos zu bärtigen Welsen und Schlickwürmern zu sinken. Ürgs. Hervorragende Voraussetzungen für einen SUP-Kurs auf dem Neckar. Nicht. »Man soll auch mal seine Komfortzone verlassen«, sagte ich mir also mantraartig auf und machte mich mit meiner mentalen Unterstützung Uschi und Fotografin Ulla auf zum Treffpunkt in Klingenberg. Dorothea, eine verrückt durchtrainierte 32-jährige Sporttherapeutin, die diese Kurse für den Intersport Profimarkt durchführt, begrüßte uns auf dem Parkplatz. Vor ihr lagen zwei schlaffe Gummidinger, Paddel und Luftpumpen. In meinem blauäugigen Kopf waren SUPs bis dahin sowas wie Surfbretter, groß, sperrig und massiv. Aber nein, sie kommen in einer handlichen Tasche aus dem kleinen Kofferraum daher und müssen erstmal von den Teilnehmern auf ein Bar aufgepumpt werden. Gotteswilln. Und es war ohnehin schon heiß. Mit dem inzwischen strammen SUP und einem Paddel unterm Arm, bekleidet mit Bikini, Shorts und Shirt, marschierten wir also runter zum etwas ruhigeren Seitenarm des Neckars. Eine ziemlich trübe, braungrüne Suppe an dem Tag, was mir die Idee von mir im Fluss nicht eben liebreizender machte. Hätte der Neckar die Kacheln, die ich so dringend zum Schwimmen brauche, man hätte sie halt nicht gesehen. Überraschend schnell und behände fanden wir uns auf dem Wasser wieder. Erst kniend, dann stehend, mit nur kurz wackligen Beinen. Und dann ... wenn die erste Unsicherheit verflogen ist, steht man da, paddelt einigermaßen geschmeidig den Neckar entlang, hat eine fantastische Aussicht, eine meditative Ruhe, einem begegnen nur hin und wieder Menschen in Ruder- oder Schlauchbooten und man ist einfach ganz weit weg von allem. Und sieht das Gewässer mal aus einer völlig neuen Perspektive. Ich fand es einfach wunderbar. Und fuhr sogar beinahe geradeaus! Somit sind ABENTEUER UM DIE ECKE Das Hanix »Abenteuer um die Ecke« wird präsentiert von

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die Erinnerungen an meine verzweifelten Versuche aus dem Sportstudium, mit einem Kajak auch mal nicht nur rechts und links in die Böschung zu fahren, übermalt und vergessen. So ein SUP eignet sich wirklich für jeden Bewegungslegastheniker. Es kann, außer für Nichtschwimmer, wirklich keine Ausreden geben. Wir erfuhren beim Paddeln, dass es fürs SUP keine Altersgrenzen gibt, das Ganze auch als Tour auf dem Neckar gebucht werden kann (z. B. bis zur Kaffeebucht), es aber auch einen reinen SUP-Verleih gibt, stunden-, tages- oder wochenweise. Wendetechniken haben wir gelernt, die Haltung für moderates und schnelleres Paddeln und dass es sinnvoll sein kann, auch einfach mal ins Wasser zu fallen, um ein bisschen aufzulockern. Irgendwann gingen die Gäule mit uns durch und wir paddelten zu zweit auf einem SUP, saßen, lagen, standen auf einem Bein und versuchten es mit Sprüngen und einer Kerze. Die liebe Dorothea zeigte uns mit ihrem 1A-Kopfstand aber nochmal, wer der Profi ist und warum sie sich so sensationell zum SUP-Guide eignet. Mit ihrer unaufgeregt-fröhlichen Art bekommt sie von mir eine Eins mit Sternchen! Für uns ist klar, wir werden es wieder tun. Flicflac und Hebefiguren dürften dann drin sein. Und: meine Mama wäre stolz auf mich. Ich war im Neckar ... und bin weder abgesoffen noch hatte ich Angst ... dank Brettumklammerung. Ich werde bei einer eventuellen Schiffsreise einfach immer ein SUP hinter mir herschleifen. Fazit: Stand-Up-Paddling ist viel einfacher als man glaubt. Man erlangt einen Blick auf unsere Heimat, den man so selten bis nie hat, und ist der Natur sehr nah. Wer nicht einfach nur aufrecht stehen mag, kann vom Sitzen übers Yoga bis zur Akrobatik alles auf dem Brett probieren. ◆ DAUER: Insgesamt 2 Stunden, mit Auf- und Abbau ORT: Diverse Gewässer unserer Region KOSTEN: ab 40 Euro im Kurs, SUP-Verleih ab 15 Euro TIPP: Man muss schwimmen können! WEITERE INFOS: www.sup-profi.de Bodo Linkohr Bürokonzepte . Fischeräcker 14 . 74223 Flein www.linkohr-buerokonzepte.de . info@linkohr-buerokonzepte.de Kapitel

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In Folge des »Forum Schwarmstadt – Potenziale und Impulse innovativer Stadtentwicklung« das Ende Februar von der DHBW Heilbronn und Hanix organisiert wurde, luden beide diesmal zum Gedankenaustausch »IG Innovative Stadtentwicklung« auf den Bildungscampus ein. Der Diskussionsvorschlag: Die Heilbronner Bahnhofsvorstadt als Reallabor im urbanen Raum. Von Brigitte Fritz-Kador, Foto: DHBW Heilbronn Wir schaffen das Die Bahnhofsvorstadt als urbanes Testlabor? Als der Ort der Stadt, an dem »Stadtentwicklung von unten« stattfindet? Die Note 3,2 für Heilbronn, das hat gesessen. Am Anfang stand die Frage: Wie kann man junge Menschen, Studenten und Berufsanfänger vor allem nicht nur nach Heilbronn holen, sondern hier auch halten? Städte, die das schaffen, sind »Schwarmstädte«, Heilbronn will, soll und muss eine solche werden, die Konkurrenz unter den Städten schläft nicht, gerade der Zuzug dieser Gruppe ist evident. Was Heidelberg, Darmstadt oder Regensburg gelungen ist, das muss auch Heilbronn schaffen. Der Anstoß dazu kam von Hanix, bei der Dieter Schwarz Stiftung und der DHBW Heilbronn erkannte man, dass eine »Schwarmstadt« keine Chimäre ist, sondern ein Ziel sein muss. Auch weil das, was hier gerade in den Bildungssektor investiert wird, nicht nur die jungen Menschen erreichen und binden soll, sondern letztlich als Verjüngung allen gut tun wird. Der erste Schritt war eine Umfrage. Sie entsprach wissenschaftlicher Kriterien und wandte sich direkt an die Zielgruppe: Über tausend Teilnehmer benoteten Stadt- und Landkreis nach den Kriterien der Lebensqualität als zukünftigen Wohn- oder Arbeitsort, benannten ihr Anforderungsprofil und vergaben Schulnoten. Heraus kam eine »Drei minus«. Dabei soll es nicht bleiben. Es gibt auch ein Heilbronn jenseits von Buga und experimenta, das genauso interessant ist bzw. werden könnte: die Bahnhofvorstadt als ein Viertel mit Kiez-Charakter und Lebensqualität! Hier kann gelingen, was das Stadtmagazin Hanix und die DHBW Heilbronn angestoßen haben. »Am Anfang war die Tat«, sagt Faust und korrigiert damit Martin Luther. Am Anfang steht ein Masterplan, heißt es in Heilbronn. Die Umsetzung von Ideen muss nicht zwangsläufig nach diesem Muster verlaufen. Dafür stehen Prof. Yvonne Zajontz (DHBW Heilbronn Studiengangsleiterin Media, Vertrieb und Kommunikation) und Robert Mucha (Hanix-Chefredakteur). Sie suchen Mit- streiter und Wege dazu, die Erkenntnisse der Studie in konkretes Handeln umzusetzen – auf dem »Spielfeld« Bahnhofsvorstadt. Sie hat jetzt schon »Kiez«-Potenzial, hier wohnen gut Betuchte in den schicken Wohnungen am Neckar, weniger Gutbetuchte in den Wohnblocks der Nachkriegszeit, den damals schnell hochgezogenen Baulückenfüllern oder den noch vorhandenen Altbauten, viele von ihnen sind saniert, dazwischen steht moderne Architektur. Von den über 4.000 Bewohnern (zum Vergleich: Im ausgebauten Neckarbogen sollen es am Ende 3.500 sein) ist weit mehr als die Hälfte jung, noch mehr haben Migrationshintergrund, es gibt ein funktionierendes Miteinander hier, das Public Viewing zur Fußball-WM im Minibiergarten vor dem Hartmans erzählt mehr als so mancher Integrationsbericht. Yvonne Zajontz sagt, dass die Umfrage-Ergebnisse der DHBW-Studie »keine Momentaufnahmen« seien, wer sie ernst nehme, müsse sie als Handlungsanleitung lesen. Und dies ist jetzt geschehen – herauskommen wird die »IG Innovative Stadtentwicklung«. Etwa 40 Interessenten kamen dazu zum Gedankenaustausch auf den Bildungscampus. Dass das Thema »Schwarmstadt« auch im Rathaus angekommen ist, zeigt sich auch im Teilnehmerkreis: Karin Schüttler und Charlotte Mischler vom städtischen Kulturamt waren da, die Stadträte Tanja Sagasser-Beil und Birgit Brenner, Thomas Aurich, Nico Weinmann und auch Thomas Gauss von der Stadtintitiative, Stefan Ernesti von der städtischenWirtschaftsförderung. Dazu Hochschulmitarbeiter und Studenten, die mit Heilbronn längst etwas anzufangen wissen. Man braucht sie als Mitspieler, wie nicht nur Gauss erinnerte und jene Heilbronner, ob alt-ansässig oder neu-hinzugezogen, wollen es nicht bei »drei minus« belassen und nicht nur über den eigenen Topfdeckel hinaus Dampf ablassen, vielmehr Wün- POLITIK & GESELLSCHAFT Hanix Nr. 56

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sche, Vorstellungen, Ideen und auch Fragen einbringen. So waren die aufgelisteten Defizite nicht als Dämpfer zu verstehen. Was diesen Gedankenaustausch so beachtenswert machte, war die positive Energie, die, bei allen Unterschieden, alle verband. Dazu gehört auch zu sehen, was das Viertel jetzt schon anbietet, z. B. mit dem »Waiblingerhaus« oder dem »Fest der Vielfalt«, auch wenn dieses in diesem Jahr ausfallen muss: Der Spielplatz am Kaiser-Freidrich-Platz über dem Bunker wird nicht fertig. Man kann über den Mangel an preiswertem Wohnraum meckern, aber auch überlegen, wo hier ein Standort für ein Studentenwohnheim wäre. Man kann die öffentliche Vermüllung sehen, aber auch das, was in der gezeigten Fotostrecke von Robert Mucha zum Ausdruck kam: die kleinen Höfe, Ecken, Winkel, Balkone und Hauseingänge haben sich nicht von selbst aufgehübscht, es war auch kein Stadtgärtner tätig. Es waren die Bewohner, die sich hier mit ihrer Bahnhofsvorstadt identifizieren. Das ist es, was Dipl.-Psych. Susan Barth (Hochschule Heilbronn, forscht zu Innovations- und Gründungskultur) meint, wenn sie von »Stadtentwicklung von unten« spricht. Sie hat eine Gruppe um sich geschart, die genau hier ansetzen will, niedrigsschwellig und mit »Zugezogenen« wie z. B. der Theaterpädagogin Katrin Singer, die den Heilbronnern empfiehlt, ihre Stadt mehr zu lieben. Aus dem Füllhorn der Ideen sprudelte es nur so. Thomas Gauss wollte zunächst den Verdacht, er sei eine »Spaßbremse« gar nicht erst aufkommen lassen, erinnerte aber daran, dass der Paragraphendschungel (Stichwort »Brandschutz«) auch Pop-up-Stores das Leben schwer machen werde, diese eine wirtschaftliche Basis haben müssten und es ohne Stadtverwaltung nicht gehen wird. Seine Forderung: eine Solidargemeinschaft. Thomas Aurich regte Hausboote auf dem Neckar an, IT-Fachmann Mark Siller ein Digitales Camp. Ein schöne Idee auch das »Guerilla-Gardening«. Yvonne Zajontz weiß, dass man klein anfangen muss, aber das Große nicht aus den Augen verlieren darf. Wenn sie die VW-World in Wolfsburg anspricht, kann man sich die Adressaten dafür dazudenken. Immer wieder thematisiert: die Streichung der zur Buga geplante Brücke vom Bahnhof zum Neckarbogen. Diese müsse nach der Buga kommen. Sibylle Mösse-Hagen, langjährige Fraktionsvorsitzende der SPD, meint: »Dran bleiben wird sich sicher lohnen …« Ein Auszug der Ideensammlung zeigt, was auch ohne »Finanzierungsvorbehalt« (öffentliche Gelder), dafür mit Privatinvestoren und mit bürgerschaftlichem Engagement bei gleichzeitigem Abbau von bürokratischen Hürden möglich sein kann: Pop-up-Ausstellungen, auch zusammen mit den Städtischen Museen und ein Kulturpfad, Mietfahrräder und Autofreiheit, Straßenfeste und Hofflohmärkte, Co-Working und ein von Studenten geführtes Clublokal wie früher das »Club-Sofa«, grüne Ecken und kreative Märkte. Die ebenfalls abgefragten Assoziationen zur Bahnhofsvorstadt zeigten einen realistischen Blick, waren aber auch weiterführend: Man sah »Billigecken« und »leichtes Großstadtflair«, Vielfalt und vermüllte Straßen, dass sich »frau« auch in den Abendstunden beim Kneipen-Hopping sicher fühlte, Lebensqualität, kurze Wege und ein friedliches Miteinander. Die Geschichte der Schwarmstadt wird weiter geschrieben, eine neue für die Bahnhofsvorstadt beginnt, so wie es Yvonne Zajontz in schönstem Neudeutsch sagt: »Wir müssen ins Doing kommen!« ◆ Lieber praxisnahes Lernen statt trockener Theorie? Wir suchen Mitdenker. Werde Teil eines internationalen Handelsunternehmens, das auf Leistung, Dynamik und Fairness setzt. Starte gemeinsam mit uns in eine erfolgreiche Zukunft. Wir bieten dir mehr als 20 verschiedene duale Studiengänge. Informiere dich unter kaufland.de/karriere INTERVIEW MIT SEBASTIAN FELD

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Daniel Schütts Pläne für ein Soziokulturelles Zentrum in der Bahnhofsvorstadt. Von Leonore Welzin, Fotos: Robert Mucha & Ulla Kühnle Olga, Wilhelm und Zigarre Hanix Nr. 56 Heilbronn braucht dringend ein Soziokulturelles Zentrum. Das sollte nicht irgendwo auf der grünen Wiese entstehen, meint Daniel Schütt, sondern in der Bahnhofsvorstadt. Der Leiter des Popbüro Heilbronn-Franken (unter dem Dach des Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e. V.) im Wilhelm-Waiblinger-Haus kennt den Stadtteil wie seine Westentasche. Er hat ein Konzept entwickelt, das den Bedarf der Kulturschaffenden einerseits und vorhandene Räumlichkeiten samt Infrastruktur andererseits berücksichtigt. Und weiter denkt. Daniel Schütt, Jahrgang 1984, der mit 16 Jahren sein erstes Konzert veranstaltete und mit 18 Jahren einen Kulturverein zur Förderung von Nachwuchskünstlern gründete, studierte ausgiebig die Szene, ein bisschen Soziologie in Heidelberg und später Sozialpädagogik in Stuttgart. Die Praxisphasen des Dualen Studiums absolvierte er beim Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e. V. (SKJR). Schon während des Studiums konzeptionierte er das Popbüro Heilbronn-Franken als Anlaufstelle für die junge Musik- und Kulturszene. Er entwickelte dieses nach dem Studium zunächst ohne institutionelle Förderung zu einem festen Bestandteil der Heilbronner Kulturlandschaft. Schütt ist Gründungs- und Vorstandsmitglied im Landesverband der Popkulturförderer in Baden-Württemberg und Sprecher der Interessengemeinschaft Freie Kultur in Heilbronn. Schütt stellt fest, dass die Freie Kunst- und Kulturszene in Heilbronn vielgestaltig ist. Sie umfasst die Sparten Tanz, Theater, Musik, Literatur und Bildende Kunst. Um sie zu fördern, sind Freiräume und Anlaufstellen notwendig. »Wer meint, dass eine anständige Infrastruktur das Herzblut und den Erfindungsreichtum einschränkt, oder dass die Stadt doch bereits genügend Kulturbetriebe unterhalte, der hat nicht verstanden, worum es in der Soziokultur geht«, sagt Schütt und erklärt: »Es geht in der Soziokultur nicht in erster Linie um die sichtbaren Produkte, sondern um kreative Prozesse. Ein soziokulturelles Zentrum ist ein Ort, der einen niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur bietet und an dem experimentiert werden kann«. Sein Denkansatz erinnert an das Credo des großen Kulturpolitikers Hilmar Hoffmann (1925 – 2018). Der Titel seiner Veröffentlichung »Kultur für alle« (1979) wurde zum Schlagwort und zur Initialzündung eines neudefinierten Kulturbegriffs. Beflügelt vom Elan des »mehr Demokratie wagen« (Willi Brandt, Oktober 1969), war unter Hoffmanns Mitwirkung bereits die Kulturinitiative des Deutschen Städtetages entstanden. Das Motto »Rettet unsere Städte jetzt« von 1971 wurde 1973 wieder aufgegriffen und durch das Programm »Bildung und Kultur als Element der Stadtentwicklung« mit Inhalt gefüllt. Wir lesen dort: »In allen Industrieländern stehen die Städte vor den gleichen schwierigen Problemen: Der rasche ökonomische und technische Strukturwandel hat tiefgreifende Einwirkungen auf die soziale und städtebauliche Struktur und einen Verlust an Umwelt- und Wohnqualität zur Folge. Die Stadt KULTUR

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Hanix Nr. 56 rechte Seite: Die Zigarre – Das atmosphärische Backsteingebäude, eine ehemalige Zigarrenfabrik, soll Teil des Kulturdreicks werden. diese Seite: Daniel Schütt kämpft für ein soziokulturelles Zentrum in Heilbronn. droht ihre menschlichen Züge und damit die Eigenschaften zu verlieren, die sie einst anziehend und begehrt gemacht haben.« Kultur in der Stadt bedeute folglich dreierlei: die Kommunikation zu fördern und damit der Vereinzelung entgegen zu wirken, Spielräume zu schaffen und damit ein Gegengewicht gegen die Zwänge des heutigen Lebens zu setzen und drittens die Reflexion herauszufordern und damit bloße Anpassung und oberflächliche Ablenkung zu überwinden. Für Schütt geht es um »Kultur von unten, flache Hierarchien, gelebte Vielfalt und bürgerschaftliches Engagement.« In diesem Sinne hat die Interessengemeinschaft Freie Kultur die Raumsituation der verschiedenen Sparten abgefragt und einen Handlungsbedarf in zwei Bereichen erkannt: Es fehlen sowohl Präsentations- als auch Produktionsmöglichkeiten. Aus dem Bedarf können drei Raumformate abgeleitet werden. In einer Kunst- und Kulturhalle für bis zu 500 Personen mit fester Bühne, Licht und Tontechnik könnten regelmäßig Konzerte, Festivals, Lesungen, Poetry Slams, Tanz- und Theateraufführungen, Performances, Ausstellungen, Künstlermärkte, Tagungen, Kreativmessen und Partys stattfinden. Ein Kunst- und Kulturcafé für 100 bis 150 Personen könnte ähnlich genutzt werden. Aufgrund der geringeren Größe wäre es zudem für Workshops, Podiumsdiskussionen und Kleinkunst nutzbar. Außerdem fehlen spartenübergreifend Probe-, Atelier- und Arbeitsräume. Sie könnten dezentral erschlossen werden. Um ein Soziokulturelles Zentrum langfristig zu entwickeln und nachhaltig zu betreiben, werden Landesmittel benötigt. Zuständig ist das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MKW). Vier Voraussetzungen müssen erfüllt werden: Ein freier Träger in Vereinsform muss an einem definierten Standort, der ausschließlich für den soziokulturellen Betrieb genutzt und mindestens seit drei Jahren bespielt wird und dafür eine kommunale institutionelle Förderung erhalten hat. »Das muss die Prämisse sein, der wir alle weiteren Schritte unterordnen. Die fehlenden Orte verursachen große finanzielle und bürokratische Hürden für die freie Szene, die in Heilbronn schon beinahe historisch sind«, so Schütt. In Heilbronn gab es nie einen einzelnen Ort, der diese Voraussetzungen erfüllt. Trotzdem hat die Stadt Potenziale: Im Wilhelm-Waiblinger-Haus (Schützenstraße) wird seit 2009 durch das Popbüro des SKJR Kulturförderung mit dem Schwerpunkt Musik und Literatur mit hauptamtlichen Strukturen betrieben. Viele Ehrenamtliche, Künstlerinnen und Künstler haben eine breit vernetzte Bildungs- und Kulturlandschaft aufgebaut. Der Zigarre Kunst- und Kulturwerkhaus e. V. betreibt in der ehemaligen Zigarrenfabrik (Achtungstraße) seit 2001 Kulturförderung mit Auftritts- und Ausstellungsmöglichkeiten sowie Arbeits- und Gruppenräumen. Auch hier ist ein umfassendes Netzwerk vorhanden. Das Olga-Zentrum, eine umgenutzte Maschinenfabrik, wird seit den 2000ern von der Stadt als Jugend- und Familienzentrum betrieben. Es gibt aktuelle Bestrebungen, ein Stadtteilzentrum in der Bahnhofsvorstadt mit soziokultureller Ausrichtung zu entwickeln. Die Idee von Daniel Schütt ist so einfach wie überzeugend: Die bestehenden Orte – nur wenige Fuß-Minuten voneinander entfernt – sollen unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, der Wertschätzung alle Akteure inhaltlich und strukturell so verknüpft werden, dass aus Olga, Wilhelm und Zigarre ein Kulturdreieck entsteht. Ein Kulturdreieck wäre zur Förderung der Freien Kultur in Heilbronn ein Meilenstein. Denn damit wäre dieses kreative Potenzial sichtbarer. Räumliche und damit bürokratische und finanzielle Hürden wären abbaubar und somit auch ein Instrument zur Förderung der freien Szene geschaffen, das den öffentlichen Kulturbetrieb um einen essentiellen Baustein ergänzt. Also genau das, was als Ausgangspunkt für die Kulturentwicklungsplanung in Dokumentenanalysen, Experteninterviews und Workshops festgestellt und im Hinblick auf die freie Szene gefordert wurde. »Noch fehlt dazu die Hardware«, sagt Schütt. Um an Landesmittel für Heilbronn zu kommen, muss ein soziokulturelles Zentrum institutionell aus dem Kulturhaushalt gefördert werden. Es müssen dazu einige Voraussetzungen an die Träger- und Programmstruktur gegeben sein, die Schütt im Kulturdreieck gern verwirklichen möchte. Der Charme dieser stadtplaneri schen Idee liegt sowohl an der zentralen Lage und idealen Verkehrsanbindung wie am besonderen Flair der Bahnhofsvorstadt. ◆ Deine satch Must-Haves Zu jedem Rucksack das passende Zubehör Das Taschenhaus-Stütz GmbH Weinsberger Straße 17/1 · 74072 Heilbronn · Tel.: 0 71 31 / 94 20 27 Mo–Fr 9.00–18.00 Uhr · Sa 10.00–16.00 Uhr · www.dasTaschenhaus.de www.satch.com 31

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Heilbronn, ein kleines provinzielles »Kaff« unter den Großstädten Deutschlands. Dennoch bewegt es sich, wenn auch langsam. Und Heilbronn hat auch seine charmanten Seiten – obwohl und gerade vielleicht deshalb, weil diese bisher noch nicht in den Fokus der »Stadtplanung« geraten sind. Ein Beispiel ist die jahrelang vernachlässigte und unbeachtete Bahnhofsvorstadt. Der kleine sympathische »Kiez« von Heilbronn. Doch wie lange gibt es ihn noch? Von Matthias Marquart, Fotos: Robert Mucha & Ulla Kühnle Hanix Nr. 56 Wer sich Zeit nimmt, die Augen aufmacht und genau hinsieht, der findet sie bei einem Spaziergang durch die Bahnhofsvorstadt: die zahlreichen Nischen und Ecken, die unterschiedlichsten Unternehmen, Dienstleister, Gastronomie- und Handwerksbetriebe, das Neue und das Alte, das Multikulturelle und das Traditionelle – eine Vielfalt und Abwechslung zwischen Wohnraum und Gewerbe, Hinterhöfen, Alt- und Neubauten, die in Heilbronn in dieser Dichte wohl ihresgleichen sucht. Wirtschaft im Kiez Die Haare schön Ein Traditionsbetrieb ist der Friseursalon von Petra Hausmann. Schon ihr Großvater war Friseur und auch sie betreibt dieses Handwerk schon seit über 30 Jahren. Wer die wenigen Stufen erklimmt und die Tür zu ihrem Salon öffnet, befindet sich in einer »Friseurwelt«, wie es sie nur noch sehr selten gibt. Alte vergilbte und in einfache Rahmen gepresste Fotos zieren die Wände und zeugen von der traditionsreichen Vergangenheit des Betriebes. Daneben glockenförmige Trockenhauben, denen man ihr Alter ansieht, die an Werbung aus den 50er-Jahren erinnern, aber – liebevoll gepflegt WIRTSCHAFT

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– noch einwandfrei in Schuss sind. Während einige Kunden auf der Eckbank warten, wäscht Petra Hausmann Haare und erzählt: »Ich habe die Ladenfläche verkleinert, nahezu halbiert und auch nur noch drei Tage wöchentlich geöffnet. So kann ich den Betrieb mit Laufkundschaft und meinen Stammkunden gut auslasten, denn die Konkurrenz von Billig-Friseuren ist deutlich zu spüren – da kann ich preislich nicht mithalten.« So arbeitet Hausmann die restlichen zwei Tage der Woche als Pflegehelferin, doch den Friseursalon aufzugeben kommt für sie nicht infrage. »Ich wohne ja auch hier und fühle mich sehr wohl. Sicher, es hat sich einiges entwickelt. Es ist bunter, multikultureller und vor allem lauter geworden.« Bunter Mix in Gefahr In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wird das deutlich. Da ist eine Finanzagentur, ein Cocktail-Café, eine Fahrschule, ein Geschäft für e-Zigaretten nebst Zubehör, die Shisha-Bar MonAmi, ein Asia- Markt, die Schmoller-Schule, bei Atlassib fährt täglich ein Bus aus dem etwas runtergekommenen Hinterhof nach Rumänien. Und natürlich ist da auch die Kebab-Stube von Sehmus Manulboga. Seit 1985 verköstigt er hier Schüler und vor allem Stammgäste, die auf seine türkischen Spezialitäten schwören. Doch er ist müde geworden. Manulboga ist 63 Jahre alt und mittlerweile nicht mehr so gerne in der Bahnhofsvorstadt. »Es hat sich viel verändert. Ich würde es heute nicht nochmal machen und bin froh, dass ich bald aufhören und das Geschäft in die Hände meines Sohnes legen kann.« Und dies liegt nicht daran, dass es in der weiteren Umgebung »seines« Viertels auch einige Hidden Champions und weltweit agierende Unternehmen wie beispielsweise beyerdynamics oder im angrenzenden Telefunkenpark Unternehmen wie Zeag, AIM, Azurspace Solar Power, Microchip Automotive, Vishay, Lidl und Kaufland gibt, um nur einige der Global Player, die unter anderem aus der Heilbronner Bahnhofsvorstadt agieren, zu nennen. Nein – es wird schwieriger, im ehemals unbeachteten Heilbronner »Kiez« zu überleben. Das »Schätzchen Bahnhofsvorstadt« wurde bereits erkannt und es wurde investiert. So sind Wohngebäude teilweise saniert und teuer vermietet oder neue moderne Häuser in die alten Strukturen eingebaut worden. Dies alles mit Sicherheit nicht zum Nachteil der Investoren. Davon kann auch der kleine bulgarische Markt ein Lied singen. Dort werden original bulgarische Lebensmittel verkauft und es gibt auch eine kleine Bewirtung. Da sitzen ein paar Landsleute des Inhabers zusammen – fern der Heimat, der sie gemeinsam vor dem kleinen Lädchen sitzend doch etwas näher sind. Sie treffen sich regelmäßig dort. Doch lange wird das nicht mehr so sein. Das Haus wurde verkauft, der neue Eigentümer verlangt die doppelte Pacht und der Inhaber wird zwangsläufig seinen Laden räumen und nach Böckingen umziehen. Tradition und Vielfalt Gleich um die Ecke, an einem weiteren türkischen Lebensmittelgeschäft vorbei, befindet sich ein weiterer Traditionsbetrieb, die 1935 in Döbeln von Georg Hohmann gegründete Handelsdruckerei Hohmann. Wegen der wirtschaftlichen Situation in der damaligen DDR erfolgte 1949 ein Neuanfang auf einem Ruinen-Grundstück in Heilbronn. 1962 dann der Umzug in das jetzige Gebäude in der Roßkampffstraße, wo das Familienunternehmen mittlerweile Funktionsbekleidung Wanderschuhe Rucksäcke Lust auf Abenteuer? Worauf wartest du! Edisonstr. 3 | 74076 Heilbronn | Tel. 07131-87055 Kapitel 33

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unter Anleitung des Profis selbst geschnippelt und gekocht werden kann. Außerdem gibt es monatlich stattfindende Dinner mit thematischen Schwerpunkten wie »Jahreszeiten«, »lokale Produzenten«, »Länderküchen« oder »Wein«. Gleich in der Nähe dann wieder die CDU, ein Architekturbüro und Unternehmen wie Top Food, ein Familienunternehmen, das seit seiner Gründung im Jahre 1978 europäische Nahrungsmittel-Spezialitäten vermarktet. Dabei ist das Unternehmen auf Nischenprodukte spezialisiert, wobei der Schwerpunkt auf britischen Produkten, wie beispielsweise Keksen, liegt, die aufgrund ihrer international geschätzten Premiumqualität ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen. Traumräume Ebenso ausgefallen ist das Konzept von Daniela und Marco Dikta. Das Quereinsteiger-Ehepaar – sie ist gelernte Betriebswirtin, er Informatiker – hat sich gegenüber des Hauptbahnhofs den Traum vom eigenen Restaurant und Hotel erfüllt. Daniela Dikta: »Am Anfang war es vor allem mit der Bar und dem Restaurant schwer, Fuß zu fassen. Es hat ein bis zwei Jahre gedauert, bis sich das Pearls and Diamond herumgesprochen und einen Namen gemacht hat, so dass wir eine treue Stammkundschaft aufbauen konnten. Mit dem Hotel ging das in einem Zeitraum von etwa einem halben Jahr dagegen außergewöhnlich schnell.« TraumRaum heißt das Hotel und das wird seinem Namen auch gerecht. So sind alle 23 Zimmer »Traumräume« und entsprechend einer Stadt oder einer Insel benannt und eingerichtet. Oben: Angebotsvielfalt aus dem Mittleren Osten: der Pamir Supermarkt von Inhaber Mohammad Alyas Kakar am Kaiser-Friedrich-Platz Mitte: Haben ihrem Traum Raum gegeben: Marco und Daniela Dikta sind Macher und Gründer des Hotels TraumRaum mit angeschlossenem Restaurant, dem Pearls and Diamond Unten: Kunst & Tapas: In der Jäkbar / Mojäk Galerie bei Serpil und Francisco gibt es Anregendes für Leib und Seele vier Generationen überspannt. Ebenso bunt wie die zahlreichen Druckerzeugnisse der Handelsdruckerei stellt sich die Hotel- und Gastroszene in der Bahnhofsvorstadt dar. Ob indisch im Delhi Palace, griechisch im Mythos, türkisch oder leckere italienische Gerichte im Al Forno, Pasta e Basta oder der Szene-Bar Eckstein – im kleinen Kiez von Heilbronn lässt sich für nahezu jeden Geschmack etwas finden, sogar afghanische und pakistanische Lebensmittel im kunterbunt eingerichteten afghanischen Pamir Lebensmittelmarkt gegenüber des goßen Spielplatzes. Mit einem ausgefallenen Angebot wartet auch Peter von Ribbeck in der ehemaligen Tagbar auf. Neben einem Catering-Service bietet er in seiner Location regelmäßig stattfindende Koch-Events, bei denen Kunst, Kultur und Feiern Einen ganz anderen Traumraum finden die Gäste in der Jäkbar. Dort wird nicht nur wie in den benachbarten Szene-Kneipen Hartmans, Libre, Piano Wine Bar und Eckstein ausgiebig bis spät in die Nacht ausgeschenkt, dort gibt es in der angeschlossenen Mojäk-Galerie ständig wechselnde Ausstellungen unterschiedlicher Künstler zu begutachten. Das Ganze gepaart mit leckeren Tapas sowie einem Shop im hinteren Teil, in dem neben Schmuck und Kunstbüchern auch Vinyl-Schallplatten und Designerobjekte zum Kauf angeboten werden, machen die Jäkbar zu einem eigenen kleinen Kunstobjekt. Und wenn es um Kunst und feiern geht, darf die Zigarre Kunstund KulturWerkHaus mit angeschlossener Bar und Restaurant K28 nicht fehlen. In der ehemaligen Zigarrenfabrik finden Musiker und Tänzer ebenso Platz wie Kunstschaffende, die in unterschiedlichen Bereichen in Ateliers beherbergt sind, und Partyvolk, das im K28 gepflegt abfeiern kann. Mittendrin statt nur dabei… … das sind auch die Senioren in der Bahnhofsvorstadt. Am idyllischen Neckar liegt das Pro-Seniore, ein großes Alten- und Pflegeheim. So gehören auch Rollstuhl, Gehhilfe und Rollator zum selbstverständlichen Bild, das dieser Heilbronner »Stadtteil« zeichnet. All dies sind aber bei Weitem noch nicht alle kleinen und großen »Sehenswürdigkeiten«, die der »kleine Kiez« zu bieten hat und auch in Zukunft bieten kann, sofern Eigentümer, Stadtplaner und potenzielle Spekulanten die Augen öffnen und erkennen, dass es diesen Charme zu erhalten gilt. ◆ Hanix Nr. 56 34 WIRTSCHAFT

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WENN FRÜHER ALLES BESSER WAR UND HEUTE AUCH. HEILBRONNER ORIGINAL. SEIT 1927. Hanix Nr. 40

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Dr. Bernhard Stumpfhaus Nüchtern, besonnen: rackartig Wir sind eine Konsumgesellschaft, darüber sind wir uns einig. Mit unserem Verbrauch fördern wir die Wirtschaft und sichern Arbeitsplätze. Kaufen als Investition in die Wirtschaft und den Wohlstand einer Gesellschaft verschafft deshalb ein gutes Gewissen. Zudem beschert der Konsum dem Verbraucher eine besondere Würde: die Macht zu haben, wie ein König oder ein auserwählt Liebender ein Produkt einem anderen vorzuziehen. Es ist eine Win-Win- Situation für den Verkäufer, der andauernden Profit macht, für den Konsumenten als Souverän. So leben wir in einer Kultur zweidimensionalen Endloswachstums: Zwischen Abszisse und Ordinate zeigen die Kurven stetig nach oben. Damit das so bleibt, darf es keine Stagnation geben, sondern nur noch mehr Verbrauch. So ist es kein Wunder, dass neben dem Krieg, das Schlachtfeld des Massenkonsums und -umsatzes in Echtzeit, vor allem der Süchtige der ideale Konsument ist. Die Gier wurde dann auch in den 1980er Jahren zur Tugend der Epoche verklärt. Wir feiern die dauer-koksenden Börsianer als Erfolgsmenschen, die Stiere der Wallstreet, und Alkohol wird in Rhetorik-Seminaren als bewährtes Mittel empfohlen, die Karriere zu befördern. Der Konsum ist Selbstzweck, die Begierden sind uferlos und bedürfen einer ständigen Befriedigung. Damit die wachsenden Bedürfnisse befriedigt werden, muss allerdings getrickst werden. Die Produzenten sind süchtig nach Geld und Macht, manipulieren ihre Angebote und Waren, haben Probleme mit der Entsorgung ihres Industrie-Abfalls und werfen es nach endlosen Mühen der Vertuschung auf die wilden Müllkippen in Afrika – wie Alkoholiker, die schamvoll das Leergut vor den Blicken der Nachbarn verdeckt fortschaffen wollen. Die Konsumenten sind süchtig nach allem, was angeboten wird: Internet, Sex, Essen, Kleider, Handy, Arbeitskraft, Öl, seltene Erden usw. Bemerkenswert ist allerdings, dass niemand so gescholten wird wie der offenbar Süchtige, den wir als krank bezeichnen. Süchtige werden als eklige Looser angesehen, die in ihrer Willenlosigkeit existentiell schwach sind und es deshalb verdienen, aussortiert zu werden. Sie liegen der Gesellschaft als Sozialschmarotzer auf der Tasche, weil sie Kosten verursachen, damit die solidarische Krankenversicherung belasten, verwahrlost unser Auge beleidigen. Warum diese aggressive Abwehr eines ansonsten so üblichen und unsere Kultur tragenden Verhaltens? Nun, jeder Süchtige, der als solcher kenntlich ist, der seiner Sucht offensichtlich unterliegt, ist eine Nadel an der freischwebenden Blase unserer Kultur: Er offenbart, dass das Ende der Kollaps ist. Unsere Antwort auf diese Herausforderung ist die Antwort von Süchtigen: Obwohl wir erkennen, dass es so nicht weiter geht, die Ressourcen endlich sind, die Landschaften und Meere aussehen wie die Wohnungen süchtiger Messis, steigern wir geradezu mit wütendem Trotz unseren Konsum von Tag zu Tag und nennen es ›Aufschwung‹. Der Süchtige ist Heroe, er unterliegt einer mythischen Schlacht gegen einen Titanen, sein Kampf ist ein tragisches Scheitern. Nicht umsonst ist Dionysos, Gott des Rausches, Ahnherr der Tragödie. Sein Scheitern ist so oder so das Ende des Kampfes: Entweder er stirbt jung an seiner Hybris, ertrinkt besoffen im Pool, begeht mit einer Browning Auto-5-Selbstladeflinte Selbstmord, oder er entscheidet sich, ein langes, unheroisches Leben zu führen unterhalb des Aufmerksamkeits-Radars kreischender Fans, die vor allem Süchtige anbeten, Jimi Hendrix, Keith Richards, Michael Jackson, Charles Bukowski. Bemerkenswert ist, dass die Heroen unserer Gesellschaft in der Hauptsache Künstler sind: Musiker, Maler, Schriftsteller. Sie sind uns Vorbilder; zum einen, weil sie ein Beispiel geben für ein nimmermüdes, ja geradezu übermenschliches Engagement in der Selbstaufopferung für eine Sache, der sie sich verschrieben haben. Sie sind Muster unersättlicher Selbstausbeutung und Produktivität. Zum anderen bieten sie uns bedeutende Alternativen zu der bedeutungslosen Alltagsroutine des ›nine to five‹. Um das Leben als wertvoll zu inszenieren, bedarf es Perspektiven der Umdeutung, des Anders-Seins, der Möglichkeit von Sinn – zumindest einer Illusion davon. Um das zu liefern, muss man ein alternatives Leben führen, neuronal atypisch, stimuliert und inspiriert in Permanenz. Das ist nur durch affektive Hybris, oder – in unserer beschleunigten Zeit – durch chemisch induzierte Stilisierung neuronaler Impulse zu erreichen. Live hard die young! Hätten wir einen Homer, die Illiade wäre die Geschichte Achills als Künstler und Partylöwe mit Motorradtreffen, Rockkonzerten und Feiern. Der Gegen-Held des Achill ist Odysseus, der von den Göttern verfolgte, der es nur mühselig nach Hause schafft, weil das Schicksal ihn verfolgt. Odysseus gilt als nüchtern und besonnen; er leidet unter den Missgeschicken seiner Irrfahrt, lässt sich nicht hinreißen, erträgt es, wenn ihm die Behausung über dem Kopf, das Schiff als Grundlage seiner Fahrt, abbrennen. Er lässt sich an einen Mastbaum binden, um dem Reiz der Sirenen zu widerstehen, verzichtet auf Parties bei Circe. Odysseus ist listig und besteht einfach nur; ›only this and nothing more‹. Wir wissen nicht, wie Odysseus nach seiner Rückkunft zu Penelope sein Alter verbringt – das ist unter dem Radar der Geschichtsschreibung. Vielleicht so? ›Together, happy isolated‹? Markus Racks rackartige Bilder sind zu besichtigen im Wollhaus, im Laden neben der Tiefgarage. Im ars vivendi, Ellwangen, werden seine Bilder präsentiert. Eine umfangreiche Ausstellung hier in Heilbronn ist geplant für Frühjahr 2019, in den Räumen der ZEAG. ◆ Kontakt: www.rackartig.com Hanix Nr. 56 Markus Rack, La Busqueda de Valor del Arte, Öl, Lack/Lw, 100cm x 100cm © Markus Rack KUNST

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„HALB FRAU, HALB KÜNSTLERIN…“ KÄTE SCHALLER-HÄRLIN UND MATHILDE VOLLMOELLER-PURRMANN >> 07.07.–21.10.2018 | KUNSTHALLE VOGELMANN „HALB FRAU, HALB KÜNSTLERIN…“ KÄTE SCHALLER-HÄRLIN UND MATHILDE VOLLMOELLER-PURRMANN >> 07.07.–21.10.2018 | KUNSTHALLE VOGELMANN oben: Käte Schaller-Härlin, Selbstporträt mit Hut, 1906, Familienarchiv Schaller-Härlin, Foto: Robert Thiele, © Stiftung Bundespräsident Theodor-Heuss-Haus, links: Käte Schaller-Härlin, Stuttgart | unten: Selbstporträt Sabine Lepsius, mit Porträt Hut, 1906, Familienarchiv Mathilde Schaller-Härlin, Vollmoeller, Berlin, Foto: um Robert 1900, Thiele, Purrmann-Haus © Stiftung Speyer, Bundespräsident Foto: © Gerhard Theodor-Heuss-Haus, Kayser,Speyer Stuttgart | rechts: Sabine Lepsius, Porträt Mathilde Vollmoeller, Berlin, um 1900, Purrmann-Haus Speyer, Foto: © Gerhard Kayser,Speyer THESEN ZUR KUNST IN HN www.museen-heilbronn.de www.museen-heilbronn.de Die Ausstellung entsteht in Kooperation Die Ausstellung mit dem entsteht in Purrmann-Haus Kooperation mit Speyer. dem Purrmann-Haus Speyer.

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SAUERKRAUT- KOMA Man kann dem Eberhofer Franz, Bayerns beliebtesten Dorfpolizisten, ja durchaus einiges vorwerfen: die Grantigkeit, seine Affinität zum Alkohol, das Phlegma und den Stumpfsinn… Doch wenn es um sein Ansehen bei den Fans geht, ist Verlass auf ihn: Die vier bisherigen Verfilmungen der Bestseller-Reihe von Rita Falk, »Dampfnudelblues«, »Winterkartoffelknödel«, »Schweinskopf al dente« und »Griessnockerlaffäre«, haben bereits 2,4 Millionen Besucher im Kino gesehen. Nun kommt Sauerkrautkoma ins Kino! MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM Die Dreigroschenoper, wie man sie noch nie gesehen hat: anspielungsreich, überbordend musikalisch und frech. In einem filmischen Kraftakt lässt Regisseur und Autor Joachim A. Lang Realität und Fiktion verschmelzen, wechselt fließend zwischen Brechts Kampf gegen die Filmindustrie und seiner Verfilmung der Dreigroschenoper, wie es sie niemals gab. Ein Stoff und eine Form, deren Radikalität und Aktualität ihresgleichen sucht. Hanix Nr. 56 In den Arthaus-Kinos ab 9. August 2018 Deutschland 2018 Länge: 96 Minuten FSK: ab 12 Jahren Regie: Ed Herzog Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Eisi Gulp, u.v.m. In den Universum Arthaus-Kinos ab 13. September 2018 Deutschland 2018 Länge: 136 Minuten FSK: ab 6 Jahren Regie: Joachim Lang Darsteller: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, u.v.a. Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) mag es eigentlich lieber gemütlich. Doch gerade jetzt kommt er aus dem Stress gar nicht heraus. Weil er sich in Niederkaltenkirchen so gut geschlagen hat, wird der Dorfpolizist nun in die Hauptstadt versetzt — also nach München. Da wartet schon der Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) auf ihn. Trotzdem passt die ganze Aufregung dem Franz Eberhofer natürlich gar nicht. Dumm, dass da bald die erste Leiche auftaucht. Während Oma Eberhofer fleißig Care-Pakete aus der Provinz schickt, macht sich Papa Franz (Eisi Gulp) im Opel Admiral auf nach München. Im Sündenpfuhl der Metropole wird sofort sein Auto geklaut. Als der Admiral wieder auftaucht, findet Eberhofer eine Leiche einer serbischen Frau im Kofferraum. Die Spur führt diesmal nach Grünwald. Doch weder Mord noch Großstadt sind Eberhofers größtes Problem - Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) will jetzt endlich heiraten. ◆ Im August 1928 wird im Berliner Schiffbauerdamm Bertoldt Brechts (Lars Eidinger) »Dreigroschenoper« uraufgeführt. Das Stück wird zum vollen Erfolg, was den Urheber dazu veranlasst, sein Werk für eine Filmadaption vorzubereiten. Der Komponist Kurt Weill (Robert Stadlober) steht ihm tatkräftig zur Seite, gemeinsam streben sie danach, die »Dreigroschenoper« auf die große Leinwand zu bringen. Doch ihr Vorhaben, die im 19. Jahrhundert angesiedelte Geschichte rund um den Ganoven Mackie Messer (Tobias Moretti), der mit Polly (Hannah Herzsprung), der Tochter des sogenannten Bettlerkönigs Jonathan Jeremiah Peachum (Joachim Król), durchgebrannt ist, zu verfilmen, scheitert schon bald an den unterschiedlichen Absichten von Autor und Produktionsfirma: Während Brecht nicht weniger als den außergewöhnlichsten Film aller Zeiten drehen will, verfolgen die Produzenten rein wirtschaftliche Interessen. Schlussendlich bringt Brecht die Produktionsfirma sogar vor Gericht ... ◆ ARTHAUS-KINOTIPP

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AUSSERDEM IM KINO Destination Wedding Start: 2. August Regisseur und Drehbuchautor Victor Levin (»Verrückt nach dir«) besetzte dieses ungleiche Duo – Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder) – nun als bindungsgestörte Narzissten und lässt die beiden in seiner romantischen Komödie „Destination Wedding“ wider Willen 72 Stunden miteinander verbringen, was wunderbar funktioniert. Mit einem beachtlichen Gespür für zwischenmenschliche Details und einem überaus beeindruckenden komödiantischen Timing machen Levin und seine Stars aus dem Stoff ein mitreißendes Zwei-Personen-Stück. The Equalizer 2 Start: 16. August Nachdem der ehemalige Regierungsagent Robert McCall (Denzel Washington) aus dem Ruhestand zurückkam, um eine junge Prostituierte vor den Klauen einer russischen Verbrecherbande zu beschützen, führt er seine Arbeit als Beschützer der Wehrlosen und Streiter für das Gute fort. Doch dann wird seine Freundin Susan Plummer (Melissa Leo), die ebenfalls einst für die Regierung arbeitete, entführt und getötet. McCall kennt nur noch ein Ziel: blutige Rache! Mit Hilfe eines Kollegen (Pedro Pascal) macht er sich daran, die Schuldigen zu finden, und deckt dabei eine Verschwörung auf … Alpha Start: 6. September 20.000 Jahre vor unserer Zeit, während der letzten Eiszeit: Der junge Keda (Kodi Smit-McPhee) aus der damals in Westeuropa verbreiteten Kultur der Solutréen geht mit einer Gruppe auf die Jagd, aber der Trip nimmt eine schlimme Wendung, als er in eine Schlucht stürzt. Schwer verletzt wird Keda von seinen Kameraden zurückgelassen, die ihn für tot halten. Umgeben von Eis und Schnee versucht der junge Jäger zu überleben und wieder nach Hause zu kommen. Er zähmt langsam einen Wolf, der von seinem Rudel ausgestoßen wurde. Bald schon kämpfen die beiden Seite an Seite ums Überleben und überstehen gemeinsam zahllose Gefahren. Doch der Winter naht und Keda und der Wolf müssen unbedingt vorher den Weg nach Hause finden … Die Unglaublichen 2 Start: 27. September Nachdem sie mit vereinten Kräften den Superschurken Syndrome besiegt haben, kehrt bei der Superheldenfamilie Parr langsam wieder so etwas wie Normalität ein. Nach der Zerstörung ihres Hauses wohnt die fünfköpfige Familie in einem neuen Heim inklusive Höhle für das Equipment. Mama Helen alias Elastigirl alias Mrs. Incredible setzt sich offiziell als Politikerin für die Rechte von Superhelden ein, wird aber zugleich undercover als Heldin aktiv, während Ehemann Bob aka Mr. Incredible zu Hause bleibt und sich um die Kinder Viole, Dash und Baby Jack-Jack kümmert. Nach wie vor hat die Familie keine Ahnung, welche besonderen Kräfte der Jüngste in der Familie besitzt. Doch dann taucht erneut ein finsterer Bösewicht auf und bedroht die Bürger von Metrovolle ... Entdecken Sie unseren Outdoor-Showroom für Beschattungslösungen! Zertifizierter Fachhändler für SOLIDAY®, LEINER®, FIM®, SHADEONE®, C4SUN®, BAHAMA® & ERWILO® hms easy stretch GmbH | Salzstraße 190 | D-74076 Heilbronn Partner der Garten- und Landschaftsbauer Baden Württemberg OFFIZIELLER PARTNER

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Urlaubsreif, Badstraße 26, Heilbronn, 1. Julil 2018, 19:48 Uhr (Foto: Nico Kurth) 40 Kapitel Hanix Nr. 40

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Der britische Experte für Stadtentwicklung CHARLES LANDRY über den globalen Wettbewerb der Metropolen, warum die Bevölkerung einer Stadt zu hundert Prozent aus Kreativen bestehen sollte und warum er selbst auf dem Dorf lebt. Die beste Stadt für die Welt Sebastian Borger & Peter Lau Fotos: Peter Guenzel Charles Landry ist einer der wichtigsten Berater von Stadtplanern in aller Welt. Bereits in den späten Achtzigerjahren formulierte der Brite das Konzept der »Creative City«, das heute als eine der Grundlagen der modernen Stadtentwicklung gilt. Ursprünglich betonte Landry in seiner Theorie den Wert des kulturellen Lebens einer Stadt, ihrer kreativen Industrie und der dazugehörigen kreativen Klasse. Inzwischen meint er, dass auch die Verwaltung und die zentralen Organisationen kreativer werden müssen, um das Potenzial einer Stadt, ihre Ressourcen und damit letztlich ihren Reichtum zu entfalten. Das Ziel ist eine neue Alltagskultur: »Eine kreative Stadt ist ein Ort, der eine Alltagskultur etabliert hat, in der jeder potenziell kreativ sein kann.« Mit seiner in London ansässigen Agentur Comedia hat der 63-Jährige mehr als 500 Projekte rund um die Welt durchgeführt, die ein weites Feld von Problemen berühren: Eine australische Bergbaustadt will dynamischer werden, Abu Dhabi mit seinen historischen Gebäuden seine kulturelle Vielfalt bewahren, Londoner Shopping-Meilen wollen sich dem veränderten Einkaufsverhalten anpassen. Große Teile der Recherche erledigt Landry selbst. Wenn er eine Stadt kennenlernt, durchquert er sie oft wochenlang, nimmt Hunderte von Fotos auf, spricht mit allen Menschen, die ihm begegnen. Das, sagt er, hilft ihm, die Stadt zu verstehen. Es ist schwer zu sagen, was genau Charles Landry eigentlich tut – und ebenso schwer ist es, darüber zu sprechen. Seine Arbeit an wenig greifbaren Faktoren wie Atmosphäre oder Alltagskultur umreißt der Berater eher, als dass er sie exakt erklärt. Wenn es wichtig wird, ist er allerdings sehr präzise: »Eine Stadt sollte nicht danach streben, die beste Stadt der Welt zu werden, sondern die beste Stadt für die Welt.« Hanix: Herr Landry, Ihre Expertise ist weltweit -gefragt, in diesem Jahr waren Sie schon in Brasilien, Kanada, den USA, China, Malaysia, Japan und mehreren europäischen Ländern. Was erhoffen sich die Leute von Ihnen? Charles Landry: In der Regel rufen mich Städteplaner, weil sie festgestellt haben, dass entweder ihre Stadt als Ganzes oder ein Teil Hanix Nr. 56 INTERVIEW DES MONATS

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davon einen neuen Impuls braucht. In Taipeh zum Beispiel soll ein alter Wissenschaftspark modernisiert werden und ein neuer entstehen. Zu beiden trage ich Ideen bei. Wie gehen Sie dabei vor? Ich suche mir stets vor Ort einen Partner oder eine Gruppe von Leuten, die ähnlich denken. Und diese Leute wissen immer schon eine Menge. Während des Prozesses sehe ich dann vor und zurück: Was ist das Ziel? Welche Bedingungen wollen wir herstellen? Aber auch: Gibt es konkrete Projekte, an denen sich dieses Ziel darstellen lässt? Ich bin ein kritischer Freund, ein sympathisierender Außenseiter, der sich nicht fürchtet, schwierige Fragen zu stellen, aber natürlich auch eigene Ideen präsentiert. Doch ich will nicht wie jemand wirken, der alle Antworten kennt. Es muss das Gefühl entstehen: Wir können etwas gemeinsam erreichen, wenn wir es nur anpacken. Wie sieht das konkret aus? Kürzlich war ich in Minneapolis-St. Paul, den Twin Cities. Da geht es um die Frage, wie die beiden Städte besser miteinander verbunden werden können. Es soll eine neue Nahverkehrsstrecke der Eisenbahn gebaut werden. Und jeder Bahnhof soll nun einen eigenen Charakter erhalten, der wiederum das jeweilige Stadtviertel abbildet. Solche Ideen sind vor Ort vorhanden, ich diene dafür nur als Katalysator. Ich spiegele, was ich höre. Und manchmal sage ich auch: Können wir über dieses oder jenes noch einmal nachdenken? Landry erzählt das lächelnd, und so könnte man ihn für einen netten Onkel halten, der seinem etwas zurückgebliebenen Neffen einen guten Rat mit auf den Lebensweg gibt. Doch der Brite kann auch böse sein. 2007 war er als »Creative Capital Thinker« sieben Wochen in Perth in Westaustralien. In seinem Abschlussbericht »Perth – Stadt oder Kleinstadt« fiel sein Urteil eindeutig aus: »Ich habe 350 Kilometer von Perth durchfahren, von den östlichen Vorstädten bis zu den westlichen, immer auf der Suche nach einem Hauch von Großstadt. Ich will die Vorstädte nicht schlechtmachen, aber Perth besteht zu 98 Prozent aus ihnen.« Landry formulierte seine Kritik detailliert. Sein erster Eindruck in Perth sei von Verbotsschildern geprägt gewesen: Durchfahrt verboten, Einfahrt verboten, Parken verboten, Fußgänger verboten. Perths Innenstadt, schreibt er, scheint ein Ort zu sein, an dem alles verboten ist, was nicht explizit erlaubt ist. »Die Fußgängerampeln sind quasi immer rot. Die längste Grünphase war acht Sekunden, normalerweise ist sie kürzer. (…) Die Annahme, dass das Auto immer Vorrang haben muss, mindert Perths Potenzial, eine lebendige, fußgängerfreundliche, urbane Stadt zu sein.« Das ist harte Kost, zumal wenn man bedenkt, dass sich Perth im weltweiten »Most Livable Cities«-Ranking des »Economist« zurzeit unter den Top Ten befindet: Landry ist nicht nur kritisch, er ist es auch noch im Widerspruch zu angesehenen Kollegen. Damit macht man sich entweder unbeliebt – oder sorgt dafür, dass man ernst genug genommen wird, um wirklich arbeiten zu können. Im Falle Perth klappte das allerdings nicht: Die Stadt gab eine zweite Studie in Auftrag, die 2011 erschien und weniger radikal ausfiel. Was erhoffen sich die Städte von Ihren Ideen? Der globale Wettbewerb um kluge und kompetente Bürger nimmt zu, denn sie sind die wichtigsten Werte einer Stadt. Und solche Leute erwarten von ihrem Wohnort eine hohe Lebensqualität: Dazu gehören die Architektur, der öffentliche Nahverkehr, eine vernünftige Gesundheitsversorgung, Schulen und Freizeitmöglichkeiten sowie ausreichend Wohnraum. In diesen Wünschen unterscheiden sich die klugen und kompetenten Bürger nicht von anderen Menschen. Das stimmt. Der entscheidende Unterschied sind zwei weitere Faktoren, die für besonders talentierte Menschen wichtig sind: Kreativität und Flexibilität. Kreative suchen ein Umfeld, in dem sie auf andere Kreative treffen, in dem Kunst und Kultur wichtig sind. Und sie schätzen eine flexible Alltagskultur. Das deckt sich mit dem US-Ökonomen Richard Florida, der von einer »kreativen Klasse« spricht. Florida behauptet, es gebe einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Stärke einer Stadt und ihrer Anziehungskraft auf Autoren, Musiker, Künstler. Floridas Buch war natürlich gut für mich, weil dem Schlagwort Hanix Nr. 56 INTERVIEW DES MONATS MIT CHARLES LANDRY

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»kreative Klasse« in der öffentlichen Debatte viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Inhaltlich war ich allerdings weniger glücklich. Selbstverständlich gibt es bestimmte Gruppen von Menschen, die kreativer denken und handeln als andere. Wenn Sie aber eine ganze Stadt dazu bringen wollen, sich dauerhaft neu zu erfinden, müssen Sie alle einbeziehen. Darum geht es in Ihrem Konzept der Creative City. Genau. Ich denke weniger in Gruppen, sondern betrachte die schöpferische Energie, den Einfallsreichtum eines Ortes. Ein Unternehmer mit einer tollen Idee ist in dieser Hinsicht ebenso wichtig wie ein Sozialarbeiter, der die Bewohner eines heruntergekommenen Wohnblocks zur Selbsthilfe bewegt. Eine Erfolgsgeschichte ist die Entwicklung des Londoner Bezirks Lewisham. 2001 schrieb Landry den Report »Creative Lewisham«, der mit einer langen Reihe von Vorschlägen endete, vor allem aber empfahl, eine Creative Lewisham Agency einzurichten, die die neue Agenda vertreten und realisieren sollte. Das Büro wurde tatsächlich gegründet, und offensichtlich hat es ganze Arbeit geleistet: Auf ihrer Website verkündet die Bezirksverwaltung stolz, dass Lewisham heute zu den fünf Londoner Bezirken mit der größten Kreativindustrie gehört und in diesem Bereich seit 2005 mehr als 2000 neue Jobs entstanden sind. Weltweit wird darüber debattiert, welches die stärksten Städte sind. Was ist Ihre persönliche Einschätzung? Es gibt bekanntlich diverse Rankings, und die sollte man, genau wie die allgegenwärtigen Uni-Rankings, sehr kritisch betrachten. Fragen Sie stets: Wer bezahlt die Rangliste? Welche Kriterien stehen im Vordergrund? Aber gut, es gibt einen Kern attraktiver Weltstädte: Tokio, New York, London und Paris, in nächster Zeit werden Peking und Schanghai dazustoßen. Tokio muss allerdings meiner Meinung nach aufpassen, dass es seinen Status behält. Und Paris braucht neue Impulse. Spannend ist, dass sich New York gerade umorientiert, vom Feuer zum Eis. Wie bitte? Bisher legten die Branchen Finance, Insurance und Real Estate die ökonomische Basis der Stadt, also FIRE. Jetzt setzen die Verantwortlichen auf ICE: Innovation, Creativity und Entertainment. Und wer gruppiert sich Ihrer Meinung nach um diesen Kern der wichtigsten Metropolen? Es gibt weltweit 10 bis 30 weitere Städte mit einer hohen Anziehungskraft. Dazu gehören zum Beispiel Mumbai und Singapur. Berlin hat enorm aufgeholt, nicht zuletzt durch das Ende der europäischen Teilung. Das hat auch Wien, Prag, Moskau und Budapest in den zweiten Rang globaler Kreativstädte katapultiert, zu dem außerdem westeuropäische Zentren wie Amsterdam, Zürich und Barcelona gehören. Landry hat seine Kindheit in drei Ländern verbracht: in England, Italien und Deutschland. In München ist er einige Jahre zur Make it yours ! USM pfl egt die wohlüberlegte Reduktion: klassisches Design, klare Formen, unaufdringliche Eleganz. ALEXANDER GERST Bodo Linkohr Bürokonzepte Fischeräcker 14, 74223 Flein, Tel. 07131/58 20 50 linkohr@linkohr-buerokonzepte.de, www.linkohr-buerokonzepte.de 43 45

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Schule gegangen und hat dort auch sein Abitur gemacht. Das Aufwachsen in drei Kulturen habe sein Denken stark beeinflusst, glaubt er, sodass er bei der Betrachtung von Problemen weniger einen bestimmten, engen Fokus hätte, sondern versuche, einen größeren Blickwinkel einzunehmen. Braucht man für eine Weltstadt ein Wahrzeichen, so etwas wie den Pariser Eiffelturm oder das Opernhaus in Sydney? Das ist eine wichtige Frage: Wollen Sie eine Ikone haben, mit der Ihre Stadt weltweit identifiziert wird? Oder schaffen Sie die kreative Stadt lieber durch 100 gut funktionierende Projekte? Idealerweise gibt es natürlich beides. Viele architektonische Ikonen gehen auf Entwürfe eines kleinen Kreises von Stararchitekten zurück: Norman Foster, Herzog & de Meuron, Zaha Hadid, Renzo Piano. Da zeigt sich die Zweischneidigkeit der Globalisierung: Einerseits wollen die Verantwortlichen etwas Besonderes haben, andererseits werden damit überall dieselben weltbekannten Architekten beauftragt. Das mag sein. Doch sie zeugen von einem Gestaltungswillen der Menschen vor Ort, die kreativ über ihre Stadt nachdenken. Es ist ganz wichtig, das eigene Potenzial zu entfalten – für Städte wie für Individuen. Das Budget für die Elbphilharmonie hat sich binnen weniger Jahre vervielfacht. Das zeugt nicht von guter Gestaltung. Ich kenne die Details nicht, aber mein Instinkt sagt mir: Diese Ikone wird gelingen und Hamburg auf die kulturelle Weltkarte setzen. Das passiert bei 100 solcher Projekte höchstens vier-, fünfmal. Es geht nicht um kurzfristige ökonomische Probleme, sondern um den Standort und die Präsenz des Bauwerks direkt am Wasser, wo sich das Licht bricht und spiegelt. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel, das sich auf Landrys Website (www.charleslandry.com) findet: Valloria, ein winziges Dorf in Ligurien, war von einem dramatischen Niedergang bedroht, bis jemand auf die Idee kam, die Türen der Häuser von Künstlern bemalen zu lassen. Heute finden sich in Valloria rund 100 dieser bemalten Eingänge, der Ort ist als das »Dorf der bemalten Türen« bekannt. Es gibt inzwischen wieder ein Restaurant, Touristen und Sommerfeste, bei denen weitere Türen bemalt werden. Die Kosten dieser Revitalisierung waren vermutlich winzig, doch der Effekt war enorm. Das ist kulturelle Stadtentwicklung in ihrer effizientesten Form. Sie betonen immer wieder, dass ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung einer Stadt die Führungskraft der Verantwortlichen vor Ort sei. Das ist sicherlich eine Stärke dezentraler Staaten. Regionen und Kommunen in Deutschland oder Spanien haben viel größere Kontrolle über ihre Budgets. In Großbritannien dagegen hängen die Städte von der Zentralregierung ab. Das führt überall zu Staus, manchmal sogar im Wortsinn: Birmingham zum Beispiel ist die größte Stadt Europas ohne Metro-Netz, obwohl es angesichts des dortigen Dauerstaus keinen Zweifel gibt, dass ein besseres Nahverkehrssystem nötig wäre. Auf dem Kontinent könnte sich eine Stadt in solch einer Situation das nötige Geld auf dem Kapitalmarkt besorgen. England muss in London darum betteln. Deutsche Kommunen jammern auch gern. Aber sie können eigene Ambitionen in die Tat umsetzen. Denken Sie an Stuttgart 21 oder die Hamburger Elbphilharmonie. Beides sind höchst umstrittene Projekte. Seit einiger Zeit beschäftigt sich Landry mit den Rahmenbedingungen der Creative City. Dabei ist er auf den Begriff der kreativen Bürokratie gekommen, eine Kombination, von der er selbst sagt, sie sei ein Widerspruch in sich. Aber: »Die Frage ist nicht: Was ist der Wert einer kreativen Bürokratie? Sondern: Was kostet es uns, keine kreative Bürokratie zu haben?« Landry schlägt naheliegende Veränderungen vor, flache Hierarchien und mehr Kompetenz für Beamte in niedrigen Positionen. Dabei stützt er sich unter anderem auf eine selbst durchgeführte Umfrage, bei der untere Verwaltungsangestellte ihren Unmut darüber äußerten, dass sie bei ihrer Arbeit nur ungefähr 60 Prozent ihrer Fähigkeiten nutzen konnten. Als ein Beispiel guter öffentlicher Verwaltung gilt dem Experten unter anderem der Bau des Solarviertels Vauban auf einem ehemaligen Kasernengelände in Freiburg. Bei der Entwicklung des Viertels war die Stadt flexibel, dafür aber an einigen Stellen sehr konsequent. Landry zitiert den Leiter des städtischen Planungsamtes Wulf Daseking: »Wir hatten ein paar Prinzipien – und die haben wir durchgesetzt.« Das Ergebnis wurde auch international gewürdigt: Freiburg war Europäische Stadt des Jahres 2010. Sie sind ein bekannter City-Guru, leben aber selbst auf dem Land. Warum? Ach, das kennen doch viele: Ich mag die Leere und Stille auf dem Land ebenso wie das Vibrierende, Laute, Grelle der Stadt. In meinem Fall kam hinzu, dass mein Sohn als Kind an Fieberkrämpfen litt und die Ärzte zu einer ruhigen Umgebung rieten. Inzwischen ist er vollkommen genesen. Und ich genieße das Pendeln zwischen meinem Dorf, in dem Handys keinen Empfang haben, und London. Hanix Nr. 56 INTERVIEW DES MONATS MIT CHARLES LANDRY

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In welchem Verhältnis steht das Bedürfnis nach Leere, Nichtstun und Stille zur Kreativität? Es ist eine Voraussetzung dafür. Für meine Arbeit ist es entscheidend, einen frischen, offenen Blick auf eine Situation zu werfen. Dazu sind Ruhe und Kontemplation ungeheuer wichtig. Charles Landry hat sein Konzept der Creative City immer weiterentwickelt, und es sieht nicht so aus, als würde er damit jemals aufhören. Zurzeit umfasst sein Konzept zwölf grundsätzliche Punkte. Er plädiert unter anderem für eine ausgewogene Mischung aus lokaler und globaler Kultur, spricht sich gegen die uneingeschränkte Macht der Märkte aus und rät, Wirtschaftsprojekte zu fördern, die ökonomisch und ethisch wertvoll sind. Man möge von anderen lernen, sie aber nicht kopieren. Man möge den Bürgersinn fördern und die Umwelt schützen. Ein wichtiger Punkt: »Städte brauchen eine Geschichte, eine kulturelle Erzählung über sich selbst, um sich zu verankern, eine Identität zu entwickeln und ihre Bürger zu wecken.« Und nicht zuletzt: »Beteilige die, die von deinen Handlungen betroffen sind, an deinen Entscheidungen.« Ja, das liest sich im ersten Moment wie eine Sammlung populärer Klischees. Aber das ändert sich, wenn man die Sätze ernst nimmt. Wie definieren Sie eigentlich eine Stadt? Wo beginnt für Sie die kritische Masse? Na, so um die 100.000 Einwohner müssen es schon sein. Ich habe mich mit dieser Frage sehr intensiv beschäftigt. Kleinere Orte neigen dazu, mehr nach innen zu schauen. Andererseits können in kleineren Städten wenige Menschen eine dramatische Veränderung bewirken. Gent in Belgien hat ein sehr gutes Programm. Und Umea in Schweden machte große Fortschritte auf dem Weg zu Europas Kulturhauptstadt 2014. Und alle konkurrieren um talentierte Leute. Insofern hat Richard Florida recht. Aber er spricht von 25 bis 30 Prozent der Menschen. Ich hingegen sehe die ganze Stadt als Kreativ-Biotop, zu dem auch die anderen 70 Prozent gehören. Woraus besteht die Stadt, wenn nicht aus ihren Bewohnern?, heißt es schon bei Shakespeare. Eben. Natürlich ist nicht jeder Mensch schöpferisch tätig. Aber wenn jeder nur fünf Prozent an Erfindungsreichtum hinzugewinnt, gewinnt die Stadt als Ganzes. Die Erfahrung hat mich gelehrt: Wenn Sie die bestehende Kultur ernst nehmen und nicht immer alles gegen den Strich bürsten, geben Sie den Leuten das Gefühl, es sei alles okay. Und dann wird Veränderung leichter. ◆ Ein Interview aus »›City of Wood. Da geht noch was.‹ Ein Magazin von brand eins Wissen im Auftrag von B&O« Anbieter: Mineralbrunnen Teinach GmbH · Badstraße 41 · 75385 Bad Teinach · www.teinacher.de ALEXANDER GERST 43 47

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Titelthema: [S. 50–76] BAHNHOFSVORSTADT »Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt.« Perikles (493 v.Chr - 429 v.Chr.), griechischer Staatsmann und General Artwork: Kathrin Leisterer-Miskovic Hanix Nr. 56 MYSTERIUM BAHNHOF → S. 50 Angekommen im Bahnhofsviertel → S. 58 ILLUSTIERTE VISIONEN FÜR DIE BAHNHOFSVORSTADT → S. 60 Urban-Love-Sharing → S. 66 WALKING BAHNHOFSVORSTADT → S. 68

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Aller Augen auf den Neckarbogen? Nicht nur darum haben Hanix und die DHBW Heilbronn die Bahnhofsvorstadt ins Visier genommen. Der Neckarbogen hat Zukunft, zweifellos, die Bahnhofsvorstadt hat eine Vergangenheit und eine Zukunft. Der Neckarbogen entstand am Reißbrett, die Bahnhofsvorstadt im Wandel und Wachsen der Menschen, die hier lebten und leben, wohnten und bauten. Der Neckarbogen macht vielleicht einmal Geschichte, die Bahnhofsvorstadt hat Geschichte und Geschichten, davon mehr als genug und jede Einzelne ist »typisch!« für dieses Stadtquartier. Man kann es sich darüber erschließen oder über einen Gang durch die Straßen, die in ihrer Mischung von alt und neu, von anspruchsvoller Architektur und solcher, bei der man eher wegschauen möchte, durch die Wünsche und Vorstellungen, wie sie beim letzten Gedankenaustausch auf dem Bildungscampus so vielfältig geäußert wurden. Die Aufforderung gilt aber allen, denen Heilbronn etwas bedeutet: Hinschauen, hinhören, mitdenken, mitmachen. Von Brigitte Fritz-Kador, Fotos: Meli Dikta, Ulla Kühnle & Nico Kurth Die Mysterien beginnen am Hauptbahnhof Hanix Nr. 56 Eine Bahnhofsvorstadt ist eine solche, weil sie einen Bahnhof hat. »Die Mysterien beginnen am Hauptbahnhof«, sagte Joseph Beuys, u. a. in einem Spiegel-Interview. Ein Satz, der lebensbestimmend für ihn war, den er, als er 1985 (ein Jahr vor seinem Tod) gebeten wurde, Sätze, die ihm persönlich wichtig sind, auf kleine Schiefertafeln zu schreiben (sie sollten als Vorlage für eine Serie von Postkarten dienen). Er lautet im Übrigen vollständig so: »Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt, nicht im Goetheanum.« Das Goetheanum (in Dornach in der Schweiz) ist als Hinweis darauf zu lesen, dass er Anthroposoph war. Vielleicht war es ihm damals, nach dem Zweiten Weltkrieg, noch ziemlich egal, dass der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 über diesen nun so zerstörten und einstmals so imposanten Hauptbahnhof zu einem Vortrag nach Heilbronn gekommen war. Als im Krieg verwundeter und nun heimkehrender Soldat kam Beuys abends, bei Dunkelheit, am Hauptbahnhof Heilbronn an. Ein Beamter weigerte sich, ihm die Papiere für seine Weiterfahrt zu übergeben. Er hätte im Wartesaal übernachten müssen. Das wusste er zu verhindern, widersetzte sich dem Mann (tätlich!) und legte in der Schalterhalle den Hauptschalter um. Der Strom fiel aus, es war dunkel, Beuys konnte die beschlagnahmten Papiere wieder an sich nehmen und weiter Richtung Heimat fahren. Die Symbolik vom Umlegen eines Hauptschalters drängt sich geradezu auf – wer hätte nicht schon einmal diese Versuchung gespürt? Und man kann sie weiterspinnen: Zufall oder Bestimmung, dass das in Heilbronn, der Stadt Robert Mayers, in der das Wort »Energie« eigentlich erfunden wurde, passierte? Was kann man daraus alles machen, wenn man wollte. »Man« wollte nicht, aber die DHBW Heilbronn und Hanix wollen. Die Schwarmstadt soll nicht im Sphärischen bleiben, die erste Stufe der Realisierung haben Prof. Yvonne Zajontz und Robert Mucha schon gezündet. Denn es war höchste Zeit, für Heilbronn den Schalter umzulegen, auch um die Stadt für junge Leute so zu erhellen, dass ihnen das Licht hier gefällt. Ein ziemlich cooles, einmaliges Quartier mit Geschichte Die Energien der Stadt richten sich im Augenblick nicht auf die Bahnhofsvorstadt. Das hat auch sein Gutes, gibt Luft für eigene, originäre, nicht zuerst einer den Marktgesetzen, auch denen des Immobilienmarktes unterworfene Kreativität. Das Bahnhofsviertel als Labor für kreative Stadtentwicklung macht zunächst einmal bewusst, was es jetzt schon ist: ein ziemlich cooles, einmaliges Quartier mit Geschichte und einem hier immer noch anzutreffenden Geist, der Zukunft möglich macht. Dabei hat »Energie« auch schon früher das Bahnhofsviertel bestimmt – und erleuchtet! Mit einer technischen Pioniertat: Als erste Stadt der Welt (sic!!!) hat Heilbronn die Bahnhofstraße von mit Drehstrom erhellten Bogenlichtlampen erleuchtet, das war am 16. Januar 1892. Auch dafür musste man einen Hauptschalter umlegen. Und um noch etwas weiter zurückzugehen, zum Thema »Licht« ist beim Stadtarchiv nachzulesen: »Friedrich Michael Münzing hatte als Erster in Württemberg und Dritter in Deutschland im Jahr 1840 mit der Herstellung von Stearinkerzen begonnen. Es wurde sein erfolgreichster Produktionszweig, denn bei der Innenraumbeleuchtung behaupteten Kerzen durchaus ihren Platz: Gegenüber Öl, Petroleum, Benzin und Gas waren sie konkurrenzlos billig, sie gaben kaum unangenehme Gerüche von sich und brannten relativ rußfrei, nachdem 1825 der geflochtene Docht erfunden worden war. Außerdem waren die Ansprüche, der ›Lichthunger‹, gewachsen und auch in den Wohnungen der Ärmeren war helleres Licht zum ›unabweislichen Bedürfniß‹ geworden.« Die Villa der Münzings stand in der Bahnhofstraße. Sie steht nicht mehr, genauso wenig wie der 1874 erbaute Hauptbahnhof, der trotz Kriegszerstörung noch funktionsfähig MYSTERIUM HAUPTBAHNHOF war. Vor dem imposanten, breit ausladenden Bau im Stil der Neorenaissance breitet sich der großzügige Bahnhofsvorplatz aus, gegenüberliegend standen eine Reihe von Hotels, von piekfein bis bürgerlich. Wer hier ankam, erfuhr etwas über das Selbstverständnis der Stadt. Davon kann nicht mehr die Rede sein, trotz der Dachkonstruktion über den Stadtbahngleisen von Jörg Schlaich, trotz der Umbenennung in Willy-Brandt-Platz auf Initiative von Sibylle Mösse-Hagen. Ein Jammer darum, oder auch nicht, denn jetzt steht auch der Nachfolgebau von 1958 bereits unter Denkmalschutz. Dass das Postamt 2 daneben so wiederaufgebaut wurde, wie es einmal war, vermittelt immerhin eine Ahnung davon, wie das Bahnhofsumfeld mit Licht, Glanz und Gloria einstmals ausgesehen hat, mit nicht schamhaft verstecktem Reichtum, sondern gelebt in prachtvollen Villen, die dann im und nach dem Ersten Weltkrieg auch zu Zeugnissen patriotischen Bürgersinns wurden. Die Münzings waren nicht die Einzigen, die ihre Villa zu einem Lazarett umfunktionierten. Eine Postkarte von 1916 zeigt das herrschaftliche Anwesen, in dem höhere Töchter kriegsversehrte Soldaten pflegten. Es waren übrigens nur deutsche, der Umgang mit französischen Verwundeten war untersagt. Man hatte Angst, dass die Jungfrauen dem französischen Charme unterliegen. Neben dem Hotel Royal (heute insel-Hotel), dem Central-Hotel der Familie Daum, deren Patron aussah wie Kaiser Franz-Joseph und der seine Angestellten schon 1933 in die NSDAP beorderte, um Ruhe zu haben, der hier u. a. Heuss als Gast hatte, das Haus Vaterland, der Elefant, der Kronprinz und der schon vor dem Weltkrieg nicht mehr existierende Gasthof zur Eisenbahn, ein imposanter Bau im Stil des Historismus, in dem die feine Gesellschaft von Heilbronn feierte. Als am 15.Mai 1880 Ferdinand Reibel, Sohn von einem der damals reichsten Heilbronner Industriellen, Kommerzienrat Carl Reibel, mit Antonie Meissner Hochzeit feierte, gab es dort diese Speisenfolge: Krebs-Suppe, Austern-Pastetchen und Forelle blau mit »holländischer Tunke«, dazu »Heilbronner Riessling 1874er«. Zum folgenden Lendenbraten mit Erdschwämmen und Spargeln und neuen Bohnen mit »Hammels-Rippchen« reichte man einen Bordeaux St. Estèphe, zum anschließenden »Brieslen« in Trüffeltunke, Aal gebraten und französische Hahnen, Salat und Dunstobst einen Schwarzberger Mosel. Als Dessert gab es Haselnuss-Pudding, Gefrorenes, Fest-Torten und Backwerk mit Südfrüchten, dazu Heidsick-Champagner.

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Das soziale Gefüge war fein gesponnen, vielleicht feiner noch als heute Journalist und Stadtrat Rudi Fritz, aufgewachsen in der Bahnhofsvorstadt, in der Roßkampffstraße 4, hat viele seiner Jugenderinnerungen von hier schriftlich festgehalten. Das Haus mit den schönen Runderkern steht heute unter Denkmalschutz, es war 1913 als Mietshaus von Rudolf Braunwald gebaut worden, wird dem Jugendstil zugerechnet und so beschrieben: »Die elegante siebenachsige Fassade mit ihren schmalen vertikalen Bändern und den zierlichen Balkonvorsprüngen mache es zu den anspruchsvollsten Jugendstilhäusern der Stadt.« Vor dem 4. Dezember 1944 war das Gebäude doppelt so breit und reichte bis zur Ecke Olga-/Roßkampffstraße, heute steht nur noch der Hauptgiebel. Was bedeutete es, in der Bahnhofsvorstadt im Dritten Reich aufzuwachsen? Er beschreibt, wie man die ungeliebten weil unverwüstlichen Bleyle-Anzüge doch noch durchwetzen konnte, in dem man die steinerne Treppenbalustrade am Hauptbahnhof oft genug hinunterrutschte, wie man auf dem zugefrorenen Winterhafen (heute zugeschüttet und Teil des Buga-Areals) Schlittschuh laufen konnte, wie gefährlich der Schulweg in die Rosenauschule bei Fliegeralarm war, noch gefährlicher aber der durch die übel beleumdete Fischgasse, wie geradezu lebensgefährlich ein Pimpf namens Frieder Weber (der legendäre Wirt der Harmonie) lebte, der als Führer des »Fähnlein 2 Bahnhofsvorstadt« lauthals verkündete, »dass der Krieg sowieso verloren ist«. Das soziale Gefüge war fein gesponnen, vielleicht feiner noch als heute, das haben Diktaturen so an sich. Dazu gehörte auch, dass der Besitzer des Royal, Willy Maier, der Vater von Insel-Hotelier Hans-Georg Mayer, im Souterrain des Hauses aus rotem Zuckerguss Osterhasen goss, später auch Panzer und Kanonen, den »Bruch« an die vor dem Fenster wartenden Kinder verschenkte. Den Führer in den Neckar werfen In der jüngsten Ausgabe der »Heilbronner Köpfe« schreibt Peter Wanner vom Stadtarchiv über Wilhelm Hofmann, den gefeierten Pionier der Sonderschulpädagogik, erst vor einem Jahrzehnt als aktiver Apologet von Hitlers Rassentheorien enttarnt, folgendes: »Als 1936 die Besetzung der Schulleiterstelle der mit der Böckinger Hilfsschule vereinten Heilbronner Hilfsschule – sie hieß nun Pestalozzischule – anstand, bewarb sich auch Wilhelm Hofmann um die Stelle. Er hatte sich durch sein fachliches Engagement eine gute Ausgangsstellung verschafft, die durch ein ›Politisches Zuverlässigkeitszeugnis‹ durch die NSDAP-Ortsgruppe Heilbronn Bahnhofvorstadt verstärkt wurde.« Der stellv. Ortsgruppenleiter Richard Bäuerle schilderte Hofmann (seit 1.5. 1933 Parteigenosse) als »fähigsten und zuverlässigsten Mitarbeiter« und natürlich bekam er die Stelle. Auch Rudi Fritz erinnerte sich an Bäuerle als jemanden, der seine Mutter »plagte«, weil sie ihre Kinder nicht in den NS-Kindergarten, sondern in den evangelischen schickte, der ihm dann nach dem Krieg, als höherer Angestellter einer öffentlichen Institution wieder begegnete. Es gab noch andere prominente Nazis und überzeugte Parteigänger wie auch Parteigängerinnen in der Bahnhofsvorstadt. Aber es gab auch Widerstand. Wilhelm Murrweiß wurde als Kommunist 1934 von den Nazis verhaftet, in Stuttgart zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, danach in ein KZ verbracht und ist dort wohl umgebracht worden, auch wenn es eine zweite Version zu seinem Tod gibt. Der Grund der Verurteilung war, dass er »1934 den Führer Adolf Hitler bei seinem einzigen Besuch in Heilbronn in den Neckar werfen wollte«. Die Mutter der vier Murrweiß-Kinder arbeitete als Spülerin in der Trappenseegaststätte, um sie durchzubringen. Frau oder Kind eines KZ-lers zu sein war alles andere als einfach. Die Bitte der als tapfer beschriebenen Mutter um Hilfe bei Kreisleiter Drautz stieß hier erst recht auf taube Ohren. Dass viele Bewohner der Bahnhofsvorstadt den Angriff vom 4. Dezember 1944 überlebten, war dem Theresienturm (damals General-Wever-Turm) zu verdanken: Sie waren berechtigt, ihn zu betreten. Bundesweite Berühmtheit erlangte der Kronprinz aber wegen des »Killers von St. Pauli« Von der der Hotellerie-Szene rund um den Bahnhof ist nicht mehr viel geblieben, an die Tradition knüpft u. a. Das Hotel TraumRaum an. Lange BAHNHOFSVORSTADT Hanix Nr. 56

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Jahre noch gab es den Kronprinz, souverän geführt von Marianne Weber, der Schwester von Frieder Weber. In den Nischen der populären Wirtschaft, Treffpunkt der Wirtschaft, ging es in den Wirtschaftswunderjahren hoch her. Hier saßen die Bosse von NSU und Fiat mit Heilbronner Fabrikanten und der damals noch existenten »High Society« der guten Namen und des alten Geldes zusammen. Einer der Gründe waren die »besten Maultaschen der Stadt«. Bundesweite Berühmtheit erlangte der Kronprinz aber wegen des »Killers von St. Pauli«, Wolfgang Pinzer. Der Auftragskiller, der sich vergeblich bemüht hatte, im dortigen Rotlichtviertel zu den Kiezgrößen aufzuschließen, auch nicht um den Preis von dreizehn Auftragsmorden. Bei seinem »Grand Finale« 1986 nahm er vor Gericht den Staatsanwalt und seine Frau mit in den Tod, bevor er sich selbst erschoss. Er war 1984 mit zwei Komplizen – per Bahn – nach Heilbronn gekommen, da lag der Kronprinz günstig. Bis heute fasziniert dieser Mensch, das Internet ist voll von Geschichten. So erfährt man auch den Anlass der Reise nach Heilbronn: »... nun stellte sich die Frage, was noch zu tun sei. Die Zuhälter auf St. Pauli wurden zunehmend größenwahnsinnig und versuchten, sich immer mehr Städte (West-)Deutschlands untertan zu machen. Dabei schauten sie nicht mehr nur auf nahe Städte wie Hannover oder Kiel, sondern auch auf Süddeutschland und hier beispielsweise auf Heilbronn. Heilbronn am Neckar lag auf einer Handelsstraße in Richtung Frankfurt und war durch seine damalige US-Garnison ein wichtiger Nachfragefaktor für Nutten und Drogen. St. Pauli versuchte nun, über die Karlsruher Zuhälter als Hebel, zunehmend Kontrolle über Heilbronn zu bekommen. Die dortigen Zuhälter unter der Führung des selbstbewussten Hannes Söhner wehrten jedoch mehrere Angriffe ab, konnten aber nicht verhindern, dass einige ihrer Männer zusammengeschlagen wurden.« Da schau an! Ach, hätten sie alle doch das Gedicht der Lyrikerin und Schriftstellerin Gabriele Wohmann zu Heilbronn beherzigt. In einem FAZ-Nachruf von 2015 auf sie wird Wohmann »eine der besten und eigenwilligsten literarischen Stimmen des Landes« genannt – und so liest sich auch dieses Gedicht: »Mit mir könnte man sogar reden/ Plötzlich auf dem Bahnhof von Heilbronn / Wo ich den Kopf hinhielt / Für mein Leben, ganz gern. / Rechtzeitig bin ich abgefahren.« Die Mysterien des Hauptbahnhofes, sie gehen noch weit zurück. Dass Bahnhöfe mystische Orte sind, erklärt ihren hohen Stellenwert in der Literatur. Wo man ankommt und wo man Abschied nimmt, das ist eben kein x-beliebiger Ort. Lampedusa wählt in seinem Roman »Der Leopard« für die Begegnung seines Protagonisten mit dem Tod in Gestalt einer jungen Frau den Bahnhof von Catania. Der zitierte Satz von Beuys wird übrigens auf Marcel Proust zurückgeführt, der ebenfalls eine große Affinität zu Bahnhöfen hatte und beim Betrachten eines Bildes von Monet, der den Bahnhof St. Lazare gemalt hatte, sagt, das Bild erinnere ihn daran, dass sich unter dessen Wölbung (Glasdach) »nur etwas Furchtbares und Feierliches vollziehen könne, eine Abfahrt auf der Eisenbahn oder die Kreuzerhöhung.« Da ist es doch viel tröstlicher, was Rainer Maria Rilke 1907 in einem Brief an Mathilde Vollmöller nach Paris über seinen Aufenthalt auf dem Heilbronner Hauptbahnhof schrieb. »Viktor Holl, Bahnhofsrestauration« war der Briefkopf: »Donners- VON MÄRZ BIS NOVEMBER Hop On Hop Off STADTFÜHRUNGEN IM CITYTOUR- CABRIO-BUS Die Bahnhofsvorstadt - der Kiez von Heilbronn. Entdecke weitere 49 Highlights mit dem Hop-On-Hop-Off-Bus. Infos zur Tour auf WWW.HEILBRONN-MARKETING.DE oder in der Tourist-Information Heilbronn, Tel. +49 7131 56 22 70.

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tag, 31.10.1907 – Ich fahre allein in kleinen Zügen, fast immer um Stuttgart herum. Abwechselnd nahe und wieder entfernter, wie um die Zeit hinzubringen bis zum nächsten ernsthaften Eilzug, von dem es heißt, dass er hier, in Heilbronn durchkommt. Alle sprechen mit Respekt von ihm, weil er einen Wagen hat, der bis Nürnberg geht und auch sonst großartige Manieren, und so wird meine Reise gegen Abend wieder ein anderes Tempo annehmen«. Der nächste Brief an Mathilde Vollmöller kam im November aus Venedig, Rilke war also auf der Reise dorthin durch Heilbronn gekommen. Wie gut trifft es sich, dass die Kunsthalle Vogelmann gerade die Ausstellung »Halb Künstlerin, halb Frau« zeigt, mit Bildern von Mathilde Vollmöller. Da müssen doch die Ohren der Heilbronner klingeln, die immer noch um einen ICE-Anschluss »für die Stadt im Aufbruch« kämpfen. Hier zeigt sich der Wandel von Lebensformen besonders deutlich Aber wie stellt sich dieser »Aufbruch« für die Bahnhofsvorstadt dar? Im letzten Oktober hat das Amt von Bürgermeisterin Agnes Christner einen neuen Sozialdatenatlas herausgegeben. Er ist Grundlage für die Zukunftsplanungen der Stadt in allem, was mit Menschen zu tun hat und gleichzeitig ein interessantes Spiegelbild von Entwicklungen und der Gegenwart. Man mag es vielleicht nicht gleich glauben, aber das ist eine spannende Lektüre, aus der man mehr lernt als aus den für Meinungsmache instrumentalisierten Internetforen über Heilbronn. Er ist über die Homepage der Stadt abrufbar. Die Bahnhofsvorstadt wird zur Kernstadt gezählt. Die Unterschiede innerhalb der einzelnen Planungsbezirke sind oft groß. So betrug der Anteil der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Innenstadt 61,5 Prozent, das sind zehn Prozent über dem Durchschnittswert für Heilbronn. In diesem Bereich lebten mit 81,3 Prozent Anteil an der vergleichbaren Bevölkerung viele Kinder und junge Erwachsene bis 20 Jahre, die interkulturell geprägt sind. Der geringste Anteil war mit 68 Prozent im Planungsbezirk Kernstadt-Ost und der höchste Anteil mit 87,1 Prozent im Planungsbezirk Bahnhofsvorstadt zu verzeichnen. Das ist eine Aussage mit Ansage. Genauso wie diese, wenn man die Zu- und Wegzüge für die Entwicklung der Bevölkerungszahlen betrachtet, auch unter dem Aspekt, dass die Fluktuation der nichtdeutschen Bevölkerung die Wanderungsbewegungen der deutschen Bevölkerung übersteigt. 2016 fielen dabei besondere die Kernstadt Süd (+ 65), Kernstadt (+ 178), die Bahnhofsvorstadt (+ 164), Sontheim-Ost (+ 151) durch hohe Wanderungsbewegungen auf. Auffallend ist auch, dass von 2.123 Haushalten in der Bahnhofsvorstadt mehr als die Hälfte (1.127) Single-Haushalte sind. Das heißt: Hier zeigt sich der Wandel von Lebensformen besonders deutlich, denn Single-Haushalte sind nicht nur die, wo die Witwen hinter Vorhängen die Nachbarschaft beäugen. Bei der Altersstruktur im Gesamten liegt die Bahnhofsvorstadt im oberen Mittelfeld, hat aber auch mit 30,1 Prozent bei den 27- bis 40-Jährigen den höchsten Wert in Heilbronn! Wieder eine Aussage mit Ansage! Und nachprüfbar. Menschen ziehen Menschen an, schon ein Blick in die Kneipen zeigt es! Erhard Schnepf, Jahrgang 1950, ist in der Bahnhofsstraße aufgewachsen und begeistert von der Ausstellung von 111 Bildern zum 111. Geburtstag von Frida Kahlo in der Zigarre. Er wohnt immer noch in der Bahnhofsvorstadt, wenn auch nicht in der elterlichen Villa Schnepf, von der der 4. Dezember 1944 immerhin die Fassade übrig ließ, sondern in deren Hinterhof und dabei wird es auch bleiben. Der Kaufmann im Unruhestand arbeitet als Geschäftsführer der Freien Johannesschulen Flein, einer heilpädagogische Schule nach der Pädagogik Rudolf Steiners mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung, die gerade einen Erweiterungsbau für 2,2 Millionen Euro stemmen muss. Er ist davon überzeugt, dass es der Bahnhofsvorstadt gut getan hat, dass sie so lange im Windschatten der Stadtentwicklung gestanden hat, dass fehlende Regulierung hier die Freiräume geschaffen hat, aus denen etwas entstehen konnte, was man ohne Euphemismus als »Kiez« bezeichnen kann. Wie alle darauf Angesprochenen wünscht auch er sich, dass es dabei bleibt. In seiner Kindheit erlebte er die Bahnhofsvorstadt mit all den Kriegsruinen als einen einzigen Abenteuerspielplatz, und weil er als Konfirmand das »Kirchenblättle« fürs Taschengeld austrug, kam er auch in die Häuser, u. a. in das Laubenganghaus, einem Baudenkmal des Bauhauses, das fast, wie dann die Villa Angele, einem kommer- MYSTERIUM HAUPTBAHNHOF Hanix Nr. 56

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ziellen Bauvorhaben geopfert worden wäre. So lernt man nicht nur seinen Stadtteil, sondern auch dessen Menschen kennen. Diese lassen sich auch in der Bahnhofsvorstadt nicht über einen Kamm scheren. Was müssten sich doch die damals tonangebenden strammen NS-Mütter, die alle nicht so strammen unter ihre Fuchtel nehmen wollten, heute wohl an Bemerkungen verkneifen angesichts der heute auch sichtbaren Völkervielfalt? Auch wenn die Bahnhofsvorstadt keine Hochburg des Widerstandes war, so gab es hier doch auch Andersdenkende. Rudi Fritz erinnert sich, wie er im September 1944 bei einem ersten Angriff – auch auf das Haus Rosskampffstraße – unter den aus einem von dessen Fenstern herausgeworfenen Habseligkeiten ein Exemplar von »Karl Marx – das Kapital« herausfischte und es danach versteckte. Annette Geisler vom Stadtarchiv weist darauf hin, dass viele jüdische Mitbürger, die aus ihren ursprünglichen Wohnungen und Häusern vertrieben wurden, in der Bahnhofsvorstadt noch ein Unterkommen auf Zeit fanden. Dennoch: Noch viele Jahre nach dem Krieg wurde von mit Blindheit geschlagenen Heilbronnern glattweg abgestritten, dass ein Todesmarsch von KZ-Häftlingen dort haltmachte, wo heute die Gustav-von-Schmoller-Schule und die Helene-Lange-Realschule stehen. Vielleicht lag es daran, dass diese Geschundenen so im Schlamm und Dreck versanken, dass man Mensch und Matsch kaum mehr unterscheiden konnte. Ob die heutigen Besucher der Zigarre wissen, welche Geschichte hinter diesem Gebäude steht? Die 1909 an der Ecke Weststraße/ Achtungstraße erbaute Fabrikanlage geht auf die jüdische Familie Kahn zurück. Fabrikant Anselm Kahn, 1957 in New York gestorben, hat sie 1900 noch in der Mozart-Straße gegründet und mit seinem Bruder geführt. Im Dritten Reich wurde ihre Lise-Meitner Straße 8 | 74074 Heilbronn Telefon: 07131/2587661 E-Mail: info@twinsisters.de www.twinsisters.de www.facebook.com/TwinSistersGmbH Zigarrenfabrik Helbrunna »arisiert«, zuvor konnte die Familie noch auswandern. Von Helmut Kohfink, Jahrgang 1934, in der Bahnhofsvorstadt aufgewachsen, wo sein großes Modegeschäft, das jetzt hinter dem Bierstorfer liegt, seine Wurzeln hatte, stammt die schöne Geschichte von »Kahns Kanarienvogel«. Die Familie Kohfink lebte damals in der Badstraße, Anselm Kahn war ihr Nachbar. Kohfinks Vater warnte ihn mehrfach eindringlich vor den Gefahren durch die Nazis und riet zum Auswandern. Als ihn Kahn fragte, ob er dann für Hund, Kanarienvogel und das Aquarium sorgen würde, wurde ihm das zugesagt. Nicht viel später stand morgens die kleine Menagerie vor der Kohfink-Haustüre. Als am 4. Dezember 1944 auch das Kohfinksche Haus getroffen wurde und man sich aus dem Keller in den Garten retten musste, gegenüber brannte die Cluss'sche Brauerei lichterloh, habe sein Vater, so erzählt er, zuerst den Kanarienvogel und Hund ins Freie gerettet, nur das Aquarium war zu schwer. Sonst wird der Neckarbogen ein Ghetto In der Bahnhofsvorstadt wurden nicht nur Menschen »ausgelagert«, schon früh auch Gewerbe, das man nicht in der Stadt haben wollte, Namen wie Holzstraße oder Glockengießergässchen zeugen davon, erzählt Erhard Schnepf und erinnert daran, dass die verkehrliche Situation und auch die Straßenführung vor den Kriegen mit der von heute nicht zu vergleichen sind. Gerade deshalb ist er der Ansicht, dass es eine neue Kranenstraße geben müsse, und vor allem auch die Fußgängerbrücke vom Bahnhof hinüber zum BAUER WINZERs KÜCHE Sontheim BESEN GEÖFFNET SEPTEMBER Mi. 12.09. - Do. 27.09. OKTOBER Mi. 10.10. - Do. 25.10. NOVEMBER Mi. 7.11. - Do. 22.11. DEZEMBER Mi. 5.12. - So. 16.12. WEINGUT ALEXANDER BAUER Spitzwegstraße 15/1 - 17 • Heilbronn-Sontheim 07131 - 57 03 74 • info@bauer-weingut.com

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Neckarbogen, nicht nur, um den Bewohnern der Bahnhofsvorstadt die Freizeitangebote dort nahezubringen, sondern auch, um die beiden Stadtteile zu »synchronisieren«. Wenn diese nicht zusammenwachsen, davon ist Schnepf überzeugt, werde der Neckarbogen ein Ghetto werden. In der Anfangsphase der Buga-Planung ging es immer auch um die Einbeziehung der Bahnhofsvorstadt, auch wenn es immer ein wenig nach einem Alibi für die für den Neckarbogen ausgegebenen Summen klang. Seit 2004 haben allein Land und Bund 24,1 Millionen Euro für das Gebiet Fruchtschuppen/ Stadtquartier Neckarbogen bewilligt. Schnepfs Einwand kommt nicht als Pauschalkritik daher, so fand er z. B. den seinerzeitigen Sanierungsplan für die Bahnhofsvorstadt gut, der habe manches entkernt, Freiräume geschaffen, das Wohnen hier aufgewertet. Ein solcher »Freiraum« ist immer noch das Dautel-Areal, das sollte man, wünscht er sich, »endlich bespielen«. Der Fahrzeugbauer, heute in Leingarten ansässig, hat hier seinen Ursprung. Die Zeiten sind vorbei, in denen man, wie Schnepf erzählt, bei Milch-Renner mit der Milchkanne abends die Milch holte oder diese mit einem Eselsfuhrwerk zugestellt wurde. Obwohl: Umweltfreundlich wäre diese Lösung heute durchaus! Es steckt ja auch ein ganzes Stück Idylle in der Bahnhofsvorstadt, man muss nur die vielfältigen Verschönerungsbemühungen sehen, den Kampf ums Grün, und wenn es nur ein kleiner Baum vorm Haus ist. Diese Idylle wird auch nicht gestört, wenn Schnepf hinüber zu dem Giebelhaus blickt, in dem syrische Flüchtlinge leben. In dem Nebeneinander und Miteinander der Bewohner gebe es keine Konflikte bzw. habe er solche nicht erlebt, auch noch keinen Einbruch. Er und seine Frau Eva fühlen sich hier sicher. Sie radelt in drei Minuten an ihren Arbeitsplatz: Eva Schnepf betreibt das Schreibwarenhaus Seel. Es kommt immer auf den Blickwinkel an, Erhard Schnepf sieht da nicht nur die vielfältige Gastroszene mit etwas sehr vielen Döner-Buden und den Wettbüros, sondern eben auch mit dem immer noch im Umbau befindlichen Spielplatz am Kaiser-Friedrich-Platz, irgendwie das Herzstück, wo heuer das so beliebte Fest der Vielfalt ausfallen muss, weil er nicht rechtzeitig fertig wird. Der Bunker darunter soll Probleme bereiten. Er blickt auch in die Hinterhöfe, die von den Bewohnern Wohnqualität erhalten haben oder die Überraschungen bereithalten wie etwa das Fine Catering Herr von Ribbeck. Der vielgereiste und vielerprobte »Chefkoch in der Küchenwerkstatt« lässt da sein Können aufblitzen, verlässt aber für ein »Guerilla-Dinner« auch mal die Bahnhofsvorstadt oder lädt dahin zum »Fine Friday« ein. Was man so allgemein als »das Potenzial« der Bahnhofsvorstadt umschreibt, Kreativität und Unternehmungsgeist, werden dem sichtbar, der Augen dafür hat. Und wenn man es mit einem neuen Laden versucht und scheitert, weil der Vermieter dem x-ten Wettbüro den Vorzug vor einem Geschäft mit liebevollen Designobjekten gibt, dann versucht man es halt nochmal. Aber nicht alles ist Idylle, dafür gibt es hier den Kontaktladen Heilbronn, als »niederschwellige Anlaufstelle für Konsumenten illegaler Drogen – und rauchfrei.« Jeder kann hierher kommen, »ohne dass wir ihn oder sie gleich in irgendeine Richtung verändern wollen«, heißt es auf der Homepage. Das Einzige, was man von jedem Gast verlange, sei die Respektierung der Hausregeln: kein Drogenkonsum und -handel, keine Androhung oder Anwendung von Gewalt. Ehrenamtliche Mitarbeiter bieten Hilfe zum Leben und Überleben, auch diese niedrigschwellig: Essen, Trinken, Waschen, aber auch medizinische Versorgung durch eine Ärztin, die auf Honorarbasis im Kontaktladen arbeitet und medizinische Hilfe für Personen anbietet, denen es schwerfällt, BAHNHOFSVORSTADT Hanix Nr. 56

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»normale« niedergelassene Ärzte aufzusuchen. Organisatorisch verzahnt ist der Kontaktladen mit der Jugend- und Suchtberatung Heilbronn, er wird weitgehend von der Stadt bezuschusst, Spenden wie gerade jetzt die der Stadtgalerie aus einem Flohmarkterlös sind willkommen. Das große Potenzial für eine Quartierentwicklung, wie sie so sonst kaum mehr in Heilbronn möglich ist Die Bildungsstätten des Kolpingwerkes mit dem Heinrich-Fries- Haus und in dem sanierten »alten Bahnhof« (dem Vorgänger des alten Hauptbahnhofes!) oder die Akademie für Kommunikation im »alten Schlachthof«, zeigen, dass die »Bildungsstadt Heilbronn« nicht auf den Bildungscampus beschränkt ist. Der Bildungsfaktor muss ziehen und anziehen, für die Zukunft der ganzen Stadt! – und seien es zunächst nur weitere Studentenwohnungen. Die Anziehungskraft des Bahnhofsviertels wird definiert auch durch die Umsetzungskraft für die vielen guten Ideen, hier eine Art »Klein-Kreuzberg« für Heilbronn zu schaffen, auch mit noch mehr Kultureinrichtungen über Pop-Büro, Waiblingerhaus, Zigarre und dem vor der Haustüre liegenden Theaterschiff hinaus und einem »schönen Gruß von der Inselspitze«! Und es sollen sich hier Menschen wohlfühlen, die nicht in Häusern wohnen wollen, in einer Architektur mit strengen Bügelfalten, wie sie gerade so in Mode sind. Der boomenden Immobilienbranche und ihren Investoren, die ihr Geld unterbringen müssen, wird doch hierfür auch mal etwas einfallen! Wenn es ein Fazit zu ziehen gibt, gleichzeitig als Basis, um hier in exemplarischer Gemeinsamkeit etwas aufzubauen, dann gehört auch dazu, zuzugeben, dass hier Multi-Kulti funktioniert und gelebt wird. Dass dieser Begriff nicht nur bei der AfD in Verschiss geraten ist, bedeutet nicht das Aus dafür in der Realität. So sieht es auch Roswitha Keicher. Der Integrationsbeauftragten der Stadt gefällt die kreative Szene hier, die größte Dichte von WGs in der Stadt, auch dank der Studenten, das Miteinander z. B. auch in einem interkulturellen Pflegeheim und in den Netzwerken der Kulturen, wo man ohne Diskussionen »total offen« sei, auch gegenüber Flüchtlingen. Wie jeder, der einmal einen Fuß in die Bahnhofsvorstadt gesetzt hat, sieht sie überall »das große Potenzial« für eine Quartierentwicklung, wie sie so sonst kaum mehr in Heilbronn möglich ist. Die Mysterien bleiben und regen an. ◆

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DR. ANNA CHRIST-FRIEDRICH ist Stadträtin in Heilbronn (SPD), ihr Mann, Dekan OTTO FRIEDRICH, ist seit wenigen Monaten im Ruhestand. Das Ende der Dienstzeit als Dekan bedeutete auch, die Dienstwohnung im Dekanat in der Wilhelmstraße zu verlassen. Es ist in einer der in wenigen in dieser Straße noch erhaltenen Gründerzeitvillen untergebracht. Nun ist das Ehepaar Christ-Friedrich in die Bahnhofsvorstadt gezogen. Nicht zufällig, sondern ganz bewusst. Manche wundert das. Von Brigitte Fritz-Kador, Foto: Ulla Kühnle Angekommen im Bahnhofsviertel Ihr neues Domizil befindet sich in einem »Hinterhaus« der Bahnhofstraße und ist das beste Beispiel dafür, wie schön, grün und zentral man hier wohnen kann. Anna Christ-Friedrich sagt, sie brauche die Stadt, das Leben um sie herum. Dabei liegt hier der Lärmpegel eher seltener über dem des Vogelgezwitschers in dem schönen Garten mit Schwimmteich, aber die Geräusche der Stadt, von Menschen und Motoren, werden hier eben als Nähe und »Lebenszeichen« und nicht als Störung empfunden. Ihr Vermieter hat hier sein ganzes Leben verbracht und für das Ehepaar wird das hier wohl, auch wenn es unausgesprochen bleibt, Endstation im Wohnen sein, als schöne Aussicht auf das Alter, das Wohlfühlen hier ist in jeder Äußerung spürbar. Halb im Scherz, halb im Ernst sagt Anna Christ-Friedrich: » ...und der Rollator-Laden ist auch gleich nebenan!« Sie genießen es, dass sie die Stadtbahn und den Bus vor der Haustüre haben, alle Einkäufe zu Fuß erledigt werden können, es rundherum auch so viele Kneipen und Bistros gibt. Auch wenn sie ihr neues Quartier noch nicht ganz erforscht haben, sie finden es spannend, hier zu leben. Zum Abschied aus dem Amt habe er fünf Gutscheine für die hier ansässige Gastronomie geschenkt bekommen, erzählt Friedrich und macht dem Eindruck, dass es ihm das durchaus gefallen und es ihm auch geschmeckt hat, denn »alle sind schon abgevespert!« Anna Christ-Friedrich, als Stadträtin verantwortlich involviert in die Unterbringung von Flüchtlingen, davon viele im Bahnhofsviertel, auch wenn das Olgazentrum inzwischen dafür ausgedient hat und wieder der Jugend zur Verfügung steht, stellt im täglichen Erleben keine Probleme dazu fest, auch weil sie von Ehrenamtlichen und der Stadt »gut begleitet wurden«. Sie findet, dass hier das Miteinander funktioniert. Es sei schön, wenn man abends von erleuchteten Fenstern umgeben sei, hinter denen die unterschiedlichsten Menschen wohnen, ob mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge, bürgerliche oder ein sportwagensammelnder Immobilieninvestor. Man genießt es, etwas vom Leben in den Höfen, Gärten und Dachgärten mitzubekommen, am Samstagmorgen beim Brötchenholen beim Bäcker Widmann auf Nachbarn, bekannte und neue zu treffen. Und ein wenig bedauern sie es, dass im Vorderhaus, dem Villenbau, von wo aus die Software für die Kassensysteme eines Discounters europaweit geregelt wird, die hier arbeitenden jungen IT-Fachleute, Menschen aus aller Herren Länder, nur zum Rauchen auf die Straße gehen und sonst so gar nicht präsent sind. Das Bahnhofsviertel ist eben auch ein Ort zum Entschleunigen. Natürlich wissen Anna Christ-Friedrich und Otto Friedrich, dass sie hier, in diesem Haus, in dieser Wohnung »privilegiert« sind. Damit sind sie aber nicht die Einzigen. Es gibt eine ganze Reihe, auch prominenter Heilbronner, die hier leben, in den Eigentumswohnungen am Neckar oder in der Halbmondstraße. Das sind keine »Sozialwohnungen«, es sind Wohnungen in einer Lage, vergleichbar mit dem Heilbronner Osten. Dorthin z.B. wollten die Christ-Friedrichs nie hinziehen. Hier, in der Bahnhofvorstadt, gefällt ihnen, dass erlebbar wird, wie soziale Unterschiede ein Viertel nicht etwa beschädigen, sondern ihm seinen Charakter geben. Sie bewege sich hier angstfrei, sagt Anna Christ-Friedrich und meint, auf die künftige Entwicklung angesprochen, man müsse auch nicht überall gleich einen Masterplan drüberstülpen, die gerade hier, hautnah und spannend erlebt, wie sich ein Stadtteil auch von den Menschen her gestaltet werden kann. Auch so kann man in einem Bahnhofsviertel »gut ankommen.« Und was unbedingt auch kommen muss: die Brücke vom Bahnhof zum Neckarbogen! ◆ BAHNHOFSVORSTADT Hanix Nr. 56

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ZIEGLERKUNDE SEIT 2017 ….WEIL WIR ARBEITSQUALITÄT, KOMPETENZ UND ZUVERLÄSSIGKEIT MIT KUNDEN, MITARBEITERN UND GESCHÄFTSPARTNERN BESONDERS SCHÄTZEN. [Julien Vaassen, Leitung E-Commerce und Marketing, T.I.P. Technische Industrieprodukte GmbH] T.I.P. TECHNISCHE INDUSTRIEPRODUKTE GMBH – HERSTELLER VON PUMPENTECHNIK UND ELEKTROWERKZEUGE. Die komplette Kundenstimme unter: www.cr ossmediaexperts.de

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Wir baten den Heilbronner Künstler und Illustrator Natalis Lorenz unsere Visionen zur zukünftigen Bahnhofsvorstadt umzusetzen. Samt Lieferdrohnen, autofreien Zonen und dem Hanix-Kiez-Kultur-Kiosk. Fotos & Illustrationen: Natalis Lorenz Kiez-Visionen Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 Das Auto dominiert, wie in ganz Heilbronn, auch in der Bahnhofsvorstadt. Die Frankfurter Straße ist links und rechts zugeparkt. Platz, der sinnvoller genutzt werden könnte, als ihn mit PKWs zuzustellen. Zum Beispiel als autofreie Zone mit Urban-Gardening-Beeten, Lieferdrohnen und Lastenfahrädern statt die Kleinlaster der unzähligen Paketdienste. REALITÄT VS. VISION

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Hanix Nr. 56 Nein, wir wollen keine weiteren Wettbüros mehr in der Bahnhofsvorstadt aufpoppen sehen – besonders nicht in direkter Nachbarschaft zu einem, richtig, Wettbüro. So kürzlich am »Kaiser-Tipico-Platz« geschehen. Stattdessen wollen wir – zumindest temporär – den Hanix-Kiez-Kultur-Kiosk eröffnen. Wirklich. Sie haben in der Bahnhofsvorstadt eine Ladenfläche zu vermieten: Melden Sie sich bei uns! REALITÄT VS. VISION

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Hanix Nr. 56 Am Anfang der Weststraße, vis a vis der Polizeistation, fristet eine Brache seit Jahren einen Dornröschenschlaf – im wahrsten Sinne des Wortes. Zugewachsen und sich selbst überlassen, ein Paradebeispiel für einen »Unort«, dessen Potenzial durch temporäre Interventionen aufgezeigt werden könnte. Zum Beispiel durch ein Kiez-Kultur-Fest. REALITÄT VS. VISION

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Es ist möglich, sich in Heilbronn zu verlieben. Nicht in einen Heilbronner. Oder eine Heilbronnerin. Das sicherlich auch. Sondern in die Stadt selbst. Genauer: in die Bahnhofsvorstadt. Der Autor darf für diese rosarote Sicht kritisiert werden! Aber momentan ist er taub vor Liebe. Vielmehr wird er gleich versuchen, seine starke Zuneigung auf die Leser zu übertragen. Eine Liebeserklärung und Einladung zum Urban-Love-Sharing. Von Robert Mucha, Foto: Meli Dikta Hanix Nr. 56 Urban-Love-Sharing – Bahnhofsvorstadt machHN! Im Juni 2018 luden wir mit der DHBW Heilbronn zum Gedankenaustausch »Innovative Stadtentwicklung« ein. Wir wollten den ca. 40 Teilnehmern aus Politik, Studentenschaft, Händlern, Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Bildung und Bürgerschaft von der Heilbronner Bahnhofsvorstadt erzählen. Wie wir sie aktuell wahrnehmen und welches Potenzial wir gerade in diesem – wir nennen es Kiez – sehen. In der Bahnhofsvorstadt können die identifizierten Defizite aus der 2017 von der DHBW Heilbronn und Hanix durchgeführten Studie zur Lebensqualität und zum »Schwarmstadt-Potenzial« Heilbronns abgebaut werden (u. a. Digitale Stadt, tole- rante und weltoffene Stadt, Förderung von Start-Ups/Gründerszene, kreative Unternehmenskonzepte, ausreichende Grünanlagen in der Stadt, vielfältiges Stadtbild, einladende Atmosphäre, attraktive Veranstaltungen und Festivals, urbane Kultur, pulsierendes Stadtleben). In Kooperation mit diversen Akteuren aus der Stadt und Region kann dies – gerade jetzt, so das Bauchgefühl – gelingen. Dabei sind wir von Hanix lange nicht die Ersten, denen der Reiz der Bahnhofsvorstadt Avancen macht. Schon vor einiger Zeit wurde in der Stadtverwaltung identifiziert, dass es sich lohnen könnte, mit der Bahnhofsvorstadt zu flirten – nicht umsonst prüft das Rathaus aktuell das Konzept vom Kulturdreieck in der Bahnhofsvorstadt. Ein Teil unserer Agenda zum Gedankenaustausch sah jedenfalls vor, dass ich die Teilnehmer mit auf einen fotografischen Spaziergang durch die Bahnhofsvorstadt nehmen sollte. Das habe ich pflichtbewusst getan, den vielfältigen Nutzungsmix aufgezeigt – die bemerkenswerte gastronomische und kulinarische Entwicklung des Bahnhofs-Kiezes in den letzten Jahren, die spannende heterogene Baustruktur im Viertel, die faszinierende urbane Perspektiven bietet, wie man sie Heilbronn kaum zutraut. Nicht zu vergessen: Beste Anbindung an den ÖPNV, dazu freie Kultur im Willhelm BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 Waiblinger Haus, der Zigarre und inhabergeführten Gastronomien und Hotels, wie der Mojäk Galerie und dem TraumRaum. Kulinarisch muss sich die Bahnhofsvorstadt wie schon erwähnt nicht vor der Neckarmeile verstecken. Im Gegenteil: Mit Peter von Ribbecks Genuss Werkstatt, den Tortillas der Jäkbar, griechischen Aromen im Mythos, Döner an der Ecke Frankfurter/Weststraße, italienischem Genuss im Al Forno und La Taverna, feinen Weinen in der Piano Wine Bar oder Schweizer Fondue im Eckstein wäre die Bahnhofsvorstadt bei einem imaginären »Kampf um den leckersten Kiez Heilbronns« mit einem Team am Start, das nur schwer zu schlagen wäre. Die verortete Bildung (u. a. Helene-Lange-Schule, Gustav-von-Schmoller-Schule, Akademie für Kommunikation, Kolping Bildungswerk) sorgt dafür, dass das Viertel immer jung und aktiv erscheint. Gegenüber des Seniorenheims ist die Jugendhilfe der Diakonie angesiedelt, eine Ecke weiter ein kleiner bulgarischer Supermarkt. Den besten Reis der Stadt bekommt man wenige Schritte entfernt beim Afghanen neben dem Hartmans, der Heilbronner Gastro-Institution. Und Melonen, so groß wie LKW-Reifen, findet man bei Basak im Supermarkt. Die gewachsene Wirtschaft im Kiez ist schlagkräftig, individuell und sehr divers. Einige Beispiele wären Kaufland International, Gunkel Natursaft, beyerdynamic oder die alteingesessenen Kleinunternehmen wie die Handelsdruckerei Hohmann oder diverse Handwerker. Und alles eingerahmt durch den alten und neuen Neckar samt Festwiese und Stadion. Dazu ist die Bewohnerschaft im Vergleich zum Rest der Stadt jünger, lediger, heterogener, internationaler. Und mit dem neugegründeten VfR Heilbronn, der seine Heimspiele der Kreisliga B im Frankenstadion austragen wird, könnte sogar ein Kiezklub entstehen. Ich erzählte den Teilnehmern des Gedankenaustausches vom Spaß, den ich hatte, als ich tags zuvor zwei Stunden lang kreuz und quer durch die Straßen, Hinterhöfe und Gassen der Bahnhofsvorstadt schlenderte und mit dem Handy meine Eindrücke festhielt. Es ist dennoch nicht schwer in der Bahnhofsvorstadt – trotz der feinen Entwicklung in letzter Zeit – an vielen Ecken noch »Unorte« und »tote Ecken« mit Potenzial zu entdecken. Ob zu große Parkplätze, Ladenflächen, Leerstände oder zugewachsene Brachen, die zumindest für kreative temporäre Einzelhandels-, Veranstaltungs- oder Kunst-Projekte, Start- Up-Programme und kreative Stadtentwicklungs-Prozesse ausprobiert werden könnten und sollten. Oder Freiräume am alten Neckar die durch ein kreatives Angebot sofort an Anziehungskraft gewinnen würden. Kultur unter den Trauerweiden! Das wär was. Fotospot aufs Marra Haus inklusive. Und wieso nicht die schon heute charmante Hermannstraße – und weitere Straßen um den Kaiser-Friedrich-Platz – als autofreie Zone denken? Ich erinnerte mich an meine Kolumne, die ich im Frühjahr 2017 für die GGS schrieb und später auch in der 50. Jubiläums- Hanix-Ausgabe veröffentlichte. Meine Heilbronner Vision für das Jahr 2027 sollte ich aufschreiben. Sie hieß »Be like Darmstadt«. Ich erzählte von einem inspirierenden Ausflug nach Hessen – unter der Woche. So bunt, abwechslungsreich, inspirierend und atmosphärisch, wie ich den halben Tag in Darmstadt empfand, wünschte ich mir Heilbronn – in zehn Jahren. Ein Fiebertraum feedbackten mir Freunde und Bekannte, die meine »Wahnvorstellung« gelesen hatten. Als ich aber im Sommer 2018 montags durch die Heilbronner Bahnhofsvorstadt stromerte, da war die erhöhte Temperatur wieder da. Es fühlte sich ein bisschen so an wie über ein Jahr zuvor in Darmstadt. In der Bahnhofsvorstadt, halluzinierte etwas vor meinem Auge, hier in Heilbronn kann die 2017er-Vision ja vielleicht wahr werden! Nur in besser: Hier kann »Be like Heilbronn« entstehen. Ein durchaus pulsierender, charmanter, vielfältiger urbaner, innovativer, inspirierender und ureigener Heilbronner Kiez mit Geschichte. Für jeden Heilbronner. Ob zugezogen oder eingeboren. Ob hier gemeldet oder nur zu Besuch. Ob alt, ob jung. Ob arm, ob reich. Ob analog oder digital. Ob geschäftlich oder privat. Ob tags oder nachts. Ob Döner oder Kaviar. Ob Student oder Kindergartenkind. Ob Penthousebesitzer oder Mieter von gefördertem, bezahlbaren Wohnraum. So könnte es sein, fieberte ich den Teilnehmern des Gedankenaustausches dienstags darauf entgegen. Kaum fertig mit meinem fotografischen Spaziergang kam auch schon Kritik auf – sachlich, das Potenzial der Bahnhofsvorstadt anerkennend und meiner kritisierten Schwäche durchaus Sympathie entgegenbringend: Mein Blick wäre schon »sehr verliebt« und »sehr romantisch«. Ich gestehe: schuldig im Sinne der Anklage. Mein Appell: Mach mit. Werde verliebt. Werde Heilbronner Urban-Love-Sharing-Aktivist! ◆ WERKS KAUF SPARE 10 % AUF KOPFHÖRER UND MIKROFONE* URBAN-LOVE-SHARING *BEI VORLAGE DIESER ANZEIGE • GÜLTIG BIS 31.8.18 ÖFFNUNGSZEITEN MO. - DO. 10 - 18 UHR FR. 9 - 16 UHR THERESIENSTRAßE 8 74072 HEILBRONN www.beyerdynamic.de

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Wir haben unsere Hanix-Fotografen zu Fuß durch die Heilbronner Bahnhofsvorstadt geschickt. Ihr Auftrag: das Stadtquartier porträtieren. Herausgekommen ist dabei die fotografische Inspiration, selbst mal durch die Bahnhofsvorstadt zu spazieren und sie für sich zu entdecken. Fotos: Nico Kurth, Meli Dikta, Ulla Kühnle & Robert Mucha Walking Bahnhofsvorstadt Drehkreuz der Pendler von und nach Heilbronn: der unter Denkmalschutz stehende Hauptbahnhof. Versorgen Hunderte von Schülern in der Bahnhofsvorstadt: zig kleine Gastronomien, die rund um den Bahnhof angesiedelt sind. Auf dem Bild (noch?) nicht zu sehen: die dringend notwendige Brücke zwischen Bahnhofsvorstadt und Neckarbogen. Urbane Blickwinkel: Die diverse Baustruktur in der Bahnhofsvorstadt sorgt für spannende Heilbronner Ansichten. Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 Flix-Bus kann Atlassib schon lange: täglich geht es ab Hauptbahnhof mit dem Bus u. a. nach Rumänien. Der letzte Gang für Schwein und Rind: Am Hauptbahnhof endet das Dasein vieler Zuchttiere. Art Decor Bahnhofsvorstadt-Style: Ein Fensterplatz, liebevoll dekoriert, mit Ausblick auf den Kaiser-Friedrich-Platz. Gastromeile: In den letzten Jahren hat sich die Frankfurter Straße gastronomisch ausgesprochen vielfältig und individuell entwickelt. IMPRESSIONEN

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Ist stolz auf seinen kleinen Pamir Supermarkt am Kaiser-Friedrich-Platz: Inhaber Mohammad Alyas Kakar. Alt eingesessener Betrieb mitten im Kiez: die Handelsdruckerei Georg Hohmann. An- und Verkauf in der Holzstraße: Vom Röhrenfernseher über Super-8-Camcorder hin zu Walkmen und Fahrädern gibts in diesem »Technikmuseum aus den 80ern« alles. Hier trifft sich die Jugend der Welt: Die Schüler der diversen (Weiter-)Bildungseinrichtungen sorgen dafür, dass die Bahnhofsvorstadt nicht einzurostet. Wetten dass …?: Das Heilbronner Sportwetten-Eldorado befindet sich am Kaiser-Friedrich-Platz – kürzlich hat sogar ein Wettbüro neben einem Wettbüro eröffnet. Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 After-Work-Togethering: Vor der Jäkbar lässt sich der Feierabend bestens beginnen. Die größten Melonen: Bei Basak finden Kunden im überdimensionierten Wühlkarton die größten Wassermelonen der Bahnhofsvorstadt – mindestens. Das Handwerk ist stark hier: Friseurin Petra Hausmann bringt schon seit sie denken kann den Menschen in der Bahnhofsvorstadt die Haare in Form. Ein originäres Stück Bulgarien: Ab 17 Uhr findet die bulgarische Community Heilbronns in der Frankfurterstraße ein Zuhause fern der Heimat – aber auch Nicht-Bulgaren empfehlen wir eine Einkehr in den gastfreundlichen Minimarkt. Generationen von Schülern vor dem Verhungern bewahrt: Seit 1985 versorgt Sehmus Manulboga u. a. a. die Schüler der Gustav-von-Schmoller-Schule mit Döner, Lahmacun und Co. IMPRESSIONEN

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Hier ist man sicher: Direkt am Hauptbahnhof ist die Polizei und wacht über den Kiez. Drehfleichspieße mit Tradition: Seit über 30 Jahren werden an der Ecke Frankfurter-/Weststraße Kebabs serviert. Ein Gebäude das die Phantasie anregt: Das Dautel-Areal am Kaiser-Friedrich-Platz steht mehr oder weniger ungenutzt herum – das Haus kann und muss kreativer bespielt werden! Viele Unorte im Dornröschenschlaf: So reizvoll und hübsch hergerichtet viele Ecken, Gassen und Straßenzüge in der Bahnhofsvorstadt auch sind – fast genauso viele »schreien« einem ins Gesicht: »Kümmer dich um mich!« Nächster Halt – Innenstadt: Der Kurt-Schumacher-Platz ist das Tor hinein und hinaus aus der Bahnhofsvorsatdt. Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 40 Raum für Erlebnisse. Willkommen im Audi Forum Neckarsulm. Erfolgreiche Konferenzen, Workshops und Veranstaltungen hängen von vielen Faktoren ab: einer attraktiven Location mit flexiblen Raumkonzepten, einem professionellen Rundum-Service und einem faszinierenden Rahmenprogramm mit einem Blick hinter die Kulissen der modernen Automobilproduktion. Tauchen Sie ein in die Faszination der Marke Audi. Das Audi Forum Neckarsulm bietet diesen besonderen Raum für Ihre individuellen Wünsche. Mehr Informationen erhalten Sie unter www.audi.de/foren

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Einst mondän: Vor der Kriegszerstörung empfing Heilbronn Reisende am Hauptbahnhof mit einem großzügigen, schmucken Vorplatz und einer mit Villen gesäumten Bahnhofsstraße – das alte Postamt No. 2 zeugt noch davon. Qualitätsoptimierung möglich: Die vielen charmanten Ladenflächen in der Bahnhofsvorstadt werden zum Teil schon wunderbar individuell und mit Qualität bespielt – aber noch nicht überall. Stadtquartier der Kontraste: Wer mit offenen Augen und etwas Zeit durch die Bahnhofsvorstadt flaniert, wird mit Abwechslung und urbaner Vielfalt belohnt. Nichts für schwache Mägen: In der Bahnhofsvorstadt bekommt man von feinsten Gänge-Menüs (z. B. bei Herr von Ribbeck) bis hin zur Magenverstimmung ein breites Angebot serviert – ganz wunderbar, wie wir finden! Eingerahmt von Altem und Neuen Neckar: Kein anderes Stadtquartier hat die ganze Vielfalt unseres Flusses so direkt vor der Haustüre – man kann unter Trauerweiden chillen oder der Neckarschifffahrt beim »Schleusen« zusehen. Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 56 Am Bahnhof trifft sich die Welt: Der spanische Kulturverein fühlt sich wohl am Bahnhof und kredenzt original iberische Küche. Leerstand mit Potenzial: Der »Acker« ist ja schon – zumindest in Teilen – bestellt, wieso also nicht einen Laden in der Bahnhofsvorstadt eröffnen? Das Bier von hier: Wer chinesisch im Hauptbahnhof essen möchte, der passiert beim Treppensteigen in die Lokalität das vielleicht schönste Fenster Heilbronns. IMPRESSIONEN

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Einst eine Prachtstraße: Wer durch die Roßkampffstraße läuft, kann sich gut vorstellen, welch prachtvolle Fassaden den Weg zum Hauptbahnhof einst geziert haben. Suboptimale Raumnutzung: Viel zu viel Platz für viel zu wenige Autos – wie gut täte eine Begrünung der grauen Brache! Einrichtungs-Inspirationen aus der Bahnhofshalle: Man kann sich auch abseits von Instagram, Pinterest und Co. analog Inspirationen für das Belichtungskonzept zuhause holen – zum Beispiel im Hauptbahnhof. Vielfältige Nutzung: Das »Olga«-Gebäude wurde schon vielfältig bespielt – ob als Fabrik, Jugendzentrum, Veranstaltungslocation, Flüchtlingsunterkunft – und vielleicht bald als Drittel eines soziokulturellen Zentrums. Das Haus für Geist und Seele: Die Zigarre beheimatet nicht nur Künstler und deren Ateliers, sondern auch eine Gastronomie und Veranstaltungsräume – ein Ort zum Feiern, Verweilen und der Inspiration. Das Viertel des Backsteins: Der rot-braune Klotz begegnet einem in der Bahnhofsvorstadt immer wieder und sorgt für wohltuende Abwechslung fürs Auge. Hanix Nr. 56 BAHNHOFSVORSTADT

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Hanix Nr. 40 SPIELZEIT 2018 / 2019 PREMIEREN GROSSES HAUS SCHAUSPIEL / MÄRCHEN é 28. SEPTEMBER 2018 RICHARD III. VON WILLIAM SHAKESPEARE é 06. OKTOBER 2018 HARPER REGAN VON SIMON STEPHENS é 04. NOVEMBER 2018 DAS DSCHUNGEL ­ BUCH NACH RUDYARD KIPLING é 24. NOVEMBER 2018 PENSION SCHÖLLER VON CARL LAUFS UND WILHELM JACOBY é 19. JANUAR 2019 DER STEPPEN WOLF NACH DEM GLEICHNAMIGEN ROMAN VON HERMANN HESSE é 16. MÄRZ 2019 DIE DREIGROSCHEN ­ OPER VON BERTOLT BRECHT UND KURT WEILL é 04. MAI 2019 HEXENJAGD VON ARTHUR MILLER é 22. JUNI 2019 VIEL LÄRM UM NICHTS VON WILLIAM SHAKESPEARE MUSIKTHEATER / MUSICAL / TANZ é 18. OKTOBER 2018 MARILYN VON JÖRG MANNES é 01. DEZEMBER 2018 DIE FLEDERMAUS VON JOHANN STRAUSS é 23. JANUAR 2019 DER TOD UND DAS MÄDCHEN VON STEPHAN THOSS é 01. FEBRUAR 2019 DIE ADDAMS FAMILY VON ANDREW LIPPA, MARSHALL BRICKMAN UND RICK ELICE é 14. FEBRUAR 2019 RIGOLETTO VON GIUSEPPE VERDI é 28. MÄRZ 2019 DAS LAND DES LÄCHELNS VON FRANZ LEHÁR é 09. JUNI 2019 LA FINTA GIARDINIERA (DIE GÄRTNERIN AUS LIEBE) VON WOLFGANG AMADEUS MOZART BUGA OPEN AIR PREMIEREN KOMÖDIENHAUS é 11. OKTOBER 2018 WIR SIND DIE NEUEN NACH DEM GLEICHNAMIGEN FILM VON RALF WESTHOFF é 09. NOVEMBER 2018 DIE TANZSTUNDE VON MARK ST. GERMAIN é 12. JANUAR 2019 SPIEL’S NOCHMAL, SAM VON WOODY ALLEN é 09. MÄRZ 2019 DIE AFFÄRE RUE DE LOURCINE VON EUGÈNE LABICHE é 10. MAI 2019 UNSERE FRAUEN VON ERIC ASSOUS é 18. JULI 2019 WIR SIND DANN MAL WEG VON TILMANN VON BLOMBERG UND BÄRBEL ARENZ INTENDANT AXEL VORNAM PREMIEREN BOXX | JUNGES THEATER é 29. SEPTEMBER 2018 NETBOY VON PETRA WÜLLENWEBER é 05. JANUAR 2019 DER GOLDNE TOPF NACH E. T. A. HOFFMANN é 10. MÄRZ 2019 DER JUNGE MIT DEM LÄNGSTEN SCHATTEN VON FINEGAN KRUCKEMEYER é 27. APRIL 2019 TIGERMILCH NACH STEFANIE DE VELASCO é 23. JUNI 2019 DAS TRAUMFRESSERCHEN NACH MICHAEL ENDE WWW.THEATER­HEILBRONN.DE IMPRESSIONEN

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Die Oliver Maria Schmitt-Kolumne Heilbronn – A Nice Place To Come From Sich gesund ernähren kann jeder. Doch Speisen zu überleben, die eigentlich nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind – das ist die wahre Herausforderung. Man reist ja nicht nur, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen, sondern auch, um unbekannte, noch nie verdaute Mahlzeiten zu verspeisen. Eindeutig ein First-World- Problem, ich weiß – aber seit ich als Kind mit den Einstiegsdrogen Linsespätzlesaitewürscht, Flädlessupp und Rostbraten mit Spätzle sozialisiert und in der Folge mit der Synthetikdroge Toast Hawaii in die Abhängigkeit entlassen wurde, bin ich als hochmobiler Komestibilienforscher sowohl in der Beletage als auch im Keller der Kochkunst unterwegs. Andere Länder, andere Fritten – darf ich bitten? Ich rede hier nicht von Pipikram wie den in Schottland gereichten frittierten Mars-Riegeln oder dem New Yorker Trendgebäck »Cronut«, einer numinosen Mischung aus Croissant und Donut, die als Hybrid leider nur das Schlechte beider Welten vereint: die Fettigkeit eines Donuts und Fett for fun Warum ich als neuer Heilbronner Szenekoch noch eine Cocktailkirsche auf die Linsenkruste packe Foto: Ulla Kühnle die Trockenheit eines Croissants. Und ich spreche auch nicht von dem in Kanada gerade entwickelten »Crowbar«, einem schokoriegelgefüllten Croissant. Schon gar nicht vom angesagten »Bruffin« (Brioche + Muffin). Nein, echten Respekt nötigte mir zum Beispiel die »Francesinha« ab, eine in der portugiesischen Hafenstadt Porto entwickelte Sandwichvariante, bei der mehrere Toastscheiben, ein Schnitzel und diverse Schinken, Wurst- und Käsescheiben sinnlos übereinandergestapelt werden, mit abermals Käse und einem Spiegelei überbacken, mit einer schweren Soße übergossen und, damit man auch satt wird, mit einem Berg Fritten serviert werden. Das ist keine Mahlzeit mehr, sondern ein Statement. Noch beeindruckender war nur mein Besuch in Roscoe’s House of Chicken’n’Waffles, einem unter Fettfreunden hoch gehandelten Kultlokal in einer Suburb von Los Angeles. Nach gut einer Stunde Wartezeit bekam ich endlich einen Tisch und dann auch einiges zu sehen: Unter pink blitzenden Neonröhren wogten schmatzende Gebirge aus Schultern, Armen und Baseballmützen; schwarze Mamas schoben grotesk überdimensionierte Steiße durch die Gänge; feiste Hiphopper schielten aus teuren Plastikanzügen und musterten schlacksige weiße Brillenträger mit Dutt und Hipsterbärten, die hier, in sicherer Entfernung der Ghettos von South Central, mal tief in die Töpfe der Subkultur schnuppern wollen. Denn auf die Idee, panierte und frittierte Hähnchenteile zusammen mit frischen Waffeln zu servieren, musste man erst mal kommen. Um auch wirklich die maximal mögliche Kalorienkonzentration zu erzielen, wurden dazu noch geschlagene Butter und Ahornsirup gereicht, auf Wunsch auch noch dicke Soße, um die Hühnerbrocken auf den Waffelrädern zum Schwimmen zu bringen. Als Beilage empfahl man mir »Grits«, einen zementartigen Maisbrei mit reingerührtem Käse. Der gab mir dann den Rest. Wenn das mit der Reiseschreiberei eines Tages mal nicht mehr hinhauen sollte, dann werde ich, das ist mein fester Vorsatz, in Heilbronn einen kleinen Imbiss eröffnen. In der Innenstadt, wo nun wieder die Eisdielen vor den Burgerbrutzlern deutlich in Führung gegangen sind. Teilweise muss man zwischen Wollhaus und K 3 ja bis zu einhundert Meter zurücklegen, ohne dass man einen Edelboulettenbrater passiert hätte. Deswegen wird Heilbronns Ober-Burgermeister Harry Mergel hoffentlich in Kürze die Neuansiedlung von ambulanten Fressbuden fördern. Man kann, zur besseren Auffindbarkeit, gerne auch einen scheußlichen ironischen Zwinker-Zwinker-Gartenzwerg davorstellen, das soll ja angeblich den Geschmack der Leute treffen. Und ich werde ihn mit meinen gesammelten internationalen Trashfood- Erkenntnissen sowieso erst recht treffen. Da Hybridfood immer noch schwer angesagt ist, plane ich, alle meine Leibspeisen in einem einzigen Gericht zu vereinen. Ich denke da an etwas, das voraussichtlich »FläSpäLin« oder »Ro- FläWü« oder einfach nur »Heilbronner TerrorBomberBurger« heißen wird, eine Art panierten, zwiebelrostbratengefüllten Flädleknödel im Spätzlebett, serviert mit Linsenkruste und dickflüssiger Saitenwürschtlesoße. Zum Abschluss kommen natürlich Ananas, Schmelzkäsescheibe und Cocktailkirsche obendrauf – mit kulinarischen Traditionsgrüßen von der Toastinsel Hawaii. Mahlzeit! ◆ OLIVER MARIA SCHMITT-KOLUMNE – FOLGE 18 Hanix Nr. 56

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atters Raimar Schurmann Design Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimarschurmann.de Nothing matters Printed

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Ein Brief mit Fotos aus Brüssel von MICHAEL DIKTA Bonjour liebe Heimat, oder sollte ich doch lieber ›Goude Dag‹ sagen? Ich bin nämlich gerade in Belgien, genauer in Brüssel und hier ist beides gängig. Am Anfang meines sechsmonatigen Aufenthalts waren es deshalb nicht nur eine, sondern gleich zwei Sprachen, die ich nicht verstand. Es kann in Brüssel schon mal vorkommen, dass der Kassierer im Supermarkt einen auf Französisch anspricht, während die Dame in der Schlange hinter einem was auf Flämisch erzählt. Das ist natürlich mehr als verwirrend, aber führt auch dazu, dass man zwei Sprachen gleichzeitig besser kennenlernt. Dieses Durcheinander fängt bei der Sprache an, geht über die Architektur und zieht sich durch viele Bereiche des Lebens. Ich bin immer noch bei jedem Spaziergang beeindruckt von der Verspieltheit im Stadtplanerischen. Dieses Bauen ohne Regeln und Überblick führt dazu, dass das Stadtbild unglaublich divers und irgendwie interessanter ist. Neben einem Haus, dass keine drei Meter breit ist, aber dafür sieben Stockwerke hoch, steht ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, das pro Stockwerk nur ein riesiges rundes Fester besitzt und als wäre das nicht schon genug der BRIEF AN DIE HEIMAT Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 Reizüberflutung, glänzt daneben ein Art Deco-Gebäude im Schatten eines riesigen Hochhausblocks. Trotzdem oder gerade deshalb fügt sich alles so wunderbar ineinander und spiegelt auch die Bevölkerung Brüssels sehr treffend wider. Die Stadt ist so lebendig gemischt, mit Menschen aus allen Teilen der Welt, und jeder bringt etwas mit ein, was die Stadt nur noch verschachtelter, verrückter und aufregender macht. Genau so stellt man sich die Hauptstadt Europas vor. Ich mache mein Auslandssemester an der flämischen Uni, es gibt aber natürlich auch eine französische. Der Vielvölkerstaat Belgien versucht, so demokratisch wie möglich zu sein und allen Gruppen das gleiche Recht einzuräumen. Diese Gleichberechtigung hat zu einem Regierungsapparat geführt, den nicht einmal Bürgerinnen und Bürger Belgiens selbst erklären können. Nur als kleines Beispiel: Belgien hat drei unabhängige Regierungen, die zwar alle autonom sind, aber auch dazu da sind, die anderen Regierungen zu kontrollieren. Brüssel hat nicht eine Oberbürgermeisterin oder einen Oberbürgermeister, sondern neunzehn, also für jeden Stadtteil einen. Das heißt, es gibt jede erdenkliche politische Position neunzehn Mal. Und jeder Bürgermeister verwaltet seinen Stadtteil wie ein kleines Dorf. Deshalb geht zwar alles sehr demokratisch zu, aber auch ziemlich drunter und drüber. MICHAEL AUS BRÜSSEL

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Die Frage nach dem »Warum?« hinter den Entscheidungen der Brüsslerinnen und Brüssler stellte ich mir in den letzten Monaten ziemlich oft und meistens fand ich keine einfache, logische Antwort. Wenn ich dann meinen belgischen Mitbewohner frage, warum dies und das denn hier so und so gehandhabt wird und, dass das ja alles eigentlich überhaupt keinen Sinn macht, dann lacht er nur und sagt immer wieder den gleichen Satz: »Welcome to Belgium!« Das beste Beispiel für offene Fragen ist wohl der Justizpalast. Der Bau auf dem Galgenberg – wie passend – wurde 1883 fertiggestellt und ist bis heute das Sorgenkind der Stadt schlechthin. Im Inneren des Gebäudes angelangt, kommt man sich vor wie ein Winzling. Das ganze Ding ist dermaßen überproportioniert, als wäre es nicht für Menschen, sondern für Riesen erbaut. Die Säulen des Gebäudes sind so monströs, dass es schon lächerlich ist. Victor Horta, einer der bekanntesten belgischen Architekten, hat dieses Gebäude ganz gut zusammengefasst: »Die zyklopische Architektur ist aus der Vorstellung eines Zwerges hervorgegangen, ohne das menschliche Ausmaß zu kennen.« Zwar sollte die Justiz in diesem Sinne einen Platz einnehmen, in dem ihr Tempel, ihre heiligen Hallen, von überall sichtbar sind und so als wichtigstes Element der Regierung wahrgenommen werden. Aber der Zufall hatte für den Justizpalast in Brüssel eine andere Bestimmung vorgesehen. Da Brüssel Sumpfgebiet ist und der Justizpalast größer als der Petersdom in Rom, lässt der Boden unter dem Palast langsam nach und der Palast droht einzustürzen und auseinanderzufallen. Um der Natur entgegenzuwirken, wurde vor dreißig Jahren ein Gerüst um den Palast gebaut und mit der Sanierung des Fundaments und der Stärkung des bedrohten Mauerwerks begonnen. Leider ist das Ganze in einem ausgesprochen demokratischen Rechtsstreit zwischen unzähligen Parteien in einem Haufen Bürokratie geendet und seitdem ist der Justizpalast eingezäunt von einem Gerüst und gibt sich seinem Verfall hin. Aber solche Geschichten kennst du BRIEF AN DIE HEIMAT Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 ja, mein Heilbronn. Ich meine, der Chef des Kaufhofs hat ja auch bei der Eröffnung des Wollhauses dem grauen Monstrum mit seinen Worten »Das ist eine gelungene Anlage, um die man Heilbronn in ganz Europa beneidet« eine ganz andere Zukunft prophezeit als ihm tatsächlich widerfuhr. Ich mag das Wollhaus trotzdem; das einzige Gebäude mit Charakter neben all den seelenlosen Glasneubauten. Es ist sogar ein entscheidender Grund, warum ich Brüssel so lieb gewonnen habe. Das Durcheinander ist spannend, belebend und auch irgendwie befreiend. Deshalb treibt es mich jeden Tag aufs Neue auf die Straßen, in kleine Gassen und von dort in riesige Markthallen, mitten durch Bezirke, die in der internationalen Presse als Problembezirk gelten, aber in der Realität nicht den Anschein machen, weiter in den Park, vorbei an einem belgischen Nachbau eines traditionellen japanischen Turms aus dem 19. Jahrhundert und mitten rein in die pittoreske Innenstadt, in der es so viele Kirchen gibt, dass mehr als die Hälfte davon leer steht. Ein anderer Grund, warum Brüssel mich so in seinen Bann gezogen hat: Es gibt für eine Hauptstadt sehr viel Leerstand und das sogar mitten in der Innenstadt. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Kunstszene sich hier frei von allen Zwängen entwickeln konnte. Dadurch ist das Angebot an Kultur so groß, dass man gar nicht hinterher kommt auf alle Ausstellungen, Lesungen, Off-Space Eröffnungen, Konzerte und andere Veranstaltungen zu gehen. Eigentlich verpasst man immer was, obwohl man schon mehr erlebt als überall sonst. Wenn es so etwas im Ansatz auch bei dir gäbe, liebe Heimat. Aber vielleicht wird es ja, in der Bahnhofsvorstadt zum Beispiel. Auf bald, dein Michael Kunst, Musik, Kultur alles, dazu gehört MICHAEL AUS BRÜSSEL

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KAISER-FRIEDRICH-PLATZ 1963 Fotograf Fritz Friedrich, Stadtarchiv Heilbronn Hanix Nr. 56 Im Juli 1962 war der Spielplatz am Kaiser-Friedrich-Platz eröffnet worden, der von vielen Kindern in der Bahnhofsvorstadt genutzt wurde. Besonders attraktiv waren die überdachten Bereiche und die große Fläche, auf der sich sehr gut Rollschuhlaufen ließ. Auch die »Infrastruktur« war ideal, denn unmittelbar in der Nähe (Kaiser-Friedrich-Platz 5) gab es bei Erich Lauth Zuckerwaren zu kaufen und auch im Laden direkt daneben, bei Franz Renner, bekam man neben Lebensmitteln und Milch auch Süßigkeiten. Ansonsten hatten in der Umgebung einige bekannte Heilbronner Firmen ihren Standort. Auf der westlichen Seite der Olgastraße lagerte die Holz-, Kohlen- und Brennstoffhandlung Heichemer & Staab ihre Bretter. Ein Hinweisschild auf einem Dach noch etwas weiter westlich weist auf das Unternehmen Dautel hin, das Lkw-Aufbauten und Kipper baute. Dort, wo sich heute die Pro Seniore Residenz Neckarpark befindet, stand damals die Firma für Walzwerkerzeugnisse von Ernst Himmelein. Und links – am Ende der Olgastraße – lässt sich der Firmenneubau von Telefunken erahnen. Den Kaiser-Friedrich-Platz gibt es schon seit 1892. Das Bronze-Denkmal zum 99-Tage-Kaiser Friedrich III., das hier ein Jahr später aufgestellt wurde, musste 1918 für Kriegszwecke eingeschmolzen werden; der hohe Steinsockel wurde 1939 wegen des geplanten Bunkerbaus abgebrochen. Denn unter dem erhöht liegenden Kinderspielplatz befindet sich seit 1940 ein Tiefbunker, der im Zweiten Weltkrieg zur Versorgung von Verletzten diente. Nach 1945 richtete das Rote Kreuz in den Bunkerräumen bis 1950 bzw. 1953 eine Betreuungsstelle für Kriegsheimkehrer sowie ein Übernachtungsheim für rund 23 Personen ein. – Kurzum: ein Platz mit viel Geschichte. Näheres zu den 1960er und 70er Jahren in Heilbronn unter www.stadtarchiv.heilbronn.de 84 DER HISTORISCHE SCHUSS

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Spenden Sie für kranke Kinder in der Region! Kunst-, Musik- und Reittherapie Erfüllung von Träumen Besuchsdienst und Vorlesepaten Finanzielle Hilfe Kindgerechte Krebsbehandlung Patienten- und Familienbegleitung Einfühlsame Freude Familienhilfe zuhause Betreuung von Geschwistern Verbindung zur Schule www.grosse-hilfe.de Gestaltung: www.hettenbach.de Spendenkonten: Kreissparkasse Heilbronn IBAN: DE 84 6205 0000 0000 0074 43 BIC: HEISDE66XXX Volksbank Heilbronn IBAN: DE13 6209 0100 0390 3900 03 BIC: GENODES1VHN

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.jpg »Co-Create your Kiez« / »Creative Bureaucracy« / »Innovative Stadtentwicklung«, Altes Volksbad (Mannheim), Dezernat 16 (Heidelberg), Bildungscampus (Heilbronn), Juni und Juli 2018 Fotos: Startup MA, Kompetenzzentrum KKW des Bundes, DHBW HN Obere Reihe: Designfest Uncover, wo wir mit ca. 30 Teilnehmern erarbeitet haben, wie man die Neckarstadt-West in Mannheim mitgestalten kann. Mittlere Reihe: Das Kompetenzzentrum KKW des Bundes lud einen ausgewählten Expertenkreis zum Austausch über Herausforderungen und Chancen der öffentlichen Verwaltung ein. .JPG – BILDERGALERIE Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 Untere Reihe: Zusammen mit der DHBW Heilbronn hat Hanix zum »Gedankenaustausch ›Innovative Stadtentwicklung‹« eingeladen und mit 40 Teilnehmern diskutiert, ob die Bahnhofsvorstadt als urbanes Real Labor taugen kann. .JPG – BILDERGALERIE

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Fotos: Meli Dikta [1] - [3] blacksheep Festival, Schlosshof, Bonfeld, 08.06.2018, 19:40 Uhr bis 21:12 Uhr [4] - [6] 7 Jahre chouchou Boutique, Obere Neckarstraße, Heilbronn, 16.06.2018, 15:32 Uhr bis 16:14 Uhr Hanix Nr. 56 88 .JPG – BILDERGALERIE

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Hanix Nr. 56 Fotos: Meli Dikta & Nico Kurth [1] Beachbar-Deko, Hip Island, Heilbronn, 07.07.2018, 19:36 Uhr [2] Minigolf-Bahn, Wertwiesenpark, Heilbronn, 24.06.2018, 17:02 Uhr [3] Flohmarkt-Angebot, Willsbach Sportplatz, Obersulm, 07.07.2018, 12:45 Uhr .JPG – BILDERGALERIE f r e i r a u m - p h o t o s . d e

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Theater Heilbronn August & September 2018 Termine August 2018 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Mi 01. K2acht/Zigarre, Heilbronn bis 28.10.: Ausstellung – Fotografien von Mahmoud Daoud (Fotografie) Scala-Kino, Neckarsulm Genug gesagt (Kino) Schloss, Ludwigsburg 8. KSK Music Open: Sommernacht der Opernstars (Konzert) Komödienhaus Ein Strumpfband seiner Liebeslust – Kommissar Holzapfel ermittelt (Komödie) 02.08., 03.08., 04.08. & 05.08. BOXX Krach im Haus der 1000 Lieder (Theater) 31.08. & 02.09. halle02, Heidelberg Schandmaul (Konzert) Tollhaus, Karlsruhe Morcheeba - »Blaze away« (Konzert) Do 02. K2acht/Zigarre, Heilbronn Total Royal Jam Session (Konzert) Komödienhaus, Theater Heilbronn Ein Strumpfband seiner Liebeslust – Kommissar Holzapfel ermittelt (Komödie) Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe Künstlergespräch mit Sean Scully (Gesprächsrunde) Schlossplatz, Stuttgart Stuttgarter Sommerfest 2018 (Fest) Fr 03. Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn HANIX-Party »La vie en rose« (Hanixparty) Komödienhaus, Theater Heilbronn Ein Strumpfband seiner Liebeslust – Kommissar Holzapfel ermittelt (Komödie) Sasse-Genuss, Heilbronn Rum-Tasting (Verkostung) BOXX Mein Land, dein Land (Interkulturelles Singspiel) 01.09. Komödienhaus Bernd Stelter (Musik & Comedy) 13.09. Komödienhaus Pe Werner (Konzert) 23.09. Freilichtbühne Killesberg, Stuttgat SWR1 Pop & Poesie in Concert (Konzert) Tollhaus, Karlsruhe Maxïmo Park (Konzert) Schlossplatz, Stuttgart Stuttgarter Sommerfest (Fest) Luisenpark, Mannheim Asaf Avidan – The Study On Falling Solo-Tour 2018 (Konzert) Sa 04. Knotenpunkt Inselspitze, Heilbronn Film: Internationales low-budget Kurzfilmfestival (Filmfestival) Komödienhaus, Theater Heilbronn Ein Strumpfband seiner Liebeslust – Kommissar Holzapfel ermittelt (Komödie) Neckarufer Heinsheim & Nachbarstädte Flussgelaunt am Neckar (Fest) Erlebnispark Tripsdrill, Cleebronn Pyro Games 2018 (Feuerwerkswettbewerb) Schloss, Ludwigsburg 8. KSK Music Open: Freundeskreis (Konzert) Schräglage, Stuttgart Urban Winetasting | Riesling by the glass & Dexter an den Decks (Verkostung) Großes Haus Richard III. (Schauspiel) 28.09. BOXX Netboy (Schauspiel) 29.09. Komödienhaus Django Asül (Comedy) 30.09. Schlossplatz, Stuttgart Stuttgarter Sommerfest 2018 (Fest) Kowalski, Stuttgart Stsfctn w/ Thomas Brand & Alexander Maier (Clubbing) Karlsruhe Kamuna 2018 – Karlsruher Museumsnacht (Kultur) So 05. Komödienhaus, Theater Heilbronn Ein Strumpfband seiner Liebeslust – Kommissar Holzapfel ermittelt (Komödie) Hip Island, Heilbronn ILR Open Air x Sand & Latinbeats x Heilbronn (Clubbing) Robert-Mayer Sternwarte, Heilbronn Die Sonne – Der Stern von dem wir leben (Vortrag & Show) Neckarufer Heinsheim & Nachbarstädte Flussgelaunt am Neckar (Fest) Schlossplatz, Stuttgart Stuttgarter Sommerfest 2018 (Fest) Alte Feuerwache, Mannheim Sommerbühne: Lyanne (Konzert) 01. – 05.08.2018 Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 Mo 06. Arthaus Kino, Heilbronn Raum – Liebe kennt keine Grenzen (Kinofilm) Knotenpunkt Inselspitze, Heilbronn BUGA Café – 173 Tage buntes Programm – Veranstaltungen der BUGA (Programmvorstellung) Di 07. Stadtbücherei, Bad Rappenau Schachtelgeschichten – Schreibwerkstatt für 10 bis 12-Jährige bis 11.08. mit Ira Betz (Workshop für Kinder) Mi 08. Scala-Kino, Neckarsulm Genug gesagt (Kino) Alte Hackerei, Karlsruhe TSOL (Konzert) Do 09. Die Stadtmitte, Karlsruhe INVSN (Konzert) Fr 10. EMMA23, Heilbronn Hathors at EMMA23 (Konzert) Hofgarten, Öhringen 2. Street Food Festival Hohenlohe (Street Food Festival) Sudhaus, Tübingen Afrob feat. Tribes of Jizu (Open-Air-Konzert) 06. – 23.08.2018 Sa 11. Hofgarten, Öhringen 2. Street Food Festival Hohenlohe (Street Food Festival) Alte Feuerwache, Mannheim Sommerbühne: Rikas (Konzert) Konstanz Konstanzer Seenachtsfest (Fest & Lichtershow) So 12. Hofgarten, Öhringen 2. Street Food Festival Hohenlohe (Street Food Festival) Theaterhaus, Stuttgart Alte Mädchen – von Anna Bolk (Popkabarett) Hafen49, Mannheim Fritz Kalkbrenner (Clubbing) Mo 13. Arthaus Kino, Heilbronn Love & Friendship (Kinofilm) Schloss und Ludwig-Dörfler- Galerie, Schillingsfürst Hohenloher Kultursommer: The Sound of America – Broadway, Musicals and Movies (Konzert) Di 14. Badewelt, Sinsheim After-Work Relax Lounge mit DJ FredSelector (Wellness) Fresko, Stuttgart ArtNight: »Löwe« (Kunst) Mi 15. Scala-Kino, Neckarsulm Die beste aller Welten (Kino) Filmkunsttheater, Heidelberg Kinotour »Finsteres Glück« - Gloria & Gloriette Heidelberg (Kino) Do. 16. Festplatz, Aschaffenburg One Race Human!-Festival (Festival) Fr 17. Festplatz, Aschaffenburg One Race Human!-Festival (Festival) Alte Feuerwache, Mannheim Sommerbühne: Lion Sphere (Konzert) Sa 18. Nordheim Nordheimer Parkfest 2018 (Fest) Blühendes Barock, Ludwigsburg Lichterzauber (Lichtershow) Festplatz, Aschaffenburg One Race Human!-Festival (Festival) Lehmann Club, Stuttgart Definition of Hard Techno (Clubbing) Schräglage Stuttgart Das EFX Live in Concert (Konzert) Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart Alligatoah @SpardaWelt Freilichtbühne (Konzert) LKA Longhorn, Stuttgart Black Celebration – Die Depeche Mode Party (Clubbing) So 19. Wasserschloss, Bad Rappenau Vernissage: Bilder und Skulpturen – Kanarische Künstlerinnen und Künstler stellen aus / Ausstellung bis 23.09. (Vernissage) Katholische Kirche, Öhringen Hohenloher Kultursommer: Lieben Sie Mozart? (Konzert) Festplatz, Aschaffenburg One Race Human!-Festival (Festival) Mo 20. Arthaus Kino, Heilbronn Eine fantastische Frau (Kinofilm) Di 21. Mercedes-Benz-Museum, Stuttgart Die Verlegerin – Mecedes-Benz Open Air Kino (Film) Mi 22. Scala-Kino, Neckarsulm Die beste aller Welten (Kino) Do 23. Burg Stettenfels, Untergruppenbach Beat Brothers (Konzert)

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Fr 24. Wertwiesenpark, Heilbronn Street Food Festival, Heilbronn (Foodfestival) Weingut Kurz-Wagner, Talheim Kurz-Wagner Weinfestival (Fest) halle02, Heidelberg 90er Party – Ibiza Club Night (Clubbing) Marktplatz, Stuttgart SportScheck Run Stuttgart (Lauf) Sa 25. Mo 27. Arthaus Kino, Heilbronn Die göttliche Ordnung (Kinoflm) Weingut Kurz-Wagner, Talheim Kurz-Wagner Weinfestival (Fest) Di 28. Weingut Kurz-Wagner, Talheim Kurz-Wagner Weinfestival (Fest) Mercedes-Benz Museum, Stuttgart Internationale Ocean Film Tour Vol. 5 Open Air (Film) Mercedes-Benz Arena, Stuttgart U2 eXPERIENCE + iNNOCEN- CE Tour (Konzert) halle02, Heidelberg Generations w/ The Mover (Clubbing) halle02, Heidelberg 2000er Party mit Dj D-K-Dance & DJ Phil La Folie (Clubbing) Schloss Langenburg 15. Gartentage (Gartentage) Design – Think – Publish Wertwiesenpark, Heilbronn Street Food Festival, Heilbronn (Foodfestival) Weingut Kurz-Wagner, Talheim Kurz-Wagner Weinfestival (Fest) Hotel & Restaurant Amtshaus, Mulfingen – Ailringen Sommerschule »Cuisine Provencale« – Kochkurs mit Sternekoch Sebastian Wiese und seinen Kollegen (Kochworkshop) Innenstadt, Bad Wimpfen Zunftmarkt (Markt) So 26. Mi 29. Scala-Kino, Neckarsulm Die Vierhändige (Kino) Do 30. Kiliansplatz, Heilbronn Italienischer Markt (Markt) Substage, Karlsruhe Rose Tattoo (Konzert) Fr 31. Hanix Nr. 56 Weingut Kurz-Wagner, Talheim Kurz-Wagner Weinfestival (Fest) Innenstadt, Bad Wimpfen Zunftmarkt (Markt) Innenhof, Schloss Pfedelbach Hohenloher Kultursommer: J.S Bach und der weiße Hai im Alpensee (Konzert) BOXX, Theater Heilbronn Krach im Haus der 1000 Lieder (Theater) Kiliansplatz, Heilbronn Italienischer Markt (Markt) Bukowski, Heilbronn Andere Welt w/ Vanessa Sukowski (Clubbing) Blühendes Barock, Ludwigsburg Kürbisausstellung Eröffnung (Ausstellung) 15. – 29.06.2018

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Hanix Nr. 56 Termine September 2018 Unsere Lieblings-Clubs & -Bars, Heilbronn Irgendwas geht immer (Clubbing & Barkultur) Da zu Redaktionsschluss die (Wochenend-)Programme der Heilbronner Bars und Clubs meist nicht feststehen, bitte auf den Facebook- und Webseiten folgender Lokalitäten über Programmdetails informieren: Mobilat, The Rooms Club, Bukowski, Data77112 – Musik Café Bar, Hip Island, Kaffeebucht, Veranda 8, Flavour & Jäkbar Sa 01. BOXX, Theater Heilbronn Mein Land, dein Land (Interkulturelles Singspiel) Old Fashioned Cocktailbar, Heilbronn Gintasting (Verkostung) Seel, Heilbronn Handlettering Basic-Workshop (Workshop) Kiliansplatz, Heilbronn Italienischer Markt (Markt) Rathausinsel, Lauffen Wein auf der Insel (Weinfest) Bad Mergentheim, Schlosskirche Hohenloher Kultursommer: Böhmische Perlen (Konzert) 01. – 08.09.2018 Schloss Langenburg 15. Gartentage (Gartentage) Schloss Ludwigsburg Electrique Baroque 2018 (Electronic Festival) halle02, Heidelberg The Rock Club (Konzert) MS Connexion Complex, Mannheim Agonoize /Synth Attack / Chemical Sweet Kid / Special: Guest & SSM (Clubbing) So 02. BOXX, Theater Heilbronn Krach im Haus der 1000 Lieder (Theater) Rathausinsel, Lauffen Wein auf der Insel (Weinfest) Schloss Langenburg 15. Gartentage (Gartentage) Mo 03. Arthaus Kino, Heilbronn Der Geschmack von Rost und Knochen (Kinofilm) Rathausinsel, Lauffen Wein auf der Insel (Weinfest) Di 04. Wein-Moment, Stuttgar ArtNight: Handlettering (Workshop) Mi 05. Scala-Kino, Neckarsulm Suffragette (Kino) Do 06. K2acht/Zigarre, Heilbronn Total Royal Jam Session (Konzert) Jazz Club Cave61, Heilbronn Cave Jubilee Band (Saisoneröffnung & Sommerfest) Fr 07. Mobilat Club, Heilbronn 9 YRS WTF x Italojohnson x Telekom Electronic Beats (Clubbing) Atelier/Galerie Wilke, Heilbronn-Horkheim Vernissage der Doppelausstellung im Atelier Wilke: Franziska Rommel – Badende im Solebad Bad Rappenau & Miriam Wilke – Licht und Schatten am Fluss / Ausstellung bis 30.09. Sa+So, 14-20 Uhr (Ausstellung) Kurpark, Bad Rappenau Craft & Bier-Festival (Bierfestival) Burg Stettenfels, Untergruppenbach Complete Clapton (Konzert) ZKM, Karlsruhe Rüdiger Vaas: Alles ist Evolution – Wie ein genialer Gedanke die Welt erklärt (Vortrag) Hockenheimring Baden-Württemberg Hockenheim Classics 2018 (Motorsport) Sa 08. Zigarre, Heilbronn Inside Africa (Kulturfestival) Kurpark, Bad Rappenau Craft & Bier-Festival (Bierfestival) Museum im Kulturhaus, Forum Fränkischer Hof 14. Museumsbesen (Besen) Neuenstadt am Kocher Motorman Run (Lauf) Rittersaal, Schloss Weikersheim Hohenloher Kultursommer: Prinz-Constantin-Konzert (Konzert) Hockenheimring Baden-Württemberg Hockenheim Classics 2018 (Motorsport) halle02, Heidelberg Hospitality Heidelberg BBQ (Drum 'n' Base BBQ) Tollhaus, Karlsruhe Caveman (Komödie)

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So 09. Kulturforum, Brackenheim 8. Fahrrad-Theater: Bike & Show – Geführte Radtour mit Kultur durch das Zabergäu (Biketour) Hockenheimring Baden-Württemberg Hockenheim Classics 2018 (Motorsport) Mo 10. Arthaus Kino, Heilbronn Vincent Van Gogh – Die neue Art des Sehens (Kinofilm) Di 11. Porsche-Arena, Stuttgart Rea Garvey (Konzert) Mi 12. Weindorf, Heilbronn Studententag mit Jam Session (Musik) Scala-Kino, Neckarsulm Suffragette (Kino) Wein-Moment, Stuttgart After Work Weinprobe (Verkostung) Do 13. Komödienhaus, Theater Heilbronn Bernd Stelter (Musik & Comedy) Jazz Club Cave61, Heilbronn Chris Gall Trio feat. Frank Möbus (Konzert) Piano Wine Bar, Heilbronn Jazz Konzert mit Ioana Radulescu und Freunde (Konzert) Baden-Baden SWR3 New Pop Festival 2018 (Festival) Karlstorbahnhof, Heidelberg Iceage (Konzert) Alte Feuerwache, Mannheim Das Vereinsheim – Pop in Wohnzimmer-Atmosphäre (Konzert) Fr 14. GGS, Heilbronn »Focus on Women-Reihe«: »Frauenkarriere? Na, klar! Hilfestellungen zum Durchstarten« (Workshop) Theaterschiff, Heilbronn Weiber – Premiere (Theater) Im Wizemann, Stuttgart Rend Collective (Konzert) Karlstorbahnhof, Heidelberg Dephazz (Konzert) MS Connexion Complex, Mannheim SDX TKNO Research (Clubbing) Baden-Baden SWR3 New Pop Festival 2018 (Festival) Sa 15. Theaterschiff, Heilbronn Novecento – Premiere (Theater) Wasserschloss, Bad Rappenau Kunst und Kultur im Schloss für Kinder: Kinderkonzert »Ich spüre Dich!« Musik mit allen Sinnen erleben – ab 6 Jahren (Kinderkonzert) Salinenpark, Bad Rappenau Garten und Genuss – die große Gartenmesse (Gartenmesse) Innenstadt, Öhringen 7. Lange Nacht der Kulturen (Kultur) Reinhold-Würth-Haus, Bad Mergentheim Hohenloher Kultursommer: Gegensätzliche Harmonie (Konzert) Baden-Baden SWR3 New Pop Festival 2018 (Festival) So 16. Salinenpark, Bad Rappenau Garten und Genuss – die große Gartenmesse (Messe) Kultura, Öhringen Hohenloher Kultursommer: Mensch Mozart – Hommage an ein Phänomen (Musikalische Lesung) Mo 17. Arthaus Kino, Heilbronn Renoir – Verehrt und verachtet (Kinofilm) Karlstorbahnhof, Heidelberg Half Waif (Konzert) Di 18. Kunstmuseum, Stuttgart Betrachtungen. Prominente erklären Kunst (Kunstgespräch) Mi 19. Alte Feuerwache, Mannheim Ezra Collective (Konzert) Do 20. Piano Wine Bar, Heilbronn Weinprobe Rose Weine aus aller Welt (Verkostung) 09. – 20.09.2018 Hanix Nr. 56

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Hanix Nr. 56 K2acht/Zigarre, Heilbronn Jam Session Royal: HI5 live Tour 2018 (Konzert) Jazz Club Cave61, Heilbronn Tony Lakatos Quintett (Konzert) AudiForum, Neckarsulm After-Work meets Poetry Slam (Poetry Slam) Im Wizemann, Stuttgart Annie – Das Musical für die ganze Familie (Musical) Fr 21. Seel, Heilbronn Handlettering Basic-Workshop (Workshop) Kulturkeller, Heilbronn Heilbronner Leibgerücht (Kabarett) Wertwiesenpark, Heilbronn Flammende Sterne – Feuriger Wettstreit der Pyrotechniker (Feuerwerkswettbewerb) MS Connexion Complex, Mannheim Twize – Techno & Drum’n‘ Bass (Clubbing) Gartenpark und Atelier Anna Sansi, Pfaffenhofen Nachtmarkt der Künste (Kunsthandwerk) Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim IZE - »Da geht doch was« (Konzert) Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Kids & Co 2018 – Die Kindermesse für Groß und Klein (Messe) Im Wizemann, Stuttgart Chakuza (Konzert) So 23. Komödienhaus, Theater Heilbronn Pe Werner (Konzert) Wasserschloss, Bad Rappenau Klassik, Strauß-Walzer und Goldene Klassiker mit den Stuttgarter Salonikern (Konzert) Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Kids & Co 2018 – Die Kindermesse für Groß und Klein (Messe) Im Wizemann, Stuttgart Tim Kamrad (Konzert) Mi 26. Scala-Kino, Neckarsulm Una und Ray (Kino) LKA-Longhorn, Stuttgart Faber (Konzert) Do 27. Jazz Club Cave61, Heilbronn Mayito Rivera & Sons of Cuba (Konzert) Fr 28. Piano Wine Bar, Heilbronn The Cat’s Back Live Konzert (Konzert) Mobilat Club, Heilbronn Out of the Dark (Clubbing) Kaffeehaus Hagen, Heilbronn Buchpremiere: Knorr – Die Päcklessuppen-Dynastie v on Gunter Haug (Premiere) Großes Haus, Theater Heilbronn Richard III. (Schauspiel) ZKM, Karlsruhe UPIC – Graphic Interfaces for Notation Conference (Symposium) Sa 29. Kulturkeller, Heilbronn Heilbronner Leibgerücht (Kabarett) Mobilat Club, Heilbronn Wortsport Lounge (Clubbing) BOXX, Theater Heilbronn Netboy (Schauspiel) Sa 22. Mo 24. Kulturkeller, Heilbronn Heilbronner Leibgerücht (Kabarett) Wertwiesenpark, Heilbronn Flammende Sterne – Feuriger Wettstreit der Pyrotechniker (Feurwerkswettbewerb) Harmonie, Heilbronn Faisal Kawusi: Glaube nicht alles, was du denkst Mojäk Galerie, Heilbronn Vernissage: Paula Winkler »Worldpeace« (ab 17 Uhr) 20. – 29.09.2018 Arthaus Kino, Heilbronn Ich, Claude Monet (Kinoflm) Di 25. Knotenpunkt Inselspitze, Heilbronn Ausstellungseröffnung: »Stadt_ Land_Fluss« (Fotografie) Stadtbibliothek, Stuttgart Wie vielfältig ist unser Kulturbegriff? (Vortrag) Schwäbisch Hochdeutsch

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Hanix Support-Abo Jetzt Unterstützer werden! Hanix Nr. 56 Ein Jahr lang sechs Ausgaben Hanix in deinen Briefkasten für 40 EUR. Deine Vorteile: - Hanix vor allen anderen lesen - Bequeme kostenfreie Zustellung der Hefte per Post - Pluspunkte auf deinem Karma-Konto - Dein gutes Gefühl etwas Wichtiges für die Stadt(entwicklung) zu tun - Du sorgst für Medienvielfalt in der Region Gleich bestellen! shop.hanix-magazin.de oder abo@hanix-magazin.de oder 07131 / 1216500 12. – 23.07.2018

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Hanix Nr. 56 Kulturbühne Kapelle im Schloss, Brackenheim Lisa Eckhart - »Als ob Sie Besseres zu tun hätten« (Kabarett) ZKM, Karlsruhe UPIC – Graphic Interfaces for Notation Conference (Symposium) Tollhaus, Karlsruhe Ohne Rolf - »Seitenwechsel« (Kabarett & Comedy) Intersport Veranstaltungscenter Redblue, Heilbronn HeilbronnKreativ – 1. Heilbronner Kreativmesse (Messe) So 30. Komödienhaus, Theater Heilbronn Django Asül (Comedy) Intersport Veranstaltungscenter Redblue, Heilbronn HeilbronnKreativ – 1. Heilbronner Kreativmesse (Messe) Festsaal Bildungshaus, Schöntal Hohenloher Kultursommer: Die fantastische Welt von… (Konzert) Wilhelma, Stuttgart Wilhelma-Tag (Hinter den Kulissen) Universum, Stuttgart The Story So Far (Konzert) Jetzt im Hanix Shop dich und uns glücklich kaufen! Hanix Support-Abo Jetzt Unterstützer werden! Hanix-Support-Sticker-Set (5 Stück) 5 Euro Hanix-Support-Poster (DIN A1) 15 Euro Jetzt NEU! Hanix Shop Ein Jahr lang sechs Ausgaben Hanix in deinen Briefkasten für 40 EUR. Deine Vorteile: - Hanix vor allen anderen lesen - Bequeme kostenfreie Zustellung der Hefte per Post - Pluspunkte auf deinem Karma-Konto Hanix-Support-Turnbeutel (black) Hanix-Support-T-Shirt - 20 Dein Euro gutes Gefühl etwas (sportygrey; Wichtiges XS - XL) für die Stadt(entwicklung) den Briefkasten; 6 Hefte) 30 Euro 40 Euro zu tun - Du sorgst für Medienvielfalt in der Region Hanix-Support-Bundle (Sticker-Set, Poster, Turnbeutel, T-Shirt) Gleich 70 Euro bestellen! shop.hanix-magazin.de oder abo@hanix-magazin.de oder 07131 / 1216500 shop.hanix-magazin.de Das Kaufhaus für den Hanix-Support! Hanix-Support-Bundle + Hanix-Support-Abo (Sticker-Set, Poster, Turnbeutel, T-Shirt + Abo) 110 Euro Hanix-Support-Abo (Ein Jahr Hanix in Oktober/ November- Ausgabe Hanix erscheint Ende September 2018 Interesse an einem Hanix-Abo? Dann mailt uns! abo@hanix-magazin.de www.hanix-magazin.de facebook.com/hanix.magazin 29. – 30.09.2018

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Tiere ab 18 Lisa Maria Klotz kam wahrscheinlich durch Geburt zur Welt. Seitdem zeichnet, malt und spielt sie am liebsten Quatsch. Zur Beruhigung backt Lisa Pfannkuchen und ihr animalisches Buch »Tiere ab 18« soll man sich und anderen gefälligst in großer Stückzahl bestellen! Check da Shit out: www.tiereab18.de Mehr zu Lisa gibt’s hier: www.lisamariaklotz.de Hanix Nr. 56 TIERE AB 18

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Alle 55 bisher erschienenen Ausgaben sowie die drei Best Offf- Magazine von Hanix findet ihr in unserem Online-Archiv unter www.hanix-magazin.de. Für Smartphones und Tablets gibts Hanix über die kostenlose »keosk.«-App. Foto: Meli Dikta

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