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Content:
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Nº1 8 MAI 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN 9. MAI HANIX PRÄSENTIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES

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Nº4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 OKT 201 1 DEZ 2011 / JAN 2 01 2 Nº5 FEB 2 01 2 Nº1 SEP 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR t e i lt , e i l t , Nº3 NOV 20 11 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. weilt, BILD UNG E N ERGI E BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E IT ARM UT REBELLION Nº1 Nº6 MRZ 2012 Nº2 Nº 7 APR 2012 Nº3 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº4 Nº9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº5 N º10 AUG 2012 Nº8 MAI 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD er ä d lä n s HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER Nº6 Nº11 SEP 2012 Nº7 Nº12 OKT 2012 Nº8 N º13 NOV 2012 Nº9 Nº1 4 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº10 N º 15 FEB 2013 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S „ F O R E V E R YO U N G “ A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT WI RTSC H A F T PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB E SS E N & TRI N K E N WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SC HA FFE, SC HA FFE HÄ USLE BAUE! J UG E N D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 N º 16 MÄRZ 2013 Nº12 Nº 17 APRIL 2013 Nº13 Nº14 Nº15 IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZWEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER H ANDARB EI T AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK WO H L F Ü HL EN HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK Nº16 Nº17

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E D I TO R I A L »Boom Boom Boom Boom« (John Lee hooker, BLuesmusiker) Liebe Leserinnen, liebe Leser, in Heilbronn hämmert es überall, Baukräne wohin man schaut. Unser Städtchen rüstet sich für die Zukunft. Heilbronn gibt Gas! Und das in ganz unterschiedlichen Bereichen. Ob bei der Stadtentwicklung (Buga2019 & Neckarbogen), der Bildung (experimenta & Bildungscampus), der Wirtschaft (Zukunftspark Wohlgelegen) und sogar im Bereich Kunst und (Sub)kultur (Apparat34). Man kann es schon so sagen: Heilbronn boomt. Und deshalb unser Schwerpunktthema »BOOMTOWN«. Als wir vergangenen Monat auf dem Galgenberg unseren Hund gassi führten, überraschte uns ein riesengroßer Fantasie-Teddybär, eingepackt in Frischhaltefolie, um ihn vor dem Nieselregen zu schützen. Mit dem riesen Bären bereitete sich ein romatisch veranlagter junger Mann auf eine entscheidende Frage vor. Nämlich: »Willst Du mich heiraten?« Wie die Antwort der wenig später dazugehörigen jungen Dame lautete, wissen wir nicht. Wir gehen aber mal schwer davon aus, dass die Auserwählte mit »Ja, ich will!« geantwortet hat. Und jetzt gut »hingehört!«: Zwischendurch ein Hinweis in eigener Sache und in eigenem Interesse. Am 9. Mai präsentieren wir eine Mischmasch-Veranstaltung, deren Besuch sich unserer Meinung nach lohnt. Wir präsentieren im Mobilat-Club eine charmante Liveveranstaltung. »Mashed Potatoes« haben wir das ganze genannt. Live spielen »Kaéla« (Im Interview ab Seite 42), die demnächst in Liverpool auftreten werden, und eine Bühne betreten, die regelmäßig von den »Beatles« gerockt wurde, und »Wunderbare Katze«. Dazu liest Nicolai Köppel, vielleicht sogar über die Pornosammlung seines Vaters. Zwischendurch und danach legt Ashley Aames Platten auf. Ganz schön durchmischt, die ganze Chose. Aber halt auch ganz schön! Wir freuen uns auf jeden der kommt. Und die auftretenden Künstler erst. Vor sechs Jahren wurde Polizistin Michèle Kiesewetter am hellichten Tag auf der Heilbronner Theresienwiese kaltblütig ermordet. Die Heilbronner Polizeidirektion und besonders die eingerichtete Sonderkommision »Parkplatz« wurde zwei Jahre bis an die physische und psychische Belastungsgrenze und darüber hinaus beansprucht. Anfang Mai beginnt in München der NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe. Ihr wird unter anderem der Mord an Michèle Kiesewetter zur Last gelegt. Wir sprachen mit dem Leiter der Heilbronner Polizeidirektion, Roland Eisele, über Phantome, Burnout und das Bücherschreiben. Wir sagen es mit den Worten des »Hazy Osterwald Sextetts«: »Geh' n sie mit der Konjunktur, Geh' n sie mit, Geh' n sie mit. Dreh' n sie mit an dieser Uhr, Dreh' n sie mit, Dreh' n sie mit ... Auf, auf: das HANIX-Team Willst Du meine Frau werden?: Dieser riesen Teddy auf dem Heilbronner Galgenberg unterstützte den Bräutigam in spe bei der Frage nach der Hand seiner Herzensdame. ober sheriff: Roland Eisele leitet die Polizeidirektion Heilbronn. Vor sechs Jahren dirigierte er die Ermittlungen im mordfall michèle Kiesewetter. Anfang mai beginnt nun der NSUProzess in münchen. Wir sprachen mit Eisele über die Jagd nach dem Phantom und Burnout-Syndrome.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS N º1 8 MAI 2013 IM GE SP RÄ CH : LA ND EI SE LE PO LIZ EI CH EF RO IS TE NM O RD ÜB ER DE N PO LIZ UN D DE N VO M AP RI L 20 07 U- PROZE SS NA HE ND EN NS IM AT: BR IE F AN DI E HE ITE N FÜ R DI E ÜB ER DA S AR BE LIN DU ST RI E KA NA DI SC HE Ö BE I -4 0 GR AD KU NS TR EG IO N: N DE SI GN IKO NE M IT 9. M AI M O BI LAT: D POTATO ES « IM EN TIE RT »M AS HE HA NI X PR ÄS NG & DJ M ES LIV EB AN DS , LE SU EL & AS HL EY AA NI CO LA I KÖ PP RB AR E KATZ E, KA ÉL A, W UN DE

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Über dem magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder o-Töne aus Interviews ins magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins magazin hinein zoomen. mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. oder man zieht mit der gedrücktem rechten maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: mAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº18 16 M A RK U S S EI BEL mEINE PLATTENKISTE 42 K AÉ L A KULTURBEUTEL 48 E I N S AM E R HIRTE KÖPPELS KURZGESCHICHTEN Markus Seibel ist Herausgeber eines Musikmagazins mit dem Schwerpunkt Metal. Kein Wunder, dass seine Top Fünf schwermetalhaltig ist. Ein Gespräch mit Kaéla über IkeaPassend zu den Jahreszeiten, in denen Möbel, Pete Doherty und ihren Auftritt man wieder mehr Zeit draußen im im Mobilat bei der HANIX-Veranstal- Dunkeln verbringen kann, eine kritungsreihe »Mashed Potatoes«. minell nachtaktive Story. P R EMI UM MO D ER N ART mACHER Im UNTERLAND 68 & 74 SC H U T ZR AU M & D ES I G N I KON E N KUNSTREGIoN 78 I M G E S P RÄCH: ROL A N D E IS E L E INTERVIEW DES moNATS Der Böckinger Ted Bauer vertritt den Amerikaner James Gill, einen der außergewöhnlichsten und bedeutendsten Pop-Art-Künstler unserer Zeit. Wir haben den Kunstagenten mit der Kamera besucht. Zwei Ausstellungen in der Region, die sich lohnen, besucht zu werden. Albrecht Schnepf stellt in seiner Heilbronner Galerie Schutzraum aus und im Audi Forum Neckarsulm werden Design Ikonen gezeigt . Vor sechs Jahren dirigierte Roland Eisele die Ermittlungen im Mordfall Michèle Kiesewetter. Anfang Mai beginnt nun der NSU-Prozess in München. Wir sprachen mit Roland Eisele über den Fall.

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84 B O O M TOW N TITELTHEmA 12 & 14 TA N Z ! & K A R AT E STADTLEBEN / LANDLEBEN »Wir sind schon im Aufschwung, nur keiner merkt es.« * Richard Oetker in Bezug auf die stark gestiegnene Frachtvolumina im internationalen Handel. ICH DENK AN DICH EIN mUSIKVIDEo VoN DITTRICH & KÖNI RIESEN TEDDY HEImATLIEBE JETZT & HIER mITTAGSTISCHTEST G EW I N N M A L W I E D E R ! 14 6 PATRICK L A BI TZ KE BRIEF AN DIE HEImAT AUS KANADA QUIZ C A R AC A S I S T A N D E R S ARoUND THE WoRLD Patrick Labitzke bereist seit dem vergangenen August Kanada. Um sich etwas dazu zu verdienen, hat er in der Ölindustrie angeheuert und war stolz als einer der letzten nach Hause geschickt worden zu sein.. WIESBADEN, 2010 VIA ARCHIV 38 S PRU CH L A SS N AC H VATERKoLUmNE H AU P T B A H N H O F 1 9 2 7 HISToRISCHER SCHUSS Nicolai Köppel kolumniert ab dieser Ausgabe hier über Vaterfreuden und was ihm daran auffällt. Er selbst ist inzwischen schon 4,6% seines Lebens Vater. Tendenz stark steigend. V E R A N S TA LT U N G E N M A I VERANSTALTUNGSKALENDER LESERBRIEFE & ImPRESSUm 158

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DAS HANIX TEAm W ER UND W I ES O ? EINE VoRSTELLUNG mIT BEWEGGRÜNDEN RoBERT mUCHA HERAUSGEBER & REDAKTIoN 34 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? mARCEL KANTImm HERAUSGEBER & KooRDINATIoN & SoCIAL mEDIA 38 JAHRE Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

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STEVEN ZULEGER VIDEo 30 JAHRE mARIA SANDERS REDAKTIoN & moDERATIoN 28 JAHRE FLoRIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTIoN 22 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIoNKA FILm & IDEE 26 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTIoN 35 JAHRE mEHmET FILIZ FoTo 24 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAImAR SCHURmANN ART DIREKTIoN 39 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATIoN 35 JAHRE LISA HoFmANN GRAFIK 21 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILm & SCHNITT 21 JAHRE JoSHUA ENDRESZ KoLUmNIST 9 JAHRE LEo VoLLAND ILLUSTRATIoN 38 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Ich schreibe für's HANIX weil ich jedem meine Meinung sagen will. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTIoN 37 JAHRE PHILIPP SEITZ SoUND 30 JAHRE ULLA KÜHNLE FoTo 42 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. KRIS RAmPmAIER VIDEo 23 JAHRE mAVINGA PETRASCH NEW YoRK VIDEo 46 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTIoN 57 JAHRE Videos zu machen ist keine Zauberei, sondern meine Leidenschaft. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: MAI 2013 UNTER KONTROLLE Deutschland ist ein sehr freies und weit entwickeltes Land, doch auch hier findet man immer wieder verschiedene Arten von Kontrolle. So fällt unter diesen Begriff zum Beispiel Videoüberwachung, Datenspeicherung oder auch die Überwachung der Lebensumstände von Hartz 4 – Empfängern. Kontrolle ist ein sehr weitläufiger Begriff. Für Gefangene spielt Kontrolle eine weitaus größere Rolle als für viele andere, da sie darunter ihr eingeschränktes und kontrolliertes Leben hinter Gittern verstehen. In anderen Ländern ist die Situation dramatischer, denn dort bedeutet Kontrolle, seine eigene Meinung nicht äußern zu dürfen oder andere Rechte, die in Deutschland selbstverständlich sind, nicht zu haben. Das Theater Heilbronn präsentiert mit dem fünften Tanzfestival, das unter dem Motto »Unter Kontrolle« steht, viele verschiedene Performances von internationalen Tanzkompanien oder Choreografen und Choreografinnen. Um diese auszuwählen, reiste die Kuratorin Karin Kirchhoff durch Europa, schaute sich verschiedene schon bestehende Werke an und lud die Choreografen der zum Thema passenden Werke nach Heilbronn ein. Das Ziel dieses Festivals ist es, verschiedene Formen von sozialer und politischer Kontrolle mit Tanz und Tänzern auszudrücken. Von einer Performance von Gefangenen bis hin zu einem Film über Tanzverbot im Iran ist vieles dabei. Die Pressereferentin Silke Zschäckel erzählt, dass das Motto des Festivals schon über ein Jahr vorher ausgewählt wird und sich auch an den anderen Theaterstücken für den geplanten Zeitraum orientiert. Das Festival findet vom 8. - 12. Mai 2013 in den drei Spielstätten des Heilbronner Theaters und der Justizvollzugsanstalt Heilbronn statt. Das Tanzprojekt der Gefangenen wurde, im Gegensatz zu allen anderen Werken, für das Festival entworfen und auf ihre Akteure zugeschnitten. Das Programm besteht außerdem aus zwei Tanztheatern, einer Multimedia Performance, einer Performance mit Kindern und einer Diskussionsrunde. Alles ist so organisiert, dass man jede Vorstellung besuchen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit an drei verschiedenen Tanzworkshops teilzunehmen, die nach Altersklassen aufgeteilt sind und zu denen man keinerlei Tanzkenntnisse benötigt.

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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L ANDLEBEN: MAI 2013 B U D O - G A L A I N B I N S WA N G E N Karate ist eine Kampfsportart, die zur Selbstverteidigung dient. Übersetzt heißt Karate »leere Hand«, was bedeutet, dass ohne Waffen und nur mit dem eigenen Körper gekämpft wird. Der Karateverein in Binswangen besteht aus etwa 200 aktiven Mitgliedern, die von Andreas Ginger im japanischen Karate trainiert werden. Zum Training gehören nicht nur Kampfübungen, sondern auch Konzentrations-, Koordinations-, Kraft- und Ausdauertraining. Wer in dieser Sportart erfolgreich sein will, muss außerdem schnell sein, braucht aber auch Disziplin, Selbstvertrauen, Gelassenheit und eine perfekte Technik. Jeder Schüler wird individuell und intensiv trainiert. Dabei soll aber die Schule keinesfalls zu kurz kommen, denn wenn ein Teilnehmer der Leistungsgruppe zu schlechte Noten schreibt, muss er sich erst verbessern, bevor er weiterhin am Training teilnehmen darf. Dies passiert aber eher selten, da man beim Karate auch viele mentale Übungen macht, dadurch konzentrierter und entspannter ist und so einfacher zu guten Noten kommt. Aber nicht nur schulisch sind die Karatekas aus Binswangen erfolgreich, auch in ihrer Sportart können sie große Erfolge feiern. Lena Bergmann, Jenny Arpogaus, Hannah Kübler und Erika Ginger qualifizierten sich sogar für die Karateweltmeisterschaft. Um dafür richtig vorbereitet zu werden, hatten sie und die Leistungsgruppe ein Training bei dem Sportwissenschaftler Jürgen Fritzsche, der außerdem Bundeslehrwart ist. Andreas Ginger organisierte dieses Training, um die Sportler möglichst vielseitig zu trainieren und von einem Sportwissenschaftler vielleicht sogar noch Übungen dazuzulernen. Die anstehenden Budo-Tage vom 9. bis 12. Mai 2013 in der Sulmtalhalle Binswangen können zusätzlich als Training genutzt werden. Allerdings in größerem Rahmen. Denn in der Sulmtalhalle werden 200 – 500 Trainer und Schüler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet. Damit für jeden die passende Übung dabei ist, gibt es nicht nur Kampfeinheiten, sondern auch ein Mental-, Ausdauer- und Krafttraining. Eine Trainings14 einheit dauert etwa 75 Minuten. Der Schüler darf sich frei entscheiden, welche und wie viele Trainingseinheiten er pro Tag machen möchte. Das Highlight ist die Benefiz-Budo-Gala am 11. Mai. Dort werden im Festsaal der Sulmtalhalle ab 19 Uhr Kämpfe und Übungen vorgeführt. Außerdem findet das Finale des Kata-Cups statt, das mit sehr hohem Niveau ausfallen wird, da sich bisher viele gute Karatekas angemeldet haben. Bei der BenefizGala wird um Spenden gebeten, die an krebskranke Kinder vom Krankenhaus Gesundbrunnen gehen sollen.

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prä s e n t i e r t d s 5 he e 9 as to ta M o P Cl ub M ob t la i , ei H l A o rtp p h n te nt U e rm a n lu g 13 0 nn o br it c Br ges che / K is rf- urz re u al a b ), S , K sik l er u e nd (liv ppe , M u ö s W éla i K me Ka ola Aa c Ni hley As z at , e) op p c hi Mit f re u n dlic h e r Un t er s t ü t z u n g v o n Einlass 20 Uhr Beginn 21 Uhr Kulturbeitrag 5 Euro

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MEINE PL ATTENKISTE: MARKUS SEIBEL PRoToKoLL:RoBERT mUCHA FoToS: mICHAEL DIKTA MARKUS SEIBEL: M E TA L , M E TA L UND DEAD CAN DANCE! Markus Se i b e l ( 2 4 ) a u s Ha rd t h a u s e n am Ko ch e r bringt s e it d re i Jah re n da s Metal-Roc k-Pun k - Po p - Ma g a z i n » Me d icine « h e raus . Se ine Mus ik -Po s tille erschei nt vie rmal i m Jah r u n d es g ib t s ie inzwis ch e n in vie r Länd e rn (Finnland , Unga rn, Sp anien u n d Deu t s c hl a n d ) u n d im m e r zwe is prach ig . Wir s prach e n m it d em Musi km ag azin m a c her ü b er s ein e pe rs ö nlich e n m us ik alis ch e n Vo rlie be n. Me h r Inf o s z u m Ma g a zin: h ttp ://w w w.me dicine -mag.com/

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MEINE PL ATTENKISTE: MARKUS SEIBEL Vorab muss ich erwähnen: Ich liebe die Tiefe bei Songs. Damit mir ein Stück oder ein Album gefällt, muss es sowohl musikalisch als auch textlich tiefgründig sein. Ich stehe zum Beispiel auch auf progressiven Jazz. Ich muss CDs auch unbedingt im original haben. Ich habe über 2500 Alben und kann nichts mit heruntergeladener Musik anfangen. Nun aber meine Hitliste. * spielt. Ich habe ihn schon interviewen dürfen. Tomy Vitaly ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Wie er seine Songs komponiert ist der Wahnsinn. Man muss auch wissen, dass er alle Instrumente selbst einspielt. Von der Gitarre über das Schlagzeug bis hin zu den Vocals. Sein Album »Just Me« hat er selbst finanziert und selbst produziert. Insofern passt der Titel auch ganz gut. Diese Leidenschaft beeindruckt mich auch nachhaltig. * Auf dem fünften Platz habe ich WIDOW, eine US-amerikanische Metal-Band, mit dem Album »Life´s Blood« gewählt. WIDOW schütteln mit »Life’s Blood«« ein tolles Album für Traditionalisten aus dem Ärmel, voller hervorragender Gitarrenarbeit und ausgereiftem Songwriting mit einigen Details, die sich auch erst nach mehrfachem Hören offenbaren. * PANDEA aus Berlin und Schweden belegen mit dem Album »Soylent Green« bei mir Platz vier. Die Melodieläufe und wie die Jungs Songs komponieren, dazu deren Liveauftritt: Da stand mir die Kinnlade unten. Die Hauptstädter haben bei mir ein wahnsinniges Feeling erzeugt. Sie waren sehr energetisch. »Soylent Green« ist ein hochklassiges Album. Wer mit der Musik von Ayreon, Saviour Machine, Shadow Gallery oder Jon Olivas Projekten etwas anfangen kann, sollte sich auch »Soylent Green« nicht entgehen lassen. Die Bronzemedaille verleihe ich Tomy Vitaly. Er ist ein Solokünstler aus Italien, der melodischen Powermetal Nun kommen wir zu Dead Can Dance, die bei mir auf Platz Zwei liegen. Die australische Kombo macht ganz verrücktes Zeug mit unterschiedlichsten Einflüssen - so zum Beispiel Jazz und Rock aber auch Einflüsse aus dem Death Metal sind in ihrer Musik zu hören. Das man aus so unterschiedlichen Musikstilen am Ende was Ordentliches, Handfestes erzeugen kann, das eine Einheit bildet, finde ich beeindruckend. * Mein Favorit ist Avantasia, ein Projekt sozusagen. Der Künstler hat sich zunächst auch selbst finanziert und es geschafft, mehrere Alben auf hohem Niveau zu produzieren. Die Musikrichtung würde ich als Rockoper bezeichnen. Das Album »Mystery of Time« ist erst Ende März diesen Jahres erschienen, nachdem sich die Band eigentlich aufgelöst hatte. Das Avantasia wieder da ist, freut mich natürlich. Auf »The Mystery Of Time« befindet sich erneut opulenter und epischer Metal, inklusive vieler Gaststars.

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D I T T R I C H ! K Ö N I Di t t r i c h, K l o t z & Kö ni d re h e n lus tig e Film e . Sk e tch e zum Be is pie l. Di e s m al: Ich d en k an d ich! St e fan Di tt r i c h u n d s ei n Ku m pe l Kö ni s ing e n übe r Lie be und Ve rgessli chkei t un d g re i f en d a z u a u c h a u f ge büge lte R ie s e nplüs ch am e is e n zur ück . Absolut ob e rkr asso m a t ver s c h ic k t er Song ! Ge d re h t vo n Nico lai Kö ppe l m it der Pa na son i c Lumix G H 2 u n d d em Vo ig tland e r No k to n 25m m . Ne be lm as chi ne, Stehl am p e . Ges c h n it t en vo n Dittrich & Kö ni, So ng vo n Ste fan Ditt ri ch. D i t t ri c h & K ö n i s i n D b u c h b a r ! KontaKt: 0176/99053371 www.DerDrangzumKlang@web.De ww w . l i s a m a r i a K l o t z . D e

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FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN MeLi DiKta, robert MUcha & Marie MUNKeLberg

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ein TeDDY Zum AnTrAG Um seiner Frage Nachdruck zu verleihen, hat ein junger mann zum Hochzeitsantrag auf dem Galgenberg sich riesige, plüschige Unterstützung mitgebracht. Wer kann da schon »Nein«sagen?

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ChArminG ALT-BÖCkinGen In Alt-Böckingen, so scheint es manchmal, ist die Zeit vor zig Jahrzehnten stehen geblieben. Hier gibt es sie noch, die kleinen inhabergeführten Lädchen, wo die Kundschaft noch mit Namen und Handschlag begrüßt wird - dazu marode Bausubstanz. So herrlich nostalgisch!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION heiLBronner BAroCk Der Heilbronner tut sich schwer, das Bild der Stadt schön zu finden. Schuld daran ist unter anderem der Heilbronner Nachkriegsbarock. Zig 50er-Jahre-Bauten säumen das Stadtbild und tun dem Auge weh, so der allgemeine Tenor. Andererseits verbreiten die Nachkriegsbauten ihren ganz eigenen Esprit. In ein paar Jahren, wenn Heilbronn hübsch und modern ist, werden wir uns nostalgisch zurückerinnern: Irgendwie war er doch ganz schön, der Heilbronner Barock!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Bier, CoLA, WAsser Eine Hausfassade mit Werbeschildern, wie man sie noch aus den 80er-Jahren kennt. Dabei gibt es, unseren GoogleRecherchen zufolge, Remstalsprudel gar nicht mehr. Aber das ist den Alt-Böckinger-Getränkehändlern egal.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION BLumen Zum muTTerTAG Bald ist es wieder so weit: muttertag. oft vergessen Väter den Ehrentag aller mamis und hetzen kurzentschlossen und panisch zur nächsten Tankstelle, um ein Sträußchen zu erwerben und es mit einem Küsschen zu überreichen. Wir empfehlen für dieses Jahr, etwas früher an die mamas zu denken und sich beim Blumenhändler um die Ecke einzudecken.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ABenTeuersPieLPLATZ FÜr erWAChsene Hinter dem Eisenbahnmuseum in Böckingen stehen ausrangierte Bahnwaggons. Ein Blick hinein lohnt sich. Doch vorsicht: Nicht erwischen lassen!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Außer BeTrieB Friedhof der Bahnwaggons.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION heissGeTrÄnk Ab und an werden die Bahnwaggons offensichtlich bewohnt. Und auch hier gibt es zum Frühstück Kaffee. Und wahrscheinlich dazu Zigaretten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION LiTerArisChes rÜCkZuGsGeBieT In unserer Fantasie lebte hier im Bahnwaggon ein bedeutender Schriftsteller, der leider nie entdeckt wurde.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION FrÜhLinGserWAChen Es gab sie, die sonnigen Tage im April. Dieser Löwenzahn ist ein Beleg dafür. Kaum bahnten sich die warmjen Strahlen ihren Weg zur Erde, kämpfte sich die Pflanze durch den Asphalt ans Tageslicht.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION GeheimTiPP Der Ziegeleipark in Böckingen gehört sicherlich zu den schönsten Parkanlagen der Stadt. Nur haben das bisher viele Heilbronner noch nicht mitbekommen. Selten ist viel los hinter dem Böckinger Wasserturm. Wer Ruhe und Idylle will, meidet Pfühlpark und Wertwiesen und sucht sich seinen Liegeplatz hier.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Y.e.A.h.? Über was jubelt dieser mann, fragt man sich? Über nichts, lautet die einfache Antwort. Früh am morgen musste sich der Herr noch strecken und die müdigkeit aus den Knochen bekommen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION WinDTroCknunG Endlich kann man seine Wäsche wieder draußen an der frischen Luft trocknen lassen. Den milden Temperaturen sei dank!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION CAFÉ & BAr DAneBen Reverend Shine Snake oil Co, die Band aus Dänemark und den USA rockte an einem Dienstag Abend die Café & Bar Daneben in der Salzstraße. 60 begeisterte Zuhörer, dazu eine Band die alles gab, bis der Schweiß von der Decke tropfte. Vielleicht wird Heilbronn ja doch noch eine Konzertstadt. Im »Daneben« gibt es wechselndes Kulturprogramm. Von Konzerten über Lesungen, Ausstellungen, Filme gucken und mit Babys krabbeln, wird hier ein vielfältiges Programm geboten.

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Filmformate im HA N I X Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatf ilm.tv

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S PRUCH L ASS N AC H Nicolai Köppel kolumniert ab dieser Ausgabe hier über Vaterfreuden und was ihm daran auffällt. Er selbst ist inzwischen schon 4,6% seines Lebens Vater. Tendenz stark steigend. In der Pubertät sind sie mir am unangenehmsten aufgefallen (kurz darauf hab ich mich einfach nicht mehr angesprochen gefühlt): Sprüche über das nahende Erwachsensein. »Wenn du erst mal …«, »Warte, bis du …« – die Adoleszenz-Variante der reaktionären RundumschlagRandhalten-Replik »Dafür bist du noch zu jung!« Und jetzt? Jetzt war ich nicht mehr zu jung, aber was anderes war ich wohl auch noch nicht. Schon gar nicht Papa. Dada. Vater eines Kindes. Richtig erwachsen eben. »Wenn du Kinder hast, ist dein eigenes Leben vorbei!« seufzte eine Freundin wenige Jahre später auf dem Weg vom Minijob zur Kita, und ich dachte mir nichts dabei. Sprüche eben. Will man mit Sprüchen tatsächlich jemanden warnen? Tu das nicht, du bereust es? Weißt du eigentlich, was auf dem Spiel steht? Du hast ja keine Ahnung. Doch, eine Ahnung hatte ich, und zwar die, dass zumindest die Sprüche übers Elternwerden aufhören, wenn ich mal wirklich Vater bin. Quatsch. Das Gegenteil war der Fall. Schon bei Bekanntmachung der Schwangerschaft splitterte der Freundes-, Familienund Bekanntenkreis wortreich und selbsttätig in Sprüchegrüppchen auf. Zu unterscheiden waren augenblicklich folgende drei Fraktionen:

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DIE VATERKOLUMNE »Aus-Erfahrung-ein-schlechtes-Gewissen-Macher«. Naja, ich wünsch euch natürlich alles Gute, aber ihr werdet euch schon auf einige Veränderungen einstellen müssen. Das ist oft nicht leicht. ... Fast genauso schwer ist es, darauf hingewiesen zu werden, dass man zumindest in den ersten sechs Monaten der Elternschaft keine gemeinsam durchgetanzten Nächte mehr erleben wird. Oder waren es Jahre, sechs Jahre? Kann ich dann überhaupt noch, oder kommen dann schon die chronischen Gelenkschmerzen? Man wird’s erleben. Trostreich (und aus Erfahrung angemerkt) bleibt: wer auf Schlafentzug als preiswertes, euphorisierendes Stimulans dauerhaft angewiesen ist, könnte sich in der Situation wiederfinden, dem Nachwuchs vorwurfsvoll zuzusehen, wie er seit Stunden friedlich träumend und denkbar ereignislos vor sich hinatmet, während man selbst völlig euphorisiert den Blick einfach nicht abwenden kann. Aber er macht doch gar nichts! Ich weiß! Aber guck doch mal! Ein schlechtes Gewissen bekommt man früh genug (am nächsten Morgen, wenn man mal für zehn Sekunden aus dem Blickfeld des spontan verzweifelnden Säuglings verschwinden muss, um sich die Schuhe zuzubinden). Praxistipp: rechtzeitig schicke Slipper anschaffen. »Entwicklungsplaner«. Was, ihr stillt noch? Dreht sich noch nicht? Läuft noch nicht? Spricht noch nicht? Rechnet noch nicht sicher im Zahlenraum von 1 bis 20? Kleine Kinder können erstmal nur gucken und merken. Dass man eingreifen und selber machen will, kommt naturgemäß einiges später an die Reihe. Meine Mutter sagt, ich hätte spät zu sprechen begonnen. Mein bester Kumpel sagt, dafür hätte ich jetzt mit dem Aufhören so meine Probleme. Und von den tollsten Typen, die ich kenne, hab ich mir abgeguckt, dass man sich gerade die Sachen, die einen faszinieren, länger von außen betrachtet, ehe man die dazugehörigen Instrumente selber in die Hand nimmt. Und dann aber vielleicht nie mehr weglegt. Mag noch keine Klötzchen stapeln? Hat vielleicht keine Lust auf öde Fehlversuche und wartet, bis es von alleine so geht wie bei Papa, dem ja nichts anderes einfällt, als aus jedem noch so kleinen Klötzchenhaufen sofort irgendwas zu stapeln. Mit dreißig fällt keinem mehr auf, dass du ein Jahr zurück bist. Praxistipp: du, Nigel Kennedy war in deinem Alter schon ein weltbekannter Stargeiger. Und außerdem Engländer! Hätte da nicht auch mal der Osteopath frühzeitig abchecken sollen, was da bei dir so schiefläuft? Jetzt ist es ja wohl leider zu spät, Mister. »Gutes-Gewissen-in-eigener-Sache-Macher«. Leider sind das oft die eigenen Eltern oder die Schwiegerleute, vor allem aber die Generation vor einem allgemein, die selbst Kinder großgezogen hat. Meine Mutter (die bei meiner Geburt weder rauszubrüllen noch im Kreis zu atmen ermutigt wurde), ist sich bis heute sicher, dass sie alles Wichtige richtig gemacht hat, darin eingeschlossen selbstverständlich auch die Sachen, die man nach heutigem Stand der Wissenschaft ganz anders macht. Auf dem Bauch schlafen? Sieben Mahlzeiten am Tag? Festzustellen ist, dass die positionsmäßigen Schlafgewohnheiten des Nachwuchses völlig ungenormte, eigene sind, das Ganze lustigstenfalls ein Choreographiemix aus den Schlafstellungen der Eltern ist. Pennt fötal weg wie der Papa, wälzt sich des Nachts wie Mama und erwacht wie der Hund des Hauses schon halb auf den Knien. Ja, die eigenen Eltern haben alles richtig gemacht. Und wir machen alles falsch, wenn wir es ohne eigene Gründe genauso machen. Neun Mahlzeiten am Tag? Täglicher Stuhlgang ist nicht so wichtig wie regelmäßiger? Ein sicherer Weg zur Verstopfung wäre noch heute für mich das Gefühl, dass alle beobachten, ob und vor allem wenn ich gerade drücke. Praxistipp: »Das Gemüt ist ausschlaggebend!« (Hanns Dieter Hüsch): Wenn die Kindslaune stimmt, ist alles in Ordnung, solange man nicht was Wichtiges vergessen hat. Wie zum Beispiel Bücher zum Thema lesen, damit man sich leichter merken kann, was man den eigenen Kindern später für Tipps zu geben hat, wenn dereinst wieder völlig andere Regeln gelten. Die natürlich falsch sind. Außer wenn sie stimmen. Was man erst hinterher weiß. Und dann weitersagen will. Empfohlene Literatur: Asterix und der Kupferkessel (zur Ablenkung)

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» W I R M Ö G E N D I E B A B Y S H A M B L E S « Nac h Er f o l g en b eim wel t we ite n Band co nte s t Em e rg e nza o d e r d e m PL AY LI V E Wet t b e wer b u nd Ko nze r te n in Be rlin, Kö ln, Paris o der in Sk a n d in a v ien will K aé la nun Live rpo o l e ro be rn. Un se r Mit a r b eit er Sa s c h a War th a traf d ie Jung s in d e r Bar Dane ben i n de r Hei l b ro n n er Sa l z s t raße . Ein Ge s präch übe r So falinie n vo n I KEA , Pet e Do her t y u n d d en Star t d e r H A N IX-Ve rans taltungs re ihe »Mash e d Po t a t o es « a m 9 . Ma i im Mo bilat, wo K aé la live s pie le n we rden.

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MUSIKKOFFER: K AÉL A INTERVIEW: SASCHA WARTHA FoToS: mEHmET FILIZ HANIX — Zuallererst: Euer Bandname Kaéla erinnert ja entfernt an einen Beutelbär. Woher stammt der Name und was bedeutet er? Es gibt tatsächlich drei verschiedene Varianten zur Bedeutung unseres Namens. Zum einen gibt es wirklich einen Verwandten zum Koala Bär, der sich Kaéla schimpft. Dann gab es 2005 eine Sofalinie bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus namens Kaéla. Auf solch einem Sofa entstand damals quasi der erste Song der Band. Und zu guter Letzt bedeutet Kaéla im Hebräischen »Die Göttliche«. KAéLA — HANIX — Seit wann musiziert Ihr gemeinsam und wie kam es dazu? seines Zeichens Schlagzeuger, recht gut kompensieren, denn Bo schulte kurzerhand vom Schlagzeuger zum Bassisten um. Und in diese Formation sind wir noch heute aktiv. HANIX — Euer Sound erinnert zweifelsohne an die britische Band Babyshambles rund um Frontman Pete Doherty. Eher Zufall oder genau euer Ding? Also wir mögen die Babyshambles jedenfalls. Über Pete Doherty kann man sagen, was man will. Musikalisch gesehen ist das absolut ein guter Mann. Unser Frontmann Ludwig wird auch des öfteren mit ihm verglichen, somit werden wir schon sehr häufig mit den Babyshambles konfrontiert. KAéLA — HANIX — Erkennt Ihr euch darin wieder? KAéLA — Da brauchen wir nicht drum herum zu quatschen. Wir leben das schon aus, diesen Rock `n Roll Lifestyle. Wir feiern ganz gerne mit unserem Publikum mit, sind selbst selten nüchtern bei einem Konzert. Natürlich darf die Performance niemals darunter leiden, das ist oberste Maxime. Wir haben jedoch mittlerweile erkannt, dass wenn wir uns zum Beispiel ein neues Stück erarbeiten der Konsum von diversen Rauschmitteln kontraproduktiv Eine Grundformation von Kaéla entstand 2006. Damals waren wir zu dritt. Namentlich Jonas, Jakob und Ludwig. Ein Jahr später zog dann Lucas mit seiner Familie nach Lauffen und wir hatten eine komplette Band mit Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Sänger. Den Jakob, unseren Bassisten, verschlug es dann zum Studieren nach Freiburg und über diese Distanz war es uns nicht mehr möglich, gemeinsam Musik zu machen. Diesen Verlust konnten wir durch den Einstieg vom Bo, KAéLA —

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MUSIKKOFFER : K AÉL A wirkt. Es kommt schon häufig vor das wir unsere Proben aufnehmen, diese nicht mehr ganz so nüchtern sensationell finden und am nächsten Tag, mit wiederhergestelltem Bewusstsein das Ganze nicht mehr ganz so prickelnd bewerten wie am Vortag. Diese »wir machen uns weg, haben dann den Spirit und sind superkreativ« trifft eigentlich nur auf die Heroes des Musikmachens zu, für uns gilt das weniger. HANIX — Das bedeutet Kaéla im Studio brav und bei einem Konzert loaded? Also dazu fällt uns gleich unser Schweden Trip ein, zu dem es ja auch einen ganz geilen Clip auf YouTube gibt. Das war schon grenzwertig, wie wir unterwegs waren. Aber das ist halt Kaéla, das sind wir. Wir sind eine Rock `n Roll Band und machen keine Kammermusik. KAéLA — HANIX — Habt Ihr den Eindruck, dass euer geladener Zustand oder eben nüchternes Performen vom Publikum differenziert aufgegriffen wird und der Funke somit besser oder schlechter überspringt? KAéLA — Das ist uns zu arg Schwarz Weiß gedacht. Genau- so kann man doch am Zustand des Publikums feststellen, in welcher Form es sich gehen lässt oder eben nur vor der Bühne steht und beobachtet. Im Großen und Ganzen lockert es auch beim Publikum die Stimmung und uns ist es doch viel lieber, die Anwesenden feiern mit, als das sich alles stocksteif vor der Band formiert. Wir haben schon den Anspruch aus unseren Konzerten ein wirkliches Fest zu gestalten. Im Laufe der Jahre haben wir ein Gefühl für ein gutes Level an Konsum während Konzerten gefunden und eines ist auch klar. Man darf natürlich nicht über das Ziel hinaus schießen, sondern sollte schon noch ordentlich Musik machen können. Daran halten wir uns in der Regel. HANIX — Bei welchem Punkt eurer musikalischen Karriere seht Ihr euch angekommen? Wenn man eine Band hat, sind doch in der Regel alle Beteiligten ambitioniert. Im Moment lassen sich die zukünftigen Schritte einfach nicht wirklich planen, da mit Ludwig unser Sänger Ende des Jahres für mindestens neun Monate nach Schottland zieht. Dies bedeutet das KAéLA —

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MUSIKKOFFER: K AÉL A Kaéla in dieser Zeit keine Konzerte spielen kann. Bis zu jenem Zeitpunkt geben wir auf jeden Fall Vollgas, spielen in Liverpool, haben ein größeres Konzert in Stuttgart, fahren nach Hamburg und sind für mindestens zwei Gigs in Heilbronn am Start. Da kommt sicherlich noch einiges dazu. Wir haben eine neue Single in der Hinterhand, zu der es auch ein Video geben wird. Aber durch den zeitlich begrenzten Verlust unseres Sängers, lohnt es sich für uns überhaupt nicht, großartig Pläne für die Zeit danach aufzusetzen. Die Band ist sicher mehr für uns als ein Hobby und wir arbeiten daran, immer mehr Menschen für unsere Musik zu begeistern. Aber die Denke damit eines Tages unseren Lebensunterhalt verdienen zu müssen existiert in dieser Form nicht. Diese Verbissenheit schränkt doch die Kreativität und Freiheit massiv ein. Dem entziehen wir uns ein Stück weit. HANIX — Genießt Ihr ein management, das sich um Promotion, Konzerte und Sonstiges kümmert - oder haltet Ihr weiterhin die Zügel in euren Händen? KAéLA — Grundsätzlich hatten wir schon immer vor Or45 ganisatorisches abzugeben. Eine Zeit lang ließen wir uns auch durch eine Booking Agentur vermitteln. Das lief eigentlich ganz gut für uns bis zu dem Zeitpunkt, als sich diese Agentur auflöste. Wir empfanden das damals als Rückschlag, denn es nahm uns ordentlich Wind aus den Segeln. Heute können wir über ein kleines Netzwerk sowie unsere Social Media Plattform oder eben auch durch Promomaterial auf uns aufmerksam machen. Wenn du als Band diese Dinge aus der Hand geben willst, musst du dir darüber bewusst sein, dass es nur zwei Möglichkeiten für dich gibt. Möglichkeit Nummer eins: Du findest jemand im Freundeskreis, der sich dieser Aufgabe annimmt. Damit sind die Erfolgsaussichten jedoch eher gering, denn es sind eben keine Vollprofis am Werk. Möglichkeit Nummer zwei: Die Profis. Die wollen Geld generieren und sehen dich als Produkt. Wir sind aber nun mal kein Produkt mit dem man sofort Geld verdienen kann. Die Zeiten im Musikbuisness haben sich drastisch geändert. Es kann nicht mehr für jede halbwegs talentierte Band Unmengen an Kohle für Promotion investiert werden. Da bist

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MUSIKKOFFER: K AÉL A du dann doch eher auf dich alleine gestellt und agierst im Rahmen deiner Möglichkeiten. HANIX — Ihr seid bei mASHED PoTAToES, der vom HANIX-mAGAZIN präsentierten Live Nacht am 9. mai im Heilbronner mobilat vertreten. Auf was können sich die Gäste bei Kaéla freuen? KAéLA — Also liebe Leute, Kaéla ist eine Rock `n Roll Band und wir fühlen uns im Genre Indierock sowie Brit-Surf zu Hause. Im Kontext zu MASHED POTATOES sind wir wohl die schnellsten und lautesten an diesem Abend. Bei uns geht es auf jeden Fall so ziemlich nach vorne und wir sind uns sicher, dass es allen Beteiligten ganz viel Spaß machen wird. HANIX — Wie kann man euer Verhältnis zur Stadt Heilbronn beschreiben? Eigentlich als Nicht-Verhältnis. Der Ursprung der Band liegt zwar in Lauffen am Neckar, doch mit unserem Bassisten Bo haben wir nur noch ein Bandmitglied hier angesiedelt und der verbringt seine freie Zeit eher mit uns anderen in Stuttgart. Auf unserer Fahrt zu diesem Interview haben wir uns drei mal verfahren. Soviel zum Thema Kaéla und Heilbronn. Als wir noch jung waren, wir sind jetzt im Durchschnitt so Mitte zwanzig, und hier zur Schule gingen oder unseren Zivildienst ableisteten waren wir natürlich präsenter in der Stadt. Doch aufgrund von Studium, Arbeit oder Sonstigem zog es uns einfach raus aus dem Einzugsgebiet des Kätchenstädtles. Musiktechnisch wäre uns sowieso nichts anderes übrig geblieben, denn es gab ja überhaupt keine Musikszene, keine Locations, in denen man zu Auftritten kommt. KAéLA — HANIX — Veranstalter halten Clubkonzerte in Heilbronn und Umgebung für ein schwieriges Terrain. Wo findet diese Entwicklung eurer meinung nach Ihren Ursprung? Wie eben erwähnt vermuten wir es liegt an diesem jahrelangem Mangel an Alternativen. Wo können den eher alternativ angehauchte Bands spielen? Im Mobilat. Und dann hört es doch schon auf. Aber scheinbar zieht sich dieser rote Faden nicht durch alle Musikstile durch. Ein Freund von uns veranstaltet Metal Konzerte und ist mit der Resonanz aus Heilbronn und Umgebung sehr zufrieden. Veranstalter wollen natürlich Geld verdienen und keines verbrennen. In Stuttgart beispielsweise gibt es viel mehr Bands, die ziehen Ihre ganzen Freunde und Bekannten in die Läden, an jeder Ecke hast du Livemusik. Da ist KAéLA — viel mehr Bewegung in der Stadt. Viel mehr leben. Dort konnte diese Kultur über Jahre hinweg wachsen und für die ortsansässigen Gastronomen bedeutet Livemusik ein Happening, bei dem auch Gäste kommen und Umsatz erzeugen. Durch diese Entwicklung hier läuft es doch jedem Veranstalter beim Thema Konzert oder Live Musik eiskalt den Rücken runter, weil er sofort denkt: Oh, aufpassen! Da könnte nichts gehen. Das ist ein Teufelskreis. Da freut es uns natürlich sehr, das jetzt der ein oder andere etwas wagt um dieser Kultur etwas gutes zu tun, aufzuhelfen und nicht um primär Geld zu verdienen. HANIX — Wie steht Ihr anderen Genres gegenüber? Seit Ihr musik Nazis oder spielen andere musikalische Einflüsse in puncto Inspiration sogar eine wichtige Rolle? Also wir sind durchweg keine Musik Nazis. Wir stehen auf gut gemachte Musik, da ist es natürlich ein individuelles Ding wen von uns welche Musik berührt. Der Sound muss auch nicht zwingend handgemacht sein. Klar, KAéLA —

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MUSIKKOFFER: K AÉL A wenn es um das eigene Musizieren geht, bevorzugen wir das, was wir tatsächlich tun. Aber als Konsumenten geben wir schon einer beachtlichen Bandbreite an Musikstilen eine Chance. Sobald ein Stück eine Seele hat, kann es uns auch erreichen. Egal ob es im Elektro- oder Hip-Hop-Bereich angesiedelt ist. Es gibt natürlich mehr als genug Stücke, die du nach 10 Sekunden wieder ausmachst, weil du sofort merkst: Das ist nicht meines. Trotzdem hört man sich weiterhin viele verschiedene Dinge an und ist dann überrascht, wenn mal etwas dabei ist, bei dem man vom Namen her erst einmal nichts Ansprechendes dahinter vermutet hätte. Melodien und Groove. Darin können wir uns genreübergreifend wiederfinden. Je mehr Erfahrung wir mit dem Musikmachen sammeln konnten, desto mehr erkennen wir auch in anderen Sachen eine Kunst. HANIX — Das Titelthema diese HANIX-Ausgabe ist Boomtown. Bringt Ihr mit diesem Begriff Heilbronn in Verbindung? KAéLA — diese Frage zu beantworten. Wie schon zuvor erwähnt, verbringen wir ja so gut wie überhaupt keine Zeit in Heilbronn. Innerhalb der alternativen Szene scheint es ja in den letzten Monaten einen ordentlichen Schub gegeben zu haben. An uns wird schon immer mal wieder etwas herangetragen. Freunde und Verwandte sind ja noch hier und erzählen dann ab und an etwas. Vielleicht schauen wir in Zukunft häufiger auf einen Besuch hier vorbei, um uns mal ein eigenes Bild zu diesem Thema zu machen. Wir würden uns auf jeden Fall sehr darüber freuen, wenn man den Boom bis nach Stuttgart hören könnte. HANIX — Eure message an die HANIX-Leser lautet? Eigentlich fühlen wir uns nicht dazu in der Lage, Wir freuen uns sehr das es in Heilbronn vorwärtsgeht, auch wenn wir es nicht mitkriegen. Und wir sind sehr gespannt auf MASHED POTATOES im Mobilat, haben mit der Wunderbaren Katze eine Band an unserer Seite, die wir supergeil finden. Wir für unseren Teil geben alles um einen klasse gemeinsamen Abend zu haben. Wir freuen uns auf euch! KAéLA —

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KÖPPELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE DER EIN SAM E H I RT E

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE Kurzgeschichten im HANIX-Magazin werden langsam zu einer lieben Tradition. Passend zu den Jahreszeiten, in denen man wieder mehr Zeit draußen im Dunkeln verbringen kann, eine kriminell nachtaktive Story von Nicolai Köppel. TEXT: NICoLAI KÖPPEL FoToS: ARCHIV & PR Ich hatte mich schon auf dem Weg vom Briefkasten gewundert. Tom schrieb mir? Es gab keinen Zweifel, ein Aufkleber in der oberen linken Ecke trug seinen Namen. Thomas Maximilian Gruber und Olga Pritkowa schickten mir einen grünen Umschlag. Drin war eine Doppelkarte mit einem Foto auf der Vorderseite, das zwei Menschen zeigte, einer davon war Tom, fünfzehn Jahre älter, neben ihm eine schmale junge Frau, gut aussehend, schwarzhaarig, mit großem Lächeln. Die heiratete er jetzt und lud mich dazu ein. Ich wunderte mich weiter: Seit dem Abiball hatte ich Tom nicht mehr gesehen, gesprochen oder irgendwas von ihm gehört – mir war nicht klar, woher er meine Adresse haben konnte. Er musste sich Mühe gegeben haben. Es war ihm wichtig. Das konnte ich nicht so über mich hinweggehen lassen. Der Termin war in drei Wochen. Sehr kurzfristig für eine Einladung ans andere Ende der Republik. Aber ich konnte, und ich tankte und fuhr hin. Es war Sommer. Den Norden im Sommer hatte ich lange nicht mehr gesehen. Außerdem fühlte ich mich verpflichtet, zu reagieren, und gerade weil es so rätselhaft schien, warum Tom an mich dachte, kam mir eine Absage problematischer vor als eine Zusage. Ich füllte das vorfrankierte Antwortkärtchen aus und schickte es den beiden zurück. Machte ich es eben. Tom und Olga sind übrigens nicht ihre richtigen Namen. Ihre richtigen Namen zu verwenden, ist mir zu gefährlich. Tom, der mittlerweile Geschäftsführer bei einer Gartengerätefirma war, hatte für das Wochenende einen Landgasthof angemietet. Die Trauung im Rathaus war am frühen Nachmittag, dann Kirche, ab 18 Uhr endlich dieser Landgasthof, alles kompakt und mustergültig organisiert. Tom schüttelte mir die Hand und dankte mir für mein Kommen, viele hätten abgesagt und er freue sich deshalb umso mehr über die alten Freunde, die es hatten möglich machen können. Das Seltsame an seinen Worten war, dass Tom und ich nie auch nur annähernd so was wie Freunde gewesen waren. Parallelklasse bis zur Elften, dann nur noch im Grundkurs Mathe. Wir hatten nicht mal gemeinsame Kumpels gehabt. Ich achtete darauf, ob er jetzt meinen Vornamen aussprach. Ich nahm ihm seine Freude nicht ab. Bei der Braut war das anders. Olga stellte sich mir zwar erst auf dem Parkplatz der Kirche vor, aber sie fragte mich gleich, ob ich eine gute Fahrt gehabt hätte, zeigte mir die Gravur ihres Eherings und lachte dabei und rollte das r ganz leicht. Sie umarmte mich auch, und das fühlte sich alles echt an. Ich sah ihr zu, wie sie noch andere nach mir umarmte. Das sah auch echt aus. Ich hatte ein Einzelzimmer im Landgasthof, alles bezahlt, Frühstück inklusive. Olga hatte bei der standesamtlichen Trauung geweint, bei der kirchlichen sowieso, vor Rührung, versteht sich. Jetzt war sie wohl leergeweint, sie lachte und

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE tanzte, sobald die engagierte Band »The Alacartes« zu spielen begann, sie tanzte mit Tom den Hochzeitswalzer und ging beim Essen von Tisch zu Tisch, wie um alle Gäste mindestens zweimal gesprochen zu haben. Tom kam gar nicht hinterher, er redete mit dem Servicepersonal, seinen Eltern, den Musikern. Ich saß mit vier Leuten am Tisch, die ich nicht kannte, weil sie alle in jener Gartengerätefirma am anderen Ende der Republik arbeiteten, also hier. Ich beschloss, mich zu betrinken, sobald das Essen vorbei war. Oder? Ich bemerkte, dass ich meine Zigaretten in der Reisetasche gelassen hatte und ging nach oben auf mein Zimmer. Als ich die Tür gerade hinter mir geschlossen hatte, klopfte es. Olga stand auf dem Gang. War sie mir gefolgt? Na klar, du Idiot. Sie sah sich auf dem leeren Gang um und zeigte hinter mich ins Zimmer. »Bitte, wir gehen hinein, ja?« Als wir drin waren, fiel mir auf, dass sie auf einmal nicht mehr so fröhlich und natürlich wirkte. Sie war nervös, angespannt. Ängstlich sah sie sich um, als könnte das irgendwas ändern. Der Raum sah bis auf meine Reisetasche vermutlich aus wie die anderen 48 Zimmer. »Wo fange ich an?«, fragte sie mich. »Ich weiß nicht«, sagte ich, »was muss ich wissen?« Jetzt lachte sie wieder. »Das ist eine gute Frage. Du musst nichts wissen, aber du musst alles wissen. Ich brauche deine Hilfe.« Ich war echt erstaunt. »Wobei?« Sie setzte sich aufs Bett. »Du sollst mich entführen.« Sie sagte es ernst, und deshalb verging eine Sekunde, bis ich zu kapieren glaubte. »Entführung der Braut?« »Genau.« Auf keiner der anderen elf Hochzeiten, die ich besucht hatte, war das ein Programmpunkt gewesen. Ich wusste nichts über diesen Brauch bis auf seine ungefähre Bezeichnung. Aber ich war mir sicher, dass man dafür mehrere sein musste. »Was muss ich machen? Wer sind die anderen?« Sie schüttelte den Kopf. »Keine anderen. Nur du und ich. Bitte.« Ich zögerte. »Weiß Tom Bescheid?« Sobald die Frage raus war, wurde mir klar, dass sie bescheuert war. »Tom weiß nichts. Es dauert nur eine Stunde oder eineinhalb. Bitte.« Trotzdem war ich mir nicht sicher. »Muss ich jetzt ja oder Nein sagen?« Sie nickte. »Du bist der Einzige.« Der Einzige was? Ich sah Olga an. »Mein Auto?« »Nein, ich habe gemietet. Steht ein bisschen weg«, sie sah auf die Uhr, »gehen wir?« Wir verließen den Landgasthof über die Hintertreppe und erreichten einen halben Kilometer weiter einen Kleinwagen mit Kölner Kennzeichen, der unauffällig am Rand des Wohngebiets geparkt war, als gehöre er jemandem. »Soll ich fahren?«, fragte ich. Olga sah mich an. Irgendwie erleichtert. »Nein, aber gut, dass du fragst.« Sie fuhr also. Ich durfte im Auto rauchen. Die Autobahn ging in der Nähe vorbei. Wir nahmen die Auffahrt Richtung Westen. Olga fuhr schnell. Nicht sicher, aber schnell. Im Licht der Tachoanzeige fiel mir auf, dass sie einiges jünger war als Tom oder ich. Wie die sich wohl kennengelernt hatten? Nach zwei stummen Zigaretten fing ich ein Gespräch an. »Das ist ja keine richtige Brautentführung hier«, sagte ich. Olga nickte, fragte aber: »Warum?« »Naja, du sitzt am Steuer, ich hab keine Ahnung, wo wir hinfahren. Das ist eher eine Gastentführung.«

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE Olga schüttelte den Kopf, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. »Ich bin eine Braut, heute Abend ist mein Hochzeitsfest, aber ich sitze hier in einem Auto, das mir nicht gehört und du hast nicht gesagt, wo wir hinfahren. Brautentführung.« »Ist das so in Russland?« Jetzt sah sie mich an. »Ukraine.« »Ach so. Ja dann.« »Ja genau. Ja dann.« Ich prägte mir den Kilometerstand ein und sah, dass der Tank voll war. Ich erinnere mich, dass ich begann, mir Gedanken zu machen, obwohl es dafür schon zu spät war. »Wann hast du das Auto gemietet?« »Letzte Woche. Warum?« »Nur so. Fährt sich okay, oder?« Sie zog die Stirn in Falten, sodass ihre Augen in den Scheinwerferlichtern der Gegenspur aufblitzten, und sagte: »Du bist ein komischer Mann. Das ist gut.« Neunzehn Kilometer weiter rasten wir an einem Schild vorbei. Parkplatz Georgstal-2 km. Olga nahm den Fuß vom Gas und wechselte auf die mittlere, beim Schild Parkplatz Georgstal-1 km auf die rechte Spur. Als wir auf den Parkplatz Georgstal fuhren, war ich nicht mehr überrascht. Olga stellte den Motor ab. Alles dunkel, keine Laternen, kein anderes Auto in Sicht. Wir waren die Einzigen. Vor knapp einer halben Stunde hatten wir den Landgasthof verlassen. Vor mindestens einer Viertelstunde war Olga zum ersten Mal vermisst worden, dachte ich. Wir hatten genügend Zeit für den Rückweg. Ich wurde das Gefühl jedoch nicht los, dass in der Mitte zwischen Hin- und Rückfahrt auch etwas eingeplant war. »Scheiße«, sagte Olga. »Was ist?«, fragte ich. »Ich hab was vergessen. Hast du ein Telefon?« »Mein Handy, ja.« »Gottseidank. Ich sollte viel früher fragen.« Klar, wenn Tom durchgezählt hatte und nur einer seiner Gäste fehlte, würde er mich anrufen. Andererseits hatte er meine Handynummer nicht. Ich kurbelte das Fenster herunter, nahm mir eine Zigarette und fragte »ich darf doch?« Olga schaltete die Scheinwerfer ab.

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE »Vielleicht nicht mehr ganz. Mach nicht die Tür auf, das Licht muss ausbleiben.« Und jetzt wurde mir schlagartig anders. Erst jetzt und hier, auf dem Parkplatz, der natürlich nicht in Wirklichkeit Georgstal hieß, aber das spielt ja im Moment keine Rolle. Alles um uns herum stockdunkel, das Motoren- und Reifengeräusch von der knapp hundert Meter entfernt vorbeiführenden Autobahn dank des geöffneten Fensters lauter als vorher, aber auch insgesamt stiller, denn der Motor unseres Kleinwagens mit Kölner Kennzeichen lief nicht mehr, eine Atmosphäre von Starre, von Machtlosigkeit kam auf. Ich kurbelte das Fenster wieder soweit hoch, dass ich gerade noch zum Abaschen mit der Hand nach draußen kam und wusste, dass es mir dabei nicht um meine Hand ging, die von drinnen nach draußen wollte. Ich lehnte mich zurück und drückte dabei wie zufällig mit dem rechten Ellenbogen das Knöpfchen der Beifahrertür herunter. Olga grinste. »Du bist nicht blöd«, sagte sie und drückte ihr Knöpfchen auch runter, »man weiß nie, stimmts?« »Sag niemals nie«, sagte ich, »jetzt im Moment stimmts auf jeden Fall. Zigarette?« »Ich rauche nicht mehr. Es macht Krebs.« »Langfristig ja.« »Du solltest aufhören.« »Heute?« »Oder morgen.« Ich atmete tief durch und rauchte. Olga schien zu warten, jedenfalls behielt sie den Rückspiegel im Auge. Dabei war es doch wohl unmöglich, ein ankommendes Auto zu übersehen. Stimmte auch. Olgas Handy klingelte. »Ja?« Sprache knatterte aus dem oberen Rand ihres Telefons, aber ich verstand kein Wort. Vielleicht war es kein Deutsch. Ich hörte nicht einmal, ob es ein Mann war. Olga schien zu antworten, als sie sagte: »Ja, das bin ich.« Am anderen Ende des Parkplatzes, schon beinahe wieder in der Kurve zur Auffahrt, rissen jetzt plötzlich zwei Lichtkegel helle Röhren in die Dunkelheit und erfassten uns knapp. Olga drückte sich ihr Handy gegen die Brust und flüsterte mir zu: »Runter!« Ich duckte mich in den Umriss des Beifahrersitzes samt Kopfstütze und blieb so. Olga nahm ihr Handy wieder ans Ohr. Der andere Wagen blendete ab. Ich konnte erkennen, dass die Beifahrertür von innen geöffnet und aufgeschwenkt wurde, ohne dass im Wagenfond Licht anging. »Ich komme«, sagte Olga in ihr Handy, »aber hinten.« Wieder drang eine Antwort aus dem Gerät, von der ich nichts verstand. Viele Worte. Olga nutzte die erste Pause und sagte nochmal: »Hinten.« Dann legte sie auf, ohne eine Gegenrede abzuwarten. Vor uns schloss sich die Beifahrertür wieder, und die Fahrertür öffnete sich. Kein Licht. Jemand stieg aus und hinten wieder ein. Olga griff an die Decke unseres Wagens und drückte einen Knopf. »Ich steige jetzt aus. Es wird kein Licht geben. Bleib unten. Wie ist deine Nummer?« Ich diktierte ihr meine Nummer, während sie wählte. Es summte in meiner Hosentasche. Sie legte wieder auf. »Fünfzehn Minuten, wenn ich nicht rangehe, rufst du die Polizei. Anonym. Wenn der Wagen wegfährt, fährst du nicht hinterher.« »Was sage ich denen?« »Nichts. Ich komme wieder.« Olga öffnete die Tür. Alles blieb dunkel. Den Schlüssel ließ sie stecken. Als sie langsam zu dem anderen Wagen hinüberging, bog ich mich über ihren Sitz und drückte das Knöpfchen wieder nach unten, blieb aber unter dem Radar. Währenddessen schlug draußen eine Wagentür zu. Als ich vorsichtig wieder hochsah, war Olga weg. Etwa eine Minute lang überlegte ich, was ich tun sollte. Dann schloss ich die Augen, klemmte mich tiefer in den Fußraum und zählte die nebenan vorbeifahrenden Fahrzeuge, die ich mit den Ohren aus dem Rauschen heraus-

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE lösen konnte. Ich hörte damit auf, als ich merkte, dass es nur Lastwagen waren. Ich glaube, es war wenig später, dass ich das Zeitgefühl verlor, und als ich das merkte, versuchte ich, in der kauernden Stellung, die langsam unbequem wurde, an mein Handy in der Hosentasche zu kommen. Wie viel war von der Viertelstunde bereits vergangen? Ich ging vorsichtig zu Werke, weil ich nicht mehr wusste, ob die Tastatursperre eingeschaltet war. Wenn nicht, rief ich mit einem unfreiwilligen Tastendruck die letzte Nummer zurück, und das war Olga, und vielleicht zu früh. Als ich es geschafft hatte, stellte ich erleichtert fest, dass natürlich auch die Uhrzeit ihres Anrufs dokumentiert und das erst sieben Minuten her war. Komischerweise dachte ich, dass dann ja alles halb so schlimm war, obwohl ich keinen Grund dazu hatte. Konnte ich schon wieder einen Blick riskieren? Ich hob den Kopf und erschrak: Olga stand neben dem Auto, sie hatte gerade die Hand zu einem Klopfen gegen das Fahrerfenster erhoben. Ich richtete mich aus meinem Versteck auf und öffnete ihr. Während sie sich neben mich setzte, streckte ich die Beine aus. Sie hinderte mich nicht daran. »Alles in Ordnung?«, fragte ich. Sie nickte. »Jetzt kommt der schwierige Teil.« »Was ist der schwierige Teil?«, fragte ich. »Der schwierige Teil ist«, sagte sie, »dass ich dich überzeugen muss.« »Wovon?« Sie sah mich an. »Davon, dass es kein Problem ist, jetzt auszusteigen und zu diesem Wagen rüberzugehen. Du steigst vorne ein. Kein Licht. Du siehst nicht auf den Rücksitz. Nicht. Ich überhole dich, du folgst mir.« »Stimmt«, sagte ich, »das ist der schwierige Teil.« Olga atmete tief durch. »Gib mir eine Zigarette. Und keine blöden Sprüche.« Sie zündete sie an und rauchte, als hätte sie nie etwas anderes getan. »Pass auf«, sagte sie, »du hast mir sehr geholfen. Du bist jetzt der beste Freund, den Tom hat.« »Ganz ehrlich, ich kenne ihn kaum.« »Ich weiß. Es war meine Idee, dass er seinen ganzen Jahrgang einlädt. Fünfzig Leute von hundertzehn haben wir die Adresse bekommen, und nur du bist da. Ich konnte niemand anderes fragen. Es ist Schicksal. Du bist auf einem Foto ganz außen links.« Mein Blick klebte zwar die ganze Zeit auf dem unbeleuchteten Auto am anderen Ende des Parkplatzes, aber ich wusste sofort, welches Foto sie meinte. Jahrgangsstufenbild in der Aula. Olga fuhr fort: »Ich habe dich gesehen und gehofft, dass du kommen kannst. Wenn zehn gekommen wären und nicht nur du, ich hätte trotzdem dich zuerst gefragt. Das ist Schicksal.« Ich fragte nicht nach dem Rücksitz. Mich erstaunte eher, dass ich meinem Jahrgangsstufenbild noch so ähnlich sehen sollte. Immerhin teilweise. Aber welcher Teil von mir? Ich merkte, wie sie erwartete, dass ich etwas sagte. »Können wir nicht andersherum … ich fahre dir hinterher … mit diesem Auto hier?«

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE Sie nickte. »Das geht auch. Aber ich habe dich gebeten. Dir kann nichts passieren. Aber so wie jetzt kann es nicht bleiben. Deshalb brauche ich Hilfe.« »Und wenn wir fahren, was dann?« »Wir fahren, du steigst wieder hier ein, wir fahren zurück.« »Und wohin fahren wir?« »Kennst du dich hier aus?« »Nein.« »Warum fragst du dann?« Ich sah auf die Uhr. Vor gut einer Dreiviertelstunde hatten wir den Landgasthof verlassen. »Das ist alles?«, fragte ich. »Alles.« Ich überlegte. Wenn das alles war, gab es nicht viele Möglichkeiten. »Gut«, sagte ich also, »ich machs.« »Du vertraust mir?« Ich schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung. Irgendsowas. Aber ich machs.« Sie lächelte. »Du bist ein komischer Typ.« »Immer noch oder schon wieder?« »Ich weiß nicht«, sagte sie. »Ich auch nicht.« Der vordere Teil des Wagenfonds war dunkel wie die schwarzen Ledersitze und wirkte unbenutzt. Es gab keinen Schlüssel, aber einen Knopf dort, wo ich das Zündschloss suchte. Der Motor sprang augenblicklich an, Dutzende Lämpchen blinkten in der Armatur auf, und aus den Boxen tönte Musik mit einer Melodie, die von einer Panflöte angeführt wurde und die so langsam und getragen war wie nur irgendeine Musik, die keinen offensichtlich religiösen Hintergrund hat. Olga überholte mich, ich wendete und fuhr ihr hinterher. Die Autobahn war voll, und ich hatte Mühe hinter ihr zu bleiben, obwohl der Wagen besser beschleunigte als ihrer. Das auffällige Kölner Kennzeichen half. Zwischen den Sitzen lag eine CD-Hülle, die ich nahm und mir im Licht der digitalen Tempoanzeige ansah. Gheorghe Zamfir. Zauber der Panflöte. Irgendwie logisch. Auf einmal eine Stimme, die nicht von hinten zu kommen schien, sondern wie der König der Panflöte von überall. »Achtung!«, sagte die Stimme. Sie gehörte einem Mann. Einem sehr entschiedenen Mann. Ich verriss das Steu54 er vor Schreck ein wenig und schrammte die linke Leitplanke. Mein Rücken berührte die Lehne nicht, ich stieß mit der Stirn leicht von innen gegen die Frontscheibe. Gheorghe Zamfir pustete in Holzröhrchen und erzeugte eine Melodie, die meinen Ohren entglitt. Nur kurz aus den Augen verloren hatte ich allerdings Olga. Sobald ich wieder in der Spur war, sah ich ihr Auto. Hatte sie es im Rückspiegel bemerkt? Was war hier los? Warum Achtung, besser: warum genau? »Bitte wenden Sie jetzt«, befahl die Stimme, und da begriff ich. Es war das Navi. Achtung, weil ich viel zu schnell fuhr. Auf diesem Autobahnabschnitt galt Tempo hundert, Olga legte glatte 160 vor, und außerdem war ich offenbar nicht auf dem eingestellten Kurs. Wenden fiel aus. Ich drückte blind auf irgendwelche Knöpfe in der Nähe des in die Armatur eingelassenen Displays, das ich erst jetzt registrierte, so lange, bis die Anzeige erlosch. Allmählich erkannte ich wieder eine Tonleiter in der Musik. Der König der Panflöte hatte eine volle Panikattacke vermutlich verhindert, und ich konnte mir überzeugend einreden, es gäbe überhaupt keinen Rücksitz hinter mir. Kein Rücksitz, nein. Gar kein Rücksitz. Nur Gheorghe Zamfir und ich. Der einsame Hirte und andere unsterbliche Klassiker. Olga nahm eine Abfahrt und bog danach mehrmals auf kleiner werdende Landstraßen, schließlich auf einen Feldweg ein, an dessen Eingang wir hintereinander ein »Durchfahrt verboten«-Schild passierten. Sie wusste genau, wohin sie wollte. Die sichtbare Unterkante des Abendhimmels stieg immer höher, bis der Horizont vor uns mit einem Mal nach unten sackte und dort glitzernd liegen blieb. Olga hielt, ich hinter ihr. Sie knipste das Licht im Fond an und winkte mich über den Beifahrersitz an ihre Seite, also schlug ich ein und kam rechts neben ihr zum Stehen. Wir parkten auf einer Klippe. Vor uns ging es etwa zwanzig Meter steil nach unten, wo das Meer begann. Es musste das Meer sein. Als beide Motoren abgestellt waren und ich aus dem Wagen war, hörte man sein Rauschen. Das Meer? Echt? Irre. Ich hatte keine Ahnung gehabt, dass wir so nahe am Meer waren. Bei der Reiseplanung hatte ich das Rathaus im Routenplaner eingegeben und die Fahrt selbst mit meinem Navi gemacht. Ich hatte kein Kartenmaterial gesehen, vom Überblick her. Ich wusste gar nicht, wo ich war. Außer

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE dass ich neben Olga stand. Wir sahen aufs Wasser. Die Sonne war gerade untergegangen. »Romantisch«, sagte ich. Olga nickte. »Hochzeitstag ist besser romantisch. Hilf mir.« »Wie?« »Hast du nicht verstanden, was ich …« »Nein, ich meine: Wie soll ich helfen?« »Mach den Gang raus und die Handbremse los.« Ich nickte, ging zum Wagen – es war klar, welchen der beiden sie gemeint hatte – und versuchte, zu vermeiden, durch die hinteren Fenster zu sehen. Dabei bemerkte ich erst, dass die Scheiben rundherum getönt waren. Ich beugte mich hinein, tat mit halb zugekniffenen Augen, worum sie mich gebeten hatte und kam zu ihr zurück. Sie sagte: »Setz dich rein. Das jetzt muss ich alleine tun.« Auch jetzt war klar, um welches Auto es ging. Das andere. Ich stieg wieder auf der Beifahrerseite ein und sah nach links, auf die rotschimmernden Reste des Tageslichts. Neben mir bewegte sich etwas. Als ich den Kopf wieder drehte, war der andere Wagen verschwunden. Olga setzte sich neben mich und startete den Motor. Wir hatten nach hinten soviel Platz zum Rangieren, dass sie nur in den Rückspiegel sah und sich nicht umdrehte. »War’s das?«, fragte ich nach einer Weile, als wir schon wieder am ‚Durchfahrt verboten‘-Schild vorbei und auf die Landstraße eingebogen waren. Sie antwortete, ohne zu nicken. »Das war’ s. Vielen Dank.« Die Rückfahrt über schwiegen wir, parkten den Kölner Kleinwagen schließlich an der alten Stelle, stiegen aus und sahen auf die Lichter des Landgasthofs. Olga brach das Schweigen: »Gib mir deine Hand.« Ich reichte ihr die rechte wie zum Handschlag. Sie nahm sie mit beiden Händen, hob sie an und küsste sie. »Danke. Bitte vergiss das alles.« »Wie kann ich vergessen, was ich nicht verstehe?« Sie ließ mich los. »Du kannst es nicht. Deshalb bitte ich dich.« Ich dachte daran, wie mich Tom schon vor dem Eingang

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KÖPP ELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE abfangen, wie ich mich unter Beteuerungen vollständiger Ahnungslosigkeit auf die Toilette verziehen und telefonieren könnte. »Und wenn es ganz schlimm ist, ruf ich dich an und warne dich«, versprach ich. Olga schüttelte den Kopf und sagte ernst: »Du hast meine Nummer nicht.« Ich war verwundert. Hatte sie es vergessen? »Doch, klar hab ich ...« Sie machte zwei schnelle Schritte, stellte sich mir in den Weg. »Das ist nicht meine Nummer. Das Telefon gibt es nicht mehr.« Ich genoss ihren Blick, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Deshalb antwortete ich nicht sofort. »Okay.« Sie wich zur Seite. Ich ging weiter, sie schloss wieder zu mir auf. Schweigend liefen wir weiter auf den Landgasthof zu. Wir hörten schon die laute Musik, die aus den offenen Fenstern drang. Vielleicht war das die letzte Gelegenheit, ungestört mit ihr zu reden. »Ganz ehrlich noch mal«, sagte ich und stieg über eine Pfütze, die sich am Rand des Feldwegs im Asphalt gesammelt hatte, »ich kann Tom nicht leiden. Ich mochte ihn noch nie. Ich kenne ihn gar nicht, und ich wollte ihn auch nie kennenlernen. Ich weiß gar nicht, warum ich gekommen bin.« Olga legte mir die Hand auf den Arm und sagte, sie wüsste es aber. Es sei Schicksal gewesen. Das andere sei egal. Nein, nicht egal. Genau sagte sie, dass wenn es mit Tom und mir anders wäre, wäre es nicht gut für mich. Ich solle mich an allen vorbeidrücken und gleich ins Bett gehen und den ganzen Landgasthof morgens verlassen, sobald ich wach wäre. Und wenn jemand fragen würde, solle ich sagen, ich hätte Migräne gehabt. Migräne sei gut, das habe sie manchmal auch. »Und wenn er fragt, wo du warst?«, fragte ich. »Dann sag ichs ihm nicht.« Unvermittelt blieb sie stehen. »Jetzt geh rein. Ich komme nach.« Ich drehte mich zu ihr um, aber sie winkte mich mit einer Bewegung aus dem Handgelenk in Richtung des Gebäudes. Ich nickte und ging. Im Foyer kam ich auf den Gedanken, an mir herunterzusehen. Kein Dreck, kein verräterisches Stäubchen. Mein gutes Sakko war vom Sitzen ein bisschen verknittert, aber das zählte nicht. Keine Druckstellen an der Stirn. Ich war in Sicherheit. Kaum im Festraum angekommen, kam einer meiner Tischnachbarn von der Gartengerätefirma auf mich zu und fragte, ob ich Olga gesehen hätte, die Braut? Sollte ich sagen, ja, ich hätte sie eben vor der Tür zufällig getroffen? Nein, ich schüttelte den Kopf. Olga überhaupt, weißt du, ich würde sie zwar erkennen, wenn ich sie sehe, aber sonst? Zuviel reden war gut. Er ließ mich stehen. Das war gut, denn ich wollte eigentlich nur stehen. Möchten Sie mit jemandem reden? Danke, gerade nicht. Unsere Sorgen waren unbegründet gewesen, wenn es nicht sogar nur meine gewesen waren. Ich sah Tom in aller Ruhe am Geschenketisch stehen, er sortierte die glänzenden und verschleiften Päckchen mit einer Konzentration, die kein besorgter Bräutigam aufbringen würde. Die Alacartes spielten gerade »I just called to say I love you«, einige Paare bewegten sich im Takt dazu, farbige Scheinwerfer wechselten sich in einem anderen Rhythmus ab. Gemäßigte Stimmung. Tom bemerkte, dass ich ihn aus einiger Entfernung anstarrte, aber er kam nicht herüber und fragte nach Olga, sondern winkte nur kurz und schenkte mir ein unverbindliches Lächeln. Wenn er Olgas Verschwinden überhaupt bemerkt hatte, hielt er mich nicht für eine mögliche Informationsquelle. Das war gut. Ich nahm mir ein paar Häppchen vom Buffet und beobachtete, wie Olga den Raum betrat, Tom von hinten umarmte und in einen langen Kuss zog. Dann flüsterte sie ihm etwas ins Ohr, und er ging Richtung Bühne. Kurz darauf unterbrachen die Alacartes ihre Darbietung, um mit einem leisen Instrumentalstück weiterzumachen, und Tom hielt über das hallende Gesangsmikro eine, wie ich jetzt merkte, betrunkene kleine Rede, in der es darum ging, wie er heute Abend erleben durfte, wie sehr er seine Olga liebe. Es sei so viel los hier, dass er sie fast eine Stunde lang nicht gesehen hatte, und in dieser Stunde habe er für eine einzige Sekunde daran gedacht, wie schrecklich es wäre, wenn sie nicht mehr wiederkommen sollte. Die Zuhörer lachten, und Tom fuhr fort, dass er jeder Ehe regelmäßig einen solchen Moment wünsche, obwohl es brutal sei, dieser Moment, aber auch so wertvoll wie nichts anderes. Das nahm ich ihm ab. Und Olga sah ihn von unten an, lächelte ganz groß, weinte ein bisschen und trank Schnaps, mit ihrer zierlichen Statur

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KÖP PELS KUR ZGESCHICHTEN: DER EINSAME HIRTE in ihrem Abendkleid, das auch Brautkleid war. Später stieg Olga selbst noch auf die Bühne und sang mit den Alacartes ein Lied von Roy Orbison. Es war nicht wirklich Roy Orbison, aber was es war, schreibe ich besser nicht, nachher erkennt das noch jemand, aber von der Stimmung her kommt es hin. Weder habe ich Migräne vorgetäuscht noch mich betrunken. Am nächsten Morgen war ich bei den Frühstückenden ungefähr im zeitlichen Mittelfeld, packte meine Tasche und verließ den Landgasthof gegen halb zwölf. Zum Mittagessen wollte ich nicht bleiben, nachdem sich herumsprach, dass Tom und Olga bereits mitten in der Nacht ihre Hochzeitsreise angetreten hatten. Man munkelte etwas von Kreuzfahrt. Oder Campingtour. Oder sie schliefen einfach nur aus und ich wollte weg. Auf dem Rückweg kam ich an dem Kölner Kleinwagen vorbei, der natürlich nicht in Köln zugelassen war, aber eben zentral von der Mietwagenfirma. Irgendeine große deutsche Stadt mit vielen Filialen. Von außen kam er mir fremd vor, obwohl ich seinen Rücklichtern in der Nacht gefolgt war. An die Innenausstattungen beider Autos kann ich mich aber noch genau erinnern, was dazu führt, dass ich mir das Modell nie selbst kaufen würde. Den Kleinwagen meine ich. Der andere ist ohnehin zu protzig gewesen. Und mit dem Rauchen habe ich auch noch nicht aufgehört. Dafür fahre ich jetzt seitdem grundsätzlich ohne Navi und muss sagen, man findet sich auch so zurecht. Ein paar Wochen später verlängerte ich meinen Handyvertrag nicht und schloss einen neuen ab, mit einer anderen Nummer. Von Gheorghe Zamfir kaufte ich mir die CD »Zauber der Panflöte« und bekam im Medimarkt einen kleinen Schweißausbruch, als mich die Kassiererin eine Sekunde länger ansah als nötig. Ich schickte die CD Tom und Olga im Jahr darauf zum ersten Hochzeitstag, ohne Absender. Von Tom, was nicht sein richtiger Name ist, habe ich nie wieder was gehört. Ein Ausblick findet also nicht statt. Das stimmt wirklich, und es bedeutet, dass die Geschichte hier zu Ende ist. Es tut allerdings gut, sie aufgeschrieben zu haben. Ich habe genügend Details verändert und zuwenig gewusst, als dass jemand sie erkennt. Vermutlich kennen andere die Geschichte von einer anderen Seite, aber die lesen das hier nicht. Es macht dennoch Angst, das Geschehene überhaupt zu teilen. Ich glaube, es ist eine Geschichte, die einem irgendwie Angst macht, aber das ist vielleicht subjektiv, und ich habe nur den falschen Zipfel der Geschichte erwischt. Geschichten sind subjektiv, und jede hat einen unbehaglichen Zipfel. Man kann eben nicht unter der ganzen Decke liegen, immer nur unter dem Teil, der einen bedeckt. Die Vorstellung, dass jemand glaubt, es sei wirklich passiert, was ich hier erzählt habe, ist nicht nur schön. Aber natürlich tut das keiner: Man denkt wohl eher, dass ich mich nur interessant machen will, selbst bei einer Geschichte, bei der ich nicht der interessante Teil bin. Wenn das alles anders wäre, hätte ich sie nicht erzählt. Letzte Woche habe ich Jürgen getroffen. Jürgen stand beim Jahrgangsstufenbild zwei neben mir. Jetzt erzählte er, dass Tom angeblich inzwischen eine Russin geheiratet haben soll, er hat sogar eine Einladung bekommen, ganz komisch, weil er ihn doch gar nicht gut kannte. Ist dann auch nicht hin.

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M IT TAGST I SC H T E ST TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: mELI DIKTA & mEHmET FILIZ We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die smal w are n w ir i m n eu erö f f n e te n J E TZ T & H IE R (e h e m . P fe ffe r-Ta gba r) i n de r Fr an kfur te rs t r a ß e. Get es t et w urd e ne be n d e m Ge s ch m ack auch d ie Geschwi ndigk e i t, di e Freu n d l i c hk eit d es Ser vice -Pe rs o nals , natürlich d e r Pre is und a uch di e ind ivid ue l l e n Ei g en hei t en d er L o k a lität. Im Te s t h abe n wir uns für d as u mgekehr te Schul n ot e n -Sy s t em en t s c hied en . Das be d e ute t, d as s d ie 6,0 d ie Hö ch s tnote i st.

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SP ORTTASCHE: RUGBY IN NECK ARSULM Der Ball ist rund. Falsch. Das Spiel dauert 90 Minuten. Wieder falsch. Der gute alte Sepp Herberger lässt sich eben doch nicht universell einsetzen. Im Rugby ticken die Uhren anders. Kürzer. Das Spiel dauert 80 Minuten und ist wie in vielen anderen Ballsportarten in zwei Halbzeiten unterteilt. Die kürzere Spieldauer macht die ganze Angelegenheit jedoch nicht weniger kräfteraubend – im Gegenteil. »In einem Gedränge wirken da schon mal 1,5 Tonnen auf Schultern und Nacken«, berichtet mir Dominik Hoffmann von den »Ruggern« aus Neckarsulm, wie sich die Rugbyspieler selbst nennen. Ich lerne ihn als sehr reflektierten und bodenständigen Menschen kennen, dem in jedem Wort seine authentische und zuweilen ansteckende Begeisterung für den Rugbysport anzumerken ist. Seinen Ursprung findet das Rugbyteam vor acht Jahren in Heilbronn. Auf dem Sontheimer Sportgelände, das heute noch von dem American Football-Team der Heilbronn Miners genutzt wird, entstand das Team aus der Initiative eines Lehrers des Justinus-Kerner-Gymnasiums Heilbronn, der als erster Lehrer im gesamten Unterland eine RugbyAG für junge Interessenten anbot. Die Resonanz und die Begeisterung der damaligen Schüler für den Sport war so groß, dass selbige sich nach dem Abitur kurzerhand dazu entschlossen, den Sport auch außerhalb des schulischen Umfeldes weiter zu betreiben. Man bekam ein Gastrecht auf dem Sontheimer Sportgelände und teilte sich anfangs die vorhandenen Trainingsmaterialien mit dem bestehen61 den Footballteam. Die stereotype Rivalität zwischen den sich ähnelnden Sportarten blieb aus. Leben & Leben lassen. Ab einem gewissen Leistungsniveau reichte das alleinige Duldungsrecht auf dem Sportgelände nicht mehr aus. Man setzte sich zusammen und suchte nach alternativen Lösungen. Ein Großteil der Spieler, wie beispielsweise der Kapitän des Teams, blieb der jungen Abteilung erhalten, als sie den Schritt nach Neckarsulm wagte und dort als 15. Abteilung der Sport-Union ein neues Zuhause fand, das deutlich mehr sportliche Perspektiven bot. »In Neckarsulm triffst du auf eine sportverrückte Stadt«, erzählt Dominik, der die Entscheidung im Nachhinein als positiven und wichtigen Schritt für die aktuelle sportliche Entwicklung sieht. Da Vereinsarbeit und der Sport an sich, wie so vieles im Leben, aus einem Nehmen & Geben besteht, sind Spieler und Funktionäre gerne dazu bereit etwas zurückzugeben. So gehen Dominik Hoffmann und weitere aktive Abteilungsmitglieder beinahe täglich in die Schulen, um dort Rugby-AGs anzubieten und den Jugendlichen den Sport näher zu bringen. 20 Schulen beteiligen sich aktuell schulformübergreifend an dem Kooperationsprojekt – Tendenz steigend. Aktive Jugend- und Nachwuchsarbeit wird großgeschrieben. Die Gründe für dieses unkonventionelle Konzept liegen auf der Hand. Das Schulsystem mutiert mehr und mehr zu einer großen Ganztagesschule – als Schreckgespenst für das veraltete Raum-Zeit-Kontinuum vieler Sportvereine.

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SP ORTTASCHE: RUGBY IN NECK ARSULM Die Schulen binden Zeit, bieten aber viel Raum für AGs und sportliche Aktivitäten. Durch die gebundene Zeit bleibt den Schülern wenig Freiraum für sportliche Aktivitäten außerhalb des Schulbetriebs. Der demographische Wandel in Deutschland sorgt zusätzlich spürbar dafür, dass es Jugendabteilungen immer schwerer haben neue Kinder für Sport und Verein zu gewinnen. Diesen Zusammenhang hat die Rugbyabteilung als eine der ersten Sportabteilungen der Region bereits vor vier Jahren erkannt und in ein entsprechendes Konzept umgesetzt. Das Angebot der AGs entlastet die Lehrer und bietet den Schulen die Möglichkeit ihr Sportangebot für die Kinder und Jugendlichen breiter und abwechslungsreicher zu gestalten. Die Sportabteilung hat die Chance junge Spielerinnen und Spieler für ihren Sport zu begeistern und an die bestehenden Kinder- und Jugendteams zu binden. Es bleibt nicht alleine beim Training um des Trainings willen. Schulübergreifende Turnierveranstaltungen runden das Konzept ab. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, das im Training erlernte Können in Spiel- und Wettkampfsituationen unter Beweis zu stellen. »Du musst als Verein heutzutage attraktiv sein und attraktiv bleiben. Wenn du das nicht bist, musst du dir was überlegen«, fasst Dominik den Kern der modernen Vereinsarbeit in nur zwei Sätzen zusammen. Zeitgleich entstehen gute Argumente um Sponsoren zu gewinnen, indem man ein gelebtes Sponsoring anbieten kann, das nicht nur an Wochenenden in Form von Werbebannern und Trikotwerbung, sondern werbewirksam im täglichen Leben an den Schulen und in der Gesellschaft stattfindet. Win-Win-Situation at its best. Rangeln ist seit einigen Wochen medialer Trend und findet im Rugby seine Wettkampfform. Vermittelt werden den Schülern neben den sportlichen Aspekten die Werte des Rugbys. Hierbei wird schnell deutlich, dass Rugby weder eine legale Form der Gewalt, noch eine moderne Form der Blutspende darstellt. Fairness, Disziplin und Respekt vor Mannschaftskameraden, Gegenspielern und Schiedsrichter sind oberstes Gebot. Anders als in anderen Sportarten ist der Schiedsrichter im Rugby eine unantastbare Hoheit. Er sorgt dafür, dass das komplexe Regelwerk auf dem Feld eingehalten wird. Nur die Mannschaftskapitäne haben das Recht mit dem Schiedsrichter zu sprechen. Entscheidungen werden kommentarlos akzeptiert. Unsportliche Härte ist bei den aktiven Ruggern geächtet. Die sportliche Härte, die nach den Regeln des Spiels erlaubt ist, ist aber ohne-

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SP ORTTASCHE: RUGBY IN NECK ARSULM hin groß genug um den Gegenspieler in seine körperlichen Schranken zu verweisen und sich selbst sportlich fair auszupowern. Im Jugendbereich und in den Schul-AGs werden diese Grundelemente des Rugbysports auch mal mithilfe unkonventioneller pädagogischer Methoden vermittelt. So steht schon mal »minutenlanges Schweigen« auf dem Trainingsplan. Die Herrenteams der Neckarsulmer, die aus Tradition noch unter dem Namen SG Heilbronn/Neckarsulm antreten, haben diese Werte schon verinnerlicht. Gespielt wird auf einem circa 60m x 110m großen Feld. Ziel des Spiels ist es, das Rugby-Ei in der Endzone des Gegners, die »Malfeld« genannt wird, abzulegen und somit einen gültigen Versuch zu erzielen. Nach einem gültigen Versuch kann die Mannschaft den Punktestand dadurch ausbauen, indem sie das Spiel-Ei per Fußkick über eine Querstange durch das Stangentor, das durch die Malstangen gebildet wird, befördert. Ein erfolgreicher Versuch bringt 5 Punkte ein, ein anschließendes Goal zusätzliche 2 Punkte. Ein Goal, das durch Freistoß, durch Strafstoß, oder durch ein Dropgoal erzielt wird, zählt 3 Punkte. Die Mannschaft, die am Ende der 80 Spielminuten die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel und erhält 4 Punkte in der Tabelle. 2 Punkte gibt es bei einem Unentschieden, 0 Punkte bei einer Niederlage. Anders als bei anderen Sportarten sind jedoch noch Bonuspunkte möglich. Verliert ein Team mit 7 oder weniger Punkten unterschied, bekommt es einen Bonuspunkt. Einen weiteren möglichen Bonuspunkt gibt es für vier oder mehr erfolgreich gelegte Versuche – unabhängig vom Endstand. Dominik Hoffmann sieht das Team als eine »große Familie«, die mit derzeit 14 verschiedenen Nationen sehr international ist. In Neckarsulm spielen und trainieren ausschließlich Amateurspieler. Viele von ihnen sind Quereinsteiger. Bezahlte Profis gibt es weder in Neckarsulm noch irgendwo anders in Deutschland. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Ist ein Spieler wirklich gut, bietet ihm der Rugbysport in Deutschland zu selten Entwicklungsmöglichkeiten und finanziellen Rückhalt, der in Rugby-Nationen wie Neuseeland, Südafrika oder Schottland besteht. Ein Wechsel in die internationalen Top-Ligen bleibt somit der einzige Schritt. Aufgrund der vorhandenen Internationalität spielt Integration in Neckarsulm eine wichtige Rolle. Die Abteilung zahlt den Spielern zwar kein Gehalt für Ihre Leistungen, unterstützt den Einzelnen aber dort, wo sie kann, nachhaltig. So wird sich darum bemüht, Sprachkurse an die ausländischen Spieler zu vermitteln, die zum gewissen Teilen vom Verein mitfinanziert werden. Aber die Nächstenliebe und Hilfeleistungen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Passt ein Spieler im Rahmen der gezielten Spielersuche

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SP ORTTASCHE: RUGBY IN NECK ARSULM hinsichtlich seines Potenzials und Charakters in die kleine Rugby-Familie, werden bestehende Kontakte z.B. zur Jobvermittlung für den Spieler genutzt. Eine Maßnahme, die für gesicherte Existenzen und nachhaltige Bindung an den Verein sorgt. Oftmals geht diese Bindung von der aktiven Zeit freiwillig und nahtlos in ein Jugendtraineramt über. Seit anderthalb Jahren trägt diese intensive Arbeit die ersten Erfolgsfrüchte. Das Team der 1. Herrenmannschaft ist in die 2. Bundesliga des deutschen Rugby-Verbands eingegliedert. Die Tabellenposition nach Vor- und Rückrunde ist entscheidend für die Qualifikation in die Pokalwettbewerbe. Derzeit ist das Neckarsulmer Team uneinholbarer Spitzenreiter des Liga-Pokalwettbewerbs Süd/West und tritt somit in einem weiteren K.O.-Wettbewerb gegen Teams aus der Nord/Ost-Deutschen Gruppe an. Der Spitzenplatzierung im Pokalwettbewerb bringt den Vorteil mit sich, dass das Neckarsulmer Team in sämtlichen K.O.-Spielen Heimrecht auf dem Neckarsulmer Rossmarkt-Sportgelände genießt. Lediglich eine mögliche Finalbegegnung würde auf neutralem Boden stattfinden. Durch die Ligareform, die das Ziel hat die Ligen attraktiver zu gestalten, ist ein Aufstieg in die 1. Bundesliga nicht allein durch sportliche Erfolge möglich. Die Mannschaften werden nach weiteren Indikatoren wie Mannschaftsgefüge, Leistungsdichte und Kontinuität von einer Delegation des Rugby-Verbands beobachtet. Das mittelfristige Ziel der Neckarsulmer ist der Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Rugbysports, um sich konsequent weiterzuentwickeln, attraktiv zu bleiben und gegen hochklassige Mannschaften an neue Grenzen zu stoßen, um daran zu wachsen. Viel Training und Teamgeist und die Integration junger Spieler sind für dieses Ziel notwendig. So trainieren einige Spieler bis zu 5x die Woche auf dem Platz oder zur natürlichsten Form der Brustvergrößerung im Kraftraum. Gewicht und physische Verfassung sind vor allem für die Angreifer des Teams entscheidend. Gute »Stürmer« bringen mindestens 115 Kilogramm trainiertes Fleisch auf die Waage. In der physischen und mentalen Fitness liegt mitunter auch das Geheimnis, die Verletzungsanfälligkeit trotz der Härte des Sports in ihren Grenzen zu halten. So kann man sich tatsächlich guten Gewissens bei seiner Krankenkasse einen Stempel für sportliche Betätigung im Bonusheft abholen – wohlgemerkt für Rugbysport. Laut Statistiken der Kassen liegt die Zahl der Verletzungen bei Rugbyspielern sogar unter der von Fußballern und Handballspielern. Man möchte meinen, dass dies an der geringen Anzahl an aktiven Rubgyspielern liegt. Und obwohl einem diesmal nicht Sepp Herberger diese Meinung nahelegt, liegt man wieder falsch. Da die Statistiken weltweit erfasst wurden, gleicht sich die Zahl der Rugbyspieler z.B. an die Zahl der Fußballspieler an, weil in vielen anderen Ländern der Welt Rugby die Nationalsportart Nummer eins ist. Die Rugby-Weltmeisterschaft ist das drittgrößte Sportereignis unseres Planeten, direkt nach den Olympischen Spielen und der Fußball-WM. Die Wahrnehmungslücke ist weiteres Indiz dafür, dass die Sportart in Deutschland bisher nur ein Randgruppendasein fristet. Ab 2016 könnte damit Schluss sein. Die sogenannte »Siebener-Variante«, eine Abwandlung der klassischen »RugbyUnion«-Variante, die wiederum auch von den Neckarsulmern gespielt wird, wird nach 92-jähriger Rugby-Abstinenz erneut olympisch. Man könnte sagen »nach langem Ringen«. Die olympische Rückkehr erfolgt gemeinsam mit einer Sportart, die mehr als nur im stereotypen, übertragenen Sinne etwas mit »Schlägern« zu tun hat – dem Golfen. Bei der olympischen Variante stehen sich statt 15 Spielern nur jeweils 7 Spieler bei gleichbleibender Spielfeldgröße gegenüber. Die Folge ist, dass der Sport dadurch enorm an Dy-

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SP ORTTASCHE: RUGBY IN NECK ARSULM namik, Athletik und letztendlich an Attraktivität für den Zuschauer gewinnt. Die Neckarsulmer erhoffen sich von dem sportlichen Großereignis in erster Linie einen weiteren Aufmerksamkeitsschub, der ihnen und ihrer Sportart gut tut. Selbige »Siebener-Variante« wird auch auf dem jährlich stattfindenden Turnier gespielt, das die Neckarsulmer in diesem Jahr vom 10. bis 12. Mai auf dem Sportplatz am Rossmarkt austragen. Die »RBW Sevens 2013« finden bereits zum vierten Mal statt und füllen das besagte Mai-Wochenende mit Rugbysport und reichhaltiger Unterhaltung. Die Abteilungsmitglieder – etwa 70 Stück an der Zahl – leisten für das eine Wochenende in Summe etwa 1500 Arbeitsstunden, um den 2500 – 3000 Gästen ein angenehmes Ambiente und abwechslungsreiches Rahmenprogramm anbieten zu können. Dieses orientiert sich wiederum an jungen Menschen und Familien, bietet aber auch etwas für ältere Semester, die die Veranstaltung beispielsweise mit ihren Enkelkindern besuchen können. Neben verschiedenen Gastronomie-Angeboten sorgt die beliebte Tombola mit attraktiven und wertigen Preisen für eine im wahrsten Sinne des Wortes »losgelöste« Stimmung. Zusätzlich bieten Kurztrainingsangebote Neueinsteigern und Interessenten aller Altersklassen die Möglichkeit, den Sport in seiner Intensität hautnah am eigenen Leib mitzuerleben. 22 nationale und internationale Teams treten gegeneinander an. Das Überraschende hierbei ist, dass sich Männer- und Frauenteams in etwa die Waage halten. Sportlich begeisterten Menschen empfiehlt Dominik die Endspiele am Sonntag. Ist man eher auf Party aus, sollte man sich seiner Meinung nach die Rugger-Party samt internationalem Partyvolk am Samstagabend, zu der jedermann und jederfrau herzlich eingeladen ist, nicht entgehen lassen. Um den Heimweg braucht man sich notfalls auch keine Gedanken machen, denn Zelten & Campen ist das gesamte Wochenende über ebenso erlaubt wie erwünscht. Die Einnahmen des Turniers fließen wiederum in die Finanzierung der einzigen Vollzeit-FSJ-Stelle der Abteilung. Der FSJ’ler leitet eine Vielzahl der erwähnten Schul-AGs und begleitet beispielsweise Jugendmannschaften zu ihren Turnieren und trägt somit seinen Teil zu den zwei großen Zielen des Vereins bei. Diese sind eine Weiterentwicklung des Rubgysports sowohl in der Region als auch im Verein und die Erreichung einer großen Bandbreite an Jugendlichen und Kindern. Würde man dem FSJ’ler, den vielen Kindern in den SchulAGs oder den anderen Rugbyspielern in Neckarsulm die berühmte Ursprungsfrage stellen, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war, so kann man sich die Antwort vermutlich bereits denken.

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Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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»Keiner Kann zugleich galerist und Künstler sein. er auch.« TEXT & FoToS: ALBRECHT SCHNEPF Hätte i h n fr ü h e r j em a n d g ef r a g t , w as e r be r uflich m ach e , h abe e r im m e r di e g le iche A n t w or t g eg eb en : » Ic h g eh e putze n.« He ute g e h t A lbre ch t Sch ne p f offe nsi ve r u m m it s ein en Ta l en t en als bild e nd e r Küns tle r und Auto r m e ist l y ris ch e r Te xt e . Ohn e m it s ein en P fund e n zu wuch e rn. »Keiner kann zugleich Galerist und Künstler sein. Ich auch.«, steht denn auch als inoffizielles Motto über seiner jüngsten Ausstellung in der Heilbronner Galerie Schutzraum am Kaiser-Friedrich-Platz. Eine »typisch Schnepfsche Sentenz«, sagen seine Freunde; eine Denksportaufgabe mit Tiefgang, die er keinesfalls kokett, dafür aber philosophisch inspiriert verstanden wissen will. Seine Methode ist - ganz gleich, ob nun literarisch oder bildnerisch - in ihrem Ausdruck zutiefst dialektisch, und auch erwähnter »Keiner« steht bei Schnepf schließlich nur stellvertretend für die Abwesenheit von »Keinem« (= jemandem) ... In den wunderschönen Räumen hinter der klassizistischen Fassade des Gebäudes Nummer 3 ist Schnepf nun das schier Unmögliche gelungen: Er hat den weiten »Kreis« seiner Arbeiten in eine »Gesamtschau im Quadrat« gewandelt. Buchstäblich tiefgründige Malerei kontrastiert er hier mit spielerisch-poetischen Assemblagen; strenge (nur vordergründig formalistische) Fotografie verweist auf das allgegenwärtige Grundrauschen einer Ausstellung, die eindrücklich suggeriert, dass jede kreative Tätigkeit in der physischen Welt zugleich eine Veränderung der physischen Welt bedeutet und somit selbst Teil der Natur ist. Die nur sparsam mit Farbe agieren68 den Gemälde provozieren ihre eigene Zerstörung. Der Vorstoß zum Bilduntergrund, dorthin, wo sich »literarischer Sinn« manifestiert, käme ihrer finalen Vernichtung gleich. Die eigentliche Botschaft bleibt im Verborgenen. Archäologie findet in der Wahrnehmung statt. Auch Dekonstruktion ist Konstruktion. Dialektisch betrachtet. 52 gleichformatige Fotos im »Kabinett« der Galerie sind, jedes für sich betrachtet, Zeugnisse der Autonomie eines Genres, das längst nicht mehr um künstlerische Anerkennung buhlen muss. Hier erzählt Fotografie keine Geschichte. Jede einzelne Aufnahme ist Geschichte. Eine Geschichte von Chaos und Struktur, von Ordnung und ihrer Zerstörung. Ihre Schönheit ist immer fragil aber nie geschmäcklerisch. Eine Videoinstallation im dritten, fast fensterlosen Raum der Galerie, die den Betrachter eintauchen lässt ins Datennirvana der »Social Media«, entlarvt raffiniert Kausalkonstruktionen wie »Bild« und »Abbild«, »Unikat« und »Reproduktion« als ein eben »Nimmer-immerGleiches«. Ein perfektes, wahrnehmungspsychologisch faszinierendes Spiel mit der verwirrenden Wirkung des »Bildes im Bild der Bildes vom Bild«. Noch verstärkt

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KUNSTREGION: ALBRECHT SCHNEPF durch den minimalistischen Klangteppich einer Laurie Anderson und ihrer suggestiv-hypnotischen Wirkung. Die Ausstellung |Re Port| |Rap| Port kommt als Gesamtkunstwerk daher. Als Synästhesie aus Ausstellungsort und Exponat. Es ist eine Klassifizierung, bei der der Künstler die Stirn in tiefe Falten legen würde. Denn er mag zwar Romantiker geblieben sein; ein Wagnerianer ist er deshalb noch lange nicht. »Projekt aus einem Guss«: Diese Apostrophierung sei ihm lieber. Oder: Ein »Re-port« seines Schaffens und ein »Rap-port« in der Aussage. Mit dieser Einordnung könne er ganz gut leben. Am liebsten wäre ihm jedoch gar kein Etikett, das ihn nur gängele. Jede Festlegung sei Zwang. Jede Publikumsgefälligkeit eine Verleugnung des Künstlerischen. Der »Schutzraum« am Kaiser-Friedrich-Platz 3, über den Dr. Bernhard Stumpfhaus (Kunstwissenschaftler) bei der Eröffnung gesagt hatte, er sei mit Fug und Recht »großstädtisch« zu nennen, wird seine Nische finden. Nicht auf dem Spielfeld des »anything goes«, aber im kulturell höchst attraktiven Umfeld von HeilbronnWest, dem die totale, von gierigen Spekulanten genährte Gentrifizierung hoffentlich erspart bleiben wird. Und welcher Prophet behauptet schon, dass jede Karawane endlos weiter ziehen muss? Was ihn bei der Vernissage zur |Re| Port - |Rap| Port Ausstellung am nachhaltigsten beeindruckt habe? Das Bonmot, das ihm ein befreundeter Heilbronner Künstler ins Ohr geflüstert habe: »Papa, wenn ich mal erwachsen bin, werde ich Künstler!« Darauf der Vater: »Beides auf einmal geht nicht!«

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» D e s i g n i ko n e n « i n n e c k a r s u l m e rö f f n e t TEXT & FoToS: PR Prof. Dr. Fl o r i a n Hu f nag l, Dire k to r d e r Ne ue n Sam m lung – T he In t er n a t io n a l De s ig n Mus e um Munich , h at d ie Au ss t el l u n g » Des i g n Ik o ne n« im Aud i Fo r um Ne ck ars ulm e röff n et . Bi s En d e Ju n i zei g t d a s Mus e um h ie r Hö h e punk te aus s e in e r Per m a n en t C o l l ec t i o n. De r Eintritt is t fre i. Im Audi Forum Neckarsulm gibt Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich – Besuchern und Kunden ab sofort einen Einblick in 150 Jahre Design-Geschichte. Die Exponate gelten als Meilensteine des Möbeldesigns und stehen exemplarisch für Strömungen wie Industrialisierung und Serienproduktion, neue Materialien der Nachkriegszeit, Pop Art, Postmoderne und Materialromantik. Viele von ihnen weisen den Weg in die Designsprache der Zukunft. Der Direktor der Neuen Sammlung, Prof. Dr. Florian Hufnagl, beschreibt das Konzept der Ausstellung: »Wir wollen innovative Lösungen des Designs zeigen - Lösungen, die die industriellen Prozesse und Produktionstechniken in den ästhetischen Ausdruck der Objekte integrieren.« Die Exponate stammen aus verschiedenen Epochen: von der Zeit der Industriellen Revolution und den 1920er Jahren über die Nachkriegszeit und die 1960er bis in die Gegenwart. So ist zum Beispiel der zukunftsweisen74 de Cinderella Table des niederländischen Designers Jeroen Verhoeven aus dem Jahr 2005 zu sehen. Weit zurück gehen dagegen die ausgestellten Stühle und Sessel des rheinländischen Tischlers Michael Thonet. Die auf wenige Elemente reduzierten Entwürfe erlaubten Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals eine industrielle Massenfertigung von Möbeln. Das Modell Nr. 14 wurde das meist produzierte Sitzmöbel der Welt. Ein weiteres Exponat ist der Raumteiler der Französin Charlotte Perriand von 1953, und ebenfalls zu sehen sind Werke von Marcel Breuer, Charles und Ray Eames, Gaetano Pesce und Ettore Sottsass. Mit der Ausstellung »Design Ikonen« startet die Kooperation »Pinakothek der Moderne zu Gast bei Audi«. Das Unternehmen unterstützt das temporäre Projekt der vier Museen der Pinakothek der Moderne, sich in einem interaktiven Aktionsraum in München den Besuchern zu präsentieren. Als »Satellit« der SCHAUSTELLE besucht Die Neue Sammlung mit ihren Design Ikonen das Audi Forum Neckarsulm.

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Im GESPRÄCH mIT RoLAND EISELE » W I R W U R D E N A L S TOTA LV E R S AG E R D A RG E S T E L LT « TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: ULLA KUEHNLE Roland Eisele leitet die Polizeidirektion Heilbronn. Vor sechs Jahren dirigierte er die Ermittlungen im Mordfall Michèle Kiesewetter. Anfang Mai beginnt nun der NSU-Prozess in München. Wir sprachen mit Eisele über die Sekunde als er vom Polizistenmord erfuhr, die lange vergebliche Jagd nach dem Phantom und Burnout-Syndrome im Kollegenkreis.

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INTERVIEW DES MONATS: ROL AND EISELE HANIX — Herr Eisele, der mord an michèle Kiesewetter jährt sich zum sechsten mal. Denken Sie oft an den 25. April 2007 zurück? ROLAND EISELE — Regelmäßig! Momentan sogar öfter denn je. Das liegt daran, dass der Mord an Michèle Kiesewetter dem derzeit in den Medien und der Politik omnipräsenten NSU-Trio zuzurechnen ist, was Ihnen ja auch bekannt sein dürfte. Dadurch ist das Thema bei mir, aber auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen täglich präsent. Insbesondere für diejenigen, die in die Ermittlungsarbeit involviert waren oder Teil der Sonderkommission gewesen sind, ist dieser Tag allgegenwärtig. Seit die NSUGeschichte bekannt ist, haben wir im Grunde, wenn Sie so wollen, keine Ruhe mehr. HANIX — Wissen Sie noch genau, was Sie in der Sekunde als Sie die Nachricht des mordes bekamen, getan haben und wo Sie sich aufgehalten haben? Hubschrauber und schwerbewaffnete Polizeibeamte. Es ging schließlich nichts mehr, die Stadt kam praktisch zum Stillstand. Dies war für alle Heilbronner, aber auch für die, welche über Stunden im Verkehrsstau feststeckten ein so einschneidendes Erlebnis, dass es natürlich noch im Gedächtnis ist. Zudem werden die Bilder von damals auch immer wieder aufgefrischt. Aber das vergisst man ja auch nicht. HANIX — Geht man im ersten moment von einer schnellen Aufklärung aus? Das kann ich Ihnen genau sagen. Ich war gerade in einem Gespräch in meinem Büro, es war kurz nach 14 Uhr. Plötzlich kam im Funkverkehr Hektik auf und ich hörte die Meldung, dass auf der Theresienwiese Kollegen angeschossen worden seien. Dieser Moment bleibt eingebrannt; und ich denke, das wird bis ans Ende meiner Tage so bleiben. In solch einem Augenblick bekommt man ganz automatisch einen Adrenalinstoß, denn für die Polizei heißt es: Sofort handeln! Dann lief alles checklistenartig ab. Die Fahndungsmaßnahmen wurden eingeleitet und wir stiegen in die Ermittlungsarbeit ein. Die Täter waren flüchtig, niemand hatte sie gesehen, es gab also keine Beschreibung. In einer Adhoc - Entscheidung habe ich deshalb angeordnet, sämtliche Ausfallstraßen zu sperren, um einfach alles und jeden zu kontrollieren, der aus der Stadt hinausfuhr. Natürlich reichten bei dieser Lage die eigenen Beamten nicht aus, sodass wir Kollegen benachbarter Dienststellen und Einheiten der Bereitschaftspolizei anfordern mussten. Das ist dann sukzessive angelaufen. Die Kontrollstellen an den Ausfallstraßen und die intensiven Fahndungsmaßnahmen in der Stadt haben dann schließlich dazu geführt, dass der innerstädtische Verkehr zum Erliegen kam. Hinzu kamen ROLAND EISELE — Ja natürlich, das ist zunächst der Wunschgedanke, da schwingt die Hoffnung mit. Wie für solche Fälle vorgesehen, haben wir auch sofort eine Sonderkommission eingerichtet, mit anfänglich über 50 Beamtinnen und Beamten. Wie gesagt, auf den Straßen hatte ich Vollkontrollen angeordnet, d.h. wir schauten in die Fahrzeuge rein und ließen die Kofferräume öffnen. Wir kannten keine Gesichter, hatten daher keine Täterbeschreibung und suchten auch nach Waffen, denn wir wussten ja, dass die Täter nicht nur selbst bewaffnet waren, sondern auch die Schusswaffen der angeschossenen Kollegen mitgenommen hatten. Selbstverständlich galt es, alle Anstrengungen zu unternehmen und sämtliche zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um möglichst schnell den flüchtigen Tätern habhaft zu werden. In dem Moment hatten wir gar keine Zeit an etwas anderes zu denken. Keine Zeit für Entsetzen und Trauer, nicht mal für Wut auf die Täter, die unsere Kollegin erschossen und den Kollegen lebensgefährlich verletzt hatten. Aber das ist die Professionalität, die uns Polizeibeamten in solchen Momenten abverlangt wird. Wir mussten uns zunächst ausschließlich auf die polizeiliche Lage konzentrieren. ROLAND EISELE — HANIX — Wann wurde es ihnen bewusst, dass sich dieser Fall und dessen Aufklärung sehr lange hinziehen würde? Vier Wochen nach der Tat, hatten wir eine nicht zuordenbare DNA-Spur. Es war die Spur des sogenannten »Phantoms von Heilbronn«. Dieser Begriff wurde übrigens von den Medien erfunden. Die DNA stammte von einer unbekannten, weiblichen Person. AbROLAND EISELE —

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INTERVIEW DES MONATS: ROL AND EISELE gekürzt haben wir sie »UWP«. Ein »Phantom« hat dann erst die Presse daraus gemacht. Zunächst war es für uns auch erstaunlich, dass eine Frau mit dabei gewesen sein soll. Als wir immer wieder in ganz Süddeutschland, aber auch im Ausland diese DNA-Treffer hatten, kam große Hoffnung auf, die Täterin zu finden. Wir hatten die DNA und die ist nun mal untrüglich. Wir haben aber auch immer wieder Zweifel bekommen, ob wir die richtige Spur zu verfolgen. Wenn Sie einerseits einen Mord haben, der in dieser Brutalität und Abgebrühtheit begangen wurde und andererseits die DNA-Spuren bei Gartenhausaufbrüchen und Schulhauseinbrüchen auftauchen, wird man natürlich skeptisch. Jeder Ermittler hier war der Meinung, dass dies nicht sein kann. Wir haben das deshalb immer wieder auch bei den Kriminaltechnikern hinterfragt. Das kriminaltechnische Institut (KTI) beim LKA in Stuttgart hat dann die neuen Spurenträger sicherheitshalber mehrfach überprüft, jedoch keine Verunreinigungen festgestellt. So waren alle weiterhin sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Am Ende haben wir die Spurenverursacherin identifiziert und gefunden. Leider war es die Verpackerin der Wattestäbchen bei der Herstellerfirma. Bis zu diesem Zeitpunkt sind alle davon ausgegangen, dass die für DNA-Tests benutzten Stäbchen rein sind. Hinzufügen möchte ich, dass neben oder vielleicht trotz der DNASpur zahlreiche andere Spurenkomplexe akribisch abgearbeitet wurden. HANIX — Diese stäbchen ... verflixten, verunreinigten Watte- Diese Wattestäbchengeschichte wurde leider ganz eng mit Heilbronn verknüpft – fälschlicherweise, wie ich vorhin sagte. Das hat auch vielen meiner Kollegen hier schwer zu schaffen gemacht, da wir zum Teil als Totalversager hingestellt wurden. Dass man die ganze Problematik mit den verunreinigten Wattestäbchen aufgedeckt hat, war fast ein Quantensprung in der Kriminaltechnik. Zuvor hatte doch niemand daran gedacht, dass Wattestäbchen teilweise schon verunreinigt waren, als sie ROLAND EISELE —

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INTERVIEW DES MONATS: ROL AND EISELE aus der Verpackung genommen wurden. Wovon wir alle ausgegangen sind, war, dass alles clean ist, was wir da benutzen. Dass die Wattestäbchen so verpackt wurden, dass beim Verpacken eine Verunreinigung stattfinden konnte, hatte keine Polizeidienststelle in ganz Europa auf dem Plan. Man kann es wohl »Ironie des Schicksals« nennen, dass alle Tests der unterschiedlichen Lieferchargen ergeben haben, dass die Stäbchen DNA-frei waren. Egal, ob die Tests in Deutschland oder Österreich stattgefunden haben. Nachdem diese Verunreinigungen aufgedeckt worden waren, hat man eine weitere Zertifizierung eingeführt und mittlerweile hoffe ich doch, dass es keine verunreinigten Wattestäbchen mehr gibt. Aber dazu hat es unseren Fall hier in Heilbronn gebraucht, der so weit vernetzt war. Jedenfalls haben die Ermittler bis zur Aufklärung der Verunreinigung der Wattestäbchen immer wieder Hinweise bekommen, dass alles in Ordnung sei und es nicht an der Kriminaltechnik oder an den Spurenträgern liege. Und deshalb sind wir diesem Trugschluss so lange aufgesessen. HANIX — Durch langwierige Ermittlungsarbeit wurden auch ihre Kollegen psychisch und physisch stark belastet. Gab es Fälle von Burnout im Kollegenkreis? Manche Beamte mussten wir aus dem täglichen Dienst tatsächlich rausnehmen. Die Kollegen waren dann längere Zeit in ärztlicher Behandlung und sind es teilweise heute noch. Da gab es den Fall eines Kollegen, der an dem Fall sehr nah dran war. Bei ihm hat man gedacht: Das ist eine Eiche, der fällt nicht um. Aber mit deutlichem Zeitverzug hat dieser Kollege große Probleme bekommen. Das war ein Burnout-Syndrom, welches eindeutig durch diese Geschichte hervorgerufen wurde. ROLAND EISELE — HANIX — Werden heute noch Überstunden, die sich damals angesammelt haben, abgebaut? Wir hatten einen exorbitant hohen Stand an Mehrarbeitsstunden. Aber ich konnte die Kollegen ja nicht alle heimschicken. Der normale tägliche Dienst ging auch weiter. Wir haben versucht, es so gut ROLAND EISELE —

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INTERVIEW DES MONATS: ROL AND EISELE Person zum Täter-Trio gehört, sagt bis heute nichts. Deshalb wird man vielleicht nie so richtig die Motivation der Täter erfahren. Es ist alles auf Indizien aufgebaut, aber wir wissen zumindest: Die waren es. Und das definitiv, weil alles zugeordnet werden konnte. Weil die Waffen in dem Haus in Zwickau aufgefunden wurden, weil viele Utensilien wie beispielsweise das Reizstoffsprühgerät oder die Handschließen, eben alles was den beiden betroffenen Beamten in Heilbronn gefehlt hatte, dort aufgetaucht ist. Darüber hinaus haben die Täter umfangreich, in einer furchtbaren Weise, ihre Taten dokumentiert. Das bedeutet, dass die Tat geklärt ist, wenngleich das Motiv dazu, wie gesagt, noch fehlt. Warum gerade Heilbronn, warum die beiden Beamten, warum überhaupt Polizeibeamte? Aus der vorherigen Zielrichtung der NSU kann man das nicht unbedingt erschließen. HANIX — Im November 2011 wurde der mord an Frau Kiesewetter und an Dönerbudeninhabern der NSU zugeordnet. Waren Sie zunächst skeptisch, ob es auch wie möglich über Freizeitausgleich zu kompensieren. Auf meine Bitte hin, bekamen wir einmalig eine Summe von 200.000 Euro zugewiesen, die wir dann mit den größten Überstundenkonten verrechnet haben. Das wurde gemacht, damit deren aufopferungsvolle Arbeit vergütet werden konnte und damit die Beamten von dem Berg an Überstunden, der sich aufgetürmt hatte, runterkommen. Denn nach Gesetz verfallen diese nach zwei Jahren. In der Phase der Soko-Arbeit in Heilbronn waren 30 bis 35 Prozent der Kripo-Angehörigen dort eingebunden, d.h. einhundert Prozent des Tagesgeschäftes wurden von 65 bis 70 Prozent der Kripo-Besatzung erledigt. Dies führte natürlich auch dort zu zahlreichen Überstunden. HANIX — Hatten Sie zu einem Zeitpunkt die persönliche Befürchtung, dass der Fall niemals aufgeklärt werden würde und Sie ein Leben lang als »dunkler Fleck« ihrer Karriere begleiten würde? ROLAND EISELE — Zeitweise habe ich schon die Befürchtung gehabt, dass es ewig dauern wird und wir ein Quäntchen Glück oder den »Kommissar Zufall« bräuchten, um den Fall zu lösen. Dann kam plötzlich die NSU-Geschichte auf. Das war eine gewisse Erleichterung insofern, dass die Täter gefasst wurden. Aber wir kennen die Motivation leider immer noch nicht. Zwei der Täter haben sich selbst gerichtet und Frau Zschäpe, die als einzige noch lebende tatsächlich wahr sein sollte, dass der Fall kurz vor der Auflösung stand? Bis zu dem Zeitpunkt, als die Waffen gefunden wurden und noch etwas darüber hinaus, war ich nur vorsichtig optimistisch. Zunächst haben wir vermutet, dass die Waffen gekauft sein könnten. Aber nachdem weitere Beweismaterialien aufgefunden wurden, unter anderem die Filme, die das Täter-Trio gemacht hatte, war es dann eindeutig. Ab dem Zeitpunkt hatte man eine Zuordnung der Täterschaft. ROLAND EISELE — HANIX — In wenigen Tagen beginnt der NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe. Werden Sie selbst auch einem Prozesstag beiwohnen? ROLAND EISELE — Ich werde es natürlich mit Interesse über die Medien verfolgen, aber nicht vor Ort sein. So nah sind wir, als Polizeidirektion Heilbronn, nicht am NSUFall dran, dass wir im Gerichtssaal sein müssten. HANIX — Erwarten oder erhoffen Sie sich eine Aussage von Beate Zschäpe oder gehen Sie davon aus, dass Sie, wie angekündigt, schweigen und die Aussage verweigern wird? Man macht sich ja immer Gedanken dazu. Ich hoffe, dass sie irgendwann ihr Schweigen bricht. ROLAND EISELE — HANIX — Haben Sie eine ganz persönliche Hoffnung, den Prozess betreffend?

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INTERVIEW DES MONATS: ROL AND EISELE Die Hoffnung wäre, dass das Gericht einen Weg findet, den grausamen Taten und dem Leid, die diese hervorgerufen haben, gerecht zu werden. Aber Gerechtigkeit ist ein großes Wort. Auch im Gerichtssaal ist Gerechtigkeit der Faktenlage geschuldet. Deshalb gibt es dort nicht immer absolute Gerechtigkeit, das ist einfach so. Aber auch das ist Bestandteil unseres Rechtsstaates. ROLAND EISELE — HANIX — Sie waren über Jahre hautnah dran am Fall der Polizisten-Döner-morde und der Jagd nach einem Phantom. Sie könnten ein Buch mit Bestsellerpotenzial schreiben. Schon mal daran gedacht? Wir als Polizeidirektion Heilbronn haben bereits ein Buch geschrieben. Es heisst »Alltagsgeschäft?!« Das Buch hat allerdings nichts mit dem Polizistenmord zu tun. Herr Schumacher ist Leiter der Pressestelle und hat mich auf diese Idee gebracht. Denn jeder Polizeibeamte, der über Jahre hinweg im Dienst war, könnte Stories, Anekdoten, nette, traurige oder schlimme Geschichten niederschreiben. Und fast jeder könnte am ROLAND EISELE — Ende seiner Laufbahn sicherlich ein Buch verfassen, aber wer macht das schon? Diese Geschichten, die der Bürger so gar nicht mitbekommt, gehen einfach verloren. Und der Gedanke von Herrn Schumacher war, dass wir diese Dinge doch sammeln könnten und die Kollegen auffordern sollten, etwas über deren Alltagsgeschäft aufzuschreiben. Das Buch erschien im Selbstverlag und wir musste privat bezahlt werden. Das haben wir gerne getan. Jetzt machen wir es, »just for fun«, ein zweites Mal und werden Ende des Jahres ein ähnliches Werk mit dem Titel »Alles Routine?« herausbringen. In dem ersten Buch, »Alltagsgeschäft!?«, gibt es nette Begebenheiten, traurige und beeindruckende Dinge, die sich bei den Kollegen festgebrannt haben. Wir konnten sogar Ruheständler motivieren, etwas aus den 60er Jahren zu schreiben. Es geht uns einfach darum, die Geschichten niederzuschreiben und für die Nachwelt festzuhalten. Man kann sich das als Außenstehender gar nicht vorstellen, was da in manchem Beamten vorgeht oder was die so alles erleben. Fördern Sie unsere Talente! Das Deutschlandstipendium verdoppelt Ihre Spende! Fachkräftenachwuchs für unsere Region sichern www.hs-heilbronn.de/talente

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NECKARBOGEN DER ZUKUNFT Heilbronner können ihre Vorstellungen in Bürgerwerkstätten einbringen WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG Wir sprachen mit dem Wirtschaftsbeauftragten der Stadt, Bernd Billek APPARAT34 In Heilbronn entsteht ein urbanes Kunst- und Kulturwerk URBAN FUTURE Audi interessiert die Zukunft - deshalb gibt es die Urban Future Initiative ZUKUNFTSPARK WOHLGELEGEN Novalung hat den Umzug nach Heilbronn nicht bereut WISSENSSTADT HEILBRONN Die Dieter-Schwarz-Stiftung wird den Bildungsstandort Heilbronn aufrüsten BLÜHENDE LANDSCHAFTEN Wo in Zukunft die Stadt erblüht, herrscht heute noch Todesstreifen-Charme JOSHIS MEINUNG & NEIG´SCHMECKT Ein Kind und eine Brasilianerin über den Aufschwung

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TITELTHEMA: BOOMTOWN TEXT & ILLUSTRATIoNEN: STADT HEILBRoNN R Ü Ck BL I C k UN D AU S BL I C k ZU R BÜ RG E RBET E I L I G U N G

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Die Buga2019 überstrahlt alle anderen ambitionierten Zukunftsprojekte in Heilbronn. Und weil die Gartenschau ein so wichtiger und nachhaltiger Meilenstein in der Stadtentwicklung Heilbronns ist, werden die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mit in die Planungen einbezogen. In sogenannten Bürgerwerkstätten. Am 18. April fand die 5. Bürgerwerkstatt zur Bundesgartenschau 2019 und zum neuen Stadtquartier Neckarbogen statt. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, Bürgermeister Wilfried Hajek, Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas und ihre Mitarbeiter haben gemeinsam mit der Bürgerschaft eine Zwischenbilanz gezogen: Was ist aus den Ergebnissen der ersten vier Bürgerwerkstätten 2012 geworden? Wie geht es nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vom Dezember weiter? Wie ist die Bürgerbeteiligung bei der kürzlich vom Gemeinderat beschlossenen Fortschreibung des Rahmenplans Neckarbogen vorgesehen? Bei der Abendveranstaltung blickten Vertreter der Stadtverwaltung, der BUGA Heilbronn 2019 GmbH und die Fachplaner zunächst auf die vier Bürgerwerkstätten zurück. Hier lag der Schwerpunkt auf den Arbeitsergebnissen der Teilnehmer zu den Themen Verkehr und Umweltverbund, Fluss und Wasser, Spiel/ Sport/Freizeit und Stadtquartier Neckarbogen. Ein wichtiger Punkt ist auch die Erläuterung, wie die Ideen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger in den Planungsprozess einbezogen werden. Die Ergebnisse der bisherigen Bürgerwerkstätten können in Form von Protokollen im Internet unter www.buga2019.com abgerufen werden. Gemeinderat hat das Konzept beschlossen Beim Ausblick geht es vor allem darum, wie die Bürgerschaft in die Fortschreibung des Rahmenplans Neckarbogen eingebunden wird. Laut dem Anfang April vom Gemeinderat beschlossenen Konzeptes soll der Neckarbogen ein »Quartier der Zukunft« werden. Die weiteren Grundlagen wie städtebauliche Leitbilder und Handlungsstrategien sollen bis Jahresende eine fachübergreifende Arbeitsgruppe sowie ein Beirat hochrangiger Experten gemeinsam mit Vertretern der Stadt und weiteren Heilbronner Akteuren erarbeiten. Als Handlungsfelder sind die Themen Städtebau, Freiraum, Architektur, Vernetzung und neue Mobilität, Demografie und Sozialstruktur, Nutzungsspektrum sowie Nachhaltigkeit und Effizienz vorgesehen. Die Federführung übernimmt dafür das Planungs- und Baurechtsamt der Stadt Heilbronn. Den Abschluss der Fortschreibung bildet eine Bürgerinformation gegen Jahresende 2013. Die aus der Bürgerbeteiligung gewonnenen Erkenntnisse werden in den weiteren Prozess zur Bebauung des Neckarbogens einfließen. Dies gilt insbesondere für die Modellbebauung im östlichen Bereich des Neckarbogens, die bereits zur Bundesgartenschau 2019 fertiggestellt sein soll.

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TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: ULLA KUEHNLE » E T WA S M E H R U R B A N I TÄT W ü R D E D E R S TA D T G U T T U N «

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Be rn d Bi l l e k k ü m m er t s i c h a l s Wir ts ch afts be auftragte r d e r Stad t He ilbronn um alle T h e me n , d i e d en Wi r t s c h a f ts s tand o r t He ilbro nn be tre ffe n. Ob e s nun um Unte rn e h m e n sp a rk p l ä t ze g eh t o d er um h o ch k arätig e s Ve nture Capital. Inzwi schen i st d e r sm ar te Ba d en er a u c h d a b ei, d ie s täd tis ch e K re ativ-wir ts ch aft zu fördern, um d e r Stadt som it ei n m ehr a n u r bane m Fe e ling zu ve rs ch affe n. H A N I X - Herr Billek, Sie sind Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Heilbronn. Seit wann bekleiden Sie dieses Amt und wie sind ihre Aufgabenfelder skizziert? Ich habe diese Funktion jetzt seit fast sieben Jahren inne. Schwerpunktmäßig gliedert sich meine Arbeit in drei Hauptbereiche. Der erste Bereich ist die sogenannte Bestandspflege. Das heißt, dass ich mich um die in Heilbronn ansässigen Unternehmen kümmere, Kontakt zu den Firmen halte und persönliche Gespräche führe. Hierbei geht es um ganz unterschiedliche Themen angefangen von zukunftsorientierten und konzeptionellen Fragestellungen wie die Vernetzung von Betrieben in bestimmten Branchen, aktuell der Kreativwirtschaft und der Medizintechnik, bis zu ganz konkreten Dingen wie beispielsweise Stellplätze zum Parken oder Erweiterungsbedarfe. Die zweite Säule ist, den Standort Heilbronn insgesamt zu verbessern, d.h. insbesondere die wirtschaftsrelevante Infrastruktur auszubauen. Hier geht es um Sachthemen wie beispielsweise den Hubschrauberlandeplatz in den Böllinger Höfen, der weitere Breitbandausbau in Heilbronn, aber auch die Akquise eines weiteren Viersterne-Hotels im Bereich Stadtgarten/ Harmonie. Der dritte Bereich ist die Vermarktung Heilbronns nach außen, sprich es geht darum, die Außendarstellung der Stadt als Wirtschaftsstandort zu optimieren. So zum Beispiel mit dem erst kürzlich produzierten Imagefilm über Heilbronn als Wirtschaftsstandort. BERND BILLEK H A N I X - Kurz zum Stichwort Außendarstellung und auch Image. Ist Heilbronn hier ein wenig zu bescheiden? wir von außen in vielen Fällen positiver wahrgenommen werden als von innen. Aber an einem größeren Bekanntheitsgrad müssen wir noch arbeiten, aber das wissen wir auch. Der Prozess zur Herausarbeitung der entsprechenden Alleinstellungsmerkmale von Heilbronn, auch im Hinblick auf die BUGA 2019, ist bereits eingeleitet worden. Derzeit präsentieren wir uns vor allem als Region der Weltmarktführer und als zweitgrößte Stadt der Metropolregion Stuttgart. Ich persönlich glaube, dass uns das Thema Urbanität gerade auch mit Blick auf den Wettbewerb um die besten Fach- und Führungskräfte unheimlich gut tut. Wir haben in Heilbronn viele Parkanlagen, den Neckar, etliche Weinbaugebiete, wir haben uns als kinder- und familienfreundliche Kommune positioniert und all diese Bereiche gepaart mit Urbanität, Spitzentechnologie, Bildung und auch der kreativen Wirtschaft wären aus meiner Sicht eine gute Mischung. H A N I X - Wie wichtig ist es für einen Wirtschaftsstandort wie Heilbronn, dass sich auch Unternehmen, die ihren Ursprung nicht in der Stadt und Region haben, hier ansiedeln? Diese Unternehmen und Unternehmer können wichtige Impulsgeber für eine Stadt sein, oder sehen wir das falsch? Sicherlich ist dies ein Bereich, in dem wir Heilbronn noch stärker nach außen hin positionieren können und müssen. Wobei ich auch konstatieren muss, dass BERND BILLEK - Wir hatten in 2012 zwei sehr interessante Neuzugänge in den Zukunftspark Wohlgelegen: Ein Dienstleister aus dem Biotech- und Pharmabereich aus Tübingen und eine Unternehmensberatung aus Neckarsulm. Die von Ihnen genannten Impulse von außen sind sehr wichtig, wobei ich auch betonen möchte, dass die Aktivitäten des Zukunftsfonds Heilbronn ein absoluter Glücksfall für uns sind. Eine private Venture-Capital-Gesellschaft mit regionalem Bezug wünschen sich viele andere Regionen auch. Es ist nicht der Normalfall, dass in einer kleinen BERND BILLEK -

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Großstadt wie Heilbronn so viele Unternehmen von außerhalb kommen. Es gibt Erhebungen, die sagen, dass circa 90 Prozent der Unternehmensverlagerungen aus einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern kommen, Regionen wie Berlin oder Hamburg hier mal außen vor gelassen. Um auch realistisch zu bleiben: Wir versuchen diese Chance aus dem Venture-Capital-Bereich nach Kräften zu unterstützen wie beispielsweise mit dem Zukunftspark Wohlgelegen. Wir haben es zudem geschafft, dass das Wissenschafts- und Technologiezentrum im Zukunftspark Wohlgelegen mit bis zu 9,2 Millionen Euro aus EFRE-Mitteln, das heißt, von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg gefördert wird und waren und sich auch in der Lage, diese Mittel stets fristgerecht abzurufen. H A N I X - Es ist kein Geheimnis, dass Heilbronn eine wirtschaftsstarke Stadt in einer wirtschaftlich potenten Region ist. Über zu wenig Arbeit können Sie sich wahrscheinlich kaum beklagen? und Selbstständiger, ist der Blick auf die Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Hier gab es in 2012 neun Anmeldungen und fünf Abmeldungen. Was natürlich auch sehr positiv ist: In 2012 verzeichnete die Stadt Heilbronn 63.321 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mehr als diese Beschäftigtenzahl hatte Heilbronn in seiner Geschichte überhaupt nur unmittelbar nach der Wende in den Jahren 1990 bis 1994 erreicht. Wir haben also in vielen Bereichen Spitzenwerte in Heilbronn. H A N I X - Wir sind beeindruckt. Das trifft natürlich zu. Letztendlich ist es immer ein Spagat zwischen Besuchen vor Ort, bei den Unternehmen und bei Netzwerkpartnern, auf der einen Seite und trockener Schreibtischarbeit auf der anderen Seite. Natürlich kommt dann auch noch die eine oder andere Abendveranstaltung hinzu, die man als Wirtschaftsförderer zwangsläufig besuchen muss. Persönliche Kontakte sind absolut unerlässlich. BERND BILLEK H A N I X - Können Sie die wirtschaftliche Potenz Heilbronns mit Zahlen verdeutlichen? Wie sieht es mit dem städtischen Bruttosozialprodukt aus? Wie viele Firmen haben sich in 2012 neu in Heilbronn angesiedelt und wie viele Neugründungen gab es im Stadtgebiet? Und trotzdem bleibt noch einiges zu tun. Wir spüren immer noch den Strukturwandel. Im Vergleich zu anderen Städten in Baden Württemberg sind wir immer noch relativ industrielastig und haben hier ein wenig die Problematik, dass noch eher traditionelle Branchen, wie zum Beispiel Metallverarbeitung, Lebensmittel, Papierverarbeitung und Elektrotechnik, eine hohe Bedeutung haben. Diese Branchen sind weitgehend stabil, haben aber nicht mehr die Wachstumsdynamik wie andere Branchen. Wir benötigen noch mehr forschungsintensive Arbeitsplätze. Der Ausbau unserer Bildungslandschaft und die enge Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und den Unternehmen sind essentiell, um gut ausgebildete Arbeitskräfte für die Region und innovative Produkte zu generieren. Schließlich muss unsere Industrie mit Ländern in Asien konkurrieren. BERND BILLEK H A N I X - Der Heilbronner verdient im Bundesdurchschnitt am meisten in Deutschland. Sind Wirtschaftsbeauftragte aus anderen Städten neidisch auf Sie? Das BIP im Jahr 2010, es gibt leider noch keine neueren Zahlen vom Statistischen Landesamt, betrug rund 5,6 Mrd. EUR der über 31 Milliarden EUR der Region Heilbronn-Franken. Das entspricht umgerechnet auf die Einwohnerzahl über 43 000 Euro pro Kopf. Damit liegt Heilbronn mehr als 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Übrigens sind die aktuell gut 125000 Einwohner ein Rekord für Heilbronn. In 2012 gab es im Stadtkreis Heilbronn insgesamt 1218 Gewerbe-Anmeldungen und 991 Abmeldungen, das macht einen positiven Saldo von 227. Die Salden von 2011 (+405) und 2010 (+344) waren ebenfalls positiv. Aussagekräftiger als diese Gesamtbilanz aller Unternehmen, also auch kleiner Unternehmen BERND BILLEK - Hier muss ich Sie kurz berichtigen. Der Heilbronner verdient nicht am meisten im Bundesdurchschnitt, sondern er hat am meisten Einkommen zur Verfügung, das ist ein Unterschied. Im Jahr 2011 lag Heilbronn mit einem verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen in Höhe von 31 020 Euro in einem Ranking der Zeitschrift Focus auf Rang eins in Deutschland! Erst vor Kurzem habe ich gelesen, dass in Heilbronn 44 Einkommensmillionäre leben, was mit Sicherheit mit dem alten Begriff aus der Gründerzeit »schwäbisches Liverpool« verbunden ist. Viele damalige Gründer haben ihre Familienunternehmen erfolgreich geführt und weiterentwickelt und der hohe Anteil an Industrieunternehmen trägt hier sein übriges dazu bei. Mit Sicherheit sind die Heilbronner im bundesweiten Vergleich beim Bruttogehalt auch gut aufgestellt. Den Mitarbeiter in der Region freut es, manch kleine Mittelständler haben BERND BILLEK -

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Di e Be s ch äft ig e n z ah l i n He ilbron n s t e llt d e rze it e in e n e ch t e n S pit ze nwe r t d ar. aber mit potenten Großunternehmen so ihre Probleme, da diese ein höheres Gehaltsgefüge haben. Um also Ihre Frage zu beantworten: Ja, gerade im Bereich Venture Capital und Bürgerengagement mit allem was dazugehört werden wir schon von vielen Städten beneidet. H A N I X - Stehen Sie in Kontakt und im Dialog mit Wirtschaftsförderungen und Wirtschaftsbeauftragten aus anderen Städten? Ja, selbstverständlich. Einerseits existiert ein Netzwerk vom baden-württembergischen Städtetag und zusätzlich wird ein loses Bündnis der Wirtschaftsförderer aus süddeutschen Großstädten, also Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern, von mir hoch geschätzt. Zweimal jährlich trifft man sich dann zum Austausch mit den Kollegen aus Städten wie München, Stuttgart, Frankfurt a.M., Mannheim oder Mainz immer in einer anderen gastgebenden Stadt und spricht über Themen wie Gewerbeflächenausweisungen, Innovations- und Technologiezentren, den Umgang mit Logistik-Ansiedlungen oder wie man Spielhallen in der Innenstadt einschränken kann. Organisatorisch sind die meisten städtischen Wirtschaftsförderungen besser aufgestellt als Heilbronn, aber bei Themen wie Venture Capital und Business Angels sind wir dank des privaten Engagements hier in Heilbronn trotzdem ganz vorne dabei. BERD BILLE H A N I X - Trotz der Wirtschaftskraft Heilbronns und Ihrem vollen Terminkalender sind Sie eine »one-manShow«? Wann bekommen Sie Unterstützung in Form von mitarbeitern? Dafür wäre es doch längst Zeit. Ich bin ja nicht ganz alleine, sondern es gibt auch noch das Liegenschaftsamt für die Vermarktung der städtischen Gewerbeflächen, den Citymanager, die regionale WHF, die vor allem das überregionale Standortmarketing betreibt, die Stadtsiedlung mit InnovatiBERND BILLEK - onsfabrik und Zukunftspark Wohlgelegen und die WFG Raum Heilbronn, die den Stadt- und Landkreis abdeckt und mit der ich mich thematisch versuche abzusprechen beziehungsweise in deren Aufsichtsrat ich sitze. Und natürlich die Kammern IHK und Handwerkskammer, die unabhängig von der Stadt im regionalen Kontext aktiv sind. Um die Schnittstellen zu verdeutlichen im Tagesgeschäft: Während die WFG die Automotiv-Branche bearbeitet und hierbei versucht, deren Wettbewerbsfähigkeit durch die Vernetzung der Betriebe zu verbessern, fokussiere ich mich in meiner Projektarbeit auf die Kreativwirtschaft und die Medizintechnik, da dieses eher Themen nur von Heilbronn sind. Grundsätzlich, also im Tagesgeschäft, bin ich natürlich für jedes Unternehmen und jede Branche da. Seit Kurzem kooperiert die Stadtsiedlung und meine Stabsstelle mit dem Venture Forum Neckar im Bereich der Existenzgründungsberatung, um zu versuchen, in Heilbronn eine echte Gründerszene zu etablieren. Wichtig ist, dass die Firmen

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TITELTHEMA: BOOMTOWN wissen, dass sie die Stabsstelle Wirtschaftsförderung jederzeit als Servicepartner und Unterstützer für ihre Anliegen in Anspruch nehmen können. Mein Vorteil ist mit Sicherheit, dass die Wege von mir zum Ersten Bürgermeister Martin Diepgen und zu Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach sehr kurz sind. H A N I X - Wenn Sie einmal, aus ihrem Blickwinkel des Wirtschaftsbeauftragten, zehn Jahre zurückschauen und gleichzeitig einen Blick ins Jahr 2023 werfen: Woher kommt Heilbronn und wohin wird die Heilbronner Reise gehen? Ich kann, was die Vergangenheit angeht, den Zeitraum der letzten sieben Jahre ganz gut beurteilen und hierzu ist eindeutig zu sagen, dass sich Heilbronn in vielen Bereichen sehr positiv entwickelt hat. Allein wenn ich sehe, welche Kraftanstrengungen die Stadt, die Region und die Wirtschaft, allen voran, die Dieter Schwarz Stiftung unternommen haben, um die Hochschullandschaft auszubauen. Und beispielsweise die Hochschule Heilbronn nah an die Innenstadt zu bringen, damit die Studierenden auch unsere City bereichern. Dank der Dieter Schwarz Stiftung und deren Engagement hat Heilbronn sogar mit der DHBW Mosbach Campus Heilbronn eine völlig neue Hochschule erhalten, die ebenfalls schon wieder am Wachsen ist. Auch das Kulturelle hat sich äußerst positiv entwiBERND BILLEK - ckelt, man denke nur an die Kunsthalle Vogelmann und das Haus der Stadtgeschichte. Man muss auch einfach mal durch die Fußgängerzone mit Stadtbahn, Bahnhofsvorstadt und der nicht mehr wegzudenkenden Stadtgalerie gehen und sieht schon allein hier einen enormen Sprung nach vorne. Oder die experimenta, die ein echter Sympathieträger für die Stadt geworden ist und jetzt schon über 600 000 Besucher verzeichnen konnte. In meinem Bereich, sprich der Wirtschaftsförderung, möchte ich exemplarisch nur den Zukunftspark Wohlgelegen erwähnen. Hier haben Stadt und Stadtsiedlung im Jahr 2009 mit der Erschließung begonnen und dank der engen Zusammenarbeit mit dem Zukunftsfonds mittlerweile 14 hochinnovative Betriebe mit über 300 hoch qualifizierten Arbeitsplätzen angesiedelt. In der Zukunft gilt es, weitere hochinnovative und kreative Unternehmen in die Region zu holen beziehungsweise Neugründungen zum Beispiel als Spin-offs der Hochschulen zu ermöglichen. Das Potential haben Heilbronn und der gesamte Wirtschaftsraum zweifellos. Auch der Zukunftspark Wohlgelegen wird weiter ausgebaut, allein schon das WTZ III wird zu Beginn des kommenden Jahres auch ein architektonisches Highlight für Heilbronn darstellen. Und wir arbeiten erstmals als Gesamtregion daran, weitere EFRE-Mittel zu akquirieren, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass Baden-Württemberg aufgrund

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TITELTHEMA: BOOMTOWN seiner Wirtschaftskraft vergleichsweise wenig Mittel von der EU erhält. Daran wird sich auch in der kommenden Förderperiode 2014 bis 2020 leider nichts ändern. Die Mittel fließen nach wie vor im starken Umfang in strukturschwache Räume. Wichtige Eckpfeiler für die Zukunft sind aber auch die Erweiterungen der experimenta, des Bildungscampus und nicht zu vergessen die Stadtbahn Nord. Das alles überlagernde Thema ist aber die Bundesgartenschau 2019 und der neue Stadtteil Neckarbogen, die uns sicherlich auch wichtige Impulse im Stadtmarketing geben werden. Alles in allem muss es uns gelingen, Begeisterung für Heilbronn zu wecken, um sagen zu können: »Seht her, Heilbronn ist eine lebenswerte Stadt mit sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätzen und tollen Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren.« Ein letzter wichtiger Punkt ist die Notwendigkeit weiterer Gewerbeflächen. Man muss, wenn man Unternehmen in die Stadt holen möchte, stets bedarfsgerecht Industrie-, Handwerks- und Technologieflächen anbieten können. Denn nur so kann die Stadt das wirtschaftliche Potenzial als Bestandteil der Metropolregion Stuttgart, einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas, ausschöpfen und sich fit für die Zukunft machen. H A N I X - Kann sich die Region ein wenig zum deutschen Silicon Valley mausern oder wäre dies zu hoch gegriffen? litisches Alleinstellungsmerkmal für die gesamte Region, von der dann sicherlich auch das Oberzentrum Heilbronn profitieren wird. H A N I X - Neben den Hightech-Projekten der Heilbronner Wirtschaft möchte sich die Stadt nun verstärkt auch um die Kreativwirtschaft kümmern. Wie kam es zu diesem Schluss, dass auch dieser kleine Wirtschaftszweig förderungswürdig ist? B E R N D B I L L E K - Auch hier ging eine Analyse über die Schwächen Heilbronns voraus und mein Eindruck war, dass Heilbronn in manchen Teilbereichen noch ein etwas biederes Image hat. Das Thema Kreativwirtschaft, wenngleich ein wenig ein Modethema, war für mich daher ein Ansatzpunkt. Zwei Hochschulprofessoren haben dann in unserem Auftrag eine Analyse zum Thema Kreativwirtschaft in Heilbronn erstellt, die dann im Jahr 2011 veröffentlicht wurde. Wobei die Schwierigkeit schon damit anfing, die Kreativen in Heilbronn ausfindig zu machen. Wir haben in der Studie gleichwohl festgestellt, dass Heilbronn im Vergleich mit anderen Städten Baden Württembergs in zwei kreativen Bereichen gut dasteht: Bei Architekturbüros und Werbeagenturen. Daraus haben sich dann Angebote der Unterstützung für alle Heilbronner Kreative entwickelt, da man ja weiß, dass viele Kreative zwar unheimlich gute Ideen haben, aber die kaufmännische beziehungsweise finanzielle Basis aber auch Kooperationsmöglichkeiten teilweise vernachlässigt werden. Gerade wenn es sich um Einzelkämpfer handelt. H A N I X - Wir wissen, dass Sie zwischen mannheim und Heilbronn pendeln. Wäre es nicht Zeit nach Heilbronn zu ziehen. Sie haben doch schon einmal in fußläufiger Entfernung zum Heilbronner Rathaus gewohnt. Dann könnten Sie noch länger für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt arbeiten und würden nicht täglich zwei bis drei Stunden im Auto vergeuden ... Momentan würde ich sagen, dass uns der Vergleich ehrt. Mit Städten wie Berlin oder München hat man selbst in Deutschland unheimlich starke Wettbewerber, die in einer anderen Liga spielen. Unser Ansatz bleibt jedoch, wie auch Silicon Valley einen bestimmten Branchenfokus hat, ein Gebiet für uns zu finden, wie beispielsweise die Medizintechnik oder zum Beispiel das Querschnittsthema IT in der Industrie, in dem wir uns auch im bundesweiten Kontext abheben. Was in diesem Zusammenhang nochmal wichtig ist zu erwähnen, ist der laufende Wettbewerb des Landes Baden-Württemberg RegioWIN, in dem es um die zukünftige Förderung mit EUMitteln geht. Wir haben jetzt die strategische Entscheidung getroffen, dass wir uns diesmal nicht als Stadt Heilbronn bewerben, sondern als Region Heilbronn-Franken. In diesem Wettbewerb geht es jetzt darum, ein Strategiepapier für die Gesamtregion zu entwickeln, womit wir uns - allen voran mein geschätzter Kollege Dr. Schumm von der WHF - momentan sehr intensiv beschäftigen. Idealerweise finden wir gemeinsam mit den Kammern, den Hochschulen, der Wirtschaft und weiteren Einrichtungen ein wirtschaftspoBERND BILLEK - Wie so oft sind für derlei Umzüge private Gründe ausschlaggebend. Aber es ist in der Tat durchaus eine Überlegung wert, obwohl ich aktuell eine sehr schöne Wohnung mit sehr schönem Garten in Mannheim habe. Es fehlt aber natürlich der Blick auf Weinberge. Und natürlich ist die Fahrerei, zumal wieder mit einer Baustelle auf der Autobahn, gerade bei Abendveranstaltungen wahrlich nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. BERND BILLEK -

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TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: ULLA KUEHNLE »HEILBRONN WIRD EINE K U N S T - U N D K U LT U R MEILEBEKOMMEN« Vo l k er Fu n k e u n d Mich e l Gö g e le in ve rs uch e n s ich an e inem w a hn wit z i g en Pro j e k t. In e ine m alte n Ind us trie ge bäud e i n der Hei l b ro n n er Au s t r a ße ve r walte n s ie m e h re re Taus e nd Qu a dra tm et er, u m ein Ku n s t- und Kultur we rk e nts te h e n zu las s e n, wi e m a n es s o n s t n u r aus Me tro po le n k e nnt. De r Apparat34 möcht e Ku n s t - u n d Ku l t urs ch affe nd e aus ve rs ch ie d e ne n Dis zip li nen u n t er ein em Da c h ve re ine n.

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TITELTHEMA: BOOMTOWN H A N I X - Lieber Volker, Lieber michel, der Apparat34 ist ein Kunst- und Kulturwerk in und für Heilbronn und befindet sich aktuell noch in der Entstehungsphase. Wie und wann kamt ihr auf die Idee? Raum hier oben als Atelier und Ausstellungsraum anzumieten, sondern zu sagen: Das ganze Gebäude wird mit künstlerischen und kreativen, kulturschaffenden Leuten belebt? Ich bin auf der Suche nach einem neuen Atelier gewesen. Eine Bekannte hat mir das Haus empfohlen. Sie hat gesagt: »Hey Volker, hier wird was frei, schau dir das Mal an.« Sie war vor Jahren schon mal hier oben und wußte, dass der Raum Loftcharakter hat und das ganze Gebäude einen industriellen Charme versprüht. Das Gebäude wäre eigentlich prädestiniert für Künstler, für kreative Leute, meinte sie und dass ich es mir doch einmal anschauen solle. Darauf hin habe ich recht schnell einen Termin mit dem Verwalter ausgemacht, und dann sind wir durchs Haus gegangen, und schon in der untersten Ebene habe ich gemerkt, dass es Klick gemacht hat. Unten hat es eher einen Charakter von Werkstätten. Dann sind wir in die erste Ebene, da haben die Räume schon mehr Ateliercharakter gehabt, und je weiter ich nach oben bin, desto beglückter wurde ich. Und dann als ich hier in der obersten Etage reingelaufen bin, durch dieses Schiff endend in dieser Kathedrale, da hat mich die Muse geküsst. Da hab ich gewusst, okay, das ist mein Raum. Ich war sehr beglückt und habe unten im Hof direkt den Michel, mit dem ich den Apparat34 nun verwalte, getroffen. Wir kannten uns zum damaligen Zeitpunkt nur flüchtig über meine Schwester. Er kümmerte sich damals, als die Aufbaugilde hier noch Mieter war, um die Haustechnik und hat hier auch Kurse gegeben. Michel ist auch heute noch für das Haus und die Technik zuständig. VO L K E R F U N K E H A N I X - War es damals eigentlich die erste Räumlichkeit, die du dir angeschaut hast auf der Suche nach einem neuen Atelier? VO L K E R F U N K E - Ja, ich hab echt riesen Glück gehabt. Ich habe wohl immer wieder den Druck verspürt, dass ich etwas suchen muss, aber ich bin, was das angeht, sehr kontaktscheu. Leute akquirieren und anrufen, das ist nicht meine Welt. Dieser Raum hier war gleich ein Glückstreffer, als hätte der Raum auf mich gewartet. Ich habe nicht viel machen müssen, ich musste nur sagen: »Ja, ich will.« H A N I X - Und wie kam es dann zur Idee, nicht nur den Diese Wahnsinnsidee kam während des ersten Gespräches mit dem Vermieter, Herrn Mogler, auf. Er fungiert nun hier als eine Art Mäzen, da er einen sehr überschaubaren Mietzins aufruft, der uns unseren Traum leben lässt. Ich habe bei ihm sanft angefragt, ob ich die oberste Etage mit meinem Atelier beziehen kann. Doch aus diesem ersten Gespräch wurde viel mehr. Ich telefoniere nicht gerne, aber dieses erste Telefonat mit Herrn Mogler dauerte anderthalb Stunden. Am Ende hat er gesagt: »Wissen Sie was, Herr Volker Funke, wir machen gleich Nägel mit Köpfen, sie kriegen das Atelier.« Ich fragte ihn dann noch, ob er schon eine Idee für den Rest des Gebäudes habe. Da er noch kein Konzept hatte, bot ich an, mich einmal in der Kunst- und Kulturszene umzuhören, ob Bedarf herrscht an Ateliers, Werkstätten und so weiter. Das ging dann auch wirklich rasend schnell, dass ich Zulauf an Leuten bekam, die Interesse hatten. Ich hab mich dann mit Herrn Mogler nochmal kurzgeschlossen und ihm gesagt, dass ich den Altbau mit fast 3000m² Fläche mit kreativen Leuten füllen möchte und ihm ein Konzept dafür präsentieren möchte. In der Zwischenzeit hatte ich mich auch enger mit Michel verbunden und wir sind in der ersten Zeit oft zusammengesessen und haben rumgesponnen, wie es sich gehört für ein Pionierprojekt. So ist das dann langsam entflammt. Daraus resultierte, dass Michel und ich eine Philosophie für das Gebäude zusammengetragen haben, die wir Herrn Mogler in einer fünfstündigen Präsentation hier oben in meinem Atelier dargelegt haben. Wir haben alles gegeben und am Ende dieser Präsentation ist er glücklich hier rausgegangen, und er hat gesagt: »Herr Volker Funke, ich gebe ihnen das Okay.« Das war quasi der Startschuss. Dann haben wir ein halbes Jahr lang noch rechtliche Dinge klären müssen, dass alles in trockenen Tüchern ist, und letztendlich sind wir nun seit Januar 2013 diejenigen, die den Altbau führen, und den Apparat langsam zum Brummen bringen. VO L K E R F U N K E H A N I X - Wie sieht Euer persönlicher Background aus? Du, Volker, bist seit 25 Jahren kulturschaf-

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TITELTHEMA: BOOMTOWN fend hier in der Stadt, bist selbst Künstler. Wie sieht es denn bei dir, michel, aus? Ich bin so ein Alleskönner. Als Raumgestalter, Werbetechniker, Trockenbauer und Fachberater für Marketing und Vertrieb kann ich unserem Hause gute Dienste leisten. Ich war zuvor schon fünf Jahre lang im Haus für die Aufbaugilde tätig. Ich kenne jede Ecke, jede Schraube, jedes Fenster. Ich kenne die Schwachpunkte des Gebäudes und weiß deshalb auch, was man verbessern kann. Die Baupläne kenne ich alle aus dem Effeff … MICHEL GÖGELEIN H A N I X - Erzählt uns von der Philosophie für das Gebäude, die auch Herrn mogler dazu bewogen hat, euch den Zuschlag zu geben. M I C H E L G Ö G E L E I N - Zunächst einmal: das Gebäude birgt blieren und den Leuten die Möglichkeit zu geben, sich hier im Haus kreativ aber auch marketingtechnisch zu bewegen. Der Apparat34 hat sich dem Auftrag gestellt, der steten Nachfrage der kunst – und kulturinteressierten Bürger flächendeckend nachzukommen. Wir haben hierzu Zwei- beziehungsweise Fünfjahrespläne geschmiedet, um in Heilbronn ein fester Bestandteil der Kunst – und Kulturszene zu werden. Mit der bunten Vielfalt an Veranstaltungen, Events, Messen, Kunstausstellungen, Aufführungen oder lebendigen Workshops, die von denen im Hause schaffenden Künstlern dargeboten werden, halten wir die Spannung an Erlebnissen im Apparat34 stets auf solidem Niveau. Kunst und Kultur hautnah erleben, begreifen und anfassen. Der Apparat34 ist dabei, ein offenes und kunstgeladenes Erlebnis für jedermann in Heilbronn zu werden und stark an Kontakten und Kooperationen mit Gleichgesinnten interessiert. Das wollen wir hier im Haus nämlich zusätzlich anbieten, dass wir hier so autark werden, dass wir auch ein eigenes Marketingkonzept für jeden hier im Haus entwickeln. Außerdem soll das Haus eine Begegnungsstätte werden. Die Bürgerinnen und Bürger sollen uns besuchen, mit den Mietern reden, den Künstlern beim Erschaffen der Kunst über die Schulter schauen. Es soll ein Haus zum Anfassen werden. In jeder Galerie ist es ja so, dass wichtig Sektchen getrunken wird, dann präsentiert sich der Künstler, interpretiert seine Bilder, aber anfassen und zusehen beim künstlerischen Schaffensprozess ist verboten. Wir wollen das ganz anders, wir wollen, dass den Künstlern bei der Arbeit zugeschaut wird, wir wollen den Bürgern, Besuchern und Kunden zeigen, wie Kunst entsteht, wie man Kunst versteht, und vor allem, wie man Kunst macht. Die Leute können sich hier ausprobieren. Wir wollen, dass sich jeder Kunst- und Kulturschaffende, der hier im Haus angesiedelt ist, in seiner Nische darstellt. Es wird Open-House-Veranstaltungen geben. Bei diesen Veranstaltungen können die Bürger sich ganz frei bewegen, gucken, in jede Künstlernische reinschauen, sich Informationen holen. Und das gibt dem Künstler selbst dann auch wieder etwas zurück. Das ist ja Direktmarketing, besser geht’s nicht. Dann werden wir in der großen Halle unten natürlich noch eine Dauerausstellung entwickeln. Dort kann sich jeder Künstler dann darstellen. So haben wir uns das vorgestellt. H A N I X - Wie kam es zu der Idee, dass man sich als Künstler über die Schulter gucken lässt? Das ist ja ganz anders als ein Normalfall, im stillen Kämmerlein? ein Riesenpotenzial. Es besteht ein Riesenbedarf an Atelierflächen und Werkstätten in Heilbronn. Genau darauf gründet Volkers Idee. Diese Flächen anzubieten, und Kunst und Kultur im Raum Heilbronn einfach hier im Gebäude zu eta104

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Okay, das muss ich jetzt konkretisieren anhand eines Beispiels. Nicht jeder Künstler kann das natürlich, oder will das. Und das ist auch kein Muss. Ich aber zum Beispiel bin, schon durch meine Tätigkeit als Museumspädagoge, prädestiniert dafür, mir über die Schulter gucken zu lassen. Letztes Jahr hatte ich einen Workshop hier mit langzeitarbeitslosen Jugendlichen. Die sind von der diakonischen Jugendhilfe Heilbronn zu mir geschickt worden. Wir haben eine ganze Woche hier ein Graffiti gemacht, »Graffiti« in Anführungsstrichen. Wir haben mehr gemalt, aber auch gesprayt, und haben uns morgens immer hier im Atelier getroffen. Zunächst haben wir gefrühstückt und den Tag besprochen. Denn auch das Zusammenleben gehört dazu, die soziale Komponente eben. Und das war fantastisch. Wir haben zusammen eingekauft, damit wir Verpflegung hatten für diese Woche, wir haben Materialien besorgt, haben eine Riesenleinwand von Grund auf zusammengesägt, einen Keilrahmen gebaut, haben die Leinwand hier im Atelier bespannt, haben sie grundiert und sind dann rangegangen, das innerhalb von fünf Tagen hier mit den Jugendlichen zu malen. Ich war natürlich beim künstlerischen Prozess unterstützend tätig. Es ist dann auch ein kleiner Film entstanden, und das Projekt wurde dann auch auf der Bildungsmesse bei der IHK vorgestellt. Das Gemälde an sich und der Film, und das war der Hammer. Die Resonanz war super, und das Gemälde hätten wir auch gleich verkaufen können, aber das ist jetzt im Haus der DJHN geblieben, was auch so Sinn macht. Jedenfalls war das ein tolles Projekt, das diesen Jugendlichen den künstlerischen VO L K E R F U N K E - Schaffensprozess nahe gebracht hat. Anders aber dennoch ähnlich kann ich mir das hier im Apparat34 auch für den normalen kunstinteressierten Bürger vorstellen. H A N I X - Volker, den pädagogischen Ansatz, den hast du mitgebracht? Wir kommen beide aus dem Sozialen und Pädagogischen, das liegt uns. Wir haben beide mit sehr vielen Institutionen hier in Heilbronn kooperiert, und es ist natürlich ein Traum, jetzt hier, im eigenen Haus eigene Kurse, eigene Workshops an Land zu ziehen und darüber hinaus auch an andere Künstler, die das auch machen wollen, weiterzugeben. VO L K E R F U N K E H A N I X - Könnt ihr ein paar Zahlen und Fakten zum Gebäude nennen? Wir haben insgesamt 12000m², sechs- bis siebentausend sind tatsächlich nutzbar, der Rest sind Treppenhäuser, Fluchtwege, Verkehrswege oder die Außenfläche. Wir haben jetzt den Altbau mit dreieinhalbtausend Quadratmetern angemietet und haben zur Zeit 50 Prozent belegt mit momentan 14 Mietern, die aus verschiedenen Sparten kommen. Wir wollen an der Miete nichts verdienen, wir wollen unserem Vermieter ein Haus bieten, an dem er keine Kosten mehr hat, das ist uns ganz wichtig. Dass wir über die Mieteinnahmen die Grundsteuer und die Gebäudeversicherung tragen können und dass er letztendlich auch eine kleine Miete von uns bekommt. Das ist eigentlich unser Ziel. Herr Mogler kommt uns da sehr entgegen, indem er momentan eine Art Mäzen ist und sich mit der ganz kleinen Miete zufriedengibt. Irgendwann soll MICHEL GÖGELEIN -

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TITELTHEMA: BOOMTOWN auch noch der Neubau dazu kommen. Aber hierfür gilt es, noch einige Dinge mit der Stadt abzuklären. Da geht es beispielsweise um Fluchtwegtreppen und Ähnliches. In unserem Fünfjahresplan steht auch eine Nutzung des Hofes, der Veranstaltungshalle und von Werk- und Seminarräumen, die von Firmen oder diversen Bildungsträgern angemietet werden können. Momentan ist natürlich noch viel ehrenamtliche Arbeit dazu nötig. Wir sind jetzt schon ein Jahr dran an dem Ganzen – aber wir sind noch nicht erschöpft. Es ist ganz wichtig, dass wir uns ziemlich gut vertrauen und auf der gleichen Schiene fahren. Das haben wir jetzt miteinander so entwickeln können, jeder macht das Richtige und wir sind sehr beharrlich und sehr genügsam und momentan auch sehr entspannt. H A N I X - Welche mieterstruktur habt ihr momentan im Haus? Und welche mieter wollt ihr in Zukunft gewinnen? Also in unserer Konzeption steht auch schon das Motto drin: »Der Mix macht’s.« Und genau so sind wir auch aktuell vorgegangen und haben die Mieter so ausgesucht. Interessenten hören erst mal unsere Philosophie, was wir so machen wollen in der nächsten Zeit mit dem Haus. Wir wollen im Gegenzug wissen, was die Mietinteressenten einbringen können: Welches Publikum bringen sie mit? Haben sie eine soziale Ader? Wir wollen nicht nur Künstler, die schon etablierter sind in der Szene, sondern auch neuere, jüngere Leute. Die junge Kunstszene soll hier heimisch werden. Kreative, die jetzt gerade von der Hochschule runtergehen, die ihre Projektarbeiten machen, sollen hier arbeiten können und sich danach dann finden und einen eigenen künstlerischen Weg gehen. Zu den VO L K E R F U N K E - Leuten, die jetzt hier im Haus sind kann ich nur behaupten: Das ist wirklich fantastisch. Wir haben den ehemaligen stellvertretenden Intendanten vom Theater mit seiner Frau, die Schauspielerin ist, da. Diese Connection hat uns dann gleich auch als Probebühne für das Theater weiterempfohlen. Die Schauspieler des Theaters haben hier über zwei Monate die Oper »Minsk« einstudiert. Das war für uns natürlich auch ein warmer Geldregen, den wir zu dieser Zeit dringend gebraucht haben. Wir haben eine Flamencoschule hier. Sergej Vutuc hat sich hier eingemietet. Das ist natürlich ein Name in Heilbronn, der auch gleich gesehen hat, was hier machbar ist. Sergej zieht natürlich auch andere, junge Leute an. Wir haben Clowns, Schauspieler, Musiker, die Musikschule Rühle ist jetzt seit Neuestem hier. Es gibt dadurch also auch schon Publikumsverkehr hier im Apparat34. Das ist ja auch das, was wir wollen. Wir propagieren, dass wir ein offenes Haus sind und dieser Charakter des Hauses zieht die Leute automatisch an, und jeder, der hier drin ist, sieht die Möglichkeiten, die dieses Haus bieten kann. Heilbronn ist im Aufbruch. Draußen vor der Türe wird gebaut. Da wird bald die Stadtbahn vorbeifahren und Zehntausende von Leuten werden hier täglich an unserem Apparat vorbeifahren und das Haus wahrnehmen. Das ist eine Eins-A-Lage in Heilbronn, das muss man ganz klipp und klar sagen. H A N I X - Und hast du das Gefühl, dass die Leute nach so einem Kultur- und Kunstzentrum in Heilbronn gedürstet haben? Absolut. Jeder, also nicht nur Kunstschaffende, sondern auch Normalbürger, die ich jetzt schon hier herumgeführt habe, finden großartig, was hier entsteVO L K E R F U N K E -

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TITELTHEMA: BOOMTOWN hen soll. Und auf den Nenner hat es der Kulturbürgermeister Harry Mergel gebracht, als wir bei ihm vorgesprochen haben. In einem Nebensatz hat er gesagt, dass Heilbronn genau so was brauche. Und das war für mich der Segen. Hier im Apparat ist etwas entflammt. Hier ist quasi der Volker Funke übergesprungen. Ich habe den Eindruck, dass wir hier mit unserem Vorhaben genau zur rechten Zeit am richtigen Ort sind. Es herrscht in der Stadt eine Aufbruchund Pionierstimmung. Unter den Künstlern sowieso, aber auch die, die danach heischen, und nach kulturell alternativen Angeboten verlangen. Es gibt natürlich viele Institutionen, die schon lange Zeit sehr viel anbieten. Aber eine Stadt lebt auch von Neuem. Wir bringen jetzt etwas Neues und werden da aber auch nicht stehen bleiben, wir werden in Bewegung bleiben. Ich kenne das als Künstler. Es muss für mich immer etwas Neues geben. Sonst würde ich ja immer noch die Bilder aus den 90ern malen, und das würde mich langweilen. Ich muss mich entwickeln, und das Haus auch. Das Haus muss sich seinen Weg suchen, mit oder ohne mich, es wird sich seinen Weg suchen. H A N I X - Wie sieht eure Vision für den Apparat34 aber auch für die Kunst- und Kulturszene Heilbronns aus? Es gab ja früher die Möbelmeile in Heilbronn. Und Ähnliches wird es im Kunst- und Kultursektor geben. Es wird die Kunst- und Kulturmeile mit angeschlossener Bildung geben. Angefangen in der Bahnhofsvorstadt mit der Zigarre über die Innenstadt mit den städtischen Museen, der experimenta und dem Bildungscampus rein ins nördliche Gewerbegebiet mit dem Kreativzentrum, dem Mobilat und dem Complex23, dem Kaffeehaus Hagen bis hin zum Apparat34. Die Stadt befindet sich, wie schon erwähnt, in einer Aufbruch- und Pionierstimmung. Überall wird gebaut, die Infrastruktur der Stadt wird sich massiv verändern. Wichtig ist, dass die Stadtverwaltung selbst dieses Potenzial erkennt und am besten mit uns Kreativen herausarbeitet, wie dieser kulturwirtschaftliche Bereich weiter in den Fokus der Bürger und der immer mehr werdenden Studentenschaft gerückt werden kann. Am Ende kann auch die Stadt selbst nur davon profitieren. VO L K E R F U N K E -

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TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: AUDI URBAN FUTURE INITIATIVE U RBAN FUT UR E

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Die Audi AG ist interessiert daran, zu erfahren, wie die Stadt in der Zukunft aussehen wird. Denn zukünftig wird die Stadt das Auto bestimmen und nicht, wie bisher, umgekehrt. Wir sprachen mit Lisa Füting vom »Audi Insight Team« der Urban Future Initiative. H A N I X — Frau Füting, Sie sind mitglied des »Insight Teams« der Urban Future Initiative bei Audi. Erklären Sie uns doch kurz, worum es sich bei der Urban Future Initiative handelt. Die Initiative ist 2010 von Audi gegründet worden mit dem Ziel sich des Themas zukünftige Mobilität in urbanen Ballungszentren anzunehmen und sich mit allen betroffenen Bereichen zu diesem Thema auseinanderzusetzen. LISA FÜTING — H A N I X — Im Zuge der Initiative findet unter anderem ein großer, hoch dotierter Architektur-Wettbewerb statt. Welche Projekte und Veranstaltungen gibt es neben dem Wettbewerb noch in ihrer Zukunftsinitiative? Lisa Füting arbeitet in der Trendkommunikation für Audi in ingolstadt und ist mitglied des insight-Teams der urban Future initiative. Es gibt vier große Bestandteile in unserer Initiative. Der erste und mit Sicherheit wichtigste Bestandteil ist der erstmalig im Jahr 2010 vergebene Audi Future Award, der alle zwei Jahre stattfindet. Hierbei wurden fünf internationale Architekten eingeladen, um eine Vision für die Mobilität im Jahr 2030 zu entwickeln. Das Schöne daran ist, dass Architekten sehr gut visualisieren können und man somit gewisse Visionen auch in Bildern darstellbar sind. Im Jahr 2010 wurden Visionen für eine fiktive Stadt entwickelt und im Jahr 2012 haben wir uns dann fünf echte Metropolregionen ausgesucht und die Visionen für tatsächlich vorhandene Regionen entwickelt. Beispielsweise haben wir uns mit der Region Boston/Washington beschäftigt, wobei man zuerst einmal nicht denken würde, dass dies eine betrachtenswerte Region sein könnte. Diese Region hat aber genau die Vorstadt-Stadt-Struktur, die uns ausprobieren ließ, wie man solche Strukturen optimal gestalten kann. Weitere Regionen waren zum Beispiel Sao Paolo als Stadt, die kurz vor dem Kollaps steht und Istanbul. Als unheimlich junge Region, das Durchschnittsalter LISA FÜTING —

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TITELTH EMA: BOOMTOWN

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TITELTH EMA: BOOMTOWN liegt in Istanbul bei 26 Jahren, und als Bindeglied zwischen Asien und Europa, ist die türkische Metropole ein sehr interessantes Ballungsgebiet. Wichtig ist uns hierbei, dass wir nicht mit den Superstars der Branche zusammenarbeiten, sondern uns speziell die Architektur- und Stadtplanungsbüros raussuchen, die sich schon explizit mit dem Thema »Städte in der Zukunft« beschäftigt haben und vor allen Dingen aus den Regionen kommen mit denen wir uns beschäftigen. Der zweite Bestandteil ist eine ganze Reihe von internen und externen Workshops, in denen die Themen der Initiative diskutiert werden. Hierbei ist es uns sehr wichtig nicht nur mit Architekten und internen Technikern zu diskutieren, sondern ganz viele unterschiedliche Disziplinen zu integrieren. So waren beispielsweise beim Summit 2011 mehrere Hundert Experten aus den verschiedensten Bereichen anwesend und haben angeregt diskutiert. Die dritte Säule der Initiative ist das sogenannte Insight-Team. Hierbei handelt es sich momentan um neun Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen der AUDI AG, die an uns herangetragene Themen filtern, thematisieren und priori112 sieren und vor allen Dingen dafür sorgen, dass die Themen an die richtigen Stellen im Unternehmen geleitet werden und somit ein vernünftiger Prozess initiiert wird. Die vierte Säule der Initiative ist die Research-Säule, die verschiedene Forschungskooperationen anstößt, um das Thema auch wissenschaftlich anzugehen. Wir arbeiten zum Beispiel mit der Columbia University in New York zusammen, mit der wir das Projekt »Urbanizing Technology« angestoßen haben. Hier wird erforscht, wie neue Technologien in Städten angewendet und für die Stadt nutzbar gemacht werden können. H A N I X — Sie haben schon das Insight-Team erwähnt, in dem auch Sie mitglied sind. Aus welchem Bereich bei der Audi AG komme Sie? Ich komme aus dem Bereich Trend-Kommunikation, der Abteilung in der die Audi Urban Future Initiative zu Hause ist. LISA FÜTING — HANIX — Wieso interessiert Audi eigentlich die Stadt der Zukunft? LISA FÜTING — Wir müssen und wollen uns mit dem

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TITELTH EMA: BOOMTOWN Thema Stadt beschäftigen, da dies auch der Ort ist, an dem wir unsere Produkte verkaufen. Die Stadt bildet den Kontext für unsere Produkte und diesen müssen wir verstehen. Letztendlich sind Städte auch eine Art Trendlabore. So sitzt in Städten das Humankapital und beispielsweise werden in Städten schon heute circa 75% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Des weiteren haben Städte auch diesen sehr spannenden Druck auf engstem Raum intelligente Lösungen zu erarbeiten und anzubieten. Man kann auch sagen, dass bisher das Auto die Stadt geprägt hat, in der Zukunft wird aber die Stadt eher das Auto prägen. H A N I X — Wie sieht ihr Arbeitsalltag und der ihrer Kollegen und Kolleginnen im »Insight-Team« der Urban Future Initiative aus? mit welchen Themengebieten und Fragestellungen, bezogen auf die Stadt in der Zukunft, beschäftigen Sie sich konkret? Während des Prozesses des Awards war es beispielsweise so, dass wir pro Architektenteam einen Paten hatten. So war ich beispielsweise Pate für das Projekt in Mumbai. Dadurch hatten wir natürlich einen sehr engen Kontakt zu den jeweiligen Architekten in Form von Telefonkonferenzen, bei denen die einzelnen Projekte diskutiert wurden und wir den Input vonseiten der Audi AUDI AG LISA FÜTING — gegeben haben. Vom Ablauf her beginnt der Award mit der Recherchephase, in der die jeweiligen Architekturbüros Daten und Fakten zu ihren Städten sammeln. Anschließend haben wir die Teams nach Ingolstadt zu gemeinsamen Workshops eingeladen, was in einem so frühen Stadium eher unüblich ist und hervorrief, dass die Teilnehmer das Projekt eher als Workshop denn als Wettbewerb sahen. Wir haben den Architekten auch Einblicke in unsere Entwicklungen gestattet. Dies geschah hauptsächlich in Form von Vorträgen durch Audi-Experten. Wichtig war uns einfach gesagt, dass die Architekten ein Briefing von uns erhalten, woran wir als Firma Audi schon arbeiten. Nach dem Award ist es so, dass wir uns sehr oft zusammensetzen, die Ergebnisse nochmal aufarbeiten und eine Art Strukturierung und ein Clustering entwerfen, um zu sehen was die Ergebnisse des Awards denn für uns als Audi bedeuten beziehungsweise was für uns aus den Entwürfen abzuleiten ist. Im Grunde genommen ist es für uns das Wichtigste den Kontext und die Ergebnisse in das Unternehmen zu tragen und damit zu arbeiten. H A N I X — Schauen sie sich aus Recherchegründen auch gemeinsam mit ihren Teammitgliedern Science-Fiction-Filme während der Arbeitszeit an? »Zurück in

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TITELTHEMA: BOOMTOWN die Zukunft« zum Beispiel oder »Das fünfte Element« sind Filme, in denen auch Städte der Zukunft zu sehen sind. Die Frage ist ganz interessant. Leider haben wir nicht die Zeit um die Filme gemeinsam anzuschauen, aber Thema sind genannte Filme immer wieder. Man sieht es teilweise auch an den Architekten, die erst mal prüfen, welche Visionen es zum Thema Stadt denn schon gab. LISA FÜTING — H A N I X — Die Work-Life-Balance ist ein großes Stichwort auf dem Arbeitsmarkt. Wie müssen sich Städte rüsten, um es ansässigen Unternehmen zu erleichtern, hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen? Wird das kulturelle Angebot und vielfältige möglichkeiten, seine Freizeit in einer Stadt zu gestalten immer wichtiger, um als Stadt für die Zukunft gerüstet zu sein? die bisherige Entwicklung vieler Städte auf rein logistischen Gründen beruht und der Mensch dabei etwas vergessen wurde. Natürlich merkt man jetzt auch, dass die Städte immer mehr miteinander um den Menschen konkurrieren und dadurch auch bereit sind sich immer mehr auszutauschen, da die vorhandenen Probleme teilweise sehr ähnlich sind. H A N I X — Autos werden immer »intelligenter«. Sie können eigenständig einparken, die Scheibenwischer starten oder bremsen. Wird auch die »Smart-City« kommen? Städte, die selbstständig Knöllchen verteilen, müll abholen oder die Kapazitäten des öffentlichen Nahverkehrs nach Bedarfsfall regeln? Dies kann ich nur bestätigen. Wir haben in den Wettbewerbsbeiträgen 2012 gemerkt, dass das Thema Lebensqualität immer wichtiger wird. So hat beispielsweise eine chinesische Architektin immer wieder darauf gepocht, dass die Schaffung von Räumen und Orten der sozialen Zusammenkunft enorm wichtig für die Stadt der Zukunft ist. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass LISA FÜTING — Ich glaube schon, dass intelligente Netzwerke in Städten absolut wichtig werden. Man merkt dies auch in unserer Initiative, da es hier sehr wichtig ist, zu überlegen, wer überhaupt mit wem sprechen muss. Es reicht nicht mehr aus, wenn der Automobilhersteller ein tolles Produkt hat. Denn auch die Struktur, in dem sich das Produkt dann bewegt, muss einfach passen. LISA FÜTING — H A N I X — Beim Architekturwettbewerb, dem Audi Urban Future Award werden ausschließlich metropolen und Ballungszentren, wie zum Beispiel São Paulo oder

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TITELTH EMA: BOOMTOWN mumbai, architektonisch-visionär betrachtet. April Stadtverwaltung angehalten Kontakt sieht es eigentlich mit kleineren Städten aus? Sind Städte wie Heilbronn oder Ingolstadt auch Thema für ihre Initiative? Audi herzustellen und sich mit dem Insight-Team der Urban Future Initiative auszutauschen, wenn nicht gar zusammenzuarbeiten, um Heilbronn fit für die Zukunft zu machen. Wie stünden Sie einer solchen Anfrage einer aufstrebenden kleinen Großstadt gegenüber? Interessant ist, dass wir immer wieder gefragt wurden und werden, inwiefern unsere Themen auch für andere Städte gelten. Natürlich gibt es Themen, die auch in Städten wie Ingolstadt oder Heilbronn relevant und zu diskutieren sind. Der Vorteil an Metropolen ist, dass man hier sehr frühzeitig Entwicklungen sieht, die dann später auch für andere Regionen gültig sein werden und somit, wie vorhin schon erwähnt, ein gewisses Versuchslabor für die Zukunft vorhanden ist. LISA FÜTING — H A N I X — In Heilbronn findet 2019 die Bundesgartenschau statt. Im Zuge dessen wird ein neuer Stadtteil entstehen, der exemplarisch für die Stadt der Zukunft stehen soll. Der Heilbronner Stadtrat hat bei seiner öffentlichen Gemeinderatssitzung am 10. Grundsätzlich ist es so, dass wir Ideen herausfiltern, die interessant für ganz unterschiedliche Städte sind. Unser Ziel ist es auch, irgendwann eine Art Stadtbaukasten, der dann individuell anpassbar ist, zu haben. Dies wäre sicherlich ein Werkzeug, welches auch auf Heilbronn anwendbar wäre. Leider kann ich persönlich momentan zu Heilbronn kein Statement abgeben, weiß aber dass zum Beispiel meine Vorgesetzte mit Audi-Kollegen in Heilbronn in intensiven Gesprächen steht, bei denen es genau um dieses Thema der Entwicklung Heilbronns geht. LISA FÜTING — H A N I X — Also dürfen wir dem Heilbronner oberbür-

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TITELTHEMA: BOOMTOWN germeister ihre Telefonnummer weitergeben? Das würden wir gerne tun! Das ist nett, aber das brauchen Sie nicht zu tun. Wir sind hier mit der Stadt Heilbronn bereits im Gespräch und haben erste Impulse ausgetauscht. LISA FÜTING — H A N I X — Wir schlagen ihnen jetzt einfach mal vor, um sich gegenseitig kennenzulernen und zu beschnuppern, den Heilbronner Gemeinderat zu einem Wochenend-Workshop nach Ingolstadt einzuladen. Wäre das eine Idee, die umsetzbar wäre? Wir würden auch mitkommen … :-) Vision, die jetzt vorhanden ist, zu konkretisieren und genau zu erfahren was nötig ist, um diese Vision auch umzusetzen. Dabei schauen wir uns momentan sehr genau und fokussiert an, wo in Boston konkrete Orte sind, an denen man etwas tun muss und kann, weil an diesen Orten beispielsweise Umstiegsstellen verschiedener Verkehrsmittel sind oder weil die Pendler an diesen Orten ankommen. Genau diese Diskussion werden wir in der ersten Mai-Woche in New York führen und haben hierzu City Officials aus New York, Boston und Newark eingeladen mit der Bitte uns zu unseren Ideen und Visionen Feedback zu geben. Grundsätzlich ist es für uns absolut interessant und relevant auch einen Austausch mit den städtischen Vertretern anzustoßen, aktuell geschieht dies momentan in Boston. Das Jahr 2013 steht unter dem Zeichen der Entwicklung eines City-Dossiers, bei dem wir mit dem Gewinner des Awards 2012 weiterhin zusammenarbeiten werden. Auch hier finden wieder Workshops statt, um die LISA FÜTING —

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»DIE WILLKOMMENSK U LT U R H A T M I C H BEEINDRUCKT« H A N I X — Herr Dr. matheis, ihr Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Produkte zu entwickeln, die menschen mit Lungenversagen das Atmen zu erleichtern und zur schnelleren Regeneration der Lunge beitragen. Novalung ist weltweit das erste Unternehmen, das einen pumpenlos betriebenen Gasaustauscher zur extrapulmonalen Kohlendioxid-Entfernung einsetzt. Erzählen Sie uns etwas über ihre Technologien. Sie haben schon das erste Produkt erwähnt, mittlerweile gibt es fünf verschiedene Systeme und es wird in Zukunft auch noch weitere geben. Die Entwicklung hat ihre Wurzeln in meiner klinischen Tätigkeit. Ich habe 15 Jahre lang Patienten auf Intensivstationen beatmet. Ich und auch viele meiner Kollegen waren unzufrieden mit der Beatmung, welche immer mit dem Thema künstliches Koma und Bettlägerigkeit in Zusammenhang steht. Inzwischen gibt es Daten, die zeigen, dass man im Bereich der Intensivmedizin Bedingungen hat wie Bettlägerigkeit oder künstliches Koma, die teils nur wegen der Beatmung existieren und in anderen Bereichen schon überwunden sind. Hier kann man als Beispiel den Herzinfarkt D R . G E O RG M AT H E I S — nehmen. In den 60er Jahren musste man nach einem Infarkt eine Woche liegen und nur Finger- und Zehengymnastik waren nach Lehrbuch erlaubt. Mittlerweile weiß man, dass man raus aus dem Bett und sich bewegen muss, um eine schnelle und vollständige Genesung zu ermöglichen. Im Bereich Beatmung wäre dies der Fall, wenn ein völlig vom Körper unabhängiges Gerät für den Patienten atmet, die Lunge schont und mit allem versorgt was sie benötigt um sich auf die Gesundung zu konzentrieren. Und genau hierfür haben wir schon eine ganze Reihe von Produkten entwickelt. Eine ferne Vision ist einem Patienten, ähnlich wie beim Kunstherz, eine künstliche Lunge einzusetzen, und zwar so, dass der Patient damit nach Hause gehen kann. Momentan wiegt so eine Konsole noch 14 Kilogramm. H A N I X — Wir würden uns auch über ein paar Fakten zu Novalung freuen. Momentan werden unsere Produkte in circa 40 Ländern angewendet. Die Mehrheit der Novalung arbeitet bereits in Heilbronn und es werden noch weitere Mitarbeiter kommen, da wir unseren Produktionsstandort momentan von Oberstenfeld nach Heilbronn verD R . G E O RG M AT H E I S —

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Noval u n g i st ei n h ö c h s t i n n ova t ive s Me d izinte ch nik unte rne h m e n. Se it 2 0 1 0 h at d a s Un t er n ehm en s e ine n Firm e ns itz in He ilbro nn und de n Umz u g b i s h er n ic h t b ere ut. Dab e i h at He il b ro n n a u c h Met ro po le n wie Frank fur t und Münch e n aus g e stoc h e n. Wir s pr a c hen m it Firm e ng r ünd e r und Ge s ch äfts füh re r Dr. Ge or g Ma t h ei s ü b er d i e Be z ie h ung zum Inve s to r » Zuk unfts fo nd s He i l b ron n « , ü b er d ie C h a n c en He ilbro nns e in k le ine s d e uts ch e s Sili c on Val l e y z u werd en u n d ü b e r d ie He ilbro nne r an s ich . TEXT: RoBERT mUCHA FoToS: ULLA KUEHNLE legen. Beim Umsatz kann man schon behaupten, dass wir sehr schnell wachsen. So liegt dieses Wachstum momentan im hohen zweistelligen Bereich. H A N I X — Hat sich ihre Technologie auf dem klinischen Weltmarkt durchgesetzt oder kämpfen Sie noch um den Durchbruch? Ich habe diese Entwicklung als Start-Up-Mitgründer vor neun Jahren so natürlich nicht erwartet, obwohl man natürlich als Gründer gewisse, teilweise utopische, Hoffnungen hat. Fakt ist aber, dass hier ein dickes Brett zu bohren war, da wir den Markt erst aufbauen müssen. Des Weiteren ist der Markt heute politikbestimmt und wird nicht mehr von Ärzten und Patienten gemacht. Von daher muss man heutzutage zunächst Studien für den Kostenerstatter, den Staat, anfertigen. Unter diesen Bedingungen sind wir mit dem hohen Wachstum natürlich sehr zufrieden, wollen aber noch schneller vorankommen. Dies wäre vor 20 Jahren sicherlich einfacher gewesen, da die Medizin hier noch nicht so staatlich gelenkt war. Heute ist ein höheres Innovationstempo nur in Teilen Asiens der Fall. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Was kosten wie eben erwähnten Studien? Hier sind von der Novalung schon siebenstellige Summen investiert worden und diese Summen werden weiterhin fließen müssen. Die schon erwähnten EU-Gelder sind für ein Projekt namens »Ambulung«, bei dem es um eine künstliche Lunge geht, die mit Zellen besiedelt ist, so dass sie für das strömende Blut von einer menschlichen Lunge nicht mehr zu unterscheiden ist. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Herr Dr. matheis, Ziel des Zukunftsfonds Heilbronn ist es junge, wachstumsorientierte Technologieunternehmen zum Umzug nach Heilbronn zu bewegen. Wieso hat sich Novalung dazu entschieden, die Umzugskartons zu packen und sich in Heilbronn anzusiedeln? D R . G E O RG M AT H E I S — Was wir momentan machen, ist im Prinzip von der Textilindustrie abgeleitet. Künstliche Lungenfasern werden mithilfe einer von uns modifizierten Wirkmaschine, wie sie ansonsten aber auch in der Textilindustrie verwendet wird, zu Matten gewirkt, dann gestapelt und dann in eine Lunge zusammengegossen. Wir haben in Hechingen mit unserer Firma angefangen, da dort zum damaligen Zeitpunkt eine Textil- und Medizintechnikin-

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TITELTHEMA: BOOMTOWN dustrie vorhanden war aus der die Novalung-Technologie hervorgegangen ist. Um aber 25-jährige Hochschulabsolventen dazu zu bewegen, für uns zu arbeiten, war Hechingen etwas weit weg vom Schuss und somit mussten wir uns einen neuen Standort suchen. Der Zukunftsfonds Heilbronn war damals noch sehr jung. Über unseren Beiratsvorsitzenden wurde der Kontakt hergestellt und die Chemie zwischen uns hat von Anfang an gestimmt. Die sogenannte Boomtown Heilbronn, wie auch ihr jetziges Schwerpunktthema heißt, war damals noch gar kein Thema. Die Bedingung war damals, dass der Geschäftsführer seinen privaten Wohnort nach Heilbronn verlagern und ich damit wirklich ortsansässig werde. Vielleicht hat Heilbronn erst seinen Charme auf den zweiten Blick, aber als Familie kann man hier sehr gut leben. Der angesprochene Charme liegt für mich nicht an der aus Ruinen entstandenen Stadt, sondern an den Leuten, die ich ganz erstaunlich finde. H A N I X — Wie lange hat es denn vom Erstkontakt bis zur Entscheidung, dass die Zusammenarbeit mit dem Zukunftsfonds fixiert werden konnte, gedauert? a, die gab es. Und zwar waren das zuerst Frankfurt und München. Letztendlich hat die Qualität des Investors den Ausschlag für Heilbronn gegeben. In den beiden anderen Standorten hätten wir Investoren mit klassischem angelsächsischen Wagniskapital gehabt und so ist ein nachhaltiger Aufbau eines Unternehmens schwer möglich. Auf der Agenda des Zukunftsfonds stehen der Aufbau mittelständischer, solider Unternehmen und die Schaffung von qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen in Verbindung mit einigen regionalen Aspekten. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Seit 2010 ist ihr Firmenhauptsitz im Zukunftspark Heilbronn beheimatet. Wie sieht ihr Fazit für diesen Zeitraum aus? Sind ihre mitarbeiter mit dem Standort zufrieden? Ich kann es nur schätzen, da ich es nicht mehr sicher weiß. Ich würde sagen, das Ganze hat circa sechs bis neun Monate gedauert. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Gab es andere Standorte, mit denen Heilbronn konkurriert hat? Dies wäre die richtige Frage an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, da sehr viele von ihnen umgezogen sind. Man kann ganz klar sagen: Umso jünger und familienorientierter die Menschen waren desto leichter fiel der Umzug. Wir haben bis jetzt noch niemanden der wieder in seine alte Heimat zurück gezogen ist. Man konkurriert zwar mit großen Städten auch um Mitarbeiter, was aber hier vorhanden ist, ist ein Top-Pool an Ingenieuren beispielsweise aus der Automobilindustrie. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Welche positiven Effekte für ihr Unternehmenswachstum, neben dem Lead-Investor Zukunftsfonds

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Heilbronn, hat der Umzug Novalung bisher gebracht? mit einer professionellen Arbeitsweise, was zum Beispiel das Auswählen und Begleiten der Unternehmen angeht. H A N I X — Das Bürgerengagement in Heilbronn ist sehr groß. Stellt dies für sie auch eine Art Ausnahmestellung in Deutschland dar? Der positivste Effekt ist stabiles und nachhaltiges Wachstum. Wir haben hier mit unserem Investor eine hervorragende Sparringspartnerschaft und der Investor ist nur 500 Meter von uns entfernt. Man kann fast von einem freundschaftlichen Verhältnis sprechen, was absolut unüblich ist. Ausserdem ist es zusammen mit dem Investor gelungen, mit Josef Bogenschütz, der bereits ein sehr grosses Medizintechnikunternehmen geleitet hat einen ausgewiesenen Experten in die Geschäftsführung zu holen. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Ist diese Vorgehensweise eines Investors vielleicht sogar einzigartig für Deutschland? Ich habe schon einige Finanzierungsprojekte in Kalifornien mitgemacht und bei der Rückkehr nach Deutschland war ich erst mal sehr frustriert, da es schwierig ist, von einem Ballungsraum mit zwölf Millionen Einwohnern in das doch eher beschauliche Deutschland zurückzukommen. Allerdings habe ich die Regionalität und die Technologietiefe auch schnell zu schätzen gewusst. Ich denke, dass der Zukunftsfonds für das deutsche Mittelstandsmodell exemplarisch steht und dass dieses Modell für Deutschland sehr passend ist. Allerdings gibt es noch nicht viele Fonds dieser Art. Den Zukunftsfonds zeichnet aus, dass er private Geldgeber aus der Region hat und dies paart D R . G E O RG M AT H E I S — Lassen sie es mich so sagen: Ich empfinde dies hier als sehr positiv. Ich bin ursprünglich Frankfurter und Frankfurt ist ja bekanntermaßen eine Stadt der Stiftungen. Heilbronn hat im Vergleich zu anderen Städten den Vorteil des Engagements der Bürger, die hier mit Geld sehr viel bewegen können und möchten. Auf einer anderen Ebene gibt es Menschen, die mit ihrem persönlichen Engagement unheimlich viel bewegen. Auch ich engagiere mich in vielen Bereichen. Herr Billek, der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Heilbronn, hat mich auch dazu gebracht, beim Cluster Medizintechnik mitzuwirken. Wir arbeiten auch bei der Produktentwicklung mit der Klinik am Gesundbrunnen zusammen. Im Übrigen wird diese Klinik in der Region völlig unter Wert verkauft. Wenn man sich mal die medizinische Qualität anschaut, wird man sehen, welch hervorragenden Ruf beispielsweise die Heilbronner Kardiologen auch überregional haben. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Ein Technologieunternehmen überlegt sich, wie Sie es auch getan haben, nach Heilbronn umzusiedeln. Wie sähe ihr Rat aus? machen und in die

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TITELTHEMA: BOOMTOWN so nehmen wir an, weltweit unterwegs. Sehen Sie meist große Fragenzeichen in den Gesichtern der menschen, die auf die Fragen nach dem Hauptsitz ihres Unternehmens Heilbronn als Antwort erhalten? Die erste Frage, die dann meistens kommt, lautet »Wo ist das?« Wir antworten dann meist: »90 Minuten vom Frankfurter Flughafen entfernt und mitten in der Technologieregion Süddeutschlands gelegen«, was für die meisten schon eine gewisse Einordnung bedeutet. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Wäre es zu viel des Guten, wenn man Heilbronn als kleines, ambitioniertes Silikon-Valley bezeichnen würde? Soweit würde ich noch nicht gehen. Ich würde sagen, dass Wichtigste hier sind die Menschen und Heilbronn ist eine Stadt die sich noch weit unter Wert verkauft, aber das Potenzial hat, in der ersten Liga mitzuspielen. Ob und dass wir dahin kommen, wäre jetzt noch vermessen zu behaupten, aber es ist eine realistische Vision, die mit Mut, Engagement und Geld funktionieren kann. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Nehmen Sie als Geschäftsführer aber auch als Privatmann Heilbronn als boomende Stadt wahr oder fehlt dazu aus ihrer Sicht noch einiges? Heilbronner Provinz ziehen oder sich doch lieber in den großen Ballungsgebieten Hamburg, Berlin oder münchen umsehen? D R . G E O RG M AT H E I S — Im Vergleich mit Städten von ähnlicher Größe hat Heilbronn meiner Meinung nach das größte Potenzial sich weiter zu entwickeln und es ist eben nicht nur das Potenzial, sondern schon gelebte Realität. Man muss sich nur mal die momentan laufenden Projekte wie den Klinikneubau oder den Neckarbogen anschauen. H A N I X — Was erzählen Sie von Heilbronn als Stadt, wenn Sie danach gefragt werden? Werden Sie überhaupt danach gefragt? D R . G E O RG M AT H E I S — Ich sage immer, dass Heilbronn nicht nur eine Rotweinstadt ist, die in einem Umkreis von 70 Kilometern drei bedeutende Autohersteller um sich hat. Heilbronn liegt in einer Technologieregion mit Firmen wie SAP und Würth, aber auch vielen Hidden Champions. Hinzu kommen das begünstigte Klima und eine hohe Lebensqualität. Ich sage meinen ausländischen Partnern immer, dass, wenn sie Deutschland begreifen möchten, sie Einem jungen Medizintechnikunternehmen würde ich raten diese Chance wahrzunehmen, und in einer relativ frühen Entwicklungsphase eines Medizintechnikclusters reinzukommen, was von der Seite der Investoren, der Infrastruktur und der Bildungseinrichtungen hervorragende Bedingungen bietet und durchaus eine Alternative zu den grossen Metroregionen sein kann. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Hat ihre Vernetzung in Heilbronn schnell und reibungslos funktioniert? Ja, hat es. Die Heilbronner sind sehr kommunikativ und offen und somit ging der Aufbau eines lokalen Netzwerks viel schneller als geplant, was mich sehr überrascht hat. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Sie als Geschäftsführer von Novalung sind,

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Städte dieser Größe besuchen müssen. H A N I X — Wie nehmen Sie als Privatperson die Stadt wahr? Was schätzen sie an Heilbronn? Sind Sie eher gelangweilt oder doch immer wieder positiv überrascht von der Kätchenstadt? Ich versuche immer die neuen Mitarbeiter über die A81und Utergruppenbach reinfahren zu lassen, da diese Anfahrt durch die Weinberge etwas mehr Überzeugung generiert. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — In welchen Bereichen hat Heilbronn Sie geschäftlich und privat - überrascht und ihre Erwartungen übertroffen und umgekehrt? Hauptsächlich schätze ich die kurzen Wege. Man kann beispielsweise mit dem Fahrrad ein Konzert oder das Theater besuchen aber auch einfach mal ins Grüne fahren. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Trinken sie auch mehr Rotwein, seit dem sie hier sind? Ich habe kaum deutschen Rotwein getrunken, bis ich nach Heilbronn gekommen bin, und habe mich dann hier vom Lemberger überzeugen lassen. In meiner Anfangszeit habe ich bei einem Wengerter gewohnt der auch Ferienzimmer vermietet. Heilbronn langweilt mich nicht, was natürlich damit zusammenhängt, dass ich beruflich in viele Großstädte komme und das nicht auch noch in meiner Freizeit benötige. D R . G E O RG M AT H E I S — H A N I X — Empfinden Sie Heimatgefühl, wenn sie aus Frankfurt kommend von Weitem die EVS-Türme sehen? Am positivsten haben mich die Menschen überrascht und die damit zusammenhängende Willkommenskultur. Vielleicht kann man es auch mit den Worten über Heilbronn von Marc Twain sagen, der eine Novelle über eine Floßfahrt von Heilbronn nach Heidelberg geschrieben hat.. Die negative Seite ist mit Sicherheit das Stadtbild, an dem momentan massiv gearbeitet wird. Wir wohnen beispielsweise in der Nähe der Oststraße, und wenn man hier entlang geht, weiß man, dass die Heilbronner Stadtentwicklung noch ein ganz langer Weg ist. D R . G E O RG M AT H E I S —

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TEXT & FoToS: DIETER-SCHWARZ-STIFTUNG ILLUSTRATIoN: SImoNE KRÖNECK / mAGmELL »Erfolg schafft Erfolg.« An kaum einer Stelle bewahrheitet sich diese Lebensweisheit so wie bei den Projekten der Dieter Schwarz Stiftung. Bereits kurze Zeit nach ihrer Eröffnung stoßen die experimenta, die Heilbronner Außenstelle der DHBW Mosbach und die aim an ihre Kapazitätsgrenzen. Und so harren neue Pläne der Stiftung zur Erweiterung dieser drei Bildungsinstitutionen ihrer Umsetzung.

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TITELTHEMA: BOOMTOWN ENE RGIE SC H U B FÜR D IE W I SS E N S STADT HE I L BRoN N EXPERImENTA HEILBRoNN Die experimenta hatte in den Jahren seit ihrer Eröffnung im November 2009 deutlich mehr Besucher als erwartet. Bisher durfte das Science Center insgesamt 570.000 Besucher begrüßen. Pro Jahr sind dies zwischen 170.000 und 180.000 Gäste. Die Erwartungen lagen bei circa 100.000 Besuchern pro Jahr. Um die Anziehungskraft dieses weit über die Region ausstrahlenden Besuchermagneten noch auszubauen, hat die Dieter Schwarz Stiftung Großes vor. Nichts weniger als der Aufstieg in die Champions League der europäischen Science Center ist das Ziel. Der Standort der experimenta – die Neckarinsel im Herzen Heilbronns – soll zur Wissensinsel gemacht werden. Zudem wird die experimenta mit ihrem Neubau die Stadt Heilbronn um einen architektonischen Leuchtturm bereichern. Durch diesen Neubau mit interaktiven Themenwelten aus Naturwissenschaft und Technik verdoppelt sich nahezu die Ausstellungsfläche. Die experimenta wird dazu noch weitere exzellent ausgestattete Labore erhalten und ihr Fortbildungsangebot für Pädagogen ausbauen. Das Novum in der Laborlandschaft ist dabei die Biosphäre. Ein absolutes Highlight wird der Science-Dome sein, ein multifunktionaler Kuppelbau für audiovisuelles Lernen. Experimentalshows, dreidimensionale Bilderwelten, Sternenprojektion und klassisches Wissenschaftstheater werden dort zu erleben sein. INTERNATIoNALER ARCHITEKTURWETTBEWERB Bereits im Januar startete die Dieter Schwarz Stiftung einen umfangreichen Architekturwettbewerb. Unter den 24 angesprochenen Büros befinden sich sehr renommierte, international namhafte Architekten. Trotz eines strengen Zeitplans möchte die Stiftung den teilnehmenden Architekturbüros genügend Zeit für die Planung geben. Die erste Phase des Wettbewerbs soll im Juni 2013 abgeschlossen sein. Danach wird die Stiftung mit circa 10 Büros in einen intensiveren Dialog treten. Baubeginn für den Neubau der experimenta soll 2014 sein. Die ersten Besucher sollen im Jahr 2016 auf der neuen Wissensinsel begrüßt werden.

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TITELTH EMA: BOOMTOWN DHBW UND AIm Zukünftig wird der neue Studiengang »Foodmanagement« der DHBW das Angebot auf dem Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung erweitern. Zusammen mit den beiden bereits laufenden Studiengängen wird die DHBW dann statt 1.000 an die 1.500 Studenten im dualen Studium ausbilden. Um diesem Wachstum gerecht zu werden, plant die Dieter Schwarz Stiftung das Gebäude der aim auf dem Bildungscampus der DHBW zu übergeben. Für die aim errichtet die Stiftung ein neues Haus jenseits des Bahndamms. Auch die aim hat bei ihren Veranstaltungen mit 53.000 Teilnehmern pro Jahr die Erwartungen mehr als erfüllt. Aus diesem Grund wird das neue Gebäude der aim um 1.000 Quadratmeter vergrößert. Mensa des Bildungscampus erweitert. In der bisherigen Aula im Forumgebäude kann man dann ein reichhaltiges Mittagessen genießen. Der Neubau der Aula ist ebenfalls jenseits der Bahnlinie geplant. Trotz der räumlichen Trennung durch die Bahngleise wird der Bildungscampus auch zukünftig ein Gebäudeensemble aus einem Guss sein. Beide Bereiche des Campus werden durch eine Unterführung miteinander verbunden. Die neue Aula, das neue Gebäude der aim und die Unterführung sollen im Jahr 2016 eröffnet werden. mASTERPLAN WISSENS- UND HoCHSCHULSTADT HEILBRoNN BILDUNGSCAmPUS Um dem Zustrom hungriger Studenten gerecht zu werden, den auch die Studenten des Innenstadtcampus der Hochschule Heilbronn verstärken, wird die Fläche der Die Stiftung bemüht sich über den Ausbau des Bildungscampus hinaus mit der Stadt Heilbronn und der Landesregierung, den »Masterplan Wissens- und Hochschulstadt Heilbronn« zu konkretisieren und umzusetzen. Sie sieht darin die Chance, Heilbronn auf dem Weg zu einer echten Hochschulstadt voranzubringen und das Stadtbild zu verbessern.

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JoS H I S MEINUNG

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Boomtown? Boom-town? Ach so, Boomtown = Booooooom Town = explodierende Stadt … Eine Stadt in die Luft zu sprengen ist ja nicht so schön und auch schwierig, aber ist ja egal, weil es bedeutet ja was ganz anderes. Gemeint ist nämlich BOOM – die Stadt wächst. Das passiert auch grad bei uns vor der Haustür, das ist ziemlich nervig, weil dort ist jetzt eine riesige Baustelle. Als Allererstes dachte ich, jemand sprengt die ganze Stadt. Das wäre natürlich nicht so toll. Es ist aber eine Baustelle, die schon voll lang da ist und auch noch voll lang bleibt. Wahrscheinlich noch zwei Jahre oder sogar noch länger. Die machen da das Krankenhaus ganz groß und modern und schick. Ich finde das blöd. Jetzt ist da der Patientenpark weg und dort war es wunderhübsch. Da war ein Spielplatz, eine große Wiese mit vielen Blumen, ein Teich mit Pflanzen und Insekten. Außerdem war drum herum ein Hügel. Auf dem Hügel sind wir im Winter mit dem Schlitten runtergefahren, voll Karacho bis nach unten. In dem Park haben wir mal meinen Geburtstag gefeiert und den von meiner Schwester auch. Da war es noch ruhig und grün und überall Natur. Jetzt bauen sie da ihr Krankenhaus. Naja, es ist schon gut, wenn die Patienten dort geheilt werden und sie viel Platz haben. Meine Schwester Lili haben sie da schließlich auch schon mal repariert. Trotzdem doof. Genau wie bei uns vor der Schule. Da wächst grad ein Hochhaus aus der Erde. Es wächst ja nicht wirklich, die haben da was abgerissen und bauen nun ein großes Hochhaus dahin. Unsere Lehrerin muss immer die Fenster aufmachen, wenn es bei uns im Klassenzimmer stinkt. Die Jungs furzen manchmal, dann muss man lüften. Von der Baustelle kommt dann der Lärm in unser Klassenzimmer. Die Frage ist: Was ist besser – Gestank oder Lärm? Dort wo das Hochhaus gebaut wird, war vorher der Waldorf-Kindergarten, der hatte einen voll schönen Garten, da konnte man von unserem Kindergarten aus rübergehen, durch ein kleines Holztor. Wir durften das nie, aber der Garten war spannend, weil er aussah wie ein verwunschener Wald. Ich finde es schade und doof, dass der Garten nicht mehr existiert. Doof, dass immer was Platz machen muss, wenn was Neues wachsen soll.

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TITELTHEMA: BOOMTOWN BLÜHEN D E L A N DSC H A F T E N

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TITELTHEMA: BOOMTOWN Der Neckarbogen ist das Leuchtturmprojekt für Heilbronns Stadtentwicklung. Der neu entstehende Stadtteil, der 2019 zum Start der Buga stehen soll, hat den Anspruch, exemplarisch für die Stadtentwicklung der Zukunft zu stehen. Wo in einigen Jahren die städtische Landschaft blühen soll, herrscht heute noch ein morbider Todesstreifen-Charme vor. Fotografin Ulla Kuehnle begab sich in dieses Niemansland mitten in der Stadt.

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B R A S I L I E N S B O O M D A N K S P O RT L I C H E R G RO S S E R E I G N I S S E Bras ilie n is t vie lle ich t d as Land auf d e r We lt, d as in d e n k o m m e nd e n Jah re n d e n grö ßte n B o o m e rle be n wird . R afae la Je ck le e r zäh lt, was d e r Fußball d am it zu tun h a t.

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TITELTHEMA: BOOMTOWN TEXT: RAFAELA JECKLE FoTo: AUDI URBAN FUTURE INITIATIVE Die Entwicklung Brasiliens, vor allem bezogen auf ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft und die daraus resultierende Verteilung von Ressourcen, gewinnt immer mehr Bedeutung in der internationalen Debatte. Aufgrund der Fußball-WM 2014 hat das Land wichtige Maßnahmen zur Vorbereitung der Veranstaltung getroffen, die die Entwicklung des Landes gefördert hat und weiterhin fördern wird. Der Fortschritt der Arbeiten in den Stadien sorgt auch für schnellen Fortschritt in der urbanen Mobilität und dem Verkehr an sich. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro werden zusammen 3,6 Millionen Arbeitsplätze erzeugen. Auch der Tourismus wird durch diese beiden Großveranstaltungen angekurbelt. Vor allem die Städte, in denen die WM stattfinden wird, werden stark profitieren. Für diese Entwicklung ist Deutschland sehr wichtig für Brasilien. Zum einen als einer der wichtigsten Investoren sowie als Quelle von Know-how für wichtige Technologien und in der Organisation solcher Großereignisse. Die Zusammenarbeit mit Deutschland ermöglicht erst diese, für Brasilien großartigen, Entwicklungsprojekte. Die Städte, in denen die Weltmeisterschaft ausgetragen wird, verbessern neben der Infrastruktur auch Hotel-Dienstleistungen und Tourismus-Dienstleistungen im Allgemeinen. Die FIFA-WM ist bereits Realität in Brasilien und schafft aktuell Tausende an Arbeitsplätzen. Dadurch verbessern sich die Einkommen der Menschen und die Situation von Brasilien als Reiseziel in der Welt. Zwölf Städte in fünf Regionen von Brasilien werden Gastgeber der Weltmeisterschaft im Jahr 2014 sein: Rio de Janeiro, Salvador, São Paulo, Brasilia, Manaus, Fortaleza, Curitiba, Cuiabá, Recife, Porto Alegre, Natal und Belo Horizonte. Über 25 Milliarden Euro werden in Flughäfen, Stadien und neue Verkehrssysteme investiert, um die Infrastruktur für die WM und deren Besucher gerüstet zu sein. Darüber hinaus hat das Ministerium für Gesundheit in Brasilien eine Kampagne zur Unterstützung der Gastgeberstädte ins Leben gerufen, um die Erhöhung der Impfrate der Bevölkerung zu erreichen und Krankheiten dadurch einzudämmen. Momentan gibt es in Brasilien auch viele Aufklärungsprogramme und Vorträge, deren Zweck es ist, die Öffentlichkeit über die Risikofaktoren einer Entwicklung von Krankheiten aufzuklären. Es wurde auch ein Leitfaden entwickelt, dem die Gastgeberstädte folgen, um das Thema öffentliche Sicherheit zu verbessern. Es geht hierbei um Kriminalprävention und wie man die notwendige Sicherheit der WM-Besucher gewährleisten kann. Die brasilianischen Medien diskutieren hierzu in Beiträgen Themen, die helfen sollen, das Bewusstsein der Bürger für Themen wie Sicherheit, Zivilcourage und Nachhaltigkeit zu schärfen. Im Bezug auf die eben genannten Aspekte und diese in Brasilien schnell und erfolgreich zu entwickeln, kann mein Heimatland von einer Stadt wie Heilbronn viel lernen. Die kleine Neckarstadt ist zwar, was Größe und Population angeht, nicht mit São Paulo oder Salvador vergleichbar, dennoch ist Heilbronn ein tolles Modell für die Integration verschiedener Kulturen. Hier treffen sich mehr als hundert Nationalitäten, die friedlich zusammenleben. In puncto Sicherheit kann Heilbronn ebenfalls viel Know-how weitergeben. Schließlich gilt Heilbronn als eine der sichersten Städte Deutschlands. Hier in Heilbronn sind, wie in Brasilien, in den letzten Jahren viele positive Entwicklungen geschehen. Heilbronn gilt in Deutschland als kleine Großstadt mit dem bundesweit vielleicht größten Entwicklungspotenzial. Für Brasilien gilt das als Land in der Weltgemeinschaft ganz genau so. Hoffen wir, dass Heilbronn und auch Brasilien den Boom der kommenden Jahre nachhaltig und für die kommenden Generationen und Zuwanderer zu nutzen wissen.

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QUIZ DICH GL Ü C kLICH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº18 FRAGE: WIE HEISST DIE NEUE HANIX-VERANSTALTUNGSREIHE, DIE AM 9. MAI IM MoBILAT-CLUB IHRE PREMIERE MIT ZWEI LIVEGIGS VoN KAéLA UND WUNDERBARE KATZE, EINER LAUNIGEN LESUNG VoN NICoLAI KöPPEL UND MUSIKALISCHER UNTERMALUNG VoN ASHLEy AAMES FEIERT? HERGEHöRT: HANIX MACHT JETZT EINEN AUF VERANSTALTER! GESTARTET WIRD MIT EINEM SATTEN PRoGRAMM AN LIVEMUSIK, LESEVERGNüGEN UND DJ-TUNES. EIN GANZ SCHöNER MISCHMASCH! ALLTAGsGesChÄFT?! oLDTimerFesTiVAL suCk uk oLAF meTZeL 3 x Buch 5 x 2 Tickets Vogelhäuschen 3 x Kunstkatalog Das Buch »Alltagsgeschäft?!« wurde von Heilbronner Polizisten im Selbstverlag herausgegeben und natürlich auch geschrieben. Es erzählt Erlebnisse und Geschichten aus dem »alltäglichen« Polizeidienst. Ein einzigartiges Oldtimerund Luftfahrtspektakel veranstaltet die Gemeinde Eutingen am 22. und 23. Juni im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg. Wir verlosen zehn Eintrittskarten für das Event. Biete Vögeln einen sicheren, behaglichen Platz an, in dem sie schlafen und ihre Jungen groß ziehen können. Wir verlosen zusammen mit www.burnsideshop.de dieses schöne Vogelhäuschen mit Katzengesicht. »Kaffee Zeitung Zigaretten« heisst der Kunstkatalog zur aktuellen Ausstellung von Olaf Metzel in der Heilbronner Kunsthalle Vogelmann. Wir verlosen zusammen mit dem Kunstverein Heilbronn drei Exemplare. WER mEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER mAIL AN: QUIZ@HANIX-mAGAZIN.DE; BETREFF: mISCHmASCH EINSENDESCHLUSS IST DER 20. mAI 2013. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLoSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWoRT AUF DIE FRAGE DES VoRANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: THomAS ZImmERmANN AUS DER SCHWEIZ

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EIN BRIEF VoN PATRICK LABITZKE GELESEN VoN: NICoLAI KÖPPEL L I E B E H E I M AT, inzwischen sind sieben Monate vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Eine Zeit, in der ich einiges gesehen und viele Menschen kennengelernt habe. Eine wirklich schöne Zeit bis jetzt. Begonnen hat alles in Vancouver im August letzten Jahres. Voller Vorfreund und Hoffnung auf eine gute Zeit kam ich in der kanadischen Metropole an. Überraschenderweise fühlte ich mich vom ersten Tag an nicht wirklich fremd oder verloren. Alles war irgendwie anders aber dennoch vertraut. Da ich im Spätsommer dort ankam, zeigte sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. Ich war überrascht, wie viel Vancouver zu bieten hat: Unzählige Strände, die Berge direkt vor der Stadt und jeder der diesen Ort seine Heimat nennt, scheint dies jeden Tag zu genießen. Im Herbst und Winter sieht das wiederum ganz anders aus. Dann verabschiedet sich nämlich die Sonne aus »Raincouver« und lässt sich erst einmal eine sehr lange Zeit nicht mehr wirklich blicken. Aber das ist eine andere Geschichte. Nach ein paar Wochen hatte ich dann genug von der Stadt gesehen und so suchte ich mir ein paar Leute um einen Roadtrip durch British Columbia zu starten. Einen Monat waren wir unterwegs und hatten dabei eine sehr entspannte Zeit. Der Trip führte uns zu schönen Orten und bescherte uns einige wunderbare Erinnerungen. Natürlich musste auch dieser Trip irgendwann ein Ende finden und so kam es, dass wir uns in Vancouver wieder trennten. Da ich nie wirklich mit einem detaillierten Plan nach Kanada kam, stand ich nun da und hatte erst mal keine Ahnung, was der nächste Schritt sein sollte. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich dann eine Wohnung von einem Kanadier ergattern, der zu diesem Zeitpunkt gerade in Guatemala war. Da er mich zu einem wirklich sehr guten Deal dort wohnen ließ, entschied ich mich dazu diesen glücklichen Zufall zu nutzen. Natürlich hatte ich Ken, der Name des Kanadiers, zu diesem Zeitpunkt noch nie persönlich getroffen. Das war der erste große Beweis dafür, wie vertrauensvoll die Kanadier Fremden gegenüber sind. Selbstverständlich spielt das Thema Geld auf solch einer langen Reise immer eine große Rolle und natürlich wurde Selbiges auch bei mir irgendwann immer weniger. So kam langsam der Druck auf einen Job finden zu müssen, um sich das schöne Leben auf der anderen Seite der Welt finanzieren zu können. Dieses Unterfangen stellte sich für Vancouver und mich jedoch ein wenig schwierig dar. Selbst um den einfachsten Tellerwäscherjob herrscht hier ein harter Konkurrenzkampf. Diese Tatsache und der Wechsel von viel Sonne zu sehr viel Regen machten es nicht einfach sich jeden Tag die gute Laune zu erhalten. Durch einen weiteren Zufall konnte ich dann einen anderen Deutschen

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS K ANADA STECKBRIEF Name: Pat ric k L abit zke Alt er : 24 Beruf: Bürokauf mann a. D. / Bac k packe r H erk unf t : H eilbronn Woh nor t zur Zeit : Vic t oria, B C In Kanada s eit : Augus t 2 0 12 Lieb ling sor t in Kanada: Nels on, Vic t oria, Va n co u ve r kennenlernen, der mir von lukrativen Jobs in der Öl- und Gasindustrie Kanadas erzählte. Da ich inzwischen außer meiner guten Laune und ein wenig Geld nicht mehr viel zu verlieren hatte, entschied ich mich dazu diese Möglichkeit zu nutzen. Also ging ich das Risiko ein und verkaufte mein Auto in Deutschland, kaufte mir einen Truck und machte mich mit zwei weiteren Deutschen auf den Weg um 1000 Kilometer nördlich mein Glück zu finden. Fort St John war der Name der nächsten Destination. Die Fahrt dort hin war nicht wirklich unmöglich, jedoch lernten wir schnell kennen, was es heißt, auf kanadischen Highways im Winter unterwegs zu sein. Dort angekommen konnte ich eine Couch zum Schlafen über Couchsurfing finden bei einem Kanadier namens Bryan. Ebenfalls wohnte ein weiterer Deutscher namens Felix dort der seinen Einstieg in die Öl- und Gasindustrie gefunden hatte. In Fort St. John unterschied sich alles drastisch im Vergleich zu Vancouver. Temperaturen bis zu -40 Grad sind hier durchaus möglich. Zudem fahren 95% aller Bewohner Trucks, was zu einem interessanten Bild auf den Straßen führt. Geht man einkaufen wird das Auto natürlich gar nicht erst ausgeschalten sondern einfach nur laufen gelassen, um der Kälte zu trotzen. Mit der Erfahrung, die Felix bereits sammeln konnte, fand ich einen Arbeitsplatz bei einer Pipelinefirma. Somit begann also meine Karriere als Pipeliner im kanadischen Norden. Für den ersten Monat hieß das, Pipelines zu streichen. Das war für den Anfang nicht wirklich spannend und auch wirklich sehr kalt. Wer sich entscheidet hier zu arbeiten, stellt sich auf eine sieben Tage Woche mit jeweils zwölf Stunden Arbeit ein. Im Prinzip stört sich daran auch nie147 mand, da jeder darauf aus ist, so viel Geld wie möglich zu machen. Wer ohne Erfahrung hier hochkommt, hat leider keine wirkliche Garantie jeden Tag auch Arbeit zu haben. Am Anfang hat es mehr von einem Tagelöhnerjob. Das heißt jeden Morgen um sechs Uhr zum Büro gehen und hoffen, dass es Arbeit gibt. Sollte das nicht der Fall sein, ist man um 7 Uhr wieder daheim und muss schauen, wie man den Tag sinnvoll nutzen kann. In einer Stadt, die eigentlich nur auf das Arbeiten in dieser Branche ausgelegt ist, ist das nicht wirklich einfach. Langweilig wäre die passende Beschreibung für freie Tage hier. Nachdem wir einen Monat lang Pipelines gepinselt hatten, war es Ende Dezember und die Weihnachtspause hielt Einzug. Das hieß irgendwie zwei Wochen totschlagen, um dann Anfang Januar wieder jeden Morgen im Büro auf Arbeit zu hoffen. Glücklicherweise wurde ich recht schnell zur Arbeit im Camp eingeteilt. Das Leben und Arbeiten im Camp ist eigentlich das, worauf jeder hier oben hofft. Arbeiten im Camp bedeutet zwei bis vier Autostunden außerhalb der Stadt in einem Containercamp zu wohnen und jeden Morgen von dort aus zum Arbeitsplatz mitten im Nirgendwo zu fahren. Der große Vorteil am Camp ist, dass man im Prinzip keine Ausgaben für Miete oder Essen hat, weil dort alles gestellt wird. Dafür ist alles auch sehr simpel gehalten. Für Backpacker trotzdem eine Art Paradies. Viele, die in dieser Branche arbeiten, schwärmen davon, dass die Arbeit im »Oilpatch« noch etwas von altem Wilden Westen hat. Und in gewisser Art und Weise ist diese Beschreibung nicht unpassend. Die grandiose Natur und wunderschöne Sonnenaufgänge jeden Morgen waren auf jeden Fall ein Pluspunkt und bescherten einem einen entspannten Weg zu Arbeit. Das Thema Sicherheit ist hier ein allgegenwärtiges Thema. Es gibt viele Gefahrenquellen an diesem Arbeitsplatz. Und das ist der Grund, warum sehr viel Wert auf einen hohen Sicherheitsstandart gelegt wird. Zumindest theoretisch. Theoretisch deshalb, da immer noch eine gewisse Mentalität herrscht, die ihren Ursprung in der Geschichte des Oilpatches hat. Viele erzählten mir, dass im Vergleich zu früher verantwortungsvoller gearbeitet wird. Jedoch sind beispielsweise Drogen immer noch ein großes Thema. Es gibt eine Vielzahl von Leuten hier oben, die unter dem Einfluss von Drogen große Maschinen wie Bagger und Kräne bedienen. Das war anfangs definitiv ein Schock für mich. Auch die Arbeitsmentalität ist ein wenig anders. Das Motto lautet »Hurry up and wait«. Das bedeutet, dass die Arbeit so schnell wie möglich erledigt wird, um danach eventuell zwei Stunden

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS K ANADA einfach nur sinnlos rumzusitzen und auf mehr Arbeit zu warten. Am Anfang war auch das gewöhnungsbedürftig. Auch der raue Umgangston zeichnet diese Branche aus. Man wird regelmäßig angeschrien und rumgescheucht. Aber das muss nicht immer von Nachteil sein. Befindet man sich unbewusst in einer Gefahrenzone und jemand macht dies einem lautstark klar, ist die Chance gering, dass man in Zukunft denselben Fehler noch einmal macht. Das war nur eine kurze Charakterisierung der Branche. Es gäbe noch viel mehr zu berichten. Dies würde aber den Rahmen sprengen. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass die Arbeit im Norden Kanadas eine unvergessliche Erfahrung war! Ich hab viele verrückte Situationen und interessante Leute kennengelernt. Auf jeden Fall war es eine gute Zeit. Letztendlich verbachte ich 55 Tage im Camp ohne einen Tag freizuhaben. Das war auf jeden Fall eine nicht immer einfache Zeit, auf die sich der Körper erstmal einstellen muss. Nach diesen knapp zwei Monaten war das Projekt beendet und wir wurden nach Hause geschickt. Ich muss sagen, dass ich in gewisser Weise ein wenig stolz war, als einer der Letzten freigestellt zu werden. Es folgte danach noch eine weitere Woche Arbeit auf einem weiteren Projekt. Dieses war aber nur kurzfristig und so entschloss ich mich dazu, dieses Kapitel meiner Reise abzuschließen. Der Saldo meines Bankkontos sah nun auf jeden Fall besser aus und ich beschloss, wieder in den Süden zu fahren. Die Fahrt im Frühling war sehr viel angenehmer als im Winter. Ich fuhr durch die kanadischen Rocky Mountains, die wirklich atemberaubend waren. Ich beschloss einen Zwischenstopp in Nelson zu machen, um dort Freunde aus Heilbronn zu besuchen. Sie waren auch für ein Jahr in Kanada und hatten den Winter mit Skifahren verbracht. Drei Wochen habe ich dort verbracht und erst einmal die Seele baumeln lassen. Von dort aus ging die Fahrt weiter nach Vancouver um weitere Freunde zu besuchen, die ich in der Zwischenzeit kennengelernt hatte. Eine weitere Woche verging und ich beschloss, meine Reise auf Vancouver Island fortzusetzen. In Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, lud mich Joshua zu sich nach Hause ein. Ich hatte ihn im Norden kennengelernt und er war mein Vorarbeiter zu dieser Zeit. Im Unterschied zu allen Anderen, die ich im Norden kennenlernt hatte, war er schon viel auf Reisen gewesen. Das macht ihn zu einem sehr interessanten Charakter und wir hatten und haben eine sehr gute Zeit zusammen. Und hier sind wir nun am Ende meiner Geschichte, liebe Heimat. Ich werde noch ein paar Tage in Victoria verbringen, um mir dann noch mehr von Vancouver Island anzuschauen. Es liegen noch vier weitere Monate vor mir in diesem wunderbaren Land. Geplant habe ich momentan noch nicht viel, aber ich möchte auf jeden Fall noch den Osten des Landes bereisen. Wahrscheinlich wird mich mein Weg dorthin durch die USA führen. Wir werden sehen. Auf jeden Fall freue ich mich, dich diesen Sommer wieder zu sehen! Es gibt auf jeden Fall Einiges, das ich vermisse nach so einer langen Zeit. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute und hoffe auf eine herzliche Ankunft in deinen Gefilden. Gruß und Kuss! Patrick

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info@memografie.com 0175-5629515 SHOOTING KEIN CENT BILLIGER* EURO *That shit cray.

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CAR ACAS – BEGEGNU N GE N D ER B E W E G U N GE N IN VE N E Z U E L A

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ARO UND THE WORLD: VENEZUEL A ARoUND THE WoRLD mIT PATRICK oRTWEIN FoToS: mÁX mÉNDEZ GomES Caracas als eine schöne Stadt zu bezeichnen, wäre schlichtweg eine polemische Vernachlässigung der Tatsachen, die ihre miserable Reputation ausmachen. Die Stadt als einen Ort zu bezeichnen, den es gänzlich zu meiden gilt, eine Verkennung der Privilegien, die die Hauptstadt Venezuelas birgt. Wenn man bei Nacht die Mannigfaltigkeit der Lichter von den Bergen die sie umgeben betrachtet, scheint die gefährlichste Stadt Lateinamerikas zu vibrieren. Und das tut sie, ob das der visuelle Eindruck eine Sinnestäuschung sein mag oder nicht, derzeit in vielerlei Hinsicht. Zwischen den Hochhäusern, die die Wirtschaftsmacht des Ölstaates repräsentieren, sticht gegen Osten ein Dorado aus kleinen Lichtern ganz besonders hervor. Der Stadtteil »Petare«, Lateinamerikas vermutlich größte Favela, eines von unzähligen Armenvierteln die hier und da inmitten der Stadt heranwachsen, oder wie »Petare« etwas außerhalb die Berghügel überziehen. Diese bebende Decke steht nicht nur sinnbildlich für Vibration, es ist das Krebsgeschwür, das aus der sozialen Disparität im Lande heranwächst. Tag für Tag. Umschlagplatz des narcotráfico, des Drogen- und Waffenhandels und Schauplatz der Gewaltverbrechen, die die Mordrate der Stadt wie jene eines Krieges aussehen lassen. Es ist die Art von Bewegung, die die Mobilität der Einwohner einschränkt, gleichzeitig der Katalysator für die politische Be151 wegung im Land. Es ist einer der Gründe, weshalb Touristen generell die Stadt eher meiden. Und ein ganz aussergewöhnlicher Ort somit beinahe in Vergessenheit gerät in diesen Tagen, muss ich nicht allzu weit gehen um zu sehen was die Stadt bewegt, es genügt auf den vor mir liegenden Platz »Altamira« zu schauen. 15. April, ein Tag nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse befindet sich der Platz im Chaos. Was gegen Morgen mit der Enttäuschung einiger wenigen über die knapp verlorenen Wahlen des Präsidentschaftsanwärters der Opposition, Henrique Capriles, begann, artete nur wenige Stunden später in einen riesigen Protest aus, dem sich scheinbar die ganze Stadt anschloss. Der gleichsam die gesamte Stadt lahmlegte. Plakate des neugewählten Präsidenten der sozialistischen »Unidad« Nicolás Maduro, wurden verbrannt und einheitlich eine Neuauszahlung der Stimmen gefordert. Die Oppositionellen sind sich einig, die Wahl, die in Venezuela elektronisch abläuft, wurde durch Wahlbetrug vonseiten der Chavistas gewonnen. Auch international wird die Annahme zumindest vonseiten der Vereinigten Staaten unterstützt, die Maduro nicht als Präsident anerkennen. Ob dies ein Fakt oder eine vage Vermutung ist, sei dahingestellt. Fest steht, dass der skurrile Wahlkampf Maduros bereits lange vor dem Wahltag ein lächerliches Ausmaß angenommen hat, das nicht

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AROUND THE WORLD: VENEZUEL A auf einen normalen Wahlkampf schließen lässt. Da verleiht Jahren deutlich angestiegen, nicht zuletzt, da die meisten ihm auch sein farbenprächtiger Trainingsanzug keine extra Güter im Land importiert werden müssen, wodurch die Sympathiepunkte. Man findet kaum eine Strasse im Land, Bevölkerung aufgrund der schwachen Wahrung unmittelin der die Häuser nicht mit Wahlpropaganda zugeschmiert bar leidet. Zuschreiben muss man ihm sicherlich die soziawurden. In Zeitungen wurden Aussagen vonseiten Madu- len Reformen für die Unterschicht, doch davon zeigen sich ros veröffentlicht, deren Diktion weniger einem politischen die Empörten im Land unbeeindruckt. Es hat den AnDiskurs, denn einer niveaulosen Promischlammschlacht schein, als sei dies eine Beschwichtigungspolitik und Teil gleicht. Maduro wendet sich an Capriles mit den Worten der Wahlkampagne, die weniger kostspielig war, denn echte »Chico, dich und dein armseliges Häuflein machen wir fer- Lösungsansätze wie beispielsweise die Ankurbelung der tig am Sonntag«, Capriles hingegen hielt an seinem Partei- Produktion im eigenen Land, um den Bürgern elementarsprogramm fest, das allem voran die Wiederherstellung der te Güter und Lebensmittel zugänglich zu machen. Die verSicherheit im Land behandelt, und bezieht sich auf profun- meintlich sozialen Leistungen des Staates, wie etwa der Bau de Themen ohne verbale Ausschreitungen. Da in Latein- von Sozialwohnungen kurz vor den Wahlen, oder die Beamerika der Laizismus bislang noch keinen Einklang zu stellung kubanischer Ärzte zum Wohl der Bürger, wo es finden scheint, bediente sich die Linke hingegen weniger doch im eigenen Land genug arbeitslose Ärzte gibt, dienen profunden, subtilen religiösen Suggestionen, die nicht min- scheinbar weniger dem Wohl des Volkes, denn dem Erhalt der wirkungsvoll zu sein scheinen. Maduro bezeichnet sich der Machtverhältnisse. Streiten lässt sich über seine ideoloals von Chavez und Gott selbst dazu berufen das Amt des gischen Motive, doch diese sind ohnehin nichtig. Chavez ist tot, Maduro ist nicht Chavez und Präsidenten zu übernehmen. Es sei dasollte sich herausstellen, dass die Wahher die Pflicht der Bürger am Wahltag für ihn zu stimmen. Chavez sei ihm, » N ach t s keinesfa lls a n der Am- len tatsächlich nicht korrekt abgelaufen sind, ist zumindest Chavez' Traum wie er sagte, in Form eines Vogels in der Kirche beim Gebet erschienen. pe l an h alten«, la utet die eiserne eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts bereits per se gescheitert, denn ein solUnd was der Wahlkampf die Linke Regel in Ca ra c a s. cher kann ohne demokratische Grundwohl kostete? Maduro konnte aus den strukturen nicht existieren. Venezuelas Vollen schöpfen, sich der Staatskasse Jugend zwischen sportlicher und polibedienen und Transportmittel, die dem öffentlichen Nahverkehr dienen dazu nutzen, Chavis- tischer Bewegung Politik ist ein Thema, das in Venezuela tas aus dem ganzen Land in der Woche vor den Wahlen jeden angeht und es vergeht kein Tag, an dem es nicht der kostenlos zu seinem Marsch in die Hauptstadt zu transpor- Kernpunkt jeder Unterhaltung darstellt. Es ist zugleich ein tieren. Dass der ohnehin miserable Nahverkehr darunter Thema, das jeden Lebensbereich betrifft. Caracas ist eine litt, ist selbstredend. In Caracas bietet sich in der Woche vor sportliche Stadt. Privilegiert durch seine Lage am Meer den Wahlen ein Spektakel der besonderen Art. Die Strassen kann man hier surfen und andere Strandsportarten betreisind voll von Menschen und es liegt eine Euphorie und ein ben. Mit den Bergen, die sie umgeben bietet, die Stadt beiFanatismus in der Luft, wie man sie in Deutschland nur aus nahe unbegrenzte Möglichkeiten für Mountainbiker und Filmen über unsere Geschichte kennt! Venezuela wurde mit Bergläufer. Zentrumsnah befindet sich ein Park, der SportChavez zu einem Paradebeispiel für den Populismus der kletterfelsen von erstklassigem Niveau zu bieten hat. Im jungen Geschichte Lateinamerikas. Chavez wusste sich parque del Este wird ein kostenloser Salsakurs und dreimal dem Volk zu präsentieren, konnte mit seinen Reden über- die Woche ein kostenloser Yogakurs angeboten. Jeden zeugen und machte damit vor allem bei der sozial schwa- Sonntag wird die Hauptstrasse Cota Mille, die sich durch chen Unterschicht, zu der er sich bekannte, Eindruck. Will die gesamte Stadt zieht, gesperrt, und zur Spielwiese für man ein objektives Urteil über Chavez abgeben, stellt man Longboards, Skateboards, Inliner, Radfahrer und am Strasich einer schweren Aufgabe. Man kann ihn in vielerlei ßenrand finden sich unzählige Slacklines zwischen den Hinsicht kritisieren hat doch die Kriminalitätsrate unter Bäumen. Doch die Sportszene in Caracas unterscheidet seiner Regierung sowie die Korruption deutlich zugenom- sich von jener in anderen Städten. Die Stadt ist zwar bezügmen. Auch die Staatsverschuldung ist in den vergangenen lich seiner Möglichkeiten privilegiert, doch Sport selbst ein

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AROUND THE WORLD: VENEZUEL A Privileg und jenen vorbehalten, die ihn sich leisten können. Da die meisten Güter im Land importiert werden müssen und die landeseigene Währung sehr schwach ist, stehen Sportartikel preislich in keiner Relation zu ihrem Wert. »Es ist, als zahle man für alles den 5-fachen Preis«, so Michele, ein italienischer Freund und Kletterer aus der Hauptstadt Caracas. »Und das ist ja noch nicht einmal das Problem. Nehmen wir an, du hast das Geld, aber was du brauchst, gibt es einfach nicht, weil es im ganzen Land nicht erhältlich ist. Will ein Kletterer Magnesium kaufen, kann er, wenn überhaupt, nur eine kleine Menge erwerben. So wird der Vorrat im Land reguliert. Und will man etwas eigenständig importieren, kann man es unter keinen Umständen über den öffentlichen Versandweg zusenden lassen, da es vom Zoll gestohlen wird.« Sport auf Leistungsniveau in Venezuela auszuüben scheint unmöglich. Umso beeindruckender erscheint die Szene, da sie mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln das Maximum an Leistung rausholt. Sport wird hier mit einer Leidenschaft betrieben, die weit über die eines Hobbys hinausgeht. Ein Kletterer ist in erster Linie ein Kletterer und ein Surfer schmeisst für einen Swell alles hin und ist morgens um 5 am Strand. Die Ausübung des Extremsportes in Venezuela kann als gefährlich oder einfach nur als pur bezeichnet werden. Wenn nicht genügend Mittel zur Absicherung einer Kletterroute vorhanden sind, muss sie selbst abgesichert oder so geklettert werden, wie sie ist. Wenn Jungs auf einer Slackline einen Salto machen, dann stehen sie den Profis in Europa in nichts nach ... nur dass sie keine Weichbodenmatte, sondern Asphalt unter sich haben, wenn sie nicht wieder auf der Line landen. Ja, man kann so manche Dinge auch als todesverachtend bezeichnen. Nicht jeder Jugendliche widmet sein Leben einer Sportart. Dementsprechend klein sind die sportlichen Communities und in Verbindung mit der Gastfreundschaft im Land ist das Verhältnis der befreundeten Sportler familiärer Natur. Über Freunde von Freunden kommt man an die atemberaubendsten Orte im Land, wo ein Freund eines Freundes eine Hängematte zur Verfügung stellt. Die venezolanischen Jugendlichen sind stolz auf ihr Land, trotz der Probleme die vorherrschen sind sie sich der Einmaligkeit der Natur bewusst, die sie umgibt, und haben Freude daran einem Reisenden ihr Land zu präsentieren und dabei dessen Kultur kennenzulernen. Denn Venezolaner sind weltoffen, was das Reisen in diesem Land angenehmer macht, als seine Reputation vermuten lässt. Es ist ohne Zweifel ein Land ohne Regeln und allem voran in der Hauptstadt Caracas gelten andere Vorsichtsmassnahmen. Dass die Polizei nicht dein Freund ist und die Verkehrsre-

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AROUND THE WORLD: VENEZUEL A geln bei Nacht auf »keines Falls an der Ampel anhalten« umschalten, ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Eben aus diesem Grund lag den Menschen so viel an der Veränderung des Status quo. Die Sicherheit im Land soll wieder hergestellt und eine soziale Gerechtigkeit geschaffen werden, die jedem ermöglicht vom Reichtum seines Landes zu profitieren und den Menschen im Land wieder einen besseren Lebensstandard gibt. Dafür steht der Protest und Unmut im Land, den das Volk mit Cacerolas (Kochtöpfe) ausdrückt. Eine Form des Protests, bei dem mit Löffeln auf Kochtöpfe geschlagen wird. Ein pazifistischer Ausdruck, der metaphorisch zugleich für die begrenzten Mittel des Protestes steht. Die Chavistas halten mit Feuerwerken dagegen. Capriles rief das Volk zu dieser Art des Protests auf, nachdem Maduro ankündigte, er lasse niemand die Straße passieren, sollte es zu einem Protestmarsch kommen. Was eine solche Ankündigung in Venezuela bedeutet, war jedem Oppositionellen sofort klar. Während abends von den Häusern in der Stadt die Musik der Kochtöpfe erklingt, ertönt im Stadtteil Chacao aus einem besetzten Haus Dubstep. Hier ist eine andere Bewegung im Gange. Ein verlassenes Haus wird hier von einigen Kletterern aus der Szene zu einer Boulderhalle umgebaut. Am Abend tummeln sich hier bis zu 40 Kletterer die trotz der politischen Situation im Land ihr Zusammenkommen nicht auslassen. Hier wird gemeinsam an der Renovierung des Hauses und am Umbau zu einem Trainingszentrum gearbeitet das möglichst vielen Kletterern, aus jeder Gesellschaftsschicht zugänglich gemacht werden soll. El Cuco ist das Exempel mit dem die Kletterer des Landes demonstrieren was mit wenig finanziellen Mitteln und viel Handarbeit möglich ist. Von hier aus werden Projekte angegangen die den Sport im Land vorantreiben. Wo welche Felsen entdeckt und erschlossen werden und wie die diversen Sportarten vereinigt werden können. Es ist eine Kletterkommune mit einem Ambiente der besonderen Art. Der Verein »horizonte vertical« engagiert sich für ein interkulturelles Projekt bei dem Kletterer aus der ganzen Welt zusammenkommen sollen, und Kindern aus sozialschwachen Regionen der Beitritt zum Verein und somit der Einblick in den Teamsport ermöglicht werden soll ... bevor sie einer Gang beitreten. Zusammen mit den Kletterern sollen Felsen erschlossen und ein nachhaltiger, sicherer Tourismus für den Bergsport geschaffen werden. Vielleicht liegt hier die Zukunft des Landes, im Zusammenkommen engagierter junger Menschen, die ihre Ziele selbst in die Hand nehmen und auch wenn sie noch nicht vermögen die Rahmenbedingungen zu ändern, dann wenigsten sich durch die ihnen gegebenen Möglichkeiten über den Rahmen hinwegzusetzen. Nachruf: Das Projekt »Sounia Climb« bei dem der deutsche und venezolanische Klettersport über den Verein »horizonte vertical« zusammenkommt, ist bereits im Gange. Es bestehen in dem oben genannten Haus bereits zwei Räume mit Kletterwänden ein weiterer ist in Umsetzung. Da die Mittel in Venezuela mehr als begrenzt sind, Bohrhaken zur Absicherung von Sportkletterrouten beispielsweise derzeit überhaupt nicht erhältlich sind im Land und andere Artikel seit den Wahlen auf Rekordhöhe gestiegen sind, rufen wir zu einer Spende auf um diese Artikel aus Europa zu importieren. Da ich seit geraumer Zeit in Venezuela bin, bin auch ich ehrenamtlich an dem Projekt beteiligt, wohne und arbeite in dem besetzten Haus in Caracas. Für Spenden in jeglicher Form bin von deutscher Seite demnach ich persönlich, sowie der ehemalige Vorstandsvorsitzende des DAV Sektion Heilbronn, Carsten Hummel, Ansprechpartner und unter der email Adresse : kundo50@gmx.de beziehungsweise mobil unter 00584123981498 zu erreichen. Da Venezuela zwar reich an seinen Vorzügen, finanziell aber ein armes Land ist (ein Bier kostet nach dem Schwarzmarktpreis circa 0,25 Cent, das sind die Vorzüge), kann man mit einer kleinen Spende bereits viel erreichen. Über einen kleinen Beitrag würden sich die Jungs hier freuen! Suerte y abrazo, euer Patrick

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Kreativzentr Heilbronn „Wir halten kreative Köpfe in Heilbronn und fördern junge Unternehmer/innen und Ideen“ (Philipp Kionka / FormatFilm) Räume zu vermieten Unser Kontakt Kreativzentrum Heilbronn Salzstrasse 27 • 74072 Heilbronn • www.kreativzentrum-heilbronn.de • kionka@formatfilm.tv Kreativzentrum Heilbronn

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AUS DEm VIA ARCHIV PINNBoARD VIA GRAFIK Krass – immer noch. Das Piece, ein meilenstein in meinem Graffiti. Die Vision, dass ein Bild gleichzeitig Buchstabenkonglomerat und malerei sein kann, hatte ich zuvor noch nie so treffend auf den Punkt gebracht. LEo VoLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Schlachthof Wiesbaden, 2010

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LESER B R IEFE Geschätzte Redaktion, durch euch, beziehungsweise das Interview, das ihr mit Alexandra Kamp geführt habt, bin ich auf die »Live Lyrix«-Tour von SWR3 aufmerksam geworden. Ich hab mir auch gleich Karten für die Vorstellung in Neckarsulm besorgt. Ich hatte einen sehr unterhaltsamen Abend und höre jetzt beim Musikhören etwas genauer hin. Mir geht es nun wie Frau Kamp. Ein schlechter Songtext kann mir das ganze Lied versauen. LUKAS GELINGER, HEILBRoNN mich dann durch euer wirklich tolles Magazin geblättert. Und im Hamam, über das ihr berichtet hattet, war ich direkt ein paar Tage später. Ich bleibe euch gewogen und finde es hier gar nicht mal so scheiße.. MAIKE KöHLER, HEILBRoNN Hallo HANIX! Ich war bei eurer letzten Releasefeier. Die Band, YEN, hat mich überzeugt. Was für eine Stimme hat die Frau denn bitte? Ich war ganz hin und weg. Schön schnuckelig auch, so ein Livekonzert im kleinen Gewölbekeller. Beim nächsten Mal am 9. Mai im Mobilat bin ich wieder dabei. Freue mich schon! ToBIAS LENS, NECKARSULM Sehr geehrte Damen und Herren, ich mag euer Magazin sehr. Es hebt sich vom ganzen Rest so schön ab. Besonderer Fan bin ich vom kleinen Joshi und seiner Kolumne »Joshis Meinung«. Schön, dass ihr einem Kind die Chance und den Raum bietet, seine Meinung kund zu tun. Und das ganze ist auch noch unterhaltsam. Weiter so HANIX, weiter so, kleiner Joshi. CL AUDIA FIEBER, ERLENBACH Tachchen! Ich habe neulich in der chouchou Boutique reingeschaut und dort auch einen Flyer von euch gesehen. Da ich neu in der Stadt bin, dachte ich mir, es kann nicht schaden, in ein regionales Magazin zu schauen. Eigentlich wollte ich nur kurz reinschnuppern. Eine geschlagene Stunde habe ich

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I MP RESSU M Verlag und redaktion 74elF marcel Kantimm & robert mucha gbr Kastanienweg 12 74080 heilbronn e-mail: info@hanix-magazin.de herausgeber marcel Kantimm robert mucha Chefredakteur robert mucha (V.i.s.d.P.) redaktionelle mitarbeiter rafaela Jeckle, sascha wartha, leo Volland, Peter wanner (stadtarchiv heilbronn), Patrick ortwein, Valerie grübele, Florian Dietz, Patrick labitzke, nicolai Köppel, albrecht schnepf, leo Volland, Joshua endresz e-mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka (leitung), sarah Fischer, stefan Dittrich, Kris rampmaier, ben sommerfeld, nicolai Köppel Fotografen mehmet Filiz, ulla Kühnle, michael Dikta, meli Dikta, marie munkelberg, máx méndez gomes, sabine wenzel, Dmitrij matvejev, gadi Dagon Artdirektion raimar schurmann Grafik & illustration lisa hofmann, Florian geiger, Kathrin leisterer, Via grafik, simone Kröneck/magmell Audio Philipp seitz (ant studio) iT-support martin riemer (easy networX / www.easy-networx.de) Vermarktung & sales marcel Kantimm marcel.kantimm@ hanix-magazin.de robert mucha robert.mucha@ hanix-magazin.de Verlagskoordination / Administration / social media marcel Kantimm namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die meinung des herausgebers beziehungsweise der redaktion wieder. Für die richtigkeit von angaben, Daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber beziehungsweise die redaktion keine Verantwortung übernehmen. haftung für links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen inhalten aller gelinkten seiten auf unserer homepage und machen uns diese inhalte nicht zu eigen. Diese erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FoTo: STADTARCHIV HEILBRoNN Heilbronn hat seit 1848 Bahnanschluss. Nachdem in den 1860er Jahren die Eisenbahnstrecken nach osten und Norden weiter ausgebaut wurden, musste der erste, relativ kleine Kopfbahnhof aufgegeben und ein größerer Bahnhof gebaut werden. Etwas weiter westlich entstand deshalb seit 1871 ein neuer Durchgangsbahnhof, der am 6. märz 1874 eingeweiht wurde. Das repräsentative Empfangsgebäude (es war 143 meter lang!) erhielt einen großzügigen Vorplatz, den seit 1888 ein monumentaler Springbrunnen schmückte. Auf diesem Foto, das um 1927 von der Weststraße aus aufgenommen worden ist, sieht man den Brunnen mit seinen vier geflügelten Löwen ganz rechts. Vor den Bahnhofs-Arkaden links steht nicht nur ein Pferdefuhrwerk, sondern auch ein omnibus mit Gepäckanhänger, der die Reisenden ins Heilbronner Umland brachte. Der Hauptbahnhof von 1874 brannte am 4. Dezember 1944 aus und wurde im April 1945 weiter zerstört; der Rest wurde 1956/57 vollends abgebrochen. Der erste Bahnhof von 1848 steht unter Denkmalschutz, in ihm befindet sich heute das Kolping-Bildungszentrum (Bahnhofstraße 8). Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Geschichte der Stadt gibt es auf www. stadtarchiv-heilbronn.de und im neuen Haus der Stadtgeschichte (otto Rettenmaier Haus, Eichgasse 1).

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Ein Bahnhof für das boomende Heilbronn, um 1927

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V E R A N S TA LT U N G E N IM MAI 3. mai mobilat oUT oF THE DARK mobilat Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies Die Mongolians Revival Band ist ein Trio mit Bassistin, Gitarrist und Schlagzeuger. Sie machen 3 stimmigen LofiGarage-Blues-Punks. Viel Melodie, Krach, Enthusiasmus und verschluckte Gesangsmikrofone. Dj Support gibt es an diesem Abend von Dj JenZ (ex Stereo Total). 3. mai Heilbronner Straßen Critical mass Heilbronn Critical Mass ist eine Aktionsform des Strassenprotests, die weder Verantwortliche hat noch organisiert ist. Es geht darum antihierarisch und gemeinsam durch die Innenstadt zu fahren, um auf die Rechte und Bedürfnisse der Fahrradfahrer aufmerksam zu machen. Es geht nicht darum den motorisierten Verkehr zu blokieren! Autofahrer sind keine Feinde – sie werden eingeladen beim nächsten Mal mitzufahren! Da es keine Organisatoren gibt, ist jeder für sich selbst verantwortlich und hat sich an die StVo (http://www. stvo.de/) zu halten. Critical Mass ist kein Rennen! – Im Gegenteil: Es geht darum so zu fahren, dass die Masse zusammenbleibt und nicht auseinandergerissen wird. Das gilt vor allem beim Überqueren von Kreuzungen. Sicherheit geht immer vor! Und noch zur Info: »Geschlossene Verbände ab 16 Radfahrern dürfen die Fahrbahn auch dann zu zweit nebeneinander befahren, wenn ein benutzungspflichtiger Radweg vorhanden ist (geschlossener Verband gem. § 27 StVO). Dies gilt ebenfalls unabhängig vom benutzten Fahrradtyp; eine besondere Verbandsregel für Radrennfahrer gibt es nicht.« »We are not blocking traffic, we ARE traffic!« – Jeden 1. Donnerstag des Monats um 19 Uhr! Treffpunkt: Götzenturm. Bukowski Arcane – Techno 2013 Mit Arcane ist wieder mal ein Freund der etwas härteren Gangart am Drücker, denn wenn der gebürtige Pole anrückt, weiß man, dass es pumpt und drückt! Techno 2013 heißt seine aktuelle Mix Cd und nicht nur da knallt Dir der Bass gepflegt um die Ohren – grundsolide Mucke, um einen Club ganz schnell mal so richtig umzukrempeln! Support gibt’s von Solid aus Polen und Shie, und Ihr kommt besser früh, als spät ... 3. – 5. mai Neckarwestheim Reblandhalle Kulturama Hochwertiges künstlerisches Festival mit international und deutschlandweit bekannten Künstlern. Zu den Top-Acts 2013 gehören Uriah Heep, Christ Thompson und Mathias Richling.

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VER ANSTALTUNGEN: MAI 4. mai Café Wilhelm 15. Poetry Slam Auch die 15. Ausgabe des vom Popbüro organisierten Poetry Slams kann sich sehen lassen. Wie immer kein VVK. Wie immer Einlass ab 19:30 Uhr. Wie immer wird es voll werden. Mit einem schicken Line-Up: Christian Offe (Gießen), Moritz Konrad (Heidelberg), Lena Gropp (Heidelberg), Andreas Rebholz (irgendwas bei Ludwigsburg), Ramon Schmid (Stuttgart), Nadine Schneider (Stuttgart), Thomas Kämmerling (Mannheim), Mario Henn (Mannheim). Moderation: Nigges Groschke; Co-Moderation und featured Artist in einer Person: Der unglaubliche Nikita Gorbunov 4. mai provisationsvielfalt, und es entsteht ein Puls, der den Zuhörer auf eine unvergessliche Reise zwischen die Welten führt. Biboul singt auf Ewondo, seiner kamerunischen Muttersprache, Englisch und Französisch. 4. mai – 22. september Kunstmuseum Stuttgart Kubus. Sparda-Kunstpreis mobilat DUBWARS pres. ILL BILLY HITEC feat. LoNGFoNGAH Was ist die perfekte Mischung zwischen Reggae und Electro? Richtig, Reggaetronics!! So bezeichnen die Jungs von ILLBILLY HITEC ihren Sound selbst, der gekonnt Reggae mit Dubstep, Breakbeats und Dancehall verbindet und ILLBILLY HITEC ft. LONGFINGAH die Bühnen dieser Welt sowohl als Band als auch als Club-/Live-Act zum Brennen bringen lässt. Sie verbreiten ihren einzigartigen Sound in der ganzen Welt und haben ihre Lust am touren noch lange nicht verloren und so freuen wir uns außerordentlich wieder mit den Jungs von ILLBILLY HITEC longside MC LONGFINGAH feiern zu dürfen und ihren Sound, der sich nach großer weiter Welt und purer Sommersonne anhört, mit Euch gemeinsam zu genießen. 4. mai 2013 wird der von der Sparda-Bank Baden-Württemberg und dem Kunstmuseum Stuttgart gemeinsam ins Leben gerufene Kunstpreis »Kubus« zum ersten Mal ausgelobt. Mit dem Preis wird eine herausragende Leistung im Bereich der bildenden Kunst anerkannt. Der »Kubus. Sparda-Kunstpreis im Kunstmuseum Stuttgart« wird alle zwei Jahre an eine Künstlerin oder einen Künstler mit einem Bezug zum Land Baden-Württemberg vergeben. Die diesjährige Jury hat drei Künstler ausgewählt, gemeinsam im Kunstmuseum auszustellen: Thomas Locher (geboren 1956) untersucht in seinen Arbeiten von Menschen entwickelte Kommunikationssysteme und fragt nach den Möglichkeiten von sprachlicher Verständigung. Katrin Mayer (geboren 1974) reagiert in ihren Installationen häufig auf die Geschichte des jeweiligen Ausstellungsortes. Die Ergebnisse ihrer aufwändigen Recherchen präsentiert sie in eigens entwickelten Ausstellungsdisplays. Alexander Roob (geboren 1956) konzentriert sich seit 1985 auf das Medium der Zeichnung, das er vor allem in Zeichenfolgen und Bildromane umsetzt. Aus dem Kreis der Nominierten wird im Laufe der Ausstellung eine weitere Jury den Preisträger küren, der mit 20.000 Euro geehrt wird. 4. mai Jazzclub Cave 61 Soleil Bantu Botanischer obstgarten Frühlingskonzert Der Perkussionist und Komponist Biboul Darouiche stammt aus Kamerun. In den 90er Jahren zog er nach Paris, wo er mit verschiedenen Stars der afrikanischen Musik und des Jazz auftrat, sowie an verschiedenen Cd Produktionen mitwirkte. Soleil Bantu ist ein musikalisches Portrait seiner multikulturellen Geschichte – von seiner Kindheit in Kamerun bis hin zu seiner Arbeit als internationaler Musiker. Die Band ist mit hochkarätigen Musikern der europäischen Jazzszene besetzt und schafft auf der Bühne eine mitreißende Atmosphäre aus Elementen des Afrobeat und Jazz. Das Zusammenspiel in dieser Polyrythmie ermöglicht eine Im163 Die STUTTGARTER SALONIKER veranstalten ein Frühlingskonzert zur Maienzeit! Ein Strauß bunter Frühlingsmelodien erwartet die Besucher dieses Konzerts. Der Eintritt kostet 30 Euro incl. einer fruchtigen - alkoholischen und nicht-alkoholischen - Maibowle und Fruchtschnitten aus der Villa Franck. Das Konzert findet in der Obstlagerhalle statt.

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VER ANSTALTUNGEN: MAI 6. mai Harmonie Celtic Angels – magic moments Live 2013 Kasse Theater Heilbronn Die CELTIC ANGELS treten wahrhaftig auf wie Engel aus vergangenen keltischen Welten. Die attraktiven Sängerinnen spielen virtuos mit ihren Stimmen. Ebenso wie die irischen Musiker/innen auf den traditionellen Instrumenten, die die Show begleiten und zusätzlich für den authentischen Klang dieser teils mystischen, teils volkstümlichen Musik sorgen, die weltweit wahre Triumphe feiern. Während der Show begeistern die CELTIC ANGELS mit ihren Interpretationen populärer Hits aus Pop und Klassik. Besonders in den Balladen fasziniert der klangvolle LiveGesang in seiner Klarheit, unterstützt von der virtuos gespielten Geige. Auch die keltische Kultur kommt nicht zu kurz: Getragene, geheimnisvolle Klänge wechseln sich ab mit fetziger, traditioneller Tanzmusik von der grünen Insel. Selbstverständlich wird zu 100% live gesungen. 5. mai Theaterführung: Lüften Sie die großen und kleinen Geheimnisse der »Werkstatt Theater«: Besuchen Sie die Schreinerei, den Malersaal und lassen Sie sich durch unterirdische Gänge führen. 6. mai Apparat34 modelcasting Heilbronn Trollinger marathon Über 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zum größten Breitensportereigniss der Region erwartet. Die Laufstrecken in Deutschlands Rotweinregion Nr.1 führen wieder als Rundkurs durch die herrliche Landschaft sowie durch die stimmungsvolle Atmosphäre der anliegenden Weinbaustädte und -gemeinden. Gesucht werden sechs bis acht Mädchen. Größe mindestens 1,76m Laufsteg ( 1,80 wäre perfekt) / 1,68m für Fotos. Klamottengröße: 36 (38 nur, wenn ihr megagroß seid). Lange Haare, Haarfarbe egal. Vom Typ eher »unscheinbar« - schüchtern- schlank/zierlich. Für Maris Abschlusskollektion an der Fakultät für Gestaltung Pforzheim sucht die angehende Modedesignerin Mädchen für den Laufsteg und für die Fotos. Die interne Modenschau findet am 18.06 in Pforzheim statt. Falls ihr nicht alleine hinfahren wollt, fährt Mari mit euch zusammen hin, das soll nicht das Problem sein. Wenn ihr in die Schule müsst, bekommt ihr von Mari eine Entschuldigung. Na, wenn das nichts ist! Alle unter 18 Jahren müssen eine Einverständniserklärung von den Eltern ausfüllen lassen. Die Fotos werden in HN gemacht. Falls jemand Interesse hat, aber an dem Casting nicht teilnehmen kann, bitte Mari anschreiben (www.facebook.com/takeitleaveit) - es gibt für alles eine Lösung! 7. mai 5. mai Bürgerhaus Böckingen Audi Forum Neckarsulm musical and more Ohne Frage: Sie ist eine Diva. Aber eine Diva im besten Sinne! Es gibt auf Deutschlands Bühnen wohl keine andere Sängerin, die auch nur annähernd so viele Talente ihr Eigen nennen kann wie "die Milster". Sie liebt und lebt ihren Beruf. Und so steht die Ausnahmekünstlerin zusammen mit ihrem Pianisten Jürgen Grimm auf der Bühne und wird mit ihrem neuen Programm "Musical & More" das Publikum wieder in ihren Bann ziehen. Präsentiert werden Highlights aus verschiedenen Musicals wie z.B. Cats "Memories" von Andrew Lloyd Webber, Bernsteins "Somewhere", "The Rose" von Amanda McBroom, "From a Distance" von Julie Gold. Eine Stimme gewaltig und gnadenlos schön! Das preisgekrönte Projekt JobAct® feiert im Bürgerhaus Böckingen seine Premiere. Zur Aufführung kommt Das Verbot! unter der Regie von Helena Belkher Das Stück basiert auf dem Märchen » Blaubart« und wird frei nach dem Stück von Dea Loher »Blaubart-die Hoffnung der Frauen« inszeniert mit Texten aus dem Musical »Die Sekretärinnen«, Schiller, »Das Handbuch für die gute Ehefrau« von 1955 und dem Buch »Feuchtgebiete«. Schlagwörter oder Sätze für das Stück sind: Sündenfall! Neugierde! Verbote/ Gebote! Mord! Lust! Liebe! Sehnsucht! Psychose! Gefangen in alten Mustern! Gestörtes Verhältnis zu sich selbst! Die Suche nach der Liebe, nach sich selbst. Ablösung! Erlösung! Mann/Frau!

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VER ANSTALTUNGEN: MAI still stehen wird. 8. mai 8. mai Data 77112 Sorry, we were born in the 80s Theaterschiff 1. Die Sprache – oder: »Dr gwachsene Schnabel« JenZ & Phil präsentieren: »Sorry we were born in the 80s« Sorry we were born in the 80s ist nicht nur Name sondern auch Programm … Es werden all die Superhits der der 80er & 90er Jahre aufgetischt! Zeitgemäßes Tanzen und passende Outfits sind erwünscht! Come and have the time of your life. 8. mai Bukowski Klang der Bewegung Ha! Schon wieder einer außer der Reihe: Der Mai mit seinen Feiertagen gönnt uns kaum ne Feierpause, denn der Name Feiertag sagt ja wohl mehr als deutlich, was an diesen beziehungsweise in den Nächten davor vorgesehen ist! Morgen Christi Himmelfahrt, heute Abfahrt und himmlische Zustände im Bukowski! Mit Klangkollektiv, die in Stuttgart gerade jeden Laden von Romy S. über Finca bis Hype Club aufbügeln, Dom Kanalie und den Klang der Bewegung-Gastgebern Plasmiq und Pravi Lopov. 8. mai Johann Martin Enderle alias Dieter Adrion lädt mit diesem Programm zu vergnüglichen und dabei höchst lehrreichen Erkundungen in der schwäbischen Sprachlandschaft ein. Die Stücke tragen allesamt zu dem Nachweis bei, dass man unserem Schwäbisch mit einem Dialektbegriff im Sinne eines bloßen Zungenschlags bei weitem nicht gerecht wird, sondern dass ihm der Rang einer veritablen eigenständigen Sprache zukommt. Beispiele für einen exklusiven schwäbischen Lautbestand und Wortschatz, eine ureigene Grammatik, einen unverwechselbaren Schatz an Sprüchen und Redensarten liefern dazu eindrucksvolle, an vielen Stellen auch höchst amüsante Belege. 9. mai mobilat HANIX präsentiert »mashed Potatoes« mobilat DUB IT!, ComPLEX23 & DUBWARS pres. SoLE & ICoNACLASS aka mC DÄLEK Ein lange gehegter Traum geht endlich in Erfüllung - MC DÄLEK ist in Europa und so haben wir uns die Gelegenheit nicht nehmen lassen, diesen absoluten Ausnahmekünstler für Euch exklusiv nach Heilbronn zu holen. MC DÄLEK tourt gerade um den Globus um sein neustes Projekt »iconAclass« vorzustellen, das er gemeinsam mit DJ Motiv ins Leben gerufen hat. Mit im Gepäck hat er dabei noch den US Rapper SOLE (Anticon Rec.), der sein in Kürze erscheindes Album »No Wising Up No Settling Down« promoten wird. Freut Euch auf Underground Hip Hop weit abseits der »Black Billboard Charts«! Auf dem unteren Floor gibt’s wie von unseren Freunden von DUB IT! gewohnt 70er Roots Reggae mit heavy Dub Versions, und aktuellen UK - Dub auf die Ohren. Zum Warm up spielen die Jungs von CONSCIOUS HIFI ein Rub-a-Dub Special mit Riddims der goldenen Dancehall-Ära. Früh kommen lohnt sich also! Als besonderes Special präsentieren wir Euch Live Visuals, und wie immer viel Space Echoes und Sound Effects, sodass kein Tanzbein Am Donnerstag den 09.05. (Feiertag) präsentieren wir euch Live-Musik vom Feinsten (Wunderbare Katze und Kaéla), eine Lesung unseres Lieblingsautoren Nicolai Köppel und Ashley Aames als DJ-Begleitung. Das Ganze in unserem Lieblingsclub Mobilat gegen einen Kulturbeitrag von nur 5 Euro pro Person. Einlass ist ab 20 Uhr und Live-Mukke gibts ab 21.00 Uhr. 9. mai Hip Island Sonnentanz mit Klangkarussell – 9 Jahre Hip Island Seit 9 Jahren sind die Macher und Gäste des Hip Islands bereits Sonnenanbeter. Die Hip-Island-Grundausrüstung besteht aus einer Sonnenbrille und Sonnencreme gegen Sonnenbrand und vor Jahren betrachteten Sonnenbegeisterte die Sonnenfinsternis und pflanzten Sonnenblumen hinter den von der Sonne aufgewärmten bunten Containern des Heilbronner Stadtstrandes. Weitere Infos, der Timetable, das genaue Booking und Specials findet ihr wie immer hier: http://diginights.com/event/2013-05-09-sonnentanz-mitklangkarussell-hip-island-2-0-city-beachclub

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KLEINANZEIGEN

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VER ANSTALTUNGEN: MAI Kunstmuseum Stuttgart BACKSTAGE Führung durch das Archiv Baumeister Seit Januar 2005 befindet sich das Archiv Baumeister im Kunstmuseum. Es umfasst den Nachlass des 1889 in Stuttgart geborenen Künstlers Willi Baumeister und ist als Forschungsstätte für Wissenschaftler zugänglich. In der Führung werden unter anderem Zeichnungen, Grafiken, Bühnenbildentwürfe sowie Beispiele aus dem schriftlichen Nachlass des Künstlers gezeigt. Vor und nach der Führung kann die Sammlung besucht werden. 10. mai Im Theater wird sie empfangen von Vivian Hoffmann, einer jungen Schriftstellerin und Freundin, und von der seit Dachau verstummten "Mutti". Marlene ist eine Göttin, die Furie, die disziplinierte Junkerstochter, die Hausfrau - sie läßt es sich nicht nehmen, den Fußboden selbst zu wischen, und das auf Knien - und vor allen Dingen ist sie der Star. Mit Interviews und Proben schreitet der Abend in ihrer Garderobe voran, der Beginn ihrer Vorstellung naht: Marlene tritt auf, Marlene singt und Marlene triumphiert. 10. mai Ebene 3 im K3 Improvisationstheater »ohne Gewähr« mobilat Electro Swing meets Electro Acoustic Lasst euch entführen in dieser Nacht von Beats und Brass, lasst euch verführen von der Mannheimer Live Jazzband »Hot Like Neighbours Lumpi« lasst euch begeistern von überraschenden Tanzeinlagen der Shuffleformation der Tanzschule Brenner (HN). "Hot like Neighbours Lumpi" ist an diesem Abend für den jazzigen Liveanteil des Programms zuständig. Sowohl die Aufwärmphase, als auch der Hauptteil (und die "Ausklingphase") werden vom ElectroSwing DJ Oliver Laurel und dessen DJane Freundin Mate Charlotte musikalisch gestaltelt. Tänzerische Unterstützung erhalten die Beiden an diesem Abend von der lokalen Tanzschule Brenner ! 10. mai Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Wir setzten diese ohne jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um; daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten, Märchen oder sogar ganze Romane erwachsen. Und was auch immer uns erwartet, wir freuen uns darauf, Eure Vorschläge zum Leben zu erwecken und Euch damit zum Lachen zu bringen. 11. mai Bürgerzentrum Brackenheim mundstuhl Bukowski Impulsgeber: ASNP Mundstuhl, die beiden hessischen Vollblutkomiker, präsentieren sich mit dem neuen Programm »Ausnahmezustand« in absoluter Höchstform und sorgen für ein Saisonfinale par excellence für das Kulturforum Brackenheim. 11. mai Bei ihrem ersten Buko-Gig vor einem knappen Jahr haben Alex Sanchez und Nick Perry aus Stockholm uns fast den Laden zerlegt, aber natürlich hat »fast« uns nicht gereicht! Deshalb haben wir uns wieder nach einem Flieger für die beiden Bombenleger umgesehen. Die Schweden-Jungs sind drauf und dran, eine wirklich große Nummer zu werden, und Da Bomb Da Beat und System 32 gehören lokal längst zu den größten. Was bedeutet: Erwartet eine große Nacht! mobilat Buss it Soulforce – Buss di Dance Kaffeehaus Hagen marlene Marlene Dietrich gibt eines ihrer letzten Konzerte in Paris. Fizzle represents for SoulForce as a DJ and he has played with some people you might know. – To take it even further: you might already have stumbled across Fizzle himself, since he has become a highly respected DJ and producer/remixer over the past few years. He is the procucer behind SoulForce as an act and the stupid LIEDERSOFTHENEWSCHOOL. The real David Rodigan approved SoulForce to be «real, real talent«. – Fizzle says: «We just do music and I DJ«. This year SoulForce was voted best remixers of the year second time in a row by RIDDIM MAGAZINE for

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VER ANSTALTUNGEN: MAI the remix to Marsimotos «Wellness«. When FIZZLE passes through your party you can expect a very own, dancehall influenced bass music set, featuring tons of own remixes and productions that nobody else can play! 11. mai 11. mai Jazzclub Cave 61 TTT orgeltrio Tobias Langguth (g, voc), Thomas Wind (org), Thomas Zahn (dr) Harmonie Gerd Dudenhöffer als Heinz Becker Seit mehr als 20 Jahren verwandelt sich der Saarländer Gerd Dudenhöffer in sein alter ego "Heinz Becker". Mit seinem neuen Programm »Die Welt rückt näher« bleibt Dudenhöffer in der Tradition seiner letzten Produktionen: scharfe Satire und brillante Komik. Die Welt rückt näher – da gibt es kein Entkommen! Denn wer weiß es besser als der Schöpfer der Kunstfigur Heinz Becker – Gerd Dudenhöffer –, dass sich unser Planet mit seinen kleinen und großen Katastrophen unaufhaltsam auch auf unser aller Kleingarten zu bewegt. Wieder einmal zeichnet Dudenhöffer seinen harmlos bösen Heinz Becker derart plastisch ins aktuelle Weltdrehen, dass manchem angst und bange wird. 11. mai Das Orgeltrio, bestehend aus Orgel, Gitarre und Schlagzeug ist ein relativ junger Klassiker des Jazz. Orgelbands prägten The New Sound in den 60ern, ein Sound, der nicht für die Konzertsäle, sondern die rauchigen Clubs und Bars gemacht war, tanzbar, unterhaltsam, funky – the people’s music eben. Die musikalischen Hauptzutaten: Soul-Jazz, Blues, R&B und die Pophits des Tages (von den Beatles, den Stones, von Burt Bacharach oder Stevie Wonder). 12. mai Familiensonntag Kunstmuseum Stuttgart Kunstvermittlung für die ganze Familie: Kinder entdecken unter fachkundiger Betreuung ein interessantes Thema im Museum und werden künstlerisch tätig. Den Eltern bieten wir parallel dazu eine einstündige Führung. Danach bleibt den Erwachsenen noch Zeit für einen Espresso an der Bar. Kaffeehaus Hagen Liebe verhasste mama 13. mai Sheldon Levine hat sich von seiner Mutter losgesagt, weil er ihr die Schuld am Scheitern seiner Ehe gibt, und ist nach Kalifornien verschwunden. Doch vor der Mutterliebe gibt es kein Entrinnen: Hartnäckig verfolgt die Witwe ihren Sohn mit Briefen, bis ihre Korrespondenz zu einem Dialog der Abrechnung wird. Doch als Sheldon wochenlang nichts mehr von seiner Mutter hört, beginnt er sich Sorgen zu machen. Dass sie ihn endlich loslassen und ihren Guru heiraten will, ist wiederum ihm nicht geheuer. Sheldon droht heimzukommen, das Spiel beginnt neu mit getauschten Rollen... Mrs. Sheldon wandelt sich von der braven Hausfrau zur Köchin im tibetanischen Kloster, bis sie schließlich ihre eigene TV-Show hat und ihr Tanzlehrer bei ihr einzieht - nur Sheldon, kommt nicht voran, bis er nach einem Nervenzusammenbruch endlich seine wahre Berufung findet und Psychotherapeut wird. Zuletzt liegt Mrs. Levine bei ihrem Sohn auf der Couch... Theater Heilbronn Lesung und Gespräch mit Felicitas Hoppe Felicitas Hoppe, geb. 1960 in Hameln, lebt als Schriftstellerin in Berlin. Für ihren 2012 erschienenen Roman ›Hoppe‹ wurde Felicitas Hoppe mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Bremer Literaturpreis, dem Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim, dem Rattenfänger-Literaturpreis und zuletzt dem Georg-Büchner-Preis. 15. mai Württembergisches Kammerorchester Harmonie Die Welt der Bühne ist dramatisch, glamourös und faszinierend! Die Stimme von Lucia Aliberti spiegelt das ganze Spektrum der mit ihr verbundenen Gefühle wider. Mit Arien von Verdi, Catalani und Donizetti entführen das Württembergische Kammerorchester und die Grande Dame der Koloraturen das Publikum ins Italien des 19. Jahrhunderts. Zunächst jedoch eröffnet Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 1

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KLEINANZEIGEN Gute Werbung ist nachhaltig! Öko-Werbeartikel für verantwortungsvolle Kommunikation. www.greenpromotion.de Leebelle Leebelle

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VER ANSTALTUNGEN: MAI die musikalische Zeitreise in der gemäßigten Moderne. Sein neben »Peter und der Wolf« populärstes Werk, das er selbst als »Symphonie classique« bezeichnete, ist eine neoklassische Miniatur von bis heute ungebrochenem Reiz. George Bizets »L’Arlésienne«, für die er Melodien aus der südfranzösischen Folklore entlehnte, wurde sofort als wertvoll und originell erkannt. Sie wird heute »erste« L’Arlésienne-Suite genannt, da nach Bizets Tod eine weitere Fassung herausgegeben wurde. Und so ist der Bogen gespannt zum imaginären roten Vorhang, der sich nach der Pause hebt und die Opernbühne durch die Orchesterklänge und den Gesang allein frei gibt. 16. mai Klangwelten abtaucht. 17. mai mobilat Super80 Die etwas andere Reise durch die 1980er mit Hillbilly Phil, Plattentäter, Peter Rock und surprise guest Dub, Electro, HipHop, Breaks 17. mai Bukowski HNX Allstars @ Bukowski Esszimmer Wildkräutermenü Insbesondere was die Wildkräuter angeht sind wir auf die Natur angewiesen und müssen möglicherweise Kräuter gegen andere austauschen… und das nehmen, was die Natur uns eben bietet. Das MENÜ: Vorspeise: Kartoffelcarpaccio mit Löwenzahn und Zaunerbse dazu gebeizte Lachsforelle Suppe: Sahniges Süppchen mit Wiesenschaumkraut Hauptgang: Maispoularden- Involtini, Giersch und Spargel Dessert: Gundelrebe, Schokolade und Erdbeeren 17. mai Mit neun Jahren feiert man entweder seine Erstkommunion, oder aber, etwas geschafft zu haben, was zuvor kaum einer für möglich gehalten hätte in unserem beschaulichen Städtchen: Neun Jahre elektronische Tanzmusik @ Bukowski! Das feiern wir natürlich dicke, und haben angesichts zweier Duos gleich am ersten Tag der insgesamt 3-tägigen Sause nicht neun, sondern sogar ganze zehn Mann im Line-Up im Line-Up. Dass wir so massiv auffahren, hat natürlich einen besonderen Grund: EUCH! Wir danken Euch für neun Jahre Support! 18. mai Jazzclub Cave 61 Sonic Drei Harmonie Kammermusikreihe der Kreissparkasse Heilbronn: »Bass-Kontrolle« Der Kontrabass ist das einzige in der europäischen Orchesterliteratur seit der Klassik verwendete Streichinstrument, welches nicht der Violin-Familie entstammt. Er diente im Orchesterklang als Bassfundament und war lange als minderwertige Klangquelle verrufen. Mit Erfindung moderner Stahlsaiten und den zunehmenden technischen Ansprüchen der Orchesterliteratur wurde auch der Kontrabass zum ernstzunehmenden Soloinstrument. Ergänzt wird das Programm durch Beethovens frühes C-Dur-Trio, original für 2 Oboen und Englischhorn, welches durch die Transkription auf 2 Celli und Kontrabass in ähnlich submarine Bei Sonic Drei sind miteinander im freien Spiel die Klangwelten dreier Instrumentalisten zu einer einzigen und vielfältigen Welt vereint, sie wollen in ihrer Musik, gemeinsam eine Geschichte erzählen, eine Geschichte, in der die Zeit in melodisch-groovigen Basslines aufgeht, der Raum durch die befreiende Fülle des Schlagzeugs erhält und die Handlung in der grenzenlosen Spielfreude des Saxophonisten zu einer Einheit werden lässt. Mit Florian Riedl (Altsaxophon, Klarinette), Peter Cudek (Kontrabass) und Martin Kolb (Schlagzeug). 18. mai mobilat Who the fuck is Giles Smith? An Pfingsten wird uns ein weiteres Mal ein Londoner besuchen: Giles Smith sieht sich in erster Linie als Musikliebhaber und -sammler. Gründer der legendäre Partyreihe "secretsundaze", die mittlerweile zu einer erfolgreichen Marke inklusive angegliedertem Plattenlabel und Booking Agentur gewachsen ist. Das passende Warm-Up gibt's von Can-

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VER ANSTALTUNGEN: MAI dy Pollard. Auf Floor zwei erwartet euch der erste Live Act in der Geschichte unserer Veranstaltungsreihe. Ein buntes Zusammenspiel aus sanften, flächigen Klängen bis hin zu wummernden und aufgeräumten Bässen präsentiert euch das Live Duo VELI aus München. Gepaart wird das Ganze mit einer Visual Show von Michael Wolf. Für die musikalische Einstimmung sorgt unser Küken Hemske. Nach dem Live Auftritt von Veli spielt unser Bierkrug und Open Air Resident Juelz. Cheerio. 19. mai gelauscht hat, unterschreibt das sofort. Ehrliche Musik für ehrliche Fans elektronischer Feinkost – Corbin ist das Synonym für Mixkunst, das merkt man beim Gig genauso wie bei jedem einzelnen zuhause aufgenommenen Set. Im Club knallt der Mann besser als jeder Jägermeister, und das faszinierendste an seinem manchmal durchaus eigenen Sound ist: Er kriegt die Leute damit – IMMER! Mit im Gepäck hat Vladimir seine Tonsport-Kollegen Patrick Vano und Kaotee, und was Ihr draus macht, habt Ihr selbst in der Hand...! 24. – 27. mai mobilat Betonbruch Festival Genossenschaftskellerei Heilbronn Sommerfest Bereits zum 19. Mal veranstaltet der BETONBRUCH e.V. sein szeneübergreifendes Festival mit vielen Bands, Liedermachern, einer offenen Lesung und Ausstellung. 24. mai mobilat SLEEPWALKER DnB presents RIDERS oN THE SToRm:LoST IN SPACE Liebe Reisende. SLEEPWALKER Spacetravel lädt Sie an diesem Freitag recht Herzlich ein sich am Gate MOBILAT einzufinden für eine Reise zum Planeten Deep Drum and Bass. Als Flugbegleiter stehen Ihnen Heute zur Seite: REMINDER ( LOWEND / SUBTONE / HAMBURG ), RIVAL ( WOODBASS / HEIDELBERG ), RESQ ( MA:SSIVE / MANNHEIM ), LOH ( LIQUID NEEDS / HEILBRONN ) sowie ASHLEY AAMES ( SLEEPWALKER DnB / DATA 77112 / HEILBRONN ). Am Mikrofon ist MC KRYPTOMEDIC ( IM:LTD / TRUST IN MUSIC / SPINNING TIME / MANNHEIM ) zu Gange. Des weiteren freuen wir uns für die visuellen Reize. CARLSSON ( KRUX ) und MICHAEL WOLF ( MOBILAT ) mit Ihrer Video Kunst mit ins Boot geholt zu haben. Die Reisekosten betragen 5 € bis 0.00 und 7€ ab 0.00. Bitte finden Sie sich rechtzeitig zum Abflug um 23.00 ein. Mit freundlichen Grüßen, Ihre SLEEPWALKER Trommel & Bass Selbsthilfegruppe. 24. mai Neben einem großen Sortiment an Weinen und Sekten aus dem aktuellen Sortiment gibt es beim Sommerfest der Genossenschaftskellerei Köstlichkeiten aus dem Kurhaus-Restaurant Bad Rappenau. Umrahmt wird die Veranstaltung, die immer am letzten Wochenende im Mai von Freitag bis Montag stattfindet, von Live-Bands. Traditionell wird immer auch ein Weinquiz durchgeführt, es gibt Kellereibesichtigungen am Sonntag und Montag, sowie einen traditionellen Heimbringdienst ab 21.00 Uhr, bis längstens 01.00 Uhr. Der Weinmarkt ist auch am Sonntag für die Gäste geöffnet – freuen Sie sich auf tolle Angebote. 25. mai Jazzclub Cave 61 Cholet – Kränzig – Papaux Das Trio wurde 2002 vom Pianisten Jean-Christophe Cholet im Theater von Auxerre gegründet. Cholet komponiert unkonventionell, außerhalb von Normen, er lässt sich nicht in Schubladen einordnen. Er kombiniert Gehör und komplizierte Harmonik, fühlt sich nuanciert und mit reichen Klangfarben in Melodien ein. Heiri Känzig und Marcel Papaux bilden eine der besten Rhythmusgruppen in Europa. Die Variationsbreite ihres Spiels ist eindrucksvoll – von minimalistischer Begleitung bis zum fieberhaften Groove – und bietet vielfältige Dynamiken und Stile. 25. mai Bukowski Tonsport – We are back mobilat Nach einer kurzen Pause ist der Tonsport zurück in unserer kleinen, feinen Hütte! Ehrlich währt am längsten, heißt es so schön, und wer einmal einem Set von Vladimir Corbin Wortsport Lounge w/ DJ Craft DJ Craft ist einer der erfolgreichste HipHop-Club-DJs in Deutschland. Außerdem ist er der Plattendreher der Berliner Kult-Band K.I.Z., mit denen er fast ununterbrochen auf Tour ist. Ihn HipHop-DJ

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VER ANSTALTUNGEN: MAI zu nennen wird ihm aber eigentlich gar nicht gerecht, da er sich bei seinen Sets diverser Musikrichtungen bedient: Electro, House, Dubstep, Trap, Punk und Rock – egal. 29. mai und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird. Wer sich nach Herzenslust amüsieren möchte, der ist in dieser Produktion genau richtig. 31. mai Hip Island DUBWARS Summer Special mobilat »Alles wird gut!!!« HAGBARD CELINE (sprich: HÄGBARD SÄLEIN) Verehrte Freunde gepflegter Bassmusik, die Sonne steht vor der Tür und somit wird es auch wieder höchste Zeit für den alljährlichen Höhepunkt der DUBWARS-Veranstaltungshistorie - das SUMMER SPECIAL! Und dieses Jahr präsentieren wir Euch unser Summer Special in Heilbronns einzigartigster und wohl auch angesagtester Location, dem HIP ISLAND. Im Hip Island beginnen wir wie gewohnt schon am Nachmittag. Bei kühlen Drinks, in entspannt sommerlicher Atmosphäre, bespielen Heilbronner Größen der elektronischen Tanzmusik diesen ganz besonderen Abend. Und wer danach noch nicht nach Hause möchte darf gerne mit uns ins Bukowski ziehen, da werden die DUBWARS-Acts auf der Terrasse nochmals zum Tanz bitten! 29. mai Mobilat The funky Disco !! Wie das schon seit 12 Jahren so ist, macht es wenig Sinn, alles in eine Schublade zu stecken, wenn man an Dance Music denkt... Soul, Funk, Rare Grooves, original Disco NYC-Style, Chicago/Acid/Garage House...Ich kann nur so viel sagen: im A1, im Dope Jams, im Futurejam Record Store und auch sonst in keinem guten Plattenladen dieser Welt, habe ich jemals Electrominimaltechklingklongnewrave-mp3 gekauft! Wer also Lust hat auf Schallplatten und funky, soulful Tanzmusik mit Wumms für den Beckenbereich, der.... ... darf sich mit mir freuen. Marco " spielen schnellen Punkrock mit einprägsamen Melodien, der stark durch die (deutschsprachigen) Texte und die extreme Stimme von Sänger Chris dominiert wird. Sie vertonen Geschichten aus dem Leben, mit einem deftigen Schuss (selbst-)Ironie gewürzt und gehören zu einer Generation von Punkmusikern, die ihre ersten Gehversuche Anfang der 90er machten. Die 3 Jungs aus Trier stehen für die traditionellen Werte des Punkrocks und finden den Einzug diverser rechtsoffener Combos und Aktivisten in unsere Kreise zum kotzen!!! Dazu die Dead Racoons aus Heilbronn (Akustik-Grunge-Punk). Mit Feuer unterm Arsch und Spätzle-Presse im Gepäck spielen die Dead Racoons nun seit über 2 Jahren in Bars, in Klubs, auf Festivals und auf Privat-Partys der Region. Wo man sie braucht sind sie zur Stelle! 31. mai Bukowski Pascal Feos @ Heilbronner Save the best for last: der letzte Öffnungstag im Mai, und wir fahren nochmal GAAAAANZ dick auf – Pascal FEOS in the house! Wer nicht nur einen Wikipedia-, sondern sogar einen eigenen Eintrag in der google-Suche hat, bedarf hier wohl keiner weiteren Erklärung und Namedropping – der Mann ist ein Weltstar und zeigt Euch heute, wieso! Support gibt’s von Gabriel Dahmen und Pravi Lopov, und wer sicher dabei sein möchte, sollte sehr früh erscheinen... no more Words to say! Kaffeehaus Hagen Zwei wie Bonnie und Clyde Manni und Chantal alias Bonnie & Clyde träumen vom großen Geld, unbeschwertem Leben in Las Vegas, Rente in Südamerika. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel! Sollte man meinen... "Zwei wie Bonnie & Clyde" ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, bei dem ein Gag den nächsten jagt

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D I E Nä C H ST E AU SGA B E H A N Ix ER SC H E I N T A M 31. M AI 2 0 1 3