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Content:
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Nº2 0 AUG 2013 IM GE SPR Ä C H: STEFAN KUNTZ ÜBER DAS DFB-POKALSPIEL DES 1. FC KAISERSLAUTERN GEGEN NECKARSULM KU NST R E GIO N : STREET ART AUS BERLIN UND SHAOLIN MÖNCHE E C N K A R NECKAR: MIT TEXTEN VON MARK TWAIN UND HANS CHRISTIAN ANDERSEN

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Nº4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 OKT 201 1 DEZ 2011 / JAN 2 01 2 Nº5 FEB 2 01 2 Nº1 SEP 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR t e i lt , e i l t , Nº3 NOV 20 11 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. weilt, BILD UNG E N ERGI E BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E IT ARM UT REBELLION Nº1 Nº6 MRZ 2012 Nº2 Nº 7 APR 2012 Nº3 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº4 Nº9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº5 N º10 AUG 2012 Nº8 MAI 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD er ä d lä n s HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER Nº6 Nº11 SEP 2012 Nº7 Nº12 OKT 2012 Nº8 N º13 NOV 2012 Nº9 Nº1 4 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº10 N º 15 FEB 2013 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S „ F O R E V E R YO U N G “ A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT WI RTSC H A F T PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB E SS E N & TRI N K E N WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SC HA FFE, SC HA FFE HÄ USLE BAUE! J UG E N D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 N º 16 MÄRZ 2013 Nº12 Nº 17 APRIL 2013 Nº13 Nº18 MAI 2013 Nº14 Nº19 JUNI / JULI 2013 Nº15 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZWEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN H ANDARB EI T AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK WO H L F Ü HL EN HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK 9. MAI HANIX PRÄSENTIIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. AUTO Nº19 Nº16 Nº17 Nº18

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E D I TO R I A L »In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf ...« (Friedrich Hölderlin, Aus »Der Neckar«) Liebe Leserinnen, liebe Leser, diese Ausgabe widmet sich vor allem dem Neckar. Der Fluss der Schwaben und Badener ist die Herzader unseres Bundeslandes. Obwohl nur der zwölftlängste Fluss Deutschlands, wurde der Neckar von vielen Dichtern und Denkern literarisch aufgegriffen. Thomas Vogel, Mitherausgeber des Buches »Neckargeschichten«, erzählte uns im Interview, dass dies vor allem mit der »Dichte der Dichter« zusammenhänge. Kaum einer europäischen Region entsprangen so viele Literaten, wie hier im Südwesten Deutschlands. In dieser Ausgabe sind exemplarisch hierfür Gedichte und Texte über den Neckar von Friedrich Hölderlin, Hans Christian Andersen und Mark Twain zu lesen. Mark Twain, der Erfinder von Huckleberry Finn, reiste 1879 unter anderem mit dem Floß von Heilbronn nach Heidelberg. Nicht unwahrscheinlich, dass der US-amerikanische Schriftsteller, der zuvor an einer Schreibblockade litt, auf dieser Floßfahrt zu seinem Meisterwerk »The Adventures of Huckleberry Finn« inspiriert wurde. Diese und viele weitere Neckargeschichten von damals und heute sind in dieser Ausgabe nachzulesen. Endlich findet in der Region mal wieder großer Fußball statt. Die Neckarsulmer SportUnion trifft in der ersten Runde des DFB-Pokals auf die Profifußballer des 1. FC Kaiserslautern. Vor dem Duell sprachen wir mit dem Vorstandsvorsitzenden der »Roten Teufel«, Stefan Kuntz, über Pokalüberraschungen und ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga nach der gescheiteten Relegation gegen 1899 Hoffenheim. Für das Interview des Monats trafen wir in Karlsruhe Daniel Koschitzki. Der gebürtige Heilbronner ist einer der besten Flötisten der Welt und mit seiner klassischen Band »Spark« weltweit unterwegs. Mit dem ECHO-Gewinner sprachen wir über das Dilemma der klassischen Musik, den Geigen-Star David Garrett und Autogrammwünschen faszinierter Asiatinnen, die dem Heilbronner schon mal ihre Dior-Handtaschen zum Signieren unter die Nase halten. Sommerzeit ist immer auch Festivalzeit. Wir haben den Open-Air-Musikspaß fotografisch festgehalten. Ulla Kuehnle war in Karlsruhe bei »Das Fest« und hat bei bestem Wetter wunderbare Bilder festgehalten. Fotograf David Prior zeigt mit seinen Fotografien, wie schön es auf dem »Römersee Open Air« in Bad Rappenau ist, das dieses Jahr am 16. und 17. August bereits zum 32. Mal stattfindet. Wir empfehlen wärmstens, hinzugehen. Und was gibt es sonst noch in dieser 20. HANIX-Ausgabe? Shaolin-Mönche, Street Art aus Berlin in Heilbronn, Rennfahrer, Metin de Terk, das Theaterschiff, Plattentipps, Vaterkolumnen und Reiseberichte und vieles mehr ... Viel Vergnügen mit dieser Ausgabe wünscht das HANIX-Team! Heilbronn-Fan Mark Twain: Eine Neckar-Floßfahrt hat ihn möglicherweise zu seinem Meisterwerk inspiriert. Pokalheld Stefan Kuntz: Seine »Roten Teufel« treten am 3. August im Heilbronner Frankenstadion gegen die Verbandsligaaufsteiger der Neckarsulmer Sport-Union im DFB-Pokal an.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS N º2 0 AUG 2013 H: IM G ES PR Ä C Ü BE R DA S ST EFA N KU N TZ EL D ES D FB -P O KA LS PI AU TE RN 1. FC KA IS ER SL RS U LM G EG EN N EC KA N: KU N ST RE G IO S BE RL IN ST RE ET A RT AU M Ö N C HE U N D SH AO LI N E C K R N A N EC K A R: UND N M A RK TWA IN M IT TE XT EN VO SE N A N A N D ER HA N S C HR IS TI

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: SHOP -> MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº20 16 RAIM AR S. MEINE PLATTENKISTE 46 YAN N I C K FÜBRICH Sportbeutel I 52 S T E FA N K UNTZ Sportbeutel II Unser HANIX Art Direktor lebt in Heilbronn ist aber musikalisch in vielen Ländern zu Hause. Der Heilbronner Rennfahrer Yannick Fübrich im rasanten Portrait. Der Chef der »Roten Teufel« aus Kaiserslautern im Interview vor dem Spiel gegen Neckarsulm. G R ENZG Ä NGE R KUNSTREGION I 62 S H AOL I N M ÖN C H E KUNSTREGION II 76 I M G E S P RÄCH: DANIEL KOS C H I T ZKI Die Aktionen der beiden prämierten jungen Berliner Künstler Matthias Wermke und Mischa Leinkauf sind im Heilbronner Kunstverein zu bestaunen. In Heilbronn haben die beiden Künstler dreizehn der Öffentlichkeit nicht zugängliche Stellen mit Fahnen aus Arbeitswesten markiert. Die Reiss-Engelhorn-Museen MannINTERVIEW DES MONATS heim entführen mit der Fotoausstellung »Die Shaolin Mönche« bis zum Der gebürtige Heilbronner ist einer 8. September 2013 in die faszinieder besten Flötisten der Welt und mit seiner klassischen Band »Spark« rende Welt des legendären ShaolinKlosters im chinesischen Henan. Die weltweit unterwegs. Mit dem ECHOGewinner sprachen wir über das Mönche sind berühmt für ihre atemDilemma der klassischen Musik. beraubende Kung-Fu-Kampfkunst.

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86 NECKAR TITELTHEMA S TA D T R A D E L N & RÖ M E R S E E STADTLEBEN / LANDLEBEN 12 & 14 »Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinab gefahren ist.« Mark Twain S I E G F R I E D , LU DW I G & H O R S T METIN DE TERK KIRMESBUDE HEIMATLIEBE VAT E R S H O R RO R VATERKOLUMNE SÖHNE MANNHEIMS HANIX ON THE RUN WA L D H O R N - S C H E N K E MITTAGSTISCHTEST RÖ M E R S E E O PE N A I R 40 PL AT T EN VO R GER I C HT MUSIKUSS SPIEGELREFLEX I SPIEGELREFLEX II DAS FEST Uwe Gramlich hat für uns wieder Platten, die kaum einer kennt, kritisiert. G EW I N N M A L W I E D E R ! QUIZ 17 4 6400 K M D U RC H E U RO PA BRIEF AN DIE HEIMAT AUS EUROPA BERLIN, 2008 VIA ARCHIV LESERBRIEFE & IMPRESSUM ÜBER UNS HANIX-Herausgeber Robert Mucha war mit seiner Familie und dem Wohnmobil »Bollek« unterwegs nach Portugal. Eine ereignisreiche Reise mit zwei Einbrüchen. NECKAR ALS LANDEBAHN HISTORISCHER SCHUSS V E R A N S TA LT U N G E N AU G U S T VERANSTALTUNGSKALENDER

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DAS HANIX TEAM W ER UND W I ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 35 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION & SOCIAL MEDIA 39 JAHRE Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

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STEVEN ZULEGER VIDEO 30 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 28 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE 26 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION 36 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 24 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 39 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 35 JAHRE LISA HOFMANN GRAFIK 21 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 21 JAHRE JOSHUA ENDRESZ KOLUMNIST 9 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 38 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Ich schreibe für's HANIX weil ich jedem meine Meinung sagen will. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION 37 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 30 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 42 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. KRIS RAMPMAIER VIDEO 23 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 46 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 57 JAHRE Videos zu machen ist keine Zauberei, sondern meine Leidenschaft. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: AUGUST 2013 R A D E L N F Ü R S W E LT K L I M A Auch 2013 heißt es wieder in die Pedale treten: Zum 6. Mal findet die Kampagne »Stadtradeln« des KlimaBündnisses statt. Heilbronn ist eine von 197 teilnehmenden Kommunen und dieses Jahr schon zum zweiten Mal dabei. Vom 5. Juli bis zum 25. Juli hatten die Heilbronner Teams Zeit, Kilometer zu sammeln, zur nachhaltigen Mobilität und dementsprechend zum Klimaschutz beizutragen. Insgesamt sind sie ca. 85 000 Kilometer geradelt, was fast das Doppelte zum vergangenen Jahr ist. Auch Michael Groß und Erik Fillies, die für Organisation, Koordination, Motivation, Moderation und Marketing verantwortlich sind, sind mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Wer in der Kommune Heilbronn antreten möchte, muss hier arbeiten, wohnen oder zur Schule gehen. Vor dem Beginn der deutschlandweiten Kampagne am 1. Mai konnten sich alle interessierten Bürger einem Team anschließen oder ein eigenes Team gründen. Diese Teams traten gegeneinander an und trugen dabei die zurückgelegten Fahrradkilometer in einen Online-Radelkalender ein. Die Ergebnisse wurden täglich aktualisiert und so konnten sich die verschiedenen Teams gegenseitig anspornen. Hierbei müssen das Klima-Bündnis sowie die Stadtverwaltung den Teilnehmern vertrauen, dass die Ergebnisse nicht verfälscht werden. Zur Sicherheit können die neuen Werte mit Erfahrungswerten aus dem letzten Jahr verglichen werden. Am Ende der Kampagne, den 30. September, zeichnet das Klima–Bündnis in drei verschiedenen Kategorien aus. Hierbei wird erstens die Kommune ermittelt, die die meisten Kilometer in Abhängigkeit zu den Beteiligten zurückgelegt hat. Der nächste Gewinner wird danach bestimmt, welche Kommune den absoluten Höchstwert an zurückgelegten Kilometern erreichen konnte. Die dritte Kategorie bestimmt die Siegerkommune, die pro Einwohner am meisten Kilometer zurücklegen konnte. Außerdem gibt es auch noch einen Sonderpreis zu gewinnen: Dieser geht nämlich an den Stadtradler – Star des Jahres 2013. Wer als Stadtradler – Star antreten möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen muss er einer Kommune angehören, die auch an der Kampagne teilnimmt. Außerdem muss er ein Auto besitzen, was er normalerweise regelmäßig nutzt. Während dieser 21 Tage darf er es allerdings, im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmern, kein einziges Mal benutzen. Kurz vorher und während dieser Zeit werden immer wieder Berichte über die Erfahrungen und Erwartungen veröffentlicht. Leider konnte Heilbronn dieses Jahr noch keinen Stadtradler - Star finden. Die Gewinner aller Kategorien können erst nach dem 30. September bestimmt werden, da die einzelnen Kommunen frei wählen dürfen, an welchen zusammenhängenden 21 Tagen die Aktion bei ihnen stattfinden soll. Das Ziel dieser Kampagne ist es, den Klimaschutz sowie das Rad als nachhaltiges Verkehrsmittel zu fördern. Allein Heilbronn konnte ihre CO2 - Emissionen in den drei Wochen um knapp 12.000 kg vermindern. Aber auch für die Zukunft soll die Kampagne das umweltbewusste Verhalten verstärken, da allen Beteiligten zur Nutzung des Fahrrads im Alltag motiviert werden. Einige gewöhnen sich in diesen drei Wochen so an das Radfahren, dass sie nach der Kampagne einfach weitermachen.

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L ANDLEBEN: AUGUST 2013 RÖMERSEE OPEN AIR Wer Lust auf ein kostenloses Open Air Festival mit Unterhaltung für jeden und einer großartigen Atmosphäre hat, sollte sich das Römersee Open Air Festival am 16. und 17. August nicht entgehen lassen. Es findet nun schon zum 32. Mal in Bad Rappenau statt. Geboten wird ein vielfältiges Programm: Auf zwei Bühnen werden sich über 20 regionale, überregionale und sogar internationale Gruppen präsentieren. Das Festivalgelände bietet aber noch viel mehr, zum Beispiel den ChilloutBereich mit Kaffeebar, Tee- und Shishagenuss. Außerdem stellen regionale Künstler ihre Kleinkunst aus und wer will kann sich eine der stattfindenden Lesungen anhören. Aber nicht nur die Kunstformen unterscheiden sich voneinander, auch innerhalb einer Richtung gibt es Unterschiede. So wird man auf dem Römersee Open Air Festival fast alles von Rock bis hin zu handgemachten Elektrosounds und DJs finden. Eines der Ziele des Festivals ist es nämlich, jeden anzusprechen. Aus diesem Grund ist der Eintritt auch kostenlos, da so viel mehr Menschen die Chance auf das vielfältige Programm und die einzigartige Atmosphäre geboten werden kann. Wer von weiter weg anreist, um das Festival zu genießen oder keine Sekunde verpassen möchte, kann sogar kostenlos auf dem angrenzenden Campingplatz zelten und spart sich so die Anfahrtszeiten. Finanziert wird das Römersee Open Air Festival hauptsächlich durch den Verkauf von Getränken und Essen, trotzdem kann man auf Sponsoren nicht komplett verzichten. Etwa 15 junge ehrenamtliche Menschen und deren Helfer haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Festival für über 5.000 Besucher zu planen und zu organisieren. Die Stadt Bad Rappenau befürwortet das Römersee Festival ebenfalls und steht der Aktion mit nichts im Wege. Somit kann den Künstlern eine Möglichkeit geboten werden sich zu präsentieren. Wer einmal da war, kommt gerne wieder, um die zwei unvergesslichen Tage mit ausgelassener Stimmung, guter Unterhaltung und netten Menschen noch einmal genießen zu können.

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MEINE PL ATTENKISTE: RAIMAR SCHURMANN PROTOKOLL: ROBERT MUCHA FOTO: ROMINA CONSAGRA I TA L O - R O C K , M A D C H E S T E R SOUND, HIP HOP UND GANZ VIEL FRANKREICH Raimar Sc h ur ma n n a r b eit et in Hei lbro nn als fre ibe r uflich e r Grafik d e s igner und i st u n t er a n d erem auch H A N IX A r t Dire k to r. Hie r ve r r ät e r u n s a l s C hro n o l o g ie s e ine To p Five Lie blings -A lbe n. Eine Top 50 a u s z u w ä hl en wä re i h m we s e ntlich le ich te r g e falle n.

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MEINE PL ATTENKISTE: RAIMAR SCHURMANN VASCO ROSSI VADO AL MASSIMO Die besten Freunde in meiner Jugend waren allesamt Italiener. Durch sie lernte ich Vasco Rossi kennen und lieben. Keine andere Musik versetzt mich mehr in Urlaubsstimmung - was vielleicht anders wäre, wenn ich die zum Teil sehr kritischen Songtexte besser verstehen würde. Das Lied »Splendida Giornata« läuft auf jeder Autofahrt gen Süden. * THE STONE ROSES THE COMPLETE STONE ROSES Ebenfalls eine Platte, die ich in meiner Jugend auf Dauerschleife hörte. Ian Brown, der Frontmann, war für mich der Inbegriff von Coolness - der Song »Fools Gold« hatte Hymnenstatus. Die Stone Roses erhielten in meiner Kategorie »British« den Vortritt vor den Charlatans und den Happy Mondays, welche aber im Zusammenhang mit der damals sogenannten »Madchester-Bewegung« unbedingt auch erwähnt werden müssen. * MADVILLAIN MADVILLAINY Hier taten sich mein Lieblings-Beat-Macher Madlib mit meinem Lieblings-MC »MF Doom« zusammen. Heraus kam ein aufregendes, aus Soundschnipseln bestehendes Hip-Hop Album mit Jazz-Einflüssen, das ich immer wieder gern anhöre. In der Kategorie Hip Hop gab ich »Madvillainy« knapp den Vortritt vor Digable Planets »Reachin' (A New Refutation Of Time And Space«. …aaaah!!!… und dann wäre da auch noch Lootpack »Soundpieces: Da Antidote«! * PHOENIX WOLGANG AMADEUS PHOENIX Für mich das beste Power-Pop Album. Vielleicht die Platte, die ich am häufigsten gehört habe, ohne dass sie jemals langweilig wurde. Extrem abwechslungsreich, kein einziger schlechter Song darauf. Man kann das Album zu jeder Stimmung, an dem Ort hören. Ich liebe generell die französische Popmusik. Sebastian Tellier mit »Sexuality« landet in meinen französischen Charts knapp geschlagen auf Platz drei, denn ... * DAFT PUNK RANDOM ACCESS MEMORY … es geht weiter mit den Franzosen. Noch gar nicht allzu lange auf dem Markt und dennoch findet das Album bereits einen Platz in meinen Top Five. Jede Kollaboration ein Volltreffer. Die vielen Musikstile allesamt komplex und perfekt von Daft Punk arrangiert. Ich habe in letzter Zeit viele Vergleiche mit Michael Jackson's Thriller gelesen – momentan empfinde ich es ebenfalls als einen würdigen Nachfolger und es gehört auf jeden Fall in meinen Soundtrack des diesjährigen Sommers.

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M E T I N , D E T E R K Met i n is t Ho f f en hei me r und film t s ich ge rne s e lbs t. Übe rall! Un d d a b ei b a b b el t er, wie ih m s e in bad is ch -anato lis ch e r Sch n a bel ge wach s e n is t. Diesmal: SI EG FR I E D , LU DWI G & H OR S T SIEGFRIED IST DER BESTE FREUND VON HORST. HORST MAG AUCH DEN LUDWIG. METIN MAG ALLE. FROGE ÜWER FROGE ... ANGUGGE UND KENNALENNA! WWW.FACEBOOK.COM/TERKESEIT

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FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN robert MUcha

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Neckarhalde (links) & Gesundbrunnen (rechts): Bei Sahara-Temperaturen waren die städischen Freibäder die Nummer-Eins-Adresse der Heilbronner. Luftballonaufbläser(vorherige Seite): Vormittags wurden auf dem Unterländer Volksfest in den Kirmesbuden die Vorbereitungen getroffen, um ab nachmittags die Besucher zu bespaßen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Industrieschick: Bei den Heilbronner Betonwerken kreuzen Förderbänder für den zu verarbeitenden Kies die Schienenvorrichtung für den tonnenschweren Kran.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Stadtidylle: Mitten im Böckinger Kreuzgrund liegen Weizenfelder, wie man sie sonst nur in ländlichen Gegenden vermutet - mit Blick auf die Stadt.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Dachbodenfund: Auf Dachböden finden sich oft Relikte aus vergangenen Zeiten wieder, wie dieser »Holländer« aus den 50er-Jahren.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Wachturm: Damit keine Züge kollidieren, wird der Heilbronner Hauptbahnhof von oben überwacht.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Fantasia-Land: Noch sind die Vorhänge zugezogen. Vormittags herrschte auf dem Volksfest eine fast gespenstische Ruhe.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Das Rad Cäsars: Riesenrad darf auf keiner Kirmes fehlen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION My Garden is my Castle: Dieser Schmucke Kleingarten erinnert an eine Parklandschaft. Die Sonnensegel dienen dem Koischutz.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Ziegeleipark

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION Schwanenfütterung: Wenn Heilbronner ihr altes Brot loswerden wollen hilft die Biotonne oder eine Schar Neckarschwäne, die dankende Abnehmer der harten Krusten sind.

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VAT ERS H OR ROR Durch w ac h te Nä c h t e, K reis c ho r g ie n, blank lie ge nd e Ne r ve n, s pritze nd e Körp erf l üssigke i te n … k ein T h em a f ü r u n s e re n k o lum nie re nd e n Papa Nico lai Köp p el. Was Hor ror u n d Va t er s c h a f t wirk l i ch m ite inand e r zu tun h abe n, e r zäh lt er hi er. Als ich in der Shoppingmall neulich in rasender Geschwindigkeit den Infopoint finden musste (als aufgeklärter Konsumist braucht man so was nicht, außer man wird plötzlich blind und muss so gleichzeitig wie schlagartig wie ganz arg aufs Klo – obwohl, dann sieht man ja nicht, wenn die anderen gucken … egal), um meinen verloren gegangenen Sohn an ebendiesem Infopoint einzusammeln, fiel es mir auf: Ich bin schon mal durch eine Shoppingmall gerannt. Das scheint nicht außergewöhnlich, aber: Ich erinnerte mich, durch eine Shoppingmall gerannt zu sein, bevor es so was hier in Deutschland überhaupt gab. Auch nicht außergewöhnlich? Bitteschön: Ich war noch nie in Amerika! Klingelt’s jetzt? Ich löse auf: Das war gar nicht ich, aber ich dachte, ich wär’s, weil der Film so klasse war. Na? Genau: Dawn of the Dead von George A. Romero – die Splatterparabel über die Post-Vietnam-Gesellschaft auf Grundlage der USA, Zombies im Warenhaus, bzw. Menschen im Warenhaus, belagert von überreichlich Untoten, die da rein wollen. Den Film hatte ich mir Mitte der 80er gemeinsam mit Freunden aus der Videothek erschlichen: Keiner von uns war schon volljährig, aber einer von uns musste montags vor 14 Uhr immer das Wochenend-Paket seines Vaters zurückgeben, das aus drei Pornos und einem Stallone bestand (ausgesprochen »Schdallohne«). Das Videothekarspärchen hatte es schwer, sagten sie, weil immer mehr Raubkopien in Umlauf kamen, seit sich Leute zwei Videorekorder leisten konnten – also taten sie wohl einfach mal so, als wäre es halt logisch, dass auch der Zombiefilm für den Papa ist und nicht für den nicht mehr ganz so niedlichen kleinen Jungen mit den nicht mehr ganz so unschuldig leuchtenden Augen. Ehe sie sich einen Leihvorgang entgehen ließen?

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DIE VATERKOLUMNE: TEIL 3 Heute, als richtiger Selber-Papa, dachte ich, könnte man doch diesen Klassiker mal wieder gucken. Ich bestellte mir, als der Rest der Familie zusammengeschnuckelt nebenan im Bett lag, im Displaylicht meines Telefons (es muss dämonisch ausgesehen haben) die Blu-Ray von »Dawn of the Dead« bei einem kleinen, unabhängigen Internetversandhändler. Als gelerntem Buchhändler, Liebhaber von funktionierenden Innenstädten und tendenziellem Großkonzernverübler kommt mir kein Amazonartikel mehr ins Haus. Die arbeiten mit Algorithmen. Das ist Mathe. Ich mag Mathe nicht. Gleichzeitig muss doch der Lädler um die Ecke nicht wissen, dass ich Vintage-Zombiegematsche in maximaler Auflösung gucken will. In ähnlich weltoffener, verschwörerischer Stimmung legte ich ein paar Tage danach in meinem Büro nachts den Film ein, für auf dem großen Bildschirm. Mit Kopfhörer. Genau sechs Minuten lang. Dann musste ich ausmachen. Mir war offensichtlich doch nicht danach. Seltsam. Der nächste Versuch wenige Tage später, ein weiteres Adoleszenz-Juwel. »Evil Dead«, Steelbox. Neun Minuten durchgehalten, dann aus. Das »Dawn of the Dead«-Remake in der Woche darauf. Vier Minuten. Es dauerte länger, die Artikel im Netz zu bestellen und nach Eintreffen auszupacken. Ende, aus, Ruhe im Karton. Es ging nicht mehr. Die »Texas Chainsaw Massacre«-Bestellung ließ sich noch stornieren. Es gab Gewissheit. Horrorfilme gingen nicht mehr. Der Anblick von zerfetzenden Körpern, durchgebissenen Gliedmaßen, leblosen Augen verursachte mir effektiv Ekel und übles Unbehagen. Eine schreckliche Ahnung befiel mich. Ich schaltete SWR4 an. Das ging. Verdammt. Aber hielt ich Tom Savini, den Makeup-Meister der frühen und Glanzdarsteller späterer Filme mit Fetz, immer noch für eine coole Sau? Nicht mehr so richtig. Nur aus historischer Sicht, nicht mehr aktuell. Ich war eben jetzt Papa, Hausmann sogar. Da mag man so was nicht mehr sehen. Täglich putzt man kleine Popos (also eigentlich nur den einen, den aber mehrmals), hilft zarten Ärmchen sanft beim Einfädeln in den Schlafanzug, wird weich bei geglückten ersten Schritten, überwacht den Erstspracherwerb mit Argusohren – da passt die gefälligst brutalst hinzuschlachtende grunzende Zombiebrigade und das Klappern-gehört-zumHandwerk-mäßige Herzeigen des blutigen Schicksals der nicht ganz so erfolgreichen Zombiekiller unter Verlust von Armen, Beinen und natürlich dem Leben selbst nicht mehr dazu. Man möchte, dass alle da sind und bleiben, dass die Familie komplett ist. Man möchte, dass alle lieb zueinander sind. Man spürt, dass das alle mal süße kleine Putzis waren, die der Papa und die Mama ganz dolle lieb gehabt haben. Klar will man die blöde Schranze, deren miese kleine Tochter dem eigenen Sohn auf dem Spielplatz Sand ins Gesicht tritt, am liebsten in tausend Teile und die Tochter gleich mit … aber doch irgendwie nicht wirklich. Nicht wirklich? Ist mein Leben jetzt im faseligen »Nicht wirklich«-Bereich angekommen? Und Bruce Campbell und Sam Raimi sind auch nicht mehr so hart wie früher, bzw. die frühen Bruce Campbell und Sam Raimi sind jetzt irgendwie zu hart? Legionen bösartiger, gottverlassener Untoter müssen leider draußen bleiben? Verdammt. Ich bin nicht alleine. Wir, das sind ein knappes Dutzend relativ frischgebackener Väter aus der Heilbronner Region, und wir treffen uns montags in einer Kneipe (bei Interesse können die Kontaktdaten über die Redaktionsadresse abgefragt werden) und erzählen uns, was jetzt alles nicht mehr geht. Es wird viel gejammert, es werden sich gegenseitig einschlägige Internetseiten empfohlen, die in Einzelfällen kurzfristig Abhilfe schaffen helfen, es fließt viel Alkohol, bis dann immer einer sagt, dass das ja jetzt auch nicht mehr so richtig geht, dann nicken wir alle und steigen auf Apfelschorle um. Bücher sind selten Thema, aber wenn, ist man sich schnell einig, dass »Bobo Siebenschläfer« an ein paar Stellen wirklich zu weit geht, da kriegen manche Kinder echt schon einen ungesunden Respekt vor Alter und Krankheit, wenn Opa Siebenschläfer in Band 4 einem ungefähr Dreijährigen derart überdeutlich seine Tabletteneinnahmeregeln erklärt. Das muss ein Kind noch nicht haben. Meine Lebensreihenfolge bleibt: Kindheit, Zombies und dann erst echte eigene körperliche Gebrechen (z. B. Schleimbeutelentzündung vom Dauerstemmen des Nachwuchses). Wir sind nicht weltfremd. Wir haben aber akzeptiert, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Obwohl uns das nervt. Die Gruppe lebt davon, dass sie sich ständig erneuert. Einer kommt nicht mehr, weil seine Frau seit dem Abstillen wieder ab und an Sex mit ihm haben will. Dafür ist seit letztem Montag einer dabei, der erzählt, er habe kurz vor der Entbindung noch das »Evil Dead«-Remake gesehen, und es sei gar nicht schlecht. Das interessiert uns dann schon. Wir bitten aber um Verständnis, wenn die Anschlussfragen nicht so detailliert ausfallen.

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H A N I X T H E R U N : D A S F E S T FOTOS: ULLA KUEHNLE / VIDEO: SARAH FISCHER & MATZE BITSCH Uns e r Kam e r at ea m wa r in K a r l s r u h e , um » Das Fe s t« zu be s uch e n. Dabe i sp ra ch Ma r i a m i t Bes u c her n u n d d en Sö h ne n Mannh e im s . Ein Fe s tival-Rundga ng.

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» P L AT T E N VO R G E R I C H T « TEXT: UWE GRAMLICH Hallo zus am m e n, ic h s it ze z u m itte rnäch tlich e r Stund e h ier u n d wa r te auf e ine n be s o nd e rs Gute n Ei n f a l l , d er, g laube ich , auch in zwe i Stund e n n ich t k o m m e n wird ... Au s d i es em Gr u n d und m e ine r Müd ig k e it fas s e ich m ic h k u r z u n d wüns ch e vie l Spaß be im Le s e n und n o c h m eh r be im e ve ntue lle n Hö re n. Lie be Gr üße Uwe

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MUSIKUSS: PL ATTEN FERNAB DES MAINSTREAMS ÁRSAIDH roots 2013 Debütalbum von Andy Marshall (vorm. Askival, Falloch) unter dem Projektnamen Ársaidh (schottisch-gälisch für archaisch), der mit vier Songs über 50:22 min einen dichten und intensiven atmosphärischen CelticPaganBlackMetal zelebriert. In der nebeligen und kargen Wildnis der Highlands entstanden, entfalten die bis zu 18 Minuten langen, epischen Stücke durch den Einsatz von Flöte, Bagpipe, Geige, mittelalterlichen Elementen oder Flüsterstimme ihre hypnotische Wirkung. Ausgehend von langsamen, sich steigernden Gitarrenriffs, unterbrochen von BlackMetalAttacken, gipfelt dann das Finale in druckvollen Gitarrenriffs, derben Growl-Vocals und einer verträumten Flöte. Erhaben. BURZUM sôl austan, mâni vestan 2013 Burzum aka Varg Vikerns setzte mit seinen Frühwerken Anfang der 90er Maßstäbe im Black Metal Bereich und beeinflusste dadurch zahlreiche Bands gravierend. Vor allem fiel Vikerns auf, indem er Kirchen niederbrannte, den Gitarristen von »Mayhem« ermordete und dafür viele Jahre im Gefängnis saß und sich dort den ambienten Keyboardklängen widmete. Laut Vikerns eigenen Angaben ist das neue Album, wie schon seine Vorgängeralben, ein Konzeptalbum über ein heidnisches Initiationsritual und auch zum großen Teil Soundtrack des Filmes »Fore Bears«, den er zusammen mit seiner Ehefrau Marie veröffentlicht hat. Beruhigend und entspannend klingen Synthieparts, von schamanistischen archaischen Rhythmen getragene Gitarrenklänge perlen beschaulich ins dunstige Licht des Sonnenaufgangs im Osten. Unspektakulär und sanft. ELUVIUM nightmare ending 2013 Der seit 2003 unter dem Namen Eluvium tätige Multiinstrumentalist Matthew Cooper kehrt auf seinem nunmehr 7. Album, einem Doppelalbum, wieder zu seinem instrumentalen Ansatz zurück. Bekannt für seine träumerisch verspielten Klanglandschaften, gelingt Cooper auch hier eine gelungene Gratwanderung zwischen melancholischen, minimalistischen Pianoklängen und dem Rauschen der Drone-Sounds. Wie schon auf seinen letzten Werken wurde das Cover-Artwork von Coopers Frau Jeannie Lynn Paske gestaltet. So bilden Musik und Cover eine perfekte Einheit, die aus einem ganz eigenen Kosmos zu stammen scheinen. Opulent.

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MUSIKUSS: PL ATTEN FERNAB DES MAINSTREAMS JOHANNES LULEY tales from sheepfather's grove 2013 Im Alleingang aufgenommenes, erstes Soloalbum des Multiinstrumentalisten Johannes Luley, ehemals Gitarrist der US-Band Moth Vellum, die vor fast 5 Jahren ihr Debüt veröffentlichten, um dann nichts mehr von sich hören zu lassen. Schon damals war der Einfluss von Yes unverkennbar, aber dennoch bewahrte man sich eine gewisse Eigenständigkeit. Mit dieser Veröffentlichung hat Luley weiter an diesem Sound gefeilt, alles klingt noch versonnener, entspannter, atmosphärischer und weckt Erinnerungen an das erste Solo Album der Stimme von Yes, Jon Anderson`s »Olias Of Sunhillow« aus dem Jahr 76. Selbst die Gestaltung des Covers zeigt deutliche Parallelen zu den damaligen Coverentwürfen von Roger Dean. Für Luley prägend, waren zudem auch Musiker wie Vangelis, Gandalf, Mike Oldfield und vor allem der Yes Gitarrist Steve Howe. Ein wunderbarer, ruhig dahinfliessender Wohlklang, zum Abschalten und sich wohlfühlen. JUNO REACTOR the golden sun of the great east 2013 Das vor 23 Jahren als reines Goa/Psytrance Act gestartete Projekt des Briten Ben Watkins legt nun mit »the golden sun of the great east« das achte reguläre Album vor. Der mit immer wechselnden Gastmusikern kooperierende Klangmeister zeigt auch auf seinem aktuellen Album seinen immensen musikalischen Feingeist. Eine Reise durch die Vielfalt der Kulturen, ob indische Sitarklänge, orientalisch geprägter Gesang, pulsierende Rhythmen, orchestrale Einlagen, klassische Chöre, EBM, Big Beats, Breakbeat, minimale Soundscapes, gelegentlich auch Gitarrenriffs von Budgie, dem Siouxsie & The Banshees Gitarrero - alles findet seinen Platz im musikalischen Kosmos von Watkins und bietet stets eine überraschende und hypnotische Mixtur. Nichts für Menschen mit Scheuklappen – Offenheit ist gefragt. ELUVIUM nightmare ending 2013 Nach drei Jahren Wartezeit nun endlich das sechste Studioalbum der 1992 in Israel gegründeten Orient-Doom-Metal-Band. »All is one« - Alles ist eins, schon der Titel ist Programm. So handelt es sich in den Texten fast immer um die drei abrahamitischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Auch auf diesem Album gehen die »Friedenskrieger« konsequent ihren Weg und haben ihren unverwechselbaren Sound weiter verfeinert. Nachdem sie ihre Anfangstage hinter sich gelassen haben, weiß das Quintett, mit viel weniger Metal und Growl-Vocals, dafür aber mit mehr Melodien, breiter orientalischer Instrumentierung (Oud, Darbuka oder Kanun) und symphonischen, orchestralen Einflüssen, bis hin zu opulentem, epischem Bombast zu begeistern und überzeugen. Musikalische Unterstützung fand die Band in insgesamt 40 Gastmusikern, unter anderem in einem 15-stimmigen Chor und klassisch ausgebildeten Streichern. Ein Meilenstein des Orient-Metal. Weniger ist mehr.

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MUSIKUSS: PL ATTEN FERNAB DES MAINSTREAMS PHILDEL the disappearance of the girl 2013 Nach der Trennung ihrer Eltern, einer irischen Mutter und einem chinesischen Vater, lebte Phildel Hoi Yee Ng mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, einem fundamentalistischen Muslim, zusammen. Dadurch veränderte sich ihre Kindheit von heute auf morgen. Sie musste Kopftücher tragen, streng nach den Regeln des Koran leben, keinen persönlichen Besitz haben und durfte vor allem keine Musik hören. Mit 17 Jahren verließ sie dieses Gefängnis, um nun mit inzwischen 29 Jahren ein Debüt vorzulegen, das unter die Haut geht. Eindringlich unaufdringlich und verträumt verspielt erzählt sie, mit der Reinheit und Kraft ihrer Stimme, in ihren teilweisen dunklen Geschichten von Liebe, Mystik, Sehnsucht und Verrat. Mit diesem Album katapultiert sich Phildel in den illustren Kreis von Künstlerinnen wie Kate Bush, Tori Amos oder Enya und braucht diesen Vergleich nicht zu scheuen. Außergewöhnlich. SAVAGES silence yourself 2013 Debütalbum der erst 2011 von 4 Musikerinnen gegründeten UK-Band. Lange, schon sehr lange, hat es einen so authentischen und zugleich frischen Post-PunkWave-Goth-Rock nicht mehr gegeben. Vereinen in ihrer Musik die besten Momente von Siouxsie & The Banshees, Au-Pairs, X-Ray Spex, Penetration und Patti Smith – und zeigen sich allen Einflüssen zum Trotz als neue und eigenständige Band. Spannend und exzellent. THE DEL-LORDS elvis club 2013 Nach über 23 (!) Jahren ein neues Lebenszeichen dieser leider völlig unterbewerteten Band aus NY. Leicht und locker schütteln die Mannen um Leadsänger Eric Ambel ein grandioses Alterswerk aus den Ärmeln. Eine wunderbar rotzige, straighte und immer hoch melodische Mischung aus erdigem BluesRock, Americana und Rock’n«Roll. In etwa die Schnittmenge aus Brandos, Tom Petty und Neil Young & Crazy Horse – und doch eigenständig. Zeitlose Juwelen.

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M IT TAGST I Sc H T E ST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die s mal w are n w ir i n d er Wa l d h o rn-Sch e nk e in d e r Unte re n Ne ck ars traß e. Geteste t wurde n e b e n d em Ges c hm a c k a uch d ie Ge s ch wind ig k e it, d ie Fre und lichkei t des Se r vic e -Pe r son a l s , n a t ü r l i c h d er Pre is und auch d ie ind ivid ue lle n Eige nhei ten der Lok alität. Im Tes t h a b en wir u n s für d as um ge k e h r te Sch ulno te n-Sys te m entschi ed e n. Das b e de u t et , d a s s d ie 6 , 0 d ie Hö ch s tno te is t. Was wir g e ge s s e n h a ben, gi bt e s h i er z u m Na c h l es en : www.face bo o k .co m / H A N IX.Mag azin

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BERICHT: FLORIAN DIETZ FOTOS: ULLA KUEHNLE, PRIVAT »MIT GESCHWINDIGKEIT ÜBER JAHRE GEGEN DIE ZEIT – YANNICK FÜBRICH I M P O RT R A I T «

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SP ORTBEUTEL: YANNICK FÜBRICH Geraden, die Kurven, die Namen der Streckenabschnitte, die durch ihre friedlich anmutenden Namen wie »Tiergarten«, »Brünnchen« oder »Kesselchen« fast schon versuchen die »Grüne Hölle« zu verniedlichen. Begonnen hat alles mit gerade einmal drei Jahren. Während andere Kinder in diesem Alter noch nicht einmal bis zehn zählen können oder nur einen Wortschatz von einigen Hundert Wörtern für sich entdeckt haben, fährt Yannick seine ersten Kart-Runden auf dem Schoß seines Vaters. Die Worte »Rennen«, »Kart« oder »schneller« sind ihm schon damals nicht fremd. 1999 folgen dann die ersten eigenen Fahrversuche im Bambini-Kart-Bereich. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hat Yannick nur noch einen Hauptkontrahenten – die Zeit. Und eben jene versucht er seit nunmehr über 14 Jahren mit der Waffe der Geschwindigkeit Rennen für Rennen zu besiegen, was ihm auch häufig sehr erfolgreich gelang. »Wir haben die Pokale bei einem Bekannten in der Scheune ausgelagert, weil wir nicht mehr wussten, wohin damit«, erzählt Yannicks Vater mit einer großen Portion Stolz in der Stimme. Die Zahlen belegen, dass es einige sein müssen. Über 60 Siege im Kart, unzählige Podestplätze, mehrfacher Baden Württembergischer und Süddeutscher Meister, eine Teilnahme an der Europameisterschaft als AJunior und ein 4. Platz in der deutschen Junioren Kartmeisterschaft stehen in Yannick Fübrichs Lebenslauf zu Buche. Dann wendet er das Blatt und schlägt mit dem Sprung ins Rennauto, den er selbst als einen seiner größten Erfolge bezeichnet, ein neues Rennsportkapitel auf. Nach einigen Lehrgängen, auf denen er unter anderem die Nordschleife kennenlernt, und ersten Rennen, die ihm durch Sponsoren ermöglicht werden, wird er 2010 ins DMSJ Youngster Racing Team und kurze Zeit später ins Team Landgraf Motorsport Team berufen. Was ursprünglich für ein halbes Jahr geplant war, erstreckt sich mittlerweile über die dritte Saison. »Ein Leben ohne Rennsport könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen«, erzählt Yannick. Man kauft es ihm, dem Jungen, der eigentlich nie ein Leben ohne Rennsport kennenlernte, auf Anhieb ab. Jedoch sind auch Rennfahrer vor den alltäglichen Übeln des Straßenverkehrs nicht gefeit. Blitzer, Ampeln, Stau. In eben so einem steckte auch Yannick Fübrich vor dem vereinbarten Gesprächstermin. Er müht sich, ruft an, entschuldigt sich gentlemanlike für ein mögliches Zuspätkommen und kommt pünktlich – 10 Es gibt sie noch, die modernen Mythen unserer Zeit. Die Veranstaltungen und Orte, an denen man das Dasein der Menschen nach antiker Denkweise mit der Welt der Götter verknüpft. Die Geschichten der Legenden, der Sagen und ihrer Helden. Im Bezug auf den Sport hat nur eine Handvoll davon Bestand. Da wären die Olympischen Spiele, die in ihrem vierjährigen Turnus beweisen, wozu der menschliche Körper und Wille imstande sein kann. Da wäre der große amerikanische Werbefilm des Super Bowls oder der »Heilige Rasen« in Wimbledon, auf dem wir in diesem Sommer um einen Grashalm eine neue deutsche Tenniskönigin hätten krönen dürfen. Und da ist sie. Das Pendant zum noblen englischen Grün. Die »Grüne Hölle«. Der Nürburgring samt seiner altehrwürdigen Nordschleife. Der 21-jährige Yannick Fübrich kennt die Rennstrecke nur zu gut. Im mittlerweile dritten Jahr besucht er sie regelmäßig an bis zu elf Wochenenden im Jahr. Nicht wie man einen guten Freund besucht, sondern eher so, als ob man an seinem Zweitwohnsitz die Türe aufschließt und sein Wohnzimmer betritt. Er atmet die benzingeladene Luft, hört die lauten Motorengeräusche, sieht den flimmernden Fahrbahnbelag vor sich und fühlt sich – vermutlich im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen in so einer Situation – trotzdem oder gerade deshalb heimisch. Wie in einem Wohnzimmer weiß er, wo alles liegt. Er kennt sie, die

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SP ORTBEUTEL: YANNICK FÜBRICH Minuten zu spät. Der Gegner Zeit schläft eben auch außerhalb der Rennstrecke nie. Privat fährt der junge Fahrer einen alten BMW E36. Punkte sammelt er jedoch ausschließlich auf der Rennstrecke. In Flensburg ist er ein unbeschriebenes Blatt. »Wir können uns ja auf der Rennstrecke austoben«, kommentiert Yannick die Frage grinsend. Geschäftlich ist er bei der VLN Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring seit diesem Jahr in einem 450-PS starken Porsche 997 GT 3 Cup unterwegs. Im letzten Jahr war auch sein Dienstfahrzeug noch ein BMW. Mit dem leistungsstärkeren Auto ist auch eine gesteigerte Aufmerksamkeit rund um das Team und den jungen Fahrer zu spüren. Zum Trainieren im Auto kommen die Fahrer selten. Exakt zwei Trainingstermine gab es vor der Saison, um das Auto kennenzulernen. Ansonsten sammeln die Fahrer freitags vor den Rennen Testund Übungskilometer. 50-60 Tage im Jahr ist Yannick nach eigener Aussage für den Rennsport unterwegs, die Rennen mit eingerechnet. Die Zeit dafür schaufelt sich der gelernte Kfz-Mechatroniker durch seine Urlaubstage frei, die nicht nach den Sommerferien, sondern gleich zu Jahresbeginn nach den Rennterminen ausgerichtet werden. Fit hält er sich mit Joggen, Rad fahren und auf Inlineskates. So ganz ohne Geschwindigkeit geht es eben nie. Auf die Frage, warum er ausgerechnet Langstreckenrennen fährt, schwärmt Yannick, dass es einfach die Strecke ist, die für ihn den ganz besonderen Reiz ausmacht: »Es sind pro Runde 24 Kilometer – und jede Runde ist wie ein komplett neues Rennen.« Man hat bei dem großen Teilnehmerfeld von Hunderten Fahrern in über 30 Fahrzeugklassen immer ein schnelleres Auto im Nacken bzw. ein langsameres Auto vor dem Kühlergrill. Durch die Länge der Strecke kann es auch sein, dass man auf der einen Seite der Piste bei Sonnenschein aus der Box fährt, während es auf einem entfernteren Streckenabschnitt zu regnen beginnt. Eine weitere Herausforderung ist, dass man sich das Auto bei den Langstreckenrennen, die sich je nach Rennmodus über 4 oder 6 Stunden erstrecken, mit einem weiteren Piloten teilt. So werden bei einem Boxenstopp nicht nur die Reifen, sondern häufig auch gleich der Fahrer mit gewechselt. »Das Auto wird nicht ausschließlich auf einen Fahrer angepasst, das heißt, dass man sich eben an das Auto anpassen muss«, erklärt Yannick die Herausforderung. Die Runden, die er das Rennen aus der Boxengasse verfolgen muss, fallen ihm am schwersten. Deutlich wird jedoch, dass man jederzeit auf alle Eventualitäten vorbereitet sein muss. Doch trotz Vorbereitung bleibt der

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Besuche uns auf Facebook Gefällt mir Laura, Auszubildende zur Packmitteltechnologin: Nach neun verschiedenen Praktia habe ich die perfekte Ausbildung für mich gefunden. Als Packmitteltechnologe bei Marbach absolviere ich eine abwechslungsreiche Ausbildung und habe danach super Berufseinstiegschancen! Pack deine Zukunft an! mit einer Ausbildung bei Marbach zum Packmitteltechnologen (m/w) Möchtest du bei einer internationalen Firmengruppe arbeiten, die auf ihrem Gebiet zu den Besten zählt? Die dir eine zukunftsorientierte Ausbildung und einen sicheren Arbeitsplatz bietet? Dann bist du bei Marbach genau richtig! Mit unseren Werkzeugen entstehen Verpackungen, auf die man überall im Alltag trifft. Weltweit arbeiten über 1.200 Mitarbeiter für die MarbachGruppe. Mit einer Ausbildung zum Packmitteltechnologen bei Marbach legst du den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Unsere Packmitteltechnologen unterstützen beim kompletten Herstellungsprozess eines Werkzeuges – von der Erstellung der technischen Zeichnung über die Werkzeugmontage bis hin zur Kundenberatung. Nimm deine berufliche Zukunft in die Hand und bewirb bei Marbach. Wir freuen uns auf dich! weitere Ausbildungsberufe: Technische Ausbildungsberufe > > > > Mechatroniker (m/w) Zerspanungsmechaniker (m/w) Technischer Produktdesigner (m/w) Werkzeugmechaniker (m/w) Kaufmännische Ausbildungsberufe > Industriekauffrau/-mann > Informatikkauffrau/-mann > Fachkraft für Lagerlogistik (m/w) Studieren bei Marbach Bachelor of Engineering in: > Wirtschaftsingenieurwesen (m/w) > Maschinenbau (m/w) > Maschinenbau und Werkzeugmechaniker (m/w) kooperativer Studiengang Bachelor of Science in: > Wirtschaftsinformatik (m/w) > Elektrotechnik (m/w) Kontakt: Nicole Schmitt, Telefon: 07131-918-422 E-mail: nicole.schmitt@marbach.com Karl Marbach GmbH & Co. KG, Marbach Werkzeugbau GmbH August-Häußer-Straße 5+6, D-74080 Heilbronn www.marbach.com

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SP ORTBEUTEL: YANNICK FÜBRICH Rennsport ein gefährlicher Sport. Im letzten Jahr muss Yannick das schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Bei Tempo 200 kollidiert er im vorletzten Saisonlauf mit einem anderen Fahrzeug und fliegt, ausgerechnet auf dem Streckenabschnitt des Nürburgrings, der sich Flugplatz nennt, von der Strecke. Einige schwere Prellungen sowie ein Totalschaden des Autos, das somit für das letzte Rennen der Saison ausfällt, sind die Folge. In diesem Jahr kam es im Rahmen der VLN-Rennserie auch schon zu schwereren Unfällen und einem Todesfall, der auf den Herzstillstand eines Fahrers zurückzuführen ist. Auch wenn der Tod nicht direkt mit einem Rennunfall, sondern mit körperlichem Versagen zu tun hatte, fühlt es sich nicht gut an, wenn jemand in deinem Wohnzimmer stirbt. Auch dann nicht, wenn es nur dein vermeintlicher Zweitwohnsitz ist. »Während man im Auto sitzt, denkt man über so etwas nicht nach, man ist auf das Rennen und seine Leistung konzentriert«, erzählt Yannick und meint anschließend, dass man solche Vorkommnisse erst nach einem Rennen reflektiert und sich Gedanken darüber macht. Natürlich sind solche Ereignisse bedrückend, doch als Rennfahrer versucht man leistungshemmende Gedanken wie Angst oder Unkonzentriertheit gar nicht erst auf den Beifahrersitz zu lassen. Sein Saisonziel hat Yannick dabei jederzeit fest vor Augen. In diesem Jahr will er mit seinem Team unter die ersten fünf Ränge der Gesamtwertung fahren. Im nächsten Jahr darf es dann gerne um die Meisterschaft gehen. Neben gefährlich, ist der Rennsport aber auch vor allem eines: teuer. Dass sich Kapital nicht nur vorzüglich an der Börse, sondern auch im Kapitalgut Rennauto gegen die Wand fahren lässt, wird durch die hohen Kosten deutlich. Die uralte Gleichung von Zeit ist gleich Geld scheint gleich an mehreren Stellen außer Kraft gesetzt, denn viele Teams investieren mehr Geld als andere, um am Ende weniger Zeit pro Rennrunde zu benötigen. Alleine ein Satz Reifen für den Porsche kostet beispielsweise ca. 1600€. Davon braucht das Team drei Stück pro Auto und Rennen. Ohne eine ganze Fülle an Sponsoren lassen sich diese Kosten nicht annähernd decken. So leistet vor allem Yannicks Vater bei bestehenden und möglichen Sponsoren argumentative Überzeugungsarbeit, die sich auf die bisherigen Rennerfolge und Yannicks bisherige Entwicklung stützt. Im Renn50 zirkus ist es jedoch ein bisschen wie früher auf dem Rummel beim Boxauto. Hast du Geld, darfst du fahren. Neben dem Geld ermöglichen bei Betrachtung der verschiedenen Rennklassen Prominenz oder der Verwandtschaftsgrad zu einem Teamchef einen Platz in den begehrten Cockpits. Es geht eben wie in vielen anderen Sportarten auch im Rennsport schon lange nicht mehr nur alleine ums Talent und die Leistung, doch es sind und bleiben die Argumente, die bei jenen Teammanagern ziehen, die auf der Suche nach den schnellsten Nachwuchsfahrern sind. Ziele hat Yannick als ein solcher Nachwuchsfahrer noch einige. Neben dem Mitfahren um die Meisterschaft in der nächsten VLN-Saison steht der Traum vom DTM-Cockpit ganz oben auf seinem Wunschzettel und er weiß, dass weitere Erfolge und Erfahrungen seine Chancen steigern. Im Gespräch merkt man, dass er den rennsportlichen Ehrgeiz, mit dem er seit dem dritten Lebensjahr aufgewachsen ist, verinnerlicht hat. Er lebt, denkt und atmet Motorsport und hat so viel Benzin im Blut, dass das Mischverhältnis wohl mittlerweile fast zu Blut im Benzin gekippt sein dürfte. Vermutlich bräuchte man eine Tachonadel, um ihm Blut abzuzapfen.

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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SP ORTBEUTEL: STEFAN KUNTZ INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: 1. FC KAISERSLAUTERN, Horstmüller »NECKARSULM WIRD EIN GUTER GASTGEBER SEIN«

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SP ORTBEUTEL: STEFAN KUNTZ Ste f an Kun tz h a t d en 1 . FC K a is e rs laute rn wie d e r re parie r t. A ls e r k am, sta nd der Tradi ti on skl u b vo r d em Ab s t u r z in d ie Drittk las s ig k e it. Inzwis ch e n s in d di e »Rote n Te ufe l « ein er d er Au f s t ieg s f a vo rite n, nach d e m in d e r le tzte n Sais on der Up grade i n di e El it el ig a in d en Rele gatio ns s pie le n ge g e n Ho ffe nh e im ve rp a sst wurd e . A m 3 . Au g u s t g a s t i er t d er Zwe itligis t im He ilbro nne r Frank e ns tadi on um di e Erst r un de n p a r t ie im D FB - Po k a l g e ge n d ie Ne ck ars ulm e r Spo r t-Unio n zu sp i elen. Wir un te r h i e l t en u n s im Vo r f el d m it d e m Vo rs tand s vo rs itze nd e n d e r L a uterer. HANIX — Stefan Kuntz, der Weg nach Berlin führt den 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal zunächst zum Sechstligisten nach Neckarsulm. Wird der Verbandsligist im Vorfeld der Partie Anfang August von ihren Scouts beobachtet oder wird auf Gegneranalyse in diesem Fall verzichtet? Aus meiner aktiven Zeit habe ich da keine parat, aber das DFB-Pokalspiel, über dessen Ausgang ich mich heute noch immer am meisten ärgere, ist unsere Niederlage in Duisburg im Jahr 2011, als wir als Bundesligist alle Chancen hatten, bis ins Finale vorzudringen. STEFAN KUNTZ — HANIX — Wie treten Amateurteams in der Regel auf, wenn es in Pflichtspielen gegen hoch bezahlte Profis geht? Freuen sich die Verantwortlichen und Spieler über die Profis, die man nur aus dem Fernsehen kennt und versuchen den Aufenthalt der Berufssportler so angenehm und reibungslos wie nur möglich zu gestalten oder wird auch mit Haken und Ösen gearbeitet, um die kleine Chance, den Profis ein Bein zu stellen, etwas zu vergrößern? Vielleicht haben Sie ja hierzu eine kleine Anekdote parat Unser Trainerteam wird die Partie genauso einordnen, wie jedes andere Pflichtspiel, damit die Mannschaft auf diese Begegnung ebenfalls optimal vorbereitet ist. Man darf im Pokal keinen Gegner unterschätzen, das zeigen die Überraschungen im Wettbewerb jedes Jahr aufs Neue. STEFAN KUNTZ — HANIX — Für die Neckarsulmer Sport-Union ist die Erstrundenpartie gegen Kaiserslautern das Spiel des Jahrzehnts, für die Mannschaft vom Betzenberg nur eine Pflichtübung, bei der es wenig zu gewinnen gibt. Wie schwer ist es tatsächlich, Fußballprofis gegen unterklassige Gegner ernsthaft einzustimmen? Ich weiß aus eigener Erfahrung als Spieler und auch als Trainer, dass man als vermeintlich unterlegener Gegner über sich hinauswachsen kann und das Unmögliche möglich macht. Darauf muss man als Favorit vorbereitet sein und darf zu keinem Augenblick den Anschein erwecken, dass man die Partie auf die leichte Schulter nimmt. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass unsere Mannschaft weiß, worum es geht und sich keine Blöße gibt. STEFAN KUNTZ — HANIX — Welche DFB-Pokal-Partie gegen einen unterklassigen Gegner ist in ihrer persönlichen Rückschau die Unangenehmste gewesen, die Sie am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen würden? Ich habe hier fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht und bin sicher, dass auch Neckarsulm ein guter Gastgeber sein wird. Letztlich beschränkt sich die Rivalität auf das Spielfeld und genau da gehört sie ja auch hin. STEFAN KUNTZ — HANIX — Das Spiel gegen Neckarsulm findet im Heilbronner Frankenstadion statt. Das Stadion scheint ein gutes Pflaster für DFB-Pokalsieger zu sein. 1992 gewann Bayer Leverkusen in der 3. Runde gegen den damaligen Verbandsligisten VfR Heilbronn mit 2:0 und wurde später Pokalsieger. Im Frankenstadion wurde 1996 auch schon einmal ein DFBPokalsieger gekürt, nämlich die A-Jugend des VfR Heilbronn. Den Verein gibt es zwar nicht mehr, aber vielleicht ist es ja trotzdem ein gutes Omen für

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SP ORTBEUTEL: STEFAN KUNTZ den 1. FC Kaiserslautern? Sie persönlich als ehemaligen Deutschen Meister, Pokalsieger, Europameister, Fußballer des Jahres und Bundesligatorschützenkönig in dieser Saison nach Sandhausen, Paderborn und Aalen zu müssen anstatt in der womöglich stärksten Liga der Welt auf die Herren Watzke, Rummenigge oder Tönnies zu treffen? Im Spiel von Bayer 04 Leverkusen hat unser Cheftrainer Franco Foda über die komplette Distanz gespielt. Ich denke, das dürfte das beste Omen für unsere Spiele im DFB-Pokal in diesem Jahr sein. STEFAN KUNTZ — HANIX — Hier in der Region fand auch die »Mutter aller Pokalniederlagen« statt. In der Saison 1974/75 unterlag der Hamburger SV in der zweiten Hauptrunde dem VfB Eppingen mit 1:2. Das sollten Sie ihren Jungs im Vorfeld der Partie gegen Neckarsulm erzählen ... Warum? Das Spiel von damals hat rein gar nichts mit unserer Partie gegen Neckarsulm zu tun. STEFAN KUNTZ — HANIX — Nur 13 Spieler haben in der Geschichte des DFB-Pokals mehr Tore erzielt als Sie. Wissen Sie noch, wie viele Tore Sie im DFB-Pokal erzielt haben? Kleiner Tipp: Es waren ein paar mehr als Uwe Seeler erzielt hat aber deutlich weniger als Gerd Müller getroffen hat. Wir haben es sportlich nicht geschafft, uns für die Bundesliga zu qualifizieren und so sehr es auch schmerzt, dann tritt man zu Recht in der 2. Bundesliga an. Aber wir nehmen sehr viel Kraft und Energie aus der zurückliegenden Spielzeit und den beiden Relegationsspielen mit, denn wie unsere Fans sich besonders nach der verpassten Relegation verhalten und ihren Verein gefeiert haben, das ist einzigartig und zeigt, wie besonders der FCK ist. STEFAN KUNTZ — HANIX — Kommen wir zum Abschluss nochmals zurück zur Partie gegen Neckarsulm: Wie muss die Begegnung laufen, dass Sie zufrieden sind? Ein glanzloses Weiterkommen wird Sie, so vermuten wir, sicher nicht gänzlich glücklich machen. Ich beschäftige mich nicht so sehr mit meiner aktiven Laufbahn und der Vergangenheit, aber ich schätze, Sie wissen es genau? STEFAN KUNTZ — HANIX — Der 1. FC Kaiserslautern geht als einer der Aufstiegsfavoriten in die kommende Saison, nachdem in der vergangenen Spielzeit Hoffenheim in der Relegation nicht zu bezwingen war. Wie sehr nervt es Wir wollen in die zweite Pokalrunde, alles andere ist völlig sekundär. Und wenn es zudem für die Zuschauer ein schönes und ereignisreiches Spiel wird, umso besser. STEFAN KUNTZ —

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Filmformate im HA N I X Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatf ilm.tv

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» G r e n zG ä n G e r « M at t h i a s W e r M k e & M i s c h a L e i n k au f C ol u m b u s - Fö rd er prei s f ür ak tue lle Kuns t in Ko o pe ratio n mi t d er A D K V Gef ö rd er t vo n d e r Unte rne h m e ns gr uppe C ol u m b u s , R a ven s b u r g 20. Juli bis 15. september 2013 eröffnung: freitag, 19. Juli, 20 uhr Die in den Filmen und Fotografien der beiden jungen Berliner Künstler Matthias Wermke (*1978) und Mischa Leinkauf (*1977) gezeigten Aktionen sind spektakulär: Ein Mann hängt mit ausgestreckten Armen an der Unterkante einer Brücke oder einem Kran. Und wenn man gerade eine Wette darauf abschließen will, wie lange er noch die Kraft hat, sich festzuhalten, zieht er sich wieder hoch oder lässt sich fallen. In der Installation ›Entscheidungen‹ sieht man auf zehn Monitoren immer wieder diese Situation. Bereits Mitte der 90er Jahre haben sich Matthias Wermke und Mischa Leinkauf in der Graffiti-Szene kennengelernt, und seit 2004 entwickeln sie gemeinsame künstlerische Arbeiten. Eine Warn- oder Arbeitsweste gehört dabei zum bevorzugten Utensil ihrer »Expeditionen«, ermöglicht sie es ihnen doch, sich camouflageartig als Arbeiter ungehindert an die Orte ihrer Wahl zu bewegen. Artistisch und mit Chuzpe wählen sie diese aus, egal ob hoch in der Luft oder tief unter der Erde. In Heilbronn haben die beiden Künstler dreizehn der Öffentlichkeit nicht zugängliche Stellen mit Fahnen aus Arbeitswesten markiert. So bespielen und besetzten sie den Raum, stets subversiv, aber auch in poetischer Weise. Freiheit liegt in diesem Tun, und dies nicht nur in der Regelverletzung, sondern in der gleichsam romantisch zu nennenden Freiheit im Augenblick und des Per56 spektivwechsels. Dem Betrachter bleibt das Staunen und das Träumen! Der mit 30.000 Euro dotierte Columbus Förderpreis für aktuelle Kunst wird vom Jahr 2012 an in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV) vergeben. Der erste in dieser Kooperation vergebene Preis geht an die beiden Installations-, Video- und Performancekünstler Matthias Wermke und Mischa Leinkauf. Die Kooperation mit dem ADKV sieht vor, dass die Ausstellung der Preisträger jedes Jahr in einem anderen Kunstverein sowie in einer anderen Region Deutschlands stattfindet. Der Kunstverein Heilbronn macht mit der Ausstellung von Matthias Wermke und Mischa Leinkauf in diesem Jahr den Anfang. Es erscheint ein Katalog in Kölner Snoeck Verlag mit 136 S., Hardcover, Ladenpreis: 29,80 Euro. Für weitere Informationen oder Bildmaterial stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Kunstverein Heilbronn Allee 28/Kunsthalle Vogelmann 74072 Heilbronn Tel: +49 (0)7131 – 839 70 Mail@kunstverein-heilbronn.de

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»DIE SHAOLIN MÖNCHE« F OTO G R A F I E N VO N SABINE KRESS UND TEXTE VON FELIX KURZ 5.5. – 8.9.2013 Re i ss-En g el h o r n - Mu s een Mannh e im Mu se u m Wel t k u l t u ren D 5 Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim entführen mit der Fotoausstellung »Die Shaolin Mönche« bis zum 8. September 2013 in die faszinierende Welt des legendären Shaolin-Klosters im chinesischen Henan. Die Fotografin Sabine Kress und der Journalist Felix Kurz durften als erste Europäer die Mönche hautnah und ganz privat beobachten. Sie bekamen Zutritt zu Bereichen, die für Besucher normalerweise gesperrt sind. Mehrere Wochen fingen sie die besondere Atmosphäre des Klosters ein, das auf eine über 1500-jährige Geschichte zurückblickt. Es ist die Wiege des Chanbuddhismus. Die Mönche sind berühmt für ihre atemberaubende KungFu-Kampfkunst, das Shaolin-Qigong und ihre medizinischen Heilkünste. Die äußerst einfühlsamen und intensiven Fotografien von Sabine Kress zeigen Szenen aus dem Alltag der buddhistischen Mönche. Es entstanden Werke, die dem Betrachter den Ablauf des Klosterlebens mit seinen Ritualen ebenso näherbringen wie die Selbstverständlichkeit sehr individueller, in sich gekehrter Per62 sönlichkeiten und ihrem Wirken an diesem traditionsreichen Ort. Die Fotografien sind jetzt erstmals in einer Ausstellung zu sehen. Die Mannheimer Präsentation vereint rund 50 Bilder. Jedes Foto erzählt eindrucksvoll eine eigene Geschichte: Es zeigt die buddhistischen Mönche bei ihren alltäglichen Arbeiten, bei der Meditation und bei der damit in engem Zusammenhang stehenden Körperertüchtigung. Kung-Fu und Shaolin-Qigong haben das Kloster weltweit bekannt gemacht und sind Teil des meditativen Lebens jedes einzelnen Mönchs. Der Betrachter lernt den Abt des Klosters ebenso kennen wie einen fünfjährigen Kung-Fu-Nachwuchsmönch. Er schaut dem meisterlichen Kalligrafen über die Schulter und bekommt einen Einblick ins medizinische Zentrum, in die Trainingshalle, aber auch in die Privaträume der Mönche. Zusammen mit Felix Kurz hat Sabine Kress den gleichnamigen Bildband veröffentlicht, der bereits für den Deutschen Fotobuchpreis 2013 nominiert wurde. Er erschien in der Edition Braus.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Das Kloster ist berühmt für seine Kung-Fu-Mönche. Sie vollführen atemberaubende Aktionen.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Das Kloster ist berühmt für seine Kung-Fu-Mönche. Sie vollführen atemberaubende Aktionen.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Shi Yankai wählt für seine Übungen des Shaolin-Qigong immer ruhige Plätze in der Nähe des Klosters aus. Mit ein paar Sprüngen erreicht er den Felsen in der Mitte des kleinen Sees.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Shi nen Yongpo im Lotussitz. Mit sei86 Jahren ist er der älteste Mönch im Shaolin-Kloster.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Pause zwischen zwei Shows. Zeit zur Entspannung mit einem Spiel auf dem Handy.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Es sieht so leicht aus. Doch nur durch eine Mischung von jahrelangem, teilweise sehr hartem Training und durch chanbuddhistische Meditation schaffen es die Kung-Fu-Mönche, ihre Techniken zu perfektionieren.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Der fünfjährige Xiaosong hat etwas geschafft, wovon Millionen Kinder in China träumen. Er steht im ShaolinKloster neben dem Großmeister Shi Yanzhuang und darf von ihm die Kunst des Kung-Fu lernen.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Shi Yongqian hat das Findelkind Zhuangzhuang bei sich aufgenommen. Der zweijährige Junge ist der jüngste Bewohner des Shaolin-Klosters.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Die Shaolin-Mönche sind berühmt für ihre medizinischen Heilkünste. Zum Kloster gehört eine Apotheke.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Meister Shi Yankai studiert Sutras, Schriften des Chanbuddhismus.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Die Shaolin-Mönche beim Frühstück im Speisesaal. Gesprochen wird untereinander erst wieder nach dem Essen.

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KUNSTREGION: SHAOLIN MÖNCHE Der fünfjährige Nachwuchsmönch Shi Xiaosong stammt aus der Provinz Xinjiang, fast 5.000 km entfernt vom Shaolin-Kloster. Er ist mit seiner Tante extra in die Nähe des Klosters gezogen, um von den Mönchen Kung-Fu zu lernen.

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IM GESPRÄCH MIT DANIEL KOSCHITZKI »ICH MUSSTE IN ASIEN DIORH A N D TA S C H E N S I G N I E R E N « TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ Dan i el Ko s c h it z k i i s t ei n e r d e r be s te n Blo ck flö tis te n d e r We lt. De r g e b ü r t ig e Hei l b ro n n er s pie lt m it s e ine r k las s is ch e n Band » Spa rk« we l t wei t Ko n zer t e u n d gibt Auto gram m e auf Dio r-Tas ch e n. Wi r tr afen d en E C H O - Ge winne r in s e ine r Wah lh e im at K arls r uh e um üb e r Da v id Ga r ret t , s ei n e as iatis ch e Fanbas e und d as Dile m m a der k l a s s is c he n Mus ik zu s pre ch e n.

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI HANIX — Vielleicht eine absurde Einstiegsfrage: Daniel, bist du der David Garrett der Blockflöte? Auch wenn die Blockflöte vielleicht nicht ganz so präsent ist wie die Violine? Ich würde schon sagen, dass David Garrett etwas anderes macht. Er spielt ja auch sehr viele Rock-Cover, macht sich aber auch Gedanken in der klassischen Musik. Er bringt meist im Wechsel eine Rock- und eine Klassikplatte heraus. Bei mir ist es eher eine stringentere Sache, ich bewege mich mehr im klassischen Bereich. Ich würde mir nicht anmaßen, dass ich der David Garrett der Blockflöte bin. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Hast du den Vergleich schon ab und zu zu hören bekommen? DANIEL KOSCHITZKI — unglaublich schön. Es ist fast, als würde man singen, nicht wie bei einer Oboe oder einer Klarinette, wo man den Atem schon sehr drücken oder das Instrument zwischen die Lippen pressen muss: Die Flöte kann man ganz schön auf die Lippen aufsetzen und ohne Widerstand reinblasen. HANIX — Kommst du aus einem musikalischen Elternhaus? Nein (lacht). Nein, meine Eltern sind beide Lehrer. Sie sind eher als Musikliebhaber und –genießer der Musik verbunden. Selbst machen sie eher hobbymäßig Musik. Meine Mutter hat zum Beispiel mit uns das Blockflötespielen gelernt, als wir angefangen haben, hat dann aber irgendwann aufgegeben. Sie konnte mit unserer Geschwindigkeit nicht mehr mithalten. Mein Vater spielt in seiner Freizeit sehr viel Gitarre. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Spielt dein Bruder noch Blockflöte? HANIX — Und wäre es reizvoll für dich, mal mit ihm zusammenzuspielen? Funktionieren Violine und Flöte überhaupt zusammen? Ja, klar. Ich spiele ja in meiner Band »Spark« mit zwei Blockflötisten dazu Geige, Violoncello und Klavier. Blockflöte und Violine, das klingt super zusammen. Mit David Garrett zusammenzuspielen? Das könnte ich mir vorstellen, ich finde, er ist ein super Typ. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Wann und wie kamst du eigentlich dazu, Blockflöte zu spielen? DANIEL KOSCHITZKI — Das haben meine Eltern ein bisschen entschieden. Die fanden Blockflöte toll, also Blockflöte und Klavier, ich hab ja beides studiert. Mein Bruder und ich haben beide im zarten Alter von fünf Jahren mit der Blockflöte begonnen und zwei Jahre später kam dann noch das Klavier dazu. Bei mir war es dann so, dass mich das Instrument einfach nicht mehr losgelassen hat. Ich finde das heute noch genau so schön wie damals. HANIX — Was hat dich an dem Instrument so fasziniert? DANIEL KOSCHITZKI — Wenn man in eine Blockflöte hineinbläst, dann hat das Instrument ja fast keinen Widerstand, es ist also wie eine ganz natürliche Fortsetzung des eigenen Atems. Man hat eine direkte Verbindung zu dem Instrument, der eigene Atem ist ja etwas ganz Persönliches. Der Klang einer Blockflöte hat was unglaublich Schlichtes, aber auch etwas ganz Ehrliches. Das finde ich er ist professioneller Jazzmusiker. Er ist irgendwann der Blockflöte abtrünnig geworden und wollte was Lauteres spielen und hat sich für das Saxofon entschieden. HANIX — Lebt er noch in Heilbronn? DANIEL KOSCHITZKI — Nein, Mein Bruder lebt inzwischen in Ludwigsburg. Er spielt aber sehr viel in Heilbronn. Da gibt es doch »Jazz to go« oder beim Weindorf und im Cave natürlich, bei der Elke Bauschert in der Ebene 3. Neulich hat er mit dem Württembergischen Kammerorchester ein Projekt im RedBlue umgesetzt. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Warst du als passionierter Blockflötist in deiner Jugend ein Außenseiter, weil alle Fußball gespielt haben und du stundenlang in die Flöte gepustet hast? Ich war sicher nicht der typische Junge. Mit Fußball konnte ich nichts anfangen und hab wirklich eher so mit der Flöte zu Hause im Wohnzimmer vor mich hin gespielt. Aber als Außenseiter gefühlt habe ich mich nicht. Mit Sicherheit war ich kein Herdentier. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Wo warst du auf der Schule? In Brackenheim, auf dem Zabergäu-Gymnasium Brackenheim (lacht). DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Bist du immer von Heilbronn nach Brackenheim gefahren, oder habt ihr in Brackenheim gewohnt?

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI haben in Güglingen gewohnt. In Heilbronn bin ich dann für den Musik-LK aufs Mönchsee-Gymnasium gegangen. Und zur Musikschule bin ich in Neckarsulm gegangen. Von daher sind wir sehr oft nach Heilbronn gekommen. HANIX — Wann hast du Heilbronn verlassen? DANIEL KOSCHITZKI — Wir schon Kurse bei ihnen besucht. Das muss man sich wirklich gut überlegen. HANIX — Dann warst du also Flötenstudent. Wie ging dein Werdegang weiter? Nach dem Abitur bin ich nach Karlsruhe gezogen und hab dort angefangen zu studieren. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Und warum Karlsruhe? In der Musik ist das immer eine Entscheidung für bestimmte Lehrer, die man sich aussucht, weil man das Gefühl hat: »Bei dem kann ich besonders viel lernen oder er entspricht mir einfach persönlich.« Wenn man sich an einem Musikinstrument ausbilden lassen will, dann muss die Chemie stimmen. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Gibt es dann da ein Vorgespräch? hab in einem Blockflötenquartett gespielt, mit meinem Professor zusammen, das »Amsterdam Leuki Stardust«. Das gab es zu der Zeit, als ich eingestiegen bin schon fast 25 Jahre. Ein Sprung ins kalte Wasser war das, ein Schritt von null auf hundertachtzig. Dadurch habe ich als ganz junger Student schon ganz viel Bühnenerfahrung gesammelt. Wir haben auch ein paar CDs eingespielt. Das war eine tolle Zeit, in der ich sehr viel lernen durfte. 2007 hat sich das leider zerschlagen. Mit der anderen jungen Kollegin aus dem Quartett hab ich dann »Spark« aufgebaut. HANIX — Hast du schon vor dem Studium gemerkt, dass du dir mit der Flöte deinen Lebensunterhalt verdienen kannst? DANIEL KOSCHITZKI — DANIEL KOSCHITZKI — Ich Man darf sich in den Unterricht mit reinsetzen und tingelt durch die Lande, hört sich den Unterricht von verschiedenen Professoren an oder hat DANIEL KOSCHITZKI — Ja. Ich wollte auf jeden Fall in der

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI Musik bleiben und konnte mir nicht vorstellen, beruflich was anderes zu machen. Ich hab auch eine Weile Schulmusik studiert und dachte, dass ich vielleicht ans Gymnasium gehe und Musik unterrichte. Als das »Amsterdam Leuki Stardust«-Quartett dazukam, war klar, dass sich das nicht vereinbaren lässt. Da dachte ich, okay, ich setze alles auf eine Karte. Es gibt natürlich Zeiten mit weniger Aufträgen, da denkt man, ohje, wie geht’s weiter. Aber es haben sich immer wieder auch neue Türen geöffnet, und momentan läuft es sehr gut. HANIX — Du hast auch Klavier studiert. Du beherrschst also so ein kleines, filigranes Instrument wie die Flöte, aber auch so ein großes und Klobiges wie das Klavier. außer, du bist dir ganz sicher, dass du ohne das nicht leben kannst. Es ist schon ein sehr hartes Business mit vielen Klippen. Es sind auch nicht immer die Besten, die dann ganz oben ankommen. HANIX — Man muss sich selbst schon auch verkaufen können? Stimmt, gegensätzlicher kann es kaum sein. Schon vom Status her: Das Klavier ist in der klassischen Musik quasi Königsdisziplin und rangiert zusammen mit der Violine an der Spitze. Die Top-Pianisten sind vielleicht noch neben den Opernsängern ganz weit oben. Wenn man also Klavier studiert, steht man an der Hochschule auch ganz woanders, als wenn man Blockflöte studiert. Blockflöte ist vom Image her immer noch ein Kinderinstrument. Viele Leute können sich gar nicht vorstellen, dass man das überhaupt studieren kann. Dafür kann man die Leute aber auch noch richtig überraschen mit seinem Instrument, wenn man es richtig gut beherrscht. Das ist mit dem Klavier eher nicht mehr möglich. Mit dem Klavier hat man ja fast keinen Körperkontakt, man sitzt davor und nur die Finger berühren die Tasten. Die Blockflöte ist direkt an einem dran, nur Singen ist vielleicht persönlicher. Mit dem Klavier kann man Harmonien greifen und kann aus der Fülle schöpfen, kann sich beim Singen begleiten – beim Klavier ist alles schon da, man kann einen Soloabend gestalten. Mit der Blockflöte kann man auch mal alleine einen Abend spielen, es ist aber vielleicht ein wenig spröde. Es ist ein Melodieinstrument wie Geige oder Cello. Man muss sich also mit einem Harmonieinstrument wie dem Klavier oder der Orgel zusammentun, damit es wirklich nach was klingt. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Wie wird man zu einer Größe im klassischen Musikbereich? Ist da auch viel Glück dabei? Wenn ein kleiner Junge das jetzt auch werden möchte, was würdest du ihm sagen? Auf jeden Fall. Es gibt viele andere Faktoren, die nichts mit musikalischem Talent zu tun haben: Glück, Ehrgeiz, der Glaube an sich selbst ist auch wichtig. Man muss weitermachen, auch wenn es mal Rückschläge gibt, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Und man darf heutzutage nicht immer nur die alten Kamellen aufbacken, man muss auch kreativ sein. Deswegen hängt die klassische Musik zurzeit auch in so einem Tief drin, weil sie sich im Vergleich zu anderen Genres nicht immer wieder neu erfindet, sondern immer noch und immer wieder das Alte propagiert. Das funktioniert aber nicht, finde ich. Nehmen wir die Automobilbranche: undenkbar, dass man heute noch denselben Mercedes fährt wie vor hundert Jahren. In der klassischen Musik wird aber oft so getan, als wäre das, was vor hundert Jahren toll war, heute noch cool. Die großen Stars kriegen die Designerklamotten und werden vor Graffitiwänden abgelichtet, aber auf der Bühne spielen sie im Frack dieselben Sachen wie vor hundert Jahren. Diese Masche läuft sich gerade tot, und deswegen ist es wichtig, dass klassische Musiker sich Gedanken über neue Akzente machen: Wo muss sich das hinentwickeln? Wie muss ich Bach, Vivaldi, Brahms, Beethoven auf eine neue Weise mit anderen Stilrichtungen kombinieren, wie kann ich innovativ damit umgehen? Man kann sich im Frack vor die Leute hinsetzen und zum hunderttausendsten Mal die Mondscheinsonate spielen wie schon immer, und sicherlich gibt es noch Publikum dafür, aber es stirbt eben aus. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — 2001 wurdest du Mitglied im »Amsterdam Leuki Stardust«-Quartett. Wird man da gefragt? Ja, in diesem Fall hat mich mein Professor einfach gefragt, ob ich Lust habe, da mitzuspielen. Das hab ich mir nicht zweimal sagen lassen. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Und damit begann deine internationale Zeit? DANIEL KOSCHITZKI — Ich war auch als Jugendlicher schon ist schon Glück dabei. Trotzdem würde ich zu einem kleinen Jungen sagen: Mach es nicht, DANIEL KOSCHITZKI — Es sehr viel unterwegs. Bei »Jugend musiziert« habe ich mit meinem Bruder zusammen in einem Flötenquartett gespielt und wir waren damit schon sehr erfolgreich. Ein Privatkonzert für den damaligen Bundespräsidenten Her-

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI darf und die auch richtig begeistert sind und nach den Konzerten in Scharen die CDs kaufen und sich mit einem Fotografieren lassen wollen, signieren hier, signieren da, die strecken einem dann ihre Diortaschen hin und wollen, dass man die unterschreibt – das kann man aufs erste Mal gar nicht so verarbeiten, das ist eigentlich unfassbar. HANIX — Was war dein größter Auftritt von der Publikumszahl her und was war der beeindruckendste? Von der Publikumszahl her ist das Asien, da kommen unglaublich viele Leute in klassische Konzerte, auch viele Kinder. Da spielt man durchaus für zwei- bis dreitausend Leute. Klingt nicht viel im Vergleich zu einem Rock- oder Popkonzert, aber für ein klassisches Konzert ist das viel. Einen berührendsten Auftritt zu bestimmen, ist schwer. Man lässt sich ja immer aufs Neue berühren. Ein Auftritt vor vielen Tausend Menschen kann genauso berühren wie etwas ganz Intimes mit Hauskonzertflair vor fünfzig Leuten. Der energetische Austausch kann sogar viel stärker gegeben sein, wenn man so nah an den Leuten dran ist und sie spürt. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Wo ist das meiste Interesse an klassischer Musik auf der Welt? zog haben wir mal gegeben, kleine Tourneen in Italien, in der Türkei, in Norwegen und Schweden gespielt, wir waren auf internationalen Festivals, aber alles neben der Schule. Mit dem »Amsterdam Leuki Stardust«-Quartett ist die internationale Karriere erst richtig in Fahrt gekommen, vierzig bis fünfzig Konzerte im Jahr waren das mindestens. HANIX — Durch die Blockflöte hast du sozusagen die Welt gesehen, hast auf vielen Kontinenten gespielt. In Afrika auch? ist überall anders, und zwar vom Bewusstsein her. In Asien staunen die Leute gern, sehen gern schnelle Finger, bewundern einen, der schnelle Passagen spielen kann. Da ist man dann der Star, der aus fernen Landen angereist kommt. Die Wahrnehmung ist überall anders, das Bewusstsein dafür, was bei einem klassischen Konzert passiert, ist nicht nur von Kontinent zu Kontinent, sondern auch von Land zu Land unterschiedlich. HANIX — Was steht dieses Jahr noch an Auftritten an? DANIEL KOSCHITZKI — Es Nein, aber da war ich im Urlaub (lacht). Da gibt es schon eine sehr reiche Kulturszene im Norden und in Südafrika, aber ansonsten kaum, was klassische Musik betrifft. In Australien war ich auch noch nicht, aber ansonsten schon so ziemlich überall. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Wie fühlt sich das an, als junger Kerl auf der ganzen Welt unterwegs zu sein wegen der Musik, die man spielt? Im Spätjahr sind wir in China. In ein paar Tagen sind wir mit »Spark« auf der MS Europa in Italien unterwegs, danach geht die Sommerfestivalsaison weiter, beim Musikfest Stuttgart, beim Moselfestival, in Holland sind wir auch, aber wirklich alles krieg ich jetzt auswendig nicht zusammen. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Warum hast du 2007 mit Andrea Ritter »Spark« gegründet? Dass in ganz fremden Städten die Leute kommen, um einem zuzuhören, das ist was Tolles. Ein Geschenk, das einem schon sehr berühren kann. Wenn man in Asien vor Tausenden von Leuten spielen DANIEL KOSCHITZKI — Wir hatten während unseres Studiums immer mehr das Gefühl, das es nicht ausreicht, das klassische Repertoire im ganz klassischen Sinn aufzuführen. Es war mir ein bisschen wenig, wenn ich an DANIEL KOSCHITZKI —

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI der Hochschule oder außerhalb ein klassisches Konzert gesehen habe, habe ich mich erwischt, wie die Gedanken abdriften und ich ein bisschen eindöste. Das kann schön sein, aber ich selber bin lieber zu Konzerten im alternativen Bereich gegangen. Ins Tollhaus in Karlsruhe zum Beispiel, oder in Jazzclubs, wo man das Gefühl hat, die Musiker wollen die Aufmerksamkeit vom Publikum ziehen, die wollen, dass man dabeibleibt, moderieren, erzählen was von sich. Man hat da einen persönlicheren Kontakt. Und diese Energie wollten wir, im klassischen Bereich, auch für uns haben und haben deshalb einen Act kreiert, der das für uns möglich macht, der das mit einbezieht. Das war die Ausgangsidee für »Spark – die klassische Band«, da klingt das schon mit, dass sich die Energien, die Welten einer Rockband mit der Welt eines klassischen Ensembles vermischen. Wir arbeiten mit Komponisten, die diese Fusion auch suchen und Stücke für uns schreiben, die jazz- und rockaffin sind. Das heißt, man kann das nur spielen, wenn man eine klassische Ausbildung hat, weil es eben technisch auf höchstem Niveau ist. Es schimmern aber immer diese anderen Welten durch. Da steckt viel Coldplay und Kasebian drin, genauso wie es Ravel- und Rachmaninov-Zitate und auch Filmmusikanleihen gibt. Es ist eben was ganz Neues. Wir spielen alles auswendig, wenn wir bei alternativen Veranstaltern sind, gibt es auch eine Lichtshow, ich moderiere zwischen den Stücken, versuche, die physische Energie der Stücke voll auszuleben. Es ist was ganz anderes als ein Streichquartettabend, bei dem man anderthalb Stunden lang vier Paar Schuhe und vier Notenständer bestaunt. HANIX — Spielt ihr auch Coversongs? wir am Anfang in Zugaben gemacht, »Can’t take my eyes off of you« haben wir da mal gespielt, aber das ist nicht das Konzept. Wir machen was Eigenes, sowohl von den Arrangements her wie auch mit den Komponisten aus aller Welt. Die kommen aus New York, aus Amsterdam, aus Paris, London, Berlin. Da versuchen wir, aus den Hotspots die neuesten Trends mit- DANIEL KOSCHITZKI — Haben

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI zunehmen, aber die klassischen Wurzeln lassen wir immer wieder durchscheinen und spielen für unsere Besetzung leicht angepasst auch mal Bach, Vivaldi, Fauré. Das sind auch tolle Momente. Es schreiben uns auch Menschen, ob jetzt über Facebook oder unsere Webseite, dass sie sich wegen uns jetzt auch mal eine reine Bach-CD gekauft haben. Das finde ich toll, denn natürlich ist es Teil unserer Mission, Leute an die Klassik heranzuführen. Aber eben auf unsere Weise. HANIX — Könntet ihr auch »Hell’s bells« von AC/DC flöten oder macht das keinen Sinn? es, wie viele hast du und muss man einzelne Flöten extra studieren? Es gibt natürlich Grenzen. Durch E-Gitarren und Schlagzeug kriegen Rock-Acts einen ganz anderen Druck, als wir den kreieren können. Aber reizen würde es mich. Ich könnte mir vorstellen, mit einem Schlagzeuger zu kooperieren und zu schauen, wie weit sich das in die Extreme treiben lässt, bei einem Konzert auf offener Bühne oder bei einem größeren Festival. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Ihr bespielt über dreißig unterschiedliche Flöten bei euren Konzerten. Wie viele Flöten gibt Man muss tatsächlich schon im Studium sehr viele unterschiedliche Flöten studieren. Man muss sich das so vorstellen: Jede Zeit hat ein eigenes Instrument gehabt und auch eine eigene Stimmung. Renaissanceflöten zum Beispiel greifen sich anders, spielen sich anders und sind auch anders gestimmt als Barockflöten. Es gibt auch neuzeitliche Instrumente, die anders gestimmt sind, die haben dann auch Klappen und sind anders gebohrt, der Ampitus ist viel größer, also der Tonumfang. Da hat man schon was zu tun. Man muss viele unterschiedliche Griffe kennen und sehr flexibel sein. Es gibt nicht nur die Sopranflöte aus der Grundschulzeit, sondern eine ganze Flötenfamilie, die reicht vom 20-ZentimeterSopranino bis zum zwei Meter hohen Flötenkontrabass, und das dann eben aus sämtlichen Epochen. Es gibt unterschiedliche Flötenbauer, es gibt unterschiedliche Modelle, unterschiedlich gevoicte Flöten, unterschiedliche Hölzer, die verschieden klingen. So kommt es, dass ich DANIEL KOSCHITZKI — Fördern Sie unsere Talente! Das Deutschlandstipendium verdoppelt Ihre Spende! Fachkräftenachwuchs für unsere Region sichern www.hs-heilbronn.de/talente

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI zuhause schließlich etwa hundert Instrumente habe. Das ist auch ein Spaß in der Band, dass wir unterschiedliche Instrumente und Kombinationen ausprobieren, dass wir sehr lange nach den perfekten Instrumenten für ein Stück suchen. Das ist dann von Stück zu Stück unterschiedlich, und so haben wir dann eben tatsächlich dreißig bis sogar vierzig verschiedene Instrumente da liegen. HANIX — Gibt es eine Stradivari unter den Flöten? worben hat, leider nicht so gut klingt wie eine, die in einer Fabrik hergestellt wurde, bei der aber alles passt und die super klingt. Es gibt Überraschungen in jede Richtung. Deswegen kauft man sich als Blockflötist auch immer wieder neue und lässt sich von neuen Klängen inspirieren und anstecken. HANIX — Euer »Spark«-Debütalbum hat den ECHO-Klassik bekommen. Ist das die größte Auszeichnung bisher von dir oder von Euch? Es gibt Lieblingsinstrumente, die man sehr viel spielt, und es gibt bestimmte Blockflötenbauer von denen man auch viele Instrumente kauft und die dann auch recht teuer sind. Die Leute können sich das gar nicht vorstellen, dass man eine Blockflöte für durchaus mal sieben-, achttausend Euro auf der Bühne liegen hat. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Dann liegen bei dir zu Hause Blockflöten im Wert von einer halben Million rum? DANIEL KOSCHITZKI — Soviel ist es dann auch wieder nicht. denke, bisher ist das schon das Wichtigste gewesen in unserer Karriere. Das war ein unglaublicher Karriere-Push, das muss man schon sagen. David Garrett hat den schon ganz oft gewonnen. HANIX — Er hat ihn unter anderem, wie ihr, in der Kategorie »Klassik ohne Grenzen« gewonnen. DANIEL KOSCHITZKI — Ich Es sind durchaus auch Instrumente dabei, die zwischen hundert und zweihundert Euro liegen. Und manchmal kann es sein, dass eine Flöte, die man für teures Geld er84 David Garrett gewinnt in der Regel immer den »Bestseller des Jahres« (lacht). Unsere Musik steht eben eher so zwischen den Welten und ist daher prädestiniert für die Kategorie »Klassik ohne Grenzen«. Es war unglaublich toll und super. Wir durften bei dieser DANIEL KOSCHITZKI —

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INTERVIEW DES MONATS: DANIEL KOSCHITZKI ZDF-Gala zur Preisverleihung live spielen, und wenn man bedenkt, dass da aus sechzig bis siebzig verschiedenen Kategorien acht bis zehn Acts ausgesucht werden, die live spielen dürfen, war das natürlich toll. Und hinter der Bühne hat man dann mit Simone Kermes und Rolando Villazón plaudern können, das war natürlich ein Happening. H A N I X — Ist das eine gesonderte oder sitzt Preisverleihung man im selben ihr Raum wie bei der normalen ECHO-Verleihung? men? Saßt mit Bushido und Co. zusam- das ist zwar alles der ECHO, aber das war dann der ECHO-Pop, das ist das Bekannteste. Wenn der verliehen wird, läuft das auch um 20:15 Uhr zur Primetime. Dann gibt es den ECHO-Klassik, da läuft man dann ab 22 Uhr, und dann gibt es den ECHO-Jazz, das wird dann irgendwann auf 3sat oder arte zwischen 0 und 2 Uhr gesendet. Daran merkt man auch das unterschiedliche Standing, obwohl ich sagen würde, wir sind alle Musiker und kämpfen für dasselbe, nämlich für gute Musik. Es ist schade, dass es diese großen Unterschiede in der Wahrnehmung gibt. Es hat natürlich alles mit Absatzzahlen und Verkauf zu tun. So unterschiedlich ist das eben mit dem ECHO. HANIX — Gibt es beim ECHO KLASSIK auch eine AfterShow-Party, bei der die Sau rausgelassen wird? Oder sitzt man ganz gesittet zusammen? DANIEL KOSCHITZKI — Nein, bronn gespielt, das dann aber irgendwann mal sein gelassen. Wieso ist Heilbronn für euch ein schwieriges Pflaster? Ich weiß nicht. Bisher ist es mit »Spark« an ganz vielen Stellen geglückt, Fuß zu fassen, eine richtige Fanbase aufzubauen. In Heilbronn bisher noch gar nicht. Ich weiß nicht, woran das liegt, wir probieren es auch gerne wieder. Es war nur bisher nicht so einfach. Die Leute, die bei den Konzerten waren, waren total begeistert. Heilbronn ist kein ganz leichtes Pflaster. Es gibt die ganz klassische Schiene in der Harmonie, da bin ich früher oft hingegangen und es hat mir auch großen Spaß gemacht. Da würde ich auch mal gerne mit »Spark« spielen, aber es ist uns noch nicht geglückt. Und an den Stellen, wo wir es bisher probiert haben, hat es sich ein bisschen totgelaufen. DANIEL KOSCHITZKI — HANIX — Aber Heilbronn ist keine verbrannte Erde? ist nicht ganz so ausgelassen wie beim ECHO Pop, aber es ist schon schön. Das war damals in einem der heißesten Oktober, die es je gegeben hat. Es war also ein ganz mediterraner Abend im Konzerthaus Berlin, und wir sind alle auf der langen Treppe vor diesem archaischen Gebäude gesessen und haben Bier und Wein getrunken, sehr chillig. Man hat sich mit diesen ganzen Klassikleuten ausgetauscht, Leute von Labels, Leute aus aus der Industrie … das war echt ein super Abend. HANIX — Du hast gesagt, ihr habt früher in Heil- DANIEL KOSCHITZKI — Es überhaupt nicht. Ich fühle mich Heilbronn ja auch sehr verbunden, das ist meine Heimat, das sind meine Wurzeln. Es wäre mir schon ein Herzensanliegen, regelmäßig zurückzukehren und dauerhaft einen schönen Austausch zu haben mit Fans, die »Spark« super finden und Lust haben, mitzuverfolgen, was bei uns passiert und die dann eben auch kommen, wenn wir in Heilbronn und Umgebung spielen. DANIEL KOSCHITZKI —Nein,

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NECKAR - DER WILDE GESELL Im Gespräch mit Heike Frank-Ostarhild und Thomas Vogel NECKARGESCHICHTEN Gedichte und Texte von Hölderlin, Blau und Andersen VON KOREA NACH HAWAII Ein Reisebericht mit Neckarbootsfahrt MARK TWAIN IN HEILBRONN Der legendäre Schriftsteller startete in Heilbronn eine Floßfahrt THEATERSCHIFF Wer braucht schon einen Hochzeitstag? HEILBRONNER NECKAR HISTORISCH Ein Blick zurück in die städtische Flussvergangenheit JOSHIS MEINUNG Unser Kolumnist hat über den Stadtfluss nachgedacht NEIG´SCHMECKT Rafaela Jeckle weiß, dass der Neckar gut und böse sein kann

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» E N O R M E A N D I C H T E D I C H T E R N « TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ He i ke Fr a n k - Os t a r h il d u n d T h o m as Vo g e l h abe n d as Buch » Ne c kar g e s c h ic h t en « her a u s g e ge be n. Im Buch find e n s ich an di e h un der t Ges c hic h t en , Ge d ich te , Lie d e r, K rim is und we ite re Te x t e ü b e r d en S c h wa b en f l u ss . Wir unte rh ie lte n uns m it d e n b e i de n He r a u s g eb er n ü b er d ie Mys tik d e s Ne ck ars und d ar üb e r, w i e si e a u f a l l en Vieren krabbe lnd an d e m Buch ge arbe ite t h ab e n .

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TITELTHEMA: NECK AR H A N I X - Erstmal möchten wir etwas über Sie beide erfahren. Was befähigt sie dazu, ein Buch über den Neckar herauszugeben? Grundsätzlich kann man sagen, dass wir beide aus der Region kommen, beide am Neckar wohnen und auch beide Buchmenschen sind. Ich habe beispielsweise in den letzten zwölf Jahren fünf Romane geschrieben. Zwar war da kein Roman über den Neckar dabei, aber zum Beispiel ein Buch über eine literarische Reise durch Baden Württemberg, bei der der Neckar natürlich eine große Rolle gespielt hat. Wir sind also beide literarisch sehr interessiert und durch meine fast 30-jährige Tätigkeit als Kulturredakteur beim SWR kam ich natürlich oft in Berührung mit dem Neckar und den Geschichten über ihn - von der Mundart des Sebastian Blau bis hin zu internationalen Geschichten wie beispielsweise von Mark Twain oder HansChristian Andersen. Der Neckar wird in der Literatur sehr breitgefächert behandelt und es hat uns einfach gereizt, diese literarische Vielfalt zusammenzutragen. Vor allem weil der »Klöpfer & Mayer« Verlag eine Reihe über regionale Landschaften, wie zum Beispiel der schwäbischen Alb, des Schwarzwalds und des Bodensees herausbringt. Eines Tages kam der Verleger auf uns zu und fragte, ob wir nicht Lust hätten, etwas über den Neckar zu machen. Wir mussten nicht lange darüber nachdenken. Als wir den Auftrag angenommen haben, haben wir natürlich zuerst überlegt und recherchiert, was es denn schon an literarischem Material gibt und wir waren sicher, dass es schon Bücher, wie wir es herausgeben wollten, gab. Hier haben wir uns getäuscht, denn wir haben nichts Vergleichbares gefunden. Es war uns völlig unbegreiflich, dass es keine Neckar-Anthologie gab. Aber es gab natürlich jede Menge neckargeologische oder neckarhistorische Bücher. Auch Bücher über die Flora und Fauna und so weiter gab es zuhauf. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Das war überhaupt das Spannendste an der ganzen Sache. Man muss vielleicht vorab sagen, dass wir auch davor schon gemeinsame Projekte T H O M A S VO G E L - an der Uni veranstalteten, die nichts mit dem Neckar zu tun hatten, wie zum Beispiel die Tübinger Humorwoche. Hier haben wir natürlich schon gelernt, wie wir zusammenarbeiten können und dass es mit uns einfach passt. Die von Herrn Vogel schon angesprochene Suche lief so, dass wir Bücher gewälzt und das Internet durchforscht haben, da wir jeden Text, der schon mal über den Neckar verfasst wurde, sichten wollten. T H O M A S VO G E L - Die Frage war hier, wie man so etwas aufbaut. Macht man es von A bis Z oder historisch oder in einer ganz anderen Variante. Dann kam die Idee, dass wir an der Quelle, in Villingen-Schwenningen, beginnen, uns an dem Lauf des Neckars orientieren und an der Mündung, in Mannheim, enden. HANIX - Und sie, Frau Frank-Ostarhild, haben auch einen eigenen Verlag? Richtig, aber das Buch über den Neckar ist nicht bei uns im LEGAT-Verlag erschienen. Der Verlag den wir betreiben hat als Schwerpunkt das Thema Kunstgeschichte, da ich dieses Fach in Tübingen studiert habe. Übrigens auch am Neckar in der Alten Burse, wodurch ich den Fluss auch jeden Tag während meiner Studienzeit gesehen habe und zu solchen Dingen wie dem Stocherkahn eine enge Verbindung habe. Aber um nochmal zur Arbeit am Buch zurückzukommen: Wir hatten uns also auf den Aufbau »von der Quelle zur Mündung« geeinigt, haben dann gesammelt und irgendwann lag das Material ausgedruckt vor uns. Man muss sich vorstellen, dass wir auf allen Vieren auf dem Boden gekrabbelt sind und sortiert und diskutiert haben. Die Problematik bestand darin, alle verschiedenen literarischen Dinge, vom Kleinstgedicht bis hin zur langen Geschichte so zu sortieren, dass es erstens Sinn macht und zweitens interessant abwechslungsreich ist. Zudem gab es auch zu manchen Gegenden am Neckar sehr viel zu berichten, wie beispielsweise aus Heilbronn und natürlich aus Tübingen, als sehr literarische Stadt, hier musste eine strenge Auswahl getroffen werden. Andere Neckaranrainer waren kaum in der Literatur zu finden sondern eher H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D -

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TITELTHEMA: NECK AR in Berichten oder Dokumentationen. Vereinzelt griffen wir dann auch auf diese Texte zurück. H A N I X - Haben sie beide prägende Kindheits- oder Jugenderfahrungen mit dem Neckar? ist glücklicherweise voll besetzt mit Menschen, die zuschauen, wie die Kähne vorbeiziehen. Wir sind dann eben auch an der Mauer vorbei gestochert und haben das ein oder andere Mal Mädchen auf unseren Kahn eingeladen. H A N I X - Wie lange haben sie am Buch gearbeitet, bis es erschienen ist? Mein Jugendallttag bestand aus dem Lernen griechischer Vokabeln auf dem Stocherkahn. Dann habe ich auch viele Jahre in Heidelberg direkt am Neckar gelebt, dadurch kenne ich den Heidelberger Neckar und die dazugehörige Literatur, wie von Hölderlin, sehr gut. T H O M A S VO G E L H A N I X : Sind sie auch im Neckar geschwommen? Ich war nie freiwillig im Neckar schwimmen, aber ich bin beim Stocherkahn-Rennen hineingefallen. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Ich bin im Alter von neunzehn nach Tübingen zum Studieren gekommen, womit dann auch meine Neckarverbindung begann. Wenn man hier studiert ist es das Normalste der Welt auf dem Stocherkahn zu fahren, zu grillen und zu feiern. Da ich eine Zeit lang auch im Chor aktiv war, gab es auch immer einen Kahn zur Verfügung, da viele Vereine eigene Kähne haben. T H O M A S VO G E L - Vor allen Dingen trifft man dann eben auch die Mädchen, was natürlich damals interessant war. Als Tübinger Student fährt man auf dem Stocherkahn und kommt an der berühmten Neckarfront mit dem HölderlinTurm vorbei, wo dann auch die Kähne anlegen. Die Mauer T H O M A S VO G E L : Ungefähr ein dreiviertel Jahr. Wir haben im Sommer angefangen und im Frühjahr darauf wurde das Buch in Tübingen präsentiert. T H O M A S VO G E L - Da ich schon einige Dinge, insbesondere über den Humor im Ländle, geschrieben habe, lag es nahe, dass wir diese Erfahrungen in das Neckarbuch einfließen ließen, was es durchaus etwas einfacher gemacht hat. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Der Humor hat uns beide auch sehr verbunden. Ich habe ebenfalls 2002 ein humoristisches Buch namens »Wenn Meisterwerke Zähne zeigen »Das Lachen mit der Kunst« über das Lachen in der Kunst geschrieben, allerdings im Zusammenhang mit Kunstgeschichte. Über den Humor haben wir beide uns dann ausgetauscht und so entstand 2009 erstmals auch das schon erwähnte gemeinsame Tübinger Projekt, »Die Humorwoche«. Wir haben auch sehr darauf geachtet, den Humor in unserem gemeinsamen Buch abzubilden. Wenn wir beispielsweise Lesungen machen, hat das Ganze eher einen Eventcharakter und ist ein Dialog, wodurch auch jede H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D -

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TITELTHEMA: NECK AR Lesung anders ist. H A N I X - Wie würden sie den Neckar charakterisieren? Der Unterschied zwischen dem Neckar und Flüssen wie dem Rhein oder der Donau ist, ähnlich wie bei den Menschen die am Neckar wohnen, die Bescheidenheit. So ist der Neckar nur der viertgrößte Nebenfluss des Rheins, er ist nur 367 Kilometer lang, nur der zwölftgrößte Fluss Deutschlands und wohl eher mit Understatement unterwegs. Der Neckar will einfach kein Mythos sein, wie beispielsweise der Rhein, der auch Vater Rhein genannt wird. Der Neckar hat aber definitiv ein hohes Potential, da es auch viel Industrie am Neckar gibt und der Fluss als wichtiger Transportweg gilt. Der Fluss bestimmt natürlich auch zu einem gewissen Teil das Klima und ist eine der Ursachen für den guten Wein in unserem Bundesland, was dann wiederum den Tourismus ankurbelt. Wir haben beispielsweise auch einen Text von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten, der seine Doktorarbeit über Wein geschrieben hat, in unserem Buch. T H O M A S VO G E L H A N I X - Ist der Neckar ein Stück weit ein mystischer Fluss? Das kann man definitiv mit »Ja« beantworten. Wir haben einige Texte im Buch, in denen es um den Wassermann, um Nymphen und um Hexen Zauberei geht. Es gibt auch etliche Sagen über den Neckar. So zum Beispiel über die Wasserfräulein von Tübingen von Hammetweil, die Wäscherinnen waren, die die Leute ins Wasser gelockt haben, Wassernixen, die am Fluss sangen und den Menschen nachts bei der Arbeit halfen. Die Neckarauen mit dem unheimlichen Nebel können übrigens auch ganz schön gruselig sein. Ich vermute , dass die Sagen auf etlichen Unglücken basieren, da der Neckar einige sehr tiefe Stellen und tückische Strömungen hat, in denen die Menschen früher ertrunken sind, da sie nicht so gut schwimmen konnten wie heutzutage. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D H A N I X - Kann der Neckar, obwohl er ein kleiner Fluss ist, in manchen Bereichen mit Rhein und Donau mithalten? persönlich der schönste? Mit dem Charme und seiner Freundlichkeit kann er ganz sicher mit den Großen mithalten. Der Neckar ist nun mal nicht so mächtig wie die erwähnten Flüsse, von daher kommt er eher bescheiden daher aber in Sachen Eleganz und lieblicher Gestaltung seiner Landschaft kann er auf jeden Fall mithalten. T H O M A S VO G E L H A N I X - Welcher Abschnitt des Neckars ist für sie Das ist natürlich schwer zu sagen. Wir sagen erstmal Tübingen, aber auch der Odenwald ist wunderschön. Ich kenne aber auch die Industriegebiete um Cannstatt. Ehrlich gesagt bin ich jetzt kein Naturbursche, der gern wandert sondern eher ein Stadtmensch im Sinne von Tübingen und Heidelberg. Von daher finde ich den Neckar in diesen Städten ausgesprochen schön. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Für mich ist, neben Tübingen, die Rottenburger Gegend das Neckartal bei Bad Niedernau unter der Weitenburg sehr schön, obwohl man das als Tübinger nicht wirklich sagen darf. Da ich in meiner Coaching-Agentur RelActive Concepts auch als Reiterin mit Pferden arbeite und es bei Rottenburg Bad Niedernau eine tolle Neckarstelle gibt, an der man mit dem Pferd in den Fluss kann, liebe ich diese Stelle natürlich besonders. T H O M A S VO G E L H A N I X - Kennen sie auch schöne Badestellen am Neckar? Man muss sagen: Je jünger der Neckar wird, desto besser kann man in ihm baden gehen. Leider ist T H O M A S VO G E L -

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TITELTHEMA: NECK AR das Baden im Fluss etwas aus der Mode gekommen. Früher gab es auch Flussbäder, über die wir Texte im Buch haben. So zum Beispiel über eine Tochter eines Universitätsprofessors, die im 19-ten Jahrhundert den Antrag gestellt hat auch als Frau dort baden gehen zu dürfen, was damals ausschließlich Männern vorbehalten war. Leider hat sie sich nicht durchgesetzt und sich dann aus Tübingen verabschiedet. H A N I X - Verraten Sie uns ihre jeweilige Lieblingsgeschichte beziehungsweise ihren Lieblingstext aus dem Buch? Lieblingstexte sind für mich deshalb sehr schwierig zu nennen, weil ich sehr unterschiedliche Gefühlslagen habe. Mal ist es mir nach Witz und mal nach Romantik und Emotion. Im Buch finden sich beispielsweise launige und unterhaltsame Dialektstücke, die maximal über eine halbe Seite laufen. Die sind wunderbar, ich genieße diese Texte richtig. Ein Gedicht von Werner Veidt oder Texte von Häberle und Pfleiderer, dem urschwäbischen Duo überhaupt. Die beiden stehen auf der Neckarbrücke und philosophieren, reden eigentlich aneinander vorbei, T H O M A S VO G E L - um am Ende festzustellen, wie wunderbar es ist, sich miteinander ausgesprochen zuhaben. Auch Äffle und Pferdle sind dabei. Das sind natürlich keine großen literarischen Texte, die aber dennoch großartig sind. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Meine drei Lieblingstexte aus dem Buch sind folgende: Der Erste ist von Hermann Hesse und heißt »Novembernacht«. Eine sehr gruselige Geschichte. Dann von Joachim Zelter »How are you, Mr. Angst«. Eine Geschichte zum Totlachen. Und der dritte Text ist ein mystisches Gedicht von Justinus Kerner. Es heißt »Der Wassermann«. Diese drei Stücke spiegeln auch die Mischung an Texten, die im Buch zu finden ist, wider. T H O M A S VO G E L - Es ist wirklich schwer, sich auf drei Texte festzulegen. Das kann ich eigentlich gar nicht. Aber Sebastian Blaus »Dr Necker« gehört dazu. Er erzählt wunderbar in Rottenburger Schwäbisch, wie der Fluss klein anfängt, sich aufmacht und durch das Land schlängelt, um sich am Ende in den Rhein zu werfen. Ein wirklich wunderschönes Gedicht. Auf andere Weise sehr schön sind beispielsweise Hölderlins Neckar-Gedichte. Eine unbekannte Liebesgeschichte, »Mimi«, von Klabund, die am Neckaru-

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TITELTHEMA: NECK AR fer spielt, schätze ich auch sehr. Ein ebenfalls wunderbar romantischer Text ist »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« von Ossip Schubin. Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Breite und die Vielfalt der Texte im Buch den großen Reiz und Spaß für mich ausmachen. H A N I X - Ist der Neckar mehr als andere Flüsse auch ein Fluss der Dichter? Die großen Ströme, wie der Rhein, man denke alleine an das Nibelungenlied, sind natürlich öfter Thema in Gedichten oder lyrischen Texten als der Neckar. Ich glaube aber nicht, dass beispielsweise über die Elbe so viel gedichtet wurde, wie über den Neckar. Das wage ich zu bezweifeln. Das hängt aus meiner Sicht damit zusammen, dass es nirgendwo in Deutschland, vielleicht sogar nirgends in Europa, eine literarisch so dichte Region gibt, wie im deutschen Südwesten. Ich möchte Hesse und Hölderlin exemplarisch nennen. Die schwäbische Dichterschule besteht ja bis heute. Es gibt hier eine literarische Landschaft. Und wo es Literaten gibt, wird natürlich auch die landschaftliche Umgebung literarisch umgesetzt. Es hängt also mit der Dichte der Dichter zusammen. T H O M A S VO G E L H A N I X - Und somit auch mit dem Wein … T H O M A S VO G E L - unterwegs sein. Der Neckar ist eine Art Herzader BadenWürttembergs und prägt den Charakter der Menschen. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Früher wurden die Baumstämme, die im Schwarzwald für den Schiffsbau gefällt wurden, über den Neckar bis hoch zur Nordsee transportiert. Die Menschen, die am Neckar lebten, mussten also Handel betreiben. Somit herrschte ein Austausch mit anderen Regionen und Mentalitäten. H A N I X - Welcher Autor hat die größte Liebe für den Schwabenfluss entwickelt? Das waren aus meiner Sicht Friedrich Hölderlin und Sebastian Blau. Hölderlin war der Dichter der Flüsse. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Hölderlin hat den Neckar wahrlich besungen. T H O M A S VO G E L H A N I X - Ist der Neckar inzwischen ein Langweiler oder immer noch, wie es früher hieß »ein wilder Gesell«? T H O M A S VO G E L - Es gibt auch heute noch Hochwasser und eine gewisse Gefährlichkeit kann man dem Neckar nicht absprechen, von daher kann man immer noch vom »wilden Gesellen« sprechen. Aber Flüsse haben ihre Geschichte. Sie haben sich verformt, verändert und sich neue Wege gesucht. Natürlich hat der Neckar gelitten und wurde teilweise missbraucht, zum Beispiel für die Industrie oder Kernkraftwerke. Aber er hat inzwischen wieder vielerorts gewonnen, weil eben nicht mehr wie früher, von beispielsweise den Gerbern, der Industriedreck in den Fluss abgelassen wird. H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Es wird gegenwärtig auch wieder vermehrt renaturiert. Es gibt viele Gemeinden und Städte, die das Ziel verfolgen, Flussauen wieder neu entstehen zu lassen. Wer weiß, vielleicht kommt der »wilde Geselle« ja dann auch noch etwas ausgeprägter zurück. Der Neckar wurde wegen der Strudel und den Stromschnellen »wilder Geselle« genannt. Das war durchaus sehr gefährlich. H A N I X - Wann waren Sie zuletzt auf dem Neckar? Absolut. Ich bin mir diesbezüglich ganz sicher … (lacht) H A N I X - Hat sich Mark Twain tatsächlich auf seiner Floßfahrt von Heilbronn nach Heidelberg für Huckleberry Finn inspirieren lassen? Oder ist das eine gern erzählte schwäbische Legende? T H O M A S VO G E L - Er ging nach Europa, weil er eine Schreibblockade hatte und diese Floßfahrt hat er damals tatsächlich gemacht. Ich halte es wirklich für gut möglich, dass er bei dieser Floßfahrt dazu inspiriert wurde, eine Mississippi-Floßfahrt zu gestalten und niederzuschreiben. Bis heute pilgern ja unzählige Amerikaner an den Neckar bei Heilbronn, um auf den Spuren ihres Nationaldichters diese Fahrt zu machen. H A N I X - Woran erkennt man, dass der Neckar ein Schwabe ist? T H O M A S VO G E L - Es ist dieses Understatement. Mehr Sein als Schein. H A N I X - Sind Schwaben, die am Neckar leben, anders als andere Schwaben? TH O M A S VO G E L - Das glaube ich schon. Die NeckarLeute sind beweglicher. Ich kenne Orte im Schwarzwald, da gibt es zwei Nachnamen. Wer am Fluss wohnt, schaut immer etwas über den Tellerrand hinaus, will reisen und Das dürfte vor zwei Monaten gewesen sein. Ich bin durchaus immer noch ein begeisterter Stocherkahn-Fahrer, lasse aber auch gerne stochern … (lacht) H E I K E F R A N K - O S TA R H I L D - Ich war vor Kurzem mit meinen Kindern und meinem Mann auf dem Neckar Ruderboot fahren. Das machen wir regelmäßig. Meine Kinder sind Neckar-Fans. T H O M A S VO G E L -

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TITELTHEMA: NECK AR In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf Zum Leben, deine Wellen umspielten mich, Und all der holden Hügel, die dich Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir. Auf ihren Gipfeln löste des Himmels Luft Mir oft der Knechtschaft Schmerzen; und aus dem Tal, Wie Leben aus dem Freudebecher, Glänzte die bläuliche Silberwelle. Der Berge Quellen eilten hinab zu dir, Mit ihnen auch mein Herz und du nahmst uns mit, Zum stillerhabnen Rhein, zu seinen Städten hinunter und lust’gen Inseln. Noch dünkt die Welt mir schön, und das Aug entflieht Verlangend nach den Reizen der Erde mir, Zum goldnen Paktol, zu Smyrnas Ufer, zu Ilions Wald. Auch möcht ich Bei Sunium oft landen, den stummen Pfad Nach deinen Säulen fragen, Olympion! Noch eh der Sturmwind und das Alter Hin in den Schutt der Athenertempel Und ihrer Gottesbilder auch dich begräbt, Denn lang schon einsam stehst du, o Stolz der Welt, Die nicht mehr ist. Und o ihr schönen Inseln Ioniens! wo die Meerluft Die heißen Ufer kühlt und den Lorbeerwald Durchsäuselt, wenn die Sonne den Weinstock wärmt, Ach! wo ein goldner Herbst dem armen Volk in Gesänge die Seufzer wandelt, Wenn sein Granatbaum reift, wenn aus grüner Nacht Die Pomeranze blinkt, und der Mastixbaum Von Harze träuft und Pauk und Cymbel Zum labyrinthischen Tanze klingen. Zu euch, ihr Inseln! bringt mich vielleicht, zu euch Mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn Auch da mein Neckar nicht mit seinen Lieblichen Wiesen und Uferweiden. FRIEDRICH HÖLDERLIN DER NECKAR

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Zeigen Sie der Luft, wo es langgeht! Viel Luft und Bewegung – was will man mehr? Auszubildende 2014 (m/w) Für unsere Standorte in Mulfingen, Niederstetten und Hollenbach mit 2.800 Mitarbeitern suchen wir zum Ausbildungsbeginn September 2014 engagierte Auszubildende für folgende Berufe: – Industriemechaniker/-in – Elektroniker/-in (Geräte und Systeme) – Technische/r Produktdesigner/-in (Maschinen- und Anlagenkonstruktion) – Informatikkaufmann/-frau – Fachinformatiker/-in – Anwendungsentwicklung – Systemintegration – Mechatroniker/-in – Industrieelektriker/-in – Maschinen- und Anlagenführer/-in – Bachelor of Arts (International Business – DH) – Bachelor of Science (Wirtschaftsinformatik – DH) – Bachelor of Engineering (Elektrotechnik – DH) – Bachelor of Engineering (Maschinenbau – DH) – Konstruktion und Entwicklung – Produktionstechnik – Kaufmann/-frau für Bürokommunikation – Industriekaufmann/-frau mit Zusatzqualifikation (Internationales Wirtschaftsmanagement und Fremdsprachen) – Industriekaufmann/-frau – Fachkraft für Lagerlogistik Wenn Sie die Ausbildung in einem dieser Berufe bei einem modernen, zukunftsorientierten Unternehmen interessiert, dann senden Sie uns Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, Lichtbild, letztes Schulzeugnis) bis spätestens 31.08.2013. – Bachelor of Engineering (Wirtschaftsingenieurwesen – DH) – Internationale Produktion und Logistik – Internationales technisches Vertriebsmanagement – Kooperativer Studiengang – HHN (Elektroniker/-in – Bachelor) ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG · Bachmühle 2 · 74673 Mulfingen · Germany Phone +49 7938 81-7080 · Fax +49 7938 81-97080 · ausbildung@de.ebmpapst.com · www.ausbildung.ebmpapst.com Willkommen in der Welt der Luft- und Antriebstechnik. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich in diesem Moment in der Nähe eines Motors oder Ventilators von ebm-papst befinden, ist groß: Als Weltmarktführer mit einem einzigartigen Produktprogramm bieten wir Lösungen für die unterschiedlichsten Branchen. Unsere Technik setzt Maßstäbe in Qualität und Innovation und steckt rund um die Welt in unzähligen Geräten, Anlagen und Anwendungen. 11.000 Kollegen weltweit – rund 2.800 an unserem Standort in Mulfingen – schaffen ein kooperatives Arbeitsumfeld und sind täglich mit Begeisterung und Leidenschaft dabei.

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TITELTHEMA: NECK AR SEBASTIAN BLAU DR NECKER 1 Ta’z ond Musek ghaört zur Kirbe, ond dr Haohzichstrauß zur Braut, ond zur Fasnet ghaöret mürbe Küachle’, wia dr Speck ens Kraut. Ond zur Täufete ghaört s Kendle ond zom Gaigel ghaört dr Trompf, ond dr Necker ghaört ens Ländle als es Hearzstuck ond Triompf! 2 Sei’ Erbtoal kriegt r halb ond halb vom Schwaarzwald ond vo’r Rauhe’-n-Alb. Drom ist r ao toals zart, toals grob, grad wia sei’ Vatter ond sei’ Muater; mit oam Woat gsait: r ist e’ guater ond regelreachter Schwob. 3 Etz gucket ao des Wässerle, wias aus em Bode’ spritzt, ond grad wia silbrigs Messerle so blank ond sauber glitzt! Wias pflätscheret ond strudlet ond wuselet ond hudlet, wias läbberet ond motzet ond Kieselbatze’ schlotzet! Sott ma’s glaube’, schla me s Blechle, daß des wenzig, wonzig Bächle mol en Necker geit? Freile, freile geit es des, narr, aus Bibberle wearet Gä’s ond aus Kender Leut! 4 Des ist doch e’-n-alte Sach: aerst viel Wässerle’ gend en Bach. So isch grad beim Necker ao – ond en Rottweil macht r schao’ a’ dr aerste’ Mühlebruck als Athlet sei’ Gselle’stuck … 5 Etz schwitisiert r s Täle ra, etz ist r uf dr Walz, ond wenn r kö’t, noh feng r a’ ond säng aus voolem Hals! r waalet en de Wiese rom ond babblet mit de Büsch, r lachet alle Städtle’-n-a’ ond schnalzget mit de Fisch. r karessiert mit Berg ond Wald ond schmoichlet mit em Moos, tuat Fangetles mit dr Eise’bah’ ond Schlupfetles mit dr Stroß … Koa’ Wonder, daß ehn s Täle ma’, ond daß ehms so flattiert ond reachts ond lenks de’ ganze’ Weag mit Tanne’reis verziert! 6 Ond r reckt se, ond r streckt se ond braucht zmol en Haufe’ Platz. Stoa’ ond Felse’ überschwemmt r ond de graößte Stauwehr nemmt r spielend mit me’ Satz. So isch reacht, so ka’-n-r bleibe’! Etzet muaß r na’ a’s Britt, etzet hoaßts uf Schritt ond Tritt: Mühle’-n-ond Fabrike’ treibe’, Geite’ hüate’, Wendle’ wäsche’, onter jede Bruck se ducke’ ond dezuana’ Dreck und Äsche’, Abfall, Gschnipf ond Kutter schlucke’ ... Ist r schliaßlich noch em Schaffe’ obneds wieder glatt ond ebe’, muaß r noh em Mo’, deam Affe’, stonde’lang de’ Spiagel hebe’ … Aber moa’st, de’ Necker kheis? Männdle, do bist et reacht briicht: narr, etz zeigt r aerst mit Fleiß überal e’ freundlichs Gsiicht! 7 Freile müaßt r bald verlechne’, kö’t r et uf Zuaschuß rechne’. Haörsch! do blätscherets schao’ em Schilf! Ond vo’ älle Seite’ sprenget Wässerle’ ond Bäch ond brenget Ao’srem Necker Hilf: Fils ond Rems ond Murr ond Enz, Zaber, Sulm ond Jagst ond Kocher. Isch e’ Wonder, wenn r nocher vo’ Heilbronn bis na a’ d Grenz wia e’ Herr deherstolziert ond mit Woaze’, Obst ond Wei’ ond mit Dampfschiff renommiert, grad as wär des älles sei’? 8 Etz ist r stark, iatz ist r graoß, etz goht e’ –n- anders Leabe’ laos, etz muaß r naus en d Fremde … (Wer wurd ao heule’, schäm de!). r hot uf sei’re Wanderschaft e’ –n- A’seah’ kriagt ond Bäre’kraft, r hot vom Leaba’ manches gseah’, hot manches könne’ haöre’, ond wa noh fehlt, des wurd se gea’, des wurd ehn d Fremde laehre’. – So, do ist d Grenz. Adjee! Soweit wär alles reacht ond schö’. Was aber tuat dear Stromer? r lauft schnurstracks ens Badisch nei’ ond selt – vor lauter Jomer – versäuft r se em Rhei’!

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TITELTHEMA: NECK AR HANS-CHRISTIAN ANDERSEN D I E A LT E KIRCHENGLOCKE Im deutschen Lande Würtemberg, wo die Akazien so lieblich auf der Landstraße blühen und wo Aepfel- und Birnbäume im Herbste unter dem Segen der Reife sich beugen, liegt eine kleine Stadt, Marbach. Sie gehört zu den ganz geringen Städtchen; schön aber liegt sie am Neckarfluss, der an Städten, alten Ritterburgen und grünen Weinbergen vorbeiströmt, um seine Gewässer mit dem stolzen Rhein zu mischen. Es war spät im Jahre, das Weinlaub hing herab mit rothen Blättern, Regenschauer fielen und der kalte Wind wurde immer stärker; es war nicht die erquicklichste Zeit für die Armen. Die Tage wurden finster und noch finsterer war es drinnen in den alten kleinen Häusern. Eins von diesen lag da mit dem Giebel zur Straße gewandt, mit niedrigen Fenstern; arm und gering war es anzusehen, und so war auch die Familie, die es bewohnte, aber brav und fleißig und mit Gottesfurcht in der Schatzkammer des Herzens. Noch ein Kind wollte der liebe Herrgott ihnen bescheeren; die Stunde war da, die Mutter lag in Schmerzen und Noth; da drang zu ihr hinein vom Kirchenthurme ein Glockenklang ... Und das Kind wuchs heran und um ihn herum wuchs die Welt. Zwar zogen die Eltern nach einer andern Stadt; aber liebe Freunde blieben in dem kleinen Marbach zurück und daher kamen auch Mutter und Sohn eines Tages dort zum Besuche. Der Knabe war kaum sechs Jahre alt ... Bei dem ersten Besuche in Marbach hatte sich die Stadt nicht besonders geändert, es war ja auch nicht gar lange her, seitdem sie fortgezogen waren; die Häuser standen wie früher mit den spitzen Giebeln, den schiefen Wänden und niedrigen Fenstern; auf dem Friedhofe waren neue Gräber hinzugekommen und dort, hart an der Mauer, stand jetzt unten im Grase die alte Glocke. Sie war von ihrer Höhe heruntergefallen, hatte einen Sprung bekommen und konnte nicht mehr läuten; eine neue hatte ihre Stelle eingenommen ... Wie ging es dem jungen Manne? Wie ging es der alten Glocke? ... Die wurde aus Marbach weggebracht, wurde als altes Kupfer verkauft und sollte im bayrischen Lande in den Schmelzofen geworfen werden. Wie und wann kam sie dahin? Das mag die Glocke selbst erzählen, wenn sie es kann, es ist nicht von großer Wichtigkeit; gewiß aber ist es, daß sie nach der Königsstadt Bayerns kam. Viele Jahre waren verflossen, seitdem sie vom Thurme herabfiel; jetzt sollte sie eingeschmolzen und mit zum Gusse eines großen Ehrendenkmals verwendet werden – für deutsches Volk in deutschem Lande! – Hört nur, wie es sich traf: wunderlich und herrlich geht es doch zu in dieser Welt! Droben in Dänemark, auf einer der grünen Inseln, wo die hohen Buchen wachsen und die vielen Hünengräber stehen, lebte ein ganz armer Knabe, der in hölzernen Schuhen ging und seinem Vater, der auf der Schiffswerfte in Holz schnitzelte, das Essen in einem alten Tuche zubrachte; dies arme Kind war der Stolz seines Vaterlandes geworden, er stellte in Marmor Herrlichkeiten dar, daß die Welt staunte, und eben ihm ward der ehrenvolle Auftrag, im Thone eine Gestalt der Größe und Schönheit zu formen, die in Metall gegossen werden sollte, das Bild Desjenigen, dessen Namen der Vater in seine Bibel eingeschrieben hatte. Und das Metall floß glühend in die Form, und die alte Glocke – ja, es dachte Niemand an ihre Heimath, an ihr hingestorbenes Läuten – die Glocke floß mit in die Form und bildete Haupt und Brust des Standbildes, das jetzt entschleiert dasteht in Stuttgart vor dem alten Schlosse, auf dem Platze, wo der, den es vorstellt, im Leben, im Kampf und Streben, von der Außenwelt gedrückt, herumging, er, das Kind aus Marbach, der Karlsschüler, der Flüchtling, Deutschlands großer, unsterblicher Dichter, welcher da sang von dem Befreier der Schweiz und der gottbegeisterten Jungfrau Frankreichs. Es war ein schöner, sonniger Tag. Fahnen flatterten von Thürmen und Dächern im königlichen Stuttgart, Kirchenglocken läuteten zum Fest und zur Freude; nur eine Glocke schwieg, sie leuchtete im hellen Sonnenschein, leuchtete von Gesicht und Brust der Ruhmesgestalt; es waren grade hundert Jahre verflossen seit dem Tage, da diese Glocke im Marbacher Thurm der leidenden Mutter Freude und Trost zuläutete, als ihr das Kind geboren wurde, arm im armen Hause, der reiche Mann, dessen Schätze die Welt segnet, er, der Dichter des edlen weiblichen Herzens, der Sänger des Großen und Herrlichen: Johann Christoph Friedrich Schiller.

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TEXT & FOTOS: NICOLAI KÖPPEL KOREAH AWA II Die moderne Welt erscheint uns oft genug entzaubert. Im schonungslosen Selbstversuch wagen unsere geschwätzigen Reporter den Schritt nach innen und kommen dabei sogar ein bisschen vor die Tür … im ersten Teil ihres zauberhaften Reiseberichts VON KOREA NACH HAWAII.

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TITELTHEMA: NECK AR Es mag nun schon einige Monate zurückliegen, dass mein langjähriger Weggefährte (in anderen Kreisen würde man wohl »Kumpel« sagen, ohne dabei jedoch auf Untertagebau anzuspielen) … wo war ich? Ach ja: also quasi Till und meine werte Person des Abends bei einem kühlen Getränk auf der noch etwas kühleren Veranda seines Hauses beisammensaßen und uns beim Qualm mehrerer heiß entbrannter Zigaretten ganz folgerichtig warme Gedanken über den Charakter zukünftiger Gemeinschaftsunternehmungen zu machen versuchten. Doch herrje: zu lange kannten wir uns schon, alles, was uns einfiel und der Mühe wert war, schienen wir bereits schon einmal getan zu haben. Der Fantasie der geschätzten Leserschaft seien hier keinerlei Grenzen gesetzt. Nun ist ja nichts Falsches daran, die eine oder andere erfolgreiche Unternehmung zu wiederholen, bis einem langweilig wird oder das Rückenmark Schaden nimmt, aber – und in diesem Moment stockte uns der Atem, denn wir bemerkten mit Schrecken, dass es wohl die klamme Hand der Langeweile war, die sich uns um den Hals gelegt hatte, und dass nur erfrischend neue Erlebnisse uns das Glück und die Kraft schenken konnten, den in uns wie ein schmerzender Rülpser aufgestiegenen Dämon der Ödnis zu besiegen. Wir sahen uns in die Augen, als wollten wir sagen: was geht, Alter? Es konnte doch wohl kaum die Jugend in unseren Herzen sein, die ging. Jugend geht immer. Aber wohin? Und wohin wir? Schnell konnte festgestellt werden, dass wir beide der Ansicht waren, in unseren Breiten sei das Glück wohl nicht zu finden, vielmehr sei es, wenn überhaupt, doch eher woanders. Unsere Gefühle über diese Entdeckung waren, wie man sich vorstellen kann, gemischter Natur. Noch wahrscheinlicher schien uns, dass das Glück, was immer das jetzt eigentlich sei, weder hier noch dort, sondern auf dem Weg dazwischen, vielleicht sogar nur in unseren Köpfen sei, in welchen ja die abstrusesten Vorstellungen sich aufzuhalten pflegen, wenn wir uns auf dem Weg zwischen zwei Lebenslagen befinden – und ist das nicht quasi ständig? Unsere Gefühle über diese Feststellung waren naturgemäß sogar noch ein wenig gemischter als die vorangegangenen. Wer weiß, es mag sein, es vermischten sich in unseren Gemütern die zwei gemischten Empfindungen zu einem noch ungleichmäßigeren Gemisch. Und deshalb fassten wir den Entschluss, unser Anliegen in klare und einfache Worte zu fassen. Einige kühle Getränke später hatten wir soweit durchformuliert. Der problembewusste, gleichzeitig aber auch pragmatische und gänzlich zwanglos ergebnisoffene Ansatz hieß … ach,

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TITELTHEMA: NECK AR das hatten wir schon, gell? Eine Reise schien uns das Naheliegendste. Von exotischen Gedanken befeuert, schlugen wir diverse Atlanten und prächtige Bildbände auf, um uns jener Ahnung zu vergewissern: ja, das war es! Schöne Länder! Fremde Frauen! Alternative Kulturen! Kulturelle Alternativen. Und Bier gebe es ja quasi überall. Wir würden also mit leichtem Gepäck reisen können. Die Wahl fiel auf den Fernen Osten. Oder, da wir beide Strand bevorzugen, eine Insel. (Wo sonst gibt es – anteilig immerhin – mehr Strand als auf einer Insel?) Wir begannen mit der Planung und trugen auch unseren Frauen unser Ansinnen vor, doch leider erlaubten sie es nicht. Zu voll sei der Terminkalender für eine (möglichst, so hatten wir uns das vorgestellt) mehrwöchige Reise, zu zahlreich seien die Verpflichtungen, und wenn man außerdem in die Haushaltskasse hineinrufe, höre man ein allzu großes Echo, das keine Extravaganzen erlauben würde. Nun sind Till und ich von Natur aus schlaue, gefühlvolle Männer, die leichterdings in Kontakt mit ihren zu tiefsten Impulsen treten können, als wäre das rein gar nix, und als solche gehorchten wir den Weisungen unserer Angetrauten. Statt aber nun Trübsal zu blasen, hockten wir uns erneut über unsere Landkarten und ersannen schon am darauffolgenden Abend eine kühne List, die uns ans Ziel unserer Bemühungen führen sollte. Mit stolzgeschwellter Brust und dem Schalk im Nacken sprachen wir erneut vor: einen Tag, einen lächerlich kleinen Tag würden wir doch freibekommen? Na, so hieß es, einen Tag selbstverständlich schon. Sogar Pfingstsonntag? Wenn’s denn sein musste. Aber welche Fernreise in unbekannte Gefilde wollten wir denn innerhalb eines einzigen Tages unternehmen? Eine Reise (so wir nun wieder) von Korea nach Hawaii! Ehe der Großteil der geschätzten hier im Internet versammelten Leserschaft müde abzuwinken beginnt (»An einem Tag von Korea nach Hawaii? Blödgesoffen haben sich die zwei Trottel im Lauf ihrer Freizeitplanung, so sieht’s doch aus hier! Ich geh zurück ins Inhaltsverzeichnis!«), muss nun eiligst erläutert werden (hiergeblieben!), was es mit diesem fürs Erste zugegeben abwegig klingenden Vorsatz auf sich hat.»Korea« – für Millionen Menschen der Name eines ge-

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TITELTHEMA: NECK AR teilten Landes voller Rätsel, Konflikte und Widersprüche. Für alle? Nein. Einige Hundert Bürger des im Heilbronner Umland liegenden Städtchens Besigheim können behaupten, in Korea zu leben und aus diesem simplen Umstand weder Rätsel, Konflikte oder gar Widersprüche abgeleitet zu haben. Die Besigheimer Wartturmsiedlung nämlich, auch als »Mehlsack« bekannt (das führt jetzt aber zu weit), wird im Volksmund »Korea« genannt. Man mag fragen, warum (und ich wollte wohl fragen, jawohl, die Besigheimer Stadtverwaltung sogar), aber Till winkte ab und beschied mir mit der ihm eigenen Mischung aus schmunzelnder Resignation und jungväterlich-defätistischer Zufriedenheit, dass man einem geschenkten Reiseausgangspunkt nicht in die Etymologie gucken soll. Warum aber, so der berechtigte Einwand, soll eine Reise von einem seltsam benamsten Ortsteil ausgehend erfolgreicher zu planen sein als eine richtiggehende Fernreise? Die Antwort ist einfach, denn auch das Ziel hat es in sich: der Heilbronner Stadtteil »Hawaii« erfreut sich nicht zuletzt seines umgangssprachlichen Namens wegen seit Jahren einiger Beliebtheit unter so manchem lebenslustigen Heilbronner. Da hatten wir’s doch: Von Korea nach Hawaii zu reisen kann so einfach sein. Von dieser Erkenntnis beschwingt, traten Till und ich augenblicklich einen triumphalen Spaziergang an, der uns schon nach den ersten Schritten von der Funktionsfähigkeit unserer Haxen überzeugte. Die Expedition (ex: hinaus, Pedes: die Laufwerkzeuge) konnte also beginnen. Der erste Rückschlag folgte jedoch auf dem sprichwörtlichen Fuße, als wir die gewählte Strecke entlang des Neckars in das nächstgelegene Internet eintippten: Erschreckende 24 km Luftlinie von Korea nach Hawaii bringen uns aus dem Stand zurück auf den Hosenboden der Tatsachen, desgleichen die sich langsam aber sicher aufdrängende innere Nutzlosigkeit unseres Unterfangens, das Fehlen einer Mission. Doch da kam uns unsere Abstammung zur Hilfe wie ein glücklicher Zufall, der ja immer nur eine Ausrede für schicksalhafte Fügung, ja wenn nicht gar göttliches Eingreifen darstellt: Nicht nur, dass der Wasserweg auf dem Neckar sich in Gestalt eines entgegenkommenden Kanuverleihs als eine Reisemöglichkeit anbot (und ein Viererkanu der Organisation »Zugvögel« hätten wir schon zwei kurze und hochsympathische Telefonate später im Reisesack), nein, sogar ein getränkemäßiger Versorgungsspezialist für Gentlemen, wie wir es sind, wurde bei uns vorstellig und fragte an, ob wir uns mit dem Transport eines von ihnen bereitgestellten Gefährts überfordert sähen. Wir nahmen das Gefährt in Augenschein und konstatierten blitzschnell, dass es sich um einen handelsüblichen Bollerwagen neuerer Bauart handelte. Was denn in diesem Bollerwagen seiner Vorstellung nach transportiert werden sollte, fragten wir, getränkemäßig. Na, Bier, sagte der patente Bollerwagenmann, Bier, das, so erklärte er uns, von ihm selbst gebraut wird, den ganzen Bollerwagen voll. Wir wanden ein, dass Bier ganz schön schwer sei, wurden aber von dem Angebot überzeugt, das Getränk unterwegs nach Gutdünken zu dezimieren und günstigstenfalls ohne jegliches Gewicht in Hawaii einzutreffen. Alles nickte. Da verstanden sich welche. Unter dem Eindruck dieser Bereicherung fiel Till – und jetzt kommt das mit der Abstammung – eine Melodie ein, die ihm sein Oheim einst an der Wiege zu singen pflegte (oder heißt es »pflog«?) – und ich kannte sie auch, bei mir war es allerdings die Muhme, von der ich sie hörte, irgend so Leute eben: »Es gibt kein Bier auf Hawaii«, so ihr Titel. Eine kurze Diskussion grammatischer Art wurde geführt: Müsste es nicht, da es sich bei uns nicht um eine Insel, sondern um einen Stadtteil handelte, nicht heißen »Es gibt kein Bier IN Hawaii«? Aber hieß es nicht auch »auf Schalke«? Aber war das nicht etwas völlig anderes? Einig waren wir uns jedoch, dass es uns bei unserem Reiseprojekt nicht um Abgrenzung, sondern um Zusammenführung zu tun war, und daher entschieden wir, dass die Diskussion Käse und das Ergebnis wurscht war. So war das Bündel geschnürt: Wir konnten schließlich nicht nur Start und Ziel, sondern auch Transportmittel, Transportgut sowie eine höhere Mission vorweisen: Wir hatten dieses Bier nach Hawaii zu bringen, koste es, was es wolle! Ein vernünftig bepreistes Leihkanu und gesponsertes Getränk entspannte unsere Reisekasse. »Rug Beer – the beer for Gentleman«, so der Name des Getränks, das wir zu befördern hatten, ein Produkt, mit dem die lokale Mannschaft eines Sports transatlantischer Herkunft ausgestattet zu werden sich glücklich schätzen durfte, und so auch wir. Aber wie glücklich genau? Natürlich mussten wir uns von der Güte des Getränks überzeugen und bezogen in die nun folgende detailliertere Streckenplanung einige Flaschen »Rug Beer« mit ein, um schon mal »ein Feeling« zu kriegen, wodurch die Besprechung einiges länger dauerte als angesetzt, aber dafür auch launiger ausfiel, als es selbst unter alten Freunden Standard sein kann, soll oder sogar ... nein, es darf durchaus. Aber was sollte der Name des Getränks uns sagen? Vermutungen schwirrten durch den Raum, der von einem Tisch voller dort ausgebreiteter

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TITELTHEMA: NECK AR Landkarten beherrscht zu sein schien, Bildungsreste wurden in Gestalt vokabularer Ahnungen mühsam ans Licht möglicher Erkenntnis gezerrt, und doch blieb das Resultat denkbar unklar, ja sogar aus mangelnder Stichhaltigkeit völlig sinnfrei. Wir konsultierten auf dem gefühlten Gipfel unserer Ahnungslosigkeit ein passendes Sprachlexikon und erfuhren, dass das Wörtchen »rug« im Englischen über mehrere Bedeutungen verfügte, die ich aus Gründen der Leitmotivik über den ganzen Bericht verteilen will: Hier also vorerst nur Bedeutung Nummer eins: »rug« – der Läufer. Das passte. Läufer waren wir schließlich auch, würden wir auch sein. Zumindest im Ersten von drei Teilen unserer Reise von Korea nach Hawaii, nämlich vom Herzen Koreas aus nach Hessigheim, wo uns von den »Zugvögeln« das reservierte Viererkanu zu Verfügung gestellt würde, das wir auf dem Neckar bis kurz vor Lauffen zu steuern hätten, mit der Strömung, versteht sich. Den Rest der Strecke von Lauffen nach Heilbronn würden wir laufen, dachten wir uns. Wir ahnten ja nicht. Wir waren vielmehr aufgeregt, und im aufgeregten Zustand ahnt man nichts. Wie die Sache auch ausging, den Bollerwagen dürften wir behalten, hieß es. Tills und mein Herz schlugen höher, und wir benö102 tigten ein weiteres »Rug Beer«, um wieder »runterzukommen«. Dann gingen wir schlafen. Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus, heißt es. Der Wetterbericht für den Tag unserer Reise kündigte schier vollständige Wolkenverhangenheit an. Die Sonne schien jedoch derart in unseren Herzen, dass wir schier kein Auge zubekamen. Die Wecker läuteten im Morgengrauen, trotz Feiertag, an zwei unterschiedlichen Orten in bzw. um Heilbronn. Kamerad Till und ich waren unserer Sache so innerlich verpflichtet, dass es keiner vorabendlichen Zusammenrottung bedurft hatte, ein Arrangement, das oft Schlafsäcke und Gästebetten bedingt und in dem derjenige von beiden, der den Wecker gehört hat, den anderen sanft, aber männlich im Schlaf an der Schulter fasst und zart und doch nicht aufreizend »Hey« sagt, damit sichergestellt ist, dass alle Reisewilligen, seien sie müde blinzelnd oder nicht, um den Griff einer Kaffeetasse gewickelt werden und das Haus kurz darauf pünktlich nach Plan verlassen können. Nein, ein Fahrdienst, den der kluge Till vorsorglich vor mehreren Jahren zu ehelichen verstanden hatte, war willens, Till in den frühen Morgenstunden aufzuscheuchen, mich einzusammeln und uns samt Gepäck gen Korea zu

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TITELTHEMA: NECK AR kutschieren. Möge diese kleine Binnenepisode der mitlesenden männlichen Abordnung unserer Leserschaft zur Lehre gereichen: Zu Beginn wird man von den Damen oftmals verlacht, wenn eine Idee sich erst zu formieren beginnt, aber sobald man Tatsachen wie eine Abfahrtszeit auf den Tisch legt, ziehen die Mädels doch oftmals mit, weil sie sehen oder doch zumindest wollen, wie es ausgeht. Vielleicht brächten wir ja Beute mit nach Hause? Gepäck, oh Last, du süße. Gepäck ist ob des Umstands, dass es immer was wiegt, der erste Schuldige und Hauptbuhmann bei Reiseermüdung, aber auch Quelle jeglicher Nahrung und Zerstreuung solcher Art, wie man sie unterwegs nicht zu finden hofft. Man will ja unterwegs frei sein und nicht darauf angewiesen sein, dass zur rechten Zeit irgendwo lauwarme Getränke verkauft werden. Ein Tipp, wie man den Vorabend einer Reise verbringen sollte: man sollte packen. Der Kopf ist zu solcher Zeit noch übersichtlich klar (was man vom Morgen der Abfahrt nicht im Voraus weiß), und es steht nicht die Familie des Reisegefährten mit laufendem Motor hinter einem und räuspert sich, ohne dabei auf die Lautstärke zu achten, bzw. eben gerade doch. Kein Wort mehr dazu. Wer’s noch nicht wusste, wird jetzt informiert: Korea ist an einem Hang gelegen und folgt in der Nomenklatur seiner Straßen so etwa dem Inhaltsverzeichnis des abwaschbaren Naturführers »Die elf, zwölf Baumarten, die eh jeder kennt« (Privatdruck, vergriffen). Solches habe ich nie verstanden, und wo sonst als in einem Reisebericht kann man es ohne logische Sprünge anprangern: wenn man sich an einem Ort befindet, den man nicht in- und auswendig kennt, nehmen wir mal ein Wohnviertel als Beispiel, welchen Sinn ergibt es, dass die Straßen alle ähnlich heißen? Fahren Sie die Eichenstraße lang, an der Föhrenstraße vorbei, bis Sie zur Lindenstraße kommen, die biegen Sie rechts ab bis zur Kastanienstraße, sodann die Zweite links in die Fichtenstraße (spätestens jetzt sind Sie raus, nicht wahr?), dann stehen Sie genau mitten in … Korea. Korea an sich, ich will nicht zuviel verraten, um künftige Tourismusgenerationen nicht jeglicher Überraschungs- und Erkenntnismöglichkeit zu berauben, also der unverzichtbaren Zutaten einer als solcher erlebten Reise, Korea (also der Besigheimer Stadtteil jetzt, liest noch jemand mit? Hallo!), Korea ist in etwa Mittelokay. Mehr zu sagen, ja zu behaupten, wäre verheerend. Auf einem wäldlichen Parkplatz wurde nun der Bollerwa-

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TITELTHEMA: NECK AR gen aus seinen acht Einzelteilen zusammengebastelt, bis er komplett prächtig auf seinen vier Luftreifen federte, während wir zwei ihm unser Gepäck anvertrauten. Das für die armen, bierlosen Hawaiianer mitgeführte Bier war so kühl wie die Nacht, die es auf der Veranda verbracht hatte, und durfte zuunterst leise vor sich hin klingeln. Kühlt man Bier nicht im nahe gelegenen Gewässer? Dazu hätten wir ja wohl noch ausreichend Gelegenheit. Dachten wir. Andere, barock unförmigere Gegenstände wie Rucksäcke kamen obendrauf. Warum nur aber waren unsere Rucksäcke so schwer? Die Lösung dieses Rätsels machte uns um ein Haar den Abschied beinahe doppelt schwer: Till sowie auch ich hatten uns wirklich der Sache innerlich derart verpflichtet und gleichzeitig derart nix, aber auch gar nix so richtig miteinander abgesprochen, dass wir unabhängig voneinander für reichhaltige Verpflegung gesorgt hatten. Was allenfalls rührend, aber unproblematisch klingt, bis man sich ca. 30 liebevoll geschmierte und so wuchtig wie abwechslungsreich belegte Brötchen als Tagesration für zwei eher gertenschlanke Kerle mal bildlich vorstellt. Jetzt eine Auswahl zu treffen, sich von Brötchen- und Belagvarianten zu trennen, die später quasi einfach nicht da sein würden, wenn man nach ihnen verlangte (ich nenne hier nur mal »Mohn-Salami-Chester ohne oder mit Gürkchen« als Beispiel), und man wüsste ja überhaupt nur von den gewichts- und volumenhalber zurückgelassenen Varianten, weil man sie ausgewählt und zurückgelassen hatte – nein, das war uns entschieden zu trist und verlangte uns zu viel Weitsicht, inneren Frieden und Klugheit ab. Wir waren schließlich auf eine Abenteuerreise eingenordet, und wer da nicht unternehmungslustige Unruhe und waghalsig-zupackerische Gefühle verspürt, kann auch ein Taxi nehmen. Wir warteten, bis unser Fahrdienst außer Sicht war, senkten die Winkehände und fassten die Bollerwagendeichsel, einer links, einer rechts, in der anderen Hand ein belegtes Brötchen. Bald jedoch stellten wir zweierlei fest: der Wagen war zu leichtgängig für die morgendlichen (und also erst erwachenden) Kräfte gleich zweier Herren, wir würden uns also mit dem Ziehen abwechseln und unseren Sinn für Kameradschaft und Gerechtigkeit frohen Mutes einem ersten Test unterziehen müssen. Das Zweite wog wohl schwerer: denn es war unser Plan gewesen, durch ein Waldstück den Hang zu verlassen, an dem Korea liegt, hinunter an den Beginn einer Hundertachtziggradkurve, die der Neckar dort zu beschreiben beginnt, und dem fließenden Gewässer ab da zu folgen (entgegen der Strömung, aber eben nicht paddelnd, sondern vorerst nebenher laufend). Problem war nur gleich zu Beginn: vor lauter Wald sah man das Tal nicht, sah keine Kurve, sah keinen Neckar, keine sich ihm anschmiegenden Örtchen, und selbst wenn, welche Örtchen das dann gewesen wären, dafür war mehr nötig als eine Wanderkarte – oder eben jemand, der anständig Karten lesen konnte. Wir waren aber nur zu zweit. Also entschieden wir uns an einer Kreuzung für eine von drei Richtungen und stellten bald fest, dass es nicht nur zwei weitere, sondern sogar drei Alternativen gegeben hätte, denn schon das Erreichen ebenjener Kreuzung, stellte sich heraus, war nicht im Sinne unserer geplanten Strecke gewesen. Auf Reisen ist es von Nutzen,

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TITELTHEMA: NECK AR nicht alltagslinear und logisch zu denken, ein Grund mehr, auf elektronische Navigierhilfen zu verzichten, die ja angeblich oft nicht einmal die Autobahn finden und mit der Frage, ob es an diesem oder jenem im letzten Winter von einem unbekannten Schmutzfinken weggeworfenen (Achtung Binnenmajuskelungetüm) Pfirsichteetetrapak linksherum oder rechtsherum vorbeigeht, zu Recht überfordert scheinen. In der Zukunft, und wenn sich der Schmutzfink über Facebook einloggt, ehe er den Pfirsichteetetrapak in die Landschaft müllt (oder darüber postet, bloggt oder beichtet), haben wir vielleicht eine Chance. Vorher eher nicht wirklich. So mussten sich die ersten Siedler gefühlt haben, dachten wir: Überall Gestrüpp, unbeschilderte Wege (was die Beschilderung von Wegen angeht, schien es wirklich nicht leicht, es uns recht zumachen) – oder nein, seien wir nicht ungerecht: Die Wege waren beschildert. Aber ob wir dem ausgewiesenen Radweg oder einem weinkundlichen Rundweg genossenschaftlicher Provenienz oder gar jener Straße folgen sollten, die zwar gänzlich in die falsche Richtung zu führen schien, aber immerhin so hieß wie das Gebiet, das wir laut Karte Länge mal Breite entlang des Flusses durchqueren wollten (Neckarhälde), erschloss sich dennoch nicht. Wir waren, wie man so sagt »gut in der Zeit« (eine Formulierung, die uns stillschweigend gefiel, da sie doch das harmonische ImHier-und-Jetzt-Bewusstsein, das wir auramäßig verströmten, spitzenmäßig andeutete) und konnten es uns leisten, nach nur zweihundert Metern eine erste Rast zu machen und die breite Auswahl an belegten Brötchen, um erneut je eins zu verschmälern, während wir auf Eingebungen, Jogger oder Gassi gehende Hundebesitzer warteten, die naturgemäß irgendwo in der Nähe wohnten und daher im Vergleich aber so was von ortskundig zu sein hatten. Es stellte sich nur die Frage, ob wir in all unser Gesammeltheit für andere Menschen nicht zu gelassen, zufrieden, ja siddhartisch, gar buddhaesk rüberkamen. Würden die sich trauen, uns spirituellen Naturgewalten einen Rat zu geben? Und wie sinnvoll könnte es sein, zur Vermeidung von derlei frühvormittäglichen Wirren die somatische Schwingung um sagen wir, ein Bier pro Nase abzusenken? Sonnenbrillen sind eine feine Sache. Als die Sonne ein Stück weit höher stand und wir schon nicht mehr allzu gut in der Zeit waren, kam eine Dame mit einer ebensolchen auf der Nase und einem Hund an einer sicher zwanzig Meter langen Leine vorbei, die uns auf Nachfrage beschied, wir seien völlig falsch, aber sie gehe gern ein Stück mit uns. Dass mich die105 se Formulierung an die Quintessenz diverser Kontakte zum anderen Geschlecht erinnerte, tut hier nichts zur Sache, und es sei auch nur erwähnt, um gerade darauf noch mal vollrohr hinzuweisen. Bemüht, die Leine des Hundes, der auf dem nun eingeschlagenen Weg um uns herumlief, nicht ständig um die Räder des Bollerwagens gewickelt zu kriegen, dachten wir, es wäre mit Sicherheit ein Gewinn, der Dame immerhin mit halbem Ohr zuzuhören, da es sich ja um eine quasi Eingeborene Koreas zu handeln schien. So erfuhren wir in der folgenden halben Stunde viel über die Richtung, Beschaffenheit und sogar Breite gefühlt sämtlicher Spazierwege, die sie in den letzten Monaten auch schon mal benutzt hatte, wir erfuhren in ähnlicher Tiefe, wie sich dieselben Parameter bei zwei von drei ihrer Großraumbürokollegen gestalteten. Der Dritte hatte keinen Hund, ein komischer Typ. Wir bestätigten eilig, zu Hause ebenfalls einen Hund zu haben oder zumindest gehabt zu haben und wurden augenblicklich und folgerichtig über sämtliche verstorbenen Hunde im Leben unserer Führerin in Kenntnis gesetzt. Tatsächlich befindet sich ein Hund in meinem Haushalt, aber der Streckenabschnitt, der am heutigen Pfingstsonntag zwischen Korea und Hawaii (von Hessigheim bis Lauffen) auf dem Wasser zurückzulegen geplant war, ließ mich vorsichtig sein, ja vielleicht feige und letztlich rigoros beschließen, dass ein Hund im Boot nichts zu suchen hat – denn was, wenn er findet, was immer er sucht und sein Fund außerhalb des Kanus liegt? Springt er über Bord, ist man ihn entweder los oder alsbald und nach garantierten Scherereien um einen tropfnassen Hund im Kanu reicher. Leint man ihn an, quält er sich beim Anblick eines am Ufer hoppelnden Häschens oder bringt das Kanu zum Kentern, wenn er sich bellend auf eine Bootseite wirft und alle ihm nachstürzen, weil sie verhindern wollen, dass er das Kanu zum Kentern bringt. Nein, ein Hund auf dieser Reise, die ja zudem vom Namen her durch asiatischen Raum führte, war uns zu gefährlich. Wir dachten hierbei nicht an uns, sondern an den Hund und wie sehr er uns auf den Geist gehen könnte. Das wollten wir ihm nicht zumuten. Tiere spüren doch so was. Kurz vor der Brücke, die sich am westlichen Ortsrand von Hessigheim über den Neckar biegt, und die wir bald von unten sehen sollten, verließ uns das Frauchen. Neben einem Vesperplatz aus Holz, der zwei Reisenden Gelegenheit bot, über die erneute Möglichkeit eines übernächsten frühen Bieres zu kontemplieren, parkten wir unseren Bollerwagen und fotografierten ihn überdies aus reiner verdammter Chronistenpflicht. Statt eines

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TITELTHEMA: NECK AR Bierchens eröffnete ich die zweite Bedeutung des Biernamens: »rug« – die Brücke. Till war beeindruckt und fand das überaus passend, wenn schon wiederum mit »Brücke« ausschließlich der Bodenbelag gemeint war und nicht der einzige Boden, der in einigen Metern Höhe zwischen uns und dem Wasser gespannt zu sein schien. Noch, wie gesagt. Angesichts der Tatsache, dass Till es aus dramaturgischen Gründen (jeder braucht einen Kick im Leben) bisher komplett vermieden hatte, sich in ein Kanu zu setzen und meine letzte Kanuerfahrung sich auf drei Ausfahrten mit der evangelischen Jugendgruppe in den frühen Neunzigern beschränkte, waren wir mit vollem Recht nervös – der Stoff, aus dem die Albträume sind: Der Zugang zum Wasser, dem symbolischen Übergang zwischen Leben und Tod, dem von selbst dahinfließenden Element, das alle Lasten trägt und doch auch töten kann, würde uns mit Sicherheit von kundiger Stelle verwehrt, wenn wir allzu deutlich zur Schau stellten, dass wir es kanumäßig mit grenzdebilen Nichtschwimmern, die aus linken Händen und Beinen bestanden, durchaus aufnehmen konnten. Oder um es so deutlich zu sagen, wie wir es empfanden: wenn der wie vereinbart um die halbe Stunde eintreffende Kanuverleiher mitbekam, dass wir es auf keinem Auge blickten, war die Reise zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte. Selbst in die Gemüter umgänglicher und scharf kombinierender Zeitgenossen wie uns schleicht sich oft aus kindlicher Vorsicht der ein oder andere Denkfehler ein. Manchmal ist auch übertriebener Perfektionismus die Ursache, aber das weiß man ja verdammt noch mal nie so ganz genau, welches von den beiden es jetzt wohl wieder war. Das ist voll ungerecht. Zu denken, dass wir auf Herz und Nieren geprüft werden würden, ehe man uns treuhänderisch für die Dauer von sechzehn Flusskilometern ein Wassergefährt überließ, mit dem man ja böswillig auch größeren Schiffsverkehr von einiger Bedeutung stören und sogar zum Hupen zwingen konnte, kurz bevor man uns über den Haufen fuhr, war ein solcher Fehler. Der gute Mann, der uns ein überraschend leichtes, weinrotes Viermannkanu namens »Prospekt«, von seinem Anhänger hievte, wollte ja diese »Prospector« schließlich vermieten, und er wäre ein einfältiger Zeitgenosse gewesen, wenn es ihm nicht reichlich gleichgültig vorgekommen wäre, ob er jetzt seine Kunden zuvor einer Art Eignungstest unterzog oder nicht (und er tat natürlich gut daran, es zu lassen. Mit einem dergestalt fehlgeleiteten Handelsgebaren könnte beispielsweise die Autoindustrie keinen einzigen Großstadtjeep an gut geföhnte Gattinnen irgendwelcher Typen verkaufen). Wenn wir das Ding beladen und ins Wasser kriegten, lag es ja bei uns, ob wir vorankamen. Uns wurden lebensrettende Schwimmwesten angepasst, damit wir im Falle einer Totalhavarie gut mitbekamen, wie Proviant und Wertsachen weggluckerten und abtrieben. Nicht, dass wir am Ende noch mit unseren Sachen absoffen und keinen Gewinn mehr aus einem saupeinlichen Weggluckern ziehen konnten, wie es der lehrreiche Verlust von allem, was wir bei uns hatten, sein würde. Der Kanuverleiher war auf unserer Seite: Erlebnisse, Abenteuer wie diese, das wollten wir voll auskosten, ohne sie jedoch zu provozieren. Das wäre nicht im Sinne des Abenteurers, der sich ganz in das Schicksal seiner Umstände fügt, der das Beste aus allem macht, aber selbst nichts unternimmt, außer eben zu überleben, möglichst trocken, und – wenn man unseren Biervorrat bedachte – möglichst … naja, das Gegenteil von durstig ist bis heute nicht gefunden. Sei’s drum. Ob die einzige Schleuse unserer Strecke in Besigheim an einem Sonntag wie diesem besetzt war, ließ sich telefonisch klären. War sie nicht. Wir hatten also auf nicht einmal halber Strecke einen »full stop« vor uns und würden die »Prospector« etwa um die Mittagszeit irgendwie durch die Gegend tragen müssen. Wir hätten uns am äußeren Rand zu halten, wenn Gegenverkehr käme, weil jeglicher Gegenverkehr vermutlich größer war als wir. An welchem Rand sei egal, es gäbe zwei zur Auswahl. Weiterhin sollten wir ein Kernkraftwerk passieren – hier war geboten, sich möglichst weit vom Ufer entfernt zu bewegen, um keine Sicherheitswachleute aufzuscheuchen. Ökoterroristen sähen zwar anders aus als wir (vermuteten wir), aber es könnte sich ja bei uns um extrem clevere und verkleidungskünstlerisch ausgefuchste Ökoterroristen handeln (und tatsächlich entschieden wir im Stillen, dass wir, wenn überhaupt, natürlich nur sehr, sehr schlaue Ökoterroristen sein wollten, die das Gelände erst einmal aus sicherer Entfernung ausspähten). So nickten wir alle Anleitungen und Tipps seitens des Kanuverleihers mit sachkundigen Kopfbewegungen ab und wurden winkend zurückgelassen. Es konnte losgehen. Habt ihr, werte Leser, schon einmal ein Kanu zu Wasser gelassen, das ihr vorher bis zur Unkenntlichkeit mit Bollerwagen, Brötchen und Bier beladen habt? Wenn ja, können wir euch den vorbereitenden Besuch eines Fitnessstudios nicht mehr empfehlen, denn ihr wisst bereits, dass es bitter nötig ist: Das Monster von einem Viermannkanu will nämlich nicht so ohne Weiteres ins Wasser, ohne zuvor schier umzukippen. Doch auch obwohl man selbst als abenteuerlustiges

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TITELTHEMA: NECK AR Duo kein vierarmiger Kran ist, der ein multizentnerschweres Ding anhebt, das dann von einem verlangt, wie ein Salzstreuer, den man über den Tisch reicht, übers Wasser ausgeschwenkt zu werden, schafft man es am Ende doch, und die »Prospector« schaukelt ruhig im Fluss. Till und ich knobelten die Sitzpositionen aus, irgendjemand verlor und ich saß hinten. Paddeln ist ein paradoxer Vorgang. Paddelt man rechts, fährt man nach links, und umgekehrt ist’s auch nicht besser. So sehr wir vorgehabt hatten, den wässrigen Teil unseres Trips als einhellige Anstrengung zu bemeistern, tat es doch not, sich schon bei so grundlegenden Dingen wie der Paddelei aufzuteilen, damit wir immerhin geradeaus fuhren. Improvisierte Pläne, die den einen links, den anderen rechts paddeln lassen würden, mussten alsbald verworfen werden, und wir kamen überein, dass Till vorne einfach paddeln würde, wie er lustig war, und ich hatte das meinerseits auf der Hinterbank gefälligst auszugleichen. Dass er dasselbe von mir dachte, zeigt, wie sehr wir auf eine geradlinige Fortbewegung eingestellt waren. Nach einer Viertelstunde und zwei anmutigen 360-Grad-Drehungen ließen wir uns eine Weile lang treiben, verzehrten jeder ein Brötchen, entkronenkorkten ein Bier pro Mann und errechneten anhand der uns mitgegebenen Flusskarte, dass wir in dieser Geschwindigkeit bereits am Mittwoch unser Ziel erreichen würden, vorausgesetzt, wir lernten bis dahin, wie man im Boot aufstand und zur Seite heraus pinkelte, um zeitraubendes Anlegen am Ufer auf ein Minimum zu beschränken. Das Bier würde uns nach dieser Rechnung jedoch schon am Dienstag ausgehen, und wir sinnierten lange darüber nach, ob das ein strategischer Anreiz in irgendeine Richtung war oder eher das, was man in Abenteurerkreisen einen »Dämpfer« nennt. Wir kamen zu keinem Ergebnis und deuteten diese offene Aussicht optimistisch. Der Neckar war gähnend leer. Mag sein, das lag am heutigen Pfingstsonntag und der damit verbundenen Ausgießung des Heiligen Geistes. Vielleicht war den meisten aber auch das Wetter einfach nicht sommerlich genug, und wer verspürt in der heutigen Zeit schon den Wunsch, sich einzig aus innerem Antrieb ins derart Freie zu begeben wie wir? Tatsächlich windete es so nahe am Wasser derart, dass wir die gesetzlich vorgeschriebenen Schwimmwesten als willkommenen Teil unserer Garderobe zu schätzen lernten. Andererseits wurde uns beim Paddeln warm, und wir scherten uns einen sprichwörtlich sehr feuchten Dreck um die Witterung, ja verloren sogar das eine oder andere lobende Wort über die höchstens lau zu nennende Wetterlage, weil wir so immerhin nicht eklig schwitzten. Angesichts der Wassermassen des Neckars nämlich selbst Flüssigkeiten abzusondern, die wir nicht vorher in gebrauter Form zu uns genommen hatten, erschien uns anmaßend und hochnäsig. Denn soll man der Natur nicht nur geben, was man bereit ist, auch von ihr zu nehmen? Siehste. Bei dieser Gelegenheit sei die nächste Bedeutung des etymologisch vielarmigen Wortes »rug« eingestreut: »Decke« – gemeint ist die wärmende Stoffkuschelei. So arg war es mit dem Wetter jedoch nicht, aber dennoch hielten wir es für angebracht, uns nun, am mittleren Vormittag, einmal innerlich warmzurubbeln und jeder ein Brötchen vom Vorrat des anderen zu verzehren. Von bauchwärts gewärmt und mit prallen Backen fanden wir uns gegenseitig voll der liebevollen und grunzlautreichen Anerkennung für die Brötchenbelege-Skills des anderen. Was braucht man mehr als eine Schaufel voll Aktionismus und einen an der Seite, der sich die eigene Schaufel nicht erst loben lässt, bevor er selbst gelobt hat. Schier hätten wir Rezepte ausgetauscht, aber wir waren ja schließlich Männer. Die Stille muss erwähnt werden. Schluckt die Wasseroberfläche jeglichen umgebenden Schall oder wirft ihn unbenutzt billardmäßig wieder zurück irgendwohin, wo er denen hörbar wird, die nicht auf dem Wasser sind?

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TITELTHEMA: NECK AR Amazonasgefühl stellte sich ein, ohne dass einer von uns je dort vor Ort hätte Erfahrungen sammeln können, trotzdem konnte jeder Fetzen Baumrinde auf dem Wasser nun auch Kind oder Köder (oder beides?) eines stattlichen Siebzehnmeteralligators sein, wenn es nach unserer Vorstellung ging – so mächtig überkam uns der Kontakt mit der Natur: Weit über die Uferkante ragende Gewächse, die uns völlig unbekannt waren, weil im Biounterricht eher gelehrt worden war, wie sich Fruchtfliegen sexy finden und warum die Pest in unserem Land nur noch im Lehrplan steht und sonst nirgendwo. Kanaldeckelgroße Wasserstrudel mit putzig geringem Verheerungspotential ließen wir an uns vorübergleiten und schnitten mit den Paddeln abwechselnd in sanfte Wellen, die oft sicher erst Minuten später als mikroskopische Brandung an den doch auch immer mal wieder wiesigen Neckarstrand schlugen und dort von unserer Reise kündeten, so zart und hingehaucht lesbar nur denen, für die derlei von Belang war. Wir vermuteten, dass das grade mal niemand war. Unsere Fortbewegung war gemütlich einerseits, denn wir hatten uns entschlossen, kindlich-maskuline Sportbestrebungen völlig wegzulassen, andererseits aber auch von einer einschläfernden Trägheit, von entschleunigter Betriebsamkeit und hatten zuvor noch gepflasterte Wege, Sonntagsradler und sogar richtige Menschen unsere Bande zur Zivilisation fortgeknüpft, waren wir nun ausgeliefert, und zwar nicht nur im schicksalhaften, sondern auch im postalischen Sinne: ausgeliefert, auf die Reise geschickt, jeder Paddelschlag ein Stück Voran-, aber auch schon Ankommen, denn unterwegs sein war unser Ziel gewesen, die Natur umgab uns jetzt auch von unten, getrennt und beschützt nur durch eine fingerdicke Wand aus federleichtem Wassersportmaterial, das genauer zu spezifizieren mir angesichts der Erinnerung an die innige Naturverbundenheit jetzt sinnleer, eitel und voll rechercheintensiv nervig vorkommt. Wir unterfuhren (sagt man so?) die Hessigheimer Brücke und bogen Richtung Besigheim ein. Auf Landes-, Bundes- und sonstigen Straßen kann jeder entscheiden, ob er abbiegt, wendet, kehrtmacht oder einfach mal nach links einschert. Auf dem Wasser bezeichnet die Festlegung auf einen Streckenverlauf und, wenn man nicht gegen die Fließrichtung paddeln will (geht’s noch?) auch nur diese eine von beiden Richtungen eine gewisse (jetzt kommt’s) Wahllosigkeit. So wenig sucht man sich aus, was man passiert, so sehr ist man der Verpflichtung beraubt, Entscheidungen zu treffen. Schöne Sache das. Ein bisschen wie Bungeejumping. Nur sehr viel langsamer, nasser und (gibt’s noch Bier?) anstrengender. Unser »Rug Beer« blieb übrigens ungekühlt. Wir hätten einzelne Flaschen am Hals eng mit Bindfaden umknoten und am fahrenden Kanu befestigen können – wer sich einmal in eine kalte Badewanne gelegt hat, weiß, dass man es eine Weile aushält, wenn man sich so wenig wie möglich bewegt, weil es beim Bewegen nur noch kälter wird. Bier, das gefühlt kälter war als das Neckarwasser unter unseren durchs Paddeln warm gerutschten Popos! Zu schade, dass wir keinen Faden hatten, kein Knäuel! Ausgießung des Heiligen Geistes hin oder her: nach einer Weile hatten wir – und ohne Pause bisher – die erste Zäsur erreicht. Besigheim lag vor uns, und da würde es auch bleiben, denn unser bogiger Neckarverlauf führte nicht durch den Ort. Was wir hinter uns bringen mussten, war die Schleuse. Erleichtert, dass wir nicht auf Knöpfchen drücken und warten mussten, bis man uns in ein Becken einfahren ließ, dessen Wasserspiegel dann dort von einem, der wiederum per Knopfdruck den Wasserstand abzusenken in der Lage war, ein Vorgang, während dem wir uns festzuhalten, ja sogar zu vertäuen gehabt hätten … wir waren froh angesichts der Vorstellung, an Land zu gehen, das Kanu auszuladen, »umzutragen« und dann unser Gepäck nachzuholen. Es kam aber alles ganz anders. Am Anlegepunkt fanden wir eine Apparatur vor, die an Flaschenzug und Walgerippe erinnerte und die alles andere als selbsterklärend war. Zudem liefen von der Apparatur Schienen leicht bergan, durch einen schmalen Durchlass und auf der anderen Seite wieder runter. Das sah clever aus. Wenn wir nur gewusst hätten, was es damit auf sich hatte. Eine mager und sportlich herantippelnde Lady im Strickwestchen über dem Neoprenanzug gab uns Obst kauend Auskunft: es sei ein Wunder, dass »die Lore« hier sei, denn »normal« bringe niemand die Lore zurück. Sie sei »die Biggi« und warte hier auf ihre »Kumpels«. Wenn wir jetzt die Lore benutzten, sollten wir sie auch wieder zurückbringen, das sei ja »wohl klar«. Also sollten wir unser Boot hier auf die Lore genannte Apparatur zerren, dann – ohne auszuladen immerhin – durch den Spalt im Wehrbau auf die andere Seite ziehen, abzerren und quasi gefälligst das Lorenleergut wiederbringen. Um dem Dunstkreis der erklärerischen Lady schnell zu entfleuchen, machten wir einen auf tätig und willfuhren ihrem Vorschlag. Allerdings (ein Rest Aufständisches bleibt immer) zerrten wir das Boot nicht auf der andere Seite ins Wasser, sondern legten es quasi mitten in den Schienenweg nahe der Uferkante und bereiteten uns auf einen gesitteten Lunch ohne Besserwissereien vor, der gut und gern eine

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TITELTHEMA: NECK AR halbe Stunde würde dauern können, da er doch Raum für hopfiges Getränk, belegtes Brötchen und den stresslosen und verantwortungsvollen Genuss legalen Rauchwerks bieten sollte. Wenn jetzt Biggis Posse mit ihrem vermutlich angeberisch schnittigen Profiboot in unsere Entspannungsphase hereinplatzten, war das eben Pech. Für uns. Sie kamen aber nicht, was uns veranlasste, darüber zu sinnieren, welcher unserer gerade leider nicht anwesenden Freunde der Lady wohl ordentlich Paroli hätte bieten können. Nach Abwägung einiger dramaturgisch wertvoller Sozialfaktoren wie Überraschung, Frechheit und blanker Brüskierung durch unverschämtes Daherreden einigten wir uns auf Christian und ließen bei unserer Abreise aus Besigheim eine Flasche »Rug Beer« zurück. Ein Bier für mehrere: da würde Biggi wohl bald merken, ob es sich wirklich um Kumpels handelte. Ein wenig Unterwegs-Weltverbesserung durch das Zurechtrücken des ein oder anderen Weltbildes schien uns eine edle Aufgabe, wenn wir schon sonst keine hatten. Wennschon hier nicht behauptet werden soll, ausgerechnet Besigheim markierte unsere Rückkehr in die Zivilisation, muss doch angemerkt werden, dass wir auf den verbleibenden Flusskilometern bis Lauffen auf eine Weise Stoff mit unserem Kanu gaben, die nicht von ungefähr an den Schwarz-Weiß-Klassiker »Moderne Zeiten« von Charlie Chaplin gemahnte: so zackig und kraftvoll, zielstrebig und energetisch habe ich keine zwei je auf dem Neckar herumpaddeln sehen. Aber ich setze mich ja auch nicht an den Neckar und taxiere vorübergleitende Kanus. Apropos andere Kanus: wir sahen keine. Einzig ein Kajakfahrer mit Doppelpaddel kreuzte unseren Weg, und wir nahmen wohlwollend an, dass er nicht zurückgrüßte, weil er keine Hand freihatte. Spaziergänger auf den Spazierwegen entlang des Neckar wollten wir nicht durch lautes Rufen oder zu missdeutendes Herumfuchteln aufscheuchen. Am Ende brach noch deren Hund aus, um uns zu retten, und gerettet werden wollten wir nicht. Wir wollten nunmehr gar nicht, dass sich etwas an unserer Lage änderte. Nach Lunch und Ruhepause waren wir nämlich wie verwandelt. Unsere Muskeln waren erwärmt und wieder abgekühlt worden, wir steckten voller Spannkraft, wir wussten, dass wir es draufhatten, und sahen daher auch keinen Sinn darin, hier unnötig rumzusporteln, wenn eh keiner guckte. Till erkannte, dass es sich bequem reist, wenn man das Paddel auch mal für fünf Minuten ruhen und den Reisekompagnon durch abwechselndes Rechtslinks-Paddeln die Spur so ungefähr halten lässt (das hatte ich als unbeobachteter Hintensitzer schon den halben Tag über in heimlichen Experimenten erfolgreich ausgetestet und konnte jetzt schlecht Einwände erheben). Und wo steht nochmal, dass man auf einer solchen Reise sein Gegenüber (oder in unserem Fall, sein hintereinander) von mindestens einer Seite kennenlernt, die man zuvor nicht geahnt hätte, sei’s, weil die Seite zu abwegig oder zu unwahrscheinlich schien? Das steht zumindest jetzt hier: Till zeigte sich zum Anlass seiner den Fluss sinnierend betrachtenden Ruhepause auf anerkennende Weise schockierend fit in Vogelkunde. »Schau mal, ein Reiher!« – »Mönsch, ein roter Milan! Stattlich, stattlich!« – »Der Bussard da lässt es sich aber auch gut gehen!« – »Husch aus dem Weg, du wilde Gabelweihe!« Moment, war das nicht eher ein … wie gerade eben schon, ein roter Milan gewesen? »Das ist dasselbe«, grinste Till. Ich paddelte und ließ mich bilden. Was waren wir nur für Kerle! Aus Erde waren wir gekommen (obwohl unsere Eltern da eine egoistischere Deutungsart auf der Platte hatten), zu Erde würden wir werden (keine Diskussion jetzt), zwischendurch bestanden wir zu über 70 Prozent aus Wasser und erfüllten unsere Aufgabe, uns für die Dauer, die wir das Feuer des Lebens in uns trugen, mit eben diesen Dingen, nämlich Erde, Feuer, Wasser und so ein bisschen auszukennen. Es muss gestanden werden: mit

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TITELTHEMA: NECK AR dem »und so«, da haperte es. Was nämlich in der Luft über uns vor sich ging, erfassten wir nicht. Ich spreche vom Wetter. Natürlich registrierten wir die zunehmende Wolkenverhangenheit des Himmels, waren aber gelassen und sogar erfreut darüber, dass es nicht »aufriss« und uns mit Sonne zuknallte, nachdem unsere Augen so weit aufgerissen waren angesichts der Schönheit des Tages und der herrlichen Unternehmung. Aber dass es, nachdem wir beim Passieren des Kernkraftwerkes wild winkend und abwechselnd die Internationale und das »Faul sein ist, wunderschön«-Lied aus den Pippi-Langstrumpf-Filmen (das sich, wenn man nur einen Halbton von Dur nach Moll abkippt, im Ernst ein bisschen so anhört wie die Nationalhymne von Aserbaidschan) intoniert hatten, hinter der nächsten Kurve, wie als Bestandteil kindischer Retourkutschenrache mit FalloutCharakter sachte, aber beständig zu tröpfeln begann, das hatten wir nicht geahnt. Wir waren so aufgeregt gewesen. Bei der Ankunft in Lauffen war unser Mut gebrochen. Wir waren nass. Wir waren angetrunken. Wir waren erschöpft. Wir waren heiser. Und es sah nicht aus, als würde es demnächst »aufreißen«. Der Himmel war trübe, und unsere im bisherigen Tagesverlauf angelernte Naturverbundenheit fiel uns in den Rücken. Trübe war jetzt auch uns zumute. Hatten die tapferen Hawaiianer solche traurigen Heilsbringer verdient? Hatten wir es verdient, derlei schlaffe Messiasse spielen zu müssen, ja sogar de facto zu sein? Dreimal nein. So musste sich Hannibal gefühlt haben, als er … ach irgendwas in der Richtung wird er schon erlebt haben. Es konnte auch sein, dass es, analog zum »Atlas« vielmehr »Messianten« heißt. Da mussten wir wohl für heute in grammatisch-religiöser Erwartung verharren. Wahrlich, ich berichte euch: wir vertäuten das Kanu vereinbarungsgemäß am nahe gelegenen Bestimmungsort und riefen zerknirscht unsere Frauen an. Die eine freute sich, denn so könnte ich ja am späteren Nachmittag zu Hause noch den Keller aufräumen. Die andere freute sich nicht ganz so sehr, denn sie musste uns abholen. Aber schon im Auto, wo uns Rubbelhandtücher und warme Worte des Respektes empfingen, fassten wir neue Pläne. Hawaii würde sein Bier von uns bekommen, wenn nicht heute, dann eben morgen. Denn von Korea nach Hawaii, das war auf der lächerlich großen Weltkarte eine Distanz von 7321 Kilometern (7321 ist übrigens die alte Postleitzahl eines Ortes, der weltkartenmäßig nicht allzu weit von unserer Strecke entfernt lag. Zufall? Entscheiden Sie selbst). Jedenfalls die Distanz von siebentausenddreihunderteinundzwanzig Kilometern konnte jeder beliebige Fuzzi innerhalb eines Tages hinter sich bringen, wenn er nur über einen prächtigen Privatjet verfügte – aber von Korea nach Hawaii in nur zwei Tagen, bloß mit einem Bollerwagen und einem Kanu – und dazwischen noch in Heilbronn übernachten – das sollte uns erst mal jemand nachmachen!! (Teil zwei in der nächsten HANIX-Ausgabe)

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TEXT: MARK TWAIN FOTOS: FOTOLIA Bummel durch deutschland: M A R K T WA I N I N HEILBRONN

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TITELTHEMA: NECK AR Im Jahr 1878 trat Mark Twain mit einer kleinen Reisegruppe, die aus seiner Familie und einigen Freunden bestand, eine anderthalb Jahre dauernde Reise durch Europa an. Sie führte ihn unter anderem durch Deutschland – von Hamburg aus über Frankfurt, Heidelberg nach Süddeutschland. Bummel durch Deutschland enthält Twains Bericht seiner vergnüglichen Reiseerlebnisse in Deutschland. Verblüfft beobachtet er die seltsamen Rituale schlagender Korpsstudenten in Heidelberg; absonderlich erscheint ihm die deutsche Oper: »eine Katzenmusik, die Lohengrin heißt«; und von der Rhein-Saga hat er eine ganz eigene Version … Auch in seinem Reisebericht zeigt sich Mark Twain einmal mehr »als ein brillanter Satiriker, der in den Deutschen einen dankbaren Gegenstand für seine spritzigen und ungemein komischen Auslassungen gefunden hat«. (Neue Züricher Zeitung) Mark Twain (d.i. Samuel Langhorne Clemens), geboren am 30. November 1835 in Florida/ Missouri, ist am 21. April 1910 in Redding/Connecticut gestorben. KAPITEL 11 Die Sommertage in Heidelberg gingen angenehm dahin. Wir nahmen uns einen erfahrenen Trainer und brachten unsere Beine unter seiner Anleitung in die rechte Verfassung für die geplanten Wanderungen; wir waren sehr zufrieden mit dem, was wir in der bildenden Kunst erreicht hatten. Im Zeichnen und Malen hatten wir die besten Lehrer in Deutschland – Hämmerling, Vogel, Müller, Dietz und Schumann. Hämmerling lehrte uns Landschaftsmalerei, Vogel lehrte uns Figurenzeichnen, Müller lehrte uns, wir man bei einem Stilleben verfährt, und Dietz und Schumann erteilten uns abschließenden Unterricht in zwei Spezialitäten – Schlachtgemälde und Schiffsuntergängen. Was ich in der bildenden Kunst bin, verdanke ich diesen Männern. Ich habe etwas von der Art eines jeden von ihnen; aber sie alle sagten, ich besäße außerdem meine Eigenart und sie sei auffallend. Sie sagten, mein Stil besitze etwas deutlich Persönliches, insofern nämlich, als ich beim Malen des allergewöhnlichsten Hundes dem Aussehen dieses Hundes unfehlbar ein gewisses Etwas mitgebe, das ihn davor bewahre, fälschlich für die Schöpfung eines anderen Künstlers gehalten zu werden. Insgeheim wollte ich all diesen freundlichen Aussprüchen gewiß Glauben schenken, aber es gelang mir nicht; ich fürchtete, Parteinahme meiner Lehrer für mich und ihr Stolz auf mich könnten ihr Urteil beeinflußt haben. Also beschloß ich, die Probe zu machen. Allein und ohne das irgend jemand davon wußst, malte ich mein großes Bild - » Das Heidelberger Schloß mit Festbeleuchtung « (mein erstes wirklich bedeutendes Werk in Öl) und ließ es unsigniert inmitten eines Dschungels von Ölgemeälden in der Kunstausstellung aufhängen. Zu meiner großen Freude wurde es augenblicklich als von mir stammenden erkannt. Ganz Heidelberg strömte herbei, und selbst aus den Nachbarorten kamen die Leute, um es sich anzusehen. Es erregte mehr Aufsehen als irgendein anderes Werk in der Ausstellung. Am allererfreulichsten jedoch war, daß zufällig durchreisende Fremde, die nicht von meinem Bild gehört hatten, nicht nur von ihm gleich beim Betreten der Galerie wie von einem Magneten angezogen wurden, sondern auch ausnahmslos glaubten, es handele sich um einen Turner. Mr. Harris schloß etwa gleichzeitig

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TITELTHEMA: NECK AR mit mir sein Kunststudium ab, und wir mieteten gemeinsam ein Atelier. Eine Weile warteten wir auf ein paar Aufträge; als uns dann die Zeit ein wenig lang wurde, beschlossen wir, eine Fußreise zu unternehmen. Nach gründlichem Überlegen und Abwägen faßten wir einen Ausflug nach Heilbronn am Ufer das schönen Neckars entlang ins Auge. Das hatte offenbar noch nie jemand gemacht. Ruinen von Schlössern und Burgen auf überhängenden Steilwänden und Felsspitzen gab es hier den ganzen Weg entlang; um diese sollten sich Sagen ranken wie um die am Rhein, und diese Sagen waren noch nie gedruckt worden, wodurch sie uns ganz besonders verlockendes erschienen. Nichts stand in den Büchern über diese liebliche Gegend; die Reisenden hatten sich nicht beachtet, und sie war jungfräulicher Boden für den literarischen Pionier. Inzwischen waren die Ranzen, die derben Wanderanzüge und die kräftigen Wanderstiefel, die wir bestellt hatten, fertig und geliefert. Ein Mister X. Und ein junger Mister Z. hatte sich bereit gefunden, uns zu begleiten. Eines Abends machten wir dann die Runde bei unseren Freunden und sagten ihnen Lebewohl, und hierher gaben wir in einen Hotel ein kleines festliches Abendessen. Wir begaben uns früh zu Bett, denn wir wollten früh aufbrechen, um die Morgenkühle zu nutzen. Bei Tagesanbruch waren wir aus dem Bett und nahmen frisch und rüstig ein tüchtiges Frühstück zu uns; dann zogen wir durch die Laubarkaden des Schloßparks zur Stadt hinunter. Welch ein herrlicher Sommermorgen, und wie die Blumen ihre Duft verströmten, und wie die Vögel sangen! Es war genau die richtige Zeit für eine Wanderung durch Wald und Gebirge. War waren alle vier gleich gekleidet und ausgerüstet: breitkrempiger Schlapphut zum Schutz gegen die Sonne; grauer Ranzen; blaues Militärhemd; blaue Latzhose; strammgeknöpfte Ledergamaschen von den Knien bis an den Knöchel; festverschnürte hochhackige derbe Schuhe. Jeder trug ein Opernglas, ein Kochgeschirr und eine Reiseführertasche an einem Schulterriemen, einen Alpenstock in der einen Hand und einen Regenschirm in der anderen. Unsere Hüte waren mehrmals mit einem weichen weißen Musselinschal umwickelt, dessen enden schlaff über den Rücken herabhingen – eine aus dem Orient eingeführte Idee, die von Reisenden überall in Europa angewandt wird. Harris trug das » Pedometer « - ein kleines uhrenartiges Instrument, dass die Aufgabe hat, die Schritte zu zählen und anzuzeigen, wie weit man gewandert ist. Alle Leute blieben auf der Straße stehen, um unsere Tracht zu bewundern und uns mit munterem Zuruf einen angenehmen Marsch zu wünschen. Als wir mitten in der Stadt ankamen, stellte ich fest, daß man mit der Eisenbahn bis acht Kilometer vor Heilbronn fahren konnte. Der Zug wollte gerade abfahren, also sprangen wir auf und brausten in prächtiger Laune los. Wir stimmten alle vier darin überein, daß wir klug gehandelt hatten, würde es doch ebenso vergnüglich sein, den Neckar abwärts zu wandern, statt aufwärts, und beide Male zu Fuß zu gehen, das war ja wohl nicht notwendig. In unserem Abteil saßen ein paar liebenswürdige Deutsche. Nach einer Weile begann ich, über allerlei recht Privates zu reden. Harris wurde nervös. Er stieß mich mit dem Ellenbogen an und sagte: » Sprechen Sie deutsch – diese Deutschen verstehen vielleicht englisch!« Ich folgte seinem Rat, und das war gut so; denn es stellte sich heraus, daß unter den Deutschen keiner war, der nicht vorzüglich Englisch verstand. Es ist merkwürdig, wie weit unsere Sprache in Deutschland verbreitet ist. Nach einer Weile stiegen ein paar von diesen Leuten aus, und ein deutscher Herr und seine beiden jungen Töchter stiegen ein. Ich wandte mich mehrfach auf deutsch an eine der letzteren, erzielte jedoch keinen Erfolg. Schließlich sagte sie: » Ich verstehe nur deutsch und englisch. « Und wahrhaftig – nicht nur sie, sondern auch ihr Vater und ihre Schwester sprachen englisch. Also hatten wir von nun an alle Unterhaltungen, nach der uns verlangte, und das war nicht wenig, denn sie waren sehr angenehme Leute. Sie zeigten lebhaftes Interesse für unsere Tracht, besonders für die Alpenstöcke, denn sie hatten noch nie welche gesehen. Sie sagten, die Neckarstraße sei vollkommen eben, also müßten wir wohl nach der Schweiz oder irgendeinem anderen holprigen Land unterwegs sein; und sie fragten uns, ob wir das Wandern bei solch warmem Wetter nicht sehr ermüdend fänden. Wir sagten nein, das fänden wir nicht. Nach drei Stunden stiegen wir, nicht im geringsten müde, in Wimpfen aus – ich glaube wenigstens, es war Wimpfen. Wir fanden ein gutes Gasthaus und bestellten Bier und Mittagessen und machten dann einen Spaziergang durch das ehrwürdige alte Dorf. Es war sehr malerisch und baufällig und schmutzig und interessant. Es hatte wunderliche fünfhundertjährige Häuser und einen fünfunddreißig hohen Turm, der schon seit über einem Jahrtausend steht. Ich fertigte eine kleine Zeichnung von ihm an. Eine Kopie habe ich aufbewahrt – das Original schenkte ich dem Bürgermeister. Ich glaube, das Original war besser, denn es hatte mehr Fenster und das Gras stand aufrechter und sah frischer aus. Um den Turm herum wuchs allerdings gar keins; ich

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TITELTHEMA: NECK AR entwarf das Gras selber nach Skizzen, die ich zu Hämmerlings Zeiten auf einer Wiese bei Heidelberg gemacht hatte. Der Mann oben auf dem Turm, der die Aussicht betrachtete, ist offensichtlich zu groß, aber er ließ sich nicht kleiner machen, sollte er seinen Zweck erfüllen. Ich wollte, daß er da saß, wollte aber auch, daß man ihn sah, also dachte ich mir eine Lösung aus, die beides erreichte: ich entwarf das Bild mit zwei Blickpunkten. Den Mann muß man etwa von der Stelle aus betrachten, an der sich die Fahnenstange befindet, und den Turm selber von der Erde aus. Dadurch wird die scheinbare Zweispaltigkeit wieder in Einklang gebracht. In der Nähe eines alten Domes standen unter ei115 nem Schutzdach drei Steinkreuze. Sie waren moderig und stark beschädigt und trugen lebensgroße Steinfiguren. Die Diebe waren nach der phantasievollen höfischen Mode aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts gekleidet, während der Heiland, von einem Tuch um die Lenden abgesehen, nackt war. Zu Mittag saßen wir unter den grünen Bäumen in einem Garten, der zu dem Gasthof gehörte und auf den Neckar hinaus lag, und nachdem wir unsere Pfeife geraucht hatten, gingen wir zu Bett. Gegen drei Uhr standen wir erfrischt auf und legten unsere Rüstung an. Als wir fröhlich zum Tor des Städtchens hinauszogen, überholten wir einen Bauernkarren, der teilweise mit Kohlresten und ähnlichen

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TITELTHEMA: NECK AR Gemüseabfällen beladen war und von einer kleinen Kuh mit einem noch kleineren Esel im selben Joch gezogen wurde, Es war ein recht langsames Unternehmen, aber wir erreichten Heilbronn vor Einbruch der Dunkelheit – es waren acht Kilometer, vielleicht aber auch elf. Wir stiegen in demselben Gasthaus ab, in dem der berühmte alte Raubritter und Haudegen Götz von Berlichingen wohnte, nachdem er vor dreihundertfünfzig oder vierhundert Jahren aus der Gefangenschaft im viereckigen Turm von Heilbronn entlassen worden war. Harris und ich schliefen in demselben Zimmer, in dem er geschlafen hatte, und dieselbe Tapete hatte sich noch nicht ganz von den Wänden geschält. Die Möbel waren wunderlich, altes geschnitztes Zeug, bestimmt vierhundert Jahre alt, und ein paar der Gerüche waren älter als eintausend. Aus der Wand ragte ein Haken, und der Wirt sagte, an ihn habe der furchterregende alte Götz seine eiserne Hand gehängt, wenn er zu Bett ging. Das Zimmer war sehr groß – geradezu ungeheuerlich groß – und lag im ersten Stock, was bedeutet, daß es im zweiten Stock lag, denn in Europa sind die Häuser so groß, daß man den ersten Stock nicht mitzählt, sonst würden die Leute vom Treppensteigen müde werden, bevor sie oben ankommen. Die Tapete war feuerrot mit einem riesigen goldenen Muster. Sie waren von der Zeit tüchtig angeschmuddelt und bedeckte sämtliche Türen. Diese Türen paßten so genau und führten das Muster so nahtlos weiter, daß man die Wand nach ihnen absuchen und abtasten mußte, um sie zu finden, wenn sie geschlossen waren . In der Ecke stand ein Ofen – einer von diesen hohen, vierkantigen, stattlichen weißen Porzellanklötzen, die wie ein Denkmal aussehen und einen dauernd an den Tod erinnern, wenn man sich seiner Reise erfreuen sollte. Die Fenster blickten auf eine schmale Gasse und weiter in einen Stall und mehrere Geflügel- und Schweinehöfe auf der Rückseite einiger Wohnhäuser. Das Zimmer hatte die üblichen zwei Betten, das eine auf der einen Seite, das andere ungefähr einen altmodischen messingbeschlagenen einläufigen Pistolenschuß entfernt auf der anderen. Und auch genauso schmal wie die üblichen deutschen Betten waren sie, und sie besaßen die unausrottbaren Angewohnheiten der deutschen Betten, die Decken auf den Boden rutschen zu lassen, sobald und sooft man sich vergaß und einschlief. Ein runder Tisch von der Größe des König Artus'schen stand mitten im Zimmer; während die Kellner ihn deckten, um uns das Abendessen darauf vorzusetzen, gingen wir alle nochmal hinaus, um die berühmte Uhr an der Rathausfassade zu besichtigen.

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TITELTHEMA: NECK AR KAPITEL 12 Das Rathaus ist ein Stück der sonderbarsten und malerischsten Architektur. Es hat einen wuchtigen Säulenvorbau und eine mit einem schweren Geländer gesäumte und mit lebensgroßen rostigen Eisenrittern voller Rüstung geschmückte Freitreppe. Die Uhr an der Vorderseite des Gebäudes ist sehr groß und von recht eigener Gestalt. Ein vergoldeter Engel schlägt mit einem Hammer die volle Stunde auf einer Glocke; wenn das Schlagen zu Ende geht, hebt eine lebensgroße Figur, die Zeit darstellend, ihr Stundenglas und dreht es um; zwei goldene Schafböcke gehen aufeinander los; ein vergoldeter Hahn hebt die Flügel; aber die Glanzstücke sind zwei große Engel, die mit einer langen Posaune an den Lippen zu beiden Seiten des Zifferblattes stehen; es wurde behauptet, daß sie zu jeder vollen Stunde melodisch ins Horn stießen – aber für uns taten sie's nicht. Hinterher erzählte man uns, daß sie nur des Nachts bliesen, wenn es ruhig sei in der Stadt. Im Innern des Rathauses hing eine Anzahl präparierter Wildschweinsköpfe auf Stützenbetten an der Wand; Inschriften darunter verrieten, wer die Tiere erlegt hatte und o´vor wieviel hundert Jahren. Einer der Räume in dem Gebäude diente der Aufbewahrung eines alten Archivs. Dort zeigte man uns zahllos betagte Urkunden und Dokumente; einige waren von Päpsten unterschrieben, einige von Tilly und anderen Großen Heerführern, und es befand sich auch ein Brief darunter, den Götz von Berlichingen 1519 kurz nach seiner Entlassung aus dem viereckigen Turm in Heilbronn geschrieben und unterzeichnet hat. Dieser treffliche alte Raubritter war ein frommer und wahrhaft religiöser Mensch, gastfreundlich, mildtätig gegenüber den Armen, furchtlos im Kampf, tatkräftig und unternehmend und von edlem, großherzigen Wesen. Er besaß eine Eigenschaft, die in jenen rauhen Zeiten selten war – die Fähigkeit, geringe Kränkungen zu übersehen und tödliche zu vergeben und zu vergessen, sobald er den Urheber gründlich gezüchtigt hatte. Er war jederzeit bereit, einen Strauß auszufechten und sein Leben aufs Spiel zu setzen, damit ein armer Teufel zu seinem Recht kam. Den einfachen Leuten war er lieb und teuer, und noch heute grünt die Erinnerung an ihn in Ballade und Überlieferung. Er legte sich an die Straße und plünderte reiche Reisende aus oder stieß von seiner hohen Burg ins Neckartal hinab und erbeutete durchziehende Kaufmannsfracht. In seinen Lebenserinnerungen dankt er fromm dem Geber aller Güter, der sich seiner erinnert haben in der Not und ihm manch solche Fracht zu Zeiten geschickt habe, da nur göttliche Fügung ihn habe retten können. Er war ein beherzter Kriegsmann und hatte innige Freude am Kampf. Als er erst dreiundzwanzig Jahre alt war, wurde ihm bei einem Angriff auf eine Burg in Bayern die rechte Hand weggeschossen, aber so sehr fesselte ihn der Kampf, daß er es eine ganze Weile lang überhaupt nicht merkte. Er hat behauptet, daß er mit der eisernen Hand, die später für ihn angefertigt wurde und die er länger als ein halbes Jahrhundert trug, fast ebenso geschickt gewesen sei wie mit der aus Fleisch. Zu meiner Freude konnte ich ein Faksimile des Briefes dieses großartigen deutschen Robin Hood erstehen. Allerdings kann ich ihn nicht lesen. Er war ein größerer Künstler mit dem Schwert als mit der Feder. Wir gingen zum Fluß hinunter und sahen uns den viereckigen Turm an. Es war dies ein sehr ehrwürdiges, sehr starkes schmuckloses Bauwerk. Eine Öffnung in Bodennähe gab es nicht. Zweifellos hat man eine Leiter benutzen müssen, um hineinzukommen. Auch die Hauptkirche besichtigten wir – ein seltsames altes Bauwerk mit einem Turm, der mit allerlei sonderbaren Steinfiguren geschmückt ist. Die Innenwände der Kirche waren von großen Kupfertafel geschmückt, deren Innenschriften die Verdienste alter, vor zwei – bis dreihundert Jahren verstorbener Heilbronner Be-

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TITELTHEMA: NECK AR rühmtheiten priesen und sie auf kunstlos gemalten Bildern mit samt ihrer Familie in der sonderbaren Tracht jener Zeit auch selber zeigten. Das Oberhaupt der Familie saß jeweils im Vordergrund, und hinter ihm erstreckte sich die stark zurückweichende, kleiner wehrende Reihe der Söhne; ihm gegenüber saß seine Frau, und hinter ihr erstreckte sich die lange Reihe der immer kleiner werdenden Töchter. Die Familie war meistens groß, aber die Perspektive mißlungen. Dann mieteten wir Pferd und Kutsche, mit denen Götz von Berlichingen auszufahren pflegte, und fuhren mehrere Kilometer über Land nach einem Ort namens Weibertreu. Dieser Ort war im Mittelalter eine Burg. Als wir uns ihm näherten, stellte sich heraus, daß er wunderschön lag, aber auf einer runden, recht steilen und etwa sechzig Meter hohen Anhöhe. Wir kletterten daher nicht zu ihm hinauf – denn die Sonne brannte heiß vom Himmel -, sondern nahmen ihn auf Treu und Glauben hin und betrachteten ihn aus der Ferne, während das Pferd sich gegen einen Zaun lehnte und rastete. Der Ort bietet keinen Reiz, außerdem, der ihm von seiner Sage verliehen wird, die sehr hübsch ist - nämlich so: DIE SAGE Im Mittelalter kämpften zwei Brüder, beides junge Herzöge, in einem von diesen Kriegen auf verschiedenen Seiten; der eine für den Kaiser, der andere gegen ihn. Einem von ihnen gehörten die Burg und das Dorf oben auf den Anhöhe, von der ich gesprochen habe, und in seiner Abwesenheit rückte sein Bruder mit seinen Rittern und Söldnern an und begann eine Belagerung. Es war ein langes, beschwerliches Unternehmen, denn die Leute verteidigten sich hartnäckig und getreu. Aber schließlich gingen ihnen die Vorräte aus, und der Hunger begann sein Werk; mehr Menschen wurden von ihm hingerafft als von den Geschossen des Feindes. Nach einer Weile ergaben die Leute sich und baten um nachsichtige Behandlung. Aber der belagernde Fürst war so wütend auf sich wegen des langen Widerstandes, daß er erklärte, er werde nur die Frauen und Kinder schonen – die Männer solle man ohne Ausnahme über die Klinge springen lassen und ihren Besitz zerstören. Da kamen die Frauen und fielen auf die Knie und baten um das Leben ihrer Männer. »Nein«, sagte der Fürst, »kein einziger von ihnen soll mit dem Leben davon kommen; ihr selber sollt mit euren Kindern in die Verbannung gehen, wo ihr kein Haus habt und keine Freunde; aber damit ihr nicht verhungert, gewähre ich euch diese eine Gnade: Jede Frau mag von ihr so viel von ihrem kostbarsten Besitz mitnehmen, wie sie selber tragen kann.« Nun gut, alsbald öffnete sich das Tor, und diese Frauen kamen mit ihren Männern auf dem Rücken heraus. Rasend vor Wut über die List, wollten sich die Belagerer auf die Männer stürzen, um sie hinzuschlachten, aber der Herzog vertrat ihnen den Weg und sagte. »Nein – steckt eure Schwerter ein – das Wort eines Fürsten ist unverbrüchlich.« Als wir in den Gasthof zurückkamen, stand König Artus' runder Tisch unter weißem Faltenwurf für uns bereit, und der Oberkellner und sein erster Gehilfe, beide in Frack und weißer Krawatte, brachten alsbald die Suppe und die heißen Gänge. Mr. X hatte das Abendessen bestellt, und als der Wein auf den Tisch kam, nahm er eine Flasche in die Hand, warf einen kurzen Blick auf das Etikett und wandte sich dann an den ersten, den melancholischen, den grabesdüsteren Oberkellner und sagte, es sei nicht die Sorte Wein, um die er gebeten habe. Der Oberkellner griff nach der Flasche, ließ ein Leichenbestatterauge darauf ruhen und sagte: » Das ist wahr; ich bitte um Verzeihung.« Dann wandte er sich seelenruhig zu seinem Untergebenen um und sagte: »Bring' ein anderes Etikett!« Unterdessen schob er das Etikett mit der Hand von der Flasche und legte es beiseite; es war frisch aufgeklebt worden, die Gummierung war nach feucht. Als das neue Etikett kam, klebte er es auf. Nachdem so unser französischer Wein, ganz nach Wunsch, in deutschen Wein verwandelt worden war, widmete sich er Oberkellner

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TITELTHEMA: NECK AR freundlich seinen anderen Obliegenheiten. Augenscheinlich war das Wirken eines Wunders von dieser Sorte für ihn eine alltägliche, mit keinerlei Schwierigkeiten verbundenen Angelegenheiten. Mr. X sagte, er habe bisher nicht gewußt, daß es Leute gebe, die ehrlich genug seien, dieses Wunder öffentlich vorzuführen, aber er wisse sehr wohl, daß Jahr Tausende und Abertausende von Etiketten aus Europa nach Amerika eingeführt werden, damit es den Händlern möglich sei, ihre Kunden auf einfache und billige weise mit allen verlangten ausländischen Weinen zu versorgen. Nach dem Essen spazierten wir gemächlich durch die Stadt und fanden sie im Mondschein durchaus genauso interessant wie bei Tage. Die Straßen waren schmal und holperig gepflastert und Gehsteige und Straßenlaternen nicht vorhanden. Die Häuser waren jahrhundertalt und groß genug für Hotels. Sie wurden nach oben zu immer breiter.; die Stockwerke ragten von einem zum nächsthöheren immer weiter vor und immer weiter nach beiden Seiten hinaus, und die Reihe erleuchteter Fenster, die mit kleinen Scheiben gefüllt, mit gemustertem weißem Musselin verhängt und draußen mit Blumenkästen geschmückt waren, erzielten eine hübsche Wirkung. Der Mond schien hell; Licht und Schatten waren sehr kräftig; und nichts hätte malerischer sein können als diese gewundenen Straßen mit ihren Fluchten ausladener hoher Giebel, die sich auf freundlich schwarzhafte Art dicht zueinander beugten, und die Menschen, die unter einmal durch schattenhafte Finsternis, dann wieder durch Streifen milden Mondlichtes schlenderten. Fast alles war draußen, plauderte, sang, trollte oder drängte sich müßig und in bequemer Haltung um die offenen Türen. Auf einem Platz stand ein öffentliches Gebäude, das von einer dicken rostigen Kette eingezäunt war, die von Pfosten zu Pfosten in einer Reihe von Schaukeln tief durchhing. Das Pflaster bestand hier aus schweren Steinblöcken. Im Mondschein schaukelte eine Schar barfüßiger Kinder auf diesen Ketten und hatten ihren lärmenden Spaß daran. Diese Kinder waren nicht die ersten, die das taten; selbst ihre Urgroßväter, als sie noch Kinder waren, dürften nicht die ersten gewesen sein. Das Schleifen der nackten Füße hatte Rillen von mehreren Zoll Tiefe in die Steinplatten gewetzt; das zu erreichen brauchte es viele Generationen von Kindern. Überall in der Stadt fanden sich der Moder und der Verfall, die mit Altertum einhergehen und dafür zeugen; aber nichts hat uns wohl ein solch lebhaftes Gefühl für Heilbronns großes Alter vermittelt wie die mit den Füßen eingeschliffenen Rillen in den Pflastersteinen. KAPITEL 13 Als wir in den Gasthof zurückkehrten, zog ich den Schrittmesser auf, stellte ihn und steckte ihn in die Tasche, denn ich sollte ihn am nächsten Tag tragen und die zurückgelegte Entfernung notieren. Von der Arbeit, die das Instrument während des eben verflossenen Tages zu leisten gehabt hatte, war es nicht merklich ermattet. Um zehn Uhr begaben wir uns zur Ruhe, denn bei Tagesanbruch wollten wir zu unserer Wanderung heimwärts aufbrechen. Ich lag noch

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TITELTHEMA: NECK AR eine Weile wach, Harris jedoch schlief sofort ein. Mir mißfällt ein Mensch, der sofort einschläft; sein Verhalten birgt ein undefinierbares Etwas – nicht gerade eine Beleidigung, aber durchaus eine Unverschämtheit. Und zwar eine schwer zu ertragende. Ich lag da und ärgerte mich über die Kränkung und versuchte, einzuschlafen; aber je energischer ich es versuchte, desto wacher wurde ich. Ich begann, mich sehr allein zu fühlen im Dunkeln mit nichts als einem unverdauten Abendessen zur Gesellschaft. Nach einer Weile machte sich mein Verstand an die Arbeit, ich dachte über den Anfang eines jeden Themas nach, über das jemals nachgedacht worden war; aber über den Anfang kam ich bei keinem hinaus; nichts hielt mich; mit besessener Eile floh ich von Gegenstand zu Gegenstand. Nach einer Stunde drehte sich alles in meinem Kopf, und ich war todmüde und vollkommen erschöpft. Die Erschöpfung war so groß, daß sie alsbald einigen Vorsprung gegenüber meiner nervösen Gereiztheit gewann; während ich hellwach zu sein glaubte, dämmerte ich in Wirklichkeit in Augenblicke der Bewußtlosigkeit hinüber, aus denen ich jedesmal wieder sehr plötzlich unter spürbarem Zusammenzucken zurückkehrte; in diesen Augenblicken glaubte ich, rücklings in einen jähen Abgrund zu stürzen. Nachdem ich in acht oder neun jähe Abgründe gestürzt war und auf diese Weise herausgefunden hatte, daß die eine Hälfte meines Gehirns acht- oder neunmal eingeschlafen sein mußte, ohne daß die hart arbeitende, hellwache andere es auch nur ahnte, breiteten die periodischen Bewußtlosigkeiten allmählich ihre Zaubermacht über weitere Teile meines Hirnhoheitsgebietes aus, und schließlich sank ich in einen Schlummer, der tiefer und tiefer wurde und bestimmt gerade zu einer gesegneten, durch nichts zu erschütternden traumlosen Ohnmacht werden wollte, als – was war das? Meine benommenen Sinne schleppten sich teilweise ins wache Leben zurück und nahmen Aufnahmehaltung ein. Nun drang aus unermeßlicher, aus grenzenloser Ferne ein Etwas heran, das wuchs und wuchs und rückte näher und wurde alsbald als ein Geräusch erkennbar – zunächst war es eher ein Gefühl

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TITELTHEMA: NECK AR gewesen. Dieses Geräusch war nun zwei Kilometer entfernt – vielleicht war es das Grollen eines Gewitters; und nun kam es näher – war nicht einmal mehr einen halben Kilometer weg; war es das gedämpfte Mahlen oder Kratzen ferner Maschinen? Nein, es rückte immer noch näher; war es der Gleichschritt marschierender Soldaten? Aber es kam näher und immer noch näher . Und schließlich war es im Zimmer selber: nur eine Maus, die am Holz nagte. Und wegen dieser Nichtigkeit hatte ich die ganze Zeit den Atem angehalten! Nun gut, was geschehen war, war geschehen und ließ sich nicht mehr ändern; ich würde jetzt sofort einschlafen und die verlorene Zeit aufholen. Welch gedankenloser Gedanke! Ohne daß ich es wollte — ohne daß es mir auch nur ganz bewußt wurde —, machte ich mich daran, angespannt nach diesem Geräusch zu horchen und sogar unbewußt die Striche der mäuslichen Muskatnußreibe zu zählen. Schon bald bereitete mir diese Beschäftigung die größten Qualen, aber ich hätte sie vielleicht ertragen können, wäre die Maus nur beständig bei der Arbeit geblieben; aber gerade das tat sie nun nicht; immer wieder hielt sie inne, und ich litt mehr, wenn ich horchte und darauf wartete, daß sie wieder anfing, als dann, wenn sie nagte. Zu Beginn setzte ich im Geiste eine Belohnung von fünf, sechs, sieben, zehn Dollar für diese Maus aus; aber gegen Ende bot ich Belohnungen, die glatt über meine Verhältnisse gingen. Ich reffte die Ohren — das heißt, ich bog die Lappen herunter und rollte sie fünf- oder sechsmal zusammen und drückte sie gegen die Höröffnung — aber es nützte nichts: mein Gehör war vor nervöser Gereiztheit so geschärft, daß es zu einem Mikrofon geworden war und ohne Mühe durch das dämpfende Polster empfangen konnte. Mein Zorn steigerte sich zur Raserei. Schließlich tat ich das, was jeder vor mir zurück bis zu Adam hin getan hat — ich beschloß, etwas zu schmeißen. Ich griff unters Bett und bekam meine Wanderstiefel zu fassen, dann setzte ich mich aufrecht hin und horchte, um das Geräusch genau zu orten. Aber es gelang mir nicht; es war so unortbar wie das Zirpen einer Grille, und wo man glaubt, daß das herkomme, da kommt es ganz gewiß nicht her. Also warf ich schließlich einen der beiden Schuhe aufs Geratewohl und mit boshafter Wucht. Er knallte Harns zu Häupten gegen die Wand und fiel auf ihn; ich hatte nicht geglaubt, daß ich so weit würde werfen können. Der Schuh weckte Harns auf, und das freute mich, bis ich feststellte, daß er nicht ärgerlich war; da tat es mir leid. Er schlief bald wieder ein, und ich war froh darüber; aber sofort fing die Maus wieder an, was mich von neuem rasend machte. Ich wollte Harris nicht noch einmal wecken, aber das Nagen dauerte an, bis ich gezwungen war, den anderen Schuh zu werfen. Diesmal zerschmiß ich einen Spiegel — in dem Zimmer hingen zwei —, ich erwischte natürlich den größeren. Harns wurde abermals wach, beschwerte sich aber nicht, und es tat mir noch leider. Ich beschloß, lieber alle möglichen Martern zu erdulden, als ihn ein drittes Mal zu stören. Die Maus zog sich schließlich zurück, und allmählich versank ich in Schlaf, da fing eine Uhr an zu schlagen; ich zählte, bis sie fertig war, und wollte gerade wieder eindösen, als eine andere Uhr anhub; ich zählte; dann begannen die beiden großen Rathausuhrengel, sanft und volltönend und melodisch auf ihren langen Trompeten zu blasen. Noch nie zuvor hatte ich etwas so Liebliches, so Überirdisches, so Geheimnisvolles gehört — aber als sie dann auch die Viertelstunde bliesen, dünkte mich doch, daß sie die Sache ein wenig übertrieben. Jedesmal, wenn ich einen Augenblick lang hinüber war, weckte ein neues Getön mich auf. Jedesmal, wenn ich wach wurde, vermißte ich mein Deckbett und mußte auf den Fußboden greifen und es zurückholen. Endlich ließ mich alle Schläfrigkeit im Stich. Ich merkte, daß ich hoffnungslos und auf immer hellwach war. Hellwach und wie in einem Fieber und durstig. Nachdem ich mich so lange, wie es sich ertragen ließ, von einer Seite auf die andere geworfen hatte, fiel mir ein, daß es eine gute Idee wäre, wenn ich mich anzöge und auf den großen Platz ginge und eine erfrischende Waschung in dem Brunnen vornähme und rauchte und nachdachte, bis die Nacht vorüber war. Ich glaubte, daß ich mich im Dunkeln würde anziehen können, ohne Harns aufzuwecken. Ich hatte meine Schuhe nach der Maus verschossen, aber meine Pantoffeln würden in der Sommernacht genügen. Also stand ich leise auf und bekam auch nach und nach alles an — bis auf einen Socken. Wie ich es auch immer anstellte, diesem Socken schien ich einfach nicht auf die Spur kommen zu können. Aber ich mußte ihn haben; also ließ ich mich auf Hände und Knie hinunter und begann, leise herumzutapsen und den Boden abzusuchen, hatte jedoch keinen Erfolg. Ich vergrößerte meinen Kreis und tapste und suchte weiter. Wie der Fußboden unter jedem Druck meines Knies quietschte! Und jeder Gegenstand, an den ich zufällig stieß, schien fünfunddreißigmal oder gar sechsunddreißigmal soviel Lärm zu machen, als er bei Tage gemacht hätte. Ich machte jedesmal halt und hielt den Atem an, bis ich sicher war, daß ich Harns nicht aufgeweckt hatte — dann kroch ich weiter. Kreis um Kreis

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TITELTHEMA: NECK AR zog ich, jedoch den Socken fand ich nicht; ich schien überhaupt nichts außer Möbeln zu finden. Ich konnte mich nicht erinnern, daß viele Möbel in dem Zimmer gestanden hätten, als ich zu Bett ging, aber nun war es voll davon — besonders von Stühlen — überall standen Stühle. Waren in der Zwischenzeit ein paar Familien eingezogen? Und es schien mir niemals zu gelingen, einen dieser Stühle nur zu streifen — jedesmal stieß ich voll und mit dem Kopf zuerst dagegen. Meine Wut wuchs langsam, aber sicher, und während ich weiter und weiter tapste, begann ich halblaut boshafte Bemerkungen hervorzuknirschen. Schließlich erklärte ich mit giftiger Gereiztheit, ich würde ohne den Socken gehen; also erhob ich mich und hielt geradenwegs auf die Tür zu — glaubte ich, bis ich mich plötzlich meinem trüben, gespensterhaften Abbild in dem zerbrochenen Spiegel gegenübersah. Es jagte mir solch einen Schrecken ein, daß mir die Luft wegblieb, wenigstens einen Augenblick lang; es zeigte mir außerdem, daß ich mich verirrt hatte und nicht die blasseste Ahnung hatte, wo ich war. Als mir dies klar wurde, packte mich ein solcher Zorn, daß ich mich auf den Boden setzen und irgendwo festhalten mußte, um nicht das Haus mit einer Explosion meiner wahren Ansichten von der Sache aus den Fugen zu sprengen. Wäre nur ein Spiegel im Zimmer gewesen, hätte er mir vielleicht geholfen, mich zurechtzufinden; aber es waren zwei da, und zwei waren so schlimm wie tausend; überdies hingen sie an gegenüberliegenden Wänden. Ich sah den trübe verschwommenen Lichtfleck der Fenster. Aber in meinem verdrehten Zustand waren sie genau da, wo sie nicht hätten sein sollen, also verwirrten sie mich nur noch mehr, statt mir zu helfen. Ich wollte aufstehen und stieß einen Regenschirm um; er knallte wie ein Pistolenschuß, als er auf dem harten, glatten, teppichlosen Fußboden aufschlug; ich knirschte mit den Zähnen und hielt den Atem an — Harns rührte sich nicht. Ich stellte den Schirm langsam und vorsichtig aufrecht gegen die Wand, aber sobald ich meine Hand fortnahm, rutschte er unten weg und lag unter erneutem Knall abermals da. Ich zuckte zusammen und horchte einen Augenblick lang in stummem, ingrimmigem Zorn — nichts war passiert, alles blieb ruhig. Mit peinlichster Sorgfalt stellte ich den Schirm noch einmal genau aufrecht hin, und wieder schlug er um. Man hat mich streng erzogen, aber wenn es in dem abgeschiedenen, riesenhaften Zimmer nicht so dunkel und feierlich und furchterregend gewesen wäre, hätte ich gewiß in diesem Augenblick manches gesagt, was man in einem Sonntagsschulbuch nicht abdrucken könnte, ohne den Ver124 kauf desselben zu gefährden. Die fortgesetzten Qualen mußten meinen Verstand bereits beträchtlich unterhöhlt haben, sonst wäre es mir wohl kaum eingefallen zu versuchen, auf einem von diesen glasglatten deutschen Fußböden im Dunkeln einen Regenschirm aufrecht hinzustellen; das geht selbst bei Tage nicht ohne vier Fehlschläge auf jeden Erfolg ab. Einen Trost hatte ich allerdings — Harns war auch jetzt noch still und stumm — er hatte sich nicht gerührt. Der Schirm konnte mir nicht verraten, wo ich war – rundum an den Wänden standen vier, und sie waren alle gleich. Aber ich konnte mich ja an der Wand entlangtasten und auf diese Weise die Tür finden. Ich stand auf und machte mich an dieses Unternehmen, riß aber dabei ein Bild herunter. Es war kein großes Bild, aber es machte Krach genug für ein Panorama. Harns gab auch jetzt keinen Laut von sich, aber ich war überzeugt, daß ihn weitere Experimente mit den Bildern aufwecken würden. Also gab ich es besser auf, hinausfinden zu wollen. Ja — ich würde noch einmal König Artus' runden Tisch suchen (dem ich schon mehrmals begegnet war) und ihn als Ausgangsbasis für einen meinem Bett geltenden Entdeckungsgang benutzen; falls ich mein Bett fand, konnte ich von da aus meinen Wasserkrug finden; ich würde meinen rasenden Durst löschen und mich dann hinlegen. Ich kroch also auf Händen und Knien los, denn so bewegte ich mich flinker und mit mehr Zuversicht vorwärts und konnte nichts umstoßen. Nach einigem Suchen fand ich den Tisch — mit dem Kopf—, rieb ein bißchen über die Beule, stand dann auf und machte mich, mit ausgestreckten Armen und gespreizten Fingern balancierend, auf den Weg. Ich fand einen Stuhl; dann die Wand; dann noch einen Stuhl; dann ein Sofa; dann einen Alpenstock, dann noch ein Sofa —was mich verwirrte, denn ich erinnerte mich nur an ein Sofa. Ich spürte abermals den Tisch auf und begann noch einmal von vorne; fand noch ein paar Stühle. Nun fiel mir ein, was mir schon längst hätte einfallen sollen, daß nämlich der Tisch, da er rund war, als Ausgangsposition für eine Kursbestimmung nichts taugte; also stapfte ich noch einmal, diesmal aufs Geratewohl, mitten in die Wildnis aus Stühlen und Sofas hinein — stieß in unbekannte Regionen vor und hieb alsbald einen Kerzenleuchter von einem Kaminsims, schnappte nach dem Kerzenleuchter und stieß dabei eine Lampe um, schnappte nach der Lampe und stieß dabei unter Klirren und Krachen einen Wasserkrug um und dachte bei mir: Endlich habe ich dich gefunden — wußte ich doch, daß ich ganz in der Nähe war! Harns schrie »Mord!«

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TITELTHEMA: NECK AR und stellte fest, daß ich 75 Kilometer zurückgelegt hatte. Aber das focht mich nicht an; schließlich war ich hergekommen, um zu wandern. KAPITEL 14 und »Diebe!« und »Hilfe! Ich ertrinke!« Der Krach hatte das ganze Haus geweckt. Mr. X kam in seinem langen Nachthemd hereinstolziert, eine Kerze in der Hand, den jungen Z. mit einer anderen Kerze hinter sich; ein ganzer Festzug mit Kerzen und Laternen marschierte zu einer anderen Tür herein — der Wirt und zwei deutsche Gäste im Nachthemd, ein Stubenmädchen (desgleichen). Ich blickte mich um; ich stand neben Harns' Bett, hundert Schritte von meinem Bett entfernt. Nur ein Sofa war da; es stand an der Wand; nur ein Stuhl stand so, daß man an ihn herankonnte — ich war die halbe Nacht wie ein Planet um ihn gekreist und die halbe Nacht wie ein Komet mit ihm zusammengestoßen. Ich erklärte den Versammelten, womit ich mich beschäftigt hätte und warum. Danach zogen der Wirt und sein Gefolge sich zurück, und wir übrigen rüsteten uns zum Frühstück, denn die Morgendämmerung wollte eben anbrechen. Ich warf einen verstohlenen Blick auf meinen Schrittmesser Als der Wirt erfuhr, daß ich und meine Begleiter Künstler waren, stieg unsere Gesellschaft merklich in seiner Achtung; wir stiegen noch höher, als er erfuhr, daß wir uns auf einer Fußreise durch Europa befanden. Er erzählte uns alles über den Weg nach Heidelberg und welche Orte man am besten mied und an welchen man sich mit Nutzen aufhielt. Er berechnete mir weniger als die Selbstkosten für die Sachen, die ich während der Nacht zerschlagen hatte; er packte uns einen hübschen Imbiß ein und dazu eine Handvoll hellgrüner Pflaumen, das leckerste Obst, das es in Deutschland gibt; er war so sehr darauf bedacht, uns auszuzeichnen, daß er uns einfach nicht erlauben wollte, Heilbronn zu Fuß zu verlassen; er ließ Götz von Berlichingens Pferd und Wagen bringen und bestand darauf, daß wir fuhren. Ich habe die festliche Ausfahrt gezeichnet. Es soll kein Werk sein, sondern nur das, war wir Maler eine »Skizze« nennen — nach ihr wird dann das richtige Bild gemalt. Die Skizze hat mehrere Mängel; zum Beispiel fährt der Wagen nicht so schnell, wie das Pferd läuft. Das ist nicht gut. Dann ist die Person, die davonzulaufen versucht, zu klein; die Perspektive stimmt nicht, wie wir sagen. Die beiden oberen Linien sind nicht der Rücken des Pferdes, sondern die Zügel — ein Rad scheint zu fehlen — dies würde in dem richtigen Werk natürlich korrigiert werden. Was da hinten herausflattert, ist keine Fahne, sondern ein Vorhang. Das andere Ding da oben ist die Sonne, aber ich habe sie nicht weit genug weggerückt. Ich kann mich jetzt nicht mehr entsinnen, was das Ding vor dem weglaufenden Mann ist, aber ich glaube, es ist ein Heuschober oder eine Frau. Die Skizze war im Pariser Salon von 1879 ausgestellt, bekam jedoch keinen Preis. Für Skizzen werden dort keine Preise vergeben. An der Brücke schickten wir den Wagen um. Der Fluß war mit Stämmen bedeckt - langen, schlanken, borkelosen Tannenstämmen, und wir beugten uns über das Brückengeländer und sahen zu, wie die Männer sie zu Flößen zusammenfügen. Diese Flöße waren in Form und Bauart auf die vielen Biegungen und die außerordentlich geringe des Neckars abgestimmt. Sie waren fünfzig bis hundert Meter lang und verjüngten sich allmählich von

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TITELTHEMA: NECK AR neun Stämmen am Heck zu drei Stämmen am Bug. Das Steuern wird hauptsächlich am Bug besorgt, und zwar mit einer Stange; die Dreistammbreite läßt dort nur für den Steuermann Platz, denn die schlanken Stämme haben nicht mehr Umfang als die Taille einer durchschnittlichen jungen Dame. Die Verbindungen zwischen den verschiedenen Abschnitten des Floßes sind schlaff und biegsam, so daß man das Floß mühelos zu jeder Art Kurve biegen kann, die der Flußlauf erfordert. Der Neckar ist an vielen Stellen so schmal, daß man einen Hund hinüberwerfen kann, falls man einen hat; wenn er an solch einer Stelle dann auch noch eine scharfe Biegung macht, muß der Flößer scharf und geschickt bugsieren, will er wohlbehalten um die Kurve kommen. Dem Fluß ist nicht überall gestattet, sich über sein ganzes Bett auszuweiten, das etwa fünfundzwanzig, manchmal auch fünfunddreißig Meter breit ist, sondern er wird in drei Wasserläufe aufgespalten, und zwar von Steindämmen, die Hauptmenge, Haupttiefe und Hauptströmung des Wassers in den mittleren lenken. Bei Niedrigwasser schauen die schmalkämmigen Dämme etwa eine Handbreit wie der First eines untergetauchten Daches hervor, aber bei Hochwasser werden sie überspült. Ein Hutvoll Regen führt auf dem Neckar zu Hochwasser und ein Korbvoll zu einer Überschwemmung. Auf der Höhe des Schloßhotels befinden sich solche Dämme, und die Strömung ist an der Stelle überaus heftig. Oft habe ich stundenlang in meinem Glaskäfig gesessen und zugesehen, wie lange schmale Flöße durch die Mittelrinne flitzten, den Damm zur Rechten streiften und bedachtsam den mittleren Bogen der Brücke weiter unten ansteuerten — habe zugesehen und all die Zeit in der Hoffnung verschwendet, endlich einmal werde eins von ihnen den Brückenpfeiler treffen und daran zerschellen; aber immerzu wurde ich enttäuscht. Eines Morgens wurde tatsächlich ein Floß zerschmettert, aber da war ich gerade für einen Augenblick in mein Zimmer gegangen, um mir eine Pfeife anzuzünden, und so entging es mir. Während ich an jenem Morgen in Heilbronn auf die Flöße hinunterblickte, überkam mich plötzlich tollkühne Abenteuerlust und ich sagte zu meinen Weggenossen: »Ich fahre mit einem Floß nach Heidelberg. Werden Sie es wagen, mich zu begleiten?« Ihre Gesichter wurden ein bißchen blaß, aber sie willigten mit soviel Anstand ein, wie ihnen zu Gebote stand. Harris wollte seiner Mutter telegrafieren — hielt es für seine Pflicht, da sie außer ihm niemanden habe auf dieser Welt —, während er das also erledigte, ging ich zu dem längsten und besten Floß hinunter und begrüßte den Kapitän mit einem munteren »Ahoi, Schiffskamerad!«, was uns gleich in ein freundschaftliches Verhältnis zueinander brachte, und unverzüglich kamen wir zur Sache. Ich sagte zu ihm, wir befänden uns auf einer Fußwanderung nach Heidelberg und würden gerne als Passagiere bei ihm mitfahren. Ich sagte ihm dies teils durch den jungen Z., der sehr gut Deutsch sprach, und teils durch Mr. X., dessen Deutsch eigentümlich war. Ich verstehe Deutsch so gut wie der Wahnsinnige, der es erfunden hat, aber ich spreche es am besten mit Hilfe eines Dolmetschers. Der Kapitän zog sich die Hose hoch, schob dann seinen alle nervöse Hast und Ungeduld ein; unter ihrem friedlichen Einfluß schwinden alle Ärgernisse und alle Trübsal und alle Plagen, die uns quälen, und das Dasein wird ein Traum, ein Zauber, ein tiefes und stilles Entzücken. Welch ein Gegensatz zur erhitzenden, schwitzenden Fußwanderei, zur staubigen und ohrenbetäubenden Eisenbahnhatz und zum langweiligen Stuckern hinter müden Pferden auf blendenend weißen Landstraßen! Lautlos glitten wir zwischen den grünen, duftenden Ufern mit einem Gefühl der Wonne und Zufriedenheit dahin, das immer noch wuchs und zunahm. Manchmal hing dichtes Weidengezweig von den Ufern herab und verbarg die da hinterliegende Erde ganz; manchmal lagen stattliche Berge zur einen Seite, die bis an den Kamm dicht mit Laubwerk bekleidet waren, und zur anderen Seite flache Felder, die vom Klatschmohn flammten oder vom kräftigen Blau der Kornblume leuchteten; manchmal trieben wir im Schatten eines Waldes und manchmal am Rand langer Streifen samtigen Grases, das mit seinem frischen, glänzenden Grün nie aufhörte, das Auge zu bezaubern. Und die Vögel! — sie waren überall; ohne Unterlaß schossen sie über dem Fluß hin und her, und ihre jubilierende Musik verstummte nie. Welch tief befriedigende Freude, zuzusehen, wie die Sonne den neuen Morgen erschuf und ihn allmählich, geduldig, liebend in eine Pracht und eine Herrlichkeit nach der anderen kleidete, bis das Wunder vollkommen war! Wie anders erscheint dieses Wunder, wenn man ihm von einem Floß zuschaut, statt durch die schmutzigen Fenster eines Bahnhofs in irgendeinem armseligen Dorf, während man an einem versteinerten Butterbrot würgt und auf den Zug wartet.

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TITELTHEMA: BOOMTOWN

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WER BRAUCHT SCHON E I N E N H O C H Z E I T S TA G TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: MARIA SANDERS, THEATERSCHIFF HEILBRONN Man c h m a l m ö g en w ir d a s Unge re ch te o d e r e r fre ue n uns am Sc h ade n a n d erer. Gen a u s o iro nis ch und s ark as tis ch ge h t e s in de m T hea t er s t ü c k » Ein He r z und e ine Se e le « vo n Fe lix Blo ch Er b e n vo r a n . An g el eh n t a n d ie g le ich nam ige Fe rns e h s e rie aus de n 1 9 7 0 er Ja h ren , er l eb en d ie Zus ch aue r im Th e ate rs ch iff am He i l b ro n n er Nec k a r ein a m üs ante s Fam ilie nle be n m it flo tte n Sp r ü c h e n u n d s c ha r f en Witze n. Fre ud e nträne n und Bauch kr ümm er s in d d a b ei n i c ht aus g e s ch lo s s e n.

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TITELTHEMA: NECK AR »Ja, ich habe unseren Hochzeitstag vergessen«, stammelt Alfred trunken seiner Frau entgegen. Anstatt Reue zu zeigen, setzt er noch einen obendrauf: »Hätte ich dir Blumen gekauft, dann bestimmt nicht so ein hässliches Gestrüpp, wie die, deines Schwiegersohns.« Mürrisch, exzentrisch und stets neunmalklug. Genau mit diesen Worten lässt sich Alfred, die Hauptfigur in dem Theaterstück, beschreiben. Der Gute ist der Ehemann von Else. Ihre Beziehung hat sicher schon bessere Zeiten erlebt. Ständig kommandiert er sie herum, weist sie zurecht und rauscht oft nicht an einer unmittelbaren Beleidigung vorbei. Jedoch haben Alfred und Else Grund zum Feiern. Das Ehepaar hat seinen Silberhochzeitstag. Seit 25 Jahren sind sie nunmehr oder weniger glücklich verheiratet. Für diesen großen Tag sind Tochter Rita und Schwiegersohn Michael extra vorbei gekommen, um Mutter Else zu überraschen. Doch als die gute Seele des Hauses an ihrem Hochzeitstag Schmuck im Namen ihres Mannes, doch eigentlich von Michael, geschenkt bekommt, erweist sich selbst das als nicht ganz einfach. Dem egoistischen EkelAlfred fällt dazu nur ein: »Ich habe 20 Jahre gebraucht, um ihr so teure Geschenke auszureden und jetzt kommst du.« Heinz Kipfer ist Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter des Theaterschiffs Heilbronn. Er spielt Alfred, den alten Nörgler mit strengem Seitenscheitel und Oberlippenbart. Ausdrucksstark und enorm vielseitig überzeugt Kipfer in der Rolle. Mimik, Ausdruck und jedes einzelne gesprochene Wort sind in perfektem Einklang miteinander. Sichtlich wohlfühlt sich der 64-Jährige in seiner Rolle. Und den Zuschauern gefällt, was sie sehen und hören. Viele halten sich schon die Bäuche und manch andere krümmen sich schon auf ihren Stühlen vor Lachen. extreme Charaktere Wie es Else allerdings über zwei Dekaden mit dem besserwisserischen Alfred ausgehalten hat, ist wahrlich eine Kunst. Beachte man das unliebe Zusammenspiel der beiden Eheleute im Alltag. Aber es gehören ja immer zwei dazu, zu derartigen Institutionen, wie die einer Ehe und deren Verlauf. Die liebe Else tut gut daran, nicht viel darüber nachzudenken, ihren Ehemann oder ihr Leben infrage zu stellen. Und so ist sie auch. Warmherzig, gutgläubig und äußerst kommunikativ. Deswegen redet sie zuerst, bevor sie anfängt, zu überlegen. Sie ist witzig und hat immer einen kessen Spruch auf Lager, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Und ihre ganze Art ist so sympathisch, dass sie schier jedem Zuschauer ein Lächeln auf die Lippen zaubert. »Ich mag extreme Charaktere«, sagt Cosima Greeven (44), die Else interpretiert. Sie interessiere sich besonders dafür, »wie die Figuren sind und nicht welche Botschaft sie vermitteln«. Jedes Mal müsse sie sich neu auf die Figur einlassen. Schauspieler geben alles. Dennoch kann es mal passieren, dass es nicht auf Anhieb funktionieren will, die Interpretation der Rolle und einem während der Probe die Tränen in den Augen stehen. Der Lohn von alledem ist für sie unterhaltene Gesichter und ein wenig das Gefühl, die Zuschauer für ein Thema sensibilisieren zu können. Schiffsbesucherin Viola Rushing genießt die Vorstellung. Bei einem Glas Sekt auf Deck mit Mutter Helga Rothenhöfer (67) und Lebensgefährten Sven Wanderer (50) erzählt sie: »Die Rolle wurde super gespielt. Genau so stellt man sich die Frau an Alfreds Seite vor.« Mutter Else, Tochter Rita, Schwiegersohn Michael und Mecker-Alfred, alle haben sich in Schale geschmissen, um den Silberhochzeitstag zu feiern. Als der Herr des Hauses seine frisch zu recht gemachte Frau im Kleid ihrer Tochter sieht, bricht es lauthals aus ihm heraus: »Damit kannst du in den Zirkus gehen und Löwen erschrecken.« So ist Alfred, gehässig und arrogant. Tochter Rita alias Schauspielerin Katja Hentschel hat zwar die Klugheit ihres Vaters, ist aber dennoch taktvoll genug, um zu erkennen, dass gute Komplimente anders aussehen, und spricht ihrer Mutter zu. Tochter Rita drängt sich nicht in den Vordergrund, scheut sich aber auch nicht ihrem mürrischen alten Vater Contra zu geben. Und mit dem sehr kurzen Minikleid und den weißen Lackstiefeln, das in den 1970er Jahren eben

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TITELTHEMA: NECK AR meisten Gäste springen noch im selben Moment von ihren Stühlen, um sich an Deck bei Cocktail, Sekt oder Kaffee zu erfrischen. Viele Gäste stehen an der Reling oder am Heck des Schiffes zusammen und unterhalten sich. So, als würden sie sich kennen und immer freitags an Bord treffen. Manche sitzen auf den silbernen Aluminiumstühlen, manche stehen mit ihrem Espresso in der Hand daneben. Sie lachen auffällig viel, aber es wirkt echt. Da scheint Initiator Kipfer vor 18 Jahren alles richtig gemacht zu haben. Sonst gäbe es all die glücklichen Gesichter heute nicht. Das Interessante dabei ist die breite Alterspanne. Die Bühnenfassung »Ein Herz und eine Seele« steht der gleichnamigen Fernsehserie aus den 1970iger Jahren in nichts nach und hat offensichtlich junge, wie ältere Theaterliebhaber. humorvolle WortgefeChte modern war, ist sie auch schön anzuschauen. Wobei man als Zuschauer gerne mehr von ihr gehört hätte. Wie auf reisen An Bord herrscht ein anderer Wind. Man fühlt sich, wie auf Reisen, als sei man weit weg vom heimischen Heilbronn. Der knarrende Holzboden unter Deck und die Lichterketten zwischen den Reihen schaffen Wärme. Als dann noch die rot-orange-farbige Abendsonne durch die Gucklöcher scheint, kommt sogar romantisches Flair auf. »Wir waren bundesweit das erste Theaterschiff«, erzählt Heinz Kipfer, der das Schiff 1995 mit zwei Freunden gegründet hatte. Der lange, schmale Schiffsraum ist mit 124 Plätzen bestuhlt und jeder Einzelne ist belegt. Volles Schiff kann man sagen. Dann geht das Licht aus und die Schiffsglocke schellt durch das untere Deck. Es ist Pause. Jetzt bebt der Boden. Die Als Bühnenliebling hat Dirk Emmert alias Michael gute Chancen. Witz und viel Charme sind sein großes Plus. »Er sieht gut aus«, flüstert eine Zuschauerin hinüber und wird etwas rot dabei. Der 44-Jährige bringt eine gewisse Leichtigkeit auf die Bühne durch seine starke Präsenz, aber auch durch seine Rolle als langhaariger Kommunisten-Schwiegersohn, der Nörgel-Alfred kaum ernst nehmen kann. »Ich habe alle Folgen gesehen«, bekennt sich Karl Schütthelm (42) aus Heilbronn als großer Fan der deutschen Kultserie. Er freut sich sehr darüber, dass die Serie auch auf die Bühne gebracht wird: »Ich finde es spannend zu sehen, wie die Schauspieler die Charaktere darstellen und, ob es so ist, wie im Fernsehen.« Barbara Schütthelm findet die Ehefrau Else am besten. »Es ist ähnlich wie bei uns zu Hause. Sie ist sehr liebevoll und er etwas strenger.« Die 37-Jährige ist begeistert: »Ich habe auch schon ein Programmheft für meine Arbeitskollegin mitgenommen.« »Ein Herz und eine Seele« ist ein erfrischend-lustiges Bühnenstück, das mit humorvollen Wortgefechten und sarkastischen Sprüchen glänzt und dabei die Zeit viel zu schnell verfliegen lässt. Weitere infos unter: WWW.theatersChiff-heilbronn.de

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Heilbronn am neckar – entwicklung einer Stadt am FluSS TexT: STädTiSche MuSeen FoToS: Frank kleinbach Fische, Schiffe und industrie - themen, die mit dem Fluss unmittelbar zusammenhängen und die in der neuen kulturgeschichtlichen ausstellung des museums im deutschhof exemplarisch dargestellt werden. Fischreste wurden bei archäologischen ausgrabungen in einer Steinzeit-Siedlung in Heilbronn-klingenberg entdeckt, über 500 Jahre Schifffahrt auf dem neckar wird anhand von Schiffsmodellen präsentiert und die zentrale rolle Heilbronns zu beginn des 19. Jahrhunderts zeigen die Papierfabriken und die Silberwarenindustrie.

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TITELTHEMA: NECK AR Neckar prägt die der Stadt. Entwicklung Alamannische und fränkische Funde belegen Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet Heilbronns ab dem 5. Jahrhundert. Mit dem Ausbau des Neckars im 14. Jahrhundert sicherte sich Heilbronn über 500 Jahre eine große wirtschaftliche Bedeutung. Der Fluss wurde mit Wehren gestaut und die Durchfahrt für Schiffe in beide Richtungen gesperrt. Lediglich Flöße konnten durch die Mühlenkanäle und ab dem 15. Jahrhundert über eine eigene Floßgasse die Stadt passieren. Sämtliche mit dem Schiff ankommende Waren mussten in Heilbronn umgeladen und für eine bestimmte Zeit gestapelt werden. Die anfallenden Zölle und das Vorkaufsrecht der Heilbronner Kaufleute führten zum Wohlstand der Reichsstadt. Der Neckar entspringt in Schwenningen im Schwarzwald und ist bis zu seiner Mündung in den Rhein 367 km lang. Damit ist er der zwölftgrößte Fluss Deutschlands. Die Kelten bezeichneten den Neckar als »losstürmend«. Die Römer nannten den Fluss Nicarus und Neccarus, woraus sich der Name Neckar ableitete. Heute besitzt der Neckar insgesamt 27 Staustufen und überwindet damit eine Höhendifferenz von ca. 160 m. Bisher konnten auf dem Neckar Güterschiffe mit einer Länge von 105 m und einer Breite von 11,45 m verkehren. Nach dem geplanten Ausbau der Schleusen sollen auf dem Neckar Schiffe mit einer Länge von 135 m fahren können.

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TITELTHEMA: NECK AR Floß Motorboot Das typische Transportmittel auf dem Neckar war jahrhundertelang das Treidelschiff. Stromaufwärts mussten diese Hümpelnachen mit Pferdekraft gezogen werden. Erst mit dem Bau des Wilhelmskanals, dem Aufkommen von Dampfschiffen und Kettenschleppern sowie der Erweiterung des Hafens im 19. Jahrhundert veränderte sich der Neckar als Wasserstraße zunehmend. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglichte der Bau des Neckarkanals mit Staustufen und Schleusen die Großschifffahrt. Heute ist der Heilbronner Hafen der siebtgrößte Binnenhafen Deutschlands. »Die Schiffsreiter, Herr wie Knecht, waren wegen ihrer Rohheit bekannt und gefürchtet, die allerdings zum Teil in der Art ihrer Beschäftigung begründet gewesen sein mag. Der stete Aufenthalt im Freien, das unaufhörliche Antreiben der Pferde zu einer Arbeit, die sich nur zu häufig von Tierquälerei kaum unterscheidet, das laute Schreien zum Schiff hinüber und zu den anderen Halfreitern, [...] das stete Übernachten fern vom eigenen Haus, [...] all das hatte ihr Wesen, hatte Charakter und Sitten fast sprichwörtlich verroht, in noch höherem Maße, als es ohnehin beim ambulanten Gewerbetrieb leicht möglich ist. [...]« / Chronist 1872 (nach Willi Zimmermann, Heilbronn. Der Neckar: Schicksalsfluß der Stadt, 1985)

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TITELTHEMA: NECK AR Hümpelnachen Originallänge ca. 17 m nach einer Zeichnung von Heinrich Schickhardt 1598; das hintere Modell zeigt eine Variante der Nachen. Bevor Maschinenkraft die Schiffe bewegte, wurden die Neckarschiffe von Menschen und vor allem von Pferden gezogen. Die Leine zum Ziehen war an der Spitze des Mastes befestigt. Die Größe der Schiffe variierte. Die Ladefähigkeit lag zwischen 400 und 2500 Zentnern. 1925 ist die letzte Treidelfahrt auf dem Neckar durchgeführt worden. »Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinabgefahren ist. Die Bewegung eines Floßes ist gerade die richtige; sie ist träge, gleitend, sanft und geräuschlos; sie beruhigt alle fiebrige Betriebsamkeit, schläfert alle nervöse Hast und Ungeduld ein; unter ihrem beruhigenden Einfluss schwindet jeglicher Ärger, Verdruss und Kummer, der den Geist quält, und das Leben wird ein Traum, ein Zauber, eine tiefe und stille Verzückung. [...]« / Mark Twain, Eine Floßfahrt auf dem Neckar, 1878 Floß Originallänge ca. 103 m Jahrhundertelang fuhren die Flöße an Heilbronn vorbei. Durch die Eisenbahn wurde ab 1855 Heilbronn zum Hauptort der Neckarflößerei: Vom Schwarzwald wurden die Hölzer nach Heilbronn transportiert und dort zu Flößen »eingebunden«. 1935 ist die Neckarflößerei eingestellt worden.

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TITELTHEMA: NECK AR »[...] Was bei den Eisenbahnen die Schiene, das ist hier die im Flußbett als festem Stützpunkt liegende Kette. Während bei der Eisenbahn die zur Fortbewegung erforderliche Reibung durch das Eigengewicht der Lokomotive erreicht wird, geschieht es bei dem Kettendampfer durch das Haften der um die beiden Trommeln geführten Kette. Man hat den Kettendampfer deshalb auch »eine Wasser-Lokomotive« oder »schwimmende Dampfwinde« genannt. / Aus: Willi Zimmermann, Heilbronn. Der Neckar: Schicksalsfluß der Stadt (1985) Kettenschlepper Originallänge ca. 32 m Beim Kettenschlepper erfolgte die Fortbewegung vor- und rückwärts an einer Kette im Flussbett. Der erste Kettenschlepper fuhr 1878 mit neun beladenen Schiffen im Anhang von Mannheim nach Heilbronn. Mit dem Ausbau des Flusses und des Hafens in Heilbronn endete 1935 die Kettenschleppschifffahrt auf dem Neckar. Kette Kettenschloss Die 113 km lange Kette für die Kettenschlepper wurde an der Schleuse des Wilhelmskanals fest verankert. Alle 500 bis 800 m befand sich ein Kettenschloss, der sogenannte Doppelschekel. Das Kettenschloss musste bei der Begegnung zweier Kettenschlepper geöffnet werden. Die gesamte Kette wog 35 000 Zentner. 1890 wurde die Kette bis Lauffen a. N. verlängert.

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TITELTHEMA: NECK AR Raddampfschiff Originallänge ca. 32 m Nach ersten Versuchen 1818 konnte 1841 das Raddampfschiff mit geringem Tiefgang und starker Maschine auf dem Neckar regelmäßige Fahrten anbieten. Es beförderte Reisende sowie Kaufleute und auch Bauern mit ihren Erzeugnissen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Dampfboote Zubringer für die Eisenbahn nach Stuttgart sowie von Stuttgart Richtung Heidelberg. Dennoch endete 1869 zunächst wieder das Maschinen-Zeitalter im Neckartal.

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TITELTHEMA: NECK AR Mühlen treiben Handwerk und Industrie an. Die ersten Mühlen werden im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Sie befanden sich vor den Toren der Stadt, seit dem 13. Jahrhundert nachweislich auf dem Hefenweiler und der großen Bleichinsel. Durch die Wasserkraft des Neckars wurden unterschiedlichste Mahlwerke angetrieben. Unter anderem gab es Getreide-, Öl-, Säge-, Tabak-, Walk-, Pulver- und Papiermühlen. Zahlreiche Mühlenbetriebe veränderten im Laufe der Zeit ihre Funktionen mehrmals. 1822 rüsteten die Gebrüder von Rauch ihre Mühle auf der großen Bleichinsel zur ersten süddeutschen Papierfabrik mit einer Endlospapiermaschine um. Von dem vielfältigen Mühlengewerbe Heilbronns ist im heutigen Stadtbild nur noch ein Teil des Mühlenkanals beim Hagenbucher zu sehen. Alle nördlich anschließenden Flussarme und Hafenbecken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. Für die geplante Bundesgartenschau sollen die ehemaligen Industrieflächen in Wohn- und Erholungsbereiche umgewandelt werden. Der Stadtrundgang ergänzt den Besuch im Museum. Er führt zu der alten Neckarbrücke, dem ehemaligen Mühlenquartier und dem Wilhelmskanal. Neu: Begleitbuch zu den Ausstellungen »Heilbronn am Neckar – Entwicklung einer Stadt am Fluss« im Museum im Deutschhof und »Heilbronn historisch! Menschen – Plätze – Geschichten« im Otto Rettenmaier Haus / Haus der Stadtgeschichte. 10 Euro, erhältlich in den Museen und im Buchhandel

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J OSHIS M EI NUNG

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TITELTHEMA: NECK AR Der Neckar ist lang und breit und nass. Früher habe ich meinen Hund Lupo im Neckar schwimmen lassen, da ist er gepaddelt, gepaddelt, gepaddelt, so wie Hunde das eben machen. Jetzt wo er schon fast 15 Jahre alt ist, schluckt er nur noch das Wasser und schwimmt nicht mehr. Vor allem schafft er es nicht alleine wieder raus, weil er so wacklig ist auf den Beinen. Es gibt aber Tiere, die leben wirklich fest dort im Neckar, nämlich FISCHE! Große und kleine Fische, dicke und dünne. Im Computer habe ich mal ein Bild gesehen, wie zwei Fischer zusammen einen gaaaanz großen Fisch zusammen im Arm gehalten haben, so schwer und riesig war der, dass einer alleine den nicht halten konnte. Weil der so groß und dick und dazu noch gruselig aussah, war ich irgendwie froh, dass die den gefangen hatten und nicht ich. Ich mag Fische schon, ich hatte auch mal welche, die aber nicht aus dem Neckar sonder ich weiß nicht woher kamen. Da waren zum Schluss nur noch zwei einzelne Fische übrig im Aquarium, die sind dann umgezogen zu jemand anderem. Im Neckar wurde, das hab ich mal bei Pur Plus, einer Kinder-Wissenssendung, gesehen, sogar schon mal eine Walfischleiche gefunden, die wurde wahrscheinlich vom Meer in den Neckar gespült. Seltsam, dabei ist das Meer ja so weit weg … Echt komisch, ich weiß nicht, wie der Wal da hingekommen ist. Es gibt da auch andere Tiere am und auf dem Neckar, wie zum Beispiel Enten und Schwäne. Das ist ganz interessant mit den Schwänen, weil wenn man die ärgert, fauchen die wie eine Katze. Das hört sich an wie ein Fahrrad mit einem Loch im Reifen, weil es macht so cccchhhhhssssssst, nur ganz laut. Die sind zwar hübsch, die Schwäne, aber ganz schön bissig. Der Neckar ist so was wie eine Straße, weil da fährt ... naja, eher SCHWIMMT ja auch was, nämlich Schiffe und Boote mit schweren Containern, die von A nach B transportiert werden. Manchmal sehe ich sie und frage mich, was da wohl so alles in den Containern ist …? Wahrscheinlich Möbel, so wie Tische und Stühle und Schränke und Sofas. Außerdem gibt es auch dieses Kohlekraftwerk. Bei mir ist das »der Mann auf dem Klo«. Der heißt bei mir so weil, wenn man dran vorbei fährt, sieht es aus als sitzt ein Mann auf einem Klo. Die ganzen Rohre und das alles. Das Gebäude ist die Toilette und die Rohre und Säulen bilden den Typ, der grad kackt, äääh, also der »sein Geschäft verrichtet«. Wenn wir irgendwo hinfahren mit Mama, irgendwie weiter weg, und dann nach Hause zurück kommen, dann fahren wir von der Autobahn runter, und wenn die Lili und ich den sehen, sagen wir immer: »Da ist schon der Mann auf dem Klo, jetzt sind wir bald zu Hause!« Das ist immer ein schönes Gefühl. Jetzt will ich Euch heut aber auch mal erklären, was ich Euch gemalt habe, zum Thema Neckar: Einen Wasserstraßen-Wegweiser, den gruseligen Riesenfisch und den Mann auf dem Klo. Außerdem noch ein Fischbild, aber die Mama hat´s »aus Versehen« gelöscht … (TUT MIR SOOO LEID, JOSHI!)

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TEXT: RAFAELA JECKLE FOTO: PR D E R F LU S S D E R H E I L B RO N N L E B E N S C H E N K T !

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TITELTHEMA: NECK AR Rafae l a Je c kle s it z t g er n e a m Neck ar und h at d abe i be o bach te t, dass d er Fl u s s s ein e g u t e n und bö s e n Se ite n h at. Die Kr äft e des Wa s s er s s in d n i c ht zu ve rach te n. In ih re r He i m at Br asi l ien b et et m a n d en Was s e rgo tt O xum an, um Flü sse u n d Meere wo h l z u s t i m me n. Der Neckar ist einfach atemberaubend! Durch eine Reise entlang dieser Wasserstraße kann man die natürlichen Eigenschaften des Flusses entziffern. Schöne Städte wie Heidelberg, Mosbach, Bad Wimpfen, Binau, Neckarsulm, Ladenburg, Gundelsheim, Lauffen am Neckar, Mannheim, Stuttgart, Tübingen und Heilbronn sind vom Neckar aus zu entdecken. Als ich erfahren habe, dass der Neckar ein Sohn des mystischen Schwarzwaldes ist, habe ich ihn noch mehr geliebt. Geboren im Schwarzwald fließt er auf seinem Weg zum Rhein auch durch die Odenwälder Berge und fördert durch sein schlichtes Dasein die Schönheit der Landschaft, der Burgen, der Städte und der vielen Brücken. Ohne den Neckar wären viele Landstriche Baden-Württembergs nur halb so reizvoll. Eine Bootsfahrt auf dem Neckar ermöglicht uns, die Großartigkeit seiner Abmessungen und Schönheiten kennenzulernen. Eine Reise auf dem Neckar zeigt uns die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung dieses Nebenflusses des Rheins, dem verkehrsreichsten Fluss Europas. Der Neckar hat auch eine politische Relevanz und eine hohe kulturelle Bedeutung für das Schwaben- und Badenerland. Zig Musiker und Dichter hat er inspiriert und zu germanischen Mythen beigetragen. Natürlich hat der Neckar auch ökologische und soziale Auswirkungen: Er ist Nahrungsquelle, Industriefluss und vielbefahrene Wasserstraße. Der Neckar hat zweifelsfrei eine große Bedeutung in der Geschichte und für die kulturelle Identität der Menschen, die an seinen Ufern leben. Aber eine Bootsfahrt auf dem Neckar ermöglicht uns auch über die Gefahren, die der Fluss mit sich bringt, nachzudenken. Der gleiche Fluss, der das Leben bringt, für Ernten sorgt und die Entwicklung von Städten ermöglicht, kann auch Leben beenden und den Tod bringen, wie in Fällen von Überschwemmungen, die Deutschland in diesem Jahr gesehen hat oder bei Unfällen. In diesem Jahr nahm der Neckar ein junges Leben. Ein Mann war von einer Neckarbrücke in Heilbronn gesprungen und er ist dabei ertrunken. Deutschland verzeichnete in diesem Jahr die schlimmsten Überschwemmungen der letzten zehn Jahre, was die Evakuierung von Tausenden von Menschen in mehreren Regionen verursachte. Neben den Regenfällen sind die wichtigsten Ursachen, die Überschwemmungen mit sich führen können, fehlende Stadtplanung und die Zubetonierung des natürlichen Flusslaufes. In Brasilien, einem Land geprägt von Wasser, lernten wir schon ganz früh, die Kräfte des Wassers zu achten. In unserem Land fließt der Amazonas, der zweitlängste Fluss der Welt mit mehr als tausend Nebenflüssen. Vielleicht ist das der Grund, warum wir Gottheiten der Flüsse und Meere anbeten und nach Schutz für die Ufergemeinden fragen. Wenn der Sommer nach Deutschland kommt, ist es meine Lieblingsbeschäftigung in Heilbronn auf der Treppe am Neckarufer zu sitzen, um zu beobachten, wie die Enten schwimmen und das grünbraune Wasser manchmal ganz ruhig ein andermal sehr kräftig fließt. Manchmal meditiere ich dort und nach den dramatischen Überschwemmungen las ich hier den Text eines brasilianischen Musikstückes. In dem Stück bitten wir Oxum, die Gottheit der Flüsse, die Stadt zu schützen. Wir bitten darum, dass der Fluss nicht wütend werden soll, sondern uns seine Güte und Liebe zuteilwerden lassen soll.

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S PIEGE L R E f L E x RÖM E R SE E Zelten frei Eintritt frei gedanken frei In der mittlerweile 32. Auflage gelingt es den Verantwortlichen Jahr für Jahr, das großevent in allen bereichen zu steigern und dabei dennoch autonom und selbstregulierend zu agieren. Eine bildstrecke von David Prior.

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SPIE GEL R E f L E x DAS F EST Das Fest in Karlsruhe ist eine Festival-Institution in Deutschland. Viele Top-Acts geben sich dort die Klinke in die Hand. unsere Fotografin ulla Kuehnle interessierten allerdings die besucher mehr als die musikalischen Topstars.

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QUIZ DIcH GL Ü c KLIcH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº20 FRAgE: WIE VIElE TORE ERZIElTE STEFAN KuNTZ Im DFb-POKAl? STEFAN KuNTZ IST INZWISCHEN FuSSbAllFuNKTONäR, um gENAu Zu SEIN: ER IST VORSTANDSVORSITZENDER DES 1. FC KAISERSlAuTERN. mIT SEINER mANNSCHAFT TRITT KuNTZ Am 3. AuguST Im HEIlbRONNER FRANKENSTADION gEgEN DIE NECKARSulmER SPORT-uNION AN. KAISERSlAuTERNS CHEFTRAINER FRANCO FODA AbSOlVIERTE 1992 SCHON EINmAl EINE POKAlPARTIE Im FRANKENSTADION. STÄDTISCHE MUSEEN FLAMMENDE STERNE CHOUCHOU SEENACHTSFEST 3 x Buch 3 x 2 Tickets 3 x 20-EURO-Gutschein 3 x 2 Tickets Das Begleitbuch »Heilbronn historisch - Entwicklung der Stadt am Fluss« zur Dauerausstellung im Heilbronner Haus der Stadtgeschichte verlosen wir dreimal. Wissenswertes zum Nachschlagen! Das dritte August-Wochenende ist für Feuerwerksfans kein Datum wie jedes andere. Es ist das Wochenende der »Flammenden Sterne«, an dem sich die besten Pyrotechniker der Welt ein Stelldichein geben. Französischer Chic und Coolness in Heilbronn. chouchou, die kleine aber feine Boutique in der Oberen Neckarstraße verlost drei Gutscheine im Wert von je 20 Euro. Seit 65 Jahren lockt der Open Air-Klassiker an den Bodensee. 40.000 Besucher aus ganz Baden-Württemberg und den angrenzenden Nachbarländern pilgern jedes Jahr am 2. August-Wochenende nach Konstanz. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: SCHLEUSSENWASSER EINSENDESCHLUSS IST DER 9. AUGUST 2013. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: GÜGLINGEN UND MÖCKMÜHL

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L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF VON ROBERT MUCHA GELESEN VON NICOLAI KÖPPEL nun sitzen wir, das sind meine Freundin Meli, unsere neun Monate alte Tochter Bo und ich, in Châlons-en-Champagne, der schmucklosen Hauptstadt der Region ChampagneArdenne. Unser letzter Halt vor der Rückkehr in deine vertrauten Gefilde. 6000 Kilometer haben wir in den letzten dreieinhalb Wochen mit Bollek, so haben wir unser Wohnmobil getauft, hinter uns gebracht. Etwas mehr als 400 Kilometer liegen noch vor uns. Es war ein ereignisreicher Jungferntrip für uns mit Bollek. Losgefahren sind wir am 2. Juni. Dein Himmel, liebe Heimat, war grau, wie in den fünf Monaten zuvor auch. Es regnete. Ein guter Zeitpunkt, um in den Urlaub zu starten. Kurzfristig hatten wir uns für die Route entlang der Mittelmeerküste anstatt der nordspanischen Atlantikküste entschieden. In Nordspanien regnete es nämlich auch. Unser erstes Etappenziel sollte also Genf statt Paris sein. Es hat sich richtig angefühlt, immer mehr Distanz zwischen dich und uns zu bringen. Etwas Abstand würde allen gut tun, dachte ich mir. Am Abend kamen wir in Genf an. Wir waren müde von der Fahrt, denn Bollek schafft mit seinen 22 Jahren in der Stunde nicht mehr als 85 Kilometer. Also entschieden wir uns dazu anstatt nach einem Campingplatz zu suchen einfach neben dem Musée d'art et d'histoire zu parken und neben dem größten Kunstmuseum der Stadt zu nächtigen. Am nächsten Morgen ging es nach Croissants und Kaffee weiter Richtung Frankreich. Von Genf hatten wir nicht viel gesehen aber die politische Gemeinde am südwestlichsten Zipfel der französischsprachigen Schweiz sollte auch nicht mehr als eine Zwischenstation auf unserem Weg nach Portugal sein. Das nächste Ziel legten wir grob fest: irgendwo zwischen der Camargue und Montpellier. Auf dem Weg durch die französischen Alpen verwandelte sich nun endlich auch die Farbe des Himmels von Mausgrau in tiefes Azurblau und die nächsten drei Wochen sollte sich die Farbe auch nicht mehr ändern. Bollek fraß Kilometer um Kilometer. Die alpinen Gipfel zogen an uns vorbei und wir lasen Orte auf Autobahnschildern, die ich von Königsetappen der Tour de France kannte. Gap zum Beispiel. Die Rhône war unser steter Begleiter und wurde mehrmals überquert. Während Meli und Bo irgendwann ein ausgedehntes Nickerchen über eine Strecke von circa 200 Kilometer hielten, tagträumte ich mit durchschnittlich 85 Stundenkilometern durch die französische Landschaft den weißen Pferden und den pinken Flamingos der Camargue entgegen. Immer näher kamen wir dem Mittelmeer. Valence, Avignon und Nimes waren die größeren Städte, die wir hinter uns ließen. Gelandet sind wir schließlich in Le Grau-du-Roi, einer Hafenstadt westlich der Camargue. Hier fanden wir einen Wohnmo-

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS EUROPA STECKbRIEF Name: Rober M uc ha Alt er : 35 B eruf : Journalis t H erk unf t : H eilbronn Woh nor t zur Zeit : H eilbronn L ieb li ngs or t in Por tugal: Salema bil-Stellplatz direkt am Strand. Einige deutsche Rentnerpärchen nächtigten auch hier auf dem Asphaltplatz, der gut bevölkert war. Die deutschen Senioren hatten große Lust auf dem Parkplatz vor ihren Wohnmobilen in Klappstühlen zu sitzen, denn den Strand hatten wir bei unserem ersten kleinen Spaziergang nahezu für uns alleine. Der Sonnenuntergang war malerisch, das Meeresrauschen beruhigend und der Ort ein typischer kleiner französischer Hafenort mit zig Restaurants und französischen Fischern, die von ihren kleinen Booten aus mit der Angel versuchten etwas Essbares an Land zu ziehen. Wir waren zufrieden mit der Wahl unseres zweiten Schlafplatzes. Übrigens: der erste Teil von Ernest Hemingways The Garden of Eden (dt. Der Garten Eden), einem 1986 postum erschienenen Roman über eine Ménage à trois, spielt in Le Grau-du-Roi. Meine beiden charmanten Begleiterinnen weckte ich am nächsten Morgen mit dem Duft von original südfranzösischen Pains au Chocolat und Milchcafé. Das kam, zumindest bei Meli, ganz gut an, hatte ich den Eindruck. Sie lächelte. Nach dem kleinen französischen Frühstück auf dem Asphaltplatz und einer Katzenwäsche machten wir uns Richtung Spanien auf. Vorbei an ein paar Flamingos kam deine Partnerstadt Béziers immer Näher. Ich erzählte Meli, dass die Stadt eine Rugby-Hochburg in Frankreich sei. Sie schien das nicht sehr zu beeindrucken. Kurz vor Béziers passierten wir die Ausfahrt von Cap d’Agde. Ich ließ Meli wissen, dass hier die größte FKK-Anlage Europas liege. Ich weiß das aus der Bild-Zeitung. Meli schien auch diese Info nicht sonderlich vom Hocker zu hauen. Vielleicht würde Meli die erste römische Kolonie außerhalb Italiens beeindrucken? Also überredete ich sie, spontan einen Abstecher nach Narbonne zu machen. Gesagt, getan. Wir parkten gegen Mittag im Stadtzentrum und schauten uns ein wenig in der historischen Stadt um, bestaunten die Kathedrale Saint Just, kauften ein wenig Käse, Salami, Wein, Obst und Gemüse in der städtischen Markthalle ein und testeten einen Narbonner Mittagstisch, der uns vollends von dieser Stadt überzeugt hat. Narbonne würden wir unseren Freunden sicher als Reiseziel weiterempfehlen. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg zu Bollek. Bei Bollek angekommen, war der Ärger groß. Autoknacker haben sich über die Fahrertüre Zugang verschafft und ordentlich Beute gemacht. Telefon, mp3-Player und Laptop waren weg. Dazu noch ein paar Laufschuhe. Was sind das nur für Menschen, die einem seine Joggingschuhe klauen? Immerhin war nichts kaputt, kein Fenster eingeworfen oder der Innenraum verwüstet. Wir waren trotzdem bedient. Am helllichten Tag auf einem öffentlichen, belebten Parkplatz in der Stadtmitte beraubt zu werden, versaut einem die Urlaubslaune. Fluchend verließen wir Narbonne in Richtung Costa Brava. Unser Ziel war ein Campingplatz in Tossa de Mar ungefähr 20 Kilometer vor Lloret. Am frühen Abend erreichten wir den schön gelegenen Platz. Wir haben kurz die Lage gecheckt und uns angemeldet. Jetzt nur noch das Wohnmobil auf den uns zugewiesenen Platz steuern und die Füße hochlegen. Mehr wollten wir nach unserem Aderlass an technischen Geräten nicht. Beim rückwärts in unsere Campingbucht rangieren der nächste Schreck: Mit der Stoßstange fuhr ich einem Darmstädter Audi Combi in die hintere Türe. Die Delle war nicht zu übersehen und der Tag war nun völlig im Eimer. Zum Glück war Dieter, dessen Auto ich malträtiert hatte, in einem entspannten Urlaubsmodus. Unaufgeregt wickelten wir den Versicherungskram ab und hielten dabei ein Schwätzchen. Dieter stammte aus Mosbach, studierte früher an der Heilbronner FH und arbeitete inzwischen als Bauingenieur in Darmstadt. Um unsere Nerven zu beruhigen, servierte uns Dieters Frau einen Kräuterlikör. Wir beschlossen, dass uns nun für den Rest der Reise nichts mehr zustoßen sollte und es das gewesen

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS EUROPA sein soll mit den kleinen Katastrophen. In Tossa de Mar blieben wir einige Nächte und genossen die vier Hausstrände des Campingplatzes, die nicht überlaufen waren. Endlich stellte sich nun auch das Camper-Feeling ein. Wir kochten Pasta und Risotto im Wohnmobil, stellten unsere Klappstühle und den Campingtisch, den Meli kurz vor unserer Abreise noch auf eBay geschossen hatte, vor Bollek. Zum Schluss noch die Markise aufgekurbelt: fertig. Nach ein paar Tagen Ruhe und Erholung zogen wir weiter. Die nächste Etappe sollte aber nur 60 Kilometer weit vor die Tore Barcelonas führen. Uns war klar, dass wir das Wohnmobil nach der Erfahrung in Narbonne auf keinen Fall in der Stadt parken würden. Also steuerten wir einen Campingplatz in Masnou, einem Ort 15 Kilometer vor Barcelona, an. Hier würden wir übernachten und mit der S-Bahn in die katalanische Metropole fahren. Barcelona selbst fanden wir toll. Wir schlenderten durch die Straßen und Gassen, setzten uns in Cafés, schoppten ein bisschen und genossen einfach das rege Treiben und Gewusel der Menschen. Am zweiten Tag wollte ich unbedingt das Camp Nou besichtigen. Das Stadion und Museum des FC Barcelona zu besuchen war ein Pflichttermin für mich. Satte 23 Euro kostete der Eintritt in die leere Arena. Egal. Die Geschichte des Klubs ist beeindruckend, noch viel mehr beeindruckt die Bedeutung des Vereins für die Katalanen. Als General Franco in Spanien herrschte, war der FC Barcelona für die Menschen eine identitätsstiftende Institution. Hier konnte man offen aber im Schutz der Masse Kritik am Regime üben und sich über Siege gegen Real Madrid, dem Francoklub, freuen. Nach dem Stadionbesuch machten wir uns auf Richtung Marbella. Es war klar, das wir die Strecke nicht an einem Tag schaffen würden. Spanien rauschte an uns vorbei und nach einer Nacht auf einem Rastplatz bei Murcia erreichten wir den noblen Badeort in Südspanien am nächsten Nachmittag. Der Campingplatz lag 200 Meter vom Strand entfernt und auch hier wollten wir ein paar Tage verweilen. Neben unserer Campingparzelle standen mehrere Doppeldeckerbusse. Wie wir später erfahren sollten, gehörten die Busse dänischen und schwedischen Dauercampern, die etwas mehr Platz haben wollten, als ein gewöhnlicher Wohnwagen hergibt. Klaus brauchte nicht ganz so viel Platz. Klaus war ein aus Bremen stammender Rentner, der seit fünf Jahren auf dem Campingplatz in Marbella lebte. Klaus war unser Nachbar und sprach uns, als er Bolleks Nummernschild las, an und fragte, ob wir aus Neckarsulm seien. Sein Bruder lebte in Neckarsulm, erfuhren wir. Klaus hatte einen Zaun um seinen Wohnwagen gebaut und in Blumenkästen Geranien gepflanzt, die er jeden Morgen gewissenhaft goss. Dazu gehörten Klaus drei Vorzelte in denen sich Küche, Wohnzimmer und Waschküche befanden.

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS EUROPA Er würde nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, sondern sein Rentnerdasein bis zu seinem Ableben an diesem Ort genießen, verriet er uns. Das Klima in Marbella war besser als in Bremen, seine Platzgebühren pro Monat betrugen 350 Euro inklusive Strom und Internet. So günstig würde er keine Wohnung in Bremen anmieten können. Gar nicht mal so dumm der Mann, dachte ich mir im Stillen. Nach ein paar Tagen in Marbella brachen wir zur Algarve auf. Portugal war schließlich unser Endziel. Vorbei an Sevilla waren wir unaufhaltsam Richtung Atlantikküste unterwegs. Zwischen Lagos und Sagres lag der von uns ausgeguckte Campingplatz. Dort angekommen klopften wir uns ob der Wahl selbst auf die Schultern. Eine botanische Idylle sollte uns erwarten. Geführt wurde der Campingplatz kurz vor dem Städtchen Salema von einer Holländerin. 500 Camper hätten Platz gehabt, es waren aber nur circa 30 da. Das hieß Raum und Ruhe ohne Ende. Dazu der blaueste Himmel während unserer gesamten Reise. In Sichtweite campte auch Hanspeter. Hanspeter war seit zwei Jahren mit dem Wohnwagen zwischen Marokko, Portugal und Spanien unterwegs. Seine ständige Begleiterin war Rotweilerdame Eida. Hanspeter war auch Rentner und wieder dachte ich: gar nicht mal so dumm, seine Zeit als Rentner in südlichen Gefilden zu verbringen. Wir ließen uns von Hanspeter Geschichten seines Nomadendaseins erzählen und bekochten ihn im Gegenzug. Meli, Bo und ich besuchten in der Gegend um Salema herum ruhige und raue Atlantikstrände, gute Restaurants und den südwestlichsten Zipfel des europäischen Festlandes. Dort, in Cabo de Sao Vicente, sprach uns auch eine Fleinerin an. Nirgends ist man sicher vor deinen Bewohnern, liebe Heimat. Wir brachen den Smaltalk aber recht schnell und desinteressiert ab. Natürlich haben wir auch den vielleicht berühmtesten Wurststand Europas gesehen. Auf der Bude stehen die bezeichnenden Worte »Letzte Bratwurst vor Amerika«. Wir haben sie nicht probiert. Nach sehr erholsamen Tagen fuhren wir gen Norden weiter. Schließlich wollten wir auch Lissabon sehen. Auf dem Weg in die portugiesische Hauptstadt hielten wir für eine Übernachtung in Vila Nova de Milfontes. Ein schmucker Surferort, der uns sehr gut gefallen hat und eine fantastische Bar hatte. Dennoch blieben wir nur die eine Nacht. Kurz vor Lissabon – denn auch dort wollten wir Bollek nicht parken – ließen wir uns auf einem Campingplatz in Costa de Caparica nieder. Nach Lissabon ging es mit dem Stadtbus, in dem Bo die Aufmerksamkeit zweier portugiesischer Omas auf sich zog, die unsere Tochter während der Fahrt bespaßten, was uns ganz recht war. In Lissabon machten wir dasselbe wie in Barcelona. Wir schlenderten durch die engen Gassen der Stadt, probierten einheimische Spezialitäten aus und fuhren Tram (Linie 28) und U-Bahn. Wieso liegst du, liebe Heimat, eigentlich nicht am Meer? Bis ich vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, war ich katholisch. Logisch, als Mensch mit polnischen Wurzeln. Deshalb wollte ich auf dem Weg in den Norden Portugals auch einen Zwischenstopp in Fatima machen. Hier offenbarte sich 1917 anscheinend die Jungfrau Maria drei Hirtenkindern. Die katholische Kirche hat die Offenbarung offiziell anerkannt und in dem kleinen Ort eine Kirche für 9000 Menschen gebaut. Das wollte ich sehen. Wir trauten uns auch, unser Wohnmobil in der Stadt zu parken. Hier dürfte nichts passieren, schließlich ist dies ein Ort Gottes, beruhigte ich Meli. Zig Souvenirshops, die Figuren und Postkarten von Maria und Jesus anboten, säumten die Straßen bis hin zu den beiden berühmten Kirchen Fatimas. Jedes Jahr pilgern über 6 Millionen Menschen in den trostlosen portugiesischen Ort. Wir konnten uns das nur schwer vorstellen und hatten nach einer Stunde genug gesehen. Unser Ziel für den Rest des Tages war es, nach Viana do Castelo zu kommen. Nördlich von Porto gelegen ist der Küstenort ein Mekka für Kitesurfer, wie uns Hartmut, ein 60-jähriger Berliner, der deswegen mit seinem Wohnmobil

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS EUROPA hierher gefahren ist, erklärte. Die Klientel auf dem Campingplatz war dementsprechend entspannt. Schnell kamen wir mit einigen anderen Campern ins Gespräch, tranken Kurze und Bier und sprachen über kiffende Kinder, Berlin und dich, liebe Heimat. Nach einer Nacht in Viana do Castelo brachen wir Richtung Spanien auf. Unser Ziel war kein geringeres als das »Ende der Welt«. Finisterre heißt der Ort, der circa 70 Kilometer westlich von Santiago de Compostela liegt. Hier endet der Jakobsweg und wegen der steilen Klippen und der gefährlichen Küstengewässer nennen die Spanier diesen Ort ehrfurchtsvoll tatsächlich das »Ende der Welt«. Wir hatten Glück, dass die Sonne schien, als wir spätnachmittags ankamen. Meist herrscht hier selbst im Hochsommer Nebel vor. So konnten wir einen wundervollen Sonnenuntergang mit glücklichen Jakobspilgern genießen. Am »Ende der Welt« campten wir wild direkt an den Klippen, 15 Meter vor dem tödlichen Abgrund. Romantischer geht es wohl kaum. Inzwischen waren wir seit gut zweieinhalb Wochen unterwegs und entschieden uns, gemütlich unsere Rückreise anzutreten. An der nordspanischen Küste hießen unsere Übernachtungsstationen Cudillero el Pitu, Rabago und Zarautz. 60 Kilometer vor Zarautz, das kurz vor der französischen Grenze liegt, machten wir einen Abstecher nach Bilbao. Wir wollten uns das GuggenheimMuseum anschauen und etwas durch die baskische Großstadt schlendern. Da es Montag war, war das Museum geschlossen. Ruhetag. Ich konnte nicht fassen, dass selbst dieses weltberühmte Museum in der Hochsaison montags die Türen geschlossen hält. Wie ich lernte, hat das Guggenheim in den Monaten Juli und August sieben Tage in der Woche geöffnet. Für Ende Juni galt dies nicht. Also schauten wir uns nur die Stadt anstatt Kunst an. Das Wohnmobil hatten wir am Museum abgestellt und vorsichtshalber all unsere Wertsachen in Bos Kinderwagen gepackt. Seit Narbonne weiß man ja nie. Als wir nach sechs Stunden Stadtbummel wieder am Wohnmobil ankamen, war unser Ärger gar nicht so groß, als wir feststellen mussten, dass schon wieder eingebrochen wurde. Diesmal hatten die Autoknacker keine Beute gemacht und wir feierten das ein bisschen. Hatten wir ihnen ein Schnippchen geschlagen. Der Rückweg durch Frankreich wurde straight von uns durchgezogen. Es ging nur noch von Campingplatz zu Campingplatz und am nächsten Morgen wieder zügig weiter. In Saint-Cyr bei Poitiers trafen wir bei unserer Ankunft auf betrunkene britische Rentner, die sich mitten im größten Ehestreit befanden und mit ein bis zwei Brandys zu viel im Kopf, wie sie uns später gestanden, beim Rückwärtsausparken, um uns Platz zu machen, schnurstracks auf einen Baum zufuhren und vergaßen, die Bremse zu treten. Wir tranken auf den Schrecken dann zusammen noch einen Gin Tonic. Liebe Heimat, wir freuen uns nach diesem wunderbaren 6400-Kilometer-Roadtrip auf ein Wiedersehen mit dir und hoffen, dass wir in deinen Straßen sicher parken können. Wir werden dich aber demnächst sicher wieder verlassen, um mit Bollek über Europas Straßen zu brettern. Schön, dich wieder zu sehen, Robert

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info@memografie.com 0175-5629515 SHOOTING KEIN CENT BILLIGER* EURO *That shit cray.

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AUS DEM VIA ARCHIV PINNbOARD VIA GRAFIK lEO VOllAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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Berlin, 2008

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LESER B R IEFE Liebe Hanix-Redaktion, erst einmal ein großes Lob an die immer wieder tollen Ausgaben mit interessanten, neuen Blickwinkeln auf HN und die Region sowie die super Gestaltung! Die Gestaltung des aktuellen Titels gefällt mir so gut, dass ich gerne wissen möchte, ob es die Möglichkeit gibt, ein Plakat/Poster davon zu bestellen bzw. die dafür notwendige hochauflösende Grafik zu erhalten? Beste Grüße aus München! C O R I N N A l u m P P, mÜNCHEN Guten Tag ihr Magazin-Macher, mit Freude lese ich jede Ausgabe. Die Aufbereitung der Themen, die Gestaltung und die Qualität der Fotos suchen hier in der Region ihresgleichen. Ihr macht da einen Top-Job. Ich bin fast versucht zu sagen, dass das HANIX das einzige Magazin der Region ist, das eine gedruckte Ausgabe verdient hätte. Würde mich freuen, euch mal in Papierform anzutreffen. NINA FISCHER, NORDHEIm Hallo HANIX, auf diesem Wege möchte ich euch zur Auto-Ausgabe gratulieren. Das Thema habt ihr toll aufbereitet. Wie immer war der Aufmacher des Schwerpunktthemas wunderbar illustriert. S T E FA N l I E N E N , HEIlbRONN Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin großer Fan eurer Rubrik »Brief an die Heimat«. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, eine CD aller Briefe zu produzieren. Ich würde sie kaufen. HEIKE VOgEl, HEIlbRONN Liebe Redaktion, ich habe mich besonders über das Interview mit den beiden Braunschweiger Fußballprofis Marjan Petkovic und Ermin Bicakcic gefreut. Als Fußballfan freut es mich, dass endlich mal wieder zwei Unterländer in der höchsten Spielklasse vertreten sind. Der letzte aus unserer Region, der die Bundesliga aufgemischt hat war Tommi Maric. Macht weiter so! mICHAEl HAuSER, gÜglINgEN

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I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74elf marcel kantimm & robert mucha gbr kastanienweg 12 74080 heilbronn e-mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber marcel kantimm robert mucha Chefredakteur robert mucha (v.i.s.d.p.) Redaktionelle Mitarbeiter rafaela Jeckle, maria sanders, leo volland, peter Wanner & annette geisler (stadtarchiv heilbronn), uwe gramlich, florian dietz, valerie grübele, mark twain, hans-Christian andersen, sebastian blau, metin de terk, Joshi endresz, nicolai köppel, dr. Christina Jacob e-mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion sarah fischer, matze bitsch, steven Zuleger Bildredaktion mehmet filiz, ulla kühnle, sabine kress, david prior Artdirektion raimar schurmann Grafik & Illustration lisa hofmann, florian geiger, kathrin leisterer, via grafik Audio philipp seitz (ant studio) IT-Support martin riemer (easy networx / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales marcel kantimm marcel.kantimm@ hanix-magazin.de robert mucha robert.mucha@ hanix-magazin.de Verlagskoordination / Administration / Social Media marcel kantimm namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die meinung des herausgebers bzw. der redaktion wieder. für die richtigkeit von angaben, daten, behauptungen etc. in den beiträgen kann der herausgeber bzw. die redaktion keine verantwortung übernehmen. haftung für links: hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen inhalten aller gelinkten seiten auf unserer homepage und machen uns diese inhalte nicht zu eigen. diese erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten links. herausgeber und redaktion übernehmen keinerlei haftung für die hier angebotenen informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Es war nur eine kurze Episode in der Geschichte des Neckars bei Heilbronn: In der Woche vom 22. bis 29. Oktober 1931 war der Fluss bei Neckargartach Start- und Landebahn für ein Wasserflugzeug der Luftdienst GmbH Berlin. Die »Flugwoche« war als Werbemaßnahme für die deutsche Verkehrsluftfahrt gedacht und stieß bei den Heilbronnern natürlich auf großes Interesse. Bot sich doch beinahe direkt vor der Haustür damit die Möglichkeit, Heilbronn von oben zu erkunden und das Neckartal entlang zu fliegen. Billig war das Vergnügen allerdings nicht, 8 Reichsmark kostete ein Rundflug über Heilbronn für eine Person. Das Flugzeug mit der Kennung D-833 und dem Namen »Globetrotter« war eine Junkers F 13 – ein Erfolgsmodell, von dem rund 325 Stück in unterschiedlichen Versionen gebaut wurden. Die F 13 konnte zum Transport von Passagieren und von Frachtgut eingesetzt werden und sie gab es eben auch als Wasserflugzeug-Variante. Der »Globetrotter« auf unserem Foto hatte Platz für zwei Piloten und vier Passagiere. Seit dem 21. September 1905 erreichte man Neckargartach von Heilbronn aus über die schöne Brücke, die hier im Hintergrund zu sehen ist. Am 2. April 1945 wurde sie von der deutschen Wehrmacht gesprengt und man musste bis zur Einweihung des Brücken-Neubaus Ende 1951 wieder mit einer Fähre übersetzen. Das Foto wurde dem Stadtarchiv freundlicherweise von Peter Hahn aus Neckargartach zur Verfügung gestellt, dessen Mutter einen der Rundflüge mitgemacht hatte. Wer mehr über den Heilbronner Stadtteil erfahren möchte: Die diesjährigen »Heilbronner Einblicke« – eine Veranstaltungsreihe des Stadtarchivs – ist Neckargartach und Sontheim gewidmet. Peter Hahn wird dabei am 7. August durch Neckargartach führen. Mehr dazu auf www.stadtarchiv-Heilbronn.de

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Der Neckar als Landebahn

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V E R A N S TA LT U N G E N IM AUGUST Juli August Heiße Zeiten Theater Heilbronn Frauen in den 40ern sind der Quotenschlager in Film und Fernsehen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Musicalbühne die Frauen in den besten Jahren für sich entdeckte. Heiße Zeiten brechen in dem kultverdächtigen »Hormonical« an, wenn die Karrierefrau, die Hausfrau, die Vornehme und die Junge am Flughafen aufeinandertreffen. Sie warten auf den Abflug nach New York. Schwungvoll begleitet von vier Top-Musikerinnen treffen sie von Hitzewellen über Botox und Konzentrationsschwäche zu legendären Evergreens der 70er bis 90er Jahre für jedes Wechseljahr-Symptom punktgenau den richtigen Ton: Unverblümt, schmeichelnd, zornig, schnippisch, sentimental oder frivol singen sie sich auf direktem Weg in die Herzen der weiblichen wie männlichen Zuschauer. 1. August verwurzelt zu sein scheint. So kehrt er zurück, um seiner Mutter endlich mannhaft gegenüberzutreten ... Was sie schon immer über Mütter, (Mutter-)Söhne und Muttertage wissen wollten ... Hier finden Sie garantiert amüsante Anregungen. "Liebe, verhasste Mama" ist eine herrlich überdrehte Mutter-Sohn-Groteske: sehr amerikanisch, sehr bissig und ungeheuer komisch! 1. August 20 Minuten zur Mittagspause: "Werk im Fokus" in der Ausstellung "Keep it simple - Andreas Feininger" Kunsthalle Vogelmann 1. August AfterWorkArt Kunsthalle Vogelmann Liebe, verhasste Mama Unter der Linde Big Apple / Big Beats / Big Jazz - New Yorker Yazz mit dem Duo Fabian Meyer und Christoph Beck / Literatur der Beat Generation mit Kerstin Müller / Kürzführungen / Hot Dogs, American Sandwiches und Cocktails vom Ray Lemon. 1. August Sheldon Levine hat sich von seiner Mutter losgesagt, weil er ihr die Schuld am Scheitern seiner Ehe gibt, und ist nach Kalifornien verschwunden. Doch vor der Mutterliebe gibt es kein Entrinnen: Hartnäckig verfolgt die Witwe ihren Sohn mit ihren Briefen, bis Sheldon nachgibt und reagiert. Doch als Sheldon wochenlang nichts mehr von seiner Mutter hört, beginnt er sich Sorgen zu machen. Dass sie ihn endlich loslassen und ihren Guru heiraten will, ist ihm wiederum auch nicht geheuer. Sheldon droht heimzukommen, das Spiel beginnt neu mit getauschten Rollen ... Mrs Levine verwirklicht sich neu in Indien und tauscht dann ihre Mutterrolle gegen eine Karriere als Talkshow-Masterin ein. Sheldon begibt sich quer durch Amerika auf die Suche nach seinen wahren Wurzeln, bis er feststellt, dass er letztlich doch mit dem heimischen Herd Mobilat OUT OF THE DARK Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies 2. August Bukowski MELODIEN FÜR DEN CLUB Der Zufall spielte uns unlängst ein Mixtape in die Hand – Hass stand drauf, aber bei uns war es Liebe! Fabis Style hat uns total geflasht: treibend, rockig, nach vorne und abwechslungsreich, in anderen Worten: maßgeschneiderter Buko-Sound! Den gibt’s vorneweg auch von Josh:tek und bis zum finale grande von und mit T-WATCH. Und weil

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VER ANSTALTUNGEN: AUGUST unsere Liebe auch Euch betrifft, wie immer: Bis 1:30 Uhr Eintritt frei und Longdrink-Special, Wassereis die ganze Nacht für lau! 2. August Wünsch dir was! Sternschnuppen über Heilbronn Robert-Mayer-Sternwarte und von der seit Dachau verstummten "Mutti". Marlene ist die Göttin, die Furie, die disziplinierte Junkerstochter. Und vor allen Dingen ist sie der Star. Mit Interviews und Proben schreitet der Abend in ihrer Garderobe voran, der Beginn ihrer Vorstellung naht: Marlene tritt auf, Marlene singt und Marlene triumphiert. Mit Cornelia Bielefeldt, Isabel Arnold und Ursula Schill; Regie und musikalische Leitung Nicolas Kemmer. 3. August Der August ist Sternschnuppenzeit – immer wieder huschen sie über den Himmel. Viele Menschen wünschen sich etwas, wenn sie eine Sternschnuppe sehen. Doch was sind diese hellen Streifen, die urplötzlich am Himmel auftauchen, um kurz darauf wieder zu verschwinden? Einst sahen die Menschen in Ihnen die Seelen der Toten, heute wissen wir, dass es sich um Steine aus dem All handelt. In unseren Führungen haben Sie nicht nur die Chance, diese kosmischen Boten zu beobachten, sondern auch einmal echte Meteorite in die Hand zu nehmen. 2. August Mobilat DUBWARS pres. DJ STORM ( Metalheadz / Feline | London, UK ) Das Leben der Römer Römerbadweg 3, 74189 Weinsberg Amüsantes und Wissenswertes rund um das Landleben der Römer und um die Ess- und Badekultur. Präsentation von Kleidung, Waffen, Salben, Tinkturen sowie Muslum und Brotaufstriche zum Probieren. 2. August Mobilat Dub It! Conscious Hifi at the Controls Deep Roots, Dub and UK Steppers with Heavy Bass, Echo, and FX ! Auch diesmal gibt es wieder 70er Roots Reggae mit heavy Dub Versions und aktuellen UK Dub auf die Ohren ! Zum Warm up spielen wir ein Studio One Special ! 1 Stunde kommen Big Hits und Rare Stuff, aus dem legendären Studio an der Brentford Road auf die Plattenteller. Roots and Culture inna di Place ! Zur Prime Time werdet Ihr mit Heavy Roots und Dubwise Versions beschallt, mit Siren, Echo und Effects ! 2. – 9. August Marlene Kaffeehaus Hagen Marlene Dietrich gibt eines ihrer letzten Konzerte in Paris. Im Theater wird sie empfangen von Vivian Hoffmann, einer jungen Schriftstellerin und Freundin, Im August gehts bekanntlich heiß her und da wir dem in Nichts nachstehen wollen laden wir Euch ein zur ersten DUBWARS Ladies Night! Ausschließlich weibliches Djanes werden Euch an diesem Abend einheizen und das gleich ordentlich! Auf 2 Floors werden wir Euch wieder mit Drum’n’Bass, Dubstep und Techno & House verwöhnen und Euch den heißen Scheiß nur so um die Ohren knallen. Solch ein Abend braucht natürlich auch eine entsprechende Headlinerin und so wird diesen Part keine geringere als DJ STORM aus London, UK übernehmen. Bereits seit über 20 Jahren hinter den Decks braucht man über diese Koryphäe aus dem Metalheadz Camp keine Worte mehr zu verlieren, diese Frau lebt Drum’n’Bass! Desweiteren freuen wir uns sehr über das Dubwars Debut von NOGATA aus Dortmund. Die Dame bereist seit mehreren Jahren die gesamte Republik und überzeugt mit Ihren starken Sets! Ihren Einstand feiern heute auch die Ladies des DJ Duos NAPPYHEAD & PENG, die den Abend mit einen schönen Liquid DNB Set einstimmen werden. Auf dem sub:scapes Floor gibts auch dieses Mal wieder Techno und House vom Feinsten. Den Anfang wird CARMEN BERNABE machen, gefolgt von LILLY PUT. Aufmerksame Szene Gänger kennen die beiden evtl. aus dem Bukowski und wissen daher, dass es hier ordentlich zur Sache geht und die beiden nicht nur toll aussehen können! Aus Stuttgart angereist kommt LADY LAWLESS, sie wird sich um den etwas härteren Sound kümmern und Euch beweisen, dass die Ladies es manchmal ganz hart mögen! Abgerundet wird das Ganze wieder von unseren Visual Künstlern WÜSUALS und STELLA BOLAN, das ein oder andere Summer Special werden wir auch noch für Euch parat haben! COME EARLY / STAY LATE!

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VER ANSTALTUNGEN: AUGUST 3. August 9. August Bukowski EMANUEL SATIE – MEHR BASS! Bukowski KLANG DER BEWEGUNG // EGOR BOSS Heißer Monat, heißer Scheiß: Emanuel Satie gibt sich die Ehre! Der Frankfurter ist mittlerweile eine der größeren Nummern im Tech-House-Bereich, der regelmäßig erfolgreiche Kracher auf namhaften Labels wie Cécille und Bouq. raushaut. Wir freuen uns sehr, dass er uns trotzdem nicht vergisst, weil er mit den fast ausschließlich eigenen, housig-pumpenden Nummern, die er spielt, einfach alle flasht! Einen lockeren Einsteig verschafft Euch Mana von der Südklang Crew und Lilly Put besorgt Euch zum Sonnenaufgang den technoiden Rest! 3. August Wenn Plasmiq und Pravi Lopov zu einer Runde »Klang der Bewegung« bitten, steht kein Dresscode, aber Techno als gemeinsamer Nenner auf der Einladung. Das kann dann von hart und düster bis zuckersüßer guter Laune im 4/4-Takt zwar ein durchaus breitgefächertes Sound-Spektrum bedeuten, aber Techno bleibt es irgendwie immer. Diesmal mit den Jungs von Affin, Egor Boss und Joachim Spieth, und jedes Mal von Idealismus getriebenem künstlerischen Anspruch statt Hipster-Rotz und Monsterbreaks mit viel Delay. Hört hin, steigt ein, stay true! 10. August Inselspitze am Hagenbucher Heilbronner Insel-Nacht mit DiaVision in Concert "Island - im Licht der Wildnis" We'll Meet Again Kaffeehaus Hagen Auf diesem stimmungsvollen Platz mitten im Neckar wird eine fotografischen Klangreise durch faszinierende Naturund Gefühlslandschaften präsentiert - mit der Premiere des neuen Programms: "Island - im Licht der Wildnis". Heiße Springquellen, tosende Wasserfälle und feuerspeiende Vulkane prägen Island ebenso wie die Eismassen der Gletscher - eine faszinierende Urlandschaft am Rand der bewohnbaren Welt im magischen Licht. Diese elementaren Natureindrücke aus der Wildnis Islands stehen seit vielen Jahren im Zentrum der Fotografie von Roland Schweizer. Mit modernster Präsentationstechnik zeigt er die Faszination der isländischen Wildnis, jenseits von Reykjavik. Ein besonders eindrucksvolles Kapitel der Veranstaltung ist der Urgewalt der isländischen Vulkane gewidmet. Gemeinsam mit dem bekannten Sänger und Gitarristen Mike Janipka verbindet der Buchautor und Fotokünstler Roland Schweizer seine Bilder mit Folk-, Rock- und Popsongs zu einem audiovisuellen Gesamtwerk auf Großleinwand. Begleitet wird er vom großen Stimmentalent unserer Region, Miriam Hagmann. 4. August und 18. August Mit Cornelia Bielefeldt (Gesang), Jan Jankeje (Bass), Nicolas Kemmer (Flöte&Klavier), Otto-Karl Wagner (Saxophon) und als "Special Guest" einer der renommiertesten deutschen Schlagzeuger: Willy Ketzer. 10. August Bukowski HEILBRONN ON FIRE: M.IN vs. MATT STAR Museum im Deutschhof Sonntagsführung "Der Mensch in der modernen Skulptur" in zwei Teilen Mit Dr. Bernhard Stumpfhaus Heilbronn on fire: Heute Nacht steigt im Bukowski so was wie ein Kampf der Giganten! Wie Ihr wisst, geht’s uns an sich nicht um die größten und teuersten Bookings, aber wie Ihr auch wisst: wenn’s um den Sound geht, kann die Leidenschaft leicht mit uns durchgehen! Und das in Konsequenz in einem richtig fetten Line-Up enden: M.in aus Frankfurt ist in den letzten zwei, drei Jahren zum absoluten Global Player aufgestiegen – dutzende Releases und Remixe auf Desolat, Get Physical, Souvenir, Cécille und vielen anderen Labels und der Support dieser Tracks von Sven Väth, Luciano, Loco Dice, Richie Hawtin und Ricardo Villalobos machen’s möglich! Matt Star kommt ebenfalls aus Frankfurt, führt Cocoon, Kling Klong, Movida und Brise in seiner Referenzliste und dementsprechend einen ebenfalls sehr vollen Terminkalender. An den Decks geht’s heute also erstklassig zu, jetzt liegt’s an Euch, den Frankfurt-Boys zu zeigen, wie hart man in Heilbronn so feiert! Carmen Bernabe weiß das schon und ist deshalb liebend gerne mit dabei, und Drum `n`Bass von Jano Phil & Maso gibt’s auch noch on top! Kann schon sein, dass es da morgens 9:00 Uhr wird...!

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VER ANSTALTUNGEN: AUGUST 11. August 22. August Botanischer Obstgarten Heilbronn Kulinarischer Sonntagsgarten - Sommerlaunen eines Küchenchefs Gerd Reiner und sein Team von Reiners Rosine bereitet wieder ein Überraschungsmenü vor. 16. August Kunsthalle Vogelmann Kuratorenführung in der Ausstellung: "Keep it simple - Andreas Feininger" Mit Katharina Scheinpflug. 23. August Bukowski FREUNDE DER NACHT, ZUR SONNE Bukowski TONSPORT – WE LIKE IT HOT Ein Fan hat’s auf den Punkt gebracht: Sie ist die »Magda Stuttgarts«! Und dennoch: Lady Mel.Y, Urgestein-DJane der Landeshauptstadt-Szene, war skandalöserweise noch nie im Bukowski – was hier und jetzt geändert wird! Macht Euch drauf gefasst, dass die Dame Euch hart anfasst, und freut Euch außerdem auf Maurice und die Klangagenten a.k.a. Moritz Schattmann und Tim Braun aus dem schönen München! Die haben Ende Juni schon mal unsere Terrasse zerlegt und drohen uns für heute mit Wiederholung! 16. – 19. August Vladimir Corbin bittet endlich wieder mit seiner – auch in Stuttgart – legendären Tonsport-Party-Serie ins Bukowski und hat gleich eine ganze Wagenladung voller Tonsportler im Schlepp: Patrick Vano, der gerade seine neue Platte veröffentlicht hat und sonst auch gerne mal im Berliner Tresor spielt, Oliver Groß und Jacks Daun! Ganz klar, dass das sportlichen Sound bedeutet, und wie es sich beim Sport gehört, machen wir uns anfangs erstmal warm: Freier Eintritt und Longdrinks für 2,50 € bis 1:30 Uhr! Wir sehen uns an der Bar... 24. August Original Erlenbacher Weinfest Erlenbach Marktplatz Bukowski CLUBKULTUR VOM FEINSTEN Gemütliches Weinfest in malerischer Umgebung mit lokalen Spezialitäten wie Peterling- und Zwiebelkuchen sowie zünftiger Blasmusik. 17. August Bukowski HNX ALLSTARS | DER SOUND DEINER STADT HNX ist bekanntlich, wenn die ganze Stadt auf den Beinen und völlig von den Socken ist! Die diesjährige Hochsommer-Ausgabe featured ein paar Jungs im Line-Up, die weitgereist sind, um schließlich nach Heilbron zurück zu kommen – muss man erst weg sein, um zu erkennen, was man hatte? Wir wissen, dass Ihr feiern könnt wie andere in Metropolen nicht, und wissen das auch sehr zu schätzen! Kaotee mit seinen Hammer-Tracks, die Drum Poets, längst ne Hausnummer im Bukowski, Shidzoo a.k.a. Marcus Sommer, Strompunkt, die Newbies Klemmt & Knirscht, System32 und Marc Liebe, der nach 10 Jahren wieder zu den Allstars kehrt – alle da, Tanzfläche poliert und Soundanlage optimal justiert! Jetzt liegt’s an Dir... Na endlich: Buko-Liebling Robin Raubvogel ist wieder im Anflug – er war so lang weg, wir hätten ihn fast für einen Zugvogel gehalten! ;-) Jetzt aber steht also wieder eine Nacht mit der Reinform elektronischer Musik gefüllt ins Haus. Mit Schub, mit Druck und sehr viel Energie! Chris Sonaxx ist ebenfalls ein Killer-Kandidat: Er gibt hinterm Mixer alles, geht dabei wie ein Flummi ab und haut ein Brett nach dem anderen raus. Last but not least: Matthias Engelmann ist seit Jahr und Tag unser Mann für gekonnten Sound zu jeder Uhrzeit, der weiß, was er tut, und Ihr wisst das auch! 30. August Mobilat Ultra brutal production präsentiert: »?«

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KLEINANZEIGEN

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VER ANSTALTUNGEN: AUGUST 30. August 31. August Ebene 3 2 Jahre HANIX Mobilat Wortsport Lounge Dead Rabbit [Marteria | Marsimoto | Green Berlin] Vor zwei Jahren ist die erste Ausgabe unseres Magazins erschienen. Den zweiten Geburtstag wollen wir gebühBrad Pitch [WSP] rend feiern. Hierfür haben wir ein Programm zusammenYardstyle Sound [Buss Di Dance] gestellt, dass es in sich hat. Den Auftakt macht Nektarios Shagadelic Sound [Besigheim] Vlachopoulos. Der smarte Grieche gewann 2011 den Luiggis Finest [Brackenheim] größten Poetry Slam der Welt. Danach liest Oliver Maria Dead Rabbit, Produzent und DJ, aus dem Hause Green Schmitt aus seinem neuen Buch »Mein Wahlkampf«. Kurz Berlin ist ein enger Weggefährte von Marteria. vor der Bundestagswahl die richtige Einstimmung vor Er produzierte mit Marsimoto 2006 den Untergrunddem Gang zur Wahlurne. Für Livemusik sorgen Fiddle Klassiker "Halloziehnation". Darauf folgten dann die Passion, ehe Brad Pitch mit feinsten DJ-Tunes den AbAlben "Base Ventura" (Marteria/ 2007) sowie "Zu zweit schluss des Abends gestaltet. allein" (Marsimoto/ 2008), für die Dead Rabbit ebenfalls Beats beisteuerte. Auch auf Marterias aktuellem Album "Zum Glück in die Zukunft" war er zusammen mit den 31. August "Krauts" für den Song "Sekundenschlaf" verantwortlich Holi-Colour-Festival und für das 2012 erschienene Marsimoto-Album "Grüner Theresienwiese Heilbronn Samt" hatte Deady ebenfalls einige Produktionen beigeWenn die Theresienwiese am Samstag, den 31.08.2013, steuert. Mittlerweile ist er mit einer Mischung aus Rap, in Farben versinken wird, Du Deinen Augen nicht traust Trap & Dubstep auch als DJ unterwegs. und alle Sorgen von Dir fallen, Dein Körper sich zum Beat bewegt und Du Dich frei fühlst, dann bist Du bei uns - bei HOLI GAUDY - colour your day! Bereits um 31. August 12 Uhr geht es los und wer seine tristen vier Wände oder Bukowski seine graue Stadt leid ist, dem wird es bunt vor Augen. SUN GOES DOWN & BEAT GOES UP So bunt, dass Du Dir tagelang vorher Farben wünschst. Am letzten Öffnungstag im August ist mit Frank Leicher Überall in deinem Leben. Bunt wie Toleranz, Frieden und nach Pascal FEOS wieder ein Vertreter von Level Non ein offenes Herz. Dies wollen wir alle zusammen feiern. Zero bei uns zu Gast, und natürlich ein gern gesehener! Und nach diesem Erlebnis wird sich Dein Leben bunter Ob mit Pascal und Chris Wood im Studio, oder mit Matt anfühlen, da Du es bunter gestalten wirst. Sei dabei. Sei Star zusammen als Live-Act – der Mann weiß, wie’s geht, du selbst. Sei Holi! Sei Gaudy! Colour your Day! Holi und wird Euch das heute zeigen! Fred Moody, T-WATCH kommt aus Indien und wird eigentlich im Frühling gefei- und Shie sind ebenfalls am Start, um Euch eine perfekte ert. Um genau zu sein, hauptsächlich im Norden des riesi- Afterhour nach dem Colour Festival zu garantieren. Bunt gen Landes. Man nennt es auch "Phagwah" oder "Dol Ya- wird’s dabei im Buko sowieso auch, denn auf der Terrasse tra". Es wird ordentlich gefeiert und man bewirft sich mit gibt’s als Kontrastprogramm eine Dosis Drum`n’ Bass buntem Pulver, dem "Gulal" und gefärbtem Wasser. Es ist mit Junglict. Wer vorher schon auf der Theresienwiese am eines der ältesten und sicherlich das farbenfrohste Fest. An Start ist, dem sei das elektronische Warm-Up bei Sanddiesem Tag sind allen Menschen gleich - egal wie alt. Auch wich-Mama selbstverständlich wärmstens empfohlen! Wir die Kastenzugehörigkeit spielt an diesem Tag keine Rolsehen uns tanzen... bis 08.30 Uhr! le, genauso wenig wie Geschlecht oder gesellschaftlicher Status. Früher wurde das Pulver aus heilenden Blüten, Wurzeln und Kräutern hergestellt. Gesegnet wird das Pulver noch heute. Wer selbst einmal dabei sein möchte, der kommende Termin in Indien ist der 17.03.2014.

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KLEINANZEIGEN Gute Werbung ist nachhaltig! Öko-Werbeartikel für verantwortungsvolle Kommunikation. Leebelle Leebelle www.greenpromotion.de

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D I E Nä c H ST E AU SGA B E H A N Ix ER Sc H E I N T A M 30. AUG U ST 2 0 1 3