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Content:
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APR 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK er d än lä s u Hier sinD Die

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SEP 2011 OKT 2011 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT teilt, NOV 2011 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG D ER DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR e i l t , IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN weilt, BILDUNG ENERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST DEZ 2011 / JAN 2012 FEB 2012 heilt. Z E I T MRZ 2012 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO - GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE - MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL - MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD ARMUT REBELLION U TE D ER RE G IO EI NH LB RO NN G ES LS CH M AG R LE M E D I A D A T E N 2 0 1 2 www.hanix-magazin.de Stand Januar 2012 Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 www.chouchouboutique.tumblr.com Mediadaten

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E D I TO R I A L JEDER IST AUSLÄNDER - FAST ÜBERALL! Liebe Leserinnen, liebe Leser, in Heilbronn hat jeder fünfte Einwohner einen Migrationshintergrund. Anlass genug, um in dieser Ausgabe den Themenschwerpunkt »Ausländer« zu behandeln. Unsere Mitarbeiterin Maria Sanders hat einen Streifzug durch Alt-Böckingen gewagt. Dieser Kiez, der hauptsächlich von Migranten und Harzern bewohnt ist, wird stiefmütterlich behandelt. Von der Kommune und Land vergessen, sind die Bewohner dort oft auf sich alleine gestellt. Besserung ist so kaum zu erwarten. Murat Erimel, der im Integrationsbeirat der Stadt Heilbronn sitzt, stand uns für ein ausführliches Interview zum Thema Integration und Parallelgesellschaften zur Verfügung. Und er erklärt, wieso die Heilbronner Ausländerbehörde bei den Migranten umgangssprachlich auch heute noch »Ausländerpolizei« genannt wird. Bei Café au lait und Croissant haben wir Mitglieder des »Amicale des francais de Heilbronn« getroffen. Über 50 frankophile Mitglieder hat der eingetragene Verein, den es seit fast 30 Jahren gibt. Der Verein ist Anlaufstelle und Familienersatz für Franzosen, die es hier in die Region gezogen hat. Wir hatten es auch schon vorher vermutet, was uns dann von den AmicaleMitgliedern bestätigt wurde: fast alle fahren häufig ins Elsaß, um sich mit französischen Lebensmitteln einzudecken. Ein wunderbares Projekt war der interkulturelle Kalender des Stadt- und Kreisjugendrings, der federführend von Katrin Michl-Erimel ins Leben gerufen wurde. Ein Projekt, das verschiedene Migrantengruppen dazu gebracht hat, gemeinsam Inhalte für diesen Kalender zu erarbeiten. Im Kalender erklären die diversen Heilbronner Vereine, die interkulturell arbeiten, ihr Wirken und erzählen von heimatlichen Feiertagen oder Eigenheiten. Leider gab es für 2012 keinen neuen interkulturellen Kalender. Wir haben uns die alten Ausgaben angesehen und viel Interessantes über unsere ausländischen Mitbürger, ihre Initiativen und Feiertage gelernt. Und natürlich gab es auch schon Heilbronner Käthchen mit Migrationshintergrund. Darauf sind wir im Heilbronner Stadtarchiv gestoßen. Die Städtischen Museen Heilbronn präsentieren vom 31. 3. bis 1. 7. 2012 unter dem Titel «Aufbruch Realismus - Die neue Wirklichkeit im Bild nach ´68« eine umfassende Ausstellung, welche die unterschiedlichen Realismus-Tendenzen in der Malerei der Siebziger Jahre aufzeigt. Die Ausstellung ist in der KUNSTHALLE VOGELMANN und im MUSEUM IM DEUTSCHHOF zu sehen. Ein Brief an die Heimat erreichte uns diesen Monat vom anderen Ende der Welt. Michael Dikta ist momentan auf großer Neuseeland-Reise, ehe er danach Asien unsicher machen wird. In seinem Brief schreibt er uns von der unglaublichen Herzlichkeit der «Kiwis« und davon, wie man mit Anhaltern, die man mitnimmt, eine sehr gute Zeit verleben kann. HANIX meint: «Ein Fremder ist ein Freund, den man nur noch nicht kennt.« Spiegelreflex: Unsere, aus den USA stammende Fotografin, China Hopson hat ausländische Mitbürger in der Fußgängerzone portraitiert. Kunstausstellung: »Aufbruch Realismus - Die neue Wirklichkeit im Bild nach ´68« ist ab dem 31. März in der Kunsthalle Vogelmann zu sehen.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS APR 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK er d än slä u INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO - GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST HIER SIND DIE

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen «keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº5 D A N I E L C ASPERKI MEINE PLATTENKISTE 38 Ö(ZKAN) MUSIKKOFFER 46 M A RC - O LIVER O L S C H EWSKI KULTURBEUTEL Der Konzertveranstalter Daniel Casperki steht hauptsächlich auf Punkrock. Aber auch Tocotronic findet einen Platz in seiner Top Fünf. In seiner Jugend hörte der türkischstämmige Ö. Hip Hop. Durch die türkische Nationalgitarre Saz fand er gefallen an Rockmusik. Nun hat er seine erste EP herausgebracht. Marc-Oliver Olschewski kreiert unter anderem Köpfe mit Nägeln. Angelehnt an die Voodoo-Tradition. Böse ist er deshalb aber nicht. 52 MICHAEL KO P P DER KÜHLSCHRANK VON... ERINNERUNGEN PARTHENAS WELT 56 K U N S T H ALLE VO G E L MANN KUNSTREGION Michael Kopp hat in diesen Tagen seine neue Bar »Plan B« eröffnet. Wir haben ihn in der Innenstadt besucht. Parthena tagträumt gerne und macht sich Gedanken. Diesmal über Erinnerungen, die so überaus wichtig für unsere eigene Identität sind »Aufbruch Realismus - Die neue Wirklichkeit im Bild nach ´68« eine umfassende Ausstellung, die Malerei der Siebziger Jahre aufzeigt.

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IN EINEM FREMDEN LAND & S P R I N G R E I T E N I N B A D R A P PE N AU 68 IM GES P R ÄC H : HER B E RT FEUER S T E I N INTERVIEW DES MONATS STADTLEBEN / LANDLEBEN 12 & 14 ZWEIDEUTIGE ABKÜRZUNG SMS MICH MAL M O PE D S HARALD LIEST Herbert Feuerstein tritt am 20. April im Alten Theater auf. Wir sprachen mit dem Österreicher mit deutschem Pass u. a. über sein Programm. S C H Ö N E R A L S TAU S E N D U N D E I N E N AC H T DER »DITTRICH, KLOTZ & KÖNI«-SKETCH DER WINDELDUDE HEIMATLIEBE G E T R AG & C H O U C H O U B O U T I QU E AUSBILDUNG & MACHER IM UNTERLAND 32&36 74 AU S L Ä N D E R TITELTHEMA FREUNDLICHE KIWIS & TA N Z D E R B LU M E N BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS WELLINGTON / NEI`GSCHMECKT 134 & 136 »I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal. I have a dream that one day on the red hills of Georgia the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at a table of brotherhood. I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character. I have a dream today.« (Dr. Martin Luther King) O H N E F LU G Z E U G U M D I E W E LT AROUND THE WORLD TEIL 5: MAROKKO C A RO LY N » H O N EYC H I L D « CO L E M A N FROM NEW YORK CITY TO HEILBRONX I N G O L S TA D T, 2 0 0 6 VIA ARCHIV J A N E K N O B LO C H BERLIN CALLING QUIZ (132), BRIEFE/IMPR. (150), DER HISTORISCHE SCHUSS (152), VERANSTALTUNGSKALENDER (154)

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DAS HANIX TEAM WER UND WI ESO? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION 33 JAHRE JESSICA ZIPPAN VERMARKTUNG/ANZEIGENVERKAUF 22 JAHRE Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens «HANIX« antworten zu können. Der Vogel kämpft sich aus dem Ei und wir sind mit dabei! Die Werbeagentur Hettenbach freut sich auf die Zusammenarbeit. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r d i e Region Heilbronn - f ü r L e s e r, d i e i n t e re s s i e r t , kulturell aufgeschlo s s e n u n d n e u g i e r i g a u f e i n en alternativen Blick a u f St a d t -. L a n d k re i s - u n d S zenekultur sind. WER MACHT HANIX? Heilbro n n e r Me d i e n - u n d Ku l t u r s chaffende, die ihre Er f a h r u n g e n u . a . i n Be r l i n , München, Stuttgar t od e r Ha m b u r g g e s a m m e l t h a b en und nun etwas in i h re r He i m a t b e we g e n w o l l en. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION 37 JAHRE Das m u l t i m e d i al e Ma g a z i n f ü r L e u te und Gesells c h a f t d e r Re g i o n He i l b ro n n will mit spannenden , u n t e r h a l t s a m e n u n d i n f o r mativen Beiträgen die re g i o n a l e Me d i e n l a n d s c h a f t bereichern. Bier zapfen alleine macht nicht glücklich. Außerdem erstelle ich für´s Leben gerne Terminpläne, die dann hoffentlich jeder einhält.

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SEVTAP CELIK GRAFIK 25 JAHRE MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION 27 JAHRE FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION 22 JAHRE Heilbronn wird in den nächsten Jahren wachsen. Und dieses Magazin wird die Stadt dabei begleiten. Klar will ich dabei mitwirken! «HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA PR, NETZWERK & FILM 25 JAHRE RAFAELA JECKLE REDAKTION & FILM 34 JAHRE MEHMET FILIZ FOTO 23 JAHRE So haben die geguckt als ich sagte «Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION 37 Jahre KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION 34 JAHRE ROBERT BEUTELSPACHER FILM & ANIMATION 24 JAHRE Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar - die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: «Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: «Ich bin dabei!« Mein Chef hat gesagt, wir machen jetzt ein Magazin. Jetzt mache ich das und habe auch noch Spaß dabei. Danke, Chef. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT 20 JAHRE WOLFGANG FISCHER REDAKTION 61 JAHRE LEO VOLLAND ILLUSTRATION 37 JAHRE Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der «HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Weil ich noch jung genug bin. Nach knapp vier Jahrzehnten Arbeit bei Printmedien freue ich mich auf ein neues Kapitel des Journalismus. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit - und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION 36 JAHRE PHILIPP SEITZ SOUND 28 JAHRE ULLA KÜHNLE FOTO 41 JAHRE Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. STEVEN ZULEGER VIDEO 28 JAHRE MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO 45 JAHRE HARALD RIEGG REDAKTION 55 JAHRE Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: APRIL 2012 von einem leBen in einem FremDen lanD... «Deutsch lernen? Mein Kopf ist voll!« ist ein Buch mit autobiographischen Texten türkischstämmiger Frauen. Anrührend und zum Nachdenken anregend erzählen die Frauen einen Teil ihrer Lebensbiographie. Sie berichten von ihrem Leben in Deutschland, von Ängsten und zerschlagenen Träumen, von kranken Kindern und arrangierten Ehen. Sie erzählen, wieso sie selbst nach Jahren in diesem Land nur bruchstückhaft die Landesprache sprechen und wie sie mit finanziellen Nöten und ihrer manchmal erzwungenen Unterordnung unter die Familie kämpfen. Doch sie wollen sich damit nicht abfinden! Anschaulich erläutern die Herausgeberinnen, mit welch interessanten Ansätzen sie die Frauen in der Elternsozialarbeit erreichen. Wie aus Frauen, die sich für ihr schlechtes Deutsch schämen, Frauen werden, die beginnen, sich etwas zu trauen und die sich gegen ihr vorprogrammiertes Leben wehren. Die Lesung findet am 25. April um 19 Uhr im Haus der Famile statt. Der Abend wird von Carola Eißler, Mitherausgeberin des Buches und Müserref Gündogdu, beide sind Mitarbeiterinnen bei NIKA (Netzwerk Interkultureller Arbeit Holzgerlingen), zweisprachig gestaltet. STA DT K R E I S HEILBRONN: Im Jahr 2010 lebten in Heilbronn 122 879 Menschen. In einem Fotogeschäft in der Heilbronner Innenstadt: Kunde mit einem Bilderrahmen in der Hand: »Gibt es den hier auch im Querformat?« Verkäufer (nimmt dem Kunden den Rahmen aus der Hand und dreht ihn um 90 Grad): »Gerade reingekommen.« 24 524 Ausländer Davon waren 98 355 Deutsche.

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ver a ti ern alt zene r S u kult eim H icnk Bl - erig ugi t ne a llendark uffa itenst a e chw eressant rei int pen rup www.hanix-mediadaten.de WERBUNG 2.0 zielg iales imed t mulgazin Ma v ikati am mun rks om ewi erb tiv rak e takt kon ativnd nov age in usr era nsiv inte ion eg R rellltsam ulturha k te un nn bro eil H e mativ infor äg e Beitr end spann affin

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L ANDLEBEN: APRIL 2012 SPRINGREITTURNIER DES PFERDES P O RTC LU B S B A D R A P PE N AU Alljährlich veranstaltet der Pferdesportclub Bad Rappenau über die Osterfeiertage sein großes, überregionales Springreitturnier und die Reitersleute lassen sich nicht zweimal bitten. Ausgetragen auf der Pferdesportanlage Sabrina Schwab, einer sehr erfolgreichen Reiterin und Züchterin, finden über sechs Tage rund 29 Springprüfungen verschiedenster Klassen und Schwierigkeitsgrade statt. Somit ist für jeden Teilnehmer, vom Anfänger bis zum Profi, etwas dabei. Doch auch dem Besucher bietet der Verein ein tolles Programm. So wird, passend zum Fest, ein Osterdorf mit Krämermarkt erbaut, der Osterhase lädt am Ostersonntag zur großen Ostereier-Suche ein und die niedlichen Ponys freuen sich über regen Kinderbesuch. Wer eine kleine Stärkung braucht, kann sich im Reiterstüble herzhaft lecker bekochen lassen, und um die Kalorien schnell wieder abzubauen, lädt der Pferdesportclub zu Live Musik am Ostersonntagabend ein. Das Turnier beginnt am 3. April und geht sechs Tage lang, die Springprüfungen beginnen jeweils ab 9 Uhr. Über einen tollen und vor allem unfallfreien Turnierverlauf, sowie viele Interessenten und Besucher, freut sich der Pferdesportclub Bad Rappenau. Bahnhof Bad Friedrichshall. Im Zug. Ein einzelner Mann versucht ein Gespräch mit seinem Gegenüber zu starten. Mann: »Jetzt ist die schönste Zeit des Tages.« Gegenüber: «Und warum das?« Mann (während er eine Flasche Bier öffnet): »Nicht mehr in der Arbeit und noch nicht zu Hause!« L ANDKREIS HEI L B RO N N : Im Landkreis Heilbronn lebten 2010 328 364 Wurzeln, Menschen. 33 539 hatten ausländische 294 825 waren deutsch.

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SM S M I C H M A L ! UNGEWOLLT LITERARISCHES IN CA. 300 ZEICHEN MIT UNTERSTÜTZUNG VON WWW.SMSVONGESTERNNACHT.DE 20:28 Wa s h a l t e t i h r d a vo n , we n n i h r ( d u u n d d e i n l i e b e r Br u d e r ) e u c h e i n b i s s c h e n m e h r Ze i t f ü r G V n e h m t u n d Ei n t r i t t s k a r t e n f ü r d ie Fü g e r a u s s t e l l u n g k a u f t ? Die besorgte Mutter tippte ihre Nachricht in ein Motorola-Handy. 20:30 ZEICHEN Mu t t e r ! » G V « i s t i n d e r Re g e l e i ne Ab k ü r z u n g f ü r » Ge s c h l e c h t s ve rk e h r « , n i e m a l s a l l e rd i n g s f ü r » Gro ß va t e r « ! Bi t t e b e r ü c k s i c h t i g e d a s i n Zu k u n f t . Ihre Tochter erhielt die Nachricht auf dem iPad 2 per Mail. Abkürzungs-Fail von Mutter. Wenn Mutti ihre Kurzmitteilung kurz halten will, greift sie beim Abkürzen schon mal daneben. So wird aus dem unschuldigen Opa schnell mal Sex. ZEICHEN

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Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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H A R A L D L I E S T H A R A L D L I E S T TEXT: HARALD RIEGG VIDEO & SCHNITT: STEVEN ZULEGER TON: PHILIPP SEITZ »Mopeds« Ha r a l d R i e g g s c h re i b t Ku r z g e schichten, liest diese vor und veröffentlicht a u c h i n Bü c h e r n . Fü r u ns hat er diesmal »Mopeds« eingelesen. Ein Te x t i n d e m Ha r a l d m i t s e i n e n Kumpels ein Moped findet, es wieder fahr tücht i g m a c h t u n d d a f ü r Pr ügel von fiesen Rockern bekommt.

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MEINE PL ATTENKISTE: DANIEL CASPERKI TEXT:ROBERT MUCHA FOTOS: PRIVAT DANIEL CASPERKI: PUNK, PUNK, PUNK UND TOCOTRONIC Daniel Casperki veranstaltet mit seiner Booking-Agentur »A Design for Life« seit 2003 Konzerte im Großraum Heilbronn, aber auch in Ludwigsburg und Stuttgart. Seine neueste Veranstaltungsreihe, die der 29 jährige zusammen mit »Wär wolf BMX« im alten »Stereo Total« veranstaltet, nennt sich »Punk war gestern«. Punkrock ist auch der Sound, den Daniel Casperki meistens privat hört.

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MEINE PL ATTENKISTE: DANIEL CASPERKI Daniel Casperkis fünf Lieblingsalben: 1. But Alive »Hallo Endorphin (1999 B.A. Records)« »Diese Platte ist auch mit vielen Erinnerungen verbunden. Inzwischen heisst die Band »Kettcar« und spielt nicht mehr so punkig. Meiner Meinung nach kommen die Kettcar-Alben nicht an die »But Alive« Sachen ran.« 2. Tocotronic, »Digital ist Besser (1995 L'Age D'Or)« »Eine arschgeile Platte, die ich immer wieder höre. Ein eher melancholisches Album, das ich im Winter öfter als im Sommer einlege.« 3. Reagan Youth, »Youth Anthems (1984 R Radical Records, Reagan Youth Records)« »Eine Hardcore-Band aus den USA. Ich habe früher natürlich auch in einer Band gespielt. Wir sind i m m e r o h n e N a m e n a u f g et r e t e n u n d hatten damals n a c h B a n d s gesucht, die w i r c o v e r n konnten. Die R e a g a n Y o uth war so eine B a n d . E i n e sehr coole, g e i l e B a n d!« 4 . F u c k i n Faces, »N e u e W e g e (1995 Nasty Vi n y l , H ö h n ie Records) « » D a s i s t ein deutsches P u n k a l b u m , mit dem ich v i e l e E r i nnerungen an die A n f a n g s z e it meines Punkda s e i n s v e r binde. Wir hörten d a s d a m a l s fast alle. Es g a b a u c h noch die Troo p e r s . W e n n man sich heute t r i f f t , e rinnert man sich a n d i e s e Bands.« 5 . T h e B a tes, »S h a k e ( 1 9 90 Black Fantasy Records)« » M e i n e E i nstiegsplatte in S a c h e n P u nkrock. Die Plat t e h a b e i ch als Teenager v o n e i n e m Freund geschenkt b e k o m m e n . Von den Bates h ä t t e i c h jede Platte nen n e n k ö n n e n. Von den Bates h a b e i c h auch tatsächlich j e d e n R e l ease, bis hin zur l i m i t i e r t en Fan-CD.« Das der 29-jährige Untergruppenbacher Konzerte veranstaltet, ist eher dem Zufall geschuldet. 2003 ist er als Booker im »Keller Neckarsulm« eingesprungen, weil die Stammkraft verhindert war. Casperki fand Gefallen an dem Job und ist inzwischen ein alter Booking-Hase mit einem deutschlandweiten Netzwerk. Im letzten Jahr hat er 13 Konzerte veranstaltet. Hauptsächlich bucht er Punk- und Hardcore-Bands, die dann beispielsweise im Red River auftreten. Und auch privat hört der gebürtige Stuttgarter punkigen, harten Sound. Von »The Bates« hat Casperki jede Veröffentlichung, bis hin zur limitierten Fan-CD. Eine Band, die er immer wieder hören kann. Das Album »Shake« war als Teenager sein Einstieg in den Punkkosmos. Mit den »Fucking Faces«, einer deutschen Punkband, verbindet Daniel Casperki auch viele Erinnerungen an seine frühen Punktage: »Wenn ich mich mit Freunden treffe, erinnern wir uns oft an diese Band.« Eine Hardcore-Band aus den USA hat es ebenfalls in die Top Fünf des Konzertveranstalters geschafft. Die »Reagan Youth« ist eine »sehr geile Band«, wie Casperki findet. Er hat früher natürlich auch in einer Punkband gespielt und Songs der »Reagan Youth« gecovert. Etwas ruhiger ist das Album »Digital ist besser« von »Tocotronic«. »Diese Platte höre ich mir öfter an, wenn es draußen kalt und grau ist«, erzählt der 29-jährige Untergruppenbacher und findet, das »Digital ist besser« einfach eine arschgeile Platte sei. Vielen ist die Hamburger Band »Kettcar« bekannt. Das die Norddeutschen früher harten Punkrock als »But Alive« darboten, wissen nicht so viele Menschen. Daniel Casperki weiß es aber: »Das Album »Hallo Endorphin« von »But Alive« ist besser als alles, was dei Band unter dem Namen »Kettcar« herausgebracht hat und verbunden mit vielen Erinnerungen« an vergangene Zeiten.

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D I T T R I C H , K L O T Z & K Ö N I » S c h ö n e r a ls tausend und eine Nacht« Di t t r i c h , K l o t z & Köni drehen lustige Filme. Sk e t c h e z u m Beispiel. So auch an dieser Stelle. Is a b e l l u n d Gü n t h e r s i n d g lücklich. Sie nehmen aktiv am Integrationsp ro ze ß i h re r Mi t b ü r g e r mit Migrationshintergr und teil und würden w i rk l i c h a l l e s f ü r e i n f r i e dliches Zusammenleben der Menschen tun. Do c h e i n e s Ta g e s g e schieht das unvermeidbare Unglück... D I T T R I C H , KLOTZ & KÖNI SIND BUCHBAR! K O NTAKT: 0176/99053371 W W W . DERDRANGZUMKLANG@WEB.DE W WW.LISAMARIAKLOTZ.DE

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BLOG www.hanix-magazin.com/blog

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON KLEMENS SCHAIKA UND PHILIPP KIONKA DER WINDELDUDE: Ein lustiger StreetartKünstler hat dieser nackten Statue vor dem Heilbronner Gesundbrunnen Krankenhaus eine Windel verpasst.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION VERFLOGEN? Eine Nilgans, die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet ist, hat ihre neue Heimat am Heilbronner Neckarufer in der Nähe des Wertwiesenparks gefunden. Herzlich wilkommen!

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION COFFEECULTURE Kaum steigt das Thermometer in den zweistelligen Bereich, zieht es die Heilbronner wie Lemminge in die diversen Straßencafés in der Innenstadt.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION FLEINER HÖHE Der Frühling bahnt sich seinen Weg. Anfang März mussten die Unterländer noch einige Frostnächte ertragen. Doch die Kraft der Sonne hat sich inzwischen durchgesetzt. Hallo Frühling!

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Ö(ZKAN) INTERVIEW & FOTOS: SASCHA WARTHA »ICH ALS IN DEUTSCHLAND GEBORENER TÜRKE WEISS WOVON ICH SPRECHE«

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HANIX -- Hallo Özkan, wie kam es bei dir dazu selbst Musik zu machen? Ö -- Als ich zwölf Jahre alt war kam mein Vater aus der Türkei und brachte eines seiner Lieblingsinstrumente mit. Es war ein Saz, das ist die orientalische Version einer Gitarre. Kurzum drückte er mir damals das Saz in die Hände und sagte : `Lern das!´ Er selbst spielt übrigens bis heute kein Saz. Wir fanden damals einen SazLehrer, einen türkischen Musiker der aufgrund einer Schwangerschaft in Deutschland hängengeblieben ist statt seine Tour fortzusetzen. Der kleine Ö machte dann etwa zwei Jahre den Unterricht mit, bis er feststellte dass es abseits der türkischen auch andere Musik gab. Fortan hörte ich Hip Hop, als Junger Türke nicht un- gewöhnlich behaupte ich mal. Erst etwas später entstand dann ein Draht zur Rockmusik. HANIX -- Das Saz beiseite gelegt, die Gitarre gegriffen. Fiel dir dieser Wechsel technisch leicht? hast? Eigentlich ist es kein riesiger Unterschied. Es sind ja beides Saiteninstrumente, beide haben einen Klangkörper. Für mich war die größte Umstellung der Sprung von den Viertel-Tönen des Saz hin zu den Halb-Tönen der Gitarre. Man muss ganz anders greifen. Ein Saz hat drei Saiten, eine Standard-Gitarre sechs. Ich begreife das Saz als halbes Soloinstrument. Du spielst damit keine Akkorde. Ö -- HANIX -- Wie und wann kam es dazu, dass du dich ernsthaft mit dem Thema »Musik machen« beschäftigt Das reifte durch den Kontakt zu einem guten Freund namens Urs Gögler, einem Vollblutmusiker der Gitarre und Trompete spielte und einer Jazzband zugehörig war. Wir begannen irgendwann miteinander zu jammen und da hat es mich gepackt. Etwas später verschlug es mich dann zum ersten mal nach Mannheim wo wir unsere erste Band gründeten. Damals spielten wir so eine Art Britpop. Nach einem Jahr und in einer Phase in der wir uns gerade so richtig gefunden hatten, musste sich die Gruppe aus beruflichen Gründen leider viel zu früh auflösen. Ö -- HANIX -- Jetzt hast du mit »HOME IS WHERE MY BABY SLEEPS« ein ganzes Album produziert. Wie entstand dieses Projekt?

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MUSIKKOFFER: MIT MR: Ö Ein Freund meiner Frau hat ein Studio und nachdem wir uns kennengelernt hatten, beschlossen wir mal etwas gemeinsam aufzunehmen. Das lief dann so gut, dass wir uns gesagt haben, `lass uns ein ganzes Album aufnehmen´ und das konsequent durchziehen. Konsequenz war jetzt echt mal angesagt da ich ursprünglich geplant hatte mit fünfundzwanzig mein eigenes Album zu haben. Doch durch einige Wohnsitzwechsel habe ich es nicht geschafft mich in irgendeiner Formation festzuspielen. Jetzt habe ich mir gesagt: Scheiß drauf, dann mach ich es halt alleine. Letztendlich haben wir jetzt ein halbes Jahr an diesem Teil gearbeitet. Ich kann mittlerweile die meisten Instrumente selbst einspielen, bin somit nicht mehr von anderen abhängig. Ö-- HANIX -- Woher kam die Inspiration? so prickelnd finde. Bei Kings of Leon verhält sich das ganz ähnlich wie bei Lenny. Die ersten zwei Alben sind der Hammer. Doch dann haben sie sich leider dazu entschlossen mehr Geld verdienen zu wollen. Durch meine erste Band bin ich auch eine ganze Zeit lang auf den damals gängigen Britpop fixiert gewesen. Maximo Park, Oasis und Blur. Nur dann fing das alles so extrem mit dem mp3-Herumgeschiebe an. Mein inniger Bezug zu Künstlern oder Bands ließ durch diese Entwicklung drastisch nach. HANIX -- Wie meinst du das? In dem Moment als mir meine Frau mitteilte, das Sie schwanger ist, bekam ich einen extremen Schub mir und uns nun endlich den Wunsch nach einem eigenen Album zu erfüllen. Daraus zog ich enorme Kraft. Der Gedanke, meinem Sohn irgendwann einmal zeigen zu können was sein alter Herr so für Musik gemacht hat, war mein Antrieb. Ö-- HANIX -- An welchen Musikern oder Bands orientierst du dich? Ö-- Wie bei vielen Gitarristen steht da auch erst mal bei mir ein Name: Jimi Hendrix. Einfach extrem abgefahren wie der Mann gespielt hat. Total faszinierend, wie er sich in eine andere Bewusstseinsebene spielte und dann schlagartig wieder ein Teil der Band wurde. Als es mich früher weg vom Hip Hop und hin zur Rockmusik zog war auch Lenny Kravitz präsent. Wobei ich seine Sachen von heute nicht Nun, klar hat eine mp3 Vorteile. Sie ist klein und verdammt schnell. Wenn du heute einen mp3-Player mit einem Discman von früher vergleichst, muss man zugeben, dass der Discman ziemlich groß war und sein Batterieverschleiß pervers. Dieser technische Fortschritt ist toll. Aber irgendwann sammeln sich auf dem Rechner Gigabyte von Musikdateien, die dann langsam an Bedeutung verlieren. Es ist heutzutage einfach zu viel um sich komplett um die eigene Musiksammlung kümmern zu können. Die Musik verliert an Wert. Es wird nicht mehr jedes einzelne Stück wahrgenommen. Also sagte ich eines Tages `Schluss damit´. Ich habe meine ganze Festplatte gelöscht und begann wieder CDs zu kaufen. Das war eine gute Erfahrung. plötzlich wieder festzustellen, dass es ja auch ein Booklet gibt mit tollen Fotos oder interessanten Informationen zu Künstlern oder beteiligten Personen. Ein richtiges Artwork. Es ging dann sehr schnell, wieder eine Bindung zu der Musik herzustellen. Ö-- HANIX -- Zurück Ö-- zum Album. Was passiert nun damit? ses Ding für mich und meine Familie fertig zu bekommen. Nichts desto trotz bin ich sehr stolz auf diese Geschichte und freue mich nun auf den Gang in die Öffentlichkeit. Den Druck, damit nun gesignt werden zu müssen, verspüre ich überhaupt nicht. Es läuft keine Marketingmaschinerie im Hintergrund, ich entscheide selbst welches Label diese Stücke zu hören bekommt. Ich bin dabei sehr entspannt und werde die nächsten Wochen einfach auf mich zukommen lassen. Bei mir gibt es ja noch eine Frau, ein Kind und einen Beruf. Für Vollzeit-Marketing fehlt mir definitiv die Zeit. Aber auf der Musikmesse in Frankfurt werde ich die Werbetrommel rühren und hoffe einfach, dass sich abseits davon etwas ergibt. Für alle die sich das ganze Album besorgen und reinziehen möchten: Das Album wird die nächsten Tage im Heilbronner Plem Plem erst mal vorab exklusiv erhältlich sein. HANIX -- Denkst du deine Musik lässt sich einer speziellen Zielgruppe zuordnen? Ö -- Zumindest mache ich diese Musik nicht für eine Zielgruppe. Dieser Sound, das bin ich und das kommt von innen. Das muss raus, da denke ich nicht bewusst an die Menschen, die das irgendwann einmal hören sollen. Ich habe das Bewusstsein, das ich nicht allen gefallen kann, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. HANIX -- Du Staatsbürger, bist lebst türkischer aber schon dein ganzes Leben in Deutschland. Wie fühlt sich dein Leben hier für dich an? Schritt eins war erst einmal die- Ich wurde vor fast dreißig Jahren hier, genauer gesagt in Bad Friedrichshall, geboren. Und seitdem wohne ich

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MUSIKKOFFER: MIT MR: Ö ununterbrochen in Deutschland. Ich bin hier aufgewachsen und kenne gar nichts anderes. Bis zu meinem zwölften Lebensjahr verbrachte ich mit meiner Familie viel Zeit in türkischen Gemeinden, alles war sehr traditionell orientiert. In unserer Nachbarschaft waren damals sehr viele türkische Familien untergebracht. Somit lernte ich auch mitten in Deutschland unsere Werte und Traditionen bestens kennen. Erst als wir umzogen hat sich mein Freundeskreis kulturell vermischt. Türken, Deutsche, Italiener oder Russen - irgendwie war plötzlich alles da. Wir sind doch alle gleich. Das wurde mir in dieser Phase richtig bewusst. Heutzutage ist mir das Unterteilen in verschiedene Nationalitäten zu wider, ich verkehre mit allen Menschen. Ich bin ja selbst stolzer Vater eines deutsch-türkischen Kindes und ich fühle mich nicht als Ausländer hier. Ich spreche die Sprache, trinke gern Bier, aber ich habe auch die andere Seite der Integration gesehen, insbesondere in Mannheim. Da triffst du türkische Kids die in der dritten oder vierten Klasse sind und so gut wie überhaupt kein deutsch sprechen, da sie Zeit ihres Lebens nur mit gleichsprachigen türkischen Kindern aufwachsen. Das die sich wie Ausländer fühlen, erklärt sich dann von selbst. HANIX -- Wie steht es um deine Familie und dein Elternhaus? Sind deine Ö-- Eltern konservativ oder eher westlich orientiert? Natürlich wahren wir die türki- sche Tradition, sind aber auch schon aufgrund der Selbstständigkeit meines Vaters voll integriert. Es gibt sicher bestimmte Dinge, die für uns nicht in Frage kommen aber das empfinde ich überhaupt nicht als Zwang, denn eine eigene Kultur und eine eigene Identität ist etwas Schönes. Es ist schon etwas Besonderes wenn ich konservative türkische Verwandtschaft besuche. Man taucht plötzlich wieder in eine ganz andere Welt ein. Das genieße ich auch regelrecht. Der Umgang der Menschen untereinander ist von viel Respekt, insbesondere den Älteren gegenüber, geprägt. Allerdings sind ein paar Dinge auch unfair. Gerade die Mädels bei uns haben es schwierig. Das liegt meiner Meinung nach daran, das sich Fami-

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MUSIKKOFFER: MIT MR: Ö lien die vor 20 oder 30 Jahren hier her gekommen sind, zurückgezogen haben und nur unter sich blieben. Somit konnten sich diese Ansichten nicht zeitgemäß weiterentwickeln. Ich bin selbst immer wieder bei Besuchen in der Türkei überrascht, wie entspannt die Menschen dort unten sind. Da hat sich Einiges getan in den letzten Jahren. HANIX -- Wurdest du als Türke, der in Deutschland geboren ist, auch einmal Zielobjekt nationalsozialistischen Frusts? Ö -- Glücklicherweise wurde ich extrem selten mit dem klassischen Nazi konfrontiert. Ich kann sogar eine Geschichte mit schönem Ausgang erzählen. Bei einem Schullandheimausflug fuhren damals zwei Schulen gemeinsam fort. In unserem Bus saßen drei Jungs, die sich der Nazikultur zugehörig fühlten, genauso wie ich mich zu dieser Zeit der Hip-Hop-Bewegung zugehörig fühlte. Auf der Hinfahrt war extrem dicke Luft im Bus, es hat geknis- tert. Nach einer gemeinsamen Schullandheim-Woche lagen wir uns auf der Rückfahrt in den Armen und feierten alle zusammen. Es ging doch überraschend schnell, die vorhandenen Barrieren einzureißen. Gerade bei jungen Menschen sieht man doch sehr deutlich, dass sie einfach nur einer Gruppe zugehörig sein möchten. In ländlichen Gegenden wird man halt schnell zum Nazi, weil es einfach keine ernstzunehmenden Alternativen gibt. HANIX -- Wie kommst du als türkischer Rockmusiker bei konservativen Türken an? Ich habe nicht das Bedürfnis konservative Menschen meine Philosophie oder Lebenseinstellung erklären oder gar aufzwingen zu müssen. Ich passe mich an und begegne ihnen mit Respekt. In aller Regel bekommst du dann auch Respekt zurück. Außerdem bin ich jetzt selbst Familienvater. Das wird gerade bei uns sehr honoriert und man begegnet mir jetzt automatisch anders. Ich gelte jetzt nicht

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MUSIKKOFFER: MIT MR: Ö mehr als das Kind, auf das man ständig ein Auge haben muss sondern ich bin jetzt ein Mann mit eigener Familie. HANIX -- Es fällt immer wieder der Begriff Parallelgesellschaft in Deutschland. Du scheinst beide Seiten zu kennen. Absolut. Wie gesagt, verbrachte ich meine Kindheit mehr oder weniger selbst in einer Parallelgesellschaft. Erst durch die Veränderungen in meinem Freundeskreis konnte ich mir einen genaueren Einblick in die deutsche Kultur verschaffen. Und mit den Jahren und einer gewissen Lebenserfahrung und Reife verstehe ich die Deutschen viel besser und kann gewisse Vorurteile gegenüber Ausländern auch nachvollziehen. Ö-- HANIX -- Wie stehst du zu dem Thema Integration? Meiner Meinung nach sind bei diesem Thema viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein kleines Beispiel: Ich habe in Mannheim in einem Viertel gewohnt, vergleichbar mit dem Kreuzberg in Berlin vor ungefähr zehn Jahren. Entweder Punk oder Kanacke. Etwas anderes gab es nicht. Da hat mich dann schon interessiert, warum so viele Ausländer auf diesem einen Fleck zusammen wohnen. Zum einen gibt es das Thema Mietpreise. Zum anderen hast du als Ausländer, der nicht fließend der deutschen Sprache mächtig ist, kaum eine Chance auf eine Wohnung in einem besseren Viertel. Da ist meist das Gespräch am Telefon schon beendet ehe es überhaupt richtig angefangen hat. Es gibt auch Familien, die wollen eben neben der Tante oder dem Onkel wohnen. In der Gemeinschaft fühlt man sich auch nicht mehr so sehr alleine. So entsteht dann eine richtige Parallelgesellschaft und die gelungene Integration bleibt auf der Strecke. Wenn man eben nicht diese Gemeinschaft um sich herum hat, musst du dich zwangsläufig für andere Menschen oder Kulturen öffnen. Das war auch irgendwie unser Glück. Ich denke man kann bei dieser Debatte auch nicht die ganze Schuld beim Staat oder dem System suchen. Auch bei den Ausländern gibt es teilweise wenig Antrieb etwas an Ihrer Situation zu ändern. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich im Laufe der Zeit dieses Problem durch immer wiederkehrende Generationswechsel von selber löst.

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Das extrem Konservative wird nicht von Generation zu Generation vererbt. Die Nachrückenden werden sich immer mehr öffnen, auch wenn es noch eine ganze Ecke dauern wird. Geduld ist hier der Schlüssel den alle suchen. HANIX -- Zurück zur Musik. Siehst du dich eher als Live- oder Studiomusiker? Frage. Auch wenn ich derzeit etwas viel abseits der Musik um die Ohren habe steht für mich fest, dieses Album unbedingt live spielen zu wollen. HANIX -- Das heißt du castest derzeit eine Band? Für mich hat definitiv beides seinen Reiz. Im Studio ist diese Entwicklung von einer Idee zu einem fertigen Stück echt geil. Beim Livespielen ist der direkte Kontakt zum Publikum und auch das Volumen des Sounds und die Lautstärke super intensiv. Leider komme ich momentan nicht wirklich zum Livespielen da mir einfach eine Band fehlt. Beim Album habe ich tatsächlich die meisten Parts auf verschiedenen Instrumenten selbst eingespielt. Aber ich habe definitiv extrem Bock Live zu spielen, keine Nein. Aber ich würde natürlich gerne andere Musiker kennenlernen, die mit meinem Sound etwas anfangen. können und Lust haben, gemeinsam was zu starten. Keine Frage. Interessierte können sich ja gerne über das HANIX-Magazin bei mir melden. Ö -- HANIX -- Deine Message an die HANIX-Leser lautet? Jimi hat einmal gesagt «Musik wird die Menschheit verändern« und ich finde bei denen, die sich der Musik öffnen, geschieht das tagtäglich. Und direkt an die Leser gerichtet: Bleibt entspannt, liebt euren Nächsten. Respekt und Toleranz sind angebracht. Ich als in Deutschland geborener Türke weiß von was ich spreche.

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INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE » E S K A M E N N AC H F R AG E N , O B M E I N E KÖ P F E E T WA S M I T VO O D O O Z U T U N H A B E N «

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KULTURBEUTEL: MARC-OLIVER OLSCHEWSKI HANIX -- Reden wir über deine Kunst. Seit wann arbeitest Du künstlerisch? überhaupt hergestellt? Ich habe als Kind viel gemalt und gezeichnet; das hat aber in der Jugend aufgehört. Mein Onkel arbeitete bei der Firma Läpple und ich fing dort eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker an. Viel gelernt, wenig Freude daran. Kunst war damals keine meiner Interessen. Ich wollte nach der Ausbildung viel lieber reisen und Erfahrungen machen, darum bin ich viel gereist und habe viele Erfahrungen gemacht. Keine Kunst also. Vor ca. fünf Jahren hat sich das dann geändert. Ich ging weniger aus und hatte wieder mehr Zeit und einen übervollen Kopf, der endlich einmal geleert werden sollte. Da begann ich mit den Köpfen. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX -- Warum ausgerechnet Köpfe? Bewundern oder belächeln, je nach Belieben. Ein Freund von mir, der Bildhauer Ralf Krämer aus Heilbronn, sollte gemeinsam mit einer Gruppe anlässlich der Veranstaltung »Beuys für alle« im Fleischhaus ausstellen, konnte dann aber aus terminlichen Gründen nicht. Das war meine Gelegenheit, das war meine erste offizielle Ausstellung. Zur zweiten Frage: es waren sieben Köpfe. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX -- Sicherlich ein gutes Gefühl, seine Kunst auch ausstellen zu können und dürfen. Warst Du zufrieden mit deiner Ausstellung? Weil ich ein Kopfmensch bin? Ha, das ist ja auch nix Neues. Mit Köpfen und auch deren Inhalt beschäftigen Menschen sich schon seeehr lange. Mensch, darin wohnen Geister. Aber ich verwende ja auch Nägel. Und zu Nägeln fällt in unserem Kulturkreis wohl jedem mindestens eine Geschichte ein. Etwas weiter südlich haben sie aber auch genagelt. Sogar schon viel länger. Voodoo. Es gibt wohl sogar eine Verbindung zwischen afrikanischen Nagelfetischen und dem Ritual der Kreuzigung, und im mittelalterlichen Europa die Atzmänner (d. Red.: Rachepuppen). Ursprünglich diente Voodoo aber vor allem Heilungszwecken, Götter und Geister beschwören und das schon bald 500 Jahre vor Christus. Jetzt ein kleiner Zeitsprung: 1956, Günter Ueckers Nagelbilder. Man muss erkennen, es gibt nichts Neues. Die Kontexte verändern sich vielleicht. Zurück zu den Köpfen, ich nenne sie übrigens PIN-APPS, die waren ja gar nicht als Objekte gedacht. Zunächst ging es eher um den Entstehungsprozess, der auf mich sehr entspannend, also heilend wirkte. Du hörst eben von mir: Voodoo funktioniert. Während der Arbeit fiel mir ein, dass man sie auch röntgen könnte um reinzugucken. Durch die Vermittlung einer Bekannten und der Hilfe eines Neckarsulmer Radiologen wurde das 2010 möglich. Entstanden ist daraus eine Bildserie. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX -- Konnte man deine Köpfe auch schon auf Ausstellungen bewundern? Und wieviele Köpfe hast Du Ja, sehr. Freilich hatte ich keinen Schimmer von Raumgestaltung, Platzierung der einzelnen Objekte und deren Beleuchtung. Das Problem war, dass ich vorher ein Bild im Kopf hatte, wie die Stücke präsentiert werden sollten. Ich habe aber leider den Ausstellungsraum nicht mit einbezogen. Das sollte mir nicht mehr passieren, tat es dann aber noch einmal. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX -- Und wie war die Resonanz auf deine Ausstellung im Fleischhaus? Warst Du damals auch selbst vor Ort? Sicher, ich war auch selbst vor Ort. Dadurch, dass ja viele Orte in Heilbronn bespielt wurden, war man gezwungen, sich hie und da zu entscheiden. So habe auch ich leider nicht alle angebotenen Aktionen mitbekommen. Allerdings kam ich mit vielen Menschen ins Gespräch, wobei sich unter anderem eine Ausstellung in der Produzentengalerie B27 ergab. Toll, oder ? So geht's. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX -- Gibt es bereits Termine für eine weitere Ausstellung von dir? Es gibt diesbezüglich noch nichts Konkretes zu berichten. Aber wenn ich mehr Informationen habe, werden es interessierte Menschen auf jeden Fall erfahren. Dieses Jahr passiert aber bestimmt noch etwas, lasst Euch überraschen. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- HANIX --Erzähl uns von deinen Würfeln. prinzipiell ist das ein Holzkern, dann wird Kuhhaut (Motorradkombis) darüber gespannt und dann schließlich Nägel. Zweiundzwan- MARC-OLIVER OLSCHEWSKI--Gut,

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KULTURBEUTEL: MARC-OLIVER OLSCHEWSKI zig Stück waren geplant, jetzt werden es wahrscheinlich ein paar mehr. Aufhören ist auch nicht einfach. Auch hier ist wieder der Prozess im Vordergrund. Aber die kommen erst zur nächsten Ausstellung auf die Bühne, obwohl ja in der Galerie B27 schon drei zu sehen waren. Ein Würfel ist ein Kubus.. So far, so good. Die Kombis werden, ich will mal sagen, dekonstruiert und auf der Würfeloberfläche neu zusammengesetzt. Dann wieder Nägel. Darf ich ein bischen Werbung machen ? Meine Nagel-Dealerin ist Beates Polsterwerkstatt in Böckingen und sie hat sehr coole selbstgemachte Umhängetaschen anzubieten. Was ich eigentlich sagen will, ist, Heilbronn hat für mich hier den Vorteil eines überschaubaren Netzwerkes, dessen Knotenpunkte man mit Leichtigkeit mit dem Fahrrad erreichen kann. Facebook ist eigentlich in Heilbronn überflüssig. HANIX --Denkst Du auch ans Verkaufen deiner Kunst? HANIX --Momentan produzierst du deine Werke zu Hause. Das sind nicht die optimalsten Bedingungen, um Kunst zu machen, oder? Ja, nein, doch, im Moment schon, weil es einfach das Günstigste ist, oder nicht, wer weiß. Ich bin auf der Suche nach einem Atelier. Aber richtig, mehr Platz ist besser, mein Heim stößt so langsam an seine Grenzen. Malen, Schreinern, Schneidern, Lackieren, wir werden sehen. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI-- HANIX --Kann dein Drang Kunst zu machen auch irgendwann wieder weg sein? Es ist sicherlich auch eine Geldfrage? Eine Geldfrage ist es natürlich auch aber nicht nur. Wie ich schon sagte, Aufhören ist auch nicht unbedingt leicht. Das kenne ich von Beziehungen. Ich liebe diese Arbeit. einfach zu sehr. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI-- HANIX -- Bestärkt dich dein Umfeld bei deinem Schaffen? Klar, alles steht auch zum Verkauf. Erstens, weil ich nicht so sehr daran hänge und weil es finanzielle Möglichkeiten für neue Projekte eröffnet. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI-- Ja, auf verschiedene Weisen. Obwohl, ich habe auch schon den Rat bekommen, besser MARC-OLIVER OLSCHEWSKI --

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KULTURBEUTEL: MARC-OLIVER OLSCHEWSKI

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KULTURBEUTEL: MARC-OLIVER OLSCHEWSKI etwas anderes zu tun. Zum Glück bin ich weitgehend beratungsresistent. Aber nein, ich habe natürlich sehr gute und kompetente Berater. Aber entscheiden muss ich selber. HANIX -- Hast Du nach den Köpfen und Würfeln schon neue Ideen? danke für die Frage. Zunächst, ich arbeite meist parallel an verschiedenen Projekten. Großformatige Flächen reizen mich schon lange und daran will ich mich als nächstes auch versuchen. Jetzt kommt's: Ein Beamer wäre nicht schlecht, leihweise natürlich, und das Atelier-Problem besteht weiterhin. HANIX -- Hört sich nach viel Improvisation an, die Du an den Tag legen musst. MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- Ja, und die Nacht, so ist es eben gerade. Man siehst es ja, ich lebe in einer Werkstatt.. HANIX -- Ist Heilbronn für dich eine Kulturstadt? MARC-OLIVER OLSCHEWSKI -- Ja, Sicher, wir haben bald eine neue Stadtbahn, aber genau weiß ich nur, dass viele junge Menschen ihr Glück lieber anderen Ortes suchen. Ich vermisse auch so Einiges. Beispielsweise ist hier nicht der Durchlauf an Menschen vorhanden, die uns mit neuen Ideen befruchten, wie man es aus Universitätsstädten kennt. Wenn ich mal in geologischen Begriffen sprechen darf: Heilbronn ist wohl im Bereich Kultur ein eher stehendes Gewässer. Das können aber nur die jungen Leute ändern. Geht fort und kommt mit guten Ideen zurück. HANIX -- Hoffst du das Heilbronn durch die neuen Studenten des Bildungscampus etwas offener und beweglicher wird? MARC-OLIVER OLSCHEWSKI--Warten wir doch einfach mal die Entwicklung ab. Positiv in der Stadt ist einfach, dass man geschwind ein großes Netzwerk aufbauen kann und wer von Außerhalb kommt und sucht, findet hier tolle Charaktere. Wie vorhin schon erwähnt, die Größe hat auch ihre Vorteile. Und wenn es jetzt Frühling wird, ach grün, so grün, dann werd' ich erst im Winter ziehn. Ich möchte dazu nicht viel sagen. Möglicherweise liegt es an der Größe der Stadt, oder am Fehlen geisteswissenschaftlicher Fakultäten. Brauchen wir eine Oper oder mehr Galerien? Weniger Baumärkte oder einen Liter LSD in unsere Grundwasserversorgung? MARC-OLIVER OLSCHEWSKI --

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DER KÜHLSCHRANK VON...: MICHAEL KOPP FOTOS: MEHMET FILIZ VIDEO: MATTHIAS BITSCH

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DER KÜHLSCHR ANK VON...: PL AN B Der Kühlschrank: MARKE: AEG MODELL: V54Z3X7 Der Besitzer: VORNAME: Michael NACHNAME: Kopp TIERE: KEINE TYP: Standkühlschrank NUTZINHALT: 228 Liter ENERGIEEFFIZIENSKLASSE: A++ ENERGIEVERBRAUCH: 315 kWh in 365 Tagen ABMESSUNGEN: 157 x 54 x 54 cm (HxBxT) MAHLZEITEN, DIE DIESER KÜHLSCHRANK HERGIBT: Frühstück - JA Mittagessen - Ja Abendessen - Ja

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KOLUMNE: PARTHENAS WELT ERINNERUNGEN 1. März, der Geburtstag meiner Oma. Es wäre ihr 83ster gewesen, aber leider war sie nicht mehr da. Ich ging in die Küche und zündete vor ihrem Foto eine Kerze für sie an. "Happy birthday liebe Omi", dachte ich. Beim Frühstücken schloss ich eine Zeit lang meine Augen und sofort schossen tausend Bilder durch meinen Kopf. Es waren Erinnerungen an meine Oma. Ich denke oft an das, was ich erlebt habe, wie weit ich mich erinnern kann und an was. Wie intensiv sich einige Erinnerungen anfühlen und was ich dabei empfinde. Ich ging der Sache auf den Grund und fand dabei heraus, dass es ein Thema ist, über das es wirklich lohnt zu philosophieren. Was es bringt? Wir vergessen so unseren Alltagsstress. Wir können die Augen schließen, eine Zeit lang in eine andere Welt eintauchen und in unseren Erinnerungen schwimmen und entspannen. Wir brauchen dafür zwei Sachen: Offenheit und Fantasie. Was sind Erinnerungen und was wären wir ohne sie? Die Antwort ist: Nichts. Wir brauchen sie. Ohne Erinnerungen wären wir, wie eine leere Hülle. Denn sie sind unser Leben. Sie machen unser Leben aus. Sie sind, wie ich finde, einer der wertvollsten Dinge, die wir haben. Sie zeigen uns zum Beispiel bei Negativem, was wir vermeiden sollten und bei Positivem, was wir wiederholen können. Und "Was man vergisst, hat man im Grunde nicht erlebt", sagte einst Ernst R. Hauschka. Unsere Erinnerungen sind wie Reisen in die Vergangenheit. Sie sind unsere ganz persönliche Geschichte, auf die wir immer zurückgreifen können. Sie zeigen uns wer wir waren, wer wir sind und wie wir uns verändert haben. Jede Erinnerung ist einzigartig. Wenn wir mit Familie oder Freunden zusammen sitzen und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, beginnt die Eröffnung meistens mit dem Satz, "Weißt du noch, als...?". Und dann fängt jeder an zu erzählen. Nacheinander oder durcheinander. "Ja genau...", "Oh ja stimmt...", "Ehrlich? Daran kann ich mich nicht mehr erinnern." Wir sind begeistert, weil wir plötzlich sehen, was wir vergessen haben oder sind verwundert darüber, wie unterschiedlich wir etwas empfunden haben. So kann es sein, dass auch Missverständnisse aus der Welt geschafft werden. Fehlende Puzzleteile kommen hinzu und somit wird ein weiterer Teil unserer inneren Geschichte vervollständigt. Unsere Großeltern erzählen uns ihre Geschichten, wenn wir danach fragen. Wir hören gerne zu, weil es uns interessiert, denn wir sind sehr wissbegierig. Und so erweitern wir unsere eigene Geschichte/Erinnerung mit der unsrer Großeltern. Irgendwann werden auch wir es weitergeben. Warum? Weil wir ja wissen, dass es gefällt und es bereitet uns große Freude, dass es jemanden interessiert. Durch die Erzählungen werden die künftigen Generationen wissen, von wo und von wem sie abstammen. Die Erinnerung ist unsere eigene, innere Identitätssicherung. Selbst wenn irgendwann unsere geliebten Menschen nicht mehr da sind, erinnern wir uns, dass sie da waren. Sie bleiben in unseren Erinnerungen stets lebendig, denn wir reisen zurück und treffen sie. Aus diesem Grund erinnere ich mich von Herzen gerne. Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt (Bertold Brecht).

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auFBrucH realismus - Die neue WirKlicHKeit im BilD nacH ´68 FOTOS: STÄDTISCHE MUSEEN HEILBRONN Pa r a l l e l a u s s t e l l u n g d e r Städtischen Museen Heilbronn in der Ku n s t h a l l e Vo g e l m ann und im Museum im Deutschhof ( 3 1 .03. - 01.07.2012).

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS KÜNSTLERLISTE HERMANN ALBERT HEINER ALTMEPPEN AXEL ARNDT BETTINA VON ARNIM DIETER ASMUS ULRICH BAEHR MORITZ BAUMGARTL MANFRED BLUTH GISELA BREITLING PETER COLLIEN ALEX COLVILLE ROBERT COTTINGHAM CHRISTA DICHGANS HANS-JÜRGEN DIEHL PETER DREHER HARALD DUWE DON EDDY OTTO ENGBARTH HILDEGARD FUHRER ARWED D. GORELLA JOHANNES GRÜTZKE ALMUT HEISE GEOFFREY HENDRICKS JEAN OLIVIER HUCLEUX JÖRG IMMENDORFF HOWARD KANOVITZ KONRAD KLAPHECK PETER KLASEN MATTHIAS KOEPPEL DIETER KRAEMER KLAUS LANGKAFEL WOLFGANG MATTHEUER RUNE MIELDS MAINA-MIRIAM MUNSKY PETER NAGEL LOWELL NESBITT PHILIP PEARLSTEIN WOLFGANG PETRICK UWE PFEIFER HANS PETER REUTER GERHARD RICHTER FRANZ SEQUENC PETER SORGE VOLKER STELZMANN NORBERT STOCKHUS JAN PETER TRIPP WERNER TÜBKE DIETMAR ULLRICH HERMANN WALDENBURG JÜRGEN WALLER BEN WILLIKENS LAMBERT MARIA WINTERSBERGER PAUL WUNDERLICH SIGI ZAHN KARLHEINZ ZIEGLER Bild linke Seite: Gerhard Richter, Teyde-Landschaft, 1971 Stiftung Museum Morsbroich Leverkusen Dauerleihgabe Kunstverein Museum Schloss Morsbroich Die Städtischen Museen Heilbronn präsentieren von 31. 3. bis 1. 7. 2012 unter dem Titel «Aufbruch Realismus - Die neue Wirklichkeit im Bild nach ´68« eine umfassende Ausstellung, welche die unterschiedlichen RealismusTendenzen in der Malerei der Siebziger Jahre aufzeigt. Die Ausstellung ist in der KUNSTHALLE VOGELMANN und im MUSEUM IM DEUTSCHHOF zu sehen. Unterschiedliche Strömungen und Ereignisse - wie die Pop-Art in den USA, die Wiederentdeckung von Neuer Sachlichkeit und Surrealismus, die zunehmende Politisierung der Gesellschaft und die Studentenrevolte in Berlin - trugen dazu bei, dass die Siebziger Jahre der gegenständlichen Kunst neue Perspektiven eröffnet haben. Nach 1968 wurden an verschiedenen Orten in Deutschland, aber auch in den Nachbarländern und in Amerika fast gleichzeitig unterschiedliche Realismen - vom Fotorealismus über den Kritischen Realismus bis hin zum Phantastischen Realismus - entwickelt. In der Heilbronner Ausstellung werden erstmals im Rückblick die verschiedenartigen Formen und Facetten der Realismustendenzen jener Zeit beleuchtet. Neben internationalen Positionen von Robert Cottingham, Don Eddy, Howard Kanovitz, Lowell Nesbitt u. a. werden vor allem Künstler aus der Bundesrepublik Deutschland wie Harald Duwe, Konrad Klapheck, Peter Nagel, Gerhard Richter, Jan Peter Tripp, Ben Willikens, aber auch eine ganze Reihe von nie entdeckten oder wieder vergessenen Künstlern vertreten sein. Die von Dieter Brunner (Ausstellungsleiter) kuratierte Ausstellung wird begleitet durch einen umfassenden Katalog (144 Seiten, Hardcover, mit wissenschaftlichen Abhandlungen und mit den Abbildungen der in der Ausstellung gezeigten Exponate). Die Ausstellung wird umrahmt von einem umfangreichen Begleitprogramm.

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Jan Peter Tripp, Der Lauf der Dinge, 1975/76, Privatbesitz

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Dieter Asmus, Vitaminbombe, 1976 Sammlung Jaeschke, VG Bild-Kunst, Bonn 2012

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Robert Cottinham, Boulevard Drinks, 1976, Hamburger Kunsthalle © bpk, Foto: Elke Walford

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Howard Kanowitz, One by Threes, 1971 Galerie Michael Haas, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Hans Peter Reuter, Stadtbad ohne Ding, Privatbesitz, Nr. 89-91, 1975, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS

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KUNSTREGION: AUFBRUCH REALISMUS Harald Duwe, Ein Platz an der Sonne, 1973 Courtesy Galerie Poll, Berlin

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IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN »BERLIN IST MEINE L I E B L I N G S S T A D T, GLEICH NACH HEILBRONN« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ALEXANDER MIRSCH

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INTERVIEW DES MONATS: HERBERT FEUERSTEIN zur Person: Herbert Feuerstein ist den meisten als Harald-Schmidt-Sidekick aus »Schmidteinander« bekannt. Dabei kann der 72-jährige auf ein bewegtes und erfolgreiches Leben zurück blicken. Wir sprachen mit dem Tausendsassa, der am 20. April im Alten Theater auftritt, über seine freiwillige Exmatrikulation, sein Leben in New York und sein Wirken als Chefredakteur des MAD-Magazins. HANIX -- Herr Feuerstein, am 20. April treten Sie im ALten Theater in Heilbronn mit ihrer Lesung «Reisen und andere Katastrophen« auf. Kennen Sie das Alte Theater bereits? HERBERT FEUERSTEIN--Mit den Erinnerungen an Städte in denen ich aufgetreten bin, ist das immer so eine Sache. Meistens kommt man spät nachmittags an, tritt abends auf und ist dann schon wieder weg. Ich weiß aber dass ich schon einige Male im Zuge einer Lesereihe und auch für eine Theatertournee in Heilbronn war. Außerdem war in der Nähe ein ehemaliger Mitarbeiter von mir ansässig. Eine Frage von mir, ist da nicht auch die Götzenburg in der Nähe? Hier hatte ich vor längerer Zeit für das Morgenmagazin einen Dreh und ich kann mich noch erinnern dass auch ein Sommertheater stattgefunden hat. HANIX --Richtig. Die Götzenburg ist in der Nähe und die Umgebung hier ist natürlich sehr schön. Aber zurück zu ihrem Auftritt im April im Alten Theater. Sie erzählen von ihren Reisen um die Welt. Was dürfen Besucher der Veranstaltung noch erwarten? mehreren TV-Sendern wie ARD, SAT1 oder den dritten Programmen gelaufen ist. Ich dachte mir irgendwann, dass man hierzu was über das TV-Format hinaus machen müsste. Dann habe ich zusätzlich drei Reisebücher geschrieben und aus denen werde ich lesen, immer unterstützt von kurzen Einspielern der Fernsehsendungen, so dass man gedankliche Eindrücke der Bücher vergleichen kann mit der Serie. Sprich: Wie ist denn sowas mit dem Filmteam und allen Beteiligten umgesetzt worden. Das es »Reisen und andere Katastrophen heißt« ist einfach so entstanden, weil irgendwie alles was so in meinem Leben passiert ist und was ich gemacht habe, als Katastrophe, im positiven Sinne, gesehen wird. Natürlich nur von mir, ich hoffe nicht auch von den anderen Menschen. HANIX --Die Besucher müssen also keine Angst vor einem langweiligen DIA-Abend haben, wie man ihn von Besuchen bei unbeliebten Verwandten kennt? HERBERT FEUERSTEIN--Ich habe das Ganze bestimmt schon Ausgangspunkt der Lesereise war die Fernsehsendung »Feuerstein´s Reisen«, die auf HERBERT FEUERSTEIN--Der 200 mal gemacht und eingeschlafen ist Gott sei Dank noch niemand. Die Besucher erwartet ein interessantes, spannendes und abwechslungsreiches Programm. HANIX --Polarkreis, Himalaja, Afrika - gibt's eine

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INTERVIEW DES MONATS: HERBERT FEUERSTEIN Region, die Sie besonders beeindruckt hat? würde sagen, es ist immer die letzte Reise, die man am schönsten findet. Ich bin jetzt in einem Alter in dem man nicht mehr so locker herumreist sondern alles ein wenig bequemer und geplanter angeht. Früher bin ich natürlich immer abenteuerlustig und experimentell gestartet. Ich habe mir immer eingebildet, dass ich mit nur einem Handkoffer um die Welt reise, was ich dann teilweise sogar gemacht habe. Im Gegensatz dazu muss eine Reiseserie sehr exakt vorbereitet sein, womit man dann oft automatisch in den Konflikt zwischen Vorbereitung und dem was dann tatsächlich passiert kommt. Der Reiz an Reisen ist aber auch, dass es immer Dinge gibt die anders passieren als geplant. HANIX --Was für ein Bild der Schwaben treffen Sie auf Ihren Reisen an? Sie haben doch Schwaben auf ihren Reisen getroffen? HERBERT FEUERSTEIN--Ich nicht in der EU war, war es immer recht beschwerlich mit Visa-Anträgen und so weiter, die man benötigte um andere Länder zu bereisen. Somit war dies für mich wie gesagt eine rein praktische Entscheidung. HANIX --Vor fast 55 Jahren sind Sie in Salzburg vom Mozarteum geflogen. Wie kam es dazu? wurde biografisch etwas verzerrt. Man hat mich nicht rausgeschmissen, man hat mir nur nahegelegt zu gehen, da es immer wieder Auseinandersetzungen gab. Ich bin aber freiwillig gegangen. Es hat auch schon lange eine Versöhnung mit der Institution und dem Nach-Nach-Nachfolger des damaligen Präsidenten gegeben. HANIX --Sie haben sich also mehr oder weniger selbst exmatrikuliert und sind mit Anfang 20 nach New York gegangen. Eine Karriere als Penner im US-Moloch war eigentlich vorprogrammiert. HERBERT FEUERSTEIN--Das hab ja lange mit eine Schwaben namens Harald Schmidt zusammengearbeitet, daher sind mir die kulturellen Gepflogenheiten durchaus geläufig und nicht unsympathisch. Zumal ich ja auch in Stuttgart Theater gespielt habe. Grundsätzlich gibt es aber kaum eine Ecke, die mir nicht geläufig ist. Ich kann mich allerdings erinnern, dass es etwas schwierig ist wenn man das Badische erwähnt, da die Baden ja wohl keine richtigen Schwaben sind. HANIX --Heilbronn liegt ja so mittendrin im schwäbisch-badisch-fränkischen Bermudadreieck... HERBERT FEUERSTEIN-- Ich habe auch sechs Jahre in einer ähnlichen Gegend im Bayerischen gewohnt und bei Ausflügen wusste man irgendwie nie so richtig wo man war. In Hessen, Baden-Württemberg oder doch in Bayern. HANIX -- Sie haben Anfang der Neunziger die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt und wurden Deutscher. Wieso eigentlich? Seitdem geht es mit Österreich bergauf, mit Deutschland abwärts. HERBERT FEUERSTEIN--Ich war wohl nicht nur ein mutiger sondern ein fast schon wahnsinniger Schritt, den ich heute, mit jetzt vorhandener Lebenserfahrung, definitiv nicht wiederholen würde. Es kamen damals mehrere Gründe zusammen und ich habe den Schritt einfach gemacht. Ich hatte ja noch nicht mal die Möglichkeit zurückzukehren. Ich bin dann immerhin zehn Jahre geblieben, die nicht zu den angenehmsten aber mit Sicherheit spannendsten Lebensjahren gehören. HANIX --Gefiel ihnen die Stadt? HERBERT FEUERSTEIN--Es gefällt mir die Stadt, damals aber eher nicht. New York ist sehr angenehm wenn man sich das einigermaßen leisten kann. Wenn man aber irgendwie am Bodensatz angekommen ist und aus dem abgesicherten deutsch-österreichischem sozialen Netz kommt und sich dann dort dem Existenzkampf stellen muss, ist es eben nicht so einfach. Auch darüber erzähle ich, zumindest ein wenig, in meinen Lesungen. HANIX --In den 1960ern erschien in Deutschland das Satiremagazin Zeit dort. HERBERT FEUERSTEIN--Ich hatte angefangen als Korrespondent aus New York ein bisschen für den Pardon-Verlag zu schreiben. Dies liegt allerdings sehr lange zurück. Meine wichtige Zeit die kam dann erst als ich 20 Jahre lang, ab Anfang der siebziger Jahre, das MAD-Magazin gemacht habe. HANIX --Herr Feuerstein, wie verrückt muss man für 20 Jahre MAD sein? »Pardon«. Erzählen Sie von ihrer HERBERT FEUERSTEIN--Inzwischen war das eigentlich nur eine praktische Entscheidung. Ich habe fast immer im Ausland und nicht in Österreich gewohnt, außer vielleicht in meinen ersten 20 Lebensjahren. Ich fühle mich aber sowieso nicht irgendeiner Gruppe oder einer bestimmten Nationalität zugehörig. Ende der achtziger Jahre gab es einen relativ einfachen Weg die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, man musste nur nachweisen dass man zehn oder 15 Jahre in Deutschland gelebt hat und sich nichts zu Schulden hat kommen lassen. Da Österreich damals noch HERBERT FEUERSTEIN--Grundsätzlich

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INTERVIEW DES MONATS: HERBERT FEUERSTEIN kann ich nicht beurteilen, man macht eben - einfach gesagt - eine Zeitschrift. Warum und weshalb ich vielleicht der Richtige oder verrückt genug war, müssen schon andere beantworten. HANIX --Die Auflage war mit 300.000 unter Ihrer Leitung höher als die gesamte Auflage aller anderen «MAD«-Hefte weltweit. HERBERT FEUERSTEIN--Das dem man Filme fast nie in Originalsprache mit Untertiteln sieht. Hier wird alles sofort verdeutscht und synchronisiert. Es gibt mit Sicherheit aber viele Ursachen für den Erfolg. Mittlerweile existieren schon Magister- und Doktorarbeiten, die sich mit dem Erfolg von Mad beschäftigen. HANIX --Bei welchem Magazin wären Sie heute gerne Chefredakteur? Und wieso? waren wir einfach so gut, hatten tolle Mitarbeiter, tolle Vorlagen. Vielleicht war Deutschland, aufgrund der Vertrautheit mit der amerikanischen Filmkultur von Kindheit an, einfach auch prädestiniert dafür. Es gibt ja kaum ein Land wie Deutschland, in HERBERT FEUERSTEIN--Wahrscheinlich glaube sie haben vergessen, dass ich 75 Jahre alt bin. Ich bin wahnsinnig froh, wenn ich das Pensum, was ich mir momentan auferlegt habe, schaffe. Zum Entsetzen meiner Frau arbeite ich momentan ein bisschen zu viel und versuche das einfach mal ein wenig HERBERT FEUERSTEIN--Ich

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INTERVIEW DES MONATS: HERBERT FEUERSTEIN zu reduzieren. Ich habe ja auch eigentlich alles das, wozu ich irgendwann mal Lust hatte, gemacht. Das ist eben der Vorteil, wenn man als Journalist anfängt und sich nicht von vornherein festlegt. Ich habe mein Leben immer alle zehn Jahre irgendwie verändert, sowohl räumlich als auch zeitlich. HANIX --Bereuen sie die stetige Veränderung oder war dieses Lebenskonzept das richtige für Sie? HERBERT FEUERSTEIN--Weder das Eine noch das Andere. Es gibt sicherlich eine Menge Dinge, die man bereut, aber auch viele Dinge die man richtig gemacht hat. So eine Art Lebensbilanz mag ich mir nicht zumuten und das ist auch ein sehr schwieriges Thema. HANIX --Wohin wird ihre nächste Reise gehen? ziemlich furchtbar wäre. Auf der anderen Seite ist das Leben nun mal ein einziges Abschiednehmen. Wohin die nächste große Reise geht ist noch offen, da dies auch ein wenig vom Arbeitsrhythmus meiner Frau, die als Redakteurin arbeitet, abhängt. Meine nächste Reise geht nach Berlin, meiner derzeitigen Lieblingsstadt, gleich nach Heilbronn. Die nächste große Reise wird wohl wieder mal in den asiatischen Raum gehen. Hier habe ich schon viele Länder von Vietnam, Birma über Laos, Thailand bis hin nach Malaysia, welches ich sogar ein wenig als meine Entdeckung anpreise, gesehen. Die Welt liegt einem heutzutage so bequem zu Füßen, das man kaum aufhören kann zu reisen. HANIX --Herr Feuerstein, was ist für Sie das Faszinierende am Reisen? bin gerade zurückgekommen von meiner Lieblingsinsel Fuerteventura, auf der man stundenlang einsam liegen kann ohne jemanden zu sehen. Leider habe ich jetzt gelesen, dass die dortige Regierung dabei ist, Ölbohrungen vor der Insel zuzulassen, was für mich HERBERT FEUERSTEIN--Ich ist die unmittelbare Neugier und die Auseinandersetzung mit vielen anderen möglichen Lebensweisen und Gesellschaften. Natürlich aber auch die Natur und die Wunder die es überall zu sehen gibt. Aber hauptsächlich ist es bei mir, wie gesagt, die Neugier. HERBERT FEUERSTEIN--Es schick & springer Weine einen Weinabend mit guten Freunden geniessen ... sprechen sie uns an ! Öffnungszeiten Donnerstag 15 - 19.30 Uhr Freitag 15 - 19.30 Uhr Samstag 10 - 14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung schick & springer Weine Kübelstraße 58, 74076 Heilbronn T 07131 64 99 80 - 0 F 07131 64 99 80 - 1 weine@schickundspringer.de www.schickundspringer.de

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01 02 03 04 Amaranth Kichererbsen Mais Reis 05 06 07 08 Hirse Linsen Quinoa Grünkern AUSLÄNDER »»»ZEIT FÜR VERÄNDERUNG »»»ICH MUSSTE FÜR JEDES KLISCHEE HERHALTEN »»»KÄTHCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND »»»AMICALE DES FRANCAISE DE HEILBRONN Ein Gespräch über Schwaben, Germanophobie und Esskultur Bei der zwölften Käthchen-Wahl wurde erstmals eine Migrantin gewählt Ein Gespräch mit Murat Erimel über Integration Ein Streifzug durch Alt-Böckingen. »»»AUSLÄNDER IN DEUTSCHLAND Eine Fotostrecke von China Hopson »»»INTEGRATIONSBEIRAT DER STADT HEILBRONN Die Stabstelle Integration ist die zentrale Kontaktstelle rund um das Thema Integration »»»ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN Unser kleiner Migrations-Almanach Wer die Gepflogenheiten eines Landes nicht kennt, hat auf Reisen schlechte Karten »»»ADRESSEN, KALENDER, SERVICE

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z eit Für v erÄn DerunGen TEXT UND FOTOS: MARIA SANDERS

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Der He i l b ro n n e r St a d t t e i l A l t - Böckingen ist bekannt für seine günstige n Wo h n u n g e n , s e i n p u r i s t i s ches Stadtbild und die hohe Anzahl von Bü r g e r n m i t Mi g r a t i o n s h i n tergr und. Ein Gang durch die Straßen zeig t d i e s c h ö n e n Se i t e n d e s Or tsteils, ebenso wie Gelegenheiten zur Ver b e s s e r u n g . Wi r h a b e n n a c h g efragt, wie die Menschen ihren Wohnor t w a h r n e h m e n . Mit sechs Jahren kam das junge Mädchen nach Deutschland. In den 1970iger Jahren wurden eine Zeit lang Arbeitskräfte im Bauwesen gesucht. Ihr Vater bewarb sich um eine Stelle, und wurde prompt genommen. »Er ist durch und durch ein Familienmensch«, schwärmt Anna Caprifico D'Ostuni, »und wollte immer nur das Beste für uns.« 1400 Kilometer trennten damals die junge Familie über mehrere Monate voneinander. Ihre Mutter blieb mit den Kindern in Apulien, eine Region südöstlich von Italien, und ihr Vater arbeitete in Heilbronn. »Wir haben ihn so schrecklich vermisst«, erinnert sich Caprifico D'Ostuni an die Zeit. Nach knapp vier Monaten zogen auch seine Frau und vier Kinder nach Deutschland. Die heute 46-Jährige hielt vor kurzem Fotos in der Hand, die ihre Mutter ihrem Vater geschickt hat. Zum ersten Mal habe sie die liebevollen Worte bemerkt, die ihre Mutter auf die Rückseite der Fotos geschrieben hat. »Ich musste weinen.« Dann geht plötzlich die Glastür der Bäckerei auf. Sie knarrt. Eine ältere Dame tritt herein und kauft ein Weizenbrot. »Ich dachte schon, ich bekomme keins mehr«, sagt die Kundin ganz erleichtert, als Anna Caprifico D'Ostuni ihr das Brot über die Ladentheke reicht. »Darf es noch etwas sein«, fragt Bäckereifachverkäuferin Anna freundlich. Die Kundin schüttelt zufrieden den Kopf, und legt das Brot in ihren grauen Stoffbeutel. »Ade«, ruft die ältere Dame und verlässt das Geschäft. Für einen kurzen Augenblick schaut sie ihr nach. APFELTASCHEN »Es war schon immer mein größter Traum, ein eigenes Geschäft zu haben«, sagt Anna Caprifico D'Ostuni. Heute führt sie ihre eigene kleine Bäckerei in der Ludwigsburger Straße in Alt-Böckingen. Das Geschäft erinnert an die beinahe ausgestorbenen Tante-EmmaLäden, in denen es von allem ein bisschen zu kaufen gab. Inhaberin Caprifico D'Ostuni bietet neben verschiedenen Brot- und Brötchensorten, Apfeltaschen und anderen süßen Versuchungen, auch Eier, Mehl, Marmelade und Leberwurst in Büchsen an. Anna Caprifico D'Ostuni ist in Alt-Böckingen aufgewachsen. Am Anfang war es schwer. »Ausländer stinken, haben die Kinder immer gesagt«, erinnert sich die gelernte Fleischwarenverkäuferin. »Das hat mich sehr verletzt.« Die Erwachsenen waren freundlicher. Ein gutes Jahr hat es gedauert bis Anna Caprifico D'Ostuni und ihre Familie von ihren deutschen Nachbarn voll akzeptiert wurden. Dann änderte sich alles. Sie hat viele Freunde gefunden und erreichte gute Leistungen in der Schule. »Alt-Böckingen ist meine zweite Heimat geworden«, sagt sie. Am liebsten erinnert sie sich an ihre deutsche Ziehoma - eine ältere Nachbarin, die immer nach ihr und ihren Geschwistern schaute. »Onele, hat sie mich immer genannt«, schwelgt sie in Erinnerung und lächelt zufrieden. Von ihr habe sie auch das Häkeln gelernt. PFLANZEN Ein paar Straßen weiter steht eine Gruppe Jugendlicher

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Der Werkrealschüler fühlt sich wohl in seinem Wohnor t . Ab e r er gibt auch zu, dass es ihm besser gefallen hat, als mehr P f l a n zen um das Bürgerhaus herum angelegt waren. Vor ein paa r Jahren gab es noch Sitzbänke hinter dem Bürgerhaus. »Die s i n d jetzt auch weg«, sagt der Jugendliche. neben dem Bürgerhaus in der Kirchsteige. »Wir sind fast jeden Tag hier«, sagt Egzon Qorri (15) und lehnt sich an die Hauswand. Um ihn herum seine Freunde. Sie machen Witze, haben Spaß und trinken Cola. Der Werkrealschüler fühlt sich wohl in seinem Wohnort. Aber er gibt auch zu, dass es ihm besser gefallen hat, als mehr Pflanzen um das Bürgerhaus herum angelegt waren. Vor ein paar Jahren gab es noch Sitzbänke hinter dem Bürgerhaus. »Die sind jetzt auch weg«, sagt der Jugendliche. Seine Leidenschaft gilt dem Fußball. Entweder ist er mit seinen Freunden draußen am Kicken, oder er spielt mit Freund Jamal (19) Schach im Jugendzentrum. CASINOLAND Auch Selcuk Yilmaz steht in der Gruppe neben dem Bürgerhaus. Der 34-Jährige ist sich sicher: »Die Mitarbeiter des Jugendtreffs machen einen guten Job.« Sie kümmern sich um die Belange der Jugendlichen und hören ihnen zu. Als er von den kurzen Öffnungszeiten erzählt, hören ihm die anderen Jungs in der Runde plötzlich aufmerksam zu. »Schade, dass es nicht so lange geöffnet ist«, sagt der gelernte Industriemecha78 troniker und Teilezurichter. Dienstags ist das Jugendzentrum geschlossen. Montags, mittwochs, donnerstags und freitags hat es jeweils vier Stunden geöffnet. Yilmaz ist selber Familienvater von drei Töchtern und weiß, wie wichtig Unternehmungen und eine gute Betreuung für Kinder und Jugendliche sind. Deswegen kann er die Arbeit der Sozialpädagogen im Jugendzentrum nur gutheißen. Angeboten werden zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung, Gesellschaftsspiele, Tischkicker und Tischtennis. Aber auch gemeinsame Tagesausflüge oder längere Freizeiten in den Ferien werden unternommen. Schlimm findet er: »Alt-Böckingen ist ein richtiges Casinoland geworden«, sagt er mit runzeliger Stirn. Selcuk Yilmaz zählt alle mit den Fingern auf und gibt zu bedenken, wie schädlich das für Jugendliche ist. Jugendliche haben nicht die Erfahrung wie Erwachsene, und könnten schnell in Versuchung geraten. Warum er dennoch gern in dem Stadtteil wohnt? Weil es klein und gemütlich ist. »Man kennt sich.« STROMKABEL Sauber sind die Straßen von Alt-Böckingen. Dennoch wirken sie karg, irgendwie lieblos. Entlang der Klin-

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genberger Straße gibt es unter anderem einen kleinen Getränkemarkt, eine Bäckerei und ältere Wohnhäuser. An vielen Hauswänden bröckelt der Putz herunter, und Stromkabel verlaufen von einem Fenster zum anderen. Einige Geschäfte stehen leer. Andere widerum stehen voll mit Gerümpel oder alten Möbelstücken, die Fußgänger durch die Schaufensterscheibe unmittelbar sehen können. Ligia Costache findet es schade, dass mittlerweile kaum noch Bekleidungsgeschäfte existieren. »Die tragen doch auch zum Flair einer Stadt bei«, sagt die Alt-Böckingerin, die mit ihrer zweijährigen Tochter Cheyenne gerade vom Mutter-Kind-Turnen kommt. Wenn sie für sich oder ihre Tochter Anziehsachen einkaufen möchte, muss sie immer erst mit dem Auto nach Heilbronn fahren. »Wie schwierig ist es dann erst für die älteren Menschen.« Die 33-Jährige beschreibt, was ihrer Meinung nach eine gute Infrastruktur ausmacht: Verschiedene Lebensmittel- und Bekleidungsgeschäfte, Cafés, Parkanlagen und einfach mehr Leben auf der Straße. Besonders nachdenklich stimmt Mutter Ligia das Miteinander im Stadtteil an. »Es muss ein Platz geben, an dem die Menschen wieder zusammenkommen.« Die Böckinger seien mehr für sich. Freude und Herzlichkeit fehle. Was sie in Alt-Böckingen hält, ist ihre Arbeit, die ihr großen Spaß macht. »Außerdem habe ich eine tolle Chefin«, sagt Costache und zeigt auf das gegenüberliegende Geschäft, in dem sie arbeitet. »Das findet man nicht überall.« GEMEINSCHAFT Das Thema Zusammenhalt im eigenen Stadtteil beschäftigt ebenfalls Ivan Krajnc (Name von der Redaktion geändert). »Wir müssen an unserer Gemeinschaft arbeiten«, sagt der gebürtige Sontheimer. »Erst wenn wir wieder näher zusammenwachsen, können wir auch gemeinsam was bewegen.« Krajnc wünscht sich ein schöneres Alt-Böckingen, in dem man gerne lebt. Nicht, weil man es nur gewohnt ist und nichts anderes kennt, sondern, weil es sich dort gut lebt. Der 46-Jährige spricht neben dem äußeren Erscheinungsbild des Stadtteils, auch die dort lebenden Menschen an. »Mir ist aufgefallen, dass hier nicht mehr viele Deutsche leben«, so Krajnc. Er findet eine ausgewogene Mischung aus deutschen und ausländischen Bürgern sehr wichtig. Nur so könne Integration stattfinden. »Aber dafür muss der Stadtteil wieder attraktiver werden.« Ein guter Anfang könnte ein Straßenfest im Herzen Alt-Böckingens sein.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER www.facebook.com/memografie

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» I C H F Ü H LT E , D A S S I C H FÜR JEDES KLISCHEE, OB ALS WESSI, TÜRKE ODER M O S L E M , H E R H A LT E N MUSSTE« zur Person: Murat Erimel (41) Geb. 26.11.1970 in Berlin Verheiratet mit Katrin Michl-Erimel. Zwei Kinder - Sami Luis (5) und Ela Mavi (1) Grundschule und Abitur in Heilbronn: Wilhelm-Hauff-Schule Heilbronn (WHS), Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn (RMG), Wirtschaftsgymnasium (GvSS) Studium: KMW Kommunikations- Medienwissenschaft + Amerikanistik (Uni Leipzig) Aktuell: Seit 2008 Director Marketing, PR & Business Development (DACH) bei der internationalen Bildagentur Fotolia.com Mu r a t Erimel, der im Integrationsbeirat der Stadt He i l b ronn sitz, stand uns für ein ausführliches Int e r v i e w zum Thema Integration und Parallelgesells c h a f t en zur Ver fügung. Und er erklär t, wieso die He i l b ronner Ausländerbehörde bei den Migranten umg a n g s s prachlich auch heute noch »Ausländerpolizei« g e n a n nt wird.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KUEHNLE H A N I X -- Murat, Du wurdest als Kind der ersten Gastarbeitergeneration geboren.  Welche Erinnerungen hast Du an deine Kindheitstage in Heilbronn? Was das »Einfinden« betrifft habe ich konkret gar keine Erinnerungen mehr. Ich bin in Berlin geboren und mit den Zwischenstationen Erlangen und Nürnberg, wo mein Vater als Fermeldeelektroniker bei Standard Elektrik Lorenz SEL arbeitete, mit vier Jahren nach Heilbronn gezogen, da mein Vater bei der Firma SEL in Stuttgart eine neue Aufgabe angenommen hatte. Meine Erinnerungen beginnen erst in der Zeit, als ich in den Kinderhort kam. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich eine sehr schöne und wohlbehütete Kindheit hatte. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Hast du dich in den Zeiten des Kinderhortes und der Vorschule schon als Ausländer wahrgenommen? Leben zu haben. Er hat sich ganz einfach den Notwendigkeiten angepasst. Wenn es nach den Erzählungen meines Vaters geht, war damals auch eine ganz andere Offenheit bei den Menschen vorhanden. Die jungen Türken, hauptsächlich Männer, die nach Deutschland kamen, hatten so was wie einen Exotenbonus und Mysteriöses, im positiven Sinne. Die sogenannten Schwellenängste gab es einfach nicht. Mein Vater hat normal gelebt, er hatte viele deutsche Freunde und hat sich oft mit seinen Kollegen getroffen, die dann eben auch zu Freunden wurden und auch noch heute Freunde der Familie sind. Dann hat er meine Mutter kennengelernt, die kurze Zeit später nach Deutschland kam. Das Erste was sie tat, war einen Sprachkurs an der Volkshochschule zu belegen. So etwas wie die heutigen Integrationskurse gab es ja damals noch nicht. H A N I X -- In welcher Sprache wurde bei dir zuhause kommuniziert? Nein, überhaupt nicht. Ehrlich gesagt bin ich das erste Mal mit dem Thema Ausländer zu sein erst während meines Studiums in Leipzig konfrontiert worden. In meiner Zeit in Heilbronn hatte ich nie das Gefühl Ausländer zu sein, was mit Sicherheit nicht daran lag, dass alles multi-kulti war. Das gab es damals noch nicht. Vielleicht lag es einfach daran dass ich sowohl im Kindergarten und im Kinderhort, als auch in der Grundschule und später am Robert-Mayer- und am Wirtschaftsgymnasium überwiegend mit Deutschen befreundet war. Ich denke, wenn man nie das Gefühl hat, außen zu stehen oder fremd zu sein, ist Integration gar nicht nötig. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Wie haben deine Eltern versucht, ihre und deine Integration in Deutschland zu beschleunigen beziehungsweise zu unterstützen? Ich kann mich daran erinnern, dass meine Eltern sehr viel Wert darauf legten, dass auch ich zu Hause türkisch spreche. Dadurch, dass ich außer Haus kaum türkisch sprechen konnte, wollten sie mich einfach auch an meine türkischen Wurzeln erinnern und diese bewahren. Aber am Anfang habe ich mich sehr schwer damit getan mit meinen Eltern türkisch zu sprechen. Ich habe immer in breitem schwäbisch geantwortet. Mein Vater erzählte mir, dass ich nach einem sechswöchigen Türkeiurlaub auf einmal immer mehr türkisch gesprochen habe und auch lernen wollte. Dies lag wohl daran, das ich beim Murmeln spielen mit türkischen Kindern immer gehört habe, wie sie ihre Strategien absprechen um mich zu besiegen und es mich unheimlich gefuchst hat, es zwar zu hören, aber nicht antworten zu können. M U R AT E R I M E L -- HANIX -- kutiert? M U R AT E R I M E L -- Habt ihr innerhalb der Familie auch über die Nichtintegration eurer Landsleute dis- Die Notwendigkeit der Integration war meinen Eltern schon immer bewusst. Als mein Vater 1958 nach Berlin kam und dort zehn Jahre unverheiratet lebte, hat er sich einfach integrieren müssen, um Spaß am M U R AT E R I M E L -- Die Nichtintegration anderer türki-

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER scher Familien war in meiner Familie permanent ein Thema. Damals gab es sogenannte türkische Vertrauensleute oder Ansprechpartner, zu denen Türken gehen konnten, wenn sie irgendwelche Fragen zu Formularen, Behördengängen oder Konsulatsangelegenheiten hatten. Da die Vertrauensleute meist diejenigen waren, die am besten deutsch sprachen, wollten viele, dass mein Vater ebenfalls so eine Rolle übernimmt, was er aber nicht wollte. Ich habe mich oft gewundert, wenn mein Vater unseren Freunden einfache Dinge erklären musste. An eine Anekdote erinnere ich mich besonders. Ein türkischer Freund meines Vaters kaufte sich immer nur Mischbrot beim Bäcker, weil dies das einzige Brot war dessen Namen er kannte. Irgendwann bat er meinen Vater einen Roggenlaib für ihn zu bestellen. Mein Vater konnte es nicht fassen. Er ermahnte seinen Freund, dass dieser unbedingt deutsch lernen müsse. »Was wäre denn, wenn das Mischbrot morgen aus dem Sortiment genommen wird? Dann wirst du verhungern«, hat mein Vater seinem Freund gesagt. Im Nachhinein war dies damals natürlich verständlich, doch dass es diese Probleme auch 20 Jahre später noch gibt, ist für mich nicht nachvollziehbar. So begleitet meine Mutter teilweise heute noch Freundinnen zum Arzt als Übersetzerin. In der Türkei sagt man 'eine Sprache ein Mensch, fünf Sprachen fünf Menschen', dass heißt mit jeder neu erlernten Sprache erweitert man einfach seinen Horizont, danach hat mein Vater stets gelebt. H A N I X -- Kannst Du dich an den Moment erinnern als Du als junger Mensch erstmals zu spüren bekommen hast, das Du kein Deutscher bist? auch nicht mehr tat. Es gab aber auch die andere Seite. Ich habe es in Leipzig sehr vermisst türkisch zu sprechen. Doch dann änderte sich das schlagartig. Ich hatte etwas auf dem Türkischen Konsulat zu erledigen. Die Notschaftsmitarbeiter baten mich, einem Türken ich um Hilfestellung beim Behördengang zum Standesamt zu geben und für ihn zu übersetzen. Die Beamten waren sichtlich erfreut, dass ich das Sprachproblem für sie löste und schickten mich mit dem Mann zu einem Fremdsprachenbüro, um die benötigten Dokumente übersetzen zu lassen. Als dem Chef des Fremdsprachenservice auffiel, wie gut ich deutsch sprach, dachte er erst ich sei Deutscher der türkisch kann. Angetan von von meinen 'Deutschkentnissen' bat man mir auf der Stelle an, für sie zu arbeiten. So ergab sich für mich ein interessanter Nebenjob als Übersetzer und ich wurde so oft zu Terminen bei Gericht, bei der Polizei oder bei Behörden geschickt. H A N I X -- Wie hast Du Heilbronn als jungendlicher wahrgenommen. Eine angenehme Stadt für Migranten? Das erste Mal damit konfrontiert wurde ich an der Uni. Ich habe in Leipzig studiert. Dort hieß es ständig »ihr Wessis seht es so, wir Ossies sehen es so« und umgekehrt. Man war schon darauf aus, bewusst den Unterschied zu kommunizieren. Allerdings war dies für mich nicht dramatisch, denn all meine damaligen Freunde waren ja sogenannte Wessies, also war ich es auch. In einem Literaturseminar in Amerikanistik, in dem es um Race and Gender und beispielsweise um die Black Muslim Bewegung, die Black Panther Party und den Islam oder auch Frauenrechte ging, wurde ich immer wieder um meine Meinung gefragt. Erst als Moslem und dann als Türke. Da fühlte ich, dass ich irgendwie für jedes Klischee, ob als Wessi, Türke oder Moslem, herhalten musste. Wie eine Schachfigur wurde ich einmal in diese und dann in die nächste Gruppe »geschoben«. Natürlich hatte ich darauf keine Lust und wollte mich auch nicht immer zu allen Dingen äußern müssen, was ich dann M U R AT E R I M E L -- Ja, für Heilbronn und meine Jugend kann ich das durchaus sagen. Ich fand Heilbronn alles in allem immer sehr entspannt und hatte nie Probleme. Ob dies jetzt aber typisch für Heilbronn ist oder einfach an der damals anderen Zeit lag, vermag ich nicht zu beantworten. Ich fand der Umgang miteinander war einfach entspannter und offener. Eine Sache habe ich aus meinen Kindheitsund Jugendtagen allerdings im Kopf, die ich immer sehr sinnvoll fand. Ich habe es nie erlebt, dass es ein Übergewicht an nicht-deutschen Kindern oder Jugendlichen, sowohl in der Schule als auch in Vereinen oder in meiner Clique, gab. Ich denke ein gesundes »Mischverhältniss« zwingt auch alle Menschen, sich zu bewegen und aufeinander zuzugehen. Ich verachte sogenannte »Parallelgesellschaften« nicht, bin aber der Meinung, dass solche Gesellschaftsstrukturen es den Leuten nun mal sehr bequem machen. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Empfindest Du es als Rückschritt der Integrationsarbeit, dass inzwischen versucht wird, Integration zu systematisieren und zu planen? M U R AT E R I M E L -- Ein Stück weit schon. Das Thema ist sehr ambivalent, es ist natürlich richtig über die Problematik zu sprechen, zumal man es 40 Jahre kaum, auf jeden Fall zu selten und ohne die nötige Ernsthaftigkeit getan hat. Der Anfang kommt aber viel zu spät, da gewisse Dinge, über die hier gesprochen wird, in anderen Ländern schon lange Gang und Gebe sind. Manchmal ist es unfassbar welche Kleinigkeiten beispielsweise auf der Agenda des Inte-

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER grationsgipfels des Innenministeriums stehen. Ich selbst bin ehrenamtlich tätig im Integrationsbeirat der Stadt Heilbronn und wundere mich immer wieder, über welche Basisthemen noch gesprochen wird. Ich denke einerseits ist dies natürlich gut, auf der anderen Seite ist dies meiner Meinung nach auch Teil des Problems, da man soviel diskutiert und das Problem, so glaube ich, oftmals größer gemacht wird als es ist. H A N I X -- Zum Studieren warst Du dann in Leipzig. Wie hast Du die Ostzone als Migrant wahrgenommen? Damals war es so, dass ich auf einen Studienplatz gewartet habe. Ein Freund, der nach Leipzig zum studieren ging, hat mir dann die Stadt empfohlen. Ich habe mir Leipzig angeschaut - das Rauhe, Unfertige und hat mir sehr gut gefallen - und mich im Herbst 1993 entschieden dort hinzugehen. Als dies klar war, habe ich deutlich gemerkt, dass es viele Vorurteile gegen Ostdeutsche und das Leben dort gab, wie umgekehrt mit Sicherheit auch. Es gab schon Sätze wie »was willst du im Osten«, da sind doch so viele Rechte« und so weiter. Allerdings wollte ich mir damals schon meine eigene Meinung bilden und bin ohne jegliches Vorurteil nach Leipzig gezogen. Ich hatte dann auch nie wirklich ein Problem dort. Im Gegenteil, ich hatte eine super Zeit und viel Spaß. Allerdings sieht man schon Dinge, mit denen ich in Heilbronn nicht konfrontiert wurde. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Leipzig war doch sicher spannend. Man stellt sich als Wessi vor, dass dort Monster- und Ausländerfressende Nazihorden durch die Stadt zogen. Konntest Du überhaupt vor die Türe? Ich würde sagen i m Ve rg l e i c h zu Leipzig ist die H e i l b ro n n e r Jugend in Bezug a u f p o l i t i s c h e s Engagement lang we i l i g . Wenn man damals Samstag Mittag in der Leipziger Innenstadt in eine Straßenbahn geraten ist, die ein paar Hundert Fans, meist glatzköpfige und springerstiefeltragende VfB-Leipzig-Hools transportiert und alles schreit und gröhlt, wird man schon auch mal nachdenklich. Allein die Präsenz hat mich damals beängstigt und ich habe natürlich auch mitbekommen wie Kommilitonen, vorwiegend schwarzer Hautfarbe, tätlich angegriffen und auch verletzt wurden. Auf der anderen Seite gab es dann aber auch eine extrem starke Antifa-Gegenbewegung, wie man M U R AT E R I M E L --

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Ich wollte wieder türkisch riechen, schmecken u n d re d e n . Je des mal beim hineinfahren nach Berlin ging m i r d a s H e r z auf, weil es eben nicht nur Dönerläden sondern a u c h t ü r k i sche Optiker, Bäcker und vieles mehr gab. sie hier im Schwabenland nie erlebt hat. Die coolen Leute haben dagegen gehalten. H A N I X -- Sicher warst Du froh über die Gegenbewegung zum Rechtsradikalismus in Leipzig? Es war gut zu sehen, dass es genügend Leute gab, die gegen rechts auch aktiv etwas unternommen und Rückgrat bewiesen haben. Ich bin zwar kein Fan von gegenseitiger Gewalt oder brennenden Mülltonnen, trotzdem war es, wie eben erwähnt, gut zu sehen, dass sich Menschen auch wehren und das Klischee »der Osten ist braun« eben nicht für die Mehrheit zutrifft. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Im Vergleich zu Leipzig ist Heilbronn generell unpolitisch. Ich würde sagen im Vergleich zu Leipzig ist die Heilbronner Jugend in Bezug auf politisches Engagement langweilig. Dies liegt mit Sicherheit daran, dass M U R AT E R I M E L -- man im Ländle mit Problemen wie in Leipzig eher selten konfrontiert wird. Somit fehlt automatisch auch die Motivation sich politisch zu engagieren. Ich möchte aber auch nicht jeden über einen Kamm scheren, es gibt hier viele Menschen die sich politisch, vor allen Dingen aber im sozialen Bereich, engagieren. Trotzdem hat die Leipziger Bevölkerung einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Dies liegt aber auch an der Stadt selbst. Denken wir nur mal an die Montagsdemonstrationen oder die Nikolaikirche. Leipzig ist an sich schon sehr politisch und daran hat auch die Bevölkerung einen großen Anteil. In Heilbronn fällt mir auf, dass die Prioritäten anders gelagert sind. Hier sind die Themen, nach meinen Erfahrungen, eher ob der neueste A4 vor der Tür steht, wohin es im Sommer- und im Winterurlaub geht oder wo denn das eigene Haus gebaut wird. Dort waren es andere Kaliber: Systemwechsel, Identi-

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER tätsfindung, Zukunftsängste, Arbeitsloskeit. Auch hier aber nochmals der Hinweis das nicht jeder gleich ist und es auch in Heilbronn sehr engagierte Menschen gibt. H A N I X -- Nach deiner Zeit in Leipzig, bist Du nach Berlin gezogen. Dort hast Du - natürlich - in Kreuzberg gewohnt. Wie hast Du eine türkische Stadt mitten in Deutschland wahrgenommen? M U R AT E R I M E L -- Ich wusste schon in Leipzig, dass Berlin meine nächste Station sein muss. In Berlin musste es, trotz des ganzen sozialromantischen Gelabers, auch Kreuzberg sein. Ich wollte einfach wieder in eine türkische, nennen wir es ruhig so, Familie und habe Leipzig dann einfach als meine Deutsch-Phase gesehen. Ich wollte wieder türkisch riechen, schmecken und reden. Selbst als ich noch in Leipzig wohnte, war ich mehrmals in Berlin und jedes mal beim hineinfahren in die Stadt ging mir das Herz auf, weil es eben nicht nur Dönerläden sondern auch türkische Optiker, Bäcker und vieles mehr gab. Das war einfach toll und ich war begeistert, dass es so was mitten in Deutschland gibt. H A N I X -- Gab es Rassismus der türkischen Gemeinde gegenüber anderen ethnischen Gruppen? Ich würde es nicht unbedingt Rassismus nennen, aber klar sahen viele Türken ihren Lifestyle als den Richtigen an und wenn dann jemand kam wie ich, der auch deutsch geprägt war, habe ich schon ab und zu die Frage gestellt bekommen, ob ich Deutscher sei. Die Mülltrennung war so ein banales wie bezeichnendes Beispiel. Ich fand es immer sinnvoll das fünf Tonnen für den verschiedenen Müll vor der Haustür standen. Viele Türken in meinem Wohnhaus haben das aber nicht beachtet, was ich auch gern mal angesprochen habe. Ich habe mich aber weder in Leipzig in die deutsche Schublade noch in Kreuzberg in die türkische Schublade stecken lassen. Das war nie meins. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Inzwischen lebst Du wieder in Heilbronn, bist mit einer deutschen Frau verheiratet und ihr habt zwei deutsch-türkische Kinder. Wie erzieht ihr eure Kinder zu aufgeschlossenen Menschen? gestalten. Bei meiner Frau und mir sind die Unterschiede eher gering und, sagen wir mal, indirekt. Wenn ich darüber nachdenke, welchen türkischen Eigenheiten meine Frau bei mir sieht, ist das bestimmt nicht das berühmt-berüchtigte Ehrgefühl sondern eher »altmodische« Dinge wie Achtung vor dem Alter oder rücksichtsvoller Umgang miteinander. Oder nehmen wir das Beispiel Familienverbundenheit, die bei mir sehr ausgeprägt ist. Ich habe fast immer mit meinen Eltern Urlaub in der Türkei verbracht, einfach nur weil dort unsere Familie war. Wenn es mal Dinge gibt, die meine Frau in Bezug auf ihre Familie anspricht oder die sie stören, sage ich als allererstes immer, dass es ihre Familie ist und sie hier toleranter mit Dingen umgehen soll als mit anderen Menschen, somit aber auch eher Fehler akzeptiert und auch mal eher Fünfe gerade sein lassen kann. Die Religion, vielleicht der, oberflächlich betrachtet, größte Unterschied zwischen meiner Frau und mir, haben wir in unserer Beziehung und auch in der Erziehung ziemlich nachgelagert. Ich bin Moslem und meine Frau ist evangelisch. Unsere Kinder sollen beides mitbekommen, sich aber, wenn sie soweit sind, selbst entscheiden welchen Weg sie einschlagen. Mein Sohn geht in einen evangelischen Kindergarten und, speziell zur Weihnachtszeit, gibt es hier natürlich auch einen kirchlichen Zusammenhang, den man allein bei den Bastelarbeiten der Kinder sieht. Wir halten es so, wir Weihnachten oder auch Bayram in der großen Runde feiern, gemeinsam mit meiner Mutter und meinem Bruder und der Oma und auch Freunden. Man kann vielleicht zusammenfassend sagen dass ich nicht »typisch« türkisch und Katrin nicht typisch »deutsch« ist. Somit prallen auch nicht wirklich zwei verschiedene Welten aufeinander. Im Gegenteil, das passt gut. H A N I X -- Du bist Mitglied des Integrationsbeirates der Stadt Heilbronn. Welche Aufgabe hat dieser Beirat? Und wer sitzt darin? meinem Sohn spreche ich fast ausschließlich deutsch und nur phasenweise, eher selten, türkisch. Die von dir angesprochenen Kompromisse ergeben sich eigentlich von selbst. In sogenannten Mischehen unterstellt man immer kulturelle Unterschiede, als sei es quasi vorprogrammiert. Ich denke, es liegt eher an den zwei Menschen, die sich finden und dann eine gemeinsame Zukunft M U R AT E R I M E L -- Mit Integrationsbeirat wurde vor über drei Jahren von der Stadt ins Leben gerufen. Die Stabstelle Integration, unter der Leitung von Frau Keicher, hat hier die koordinierende Funktion übernommen. Der Beirat besteht aus 20 Mitgliedern und 13 Stellvertreten, insgesamt 33 Personen, mehrheitlich mit Migrationshintergund die sich, überwiegend ehrenamtlich, schon sehr lange für das Thema engagiert haben. Sei es im privaten oder politischen Umfeld, in Vereinen, in der Kirche sowie anderen Gemeinschaften oder Organisationen. Aus den Mitgliedern des Beirates sind dann verschiedene Arbeitskreise entstanden, M U R AT E R I M E L -- Der

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Auch wenn es pathetisch klingt: Redet weniger übereinander sondern miteinander! die sich um Themen wie Sport, Bildung, Arbeitsmarkt, Sprache, Soziales, Interreligiöser Dialog und vieles mehr kümmern. Ich selbst bin im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit und Vertreter von Frau Dr. Christ-Friedrich, die in der Evangelischen Landeskirche tätig ist. Hauptsächlich geht es dem Beirat darum, die Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu verbessern. Hierfür versucht man, die Zusammenarbeit von Vereinen, Verbänden und Institutionen zu fördern, verschiedenste Projekte zu bündeln und bekannt zu machen, Dialog und Ansprechpartner zu bieten und sich eben auch untereinander auszutauschen, was der Kontakt mit spannenden und engagierten Menschen automatisch bewirkt. Allerdings hat der Beirat keine Entscheidungsgewalt und steht der Stadt Heilbronn hauptsächlich beratend zur Seite. Die Zusammenarbeit im Beirat funktioniert sehr gut. Natürlich fehlt es, wie in fast allen Projekten dieser Art, an den finanziellen Mitteln, um wirklich große Dinge anzuschieben. Man kann also viele Ideen entwickeln, aber beispielsweise nicht einfach mal eine große Veranstaltung in der Harmonie stattfinden lassen. Die Stadt Heilbronn hilft uns aber dennoch mit ihren Kontakten und ihrem Netzwerk. Durch die Zusammensetzung des Beirats erfährt man viel über Initativen und Fördermöglichkeiten sowie Veranstaltungen und interessante Projekte, aber auch wirklich coole Dinge wie z.B. das Menschen-MärchenProjekt am Heilbronner Theater, in dem Märchenerzähler Geschichten aus aller Welt erzählen und so kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf besondere Art und Weise Kindern, Schülern und Erwachsenen näher bringen und damit auf unterhaltsame Art Integration förden. H A N I X -- Im Beirat gibt es einige freiwillige Mitglieder, wie dich. Fällt es schwer, sich in die Gemeinderatsstrukturen einzuleben und danach zu han- deln? Das kann sicher frustrierend sein? Natürlich treffen hier auch verschiedene Welten in Sachen Gremienarbeit aufeinander. So gibt es auch Mitglieder des Gemeinderats im Beirat, die einfach Wert auf gewisse Formalien wie das Schreiben von Protokollen, einhalten von Agenden, Tagesordnungspunkten und Redezeiten und ähnliches legen. Andere haben weniger Interesse an Formalien sondern möchten einfach ihre Anliegen vortragen und besprechen. Hier muss einfach jeder vom jeweils anderen lernen. Manche müssen akzeptieren, dass man im Beirat nicht auf dem Fußballplatz steht, wo Lautstärke meist entscheidend ist. Andere müssen verstehen, dass gewisse Abläufe, wie man sie aus städtischen Gremien kennt, ein wenig aufgeweicht werden müssen. Letztendlich funktioniert dies aber gut, denn alle haben eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames Ziel. M U R AT E R I M E L -- H A N I X -- Oft wird viel Geld in Projekte gesteckt, die einfach verpuffen. Gibt es ein konkretes Beispiel, von dem Du erzählen kannst, wo es umgekehrt war? Nämlich, dass man mit relativ wenig Geld viel bewirken konnte? Der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e.V. hat einen Arbeitskreis »Interkulturelles« gegründet, den meine Frau bis zur Geburt unserer Tochter geleitet hat. Eine besonders schöne Idee war der Interkulturelle Kalender. Gemeinsam mit Heilbronnern aus Vereinen und Organisationen unterschiedlicher kultureller Hintergründe wurde ein über 100 Seiten umfassender jährlicher Taschenkalender entwickelt, in dem die wichtigsten kulturspezifischen und religiösen Termine, Fest- und Feiertage enthalten waren, der interessante Background-Informationen zum übergeordneten Thema des jeweiligen Jahres, sowie Selbstdarstellungen der beteiligten Vereine und Organisationen M U R AT E R I M E L --

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER den üblichen Überbau. Als dann der erste Kalender, erarbeitet von großen und kleinen aber gleichberechtigten Gruppen, erschien, waren alle Protagonisten unheimlich stolz auf das gemeinsame Resultat und wollten fortan jedes Jahr mit dabei sein. Und ihre Mühen wurden belohnt. Das Projekt wurde von der Sparkassenstiftung gefördert und später sogar von der Stiftung für Demokratie und Toleranz mit einem Preis ausgezeichnet . Der Interkuturelle Kalender des SKJR erschien insgesamt drei Jahre lang und war ein gelungenes Beispiel für viel Wirkung auch mit kleinen Mitteln. H A N I X -- Wie empfindest Du Heilbronn heutzutage als Migrationsstadt? Würdest Du gerne nach Heilbronn kommen? und Kontaktmöglichkeiten enthielt. Der Kalender wurde kostenlos an Schüler und Vereine verteilt, mit dem Sinn, dass man einfach weiß, was an welchem Tag bei meinen Mitschülern und Freunden mit anderem kulturellen Background so ansteht. Die Inhalte sollten aber nicht einfach aus Wikipedia abgeschrieben werden, sondern von diejenigen erarbeitet und erklärt werden, die es erleben. Daher musste man dann die sogenannten Migrationsselbstorganisationen an einen Tisch holen und ein gemeinsames Projekt anstoßen. Es war großes Interesse verschiedenster Gruppen vorhanden, was zu, im positiven Sinne, chaotischen Redaktionssitzungen führte. Hier saßen afrikanische Freundeskreise mit der islamischen Gemeinde aber auch mit den Damen von Amicale des Français zusammen und tauschten sich aus. Was dann passierte war genial, denn die Redaktionssitzung fing an zu »wandern«. Jede Gruppe konnte andere Gruppen einladen. Hierdurch entstanden ein inensiver Austausch, tolle Kontakte und ein Mini-Netzwerk ohne Das kommt natürlich darauf an wo man herkommt. Jemand aus London oder Paris würde ich mit Sicherheit sagen, dass es coolere Städte als Heilbronn gibt und er kulturell viel vermissen wird. Das habe ich ja selbst erlebt, als ich aus Berlin zurück ins Ländle kam. Wobei für mich aber meine Familie sehr viel auffängt und ich weiß, dass ich auch in jeder anderen Stadt viel Zeit mit ihr verbringen würde, wodurch es dann fast schon wieder egal ist, wo man lebt. Ich würde allerdings auch keinem Migranten sagen, dass Heilbronn eine Stadt ist, die er meiden sollte. Da gibt es mit Sicherheit andere Gegenden in Deutschland. Selbstverständlich werde ich einem Migranten eher Heilbronn als, nennen wir es beim Namen, Hoyerswerda, empfehlen. Es ist natürlich schwieriger in Gegenden mit einem minimalen Ausländeranteil, extrem schwierigen Arbeitsmarktbedingungen und Perspektivlosigkeit. Ich will hier keinem zu Nahe treten, aber so ist nun mal die Realität. Ich würde aber natürlich schon empfehlen sich über die schwäbischen Eigenheiten zu informieren. Hier sind Dinge wie Kehrwoche und die Hecke des Nachbarn sehr wichtig, was auch irgendwie zeigt, was auch irgendwie zeigt, dass wir uns im Ländle und so auch in Heilbronn viel zu oft mit Luxusproblemen beschäftigen. Hier muss einfach das, ich würde es mal Basis-Setup nennen, stimmen. Der Abschluss eines Bausparvertrages mit Beginn der Volljährigkeit, irgendwann das eigene Haus, selbstverständlich mit schönem und akkuratem Garten und vor allen Dingen das Auto. Das fällt sogar Menschen auf, die aus Berlin hierher kommen. Der Eindruck, dass die Deutschen alle reich sind entsteht dann natürlich, vor allen Dingen bei Migranten, automatisch. Vielleicht machen sich die Menschen, die M U R AT E R I M E L --

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER hier aufgewachsen sind, dadurch das Leben selbst ein bisschen schwer. Man muss hier niemandem erzählen, dass es einem nicht gut geht, selbst wenn man den neuen A4 nicht bar bezahlen kann, hat man ihn doch vor der Haustür stehen. Das ich aber eventuell mein halbes Gehalt dafür investiere sieht ja niemand. Damit sollte sich ein Migrant der nach Heilbronn kommt auseinandersetzen und das würde ich auch empfehlen. Nennen wir es mal »etwas hinter die Kulissen schauen«. H A N I X -- Bei den hiesigen Ausländern heißt die noch Ausländerbehörde nach? M U R AT E R I M E L -- Dem Hörensagen nach hat die Behörde umgangssprachlich immer Ausländerpolizei. Woher kommt das deiner Meinung wohl wirklich mal diesen Namen getragen. Ich weiß nicht ob es so einfach ist, dieses Image, dass viele Migranten immer noch von der Behörde haben, zu ändern. Für mich wäre es übrigens viel interessanter zu wissen, ob denn die Behörde weiß, wie sie umgangssprachlich genannt wird. Ich hoffe ehrlich gesagt, sie weiß es nicht. Denn wenn doch, wäre es eher peinlich und es wäre eine riesige Verpflichtung alles dafür zu tun, dass eine Imageänderung stattfindet. Vor allen Dingen ältere Migranten werden im Auftreten in dieser Behörde nicht automatisch lockerer, selbstsicherer und auch einfordernder, nur weil die Behörde einen anderen offiziel90 len Namen trägt. Auch ich bin ab und zu in Kontakt mit der Behörde und bin immer wieder verwundert mit welchem Selbstverständnis einige Mitarbeiter ihr Programm durchziehen möchten und einen gewissen »Polizeiton« an den Tag legen. Dies fällt mir aber auch beim türkischen Konsulat auf, vielleicht haben das manche Behörden einfach so an sich. Ich habe hier allerdings ein anderes Wunschbild, vielleicht auch weil ich selbst in der Dienstleistungsbranche tätig bin, womit wir schon beim entscheidenden Wort wären: Dienstleistung. Eine Behörde sollte nicht alles nach dem Prinzip »Top Down« regeln sondern zumindest auf Augenhöhe mit den Kunden umgehen. Ein autoritäres Auftreten von Behörden ist hier nicht förderlich, denn es geht eben, und jetzt wiederhole ich mich gern, um eine Dienstleistung am Bürger. Ich hab hier noch ein schönes Beispiel, das mir selbst passiert ist: Ich erhielt eines Tages einen Brief der Ausländerbehörde mit einem Termin, übrigens ohne Beschreibung des Grundes, zu dem ich bei der zuständigen Sachbearbeiterin erscheinen sollte. Im Schreiben war aber auch der Hinweis mit Telefonnummer, dass man, falls man nicht erscheinen kann, den Termin doch bitte verschieben solle. Nach vielen gescheiterten Versuchen den Termin zu verschieben, unter angegebener Nummer ging einfach niemand ans Telefon, habe ich die zuständige Dame doch erreicht. Was mir aber nach wenigen Minuten des Telefonats klar war ist, dass man mit meinem Wunsch der Terminverschiebung nicht umgehen konnte und wollte. Es kam dann soweit dass man den Termin nicht mehr so genannt hat sondern einfach sagte ich habe eine Vorladung. Ehrlicherweise gebe ich zu, dass ich dann dachte »so nicht, nicht mit mir«. Nun habe ich der Mitarbeiterin einfach erklären müssen, dass niemand, außer den deutschen Gerichten, das Recht hat, sogenannte Vorladungen zu verschicken. Auch dieses Argument stieß auf wenig Verständnis. Um es kurz zu machen, irgendwann fand dann der Termin statt und es ging einfach nur darum, dass ich meinen türkischen Pass vorlegen sollte, den ich nachwievor habe. Diese Situation hat in mir viel Verständnis für meine ausländischen Mitbürger hervorgerufen, dass die Ausländerbehörde immer noch umgangssprachlich bei Migranten »Ausländerpolizei« genannt wird. H A N I X -- Welchen Wunsch hättest Du an die Heilbronner und die hierher migrierten Menschen, um mehr Verständnis füreinander zu haben? M U R AT E R I M E L -- Redet weniger übereinander sondern miteinander!

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Kreativzentr Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn

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TEXT: ARND KOLB FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER KÄtHcHen mit m i G r at i o n s HinterGrunD Bei d e r z w ö l f t e n K ä t h c h e n -Wa h l wurde erstmals eine Mig r a n t i n g e w ä h l t . Di e Wa h l l öste ein großes Medien e c h o a u s: Ei n e Tü rk i n a l s Käthchen hatte damals hoh e n Sy m b o l we r t f ü r Au s l ä n d er und Deutsche. Das »Käthchen von Heilbronn - oder die Feuerprobe« ist eins der erfolgreichsten Stücke von Heinrich von Kleist. Der hohe Bekanntheitsgrad der Figur des »Käthchens« war der Anlass, die literarische Person als Symbolfigur für die Stadt zu etablieren. Seit 1970 werden dafür alle zwei Jahre drei Mädchen im Rahmen eines Balles gewählt. Das Hauptkäthchen und ihre zwei Stellvertreterinnen treten seitdem bei vielen Veranstaltungen als Stadtbotschafterinnen auf. Die Entscheidung der zwölften Käthchenwahl war jedoch etwas Besonderes. Als Bewerberinnen stellten sich zum ersten Mal zwei ausländische Kandidatinnen vor. Der örtliche Türkische Arbeiterverein hatte die beiden 18- und 20-jährigen Schwestern Özlem und Cigdem Ipek ohne ihr Wissen vorgeschlagen. Nicht zuletzt sollten dadurch die über 20 000 ausländischen Bürger in der Stadt repräsentiert werden.  Was dann geschah, nannte die anwesende SDR-Landesschau »eine Revolution«: Özlem Ipek setzte sich gegen vier Kandidatinnen durch und wurde zu einer der Stellvertreterinnen des »Käthchens« gewählt. Sie musste sich nur einer Herausforderin geschlagen geben.  Die Wahl löste ein großes Medienecho aus: Eine Türkin als Käthchen hatte damals hohen Symbolwert für Ausländer und Deutsche. Der Kommentar der Heilbronner Stimme war deshalb zuversichtlich, dass dies nur ein Vorreiter für einen hoffentlich bald völlig normalen Vorgang sein könnte. Sech93 zehn Jahre waren später bei der Wahl des neuen »Käthchens« unter den neun Bewerberinnen vier mit Migrationshintergrund. Gewonnen hat schließlich Angela Covato, Tochter italienischer Eltern. Ein Ergebnis, das außerhalb von Heilbronn wegen seiner Normalität kaum Beachtung fand.  (Der Text ist ein Auszug aus dem Buch:  Wir kamen nach Heilbronn. Beiträge zur Migrationsgeschichte. Herausgegeben von Roswitha Keicher und Christhard Schrenk. Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn 60. Das Buch wird im Juli 2012 erscheinen und ist dann im Stadtarchiv Heilbronn und im Buchhandel erhältlich.)

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TEXT: ROBERT MUCHA | FOTOS: ROBERT MUCHA, PRIVAT Bei Den DeutscHen ist Das emPFinDen Für Die GesellscHaFt au sG e P r Ä Gt e r Der » A m i c a l e d e s f r a n c a i s d e Heilbronn« und seine 50 Mi t g l i e d e r p f l e g t s e i t f a s t 3 0 Jahren die deutschfran zö s i s c h e Fre u n d s c h a f t i m A lltag, denn dies wollen die Fr a n zo s e n u n d f r a n k o p h i l e n Deutschen der Region n i c h t a l l e i n e d e n Po l i t i k e r n überlassen. Wir trafen fünf Mi t g l i e d e r d e s Ve re i n s u m bei Café au lait und Cro i s s a n t s ü b e r d i e S c h w a b e n , Germanophobie in Fran k re i c h u n d E s s k u l t u r z u s p rechen.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER H A N I X -- Warum sind Sie gerade in Deutschland und speziell in Heilbronn gelandet? Ich war zunächst wegen der Liebe nach Hamburg gezogen. Meine damalige Firma hatte mich dann nach Stuttgart versetzt, wo ich auch meinen heutigen Ehemann kennengelernt habe. Er arbeitet in Neckarsulm und wir sind in Beilstein heimisch geworden. Wir fühlen uns wohl hier. ET I E N N E D U S S E R R E ( 3 0 ) -- Ich habe in Lyon studiert und dort meine Frau, die Deutsche ist, kennengelernt. Sie konnte ihr juristisches Referendariat nicht in Frankreich absolvieren. Also habe ich einen Job in Deutschland gesucht und in Abstatt gefunden. Dort leben wir inzwischen seit 2005 und sind nun am Ende unserer Eingewöhnungsphase. Meine Frau kommt ursprünglich aus Aachen. Sie musste sich ebenso wie ich an das Schwabenland gewöhnen. R AY M O N D K AU E R ( 8 7 ) -- Ich bin ein anderer Fall als meine Vorredner. Ich komme aus einer anderen Zeit, es war Krieg. Es herrschten damals völlig andere Verhältnisse. Meine Eltern waren deutscher Abstammung. Die Deutschen schnappten mich und haben mich eingebürgert und nach Deutschland deportiert, wenn man das so sagen kann. Mein Vater und ich mussten auch für die Deutsche Wehrmacht kämpfen. In Frankreich galt ich übrigens als Fahnenflüchtiger, denn die französische Armee wollte meine Dienste ebenso in Anspruch nehmen. Ich durfte lange nicht V É RO N I Q U E P F E I F F E R ( 4 1 ) -- nach Frankreich einreisen. Als Deutschland damals den Krieg verloren hatte, war das eine richtige Befreiung für mich. Ich habe danach in Weimar Architektur studiert, danach unter anderem in Berlin gearbeitet. 1954 bin ich dann nach Westdeutschland gegangen. Nach Heilbronn bin ich 1959 aus beruflichen Gründen gezogen. Ich hatte hier eine Stelle als Architekt bekommen. Und irgendwie bin ich hier hängen geblieben. Die Nähe zu Frankreich war sicherlich auch ein Faktor, der dazu beigetragen hat, dass wir sogar hier in Heilbronn gebaut haben. Florence Constant (39)-- Ich hatte mich schon immer sehr für Deutschland interessiert und musste für mein Studium ein Praktikum in Deutschland absolvieren. Ich bin dann in Ludwigsburg gelandet, wo ich auch meinen Mann getroffen habe. In Ludwigsburg habe ich mich sehr wohl gefühlt. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Budapest, kamen wir zurück und sind zunächst nach Heilbronn gezogen. Hier haben wir es aber nur zwei Jahre ausgehalten und wohnen inzwischen in Besigheim. In Heilbronn hatte ich mich nicht wohlgefühlt. Ich kann auch nicht genau sagen, woran das gelegen hat. H A N I X -- Bestimmt vermissen Sie gewisse Dinge, Eigenheiten, das Lebensgefühl und Lebensmittel aus ihrer französischen Heimat? Wir haben das Glück, dass Frankreich nicht zu weit entfernt liegt von Heilbronn. V É RO N I Q U E P F E I F F E R --

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Bild oben: v. l.: Raymond Kauer & Véronique Pfeiffer Bild unten: v. l.: Raymond Kauer & Véronique Pfeiffer, Florence Constant & Etienne Dusserre mit seinem Sohn

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Wir fahren regelmäßig nach Frankreich. Auch, um Lebensmittel einzukaufen, die wir hier einfach nicht bekommen. Das ist mir wichtig. Ich vermisse hauptsächlich französische Spezialitäten. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Ich vermisse die Sprache und Bücher. Wenn ich in Frankreich bin, gehe ich zunächst auf den Flohmarkt und decke mich mit französischer Literatur ein. Aber natürlich kaufe ich auch französische Lebensmittel ein, die ich hier nicht bekomme. R AY M O N D K AU E R -- Ich bin mit meiner Frau regelmäßig ins Elsaß gefahren, um Lebensmittel einzukaufen. Das war uns sehr wichtig. Wichtig für mich ist es auch, hier französisches Fernsehen zu haben. Das ist ein Ausgleich zum deutschen Fernsehprogramm und ich bekomme mit, was in Frankreich passiert. Denn mein Herz schlägt natürlich für Frankreich. E T I E N N E D U S S E R R E -- Natürlich fehlen mir auch kulinarische Dinge. Wenn ich nach Frankreich fahre, habe ich immer schon einen Einkaufszettel dabei. Was mir aber am meisten fehlt, ist die französische Kirche. Ich bin ein gläubiger Mensch und praktiziere meinen Glauben auch. Auch wenn wir hier eine Gemeinde gefunden haben, in der wir uns einigermaßen wohl fühlen, ist es in Frankreich doch etwas anderes. H A N I X -- Wie wichtig war und ist die Amicale francais für Sie und ihre Integration, aber auch, um die Verbindung zur heimatlichen Kultur aufrecht zu erhalten? F L O R E N C E C O N S TA N T -- Ich möchte erwähnen, dass die Mitglieder des Amicale des francais de Heilbronn alle gut integriert sind. Die meisten haben einen deutschen Lebenspartner. Unsere Kinder haben beide Staatsangehörigkeiten und wir mögen Deutschland. Aber ich wollte auch Kontakt zu anderen Franzosen, meine Sprache sprechen, französische Lieder singen. E T I E N N E D U S S E R R E -- Für mich ist die Amicale auch wichtig, um meine französischen Wurzeln nicht zu vergessen und diese zu pflegen. Ich habe viele deutsche Freunde, war durch meine Gemeindearbeit sowieso integriert. Aber wir sind natürlich unterschiedlich sozialisiert und kulturell geprägt worden. Ich bin in Frankreich aufgewachsen, habe andere Lieder gesungen, kenne andere Witze und so weiter. Die Deutschen nehmen irgendwann nicht wahr, dass es diese Unterschiede gibt, da wir Franzosen den Deutschen so ähnlich sehen. H A N I X -- Welcher Arbeit hat sich ihr Verein verschrieben und welche Art Veranstaltungen organisieren Sie jährlich? Wir wollen natürlich unsere Kultur pflegen und sie interessierten Deutschen näher bringen. Darüber hinaus ist es unser Anspruch auch selbst kulturelle Events auf die Beine zu stellen. Erst kürzlich haben wir ein Chanson-Konzert in der »Ebene 3« hier in Heilbronn organisiert. Beim Europatag sind wir natürlich mit einem Stand auf dem Kiliansplatz präsent. Es gibt Leseabende, Kindergruppen, BouleNachmittage, einen Stammtisch und auch einen französischen Chor, bei dem auch Deutsche mitsingen. Wir sind also recht umtriebig. Bei großen Fußballturnieren gucken wir auch gemeinsam die französischen Länderspiele. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- H A N I X -- Sie fungieren inzwischen seit fast 30 Jahren organisiert für die Völkerverständigung. Wie würden sie ihre Arbeit bisher bewerten?  Ich denke schon, dass wir einiges bewegt haben, gerade im kulturellen Bereich. Wir sehen uns als Teil der ausländischen Gemeinschaft in Heilbronn, die versucht, etwas zu bewegen. Aber vielleicht müsste man die Deutschen fragen, wie sie uns und unsere Arbeit wahrnehmen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt, im Besonderen mit Frau Keicher, empfinden wir als sehr gut. R AY M O N D K AU E R -- Wir machen auch keinen Zirkus. Ich denke, dass die Amicale einen guten Ruf hier genießt. Unsere Amicale ist hauptsächlich von Frauen organisiert. Vielleicht liegt es auch daran. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- H A N I X -- Die schwäbische Küche gilt eher als deftig. Trifft sie ihren feinen französischen Geschmack? Im Winter mag ich schwäbisches Essen sehr gerne. Im Sommer mache ich mir andere, leichtere Sachen. Aber es schmeckt hier sehr gut, wie ich finde. Selbsgemachte Spätzle und Maultaschen habe ich schätzen gelernt. In Frankreich ist es auch so, dass alle zusammen essen. Man wartet also, bis die letzte Person am Tisch sitzt. Man bedient sich in Frankreich auch nicht ungefragt. Hier in Deutschland ist das entspannter. Ich erinnere mich an meine erste Essenseinladung, die ich hier in Deutschland erhalten habe. Ich habe nichts gegessen, da ich aus Höflichkeit gewartet habe, bis ich etwas angeboten bekam. Das ist nicht passiert, da sich hier jeder selbst ETIENNE DUSSERRE --

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER M e i n S o h n i s t z we isprachig erzogen und ic h ve rs u c h e i h m auch die französische Ku l t u r n ä h e r z u b ringen. Doch er fühlt sich eh e r d e u t s c h a l s f ranzösisch. Ich bin jetzt seit fünf Jahren hier in Deutschland. Inzwischen kann ich die Türken verstehen, die sich hier nicht als Deutsche fühlen und in der Türkei nicht als Türken. Ähnlich ist es bei mir auch. Ich lebe hier, bin aber natürlich kein Deutscher. Ich will es auch gar nicht sein. Ich will meine eigene Identität und meine Kultur behalten. Gleichzeitig suche ich nach einem Kompromiss, um mir von beiden Modellen das Beste für mich herauszuziehen. Wenn ich in Frankreich bin, ist mir dort inzwischen auch einiges fremd. Die Leute dort werfen mir auch vor, dass mein Französisch inzwischen einen deutschen Akzent hat. R AY M O N D K AU E R -- Beim Sport bin ich immer für Frankreich. Wieso, weiß ich auch nicht genau. ETIENNE DUSSERRE -- H A N I X -- Wie ist der Umgang und ihre Wahrnehmung mit den Schwaben beziehungsweise der Schwaben? bedient. In Frankreich würde Selbstbedienung als unhöflich empfunden. Solche deutschen Gepflogenheiten besprechen wir auch untereinander im Amicale. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Maultaschen sind bei uns Franzosen hier hoch im Kurs. Ich finde es auch gut, dass man hier nicht den ganzen Tag in der Küche verbringt. Das sehe ich inzwischen, wenn ich in Frankreich bin, auch eher kritisch. Hier hat man nach dem Essen noch Zeit für andere Dinge. An Ostern fahren wir zu meinen Eltern nach Toulouse. Zwischen den Mahlzeiten haben wir dann kaum Zeit für andere Aktivitäten, da es den ganzen Tag nur ums Essen geht. R AY M O N D K AU E R -- Man muss aber sagen, dass sich die Esskultur hier in Deutschland in den letzten Jahren unwahrscheinlich entwickelt hat. H A N I X -- Man hört es, an ihrem Akzent, ihre Wurzeln liegen im schönen Frankreich. Wo fühlen Sie sich emotional zu Hause? In Frankreich oder Deutschland, oder doch irgendwo dazwischen? Ich bin 41 Jahre alt und bin im Alter von 21 Jahren nach Deutschland gekommen. Ich habe also fast mein halbes Leben hier in Deutschland verbracht. Aber Klar, die Wurzeln sind in Frankreich. Ich fühle mich da zu Hause, wo meine Familie ist. Mein Sohn ist zweisprachig erzogen und ich versuche ihm auch die französische Kultur näher zu bringen. Doch er fühlt sich eher deutsch als französisch. Beim Fußball zum Beispiel hält er zu Deutschland. Das regt mich, ehrlich gesagt, ein wenig auf. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- Als ich noch in Hamburg gearbeitet habe und die Firma mich dann nach Stuttgart versetzt hat, habe ich von den Hanseaten ehrliches Mitleid bekommen. Ich konnte das damals nicht wirklich nachvollziehen. Ich habe nach wie vor noch Probleme, den Dialekt, der hier gesprochen wird, immer zu verstehen. E T I E N N E D U S S E R R E -- Die Menschen hier sind grundsätzlich sehr freundlich zu mir. Was mir aufgefallen ist und was ich schade finde, ist, dass die Heilbronner ungerne Leute nach Hause einladen. Das vermisse ich wirklich. Einen wirklich engeren Kontakt, der über netten Smalltalk hinaus geht, habe ich zu Schwaben noch nicht entwickeln können. Unsere Freunde hier sind alle zugezogen. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- Das kann ich bestätigen. Wir sind in Beilstein in eine Sackgasse gezogen. Ich ging davon aus, dass wir recht schnell Kontakt zu unseren Nachbarn aufbauen würden. Irgendwann haben wir die komplette Nachbarschaft zu uns eingeladen. Alle kamen aber keine einzige Partei hat danach zu sich nach Hause eingeladen. Das verwundert mich schon. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Ich kann das zum Beispiel nicht bestätigen. Wir werden von unseren Nachbarn häufig eingeladen. Aber wir wohnen auch in Besigheim. Vielleicht ist dort die Mentalität schon ein wenig anders als hier in Heilbronn. Womit ich Schwierigkeiten habe, ist, mich an die Kehrwoche zu gewöhnen. V É RO N I Q U E P F E I F F E R --

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Ich bin glücklicherweise bisher um die Kehrwoche herum gekommen. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Einen großen Unterschied konnte ich auch bei den Gepflogenheiten, das Einparken betreffend, feststellen. In Frankreich stößt man vorsichtig hinten und vorne an, um in die Parklücke zu kommen. Hier steht darauf fast die Todesstrafe, habe ich den Eindruck. ETIENNE DUSSERRE -- H A N I X -- Ist das Auto das Heiligtum der Schwaben? Ich denke, die Deutschen sollten vo n der Leichtigkeit der Franzosen l e r n e n . Etwas mehr Lockerheit würde de n Deutschen ganz gut zu Gesicht s t e h e n Ich denke, dass ist eher ein deutsches Phänomen. Hier ist das Auto auch eher Statussymbol als Gebrauchsgegenstand. Ich will einfach ein funktionierendes Auto, das mich von A nach B bringt. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Sobald hier ein Auto ein wenig quietscht, wird man sofort darauf angesprochen, wann man sich denn ein neues Auto kauft. Mich stört quietschen am Auto aber gar nicht. R AY M O N D K AU E R -- Nach dem Krieg war das aber auch schon so. Auch damals waren die Autos hier in Deutschland piccobello. Sauber und ohne Beulen. E T I E N N E D U S S E R R E -- Meine deutsche Frau hat mich einmal darauf hingewiesen, dass in Deutschland die Männer am Samstag das Auto putzen. Ich musste ihr dann klar machen, dass sie das Auto schon selber putzen muss, wenn sie es sauber und glänzend haben möchte. Ich mache das nicht! Mir ist das, wie man hier so schön sagt, wurscht. ETIENNE DUSSERRE -- H A N I X -- Es gibt viele dieser typischen Bilder über Franzosen in Deutschland, und auch über Deutsche in Frankreich. Verteidigen sie in Frankreich auch die Deutschen, wenn diskutiert wird?  Ich denke aber schon, das viele Franzosen davon genervt sind, dass Sarkozy so oft das deutsche Modell herausstreicht. R AY M O N D K AU E R -- Was mir persönlich auch nicht gefallen hat, ist das die Merkel inzwischen auch etwas Wahlkampf für unseren Präsidenten macht. Da hat sie sich rauszuhalten. Ebenso hat es mich gestört, das Sarkozy so herzlich zu Angela Merkel ist. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- H A N I X -- Abschließend gekehrt? R AY M O N D K AU E R -- Das ist wie in einer Ehe. Man kann nicht bestimmen, was man voneinander lernen will und kann. V É RO N I Q U E P F E I F F E R -- Ich denke, die Deutschen sollten von der Leichtigkeit der Franzosen lernen. Etwas mehr Lockerheit würde den Deutschen ganz gut zu Gesicht stehen. Auf der anderen Seite könnten die Franzosen sich eine Scheibe der Deutschen Zielstrebigkeit abschneiden. E T I E N N E D U S S E R R E -- Man muss schauen, was unterschiedlich ist, um danach zu beurteilen, wo es jeweils Lernbedarf gibt. F L O R E N C E C O N S TA N T -- Von den Deutschen können die Franzosen meiner Ansicht nach auch Rücksichtnahme lernen. Hier achtet man zum Beispiel auf Behindertenparkplätze oder Zebrastreifen. Den Franzosen ist das egal. Bei den Deutschen ist das Empfinden für die Gesellschaft ausgeprägter. eine letzte Frage: Was kann Deutschland von Frankreich lernen und um- Oh ja. Von Anfang an. Wenn ich in Frankreich bin, versuche ich durchaus die Vorzüge Deutschlands herauszustellen. ETIENNE DUSSERRE -- H A N I X -- Nicolas Sarkozy wollte bei einer Rede im Februar die Botschaft rüberbringen, die Germanophobie in Frankreich sei unbegründet. Wie stark ist diese Germanophobie? Auf der anderen Seite wird Sarkozy ja beispielsweise auch »Deutschenbesoffenheit« vorgeworfen. Frankreich ist der beste Freund Deutschlands. Das sehen viele Franzosen so. Eine allgemeine Germanophobie ist in Frankreich aber nicht vorhanden. ETIENNE DUSSERRE --

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AU SL Ä N D E R IN D E U TSC H L A N D TEXT & FOTOS: CHINA HOPSON Wi e s i e h t e r a u s , d e r Au s l ä n der in Deutschland? Und wo kommt er eigentlic h h e r ? A ls s e l b s t Ha l b - Au s l änderin bin ich dieser mysteriösen Frage auf die Sp u r g e g a n g e n . Ic h s t e l l t e d a bei fest, wie schwer es ist einen Ausländer nur am Op t i s c h e n a u s z u m a c h e n u nd war beeindr uckt über die lockeren und spont a n e n Zu s a g e n f ü r d i e Fo t o s hootings. Fazit: Keine Macht den Vor ur teilen.

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TEXT: STADT- UND KREISJUGENDRING inteGrationsBeirat Der staDt HeilBronn Die St a b s t e l l e In t e g r a t i o n i s t d i e zentrale Kontaktstelle für a l l e Fr a g e n r u n d u m d a s T h ema Integration. MITEINANDER REDEN STATT ÜBEREINANDER... Die Stadt Heilbronn und ihr Gemeinderat haben die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Schaffung des Integrationsbeirats im Sommer 2008 ihrerseits ein Zeichen gesetzt. Fakt: Inzwischen hat mehr als jeder zweite Jugendliche in Heilbronn einen Migrationshintergrund. Der Integrationsbeirat ist ein Kompetenz-Pool. Er bündelt das vielfältige Wissen und die individuellen Migrationsgeschichten seiner Mitglieder und ermöglicht, durch deren langjährige Erfahrungen, einen Blick von innen nach aussen. Der Integrationsbeirat besteht aus 33 Mitgliedern und setzt sich zusammen aus sieben Gemeinderatsmitgliedern, 13 sachkundigen Mitgliedern, die sich für die Integration ihrer Communities engagieren sowie 13 Stellvertretern. Er ist Gremium, Sprachrohr und Interessenvertretung der Menschen in Heilbronn, die einen Migrationshintergrund haben. Ziel der Aktivitäten des Integrationsbeirats ist es, die Teilhabe und die Partizipation der Menschen mit Zu114 wanderungsgeschichte zu fördern, sie am kommunalen Geschehen stärker zu beteiligen und Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement aufzeigen. Der Integrationsbeirat hilft mit bei der Erhebung der Ist-Situation über die bereits vielfältig vorhandenen Aktivitäten und Projekte von Ehrenamtlichen, Vereinen, Institutionen und auch Firmen. Ziel ist, einen Überblick über Bestehendes zu erhalten und diese Informationen weiter zu tragen. Hierfür wurden Schwerpunktthemen benannt und acht Arbeitskreise gebildet: Ausbildung/Arbeitsmarkt, Kultur, Interreligiöser Dialog, Öffentlichkeitsarbeit/Medien, Schule/Bildung, Soziales, Sport, Sprache. Konsequenterweise hat der Integrationsbeirat beratende Funktion. Er soll einbezogen werden bei allen Fragen und Entscheidungen der Stadtverwaltung und des Gemeinderates, die die Integration betreffen. Er kann Anträge für integrationsfördernde Maßnahmen an den Gemeinderat bzw. dessen Ausschüsse sowie Anfragen an die Verwaltung stellen.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER TEXT: STADT- UND KREISJUGENDRING anDere lÄnDer, anDere sitten! Wer di e Ge p f l o g e n h e i t e n e i n e s L a ndes nicht kennt, hat schlechte Kar ten, wenn es dar um g e h t , a u f Re i s e n e i n e n g u t e n Eindr uck bei den Einheimischen zu hinterlassen. Un d s o k a n n e s s c h o n m a l passieren, dass man als unkundiger Tourist das eine od e r a n d e re ve r ä r g e r t e Ko p f s chütteln erntet, ohne zu wissen, was man denn eigentl i c h f a l s c h g e m a c h t h a t . WEITER LESEN: HTTP://WEB.DE/MAGAZINE/REISE/REISETIPPS/5821524-ANDERE-LAENDER-ANDERE-SITTEN.HTML#.A1000145

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER ten Sitten und Rezepten. Schließlich müssen die Osterkörbe gerichtet werden, damit sie in der Kirche gesegnet werden können, mit Eiern, Brot, Salz, Wurst, und Kuchen, drapiert auf weißem Leinen und mit Weidenkätzchen geschmückt. OSTERSONNTAG POLEN Das Land des unvergessenen Papstes Johannes Paul II. ist katholisch, sehr katholisch sogar, denn die Kirche spielt eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben und christliche Traditionen sind sehr lebendig. Ostern ist das höchste kirchliche Fest und obendrein ein großes Familienfest. DAS FEST DER NACHBARSCHAFT IN FRANKREICH DIE FASTENZEIT Es wurde 1999 im XVII. Bezirk von Paris gegründet. Sein Ziel: Gegen die Gleichgültigkeit zu kämpfen und die Leute dazu zu bewegen, sich zu treffen. Und so läuft der Feiertag ab: Ende Mai, wenn die Tage wärmer und länger sind, trifft man sich in Eingangshallen, in Höfen oder in der Gartenanlage seines Wohnblocks. Jede Familie bringt, was sie gern mit ihren Nachbarn teilen möchte - ein Gericht, ein Getränk oder gute Laune. Lange Tische werden aufgestellt und es wird zusammen getrunken und gegessen. Es fördert die Geselligkeit unter Nachbarn, schützt vor Isolierung, ermöglicht einen Austausch und dient dazu, sich besser kennen zu lernen. Die vorösterliche Karwoche ist eine Zeit der Dunkelheit und Trauer, die ihren Höhepunkt am Karfreitag findet, der in Polen anders als in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag ist. Es wird gefastet: Strenggläubige nehmen nur Brot und Wasser zu sich, Fleisch gibt es nirgends. In den Kirchen ist es düster, keine Glocke läutet, die gläubigen Polen verbringen viele Stunden im Gebet vertieft am symbolischen Grab Christi, manche wachen die ganze Nacht, darunter viele junge Leute, die nach alter Tradition das Christusgrab in sieben verschiedenen Kirchen besuchen. Der Ostersonnabend vergeht mit Festvorbereitungen in den Familien, es wird gekocht und gebacken nach al117 Ganz früh am Ostermorgen, oder schon in der Osternacht sind die Kirchen zu den Auferstehungsandachten überfüllt. Frohe Gesänge, mit allen gezogenen Registern aufbrausender Orgelklang, Glockenläuten und Böllerkrachen künden von der Freude der Auferstehung. Dreimal zieht eine Freudenprozession um die Kirche. Nun ist sie endlich vorbei die Fastenzeit, alles eilt nach Hause zum großen Osterfrühstück, wobei Frühstück eine unnötig bescheidene Bezeichnung ist, für das was nun folgt. Wie bei allen Familienfeiern in Polen biegen sich die Tische. Eine Fülle kalter Speisen werden zur traditionellen Ostertafel gereicht: verschiedene Wurst- und Fleischsorten, Schinken, das Osterbrot mit dem Kreuz, das entweder gebackene oder aus Zucker gefertigte Lamm, Rote Beete und Meerrettich, die klassische Sauermehlsuppe Zurek Wielkanocny und natürlich die speziellen Kuchensorten babka, sernik, makowiec, mazurek, und paska. PISANKI Am wichtigsten aber sind die gesegneten Speisen, besonders die Pisanki genannten gefärbten Eier. Jedes Famili-

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER enmitglied nimmt von den gesegneten, geteilten Eiern und verzehrt ein Stück, dabei Glück und Segenswünsche für alle Anwesenden aussprechend. DER TAG DES WASSERS Erst in den Jahren 1989/1990 konnte Polen seine Unabhängigkeit wieder erlangen. TAG DES KINDES AM 23. NISAN/APRIL Am Ostermontag ist es vorbei mit der Feierlichkeit. Zum Spaziergang sollte man entweder wachsam um sich schauen und gut zu Fuß sein, oder selbst bei Sonnenschein regenfeste Kleidung tragen. Es ist smigus dyngus, der Tag des Wassergießens, jeder der vorbei kommt, wird vor allem von jungen Leuten erbarmungslos mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, Schöpfkellen voll und sogar ganzen Eimern voll Wasser traktiert. Es ist der Tag mit höchstem Wasserverbrauch im ganzen Jahr. Dieser Brauch hat sehr alte Wurzeln, er stammt aus dem Jahre 966, als der polnische Herrscher Mieszko I. am Ostermontag getauft wurde und Polen damit zum Christentum bekehrt wurde. DIE POLNISCHEN NATIONALFEIERTAGE auf Straßen und Plätzen gefeiert. Gedichte, Musik und Tanz tragen zu einer ausgelassenen Volksfeststimmung bei. Der Begriff »Nisan« geht auf den babylonisch-persischen Begriff »nes« (»Wunder«) zurück. Die Bibel, das Hebräische und Russische nebst anderen Sprachen kennen es als Monatsbezeichung. Die UNESCO führt den Tag des Kindes am 23. April in ihrer offiziellen Feiertagsliste. Es ist weltweit der älteste offizielle Feiertag für Kinder. DAS ALEVITENTUM Verfassung vom 3. Mai - Polen gab sich am 3. Mai 1791 als erster Staat auf dem europäischen Kontinent eine moderne Verfassung. 11. NOVEMBER, TAG DER UNABHÄNGIGKEIT Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte Polen am 11.November 1918 seine Unabhängigkeit. Das Land wurde jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt und erneut besetzt. Das Internationale Kinderfest »23 Nisan« beruht auf einer türkischen Tradition. Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts initiierte das türkische Kinderwerk den »Tag des Kindes« am 23. April - auf Türkisch »23 Nisan«. Das türkische Parlament proklamierte es später zum offiziellen Feiertag. Der 23. April wurde bewusst gewählt: am 23. April 1920 hatte sich das erste freiheitliche Parlament der Türkei konstituiert und den Modernisierungsprozess des Landes eingeläutet. Auf wen, wenn nicht die Kinder und jungen Generationen, sollten sich die Hoffnungen für eine bessere Zukunft richten? Diese galt es mit einem symbolischen Akt zu würdigen und zu motivieren. Seit dieser Zeit wird in der Türkei der Tag des Kindes am 23. April mit bunten Festen an allen Schulen, Aleviten sind eine Religionsgemeinschaft, die aus dem schiitischen Islam entstanden ist. Ein Alevit glaubt an Allah und an den Propheten Mohammed. Aleviten betrachten Gott und Mensch als eine Einheit. Im Alevitentum sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Die alevitische Lehre gibt den einzelnen Individuen Gewissens- und Glaubensfreiheit. Jeder Alevit ist frei seinen Glauben selbst zu bestimmen.  Einer der wichtigsten Riten ist traditionelle Tanz »Semah«. Der Semah ist Hauptbestandteil im Cem-Gottesdienst. Cem ist die religiöse Versammlung und der zentrale Gottesdienst. Hier spielt die Saz (oder auch Baglama genannte türkische Variante der Laute) eine sehr große Rolle, da sie den Gottesdienst musikalisch

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER begleitet. Das Erkennungszeichen der Aleviten ist das Schwert »Zülfikar« welches von vielen Aleviten als Symbol an einer Halskette getragen wird.  »STATUE DE L'INDEPENDANCE DU TOGO« - Die Statue auf dem »Platz der Unabhängigkeit« in Lomé (Haupststadt von Togo) stellt eine schwangere Frau dar mit einer Fackel in der Hand. Diese Fackel wird jedes Jahr am Unabhängigkeitstag vom Präsidenten angezündet. An diesem Tag feiert das ganze Land. In Lomé findet eine farbenprächtige Parade statt. Vertreter der Regierung und das Militär, Abordnungen aus den verschiedenen Regionen des Landes, die ihre reichen Traditionen demonstrieren, Vereine und Frauengruppen, alle gliedern sich in den festlichen Umzug ein. Es wird getanzt, getrommelt und gefeiert bis spät in die Nacht. DER UNABHÄBGIGKEITSTAG IN TOGO (WESTAFRIKA) AM 27. APRIL Die deutsche Kolonie »Togoland« bestand  von 1884 bis 1914. Das damalige Gebiet umfasste die heutige Republik Togo und den östlichen Teil Ghanas. Während des ersten Weltkrieges wurde Togo zwischen England und Frankreich aufgeteilt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden daraus UNTreuhandgebiete. Britisch-Togoland wurde 1956 an Ghana angegliedert. Am 27. April 1960 wurde FranzösischTogoland zur unabhängigen Republik Togo. Die Forderung nach Unabhängigkeit kam zuerst von den Frauen. Die Marktfrauen wehrten sich gegen die von den französischen Kolonialherren erhobenen hohen Gebühren für ihre Marktstände. DAS MOHARREM-FASTEN Das Moharrem-Fasten wird laut arabischem Kalender jährlich zehn Tage früher als im Vorjahr abgehalten. Durch die zwölftägige Trauerzeit zeigen die Aleviten ihre Verbundenheit mit Imam Hüseyin, der im Jahre 680 n. Chr. in Kerbela ermordet wurde. Um seinen Leidensweg nachzuempfinden wird in der Trauerzeit gefastet und Enthaltsamkeit geübt. Nach seinem Tod wurden weitere Nachkommen der Prophetenfamilie ermordet. Insgesamt zwölf Imame, deshalb wird zwölf Tage lang gefastet. Die Widerstandsleistung von Imam Hüseyin nimmt in Anatolien bei der Erziehung der Kinder einen großen Platz ein. Im Gegensatz zu iranischen Schiiten, fügen sich die anatolischen Aleviten im Monat Moharrem keine körperlichen Schmerzen zu und stellen das Martyrium von Kerbela nicht als Schauspiel dar. Aleviten setzen das Moharrem-Fasten mit Kerbela, Fasten und Trauer gleich. Nach dem Abendessen wird nichts mehr gegessen und getrunken bis nach Sonnenuntergang des folgenden Tages. Das Essen am Abend ist dann sehr einfach und nicht übermässig, denn Enthaltsamkeit ist der zentrale Punkt. Es wird in keiner Form Fleisch verzehrt; man achtet sehr darauf, dass kein Blut fließt. Streitigkeiten werden vermieden, keinem Lebewesen wird Leid zugefügt, auch die Natur wird dementsprechend behandelt. Man hält sich von jeglichem Vergnügen fern (keine Hochzeit, Verlobung, usw.), flucht nicht, hält sich von Tratsch fern und lebt im Einvernehmen mit den Nachbarn und anderen Menschen. AFRIKA IST EIN KONTINENT UND KEIN LAND Wenn es auf dieser Welt noch etwas zu entdecken gibt, dann ist es wahrscheinlich der afrikanischen Kontinent mit allen seinen geheimnisvollen Menschen, Tieren, Bergen und Flüssen. Afrika besteht aus 56 Ländern, und so groß wie der Kontinent sind die Sorgen und Probleme, die man dort vorfindet. Aber in Afrika laufen

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER die Uhren anders und die Menschen gehen trotz allem fröhlich durch den Alltag. Durch die Kolonialisierung ist Afrika nicht mehr das, was es einmal war. Die Länder sind aufgeteilt und so zusammengefügt worden, dass in einem Land unterschiedliche Stämme leben. Ehemalige Königreiche wurden auseinander gerissen und auf verschiedene Staaten verteilt. Dadurch sind viele Konflikte entstanden. Die Menschen mussten erst lernen mit den neuen Staatsgrenzen zu leben. Ebenso mussten sie sich mit den Kulturen und der Mentalität der anderen Völker auseinandersetzen. Die Tradition und die Sprache sind das einzige was eine Bevölkerungsgruppe gleicher Abstammung zusammenhält. Die Erhaltung der eigenen Sprache half manchen Stämmen nicht ganz zu verschwinden. Die Kolonialherren haben versucht, die afrikanischen Sprachen zu unterdrücken. Teilweise ist dies gelungen. Vor allem in den großen Städten, in denen die Bevölkerung gemischt ist, werden die europäischen Sprachen benutzt, was aber nicht immer ein Nachteil ist. So kann jeder Afrikaner mindestens zwei Sprachen. Die Muttersprache und eine europäische. Afrika ist auch sportbegeistert. Vor allem Fußball wird geliebt. Sportarten wie Tennis, Golf, Autosport, Pferderennen oder Schwimmen sind jedoch nicht so populär wie in Europa, trotz guter Wetterbedingungen. Durch Leichtathletik und Fußball hat sich Afrika interkontinental im Sport einen bemerkenswerten Platz erobert. Die afrikanische Kultur wird von zahlreichen Musikern und Künstlern weltweit vertreten und geschätzt. Die Politik lässt allerdings noch viele Wünsche offen. Was Demokratie und Menschenrechte angeht, haben viele afrikanische Länder und Politiker noch zu lernen. Wahlmanipulationen und Erpressung von Wählern sind häufig. Damit versuchen verantwortungslose Präsidenten ihre Macht zu sichern, wenn die Gefahr besteht, dass sie nach einer Legislaturperiode abgewählt werden. Auch das ist Afrika. o ÄGYPTEN o ALGERIEN o ANGOLA o ÄQUATORIALGUINEA o ÄTHIOPIEN o BENIN o BOTSUANA o BURKINA FASO o BURUNDI o DSCHIBUTI o ELFENBEINKÜSTE o ERITREA o GABUN o GAMBIA o GHANA o GUINEA o GUINEA-BISSAU o KAMERUN o KAP VERDEAIA o KENIA o KOMOREN o DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO o REPUBLIK KONGO o LESOTHO o LIBERIA o LIBYEN o MADAGASKAR o MALAWI o MALI o MAROKKO o MAURETANIEN o MAURITIUS o MOSAMBIK o NAMIBIA o NIGER o NIGERIA o RUANDA o SAMBIA o SÃO TOMÉ UND PRÍNCIPE o SENEGAL o SEYCHELLEN o SIERRA LEONE o SIMBABWE o SOMALIA o SÜDAFRIKA o SUDAN o SWASILAND o TANSANIA o TOGO o TSCHAD o TUNESIEN o UGANDA o ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER 14. Juli stürmte eine aufgebrachte Menge das Pariser Stadtgefängnis, die Bastille. Der Sturm auf das Gebäude gilt als Beginn der Französischen Revolution, an deren Ende Frankreich ein demokratischer Staat wurde.  FRANZÖSISCHER UNABHÄNGIGKEITSTAG Der 14. Juli ist der Französische Nationalfeiertag und erinnert an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, als das Volk von Paris erstmals in den Lauf der Revolution eingriff.  Der Tag beginnt üblicherweise vormittags mit einer großen Militärparade auf der Avenue des Champs-Elysées in Paris und gilt allgemein als Feier der französischen Siege in der Vergangenheit.  Militäreinheiten aus den EULändern werden ebenfalls eingeladen, wie aus Deutschland 2007. Gleichzeitig ist er aber auch ein populäres Volksfest mit Feuerwerk und Bällen, die traditionell von der Feuerwehr ausgerichtet werden. STURM AUF DIE BASTILLE AM 14. JULI FASTENMONAT RAMADAN Im Jahre 1789 waren die sozialen Missstände in Frankreich groß: Das Volk war verarmt,  der Preis für Brot war so teuer, dass vor allem in Paris viele Bürger am Rande ihrer Existenz waren. Unruhe machte sich breit. Am Das Fasten im Monat Ramadan gehört für gläubige Muslime zu den Pflichten, die der Koran vorgibt.  Der Monat Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender und beginnt am 22. August 2009. Ende ist am 20. September 2009 mit dem »Fest des Fastenbrechens«.  Muslime fasten in diesem Monat am Tag und essen in dieser Zeit nichts. Nur Wasser wird getrunken. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen.  Im Kreis der Familie essen die Muslime dann ein festliches Mahl.  Kurz vor Sonnenaufgang ist die Sahur im letzten Drittel der Nacht die letzte Mahlzeit, bevor am Tage wieder das Fasten beginnt.  Doch nicht nur das Auslassen von Mahlzeiten ist wichtig. Während des Ramadan achten die Musilime ganz besonders darauf, die Lehren des Islams umzusetzen. Es wird viel gebetet und im Koran gelesen, oft im Kreise der Famile.  Einige sunnitische Muslime halten oft sogenannte Tarawih-Gebete in ihren Moscheen ab, bei denen an einem Tag 1/30 des Korans betend gelesen wird. So wird während des gesamten Ramadan der komplette Koran als Gebet rezitiert. Das Fasten soll das Herz wegbringen vom Alltag und eine reinigende Wirkung für Körper und Geist haben. Darum müssen kranke und alte Menschen, Schwangere und Kinder unter 12 Jahren das Fasten am Tage auch nicht einhalten.  Während des Ramadans spenden viele Muslime besonders häufig Bedürftigen. Das Geben von Geld ist eine der Fünf Säulen des Islam und gehört zu den religiösen Pflichten eines gläubigen Moslem.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER TEXT: STADT- UND KREISJUGENDRING i n t e G r at i v e vereine, FreunDesKreise u n D i n i t i at i v e n in HeilBronn In He i l b ro n n h a t j e d e r f ü n f t e Ei nwohner Migrationshintergr und. Das heißt, dass die ein g e b o re n e n He i l b ro n n e r m i t Menschen unterschiedlichster kultureller Backgroun d s z u t u n h a b e n . Si c h e r l i c h ist das nicht immer einfach. Trotzdem: Es gibt sow o h l f ü r u n s e re Ge s e l l s c h a f t gerade in dieser kulturellen Vielfalt unendlich we r tvolle Ressourcen.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER UNTERSTÜTZUNG FÜR ERITREA Der Heilbronner Abraham Haile ist gebürtiger Eritreer und unterstützt mit einem Verein sein einstiges Heimatdorf. So konnte dort 2004 eine Schule errichtet werden, die von 150 Kindern und 100 Frauen besucht wird. 2007 wurde zudem eine Votovoltaik-Anlage errichtet, die die Schule mit Strom versorgt. Sie ist die erste Votovoltaikanlage im Dorf. Viele Menschen aus der Heilbronner Region haben dafür gespendet und mitgeholfen. Weitere Projekte zur gegenseitigen Unterstützung sind gegenwärtig am Laufen. Eritreische Vereinigung zur gegenseitigen Unterstützung in Heilbronn und Kreis e.V. HAILE Abraham Am Wollhaus 16 74072 Heilbronn Der Verein bietet für Eritreer, die hier leben Kontaktmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, ihre Muttersprache zu pflegen und an ihre Kinder weiterzugeben. Angeboten werden muttersprachlicher Unterricht sowie ein Café-Treff für die Erwachsenen. KAMERUN FREUNDESKREIS angewachsen ist. Neben einem Angebot an Vorträgen und Podiumdiskussionen, arbeitet der Verein mit Schulen, Kindergarten, Jugendhäusen und Institutionen die Aktionen über Afrika planen oder mehr über dieser Kontinent erfahren möchten. Ein Trommelkurs, Tanzkurse, Kochkurse und Modenschauen stehen auch im Angebot. Kamerun Freundeskreis Ekite e.V. Gartenstrasse 6 74177 Bad Friedrichshall Kontaktperson: Valere Hiobi Web: http://www.africalifefestival.com Alevitisches Kulturzentrum e.V. Heilbronn und Umgebung Alevitisches Kulturzentrum Heilbronn Hünderstrasse 24, 74080 Böckingen Tel.:07131/80155 Ansprechpartner: Baki Eser www.heilbronn-akm.de CENTRO DE ESPANA ALEVITISCHES KULTURZENTRUM HEILBRONN EKITE E.V. Der Verein »Kamerun Freundeskreis Ekite e.V.« möchte  Menschen in Deutschland mit Info- und Kulturveranstaltungen Afrika näher bringen.  Er veranstaltet deshalb jedes Jahr im Sommer in Heilbronn  AFRICA LIFE, ein afrikanisches Musik- und Kulturfestival welches inzwischen zu einem großen Event in Süddeutschland her- Das Alevitische Kulturzentrum Heilbronn gibt es seit 1989 und hat inzwischen ca. 300 Mitglieder. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für den Verein. Folgende Angebote bietet der Verein an: o Tanzkurse (türkische Folklore & ritueller Semah Tanz) o Chor o Saz-Unterricht (türkisches Saiteninstrument) o Theater o Walking Kurs o Sprachkurse o Nachhilfe für Schüler/Innen Sonntag ist der Tag in der Woche, wo im Gemeindehaus ein kultureller Austausch und die Kurse stattfinden. Der Verein nimmt jedes Jahr am Europatag, am 1. Mai im DGB Haus und am Böckinger Seefest teil. Er veranstaltet verschiedene Festivals, Seminare und Podiumsdiskussionen mit Politikern. Der Spanische Club »Centro de Espana« ist ein eingetragener Verein . Er ist ein Treffpunkt für Jung und Alt der spanischen und nicht-spanischen Bevölkerung. Jeder ist herzlich willkommen. Der Club besteht aus ca. 50 Mitgliedern. Darunter sind nicht nur Spanier, sondern auch Menschen, die sich für Spanien interessieren - ganz egal welche Nationalität sie haben. Im Club werden oft spanische Feste gefeiert. Dort gibt es dann Köstlichkeiten der spanischen Küche und Unterhaltung mit Tanz und Musik der Flamenco-Gruppe »Azahar Flamenco Gitano«. Wer Freude und Spaß am Tanzen hat, kann sich der FlamencoGruppe anschließen. Jeden Samstag findet Unterricht statt. Austraße 26 74076 Heilbronn Tel. 07131/ 163751, 07131/178845 Flamenco-Gruppe: Mauerstraße 19 74081 HN-Sontheim Tel. 07131/178845, 07131/6420632 Öffnungszeiten: Fr.: 18.00 - 22.00 Uhr Samstags und Feiertags: 17.30 - 0.00 Uhr Sonntags: 17.30 - 22 Uhr HORIZONT E.V. HEILBRONN

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Der Horizont e.V. - ein gemeinnütziger Verein für Bildung und Kultur und seine Initiative, das NeckarBildungszentrum, wurden 2003 mit den Zielen der Förderung und Unterstützung der Bildung von Kindern und Jugendlichen und der Verbesserung des Dialoges zwischen verschiedenen Bevölkerungsschichten und Kulturen gegründet. Der Verein sieht die Bildung als einen wichtigen Schlüssel für eine erfolgreiche Integration in die deutsche Gesellschaft. Horizont e.V. - Verein für Bildung und Kultur Am Wollhaus 17 74072 Heilbronn Tel: 07131 1299651 Ansprechpartner: Dogan Cetinkaya am »Treffpunkt Europa« auf dem Kiliansplatz in Heilbronn. Amicale des Français de Heilbronn c/o Véronique Pfeiffer Fleiner Str. 4 71717 Beilstein Tel.: 07062 / 91 71 50 Fax : 07062 / 91 49 02 Email : info@amicaledesfrancais-hn.de WWW: amicaledesfrancais-hn.de Ansprechpartner : Véronique Pfeiffer, Michèle Jarry-Anton DEUTSCH-AFRIKANISCHER AMICALE DES FRANÇAIS DE HEILBRONN Die Amicale des Français de Heilbronn zählt ca. 50 Mitglieder (französische Bürger der Region Heilbronn). Sie wurde vor mehr als 25 Jahren gegründet. Ziel ist die Pflege der deutsch-französischen Freundschaft und der Austausch praktischer Informationen zwischen den Mitgliedern, die in der Region leben. Die Amicale des Français organisiert und finanziert zahlreiche kulturelle französische und deutsch-französischeVeranstaltungen, die allen Frankreich-Freunden, Studenten und Schülern zugänglich sind. Sie ist Mitglied der Europa Union und beteiligt sich jedes Jahr im Mai VEREIN HEILBRONN Der Deutsch-Afrikanische Verein Heilbronn e. V. wurde 2005 gegründet und bietet seitdem eine Plattform, verschiedene afrikanische Kulturen kennen zu lernen. Sich auszutauschen, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben und einen Erfahrungstransfer zu ermöglichen sind nur einige der Ziele, die der DAVH verfolgt. Großes Interesse besteht auch, sich mit schon bestehenden interkulturellen Projekten im Stadt- und Landkreis zu vernetzen, um die Kooperation mit anderen Interessierten auszubauen und zu intensivieren. Dabei versteht der Verein die Bereitschaft für den offenen und toleranten Umgang miteinander und das Interesse daran als Voraussetzung für den Abbau von Vorurteilen und einen gelungenen Integrationsprozess. Der Austausch von Kultur und Wissen auf direkter zwischenmenschlicher Ebene und die Kommunikation zwischen verschiedenen Nationalitäten fördert somit mehr Verständnis für die/den »Anderen«. Gemeinsame Aktivitäten vom Kindernachmittag, in Kooperation mit dem Olga-Jugendzentrum, über themenspezifische, kulturelle und musikalische Events Veranstaltungen und Workshops bis hin zur gemeinsamen Freizeitgestaltung bieten die Möglichkeit, sich gegenseitig kennen zu lernen und einen Einblick in die Vereinsarbeit zu bekommen. Da der Verein ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt und politisch sowie religiös neutral ist, sind alle herzlich willkommen! Deutsch-Afrikanischer Verein Heilbronn e.V. Angelo Bengui Rosenbergstraße 17 74074 Heilbronn www.davh-online.de

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER SCHENKE EINE ZIEGE FÖRDERUNG DURCH BILDUNG - SPUTNIK E.V. RUSSISCHER FRAUENCLUB Der gemeinnützige Verein »Schenke eine Ziege e.V« hat 2006 ein Projekt initiiert, um die Lebensbedingungen in Uganda zu verbessern. Es wurde eine Ziegenfarm aufgebaut, die es ermöglicht, trächtige Ziegen an bedürftige Familien abzugeben. Diese können dann mit der Milch ihre Kinder ernähren und sich ihre eigene Ziegenzucht aufbauen, um Einkommen zu erwirtschaften. Nach zwei Jahren muss ein Zicklein an die Farm abgegeben werden, damit der unabhängige Fortbestand der Farm abgesichert wird. Um eine Ziege zu erhalten, müssen regelmäßig Schulungen und Workshops besucht werden, welche von den Angestellten vor Ort durchgeführt werden. Beispiele sind: Tierhaltung, Hygiene, Ernährung, AIDS-Prävention und Landwirtschaft. Die 60 Vereinsmitglieder sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland, vorrangig aus Heilbronn und Bühl. Der Verein vermittelt FSJ und kürzere Freiwilligenstellen. Jeder Cent, der nach Uganda gespendet wird, kommt in Uganda an! Das ist das Motto des Vereins. Jegliche Ausgaben werden durch die Vereinsmitglieder gedeckt. Schenke eine Ziege e.V. Heilbronn c/o Robert Wunderlich Siebenbürgenstr. 101 74081 Heilbronn Tel.: 07131/253686 & 01759646204 E-Mail: info@schenkeeineziege.de Web: www.schenkeeineziege.de Sputnik bedeutet übersetzt Begleiter. So versteht sich dieser Verein, er begleitet und unterstützt Menschen, insbesondere mit Migrationshintergrund. Die Ziele von Sputnik sind, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit kostenlosen Bildungsangeboten und mit Kursen zum Selbstkostenpreis zu fördern. Sputnik e. V. wurde 2006 für seine innovativen Ideen mit dem Preis »Echt gut -Ehrenamt, Impulse geben«, 2007 für sein bürgerschaftliches Engagement mit dem Preis »Bürger für Bürger« und 2009 für seine Integrationsleistung von Migranten und Nichtmigranten mit dem Preis »Einsatz für die Demokratie« ausgezeichnet. Sputnik e.V. Gänsäckerstrasse 53 74081 Heilbronn www.verein-sputnik.de Email: Natalie.Siegle@verein-sputnik.de Tel: 07131/6426643 Fax1: 07131/6426645 Fax2: 07136/26919 Filale Möckmühl Margarita.Ziebart@verein-sputnik.de Tel: 07131/5943873 Fax1: 07131/6426645 Fax2: 07136/26919 Der Russische Frauenclub Heilbronn möchte Aktionen von Frauen für Frauen anbieten, der Schwerpunkt liegt bei emigrierten Frauen aus Osteuropa. Ziele sind der Austausch von Erfahrungen, Diskussionen und das Stärken des Selbstvertrauens der ausländischen Frauen, wie im Umgang mit Behörden und der Interessensvertretung ihrer Kinder. Russischer-Frauen-Club in Heilbronn e.V. Uhlandstraße 69 74074 Heilbronn Tel.:07131/1331376 Regelmäßige Treffen finden jeden letzten Freitag des Monats statt. DEUTSCH-POLNISCHER FREUNDESKREIS Der Deutsch-Polnische Freundeskreis versteht sich als eine Gruppe von Polen und Deutschen, die sich für den kulturellen und sozialen Austausch beider Nationen interessieren. Mehrere Male im Jahr treffen sich die Teilnehmer zu zwanglosen Aktivitäten, wie Radfahren, Wandern, Besuch kultureller Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen. Deutsch-Polnischer Freundeskreis Heilbronn Simon Tubek tubek@gmx.de Reinhold Schmidt reinhold.schmidt@t-com.net Frankfurter Str. 16/1 74072 Heilbronn

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER I N T E R N AT I O N A L E F E I E RTA G E Januar Weihnachtsfest in Eritrea In Eritrea feiert man Weihnachten am 6. Januar. Die Hälfte der Einwohner sind Christen, die andere Hälfte sind Muslime.  Vor allem die Eritreisch-Orthodoxe Kirche ist vertreten, die der Koptischen Kirche angehört.   In Eritrea feiert man Weihnachten mit einem bunten Fest. Traditionell tragen dabei sowohl Frauen als auch Männer weiße Kleidung als Zeichen der guten Wünsche, die man sich gegenseitig ausspricht. Die Mehrheit der Muslime im Land gehören dem Sunnitischen Islam an. Heilige Drei Könige in Frankreich Lichtmesse. Traditionell backt man an diesem Tag Pfannenkuchen, die man beim Wenden in der Pfanne hochspringen lässt. Eine Münze in der einen, die Pfanne in der anderen Hand, soll Glück bringen.  4. Februar Mawlid an-Nabi im Islam Moslems feiern den Geburtstag des Propheten Muhammad. Mawlid an-Nabi wird am 12. Tag des Monats Rabi' al-auwal des Islamischen Kalenders gefeiert. 2. März Siegestag der Schlacht von Adwa (Eritrea) Traditionell wird am 6. Januar in Frankreich der »Galette des Rois« gebacken, ein besonderer »Drei-Königs-Kuchen«. 7. Januar Weihnachten (orthodox) z. B.: Weihnachtsfest in Russland: Die russische Kirche feiert die Geburt Jesu Christi am 7. Januar. 19. Januar Die Schlacht von Adua (amharisch Adwa) wurde von der äthiopischen Armee unter Kaiser Menelik II. gegen die italienischen Invasionstruppen unter General Oreste Baratieri am 1. März 1896 bei der Stadt Adua im Norden Äthiopiens geschlagen. Sie war die wichtigste Schlacht des ItalienischÄthiopischen Kriegs. 8. März Purimfest (Jüdisch) Timkat (Äthiopien) Das  äthiopisch-orthodoxe  Fest der  Taufe Jesu  im  Jordan  und der  Epiphanie. Das Fest findet am 19. Januar (20. Januar in  Schaltjahren) statt, d.h. am 10. Tag des äthiopischen  Herr-Monats. Das Fest ist bekannt für seine Reinszenierungen der Taufe (ähnlich wie bei christlichen  Pilgern  im  Heiligen Land, die die Taufe im Jordan nachstellten). 2. Februar Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen  Diaspora erinnert.  17. März Verfassungstag (Weißrussland) 19. März St. Josephs Tag (Spanien) La Chandeleur in Frankreich Am 2. Februar feiern die Franzosen das katholische Fest der Kath. Hochfest zum Gedenken an Joseph v. Nazareth. Am 19. März feiern die Spanier ihren Vatertag El Día del Padre.

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER April Dieser Tag wurde daher ausgewählt, weil es der Joseftag, der Tag des Heiligen José (Jesu Vater), ist. In Spanien ist es üblich, Geschenke von Kindern zu bekommen, die sie meistens in der Schule gemalt oder gebastelt haben. 6. April Unabhängigkeitstag (Togo) 1. Mai La fête du muguet in Frankreich Befreiungstag (Eritrea) 7.-14. April Das Fest der Arbeit ist in Frankreich eher das Fest der Maiglöckchen, die ohne Gewerbeschein an jeder Straßenecke verkauft werden dürfen. Man sagt, sie bringen Glück, also schenkt man seinen Lieben ein Bündchen als Glücksbringer. Tag des Frühlings und der Arbeit in Russland Tag des Frühlings (Türkei) 9. Mai Pessach (Jüdisch) Pessach gehört zu den zentralen Festen des Judentums. Es wird auch Passa(h) oder Pascha genannt und erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus der dortigen Sklaverei.  Die Nacherzählung (Haggada) verbindet jede neue Generation der Juden mit ihrer Ursprungsgeschichte. 23. April Tag des Friedens (Weißrussland) 12. Mai Internationales Kinderfest (Türkei) Unabhängigkeitstag in Russland 23 Nisan (türk. für »23. April«) ist ein offizieller Feiertag für die Kinder in der Türkei, der im Jahr 1920 von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk eingeführt wurde.  Atatürk widmete diesen Tag unter dem Motto »Çocuklarymyz gelecedimizdir« (Unsere Kinder sind unsere Zukunft) den Kindern. Seit 1979 trägt der Feiertag den erweiterten Titel »Internationales Kinderfest« und unterstreicht so seine vorrangige Bedeutung: Integration und Verständnis für andere Kulturen im Kindesalter fördern. 26. April Russland feiert seinen Nationalfeiertag in Erinnerung an die staatliche Unabhängigkeit am 12. Mai 1990 19. Mai Atatürk-Gedenktag (Türkei)  & Tag der Jugend und des Sports Unabhängigskeitstag (Israel) Jeweils am 5. Ijjar des jüdischen Kalenders feiert Israel seinen Unabhängigkeitstag, den Jom haAtzma'ut.  In Israel ist der Jom haAtzma'ut ein fröhlich-heiterer Feiertag, den viele Israelis zu Ausflügen mit Freunden und Familien nutzen. Die israelische Unabhängigkeitserklärung erfolgte am 14. Mai 1948 beziehungsweise 5. Ijjar 5708; der Jom haAtzma'ut wurde im folgenden Jahr 1949 als Erinnerung an die Proklamation des jüdischen Staates durch David Ben Gurion eingeführt. Der 19. Mai ist eines der bedeutendsten nationalen Feiertage der Türkei. An jedem 19. Mai wird das Jugend- und Sportfest gefeiert. Am 19. Mai 1919 ging der Gründer der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, in die Provinz Samsun. Dieser Tag gilt als der Beginn der Befreiungsbewegung der Türken gegen die imperialistischen Besatzermächte Großbritannien, Frankreich, Italien und Griechenland. 24. Mai Unabhängigkeitstag (Eritrea) 30. Mai Tag der Kanarischen Inseln (Spanien) Beim Día de Canarias am 30. Mai steht ausschließlich alles Kanarische im Mittelpunkt. Dieser Festtag ist deshalb so

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER wichtig, da er den Sieg der Kanaren, als autonome Provinz anerkannt zu werden, markiert. 3. Juni Tag der Märtyrer (Uganda) Der 3. Juni ist ein besonders bedeutendes Datum - zumindest in Uganda. Denn dieses Datum markiert dort den höchsten Feiertag. An diesem Tag gedenken nämlich die Christen in Uganda ihrer Märtyrer. Diese wurden im Jahre 1886 gequält und verbrannt, weil sie sich trotz Todesandrohung öffentlich zu ihrem Glauben bekannten. 20.-21. Juni Hauptfest des Islams. Wie alle islamischen Feste wandert es langsam rückwärts durch das Sonnenjahr und kann daher zu jeder Jahreszeit stattfinden. 30. August Siegestag (Türkei) 17.September Schawuot (Jüdisch) Schawuot ist das jüdische Wochenfest, das ca. sieben Wochen bzw. 50 Tage nach dem Pessachfest gefeiert wird. 3. Juli Rosh ha-Shana ( jüd. Neujahr) Unabhängigkeitstag (Weissrussland) 4. Juli Independance Day (USA) 14. Juli Rosch ha-Schana ist laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr, und man tritt mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott. 26. September Tag der Frz. Revolution (Frankreich) 20. Juli Yom Kippur (jüdisch) 1. Ramadan (muslimisch) Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. Vormonat ist der Scha'ban, dem Ramadan folgt der Schawwal.  Das Fest des Fastenbrechens  am Ende des Ramadans ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag. 19.-21. August Yom Kippur, der Versöhnungstag, ist der höchste jüdische Feiertag. Er wird im Herbst im September oder Oktober als Fastentag begangen. Zusammen mit dem zehn Tage davor stattfindenden zweitägigen Neujahrsfest Rosch Haschana bildet er die Hohen Feiertage des Judentums und den Höhepunkt und Abschluss der Periode der Reue und Buße. 27.September Maskalfest (Eritrea & Äthiopien, koptisch) Ramadanfest/Zuckerfest (muslimisch) Das Ramadanfest ist ein islamisches Fest zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan. Im Türkischen wird das Fest auch als  Zuckerfest  (?eker Bayram?) bezeichnet. Das Fest, mit dem die 29- bis 30-tägige Fastenzeit ihren Abschluss findet, wird in den ersten drei Tagen des Folgemonats Schauwal gefeiert. Es ist nach dem  islamischen Opferfest  das zweite Das Maskalfest wird zur Erinnerung an die Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena, die Mutter des großen Konstantin von Byzanz, begangen. Die ganze Bevölkerung Addis Abebas rückt zu diesem Fest auf den Platz vor der Gheorgiskathedrale. Was Beine zum Gehen und Tiere zum Reiten hat, findet sich ein, um den Kaiser und seinen Hof, den tanzenden Priestern zuschauen zu sehen. Die Kreuzesfeier hat wohl die Bedeutung einer

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER Frühlingshuldigung, denn sie fällt auf den 26. September, und das ist das Ende der Regenzeit, nach der alles neu zu blühen beginnt. 1-7. Oktober Moslems feiern das Opferfest als höchsten islamischen Feiertag. Das Opferfest ist der Höhepunkt des  Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka.  20. November Sukkot (Laubhüttenfest) (jüdisch) Weltkindertag 25. November Sukkot oder Laubhüttenfest ist eines der drei jüdischen Wallfahrtsfeste. Das Fest wird im Herbst, fünf Tage nach dem Versöhnungstag, im September oder Oktober gefeiert und dauert sieben Tage. Thanksgiving (USA) 2.-9. Dezember Chanukka/Lichterfest (Jüdisch)  9. Oktober Torafest (jüdisch) Juden feiern das Lichterfest und die Wiedereinweihung des Tempels. 5.-16. Dezember Simchat Torah als eigenständiger Feiertag entstand im Mittelalter, in der Zeit der Gaonim, als sich der jährliche Zyklus für die Vorlesung der Torah durchsetzte. Unabhängigkeitstag (Uganda) 12. Oktober Muharremfasten (Aleviten) 6. Dezember Tag der Verfassung (Spanien) Dia de la Hispanidad (Spanischer Nationalfeiertag) 29. Oktober 7. Dezember Islamisches Neujahr Neujahrsfest nach islamischem Kalender: Moslems feiern das neue Jahr 1434 n.H. (nach der Hidschra) 16. Dezember Ausrufung der Republik (Türkischer Nationalfeiertag) 31. Oktober 17. Dezember Aschure (Aleviten) Halloween 2. November 27. Dezember Aschuratag (Muslime) Tag der Erinnerung (Weissrussland) 17. November Ashura-Fest Opferfest (muslimisch) 129 im Islam am 27.12.: Moslems feiern den Fasten- und Rettungstag des Propheten Moses

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TITELTHEMA: AUSLÄNDER interKulturelle aDressen in DeutscHlanD GRIECHISCH - ORTHODOXE KIRCHE ZENTRUM FÜR TÜRKEISTUDIEN ISLAMRAT FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND ISLAM-ARCHIV-DEUTSCHLAND Exarch von Zentraleuropa Dietrich-Bonhoffer-Str 2 53227 Bonn Telefon: 0228/46 20 41/42 KATHOLISCHE KIRCHE BISCHÖFLICHES ORDINARIAT Altendorfer Str. 3 45127 Essen Telefon: 0201/3 19 80 DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR DIE VEREINTEN NATIONEN Postfach 1528 4770 Soest-Dreiringsen Telefon: 02921/6 07 02 ISLAM-REFERAT DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND Abt. Öffentlichkeitsarbeit Wundtstr. 48-50 14005 Berlin Telefon: 030/320 06 287 BUDDHISTISCHE GESELLSCHAFT BERLIN E.V. Dag-Hammarskjöld-Haus Poppelsdorfer Allee 55 53115 Bonn Telefon: 0228/94 90 00 ZENTRALRAT DER JUDEN IN DEUTSCHLAND K.Ö.D.R. Kirchenamt der EKD Herrenhäuser Str. 12 30419 Hannover Telefon: 0511/279 62 35 DEUTSCHE UNESCO KOMMISSION Wulffstr. 6 12165 Berlin Telefon: 030/792 85 50 CONGREGATION DER VEREINIGTEN VIETNAMESISCHEN BUDDHISTISCHEN KIRCHE Leo-Baeck-Haus Postfach 04 02 07 10061 Berlin Telefon: 030/284 45 60 EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND Colmantstr. 15 53115 Bonn Telefon: 0228/69 20 91/92 DIOZIÖSE DER ARMENISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND Abteilung i.d. Bundesrepublik Deutschland e.V. Karlsruher Str. 6 30519 Hannover Telefon: 0511/87 96 30 FÖDERATION DER ALEVITEN GEMEINDEN IN EUROPA E.V. Abt. Öffentlichkeitsarbeit Oberkirchenrat Kolmar Herrenhäuser Str. 12 30419 Hannover Telefon: 0511/2 79 60 DEUTSCHE BUDDHISTISCHE UNION E.V. Erzbischoff Karakin Bekdjian Almsteiner Str. 5, 50735 Köln Telefon: 0221/712 62 23 Stolberger Str. 317 50933 Köln Telefon: 0221/949 85 60 Dachauer Str. 109 80636 München Telefon: 089/523 12 12

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QUIZ DICH G L Ü C KLICH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº7 FraGe: Wie lanGe War HerBert Feuerstein cHeFreDaKteur Des leGenDÄren maD-maGazins in DeutscHlanD? HerBert Feuerstein War vor seinem leBen als siDeKicK von HaralD scHmiDt in »scHmiDteinanDer« Der erFolGreicHste cHeFraDaKteur Den Das maD-maGazins WeltWeit GeseHen Hat. am 20. aPril tritt Der tausenDsassa mit seinem ProGramm »reisen unD anDere KatastroPHen« im alten tHeater in HeilBronnsontHeim auF. AUFBRUCH REALISMUS DIE NEUE WIRKLICHKEIT IM BILD NACH '68 STÄDTISCHE MUSEEN GRAFIK ALTEREGO 1 x DVD MOVIE CHOUCHOU 3 x Kunstkatalog 3 x KAUZ-Gürtel ALTEREGO 3 x 20-EURO-Gutschein Die Städtischen Museen Heilbronn stiften drei Ausstellungskataloge zur sehenswerten Ausstellung »Aufbruch Realismus«. 144 Seiten, Hardcover, mit wissenschaftlichen Beiträgen und über 130 Farbabbildungen, erschienen im Kerber-Verlag.-Arena. Wir verlosen drei stilvolle Gürtel, die von Via Grafik gestaltet wurden. Deren kleines Modelabel heisst KAUZ und so kommt der Gürtel daher: kauzig, mit stilvollem, schwarz-weißem Zacken-Design. Die weltweite GraffitiDoku gibt einen intimen Einblick in die Details einer öffenlichkeitsscheuen Bewegung, die gleichzeitig wohl die grösste Kunstbewegung aller Zeiten ist, und oft nicht als solche verstanden wird. Französischer Chic und Coolness in Heilbronn. chouchou, die kleine aber feine Boutique in der Oberen Neckarstraße verlost drei Gutscheine im Wert von je 20 Euro. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ@HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: I´M MAD! EINSENDESCHLUSS IST DER 14. APRIL 2012. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT UND NAMENTLICH VERÖFFENTLICHT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: 2006

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L I E B E H E I M AT, EIN BRIEF AUS WELLINGTON, NEUSEELAND VON MICHAEL DIKTA FOTOS: MICHAEL DIKTA SPRECHER: SVEN BUCHHOLZ wie geht's dir so?  Mir könnte es in Neuseeland nicht besser gehen. Ich bin jetzt seit fünf Monaten hier und kann mir kaum vorstellen, wie es wohl daheim in der Heimat ist. Liebe Heimat, ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass ich den Geschmack von Maultaschen schon längst vergessen habe. Als ich in Neuseeland ankam, war alles etwas komisch für mich. Alles ist anders als zu Hause. Die Menschen sind so zuvorkommend und gastfreundlich. Das war zunächst etwas irritierend, weil ich es einfach nicht gewohnt war von wildfremden Menschen eingeladen zu werden und das auch noch für mehrere Tage. Ich habe aber schnell gelernt, dass die Menschen hier gerne helfen und gerne teilen.  Meine ersten beiden Monate in Neuseeland habe ich damit ver134 bracht, Geld für meine Reise zu verdienen. Ich habe sechs Wochen auf einer Apfelfarm in Napier gearbeitet. Die Arbeit war hart, aber jeden Tag im Freien zu arbeiten hat auch seine Vorteile. So braun wäre ich im Ländle nie geworden. Dann konnte ich noch durch Zufall  für zwei Wochen auf einem Festival beim Aufbau helfen und mir noch etwas Geld und ein Ticket für das Festival verdienen.  Nachdem ich genug Geld gespart hatte, habe ich mich mit meinem Van, den ich mir am Anfang der Reise gekauft hatte, einen Roadtrip gemacht. Drei Monate war ich unterwegs. Da ich nicht der Mensch bin, der gerne etwas plant oder an die Zukunft denkt, habe ich einfach alles aus dem Bauch entschieden. Jeden Morgen habe ich nur kurz auf die Karte geschaut um ungefähr zu wissen, was an diesem Tag vielleicht mein Ziel sein könnte. Meistens bin ich aber ganz woanders gelandet, da ich entweder Tramper mitnahm und die ganz gute Ideen hatten oder andere Backpacker haben mir Tipps gegeben,  was ich mir definitiv anschauen sollte. Trampen ist hier übrigens das Normalste der Welt. Jeder tut es und

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BRIEFE AN DIE HEIMAT: AUS WELLINGTON, NEUSEEL AND jeder nimmt gerne Tramper mit. Manchmal versteht man sich so gut, dass man entscheidet für mehr als nur ein paar Kilometer zusammen zu reisen. Es kann dann damit enden, dass man tagelang zusammen durch Neuseeland fährt und gemeinsam eine verdammt gute Zeit hat. Ich finde, das Beste am Leben in einem Van ist, dass man an den abgelegensten und unglaublichsten Kulissen campt und morgens mit einer unglaublichen Aussicht begrüßt wird. Das Gefühl von Freiheit vermischt mit der unglaublichen Landschaft und der Gelassenheit, die man in diesem Land entwickelt, lässt einen alles andere vergessen, sogar dich, liebe Heimat. Am Ende des Trips habe ich meinen Van verkauft und bin nach Wellington getrampt. Seit zwei Wochen bin ich in Wellington und arbeite im »Rosemere Hostel« an der Rezeption und in einem Café. Es ist komisch, weil ich so frei war und jetzt wieder arbeiten muss. Aber das Leben in einem Hostel wird nie langweilig. Ich fühle mich wie in einer großen WG. Da ich nicht der Einzige bin, der für eine längere Zeit hier lebt und jeder aus einer anderen Ecke der Welt kommt, fühlt es sich an, wie eine internationale WG. Ich werde hier die nächsten zwei Monate bleiben, arbeiten und Geld für meine weitere Reise verdienen. Ja Heimat, meine weitere Reise, du hast richtig gehört. Du wirst mich so schnell nicht wiedersehen. Vietnam, Laos, Kambodscha, Myanmar, Thailand, Nepal und Hongkong werden mich noch eine Weile von dir fern halten. Aber keine Angst, vergessen werde ich dich und alles was mich mit dir verbindet nicht. Also sei bitte nicht so kalt und grau, wenn ich zurück komme. Ich werde es auch nicht sein, auch wenn dann einer der besten Abschnitte in meinem Leben endet. Sag allen daheim einen Gruß von mir, vielleicht werde ich dir ja mal wieder schreiben. Ahoi, Michi stecKBrieF N a m e : M i c h a e l D i kta Alter: 20 I n N e u s e e l a n d s e i t : 1 3 . O k tober 20 11 Fr ü h e re r Wo h n o r t : S c hwaigern D e r ze i t i g e r Wo h n o r t : Wellington

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TEXT: RAFAELA JECKLE FOTO: PRIVAT TA N Z D E R B LU M E N ! Obw o h l Br asilien mit wunderbarer Natur aufwar ten kann, d i e m a n h i e r in Deutschland vergeblich sucht, ist Rafaela Je c k l e d e r Meinung, dass gerade die Unterländer einen b e s o n d e r s g r ünen Daumen haben. Gr üner jedenfalls als die Da u m e n d e r Brasilianer. Es ist endlich Frühling in Deutschland und das Blumenspektakel hat bereits begonnen. Eine unendliche Vielfalt an Pflanzen aller Größen und Farben schmückt Heilbronn. Die kalte Jahreszeit hat dem Frühling Platz gemacht, überall sprießt Grünes hervor und die Natur erfindet die Welt wieder neu. Während der Jahreszeit der Blumen wird Heilbronn zum bunten Schauplatz. An einigen Stellen scheint der Boden das Bild eines Regen136 bogens wiederzugeben. In dieser Zeit blühen nicht nur die Blumen der Region auf. Auch die Menschen scheinen zu neuem Leben erweckt. Sie sind gut gelaunt und wollen das Leben genießen. Die lähmende Wirkung des Winters wird abgeschüttelt, das Leben beginnt zu sprießen und das Land und seine Gärten entfaltet seine Pracht. In Baden-Württemberg sind Kirsch- und Apfelbäume die Boten des Frühlings. Überall in der Region werden rote Äpfel zum Verkauf ange-

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NEIG´SCHMECKT: TANZ DER BLUMEN! boten. Oft wirft man das Geld zum Bezahlen einfach in ein Sparschwein, das neben den Früchten platziert wurde. Der erste Biß ist süß-sauer und saftig. Ein Geschmack, der nach Sonne schmeckt. Die bunte Schönheit des Frühlings verbreitet sich durch die Straßen der Stadt. An jeder Ecke sieht man schmuckvolle Gärten. Das zeigt das die Unterländer geborene Gärtner sind. Männer und Frauen pflanzen in der gesamten Region Keimlinge und Blumenzwiebeln. Kinder und Senioren warten gespannt auf die Ankunft des Frühjahres, wenn sie endlich die befriedigende Arbeit in ihrem Gartenbeet beginnen können. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Gartenarbeit im Heilbronner Land und die damit einhergehende Beobachtung des Lebens ein Volkshobby sei. Meine größte botanische Erfahrung habe ich überraschender Weise hier im Ländle gemacht als ich vor ein paar Jahren mit meinem geliebten Schwiegervater meinen ersten Baum gepflanzt habe. In unserem Garten pflanzte ich einen Pflaumenbaum, der eines Tages Früchte tragen wird. Ich freue mich schon auf die erste Ernte und den Geschmack meiner Pflaumen. Wie die Einheimischen hier, verbringe ich inzwischen auch sehr viel Zeit im Garten und genieße es, mit meinen Händen zu arbeiten und draußen an der frischen Luft zu sein. Wer in diesem Land keinen Garten hat, genießt den Frühling eben zu Hause. Die Schwaben schmücken ihre Wohnungen und Balkone mit einer wahren bunten Blumenpracht. Obwohl es in Brasilien so viel Natur gibt, haben wir keine so innige Beziehung zu Blumen, wie es die Unterländer haben. Schade eigentlich. In Brasilien kann fast niemand Gartenarbeit. Man pflanzt nur als Kind einmal in der Schule etwas, einfach nur um zu lernen, wie die Natur funktioniert. Wer in Brasilien ein großes Grundstück hat und entsprechend den Garten pflegen muss, fragt nach professioneller Hilfe. Man bestellt einen Gärtner damit er die Gartenarbeit übernimmt. Die Meister ihres Faches sind die japanischen Migranten. Die Japaner sind die besten Gärtner in Brasilien. Im Blumenladen, in den Gärten und in der Natur begrüßen die verschiedensten Arten von Blumen den Frühlingsanfang. In der deutschen Volksseele, ist der Samen des Lebens und die Kraft zum Wiederaufbau gepflanzt. Ganze Generationen haben von der Gnade des Frühlings gezehrt und vielleicht wurde aus diesem Grund die Pflege des Gartens zum angesprochenen Volkshobby. Die Hobbygärtner arbeiten oft fleißiger im Garten als an ihrem Arbeitsplatz. Sie wollen alles pflanzen: Rosen, Magnolien, Gemüse, Obst und auch Bäume. Es ist interessant Lebensmittel aus dem eigenen Garten zu essen. Es macht mehr Spaß, besonders für Kinder, und es ist gesünder als Gemüse und Obst aus dem Supermarkt. Die Gerüche in dieser Jahreszeit sind auch einzigartig. Man will einfach in der Natur sein und das Erwachen des Lebens beobachten. Bei mir verändert sich während des Frühlings auch etwas. Ich will mich wie eine Blume fühlen und so bunt wie möglich werden. Ein anderes Phänomen das ich bei mir beobachte, ist, dass ich Lust bekomme Frühlingsbilder zu machen. Ich fotografiere Schmetterlinge in der Natur und mich selbst zwischen der Blumenpracht. Die Fotos schicke ich dann meinen Freundinnen nach Brasilien, um sie zu beeindrucken. Viele denken, dass Deutschland grau ist und ich kann so das Gegenteil beweisen. Am Ende des Frühlings wird das bunte Szenario einfach noch schöner. Die Temperatur steigt und die Sonnenblumen recken ihre »Köpfe« in die Höhe. Obwohl diese Pflanze aus Südamerika kommt, habe ich Sonnenblumen nur selten in einem Garten in Brasilien gesehen. In Obersulm, meiner kleinen Heimatstadt, gibt es ein riesiges Sonnenblumen-Feld, das fast wie ein privates Paradies ist. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, diese Schönheit wieder zu sehen. Die gelben Blumen dienen als Fest für Bienen, sind Freunde für Schmetterlinge und ziehen Vögel fast magnetisch an. Von meinem Fenster aus sehe ich die riesigen Sonnenblumen, meine Gefühle färben sich gelb und ich rieche den leichten Sonnenblumen-Duft, der mir neuen Atem bringt. Es ist Frühling.

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AROUND THE WORLD MIT PATRICK ORTWEIN L' A M I T I É S U R PA P I E R - VON KORRUPTION, S O L I D A R I TÄT U N D DEM WUNSCH, SEIN H E I M AT L A N D Z U VERLASSEN TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: PATRICK ORTWEIN

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ARO UND THE WORLD: MAROKKO Auc h d i e s m a l b e r i c h t e t u n s Patr i c k Or t we i n a u s Ma ro k k o. Es g e h t u m e i n f e h l e n d e s Freu n d s c h a f ts p a p i e r, Po l i ze i kon t ro l l e n u n d d i e l a n d e s übl i c h e n Ta r i f e z u r Be s t e c h u n g der Ge s e t ze s h ü t e r. Meine Beteuerung, dass Younes mein Freund sei, interessierte die marokkanische Polizei wenig. Es war den drei Schweinen (die Zeit, eine euphemische Umschreibung zu suchen, ist mir an dieser Stelle zu schade) nicht mehr als ein müdes Lächeln damit zu entlocken. Meine bedeutungslose Rolle in dem Szenario, welches sich vor mir abspielte, fand seinen Ausdruck in dem Desinteresse das man mir entgegnete, und wurde besiegelt indem ich eines Cafés verwiesen wurde. »Du bist ein Tourist, also bleib in deiner Welt und halt dich raus aus der Unseren!« Die Worte musste der Beamte auf dem Motoroller nicht aussprechen, die ihm ins Gesicht geschriebene Verachtung tat dies ohnehin. Also wartete ich. Younes sollte angeblich nach 15 bis 20 Minuten zurückkommen, laut Polizei. Was von dem Moment als uns 3 Motoroller den Weg versperrten, zur Festnahme Younes so schnell ging dass ich nichts verstand, schlug um in drangsalierendes Warten. Bereits mehr als eine Stunde war vergangen. Ich bezahlte, stand auf und machte mich, aus Verzweiflung und um der Paralyse zu entfliehen, auf die Suche nach dem Polizeirevier. Younes ist mein Freund und Kollege. Wir arbeiteten zusammen in der Todra Schlucht, nahe Tinerhir, als Klettertrainer. Meine Pläne, die Reise per Anhalter durch die Wüste direkt nach Mauretanien fortzusetzen, musste ich aufgrund Unruhen im Grenzgebiet ein wenig verschieben. Also dachte ich, ich lasse mich für einen Monat im angeblich besten Klettergebiet Marokko's nieder, lerne Arabisch und die Kultur kennen indem ich dort arbeite und verbringe eine gemütliche Zeit. Ich lag zugleich mit allem richtig und falsch. Es war relativ leicht einen Job zu finden, genaugenommen kam er mir zugeflogen. Ich kam mit einer tschechischen Karavanne an und verbrachte die erste Nacht in der Schlucht. Morgens fand ich mich zwischen atemberaubenden Felswänden und neben einem Berber wieder. Ich erzählte ihm von meinem Plan hier gegen Unterkunft und Verpflegung zu arbeiten. Er nahm

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AROUND THE WORLD: MAROKKO Die Menschen im Dor f, denen wir noch ver trauten; konnte man an einer Hand abzählen. Einer davon war Younes. mich direkt mit und stellte mich »der Familie« vor. Wie sich herausstellen sollte, ist beinahe das gesamte Dorf eine Familie. Ich wurde herzlich empfangen, langsam in die Arbeit im Haus eingeführt und lernte Abdul kennen, den Chef. Er stellte sich mir vor, mit den Worten »Ich bin ein Berber, ich mag Geld nicht«. Auch das entsprach nicht direkt der Wahrheit. Er war ebenso gebunden an die Vorstellung durch die gezielte Abzocke von Touristen immer mehr Geld zu machen, wie an seine Flasche Maghia, den hiesigen Dattelschnaps. Ich lernte jedoch auch einer Heuchelei Raum zu schaffen, die der seinen gewachsen war. Ich durfte beim Abwerben von Kunden bis zu einem Preis von 20 Dirham handeln, George, ein slowenischer Kletterer, musste nicht handeln. Wir waren fortan zu zweit und bewohnten ein kleines Zimmer im Kasbah. Auch George wurde in die Familie eingeführt, zuerst indem sein Gemüse und Obst das er in der Küche lagerte, ebenso wie seine Zigaretten, abhanden kam. Dann indem er gezielt angewiesen wurde Kunden abzuwerben. Und es folgten die ersten Drohungen. Jeder Kunde der die Auberge Abdul's betrat wurde mit uns assoziiert. George wurde nachts von Bewohnern des Dorfes darauf hingewiesen, dass er hier unerwünscht sei. Es wurde versucht ihm den Verkauf von Haschisch anzuhängen und wir wussten, lange ginge das nicht gut. Die Menschen im Dorf, denen wir noch vertrauten, konnte man an einer Hand abzählen. Einer davon war Younes. Ein etwa 28 jähriger Klettertrainer (das genaue Geburtsdatum ist wie bei den meisten nicht bekannt), der dank japanischer Kletterkurse finanziell gut ausgestattet war. Er stand eines Nachts, leicht angetrunken, vor meiner Türe und meinte wir gehen jetzt ein wenig »Urlaub machen«. Das Ziel: Ouarzazate. Die etwa 150 km entfernte Stadt der Filmstudios, Stars und Clubs. Das Taxi, bereits bezahlt, wartete unten, Younes schwankt zwischen linkem und rechten Tüpfosten, ich zwischen schlafen und feiern, hin und her. Wir kürzen die Geschichte an dieser Stelle. Es ist irgendwann morgens in Ouarzazate, wir kommen zurück zu dem Ort, den wir mit dem Taxifahrer vereinbart hatten. Selbstverständlich ist er nicht mehr da. Wir beschliessen unser restliches Geld in Kaffee umzumünzen, danach per Anhalter zurückzukommen und machten uns gerade auf den Weg ein Café zu suchen als uns 3 Motoroller den Weg versperrten. Was auf Kinderrollern eher lächerlich aussah, war eine verdammt ernste Polizeikontrolle. Ich wurde nach meinem Herkunftsland gefragt und blieb dann unbeachtet. Younes gab der Polizei seinen Ausweis. Er sah verunsichert aus und schien zu wissen was ich nicht wusste. Es folgte eine

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AROUND THE WORLD: MAROKKO Diskussion in die ich nicht mit einbezogen wurde und die ich nicht verstand und Younes, wurde abgeführt. Unauffällig und schnell ging alles vonstatten. Es war leicht das Polizeirevier ausfindig zu machen, jedoch weniger leicht Zutritt zu bekommen. Ich erfuhr, dass Younes keine Erlaubnis hatte mit mir zu reisen. Er darf seine Provinz nicht mit einem Tourist verlassen, ohne bei der zuständigen Behörde eine Erlaubnis dafür zu beantragen. »Papier sur l'amitié«, eine Bestätigung der Freundschaft, nennt man dies. Es wurde mir erklärt das sei nur zu meinem Schutz. Wo bleibt die Eigenverantwortlichkeit der Reisenden? Kann ich nicht mit meinem Verstand entscheiden mit wem ich wohin gehe und Verantwortung für mich selbst tragen? Ist es notwendig dass die Polizei uns vor den Einheimischen schützt wie vor wilden Hunden. Dass wir uns so frei bewegen können und die eigenen Leute an der Leine gehalten werden? Doch zu dem Problem kam noch ein anderes hinzu. Younes hat in der Nacht zuvor Alkohol getrunken und die Polizei in Marokko, spielt eine erzieherische Rolle. Als er nach Stunden aus dem Revier kommt, hält Younes sich den Bauch und weint. Ich will auf ihn zugehen, doch die Polizei weisst mich zurück. Wir dürfen nicht gemeinsam gehen und treffen uns erst an der Bushaltestelle wieder. In weniger als 10 Minuten schafft uns Younes gratis in einen Bus und wir sind auf dem Weg »nach Hause«. Die Solidarität zwischen Marokkanern ist ebenso einzigartig wie die Korruption der Polizei. Wir hätten nur etwa 200 Dirham benötigt, ca. 20 Euro um uns »freizukaufen«. Man kann sagen, es gibt dank der Unterbezahlung Tarife für die Bestechung marokkanischer Polizisten. An dieser Stelle machen wir einen kleinen Sprung nach hinten. Die tschechische Karavanne mit der ich in der Todra Schlucht etwa vier Wochen zuvor ankam, bestand zum Grossteil aus Junggesellen mittleren Alters, die noch einmal ihre Jugend aufblühen liesen. So kam es dann auch dass Gender am Strand von Taghazout von der Polizei beim Hasch-rauchen erwischt wurde. Der Tarif besagt in diesem Fall etwa 500 Dirham, für den nächsten, ranghöheren Offizier bereits 1000 Dirham und spätestens da sollte man entlöhnen, denn ein marokkanisches Gefängnis will man nicht gesehen haben. Gender jedoch, war in Marokko bereits so aklimatisiert, dass er mit dem Offizier zu handeln begann. Er kaufte sich für 400 Dirham und ein altes Autoradio frei. Der Polizist steckte Geld und Haschisch ein und war davon. All diese Erfahrungen haben mir das Gefühl gegeben dass jetzt kein schlechter Zeitpunkt wäre um weiterzuziehen. Ich habe Marokko bereits besser kennen gelernt, als es mir lieb ist und ohne-

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AROUND THE WORLD: MAROKKO hin noch einen langen Weg vor mir. Also haben George und ich eines Tages das Haus in der Todra Schlucht verlassen um für die letzten Tage eine Höhle in der Schlucht zu beziehen. Ich habe meinen Weg anschliessend per Anhalter Richtung Norden fortgesetzt um in Marrakech langersehnten Besuch aus Deutschland zu empfangen und George musste zurück nach Spanien um zu arbeiten. Trampen in Marokko ist für mich der beste Weg der Fortbewegung. Nicht nur dass man schneller eine Mitfahrgelegenheit bekommt als einen Bus, es ist auch ein angenehmer Weg um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Pick-up Trucks, Strohtransporte, von Eseln gezogene Karrenwägen, es gibt nichts wo ich noch nicht versucht hätte aufzuspringen. In 3 Tagen Hitchhiken habe ich eine Strecke von ca 800 km quer durch das Land, über den Hohen Atlas bis Marrakech, die Wasserfälle von Ouzoud bis nach Rabat zurückgelegt. Die letzten zwei Tage habe ich zusammen mit Claudio, einem Studenten aus Mün142 chen, einem Startkapital von 10 Dirham, etwas weniger als 1 Euro, und einigen Nahrungsmitteln zurückgelegt. Neben verrückten Mitfahrgelegenheiten, die sich während eines Überholmanövers eine Pfeiffe anzünden und einem sympathischen Marokkaner der sogar München bereits besuchte (er sass dort aufgrund Drogenhandel ein halbes Jahr im Gefängnis ein), gibt es auch jene, welche uns mit Geschenken überhäuften, und so kamen wir mit erstklassigem Olivenöl, frischem Thymian und anderen Dingen in Rabat an, wo wir von unserer letzten Mitfahrgelegenheit einen Platz zu schlafen und ein Tajine aufgetischt bekamen. Ein Vorgeschmack auf die Strecke die mich nun erwartet, per Anhlter durch die Westsahara über Mauretanien bis Mali zu kommen. Man sagt für gewöhnlich dass sich Pläne beim Reisen ständig ändern. In diesem Fall gibt es jedoch keine Option ausser der 480 km langen Strecke durch die Wüste, also hoffe ich auf eine Mitfahrgelegenheit mit Klimaanlage und kühlem Bier.

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KLEINANZEIGEN

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X He i l b ro n x . De r Na m e soll der Legende nach von Ne w Yorker G Is , d i e h i e r s t a t i o nier t waren, geprägt worden sein. Un s e re Mi t a r b e i t e r i n Ma vinga Petrasch schickt uns jeden Monat Vi d e o gr üße aus Ne w York. Di e s m a l : Fr a u e n s i n d u n ter den Gitarristen ja eher selten. Umso s c h ö n e r, d a s s d i e Gi t a r r i s tin Carolyn »Honeychild« Coleman Zeit f a n d , u m m i t d e m H A N I X-Team durch die Straßen Ne w Yorks zu z i e h e n u n d u n s e re r Re p o r terin Mavinga ihren ganz persönlichen » C a n d y St o re « vo r s t e l l t ! Wenn es um Kreativität geht, kennt die Mu s i k e r i n k e i n e n Gre n ze n. Sie schreibt ihre Texte selbst, sie krei e r t i h re Mu s i k v i deos und ist als DJane unter wegs.

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AUS DEM VIA ARCHIV PinnBoarD VIA GRAFIK Als wir im Spätsommer 2006 in die bayerische Provinzmetropole Ingolstadt aufbrachen, um dort diese für einen Innenraum wirklich große Wand anzumalen, hatten wir wenig Vorstellung davon, wie ausgeprägt und dadurch spannend der Kontrast zwischen unserer Arbeit und dem Publikum, das zu großen Teilen aus den flanierenden Gästen eines angrenzenden Stadtfestes bestand, wohl sein würde. Bei vielen Vertretern gediegenen Wohlstands und bürgerlicher Genügsamkeit sorgten die sechs Meter hohen Chicks unserer Girlband sichtlich für Erstaunen und wir hatten unseren Spass, dies zu beobachten. Nach einer schönen Woche intensiver Arbeit und bei aller Dankbarkeit unseren Gastgebern gegenüber, die für tolle Rahmenbedingungen gesorgt hatten, machten wir es nach der Feier dann doch schnell wie unser holländischer Kollege ZEDZ: »leaving the shithole«. leo vollanD Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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»Spoilt«, Ausstellung in Ingolstadt, 2006

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EIN HAUSBESUCH VON JOHANNES LINDENLAUB JA N E K N O B LOCH Unweit d e r So n n e n a l l e e h ä n g t i n e iner Seitenstraße ein umfunktionier ter Kaugummi a u t o m a t , a n d e m m a n Ku n s twerke ziehen können soll. Er sieht nicht sehr ver trau e n s e r we c k e n d a u s . Di e Ge n trifizier ung ist in diesem Teil Neuköllns noch nicht a l l z u we i t f o r t g e s c h r i t t e n . Ei nige her untergelassene und vollgesprayte Rolläden d e u t e n a u f l ä n g s t g e s c h l o s s e ne Geschäfte hin, viele der geöffneten Läden haben t ü rk i s c h e Na m e n , u n d n e b e n einem Hauseingang erinnern Plakate an die vom N S U e r m o rd e t e n Me n s c h e n . Die Eckkneipe »Zum Anker« wirbt mit »betreutem Tr i n k e n « , au f d e m a n g re n ze n d en Spielplatz durchsucht ein Mann mi t einem Metall d e t e k t o r d e n Sa n d k a s t e n n a ch verlorenem Taschengeld. Weit über diesen Szenen b e f i n d e t s i c h d i e z u g e w a c h sene Dachterrasse von Jane Knobloch und ihrem Freund . Da r a u f s t e h t e i n e Ba d e w a nne. In kühlenden Nass liegend, mit einem Pastis in d e r Ha n d u n d vo r n e u g i e r i g en Blicken durch Tomaten- und Paprikapflanzen geschü t z t , l i e ß e e s s i c h h i e r s e h r g ut aushalten, sagt Jane.

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BERLIN CALLING: JANE KNOBLOCH HAN I X -- W a r u m b i s t d u n a c h B e r l i n gekommen? JK -- Ich bin für mein ErziehungswissenschaftsStudium hergezogen. Nach der Schule wollte ich raus aus dem Schwabenland, und Berlin war die erste Alternative. Dass ich im sozialen Bereich arbeiten will, weiß ich schon, seit ich 13 oder 14 Jahre alt war. Jetzt arbeite ich als Familienhelferin mit heroinabhängigen Eltern und mache nebenbei noch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. die unterschiedlichsten Menschen freundlich miteinander umgehen, obwohl sie auf engem Raum miteinander leben. Da kann die wohlsituierte Omi problemlos neben der Prostituierten wohnen. So wie ich Heilbronn in Erinnerung habe, ist das dort nicht denkbar. HANIX -- Umgekehrt: Was könnte Berlin von Heilbronn lernen? HAN I X -- Und was machst du, wenn du mal nicht arbeiten musst? Die Mülltrennung. Die ist hier wirklich eine Katastrophe. JK -- HANIX -- Gibt es etwas, das dich hier total nervt? Seit wir diese Wohnung haben, gärtnern wir ziemlich viel. Wir haben Tomaten, Paprika, Bohnen, Erdbeeren und jede Menge Kräuter auf der Terrasse. Und natürlich nutzen wir Berlins Kulturangebot, gehen feiern oder in meine Lieblingskneipe - das Sofia in der Wrangelstraße. JK -- HAN I X -- Was könnte Heilbronn von Berlin lernen? JK -- Wenn ich in Eile bin, nervt es mich total, dass es in Berlin offensichtlich auffallend viele Leute gibt, die ihre Einkäufe nach dem Bezahlen total langsam einpacken - das bin ich aus Heilbronn wirklich anders gewöhnt. JK -- HANIX -- Hast du schon Erfahrungen mit dem Berliner Schwabenhass gemacht? Gelassenheit und Toleranz. Ich versuche mir manchmal vorzustellen, wie es wäre, wenn ich mit meinen Klienten in Heilbronn durch die Straßen laufe. Ich glaube, die Leute würden nicht verstehen, warum ich mich mit von mir so sehr unterschiedlichen Menschen abgebe - dabei denke ich natürlich an ganz besondere Klienten, mit denen ich mich hier bewege. In Berlin ist es selbstverständlich, dass Ich persönlich keine (was an meinem fehlenden Dialekt liegen könnte, d.Red.). Aber eine Freundin von mir wohnt in der Wiener Straße, gegenüber vom Spätzle-Express. Dem wurden neulich die Scheiben eingeschmissen, und das hat sie schon ziemlich beeindruckt. JK -- HANIX -- Was ist das Tolle an Berlin? JK -- Dass es mein Zuhause geworden ist. hat mich toleranter gemacht. HANIX -- Hat dich dein Zuhause verändert? JK -- Es stecKBrieF HANIX -- Wie ist dir das aufgefallen? Alter: 31 Beruf(ung): Fa m i l i e n h e l f e r i n / Psyc h o t h e ra p e u t i n K i n d e r : ke i n e H a u s t i e re : 0 M i t b ewo h n e r I n n e n : 1 In Berlin seit: 2002 Heilbro n n b e s u c h e p. A . : e i n b i s z we i Besuch von He i l b ro n n e r n p. A . : f ü n f b i s s e c h s M a l Berliner Lieblingso r t : L a n d we h r ka n a l a m » D re i l ä n d e re c k« zwischen Treptow, K re u z b e rg u n d N e u k ö l l n - w ä h re n d d e r K i rs c h b l ü t e n s a i s o n ! Hmmm... als Beispiel: Ich habe hier eine zeitlang mit einem guten Freund zusammengewohnt, mit dem ich die Berliner Schwulenszene erkundet habe. Dadurch habe ich superskurile Menschen getroffen, die ziemlich verrückte Fetische ausgelebt haben. Das hat mich anfangs abgeschreckt. Aber dieses Gefühl ist innerhalb kurzer Zeit einfach verschwunden - weil ich gemerkt habe, dass wir abseits von dieser Fetischgeschichte Schnittmengen haben, in denen wir uns treffen können. Und diese Erfahrung hilft mir nicht nur bei meiner Arbeit immer wieder weiter. JK --

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L E SERBRIEFE Hallo HANIX-Team, über eine Bekannte erfuhr ich von euch und freue mich, dass ich nun ausgewählte Berichte aus meiner alten Heimat bekomme. Sehr schön. Gefällt mir. Gratulation. Ich bin in Neckarsulm groß geworden, aber schon seit 1993 nicht mehr im Unterland, wobei ich immer noch einen Draht ins Ländle habe. Weiter so, freue mich schon auf die nächste Ausgabe! Karl HucK, DortmunD Liebe Redaktion, ich sitze seit über zwei Jahren in Südafrika und halte mich über HANIX auf dem Laufenden. Ihr seid für mich eine wirkliche Verbindung in meine alte Heimat. Dankeschön! micHael müller, JoHannesBurG Liebe HANIXE, ich bin total begeistert. Euer Magazin rockt total! Auch die Interaktivität verblüfft. Komm mir ganz alt vor, bin ich doch aber noch gar nicht. mareiKe Knie, HeilBronn Liebe Redaktion, ich freue mich jeden Monat aufs Neue auf die nächste Ausgabe. Wegen euch habe ich sogar mein Leseverhalten geändert. Ich schmökere jetzt wirklich gerne und immer mehr am Bildschirm. Und zum Gucken und Hören gibt es bei euch ja auch genug, falls ich mal lesemüde werde. Weiter so, wünsche der Idee Durchhaltevermögen und Erfolg. micHaela merz, HeilBronn Hallo ihr selbsternannten Medienmacher! Eure Arbeit ist klasse. Eine wirkliche Bereicherung der regionalen Medienlandschaft. Man kann euch nur besten Erfolg wünschen. Ich drücke alle Daumen, die ich zur Verfügung habe. D av i D m a i e r , GunDelsHeim Holla die Waldfee! Ja gibt es denn so was. Ein Freund, der aus Heilbronn stammt und inzwischen in München wohnt hat durch euer Magazin geblättert. So bin ich darauf aufmerksam geworden. Ich selbst habe mit Heilbronn wenig am Hut aber habe trotzdem begeistert durch euer Magazin geblättert. Wollt ihr nicht nach München expandiren. Dieser Schicki-Micki-Stadt täte eine Publikation wie euer HANIX gut. Also traut euch und macht MUNIX. K at H r i n s c H m o l l , müncHen

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IMP R E S S U M Verlag und Redaktion 74ELF Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Salzstraße 27 74076 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Rafaela Jeckle, Johannes Lindenlaub, Maria Sanders, Sascha Wartha, Katharina Voos, Michael Dikta, Klemens Schaika, Harald Riegg, China Hopson, Leo Volland, Peter Wanner & Arnd Kolb (Stadtarchiv Heilbronn), Parthena Iakovidou, Christina Eiber, Alexander Mirsch, Katrin Michl-Erimel, Patrick Ortwein, Sven Buchholz E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka (Leitung), Robert Beutelsbacher, Sarah Fischer, Matthias Bitsch, Mavinga Petrasch (New York), Stefan Dittrich, Lisa Maria Klotz, Ben Sommerfeld, Nicolai Köppel, Steven Zuleger, Ferdinand Körner Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Lisa Hofmann, Florian Geiger, Kathrin Leisterer, Via Grafik Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) PR & Netzwerk Philipp Kionka (KK Media / www.kk-media.de), Florian Hettenbach Technischer Ansprechpartner: info@kk-media.de Vermarktung & Sales HETTENBACH GMBH & CO KG WERBEAGENTUR GWA Werderstraße 134 74074 Heilbronn: Jessica Zippan Telefon: 07131 - 79 30 121 Fax: 07131 - 79 30 229 Mail: zippan@hettenbach.de www.hettenbach.de www.hanix-mediadaten.de Verlagskoordination & Administration Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.hanix-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Die Zuwanderung von Türken nach Heilbronn begann erst in den 1960er Jahren, als in Zeiten des »Wirtschaftswunders« die Arbeitskräfte auch in der Region knapp wurden. Aber das ist keineswegs der Beginn von Kontakten zwischen Heilbronnern und Türken. Im Gegenteil - schon seit mehr als 500 Jahren steht die Auseinandersetzung mit der Türkei und ihrer Kultur auch auf der lokalen Agenda, zunächst unter kriegerischen Vorzeichen, dann unter wirtschaftlichen und schließlich auch unter politischen. Durch die osmanische Eroberung des Balkan und die erste Belagerung von Wien gewann das Thema auch in Heilbronn an Brisanz und Bedeutung. Und so ist es auch kein Zufall, dass die erste bekannte bildliche Darstellung eines Türken in Heilbronn aus den 1520er Jahren stammt: Hans Schweiner, der Baumeister des Turms der Kilianskirche, hat in einem Medaillon die Profilansicht eines türkischen Mannes mit Turban und Schnurrbart festgehalten. Es handelt sich um ein Bildnis des Sultans Süleyman I. des Prächtigen, der von 1520 bis 1566 regierte, das Hans Schweiner nach einem zeitgenössischen Bildnis geschaffen hat.  Süleyman gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Osmanischen Reichs; er heißt deshalb auch »der Große« und »der Gesetzgeber«. Er galt den Zeitgenossen als toleranter Herrscher, was etwa im Urteil von Martin Luther über ihn anklingt, dass »etlich sein Regiment darin loben / das er jederman lest gleuben / was man will / allein das er weltlich Herr sein will«. Darin liegt wohl auch die Botschaft Hans Schweiners: Das Porträt Süleymans ist das einzige am Kiliansturm, das nicht karikierend gestaltet ist. Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Einblicke in die Geschichte der Stadt gibt es auf www.stadtarchiv-heilbronn.de und im neuen Haus der Stadtgeschichte, das am 28. Juli 2011 eröffnet wird. 

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Das erste Heilbronner Bildnis eines Türken - ein Medaillon mit dem Porträt des Sultans Süleyman I. vom Turm der Kilianskirche (vor 1529; links). Als Vorbild diente wohl ein Porträt des Sultans Süleyman I. wie diese Radierung von Hieronymus Hopfer (rechts).

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V E R A N S TA LT U N G E N IM APRIL April k2acht: Judy Bailey Judy Baileys neue CD »travelling« ist erschienen. Die Künstlerin, die schon in über 25 Ländern auf allen Kontinenten aufgetreten ist, speilt an ungewöhnlichen Konzertorten. Ein Autohaus, eine Fabrik, ein Gefängnis, ein Supermarkt. Und das k2acht. Beginn 19.45 Uhr 6. April 13. April Mobilat: PlemPlem Presents «An Expert in Nothing« Café Wilhelm: Poetry Slam - wird ein Abend zwischen Performance und elektroEs nischer Geräusche Dehnung. Im Mittelpunkt steht die visuelle Show der französischen allround-Künstlerin, Perrine en Morxeaux, die von weiteren Top Acts begleitet wird. Alles in Allem eine bewegende Mischung zwischen Schwere, Trance und tanzbarer Stimmung Beginn 21.30 Uhr - Eintritt 5EUR 8. April Bukowski: Elektronische Hasen Nach hoffentlich erfolgreicher Eiersuche im Garten gibt's im Bukowski mit drei besonders fette Überraschungen weiter. Also schnappt Euch Euren Hasen und schlagt auf dem Weg zu uns nicht zu viele Haken! Beginn 23 Uhr Gruselig: Am Freitag den 13. im April wird sich im Café Wilhelm zum achten Mal die Poetry Slam Szene treffen. Wie immer mit sehr schönen, höchst sympathischen und tollen Poeten! Neben dem bereits feststehenden, fein ausgewählten LineUp sind allerdings auch noch der ein oder andere Platz auf der offenen Liste frei! Also entweder unter info@popbuero-hn.de anmelden oder bis spätestens 19:30 Uhr vor Ort bei den Moderatoren Philipp Herold und Nektarios Vlachopoulos melden. Am Start: - Stefan Dörsing Indiana Jonas - Meret Cepero Malo - Marvin Suckut - Mila Müller - Nigges Groschke - Svenja Schmitt - Dejan Stein + offene Liste! Special Guest: Max Kennel!

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VER ANSTALTUNGEN: APRIL 2012 15. April Altes Theater Heilbronn: Steffen Möller »Expedition zu den Polen- Eine Reise mit dem Berlin-Warschau-Express« Schluss mit dem ewigen deutschen Geiz, der nervigen Besserwisserei und manischen Planeritis! Auf nach Polen, wo die Welt noch in Ordnung ist! In über fünfzig Schlagworten, von »Aberglaube« und »Anarchie« bis zu »Warschauer U-Bahn« versucht er, dem Geheimnis der polnischen Mentalität auf die Spur zu kommen: Und das ist einzigartig liebenswert und tierisch komisch. Beginn 20 Uhr 20. April 26. April Ebene3: Park Avenue - Finest Melodic Artrock Altes Theater Heilbronn: Simone Solga »Bei Merkels unterm Sofa« Mit ihrem eigenen Melodic-Artrock-Stil nimmt PARK AVENUE ihr Publikum mit auf eine Reise durch den Park des Lebens, mit seinen hellen, dunklen und mystischen Facetten. Die Band hat dafür ein Repertoire, das von sensiblen, verträumten Melodien, über coole Grooves, bis zu harten und kompromisslosen Progressiv-Elementen reicht, erarbeitet. Beginn 20.30 Uhr 20. April Simone Solga hat einen neuen Job. Als Kanzlersouffleuse unersetzlich, ist sie nun das »Mädchen für alles«. Sie hält Merkel den Schirm, flüstert ihr Kosenamen für den Gatten ins Ohr, sorgt dafür, dass sie bei der Koalitionsrunde eine gute Figur macht und schiebt sie genau so sicher über internationales Parkett wie über deutsches Laminat. Doch wo viel Merkel ist, ist auch viel Schatten und noch mehr zu berichten. Beginn 20 Uhr - Eintritt 25EUR 27. April - 1. Mai VHS Heilbronn: Lesung mit Balian Buschbaum »Mein Leben ist glücklich und erfolgreich, bis auf die Tatsache, dass ich im falschen Körper wohne.« 2007 kündigt die erfolgreiche Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum bei »Johannes B. Kerner« ihre bevorstehende Geschlechtsumwandlung an. Für Balian, wie er sich fortan nennt, ist das der letzte Schritt auf dem Weg zu seiner wahren Identität, für den er sogar die Olympia-Teilnahme opfert. In seinem Buch erzählt er von seinem Leben als Mann in einem Frauenkörper und seiner Befreiung daraus . Beginn 19 Uhr 21. April Theresienwiese Heilbronn: Maifest Wien hat seine Frühlingsstimmen, München seine Auer Dult, Amsterdam seine Tulpen und Heilbronn? Für die Metropole im Unterland gilt das Maifest als untrüglicher Frühlingsbote. Für Spaß und Unterhaltung sorgen über 40 Schausteller mit ihren Fahr- und Unterhaltungsgeschäften sowie Marktkaufleute mit ihren Verkaufsständen. Gemütlich geht es bei guter Unterhaltung im Festzelt zu. 28. April Cave 61: John Abercrombie mit Quartett Mobilat: God Save The Queen - SPOILED NIKITA LIVE Spoiled Nikita sind eine Band, die rumpelt, mäandert und kracht - und das alles mit Struktur. Ihr Sound ist klar und scheint irgendwo zwischen Post-Punk, Noise und Indierock auf. Man könnte sie glatt in die Rubrik »trockene Grauschattierung« stecken, wenn es hier nicht soviel Aufregung und Engerie gäbe. Beginn 21.30 Uhr - Eintritt 5EUR Den krönenden Abschluss des Aprils - dem Monat der Jazzgitarre im Cave61 - bildet der weltbekannte Gitarrist John Abercrombie im Quartett mit Marc Copland, Drew Gress und Joey Baron. Nun sind sie auf Tour und das ergibt: Kammermusikalischer Jazz? Zeitgenössische klassische Musik? Improvisierte Kammermusik? Von allem etwas und zusammen einfach großartige Musik.  Beginn 21 Uhr - Eintritt 20EUR Vvk

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KLEINANZEIGEN V E G E TA R S C H E S V E G E T A R II S C H E S R E S TA U R A N T R E S TA U R A N T Mo - Sa 10- 22 Uhr MITTAGSTISCH & ABENDKARTE

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D I E N Ä C H ST E AU SGA B E H A N I X E R SC H E I N T A M 3 0. A P R I L 2 0 1 2